AI-generiertes Stillleben: ein Fächer dünner gehefteter Broschüren mit schlichten, verblassten Umschlägen auf einem dunklen Tisch, eine Lupe darauf

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Betrachtungen über China, Band 2

Enver Hoxha · Abteilung Literatur über Albanien · 218.278 Wörter

AI-generiert

Literatur über AlbanienDigitalisat, Text unverändert

BETARCHTUNGEN UBER

CHINA II

 1973 - 1977

 AUS DEM POLITISCHEN TAGEBUCH

Tirana 1979

INHALT:

Das Jahr 1973

Das Jahr 1974

Das Jahr 1975

Das Jahr 1976

Das Jahr 1977

1973

MONTAG,

15. JANUAR 1973

EINIGE ANTIMARXISTISCHE ERKLÄRUNGEN

TSCHOU EN-LAIS

In den ersten beiden Januarwochen statteten China unter anderem eine italienische Regierungsdelegation unter Leitung von Aussenminister Medici und eine kongolesische Delegation (aus Zaire) unter Leitung des Präsidenten dieser afrikanischen Republik, General Mobutu, offizielle Besuche ab.

Beide 'Delegationen wurden von Tschou En-lai empfangen, der mit ihnen natürlich über politische und andere Fragen sprach. Er gab Erklärungen ab und bekräftigte einige seiner politischen und ideologischen Ansichten, die, wie ich meine, ihres «spezifischen» Charakters wegen von besonderer Bedeutung sind. Das ist es, was mich dazu veranlasst, diese Anmerkungen zu Papier zu bringen.

Mit dem Italiener Medici hatte Tschou En-lai ein Treffen, bei dem die beiden ihre Meinungen austauschten. In der chinesischen Presse wurde jedoch nichts verlautbart, sieht man von der Meldung ab, das Treffen sei «herzlich» gewesen. Presse, Rundfunk und Fernsehen in Italien dagegen gingen nicht nur ausführlich auf Medicis Reise und seine Gespräche mit Tschou En-lai ein, sondern stellten auch folgende Erklärung Tschou En-lais besonders heraus:

China bejaht die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, bejaht die Schaffung eines «Vereinten Europa», mit dessen Aufbau die Staaten Westeuropas begonnen haben, und heisst sie gut.

Auf dem offiziellen Bankett, das er für Mobutu gab, erklärte Tschou En-lai unter anderem ohne Umschweife: «Trotz aller Unterschiede zu Zaire in der Regierungsform gehört China, wie natürlich auch Zaire, zur dritten Welt...» Das ist eine offizielle Erklärung, die in der chinesischen Presse kam.

Was die Erklärungen Tschou En-Iais gegenüber Medici anbelangt, lässt sich immerhin vermuten, dass die italienische Presse ein Interesse daran hat, sie zu verdrehen und auszuspinnen. Das ist schon möglich, doch solange von China selbst kein offizielles Dementi kommt, muss man annehmen, dass diese Erklärungen abgegeben worden sind. Wir ziehen dabei in Betracht, dass derlei Ansichten über den Gemeinsamen Markt und das «Vereinte Europa» auch von den Botschaftern Chinas in den Ländern Europas unseren Genossen Botschaftern gegenüber geäußert worden sind. Es handelt sich also um eine politische Richtlinie, die aus dem Zentrum, aus Peking kommt, eine Linie und eine Direktive, die vom ZK der Kommunistischen Partei Chinas und der chinesischen Regierung ausgegeben wurde. Und nun wird diese Linie also ohne Zögern in die Praxis umgesetzt. Mit dieser Linie und dieser Orientierung sind wir nicht nur keinesfalls einverstanden, wir sind sogar dagegen, weil sie grundsätzlich und in der Praxis falsch sind, weil sie der marxistisch-leninistischen Linie nicht entsprechen, sondern zuwiderlaufen. Das sind revisionistisch-opportunistische Auffassungen; sie tragen nicht zur Revolution, zum Erwachen und zum revolutionären Kampf der Völker gegen Imperialismus, Kapitalismus und die reaktionäre Bourgeoisie bei.

Machen wir uns das einmal klar: Wie begründen die chinesischen Genossen, besonders Genosse Tschou En-lai, der Vorkämpfer dieser Linie, diese entscheidende politische Haltung in der Linie? Nur mit der «Ausnutzung der Widersprüche zwischen dem amerikanischen Imperialismus und dem sowjetischen Sozialimperialismus»? «Kämpfen wir, um diese Widersprüche zu vertiefen», sagt Tschou En-lai. So weit, so gut. Doch zu wessen Gunsten vertiefen wir diese Widersprüche, gibt es nur sie? Gibt es keine anderen Widersprüche - bekannte und bislang unbekannte, die wir auffinden müssen -, um deren Vertiefung im Interesse der politischen und wirtschaftlichen Freiheit, der Souveränität, der Selbstbestimmung der Völker, im Interesse der Revolution wir kämpfen müssen?

Diese Widersprüche, die es gibt und die sich täglich mehr verschärfen, wer verursacht sie? Wo haben sie ihren Ursprung, sind sie einfach oder komplex? Bestehen sie nur zwischen den beiden Supermächten oder greifen sie weiter, tiefer? Dürfen es sein, dass wir Marxisten-Leninisten unser Interesse allein darauf beschränken, die Widersprüche zwischen dem imperialistischen Amerika und der revisionistischen Sowjetunion zu vertiefen? Dürfen wir darüber die Widersprüche vergessen, die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren «Verbündeten», zwischen der revisionistischen Sowjetunion und deren «Verbündeten», zwischen diesen beiden Supermächten und den Staaten der «dritten Welt», die zu ihrer Einflusssphäre gehören, bestehen und die vertieft werden müssen?

Dürfen wir die grosse Sache der Klasse, den Kampf des Proletariats vergessen, das heisst, die Lösung des grossen Widerspruchs zwischen dem Proletariat und der kapitalistischen Bourgeoisie, zwischen dem Kapital und dem Proletariat, zwischen dem Proletariat und dem Volk einerseits und der kapitalistischen Oligarchie und ihrer Staatsmacht andererseits? Dürfen wir vergessen, dass die Staatsmacht der Bourgeoisie im Kampf zerschlagen, dass an ihrer Stelle die Diktatur des Proletariats errichtet werden muss, um die bürgerliche kapitalistische Ordnung durch die sozialistische Ordnung zu ersetzen?

Wenn wir dies vernachlässigen und vergessen, oder wenn wir mit Formeln Spiegelfechterei,betreiben, in Wirklichkeit aber anders handeln, dann betrachten, beurteilen und behandeln wir die Dinge nicht wie Marxisten.

Nehmen wir uns eine Frage nach der andern vor. Es bestehen tatsächlich Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, und wir müssen sie vertiefen. Worauf sind diese Widersprüche zurückzuführen, worauf gründen sie? Sie entspringen dem Wesen, den ewigen Zielen des Kapitalismus selbst, der erbarmungsloser Ausbeutung des Proletariats, ~der Versklavung der Völker. Der Imperialismus, das letzte Stadium des Kapitalismus, ist am Verfaulen. Um die Völker geknechtet zu halten, die Revolution zu unterdrücken, die Rivalen, die ihm in der internationalen Arena entgegentreten, zu schlagen, kämpft er mit Blut und Eisen, Politik und Ideologie. Seine entscheidenden Feinde, die ihn schließlich vernichten werden, sind die Völker, ist das Weltproletariat, ist die Revolution.

Die Geschichte beweist, dass die Rivalität zwischen den kapitalistischen Gruppierungen eines Landes und den kapitalistischen

Gruppierungen eines anderen Landes oder zwischen Kapitalistengruppen einiger Länder und Kapitalistengruppen einiger anderer Länder um die Beherrschung der Welt, um die Schaffung und Erweiterung ihrer Kolonialreiche, um die Aufteilung der Einflusszonen und Märkte Konflikte heraufbeschworen und die Welt in blutige Kriege gestürzt hat, die grosse Krisen für die Menschheit waren. Ihr Zweck lag in der Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen, der Völker, der schwächeren Staaten durch die stärkeren. Die Demagogie der Kriegstreiber und Sklavenhalter täuschte Menschen und Völker, indem sie ihre gesunden Bestrebungen missbrauchte, und trotzdem konnte nichts ihren Drang nach Freiheit, Unabhängigkeit, Befreiung und Revolution zum Erlöschen bringen. Dieser Drang und diese Bestrebungen gewannen immer mehr an Kraft. Die unterdrückten und ausgebeuteten werktätigen Massen wurden zur entscheidenden Triebkraft des Fortschritts, zum unerbittlichsten Gegner des knechtenden Kapitalismus, des Imperialismus. Die Verwandlung der Sowjetunion in ein kapitalistisches Land konnte genauso wenig wie die Verwandlung einer Reihe volksdemokratischer Länder in bürgerlich kapitalistische Staaten etwas an dieser Entwicklungstendenz ändern. Die Revolution marschiert voran, der Sozialismus beweist unablässig seine Lebenskraft, der amerikanische Imperialismus, Führungsmacht einer Reihe kapitalistischer Staaten, und der sowjetische Sozialimperialismus, Führungsmacht einer Reihe revisionistischer Länder, stecken in einer tiefen politischen, ideologischen, wirtschaftlich-finanziellen, kulturellen und militärischen Krise.

Diese grossen tödlichen Krisen werden dieser verfaulten, untergehenden Welt bereitet durch die Streiks, die Proteste usw., durch die Revolution, die überall brodelt, durch den Befreiungskampf der Völker in all seinen Formen und Stadien, in denen er sich auf der ganzen Welt entwickelt. Dies ist die Grundlage unseres Kampfes gegen den Imperialismus und den Sozialimperialismus, das sind dies entscheidenden Waffen, die wir gebrauchen müssen, um jene zu bezwingen. Im Sinne dieses grossen Ziels müssen wir auf richtige Weise unsere Strategie und Taktik des Kampfes aufbauen. Und auf diese Prinzipien, nicht aber auf Phantasien, auf Abenteuer oder opportunistische Auffassungen müssen wir uns stützen, wenn es darum geht, die Widersprüche zwischen den Feinden zu vertiefen.

Bekanntlich ging der amerikanische Imperialismus aus dem Zweiten Weltkrieg mächtig und mit einem aggressiven Wirtschafts-rund Militärpotential hervor. Er übernahm die Rolle des Weltgendarmen und arbeitete, um all den reaktionären kapitalistischen Kräften in Europa, in Lateinamerika und anderswo wieder auf die Beine zu helfen. Dem amerikanischen Imperialismus standen das grosse Lager des Sozialismus und alle Völker der Welt gegenüber, die nach Befreiung strebten, für Befreiung 'kämpften.

Innerhalb weniger Jahre richteten die Vereinigten Staaten von Amerika das Bonner Deutschland, Italien, die französische und englische kapitalistische Wirtschaft usw. wieder auf, versäumten es aber nicht, dafür zu sorgen, dass bei jeder Veränderung, die in diesen Ländern stattfand, ihre «Ration» gesichert war, ihnen selbst also der Löwenanteil zufiel. Die Vereinigten Staaten von Amerika «erleichterten» diese Länder um ihre Kolonien, die sie mit neuen Methoden zu ihren eigenen machten. Unter dem Vorwand, diese Staaten wiederaufzubauen, festigten die amerikanischen Imperialisten ihre Hegemonie auf der Welt, spannten die «Verbündeten» durch alle möglichen Militär- und Wirtschaftsverträge vor ihren Karren. All dies diente in erster Linie dazu, die amerikanische Hegemonie zu festigen die reaktionäre Bourgeoisie in allen Ländern zu stärken, jede Volksbewegung, jede Bestrebung der Völker in diesen Ländern und auf der Welt zu unterdrücken und einen eisernen Block gegen die sozialistische Sowjetunion, gegen den 'Kommunismus zu schaffen. Weder die sozialistischen Länder noch die Völker der Welt liessen sich jemals durch den kalten Krieg, die einzelnen Aggressionskriege und die Drohung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Atombombe einschüchtern.

Der grosse Verrat der Sowjetrevisionisten schwächte das Lager des Sozialismus, konnte jedoch weder die Weltrevolution an ihrem Vormarsch hindern noch den Sozialismus als sozialökonomische Ordnung, noch die marxistisch-leninistische Ideologie vernichten. Und ebenso wenig konnte er den Wunsch und das Streben der Völker schwächen, für den Sozialismus zu kämpfen. Der Marxismusleninismus ist unsterblich und stets siegreich.

Was aber geschah? Verschwanden etwa die Widersprüche unserer Epoche in ihrer ganzen Vielschichtigkeit durch den Verrat der Sowjetrevisionisten? Keineswegs. Sie nahmen zu. Dies gilt gleichermaßen für die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion wie für ihre Verbündelen, ungeachtet, der Vertrage, der Abkommen, der diplomatischen Übereinkünfte usw. usf. Die Widersprüche, die amerikanischen Imperialisten und die Sowjetrevisionisten untereinander haben, können niemals verschwinden oder sich auch nur verringern, im Gegenteil, sie nehmen zu, werden größer. Ihr Ursprung, ihre Grundlage ist stets das, was ich obere ausgeführt habe. Gegenwärtig befinden sich die beiden Supermächte trotz ihrer Widersprüche im Bündnis miteinander, wenn es darum geht, die wahrhaft sozialistischen Länder, die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, das Streben der Völker nach Freiheit, Selbstbestimmung und Souveränität zu bekämpfen, die gerechten Kämpfe der Völker zu bekämpfen und zu ersticken. In allen diesen Punkten sind sie sich einig. Sie sind also übereingekommen, den Sozialismus und Kommunismus zu bekämpfen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika kämpfen, um ihre Hegemonie auf der Welt zu erhalten; die Sowjetunion kämpft, um ihre Hegemonie zu errichten. Folglich rivalisieren sie bei der Aufteilung die Einflusszonen, rivalisieren sie darum, die Bündnisse dieser beiden Supermächte mit den anderen zu unterminieren. Dies geht ein in das Spiel um Einflusszonen und führt natürlich weiterhin zu neuen Widersprüchen, zu ernsten Reibereien, möglicherweise auch bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Atombombe dient bislang als Abschreckungsfaktor, um den Ausbruch von Konflikten zwischen den beiden Supermächten zu verhindern.

Der .Amerikanischen Imperialismus und seine europäischen Verbündeten wollen die sowjetische imperialistische Macht schwächen und kämpfen darum, diese Schwächung komplett zu machen, damit sie ihre Gefährlichkeit verliert, und zwar nicht nur ideologisch. Vielmehr wollen sie auch wirtschaftlich von sich abhängig machen und ihre aggressive militärische Kraft schwächen, vor der sich die Vereinigten Staaten von Amerika fürchten. Und in dieser Hinsicht sind auch ihre anderen Verbündeten mit ihnen einig. Deshalb streben sie danach, die Abhängigkeit der Länder des Warschauer Vertrags von der Sowjetunion zu beseitigen. Dabei haben sie nicht wenige 7rfolge erzielt, und mit Sicherheit werden weitere dazukommen, denn die Satelliten der Sowjetunion in Europa, von Rumänien bis Polen, haben ein Auge auf die Vereinigten Staaten von Amerika, auf die deutsche Bundesrepublik, auf Frankreich und England geworfen. Schachereien hinter den Kulissen der Geheimdiplomatie sind an der Tagesordnung. Die Imperialisten haben fürchterliche Angst vor den Völkern.

Obwohl wirtschaftlich wieder auf die Beine gekommen, stecken die kapitalistischen Länder Europas in einer schweren Krise, und die Völker, die dort leben, werden von den Oligarchien in ihren Ländern unterdrückt. Überall gibt es Streiks, Demonstrationen, bewaffnete Zusammenstösse bis hin zum Krieg wie in Nordirland. Was zeigt das? Die Fäulnis des Kapitalismus und das Anwachsen der revolutionären Kräfte. Doch in diesen Staaten gibt es nicht nur die Ausbeutung und Unterdrückung durch die einheimische Oligarchie, dort herrscht auch der brutale Stiefel des amerikanischen Imperialismus. In dieser Situation wollen sich auch jene Staaten des amerikanischen Stiefels entledigen. Doch wie? De Gaulles Loslösung von der NATO und die Schaffung einer selbständigen atomaren Schlagkraft durch Frankreich, die Bildung der Europäischen Wirtschaftgemeinschaft, die Idee «Vereinigter Staaten von Europa», die ins Gespräch gebracht worden ist, und das ständige Ringen um ihre Schaffung - all dies dient nicht nur dem Ziel, sich vom amerikanischen Diktat freizumachen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass die Bourgeoisie meint, durch die Vereinigung der Großmonopole dieser Länder lasse sich eine kompakte wirtschaftliche, politische und militärische Macht schaffen, die besser in der Lage ist, die Volksrevolten und Volksrevolutionen zu unterdrücken, die ihr schon jetzt unüberwindliche Schwierigkeiten bereiten, Schwierigkeiten, die sich später infolge der chronischen Krisen noch düsterer darstellen werden. Doch mit all diesen reaktionären Plänen wird sie nichts lösen. Die Oligarchien dieser Staaten wollen die NATO, das heißt die militärische Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika beibehalten, bis sie sich gegen die von der Sowjetunion ausgehende Bedrohung abgesichert haben. Dabei gibt es eine Reihe von Widersprüchen: die Vereinigten Staaten von Amerika wollen die NATO erhalten, möchten aber nicht, dass die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu einer Barriere für sie wird und, noch schlimmer, dass die «vereinigten Staaten von Europa» zu einer Großmacht wenden. Welcher der Staaten, die sich in dieser Organisation zusammenschlissen werden, wird dominieren? Frankreich, Westdeutschland oder England? So entstehen neue Rivalitäten, neue «Bündnisse», ständige Streitereien, die wir Marxisten-Leninisten richtig zu analysieren, richtig vorauszusehen haben, zu denen wir eine richtige Haltung einnehmen müssen.

Kommen wir nun auf Tschou En-lais Erklärungen zurück. Um sie besser auszuleuchten, war ich genötigt, diese vielleicht etwas zu ausführlich erscheinenden, aber dennoch nicht erschöpfenden Anmerkungen zu machen.

Die italienische Presse und der italienische Rundfunk äußern sich begeistern über die Haltung der Chinesen, die mit der Stimme Tschou En-lais Europa aufrufen, «in jeder Hinsicht zu seiner Einheit zu finden». Nach Aussage Tschou En-lais (immer auf der Grundlage der Angaben der italienischen Presse), stellt «der Prozess der europäischen Integration ein wesentliches Element auf dem Weg zur wahren Entspannung» dar. Nach Berichten dieser Presse legte Tschou En-lai. Betonung darauf, dass «dieser Prozess notwendigerweise nicht auf den wirtschaftlichen Bereich begrenzt werden» dürfe, sondern «auch das Feld der Politik und der Verteidigung erfassen» müsse. Klarer geht es nicht mehr. Da es nicht dementiert wurde, hat Tschou En-lai es wohl auch gesagt.

Diese Ansichten Tschou En-lai sind antileninistisch und reaktionär , sie widersprechen Lenins bekannten Thesen über das Problem der «Vereinigten Staaten von Europa». So stehen diese Auffassungen Tschou En-lais in einer Reihe mit denen der europäischen Reaktion.

Tschou En-lai tritt für die europäische Integration im Interesse s kosmopolitischen Großkapitals ein, das heisst für seine politische, wirtschaftliche und militärische Herrschaft über die Völker Europas, ist dafür, dass das eherne Gesetz des Kapitals über die Völker Europas regiere. Mit seinen Thesen ignoriert Tschou En-lai (der sich als der Theoretiker der Ausnutzung der Widersprüche gibt) vollständig die grossen und unüberbrückbaren Widersprüche zwischen dem Proletariat und den Völkern Europas auf der einen und den bürgerlich reaktionären Regimen ihrer Länder sowie den kapitalistischen Oligarchien auf der anderen Seite. Darüber hinaus vergisst er auch Widersprüche dieser Oligarchien untereinander. Also ruft Tschou En-laizur Einstellung des Klassenkampfes auf, ruft er zur europäischen Integration auf, ruft er dazu auf, die Widersprüche des europäischen Kapitalismus nicht zugunsten des Proletariats zu vertiefen. Zu Recht hebt also die reaktionäre Presse Tschou En-lai in den Himmel, und dazu hat sie guten Grund.

Das italienische Proletariat steht beinahe täglich im Streik. Die italienische Bourgeoisie ist bestrebt, dieser Zwickmühle zu entgehen. Italien ist zu einer Basis der Vereinigten Staaten von Amerika gegen das Proletariat geworden, doch der Nutzen bleibt aus. Die italienische Reaktion setzt auf den Polizeiknüppel, vermag aber die Streikwelle nicht aufzuhalten. Die Bourgeoisie kämpft für die europäische Integration, für die Schaffung der «Vereinigten Staaten von Europa», und es lässt sich leicht vorstellen, was sie sich davon verspricht und weich üble Aussichten sich für das Proletariat und die Völker Europas dabei bieten. Und hier kommt nun Tschou En-lai der Bourgeoisie zu Hilfe und empfiehlt den Völkern und dem Proletariat Europas, vertrauensvoll den Führern dieser Bourgeoisie zu folgen, anstatt sie aufzufordern: «Erhebt euch gegen die Klassenfeinde, bereitet ihnen das Grab und stosst sie hinein, wenn ihr nicht wollt, dass sie euch das Grab schaufeln.»

Doch was treibt Tschou En-lai dazu, so offen in Opposition zum Marxismus-Leninismus zu treten? Er geht von einer anderen Idee aus und meint: «Stärken wir diesem reaktionären europäischen Block den Rücken, tritt er doch auf, als sei er gegen den amerikanischen, besonders aber gegen den sowjetischen Block. Auf diese Weise vertiefen wir die Widersprüche zwischen den imperialistischen Blöcken zugunsten des Sozialismus.» Doch es stellt sich die Frage: Zugunsten welches Sozialismus werden denn diese Widersprüche vertieft, wenn man die Arbeiter und die Völker aufruft, sich nicht zu rühren, wie Schafe in den Pferch des kapitalistischen Hirten zu drängen? Der Sozialismus beschränkt sich in diesem Fall allein auf China, das sich von diesen Ideen Tschou En-lais inspirieren lässt.

Tschou En-lai sollte konsequent sein in seinen Auffassungen. Wenn er schon die europäischen Staaten dazu aufruft, sich unter Führung ihrer kapitalistischen Oligarchien zu integrieren, dann muss er auch den Warschauer Vertrag, die Besetzung der Tschechoslowakei gutheissen.

Tschou En-lai verkündet, er sei gegen die sowjetische Hege)nie über diese Staaten, in diesem Fall spricht er sich sogar für

«Desintegration» aus. Hier ist er nicht konsequent. Oder er ist konsequent in dem Sinne, dass sich die Satelliten der Sowjetunion Europa von dieser zu lösen und sich in das andere «vereinte» Europa zu integrieren haben, zu dessen Schaffung nicht nur die europäische Monopolbourgeoisie, sondern auch Tschou En-lai aufruft.

Tschou En-Iai tut nichts dafür, dass sich die Völker zur Revolution erheben. Er tut nichts, um die verschiedenen Glieder der kapitalistischen Kette zu schwächen, er trägt nicht dazu bei, dass die schwächsten Glieder dieser für die Völker so schweren Kette brechen. Stattdessen predigt er zum Nutzen Chinas, ohne es offen auszurechen, die Bildung verschiedener Blöcke, um die Kräfte, nicht auf marxistisch-leninistischem Weg, nicht auf revolutionärem Weg gegeneinander auszubalancieren. Natürlich müssen wir alle zugunsten sozialistischen China kämpfen, doch nur eines sozialistischen China und auf marxistisch-leninistischem Weg.

Tschou En-lai und die chinesische Führung geben an, an beiden Flanken zu kämpfen: sowohl gegen den amerikanischen Imperialismus auch gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Den Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika haben sie allerdings gedrosselt. Und das gerade zu einer Zeit, da diese einen barbarischen Krieg gegen Vietnam führen und ihren Aggressionskrieg anderswo fortsetzen. Gerade zu dieser Zeit behauptet Tschou En-lai: «In den Vereinigten Staaten von Amerika steht die Revolution vor der Tür.» Dem amerikanischen Imperialismus in diesen Krisenmomenten die Hand zu reichen, wie das China tat und tut, ist nicht nur nicht richtig, sondern heisst darüber hinaus, ihm Hilfestellung zu sten. Lässt sich so etwa Tschous These beweisen, dass «all das geschieht, um zum Nutzen des Sozialismus die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten zu vertiefen»? Haben Vietnam oder Nahe Osten irgend etwas dabei gewonnen? Wurden die Verbindungen der amerikanischen Imperialisten und der sowjetischen Soldimperialisten durch Chinas Eingehen auf den Nixon-Besuch geschwächt? Nichts davon hat sich bestätigt. Anscheinend ist die chinesische Politik für die Schaffung geschlossener Blöcke, die natürlich in Rivalität miteinander stehen und durch grosse Widersprüche zerfressen werden.

Vor einigen Monaten erklärte Dji Peng-fe, der chinesische Außenminister, annähernd folgendes: «China, Korea, Vietnam, Kambodscha, Laos und die anderen Länder Indochinas sind eine grosse Familie...» usw. Dabei fällt natürlich nicht das Wort «Block», «Lager», «sozialistische Länder», vielmehr riecht es nach «gelber Familie», «asiatischer Gruppierung», riecht es nicht gerade nach Marxismus-Leninismus. Heute rufen sie also zum «Vereinten Europa», zur «grossen Familie», zur «dritten Welt» auf, morgen mögen sie zur Integration der Länder Lateinamerikas oder «der schwarzafrikanischen Völker» aufrufen. Das ist die Tendenz, die sich in der chinesischen Politik bemerkbar macht, und diese Tendenz ist nicht marxistisch-leninistisch, nicht revolutionär. Das bedeutet, die Aufmerksamkeit der Völker vom wahrhaft revolutionären Kampf abzulenken.

Augenfällig antimarxistisch ist Tschous Erklärung auf dem Bankett für Mobutu. Er rechnete China zur «dritten Welt». Das heisst Leugnung des Sozialismus, das heisst, vor den Augen der Welt Chinas wahres Wesen und den Charakter seiner sozialökonomischen Ordnung zu verbergen. Das ist ein opportunistischer und antimarxistischer Standpunkt. Bekanntlich waren es Tito und seine Freunde Sukarno, Nehru und Nasser, die Idee von der «Welt» der angeblich blockfreien Länder aufbrachten, doch sie waren kapitalistische Bourgeois, sie selbst, ihre Staaten und Parteien waren und sind mit den Imperialisten und Sozialimperialisten verbunden. Sicher müssen die sozialistischen Länder zu vielen dieser bürgerlichen Staaten, die von den Chinesen der sogenannten dritten Welt zugerechnet werden, Verbindungen herstellen. 'Sie müssen ihnen in ihrem Kampf gegen den Imperialismus helfen, weil diese Staaten zu ihm tiefe Widersprüche haben. Doch sie dürfen die Eigenart der Politik unserer sozialistischen Ordnung nicht aufweichen, nicht die Tatsache verhüllen, dass wir sozialistische Länder, und dass unsere Parteien marxistisch-leninistische Parteien sind, usw.

Wenn man erklärt, man gehöre zur «dritten Welt», so heisst das, entweder Demagogie zu betreiben und zu versuchen, die anderen zu täuschen, oder aber in Wirklichkeit kein sozialistisches Land zu sein, so wie das titoistische Jugoslawien, sondern ein ganz und gar bürgerlich kapitalistisches Land.

Diese Erklärung bedeutet der Welt: «Sollen die Revisionisten das Banner der 'sozialistischen Länder', des 'sozialistischen Lagers', der 'sozialistischen Gemeinschaft' führen, wir gehören zur 'dritten Welt'.» Nein, diese These ist antimarxistisch. Wir Albaner sind damit nicht einverstanden. Das sozialistische Albanien ist und bleibt sozialistisch, auch wenn es schließlich allein stehen sollte. Wir werden weiter ein sozialistisches Land sein, auch wenn wir nur mehr wie eine kleine Insel auf der Weltkarte sein sollten. Wir werden getreu unserer marxistisch-leninistischen Ideologie zuversichtlich kämpfen, voll Vertrauen in die Revolution, in das Weltproletariat und die Volker, bis der Sozialismus und der Kommunismus auf der ganzen Welt triumphieren.

Wir Marxisten-Leninisten müssen einen Unterschied machen zwischen wesentlichen politischen Veränderungen wahrhaft demokratischen Charakters in einem Land und Veränderungen, die nicht diesen Charakter tragen. Die erste Art von Veränderungen müssen wir unterstützen, nicht aber die zweite. Reaktionäre politische Veränderungen müssen wir sogar bekämpfen.

Politische Veränderungen demokratischen und fortschrittlichen Charakters bedeuten eine Hilfe für die sozialistische Revolution. So können und dürfen wir, die sozialistischen Länder, uns von jenen Ländern und Staaten der sogenannten «dritten Welt» nicht isolieren, können und dürfen wir sie nicht ohne unsere Unterstützung lassen, wenn sie demokratische politische Veränderungen und Reformen durchführen, wenn sie sich im Konflikt und im Kampf mit den Imperialisten, den Sozialimperialisten und den anderen Feinden der Völker befinden. Doch keinesfalls dürfen wir zulassen, dass wir, die sozialistischen Länder, mit ihnen in einen Topf geworfen werden.

Wir sozialistischen Länder wie Albanien und China müssen stets aktiv im Kampf gegen die kapitalistische und sozialimperialistische Welt stehen. Wir haben die Pflicht, durch unser Vorbild und unseren militanten Kampf die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf den richtigen Weg zu bringen. Durch gemeinsame Anstrengungen müssen wir bewirken, dass sie sich zur Revolution gegen die unterdrückerischen und versklavenden kapitalistischen Regime erheben.

Immer mehr wächst in mir die Überzeugung, dass China nicht so vorgeht. Das zeigt sich klar an den beiden Fällen, die ich hier ansprach, doch es gibt auch noch viele andere. General Mobutu und seine Clique sind reaktionär, die Mörder Lumumbas und anderer fortschrittlicher Menschen ihres Landes. China empfängt den Repräsentanten dieser antidemokratischen afrikanischen Clique mit grossen Ehren, und Tschou En-lai erklärt ihm zu Gefallen: «China gehört zur dritten Welt.» Kurz gesagt, er gibt dem kongolesischen Volk zu verstehen: «Ich, China, bin mit Mobutu befreundet, unterstütze ihn, denn er ist ein Demokrat, fortschrittlich», usw., egal, dass Mobutu das Volk und das Proletariat unterdrückt, egal, dass er mitten auf dem Bankett in Peking in Tschous Anwesenheit erklärt: «Wir, die Kongolesen, sind, was wir sind, wir werden bleiben, was wir sind, andere Ideologien wollen wir nicht», usw. usf. Schöne Perspektiven für den Sozialismus im Kongo, falls wir Herrn Mobutu un Teerstützteen!

Die gleiche düstere Perspektive würde ~sich der Revolution und dem Sozialismus bieten, wollten die Marxisten und die sozialistischen Länder (wie das nun China tut) die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die «Vereinigten Staaten von Europa» oder den RGW und die revisionistische Gruppierung der Sowjetunion und ihrer Satellitenländer in Europa unterstützen. Nein, das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens werden niemals diesen falschen, antileninistischen Weg der Chinesen einschlagen. Diese müssen schnellstens von diesem Weg abgehen, sonst wird er sie noch viel weiter führen.

Es ist völlig unvorstellbar, dass die chinesischen Genossen ungewollt und unbewusst in diesen Fehler verfallen sind. Einstweilen führen sie «den Kampf gegen die Sowjetrevisionisten» noch irgendwie, auch wenn klar ist, dass dem keine wirklich marxistisch-leninistische, sondern eine chauvinistische Plattform zugrunde liegt, der ein Geruch von Großmachtpolitik anhaftet. Morgen dagegen stellen sie ihn vielleicht ein, und das ist zu erwarten von Leuten, denen die marxistisch-leninistischen Prinzipien entweder nicht klar sind bzw. denen sie klar sind, die aber ihr Gegenteil verwirklichen wollen.

Die chinesischen Genossen wissen wie wir, dass «der Kapitalismus international und monopolistisch ist». Die kapitalistischen Großmächte, die gestrigen und die heutigen, die imperialistischen und die sozialimperialistischen, haben sich nicht geändert. Sie haben die anderen Völker und Nationen ausgeplündert, unterdrückt, und tun es weiter. Das gilt für die Vereinigten Staaten von Amerika, das gilt für die revisionistische Sowjetunion, das gilt für Japan. Und die französischen, westdeutschen, englischen und italienischen Kapitalisten taten es und versuchen es zu tun. Um es dabei leichter zu haben, schufen die europäischen Kapitalisten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und arbeiten nun an der Schaffung des «Vereinten Europa». Das sozialistische China unterstützt sie dabei. Es handelt damit entgegen der wirklichen Pflicht eines sozialistischen Staates, entgegen Lenins Auffassung, die so sehr ihren aktuellen Klang bewahrt hat:

«Vom Standpunkt der ökonomischen Bedingungen des Imperialismus, d.h. des Kapitalexports und der Aufteilung der Welt durch die 'fortgeschrittenen' und 'zivilisierten' Kolonialmächte, sind die Vereinigten Staaten von Europa unter kapitalistischen Verhältnissen entweder unmöglich oder reaktionär.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 21, S. 370 (alb. Ausgabe). )

Das ist so klar wie das Wasser einer Bergquelle.

Was macht denn diese Gruppe moderner Kapitalisten? Sie exportiert Kapital und investiert in anderen Ländern, um deren Völker auszubeuten und zu versklaven. Sie sind die Neokolonialisten der Periode nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu ihnen gehören auch die Sowjetrevisionisten. Wir werden Zeuge, wie die imperialistischen und sozialimperialistischen Banditen in anderen Formen einen neuen kolossalen Raub organisieren.

Mit der auch von Tschou En-lai unterstützten Schaffung der «Vereinigten Staaten von Europa» verfolgen die Kapitalisten Westeuropas gegenwärtig keine andere Absicht, als in Ruhe die Frucht des Schweißes und des Bluts des europäischen Proletariats, der europäischen Völker untereinander aufzuteilen. Dieser Aufteilung wollen die Kapitalisten einen «friedlichen» Anstrich geben, indem sie sie mit künstlichen Parolen wie «wissenschaftlich-technische Revolution», «Konsumgesellschaft» u.a.m. «schmücken». Doch diese Aufteilung kann, wie Lenin sagt, auf keiner anderen Grundlage erfolgen als der der Gewalt. Folglich ist auch dieser Staatenblock zur Verteilung von Raubgut eine Quelle imperialistischer Aggressionskriege.

Lenin sagt:

«Unter dem Kapitalismus ist ein gleichmäßiges Wachstum in der ökonomischen Entwicklung einzelner Wirtschaften und einzelner Staaten unmöglich. Unter dem Kapitalismus gibt es keine anderen Mittel, das gestörte Gleichgewicht von Zeit zu Zeit wiederherzustellen, als Krisen in der Industrie und Kriege in der Politik.

Natürlich sind z e i t w e i l i g e Abkommen zwischen den Kapitalisten und zwischen den Mächten möglich. In diesem Sinne sind auch die Vereinigten Staaten von Europa möglich als Abkommen der e u r o p ä i s c h e n Kapitalisten... worüber? Lediglich darüber, wie man gemeinsam den Sozialismus in Europa unterdrücken, gemeinsam die geraubten Kolonien g e g e n Japan und Amerika verteidigen könnte, die durch die jetzige Aufteilung der Kolonien in höchstem Grade benachteiligt und die im letzten halben Jahrhundert unvergleichlich rascher erstarkt sind als das rückständige, monarchistische, von Altersfäulnis befallene Europa.» * *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 21, S. 372 (alb. Ausgabe). )

Das ist sonnenklar, das war gestern aktuell, als es der grosse Lenin sagte, das ist auch heute wahr und aktuell und wird es morgen genauso sein, so lange, bis die kapitalistische Welt zerschlagen und die sozialistische Welt an ihre Stelle getreten ist.

DONNERSTAG,

18. JANUAR 1973

IN CHINA PROPAGIERT MAN DIE RELIGION

Die chinesische Propaganda gibt unverhohlen zu verstehen, dass man in China die Religionen nicht bekämpft. Sie spricht von regbösen Festen, von Ostern und Bairahm, von Messen und Predigten n den Kirchen und Moscheen Pekings. Hsinhua meldete, dass in [er Pekinger Moschee prunkvoll Bairahm gefeiert wurde, und zwar inter Teilnahme aller in China akkreditierten Botschafter mohammedanischer Länder. Man verfolgt weiter die Linie, der Welt zu :eigen, dass China zur «dritten Welt» gehört, dass es die Araber und Mohammedaner und ihre Religion unterstützt! Welch grosse Prinzipienhüter ! ! !

SAMSTAG,

10. FEBRUAR 1973

KISSINGER IN PEKING

In der Geschichte der französischen Könige, genauer: unter der Herrschaft Ludwigs XIII., bediente sich der berühmte Kardinal Armand du Plessis, Richelieu, seines Glaubensbruders - «le père Joseph» -, um diplomatische Geheimgespräche mit anderen Staaten zu führen. Deshalb ist «le père Joseph» in der Geschichte unter dem Spitznamen «éminence grise» oder «die graue Eminenz», der Kardinal der Finsternis bekannt. Er personifiziert die Intrigen hinter den Kulissen, die Geheimdiplomatie.

Heute, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, spielt Kissinger in der Diplomatie genau diese teuflische Rolle. Er ist die «éminence grise» des amerikanischen Präsidenten Nixon. Dieser deutsche Diplomat dient (obwohl er Jude ist und Nazideutschland verlassen hat, weil er sich in Gefahr befand) treu dem wildesten Hitlerner, der nach dem Zweiten Weltkrieg an die Macht gekommen ist, dem Präsidenten Nixon, dem Oberhaupt des amerikanischen Imperialismus.

Zur Praxis der Verbindungen und Vereinbarungen des amerikanischen Imperialismus und des Sowjetrevisionismus, dieser beiden imperialistischen Supermächte, gehört auch die Geheimdiplomatie. Das ist begreiflich, das brauchen sie, denn ihre Politik und ihre Taten richten sich gegen die Interessen der Völker der Welt, sind Banditenkomplotte, die im Dunkeln kiengefädelt werden müssen . Sie wollen nicht, dass ihre Pläne und Absprachen zur Aufteilung der Welt und zur Ausbeutung der Völker ans Licht kommen, sie wollen Scherereien, Kopfzerbrechen und Widerstand der Völker vermeiden. Nach Möglichkeit wollen sie auch insgeheim und auf Kosten der anderen die Widersprüche ausräumen, die zwischen ihnen bestehen bzw. auftauchen. Erst wenn sie sich einig geworden sind oder die Widersprüche zwischen ihnen sich als unüberbrückbar erweisen, assen sie etwas von den Manövern erkennen, die sie im Dunkeln betreiben. Diese schmutzige Geheimdiplomatie versuchen die beiden 3upermächte auch den andern aufzuzwingen, die, einmal freiwillig, einmal unfreiwillig, diesen Weg verfolgen.

Aus freien Stücken Geheimdiplomatie zu praktizieren, hat auch das sozialistische China begonnen, besonders mit den Amerikanern, und hierin liegt das Gefährliche . Dies ist eine unrichtige und verwerfliche Praxis. Niemand, sei er nun Chinas Freund oder Feind, weiss, erfährt, was sich zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China abspielt. Insbesondere die Freunde Chinas wissen überhaupt nichts. Kissinger geht in China heimlich und offen aus und ein, doch was gesagt, worüber verhandelt, was beschlossen wird -_ darüber verlautet absolut nichts. Auch vor uns wird alles geheimgehalten. Nixon kam nach China und fuhr wieder ab, doch was gesagt, getan, beschlossen wurde - das alles bleibt für uns im Dunkeln. Und der ganzen Welt setzt man nur abgedroschene Schlagworte der Kommuniqués vor. Leeres Stroh fressen wir freilich nicht. Und vollständig zu Recht meinen wir, und da meinen wir richtig und nicht falsch, dass die Chinesen uns und den andern deshalb nicht sagen, was sie mit den Agenten des amerikanischen Imperialismus besprechen und was für Beschlüsse sie fassen, weil es nicht in ihrem Interesse liegt, da es Dinge sind, über die man nicht spricht, verwerfliche und für die Völker unannehmbare Dinge. Eine andere Erklärung für dieses Vorgehen gibt es nicht.

Sollen die Chinesen nur behaupten, was sie zusammen mit den Amerikanern besprechen und beschließen, diene dazu, die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion zu vertiefen. Das kann niemand glauben. Auch das Umgekehrte kann der Fall sein, dass nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika dies tun, um die Widersprüche zwischen China und der Sowjetunion zu vertiefen. Also sag offen, China Mao Tsetungs, was du tust, damit die Weltöffentlichkeit beurteilen kann, ob du die Widersprüche richtig oder falsch ausnutzt und welchen Preis du für diese Taten zu zahlen hast!

Die chinesische Führung mag sagen, sie könne diese Verhandlungen mit den Amerikanern nicht offen legen, weil sonst die Sowjets von ihrem Inhalt erfahren. Warum sagt man dann nicht unverblümt, dass man mit den Amerikanern dick befreundet ist und so sehr auf sie baut, dass man sich ihnen anvertraut, nicht aber seinen Freunden? Oder sind die Freunde inzwischen nur noch Freunde in Gänsefüßchen und «lästig» geworden? - Doch wenn man sich auf solche Geheimgeschäfte einlässt, gerät man in den Teufelskreis der Intrigen und der Intriganten, ändert man seine Denkart ganz und gar, beurteilt und bewertet man die Völker, ihre Probleme und Sorgen ganz anders.

Die chinesischen Führer mögen sagen: «Wir halten zu den Völkern, wir ändern die Linie nicht, alles, was wir tun, geschieht im Interesse des Sozialismus.» Es ist leicht, mit Schlagworten um sich zu werfen, doch die Geheimdiplomatie geht weiter. Die Chinesen greifen die Sowjets an, die sich insgeheim mit den Amerikanern verständigen. Doch was machen denn die chinesischen Führer selbst? Sie haben genau das Gleiche begonnen und setzen es im Galopp fort. Sie wetteifern mit den Sowjets um die «bonnes gräces»* *( Gunst (frz. im Original). ) des Faschisten Nixon. Nixons «Ribbentrop» Kissinger wird in Moskau, in Peking und anderswo erwartet wie der Messias der Juden; man erwartet ihn, damit er das rettende «Manna»* *( Wunderbare Nahrung, die, nach der biblischen Legende, Gott den Hebräern bei ihrer Wüstenwanderung sandte; hier in allegorischer Bedeutung: unerhoffte, wohltätige Gab ) bringe, das gnädige Wort der «Gottheit» des Weissen Hauses. Das ist skandalös!

Was mögen die anderen Völker, die gegen den amerikanischen Imperialismus und seine Lakaien kämpfen, denken und sagen, wenn sie gerade die chinesischen Führer solche Dinge machen sehen? Ob ihnen diese schmutzigen Abmachungen in ihrem Kampf wohl helfen? Was sagen wohl die Vietnamesen, die Laoten, die Kambodschaner, die Araber und die Völker ganzer Kontinente, die Revolutionäre, die wahren Marxisten-Leninisten dazu? Sie sagen: Schande! Verrat! Revisionistischer Kompromiss! Verletzung der Prinzipien, die die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität der Völker schützen!

Es war bis zu einem gewissen Grad verständlich, dass im Zweiten Weltkrieg Präsident Roosevelt, der ein Krüppel war und überdies die Gefahren des Krieges in Rechnung zu stellen hatte, seinen persönlichen Berater Hopkins nach London und Moskau schickte. Doch wenn heute Nixon mit dem «Ribbentrop» Kissinger nach der gleichen Taktik verfährt, geschieht das in bestimmter Absicht. Er möchte bei seinen Schachereien nicht das State Department, das heisst seinen Staat kompromittieren. Statt dessen bedient er sich eines Strohmanns, den er dahin und dorthin schickt, um politisch zu sondieren, als Agent tätig zu sein, die anderen auf die Taschen und den Kopf «zu fühlen». Und falls dieser Abgesandte irgendeinen Fehler macht, lässt er ihn fallen wie eine ausgequetschte Zitrone, um selbst «makellos und sauber» dazustehen. Und all jene, die diesen Herold des Präsidenten empfangen, glauben den Himmel mit Händen zu fassen.

Kissinger reiste zum Satelliten der USA, Thailand. Er gab der Clique dieses Landes alle Garantien, beteuerte «die glänzende Perspektive, die sich Indochina bietet». Von dort aus fuhr er weiter nach Laos, wo er Gespräche führte, intrigierte, Dinge regelte, Versprechungen abgab und erklärte, auch dort werde der Krieg bald beendet werden.

Heute nun kommt der Vertreter Nixons und des amerikanischen Imperialismus, der über Jahre hinweg das heroische Vietnam mordete, verbrannte und zerstörte, nach Hanoi mit dem Ölzweig in der Hand... Nie hat man erlebt, nie hat man gehört, dass die Verbrecher, die in Kämpfen Bezwungenen, von den Siegern als ehrenwerte Männer und Leute empfangen worden wären, die «für den Frieden und das Wohl der Menschheit kämpfen»...

Von Hanoi aus wird der amerikanische Messias nach Peking weiterreisen. Vier oder fünf Tage lang werden sich die Gespräche, die Mittag- und Abendessen mit Tschou En-lai, Dji Peng-fe und möglicherweise auch Mao hinziehen. Alles wird sich unter grösster Geheimhaltung abspielen, als gingen die Fragen, über die sie sprechen werden, nur sie an.

Gleichwohl, die Geheimnisse werden eines Tages enthüllt w erden und « le por aux roses» wird riechen.* *( Topf mit Rosen (frz. im Original), in übertragener Bedeutung: die Schliche werden aufgedeckt werden. )

Doch die Einstellung der Chinesen uns gegenüber ist im vollen Sinne des Wortes unkameradschaftlich, niederträchtig, antimarxistisch. Vor Kissingers Vietnamreise ersuchte unser Botschafter in Peking um ein offizielles Treffen mit Wu Dschang, um über die Ereignisse in Vietnam zu sprechen. Das Treffen wurde ihm nicht ermöglicht, doch ein kleiner Beamter erklärte ihm: «Auch wir wissen nicht, was in Vietnam vorgeht, wir sind dabei, die Verträge zu studieren, zu Schlussfolgerungen sind wir allerdings noch nicht gekommen; wir wissen nicht, warum Kissinger nach Hanoi fährt, Kissinger wird auch nach Peking kommen, wir wissen jedoch nicht, was er u~ns unterbreiten wird. Wir werden nur über unsere Angelegenheiten sprechen und über nichts, was die anderen betrifft. Sie haben uns zur Teilnahme an der Pariser Vietnamkonferenz eingeladen, und wir haben geantwortet, dass wir daran teilnehmen werden, allerdings wissen wir nicht, wann sie zusammentritt und was dort besprochen werden wird», und so fort.

Selbst wenn wir einen gegnerischen Staat gefragt hätten, hätte er uns nicht auf diese Weise geantwortet. Die Fakten bezeugen, dass wir über diese Probleme von anderen, die nicht unsere Freunde sind, ins Bild gesetzt worden sind. Dennoch, auch wenn wir nicht informiert werden, wir haben unsere fünf Sinne beisammen und bilden uns ein Ur teil über die Situation anhand dessen, was geschieht. Doch das Verhalten der Chinesen uns gegenüber belegt, was ich schon oben sagte. Bei ihnen stimmt einiges nicht. Wir werden ohne Schwanken unseren Weg gehen. Mit der Zeit wird sich erweisen, dass wir richtig geurteilt haben. Das chinesisch-amerikanische Bündnis nimmt seinen Lauf. Wir werden sehen, wie weit es gehen wird.

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MONTAG,

19. FEBRUAR 1973

CHINA HAT EINEN KURSWECHSEL HIN ZU DEN VEREINIGTEN

STAATEN VON AMERIKA VOLLZOGEN

Kissinger fuhr von Hanoi nach Peking weiter, wo er sich fünf Tage lang aufhielt. Heute, da ich diese Aufzeichnungen mache, muss er abgereist sein.

Mit Tschou En-lai und Mao wurden lange «herzliche und aufrichtige» Gespräche geführt. Beide Seiten sind zufrieden, und nach Darstellung der ausländischen Nachrichtenagenturen sind die Ergebnisse der Gespräche «vielverheißend und bieten günstige Perspektiven für die Welt».

Doch alles wird absolut geheimgehalten, insbesondere durch China. Und das ist skandalös . Es ist antileninistisch, wenn man mit dem wildesten Feind der Völker, des Sozialismus und Kommunismus verhandelt und aus diesen Verhandlungen und den Beschlüssen, die gefasst worden sind, ein Geheimnis macht. Wenn man vor den Kommunisten, vor seinen Freunden, vor den Völkern geheim hält, worüber der Feind der Kommunisten und der Völker vollkommen im Bilde ist, so bedeutet das in Theorie und Praxis nichts anderes, als mit dem Feind übereinzukommen und diese Übereinkunft zu verbergen, weil man nichts darüber verlauten lassen darf, da sie der öffentlichen Meinung als verwerflich erscheinen müsste. Lenin erlaubte ein solch feindliches und finsteres Vorgehen nicht. Jeder solchen Handlung riss er die Maske herunter.

China hat einen Kurswechsel hin zu den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen. Die Sowjetunion hält es für den Hauptfeind, mit Amerika dagegen lässt es Milde walten. Weshalb? Was hat es für strategische Pläne und Taktiken? Es legt nichts offen, lässt nichts verlauten, gibt nur zu verstehen, es wisse, was es tue, denn es sei ein sozialistisches Land, denn die Kommunistische Partei Chinas sei eine marxistisch-leninistische Partei. Doch die Welt lässt sich nicht mit Formeln abspeisen, sie will Taten, will Beweise sehen, sie will sich selbst ein Urteil bilden über die Haltung, die der eine oder der andere einnimmt. Diese Handlungen im Dunkeln lassen sich nicht so leicht mit der «Ausnutzung der Widersprüche» erklären, wie die Chinesen meinen.

Sollen sie uns einmal konkret sagen, wie sie nun diese Widersprüche zwischen den Amerikanern und den Sowjets ausnutzen. Halten sie uns etwa für so einfältig und naiv, dass wir ihren allgemeinen Formeln blinden Glauben schenken? Warum halten sie ihre Gespräche mit den Amerikanern geheim und lassen nicht zu, dass wir selbst beurteilen, wie und wie weit sie diese Widersprüche ausnutzen? Ziehen etwa nur die Chinesen aus diesen Gesprächen Vorteile? Ziehen die Amerikaner etwa keinen Vorteil aus ihnen?

Es ist üblich geworden zu sagen, man habe «über Probleme im Interesse der beiden Länder gesprochen». Das ist Betrug. Es ist antileninistisch, hinter dem Rücken der Völker mit den Imperialisten zu verhandeln. Wie könnten diese Gespräche die Völker, die Revolution ,nicht interessieren? Wie ist es möglich, dass die Feinde der Völker und der Revolution über diese Gespräche bis in die kleinste Einzelheit im Bilde sind, während die Völker und die Revolutionäre überhaupt nichts darüber wissen?

Nein, ihr chinesischen Genossen, hier ist nur eines zu sagen: Die Geheimgespräche, die ihr «hinter verschlossenen Türen» führt, sind verwerflich, und ihr wisst es, deshalb gebt ihr sie nicht bekannt. Ihr seid mit den Amerikanern in dieser Frage übereingekommen, sie haben euch ihren Willen und ihre Taktik aufgezwungen und ihr seid darauf eingegangen, habt euch gefügt. Also habt ihr, um irgendeines schädlichen, kurzlebigen und für China, den Sozialismus und den Frieden sehr gefährlichen Vorteils willen Zugeständnisse gemacht.

FREITAG,

9. MÄRZ 1973

IN DER FRAGE DER GRENZSTREITIGKEITEN SIND DIE

CHINESEN IN DIE FALLE DER SOWJETS GETAPPT

Die sowjetischen Revisionistoimperialisten haben sich auf dem Weg, den sie gehen, und im sozialchauvinistischen Geist, der sie kennzeichnet, an eine spektakuläre provokatorische Tätigkeit gemacht. Sie schaffen alle alten chinesischen Dorf- und Flussnamen in einigen Regionen Sibiriens ab und ersetzen sie durch neue, russischsowjetische Namen. Zweifellos ist dieses Vorgehen Teil der antichinesischen Kampagne und trägt dazu bei, die Sowjetvölker mit chauvinistischen Parolen gegen China, gegen die von den Chinesen zum Schaden ihres «sozialistischen Vaterlandes» angemeldeten Gebietforderungen aufzubringen. Auf diese Weise, mit diesen Methoden schüren die Sowjetrevisiónisten chauvinistische Gefühle bei den Völkern der Sowjetunion, nach der Parole: «Die Grenzen der Sowjetunion sind in Gefahr, wir müssen sie verteidigen.» Damit begründen sie auch die Konzentrierung einer Million sowjetischer Soldaten in der Mongolei und den anderen an China angrenzenden Gebieten.

China bleibt die Antwort nicht schuldig, doch ich meine, es bedient sich der gleichen chauvinistischen Methoden und fällt so auf die Provokation herein, die die Sowjetrevisionisten ausgeheckt haben. Die Chinesen vertreten die These, diese Regionen, Dörfer und Flüsse, deren Namen die Sowjets nun ändern, seien chinesisch. Diese Gebiete gehörten also zu China, sie seien ihm von den Zarenregimen geraubt worden, und Breschnew und Konsorten wollten diesen Raub festschreiben. Auf diese Art wird der Konflikt verschärft, und zwar ausgehend von ideologisch unrichtigen Motiven, denn auch die Chinesen stellen sich auf chauvinistische Positionen, was wiederum den Revisionisten dienlich ist.

Anstatt von prinzipienfesten ideologischen Positionen aus anzugreifen, um die Sowjetrevisionisten zu entlarven, dafür zu sorgen, dass sich die sowjetischen Völker und das chinesische Volk im Kampf gegen den gemeinsamen Feind näherkommen, geht die chinesische Führung also von chauvinistischen Positionen aus. Sie entzweit daher diese Völker und hetzt sie zum Krieg gegeneinander auf. Und noch schwerwiegender ist, dass die chinesische Presse zur «Untermauerung» der eigenen Thesen Zitate amerikanischer Zeitungen anführt. Welch unverhohlene Schamlosigkeit! Selbst der Vorwand von der «Ausnutzung der Widersprüche» wird nirgendwo aufrechterhalten! Damit wollen die Chinesen den Sowjets sagen: «Die Vereinigten Staaten von Amerika sind auf unserer, nicht auf eurer Seite.»

Haltet euch gut fest, ihr beiden, denn die amerikanischen Imperialisten werden euch bald im Genick sitzen!

DIENSTAG,

13. MÄRZ 1973

DIE CHINESISCHEN «SPEZIALISTEN» BEGEHEN DIESELBEN

PROVOKATIONEN WIE DIE SOWJETREVISIONISTEN

Schon vor geraumer Zeit haben die chinesischen Genossen damit begonnen, die Lieferung von Materialien, Maschinen, Plänen usw. an uns zu verzögern. Diese Nichteinhaltung der Vertage «begründen» sie mit allen möglichen Rechtfertigungen: «Lin Biao hat bei uns alles sabotiert, so dass wir zu tun haben, es wieder in Ordnung zu bringen. Bei vielem von dem, was wir euch liefern wollten, müssen wir noch einmal von vorne anfangen.» «Wir sind technisch zurück, in drei, vier Jahren wird es bei uns gut aussehen, und dann werden wir Albanien mehr helfen, denn bisher haben wir ihm nur wenig geholfen.» «Nach Albanien ist es sehr weit und wir haben nicht genügend Transportkapazitäten.» «China muss Vietnam beim Wiederaufbau helfen, ebenso auch vielen anderen Ländern.» Und so weiter, und so fort.

Die Chinesen antworten auch nicht auf unser Ersuchen, einige unserer Techniker nach China kommen zu lassen, die sich dort um diese Dinge kümmern sollen. Auch der chinesische Botschafter in Tirana antwortet im Zusammenhang mit diesem Problem entweder mit der Standardformel: «Ich habe 'keine Nachricht», oder er wiederholt ständig die immer gleichen Formeln von den «Schwierigkeiten», oder er sagt, dass «sich in China viele chinesische Werktätige um die Probleme Albaniens kümmern», was indirekt heissen soll: «Es ist nicht nötig, eure Spezialisten nach China zu schicken.»

Darüber hinaus greift der chinesische Botschafter nun auch zu neuen Taktiken. Er erklärt unseren Werktätigen: «Ihr habt noch ungenutzte Restkapazitäten.» Dazu führt er dann ein paar Beispiele an, die jeder realen Grundlage entbehren, von ihm aber benutzt werden, um ihre Haltung «zu begründen» und uns zu sagen: «Beschwert euch nicht, wenn das Fehlende nicht rechtzeitig kommt.» Und die chinesischen Spezialisten haben, aufgehetzt, damit begonnen, unsere Leute zu provozieren. Einer von ihnen fragte (natürlich auf Weisung) einen der Unseren: «Hast du etwas dazu zu sagen, dass Kissinger von Mao empfangen worden ist?» Unser Mann darauf «Nein.» «Und was ist deine persönliche Meinung?» fuhr der Chinese fort. Unser Spezialist gab ihm die Antwort: «Der Imperialismus ist unser geschworener Feind, und das wird er bleiben, bis wir ihn vernichtet haben.» Der Chinese sagte: «Deshalb hat Mao wie der Alte im Märchen den Wolf in den Sack gesteckt und diesen zugeschnürt, um den Wolf besser töten zu können.» Unser Spezialist gab keine Antwort mehr, sondern wechselte das Thema. Der Chinese. fuhr fort: «Warum habt ihr Albaner kein Vertrauen in unsere Hilfe?» Unser Mann wies dies kategorisch zurück. Natürlich wollte der Chinese damit indirekt sagen: «Ihr habt kein Vertrauen in unsere (die chinesische) Politick.»

Vorsicht, ihr chinesischen Genossen, so begannen auch die Sowjetrevisionisten gegen uns und den Marxismus-Leninismus vorzugehen! Wir verhalten uns korrekt, sprechen offen, kameradschaftlich mit euch, doch wir beugen uns weder Druck noch Erpressung. Wir sind wachsam!

SAMSTAG,

7. APRIL 1973

WIE WEIT WIRD DIE KÜHLE HALTUNG DER CHINESISCHEN

OFFIZIELLEN UNS GEGENÜBER NOCH GEHEN?

Man kann die Haltung, die die wichtigsten chinesischen Offiziellen besonders in letzter Zeit unserem Land gegenüber einnehmen, gar nicht anders als kühl nennen.

Unser Botschafter in Peking wird über nichts von internationaler oder innerer Bedeutung informiert. Höchstens, dass ihm irgendein Beamter zweiten oder dritten Ranges gelegentlich bei einem Empfang, als Pflichtübung, im Empfangsraum des Flughafens im Vorübergehen etwas von den Ereignissen erzählt, um die alle ausländischen Nachrichtenagenturen vier oder fünf Tage zuvor Spektakel gemacht haben. Nichts aber über Vietnam, Laos, Kambodscha, Korea, über die Sowjetunion oder Chinas Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Geheimnis und Schweigen an der ganzen Front. Von ausländischen Botschaftern in Peking erfahren wir Dinge, die die Chinesen ihnen mitgeteilt haben.

Mao «litt an Rheumatismus» und konnte den Leiter unserer Regierungsdelegation, ein Mitglied des Politbüros, nicht empfangen. Tschou En-lai «war sehr müde» und empfing Reiz Malile deshalb nicht. In Wirklichkeit aber waren beide weder krank noch müde, denn zur gleichen Zeit empfingen der eine wie der andere ausländische Vertreter, gaben Bankette und besuchten englische Ausstellungen. Auch Mao hätte die Pflicht gehabt, im Zeichen der Freundschaft unserer beiden Völker den Leiter der .albanischen Delegation zu empfangen, besonders hätte es aber Tschou En-lai angestanden, im Zuge der Gegenseitigkeit unseren stellvertretenden Aussendminister zu empfangen, hatte doch auch Mehmet den stellvertretenden Aussendminister Chinas empfangen, als dieser unser Land besuchte.

Früher war es vorgekommen, dass Tschou, ja sogar Mao selbst, diesen oder jenen einfachen Beamten aus unserem Land empfingen. Ein Verhalten wie das jetzige muss natürlich unsere Aufmerksamkeit wecken, muss von uns vermerkt werden, um zu sehen, wie weit die Chinesen in dieser Haltung uns gegenüber gehen werden.

Dennoch werden wir kühlen Kopf bewahren. Wir werden weiter gute Freunde und Genossen des chinesischen Volkes und der chinesischen Genossen sein, wenn sie sich zur Partei der Arbeit und unserem Land wie Marxisten-Leninisten verhalten. Dies ist im Interesse beider Seiten, dies ist ein richtiger internationalistischer Kurs.

SONNTAG,

15. APRIL 1973

MAO TSETUNG REHABILITIERT DENG HSIAO-PING

Deng Hsiao-ping hat, versehen mit dem Titel des stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden, erneut die Bühne betreten.

Die vom «grossen Vorsitzenden Mao Tsetung» eingeleitete und geführte «Grosse Proletarische Kulturrevolution» wurde nicht nur ..erfolgreich» abgeschlossen, inzwischen hat man auch begonnen, einen nach dem andern all jene Kader zu rehabilitieren, die von der Kulturrevolution als «Feind und Agent Nr. 2, Nr. 3», und so weiter, als «Konterrevolutionäre, Kuomintangleute» usw., gebrandmarkt worden waren. Natürlich war die Kulturrevolution, die gegen Liu Schao-tschi, Peng Tschen, Deng Hsiao-ping und die andern eingeleitet wurde, mit der Aufdeckung der «von Lin Biao angezettelten Verschwörung» und dessen Tod abgeschlossen. Schließlich traten die Urheber der Kulturrevolution in den Schatten und wurden «reaktiv» (wie Düsenflugzeuge; welche Bedeutung dieser von den Chinesen benutzte Ausdruck hatte, wissen nur sie allein!), während diejenigen, die die Kulturrevolution in den Schatten gerückt und «reaktiv» gemacht hatte, ans Licht traten und auf hohe Posten rückten, wie beispielsweise Deng Hsiao-ping, der stellvertretender Staatsratsvorsitzender wurde! Liu Schao-tschi, Peng Tschen und einige andere Häupter bleiben noch im Schatten. Wie lange noch? Vielleicht bis sie «gebessert worden sind», denn das ist die «unfehlbare Methode» der chinesischen Genossen. Deng Hsiao-ping trat zum ersten Mal beim offiziellen Empfang für Sihanouk anlässlich seiner Rückkehr aus den befreiten Gebieten Kambodschas auf. Er figurierte hinter Li Hsiän-niän und vor Dji Peng-fe. Den Regierungsposten hat er also inzwischen wieder. Später wird er möglicherweise auch den Platz, den er in der Parteiführung innehatte, wieder einnehmen. Das «kleine Goldstück», wie ihn Mao vor der Kulturrevolution nannte, der «Feind Nr. 2 der Kommunistischen Partei Chinas», wie er während der Kulturrevolution genannt wurde, hat sich jetzt, nach der Revolution, «gebessert» und «seine Fehler eingesehen».

Die offizielle Version, die den Botschaftern der sozialistischen Länder, darunter auch unserem Botschafter, mitgeteilt wurde, lautet Folgendehrmassen: «Deng hat zu Beginn der Kulturrevolution schwere Fehler begangen und zusammen mit Liu Schao-tschi die reaktionäre bürgerliche Linie verfolgt.» Mao war selbst dieser Meinung, hat aber angeblich gesagt: «Wir dürfen diese Fehler nicht mit den Fehlern Liu Schao-tschis gleichsetzen.» Und so hat «Freund» Deng, der klug ist und wittert, woher der Wind weht, am 14. August 1972 (nach dem Kissingerbesuch) «dem Vorsitzenden einen Brief geschrieben, in dem er seine Fehler eingesteht, Selbstkritik übt und verspricht, gute Arbeit zu leisten».

Als offizielle Version wurde uns bei dieser Gelegenheit wörtlich mitgeteilt, dass «Vorsitzender Mao eine Notiz geschrieben hat, die ein Dokument mit Direktivencharakter ist. Darin heisst es: 'Zur Kenntnisnahme an den Ministerpräsidenten und Wang Dung-hsing' (Kandidat des Politbüros, der zugleich das Amt des Sekretärs des Politbüros versieht). Deng Hsiao-pings Fehlér sind schwer, doch aus folgenden Gründen darf man ihn nicht auf eine Stufe mit Liu Schaotschi stellen:

1) In den befreiten Gebieten wurde Deng einmal verurteilt, weil er Maos Linie verteidigte, als dieser vom ZK, das heisst von Wang Ming angegriffen wurde.

2) Es gibt bei ihm keine aus der Vergangenheit ererbten Probleme, er hat vor den Feinden nicht kapituliert, hat Verdienste im Kampf, leitete die Delegation in Moskau gegen die Sowjetrevisionisten.

Úber diese Frage habe ich mit euch mehr als einmal gesprochen », heisst es abschließend in der Notiz des Vorsitzenden.

Vorsitzender Mao hat also, wie es scheint, Anweisung gegeben,

Deng Hsia-o-ping zu rehabilitieren, und das Politbüro hat dem, «nach einer Diskussion», natürlich zugestimmt.

Die Person, die uns dies mitteilte, Dji Peng-fe, der Aussendminister Chinas selbst, beschloss die offizielle Version damit, dies sei «die grosse und glänzende Kaderpolitik des Vorsitzenden Mao. Deng Hsiao-ipings Rehabilitierung ist eine grosse Lehre für die Kommunistische Partei Chinas, die vom Marxismus-Leninismus und den weisen Lehren des Vorsitzenden lernen wird». Nicht mehr und nicht weniger, er selbst hatte ihn abgesetzt und er selbst setzte ihn wieder ein.

Zunächst fällt auf, dass der Vorsitzende diese wichtigen Dinge nicht selbst dem Politbüro unterbreitet, sondern sie dessen Mitgliedern durch eine «Notiz mit Direktivencharakter» übermittelt.

Die zweite Sache, die ins Auge sticht, ist der Umstand, dass diese Notiz in erster Linie für den Ministerpräsidenten gedacht ist.

Das Dritte ist, dass Mao in der Notiz sagt: «Über diese Frage habe ich mit euch mehr als einmal gesprochen.» Dies lässt vermuten, dass sie auf den Vorsitzenden nicht zu hören geruhten.

Wer war nicht einverstanden gewesen? Kann .man annehmen, dass Tschou En-lai mit Deng Hsiao-Pings Rehabilitierung nicht einverstanden gewesen ist?! Vielleicht möchte Tschou En-lai selbst Herr und Knute in einem sein. Mao dagegen möchte die beiden Linien in der Partei und muss deshalb für Tschou einen «Konkurrenten» kreieren, stellt das Ultimatum, dem «kleinen Goldstüok» den alten Platz wiederzugeben. Deng Hsiao-ping kommt natürlich mit seinen ganzen Bataillonen und alle nehmen wieder die früheren Funktionen ein. Diese Bataillone, die zu Liu iSchao-tschi gehörten, wurden während der Kulturrevolution erniedrigt, «besserten sich» dann und sind mittlerweile «zu Lämmern geworden». Auf diese Weise nehmen das Chaos und die Anarchie unter dem Banner des «grossen Marxistenleninisten» Mao Tsetung weiter zu. In China sind viele Strömungen an der Macht: Maos Strömung, die Strömungen Tschous, Lius, Wang Mings, Dengs, Lin Biaos, der Kuomintang (und hier wollen wir aufhören, denn das Heft reichte nicht aus, sie alle aufzuzählen). Und das alles soll marxistisch sein?!!!

Die chinesischen Botschafter in den verschiedenen Ländern singen nach einer anderen Melodie: «Es ist nicht Deng Hsiao-ping, der Fehler gemacht hat, Fehler sind vielmehr ihm gegenüber begangen worden. Deng Hsiao-ping ist ein guter und treuer Genosse des Vorsitzenden Mao.»

Doch warum wurde dieser ganze Radau veranstaltet, und was ergibt sich daraus? Ich mag mich täuschen, doch das ist keine ganz einfache Sache. Das ist sicherli.ch eine «Chinesiade» wie all die anderen.

` Der offizielle Sprecher sagt nun, Deng Hsiao-ping sei «entschieden gegen die Sowjetrevisionisten» gewesen! Er mag genauso «entschieden» gewesen sein wie sein Gesinnungsgenosse Liu Schaotschi «entschieden» war, genauso wie auch sein Freund Tschou En-lai vor Beginn der Kulturrevolution «entschieden» war.

Gegenwärtig wird unter Führung Tschou En-lais ein Kurs pro Vereinigte Staaten von Amerik.a verfolgt. Zur Zeit ist China in Washington durch zwei Personen repräsentiert: die eine ist Tschou En-Jais Botschafter, die andere der Vertreter der Nachrichtenagentur Hsinhua. Die Vereinigten Staaten von Amerika manövrieren nach Belieben. Der Vorsitzende betrieb «grosse Politik», und anstatt «die Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertiefen», verband er diese beiden noch fester miteinander, brachte sich selbst zwischen zwei Feuer und weiss nun nicht heraus. Da hatte der «geniale» Vorsitzende möglicherweise einen Geistesblitz: er holte Deng Hsiao-ping aus der Schublade, um mit ihm an der einen oder anderen Flanke eine Politik des Lächelns zu beginnen. Der «geniale» Vorsitzende holte sich bei den Engländern Rat, wie er sich ihre Politik «de bascule»*, *( Schaukelpolitik (frz. im Original ) oder auch Seiltänzerpolitik zu eigen machen müsse: «Gut mit beiden und nicht gut mit einem und schlecht mit dem andern und auch nicht schlecht mit beiden.» Mao erträgt es niemals, mit der Nummer eins zu leben, er hält sich stets an die Nummer zwei. So mag es sein, dass wir eines schönen Tages erleben, wie man auch zu den Sowjets gekrochen kommt, zuerst in kleinen Dingen, um das «Gleichgewicht» herzustellen. Und zweifellos wird man hinausposaunen, diese Taktik sei «genial».

Dann wird China das Soll der «Genialität seiner Politik» der friedlichen Koexistenz, der «dritten Kraft» erfüllen, wie sie Tschou En-lai in einem Interview oder auf einem Bankett (ich erinnere mich nicht genau) anpries. Das heisst, man wird dem Vorbild der «Kommunisten» Tito und Ceausescu folgen. «Sich mit beiden Supermächten gut stellen, sowohl mit den Vereinigten Staaten von Amerika als auch mit der Sowjetunion», auf beiden Seiten nehmen und geben, nier intrigieren, dort intrigieren, denn so werden (angeblich) die Niedersprüche ausgenutzt. Und all das gekleidet in den Gedanken: «Ich bin eine Grissmacht und ohne mich läuft nichts auf der Welt.» «Machen wir so weiter, bis wir in jeder Hinsicht zu drei Supermächten geworden sind», und zwar ganz ohne jede Maske, denn Jiezes Vorgehen führt dazu: die Masken werden eine nach der :inderen heruntergerissen, so wie sie der Sowjetunion heruntergerissen wurden.

FREITAG

20. APRIL 1973

IM GARTEN DER «HUNDERT BLUMEN» SAMMELN DIE

BÜRGERLICHEN «WESPEN» HONIG UND VERSPRITZEN

IHR GIFT

Mit grösster Unverschämtheit erklärte der Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, Geng Biao, vor allen wichtigen Leuten seiner Abteilung unserem Botschafter in Peking und einem unserer Genossen (der sich dort zur ärztlichen Behandlung aufhält):

«Die marxistisch-leninistische Bewegung auf der Welt schreitet ständig voran, doch die marxistisch-leninistischen Gruppen und Parteien brauchen noch Zeit, ihre Existenz zu bekräftigen. Aus zweierlei Gründen veröffentlichen wir keine Propagandamaterialien aus den Zeitungen der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien:

a) Wenn wir in unserer Presse solche Artikel veröffentlichen, um irgendeinen kaum errungenen Erfolg einer marxistisch-leninistischen Partei bekanntzumachen, wecken wir die Aufmerksamkeit des Feindes. Er wird Massnahmen gegen diese Partei ergreifen, was sowohl zu unserem .als .auch zu ihrem Nachteil ist.

b) Die Erfahrung mehrjähriger Arbeit zeigt, dass es nicht nötig ist, die Aktionen dieser Parteien unsererseits sehr zu propagieren, denn der Feind ist aktiv. So ist zum Beispiel die Mehrheit der Führer des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Indiens getötet oder eingekerkert worden.»

Wollte man Geng Biao glauben, dann ist es den Führern dieser Parteien unmöglich, nach China zu kommen, weil die Polizei sie überwacht, weil der Feind ein Spionagenetz geschaffen hat usw. -In Japan dagegen», sagte Geng Biao, «ist es etwas anders.» Weiter führte er aus: «Die Vertreter dieser Parteien und Gruppen wollen zu ns kommen in der Meinung, dies könne sich im Sinne einer Festigung ihrer inneren Tätigkeit auswirken. Wir können ihnen nicht sagen kommt nicht', deshalb laden wir sie als Gäste ein. So kommen zu uns auch Leute von Parteien, die uns bekämpft und beschimpft haben. Wenn Nixon und Tanaka kamen, warum sollen dann nicht auch andere kommen? Nixon kam sogar, weil er es für die Wahlen brauch-te. Und wenn Tschiang Kai-schek will, soll er nur auch kommen.»

Dieser Mensch spricht 'mit der Unverblühtheit und dem Zynismus eines Antimarxisten, er gesteht selbst ein, dass China der Revolution abgeschworen hat, dass es der Revolution, den marxistisch-leninistischen Parteien und Gruppen, die auf der Welt kämpfen, nicht mehr hilft. Das geschieht unter dem Vorwand, man wolle diese Parteien und Gruppen nicht den Feinden preisgeben. n Wirklichkeit will China jedoch dem Imperialismus und der Bourgeoisie zeigen, dass es den Kommunisten, ihren Feinden, nicht hilft und auch nicht an ihrer Seite steht. Welche Niedertracht! In verschiedenen Ländern der Welt haben die Kommunisten, legal und !legal, den revolutionären Kampf entfesselt, blicken dem Tod ins Age, und die Chinesen besitzen die Unverschämtheit zu behaupten: «Diese Kommunisten wollen nach China kommen, um ihre inneren Positionen zu festigen.» Diese Genossen ersuchen China um Hilfe, weil sie glauben, es sei sozialistisch, während das China Mao Tsetungs weder von ihnen spricht, noch ihre Artikel propagiert oder abdruckt, noch ihnen hilft, sondern sich mit der Feststellung begnügt, alle Führer der einen oder anderen Partei seien getötet worden. Was für eine Unverschämtheit! !

Das «sozialistische China» empfängt die kommunistischen Genosen gleich wie Nixon, Tanaka, wie Tschiang Kai-schek, wie die Revisionisten. Das ist ausgemachter Verrat. Sie verhalten sich gegenüber den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und den revolutionären Gruppen nicht anders als die Sowjets. Die Chinesen befürchten, ihren Namen zu «beflecken» und den «guten Ruf», den sie sich bei der Bourgeoisie Amerikas und der Welt erworben haben, aufs Spiel zu setzen.

Deshalb können die Chinesen nicht mit der revolutionären marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei einverstanden sein.

Sie sind überhaupt mit unserer gesamten Innen- und Aussenpolitik nicht einverstanden. Und das bringen sie zum Ausdruck. Tschou En-lai, Li Hsiän-niän und Mao haben den Kontakt zu uns abgebrochen, was noch übriggeblieben ist, ist ganz und gar formal, eine Sache der Diplomatie . Albanien ist nicht mehr der «spezielle treue Freund», für sie ist es ins letzte Glied gerückt, nach Rumänien und Jugoslawin in Europa, nach Korea, Vietnam und Kambodscha in Asien. China nimmt nicht an unseren politischen Manifestationen teil, denn es könnte sich kompromittieren! Es schickt (im Zuge von Europatourrehen) Zirkustruppen, Fussball- und Volleyballmannschaften zu uns,. mehr nicht. Die Wirtschaftsabkommen werden, mit Verschleppungen, eingehalten. Doch zeigt sich klar, dass «das erste Feuer» erloschen ist.

Wie könnte China mit unserer Aussendpolitik einverstanden sein,. stellt es doch zu einer Zeit Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika, zu Japan, zu Bundesdeutschland, zu Francospanyen her, da wir die Aufnahme von Beziehungen zu ihnen nicht nur ablehnen, sondern auch unablässig ihre imperialistische und faschistische Politik entlarven? Wie könnte China die revolutionäre Haltung unseres Landes, den Kampf gegen Religion und Vatikan gutheissen, wenn doch Yü Dschan, hoher Funktionär im Außenministerium Chinas, zu unserem Botschafter sagt: «Was ihr macht, können wir nicht tun, denn über 50 Millionen der Bevölkerung Chinas bestehen aus Elenenten der gestürzten Klassen und ihren Angehörigen.»? Wie könnte es auch .anders sein, öffnen sie doch - während bei uns die Religion, die Kirche und der Vatikan bekämpft werden - in China, in Peking, katholische und orthodoxe Kirchen und Kathedralen, derer Besuch von der chinesischen Presse propagiert wird.

Die katholische Presse überall auf der Welt hat einen Verleumdungsfeldzug gegen uns gestartet und stellt uns China entgegen. Die bürgerlich-kapitalistische Presse greift uns an, weil wir keine diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika herstellen, und stellt uns China entgegen.

Ebenso wenig versäumt es die kapitalistische Weltpresse, wenn sie die Bilanz der opportunistischen Einstellung Chinas zu vielen Problemen zieht, unsere Einstellung zu den gleichen Problemen hervorzuheben. Und die Schlussfolgerung daraus ist natürlich, dass es zwischen China und Albanien Widersprüche gibt, dass «Albanien vollständig isoliert und von China verlassen worden ist» usw.

Die Haltung, die China gegenüber den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und revolutionären Gruppen eingenommen hat, nämlich nichts über sie zu veröffentlichen, um sich nicht zu ,kompromittieren», nimmt es nun auch gegenüber der Volksrepublik Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens ein. Nichts findet ich in seinen Zeitungen über uns, sieht man einmal ab vom Empfang und der Verabschiedung chinesischer Fußballspieler, Volleyballspieler und Zirkusleute. Alles andere über Albanien ist aus der chinesischen Presse verschwunden. Mit dieser Haltung wollen die Chinesen der kapitalistischen und revisionistischen Welt offen zeigen, lass sie keine besonderen Beziehungen zum sozialistischen Albanien und zur Partei der Arbeit Albaniens unterhalten. Albanien, so wollen de sagen, ist für uns nun dasselbe wie Jugoslawien und Rumänien. Doch das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens sagen ihrerseits der kommunistischen Weltbewegung, den Chinesen, der kapitalistisch-revisionistischen Welt, dass sie unerschütterlich ,vie ein Granitfelsen auf revolutionärem marxistisch-leninistischem Kurs verbleiben, dass sie um kein Jota von dieser Haltung abgegangen sind und auch nicht abgehen werden, dass sie siegen werden. China identifiziert sich mit dem titoistischen Jugoslawien und dem revisionistischen Rumänien, nicht mit uns.

Chinas Politik der offenen Tür wird nicht nur in den staatlichen Beziehungen, sondern auch «auf der breiten Strasse des proletarischen Internationalismus» «erfolgreich» fortgeführt. Nicht nur, dass die Türen des chinesischen Staats für Ausländer jeden Kalibers geöffnet wurden, von Nixon und Tanaka über Tschiang Kai-schek, wenn er will, bis hin zu jenen Antimarxisten, die es bekämpft und beschimpft haben. Im Zuge dessen wurden ihnen auch die Tore der Kommunistischen Partei Chinas aufgetan. Ja, so ist es, sie wurden Ausländern aufgetan.

Unter den ausländischen Spezialisten, die in chinesischen Einrichtungen arbeiten, hat man zur Kenntnisnahme und Billigung den Entwurf einer Anweisung mit dem Titel «Über die Verbesserung der Arbeit mit den ausländischen Spezialisten, die in China arbeiten» verteilt. Dieser Entwurf trägt den Stempel der Rede, die Tschou En-lai einige Tage zuvor gehalten hatte und der die chinesische Presse auch einen Artikel widmete. Der offizielle chinesische Kommentator sagte also:

«Die ausländischen Spezialisten sollen das Leben in China kennenlernen, sich mit den Materialien der Partei vertraut machen, die den Massen in China innerhalb und außerhalb der Partei bekannt .sind. Sie können Parteiorganisationen bilden, können sogar als Mitglieder in die Kommunistische Partei Chinas aufgenommen werden. Sie können an Schulungskursen teilnehmen, je nach Wunsch entweder zusammen mit den Chinesen oder allein. Man muss sich um die Familien der ausländischen 'Spezialisten kümmern, die Kinder sollten in Kinderkrippen und Kindergärten gebracht werden, sie sollten der Kinder- bzw. der Jugendorganisation angehören, je nach Alter zur Schule gehen und gemeinsam mit den Chinesen in Wohnheimen wohnen. Man sollte die ausländischen Jugendlichen nicht daran hindern, sich mit chinesischen Mädchen anzufreunden, sich in sie zu verlieben und sie sogar zu heiraten. Die betreffenden Organisationen sollen durch Aufklärungsarbeit unter den chinesischen Familien zum Kampf gegen die Überbleibsel in dieser Beziehung beitragen. Auch der Staatssicherheitsdienst muss die Arbeit zum Schutz der in China arbeitenden ausländischen Experten verbessern. Sie müssen wirtschaftlich gut gestellt sein», usw. usf. Kurz gesagt: Dieser Entwurf war ein ganzes liberal-revisionistisches «Gedicht». Alle Tore Chinas werden dem kapitalistisch-revisionistischen ausländischen Abschaum nun aufgestoßen.

Das ist eindeutig. «Vor wem müssen wir uns fürchten?» fragen die, die China regieren und die Kommunistische Partei Chinas leiten. Und ihre Antwort ist: «Vor den Dogmatikern, den Sektierern und nicht vor den Liberalen.» Sie geben ja selber zu: «50 Millionen der Bevölkerung Chinas sind sowieso reaktionär.» Soll also ruhig noch eine Million Reaktionäre aus dem Ausland einströmen! «Was können sie uns schon antun? Sie werden im Meer der Chinesen untergehen. In der Perspektive werden wir es sein, die die Erde bedecken. Sind wir etwa nicht das grösste Volk der Welt?»!

Tschou En-lai hat sich in eigener Person an unsere Botschaft gewandt wegen Massnahmen .gegen einige albanische Studenten, die auf rein kameradschaftliche Weise Umgang mit chinesischen Mädchen hatten. Und das war viele Jahre vor der «Kulturrevolution». Also kann man diese Anschauungen nicht Lin Biao anhängen. Wie viele «blumenbedeckte» Wege gab es nicht schon in China seit ieser Zeit, wie viele «Blumen» sind nicht schon in der von Konfuzius. «gesegneten» Erde Chinas erblüht und werden dort noch erblühen!

Was wird das für ein Unrat sein, der da nach China kommen wird! Wie viele werden heiraten! Wie viele Gesellschaften, legale und illegale, werden da entstehen! Wie viele Kirchen und Kathedralen wird man öffnen! Wie viel Abschaum wird die chinesische Staatsbürgerschaft annehmen! Wie viele davon werden in die Reihen er Kommunistischen Partei Chinas eindringen und unter Maos Banner für den CIA, den sowjetischen KGB und den Weltkapitalismus kämpfen!

Dort wird tatsächlich das Zentrum der trotzkistischen Internationale entstehen. Dieser ganze Unrat wird unter der Larve von «Linken», «Maoisten», in ihren Ländern «Verfolgten» nach China einströmen. In China werden sie Hilfe und Unterstützung finden. Und mit der Rückendeckung und dem «Siegel Maos» werden sie von ort aus den Kampf gegen die wahren Marxisten-Leninisten aufnehmen und weiterführen, um die revisionistischen Parteien für sich zu gewinnen, vom Einfluss der revisionistischen Sowjetunion zu lösen.

Hier wird eine äußerst gefährliche Tätigkeit der «maoistischen» Revisionisten ihren Anfang nehmen. Wir müssen sehr wachsam sein. Der Kampf gegen den Sowjetrevisionismus von revisionistischem Positionen aus führt auf einen revisionistischen Weg; sich auf den amerikanischen Imperialismus zu stützen, um den Sowjetrevisionist zu bekämpfen, führt dazu, dass man das schmutzige Banner !es Trotzkismus erhebt, also den Sowjetrevisionismus bekämpft, um einen Platz als Grossmacht und «grosse ideologische Führung» einzunehmen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und China sind sich also unscheinend einig in bezug auf die Schwächung ihres Hauptrivalen, der sozialimperialistischen Sowjetunion. Sowohl der amerikanische Imperialismus als auch China haben weiter das Ziel, die «volksdemokratischen» Satelliten von der Sowjetunion zu lösen. Umgeben von 4 oder 5 Vizeministern leitete Li Hsiän-niän diese Arbeit mit dem Empfang der Wirtschaftsvertreter der Tschechoslowakei und Bulgariens ein.

China hat gute Verbindungen zu Tito, zu Ceauescu, zu Carrillo. Mit Sicherheit wird es die Verbindungen zu den anderen revisionistischen Parteien und den «maoistischen» Trotzkisten ausbauen. Die Bourgeoisie wird an ihre «Wespen» die Parole ausgeben, im Garten, in dem «hundert Blumen blühen», Honig zu sammeln und ihr Gift zu verspritzen.

FREITAG,

18. MAI 1973

EIN BRIEF VON MAO TSETUNG AN SEINE FRAU

In einer «selbstkritischen» Rede, die er am 8. März vor den in na arbeitenden ausländischen Spezialisten hielt, erklärte Tschou En-lai: «Wir werden Ihnen nun einige Parteidokumente verlesen, die Lin Biaos Entlarvung zu tun haben.»

Das «erste», in 7 Sprachen übersetzte Dokument wurde dann den ausländischen Spezialisten vorgelesen, darunter auch unseren, die bei Radio Peking arbeiten. Dieses Dokument ist ein Brief Maos an Djiang Tjing. Er trägt das Datum vom 8. Juli 1966.

Mao schreibt an seine Frau: «Nachdem ich aus Hangtschou abgereist war, habe ich 10 Tage lang in Höhlen gewohnt und bin nun in Tschangscha (dem Land der weissen Wolken und der gelben Stör!). Nach 10 Tagen ohne Information ist Dein Brief sehr interest, voll neuer Dinge... Das leitende Organ des Zentralkomitees beeilt sich ja, mir die neuesten Materialien zur Genehmigung zuzusenden, und ich werde ihnen zustimmen. Mein Freund [gemeint Lin Biao] hat ein Referat über den 'Staatsstreich', gehalten und dieses Problem einer Analyse unterzogen, wie sie bisher noch von keinem gemacht worden ist. Einige seiner Ideen machten mich sehr nachdenklich und beunruhigten mich. Ich hätte mir nie gedacht, meinen Büchern eine solch wundertätige Kraft zu eigen wäre.

Deshalb kamen mir unwillkürlich die Sprichwörter in den Sinn: s langgezogen wird, reisst leicht', 'Je höher man steigt, desto nerzharter der Sturz', 'Je größer der Ruhm eines Menschen, o schwerer für ihn, sich seiner würdig zu erweisen'.

Die Umstände zwangen mich, der Forderung einiger zu genügen. Es ist das erste Mal, dass ich entgegen meinem Wunsch mit anderen einverstanden bin, gegen meinen Willen handle. Nun ich die Merkmale sowohl des Tigers als auch des Affen, mehr aber des Tigers. Das ist die Hauptsache und das Wichtige. Dir empfehle ich, Dir den Ruhm nicht zu Kopf steigen zu lassen, besonnen zu sein und auf die Ratschläge der Genossen... und Tschen zu hören.» (Gemeint ist Tschen Bo-da, doch als die chinesischen Genossen von den Ausländern gefragt wurden, wer diese Genossest seien, auf die Djiang Tjing hören sollte, antworteten sie: Wir kennen sie nicht!) «Ich bin nun der Affe, der König wurde, weil es in den Bergen keine Tiger gibt. In unserer Zeit, der es an Helden mangelt, bin ich, ein kleiner Mensch, so hoch hinauf gestiegen. Ich bin ein Held, weil es keine anderen gab. All das darfst Du keinem Menschen sagen, denn es stimmt mit den schwarzen Äußerungen der Rechten überein, für die Linken wäre es eine kalte Dusche, den Rechten dagegen würde es helfen. Die Hauptsache ist jetzt der Kampf, um die Rechten teilweise zu stürzen. Meine Äußerungen sind nicht nach dem Geschmack der Linken und der Massen. Wenn wir die Rechten weggesäubert haben, müssen wir eine weitere Säuberung vornehmen, sogar noch mehrere. Einmal in 7 oder 8 Jahren kommt es auf der Welt zu Erschütterungen, und bei diesen Erschütterungen: kommt das Schlechte hervor. Möglich, dass nach meinem Tod diese. Äußerungen von mir bekannt werden. Die Rechten werden sie dann für ihre Zwecke benutzen, und die Linken werden sich anderer meiner Äußerungen bedienen, sich organisieren und die Rechten zerschlagen, usw. Die Rechten werden scheitern wie Tschiang Kaischek.»

Dieser Brief Maos ist aus vielen Gründen merkwürdig, wenn man sich vor Augen hält, in welchem Jahr er geschrieben wurde, und welche Ereignisse seit damals in China stattfanden.

Zunächst einmal bringt Mao in dem Schreiben an seine Frau. offen zum Ausdruck, dass er nur ihr vertraut, sagt er ihr doch, dass sie seine Ansichten «keinem Menschen sagen» dürfe. Djiang Tjing ist seine einzige Stütze. So kommt es heraus. Von der Partei spricht er überhaupt nicht, als ob es sie nicht gäbe. Für Mao existieren zwei Strömungen: die Rechten und die Linken, die um die Macht kämpfen, während Mao von der Partei, den Massen, den Genossen völlig isoliert ist. Richtet sich dieser Brief gegen seinen «Freund» Lin Biao, der die Kulturrevolution macht? Es scheint so, denn die Anspielungen auf den Kult um ihn sind auf Lin Biao gemünzt. Doch wie dem auch sei, als die Rechten bezwungen waren, bewirkte Mao, dass Lin Biao statutenmassig zum stellvertretenden Parteivorsitzenden bestimmt wurde, während er ihn gleichzeitig schon auf seiner Liste der Linken stehen hatte, die später hinweggesäubert werden sollten. Ein Doppelspiel!? Fehlendes Stützen auf die Partei, auf die Massen. Er sagt sogar selbst im Brief, dass «mich die Massen nicht verstehen werden». Doch wer wird ihn denn seiner Meinung nach verstehen? Das wird nirgends erkennbar. Eines wird erkennbar: auch in Zukunft werden sich in China die Rechten erheben, um über die Linken herzufallen. Diese werden sich dann organisieren und die Rechten hinwegsäubern. Und so wird es ständig alle 7 Jahre geschehen.

Es lebe das Chaos und die Anarchie! Der Stärkste ergreife die Macht! Einmal wird der Affe König, ein andermal der Tiger! Eine schöne Theorie! Was für ein Vertrauen können die gesunden Kader in solche Theorien haben? Dort kämpfen einzig die beiden Flügel um die Macht. Und die Antimarxisten und die Marxisten-Leninisten müssen sich den Überzeugungen des einen oder des anderen Flügels unterordnen ! ?

Welcher Zweck wird wohl mit der Veröffentlichung dieses negativen Briefs verfolgt? Es soll anscheinend positiv hervortreten, dass Mao von Beginn an Lin Biao als Linken durchschaute und kein Vertrauen zu ihm hatte, ihn aber als kleineres Übel ausnutzte, um ihn dann zu liquidieren. Einen anderen Zweck gibt es nicht.

Damit sagt er auch den andern: «So wird es morgen auch euch ergehen, nichts ist sicher. Die Sache mit den beiden Linien in der Partei ist meine Theorie, und der Tiger, der über beiden Linien steht und Regen und Sonnenschein macht, das bin ich!» Allerdings sind wir in den Fragen Chinas, in denen wir nicht über die exakten Angaben verfügen, bei Ableitungen auf unsere Vorstellungskraft angewiesen, deshalb muss man auch andere Versionen in Erwägung ziehen.

Wir haben oben festgestellt, dass dieser Brief im Juli 1966 geschrieben wurde, als die Kulturrevolution gerade begonnen hatte, als die Verschwörung der Rechtsgruppe Lius aufgedeckt worden war und gerade entlarvt wurde. Also müssen wir seinen Inhalt unter dem Blickwinkel der Ereignisse dieser Zeit betrachten. Mao war an diesem Kampf beteiligt, und es gibt deshalb keinen Grund, seine Äußerungen zu Lin Biaos Referat über den «Staatsstreich» als Ironie zu «interpretieren». Es war also klar, dass die von Mao geführte Kulturrevolution für die Liquidierung von Liu Schao-tschis Staatsstreich kämpfte. Und Lin Biao war für diesen Kampf, also für Mao.

Mao schreibt Djiang Tjing in diesem Brief: «Berate Dich mit den Genossen. . .» Der erste Name wird nicht genannt, doch zweifellos ist der gestrichene und durch Punkte ersetzte Name der Lin Biaos. Warum hat man ihn gestrichen? Dies wird verständlich, zieht man die späteren Ereignisse und die Beschuldigungen gegen Lin Biao in Betracht. Der andere Name ist Tschen. Wer ist dieser Tschen? Als die chinesischen Genossen nach ihm gefragt wurden, behaupteten sie, sie wüssten es nicht. Das ist nicht wahr, sie wissen es, geben es aber nicht zu. Der Verstand sagt einem, dass es sich um Tschen Bo-da handelt. Man mag die Frage stellen: Warum liess man den Namen Tschen (ohne Bo-da) stehen und der Name Lin Biao wurde gestrichen? Warum wurden nicht beide stehengelassen oder gestrichen? Genau darin besteht die «Chinesiade» in der ganzen Sache: Tschen Bo-da wurde .bereits namentlich entlarvt, Lin Biao dagegen noch nicht. Ist etwa die Frage Lin Biao noch nicht geklärt? Oder bleiben die Umstände noch im Dunkeln, obwohl er innerhalb Chinas

entlarvt wird? («Wie beging Lin Biao Verrat?! Wie floh er in die Mongolei?! Wie wollte er Mao ermorden?! Auf welche Weise war er prosowjetisch und antiamerikanisch?» usw. usf.)

Mit anderen Worten: Studiert man den Brief mit den Augen der Zeit, in der er geschrieben wurde, stellt sich heraus, dass Maos Freunde... (ein Name in Pünktchen) und «Tschen» waren. Tschou En-lai taucht nirgends auf, also zählte er nicht zu Maos «Getreuen». Wo stand also diese nach Mao und Liu Schao-tschi so wichtige Figur?

Wenn wir uns an diese Interpretation des Briefes halten, stellt sich die Frage: Weshalb ist dieser Brief gerade jetzt ans Licht gekommen?! Wem dient er? Dient er der jetzigen Situation, oder soll eine neue Situation, ein neuer «Umsturz» angebahnt werden, wie ihn Mao im Brief predigt, wie er ihm den Boden bereitet?

Vieles ist vorgefallen, und alles geschah in Maos Namen. Und bei jedem Umschwung zog sich Mao geschickt aus der Affäre. Liu handelte «unter Maos Banner», Mao trat gegen ihn auf; die Kulturrevolution stand «unter Maos Banner», Mao trat gegen Lin Biao auf; Tachou En-lai kämpft «unter Maos Banner», Tschou findet Maos Billigung. Das werden wir sehen. Gegenwärtig schweigt er mehr als er spricht, zieht irgendeinen Brief und irgendeinen Deng Hsiaoping aus dem Loch hervor.

SAMSTAG,

26. MAI 1973

IN CHINA WEHT WESTWIND

Vor der Pariser ,Konferenz, auf der das Abkommen über die «Herstellung des Friedens in Vietnam» unterzeichnet wurde, hatte China erklärt, sein Aussehminister Dji Peng-fe werde verschiedene Länder der Welt besuchen. Sogar die Termine der Besuche waren festgelegt worden. Und an der Spitze der Liste, vor allen anderen Staaten, die der chinesische Minister besuchen sollte, stand Albanien, «Chinas enger Verbündeter». Das war ein richtiger und würdiger Beschluss.

Die Pariser Konferenz kam, auf der auch China durch Dji Peng-fe vertreten sein sollte. Die Reisepläne kamen durcheinander, wurden auf später verschoben. Gut!

Nun wird gemeldet, das Dji Peng-fe seine Reise antreten wird, doch die Reihenfolge ist nicht mehr die alte. Nicht nur, dass nicht mehr die Rede davon ist, Albanien als erstes zu besuchen, man sagt nicht einmal, wann es besucht werden soll. Angekündigt wurde, dass Dji Peng-fe im Juni nach London und von dort aus nach Paris fahren wird. Danach, heisst es, wird er Rumänien besuchen.

Es zeigt sich deutlich, dass in China Westwind und nicht Ostwind weht!

MITTWOCH,

27. JUNI 1973

IN CHINA WERDEN BANKETTE FÜR DEN BANKIER

ROCKEFELLER GEGEBEN

Die Chinesen gaben in einem Kommuniqué der Weltöffentlichkeit einen Atombombenversuch bekannt. Das ist eine gute Sache und die geeignete Antwort auf die sowjetisch-amerikanische Erklämg über den «Atomkrieg». Doch wir werden später sehen, was daraus wird.

Man spricht davon, Kissinger werde im Herbst nach Peking reisen, Tschou En-lai werde in die Vereinigten Staaten von Amerika fahren, und 1974 solle Nixon erneut nach China kommen. Inzwihen meldet Hsinhua aus Peking: Der namhafte amerikanische Bankier Rockefeller hält sich in China auf. Er führt Gespräche und für ihn werden Bankette gegeben. Djiang Tjing beschäftigt sich .dessen mit Schwimmern und anderen Sportlern aus Amerika und lässt durch sie Nixon und seiner Frau Grüsse bestellen.

Wo führt das hin?!!

SAMSTAG.

30. JUNI 1973

DIE VÚLKER WERDEN CHINA DIESE GEFÄHRLICHE

EINSTELLUNG NICHT VERZEIHEN

Breschnew hat seinen Besuch in den Vereinigten Staaten von Amerika beendet. Die Gespräche, die er mit Nixon führte, waren sehr herzlich und spektakulär. Die ganze Welt kicherte: der sowjetische Cowboy traf sich selbst mit den «Hollywood-Stars», mit den kalifornischen Cowboys, umarmte und küsste den Cowboydarsteller, der «Banditen»rollen spielt. Sehr vielsagend! Genauso vielsagend ist auch Breschnews Auftreten im amerikanischen Fernsehen: Er hatte ein Jackett mit dem amerikanischen Adler an, das ihm Nixon verehrt hatte! Breschnew wechselte das Hemd, er vertauschte das sowjetische Jackett mit dem amerikanischen. Der Sinn des Ganzen: er hat sich an den amerikanischen Imperialismus verkauft. Die amerikanischen Milliardäre, mit denen Breschnew ein langes und herzliches Gespräch führte, waren sehr zufrieden und bezeichneten Breschnew als «wahren Amerikaner», der «auf dem Treffen den Vorsitz genau wie ein Amerikaner führte». Seine übrigen grotesken Scherze wollen wir gar nicht erwähnen, sie riefen auf der ganzen Welt Sensation hervor und zogen das Ansehen der Sowjetunion in den Schmutz.

Ein Clown folgte dam anderen : Chruschtschow feierte «Verlobung» und fuhr zum Honigmond in die Vereinigten Staaten von Amerika, und Breschnew fuhr dorthin, nach Camp David und Kalifornien, um die «Vermählung» der Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten von Amerika perfekt zu machen, um «die Ehe» mit Nixon zu vollziehen. Breschnew brachte Nixon als Mitgift, für eine Handvoll Dollars, die Reichtümer der Sowjetunion, den Boden, die politische Freiheit, die Souveränität, das Ansehen der Sowjetunion.

In den Thesen, die ich für die in «Zëri i popullit» veröffentlichten Artikel zu diesen Problemen lieferte, werden unsere Ansichten dargelegt, doch so sehr man sich in diese Fragen auch vertieft, so viel man auch üb,2r sie schreibt, es ist nie zuviel. Das sind Probleme von Weltbedeutung, um die gefährliche Intrigen internationalen Charakters gesponnen werden.

Es ist ein grosser Fehler, die nun weltweit bekannten Abkommen, die zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika abgeschlossen worden sind, nicht offen und öffentlich in der Presse zu durchleuchten. In diesen Fehler verfallen die Chinesen, die sich damit begnügen, unseren Genossen in Peking - und sicher auch den anderen - ihre Meinung auf dem Korridor mitzuteilen. Die Chinesen geben keinerlei offizielle, offene Stellungnahme zu dem Treffen Breschnew-Nixon und den dabei erzielten Ergebnissen und Abschlüssen ab. Ein chinesischer Atombombenversuch allein, so sehr 3r auch seine Bedeutung hat, ist keineswegs ausreichend. Doch die Chinesen finden, das sei genug, um alles zu erklären und die teuflischen sowjetisch-amerikanischen Pläne zu durchkreuzen.

Das Schweigen der Chinesen st nicht normal und sehr bezeichnend. Es zeigt, dass China nicht reden will. Weshalb? Weil es, würde es sprechen, unweigerlich beide «Banditen», wie sich die -chinesischen Genossen in den Korridoren ausdrücken, entlarven müsste. Um den einen nicht entlarven zu müssen, mit dem es «Flitterwochen» feiert, lässt es auch die Entlarvung des anderen sein und nimmt die olympische Pose ein, mit der es sagen will: «Ich äussere mich nicht, sondern denke und arbeite stillschweigend.» «Eine glänzende Methode!» Doch die kauft dir niemand a-b, sie gefällt niemand, niemand billigt sie und niemand traut ihr. Du magst im Kopf viel Gutes oder auch Kohl haben, doch die Menschen haben gelernt, auf die Taten zu achten und nicht auf die Verpackung.

Du, China, bist ein grosses Land, doch deine Meinung sagst u noch nicht einmal in den entscheidenden Augenblicken, da alle Länder, alle Völker die grosse internationale Verschwörung, die die beiden imperialistischen Mächte, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika, anzetteln, mit grosser Sorge betrachten.

Wenn man behauptet, dass die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika «zu k einem gemeinsamen Abschluss gekommen sind», so bedeutet das entweder, dass man nicht sieht, und das ist grosse politische Kurzsichtigkeit, oder dass man begriffen hat, jedoch schweigt und nicht redet, weil man gewisse Absichten hat.

Die beiden grossen imperialistischen Banditen haben sich «urbi et orbi» über ihre gegenseitigen sowie die internationalen Probleme verständigt. Diese Abkommen wurden ganz offen unterzeichnet und bekannt gegeben, doch es gibt auch Geheimabkommen, die nicht veröffentlicht wurden, über die man nicht spricht, auf die man aber aus dem, was geschrieben wurde, um etwas zu verbergen, schlissen kann. Die beiden können nichts geheim halten. Nicht, dass sie es im Radio und im Fernsehen laut verkünden werden. Aber die Welt wird dahinterkommen, wenn sie sie in die Tat umsetzen, denn diese geheimen Beschlüsse wurden gefasst, um zu handeln, und zwar auf Kosten der Völker. «Fs gibt Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika», sagen die Chinesen. Gewiss, es gibt sie und wird sie auch weiter geben. Doch durch die Abkommen, die die beiden erzielt haben, sollen die Widersprüche gemildert werden. Was diese Abkommen anbelangt, so wird die Säge eines Tages auf Nägel treffen. Deshalb müssen Nägel eingeschlagen werden, damit sich die Säge festfrisst.

Tatsache ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika aus diesem Spiel mit einem Vorsprung hervorgingen. Sie verschafften sich neue, grosse Kolonialmärkte, und zwar dort, wo sie es niemals erwartet hätten, ausgerechnet in der Sowjetunion. Mit der Sowjetunion hatten die Vereinigten Staaten von Amerika einst in Feindschaft, beinahe im Kriegszustand gelebt, denn die Sowjetunion war ein sozialistisches Land, ein geschworener Feind des Kapitalismus und Imperialismus gewesen. Mit dem ,Machtantritt der Sowjetrevisionisten änderte sich die Situation allerdings, und alles musste zwangsläufig so kommen, wie es gekommen ist. Der grosse, mächtige Staat der Proletarier verwandelte sich in einen kapitalistischen Staat, in einen sozialimperialistischen Staat, bereit, sich mit einem anderen imperialistischen Staat zu verständigen. Die Abkommen - das stand ausser jedem Zweifel - würden auf ungleicher Grundlage zustande kommen. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren der Sowjetunion in der Wirtschaft, in der Technik, in der Industrie, in der Landwirtschaft, aber auch militärisch überlegen. Die Revisionisten beließen ihr Land im Rückstand. Bei ihrer Wendug hin zum Kapitalismus erlitt die Sowjetunion vielerlei Niederlagen, die sin den Kopf einziehen, die Fahne einholen und die Vereinigten Staaten um Hilfe angehen liessen, um das vom Einsturz bedrohte Haus zu reparieren.

Ausgerechnet Breschnew fuhr, obwohl Vertreter eines grossen indes, nach Washington und bettelte, bettelte auf so schmierige 'eise, dass er sich vor den amerikanischen Senatoren erniedrigte, nen bis ins einzelne Rechenschaft über die sowjetischen Juden, ärger seines Staates, ablegte: wie viele er nach Israel geschickt hat, wie viele vor der Ausreise stehen, wie viele noch übrig bleiben und as mit ihnen geschehen wird. Und warum diese schmierige, skandalöse Unterwürfigkeit? Um an Dollars heranzukommen, mit diesen .untriefenden Dollars fortgeschrittene amerikanische Technologie zu kaufen und zugleich einen Markt zu finden, um die Reichtümer des Sowjetvolks an die amerikanischen Milliardäre zu verschachern. Das t offensichtlich und bedarf keines Kommentars. Die «Neunmalklu2n» werden sagen: «Das ist eine Taktik der Sowjetunion, um mit .n Vereinigten Staaten von Amerika gleichzuziehen.» Als ob der amerikanische Imperialismus auf den Markt getreten wäre, seine Stärke als Tribut zu geben, um sich selber zu schwächen und den Gegner zu stärken! Und die «klugen und schweigenden Politiker» erden so tun, als verstünden sie alles, und es sich nicht nehmen lassen, rundheraus und öffentlich zu behaupten: «Die Sowjetrevisionisten sind gefährlicher .als die amerikanischen Imperialisten.»

Warum denn darüber streiten, wer der Gefährlichere ist, wo doch beide gleichermassen wilde Feinde der Völker und ihrer Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität sind?! Wenn man das Problem so angeht wie diese prinzipienlosen und bankrotten Politiker, schlägt man sich natürlich auf die Seite des «Schwächeren», und für den Schwächeren halten sie die Vereinigten Staaten von Amerika. Diese werden die Sowjetunion ausnehmen, märchenhafte Gewinne aus ihr herauspressen, die ihnen dazu dienen werden, die Macht ihres Weltreichs zu vergrössern Auf der anderen Seite wird das Eindringen amerikanischen Kapitals in die Sowjetunion mithelfen, auch noch die letzten Überreste der Errungenschaften der Grossen Sozialistischen Oktoberevolution auf schnellstem Wege zu beseitigen. Es wird beitragen zum Zerfall der Sowjetunion als Union von Republiken. Das ist die Absicht des amerikanischen Imperialismus: die Sowjetunion als gefährliche rivalisierende kapitalistische- Macht zu zersetzen.

Die «Neunmalklugen» werden sagen: «Das wird sich kaum erreichen lassen.» Im Gegenteil, das lässt sich sehr leicht erreichen, wenn einer vom marxistisch-leninistischen Kurs abgeht. Es liegt im Wesen des Revisionismus, nationalistische Gefühle anzufachen, und die Vereinigten Staaten von Amerika werden dieses Feuer mächtig schüren. Die «Neunmalklugen» sagen: «Das wird nicht gelingen.» Doch was sagen die Fakten aus? Chruschtschow kam an die Macht. doch was brachte er mit und was geschah in der Sowjetunion? Chruschtschow stürzte, die Breschnews kamen, doch worauf lief es in der Sowjetunion hinaus? Auf den Ausverkauf an die Vereinigten Staaten von Amerika. Morgen werden die, die nach ihnen kommen, die Sowjetunion auch als Staat zerstören. Ob die Revisionisten wollen oder nicht, dorthin führt sie ihr Weg. Die Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika und das Bündnis mit ihnen zielen schliesslich nur auf eines ab: «Teile und herrsche.» Denn zu meinen, der Imperialismus werde einem helfen, sich zu stärken, um .ihm das Grab zu bereiten - das ist absurd.

Die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion unterzeichneten Abkommen verbürgen das Fortschreiten dieses Prozesses, dennoch hat jeder von ihnen seine Vorbehalte, seine eigenen Ziele. Und obwohl sie diese einander nicht eingestehen, weiss doch der eine um die des andern, und man versteht sich eigenen Ziele. Um diesen Prozess voranzutreiben, mussten sie ein sensationelles» Abkommen schliessen, das «den Krieg zwischen ihnen verhindert». Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben dieses Abkommen - soweit es überhaupt wirksam sein wird - in der Formulierung weiter gefasst. Sie wurden zu den Weltgendarmen, erklärten und beschlossen ungeschminkt, dass sie überall eingreifen werden, wo ihre Interessen angetastet werden, immer und überall, wo „der Frieden in Gefahr ist», wie es in ihrer Terminologie heisst.

Der Ablauf dieses Prozesses, der von den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion angekurbelt wurde, zeigt, dass dies ein gewöhnlicher, !klassischer imperialistischer Prozess ist. Die Auswirkungen dieses Prozesses sind nicht allein auf die beiden Länder beschränkt, sondern machen sich auf der ganzen Welt bemerkbar. Diese beiden Supermächte wollen auf der Welt dominieren, sie wollen sie ausbeuten, sich gefügig machen, unter die Knute der Herren aus der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika bringen. Deshalb steckten sie ihre Einflusszonen ab. Diese Einflusszonen sind einerseits fest, andererseits aber auch nicht. Es gibt dabei Bündnisse, die schriftlich verankert sind, aber auch solche, die es nicht sind; in beiden Fällen werden die Interessen fieser beiden Herren aufeinanderprallen. Ihr geheimes Einvernehmen besteht nun darin, bei diesem Aufeinanderprallen Getöse zu verneiden, sich vielmehr zu verständigen und übereinzukommen. Besonders geht es den beiden darum zu verhindern, dass die Völker, auf deren Rücken diese Schachereien betrieben werden, sich erheben. Für diesen Fall haben sie zwei Wege vorgesehen. Der erste: beide Banditen verständigen sich über die Plünderung; der zweite: falls sich der Ausgeplünderte wehrt, schlagen sie auf ihn ein und sagen: «Kusch! Du bringst den Frieden in Gefahr!», den Frieden der Banditen, versteht sich.

Hier geht es nicht um «Abrüstung», sondern um die Erhaltung der Rüstungsbestände, um die Wahrung des Atommonopols. Es geht hier um das Bestreben, alle in eine der beiden Sphären, d.h. unter die Atomschirme der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika zu bringen. China und Frankreich, die über die Atombombe erfügen, werden als Ketzer betrachtet. Deshalb trachtet die eine vie die andere Supermacht danach, sie beide in die Knie zu zwingen, ;in den Klub zu bringen», um ihnen den Hals umzudrehen wie einem Huhn.

Im Licht des sowjetisch-amerikanischen Bündnisses haben die Pakte und alle Arten von Abkommen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion mit ihren Partnern einen anderen Sinn erhalten, eine andere Richtung genommen. Die beiden Grossen betrachten nun alles rein vom Standpunkt des Abkommens aus, das sie geschlossen haben, und die Partner in diesen beiden multilateralen Bündnissen sind nicht mehr als Bauern in diesem Schachspiel.

Alles wird in erster Linie den Zwecken dieser berüchtigten Allianz nutzbar gemacht werden. Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe, Handelsabkommen und die anderen Schachereien werden Sinn und Richtung ändern. Da die Einflusszonen abgesteckt sind, meint die Sowjetunion, ihre ,Herrschaft über die Satelliten «gesichert» zu haben. Schon bevor es so war, liess die Sowjetunion sie nach ihrer Peitsche tanzen, setzte sie tausend wirtschaftlichen Restriktionen und Erpressungen aus. Von nun an aber werden die Schrauben so fest angezogen, dass die «Verbündeten» zu wahren Hampelmännern herabgewürdigt werden. Die Sowjetunion, die ihre Reichtümer und ihre Seele an den amerikanischen Imperialismus verkauft, ist nicht in der Lage, ihre Verpflichtungen gegenüber den Satelliten einzuhalten, deshalb wird sie sich bemühen, sie noch übler zu triezen, sie fest vor ihren Karren zu spannen, um sie noch härter ins Geschirr zu nehmen. Dies ist die Perspektive, die sich dem RGW, der Integration und dem über ihren Köpfen stehenden Warschauer Vertrag bietet. Die Früchte des neuen Zarenreichs werden nach neuen Kriterien verwendet, verwaltet und aufgeteilt werden, inspiriert von einer «neuen» Ideologie, die der Ideologie von Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin feindlich gegenübersteht.

Der amerikanische Imperialismus dagegen geht seinen vorgezeichneten Weg. Beizeiten hat er die Partner in seine Klauen gebracht. Seine Aufgabe liegt darin, sie noch fester an der Gurgel zu packen, um sie gehorsam und unter dem Stiefel zu halten.

Die grosse Weltkrise, die ausgebrochen ist, schnürt den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion mitsamt ihren Satelliten die Kehle zu. Diese Krise hat jenes Bündnis geboren, das sie aus der Klemme, das heisst aus der Zange der Revolution befreien roll. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion haben gemeinsam beschlossen, die Revolution, die Aufstände, die nationalen Befreiungskämpfe zu unterdrücken, sich in den Zielen zu vereinigen und, sollte es notwendig sein, auch ihre kapitalistisch-revisionistischen Partner zu unterdrücken. Aus diesem Grund riefen die Abkommen von Washington und Kalifornien bei allen Völkern, in allen Staaten, unabhängig von ihrer politischen Färbung, Verstimmung, Entrüstung, Zweifel und Widerstand hervor. Alle, der eine offen, der andere gedämpft, sagen: «Das Bündnis USA-UdSSR ist unserem Schaden.»

In diesem Wust sehen sich die Vereinigten Staaten von Amerika d die Sowjetunion, obwohl die Stärksten, isoliert und von allen Seiten von grosser Empörung umgeben. Ihr Plan sieht vor, diese Situation durch Demagogie, Drohung, Erpressung zu «bereinigen».

wissen, dass diesem Bündnis kein langes Leben beschieden sein kann, wenn sie nicht, jeder einzeln und beide gemeinsam, Ordnung ihrem Haus und ihren Bündnissen schaffen, das heisst, wenn sie nicht den Dickköpfigen den .Schneid abkaufen, ihnen Angst einjagen d ihre gefügigen Partner begünstigen. Der Rubel und der Dollar werden hoch im Kurs stehen, um zu korrumpieren, und mit Demagogie, Intrigen und Waffen werden die Cliquen an der Macht gehalten und wird mit neuen aufgewartet, wenn ihre Macht bedroht ist «status quo und Frieden» wird beider Motto sein.

Mit Sicherheit wird für die beiden aggressiven Supermächte nicht alles wie geschmiert laufen. Ihre teuflischen !Pläne und Handigen werden auf Reaktion und Widerstand stossen. Dieser Widerstand macht sich schon jetzt auf der ganzen Welt bemerkbar. Die europäischen Staaten - mit Ausnahme unseres sozialistischen Landes -, alle kapitalistisch-revisionistischen Staaten sind in Blöcke eingegliedert. Auch Staaten wie Jugoslawien, die sich blockfrei 'Den, stecken in diesem Wespennest. All diese Staaten und Cliquen haben also begonnen, dreist zu werden, sie haben die Hand im Spiel, doch im Innern gärt es bei ihnen gegen die beiden Supermächte.

In Helsinki und Wien finden Konferenzen statt, werden Reden halten, doch niemand schenkt den Worten Glauben, alle blicken t Misstrauen aufeinander, denn sie wissen, dass dort ihre Haut Markte getragen wird, dass dort die Standpunkte und Interessen r beiden Grossen dominieren, die sich in Europa «Ruhe verschaffen» wollen, und zwar eine Ruhe, die zu ihrer Gier nach Vorherrschaft passt. Hier stossen sie auf mehr oder weniger ausgeprägten Widerstand.

Sogar das Bonner Deutschland, das von dieser Lage am meisten begünstigt wird, sieht seine Hegemonie in Europa durch die beiden Grossen bedroht. Früher hätte es eher profitieren können, als die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion ihre Geschäfte noch nicht in Einklang gebracht hatten, inzwischen aber hat es zwei tückische, eifersüchtige Schwiegermütter, die die widerspenstige Schwiegertochter sich nicht so mästen lassen, wie sie das gerne möchte. Jede der beiden Schwiegermütter wird versuchen, die Schwiegertochter unbedingt für sich zu gewinnen, beide wollen sie aber auch gegen das unbotmässige Frankreich benutzen.

Frankreich sieht mehr die Gefahr, die ihm von den beiden grossen Partnern, aber auch von Bonn droht, das von der Situation profitiert. Die französische Regierung bezieht offen Opposition gegen das sowjetisch-amerikanische Bündnis sowie gegen die neue Atlantikcharta, durch die die westeuropäischen Länder noch stärker unter das Joch der Vereinigten Staaten von Amerika gebracht werden. Das bürgerliche Frankreich versucht, und das zeigt sich an der aktuellen Tendenz seiner Politik, die Unzufriedenheit und Angst, die dieses Bündnis bei ihm hervorgerufen hat, zu kanalisieren und innerhalb der Bündnisse eine Opposition gegen die amerikanisch-sowjetischen Pläne in Europa, aber auch auf der Welt zu formieren.

Das kapitalistische Europa ist, wie auch Frankreich selbst, bis über beide Ohren bei den Vereinigten Staaten von Amerika verschuldet, die tief in seine Wirtschaft eingedrungen sind und dort Streitkräfte stehen haben. Die kapitalistischen Länder Europas sind unzufrieden mit den Vereinigten Staaten von Amerika, können aber ohne sie nicht leben, wissen sich ohne amerikanische Hilfe, ohne die amerikanische Armee nicht zu helfen. Mag sein, dass sie über die Vereinigten Staaten maulen und herziehen, trotzdem betteln sie: «Wir beschwören dich, Amerika, geh nicht weg, liefere uns nicht allein dem Russen aus!» Natürlich haben sie Angst vor dem Russen, ganz besonders aber haben sie Angst vor der Revolution, vor der Erhebung ihrer Völker. Deshalb steckt auch die bürgerliche Politik Frankreichs mit ihren aufmüpfigen Tendenzen in diesem Teufelskreis. Das grosse Ziel der beiden Oberbanditen ist es, in Europa «Ordnung zu schaffen», um außerhalb seiner Grenzen freie Hand für ihre Manipulationen zu haben, denn sie wissen, dass fehlende Ruhe in Europa Unruhen auf anderen Kontinenten beeinflusst und schürt. Europa hat seine Rolle auf der Welt nicht eingebüsst.

In Asien, Afrika, Südamerika und im Nahen Osten hat die neuentstandene Lage noch mehr Ärger und Besorgnis ausgelöst. Es st klar, dass im Nahen Osten die beiden imperialistischen Supernächte das Gesetz machen, ihre Einflusszonen abgesteckt haben und ;ich in allen Fragen verständigen. Die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen Israel und rüsten es auf; sie .benutzen es als 3chwert gegen Ägypten, Syrien, das palästinensische Volk und die arabischen Völker allgemein. Die Sowjetunion ist für diese Länder :u einem Waffenlieferanten geworden, der auf keinen Fall den Einsatz dieser Waffen ohne seine Erlaubnis gestattet und diesen Völkern den Zustand «Weder Krieg noch Frieden» aufzwingt. Zugleich festigt sie ihre Vorherrschaftsposition als unerwünschter, als Pseudoalliierter. Natürlich ist für die Vereinigten Staaten von Amerika Israel nicht das einzige Land in diesem Raum, sie dominieren außerdem im Libanon, in Jordanien, in Saudi-Arabien, in den Emiraten am Persischen Golf und sogar im Iran. Das ist ihr Erdölreich. Die Sowjets suchen die Annäherung an den Irak, um ihn auszubeuten, und schüren im Einvernehmen mit den Vereinigten Staaten von Amerika die Widersprüche zwischen diesem Land und dem Iran. Damit wollen sie den einen wie den andern jeweils für sich fest an !er Kandare halten.

Im Fernen Osten ist die Lage für sie verwickelter, doch auch dort vollen beide festen Fuss fassen, der eine durch Drohungen, der andere durch Lächeln. Die Objekte ihrer Strategie sind China und Japan. Die Bindungen Japans an die Vereinigten Staaten von Amerika sind bekannt. Die Sowjetunion bietet ihm ein Stück von der iberischen «Torte» an. Gewiss wird Japan annehmen. Die Absicht der Sowjets ist es, Japan zu neutralisieren und zu verhindern, dass s sich China annähert, das auf diese Weise eingekreist werden soll. Japan hat diese Perspektive ständig vor Augen gehabt, aber es hat Vorbehalte, fürchtet es doch, von den beiden grossen Wölfen genesen zu werden, wenn es sich zwischen sie schiebt. Deshalb richtet Japan seinen Blick auch auf China, sehen nach dort doch auch die beiden anderen.

Die Sowjetunion bedroht China, setzt es unter Druck, um es entweder näher an sich heranzuziehen oder in die Arme der Vereinigten Staaten von Amerika zu treiben, die ihm zulächeln. Und China schlug eine Strategie ein, die unserer Meinung nach falsch ist, wenn nicht noch mehr: Es gab in der 'Tat den Kampf an beiden Fronten, gegen. die Sowjets wie gegen die Vereinigten Staaten von Amerika, auf und machte sich eine andere Politik zu eigen: Feindschaft mit den Sowjets und Freundschaft mit den Amerikanern.

Warum schlug China diese Politik ein? «Um die sowjetischamerikanischen Widersprüche auszunutzen», sagt es. Doch welches sind diese Widersprüche und wie nutzt China sie aus? Chinas Stimme war und ist in Europa nicht zu vernehmen. China hatte tatsächlich noch nicht einmal einen Hehl daraus gemacht, dass es Europa keine Bedeutung beimaß. Inzwischen hat es begonnen, Interesse zu zeigen, doch Europa ist kompliziert, byzantinisch, machiavellistisch, es kauft «Chinesiaden» nicht so leicht ab. Im Nahen Osten steht China vor der Tür. In allen anderen Ländern der Welt hat es nur potentielles, nicht aber reales Gewicht. Die beiden Supermächte manövrieren überall. Die Völker wollen sich aus dieser Zange ~befreien, sie wollen die Hilfe Chinas, seine moralische, politische, wirtschaftliche und militärische Hilfe, doch China ist nicht imstande, sie im erforderlichen Mass und in der erforderlichen Weise zu geben, weil es auf internationalem Feld keine richtigen, sondern falsche Positionen einnimmt.

Anstatt angesichts dieser grossen Krise, angesichts dieses Einvernehmens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion Positionen zu besetzen, um einen Keil zwischen die beiden zu treiben, den einen wie den anderen zu bekämpfen, anstatt in dieser Situation, in der man den Sowjets und den Amerikanern voll Angst und Unzufriedenheit begegnet, die Unzufriedenen um sich zu sammeln, hat China in seiner Politik eine Öffnung gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen. Es ist offensichtlich, wie falsch die Rechnung Chinas ist. Mit dieser Politik kann es das Vertrauen der Völker nicht gewinnen, so vergrössert es die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion nicht. So unterstützt, stärkt es nur die Vereinigten Staaten, diesen brutalen und mächtigen Imperialismus.

China betreibt diese falsche Politik, weil es einen sowjetischen Angriff fürchtet! Werden die Vereinigten Staaten von Amerika China etwa verteidigen? Man muss schon ein Dummkopf oder ein Reaktionär sein, um so etwas zu meinen. Was aber sonst? Braucht es Hilfen und Kredite? Auf diesem Pferd sitzen auch die Sowjets. Demnach geht man den gleichen Weg wie die Sowjets, und zwar im Kampf mit ihnen. Diese Politik ist nicht von marxistisch-leninistischem Geist beseelt. Diese Politik haben auch die kapitalistischen Staaten des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgt. Sie lehnten sich an die Vereinigten Staaten von Amerika an, die sie finanzierten und schluckten. Aus Angst vor der Sowjetunion der Zeit, als der grosse Stalin noch lebte und leitete, liessen sich die kapitalistischen Staaten Ler Welt vor den amerikanischen Karren spannen. Nun drückt diese 3taaten und Länder die schwere Last, drücken sie die Ketten, in die sie Vereinigten Staaten von Amerika sie gelegt haben, und sie wollen sie abwerfen.

Diese Erfahrung will nun auch China machen. Bei uns gibt es in Volkssprichwort, das sehr gut darauf passt: «Aus Trotz gegen meine Schwiegermutter, geh' ich mit dem Müller ins Bett.» Aus Angst vor den Sowjetrevisionisten will sich China also den Amerikanern in die Arme werfen. Muss es das tun? Das ist nicht markirisch-leninistisch, das ist sogar ein fataler Fehler. China muss den beiden Supermächten bis zuletzt widerstehen, es muss die unzufriedenen Völker und Nationen um sich scharen. Das sind nicht wenige, sie stellen vielmehr eine gewaltige Kraft dar. Die Kraft der Völker, die sich zur Revolution und zum Kampf gegen die beiden Supermächte erhoben haben, ist unbezwingbar. Genau das sind die Widersprüche, die China zuerst ausnutzen muss, anstatt hypothetischen Widersprüchen nachzujagen. Anstatt auf den Spuren zu gehen, die zur politischen Sklaverei führen, sollte es den wohl schwierigen, per revolutionären Weg gehen.

Wir brauchen nicht weiter zu gehen, nehmen wir nur die Frage Frankreichs. Wie das Frankreich de Gaulles unterhält auch das Pompidous zu den Vereinigten Staaten von Amerika unverändert kühle Beziehungen. Unter den jetzigen Umständen fürcht es sowohl die Sowjetunion als auch die Vereinigten Staaten s auch Bonn, dem die beiden Grossen zulächeln. Frankreich wähnt :h in Gefahr und ist bestrebt, diesem starken Druck Widerstand entgegenzusetzen. Es ist klar ersichtlich, dass es den beiden hegemonistischen Supermächten bei ihren europäischen Plänen Steine in den Weg legen will. Es ist bemüht, zusammen mit anderen europäischen Staaten eine Widerstandsgruppe zu bilden, doch das wird sich kaum erreichen lassen. Frankreich sucht auch außerhalb Europas nach Unterstützung. Es hat dabei ein Auge auf China geworfen. Uns ist bekannt, dass Dji Peng-fe Pompidou bei dem Treffen, das er mit ihm hatte, erklärte: «Seht euch vor und seid wachsam gegenüber der Sowjetunion!» Als ob der französische Kapitalismus auf Dji Peng-fe hätte warten müssen, um zu erfahren, er solle wachsam gegenüber der Sowjetunion sein!!

Frankreich ist an der Freundschaft mit China interessiert, sicherlich, um dies gegen die Sowjetunion auszuschlachten. Hierin stimmen seine Absichten mit denen der Vereinigten Staaten von Amerika überein. Zugleich aber lindert dies den Druck der Sowjetunion auf Frankreich. Frankreich hat Meinungsverschiedenheiten mit den Vereinigten Staaten von Amerika, will aber die Verbindungen zu ihnen nicht ganz abbrechen, sieht es in ihnen doch einen Gendarmen gegen den teutonischen Revanchismus und den sowjetischen Ansturm. Was China anbelangt, so möchte sich Frankreich dort gern ausbreiten. Es will Handel mit ihm treiben, um der Wirtschaftskrise, dem wirtschaftlichen Druck zu entkommen, dem man es zunehmend aussetzt, um es in die Knie zu zwingen.

Was wird China tun? Wir werden sehen! Wird die Politik des Lächelns gegenüber Frankreich der Revolution dienen, oder wird sie einem kapitalistischen Staat, der gleichfalls nach Hegemonie in Europa strebt, aus seiner schwierigen Lage heraushelfen? Gewiss stellt Frankreich auch Chinas Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika in Rechnung, doch ohne darüber sehr beunruhigt zu sein. Es bezieht auch Chinas Feindschaft zur Sowjetunion in seine Rechnung ein und sieht sie mit Wohlgefallen. Mit anderen Worten: China holt ihnen die Kastanien aus dem Feuer.

Unserer Meinung nach sind die Positionen, die China einnimmt, sein außenpolitischer Kurs nicht richtig, nicht revolutionär. Es lässt außerordentlich günstige Augenblicke für die Revolution, Augenblicke der grossen und schweren Krise des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus ungenutzt verstreichen.

Die Völker und die Marxisten-Leninisten werden China diese sehr gefährliche, sehr negative und schädliche Haltung nicht verzeihen.

DURRËS, FREITAG,

13. JULI 1973

EINE FORMALE DELEGATION

Ich empfing in Durrës die chinesische Armeedelegation, die anlässlich des 30. Gründungstags unserer Volksarmee zu uns gekommen ist. Sie wird morgen wieder abreisen.

Ich fragte den Leiter der Delegation nach dem Verlauf seiner Reise durch Albanien, auch wenn sie nur kurz war und mit dem Flugzeug stattfand, nach seinem Eindruck von unserer Armee und den Menschen aus dem Volk, mit denen er Kontakt hatte. Natürlich

sagte er nichts, sieht man von ein paar hinreichend bekannten Formeln ab, wie sie noch jeder Chinese verwandte, den wir getroffen haben. Es ist ziemlich mühsam, sich mit den Mitgliedern solcher

Delegationen zu unterhalten, bei denen man keinerlei Resonanz findet, die nicht antworten, wenn sie etwas gefragt werden. Jede Meinungsäußerung, jedes Gespräch, das man zu führen versucht, stösst auf eine (scheinbar) unüberwindliche Mauer. Es ist keinerlei Reaktion festzustellen, man erhält keine vernünftige Antwort, nichts als stereotype, blutleere Formeln.

So ging es mir auch mit dem Leiter dieser chinesischen Delegation. Ich fing ein Gespräch über Wirtschaftsfragen an, um dann auf andere Probleme zu sprechen zu kommen, auf militärische und politische Fragen. Mir fiel auf, dass der Leiter der Delegation die Decke, die Bilder und die Wände betrachtete, während ich sprach. Also schlug ich eine andere Taktik ein, um ihn anzustacheln: mitten im Sprechen hielt ich ein und fragte ihn nach seiner Meinung, wie China dieses oder jenes Problem beurteilt. Mehrmals betonte ich: «Wir freuen uns, wenn hohe Delegationen kommen, weil wir dann Meinungen über kapitale Probleme von beiderseitigem Interesse austauschen können.» Doch Schu Yi liess sich nicht aus seinem Schweigen locken.

Trotzdem sagte ich ihm meine Meinung zu vielen Problemen, und die Mitglieder chinesischen Delegation machten sich Notizen. Sollen diejenigen, die diese Notizen lesen, wenigstens, wenn sie wollen, den Schluss ziehen, dass es absolut sinnlos ist, dergleichen formale Delegationen ohne jede Persönlichkeit (denn sie schweigen) zu schicken. Selbst das, was sie in die Gästebücher der Museen eintragen werden, die sie bei uns besuchen sollten, brachten sie abgezählt aus Peking mit. Das ist ungeniessbar !

Als ich fertig war, begann der Delegationsleiter Formeln herzusagen. Er sagte, diesen Sommer wollten sie ihren Parteitag abhalten und hätten beschlossen, keine Vertreter der Bruderparteien einzuladen. Ich antwortete ihm, das sei ihre Sache, wir bedauerten aber, an ihrem Parteitag nicht teilnehmen zu können, auf dem sicherlich auch Mao sprechen werde. Keinerlei Reaktion. Danach sprach er vom «grossen Sieg» des vietnamesischen Volkes und so fort. Ich unterbrach seinen Redefluss und sagte, dies sei kein grosser Sieg, solange Thieu noch in Saigon sitzt, Macht hat usw. Das machte nicht den geringsten Eindruck auf ihn, rief keinerlei Reaktion hervor. Oder sagen wir eher, seine Haltung sollte zum Ausdruck bringen: «Ich bin gekommen, um unsere Formeln aufzusagen und nicht mehr.» Über Kambodscha sagte er kein Wort, doch ich sprach darüber.

Schließlich kam er mit der «zugkräftigen Parole», mit der die Chinesen die Öffnung gegenüber den_ USA zu «begründen» behaupten, dass nämlich die Sowjetunion gefährlicher sei, was die anderen noch nicht erkannt hätten. Ich sagte darauf, das sei nicht sehr stichhaltig, denn jedermann auf der Welt wisse heute, was die Sowjetunion ist. Sie habe sich durch ihr Vorgehen entlarvt und die Sowjets seien genauso gefährlich wie die Amerikaner. Anders ausgedrückt, er wollte uns die Amerikaner als weniger gefährlich präsentieren. Nachdem der Chinese diese Formeln von sich gegeben hatte, blickte er ständig auf die Uhr. Es ging ihm darum, so schnell wie möglich wegzukommen, aus Angst, das Gespräch könne sich noch länger hinziehen. Ich liess ihn jedoch nicht weg und sprach wärmstens mit ihm «ä bâtons rompus» (kam also vom Hundertsten ins Tausendste), bis ich ihn dann endlich entliess und mich, obwohl er sich wie eine Mumie verhalten hatte, herzlich von ihm verabschiedete.

DURRES, SONNTAG,

28. JULI 1973

WARUM SCHIEBEN DIE CHINESEN DIE EINBERUFUNG

IHRES PARTEITAGS HINAUS?

Von unserem Botschafter in Peking erhalten wir die Mitteilung, dass die chinesischen Genossen uns in ihrer üblichen Art, d.h. durch die Übersetzer, von wichtigen Beschlüssen ihrer Führung unterrichten.

Vor ß oder 7 Tagen bekam unser Presseattaché von seinem chinesischen Übersetzer die Auskunft, es gebe aus «Renmin Ribao» nichts Wichtiges zu übersetzen, da «die Führer mit niemand zusammentreffen, weil sie viel Arbeit haben». Wenn man viel Arbeit hat und aus diesem Grund mit niemand zusammentrifft, dann heisst das nicht, dass das Leben auf der Stelle tritt. Vielmehr wollte uns der Chinese anscheinend zu verstehen geben, dass «die Führer auf Sitzungen sind».

Gestern kam der chinesische Übersetzer unserem Genossen wieder mit demselben Lied. Darauf sagte der zu ihm: «Die Führer haben gewiss viel Arbeit, weil sie sich auf den Parteitag vorbereiten.» Der Übersetzer antwortete: «Nein, der Parteitag wird jetzt nicht abgehalten, er wurde auf später verschoben.» Aus diesem Verständigungsmanöver ergibt sich demnach, dass der Parteitag nicht in allernächster Zukunft stattfinden wird. Wann er zusammentreten wird, lässt sich natürlich schwer sagen. Doch auch ob er überhaupt verschoben worden ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Schliesslich kann man sich auf die Aussage eines Übersetzers nicht so einfach verlassen, auch wenn der nur sagt, was man ihm aufgetragen hat!?

Fa11s der Parteitag verschoben worden ist, aus welchen Gründen? Diese Frage ist wichtig. Technische Gründe lassen sich nicht ausschliessen, doch das kann ich mir eigentlich kaum vorstellen. Wenn der Parteitag verschoben wird, so sicherlich aus politischideologischen Gründen. Wie es scheint, konnten sich die chinesischen Führer über grosse politisch-organisatorische Probleme nicht einig werden. Und davon gibt es unserer Meinung nach nicht nur eines, sondern viele. Die Politik der Kommunistischen Partei Chinas ist, so meinen wir, bei vielen gewichtigen Problemen in der Schwebe und schwingt hin und her wie das Pendel an der Uhr. Wir wollen sehen, warten wir ab.

Innere Probleme gibt es gewiss viele. Andere als die, die in der Kulturrevolution und besonders der «Lin-Biao-Frage» ungelöst geblieben sind, kennen wir ,nicht. Dieses Problem, das habe ich schon in vielen früheren Aufzeichnungen geschrieben, ist kompliziert und mysteriös, doch damit hängen viele andere Parteiprobleme zusammen: die Frage der Reorganisierung der Partei und der Massenorganisationen, die korrekte Entwicklung der Wirtschaft, die, nach Angaben der Chinesen, von Lin Biao sabotiert wurde, sowie die Kaderfrage.

Die Kaderfrage muss ein ;kompliziertes Problem sein, schlagen sich doch darin auch ihre diversen ideologischen Anschauungen nieder. In dieses ganze Durcheinander sind nämlich u.a. Marxistenleninisten, Leute Liu Schao-tschis, Leute mit Ansichten wie Lin Biao und schliesslich auch noch Anhänger der Linie Tschou En-Jais verwickelt. Alle nehmen Mao Tsetungs Linie für sich in Anspruch, einige haben «sich gebessert», einige wurden «rehabilitiert» und ein . paar andere «werden gerade erzogen». Verstehe einer, was da vor sich geht, und das zu einer Zeit, da «die Partei gerade reorganisiert wurde».

Doch wer reorganisierte die Partei? Was für Grundsätze und was für Kriterien wurden dieser Reorganisierung zugrundegelegt? Und waren die, die organisierten, dieser Aufgabe gewachsen, liessen sie sich dabei von marxistisch-leninistischer Rigorosität in den Prinzipien leiten? All diese inneren Probleme müssen nun, bei der Vorbereitung des Parteitags, unweigerlich zum Zusammenprall führen. Diese Probleme müssen richtig gelöst werden, falls nicht festgelegt wurde, dass jeder Parteitag solche Verwirrung und Unklarheit in die Welt zu setzen habe. Es ist durchaus möglich, dass die chinesische Führung das entschieden hat, immerhin schrieb Mao ja in seinem Brief an Djiang Tjing mit Bezug auf Liu Schao-tschis Gruppe, man werde sie hinaussäubern, danach werde man die anderen hinaussäubern, danach die nächsten und so fort. Das hängt natürlich davon ab, was man dort in China unter Säuberung versteht, wie man Säuberungen durchführt, wen man hinwegsäubert und wer bleibt und wer von den «Hinausgesäuberten» nach Abschluss dieses Prozesses wieder in die Partei kommt.

Für uns birgt Chinas Außenpolitik viele dunkle Probleme, die natürlich im Bericht an ihren Parteitag analysiert und bestimmt werden müssen. Doch es ist möglich, dass die chinesischen Genossen diese Probleme, die für uns dunkel sind und zu denen sie unserer Meinung nach eine falsche Haltung einnehmen, für völlig gelöst, ja sogar «richtig gelöst» halten. Wir meinen, dass die chinesischamerikanischen Beziehungen von Anfang an eine falsche Richtung genommen haben und in dieser falschen Richtung weitergehen. Doch was klügelt man mit den Amerikanern aus? Seit ganzen zwei Jahren erfährt man nicht das geringste. Geheimnisumwoben geht Kissinger in China ein und aus, nimmt Kontakt mit Tschou En-lai auf und führt mit ihm vertrauliche Gespräche. Nixon kam und ging, in China herrscht überhaupt ein ständiges Kommen und Gehen zahlreicher Delegationen amerikanischer Senatoren, Bankiers, Wissenschaftler, Touristen, Fußballspieler, Künstler und Spione aller Art. Was tun sie alle?! Was sagen sie?! Was kommt bei diesem Schacher heraus?! Darüber ist absolut nichts zu erfahren! Über alles wissen nur Tschou En-lai und seine Vertrauten Bescheid. Und Nixon natürlich auch. Die Welt erfährt nur, dass sie nach China kommen, auf Banketten begrüsst werden und wieder gehen. Ein grosses, ekelhaftes, verdächtiges, verwerfliches Geheimnis der Chinesen. Jeder hat das Recht zu fragen: «Was wird da hinter dem Rücken der Menschheit ausgeheckt?» Wenn sich Breschnew und Nixon treffen, fassen sie sicherlich auch Geheimbeschlüsse, mindestens einige Ergebnisse werden aber veröffentlicht. Nichts davon 'bei den Chinesen. Was brachte den Chinesen diese ganze heimlichtuerische Politik? Vor der Öffentlichkeit nichts Gutes, nur grossen Schaden. Die Welt überlegt: Was ist nur dieses China?! Was tut es da?! Welche Linie, welche Ziele verfolgt es?!

Ob die chinesischen Genossen diese Ziele und diese Ergebnisse wohl auf ihrem Parteitag erläutern? Möglicherweise zermartern wir uns unnötig den Kopf, während die Chinesen diese Frage mit Leichtigkeit «lösen»: entweder stellen sie die Sache auf dem Parteitag als eine Lustpartie hin, oder sie sagen gar nichts. Diese Lösung mag verwunderlich erscheinen, doch bei den chinesischen Genossen gibt es nichts, was einen verwundern dürfte. Sie mögen vor ihrem Parteitag und der Welt verkünden: «Heute ist es nicht nötig, irgend etwas zu erklären. Morgen, da werdet ih'r Augen machen! Vertraut auf uns, denn wir irren uns nie, wir weichen niemals von der Linie ab. Lasst uns in Ruhe im geheimen wirken, wird doch aus der Finsternis ein Strahlen dringen, das die Welt blendet.»!

Noch vor dem Parteitag werden die Chinesen Kissinger empfangen. Er hat erklärt, er werde mit den Chinesen über viele (natürlich geheimnisvolle) Dinge sprechen, unter anderem über die Kambodschafrage. Kaum hat der Amerikaner Kissinger dies erklärt, macht sich Sihanouk, sicherlich als Zeichen des Protests, nach Korea auf. Und damit hat er ganz recht. Auf der einen Seite wird Kambodscha von den Amerikanern bombardiert, auf der anderen Seite führt China Geheimgespräche mit den Vereinigten Staaten von Amerika! Wie werden sie das dem Parteitag beibringen? Wie werden sie dem Parteitag den «grossen Frieden in Vietnam» erklären, wenn sie gleichzeitig sagen, Le Duan sei ein Revisionist, ein treuer Verbündeter der Sowjetunion und ein heute verborgener Kollaborateur, morgen aber offener Verbündeter der Amerikaner und des Westens, die ihm Kredite geben werden?

Ob sie wohl all dies dem Parteitag sagen werden?! Sind vielleicht diese und viele andere. ähnliche Probleme zum Hindernis geworden, und sie mussten den Parteitag verschieben? Möglich, vielleicht aber auch nicht! Warten wir ab, wir werden dann schon sehen!

Behar Shtylla wird als Botschafter nach China gehen. Er trifft gerade seine Vorbereitungen. Wir werden um das Agrément nachsuchen, und falls die Chinesen den Parteitag verschieben, kann er dann so schnell wie möglich aufbrechen.

DURRËS, MITTWOCH,

1. AUGUST 1973

DIE CHINESEN HABEN DIE POLITISCHEN KONTAKTE MIT UNS

ABKÜHLEN LASSEN. BEMÚHEN WIR UNS, DAS

EIS ZU BRECHEN

Ich habe Mehmet gegenüber die Meinung geäussert, es sei nun an der Zeit, dass eine Delegation unter seiner Leitung zu einem Freundschaftsbesuch nach China fährt, vielleicht im März oder April kommenden Jahres (wir werden noch sehen und unsere Entscheidung fällen). In China ereigneten sich all diese Dinge, «die Kulturrevolution ging zu Ende», «Lin Biao wurde liquidiert», China öffnete mit seiner Politik den Vereinigten Staaten von Amerika die Tür. Seither haben die Chinesen die politischen Kontakte mit uns abkühlen lassen. Sie unternehmen nicht den geringsten Versuch, mit uns Meinungen über die zahlreichen wichtigen internationalen Probleme auszutauschen. Wir jedenfalls haben nicht versäumt, ihnen unsere Ansichten vorzutragen, sowohl ich als auch andere Kader. Die Chinesen schweigen. Wie weit das geht, zeigt sich nicht nur daran, dass sie in ihrer Presse auf keine unserer Veröffentlichungen eingehen. Nein, sie berichten noch nicht einmal über die Erfolge, die unser Land erzielt hat. Die Vertreter ihrer Nachrichtenagentur, die sie hier bei uns haben, leiten nur kurze Nachrichten im Chronikstil weiter.

Das spiegelt natürlich ihre Neigung wider, die bisherige Politik fortzusetzen. Sie waren nicht zufrieden mit unserer Ansicht über Nixons Chinareise, ganz bestimmt hat sie ihnen nicht gefallen. Doch was hat dieses Treffen mit den Amerikanern schliesslich erbracht? Für uns ist nichts ersichtlich, und sie selbst sagen auch ,nichts. Alles halten sie geheim. Wir haben unsere Kritik intern geübt. Hierbei zeigte sich klar und deutlich, dass wir an unserer Einstellung zu den Vereinigten Staaten von Amerika absolut nichts rührten; unser Kampf gegen sie wird unverändert weitergehen, die Chinesen dagegen schwächten ihren Kampf ab. Vielleicht wollten sie, dass wir ihrem Beispiel folgten, doch das taten und tun wir nicht. Unser Weg ist richtig. Jedenfalls müssen wir uns trotz all unserer Widersprüche in diesen Problemen bemühen, das Eis zu brechen, das sich nicht durch unsere Schuld gebildet hat. Das liegt im Interesse unseres Landes, Chinas und der Revolution.

Zudem müssen wir durch Kontakte zu den führenden chinesischen Genossen erfahren, wie es wirklich um die innere Lage in China bestellt ist, wie es wirklich mit der Partei, der Politik, der Wirtschaft aussieht. Wir brauchen ein 'klareres Bild von der chinesischen Politik gegenüber der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten von Amerika usw. Wir müssen ausserdem wissen, wie die chinesischen Genossen die künftige Entwicklung und die Vorgänge in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung beurteilen.

Unsere Delegation wird natürlich erst nach dem Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas und der Tagung des Volkskongresses fahren. Dann wird vieles geschehen, viele Fragen entschieden sein. So können dann unsere Kontakte mit ihnen mehr erbringen.

Bei dieser Gelegenheit sollte unsere Delegation auch nach Korea, Vietnam und Pakistan fahren. So nehmen wir Kontakt mit den Freunden auf, was uns nach innen und aussen Vorteile bringt. Mehmet war vollkommen einverstanden.

DURRRS, DIENSTAG,

21. AUGUST 1973

DIE TAKTIK DER VIELEN LINIEN IN CHINA - EINE PRAXIS,

DIE ZUM PRINZIP ERHOBEN WURDE

Auch weiterhin ist von China international nichts zu hören. Jeder Staat hat seine Ruheperioden, doch der Urlaub der Chinesen von der internationalen Politik dauert nun schon sehr lange, während die anderen Grossmächte der Welt ihre Anstrengungen und Intrigen fortsetzen. Die Sowjetrevisionisten und ihre Satelliten starten täglich Angriffe auf China und bezichtigen es der Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus, des Antimarxismus und der Spaltung des sogenannten sozialistischen Lagers. China reagiert nicht auf diese Angriffe. Die antichinesische Propaganda der Sowjets nimmt konkrete Formen an, und es ist vorauszusehen, dass sich dieser Prozess vertieft. Die Sowjets bereiten sich darauf vor, auf der Konferenz der «Blockfreien» in Algier durch Fidel Castro aktiv zu werden, der von ihnen täglich mindestens anderthalb Millionen Dollar erhält. In den letzten Monaten griff Rauschebärtchen Castro, ohne sie 'beim Namen zu nennen, China und Albanien an. Ihm zufolge ist die Sowjetunion ein wahrhaft sozialistisches Land und gehört zur «dritten Welt». Solche Thesen wird dieses Grammophon der Sowjets auch in Algerien vortragen.

«Die Sowjets Teil der dritten Welt»!! Warum auch nicht! Tschou En-lai hat diese These ebenfalls aufgestellt, für China. Also los, Leute, hinein in diese «dritte Welt», so schnell ihr nur könnt! Doch wer bleibt dann übrig für die «zweite Welt»? Und wer gehört zur ersten? Man kann auch noch eine vierte und eine fünfte aufmachen, damit sich vollends niemand mehr auskennt! Der Zweck des ganzen: sich unter allen Umständen zu tarnen.

Zu diesen ganzen regen antichinesischen politischen Umtrieben schweigt China. Ein chinesischer Botschafter sagte zu einem unserer Botschafter: «Auch wir sind dabei, eine politische Offensive gegen die Sowjets vorzubereiten, und zwar in der Frage der sowjetisch-chinesischen Grenzen.» Wie viel ist daran wahr? Jedenfalls ist es bedauerlich.

Nixon und die Vereinigten Staaten von Amerika stecken tief in einem schmutzigen Skandal, in einer schweren Krise. Die Sowjets reichen Nixon die Hand, um ihm aus diesem Morast herauszuhelfen. Und die Chinesen, was tun sie? Sie schweigen! Über nichts, was in den Vereinigten Staaten von Amerika vor sich geht, wird in den chinesischen Zeitungen berichtet. Dort lässt man typisch chinesisches «Feingefühl» walten, um die Eier der Glucken Tschou, Kissinger und Nixon nicht zu zerbrechen. Die chinesischen Zeitungen machen Propaganda für das Aus und Ein amerikanischer Delegationen in China, für die Mittag- und Abendessen, die ihnen zu Ehren gegeben werden.

Kissinger hatte angekündigt, er wolle am 15. August nach Peking kommen, um die Kambodschafrage zu «regeln», doch er fuhr nicht, weil Sihanouk sich verdrückt hatte, nach Korea abgereist war, um mit ihm nicht über dieses Problem verhandeln zu müssen. Seine Pläne wurden durchkreuzt.

Die Chinesen haben uns offiziell mitgeteilt, sie wollten im August oder Anfang September ihren Parteitag abhalten und außerdem den Nationalen Volkskongress einberufen. Möglich, dass sie es tun werden! Doch bis jetzt gibt es dafür noch keine Anzeichen, der August ist fast vorbei und der Herbst rückt heran. Man spricht davon (doch das ist Diplomatengerede), das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas sei zusammengetreten und man habe sich über die Einberufung des Parteitags nicht einigen können: «Djiang Tjing und Yao Wen-yüan stehen in Opposition zu Tschou En-lai. Der Parteitag wurde verschoben.» Der chinesische Botschafter in Paris teilte unserem Botschafter mit, ,am 11. September werde Pompidou nach Peking reisen. Wenn das stimmt, wird der Parteitag kaum vor den Feiern zum 1. Oktober zusammentreten.

AFP meldete gestern abend, Tschou En-lai habe dieser Tage ein Treffen mit holländischen Parlamentariern gehabt und zu verstehen gegeben, er stelle «die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika nach ihrer Gefährlichkeit auf eine Stufe». Wem soll man da glauben? Wir wollen wünschen, dass es so ist. Wenn nun in dieser Äußerung auch nur ein Quäntchen Wahrheit steckt, dann ist auf den geheimnisvollen Sitzungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei China etwas passiert! Die eine Linie muss zeitweilig die Oberhand über die andere behalten haben! Die Taktik der zwei oder vielen Linien ist in der Kommunistischen Partei Chinas, wie sich zeigt, eine geläufige Praxis, die zum Prinzip erhoben wurde. Diese verschiedenen Linien gibt es zweifellos sowohl unter den Führern als auch unter ihren Anhängern. Alle verschanzen sich hinter Maos Banner. Mao Tsetung «erklärt sich halbherzig» für eine dieser Linien und lässt die Zeit 4hre Richtigkeit beweisen». Wenn die Zeit diesen Beweis nicht liefert, wendet er sich der anderen Linie zu, überlässt es aber wieder «der Zeit, den Beweis zu erbringen». Und so geht es dann weiter! Bei jeder Wende gibt Mao irgendeinen «Spruch», irgendein «Zitat» von sich. Und darum kreist dann die chinesische Welt, darüber denken die Menschen nach und jeder nimmt seinen Weg: für die einen ist es der Weg der Macht, für die anderen eine gewisse Zeitlang der der«Umerziehungsschule». Nur Lin Biao wurde «geselbstmordet», als Verschwörer. Die anderen werden rehabilitiert, kommen später in die Partei und ~a-n die Staatsmacht und werden dann wieder abgelöst.

Doch sind diese Schlussfolgerungen richtig?! Aus den Fakten, über die wir verfügen, sind kaum andere -möglich.

Die chinesischen Genossen wahren tiefes Schweigen, sie sagen nichts und schreiben nichts. Analysen von Problemen und Situationen lassen sich ebenso wenig feststellen wie sichtbare politische Handlungen, die andere Schlüsse zulassen. All die Fakten und Angaben, die wir sorgfältig zusammentragen und sehr wohlwollend und objektiv analysieren, lassen keine anderen, einleuchtenderen Folgerungen zu. Überlassen wir es, wie Mao Tsetung, der Zeit, den Beweis zu liefern.

DURRËS, DONNERSTAG,

23. AUGUST 1973

CHINA DARF EUROPA NICHT VERNACHLÄSSIGEN

Stets waren wir der Meinung (und das haben wir auch Li Hsiän-niän gesagt), dass China international mit einer aktiven Politik auftreten müsste, um seine revolutionären Positionen auf der Welt zu festigen, das Weltproletariat im Kampf gegen das Kapital zu ermutigen, den fortschrittlichen Völkern zu helfen, die dafür kämpfen, die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität zu gewinnen und zu verteidigen, sich aus den Klauen des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus zu retten. Gegen diese beiden Supermächte, so sagten wir zu Li Hsiän-niän, muss ein gnad endloser Kampf geführt werden, ohne Zugeständnisse in den Prinzipien. Wir müssen die Widersprüche zwischen den beiden vertiefen, ohne uns auf die Seite der einen oder der .anderen zu schlagen. Wir müssen die Situation stets im Zusammenhang mit den wechselnden Umständen auf der Welt analysieren und dürfen in der Taktik unserer Strategie weder zuwiderhandeln noch sie bekämpfen. Unsere grosse Losung «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» darf ;keine tote Phrase bleiben.

Wir gaben Li Hsiän-niän außerdem zu Verstehahn, dass China Europa vernachlässigt und dies ein grosses Problem ist. In Europa prallen die grossen Interessen der Imperialisten und Sozialimperialisten aufeinander, hier haben sie ihre Hochburg, von hier aus sind sie zur Kolonisierung der Welt, zur Unterdrückung der Völker ausgezogen; hier entwickeln sie ihre Theorien, die sie dann über die ganze Welt verbreiten. Damit, so sagten wir zu Li Hsiän-niän, meinen wir nicht, unser intensiver Kampf in allen Teilen der Welt sollte vergessen werden. China muss überall eine entscheidende Rolle für die Revolution spielen, in Asien, Afrika und Lateinamerika, doch Europa darf es niemals vernachlässigen.

Nun hat China begonnen, Interesse an Europa zu zeigen, bedient sich dabei aber nicht immer der richtigen Taktik. Das habe ich schon in früheren Aufzeichnungen festgestellt und möchte es hier nicht wiederholen. Pompidous Chinareise im September spricht für eine gute Taktik der Chinesen. Frankreich will daraus Vorteil ziehen, doch auch China gewinnt, falls es die sich bietende Gelegenheit richtig nutzt.

Warum reist Pompidou nach Peking? Meiner Meinung nach sind zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika ernste, noch aus der Zeit de Gaulles ererbte Widersprüche aufgetreten. Mit Pompidous Machtantritt schienen sie sich abgeschwächt zu haben, verschärften sich aber wieder, weil die Vereinigten Staaten von Amerika Frankreich wirtschaftlich, politisch und militärisch in die Knie zwingen wollen. Der wichtigste Partner der Vereinigten Staaten von Amerika ist die Deutsche Bundesrepublik. Bonn wird nun auch für Frankreich gefährlich. Fs gefährdet nicht nur Seine Autorität und seine Wirtschaft, sondern bedroht es auch militärisch. Also erwächst Frankreich neben den Vereinigten Staaten von Amerika auch noch ein anderer ständiger Rivale, der revanchistische deutsche Imperialismus, und zur dritten grossen Gefahr für Frankreich wurde die Sowjetunion.

Frankreich erkennt, dass die Verständigung unter den beiden Supermächten besonders auf seine Kosten geht, während Bonn zwischen ihnen steht und an Boden gewinnt. Folglich werden die Vereinigten Staaten von Amerika, die Deutsche Bundesrepublik und die Sowjetunion zu einer Bedrohung für Frankreich. Frankreich seinerseits ist bestrebt, vorzustoßen und diesen mächtigen Block zu spalten, wofür es nun Unterstützung bei China sucht. Deshalb fährt Pompidou nach Peking. Natürlich wird Pompidou an den Fragen ansetzen, bei denen Frankreich gemeinsame Ansichten mit China hat. Diese Fragen könnten sein: Die Einstellung gegen die Zusammenarbeit der beiden Supermächte, mit der sie über die internationalen Probleme und die Einflusssphären auf der Welt entscheiden wollen; der Widerstand gegen die Schachereien der beiden Supermächte um die sogenannte Rüstungsbegrenzung, deren Ziel es ist, das Rüstungsmonopol der beiden Supermächte zu wahren und auszubalancieren und die anderen Länder zu entwaffnen; der Widerstand gegen die Einmischung der beiden Supermächte in die inneren Angelegenheiten der anderen Länder; dar Widerstand gegen ihre Expansion auf Meeren und Ozeanen. Und so fort.

China wird in diesen Punkten sicherlich zustimmen, doch wir wollen sehen, wie es manövrieren wird, um grösseren Profit herauszuholen, denn es ist «auf einem Auge blind». Die Sowjetunion misst es mit der kurzen, die Vereinigten Staaten von Amerika und Bonn dagegen mit der langen Elle. Doch bei all dem darf es weder das Proletariat noch die Revolution, noch die Völker Europas vergessen, die gegen das Kapital kämpfen.

SONNTAG,

2. SEPTEMBER 1973

GLUCKWUNSCHTELEGRAMM ZUM 10. PARTEITAG DER

KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS

Die chinesischen Genossen gaben über Presse und Rundfunk bekannt, dass sie ihren 10. Parteitag abgehalten haben. Den politischen Bericht hielt Tschou En-lai. Außerdem wurde ein zweiter Bericht über das neue Statut der Partei gehalten und das Statut verabschiedet.

Heute habe ich im Namen des Zentralkomitees der PAA und in meinem Namen dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetung aus Anlass des 10. Parteitags ein Glückwunschtelegramm geschickt.

SAMSTAG,

8. SEPTEMBER 1973

DER 10. PARTEITAG DER KOMMUNISTISCHEN

PARTEI CHINAS

Vom 24. bis 28. August 1973 wurde der 10. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas abgehalten.

Zwei Hauptberichte wurden gehalten: einen, den wichtigeren, hielt Tschou En-lai, und den zweiten, über das Parteistatut, Wang Hung-wen. Der Parteitag fand in vollkommener Abgeschlossenheit von der Außenwelt und unter grosser, sozusagen «vorbildlicher» Geheimhaltung statt. Die chinesischen Genossen begründen diese Geheimhaltung mit dem Schutz vor Sabotage der Sowjetrevisionisten. (!) Gut, das ist ihre Sache, doch die Konspiration ging auch nach Abschluss des Parteitags weiter. Das fiel ,genau in die Zeit, da unser Botschafter in Peking, Xhorxhi Robo, Kandidat des ZK der PAA, seine Abschiedsbesuche machte, weil er in seinem Amt abgelöst wird. Obwohl er danach fragte, sagten ihm die Chinesen kein Wort davon, dass der Parteitag stattgefunden hatte und bekanntgegeben werden sollte. Wie dem nun auch sei, das ist nicht so wichtig.

Der 10. Parteitag .billigte die Linde der Kulturrevolution und das allgemeine Vorgehen dabei sowie die Linie des 9. Parteitags. Die Kulturrevolution definierten sie nun richtiger als eine Revolution mit politisch-ideologischem Charakter. So haben wir diese Revolution schon bezeichnet, als in China noch unklare und sehr oft falsche Definitionen gegeben wurden.

Auf dem Parteitag wurde angedeutet, während der Kulturrevolution seien Fehler gemacht worden. Diese Fehler haben wir gesehen, wir haben miteinander darüber diskutiert, haben sie im engen Kreis unserer Führung kritisiert und uns zu Recht gewundert, wie man solche antimarxistischen Fehler zulassen konnte. Wir hatten nur die Pressemeldungen, denn die Chinesen informierten uns nicht, hielten sie dies doch für ihre inneren Probleme. Dennoch glaube ich, dass wir uns im Kern bei der Beurteilung der Fragen nicht geirrt haben. Natürlich können wir uns noch kein gründliches Urteil über diese Probleme in ihrer ganzen Tiefe erlauben, denn die. Chinesen haben bisher die Kulturrevolution, die Ideen, Strömungen und Tendenzen, die hervortraten und aufeinander prallten und im Verlauf dieser Revolution bis zu bewaffneten Auseinandersetzungen führten, noch nicht einer tiefgreifenden Analyse unterzogen. Intern mögen die Chinesen diese Analyse geleistet haben, doch eine öffentliche Analyse gibt es nicht, und über die Verurteilung der Gruppen Liu Shao-tschis sowie Lin Biaos und Tschen Bo-das und deren Gründe hinaus wissen wir nichts.

Der 9. Parteitag wird als Ganzes gebilligt. Lin Biao, so heilstes, habe zu diesem Kongress keinen anderen Beitrag geleistet als die «widerwillige Verlesung» des politischen Berichts. Dieser Bericht sei nämlich von anderen Genossen unter Maos Leitung ausgearbeitet worden, den von Lin Biao und Tschen Bo-da ausgearbeiteten Bericht aber habe man abgelehnt (!).

Der 10. Parteitag verurteilt die «verbrecherische, parteifeindliche» usw. Tätigkeit Lin Biaos und seiner Gruppe. Dieser wird als Agent der Sowjetrevisionisten und Urheber einer Verschwörung zur Ermordung Maos bezeichnet. Diese Gruppe und ihre feindliche Tätigkeit seien «überall erfolgreich und vollständig liquidiert» worden. Diese Gruppe habe «schwer sabotiert». Der Parteitag «billigte vorbehaltlos und einhellig die richtige marxistisch-leninistische Linie des Vorsitzenden Mao» und betonte, man müsse «den Kampf zur Entlarvung des Verräters Lin Biao fortsetzen» und «Lehren aus dem negativen Beispiel ziehen».

Über die Außenpolitik und die Aufgaben der Kommunistischen Partei Chinas äussert sich der 10. Parteitag klar, so scheint uns, und bestimmt richtig die grosse Gefährlichkeit der beiden imperialistischen Supermächte, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika. Er weist auf den «Kampf gegen beide» hin, die «China verspeisen und die Welt und die Völker beherrschen wollen». Ferner heisst es, dass «der proletarische Internationalismus gestärkt und verteidigt werden, die Einheit mit dem Proletariat, den unterdrückten Völkern und Nationen gefestigt werden muss» usw. Gut und im Widerspruch zu einigen früheren Äußerungen ist, dass der 10. Parteitag betont: «Wir müssen uns mit allen wahrhaft marxistisch-leninistischen Parteien und Organisationen der Welt vereinigen und den Kampf gegen den modernen Revisionismus zu Ende führen.»

Unsere Partei hat die Kommunistische Partei Chinas unterstützt und verteidigt, in guten und in schlechten Zeiten. Doch stets hat unsere Partei, ebenfalls auf marxistisch-leninistischem Weg, Kritik geübt, wo sie einige Fragen für nicht richtig erachtet hat. Diese Kritiken und Hinweise erfolgten zur rechten Zeit und unter Einhaltung der Normen.

SONNTAG,

30. SEPTEMBER 1973

BEIM EMPFANG, DEN DER CHINESISCHE BOTSCHAFTER IN

TIRANA GAB

Bei dem Empfang, der gestern abend in der chinesischen Botschaft gegeben wurde, beglückwünschte ich den Botschafter herzlich zum Parteitag und seiner Wiederwahl zum Kandidaten des Zentralkomitees. Danach informierte er uns über die Vorbereitung und Durchführung des Parteitags sowie über die Begeisterung, die dieses Ereignis in China ausgelöst hat. Alles, was er uns sagte, wussten wir bereits aus Chinas Presse und Rundfunk. Der Botschafter gab uns eine Nacherzählung von Tschou En-Jais Bericht.

Auf meine Fragen -bezüglich Pompidous Besuch gab er mir keine konkrete Antwort, stimmte aber, nachdem ich mich veranlasst gesehen hatte, unsere Beurteilung der Positionen der französischen Politik darzulegen, unseren Ansichten völlig zu.

Ich fragte ihn nach der Zukunft Kambodschas. Der chinesische Botschafter sagte einigermaßen zurückhaltend : Die Kambodschaner müssten noch kämpfen, sie müssten sich stählen, stärken, noch viele andere Zentren !befreien, ehe sie Pnom Penh einnehmen könnten, denn Lon Nol unterhalte noch eine Armee, die viel grösser sei als die der Front, andere sickerten aus Thailand ein, und die Vereinigten Staaten von Amerika leisteten ihnen weiter Hilfe, usw.

Auf meine Frage hin sagte er: «Die Südvietnamesen erlauben den Transit der Waffen nach Kambodscha, die wir (die Chinesen) ihnen geben.»

1974

DIENSTAG,

2. APRIL 1974

WARUM WOLLEN DIE CHINESEN NICHT, DASS WIR DAS

WASSERKRAFTWERK VON FIERZA BAUEN?!

Warum behandelt die chinesische Führung die für uns so bedeutende Frage, die Frage des Wasserkraftwerks von Fierza, auf falsche, man kann sogar sagen feindselige Weise? Mit ihrer Darstellung des Problems geben uns die chinesischen Spezialisten deutlich zu verstehen, man müsse vom Bau dieses Wasserkraftwerks Abstand nehmen. Doch warum? Etwa wegen der «unzureichenden geologischen Untersuchungen»?! Das stimmt nicht! Diese Untersuchungen wurden auch von ihnen durchgeführt und für umfassend gehalten. Dazu wurden gemeinsame Dokumente unterzeichnet. Also?!!

Sollte dies die feindliche Tätigkeit einiger chinesischer Spezialisten sein, die über dies e Frage ihrer Führung falsch Bericht erstattet haben, bis diese dann zu ihnen sagte: «Ihr habt recht, wir müssen eine mögliche Katastrophe vermeiden»? Diese Vermutung hat durchaus Hand und Fuss, denn eben die chinesische stellvertretende Energieministerin vertrat früher schon die These, dass «das Wasserkraftwerk von Vau i Dejës eine Katastrophe wäre». Wir widersprachen ihr, das Wasserkraftwerk wurde gebaut. Tschou En-lai erklärte, die chinesischen Spezialisten hätten unrecht gehabt, die albanischen Spezialisten dagegen recht. Das Wasserkraftwerk von Vau i Dejës steht gut und solide.

Hoffen wir, dass es auch beim Wasserkraftwerk von Fierza so sein wird. Wir wollen sehen, wie man die Darstellung aufnehmen wird, die Rahman Hanku* *( Bauminister) dem chinesischen Energieminister vorlegen wird. Wenn sie auf ihrer falschen Auffassung beharren, werden wir bei höherer Stelle vorsprechen, bis unsere gerechte Sache verwirklicht wird.

Rahman Hanku benachrichtigt uns aus Peking, dass die Führung der chinesischen Spezialisten für das Wasserkraftwerk von Fierza Petrit Radovicka* *( Leiter der Arbeitsgruppe für den Entwurf des Wasserkraftwerks von Fierza.) mitgeteilt hat, dass «die chinesischen Spezialisten nicht von ihrem Standpunkt abrücken». Anders ausgedrückt, das Wasserkraftwerk soll nicht gebaut werden. Radovicka antwortete ihnen, dass auch unsere Spezialisten nicht nachgeben,denn wir haben recht. Rahman wird um ein Treffen mit dem zuständigen chinesischen Minister ersuchen und diesem die Sache entsprechend den Anweisungen darstellen, die wir ihm gegeben haben.

MITTWOCH,

10. APRIL 1974

DER «STURM» UM FIERZA ENDETE MIT DER SCHANDE DER

CHINESEN

Der «Sturm», den die chinesischen Genossen um das Wasserkraftwerk von Fierza entfesselten, stellte sich .als «Sturm im Wasserglas» heraus. Die ganze Sache war nur dazu da, eine Situation zu schaffen, in der sie uns sagen konnten: «Übernehmt die Planung des Wasserkraftwerks in eigener Verantwortung, wir werden euch wie schon bisher mit allem helfen.» Die Chinesen fürchteten die Verantwortung. Wir erklärten ihnen, dass wir einverstanden sind, die Verantwortung übernehmen, und damit fielen alle Hindernisse. Ich glaube aber, dass die chinesischen Spezialisten auch von den Jugoslawen beeinflusst worden sind (wie, das wissen wir nicht), die unseren Leuten gegenüber in bezug auf das Wasserkraftwerk von Fierza genau dieselben Fragen aufgeworfen haben, in derselben Form und mit demselben Inhalt. Natürlich wäre es sehr zum Vorteil der Titoisten gewesen, wenn der Bau des Wasserkraftwerks blockiert worden wäre, denn dies hätte politische Schwierigkeiten zwischen China und uns verursacht und uns wirtschaftlich geschadet. Doch alle wurde ausgeräumt. Die Chinesen nahmen die «Schande» auf sich, denn sie haben Angst vor der Verantwortung und haben dies im offiziellen Dokument auch unterschrieben. Das bringen nur sie fertig!!

FREITAG,

24. MAI 1974

FÜR DENG HSIAO-PING WIRD GROSSE REKLAME GEMACHT

T)ie ausländischen Nachrichtenagenturen sprechen ständig von der «Entfernung» Tschou En-Jais von der Leitung des Staates und seiner Ersetzung durch Deng Hsiao-ping. Dabei stellen sie viele Spekulationen an: er sei «in seiner proamerikanischen Politik gescheitert», es sei «wegen seines Liberalismus und Opportunismus in der Linie» usw. Die bürgerlich-kapitalistischen Nachrichtenagenturen sagen ebenso, an den Mauern einiger Fabriken seien Dazibaos angebracht worden, in denen Tschou En-lai als «Speichellecker der Ausländer» bezeichnet wird. Natürlich. über solche Dinge haben die Feinde des sozialistischen China immer Spekulationen angestellt.

Was geschieht in Wirklichkeit? Soweit wir wissen und nach dem, was uns die chinesischen Genossen gesagt haben, ist Tschou einfach sehr erschöpft von der vielen Arbeit, die er verrichtet hat, insbesondere in Anbetracht seines fortgeschrittenen Alters. Tatsache ist auch, dass er die gesamte Arbeit in den Auslandsbeziehungen monopolisiert hatte, so sehr, dass er keinen Ausländer aus China abreisen liess. ohne sich mit ihm getroffen und mit ihm ,gesprochen, ohne ihn am Flughafen abgeholt und wieder hinbegleitet zu haben, nicht zu vergessen schließlich die Abend- und Mittagessen. Und das gilt für alle Besucher, von den Staatsoberhäuptern bis hin zu den amerikanischen Senatoren, zu Wissenschaftlern, Journalisten und Tischtennisspielern. mit einem Wort. «Krethi und Plethi». Das war nicht n»r übertrieben. sondern auch schädlich für Chinas Ansehen. Daher sagten uns Li Hsiän-niän. Deng Hsiao-ping u.a., es sei der Beschluss gefasst worden, Tschou solle ausruhen und sich von allen protokollarischen Angelegenheiten zurückziehen. Dies setzen sie nun um, und tatsächlich vertritt ihn Deng Hsiao-ping in dieser Hinsicht.

Li Hsiän-niän linss in einem Gespräch mit Behar im Zusammenhang mit Tschous Erschöpfung auch folgenden Satz fallen: «Wenn die Kader alt werden, machen sie auch ideologische Fehler»! Behar berichtigte ihn und sagte: «Wenn sie alt werden, werden sic körperlich schwächer, nicht aber ideologisch.» Li Hsiän-niän korrigierte die Meinung, die er geäußert hatte, sofort und gab Behar recht. Was wollte er wohl damit sagen?

Die Tatsachenl zeigen, dass Deng Hsiao-piltg gegenwärtig offener gegen die Vereinigten Staaten von Amerika auftritt, in der UNO wie auch anderswo. Die Nachrichtenagenturen meldeten, die Chinesen hätten einen Club geschlossen, den die Amerikaner in Peking für die Kinder von Diplomaten eröffnet hatten, und zudem verlangt, dass die Marineinfanteristen, die die amerikanische Mission bewachen, durch Zivile ersetzt werden. Anscheinend wurden solche Dinge zuvor, zur Zeit des «Honigmonds» mit den Vereinigten Staaten von Amerika, geduldet. Nun, nach der «Erfahrung», gibt es wohl eine «Desillusionierung» in dieser Linie, und man hat sie den Amerikanern gegenüber verschärft. Das gefällt uns. Möglicherweise ist dies ein neuer Umschwung, den sie mit Leuten vollziehen, die wieder ara die Macht gekommen sind, von denen einer Deng Hsiaoping ist. Doch soweit wir dies bis jetzt beurteilen können, ist Tschou ,nicht «kaltgestellt» worden, wie die westlichen Nachrichtenagenturen behaupten. Er ist tatsächlich erschöpft, leitet jedoch, wenn auch in neuen Formen und mit neuen Methoden. Möglich, dass sie ihn auch zum Vorsitzenden des Präsidiums machen, wenn der Volkskongress zusammentritt.

Tatsache ist, dass für Deng Hsiao-ping gegenwärtig grosse Reklame gemacht wird, dass sie für ihn einen Sessel vorbereiten. Gestern übergab der chinesische Botschafter Liu unserem Aussenministerium offiziell eine stattliche Menge von «Reklamefotos», die aus Peking gekommen sind. Sie zeigen, dass Deng nun «triumphiert». Er wird von ihnen vor seinem UNO-Auftritt mit grosstm Pomp verabschiedet und genauso wieder empfangen, man zeigt ihn beim Empfang von Staatsmännern usw. Für Tschou dagegen, ja sogar für Mao, taten sie so etwas in dieser Weise nicht. Der chinesische Botschafter hier wird nicht müde, mit jedem, den er trifft, über Deng zu sprechen und ihn zu preisen. Dies ist eine Direktive und geschieht nicht ohne Absicht. Die werden wir später klarer sehen.

SONNTAG,

26. MAI 1974

DIE CHINESEN VERSCHIEBEN ERNEUT DEN BESUCH

UNSERER PARTEI- UND REGIERUNGSDELEGATION

Die Chinesen teilten uns ;durch Li Hsiän-niän und über Behar mit, sie könnten unsere Partei- und Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze im zweiten Halbjahr dieses Jahres nicht empfangen, und verschieben deren Besuch auf das erste Halbjahr 1975. Wir akzeptieren diesnatürlich, doch wir an ihrer Stelle würden es nicht tun. Wir äußerten diesen Wunsch vor beinahe einem Jahr und sie vertrösteten uns auf dieses Jahr. Wir ersuchten darum, der Besuch solle im ersten Halbjahr 1974 stattfinden, doch die Chinesen nannten uns das zweite Halbjahr 1974, da ihr Empfangskalender voll sei. Das war möglich und konnte für normal gelten, doch die zweite Verschiebung nun ist nicht normal. Welche Gründe gibt es dafür? Das hat keine Grundlage mehr. Versteh es, wie du willst! Stell tausend Vermutungen an!

In der Substanz sagte uns Li Hsiän-niän folgendes: Versteht uns, wir haben euren Wunsch ganz besonders in Erwägung gezogen, haben ihn ernsthaft studiert. Zieht man die innere und äussere Lage in Betracht, werden wir im nächsten Jahr besser darauf vorbereitet sein, eure Delegation zu empfangen. Im nächsten Jahr werden wir euch besser zufrieden stellen. Gegenwärtig sind wir mit der Kampagne gegen Lin BLao und Konfuzius vollauf beschäftigt, usw.

Diese «Gründe» sind verwunderlich. Das sollen Gründe sein?! Wenn es bei ihnen noch etwas anderes gibt, sei es nun hinsichtlich der inneren oder der äusseren Situation, könnten sie es uns doch sagen. Wir könnten jede Menge Vermutungen anstellen. Doch besser, wir warten ab und sehen weiter.

Zögern sie den Empfang unserer Delegation etwa hinaus, Weil sie Widersprüche zu uns haben?! Widersprüche haben wir und wir werden sie auch nächstes Jahr haben, doch dies sind interne Widersprüche und es gibt keinen Grund, warum sie den Besuch unserer Delegationen verhindern sollten. Diese Widersprüche, die zwischen uns bestehen, sind nicht an die Öffentlichkeit getragen worden, doch die Öffentlichkeit hat ihre eigenen Schlüsse gezogen, etwa aus unserer Einstellung gegen den amerikanischen Imperialismus. Nun erweist das Leben aber, dass die Chinesen mit ihrer Politik der offenen Tür den Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber Enttäuschungen erlitten. Die Amerikaner hätten nach dieser neuen Haltung der Chinesen zu ihnen weiter gehen und ihre Verbindungen zu Taiwan lockern müssen, doch das Gegenteil war der Fall, sie schickten einen neuen Botschafter dorthin, sogar einen ehemaligen Vizeaußenminister. Daher müssen die Chinesen, insoweit sie unsere bisherigen Widersprüche zu ihnen einer Analyse unterziehen, zu dem Schluss kommen (es sei denn, sie wollen nicht), dass wir recht hatten und haben. Daher, so meine ich, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die chinesischen Genossen den Besuch unserer Delegation in China verschoben haben, um uns nicht gegenübertreten zu müssen, denn in diesem Fall hätten sie vor uns Se1bstkritik zu üben.

Wir hatten auch Debatten über technische Fragen der Fertigstellung der Werke, die wir mit Krediten bauen, doch sie wurden in kameradschaftlichen Diskussionen ausgeräumt. Wir haben sie in den Kampagnen gegen die Partei- und Staatsfeinde in China unterstützt. Das räumen sie auch selbst offen ein. Daher gibt es in dieser Beziehung keinerlei Grund, aus dem sich diese Einstellung der chinesisahen Genossen erklären liesse.

Müssen wir uns also innere Gründe «vorstellen»? Was könnten das für Gründe sein? Vermutungen: «Tschou En-lai ist erschöpft», «Tschou En-lai ist krank». Er hat sich zurückgezogen. Doch wie weit hat er sich zurückgezogen und worin?! Gibt es im Zusammenhang mit ihm irgendein politisches Problem? Wird er Ministerpräsident bleiben oder werden sie ihn durch Deng Hsiao-ping ersetzen, den sie gerade hochspielen? Was wird Tschou werden? Möglicherweise auch Präsident der Republik. Dann muss der Volkskongress zusammentreten. Möglich, dass dies der wahre Grund ist. Wir wollen sehen.

Haben sie uns das sagen können? So hätte es sein müssen, doch seit zwei, drei Jahren sagen sie uns immer wieder, «dieses Jahr, nächstes Jahr» werde der Volkskongress zusammentreten, doch dies ist noch immer nicht geschehen. Oder wollen sie es uns vielleicht nicht mehr sagen, weil es nicht ernst ist? Wer weiss, was ihnen noch dazwischenkommt? So war es bei ihnen immer. In ihrer Führung herrschen ;undurchsichtige Verhältnisse. Was die Leute anbelangt, die die Gäste empfangen und verabschieden, so lässt sich ein grosses Durcheinander feststellen. Oft sieht man bei diesen Empfangs- und Verabschiedungszeremonien Führer, die dort nicht hingehören, und andere, die eigentlich dabei sein sollten, sind nicht zu sehen.

FREITAG,

13. DEZEMBER 1974

CHINA VERFOLGT NICHT DIE POLITIK DER

ÌNTERNATIONALISTISCHEN HILFE UNTER SOZIALISTISCHEN

LÄNDERN

Die chinesische Regierung hat eine Delegation chinesischer Wirtschaftsfachleute hierher geschickt, um mit unseren Leuten die Forderungen zu studieren, die wir für den kommenden Fünfjahrplan angemeldet haben.

Heute wurde mir über die Rede Bericht erstattet, die der Leiter der chinesischen Delegation hielt, nachdem ihnen unsere Leute ausführlich dargelegt hatten, welche Anforderungen unsererseits für die Objekte bestehen. A. Këllezi erschien mir ziemlich optimistisch, doch ich bin nicht optimistisch und sage auch, warum. Das sagte ich sowohl Mehmet als auch Hysni und den Genossen Sekretären des Zentralkomitees, damit sie unsere Genossen, die mit dieser Arbeit befasst sind, instruieren, vorsichtig zu sein und mit den Chinesen kameradschaftlich zu diskutieren, aber auch gebührend unsere Ansichten zu vertreten.

Was sagte der Chinese, das in unseren Ohren nicht gut klang? Ohne die üblichen Formeln über die Freundschaft begann er seine Ausführungen folgendermaßen : «China ist ein grosses Land mit einer Bevölkerung von über 800 Millionen Menschen, es hat grosse Bedürfnisse, es ist ein Entwicklungsland. China leistet 80 Staaten Hilfe, es hat viele internationale Verpflichtungen. Am meisten Hilfe leistete und leistet es Korea, Vietnam und Albanien. Albanien hat mehr Hilfe erhalten als die beiden anderen befreundeten Länder, gar nicht zu reden von den anderen.» Diese Darstellung des Problems war deutlich.

Er fuhr fort: «Der gegenwärtige Plan enthält rund 20 Objekte, von euch schon begonnen oder auch nicht, die ihr natürlich in den kommenden Plan miteinbeziehen müsst.» Das ist der zweite Hinweis. Er weiss durchaus, dass diese 20 Objekte eben deshalb nicht begonnen wurden, weil die Chinesen uns nicht liefern konnten, was für die Aufnahme und die Fortführung der Arbeit an ihnen benötigt wurde.

Weiter sagte der chinesische Vertreter: «Ihr müsst uns vollständige Angaben machen, damit wir beurteilen können, worauf eure Forderungen aufbauen und wie sie begründet sind.» Und er kam mit Tschou En-lais Auffassungen an: den Arbeitskräften, dem Dorf, der Baukapazität und dieser und jener anderen Einzelheit.

A. Këllezi sagte zu mir, nachdem mir die Rede des Chinesen vorgelesen worden war, dass «wir ihnen alle diese bis ins einzelne gehenden Angaben machen werden». Nein, sagte ich, wir werden ihnen zwar Angaben machen, doch es muss nicht in allen Einzelheiten und nicht über alles sein.

Mehmet und den Genossen Sekretären des Zentralkomitees sagte ich, und sie waren meiner Meinung, dass es «bei den Chinesen, wie ich das sehe, zwei Tendenzen gibt: sämtliche Angaben über unsere Wirtschaft zu erhalten, uns aber nicht zu geben, was wir wollen, uns viele Hinderrisse in den Weg zu legen und wenig zu geben. Deshalb müssen unsere Genossen in beiderlei Hinsicht sehr vorsichtig sein, ihnen nur die Angaben machen, die unbedingt notwendig sind, und von ihnen die Einhaltung aller Verpflichtungen uns gegenüber verlangen, nicht aber viel geben und wenig erhalten».

Wir müssen zwar den chinesischen Genossen, die uns Kredite geben werden, die wir brauchen, um einige Werke zu bauen, Angaben liefern, die unsere Ersuchen fundieren und begründen. Und es ist ihre Sache, wie weit sie die Möglichkeit haben, uns zu helfen. Doch wir haben ihnen in dem Regierungsschreiben, das wir ihnen sandten, unsere Ersuchen, wenn schon nicht vollständig, so doch zum grössten Teil veranschaulicht. Sie hätten von ihrer Seite aus auch anders mit uns reden können, als sie das Gespräch eröffneten. Bisher haben es sämtliche chinesischen Führer niemals versäumt, jedem unserer Leute, der China besuchte, zu erklären (und zwar sogar im Namen Maos und Tschou En-lais): «Wir haben Albanien sehr wenig geholfen, wir werden ihm mehr helfen», usw.

Wir verstehen Chinas Erfordernisse, seine Ausbreitung auf der Welt, die Hilfe, die es erteilt, doch als Marxisten und Internationalisten meinen wir, dass China den bürgerlichen Regierungen (bei denen wir wissen, was sie mit diesen Krediten tun, wer von ihnen profitiert, mit wem diese bürgerlichen Regierungen verbunden sind und wie sie in die versklavenden kapitalistisch-revisionistischen Kredite verstrickt und versunken sind) weniger geben und unsere begründeten Forderungen nicht ablehnen sollte. Die Chinesen sollten auch nicht die ideologischen, politischen und militärischen Positionen unseres vergessen. Deshalb hoffen wir, dass die . Chinesen in diesen Fragen für uns eine richtige Lösung finden werden, im Sine der Politik der internationalistischen Hilfe unter sozialistischen Ländern.

SAMSTAG,

14. DEZEMBER 1974

DIE CHINESEN WOLLEN UNS AUF DEN PULS FÜHLEN

Der chinesische Botschafter in Stockholm erklärt unserem Botschafter, die Chinesen zögerten, an der Zeremonie zur Verleihung des Nobelpreises an den sowjetischen Dissidenten Solschenizyn teilzunehmen. Aber das war nur Geschwätz. Und ob die Chinesen daran teilnahmen! Wir nahmen natürlich nicht teil, und zwar nicht, weil Solschenizyn Chruschtschowgegner ist, sondern weil er Marx, Engels, Lenin, Stalin und den Kommunismus angreift. Das haben wir den Chinesen gesagt, doch für sie reicht es, dass jemand gegen die Sowjets ist, um sofort ihr Amen zu geben. So achten sie Solschenizyn, obwohl er Lenin, Stalin usw. angreift! Schande!

Ebenso sagt der chinesische Botschafter in Belgrad zu unserem Botschafter dort, als er ihn über die Gespräche Yü Dschans in Jugoslawien unterrichtet: «Wir Chinesen haben von den Sowjets gefordert, sie sollten Selbstkritik für Bukarest üben und in der Frage der Grenzen mit China zum Status quo der Zeit Chruschtschows zurückkehren»! Ist es etwa nur die Bukarester Beratung, die die Chinesen von den Sowjets trennt?! Das andere ist für sie anscheinend nicht von Bedeutung. Doch Bukarest war nur der erste Vorgeschmack, den der Chruschtschowismus gab, die ganze Jauchegrube kam erst nach Bukarest. Das heisst, dass die Chinesen bereit sind, sich mit den Sowjetrevisionist zu versöhnen, wenn diese nur sagen, Chruschtschow habe in Bukarest nicht mit kühlem Kopf gehandelt. Erstaunlich, dass die Sowjets das nicht tun?'.

Sine die chinesischen Genossen denn noch bei Sinnen, oder sind das vielleicht nur Äußerungen ihrer Botschafter? Doch es ist kaum möglich, dass die chinesischen Botschafter solche Ungeheuerlichkeiten ohne Direktive von oben von sich geben. Sie wollen uns auf den Puls fühlen, doch die Antwort, die sie erhalten, wird ihnen gewiss zeigen, dass unser Pulsschlag kommunistisch, revolutionär, antirevisionistisch ist wie eh und je.

MONTAG,

23. DEZEMBER 1974

NEIN, IHR CHINESISCHEN GENOSSEN, WIR SIND MIT DEN

JUGOSLAWEN NICHT «WIE LIPPEN UND ZÄHNE»

YÜ Dschan, stellvertretender Außenminister Chinas, der als Mitglied der von Yao Wen-yüan geleiteten Delegation zu den Feiern des 30. Jahrestags der Befreiung bei uns war, reiste von hier aus zu einem «Freundschafts-»besuch nach Belgrad. Dort hatte er «herzliche» Treffen und Gespräche, sogar mit dem Ministerpräsidenten.

Nach seiner Rückkehr hatte Yü Dschan in Peking ein Treffen mit unserem Botschafter, Genossen Behar, bei dem er auch auf diese Gaspräche einging. Er sagte: «Die Jugoslawen betrachten die Situation auf der Welt als kompliziert. Die Sowjets üben Druck auf sie aus.» «Die Sowjets organisieren nicht nur die Infoarmbüroleute, sondern auch die Ustaschaleute.» «Die Jugoslawen leisten ihnen Widerstand», usw. In dieser Beziehung bearbeiteten die Jugoslawen die Chinesen tüchtig, und diese «waren zufrieden» mit diesen sowjetisch-jugoslawischen «tiefen Widersprüchen». Dann sprachen sie über die «dritte Welt», zu der die Chinesen gehören, und über die «Welt der Blockfreien», zu der die Jugoslawen gehören. Im Ergebnis «waren die Jugoslawen zufrieden mit den Erklärungen und verstanden nun die chinesische Position in diesem Problem gut»... Weil sie sie vorher nicht verstanden hatten!!!

Sie versäumten dann auch nicht, in diesen Gesprächen auf die Haltung Albaniens zu Jugoslawien einzugehen, wobei der Chinese angeblich unsere Erklärungen benutzte. Und die Titoisten versäumten es nicht, für sie ihren «Weihrauch» zu verströmen: sie wollten «das Beste für Albanien», sie wollten «in Freundschaft» leben, sie öffneten ihre Häfen nicht nur für sowjetische Schiffe, sondern auch für amerikanische, das sei eine ökonomische Frage, während sie in militärischer Hinsicht wachsam seien usw. usf. Und «unser Freund» Yii Dschan erklärte Behar abschließend, er habe den Jugoslawen gesagt, so müsse die Freundschaft zwischen den Jugoslawen und den Albanern sein, denn die beiden seien «wie Lippen und Zähne».

Der «chinesische Papst» segnete die «jugoslawisch-albanische Freundschaft» mit einer niederträchtigen, revisionistischen, konfuzianischen Parabel ab. Selbst wenn man annehmen wollte, er habe das aus Dummheit gesagt oder mitgerissen durch die «Trägheit» des Flusses stereotyper Formeln, die sie verwenden, oder weil er den Jugoslawen zeigen wollte: «Wir [die Chinesen] haben die Finger in dieser Politik und billigen sie, da wir euch für so nahe beisammen und aufeinander angewiesen halten wie Lippen und Zähne» das ist nur schwer zu begreifen.

Welch eine Eselei! Welch eine Niedertracht! Dieses «biblische» Bild des Chinesen soll besagen, dass wir seiner Meinung nach mit den Titoisten ein Kopf, ein Herz, ein Leib sind, dass wir eipe einheitliche Politik verfolgen und dieselbe Ideologie haben! Wie kann man dies Leichtfertigkeit nennen? Wie kann man sagen, ihm sei die Zunge entgleist?! Nicht nur, dass er dies dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedic sagte, der .es freudig billigte und seinerseits diese «Kostbarkeit» aufgriff, Yü Dschan ging auch noch hin und sagte das unserem Botschafter. Natürlich werden wir mit dieser Äußerung und ihrem Sinn niemals einverstanden, sondern dagegen sein, denn die Titoisten sind Feinde, Renegaten, Revisionisten, Agenten der Imperialisten und der Revisionisten.

1975

MITTWOCH,

23. APRIL 1975

DIE CHINESEN ZÖGERN DIE REISE EINER ALBANISCHEN

DELEGATION NACH CHINA HINAUS

Die chinesischen Genossen geben noch immer nicht grünes Licht für die Reise unserer Wirtschaftsdelegation auf Regierungsebene nach Peking. Verschiedene Abteilungsleiter zentraler chinesischer Behörden erklärten unseren Genossen: «Wir erwarten eure Delegation Anfang April, oder um den 15. April, oder gegen Ende April.» Aber alle diese Termine fielen ins Wasser. Nun kommt der Mai, und man gibt uns keine Nachricht, zu einer Zeit, da Delegationen jeden Typs, jeder Art und jeder Färbung aus anderen Ländern nach China kommen.

Warum geschieht das? «Wir studieren gerade die Materialien», sagen die chinesischen Genossen, Materialien, die ihnen schon vor fast einem Jahr zusammen mit unseren Ersuchen zugesandt worden sind. Zwei, drei wichtige Delegationen aus der VR China kamen hierher, angeblich um die Ersuchen, die wir an sie gerichtet haben, zu studieren, doch in Wirklichkeit studierten sie die wirtschaftliche Lage unseres Landes, um dann aufgrund ihrer Einschätzung den Kredit zu bewilligen. Sie spendeten uns grosses «Lab» für unsere Fortschritte, für die grossen Erfolge, die wir erreicht haben, für die gute wirtschaftliche Lage usw. Sie sagten uns, sie hätten «viel von der grossen Erfahrung Albaniens profitiert».

Schön und gut, all dieses Lob für uns, doch sie teilen uns noch immer nicht mit, wann unsere Delegation abreisen soll. Darauf warten wir, während sie uns weiter erklären: «Wir studieren gerade die Materialien»!

Der Botschafter der VR China in unserem Land fragte: «Wann wird eure Delegation fahren? Li Djiang, der chinesische Aussendhandelsminister, erwartet sie.» Unsere Genossen antworteten ihm zu Recht: «Wenn uns Peking Nachricht gibt.» Als Li Djiang bei Behar zum Mittagessen war, brachte er all die üblichen Formeln des Lobs für unser Land vor. Nach diesen Lobeserhebungen sagte er: «China hat ein grosses Defizit, China hat keine Devisen, es hat keine Röhren für das Erdöl, seine Industrie ist noch schwach, die weltweite Krise hat auch China betroffen, China hilft der ganzen Welt, es wird den beiden Vietnams helfen, es wird Kambodscha helfen, es wird... sogar Malta helfen, damit dieses nicht unter sowjetischen Einfluss gerät», usw.

Die Schlussfolgerung daraus ist klar: «Albanien muss auf eigenen Beinen stehen», und wie einst Mikojan erklärte uns auch Herr Li Djiang: «Treibt Handel mit den kapitalistischen Staaten, baut eure Beziehungen zu ihnen aus.» Dieser Schuft! Dieser Revisionist! Behar Shtylla blieb ihm die Antwort nicht schuldig. Li Djiang fragte, bevor er sich verabschiedete: «Wann kommt eure Delegation?» Behar antwortete ihm: «Dann, wenn ihr es uns erlaubt.»

In der Haltung der Chinesen uns gegenüber können wir zwei Tendenzen feststellen: Die eine ist die ~politische Tendenz. Wo man in China hinkommt, wen man auch immer trifft, von den einfachen Leuten bis hin zu vielen Kadern, in der Hauptstadt und in der Provinz, Inabesondere in den Betrieben und den Volkskommunen, überall spricht man voll Sympathie, ja sogar mit grosser Liebe über uns. In den hohen Sphären aber ist eine gewisse reservierte, um nicht zu sagen kühle Haltung zu spüren. Die andere Tendenz ist die in den Wirtschaftsbeziehungen. Was die wirtschaftlichen Fragen anbelangt, können wir nicht sagen, dass uns die Chinesen nicht geholfen hätten, doch ihre Hilfe ,kam nicht rechtzeitig und erst, nachdem wir zahlreiche Debatten hatten. In diesen Debatten gab es Äußerungen und Meinungen seitens einiger chinesischer Führer, die nicht gerechtfertigt waren. Wir verstehen auch jetzt, dass China auch den anderen Hilfen geben will und tatsächlich gibt. Uns aber mit solchen Aussagen über die Lage Chinas zu kommen, wie dies Li Djiang tat, uns Ratschläge zu geben wie Mikojan, so die Reise unserer Regierungsdelegation mit Genossen Adil Çarçani an der Spitze hinauszuzögern und, noch schlimmer, so zu tun, als hätten sie unser Ersuchen um den Besuch einer anderen Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze vergessen - diese Haltung ist nicht freundschaftlich.

DIENSTAG,

17. JUNI 1975

DER SCHWERE WIRTSCHAFTLICHE DRUCK DER CHINESEN HAT BEGONNEN, DOCH WIR WERDEN UNS NIEMALS BEUGEN

Nach dem Empfangsritual, nach den üblichen Reden mit ihren stereotypen Formeln wurden Adil Çarçani und die anderen Genossen unserer Regierungsdelegation im Krankenhaus 15 Minuten lang von Tschou En-lai empfangen. Er erkundigte sich nach unserer Gesundheit und sagte beim Abschied : «Morgen werde ich operiert, deshalb habe ich euch schon vorher empfangen. Diese Operation soll mir das Leben verlängern.» Das kann so sein, kann aber auch heissen... «Lebt wohl, bemüht euch nicht mehr um ein Treffen mit mir.»

Heute erhielten wir ein Radiogramm von Adil, in dem er uns. über das offizielle Gespräch berichtet, das Li Hsiän-niän, der Leiter der Regierungsdelegation der VR China, mit ihm führte, nachdem Adil die Probleme dargelegt hatte.

Die Antwort der Chinesen auf unser Ersuchen um Kredite und Hilfe für den bevorstehenden Fünfjahrplan war niederträchtig: die Chinesen bewilligen uns nur 25 Prozent des Kredits, um den wir ersucht hatten, davon 50 Prozent für Werke und 50 Prozent für Materialien. Dieser Kredit schließt auch die militärischen Forderungen ein. Diese Hilfe ist gerade gross genug, um uns nicht sagen zu müssen: wir geben euch gar keine.

Die Gründe, die die Chinesen dafür anführten, sind geradezu ein Hohn: «Wir sind ein sehr armes Land», sagen sie. Vor 5 Jahren allerdings, als sie ein «noch sehr viel ärmeres Land» waren, gewährten sie uns einen um ein Mehrfaches höheren Kredit. Ganz abgesehen davon, dass sie uns von 35 Werken, über die Verträge abschossen wurden, 20 noch nicht geliefert haben, die natürlich auf den kommenden Fünfjahrplan überschrieben werden müssen, und dass die Werke, die wir gerade bauen, von ihnen über den gegenwärtigen Fünfjahrplan hinaus verschleppt werden.

Fünf Jahre lang sagte uns jeder chinesische Offizielle, angefangen bei Tschou En-lai: «Die Hilfe, die wir euch geben, ist sehr gering, aber in zwei Jahren und im nächsten Fünfjahrplan Werdern wir euch mehr geben, denn dann wird es uns besser gehen.» Heute dagegen stellt sich, glaubt man Li Hsiän-niän, heraus, dass sich die Lage in China «verschlechtert» hat, dass China ein «sehr armes. Land» geworden ist, und von den Worten: «Wir werden euch mehrhelfend» sind sie bis auf eine lächerliche Hilfe heruntergegangen.

Für uns ist klar, dass die Chinesen sich nicht so verhalten, weil sie «arm sind» - ihr Land hat ganz im Gegenteil grosse Fortschritte gemacht -, vielmehr ist dies eine Reaktion auf die entschieden marxistisch-leninistische Haltung unserer Partei und unseres Staates. gegenüber ihrer Innen- und Außenpolitik. Die Chinesen sind nicht einverstanden mit unserer Außenpolitik, weil wir ihnen in ihren: politischen Auffassungen nicht folgen.

Wir akzeptieren nicht, dass «der amerikanische Imperialismus weniger gefährlich als der sowjetische Sozialimperialismus ist», wie das die Chinesen behaupten. Wir sagen: «Beide sind gefährlich und müssen heftig bekämpft werden.» Die Chinesen haben erklärt, sie, seien Teil der «dritten Welt». Wir sagen, dass wir ein sozialistisches Land sind, und unterstützen die richtige nationale, antiimperialistische und antisozialimperialistische Politik jedes Volkes und jedes Staates der sogenannten «dritten Welt», «zweiten Welt» oder, wer weiss, wie sie sich selbst noch immer nennen und einteilen mögen. Albanien ist ein sozialistisches Land, es lässt sich mit niemand in einen Topf werfen und es hat eine unabhängige marxistisch-leninistische Politik. Die Chinesen unterstützen die NATO, den Europäischen Gemeinsamen Markt und das «Vereinte Europa».

Wir sind gegen solche Auffassungen und betrachten sie nicht als marxistisch-leninistisch. Alle diese Pakte und Organismen sind' Mittel in Händen des amerikanischen Imperialismus und der anderen imperialistischen Länder, die sich ihrer bedienen, um die Völker zu unterdrücken und in einen dritten Weltkrieg zu stürzen, bei dem es um Hegemonie geht. Das gilt auch für den Warschauer Vertrag, die «sozialistische Gemeinschaft» und den RGW. Diese beiden Gruppierungen und Gemeinschaften müssen mit äußerster Härte bekämpft werden. Lenin hat seinerzeit solche Organismen der kapitalistischen Bourgeoisie entlarvt, verurteilt und mit aller Kraft bekämpf t.

Jeden Staat, jeden Menschen, ob nun Trotzkist, Titoist, oder auch für Tschiang Kai-schek, machen die Chinesen zu ihrem Freund, wenn er nur sagt, er stehe «im Gegensatz zu den Sowjets». Wir sind gegen dieses Prinzip. Wir wissen, wie man die Widersprüche unter den Feinden des Sozialismus vertieft, und wir vertiefen sie nach Kräften, vor allem aber wahren wir die Prinzipien. Wir sagen .zum Schwein nicht Onkel.

Natürlich gefällt den Chinesen die Haltung nicht, die wir in ,dieser und ähnlichen Fragen einnehmen, wird doch dadurch zum 1'orschein gebracht, was sich hinter der marxistisch-leninistischen 1Vlaske verbirgt, die sie wahren wollen. Deshalb üben sie Druck .auf uns aus. Dies ist ein wirtschaftlicher Druck, denn politisch und ideologisch können sie uns niemals, weder jetzt noch in Zukunft, in ,die Knie zwingen. Dies ist der Beginn der schweren Wirtschaftsblockade, der sie uns aussetzen. Doch auch in dieser Hinsicht werden sie scheitern. Wir werden uns niemals irgend jemand beugen, weder den Chinesen noch irgendeinem anderen.

Es ist klar, dass diese ihre Haltung Teil eines grossen imperialistisch-revisionistischen Komplotts ist, das gegen die Partei der Arbeit Albaniens und das sozialistische Albanien geschmiedet wird. Man darf diesen Akt der Chinesen nicht losgelöst von dem starken politischen, ideologischen, propagandistischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck betrachten, den die Vereinigten Staaten von Amerika, die Sowjetunion und ihre Satelliten, darunter auch Jugoslawien und Rumänien, die von den Chinesen als Staaten der «dritten Welt» betrachtet werden, auf uns ausüben. Dieser Druck ist keine Einbildung, er nahm in der von Beqir Balluku, Petrit Dume, Hito Çako, Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi, Lipe Nashi u.a. geführten militärischwirtschaftlichen Verschwörung konkrete Form an. Das Ziel dieser Verräter war die Liquidierung der Partei und ihrer marxistischleninistischen Führung, um das sozialistische Albanien in ein revisionistisches Land zu verwandeln. Von einem solchen Albanien träumen die Sowjets, die Jugoslawen, die Chinesen usw. Sie alle stehen im Gegensatz zur marxistisch-leninistischen Politik unserer Partei und bekämpfen sie, deshalb haben sie durch ihre Agentur in unserem Land die Verschwörung organisiert, haben ihr geholfen und helfen ihr auch jetzt, da wir sie entlarvt haben und dabei sind, sie zu liquidieren. Diese Staaten fahren fort, durch ihre Akte diese Agentur anzustacheln, die durch die Schläge, die wir ihr versetzten, bezwungen wurde, sie ermuntern sie weiter und glauben, sie könnten uns durch diese Tätigkeit schwächen, wirtschaftlich unter Druck setzen usw., um zu erreichen, dass wir die Verräter nicht streng bestrafen. Die gegenwärtige Wirtschaftsblockade der Chinesen dient eben diesem Ziel.

Wessen Agenten waren die Verräter, denen wir auf die Schliche kamen? Das ist nicht wichtig. Sie waren hauptsächlich Agenten der Sowjets und der Jugoslawen, doch auch die Chinesen haben dabei die Finger im Spiel, versuchen sie doch gerade jetzt, da wir uns in Schwierigkeiten befinden, diese Schwierigkeiten durch ihr Verhalten noch zu vergrößern.

Handeln so etwa Freunde? Nein! Was taten denn wir, als sich China in grossen Schwierigkeiten befand und von allen isoliert war? Wir halfen ihm mit aller Kraft, stellten uns allein dem grossen Sturm entgegen, der über China hereinbrach, und kämpften zusammen mit ihm, bis zum Schluss. Beqir Balluku und seine Gruppe waren nicht nur alte Agenten der Sowjets, sondern hatten auch Verbindung zu den Chinesen aufgenommen. Der feindliche strategische Plan, den Beqir Balluku gerade vorbereitete, wurde auf Eiaflüsterung Tschou En-Jais hin ausgearbeitet. Beqir selbst sagte uns, diesen Plan habe ihm «Tschou vorgeschlagen». Wir dagegen wiesen seine Anregung als feindlich zurück. Beqir Balluku arbeitete im Verborgenen in die Richtung, die ihm Tschou En-lai gewiesen hatte, also auf einen «Rückzug in die Berge», ein «Bündnis mit Jugoslawien und Rumänien» hin. Darin ist die gesamte revisionistische chinesische Strategie zusammengefasst, nicht nur die militärische, sondern auch die politische und ideologische Strategie. Wir verwarfen diese feindliche Strategie entschieden, denn sie nützte der NATO und den Sowjets ebenso wie den Chinesen. Diese Strategie war darauf gerichtet, Albanien zu einer Spielwiese der Intrigen und der Gelüste der Großmächte zu machen. Ist dies vielleicht kein äußerst finsterer Plan der Chinesen? Und wie sind denn die Chinesen in den letzten Jahren in den Wirtschaftsbeziehungen mit uns verfahren? Das allermindeste, was wir sagen können, ist, dass sie kein bisschen korrekt waren.

Zwar haben uns die Chinesen für den fünften Fünfjahrplan einen ziemlich hohen Kredit bewilligt, doch von einer Erfüllung ihrer Verpflichtungen sind sie weit entfernt. Von den 35 Werken, die sie uns insgesamt liefern sollten, lieferten sie uns nur 10 oder 15. Einige Werke haben wir noch nicht einmal begonnen, und daran tragen nicht wir die Schuld. Drei Grosswerke - das Hüttenkombinat bei Elbasan, das Wasserkraftwerk von Fierza und die Erdölraffinerie in Ballsh -, um die wir einen grossen Kampf zu führen hatten, konnten wir mit Mühe beginnen. Dennoch ist ihre Fertigstellung um ein oder zwei Jahre über den vertraglich festgelegten Termin hinaus verzögert worden. Auch dafür tragen nicht wir die Schuld.

All dies geschah zu der Zeit, als Beqir Balluku dabei war, die militärische Verschwörung zu organisieren, und Abdyl Këllezi und Koço Theodhosi im Erdölbereich und in der Wirtschaft allgemein Sabotage betrieben. Sollen wir diese Koordination in den Zielen und in der Zeit für Zufall halten? Und als wir den verräterischen Militärputsch liquidierten, als wir Abdyl Këllezi und Konsorten den Schlag versetzten, haben uns da nicht die Chinesen die Wolfszähne gezeigt? Es ist sehr gut möglich, dass Abdyl Këllezi als Mann der Jugoslawen gleichzeitig auch ein Mann der Chinesen war. Das ganze erweist sich demnach als eine breitangelegte Verschwörung unter Beteiligung mehrerer feindlicher Staaten, die gewaltsam die Lage in Albanien verändern wollen.

Ich glaube, dass bei dieser Verschwörung China die Finger im Spiel hat, aber welches China? Das sind die Finger des revisionistischen China, der revisionistischen Strömung, die stark und an der Macht sein muss.

Mit Sicherheit werden wir diese schwierige Situation erfolgreich bestehen. Wir werden all die gewaltigen Energien, den glühenden Patriotismus des Volkes und der Partei noch stärker zum Tragen bringen und, wie alle anderen, auch diese Blockade durchbrechen. Wir werden vorsichtig vorgehen. Nicht wir werden es sein, die die Brücken der Freundschaft mit China abbrechen. Unsere Ansichten und unsere Unzufriedenheit werden wir den chines Ischen Genossen gegenüber offen und kameradschaftlich äußern. Deshalb haben wir eroe offizielle Antwort vorbereitet, die Adil ihnen mündlich mitteilen wird. Darin bringen wir zum Ausdruck, was wir von der ausserordentlich geringen Hilfe halten, die sie uns bewilligten. Wir werden ihnen sagen, dass wir dieses Vorgehen nicht verstehen können, das ohne jede Grundlage ist und im Gegensatz zu allem steht, was sie selbst uns früher gesagt haben. Wir werden ihnen sagen, dass diese ihre Haltung uns nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch sehr schaden wird.

Die chinesischen Genossen müssen begreifen, dass sie falsch handeln, dass wir durchschauen, wo dieser Fehler seine Quelle hat und worauf diese ihre Haltung abzielt.

MITTWOCH,

18. JUNI 1975

DIE CHINESEN LIEFERN UNS NICHT ALLE

INDUSTRIEOBJEKTE

Wir erhielten ein Radiogramm von Adil. Die von Fang Yi geleitete chinesische Arbeitsgruppe hat mitgeteilt, welche Industrieobjekte sie uns bewilligen. Von 20, um die wir ersuchten, strichen sie 10, sie liefern uns also 10 Objekte. Die Kapazität dieser zehn, die sie uns lassen, haben sie, ausser in ein oder zwei Fällen, gegenüber unseren ursprünglichen Ersuchen reduziert. Von denen, die sie uns strichen, sind am wichtigsten für unsere Wirtschaft: das Wasserkraftwerk von Koman (sie gestanden uns das Wasserkraftwerk von Bushat zu, das klein ist), das Harnstoffwerk und die Sodafabrik, die für uns sehr einträglich ist, weil wir ihre Produkte auch exportieren können. Wir werden natürlich den Chinesen gleich sagen, was wir von der Hilfe halten, die sie uns geben, und wenn sie sich nicht rühren, müssen wir verlangen, dass sie uns diese drei wichtigen Werke, die ich genannt habe, liefern und dafür zwei oder drei andere streichen, die sie uns bewilligt haben und auf die wir verzichten können. Wir werden das nächste Radiogramm am Freitag abwarten, in dem es um den anderen Teil unserer Wünsche gehen wird, um die Materialien, die wir angefordert haben. Wenn wir sie dann zusammen studiert haben, werden wir unserer Delegation in Peking am Samstag mit dem chinesischen Flugzeug unsere endgültigen Anweisungen und Meinungen übermitteln.

Zusammen mit Mehmet, Hysni und Haki haben wir beschlossen, welche Werke wir im Rahmen des Kredits, den uns die Chinesen eingeräumt haben, verlangen müssen.

Diese Werke sind: das Wasserkraftwerk von Koman (statt dem von Bushat), das komplette Harnstoffwerk zur Produktion von Düngeknitteln, die Sodafabrik, Bergwerksausrüstungen und Sprengstoffe.

Was die anderen Varianten anbelangt, so hat Adil Listen, in denen aufgeführt ist, um was er nachsuchen soll. Wir ermächtigten Mehmet, ihm dazu die eine oder andere ergänzende Anweisung zu geben.

Mit dem chinesischen Flugzeug am 20. Juni wird uns Adil sicherlich einen Brief schicken, in dem er uns mitteilt, welche Materialien sie uns bewilligen.

Wir werden sehen, welche Wirkung unsere Erklärung haben wird, doch Hoffnungen machen wir uns nicht. Sie sind nicht bereit, das Problem politisch zum Besten des sozialistischen Albanien zu betrachten.

SAMSTAG,

21. JUNI 1975

CHINA GERÄT IN DAS RÄDERWERK DES POLITISCHEN

SPIELS DER BEIDEN SUPERMÄCHTE

China spricht sich für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und das «Vereinte Europa» aus und unterstützt sie.

Was ist Chinas strategisches Ziel? Gründet diese Haltung auf marxistisch-leninistischen Prinzipien? Um dies zu bestimmen, müssen wir die Ziele dieser Organismen selbst bestimmen, die China verteidigt oder unterstützt.

Als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet wurde, geschah das in der Absicht, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen unter den Mitgliedsländern - zunächst 6 und dann 9 - zu entwickeln. Das Ziel dieser Institution war es, der kapitalistischen Bourgeoisie jedes Mitgliedslandes möglichst hohe Profite zu verschaffen und die kapitalistische Wirtschaft jedes einzelnen Staats und aller Staaten insgesamt zu stärken. Natürlich wurde mit der Regelung der Zollprobleme auch eine Reihe anderer Fragen geregelt, so Preis- und Währungsprobleme und andere Fragen der bilateralen und multilateralen Beziehungen.

Zu Beginn konnte der Gemeinsame Markt nicht umhin, die mächtige amerikanische Wirtschaft in Rechnung zu stellen, und hatte, obwohl er seine Schritte angeblich nicht nach ihr richtete, in Wirklichkeit seine Gangart doch mit der des amerikanischen Imperialismus zu koordinieren. Dieser wiederum trug unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg durch die «Hilfen», die er gab, zur wirtschaftlichen Gesundung Westeuropas bei, wobei er allerdings keinen Augenblick lang seine eigenen Interessen vergass, die gross waren und wuchsen. Nach der Gründung des Gemeinsamen Markts setzte also zum einen der amerikanische Imperialismus seine Anstrengungen fort, dieser Einrichtung seine Wirtschaftspolitik zu diktieren, und zum anderen setzten die Mitglieder der EWG ihre Anstrengungen fort, sich von der amerikanischen Vormundschaft zu befreien. So entstanden Widersprüche unter ihnen, die sich immer mehr vertieften.

Der sogenannte kalte Krieg verdeckte diese Widersprüche etwas, denn die Mitgliedsländer der EWG waren, auch wenn sie ernsthaft damit begonnen hätten, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu demonstrieren, in punkto Verteidigung doch gezwungen, unter dem amerikanischen Atomschirm zu leben. Natürlich verstanden es die Vereinigten Staaten von Amerika, die Angst vor einem Krieg mit den Sowjets, die bei den Ländern der EWG aufgekommen war, für sich auszunutzen.

Der Verrat der Chruschtschowianer vertrieb bei der kapitalistischen Bourgeoisie die Angst vor der Revolution und dem Kommunismus, er half dem Weltkapital und gab ihm Gelegenheit, Atem zu schöpfen. Der chruschtschowsche Verrat spaltete die revolutionären Kräfte auf der ganzen Welt, liess die proletarische Revolution ferner rücken, förderte die nationalistischen Erscheinungen und gab den kapitalistischen Bourgeois Zeit und Gelegenheit, ihre schwachen Positionen im Innern auf Kosten der proletarischen Revolution zu stärken und international unter den Staaten neue Schritte zu unternehmen, neue Kombinationen anzustellen. Bersbend vor nationalistischem Geist, strebben die sozialimperialistischen

Chruschtschowianer danach, die Sowjetunion aus einem sozialistischen Staat in eine imperialistische Atom-Supermacht zu verwandeln, und sie liessen nicht locker, bis sie dieses Ziel erreicht hatten. So entstanden zwei Supermächte, die miteinander um die Welthegemonie konkurrierten. Das Gesetz der beiden, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, ist das Gesetz des Raubkriegs, ist das Gesetz der Versklavung der Völker. Dieses Gesetz ist begleitet von der Schliessung ungeheuerlicher «Bündnisse», von der Besetzung strategischer Punkte mit verschleierter Gewalt, um sie für die Vorbereitung des Kriegs zu benutzen. Es ist davon begleitet, dass sie bis an die Zähne aufrüsten und ihre Bestände an Atomwaffen um täglich modernere aufstocken, es ist begleitet von der wirtschaftlichen und politischen Einverleibung und Ausplünderung vieler Staaten durch Einschüchterung, Erpressung, Kredite, «Hilfen» und Subversion.

Unter diesen Verhältnissen fasste Westeuropa mehr Mut. Das Frankreich de Gaulles entwickelte eine von den Amerikanern und den Angelsachsen im allgemeinen unabhängigere Politik. De Gaulle zog sich nus der NATO zurück und respektierte nur noch den Vertrag. Selbstverständlich träumte auch de Gaulle von einer EWG und einem «Vereinten Europa», wo Frankreich, ohne das Adenauer-Deutschland zu übergehen, dominieren sollte. De Gaulle war von einem grossen Nationalismus beherrscht, den er auch von seinen anderen Partnern verlangte, kanalisiert allerdings in ein Europa, wie er es sich erträumte. Natürlich waren de Gaulles Ziele nicht zu verwirklichen, denn auch seine Partner hatten ihre Absichten, Ziele und Ängste. Diese Staaten hatten nicht alle die gleiche Vorstellung von der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika in Europa und auf der Welt. Vor allem das gegenwärtig zweigeteilte Deutschland zieht es vor, den Vereinigten Staaten von Amerika auf anderen Gebieten einige Zugeständnisse zu machen, ohne Frankreichs Weg der Loslösung von der amerikanischen Verteidigung zu verfolgen. Deutschland und die anderen Partner halten nicht nur von der «Atommacht» Frankreichs nicht viel, sondern auch von der Englands, ja sogar von der Frankreichs und Englands zusammengenommen. Diese Macht ist ihrer Meinung nach angesichts der atomaren Macht der Sowjets oder der Amerikaner nur ein «Zwerg».

All diese imperialistischen Mächte, ob nun die beiden Supermächte, das «Vereinte Europa» oder Japan, streben nach Hegemonie. Schon als die schwere Dollarkrise einsetzte und die militärischen Niederlagen der Amerikaner in Südostasien - in Vietnam, in Kambodscha und anderswo - ihren Anfang nahmen, begann das «Vereinte Europa», seine politischen Positionen im Innern wieder zu festigen und stärker danach zu streben, als selbständiger Organismus zu einer neuen kapitalistischen und imperialistischen Supermacht zu werden. Und, nun also ermuntert das China Mao Tsetungs dieses «Vereinte Europa» und hilft ihm. Dieses «Vereinte Europa» wird gefördert und unterstützt vom Frankreich Pompidous und später Giscards, dem es nicht nur darum geht, seine Atommacht zu wahren und weiterzuentwickeln, sondern das auch begonnen hat, in neokolonialistischem Gewand im frankophonen Afrika, im Nahen und Fernen Osten die alte Kolonialpolitik aktiver wiederzubeleben. Frankreichs Wirtschaftskraft lässt nicht zu, dass es mit den anderen konkurriert, es tut dies jedoch, so gut es kann. Die Einstellung Frankreichs zu den Vereinigten Staaten von Amerika ist nicht mehr die gleiche wie zur Zeit de Gaulles und Pompidous. Sie ist heute etwas abgemildert, lässt aber dennoch Frankreichs Unabhängigkeit erkennen. Auch England fährt fort, den verlorenen wirtschaftlichen Einfluss in den Ländern des Commonwealth in gewisser Weise wieder zu festigen, während Bonn in Mitteleuropa, auf dem Balkan (ausser Albanien), in der Türkei und überall, wo es ihm nur möglich ist, wirtschaftlich eindringt.

All diese Anstrengungen jener Mächte können ihr gemeinsames Wirtschaftspotential erhöhen, das ein Faktor sein muss, will man eine Supermacht sein. Doch dieser Faktor allein reicht nicht aus, um zur Supermacht zu werden. Diesem «Vereinten Europa» fehlt die Atommacht der beiden Supermächte. Zum anderen gibt es in diesem «Vereinten Europa» grosse politische und wirtschaftliche Widersprüche zwischen den Mitgliedsstaaten, so dass es noch auf Jahrzehnte hinaus nicht das wirtschaftliche und militärische Potential der Vereinigten Staaten von Amerika erreichen wird. Die «Vereinigten Staaten von Europa» sind in vielerlei Hinsicht nicht mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu vergleichen. Diese europäischen Staaten werden sich einander kaum so angleichen können wie jene Staaten des amerikanischen Kontinents, aus denen die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden. Jeder Staat in Europa hat seine eigene Individualität als historisch in vielen Jahrhunderten herausgebildete Nation. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, seine eigene, von jener der anderen verschiedene gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Jeder kapitalistische und revisionistische europäische Staat trägt in sich schroffe Klassenwidersprüche, die nicht nur die äussere, sondern euch die innere Einheit schwierig machen.

Es ist also prinzipiell nicht richtig, wie China einen Weg des europäischen Kapitalismus zu unterstützen, der nach Hegemonie strebt, der danach strebt, zur Supermacht zu werden. So zu handeln bedeutet, den Weg der Revolution der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, ins Räderwerk des politischen Spiels der beiden Supermächte zu geraten, indem man vom Standpunkt ihrer Politik aus kämpft und manövriert, indem man die Manöver der Supermächte angesichts ihrer von den wechselnden Zeitumständen bestimmten Widersprüche überschätzt, indem man die proletarische Weltrevolution unterschätzt, indem man den Kampf der Völker gegen die Supermächte und gegen die bürgerlich kapitalistischen Staaten unterschätzt. China liegt falsch, wenn es predigt: «Der Hauptfeind ist die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen sind weniger gefährlich.» Die Vereinigten Staaten von Amerika haben zwar Niederlagen erlitten, doch sie bleiben eine imperialistische Macht. Den Kampf gegen sie abzuschwächen hieße, die Revolution zu schwächen und dem amerikanischen Imperialismus zu helfen. In den gleichen Fehler werden die Chinesen verfallen, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika ihre «Wolfszähne zeigen». Dann wird China zu sagen beginnen: «Die Sowjetunion ist weniger gefährlich, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen sind gefährlicher geworden.» China macht einen Fehler, wenn es dem alten kapitalistischen Europa gegenüber den Standpunkt eines Don Quichotte einnimmt, weil diesesangebhoch zum Gegengewicht zu den Sowjets auf der einen und den Amerikanern auf der anderen Seite werden wird, während «China siegen wird», weil es das «Vereinte Europa» unterstützt.

Die Widersprüche zwischen den Imperialisten müssen zu unseren Gunsten vertieft und ausgenutzt werden, aber nur von Klassenpositionen, nur von den Positionen der proletarischen Revolution aus. China tut nicht das, sondern das Gegenteil, es erklärt den Völkern Europas, Amerikas und der «dritten Welt»: «Unterstützt eure kapitalistische und imperialistische Bourgeoisie, denn der Hauptfeind ist der sowjetische Sozialimperialismus.» Dieser Kurs ist nicht leninistisch, er fördert nicht die Revolution, sondern verficht jenen Opportunismus, den schon die Zweite Internationale vertrat, die von Lenin entlarvt wurde. Also können wir uns mit dieser Strategie und Taktik Chinas nicht abfinden. Der Hauptkampf gegen die imperialistischen Supermächte und den Weltkapitalismus ist für uns der Kampf der Völker, der Kampf der Proletarier, die proletarische Weltrevolution. In diesem Sinne - während wir diese gerechten Kämpfe unterstützen - müssen wir manövrieren und von den Zeitumständen profitieren. Damit tragen wir zur Vertiefung der Widersprüche bei.

Die Widersprüche und Krisen im Schoss des Imperialismus, des Sozialimperialismus und des Weltkapitalismus haben ihre Quelle in der Unterdrückung der Völker durch die Kapitalisten und im Kampf dieser Völker gegen die kapitalistische Unterdrückung und Ausbeutung. Muss also der Kampf der Völker gegen die Kapitalisten gefördert und unterstützt werden, oder muss man diesen bei den Manövern helfen, die sie durchführen, um sich zu mästen und den einen oder anderen Imperialisten zu bekämpfen, mit der Aufforderung an .die Völker: «Geht hin und bringt euch für mich um»? Die Marxisten-Leninisten müssen den Kampf der Völker, den Kampf der Proletarier gegen die imperialistischen Supermächte und den Weltkapitalismus vorantreiben, diesem Kampf helfen und ihre Kräfte mit ihm vereinigen. Diesen Weg hat unsere Partei der Arbeit verfolgt und diesen Weg wird sie weiter verfolgen.

In dieser Beziehung macht Maas falsche Außenpolitik den Eindruck, als sei sie simpel. Nicht nur, dass die Chinesen bei dieser Politik nicht von proletarischen Klassenpositionen ausgehen, sie gehen - auch wenn sie es nicht sagen und in Worten sogar leugnen - den Weg einer Großmacht. China ist keine Supermacht, doch sein Einfluss auf die Weltprobleme ist gross und kann gross sein. China, das auf der Welt eine Rolle spielen kann und wird, hat dabei die Wahl zwischen zwei Wegen: entweder dem marxistisch-leninistischen Weg, dem Weg der Revolution, oder dem bürgerlich-kapitalistischen Weg mit einer neuen revisionistischen Schattierung. Nur wenn China auf dem revolutionären, marxistischleninistischen Weg streitet, wird es das Vertrauen der Völker gewinnen, die die Revolution wollen und für sie kämpfen.

Gegenwärtig versucht China, die kapitalistischen Länder davon zu überzeugen, dass «die Gefahr für sie von der Sowjetunion ausgeht». Da will doch China den Weltkapitalisten tatsächlich etwas Neues beibringen! Der Hauptfeind der Kapitalisten ist der Kommunismus und die Revolution. Wenn China den revolutionären Weg geht, wird seine Aussage: «Der Hauptfeind ist die revisionistische Sowjetunion» nicht nur niemand überzeugen, sämtliche Kapitalisten gleich welcher Farbe werden sogar gegen China sein. Wenn sie gegenwärtig China nicht fürchten, so gibt es dafür mehrere Gründe: sei es nun, weil China nur in Worten und nicht in Taten kommunistisch ist, sei es, weil es ökonomisch und militärisch noch schwach ist, sei es, weil es ein antisowjetischer Faktor ist, den sie bis zum letzten ausnutzen wollen, um die Aggressivität der Sowjets ihnen gegenüber zu schwächen.

Die Politik beider Seiten, der Chinesen und der Amerikaner, hat als Stossrichtung den Kampf gegen die Sowjetunion, doch wollen die Chinesen die Amerikaner gegen die Sowjetunion hetzen, so wollen umgekehrt die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Verbündeten China gegen die Sowjetunion hetzen. Beide Seiten unternehmen diese «chassé-croisé»* *( Platzwechsel zwischen zwei Personen, Hin und Her (frz. im Original)) von denselben Positionen aus und mit denselben Hoffnungen. Nur dass die Sowjetunion die Hände nicht in den Schoss legt. Sie versucht, einen Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu vermeiden, über die Völker zu herrschen, die sie selbst unterdrücken kann, das NATO-Bündnis zu zerstören und China zu isolieren, nach Möglichkeit auch zu unterwerfen. Und all diese Absichten verfolgt sie unter der Maske des Sozialismus.

Der Weltkapitalismus, besonders der europäische Kapitalismus, hat eine Reihe von Weltkriegen durchgemacht, die ihre Quelle in seiner brutalen Natur hatten. So lassen sich das «Vereinte Europa» oder Giscard d'Estaings Frankreich oder Straussens Deutschland von der Politik Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings nicht so leicht hinters Licht führen. Sie lassen sich nicht auf einen Krieg mit den Sowjets ein, nur weil ihnen Deng Hsiao-ping dies einbläst. Nein, sie versuchen, den Zusammenprall mit der Sowjetunion zu vermeiden, solange sie sie für stärker halten als sich selbst; sie versuchen, die Festung von innen her sturmreif zu machen, dann holen sie zum Schlag aus. Alle, die Vereinigten Staaten von Amerika, England, Frankreich, die Deutsche Bundesrepublik und die andern, versuchen, die Sowjets zu schwächen, zu schwächen in ihren Bündnissen mit Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei usw., doch sie gehen nicht vor, wie China es will. Die alten Wölfe kennen sich gut aus in der Taktik des Angriffs, deshalb ist es schwer, sie auf Pfade zu locken, die dir selbst passen. Solche Pläne verfolgten und verfolgen sie nämlich selbst und zwar gerade auch in Richtung auf China. Beim französischen Präsidenten ist das Märchen von der «sowjetischen Gefahr» mit Sicherheit auf taube Ohren gestoßen. Sicherlich hat Giscard d'Estaing Deng Hsiao-ping gesagt, sie wünschten, die Freundschaft mit China zu entfalten, doch nicht gegen die Sowjetunion, sei ihnen doch daran gelegen, den Konflikt zu vermeiden. Doch andererseits hetzen die d'Estaings und Co. Deng indirekt gegen die Sowjets auf, damit er ihnen die Kastanien aus dem Feuer holt, während sie zuschauen.

Die europäische Bourgeoisie ist eine alte Hure, die schon alle Sünden begangen hat. Sie ist gewiegt in Tücken und Intrigen. Allein durch den revolutionären Kampf des Proletariats und des Volkes wird mit ihr abgerechnet. Auf diesem Schlachtfeld wird sie entlarvt und bezwungen, verlieren ihre Intrigen und Tücken die Kraft. Auf diesem Feld muss auch China kämpfen. Es muss dabei vom Grundsatz ausgehen, die diplomatischen Beziehungen und den Handel mit den kapitalistischen Ländern Europas in den Dienst einer soliden revolutionären Strategie zu stellen, und nicht versuchen, Westeuropa gegen die Sowjets zu hetzen. Diesen falschen Weg Chinas haben vor ihm schon England und Frankreich eingeschlagen, um Hitler gegen die Sowjetunion und die Sowjetunion gegen Deutschland aufzustacheln. Das Ergebnis dieser Manöver ist bekannt. Stalin verfiel nicht in diese Fehler, er ging weder auf die Positionen der Angloamerikaner noch auf die der Hitlerner ein.

Wenn man auf festen revolutionären Positionen steht, kann man sowohl die Widersprüche unter den Feinden besser ausnutzen, als auch in erster Linie die Gefährlichsten schwächen, ohne dabei die zu vergessen, die zwar einen Augenblick lang geschwächt sein mögen, aber auch wieder zu Kräften kommen können. Betrachtet man die Ereignisse und Situationen von revolutionären Positionen aus, ist klar ersichtlich, dass man als Stütze nicht einen konjunkturellen Faktor hat, sondern ein sehr mächtiges und beständiges Potential im Kampf gegen das Kapital - das Proletariat jedes Landes, das Weltproletariat überhaupt sowie die Völker, die Freiheit und Revolution wollen. Man muss die Revolution machen, indem man sowohl gegen die Vereinigten Staaten von Amerika als auch gegen die Sowjetunion kämpft.

MITTWOCH,

25. JUNI 1975

TSCHOU EN-LAI UND SEINE GRUPPE STEUERN EINEN

FEINDSELIGEN KURS GEGEN ALBANIEN

Die Chinesen haben endgültig über die Wirtschaftshilfe entschieden, die sie uns für den kommenden Fünfjahrplan geben werden. Die gemeinsame Kommission trat zusammen. Die chinesische Abordnung wurde von dem «berühmten» Li Hsiän-niän geleitet, dessen Albanienfeindliche Einstellung wohlbekannt ist.

Adil legte offen und freundschaftlich unsere Meinung über die Hilfe dar, die uns die VR China bewilligte, und zwar picht für fünf, sondern für sieben oder acht Jahre, denn einige Werke sind offiziell auf mehr als fünf Jahre, auf bis zu sieben Jahre veranschlagt, ganz abgesehen davon, dass die Chinesen ihre Fertigstellung unter verschiedenen Vorwänden möglicherweise noch weiter verzögern, einzig und allein in der Absicht, unserer Wirtschaft zu schaden. So sind die Chinesen auch bei den Werken des gerade zu Ende gehenden Fünfjahrplans verfahren, die nun unvollendet in den kommenden Fünfjahrplan eingehen.

Adir brachte also den Chinesen gegenüber unsere Meinung zum Ausdruck, dass die Summe von . .. für fünf bis sieben Jahre bedeutet, dass sie uns eine starke Beschränkung auferlegen, was im Gegensatz zu ihren Versprechungen steht, im Gegensatz zum fortgeschrittenen Zustand der chinesischen Wirtschaft und zur Blockadesituation, der Albanien durch die Imperialisten, die Sozialimperialisten, die Titoisten und die anderen kapitalistischen Nachbarländer unterworfen ist. «Damit sind wir unzufrieden», sagte ihnen Adil, wobei er unsere soliden Gründe darlegte und ihre schwachen «Gründe» auseinander nahm. Sehliesslich ersuchten wir sie darum, ihre Entscheidung wohlwollend und in internationalistischem Geist zu überprüfen, so wie auch wir die unsere überprüft und unsere Wünsche zurückgeschraubt haben...

Li Hsiän-niän, dieser Feind des Sozialismus in Albanien, die Kreatur Tschou En-Jais, antwortete Adil auf unverschämte, brutale, feindliche Weise. Er sagte: «Eure Vorschläge werden nicht akzeptiert, wir ziehen sie nicht einmal in Erwägung, unser Beschluss ist unumstößlich und wurde von unserer ganzen Führung einschließlich Mao Tsetungs gefasst.» « Über das hinaus, was wir beschlossen haben», sagte Herr Li Hsiän-niän, «machen wir keinen Yüan locker.» Mit dieser Antwort wollte er, anders formuliert, sagen: «Wenn ihr wollt, nehmt, wenn ihr nicht wollt, lasst es bleiben, was ihr sagt, ist uns völlig egal.»

Das Ersuchen, unsere Meinung, die Adil Li Hsiän-niän auch schriftlich übergab, Genossen Mao Tsetung zu übermitteln, beantwortete Li Hsiän-niän Folgendehrmassen: «Ich werde es ihm geben, aber erwartet keine Antwort.» Das sollte wohl entweder heissen: «Mao geruht ganz entschieden nicht, das Ersuchen der Albaner zu beantworten», oder aber: «Ich nehme diese eure Darstellung zwar entgegen, gedenke aber nicht, sie Mao auszuhändigen, sondern werfe sie in den Papierkorb.» Welche Version man auch immer annehmen mag, sicher ist, dass die Albanienfeindliche Clique in Chinas Führung grosse Macht hat und den chinesischen Freunden Albaniens ihren Willen aufzwingt.

Mit all dem setzt diese Gruppe in der chinesischen Führung ihr feindseliges Verhalten fort. Diese Gruppe hat sich auch schon früher so verhalten, doch die Kulturrevolution, die revolutionäre Haltung der Partei der Arbeit Albaniens und der Volksrepublik Albanien zur Verteidigung Chinas, als alle, ich betone: alle, ihm den Rücken zuwandten und es angriffen, hinderten die Leute dieser Gruppe daran, die feindlichen Absichten, die sie gegen uns hegten, so auszuführen, wie sie das gerne getan hätten. Nun ist Mao alt geworden, möglicherweise fragen sie ihn überhaupt nicht, vielleicht holen sie überhaupt nicht seine Meinung ein, nicht nur, was unsere Sache betrifft, die er, soweit wir wissen, verteidigt hat, sondern auch, was die anderen inneren und internationalen Probleme anbelangt. Diese fragwürdigen chinesischen «Genossen» machen weiter mit ihrer Taktik: «Unter Maos Banner treiben wir unser eigenes Spiel.» So denken sie.

Dieses Vorgehen der Chinesen uns gegenüber ist der Beginn eines starken wirtschaftlichen Drucks, durch den sie uns politisch und ideologisch zu unterwerfen hoffen. Sie handeln wie eine Großmacht, nicht revolutionär und schon gar nicht marxistisch-leninistische Unsere in jeder Hinsicht richtige marxistisch-leninistische Linie ist ihnen ein Dorn im Auge, sie hätten es gern, wenn unsere Linie unsere Auffassungen ein Anhängsel ihrer opportunistischen, prinzipienlosen, konjunkturabhängigen Linie wären. Die Leute dieser Gruppe stehen im Gegensatz zu unserer Linie und sind zu wirtlichem Druck übergegangen wie einst die Sowjetrevisionisten, weil meinen, sie könnten uns dadurch zwingen, klein beizugeben. Diesen Albanienfeindlichen Kurs verfolgen Tschou En-lai und seine Gruppe eben zu der Zeit, da in unserem Land die feindlichen. Gruppen von Beqir Balluku und Abdyl Këllezi liquidiert worden sind.Daran zeigt sich, dass dies ihre Leute waren, wie sie zugleich auch Leute der Sowjets und der Jugoslawen gewesen sind. Für: sie alle, für die Chinesen, die Sowjets und die Jugoslawen, war diese gesunde Lage in unserem Land nicht tragbar, nicht annehmbar. Deshalb waren für diese drei, wie nun die Verbindungen unter ihnen auch ausgesehen haben mögen, all die Feinde der Partei der Arbeit Albaniens und ihrer marxistisch-leninistischen Führung Freunde, und sie unterstützten sie auf verschiedene Weise. Beqir Ballukus feindlicher Plan war von Tschou En-lai diktiert. Beqir Balluku arbeitete heimlich für die «Antithesen» u nd an der Organisierung des Putsches. Die «Antithesen» waren ihm von Tschou En-lai eingeflüstert worden. Wir lehnten sie ab, und Beqir Balluku hat möglicherweise die Chinesen informiert.

Tschou sagte zu Beqir Balluku: «Festigt die Verbindungen und die Zusammenarbeit mit Jugoslawien gegen die Sowjets.» Und: «Für euch gibt es keine andere Strategie als die Strategie der Berge.» Das heisst: «Wenn der Feind euch angreift, nehmt schon am ersten Tag die Beine in die Hand und dann ab in die Berge!»

Der Plan von Tschou En-lai und Beqir Balluku war prosowjetisch, denn er hätte den Sowjets freie Hand gegeben, Albanien zu besetzen; ebenso war er auch probjugoslawisch, denn er zielte darauf ab, den Sozialismus in unserem Land zu liquidieren. Die Entdeckung, Entlarvung und Bestrafung Beqir Ballukus und der Leute seiner Gruppe war gleichzeitig auch ein Schlag gegen Tschou, der mit Beqir Balluku sowie Abdyl Këllezi, der, gleichfalls ein Verräter, im Erdölsektor und in unserer Volkswirtschaft Sabotage betrieb, dieses Komplott ausgeheckt hatte.

Tschous Kampf, uns von innen her zu stürzen, ging also verloren, und so setzte er, weil er keine andere Handlungsmöglichkeit hatte, die Waffe der Wirtschaftsblockade ein. Als Revisionisten meinen er und seine Gruppe, wir würden isoliert sein, Hungers sterben, einen Kniefall tun. Sie denken: «Die Albaner haben keine andere Wahl.» Und Tschou En-lai tischte Adil Carçani wieder den alten teuflischen Plan auf: «Schliesst euch eng zusammen mit den anderen Balkanländern, ungeachtet eurer Meinungsverschiedenheiten.» Welch schmutziger Feind, welch niederträchtiger Pseudomarxist! Weder fallen wir auf die Knie, noch fürchten wir uns, noch wird uns das Brot ausgehen, vielmehr werden wir ehrenvoll leben, frei, unabhängig und souverän. als Marxisten-Leninisten, als albanische Kommunisten, als Söhne dieses ruhmreichen und heldenhaften Volkes, das sich in den Jahrhunderten nicht beugte. Tag und Nacht werden wir vereint, mit vervielfachten Kräften gegen jeden Feind kämpfen, woher er auch immer kommen mag: Stets wird das Banner unserer Partei in den Schlachten siegreich wehen. Mit unserer Partei an der Spitze werden wir jede Blockade durchbrechen, jedes Komplott durchkreuzen, und unser Volk wird siegen, wird auf dem Weg des Sozialismus und des Kommunismus immer erfolgreich vorwärts schreiten.

Tschou und Konsorten werden sich an der stählernen Festung des sozialistischen Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens, einer eisernen marxistisch-leninistischen Partei, den Kopf einrennen wie die anderen. Dies ist ein niederträchtiges und koordiniertes Komplott der Gruppe Tschou En-lais!!

Nur ein oder zwei Tage, nachdem Li Hsiän-niän unter dem Vorwand, China sei «sehr arm», Adil Carçani den Kredit verweigert hatte, sagte Radio Moskau in einem Kommentar über Albanien unter anderem: «Die Leute in Tirana haben inzwischen begriffen, dass China ein armer Staat ist. . . , der Albanien nicht hilft», usw. Wie sollen wir das nennen? Koordinierten chinesisch-sowjetischen wirtschaftlichen Druck?!

Gerade zwei, drei Tage, nachdem Tschou En-lai Adil Carçani erklärt hatte: «Vereinigt euch mit den Balkanländern», behauptet eine jugoslawische Zeitung in einem langen Artikel: «Albanien hat in den Handels- und Kulturbeziehungen trotz aller Meinungsverschiedenheiten seinen Blick auf Europa und insbesondere Jugoslawien gerichtet», usw. Die Zeitung fügt hinzu. «Nach China ist Jugoslawien das Land, mit dem Albanien am meisten Handel treibt», usw. Eine von Tschou En-lai und Tito wohlabgestimmte «Perspektive» für uns.

Es kann gar nicht anders sein, als dass diese Fakten im Zusammenhang miteinander stehen. Sie beweisen zusammen mit den anderen uns bekannten Fakten die Verbindungen zwischen dem Komplott Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis, der Blockade und der «Perspektive», die uns der «berühmte» Tschou En-lai eröffnet.

All das registrieren wir, und wir werden unsere Haltung solchen Leuten gegenüber überprüfen. Aber wir werden sorgsam vermeiden, auf ihre Provokationen hereinzufallen, denn das ist es, was sie wollen. Doch uns werden sie nicht hereinlegen können.

Sie zerstören die Freundschaft, wir dagegen werden weiter von ihr sprechen, natürlich nicht mit heuchlerischen Phrasen, wie sie es tun werden, um die Sch... mit Jauche abzuwaschen. Wir werden uns korrekt verhalten, doch mit den glühenden Worten ist Schluss, solange diese Clique ihre feindliche Tätigkeit gegen uns fortsetzt.

Wir werden uns ihren Erpressungen nicht beugen, sondern uns dieser Clique gegenüber kühl verhalten, oder auch mehr als kühl, bis das Mass voll ist und sie sich entlarvt.

DONNERSTAG,

26. JUNI 1975

DIE CHINESEN BEWILLIGTEN UNS ZWEI OBJEKTE, BEI

DEN ANDEREN GABEN SIE UM KEIN JOTA NACH

Die Chinesen genehmigten eine Änderung im Rahmen des festgelegten Kredits, um die wir ersucht hatten: sie bewilligten uns das Wasserkraftwerk von Koman und strichen dafür das von Bushat. Ausserdem gestanden sie zu, dass in der Harnstoffabrik auch Kunstdünger produziert wird, doch nicht in der Menge, die wir gewünscht hatten.

Immerhin, ein bisschen hilft uns das schon weiter, denn diese beiden Objekte sind wichtig. Bei den anderen Objekten gaben sie um kein Jota nach.

FREITAG,

4. JULI 1975

CHINA HAT SICH IN DEN POLITISCHEN REIGEN DER

BOURGEOISIE EINGEREIHT

Es ist tragisch, dass China das Chaos mit Chaos bekämpft. Mao Tsetungs China erweckt den Eindruck, es betreibe im Land eine «sozialistische» Politik, doch wenn man den Dingen auf den Grund geht, soweit dies die äusseren Anhaltspunkte eben zulassen, wird man feststellen, dass die «marxistisch-leninistische» Politik, die es hinaustrompetet, eine «maotsetungsche» Politik ist, ein mit zweifelhaften Prinzipien und Ansichten vermischtes Etwas. Ständig lassen sich zwei Linien feststellen, die einmal parallel laufen, dann wieder nicht, weil die eine die andere überlagert. Diese Unbeständigkeit zeigt sich laufend auch bei vielen kapitalen Problemen. Die Propaganda ist darauf abgestellt, den Leuten weiszumachen, alles, was China meint und tut, sei «richtig, prinzipienfest, marxistischleninistisch, antimperialistisch und insbesondere antisozialimperialistisch».

Auch in der Aussenpolitik gibt sich Mao Tsetungs China als sozialistisches Land mit einer sozialistischen Politik. In Wirklichkeit stimmt das nicht. Auch wenn China nicht auf eine Stufe mit den beiden Supermächten gestellt werden kann, so ist seine Politik doch keine marxistisch-leninistische Politik.

Da sich China selbst zu einem Staat der «dritten Welt» erklärt hat, verfolgt es im Prinzip auch die Politik dieser «dritten Welt», die nichts Sozialistisches an sich hat. Es versteht sich, dass China in der «dritten Welt» seine Politik mit der bürgerlich-kapitalistischen und revisionistischen Politik dieser «dritten Welt» vermengt.

Liu Schao-tschis, Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings Politik vor der Kulturrevolution war: «Bündnis mit allen Staaten der Welt, auch mit den Sowjetrevisionisten.» Gegenwärtig lautet Tschou Enlais und Deng Hsiao-pings Politik: «Bündnis mit allen Ländern der Welt, auch mit dem amerikanischen Imperialismus, gegen die Sovjets.» Und Mao Tsetung, mit welcher Linie hält er es? Man lässt durchblicken, dass er diese Linien billigt und später missbilligt, doch tâtsächlich hält er zu ihnen und hat seinen Anteil an dem Weg, den China verfolgt. Dies ist eine für China selbst und für die Welt folgenschwere Politik. Die revolutionäre Welt erwartet von China eine revolutionäre, eine Klassenpolitik, doch sie sieht sie nicht, weil es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt, weil man sich nur vorstellen kann, wie sie auszusehen hätte.

China betreibt eine Schaukelpolitik. Es hat sich geöffnet, unterhält diplomatische Beziehungen zu allen, will auf der Welt anerkannt werden. Auch wir haben dies gewollt und ihm empfohlen. Doch als was muss China auf der Welt Anerkennung finden? Als sozialistisches Land oder als Land der «dritten Welt»? China müsste sich natürlich als sozialistisches Land Anerkennung erwerben. Eben das tut es jedoch nicht. Es ist auf der Welt anerkannt als ein Staat, der gegen die Sowjetunion ist. Freunde sind für China das Spanien Francos, das Chile Pinochets oder das Rhodesien von Jan Smith, während «die Sowjets am gefährlichsten sind, weil sie sich als Marxisten-Leninisten aùsgeben». Dies ist keine prinzipienfeste Haltung. Chinas Kampf gegen die Sowjets beruht nicht auf einer ideologischen Plattform, von der aus ihre sozialimperialistische Politik entlarvt würde. Nein, das tut China durchaus nicht so, wie es nötig wäre. Und warum nicht? Weil seine Politik nicht auf der marxistisch-leninistischen Theorie fusst. China hat sich in den politischen Reigen der Bourgeoisie eingereiht, in die Politik der Konjunkturen, und es ist davon überzeugt, dass dies die richtigste Politik ist. China übersieht, dass die Politik, die es unterschiedslos Präsidenten und Königen, Fürsten und Fürstinnen, Bonner Faschisten und Revanchisten, amerikanischen Imperialisten oder Leuten wie Pinochet gegenüber betreibt, nicht originell ist. Diese Politik haben die kapitalistische Weltbourgeoisie und schon etwas früher die Erbmonarchien und die Aristokratie in grossem Stil praktiziert. China sucht die Freundschaft der herrschenden Cliquen, um «in die Völker einzudringen», anstatt in

die Herzen der Völker Eingang zu finden, indem es sie davon überzeugt, dass es uneingeschränkt für ihre Sache eintritt.

Was für eine Hilfe gibt denn China dem Volk und den Revolutionären in Chile oder auf den Philippinen, oder den deutschen Revolutionären, wenn es sich auf skandalöse Weise mit Pinochet, Marcos, Strauss und anderen von ihrer Sorte zur Schau stellt? Es gibt ihnen keinerlei Hilfe, entmutigt sie nur. Mit dieser seiner Politik stärkt China der schwärzesten Reaktion den Rücken. China nährt bei den Revolutionären die Annahme, dies sei ein <politisches Manöver». Tatsächlich ist dies ein konterrevolutionäres Manöver, denn folgten die Revolutionäre Chinas Politik, dürften sie nicht gegen die Reaktion kämpfen. Die Revolutionäre dürfen jedoch kein Doppelspiel treiben: die Reaktion bekämpfen und ihr gleichzeitig die Stange halten.

Die Chinesen bemühen sich, den Eindruck zu erwecken, sie unterstützten insgeheim die revolutionären Kräfte. Das ist absolut nicht wahr und kann auch gar nicht wahr sein, denn China macht

sich Gedanken um ein gutes Verhältnis etwa zum Staat der Deutschen Bundesrepublik und ihren Firmen und nicht zu den deutschen marxistisch-leninistischen Kommunisten. Chinas sogenannte Hilfe für die marxistisch-leninistischen Revolutionäre beschränkt sich einzig und allein auf eine Unterstützung, die es ihnen gibt, wenn sie China und seine Politik in Bonn, Paris oder Rom loben. Jedenfalls bedeutet es, gut Freund mit der Reaktion dieser Länder zu sein, wenn man so handelt. Natürlich soll China diplomatische, kulturelle und Handelsbeziehungen zu diesen Ländern unterhalten, diese Beziehungen müssen jedoch auf der marxistisch-leninistischen

Theorie basieren und der Revolution dienen.

China gibt einigen Staaten, darunter auch uns, Kredite. Diese Kredite, besonders an uns, sind geprägt von der Politik, die China im In- und Ausland verfolgt. Ist die Situation in China revolutionär, dominiert also die revolutionäre der beiden Linien über die regressive, dann ist die Hilfe für uns von Wohlwollen und Freundschaft getragen, dann verstehen die Chinesen unsere Bedürfnisse und Schwierigkeiten richtig. Wir versäumen es nicht, ihnen unsere aufrichtige Dankbarkeit zu bekunden, und sie erklären uns: «Die Hilfe, die ihr Albaner uns gebt, ist sehr gross, die Hilfe, die wir euch geben, dagegen sehr klein. Wir müssen euch mehr helfen und werden euch in Zukunft auch mehr helfen.»

Doch wie es scheint, fielen diese Äusserungen, als Tschou Enlais regressive Linie im Hintertreffen, schwach war. Nun hat sie wohl die Oberhand gewonnen und ihre Anhänger äussern sich ganz anders.

Genosse Adil, der aus Peking, wohin er wegen des Wirtschaftsabkommens gereist war, zurück ist, stellte bei den Leuten von Tschou En-Jais und Li Hsiän-niäns Gruppe einen unverhohlen arroganten, verächtlichen und eisigen, ja feindseligen Geist fest. Li Hsiän-niän erklärte Adil beinahe offen: «Auch mit der Hilfe, die wir euch bewilligten, haben wir einen Fehler gemacht, und ich bin dafür kritisiert worden». «Ich», sagte Li Hsiän-niän, der Mann mit der grossen Axt, «bin dazu da, die Investitionen zu kürzen.» Mit anderen Worten: «Denkt, was ihr wollt, ihr Albaner, ich werde jedenfalls an eure Forderungen die Axt anlegen.» Unsere Forderungen sind vernünftig, für die Chinesen allerdings sind unsere Ansichten und unsere politische Linie «unvernünftig». Die Chinesen wollen, dass auch wir denken und handeln wie sie, dass wir eine opportunistische und prinzipienlose Aussenpolitik verfolgen, uns den Feinden des Volkes und der Partei im Land gegenüber liberal verhalten, die wir bestrafen, während die Chinesen sie wieder an die Macht heben. Die Chinesen streben danach, unserer Partei und unserem Staat die Eigenständigkeit zu nehmen, die sie mit Blut und Opfern gewonnen haben, und sie zu ihrem Satelliten zu machen. Sie wollen, dass wir unsere Uhren in allem nach der Pekinger Uhr stellen. Dazu wird es niemals kommen, wenn die Pekinger Uhr nicht nach der Uhr von Marx, Engels, Lenin und Stalin geht, nach der sich die Partei der Arbeit Albaniens getreulich und konsequent richtet.

Es ist offensichtlich, dass Tschou En-lais Gruppe Druck auf uns ausübt, verhindern möchte, dass unsere richtige marxistisch-leninistische Linie einen Schatten auf ihre Linie wirft und sie in eine schwierige Position bringt. Diese Linie ist nicht marxistisch-leninistisch, obwohl sie alle Anstrengungen unternehmen, sie als «revolutionäre marxistisch-leninistische» Linie in die Geschichte eingehen zu lassen. Diese ihre feindselige Haltung hat überall um sich gegriffen. Verschiedene chinesische Botschafter sprechen in Li Hsiänniäns Sprache über uns. Die Sowjets, die Rumänen und die Jugoslawen haben von dieser Haltung Wind bekommen und ihren Druck: auf uns verstärkt. So sieht die Wirklichkeit aus, doch sie können uns. weder zum Schwanken bringen noch einschüchtern. Tschou En-Jais Gruppe irrt sich gewaltig, wenn sie meint, sie könne uns in die Knie zwingen, so wie sich auch die Chruschtschowgruppe irrte. Auch, diese Gruppe werden wir in der internationalen Arena bezwingen.. Die Welt und die Völker werden sehen, dass ein Volk, und sei es auch noch so klein, wenn es von einer marxistisch-leninistischen. Partei geführt wird, nicht zu bezwingen ist, dass es im Gegenteil' sogar mutig vorwärts marschiert und siegt. Auch das chinesische~ Brudervolk wird eines Tages die chauvinistische Politik seiner Führung gegen das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens durchschauen, die China stets und ganz besonders in den, schwersten Zeiten, die es durchmachte, zur Seite standen, es vertei-digten und nach Kräften unterstützten.

Wir werden immer zu der gerechten Sache des chinesischen, Volkes, zum Weg der Revolution und des Marxismus-Leninismus siehen. Die Grossmachtpolitik lässt sich nicht lange mit Maskem verhüllen.

MONTAG,

7. JULI 1975

LI HSIÄN-NIÄN ARBEITET GEGEN DAS SOZIALISTISCHE

ALBANIEN

Li Hsiän-niän verzog auf unserem 4. Parteitag die Lippen nicht ,zum Lächeln, er sass da wie «Buddha», nur ein Zucken liess seine Wange beben, wie es scheint aus Nervosität, denn die Parteitagsdelegierten wurden tagelang nicht müde, zu jubeln und zu klatschen, um den sowjetischen Revisionisten Pospjelow und Andropow die Einheit der albanischen Kommunisten um das Zentralkomitee, die Treue der Kommunisten und des Volkes zur Partei der Arbeit Albaniens und zum Marxismus-Leninismus mitten ins Gesicht zu schmettern. Dieser Li Hsiän-niän, der auf dem Parteitag in der Rolle eines Vertreters des grossen China, um das es in Bukarest und Moskau so viel Lärm gegeben hatte, finster dasass, riet uns, den Sowjets riegenüber massvoll aufzutreten, uns mit Chruschtschow und seinen Genossen zu unterhalten. Zur Zeit der Kulturrevolution glich dieser Lakai Tschou En-Jais dann einer Ratte, die kein Loch findet, in das sie sich verkriechen kann. Damals wurde ihm beinahe der Hut aufgesetzt, ganz zu schweigen davon, dass man ihn hart kritisierte, beschimpfte, verurteilte und heruntermachte. Das erzählte er uns selbst. Als während der Kulturrevolution verschiedene Delegationen von uns nach China reisten, sassen er und sein Herr Tschou En-lai, der dank des Eingreifens von Mao persönlich der Säuberung entgangen war, wie begossene Pudel da.

-O tempora, o mores!»* *( O Zeiten, o Sitten! (lat. im Original)) Die stürmischen Zeiten gingen vorüber, Tschou und Li Hsiän-niän tauchten wieder auf und übernahmen die Macht, während sich Tschen Bo-da als «Agent aller» entpuppte und liquidiert wurde, während Lin Biao, «Agent der Sowjets, Verschwörer, ein Flugzeug nahm, ausriss und in der Mongolei verbrannte und zu Asche wurde», und andere ins Gefängnis kamen. China raffte sich mühsam auf, um die zersprengte Partei zu reorganisieren, die dann zum Parteitag zusammentrat. Mit Mühe und Not versammelte sich der Volkskongress. Man spricht davon, sie seien fidabei, die Kongresse der Massenorganisationen vorzubereiten. Doch inmitten dieses wüsten Durcheinanders wurde eine Sache gründlich getan: die Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika wurde geknüpft und festigt sich nun. Die Batterien wurden ausschließlich gegen die Sowjets gerichtet. Deng Hisao-ping wurde rehabilitiert und zum stellvertretenden Ministerpräsidenten, zum stellver1;r etenden Parteivorsitzenden, zum Mitglied des Politbüros des Zen1j alkomitees, zum Chef des Generalstabs usw. gemacht. Er fuhr auch zur Tagung der UNO-Vollversammlung und erklärte dort, China sei «Teil der dritten Welt». China öffnete sich der Welt und predigte rlie Freundschaft mit allen ausser der Sowjetunion.

Li Hsiän-niän ,wurde nach Tschou En-lais Erkrankung zum <.König» der chinesischen Wirtschaft hochgejubelt. Und nicht nur das, sondern auch noch zum «König» der größenwahnsinnigen internationalen Politik Chinas. Er erklärte unseren Genossen: «Ich fuhr rach Pakistan und sagte zu Ali Bhutto, er solle sich vor den Sowjets vorsehen und sie bekämpfen» - als habe Bhutto nur auf Tsch.ou T.n-lais und Li Hsiän-niäns Nachhilfeunterricht gewartet. «Ich fuhr in den Iran und sagte dem Schah-in-Schah, er solle sich vor den Sowjets hüten urnd sie bekämpfen» - als wisse der Schah des Iran nicht, wie man die Sowjets bekämpft, und habe nur darauf gewartet, dass es ihm Li Hsiän-niän sagte. «Ich riet den Irakern, gute Beziehungen zum Iran herzustellen und sich von der Sowjetunion zu lösen.» Siehst du nicht, um Li Hsiän-niäns schöner Augen -willen hat sich el Bakr mit Pahlevi verständigt! «Ich habe den Afghanen geraten, den Sowjets gegenüber aufzupassen», denn Daud hatte nur darauf gewartet, dass ihm Li Hsi'àn-niän sagte, er solle sich nicht eng mit Moskau verbinden. Die «superschlaue» und größenwahnsinnige Politik eines Truthahns! Die «herzlichen» Gespräche, die sie mit den herrschenden Cliquen verschiedener Länder der «dritten Welt» führen, sind ihrer Meinung nach von entscheidendem Gewicht! Diese Cliquen handeln genau als das, was sie sind - kapitalistische Bourgeois: sie verlangen Dollars, und wenn China sie ihnen gegeben hat, lassen sie hier und da ein lobendes Wort über es fallen, doch ohne dass sie das etwas kostet, denn sie nehmen von allen und drehen ihr Fähnlein nach dem Wind. Prinzipienlos waren sie schon immer. Auf der anderen Seite ist es so, dass ein Gespräch und die verlogene Freundschaft mit China die Revolution in ihren Ländenn schwächen, die Arbeit der Patrioten, der Komunistem und der Demokraten zunichtemachen, die glauben und propagieren, China sei für die Revolution. Unglücklicherweise hält es Chinas Politik mit den Königen und bürgerlichen Diktatoren. China betreibt das Geschäft der Vereinigten Staaten von Amerika, die ihm in ihren Einflusszonen bis zu einem gewissen Grad Handlungsfreiheit geben, weil es eine antisowjetische Posaune ist. Und daran sind die Amerikaner interessiert.

So macht der «kluge» Li Hsiän-niän Chinas grosse Wirtschaftsund Weltpolitik. Er spricht aus dem Schatten von Maos Banner und arbeitet gegen die Partei der Arbeit Albaniens, gegen das sozialistische Albanien, gegen den getreuen Freund Chinas. Diese Elemente haben jetzt die Macht in China. Die Rehabilitierung Deng Hsiao-pings und gewiss auch vieler anderer seiner Sorte, die in der Kulturrevolution Schläge bezogen haben, führt dazu, dass sie alle in China das Gesetz machen, die marxistisch-leninistischen Freunde bekämpfen und die Antimarxisten, die Schwankenden, die Bourgeois sowie die, die den Lakaien für sie spielen, verteidigen. Mao hat gesagt, in China werde es alle 7 oder 8 Jahre zu einer Revolution kommen, die die Herrschenden hinwegsäubere. Geht man von dieser «Prophezeiung>,. aus, so rückt der Termin nun heran. Warten wir ab, was wir zu sehen bekommen werden.

DONNERSTAG,

31. JULI 1975

DIE CHINEISCHE POLITIK HAT KEINE PROLETARISCHE

KLASSENACHSE

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Sowjetunion als sozialimperialistischer Staat in Maos China eine grosse Gefahr sieht und deshalb auch versucht, es zu zersetzen, vielleicht auch anzugreifen. Doch als der sozialimperialistische Staat, der sie ist, hält die Sowjetunion es auch nicht für unmöglich, dass China sie angreift. So weit wird China meiner Meinung nach nicht gehen, doch strategisch gesehen hat es das Ziel, die verlorene Zeit hereinzuholen, um wirtschaftlich und militärisch zu einer Grossmacht mit sehr moderner Industrie und Landwirtschaft zu werden. Erreicht China dieses Planziel ohne Kriege, wird es zu einer kolossalen Macht, zur dritten grossen Weltmacht. Doch was für eine Weltmacht? Eine sozialistische oder eine imperialistische? Dies hängt von der politischen und ideologischen Haltung der Kommunistischen Partei Chinas ab. Stellt sich China auf feste und unerschütterliche marxistisch-leninistische Positionen, wird es zu einer grossen sozialistischen Macht, zum Eckpfeiler der Weltrevolution, zum geschworenen Feind der imperialistischen Supermächte: der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika. Andernfalls wird auch China zu einer sozialimperialistischen Macht. Und dann werden alle drei Mächte mit Raubkriegen über die Völker herrschen, wird man das Spiel der imperialistischen Bündnisse und der ungerechten Kriege um Hegemonie und Neuaufteilung der Einflusszonen betreiben usw.

Welche Position nimmt China gegenwärtig in der internationalen Arena ein? Meiner Meinung nach nimmt es keine revolutionäre Haltung ein, verfolgt es keine Politik, die, wie es sein müsste, vom klassenmässigen Standpunkt der Revolution aus gesehen wird.

China betrachtet die Sowjetunion als den Hauptfeind der Welt. Das stimmt nicht ganz. Heute gibt es zwei Hauptfeinde auf der Weit: die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Für China mag strategisch die Sowjetunion der unmittelbarere Feind sein, doch in der Weltpolitik kann man diese Trennung, diese Unterscheidung nicht vornehmen, weil es sonst so erscheint, als denke China nur an sich selbst und nicht an die anderen Völker, die leiden und sich befreien wollen. Doch von wem wollen sie sich befreien? Nur von der Sowjetunion? Und was ist mit den Vereinigten Staaten von Amerika? Natürlich wollen sich die Völker von diesen beiden Supermächten und allen Kapitalisten der Welt befreien, die ihnen samt und sonders das Blut aussaugen.

Kennzeichnend für Chinas gegenwärtige internationale Politik ist der Aufruf zur «Einheit aller»: des amerikanischen Imperialismus, der anderen kapitalistischen Grossmächte, der «dritten Welt», in die es öffentlich auch sich selbst mit einbezieht, der «Welt der Blockfreien» und schließlich der Völker, der Marxisten-Leninisten und aller Rèvolutionäre. Also ruft es alle ohne Unterschied zur «Einheit» gegen die sozialimperialistische Sowjetunion auf. Diese ungeschminkte und unmarxistische Politik Chinas sagt allen: «Lasst den Klassenkampf sein, vergesst für einige Zeit die Revolution (bis ich, China, eine Großmacht geworden bin), Proletarier der ganzen Welt, vereinigt euer Streben mit der Bourgeoisie, die euch unterdrückt, denn (hört auf mich und folgt mir) wir müssen zunächst den Feind Nummer eins, die sozialimperialistische Sowjetunion zerschlagen, dann werden wir weitersehen.»

Diese Sorte chinesischer Politik, die dem amerikanischen Imperialismus und den kapitalistischen Weltmächten hilft, verwirrt und spaltet die revolutionären und kommunistischen Kräfte auf der gan7en Welt. Dieses Geschäft betrieben auch die Chruschtschowianer. Was sagten sie? «Friedliche Koexistenz, Freundschaft mit allen und besonders mit den Amerikanern; Kampf gegen die Marxisten-Leninisten, gegen die revolutionären Kämpfe; Revolution auf friedlichem Weg» usw. usf. Was sagt China heute? All das, was ich angeführt habe, was inzwischen bekannt ist, doch an die Adresse der Sowjetunion und gegen sie gerichtet. Ganz leise sagt auch China etwas «gegen» die Vereinigten Staaten von Amerika, während Chruschtschow damals, wenn er sprach, sogar -grosse Bomben» platzen liess. Die Wider sprühe Chinas zu den Vereinigten Staaten von Amerika sind gewissermaßen eingeschlafen.

China glaubt mit erstaunlicher Naivität, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen Länder, die es zur Einheit. aufruft, gegen die Sowjetunion «marschieren werden», wie und wann es will. Wie gross ist doch die Kluft zwischen ihrem Wunsch und der Wirklichkeit! In der Tat geschieht das Gegenteil. Der amerikanische Imperialismus und seine Verbündeten billigen und unterstützen die Politik und den Aufruf Chinas, denn dies bringt ihnen. gewaltigen Gewinn. Diese Politik bedeutet eine grosse Hilfe für sie,_ wo es ihnen darum geht, die Revolutionäre zu verwirren und zu unterdrücken, den Klassenkampf aufzuweichen und alle Kräfte gegen die Sowjetunion und die revisionistischen Parteien in allen Ländern, wo es sie gibt, zu hetzen. In ihrer Globalstrategie stacheln die amerikanischen Imperialisten und ihre Verbündeten China nach Kräften gegen die Sowjetunion auf und tun ihr Mögiichstes, um die - Sowjetunion mit der chinesischen Gefahr zu schrecken. Dies soll es ihnen erleichtern, ihre Absicht zu verwirklichen: die Sowjetunion noch gründlicher und möglichst rasch zu schwächen und zu zersetzen, um sich dann mit vervielfachten Kräften auch China zuzuwenden. Das ist für jeden klar, der auch nur ein bisschen Verstand hat, nicht aber für die «marxistisch-leninistischen maotsetungschen» Chinesen. Die chinesischen Führer .brüsten sich mit ihrer Politik: sie würden die Sowjetunion schwächen und die Widersprüche zwischen ihr und den Vereinigten Staaten von Amerika vertiefen. Dabei übersehen sie, dass es auch noch die andere Möglichkeit gibt - an die die Chinesen keinen Gedanken verschwenden -, dass nämlich diese Politik den Vereinigten Staaten von Amerika nützt. In ihrer Naivität glauben die Chinesen, sie schwächten mit ihrer Politik beide Supermächte, die Sowjetunion und die, Vereinigten Staaten von Amerika.

Das sozialistische China könnte tatsächlich eine entscheidende Rolle auf der Welt spielen. Doch dazu müsste seine Außenpolitik marxistisch-leninistisch, eine Klassenpolitik sein, die sich auf die Kraft, die Wünsche und das Streben der Völker stützt. In Worten kommt dies den Chinesen leicht und oft über die Lippen, doch die "Taten bleiben aus. China stellt diplomatische Beziehungen zu vielen Staaten auf der Welt her, sogar faschistischen Staaten. Ebenso treibt es international in grossem Umfang Handel, gibt vielleicht auch Kredite, doch überall zeigt sich klar, dass es besonders seinen Verbindungen zu den Spitzen der Regime dieser Länder grosse Bedeutung beimisst und sie herauszustellen versucht. Zu sagen ist, dass zwischenstaatliche Beziehungen unumgänglich sind, doch wenn man «so freundschaftlich» mit den Oberhäuptern der herrschenden Bourgeoisie umgeht wie China, dann heisst das ganz unmissverständlich, dass es den Klassenaspekt in den Beziehungen zwischen Staaten vergessen hat. Mit der chinesischen Politik erleben die Völker und die Revolutionäre dieser Länder bittere Enttäuschungen.

Die einzige wirkliche Grundlage im Kampf gegen die sowjetischen Sozialimperialisten, die amerikanischen Imperialisten und die .einheimische Bourgeoisie ist das Volk. Dieser Faktor darf niemals, auf gar keinen Fall vergessen werden. Die Chinesen allerdings vergessen ihn. Ihre Bündnisse und ihre Hoffnungen stützen sie auf die bürgerlich-kapitalistischen Führer. Die Chinesen meinen, diese seien «treue Verbündete» der Revolution, wenn sie auch nur das geringste Anzeichen von Antisowjetismus erkennen lassen. Das faschistische Regime Chiles ist antisowjetisch und durch und durch ,proamerikanisch, für die Chinesen aber ist es ein Verbündeter und Weggefährte.

China passt es überhaupt nicht, dass Vietnam, Laos und Nordkorea prosowjetisch eingestellt sind. Und da hat es recht. Aber auch diesen passt es nicht, dass China proamerikanisch eingestellt ist. Beide Seiten betreiben eine prinzipienlose, nicht marxistisch-leninistische Politik, die nicht vom Klassenstandpunkt ausgeht. Ihre Haltung ist opportunistisch und birgt Gefahren für alle in sich. Die 'Sowjetrevisionisten versuchen, über die Vietnamesen in Indochina zu dominieren. Selbstverständlich möchte China unbedingt in prinzipienlose Konkurrenz dazu treten. Wenn es der Sowjetunion gegenüber ins Hintertreffen gerät, wird es entweder mit den Ländern Indochinas brechen oder indirekt die Vereinigten Staaten von Amerika zu Hilfe rufen. Was wird sich daraus ergeben? Vietnam und seinesgleichen werden zur Beute einer Reihe von Imperialisten werden Auch in der kommunistischen Weltbewegung treibt China dieses Spiel. Ursprünglich, als die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien entstanden, war es nicht sehr interessiert, später überhaupt nicht. Jetzt dagegen zeigt es grösseres Interesse und ruft zum prinzipienlosen Zusammenschluss der verschiedenen Gruppen unter der Parole des <Kampfes gegen die Sowjetunion im Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und der kapitalistischen Bourgeoisie ihrer Länder» auf. Diese Politik hat natürlich unter unseren Genossen auf der Welt grosse und reale Verwirrung und Unzufriedenheit hervorgerufen, doch wie sie wollen auch wir nicht offen gegen diese Politik Chinas auftreten. Schweigen können wir dazu allerdings auch nicht, so wenig, wie wir zum Sprachrohr der falschen chinesischen Politik werden können.

Offen und nachdrücklich erklären wir, dass wir an unserer Haltung, unserer Politik in allen Fragen, zu allen Ereignissen, zu jeder politischen Kombination, die auf Kosten der Völker geht, festhalten. Und aus all diesen Gründen sehen wir, dass unsere Politik sich von der Chinas in vielen prinzipiellen Fragen unterscheidet. Unserer Ansicht nach ist das gut, denn die Völker und die Marxisten-Leninisten sind imstande, selbst zu beurteilen, wer richtig denkt und handelt und wer falsch, danach steht es ihnen frei, den marxistischleninistischen Weg einzuschlagen und ihn der konkreten Lage in ihren Ländern anzupassen.

Unsere Partei hatte oft den Wunsch - und das wünscht sie auch heute -, mit den chinesischen Genossen kameradschaftliche Gespräche über diese grundsätzlichen, lebenswichtigen Probleme zu führen, doch die Chinesen wollen diese Gespräche nicht und weichen ihnen aus. Das äussern sie sogar offen, wenn sie es so weit treiben, den Besuch unserer Partei- und Regierungsdelegation zu verschieben, während es gleichzeitig keinen Reaktionär gibt, der in ihrem Land nicht empfangen würde. Wir sind uns im klaren darüber, dass sie mit unseren richtigen Anschauungen nicht einverstanden sind und sich der Diskussion nicht stellen wollen, weil sie nicht auf marxistisch-leninistischen Positionen stehen.

Diese falsche internationale Politik Chinas ist das Ergebnis von nicht marxistisch-leninistischen Anschauungen, die in China Fuss gefasst haben. Es ist schwer, genau festzustellen, was in diesem Land gerade vor sich geht, doch eines können wir sagen: dort gibt es wohl keine Stabilität, dort muss es mächtige rivalisierende Gruppen geben, die unter dem Banner Maos um dominierende Positionen in Partei und Staat ringen. Die in der Kulturrevolution verurteilten Elemente werden rehabilitiert und besetzen wieder die Posten, die sie verloren hatten. Gewiss werden sie sich an denen rächen, die die Kulturrevolution machten. Offiziell ist die Kulturrevolution weiter das Banner, unter dem jede Handlung, jeder Schritt dort erfolgt, doch es ist ein Banner, das zunehmend zerschlissener wird. Diejenigen, die die Kulturrevolution machten, können mit dem Kurs, den die Ereignisse nehmen, nicht einverstanden sein. Sie können nicht damit einverstanden sein, dass ihre Gegner von gestern rehabilitiert werden, dass eine solch nachsichtige Politik den amerikanischen Imperialisten gegenüber verfolgt wird, dass man vom richtigen Weg abweicht: vom Kampf gegen die revisionistische Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie, die für diesen Weg sind, nennt man Anhänger Lin Biaos, der zum «sowjetischen Agenten» erklärt wurde. Jetzt ist davon die Rede, dass es in Hangtschou, in Shanghai und in anderen chinesischen Städten Unruhen in der Armee gebe. Es heisst, das seien «Parteigänger Lin Biaos». Schon möglich, dass sie Parteigänger Lin Biaos sind, wichtig aber ist, welche politischen und ideologischen Auffassungen sie wirklich vertreten.

Die Feier zum Fest unserer Armee in Peking war sehr blass. Der Organisator der offiziellen Feierlichkeiten, ein Protokollarbeamter des Aussenministeriums, erklärte nach einer Stunde: «Die Feier ist beendet». Im Saal befand sich bei dieser Gelegenheit kaum einer der wichtigen Führer.

Warum geschieht das? Wie kommt es, dass die Chinesen unseren Artikel gegen die Konferenz von Helsinki mit keinem Wort erwähnen, während sie gleichzeitig jeden Wisch, der sich im Zusammenhang mit dieser Konferenz gegen die Sowjetunion äussert, auf Phrasen absuchen? Wenn tatsächlich irgendwo mit allem Nachdruck gegen die Sowjetunion gesprochen wird, dann ist es in unserem Artikel. Warum also erwähnen die chinesischen Genossen diesen Artikel nicht?! Für uns liegt der Grund klar auf der Hand: in diesem Artikel wird mit genau demselben Nachdruck auch gegen die Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen, und das wollen die Chinesen der Öffentlichkeit in ihrem Land verheimlichen. Wir können für diesen wichtigen politischen Vorfall keine andere Erklärung finden.

DIENSTAG,

5. AUGUST 1975

DIE CHINESEN VERHALTEN SICH UNS GEGENÜBER

IMMER ÜBLER

Wir stellen fest, dass sich die Chinesen uns gegenüber in einigen Punkten politisch nicht korrekt verhalten. Dies fällt uns auf, weil es vorher noch nie festzustellen war.

Bei ihren Armeefeiern hatte unser Militärattaché in Peking immer einen Ehrenplatz erhalten, an einem Tisch mit militärischen oder zivilen chinesischen Führern oder mit Vertretern von Staaten, mit denen wir Beziehungen haben, so den Vietnamesen, den Koreanern usw. Diesmal war es anders, und zwar auf ganz und gar offen provokatorische Weise: Sie hatten unserem Militärattaché einen Platz an einem Tisch mit dem sowjetischen Militärattaché zugewiesen. Als unser Attaché dies erfuhr, weigerte er sich, dort Platz zu nehmen, verlangte einen anderen Platz und protestierte dagegen, dass die chinesischen Genossen ihn an einen Tisch mit dem revisionistischen Feind hatten setzen wollen. Sie nahmen ihn von diesem Tisch weg und v erwiesen ihn an einen anderen, an dem der englische Militärattaché den Vorsitz führte. Von einer Provokation zur anderen. Unser Attaché akzeptierte auch diesen Platz nicht und verlangte, dass ihm ein anderer zugewiesen werde, ansonsten sei er gezwungen, auf eine Teilnahme an der Feier zu verzichten. Daraufhin gaben die Provokateure ihm einen anderen Platz.

Dieses Verhalten der chinesischen Seite ist kein Einzelfall. G leichzeitig werden unsere in den letzten Tagen erschienenen Artikel in der chinesischen Presse nicht veröffentlicht. Nicht einmal in einer Nachricht gehen die Chinesen auf diese Artikel ein. Das hat sogar die Aufmerksamkeit vieler ausländischer Botschafter in Peking erweckt: wie ist es möglich, dass China die ganze Weltpresse über die Konferenz von Helsinki zitiert und kein Wort über die albanische Presse verliert?!

Weiter haben wir eine Gemäldeausstellung nach Peking geschickt. Die Chinesen werden sie aber zuerst nicht in Peking, sondern in Kanton zeigen, «da in den Pekinger Sälen eine rumänische, eine vietnamesische Ausstellung gezeigt wird» usw.

Meiner Meinung nach werden wir noch mehr solcher unfreundlicher Gesten erleben, weil, und das ist offensichtlich, die Chinesen mit der Linie unserer Partei nicht einverstanden sind, weil es ihnen nicht gefällt, dass wir ihrer liberalen, proamerikanischen und prowestlichen Linie nicht folgen. Ganz gewiss passt es ihnen nicht, dass wir den Verrätern in der Armee, Beqir Balluku und seinen Leuten, deren Verschwörung Tschou En-Iais «Verbeidigungs»ratschläge zugrundelagen, auf die Schliche kamen, dass wir sie zerschlugen. Beqir Balluku und die Chinesen mögen auch über andere Fragen gesprochen haben, von denen wir nichts wissen, doch Tschou En-Jais «Denkanstoss», den er Beqir vermittelte, als dieser in Peking war, kennen wir.

Zum andern sind wir den Chinesen möglicherweise mit unserem Schlag gegen die Feinde Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi usw. auf die Hühneraugen getreten, nicht weil Abdyl Këllezi der Vorsitzende der albanisch-chinesischen Freundschaftsgesellschaft war, sondern weil er die politischen und ökonomischen Anschauungen Tschou Enlais teilte, weil er ein Freund der Chinesen war, ein «teurer Freund», wenn nicht noch mehr. Die Dezentralisierung der Wirtschaft, der Kurs auf die «Selbstverwaltung» hin, die Sabotage im Erdölbexeich, die Aufblähung der Bürokratie und die anderen Übeltaten von Abdyl Këllezi und Co., all dies gefiel Tschou En-lai sehr, wenn es nicht überhaupt Tschou selbst war, der es ihnen eingeflüstert hatte. Wie dem auch sei, Beqir Balluku und Abdyl Këllezi waren zwei Schlangenköpfe, die wir abschlugen, bevor sie uns beissen konnten, wie sich dies Breschnew oder Tito, Tschou oder die Vereinigten Staaten von Amerika erträumt haben mögen oder vielleicht auch befohlen haben. Tschou und die Leute seiner Gruppe wähnen, ihr Spiel sei aufgedeckt worden, und damit haben sie recht, denn was wir über sie denken, baut immer nur auf den Fakten auf, die sie selbst uns liefern. Direkt werden wir sie nicht beschuldigen, doch wenn sie unsere Freundschaft schon mit dieser feindlichen Einstellung beantworten, muss bei uns ja der Verdacht entstehen, dass sie hinter den Kulissen feindliche Absichten gegen uns hegten, dass sie noch andere Missetaten begangen haben, von denen wir noch nichts wissen, die mit der Zeit aber sicherlich ans Licht kommen werden.

Wir müssen unsere Linie, die marxistisch-leninistischen Prinzipien verteidigen, sie offen und nachdrücklich bekräftigen, die Freundschaft mit dem chinesischen Volk und den chinesischen Marxisten-Leninisten hüten, wachsam sein und uns vor Provokationen in acht nehmen, denn die haben die chinesischen Revisionisten ja vor. Sie versuchen, uns in eine Falle zu locken und den Abbruch der Beziehungen zu China dann uns in die Schuhe zu schieben. Doch wir dürfen die Beziehungen zu China nicht verschärfen. Wir müssen die Prinzipien wahren, und wenn die Chinesen uns gegenüber irgendeine wichtige Handlung begehen, durch die unsere marxistischleninistischen Prinzipien verletzt werden, müssen wir sie unbedingt darauf hinweisen und ihnen Widerpart bieten. Auf ihre kleinen Bosheiten antworten wir am besten freundschaftlich und besonnen, so wie die Angestellten unserer Botschaft in der Frage der Ausstellung.

Zweifellos hat irgendeiner der Feinde und Saboteure, denen wir auf die Schliche kamen, Beqir Balluku, Abdyl Këllezi, Hito Cako oder ein anderer, den Chinesen gesagt: «Unsere (die albanische) Führung kritisiert euch in vielen Fragen» usw. Und dies verwendet die chinesische Führung anscheinend als Kapital. Deshalb nimmt sie auch die bekannte Haltung ein, die offizielle Delegation unserer Partei und unserer Regierung noch immer nicht zu empfangen. Dies wird auch durch die Art und Weise belegt, mit der sie unsere Kreditforderungen für den sechsten Fünfjahrplan aufnahmen.

Die Haltung der Chinesen dabei war hart, brutal, feindselig, nicht wie früher, als sie unsere Forderungen zwar auch nicht vollständig erfüllten, ihr Ton aber doch liebenswürdig, freundschaftlich war.

In den letzten beiden Jahren hat sich die Haltung der Chinesen uns gegenüber geändert, verschlechtert. Wo liegt der Grund? Er liegt in ihrer Haltung, die nicht mit unserer prinzipienfesten Haltung übereinstimmt. Doch die kannten sie seit langem. Wir beziehen zu jedem Problem offen Stellung, und die grosse Freundschaft mit China haben wir betont und betonen sie auch heute. Also?! Es gibt keinen Zweifel daran, dass ihre Verärgerung auf unsere ideologischen Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen ist, doch hier haben die Feinde auch eine großangelegte Intrige ins Werk gesetzt. Sie versuchen um jeden Preis, unsere Freundschaft mit China zu zerstören, unsere Verteidigung und unsere Wirtschaft zu schwächen, dann zum Schlag auszuholen und die Macht zu übernehmen. Beqir Balluku, Abdyl Këllezi usw. intrigierten und verleumdeten also zusammen mit den Chinesen und sabotierten zugleich im Innern.

Möglich, dass die Chinesen meinen, wir hätten bei der Verhaftung der Verräter in der Armee und bei der Liquidierung der feindlichen Tätigkeit von Abdyl Këllezi und Co. den Schlag gegen diese Feinde von «antichinesischen» Positionen aus geführt. Wir haben sie über die feindliche Tätigkeit Beqir Ballukus informiert und werden sie auch über die Aktivitäten Abdyl Këllezis in Kenntnis setzen. Unterrichten wir also die Chinesen über die feindliche Tätigkeit dieser Verräter, geben wir den chinesischen Genossen wahrheitsgemäß klar zu verstehen, dass die Verräter, denen wir auf die Spur kamen, unter anderem grosse Verleumder, Betrüger waren. Wir müssen einen Genossen des Politbüros bestimmen, der anstelle Abdyl Këllezis den Vorsitz der albanisch-chinesischen Freundschaftsgesellschaft übernimmt.

Wenn die Chinesen die Fragen nicht marxistisch, sondern subjektivistisch auffassen, kann es durchaus sein, dass sie unsere Freundschaft mit China mit einer Einzelperson, einem Saboteur wie Abdyl Këllezi verknüpfen. Wir müssen diese Situation klären und möglichst beseitigen.

DONNERSTAG,

21. AUGUST 1875

UNAUSGEWOGENE HANDLUNGEN DER CHINESEN

Die ausländische Presse berichtet weiter von den «Unruhen in Hangtschou», wo «die Arbeiter wegen Lohnfragen revoltiert haben», und macht viel Aufhebens darum. Zum andern schreibt die gleiche Presse, den ausländischen Botschaften in Peking seien vom «Volk» Flugschriften gegen Deng Hsiao-ping zugeschickt worden, in denen dieser als «Urheber der Unterdrückung der Aufständischen und des Blutvergießens unter ihnen» bezeichnet werde.

Der Klassenkampf geht in der Periode des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft weiter, doch wir haben den Eindruck, dass dieser Kampf in China nicht konsequent geführt wird, dass er zaghaft ist und nicht auf soliden und beständigen Prinzipien gründet. Wo es Schwankungen in der Linie gibt, wird es mit Sicherheit auch eine schwankende Haltung gegenüber den Feinden geben.

Wenn man keine beständige Linie hat, hat man in Schlüsselmomenten auch die Situation nicht in der Hand, und es geschieht das, was sich in China ereignete: die Kulturrevolution gegen die Verrätergruppe Liu Schao-tschis, zu der auch Deng Hsiao-ping, Li Dö-scheng und andere gezählt wurden. Nach einiger Zeit entpuppten sie sich als «unschuldig», und man hob sie wieder in ihre früheren Positionen, sie «waren umerzogen worden». Ein «magisches» Wort, die «Wunder» der <.Gedanken von Mao Tsetung4 Nun gibt es aber viele, die diese schnelle Rehabilitierung nicht schlucken und die Frage stellen: wer hat recht, die, welche die Kulturrevolution durchführten, oder die, die dagegen waren? Natürlich wird es Zusammenstösse geben, ob nun mit Dazibaos oder in Form von Unruhen und Streiks, vielleicht aber auch bewaffnet, wenn sich die Widersprüche vertiefen.

Ich glaube, diese Politik Chinas mit ihrem Zickzack, mit ihrem Auf und Ab, mit ihren «proamerikanischen» Tenderizen, diese unklare und unbeständige «Globalpolitik» wird bei den Staaten und Völkern der Welt keinen Erfolg haben.

Die Vietnamesen und die Chinesen sprechen hinter vorgehaltener Hand nicht gut voneinander. Die Vietnamesen sagen, die Chinesen mischten sich in ihre inneren Angelegenheiten ein. Wie weit das stimmt, wissen wir àicht, aber China hat ein Interesse daran, dass Vietnam nicht zu einern Stützpunkt der Sowjetunion wird: Im Falle eines Angriffs der Sowjetrevisionisteñ stellt Vietnam eine grosse Géfahr für China dar.

Kim Ir Sen für seinen Teil ist ein Psèudomarxist. Er hat damit angefangen, in Europa und in Afrika «la tournée des grandsducs»* *( die Reise der Grossherzöge (frz. im Original) zu unternehmen, genau wie Tito und Ceaucescu. : .

Die USA sind zum «Mekka» der Revisionisten geworden. Alle pilgern hin und haschen nach der Hand des «Weltenpriesters», des amerikanischen Präsidenten in Washington. Auf Silbertellern bringen die Revisionisten dem amerikanischen Präsidenten fette Stücke ihrer Heimat, gegen Dollars. Mit einem Wort, sie gehen ohne mit der Wimper zu zucken zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und verschachern die Freiheit, die Unabhängigkeit und die Souveränität ihres Vaterlandes. . .

Der Japaner Miki führte Geheimgespräche mit Ford. Über was wohl? Über die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika und Japans. Natürlich ist auch Japan gegen China. Ford und Miki werden nun eine ausgewogene Politik verfolgen, sowohl gegen China als auch gegen die Sowjetunion. Zweifellos hat Ford Japan die Atombombe versprochen, aber auch Japan hat seinerseits Ford der Freundschaft des asiatischen Gendarmen versichert, gegen denoder diejenigen, die diese amerikanisch-japanische Freundschaft in Gefahr bringen könnten.

So windet sich China zwischen den tückischen und feindseligen Japanern, dem größenwahnsinnigen, schwankenden und revisionistischen Kim Ir Sen, den prosowjetischen Vietnamesen und dem feindlichen Indien! Bei dieser Politik ohne marxistisch-leninistisches Rückgrat kann nichts Gesundes herauskommen. Wenn die Chinesen glauben, sie könnten mit dieser Politik die Positionen des Sozialismus innerhalb und außerhalb ihres Landes festigen und konsolidieren, dann irren sie gewaltig und werden bittere Enttäuschungen erleben. Die Chinesen meinen, die kapitalistischen Cliquen hätten einen Hang zur Politik Chinas, weil sie ihnen hin und wieder ein bürgerlich diplomatisches Lächeln schenken, doch eigentlich müsste ihnen klar sein, dass sich diese Cliquen mit Haut und Haar dem Weltkapitalismus, den beiden Supermächten verschrieben haben. An der «Freundschaft» mit China ist ihnen gelegen, weil sie sich den einen oder anderen Kredit versprechen und sie für die eine oder andere sporadische Erpressung benutzen wollen. China ist für sie ein «Modestaat», der avveder anheizt, noch löscht, der gegenwärtig für uns nicht gefährlich ist, von dem wir aber auch keinen Nutzen haben». Sie sehen in China einen «Pufferstaat», um eine eventuelle Überraschung in gewisser Weise abzumildern.

Leider glaubt China, die «Freundschaft» dieser Cliquen sei das gleiche wie die Freundschaft der Völker, über die sie herrschen. Hier irrt China sehr oder es handelt so, weil es ihm eher in den Kram passt.

MONTAG,

29. SEPTEMBER 1975

RUMÄNIEN UND CHINA HABEN EINE LINIE

Was ist nur an diesen rumänischen Revisionisten mit Ceaucescu an der Spitze, dass die Chinesen sie so sehr mögen und unterstützen?

In letzter Zeit gehen hohe Persönlichkeiten der rumänischen Partei und des rumänischen Staates in China aus und ein, als ob sie dort zu Hause wären, haben Treffen mit hohen Persönlichkeiten des Politbüros, nehmen und geben, küssen und umarmen sich, man schreibt über sie und rühmt sie.

Die rumänische Bourgeoisie ist in der Geschichte für ihre «Liebschaften» bekannt, das steht ausser Zweifel. «Liebschaften» hat sie mit allen gehabt, zu jeder Zeit - die Bourgeoisie beispielsweise mit dem bürgerlichen Frankreich, die neue revisionistische Bourgeoisie mit der Sowjetunion Chruschtschows, dem China Maos, dem Jugoslawien Titos, den Vereinigten Staaten von Amerika, der Deutschen Bundesrepublik und allen, die ihr Geld geben. Das ist allen klar, nur den Chinesen nicht. Für die Chinesen ist Ceaucescus Rumänien «gegen die Sowjetunion», deshalb «ist es sozialistisch», ist «die rumänische Partei eine marxistisch-leninistische Partei». All das entbehrt jeder Grundlage. Das Gegenteil ist der Fall.

Sollte es bei Ceau5escu ein Fünkchen von Antisowjetismus geben, dann kommt das daher, dass er ein Abenteurer chruschtsehowschen, titoistischen usw. Typs ist, der eine Kupplerrole übernommen hat. Und der Kuppler lebt, ohne dass die Sowjets ihm zusetzen, ja sogar - was sehr leicht möglich ist - mit ihrem Wissen und ihrer Hilfe als Gegenleistung für die Dienste, die er ihnen leistet. Er lebt aus der Tasche der Vereinigten Staaten von Amerika, der Deutschen Bundesrepublik und aller, die ihn bezahlen.

Ceausescus Regime ist ein Regime der Korruption, des Bankrotts, der Diktatur von Personen und Familien.

Es ist eine Schande für die Chinesen, eine solche Partei marxistisch-leninistisch zu nennen und einen Abenteurer wie Ceausescu als «grossen Politiker» zu betrachten!

Doch weshalb nehmen die Chinesen Rumänien und Ceaucescu gegenüber diese Haltung ein? Es lässt sich nicht anders erklären: sie verstehen sich, ihre Politik stimmt in Strategie und Taktik überein. Die Rumänen geben sich antisowjetisch, die Chinesen sind antisowjetisch. Die Rumänen sind Freunde der Amerikaner, sie schalteten sich ein und versöhnten die Chinesen mit den Amerikanern. Ceaueescu und Bodnarae wurden zu «Paten» der chinesischamerikanischen Freundschaft, die den rumänisch-sowjetischen oder den sowjetisch-amerikanischen Verbindungen gleicht. Zum Schein schelten sie einander, um die Fassade zu wahren, doch dahinter treiben sie Unzucht in Politik, Handel usw.

Die Rumänen sind für eine breitangelegte Politik mit den europäischen Kapitalisten, an die sich Rumänien verkauft hat, angeblich, um sich vor den Sowjets zu schützen. Genauso ist auch China für eine Politik der Annäherung an die europäische Reaktion, aber gegen die Sowjets. Die Taktik der Chinesen dabei ist: «Sieh dich vor, Europa, die Sowjetunion will dich durch einen Krieg verschlingen!».

Rumänien und China haben also eine Linie. Rumänien erhält schon Kredite von Europa, China noch nicht, doch immerhin treibt es einen «interessanten» Handel. Rumänien hat einen starken «Mann», die Vereinigten Staaten von Amerika, denen es Dollars und andere Vergünstigungen abluchst, während China Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika treibt, kauft und verkauft, mehr Gruppen aller möglichen Leute empfängt als hinschickt, Gruppen, die herzlich empfangen werden.

Ceausescu fing an, königliche diplomatische Reisen in alle Länder der Welt zu unternehmen. Ceaucescu ist mehr im Ausland zu finden als in Rumänien. Was macht er im Ausland? Er kauft und bringt, er schliesst und löst Abkommen, nimmt hier und da ein Sümmchen mit, irgendwer verleiht ihm auch einmal einen Orden, Ceaucescu nimmt nun auf dem Schwarzmarkt der weltumspannenden Verhandlungen Titos Platz ein.

China verhält sich auf der Welt nicht wie Rumänien; ihm gefällt die Taktik der «Öffnung», des «Anerkanntwerdens», doch vorläufig geht es noch nicht so schamlos vor wie Rumänien. Rumänien hat dem Kommunismus, der Revolution abgeschworen. Auch China ist in diesem Fahrwasser. China hat sich zu einem Teil der «dritten Welt» erklärt, doch gehört man zur «dritten Welt», gehört man auch zur «Welt der Blockfreien». Denn den Unterschied zwischen der «dritten Welt» und der «Welt der Blockfreien» kennen nur Titos «Theorie» und die «Theorie» Deng Hsiao-pings, der China als Mitglied in diese «Welt» einführte.

All dies und noch anderes macht also Rumänien zum «besten Freund Chinas»!

Wir verurteilen die antimarxistische, proamerikanische und prorevisionistische Politik der rumänischen Führung. Diese unsere Haltung bewirkt natürlich Chinas Abkühlung uns gegenüber.

In China wird sehr grosse Propaganda für Rumänien betrieben. Eine Person in Shanghai sagte zu einem unserer Genossen: «In Albanien gab es einen Putsch sowjetischer Agenten, um eure Regierung zu stürzen, euch kamen aber zwei rumänische Divisionen zu Ililfe, die die Situation retteten.» Ich glaube nicht, dass man diese Person von oben dazu veranlasst hat, dies zu sagen, sie muss vielmehr irgendein feindliches Element gewesen sein oder jemand, der von Beqir Balluku erfahren hatte, die Sache mit ihm mit «ihrem treuen Verbündeten Rumänien» in Verbindung brachte und daraus sein Garn spann.

So sieht Rumäniens internationale Politik aus, das ist Chinas Wertschätzung dafür. Wir sind sowohl gegen den einen als auch gegen die Erwägungen des anderen, und diese Haltung gründen wir auf realistische Analysen im Lichte des Marxismus-Leninismus.

In Europa und auf der Welt macht Rumänien ohnehin «eine grosse Politik», es will aber auch den Dirigentenstab der Balkanpolitik in die Hand nehmen. Ceau$ will - nicht mehr und nicht weniger - zum Baschtschausch* *( Wortspiel: Tschausch (türk.) : Feldwebel. Baschtschausch (türk.) : Oberfeldwebel.) des Balkan werden und predigt deshalb eine Beratung aller Staatsführer des Balkan, zu der auch die Vereinigten Staaten von Amerika und Italien eingeladen werden sollen. Die «kleine lateinische Schwester» träumt zusammen mit ihrer grossen lateinischen Schwester (beide bekannt als Komplizen im Faschismus und bei der Unterwerfung unter den amerikanischen Imperialismus) davon, uns in den Pferch der Amerikaner zu bringen.

Rumänien weiss, dass dieser Vorschlag von ihm eine Seifenblase ist, doch das macht nichts, immerhin schillert die Seifenblase, ehe sie platzt, in «einigen Farben».

Worin besteht Ceaucescus Antisowjetismus? Irgend etwas Wichtiges gibt es nicht. Angeblich lässt er seine Truppen nicht an den Manövern des Warschauer Vertrags teilnehmen, doch mit Stäben nimmt er teil. Rumänien ist im Warschauer Vertrag, und dort wird es bleiben. Im RGW steckt es mit Haut und Haar, doch es widerspricht auch einmal, stänkert auch einmal, doch im RGW stänkern selbst die Bulgaren, die mit den Sowjets «ein Herz und eine Seele» sind.

Worin äussert sich also ihr Antisowjetismus? Vielleicht darin, dass sie nicht wie die bulgarischen Führer geworden sind?! Doch sie sind ihnen nahe, wenn nicht noch weiter. Die Bulgaren mögen irgendwann einmal zu einem überraschenden «Schlag» ausholen, während die Rumänen keine solche «Helden» sind.

DIENSTAG,

30. SEPTEMBER 1975

IN CHINA HAT MAN KEIN WORT UBER DIE SPANISCHEN

HELDEN VERLOREN

Antimarxistisch und skandalös ist es von den Chinesen, dass sie bis heute noch mit keinem einzigen Wort für unsere fünf spanischen Genossen, darunter drei Mitglieder der Kommunistischen Partei Spaniens/Marxisten-Leninisten, eingetreten sind, die der Henker Franco erschiessen liess. Die ganze Welt erhob sich und protestierte scharf, das ganze Weltproletariat, ja sogar bürgerliche Regierungen, selbst der Vatikan protestierten gegen diesen empörenden, gemeinen Akt und riefen ihre Botschafter aus Madrid zurück. Nur das «revolutionäre, sozialistische China Maos» hat kein Wort über die spanischen Helden verloren!! Das soll eine revolutionäre Haltung sein?! Eine marxistisch-leninistische Haltung? Nein, das ist eine reaktionäre Haltung in der vollen Bedeutung des Wortes. China verteidigt Franco, so wie es gestern Pinochet in Chile verteidigte. Klar ist also, dass China die faschistische Brut des amerikanischen Imperialismus verteidigt, die Vereinigten Staaten von Amerika verteidigt. Diese Haltung lässt sich nicht mit Schlagworten wie «... die Völker wollen Revolution» usw. kaschieren, wenn China in Wirklichkeit für die Konterrevolution eintritt.

MITTWOCH,

1. OKTOBER 1975

WIR HABEN DIE AMERIKANISCHEN IMPERIALISTEN NICHT

NUR ZU ENTLARVEN, SONDERN AUCH ZU BEKÄMPFEN

Gestern abend waren wir, das ganze Politbüro und die Regierung, aus Anlass des 26. Jahrestags der Proklamation der Volksrepublik China beim chinesischen Botschafter zum Abendessen. Das Hotel «Dajti» war voll mit Gästen, ein luxuriöses Bankett! In bezug auf Mittag- und Abendessen hält China nicht die Hand auf die Tasche, doch wenn wir etwas für unseren Plan brauchen, dann sitzt es auf dem Geld. Wie dem auch sei, die se Sache ist abgeschlossen, und in unserem Gespräch mit dem chinesischen Botschafter erwähnten wir sie auch gar nicht mehr.

Natürlich schnitten wir während des Gesprächs Probleme an. Der chinesische Botschafter brachte wie immer die bekannten Formeln und Schlagworte oder, anders ausgedrückt, «Silofutter». Er war gerade aus China zurückgekommen und erzählte uns, in Dadschai habe «die grösste Beratung, die der Staatsrat je organisiert hat», stattgefunden. Dann fing er mit den bekannten Floskeln über Dadschai an. Ich sagte: «Wir haben,.gelesen, dass Deng Hsiao-ping und Djiang Tjing. wichtige Reden gehalten haben. Können Sie uns etwas über den Inhalt dieser Reden sagen? 'Renmin Ribao'. bringt nichts darüber.» Der Botschafter antwortete: «Auch in Peking wurde danach die gleiche Beratung abgehalten.» Das sollte heissen: «ich weiss nicht mehr» oder: «Ich bin nicht befugt, euch mehr zu sagen». Trotzdem sagte ich zu ihm, sie sollten uns nach Möglichkeit diese Reden zukommen lassen, «damit auch wir von ihrer Bedeutung profitieren können». «Ganz bestimmt», sagte er. Wir erwarten natürlich, dass sie uns am... Sankt-Nimmerleins-Tag zugehen werden, wie das andere.

Konkreter sprach ich mit dem chinesischen Botschafter über unsere Landwirtschaft, über die Weizenernte, die nicht schlecht war. Ich hob hervor, dass wir jetzt für höhere Erträge bei Mais usw. kämpfen, weil die grosse Trockenheit dieses Jahres noch immer anhält und uns schadet.

Ich berichtete ihm auch von der feindlichen Tätigkeit der Agenten der Sowjets und der 'Titoisten Beqir Balluku, Abdyl Këllezi usw. und stellte dabei heraus, dass sie uns sehr geschadet haben und wir gerade dabei sind, den Schaden, der durch ihre Tätigkeit angerichtet wurde, zu beheben. Ich betonte, dass diese Verräter im Dienst der Sowjets standen, dass sie Saboteure, Verleumder, Lügner usw. waren. Der Botschafter sass da, hörte zu und sagte nur: «Wie Liu Schaotschi und Lin Biao.»

Im weiteren Gespräch ging ich dann auf einige Schlüsselprobleme der internationalen Lage und die aggressive Rolle der beiden Supermächte ein. Er unterbrach mich und betonte ihre Parole vom Kampf gegen die Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten von Amerika erwähnte er nicht namentlich, er sagte nur: «Die anderen müssen wir entlarven.» Ich entgegnete: «Entlarven, aber auch bekämpfen, denn die Entlarvung allein lässt sie ziemlich ungerührt, wenn wir sie nicht bekämpfen.»

Daraufhin kam der chinesische Botschafter mit der Formel an: «Der Vorsitzende Mao lehrt, dass wir uns auf den Kriegsfall vorbereiten, Getreidevorräte anlegen müssen.»

Ich antwortete ihm: «Mao hat recht, die Vorbereitungen auf den Krieg verlangen Brot, sie verlangen aber auch moderne Waffen. Wir haben die gleiche Linie und wissen, dass der Mensch die hauptsächliche Rolle im Krieg spielt, aber auch auf die Waffen kann man nicht verzichten. Unsere Feinde haben sich bis an die Zähne mit ultramodernen Waffen bewaffnet. Die Supermächte haben nicht nur selbst, sie haben auch ihre Verbündeten, etwa Tito, aufgerüstet, der sowohl von den Vereinigten Staaten von Amerika als auch von der Sowjetunion moderne Waffen bezieht. Rumänien verfolgt genau den gleichen Weg. Gegen wen werden sie diese Waffen richten? Etwa gegen die, die sie ihnen geben? Das erscheint zweifelhaft. Man kann auch diese Eventualität nicht ausschließen, denn sie haben untereinander Widersprüche. Aber in erster Linie werden sie diese Waffen gegen uns richten, deshalb müssen auch wir, China wie Albanien, uns so schnell wie möglich mit modernen Waffen rüsten. Albanien steht nur ein Weg offen, auf dem es sich Waffen beschaffen kann: bei unserem grossen Verbündeten, Maos China. Wird uns dieser Weg verbaut, und in Notzeiten wird uns dieser Weg verbaut sein, wird das sozialistische Albanien in der Einkreisung kämpfen.»

Der Botschafter brachte die andere bekannte Formel an: «Wir sind wegen der feindlichen Tätigkeit Lin Biaos sehr im Rückstand.»

Ich hielt es nicht mehr aus und sagte: «Diese Situation muss unbedingt überwunden werden, und zwar so schnell wie möglich. Sonst wird Maos Gedanke, dass man mit den herkömmlichen Waffen nicht hinreichend Krieg führen kann, nicht völlig umgesetzt. Ihr Chinesen sagt in richtiger Beurteilung der Lage, dass der Balkan ein Punkt ist, wo ein sowjetischer Angriff unmittelbar droht. Darin sind wir mit euch einverstanden, denn auch wir beurteilen die Lage so. Deshalb sind wir dabei, unsere Verteidigungsanstrengungen erheblich zu verstärken. Die Partei hat Mehmet mit dem Amt des Verteidigungsministers betraut. Wir werden nicht zulassen, dass der Feind lebend unseren Boden betritt, aber in der Luft und zu Wasser wird er überlegen sein, deshalb brauchen wir geeignete Waffen, um diesen modernen Mitteln der Feinde etwas entgegenzusetzen.» Ich fuhr fort, meinen Gedanken zu entwickeln. Ich sagte ihm, dass die Gefahr eines unmittelbaren Angriffs in Europa zwar bestehe, dass jedoch auch sie in Asien aufpassen müssten, da weder die Sowjets noch die Amerikaner schliefen.

Der «kluge» chinesische Botschafer brachte das Gespräch wieder auf die Erfahrung von Dadschai!

So endete unser Gespräch.

DONINERSTAG,

2. OKTOBER 1975

CHINAS AUSSENPOLITIK IST NICH'l' RLVOLÜTIONAR

Die Kommunistische Partei Chinas nimmt in der internationalen Politik falsche, unmarxistische Positionen ein. Ihre Politik ist nicht revolutionär, geht nicht vom Klassenstandpunkt aus, ist nicht proletarisch, nicht für die Revolution. Bis gestern hatten sich die Volksrepublik China und ihre Aussenpolitik abgekapselt. Doch nun haben sie sich ausgebreitet wie Öl auf dem Wasser, und diese Ausbreitung hat unserer Meinung nach eine falsche Richtung genommen.

Welches war ihre falsche Richtung?

Die Kommunistische Partei Chinas gibt sich den Anschein, als helfe sie der Weltrevolution und den marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien, doch in Wirklichkeit tut sie es nicht.

Die Kommunistische Partei Chinas behauptet, «China ist Teil der dritten Welt», anstatt sich als sozialistisches Land zu bestätigen, anstatt den Völkern der Welt und nicht den über sie herrschenden Cliquen zu helfen. Dies gilt besonderes für die blutrünstigen Cliquen der reaktionären Bourgeoisie, die sich an jeden Imperialisten verkaufen, um das eigene Volk zu beherrschen. China propagiert die Freundschaft und das Bündnis mit der gesamten «dritten Welt», ohne dabei auf politische, vor allem aber, ohne auf Klassenunterschiede zu achten, ohne zu kämpfen und irgend etwas zu tun, um die Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse dieser Under und der reaktionären Bourgeoisie, die sie unterdrückt, zu vertiefen. Die Kommumstische Partei Chinas und die Politik des chinesischen Staates ignorieren diese Widersprüche und tragen dazu bei, sie abzumildern, wenn sie offen Cliquen wie die von Pinochet, Franco, Mobutu und vielen anderen in Schutz nehmen. Das ist keine marxistisch-leninistische, sondern eine antimarxistische Politik, versucht sie doch, den internationalen Klassenkampf abzuwürgen. Die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat vergessen also ihren Klassenverbündeten, das Weltproletariat, unterschätzen es und stellen das Bündnis mit den Häuptern der Bourgeoisie heraus, die über das Proletariat und die Völker herrschen. Und dieses Bündnis, das nicht vom Klassenstandpunkt aus angegangen wird, schwankt je nach den Umständen.

Die chinesische Aussenpolitik lässt sich von zwei Grundkriterien leiten:

Das erste Kriterium: Bist du China wohlgesonnen oder nicht? Wenn ja, oder wenn du auch nur so tust, bist du, wer du auch sein magst, ein Verbündeter und Freund Chinas, und «ich, China, vergesse die klassenmassige Seite der Politik und trete für dich ein, empfange dich mit Gongs, gebe dir auch Kredite. Singst du mir viele Loblieder, mag ich dich sehr, wer du auch bist; magst du mich mittelmassig, so stimme ich meine Freundschaft darauf ab; höre ich, dass du dich mir widersetzt oder dich von mir abgekehrt hast, dann ziehe ich andere Saiten auf, dann fängt bei mir die Feindschaft an». Also: eine wankelmütige Freundschaft, eine Freundschaft von der bürgerlichen Art.

Das zweite Kriterium: Bist du gegen die Sowjetrevisionisten, bist du Chinas Freund, wer du auch sein magst. Das Prinzip der chinesischen Politik ist: ihr Hauptfeind und der Hauptfeind der ganzen Welt ist der sowjetische Sozialimperialismus, denn er ist «nicht entlarvt, ist kriegstreiberisch, strebt nach Welthegemonie». Deshalb, so die chinesische Politik, muss gegen die Sowjetunion die «Heilige Allianz» mit den Vereinigten Staaten von Amerika geschaffen werden, von denen die Chinesen sagen, sie seien «imperialistisch», aber «Feinde» zweiten Ranges nach der Sowjetunion. Das sind Lippenbekenntnisse, das Ziel der Chinesen jedoch ist es, sich in einer sozialdemokratischen Allianz mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu verbinden. Sie haben die Propaganda zur Entlarvung des amerikanischen Imperialismus zurückgeschraubt, abgeschwächt. Oder konkreter, sie haben ihren Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika eingestellt, sind sogar mit der Konsolidierung dieses verlogenen, ungeheuerlichen Bündnisses noch weiter gegangen. In jeder Partei, die sich als marxistisch-leninistisch, kommunistisch ausgibt, und in den Staaten, die sich selbst für sozialistisch halten, propagieren, beraten und unterstützen die Chinesen jede proamerikanische Strömung und wirken darauf hin, dass nur wenig oder überhaupt nicht von den aggressiven Akten der Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen wird, sie täuschen die revolutionären, die Befreiungsbewegungen, die marxistisch-leninistischen Bewegungen, zwingen sie, der chinesischen Politik entsprechend vorzugehen. Auch dort, wo der amerikanische Imperialismus seine blutigen Klauen tief eingeschlagen hat und die einheimischen Cliquen zu Agenturen der Amerikaner geworden sind, redet man den fortschrittlichen und revolutionären Bewegungen zu, ermuntert man sie, nolens volens zu sagen: «Der Hauptfeind ist die Sowjetunion.»

Das ist abscheulich. Das bedeutet, das Proletariat zu betrügen, die Revolution zu ersticken und zum imperialistischen Weltkrieg aufzuhetzen, anstatt den marxistisch-leninistischen Weg zu gehen, d.h., für die Schwächung der amerikanischen Imperialisten und der sowjetischen Sozialimperialisten zu kämpfen, der Revolution zu helfen (und nicht sie zu ersticken), die nationalen Befreiungskämpfe der Völker gegen die beiden Supermächte zu unterstützen, um so deren Pläne für den imperialistischen Raubkrieg zu durchkreuzen und, falls dieser Krieg nicht vermieden werden kann, ihn in einen Bürgerkrieg zu verwandeln, in den Befreiungskampf und die Revolution.

Doch China geht nicht diesen Weg. Es hat erklärt und im Kommuniqué von Schanghai auch verbrieft, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht hegemonisch seien und nicht um die Hegemonie kämpften. Wenn man das meint, auf ein «Stück Papier» vertraut, wie Ford in Peking solche Erklärungen nannte, dann hat man sich von der marxistisch-leninistischen Theorie abgewendet und geht einen entgegengesetzten Weg.

China verwendet Parolen wie: «Die Nationen wollen Befreiung, die Völker wollen Revolution», in Wirklichkeit aber hilft es den nationalen Befreiungskämpfen und der Revolution nicht, sondern würgt sie ab. «Auf der Welt herrscht grosse Unordnung, doch die

Situation ist glänzend», sagen die Chinesen. Zu sagen: «Die Situation ist glänzend», wenn die beiden Supermächte die Völker unterdrücken und knechten, wenn sie auf den imperialistischen Krieg hinarbeiten, wenn sie die Völker aufhetzen, sich gegenseitig abzuschlachten usw. usf., und wenn du selbst, China, dich auf die Seite des einen imperialistischen Staates schlägst und ihn um Hilfe angehst, um den anderen zu bekämpfen, und wenn du für diese verwerfliche Politik die Revolution, die marxistisch-leninistische Bewegung und die nationalen Befreiungskämpfe der Völker aufopferst, dann lügst du, dann begehst du grossen Verrat an der Revolution. Das zeigt das gefährliche Spiel Chinas.

Die Sowjetunion, der Warschauer Vertrag und der RGW werden entlarvt, wenn aufgezeigt wird, dass die Sowjetunion nun zum Beispiel in Bolivien eindringt, wo sie eine Zementfabrik gebaut hat usw. all das geschieht in der chinesischen Propaganda, und damit sind wir einverstanden. Wir waren immer einverstanden mit dem Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Doch wie China anzunehmen, der amerikanische Imperialismus sei zahmer geworden, die NATO sei nötig, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft sei nötig, man müsse sagen: HEs lebe das bürgerlich kapitalistische vereinte Europa», «Es leben Franco und Pinochet» - mit diesen und ähnlichen Ansichten und Auffassungen Chinas waren wir nicht einverstanden und werden es auch niemals sein. Wir sind sogar dagegen, jetzt und in Zukunft, und wir werden offen alle derartigen Ansichten bekämpfen, denn sie begünstigen den amerikanischen Imperialismus, den Weltkapitalismus, sie sind gegen den Marxismusleninismus, gegen die Revolution und den Sozialismus.

Die Krise der 'kapitalistischen und revisionistischen Welt ist schwer und tief wie nie zuvor. Doch was macht China? Hilft es den Millionen Proletariern, die in Streiks treten? Hilft es den Arbeitslosen, von denen es auf der Welt Millionen gibt? Hilft China vielleicht diesen gewaltigen Massen, die sich erhoben haben, und vertieft es durch seine Hilfe die Krise des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Revisionismus? Nein, nicht im geringsten! Leider hilft China den Vereinigten Staaten von Amerika und den ~kapitalistischen Staaten des Westens, diese Krise schmerzlos zu überstehen, es hilft ihnen politisch und ideologisch. Es hat ihnen seinen Binnenmarkt geöffnet und lässt Investitionen des ausländischen Kapitals in China zu. All das geschieht unter der Maske einer «marxistisch-leninistischen» Politik und angeblich, um den Feind Nr. 1, die Sowjetunion, zu bekämpfen, die möglicherweise morgen zu seinem Freund Nr. 1 wird.

Tatsächlich überlässt China diese ganzen Massen von Streikenden und Arbeitslosen der Manipulation der Revisionisten, der Sozialdemokratie, die samt und sonders im Dienst des einheimischen und internationalen Kapitals stehen. Weder unterstützt China die revolutionären Bewegungen und die marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien, noch hilft es ihnen, vielmehr hat es sie in Kategorien eingeteilt: wer China lobt und sich seiner Politik anschlisst, ist gut, die anderen gelten nichts.

Doch die Tragödie der internationalen kommunistischen Bewegung besteht darin, dass sie China in Schutz nimmt und nichts gegen es sagt, es verteidigt, auch wenn es falsch handelt. Wir Albaner greifen es nicht offen an, denn das liegt noch nicht im allgemeinen Interesse. Doch unsere Aussen- und Innenpolitik ist offen, entschieden und in allen Fragen, auf die ich oben eingegangen bin, der Chinas entgegengesetzt. China weiss das, die Völker der Welt wissen das, die Marxisten-Leninisten wissen das ebenfalls, denn wir haben nie geschwiegen und werden niemals schweigen. Wir lassen nichts zu nicht die geringste Einmischung, nicht den geringsten Druck -, was die der ganzen Welt bekannte Linie unserer Partei verletzen und entstellen würde. Es gibt nicht wenige Leute, Staatsmänner und fortschrittliche Bürgerliche auf der Welt, die sich mit viel Sympathie über die Politik der Partei der Arbeit Albaniens äussern.

Warum äussern sie diese Sympathie?

Erstens, weil wir offen, mutig und richtig gegen die beiden Grossmächte auftreten, sprechen und zugleich auch handeln. Diese richtige Politik ist nach ihrem Herzen, denn viele andere sind dazu nicht in der Lage, weil ihnen die beiden Supermächte die Hände gebunden und den Mund verschlossen haben.

Zweitens, weil unsere Politik gegenüber den bürgerlichen Regierungen an der Macht weder liberal nach sektiererisch ist. Wir wissen zu unterscheiden. welche Regierungen fortschrittlich sind und welche nicht, und alle haben begriffen und sehen, dass unsere Politik in erster Linie die Interessen der Arbeiterklasse und des Volkes dieser Länder verteidigt, und dass wir von daher jene Regierungen oder jene Begierungsvertreter unterstützen, in deren Regierungsprogramm im grossen und ganzen solche Forderungen enthalten sind, und seien sie auch minimal.

Drittens, weil sie in der mutigen Politik unserer Partei ein Vorbild sehen, dem auch sie und ihre Völker, ob nun klein, wie wir, oder gross, folgen wollen. In Augenblicken, da sie von den beiden Supermächten in Krisen gestürzt werden oder ihrer Gewalt ausgesetzt sind, besinnen sich viele bürgerliche Regierungen oder Regierungsvertreter, die der eisernen Klammer entkommen wollen, auf Albanien und schöpfen an seinem Beispiel Mut.

Wir liebten und lieben China als ein grosses sozialistisches Land aufrichtig, wir haben es verteidigt und werden es auf marxistischleninistische Weise weiter verteidigen, doch diese seine Fehler in der Linie betrüben uns, sie gefallen uns nicht und wir können sie nicht akzeptieren. Wir wollen darüber diskutieren, doch die Chinesen gehen nicht darauf ein. Ihnen ist es «angenehm», dass wir nicht offen von ihnen reden, auch wenn ganz offensichtlich ist, dass unsere Standpunkte nicht übereinstimmen. Solche Positionen darf es zwischen unseren beiden Parteien und Staaten nicht geben. Dreimal in zwei Jahren haben wir wegen des Pekingbesuchs einer Delegation unserer Partei und unserer Regierung unter Leitung von Mehmet angefragt, doch dreimal haben die Chinesen sich taub gestellt und ihn verschoben. Andererseits empfangen sie sämtliche Staatsmänner aller Kategorien - Imperialisten, Bourgeois, Könige und Prinzessinnen, von Ford bis zum revisionistischen jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedic. Diese Verachtung und Geringschätzigkeit ist, wie könnte man es anders nennen, ein Ausdruck der Anschauungen einer Grossmacht, die uns gegenüber mit gedämpfter Stimme sagt: «Ihr seid unsere Freunde», zu sich selbst aber: «Freunde, die mir keine Körbe mit Feigen bringen», sprich: «die meine internationale Politik nicht unterstützen». Anders können wir uns diese unfreundliche Haltung Chinas Albanien gegenüber nicht erklären. Doch die Partei der Arbeit Albaniens weiss kühlen Kopf zu bewahren und nicht die Geduld zu verlieren.

Wir haben viel gelitten, mussten uns mit vielen Schwierigkeiten auseinandersetzen, doch wir sind mit ihnen erfolgreich fertiggeworden, weil wir den Marxismus-Leninismus verteidigt und befolgt haben, korrekt und besonnen gewesen sind, es verstanden haben, unsere nationale Sache eng mit den internationalen Interessen der Werktätigen zu verbinden. Die Partei der Arbeit Albaniens weiss, dass ihre Kraft im Volk liegt, im freien und souveränen sozialistischen Vaterland. Dies ist der wichtigste und entscheidende Faktor. Die internationale Hilfe kommt erst an zweiter Stelle. Wir verfolgen wachsam die internationale Lage, genauso wie die unzähligen, von den Zeitumständen diktierten Manöver verschiedener Staaten der Welt, und wir bemühen uns, richtige Lehren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, die uns in der Politik unseres Staates nützlich sind. Doch die Politik unseres Staates darf weder auf diesen Zeitumständen aufbauen, noch ihren Schwankungen folgen. Die Politik der Partei der Arbeit Albaniens `hat ihre 'Strategie und Taktik als Grundlage, die auf der marxistisch-leninistischen Theorie aufbaut, angewandt unter den Bedingungen des Landes und den internationalen Bedingungen. Viele, die sich als Marxisten ausgeben, ohne es zu sein, mögen sich dieser Formel bedienen, doch man muss den Marxismus korrekt anwenden. Für uns sind die Zeitumstände in der Politik etwas Untergeordnetes, Unbeständiges, auf das man sich nicht stützen darf. Heute mag das Ziel einer an den Zeitumständen orientierten Politik in einer Richtung liegen, von der du taktisch profitieren kannst, wenn du sie auszunutzen verstehst, morgen dagegen ändert sich diese Richtung völlig, zu deinem Nachteil. Die Politik deiner Partei und deines Landes darf also nicht in jenes finstere Labyrinth geraten mit seinen Fallen, die die kapitalistischen, bürgerlichen und revisionistischen Staaten stellen.

DIENSTAG,

7. OKTOBER 1975

CHINA UND JUGOSLAWIEN

Die Führungen dieser beiden Staaten haben sich ineinander .«verliebt»! Eine alte Bekanntschaft, eine alte Sympathie. Den Chinesen und Mao selbst gefiel Titos Kampf gegen Stalin sehr, sie spendeten diesem Kampf Beifall und nannten ihn richtig. Aus dem Munde Maos waren die Worte zu hören: «Nicht Tito hat Fehler gemacht, sondern Stalin.» Es ist absolut wahr, dass Mao dies gesagt hat. Nicht nur, dass er selbst es zu uns gesagt hat, auch heute noch betreiben Tschou En-lai, Geng Biao und andere Propaganda gegen Stalin. «Ja», sagten die Chinesen (für das Publikum auf den Rängen), «Stalin ist ein grosser Mann, aber er hat Fehler gemacht.» Was für Fehler hat er gemacht? «Er hat die Chinafrage nicht richtig gesehen.» Aber «auch die Titofrage hat er nicht richtig gesehen», «auch die Frage der Sowjetunion», «auch die Frage des internationalen Kommunismus» usw.

Wenn er diese Fehler gemacht hat, wie die Chinesen behaupten, warum sprechen sie dann davon, dass «Stalin ein grosser MarxistLeninist war»? Und wer war Chruschtschow, den die Chinesen inzwischen in die Jauchegrube stecken? «Der Lenin unserer Zeit», sagte Mao auf der Moskauer Beratung im Jahr 1957. Ein «geniales» Urteil Maos über den Verräter!

Prinzipienlos war auch die Haltung der Chinesen Tito und dem Titoismus gegenüber. Wenn wir feststellen, dass die chinesische Linie bei der politischen und ideologischen Bestimmung der revisionistischen Tätigkeit Titos und des Titoismus in krassem Zickzack verläuft, so rührt das von der opportunistischen Politik der Chinesen her. Man musste gut über Tito sprechen, denn das entsprach ihrer Überzeugung, doch er musste auch «entlarvt» werden, weil ihn auch andere entlarvten, selbst Chruschtschow warf so manchen Stein auf ihn. Schließlich stellten die Chinesen die Polemik gegen Tito ein, und de facto begann die politische und ideologische Annäherung (obwohl sie nach aussen hin noch keine ideologischen und Parteibeziehungen unterhalten).

Als China proamerikanische und antisowjetische Positionen bezog, schlug diese Politik in seinen gesamten Beziehungen zum Ausland durch. Das imperialistische Amerika, die Faschisten Pinochet und Franco, Tito und Ceaucescu, Renegaten und Abenteurer, deutsche Revanchisten und italienische Faschisten sind seine Freunde. Die Ideologie spielt für China keine Rolle. Nichts betrachtet es vom Klassenstandpunkt aus, nichts unter dem Blickwinkel der Weltrevolution und der Befreiung der Völker! Nach Meinung der chinesischen Führung gibt es für China und die Welt nur einen Feind - den sowjetischen Sozialimperialismus. Eine bittere, eine tragische Tatsache, dass sie den anderen Feind, den amerikanischen Imperialismus, ausser acht lassen.

Die antimarxistische chinesische Taktik heisst: Bündnis mit der gesamten Weltreaktion, sogar auch mit erklärten und patentierten Faschisten, wenn sie nur gegen die Sowjets sind. Das ist nicht nur antimarxistisch, sondern zeigt auch, dass die Analyse der Chinesen von der Entwicklung der Weltprobleme so falsch und so dumm ist, dass man nur noch staunen kann. Jede politische Handlung der Chinesen leitet Wasser auf die Mühlen des Imperialismus und der Weltreaktion.

Die Chinesen meinen (denn anders können ihre Handlungen nicht aus gelegt werden), die ganze Welt sei davon überzeugt und glaube, China sei rot, revolutionär. Die Politik, die China betreibt, hat nur ein «revolutionäres» Ziel: die «dritte Welt», die «zweite Welt» und den amerikanischen Imperialismus gegen die sowjetischen Sozialimperialisten zu vereinigen. Und aus ihren Handlungen lässt sich schlissen, dass man, wenn es darum geht, dieses «Ideal zu verwirklichen, nicht besonders auf die Prinzipien zu achten braucht. «Wir treten jetzt für die Vereinigten Staaten von Amerika ein», rechtfertigen sich die Chinesen, «weil sie schwächer sind als die Sowjetunion, doch dabei geht es für uns auch darum, die Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertiefen.» Geniale Ideen!! Chinas Wunsch bestimmt also den Lauf der Welt! Die Erde dreht sich wie China es will! Die Politik der Kontinente mit ihren Völkern und Staaten richtet sich nach Chinas Wunsch!! Welch ein Blödsinn! Die ganze Weltreaktion, ausgenommen die sowjetische, drängt China auf diesen Irrweg und klatscht ihm Beifall. Und die chinesische Führung plustert sich auf wie ein Truthahn, allerdings wie ein. .. bescheidener Hahn.

Da China es aufgegeben hat, eine prinzipienfeste marxistischleninistische Klassenpolitik zu verfolgen, ist es nur natürlich, dass es sich nach den wechselnden politischen Umständen, nach den Winkelzügen und Intrigen der reaktionären Regierungen richtet.

Kommen wir auf die chinesisch-jugoslawische Freundschaft zurück. Sie ist mittlerweile eine Tatsache, wird jedoch scheitern, wenn die Chinesen in der jugoslawischen Politik prosowjetische Tendenzen feststellen. Wie wir wissen, ist Titos Politik im Kern antisowjetisch und proamerikanisch. Doch Tito laviert, immer hat er laviert und sich dabei als Abenteurer mit artistischen Fähigkeiten erwiesen; Tito betreibt eine volksfeindliche, antisozialistische, also antimarxistische Politik und hat die Position des «Leaders» im sinnlosen Block der «Blockfreien» übernommen. Tito betreibt tatsächlich die Polit'Lk dieser Staaten, die in, Wirklichkeit mit den Supermächten verbunden sind, auch wenn sie nicht ihren Militärverträgen und Militärpakten angehören.

Tito läuft sich die Beine ab, erhält Schecks und Vergünstigungen von allen. Er knechtete Jugoslawien, schuf dort eine Schicht von Neureichen, lebt wie ein König, spielt sich als «grosser politischer Kopf» auf, und man hält ihn dafür. Niemand kauft Titos Gewäsch ab, doch wenn sie ihn brauchen, spielen sie ihn hoch, und wenn er ihnen dann nicht mehr nützlich ist, werfen sie ihn, früher oder später, weg wie eine ausgequetschte Zitrone.

Kein Zweifel, dass die Sowjets Jugoslawien unter ihr Joch bringen wollen. Dafür ist ihnen jedes Mittel, jede Politik, jede Verschwörung, jedes Manöver recht; sie schmeicheln Tito, schreiben und sagen Gutes über ihn, versprechen und geben ihm Kredite. Als alter Fuchs rückt Tito näher an sie heran und lächelt ihnen zu. Wenn die Sowjets ihr Ziel nicht ganz erreichen können, zeigen sie ihm die gegenüber die Krallen zeigt und den Schnurrbart sträubt, in Wirklichkeit aber den Amerikanern zumiaut.

So sieht die titoistische Politik aus, die den Chinesen so sehr gefällt. Warum? Frstens, weil sie init Tito einer Meinung sind, zweitens, weil der im Kern proamerikanisch und antisowjetisch ist, und drittens, weil die Chinesen die Freundschaft mit Tito ausbauen wollen, um «die Widersprüche zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion zu vertiefen». Eine geniale Taktik!!

Djemal Bijedic, der jugoslawische Ministerpräsident, traf gestern in Peking ein, wo er «liebevoll und freundlich», mit Volk, mit Gongs, mit Plakaten und Spruchbändern empfangen wurde. Mit Sicherheit wird ihn auch Mao empfangen. Der Leitartikel von «Renmin Ribao» ist ein Lobgesang auf den «Barabas» und das titoistische Jugoslawien. Um zu vernebeln, was gespielt wird, wird der Begriff «sozialistisches Jugoslawien» nicht verwendet, lässt sich aber, da die grossen wirtschaftlichen Erfolge und die Einstellung der jugoslawischen Führung gegen den Kapitalismus, den Imperialismus, den Hegemonismus betont werden, klar genug herauslesen. Für die Chinesen steht also der Titoismus auf der gleichen «progressiven politischen» Position wie China.

China zählt sich selbst zur «dritten Welt», während Tito seinen Platz in der «blockfreien Welt» hat. Zu ihnen gehört auch Rumänien, weil es angeblich antisowjetisch ist. Obwohl es blockgebunden ist, wird es als «blockfrei» hingestellt, sowohl von den Chinesen, als auch von Tito und den Sowjets. Die «dritte Welt» und die «blockfreie Welt» unterscheiden sich voneinander so sehr wie ein Ei vom andern.

Im genannten Artikel von «Renmin Ribao» wird die berühmte Analyse aufgetischt: «Der sowjetische Imperialismus bedroht Europa und besonders den Balkan mit Krieg und Aggression.» Die Chinesen erlassen den «Aufruf»: «Europa und Balkan, euch droht eine unmittelbare Gefahr, deshalb schließt euch zusammen, legt alle eure Streitigkeiten, jede Meinungsverschiedenheit, gleich welcher Art, bei, stützt euch auf die Vereinigten Staaten von Amerika, die NATO, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Ihr Balkanländer befindet euch im Rachen des Wolfes, deshalb vereinigt euch mit Jugoslawien und Tito an der Spitze.» Mit anderen Worten, sie sagen uns Albanern: «Ihr macht einen Fehler, wenn ihr nicht, wie wir, auf das Jugoslawien Titos vertraut, oder das Rumänien Ceaucescus, das Griechenland der Obersten, die Türkei der Demirels, und, warum auch nicht, das Bulgarien Schiwkoffs. Ihr Albaner tut nicht gut daran, an diesem Balkantanz nicht teilzunehmen.» Mit dieser Haltung, die sie einnehmen, wollen die Chinesen uns sagen: «Warum müsst ihr Albaner auf den Kern der Sache sehen, seht auf das Aushängeschild und begnügt euch damit.»

Der chinesische Militärattaché in Belgrad sagte zu einem unserer Diplomaten: «Die chinesische Delegation wurde von den jugoslawischen Militärs herzlich empfangen», diese «zeigten ihnen alles», sprachen «offen und aufrichtig», «zeigten ihnen auch Waffen» usw. Der chinesische Militärattaché will uns weismachen, der Wolf sei zum Lamm geworden, doch er vergisst, dass der Wolf immer Wolf bleibt, ja es gibt sogar Fälle, wie in den Romanen Jack Londons, wo selbst der Hund zum Wolf wird.

Während sie den Termin für den Besuch unserer Delegation seit über zwei Jahren verschieben, empfangen die Chinesen den jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedié. Mit dieser Haltung wollen sie uns sagen: «Wir wollen euch nicht empfangen, weil wir politisch-ideologische Widersprüche zu euch haben, während wir Chinesen mit den Jugoslawen (und die Tatsachen, der Besuch Bijediés, beweisen dies) 'keinerlei Widersprüche haben.»

Natürlich gefällt den Sowjetrevisionismen und ihrer Brut die Reise Djemal Bijediés nach China nicht, und im Bewusstsein davon spielte Deng Hsiao ping auf dem Abendessen, das er gab, wie immer auf «eine Supermacht, die den Krieg will» oder etwas in der Richtung an. Daraufhin erhoben sich die Sowjets und ihre Freunde und Verliesen den Saal. Die Chinesen glauben, sie hätten damit die Widersprüche vertieft. Doch sie irren sich. Diese Dinge renkt Tito schon wieder ein. Leb du, Chinese, nur weiter mit Illusionen, erfülle die Sachforderungen der Jugoslawen und gehe den Weg weiter, den du eingeschlagen hast. Wie viel solche Kunststücke Tito schon hinter sich hat, das lässt sich gar nicht abzählen! Tito ist Meister in solchem Hokuspokus.

FBEITAG,

10. OKTOBEB 1875

MAO TSETUNG EMPFÄNGT DJEMAL BIJEDIC

Bijedic wurde in China herzlich empfangen. Deng Hsiao-ping rühmte Tito für seine «mannhafte Haltung gegen die Brutalität», was im Klartext gegen Stalin heissen soll. Die Chinesen sollten sich schämen, Titos feindliche Geste gegen einen so grossen Marxistenleninismen wie Stalin zu loben! Doch für die Chinesen ist es Stalin, der Fehler gemacht hat, und nicht Tito.

Bijedic wurde auch von Mao Tsetung herzlich empfangen. Diesem ganzen Tamtam haben wir in der Presse nur «eine Zeile» gewidmet, also buchstäblich nur eine Zeile und nicht mehr. Wir taten dies, um den Chinesen zu verstehen zu geben, dass wir mit ihnen nicht einverstanden sind, und zwar nicht, weil Bijedic nach China gereist ist, sondern weil sie unsere Anfrage wegen des Besuchs unserer Delegation, die wir dreimal hintereinander an sie gerichtet haben, abwiesen, sie einfach mit Schweigen übergingen.

Die Chinesen sind auch Bauernfänger. Beim Empfang der Koreaner zum 30. Gründungstag der Partei der Arbeit Koreas kamen Deng Hsiao-ping und sein ganzes Gefolge demonstrativ nur zu Behar und schüttelten ihm die Hand. Das taten sie, um uns und den Anwesenden zu erkennen zu geben, dass sie mit den Jugoslawen zwar verhandeln, mit den Albanern aber «enge Freundschaft pflegen».

MONTAG,

10. NOVEMBER 1975

WAS IN CHINA NACH MAOS TOD GESCHEHEN WIRD,

BEREITET UNS SORGE

Die Nachrichten, die uns von unseren Genossen in Peking erreichen, sind besorgniserregend, besonders, was Tschou En-lais Gesundheitszustand und Mao Tsetungs Gebrechlichkeit anbelangt.

Wie uns die chinesischen Genossen sagen, und auch ihre offizielle Presse bestätigt das, liegt 'Tschou En-lai im Krankenhaus. Woran er leidet, sagen sie nicht. Eine ausländische Nachrichtenagentur meldet, es sei Krebs (also eine unheilbare Krankheit), einige andere wiederum sagen, es sei das Herz. Eine Zeitlang empfing er Ausländer und Freunde im Krankenhaus. Auch unsere Delegation mit Genossen Adil empfing er 15 Minuten lang und sagte ihr, er werde operiert und man wisse nicht, wie es ausgehen werde, gut oder schlecht.

Seit einiger Zeit empfängt er nun auch niemand mehr im Krankenhaus. Li Hsiän-niän antwortete auf die Frage eines unserer Genossen nach dem Gesundheitszustand Tschou En-lais: «Er ist krank» und gab durch seine Mimik zu verstehen, Hoffnung auf Heilung bestehe nicht.

Was Mao betrifft, so ist nicht von Krankheit die Rede, sondern von Altersschwäche: «Er kann nicht gehen, oder nur mit Mühe, er kann nicht sprechen, oder nur sehr wenig, er sitzt ,gebeugt und mit offenem Mund da.» Doch während Tschou En-lai krank ist, empfängt und verabschiedet Mao Ausländer, zeigt sich mit ihnen im Fernsehen, drückt und schüttelt ihnen kräftig die Hand usw. Wir haben Mao auch im italienischen Fernsehen gesehen. Doch niemand sagt etwas über seinen Zustand. Wir erkundigen uns natürlich, weil wir uns Sorgen um seinen Zustand machen, doch die, die wir fragen, sagen uns, er halte sich gut. Das wünschen auch wir. Was uns Sorgen bereitet, ist: in welchem Zustand hinterlässt Mao die Partei?! Was wird in China nach seinem Tod geschehen?

Wir wissen, dass der Kampf gegen die Fraktionen und die Fraktionisten, gegen die «Abweichler», die «Opportunisten, Liberalen und Sektierer» nicht nur im Zickzack verlief, sondern dass man auch unterschiedslos die Methode der «Erziehung» verwendete und dass all diese Leute nach einer gewissen Zeit «umerzogen», «rehabilitiert» worden sind. Wir wissen also natürlich nicht, was diese Leute jetzt tun und was sie tun werden, wenn Mao stirbt, doch wir sind davon überzeugt, dass sie nicht ruhig bleiben werden, da sie weder umerzogen sind, noch sich gebessert haben.

Es scheint, als übe Deng Hsiao-ping die Funktion des Staatsratsvorsitzenden aus. Heute spricht er im Namen Tschous, denn Mao hält sich noch auf den Beinen. Doch nach Mao mag Deng auch in seinem Namen sprechen. Eine andere von Tschou «aufgebaute» Person ist Li Hsiän-niän, an dem unserer Meinung nach etwas faul ist. Er hat nun alle Hemmungen abgeworfen.

Im Politbüro gibt es auch andere, junge Genossen. Das stimmt, aber sie treten nicht oder nur wenig in Erscheinung. Die genannten beiden beherrschen die Szene. Welchen Kurs die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat nach Maos Tod steuern werden, können wir nicht genau sagen. Wir werden sehen und nach ihrer Haltung in der Innen- und Außenpolitik urteilen, Auch in Zukunft w erden wir nur auf der Grundlage von Fakten, die wir einer marxistisch-leninistischen Analyse unterzogen haben, Aussagen treffen, so wie wir das immer getan haben.

MITTWOCH,

19. NOVEMBER 1975

CHINA UND VIETNAM SIND WEGEN GRENZFRAGEN

AUFEINANDER BÖSE

China ist auf die Vietnamesen unter anderem wegen der Frage einiger Inseln böse, die «Nordvietnam besetzt hat». China behauptet, sie gehörten ihm und müssten ihm zurückgegeben werden, kurzum, es kramt alte «Grundbuchauszüge» hervor, setzt Geographen und Historiker in Bewegung, um seine Thesen zu untermauern. Vietnam schweigt, bleibt auf den Inseln, heisst es doch, dort gebe es Erdöl, und luchst China Kredite ab. Dieses wiederum erklärt uns: «Ich kann euch nicht so hohe Kredite geben, wie ihr es wünscht, denn ich helfe Vietnam.»

FREITAG,

21. NOVEMBER 1975

WAS SIE HEUTE SAGEN,

SAGEN SIE MORGEN NICHT MEHR

Die chinesischen Botschafter posaunen überall, wo sie sind, hinaus, die Sowjetunion werde Westeuropa angreifen, der Krieg stehe vor der Tür. Daher «halten wir (die Chinesen) zu euch, den Opfern (den kapitalistischen Staaten des Westens), zum 'Vereinten Europa', zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und zur NATO.»

Doch da die Sowjetunion nicht angreift, da die kapitalistischen Staaten des Westens sich um Entspannung bemühen, sagt Tjiao Guan-hua (der chinesische Aussenminister) zu Nesti: «Dieser Angriff findet nicht heute und auch nicht nächstes Jahr statt, sondern liegt in der Perspektive.»

Was die chinesischen Botschafter heute sagen, sagen sie morgen nicht mehr. Sie sagen: «Die Sowjetunion ist dabei, Europa einzukreisen, danach kann sie angreifen. Jetzt versucht sie, sich auf dem Balkan, in Portugal, in Spanien einzumischen bzw. Subversion zu treiben und so Europa die Luft abzuschnüren.»

Wir wollen sehen, was für neue Versionen sie uns noch präsentieren werden.

MITTWOCH,

3. DEZEMBER 1975

FORD IST VON MAO TSETUNG EMPFANGEN WORDEN

Gerald Ford in Peking. Auch Mao Tsetung hat ihn empfangen und zwei Stunden lang mit ihm gesprochen.

Auf dem Flughafen wurde der amerikanische Präsident vo1 Deng Hsiao-ping und seinem Gefolge empfangen. Deng führte die Verhandlungen. Er gab das Bankett und hielt die Rede. Auch Ford antwortete ihm mit einer Rede.

Deng Hsiao-pings Rede enthielt im wesentlichen folgendes «Auf der Welt herrscht Unordnung, der Krieg wird vorbereitet und pocht an die Tür, die Lage ist glänzend! Die Sowjetunion bereitet sich .auf den Krieg vor und bedroht Europa. Die Sowjetunion kämpft um Welthegemonie. Ihr, die Vereinigten Staaten von Amerika, und wir, China, sind, wie wir im Shanghaier Kommuniqué betont haben, nicht für Hegemonie. Deshalb: schließen wir uns - ihr (die Vereinigten Staaten von Amerika), wir (China), und die dritte Welt---in einem Bündnis zusammen, brechen wir der Sowjetunian die Ripe pen. Wir Chinesen lassen uns von der 'Entspannung', die die Sowjet9 predigen, nicht irreführen, lasst deshalb auch ihr Amerikaner euch von den Sowjets nicht täuschen.» Auch ihre Formel «die Welt will Befreiung, die Welt will Revolution» usw. wurde verwendet. Á Dies ist der Kern von Dengs Rede, die der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mit einer kurzen Ansprache beantwortete: «Wir werden aufrüsten, denn dadurch wird der Frieden gesichert; wir werden nichts unversucht lassen, um eine Zunahme der Spannung zu verhindern und eine Entspannung herbeizuführen; wir haben unsere Interessen, und unsere Politik wird sie und den Frieden der Menschheit schützen», usw.

Wir kennen Ford gut genug, ebenso kennen wir den amerikanischen Imperialismus und seine Ziele. Doch wir müssen die Rede Deng Hsiao-pings analysieren, die der Grundlinie der Politik Chinas und Maos Ausdruck gibt.

Als Liu Schao-tschi an der Macht und Deng Hsiao-ping Generalsekretär der Partei war, wurde die berühmte Parole ausgegeben: «Bündnis mit allen, auch den Sowjetrevisionisten, gegen den amerikanischen Imperialismus.» Aus den bekannten Gründen akzeptierten wir diese Front gegen den amerikanischen Imperialismus mit den Sowjetrevisionisten als Verbündeten nicht. Diese Losung und die darauf aufbauende chinesische Politik hatten kein langes Leben, sie verschwanden sang- und klanglos.

Inzwischen kam eine andere Parole auf, jene, die Deng nun ausstreut, natürlich aber mit Billigung Maos und Tschou En-lais: «Eine Front mit allen, auch mit dem amerikanischen Imperialismus, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.» Auch zu dieser Parole, zu dieser Politik der Chinesen befinden wir uns wieder im Gegensatz. F3eide Linien, die eine wie die andere, sind antimarxistisch. Die erste hätte für uns Annäherung und Versöhnung mit den Sowjetrevisionist ten und anderen geschworenen Feinden des Marxismusleninismus, des Sozialismus und der Revolution geheissen. Unsere Auffassung, dass der amerikanische Imperialismus und die revisionistische Sowjetunion geschworene Feinde des Sozialismus und der Volker waren und bleiben, erwies sich als richtig. Das Leben zeigte, dass sich jene, die die Chinesen in die antiimperialistische Front einbeziehen wollten, als Sozialimperialisten erwiesen. Unsere Linie war also marxistisch-leninistisch, die chinesische Linie war falsch, liberal prorevisionistisch. Und die Schuld dafür wurde Liu Schao-tschi zugeschoben.

Die jetzige neue Linie der Chinesen ist wiederum liberal, opportunistisch, antimarxistisch, und unsere Linie, die ihr entgegensteht, ist richtig. Wir müssen einen harten Kampf gegen beide imperiahstischen Supermächte führen, die die Völker unterdrücken, die gegen den Sozialismus sind, die die Welt neu aufteilen wollen, die beide um Welthegemonie ringen und gemeinsam den Krieg vorbereiten. Unter diesem Klassenblickwinkel müssen wir im Interesse der Revolution dafür sorgen, dass sich die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten vertiefen, müssen wir sie sçhwächen, und zwar indem wir uns nicht mit diesen beiden Unterdrückern der Völker und der Revolution, sondern mit den Völkern, den Revolutionären, dem Proletariat der ganzen Welt zusammenschlissen.

Zudem leistet China faktisch dem Weltkrieg, der angeblich in Europa ausbrechen wird, Vorschub, anstatt gegen den Raubkrieg zu kämpfen und die gerechten revolutionären Kriege zu fördern. China stellt noch nicht einmal die grosse Aufgabe, den imperialistischen Krieg, sollte er nicht verhindert werden können, in einen revolutionären Krieg gegen die Kriegstreiber zu verwandeln. Nein. Es hilft nicht, wie es sein müsste, den Völkern, die gegen das kapitalistisch-imperialistisch-revisionistische Joch kämpfen, sondern sucht das Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Pinochet, mit Franco, mit Giscard d'Estaing, mit Heath, mit Strauss und allen bürgerlich kapitalistischen Cliquen, die über die Völker herrschen.

Deng und Mao hoben die Theorie der «dritten Welt» aus der Taufe und erklärten, diese Welt sei «der Verbündete Chinas». Deng benutzt diese Theorie, um Ford «einzuschüchtern», indem er so tut, als habe er diese «dritte Welt» in der Tasche. Und Ford lacht sich ins Fäustchen, denn er ist es, der die herrschenden Cliquen dieser «Welt» in der Tasche hat und nicht Deng. Dieser könnte die Völker der sogenannten dritten Welt auf seiner Seite haben, wenn China eine marxistische Politik betreiben würde, doch die chinesische Politik räumt diesen Völkern nicht den gebührenden Stellenwert ein: Sie hält sich an die wankelmütigen Cliquen, die ihr Mäntelchen nach dem Wind von Dollars und Rubeln hängen. Die unterdrückten Völker sehen, dass China Bündnisse mit den reaktionären Cliquen und vor allem jetzt auch mit dem amerikanischen Imperialismus sucht und eingeht. Morgen mag es die Fahne in Richtung Moskau drehen.

Chinas Spiel ist gefährlich und unausgegoren. China droht Gefahr von der Sowjetunion, doch es überspielt diese Gefahr und nimmt die Pese der Stärke ein, um jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika «zu überzeugen». China will damit also zu verstehen geben, dass die Sowjets es nicht angreifen können, aber, weil sic Sozialimperialisten sind, irgend jemand angreifen werden. Deshalb hat China die «marxistische Analyse» angestellt, derzufolge «die Sowjetunion Europa angreifen wird. Deshalb hüte dich, Westeuropa, denn der Krieg lauert vor deiner Tür. Ihr Völker Europas, hört auf mich, auf China, rüstet auf, vereinigt euch mit euren reaktionären bürgerlichen Regierungen, die euch unterdrücken, und fallt über die Sowjetunion her, vermindert nicht die Spannung, erhöht sie. Seht her, ich halte zu euch. Auch du, Amerika, sieh dich vor, befreie dich aus der Krise, schlisse dich noch enger mit Westeuropa sowie der gesamten Weltreaktion zusammen und mildere die Spannung mit der Sowjetunion nicht, sondern verstärke sie, schlagt alle nach Möglichkeit auf sie ein und holt mir die Kastanien aus dem Feuer».

Deng geht sogar so weit, Ford daran zu erinnern: «Wir haben in Schanghai festgelegt, dass wir beide keine Hegemonisten sein werden.» China glaubt daran, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht hegemonistisch sein werden!! Nicht einmal die Freunde und die treuesten Verbündeten des amerikanischen Imperialismus äussern eine solche antimarxistische Ungeheuerlichkeit, noch glauben sie daran.

China hat sich auf eine Politik eingelassen, die nicht richtig, unmarxistisch ist, eine Politik, an die es nicht vom revolutionären Klassenstandpunkt aus herangeht. Aber selbst wenn wir für einen Moment annehmen wollten, dass es mit dieser Politik Zeit gewinnen, «eine gewisse Erpressung» ausüben und die anderen gegen die

Sowjetunion, die China als Feind Nr. 1 betrachtet, aufbringen wird, kann es mit diesem politischen Manöver dennoch keinerlei Erfolg haben.

In seiner Antwort an Deng erteilte Ford dessen gegen eine Entspannung gerichteten Politik, seiner Politik der «Freundschaft mit den Völkern» eine Absage und äusserte die Ansicht, dass «jeder

Staat seine eigene Politik zur Verteidigung seiner Interessen hat». Welches die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika sind, erläuterte er in seiner Rede. Ihre Interessen sind selbstverständlich: weiterhin die Welt zu beherrschen (also sind sic hegemonistisch), die Sowjetunion zu schwächen und gleichzeitig China an der Kandare zu halten, es, wenn möglich, sogar in einen Krieg mit der Sowjet Union zu treiben, so dass es China wäre, das den Vereinigten Staaten von Amerika die Kastanien aus dem Feuer holt.

Die Geschichte hat nicht nur einmal einen Handel de dupes* *( Handel der Betrogenen (frz. im Original) erlebt: wer übervorteilt besser den anderen. Doch ist es wirklich so 1.eicht, den amerikanischen, den französischen, den westdeutschen oder den englischen Imperialismus hinters Licht zu führen? Man muss schon naiv sein, um das zu glauben. Man sollte die Finger von einer solch kurzsichtigen Politik lassen, die auf Träumen aufgebaut ist, auf der Ansicht: «Ich bin eine Grossmacht», bzw. der Vorstellung: «Jeder Schritt, den ich tue, wird van allen Völkern, allen Revolutionären mit Beifall bedacht», weil «ich mich marxistisch-leninistische Partei nenne» (obwohl man in Wirklichheit die marxistisch-leninistischen Prinzipien nicht befolgt).

Dengs Rede vor Ford war verwerflich, weil an den amerikanischen Imperialismus der Aufruf gerichtet wurde, eine antisowjetische Front zu bilden, und weil dem Shanghaier Kommuniqué Glauben geschenkt wurde, dahingehend, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht um Hegemonie kämpfen werden. Deng sagt: «Die Völker wollen Revolution.» Soll das etwa heissen, dass er hofft, der amerikanische Imperialismus werde sich mit denen zusammenschlissen, die die Revolution machen werden? Oder will er Ford damit vielleicht drohen: «Du hast zwei Möglichkeiten - entweder du kommst mit uns, oder die Revolution 'bricht aus.»? Oder meint Deng womöglich, die bürgerlichen Cliquen der «dritten Welt» seien für die Revolution?

Wirklich erstaunliche Ideen! Merkwürdige Ideen!! Was sind das für Leute, die in China herrschen? Was für pseudorevolutionäre Manöver vollführen sie? Wenn man diese Frage gründlicher analysiert, meine ich, ist ein Angriff der revisionistischen Sowjetunion auf Westeuropa durchaus nicht ausgeschlossen, doch das schließt auch nicht aus, dass die Sowjetunion China angreift. A11 das hängt nicht vom Wunsch von einem oder auch fünf Menschen ab. Meiner Meinung nach müssen die Kriegstreiber für den Krieg noch Vorbereitungen treffen. Wie ich in meinen Aufzeichnungen an anderer Stelle schon festgestellt habe, haben die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika wegen eines Atomkriegs Angst voreinander. Doch dadurch wird die Zuspitzung der zwischen ihnen bestehenden Widersprüche nicht vermieden, und wenn diese Widersprüche sich bis aufs Ausserste zugespitzt haben, dann kommen auch die Waffen zum Einsatz. Gegenwärtig rüsten beide Seiten auf, verhandeln aber auch, treiben auch politischen, taktischen und strategischen Schacher. Die revisionistische Sowjetunion hat Osteuropa zu ihrem Gouvernement gemacht und trifft Vorbereitungen, es als Schlachtfeld zu benützen, für den Angriff, aber auch für die Verteidigung, denn wer vorhat,. anzugreifen, muss auch damit rechnen, angegriffen zu wenden. Die Sowjetunion könnte in Rumänien einen Putsch organisieren und Ceaucescus Bande liquidieren, weil sie ihr nicht mehr nützlich ist,. während die Vereinigten Staaten von Amerika und die Westländer die Hände in den Schoss legen.

Der gleiche Fall kann auch mit einer prosowjetischen Regierung in Jugoslawien eintreten. Die Amerikaner und der Westen mögen dann die Hände ebenso in den Schoss legen, obschon die Verteidigung der NATO, der westlichen Staaten, Griechenlands und der Türkei in Gefahr geraten würde. Ich mag mich irren, aber ich meine, dass. es vorerst nicht so leicht zu einem direkten Krieg der Sowjetunion gegen die NATO kommen wird, wie die Chinesen verkünden, wenn wir es auch nicht für unmöglich halten.

Ich habe ausgeführt, wie sich die Lage entwickeln könnte, und unsere Auffassung berücksichtigt alle, auch die schlimmsten Varianten. Doch es wäre kurzsichtig, den Fall auszuschließen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die Westmächte Anstrengungen unternehmen, die Sowjetunion in Richtung auf China zu drängen. Nein. So wie China faktisch versucht, die Sowjetunion gegen Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika zu hetzen,. so kämpfen auch diese gemeinsam mit dem ganzen Westen darum, dass die Sowjetunion China angreift.

Kaum war Deng aus Frankreich abgereist, fuhr Giscard nach Moskau, um die «Freundschaft» zu erneuern. Gleiches tat Deutschlands Scheel, ebenso Englands Wilson und jetzt kürzlich Italiens Leone. Da kannst du lange daherreden, Deng: «Ihr vom Westen marschiert im Kampf gegen die Sowjetunion voran.» Sie fahren dorthin, erhalten Konzessionen, machen Investitionen usw.

China ist gegen die Sowjetunion, doch anstatt in Asien und Umgebung tätig zu werden interessiert es sich in unrealistischer Weise für Europa. Die Sowjetunion hat ihre Klauen auf die beiden Vietnams gelegt, auf Laos, und es besteht die Gefahr, dass sie sogar auch in Kambodscha oder in Thailand eindringt. Indien gegenüber, wo die Sowjetunion dabei ist, tief einzudringen, nimmt China eine kühle, um nicht zu sagen feindliche Haltung ein. Da kann es sich die konjunkturbedingte Freundschaft mit Pakistan, den Besuch der Frau Marcos von den Philippinen an den Hut stecken. Das gleiche gilt für den Besuch der Prinzessin Pahlevi, die von Mao Tsetung und Tschou En-lai mit so viel Ehren empfangen wird.

Und was fängt China mit Japan an? Nichts, es treibt nur Handel. Nun ist davon die Rede, China werde Kredite mit kurzfristiger, fünfjähriger Laufzeit von den kapitalistischen Staaten erhalten (oder habe sie erhalten), allerdings nicht «staatliche», sondern von privatkapitalistischen Gesellschaften. Nicht Teufel, sondern Beelzebub. Eine sehr merkwürdige, sehr gefährliche Politik!

DIENSTAG,

16. DEZEMBEß 1975

GENOSSE KANG SCHENG IST GESTORBEN

1976

DONNERSTAG,

1. JANUAR 1976

ZICKZACK IN DER CHINESISCHEN LINIE

Ich habe schon andere Male festgehalten, was ich von der Linie der Kommunistischen Partei Chinas halte. In Verbindung damit habeich meine Meinung zu vielen Fragen und Problemen ihrer nationalen und internationalen Politik geäußert, so wie ich diese Ereignisse; natürlich im Rahmen meiner Möglichkeiten, vom Standpunkt únserér marxistisch-leninistischen Theorie aus beurteilte. Ich habe. mime Ansichten zu allen wichtigen Ereignissen geäußert, die aus. China nach aussen drangen, sowie zu der politisch-ideologischen Richtung, die sie nahmen. Ich habe versucht, diese Ereignisse, soweit es mir die Informationen darüber ermöglichten, zu verstehen und zu interpretieren, und zwar in erster Linie unter dem Blickwinkel der Linie unserer Partei, aber auch der jeweiligen internationalen Verhältnisse, wobei ich mir dachte, diese unkorrekten Haltungen Chinas seien vorübergehend und nur bedingt durch die inneren und äusseren Umstände, die besonderen Umstände eines grossen Staates,. der es ist. Doch ungeachtet dieser Umstände habe ich die Fehler in der Linie der Kommunistischen Partei Chinas als Fehler gewertet, immer in der Hoffnung, sie würden behoben werden, wenn China. die schwierige Situation, die es durchmachte, überwunden hätte.

Eine andere Sache, die zu Fehlurteilen über die chinesische Linie verleiten kann, ist das grosse Geheimnis, in das die Ereignisse gehüllt werden. Die chinesischen Führer hüten das Geheimnis um diese Ereignisse mit grösster Eifersucht, und wird einmal etwas. bekannt geben, ist auch das bruchstückhaft, unklar, oft unverständlich und verwunderlich! Die «Aufklärung» über ein Ereignis (ich meine wichtige Ereignisse) erfolgt ganz unerwartet, und das wird dann jahrelang als «die vollendete Linie» proklamiert. Dann wird ein oder zwei Jahre lang nur in Andeutungen gesprochen, später wird «offen» erklärt, sie sei reaktionär gewesen. Doch so «offen» ist das nun auch wieder nicht, denn zwei oder drei Jahre, nachdem man über die Fehler und die Menschen, die sie begangen haben, «offen gesprochen hat», wird erklärt, die Fehler seien « korrigiert und die Menschen rehabilitiert worden». Dies weist auf starke Schwankungen in der Linie, in den Ideen, in Haltung und Vorgehen hin, ein Schwanken gleich dem Pendel einer Uhr, das nach links und rechts ausschlägt, also ständige suspense* *( hier: Unsicherheit (frz. im Original)) in der Linie.

Man erklärte, die politische und ideologische Linie Liu Schlotschis sei eine revisionistische, liberale, opportunistische Linie gewesen. Und das war sie, so meinen auch wir. Liu Schao-tschi wurde offiziell mit vielen Beinamen versehen, besonders aber mit dem Beinamen «chinesischer Chruschtschow». Dieser «chinesische Chruschtschow» war «allmächtig» geworden. Und wie man durchblicken liess (denn in China begnügt man sich bei allen Fragen mit Andeutungen), «war Mao Tsetung isoliert, ausgeschaltet». Alles aber geschah «in seinem Namen, unter seinem Banner». Für uns hiess das demnach, dass Mao wohl nicht so sehr «isoliert» war, wie sig sagten. Immerhin führte er die Partei, leitete Parteitage. 1957 nahm er an der Moskauer Beratung teil und sprach sich für Chruschtschow. aus, den er den «Lenin unserer Tage» nannte. Bei dieser Gelegenheit kritisierte Mao auch Stalin. Er sagte: «Als ich zu Stalin kam, fühlt6 ich mich wie ein Schüler vor dem Lehrer.» Damit wollte Mao Stalins «Úberheblichkeit» ihm gegenüber zeigen. Ausserdem gratulierte er Chruschtschow, er habe «gut daran getan, die parteifeindlichen Elemente zu schlagen», d.h. die Gruppe Molotows. Ist es also vorstell-, bar, Mao Tsetung sei von Liu Schao-tschi isoliert gewesen? Nein ich glaube nicht. Im Gegenteil, er stand auf den gleichen Positionen wie Liu und Chruschtschow.

Also waren die politischen, ideologischen, wirtschaftlichen u.a. Anschauungen des 8. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinag im Jahr 1956, dem auch wir beiwohnten, nicht nur die liberalene rechten und revisionistischen Ideen Liu Schao-tschis, sie wunden auch von Mao, von Deng Hsiao-ping, Tschou En-lai, Peng Tschen usw. geteilt, mit anderen Worten: von der ganzen Führung. Sonst stellte sich die Frage: Warum tat Mao nicht selbst, wozu er Chruschtschow gratuliert hatte? Warum ging er nicht mit dem Besen gegen diese Fraktionisten vor? Setzte er den Besen bei ihnen nicht ara, weil sie die Macht hatten?! Nein, das wurde niemals gesagt. Was aber war diese Bande Liu Schao-tschis, «rechts» oder «links»? Dazu äusserte man sich niemals offen. Doch was war Mao selbst? Ein Rechter, ein Zentrist, ein Liberaler, ein Linker oder ein MarxistLeninist? Immer hat er sich als Marxist-Leninist, als Jünger von Marx, Engels, Lenin und Stalin ausgegeben, deren Bilder in China im Grossformat ara die Wand gehängt werden. In Wirklichkeit jedoch ging und geht Mao nicht auf der Grundlage ihrer Lehren gegen die Abweichler und die Feinde des Marxismus-Leninismus vor.

In seinen Schriften behauptet Mao bis heute, dass «die Bauernschaft die revolutionärste Kraft ist, auf die sich die Revolution stützen muss». Die entscheidende Rolle, die die Marxsche Theorie dem Proletariat in der Revolution beimisst, hat für Mao nur zweit-, wenn nicht gar drittrangige Bedeutung. «So wurde die chinesische Revolution durchgeführt, deshalb muss dieser Theorie der Vorzug gegében werden.», ,sagt er. «Es lebe Marx», sagt Mao Tsetung, die Marasche Theorie über die führende Rolle der Arbeiterkiasse gilt jedoch für ihn nicht. Anders ausgedrückt: für Mao geht es nicht, dass die Arbeiterklasse die Revolution führt und die arme tuzd mittlere Bauernschaft dabei ihr Verbündeter ist. Für ihn ist es umgekehrt: die Bauernschaft muss die Revolution führen und die Arbeiterklasse ihr Verbündeter sein.

Ein weiterer Ausdruck von Maos antimarxistischer Linie ist die Konzeption, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Das heisst, die arme Bauernschaft muss in der Revolution führen, weil «das städtische Proletariat seinen revolutionären Geist verloren hat, konservativ geworden ist, sich der kapitalistischen Unterdrückung

und Ausbeutung angepasst hat». Diase Theorie ist natürlich antirnarxistisch. Mit ihr lässt sich die Revolution nicht erreichen. Mit dieser Theorie kann die Diktatur des Proletariats nicht errichtet, ihr und ihrer Führung, dem marxistisch-leninistischen proletarischen Partei, nicht die Rolle zuteil werden, die ihnen zukommt. Man kann mit Worten und Propaganda alles vernebeln, nur nicht die Essenz der Sache. Und was die Folgen anbelangt, so wird über kurz oder lang der Tag kommen, da Dach und Mauern einstürzen, weil man den Sozialismus ohne die Führung durch die marxistisch-leninistische kommunistische Partei und ohne korrekte und entschlossene Umsetzung der unsterblichen Thesen der marxistisch-leninistischen Theorie nicht aufbauen kann.

Trotz dem Anschein, den sie sich gibt, und der Reklame, die sie veranstaltet, ist die Kommunistische Partei Chinas keine wahrhaft marxistisch-leninistische Partei, steht sie nicht auf soliden revolutionären Positionen und kann dies auch gar nicht. Ein Blick auf die Geschichte dieser Partei zeigt, dass in ihren Reihen nicht nur verschiedene Fraktionen unterschiedlicher ideologischer Richtung bestanden, die gegeneinander arbeiteten. Das ist noch natürlich, denn auch in der Partei existiert der Klassenkampf und entwickelt sich. Gewichtiger und beunruhigender ist, dass diese Fraktionen geduldet' werden, dass sie weiter bestehen, offiziellen Charakter annehmenr erklärt man doch vor aller Welt: «Lasst hundert Blumen blühen.>»; Eine Partei, die zulässt, dass in ihren Reihen Liberalismus, Kulaken7t ansichten, revisionistische und anarchistische Standpunkte jeder Ari wuchern, die zulässt, dass den städtischen Kapitalisten noch zu einer Zeit Renditen bezahlt werden, da schon die Diktatur des Proletariat, errichtet worden ist (sic!), verdient nicht den Namen einer marxistisch-leninistischen Partei.

In einer solchen Partei dominiert die bäuerliche und kleinbürgerliche Mentalität, und wie sollte es auch anders sein, wenn in ihrer Tätigkeit die marxistisch-leninistischen Prinzipien nicht nur keine Anwendung finden, sondern sogar verletzt, .geringgeschätzt und nur als Schleier benutzt werden, um die nichtsozialistische Wirklichkeit zu verhüllen. Diese opportunistische, revisionistische Linie hatte die; Partei zerfressen und war dabei, China auf den chruschtschowschen Weg zu führen.

Mao Tsetung reagierte energisch, doch nicht wie der Führer: einer marxistisch-leninistischen Partei. Ich spreche von der «Grossen: Proletarischen Kulturrevolution». Was war diese Kulturrevolution?! Wer leitete sie, und gegen wen war sie gerichtet?! - Diese Revolution leitete sozusagen Mao Tsetung mit einem Stab, der aus einem; engen Kreis von Menschen um ihn herum bestand. Mao erliess etwa folgenden Aufruf : «Greifen wir die Hauptquartiere an.» Doch was waren das für Hauptquartiere? - Das reichte von Liu, Deng, Tschou, Li Hsiän-niän und vielen, vielen anderen bis hinunter zu den Komitees. Doch wer sollte diese Hauptquartiere angreifen? - Die Jugend, die auf Maos Aufruf hin auf spontane, anarchistische Weise auf die Strasse ging.

Bei dieser ganzen Tätigkeit konzentrierte man sich nicht auf den marxistisch-leninistischen Weg, sie geschah nicht in diesem Geist. Kennzeichnend war, dass diejenigen, die sich zu dieser «Revolution» erhoben, Studenten, Schüler, Intellektuelle waren. Die berühmte «Revolution» wurde so von den Intellektuellen, außerhalb der Kontrolle durch die Partei, durchgeführt. Diese liess es nicht nur an der Leitung fehlen, sondern war, so kann man sagen, faktisch liquidiert.

Der Stab der Revolution hatte weder Vertrauen zur Partei der Klasse noch zur Klasse selbst. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, ja sogar zu regelrechten Gefechten mit Artillerie und Granatwerfern. Die Hungweibings machten auf den Strassen und Plätzen das Gesetz, nahmen Leute fest und verteufelten sie, ob sie nun schuldig waren oder nicht. Sie setzten ihnen den «Hut» auf und prügelten sie sogar auf den Strassen tot. Sie gingen gar so weit, ausländische Botschaften in Brand zu stecken. Ein wilder Hass gegen die Ausländer, gegen die Kultur der anderen Völker griff um sich. Doch auch das viehtausendjährige Kulturerbe Chinas selbst wurde bekämpft.

Was zeigte dieser ganze Sturm? Klar ist, dass hier nicht der marxistische Geist, die marxistischen Prinzipien wirksam waren. Vielmehr erwies sich, dass die anarchistischen Theorien Stirners, Bakunins und Proudhons praktische Anwendung fanden, Theorien, die 'von Marx und Lenin mit äußerster Schärfe bekämpft worden waren. Die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» war keine Kulturrevolution (sie richtete sich gerade gegen jene Kultur, für die Marx und Lenin eintraten), sie war eine politische Revolution, die nicht auf marxistisch-leninistischem Kurs verlief, eine Revolution ohne Programm, eine anarchistische Revolution gegen die Arbeiterklasse und ihre Partei waren doch die führende Rolle der Klasse und die Partei faktisch ausgeschaltet worden. Doch es gab nicht nur Konfusion und anarchistische Spontaneität auch die Autorität der lokalen Organe der Staatsmacht existierte nicht mehr, während die von Lin Biao geführte Armee, die unter dem Banner Maos, mit dem roten Buch Maos und Milliarden Plaketten verschiedener Grösse mit Maos Kopf kämpfte, allmächtig in Maos «Reserve» stand. Lin Biao war zur Hauptfigur des Revolutionsstabs geworden, genauso Tschen Bo-da. Später allerdings wurden beide zu «Verschwörern, Verrätern, Organisatoren verschiedener, freilich gescheiterter Attentate auf Mao Tsetung» erklärt.

Mao Tsetung gab Anweisung, das Dorf aus der Revolution herauszuhalten, da dort angeblich alles in Ordnung sei. Wie man sagte, saß «alles Schlechte in den Städten, in der Partei, in der Arbeiterklasse» (sic!). Das schien links zu sein und wurde als links bezeichnet,, war aber tatsächlich rechts. So hätten danach also die revisionistischen Rechten, die Leute aus der Gruppe Liu Schao-tschis, die Klasse und ihre Partei in die Hand gebracht gehabt, während die «Linken», Mao und Genossen, die Studenten und die Intellektuellen in die Revolution warfen, um Partei und Klasse zurückzuerobern! Was für merkwürdige Dinge geschehen doch in China! Hier kommt klar Maos rechte Theorie zum Vorschein, nach der «das Dorf und die: Jugendlichen die Stadt anzugreifen und einzunehmen» hätten (sic!).

Während der chaotischen und anarchistischen Revolution wurden angeblich Korrekturen vorgenommen, die Partei neu geschaffen.. Und wie viele wurden nach all dem Durcheinander, nach dieser ganzen Periode des Misstrauens und der Unsicherheit ausgeschlossen? Nur 3 bis 4 Prozent. Diese Zahl besagt jedoch nicht, dass die Partei «zersetzt» war, sondern zeugt davon, dass Mao und einige seiner, Anhänger kein Vertrauen in die Partei hatten.

Was brachte die Kulturrevolution sonst an «Gutem»? Nichts! Die Staatsmacht der zerschlagenen Diktatur des Proletariats musste erneuert werden. Doch wie? - Ein russischer Salat, auch wenn die chinesischen Führer gegen die Russen waren! Die Macht, die überall geschaffen wurde, bestand aus Menschen der Partei, aus der Armee der Bauernschaft und Arbeitern. Der Hauptführer dieser Macht war der höchste Offizier. Doch bis heute ist nicht bekannt, wie die Macht in China aussieht. Es heisst, die Partei sei reorganisiert worden, die Massenorganisationen wurden aber noch nicht neu geschaffen, und entsprechende Kongresse finden nicht statt.

Der Klassenkampf geht in der Theorie angeblich weiter. Allerdings wurden alle, die man in dieser «Revolution» verurteilt und erniedrigt hatte, rehabilitiert, und Deng nimmt de facto den wichtigsten Platz in der Führung ein, sind doch Mao und Tschou krank. All die Leute, die bei Tschiang Kai-schek hohe Posten bekleideten, Minister, Marschälle und Generale, wurden begnadigt und sind frei. Es heisst, sie «arbeiten verantwortungsbewusst» für ihr Vaterland, das sozialistische China.

All diese unmarxistischen Theorien Maos hat man «Maotsetungideen» genannt. Damit sollte natürlich der Marxismus-Leninismus von den «Maotsetungideen» getrennt werden. Diese «Theorie» versuchten sie sowohl uns als auch allen Kommunisten auf der Welt aufzuzwingen, doch wir liessen uns nicht zu einem solch fatalen Fehler verleiten. In unlauterer Absicht, das heisst, rum die liberalen, revisionistischen und anarchistischen Ansichten Maos als marxistisch zu verkaufen, warteten die Maoisten mit einer anderen Formel auf

«Marxismus-Leninismus-Maotsetungideen». Der Trick bei dieser Tarnung ist klar ersichtlich. Die revisionistisch-kapitalistische Welt und einige Lakaien der Chinesen, die sich selbst «marxistisch-leninistische kommunistische Partei» nennen (wie die Partei in Frankreich), übernahmen diese «Theorie». Die revisionistischen «Maotsetungideen» werden nun in der internationalen Politik ganz unverhüllt umgesetzt.

Die chinesische Politik basiert auf dem «vorrangigen Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus». «Wer Widersprüche zur Sowjetunion hat, steht auf der gleichen Seite wie China.» Das bedeutet bei den chinesischen Führern, und sie sagen es offen, dass der «sowjetische Sozialimperialismus der Hauptfeind ist». Und gleichzeitig wollen sie damit die Meinung bestärken, China sei ein «sozialistisches Land» und lasse sich vom Marxismus-Leninismus «leiten».

In seiner Außenpolitik geht China in nichts vom Marxismusleninismus, von der Revolution und vom Klassenstandpunkt aus. In China sind alle marxistisch-leninistischen Grundprinzipien über Bord geworfen worden. China führt keinen Klassenkampf gegen die beiden Supermächte, seine unmarxistische Politik hat die marxistische Ideologie aus der Aussenpolitik getilgt. Lius China war für ein «Bündnis mit allen, auch den Sowjetrevisionisten, gegen die Vereinigten Staaten von Amerika» gewesen. Maos China dagegen ist für ein «Bündnis mit allen, in erster Linie mit dem amerikanischen Imperialismus und der reaktionären Bourgeoisie, gegen die Sowjetunion».

China verfälscht die marxistisch-leninistische Theorie, die uns lehrt, dass auf der einen Seite der Barrikade die Völker mit dem Proletariat an der Spitze stehen und auf der anderen Seite der Imperialismus und der Weltkapitalismus, zu denen sich auch der sowjetische Sozialimperialismus gesellt hat.

In Chinas Aussenpolitik dominiert weiter Maos Theorie, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Seinen Ausdruck findet das in der «Theorie», die «dritte Welt» (zu der sich auch China zählt) habe «die zweite und die erste Welt einzukreisen und zu liquidieren». Doch in der Tat unterstützt Maos China diese beiden «Welter», die es einzukreisen und zu bekämpfen vorgibt, bei der Unterdrückung ihrer eigenen Völker und der Völker der «dritten Welt», die es angeblich als die Soldaten der Revolution betrachtet. Tito, Ceausescu und andere ihres Schlags sind Chinas Verbündete, sind für die «Revolution» (sic!)! Auch von den Chruschtschowianern werden sie alle als Verbündete betrachtet. Die Chruschtschowianer treiben das Spiel sogar so weit, dass sie die Länder, in denen die Obengenannten die Führung innehaben, «sozialistisch» nennen. China tritt für Fran- co, Pinochet, die NATO, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, das «Vereinte Europa», Reaktionäre wie den Deutschen Strauss, den Engländer Heath, den Italiener Fanfani und andere ein. Das lässt sich nicht als marxistisch-leninistische Klassenpolitik bezeichnen. Man kann die berühmte «dritte Welt» nicht, wie die Chinesen, in Bausch und Bogen akzeptieren. Ein wahrhaft sozialistisches Land muss sowohl bei den Bündnissen mit anderen Staaten als auch bei der Vergabe staatlicher Hilfe unbedingt differenzieren. Ganz abgesehen von den Francos und Pinochets müssen .auch die Beziehungen zu einem Staat der «dritten Welt» zuallererst unter dem Klassenblick- winkel betrachtet werden, damit sie die revolutionären und fortschrittlichen Kräfte, die in diesem oder jenem Land kämpfen, nicht behindern. Sie müssen im Gegenteil eine Hilfe für diese Kräfte dar- stellen. Doch mit Maos Theorie setzt sich China darüber hinweg, gibt sogar unmissverständlich zu verstehen, es wünsche nicht. sich mit den bürgerlichen, kapitalistischen und Satrapenführungen bestimmter Länder zu überwerfen, Führungen, die gegen ihre Völker sind, die es mit jenen Groessmächten halten, die ihnen am meisten Unterstützung und Kredite geben. Dies darf niemals die Politik eines sozialistischen Landes sein.

Falsch ist auch die Politik, die China den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien gegenüber verfolgt, die sich auf der Welt gebildet haben. Neben diesen Parteien sind wie Pilze auch Gruppierungen jeden Kalibers aus dem Boden geschossen, trotzkistische, anarchistische, von den Gruppen unter Sartres Ägide bis hin zu all den bürgerlichen und provokatorischen Fraktionen. Und zu allen unterhält China Verbindungen, ohne jede Differenzierung. Es empfängt ihre Vertreter, empfiehlt ihnen, sie sollten sich mit den Sozialdemokraten vereinigen, China und Mao propagieren und Bündnisse mit der Bourgeoisie ihrer Länder und den Vereinigten Staaten von Amerika .gegen die Sowjetunion eingehen.

Das ist eine feindliche Politik, die bürgerliche, antimarxistische und antirevolutionäre Politik eines grossen Staates. Doch bei unserer Partei können sie mit solch gefährlichen Abenteuern nicht landen. Die Chinesen wissen, dass wir in der Linie nidht einverstanden sind mit ihnen. Es gibt keinen Tag, an dem wir ihnen diese Gegensätze nicht vor Augen führten, indem wir die Ansichten unserer Partei zu jedem Problem verfechten. Vorläufig treten wir noch nicht offen gegen sie auf, doch auch sie gehen so vor, schweigen, lassen hin und wieder im Volk ein freundliches Wort über uns fallen, gehen aber -in keiner einzigen Veröffentlichung auf unsere Haltung ein, weil sich sonst Probleme ergeben würden, und zwar gefährliche Probleme. Und selbst wenn sie in ihrer Presse einmal etwas veröffentlichen, verdrehen sie es mit Winkelzügen à la China.

In der chinesischen und der sowjetischen Presse macht sich ein gemeinsames Kennzeichen bemerkbar: beide bringen keine gründlichen theoretischen Artikel in denen ,sie sich gegenseitig entlarvten. Die Artikel, die sie veröffentlichen, sind abgstanden, oberflächlich, voll wertloser Schlagworte. Warum? Weil sie, würden sie die Probleme einer gründlichen Analyse unterziehen, jeweils den Bluff des anderen entlarven würden sind doch beide revisionistische Staaten und Parteien.

Unsere .Meinung über Chinas Haltung und unsere Auffassung, dass China als revisionistisches Land zu ;bezeichnen ist, mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen. Eine solche Meinung mag frisch aussehen, nicht auf der Wirklichkeit fussend, doch anders lässt sich der Kurs, der in einer Reihe von Fragen der Innen- und Aussenpolitik verfolgt wird, night erklären. China ist ,bereit, sich sowohl mit den revisionistischen Ländern als auch den revisionistischen Parteien, die bis gestern noch die Sowjetunion unterstützten, sie heute aber kritisieren, auf Gespräche zu einigen, ja in vielen Fragen sogar zu versöhnen. Was ich da sage, ist keine Vermutung, sondern Tatsache. Die Chinesen empfingen in Peking Spanien Carrillo, sprachen mit ihm und verabschiedeten sich von ihm wie Freunde. Warum auch nicht? Warum wurde kein Kommuniqué herausgegeben, um das Gegenteil zu beweisen? Mit Francos Spanien haben die Chinesen diplomatische Beziehungen aufgenommen, die Kommunistische Partei Spaniens/Marxisten-Leninisten, deren Mitglieder von den Falangisten ermordet werden, ignorieren sie dagegen völlig. Warum? Die marxistisch-leninistischen Kommunisten Spaniens denken nicht wie Jurquet in Frankreich, der ein Jünger der Ideen Mao Tsetungs äst und seine Anhänger dazu auffordert, die Armee der französischen Bourgeoisie zu unterstützen.

China äussert sich positiv über jedes revisionistische Land, wenn dieses nur die Annäherung an den amerikanischen Imperialismus sucht. Gegenüber Polen, das dabei ist, in die Sphäre des amerikanischen Kapitals einzugehen, bis hin zu Schiwkoffs Bulgarsen, gar,gzu schweigen von Rumänien und Jugoslawien, nimmt China ein wechselnde Haltung ein.

Für die Chinesen ist Rumänien der teuerste Freund. Warum? . Der Vorwand ist: «Es widersetzt sich den Sowjets.» Dieser «Widerstand» der Rumänen gegen die Sowjets ist Tarnung. Die Rumänen und die Sowjets haben vieles gemeinsam, sie betreiben dieselbe Innenpolitik und auch dieselbe Aussenpolitik. Ihre beiden Parteien sind revisionistisch, beide Staaten sind kapitalistisch, und falls sie Widersprüche haben, dann sind sie geringfügig oder kurzlebig oder reine Spielerei. China analysiert diese Lage nicht und will sie auch gar nicht analysieren. Es betrachtet und verteidigt Rumänien als «sozialistischen Staat».

Genauso unterstützt China Jugoslawien politisch. Ideologisch kann es Jugoslawien vorläufig noch nicht offen unterstützen, denn das stänke, röche nach Verrat. Doch der Titoismus ist nichts als. Kapitalismus reinsten Wassers. Das titoistische Jugoslawien lässt sich von den anarchistische Ideen der «föderalistischen Selbstverwaltung» leiten. Dort wird der Staat für den Bedarf des Augenblicks. aufrechterhalten, und die Partei der Kommunisten wurde vom Titoismus liquidiert. Er liquidierte die Partei und liess die Klasse angeblich «sich selbstvermalten», begünstigte damit in Wirklichkeit jedoch die wohlhabende Bourgeoisie, die alte und die neue, in ihrem Streben, zum Herrn Jugoslawiens zu werden, sich zu bereichern und das Land an die Ausländer zu verkaufen. Tatsächlich herrschen irr Jugoslawien Chaos und Anarchie - in der Wirtschaft, in der Politik und in der Ideologie. Und die bürgerlich-revisionistische Welt nennt Jugoslawien «sozialistisch» und Tito einen «grossen Mann», weil er sich Stalin widersetzte. Doch damit leistete und leistet er dem amerikanischen Imperialismus und dem internationalen Grosskapital grosse Dienste.

Was Chinas Politik betrifft, so verurteilen wir nicht, dass es, diplomatische Beziehungen zu verschiedenen kapitalistischen und revisionistischen Staaten hergestellt hat (seine Beziehungen zu faschistischen Staaten verurteilen wir natürlich), doch wir verurteilen die unmarxistische Linie, von der es sich bei dieser Politik leiten lässt. Wo Chinas Haltung sich nicht von Klassengrundsätzen leiten lässt, billigen wir sie nicht. Wo die chinesische Haltung nicht der

Weltrevolution, nicht der nationalen Befreiung der Völker der «dritten Welt» dient, billigen wir sie nicht. China fügt mit seiner politischideologischen Haltung dem Sozialismus und der Revolution sowie dem Befreiungskampf der Völker im Weltmassstab grossen Schaden zu.

Die kapitalistische Welt weiss um diesen Dienst Chinas und honoriert ihn. Ob nun eine wahre marxistisch-leninistische Bewegung oder die Studentenunruhen eines Cohn-Bendit, oder die Bewegung der Tupamaros - die kapitalistische Welt nennt sie alle unterschiedslos «maoistisch» und China freut sich über diese Qualifikation, über diese «Ehre» die ihm die Weltreaktion zuteil werden lässt. Es predigt sogar die Vereinigung all dieser maoistischen, «oppositionellen», anarchistischen Strömungen mit den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, ohne Rücksicht auf ihre diametral entgegengesetzten Standpunkte. Vberdies rät China diesen Parteien, mit den bürgerlichen Regierungen ihrer Länder zusammenzuarbeiten, ihre bürgerlichen Armeen zu unterstützen, die die Völker und das Proletariat unterdrücken. Jene marxistisch-leninistischen Parteien, die nicht die Linie verfolgen, die China predigt, schreibt es ab, bekämpft es. Wie soll man also diese Linie nennen? Marxistisch-leninistisch? Nein, das ist eine revisionistische Linie.

Ein hervorstechendes Merkmal des modernen Revisionismus ist die «friedliche Koexistenz», verstanden und praktiziert auf nicht klassenmassige, nicht revolutionäre Weise. Ein weiteres Kennzeichen ist der friedliche, parlamentarische Weg der Machtergreifung «auf dem Weg zum Sozialismus». Das ist die Linie, die Chruschtschow predigte und die die Sowjetrevisionisten auch heute noch predigen. Dies ist auch die Linie der italienischen, französischen, spanischen und anderer Revisionisten. Das ist auch die Linie, der Weg der Chinesen. Auch sie predigen genau diesen Weg. Unter die Revolution haben sie einen dicken Strich gemacht, predigen sie doch das Bündnis und die Zusammenarbeit mit den bürgerlich kapitalistischen Staaten und all ihren Institutionen, unter anderem auch dem bürgerlichen Parlament. Das ist die Wirklichkeit, in Theorie und Praxis, auch wenn die Chinesen das theoretisch nicht zugeben. Die Sowjets geben ihre Verbrechen genauso wenig zu: die chruschtschowsche friedliche Koexistenz nennen sie «leninistisch», und wenn es um den friedlichen Weg der Machtergreifung geht, vergessen sie niemals, sich darauf zu berufen, dass Lenin gesagt hat, es gebe «die Möglichkeit, die Macht auch auf diesem Weg zu erobern». Doch die Revisionisten haben dies zum einzigen Weg gemacht und bekämpfen de facto den anderen, den bewaffneten, gewaltsamen Weg, den Weg der Revolution und der Errichtung des wahren Sozialismus.

Fidel Castro tönt: «Die Armee ist die Partei.» Die modernen Revisionisten sagen das nicht offen, doch es ist eine Tatsache, dass in China die Armee die Partei kommandiert, die von Mao Tsetung während der Kulturrevolution «aufgelöst» wurde. Während dieser Revolution war .und blieb die Armee die einzige «Säule» des Regimes: Partei, Gewerkschaften, die Arbeiterklasse an der Macht gab es nicht. So war es, das ist eine Tatsache. Doch warum war das so? Das ist völlig klar: die Ursache war die nicht marxistisch-leninistische Weltanschauung.

Diesen kapitalen theoretischen Problemen muss man auf den Grund gehen, man darf sie nicht oberflächlich behandeln. Man darf nicht den Worten glauben, sondern nur den Fakten. Und diese Fakten müssen vom Standpunkt unserer marxistisch-leninistischen Theorie aus analysiert werden. Wie soll man die Geste der Chinesen in

den letzten Tagen des vergangenen Jahres verstehen, als sie den sowjetischen Hubschrauber mit seinen drei Mann Besatzung freigaben, die sie 21 Monate slang festgehalten hatten, weil sie «400 km tief in chinesisches Gebiet eingedrungen waren»? Sie taten gut daran, sie freizulassen, denn es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder die sowjetischen Piloten vor Gericht zu stellen, oder sie nach etwa zwei Monaten laufenzulassen. Doch was passierte? Was schrieben die Chinesen in diesen 21 Monaten in ihrer ;Presse nicht alles über diesen Hubschrauber: «Das ist ein krimineller Akt, ein Spionageakt, eine brutale Provokation» usw. Das Aussehministerium der VR China hatte Behar Shtylla offiziell mitgeteilt: «Die sowjetischen Piloten sind Spione. Der Hubschrauber war vollgepackt mit ,Spionagegerät. Uns sind wichtige Dokumente in die Hände gefallen. Der Hubschrauber war in Sinkiang gelandet, um Menschen zu entführen»,usw. Die Sowjets dagegen hielten daran fest, der Hubschrauber sei vom Kurs abgekommen. Sohön und gut, doch nach 21 Monaten äußerte sich auch das Außenministerium der Volksrepublik China plötzlich anders, erklärte, der Hubschrauber sei vom Kurs abgekommen, die Piloten seien unschuldig und würden deshalb freigelassen. Inn Außenministerium gibt man für sie sogar ein offizielles Abendessen, und man begleitet sie «feierlich» zum Flugplatz.

Was soll man zu dieser Haltung sagen? Wie soll man sie nennen? Da muss es etwas hinter den Kulissen geben, anders lässt sich das nicht begreifen. Da steckt etwas dahinter, das stinkt. Es sollte uns nicht überraschen, wenn dieser Schwenk nach Art der Chinesen als «grossartige politische Geste Mao Tsetungs» ausgegeben würde. Und natürlich auch als «marxistisch-leninistische» Wendung. Möglich, dass Tschou En-lai oder Deng Hsiao-ping nach dieser «genialen Wendung» unserem Botschafter in Peking sagt: «Auf, fahren wir nach Moskau, worauf wartet ihr noch, die Situation hat sich geändert.» Genau das war es nämlich, was Tschou En-lai unerem Botschafter sagte, als Chruschtschow gestürzt wurde. Wenn irgend jemand einmal fallen lässt, Breschnews Sturz sei abzusehen, fangen die Chinesen an, von einem Umschwung zu träumen und schmieden insgeheim Pläne, möglicherweise im Einvernehmen mit den Sowjets. Wir werden die revisionistischen und verräterischen Vinkelzüge-erleben.

Die Chinesen verhalten sich unserer Partei der Arbet und dem sozialistischen Albanien gegenüber nicht aufrichtig. Biszer waren wir die «besten und treuesten Freunde Chinas und der Kommunistischen Partei Chinas». Dieser Geist ist in China an der Basis sehrgut gepflegt und verbreitet worden, in diesem Punkt haben wir nichts einzuwenden. Doch das Zentrum stellt sich anders dazu. Wir dagegen haben unsere Ansichten offen dargelegt und dartrn ersucht, Delegationen auszutauschen und Gespräche zu führen. Unser Ersuchen ist jedoch auf taube Ohren gestossen. Ohne ausdrücklich zu. sagen, dass sie in vielen Fragen nicht einer Meinung nit uns ist, gibt die chinesische Führung durch die Haltung, die sie einnimmt, in der Praxis zu verstehen, dass sie nicht einverstanden ist. Die Wirtschaftshilfen, um die wir für den Bau der Werke des Fünfjahrplans 1976-1980 ersuchten, die sicherlich erst nach 6 oder 7 Jahren fertiggestellt sein werden, haben uns die Chinesen sehr gekürzt. Sie bewilligten uns nur 20-25 Prozent der Kredite, um die wir baten. Dabei begegnete man uns kühl, schob jeder zusätzlichen Forderung einen Riegel vor, mit der Bemerkung: «Das ist auch Maos Meinung.» «Wir sind sehr arm», sagten sie uns, während sie, ja sogar Tschou En-lai selbst, uns noch vor zwei Jahren Wort für Wort erklärten: «Wir helfen euch wenig, sehr wenig, doch in zwei oder &ei Jahren,. im nächsten Planjahrfünft [das heisst in dem, das nun begegnen hat] werden wir euch mehr geben.» Genau das Gegenteil war allerdings der Fall, und heute - mit welcher Geringschätzung sagen sie nun: «Verlangt nichts, wir gehen auf keine weitere Forderung ein.» Kann man das wirtschaftlichen Druck nennen? - Bestimmt, und zwar mit voller Überzeugung. Warum nehmen sie diese Haltung ein? Weil sie mit uns Meinungsverschiedenheiten in der Linie haben.

In einer Botschaft, die ich und Mehmet an Mao richteten, ersuchten wir um Militärhilfe. Die Chinesen bewilligten uns diesmal eine lächerliche Hilfe. Unverschämt erklärten sie uns: «Verlangt jetzt nicht mehr!» Warum dieser Umschwung? Weil sie nicht einverstanden sind mit unserer politischen, strategischen und ideologischen Linie, weil sie wollen, dass wir uns ihrer revisionistischen Linie unterwerfen.

Die chinesischen Führer haben uns vorgeschlagen, «mit Jugoslawien und Rumänien zusammenzuarbeiten, zu ihnen Verbindungen herzustellen» (das heisst, wir sollen Revisionisten werden wie sie), «zu den Vereinigten Stazten von Amerika diplomatische Beziehungen aufzunehmen» und dergleichen Gemeinheiten mehr. Wir sollen es also China nachmachen Das ist ein Verrat, den wir angewidert von uns weisen. Und wir bekämpfen diese Linie auf die eine oder andere Weise, offen und bei jeder Gelegenheit, durch unsere Presse und Propaganda.

Es hat sich herausgestellt, dass die Verrätergruppe von Beqir Balluku und Abdyl Këllezi für diese Linie der Chinesen war, die in Wirklichkeit die gleiche ist wie die der Sowjets, Jugoslawen, F umänen, Amerikaner usw. Denn sie alle wollen unsere marxistischleninistische Parbei und irre Fü'hrung, die den Marxismus-Leninismus und den Sozialismus in Albanien verteidigt, liquidieren. Dafür kämpfen sie. Die chinesische revisionistische Führung unternahm also alle diese Massnahmen, um uns zu schwächen. Dieses Vorgehen ist vorläufig noch nicht so brutal wie das Chruschtschows, doch auch die Chinesen gehen diesen Weg, in der Meinung, uns nach und nach den Atem zu nehmen, doch damit können sie uns... mal gern haben!

Nicht nur das. Mao 7setung geht genau wie die Chruschtschowianer vor. Drei oder vier wichtige Botschaften wurden ihm geschickt, im Namen des Zentralkomitees der Partei und unterzeichnet von mir, während er nicht geruhte, uns eine Antwort zu geben, und sei es auch nur aus 3öflichkeit, im Sinne der Gegenseitigkeit. Entweder hat er nicht geruht, oder er will zu den Problemen, die wir aufgeworfen haben, nichts Schriftliches hinterlassen. Auch die mündlichen Antworten, die wir über andere, seine Genossen, erhielten, waren ausgesprochen negativ. Ein offizieller Brief verlangt eine schriftliche Antwort, positiv oder negativ.

Die Handlungsweise der Chinesen ist unerfreulich und, warum sollten wir es nicht sagen, auch tückisch. Was die Waffenlieferungen anbelangt, so benahmen sich alle Mitglieder der chinesischen Delegation, mit der dieses Problem behandelt wurde, diesmal gemein gegen uns. Sie verschlossen uns alle Türen. Und der Leiter unserer Delegation brachte ihnen gegenüber unsere Unzufriedenheit zum Ausdruck. Beim letzten Abendessen fing Yä Djiän-ying an, abgedroschenes Süssholz zu raspeln: «Ihr werdet ja nächstes Jahr wieder kommen, dann werden wir weitersehen» und dergleichen faden Quark mehr. Dabei hatten sie uns vorher gesagt: «Um das Jahr 2000 werden wir dann in der Lage sein, euch zu helfen.»

Nicht nur, dass diese Einstellung nicht gerade freundschaftlich ist, sie gehen auch noch weiter, versuchen, unsere Kader von der Führung zu trennen, indem sie ihnen gegenüber durchblicken lassen «Nun ja, was euch betrifft, so findet ihr bei uns ein offenes Ohr, aber Waffen geben wir euch nicht, denn wir stehen mit eurer Führung nicht gut.» Trotzkistische Methoden!

DONNERSTAG,

8. JANUAR 1976

TSCHOUEN-LAI IST GESTORBEN

Heute Abend schickte uns Behar ein Radiogramm aus Peking, in dem er uns mitteilt, dass Genosse Tschou En-lai an Krebs gestorben ist. Diese Nachricht wurde Behar im Namen des Zentralkomitees. vom chinesischen Aussehminister, Tjiao Guan-hua, überbracht, derzum Abendessen bei Behar war. Als Behar sich bei ihm nach Tschou En-Jais Befinden erkundigte, antwortete er ihm - anscheinend, um das Abendessen nicht zu verderben, dem er auch hätte fernbleiben können -, er werde es ihm nach dem Essen sagen.

Tschou En-lai war ein Revolutionär und Mitglied der KP Chinas seit ihrer Gründung. Man muss anerkennen, er war eine Persönlichkeit von grossem Forma, ein sehr kluger und fähiger Mann, ein grosser Organisator und Arbeiter. Nach Mao war Tschou En-lai der Mann mit der grössten Autorität in China. Er war zugleich auch eine grosse internationale Persönlichkeit. Wir haben ihn persönlich gekannt, mit ihm gesprochen und seine grosse Tüchtigkeit bei der Arbeit, sein grosses Organisationstalent geschätzt. Er war der engste Mitarbeiter Maos, kämpfte als «Kommunist» unter Maos Banner. Wildbetrachteten ihn als Freund unseres Landes, achteten ihn, empfingen ihn bei uns, sprachen rrit ihm stets aufrichtig. Doch es muss gesagt werden, dass wir, obwohl er zu der Hilfe beigetragen hat, die China Albanien gab, auch Debatten mit ihm hatten, als er von seiner Seite aus gegen die marxistisch-leninistische Ideologie und den Geist der Freundschaft mit uns verstieß.

Es geschah oft, dass wir prinzipielle Differenzen zu der Linie, zu den Auffassungen hatten, die er und das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas vertraten. Diese Differenzen haben wir besonders Tschou, aber auch dem Zentralkomitee der KP Chinas gegenüber auf kameradschaftliche Weise geäußert, mündlich und schriftlich. Über all diese Anschauungen habe ich, wenn Tschou sie ausserte, oder wenn die Linie der Kommunistischen Partei Chinas mit der Linie unserer Partei nicht übereinstimmte, zum jeweiligen Zeitpunkt geschrieben. Doch die prinzipiellen Widersprüche, die wir zu den chinesischen Genossen in der Line hatten, haben weder wir noch sie an die Öffentlichkeit getragen. Unsere Parteien blieben und bleiben auf ihren jeweiligen Positionen. Bei all den Meinungsverschiedenheiten in der Line haben weder wir noch die chinesischen Genossen diese publik gemacht, und die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern und Ländern dauerte beinahe unverändert an.

Wir waren und sind weitherzig, doch die Prinzipien unserer Partei verletzen wir nicht und machen sie auch nicht zum Spielball .der opportunistischen Politik. Ich habe viel und, ich glaube, unvoreingenommen über Tschou En-lai geschrieben, doch habe ich auch keine -mildernden Worte gebraucht. Darauf will ich hier nicht länger eingehen. Ich möchte nur sagen, dass er trotz allem ein grosser Mensch und Politiker war, allerdings nicht auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus. Tschou En-lai war «ausgewogen•>, ein Mann nicht prinzipienfester Kompromisse, «sehr weit gefasster» Kompromisse.

Obwohl wir mit seinen Ansichten und seiner Politik in vielen Fragen nicht einverstanden waren, schmerzte uns Tschou En-Jais 'Tod aufrichtig, denn China verlor einen grossen Mann, den grössten nach Mao, ich würde sogar sagen, nicht weniger «wirksam» als Mao selbst, einen Mann, der bei der Leitung und Verwaltung der Geschäfte eines so grossen Staates wie China eine nachhaltige Rolle spielte.

DONNERSTAG,

22. JANUAR 1976

DIE CHINESEN PROPAGIEREN DIE RICHTIGE LINIE

UNSERER PARTEI NICHT

Der 19. Band der Werke wurde gedruckt und in vielen Sprachen verbreitet. Das gesamte Ausland, Freunde wie Feinde Albaniens, spricht von der richtigen Linie und vom Mut, den unsere Partei bewies, als sie die Chruschtschowrevisionisten entlarvte und bekämpfte, um die Reinheit des Marxismus-Leninismus zu verteidigen und besonders die Kommunistische Partei Chinas zu verteidigen. Nur in China sprach und spricht man nicht davon. Es gibt kein einziges Presseorgan, das, wenigstens als Nachricht, ein Wort darüber verlöre, dass in Albanien ein solches Werk veröffentlicht worden ist.

Das Zentralkomitee der PAA und das Präsidium der Volksversammlung veröffentlichten den Text des Entwurfs der neuen Verfassung der Volksrepublik Albanien. Überall im Ausland sprach und spricht man davon und analysiert ihn öffentlich. Nur in China findet dieses für unser Land so wichtige Ereignis, dieses in politischer, ideologischer, organisatorischer und verfassungsmäßiger Hinsicht so wichtige Dokument unserer Partei und des albanischen Staates nicht die leiseste Erwähnung.

In der chinesischen Presse schreibt man wertloses Zeug über unser Land. In alleeerster Line versäumt es die Presse dort nicht, nachzudrucken, was man in urigerem Land Gutes über China sagt. Was es sonst noch an Nachrichten gibt, sind banale Chroniken: Hier fand diese Versammlung statt, dort jene Kundgebung, auf der einen sprach dieser, auf der anderen jener, in Albanien traf der und der ein, der und der reiste aus Albanien ab. Auch Sportmeldungen werden veröffentlicht. Doch in all diesen Chroniken wird niemals erwähnt, dass «diese oder jene Delegation dieser oder jener marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei Albanien einen Besuch abstattete». So sehr hat China die politisch-ideologische Beziehungen zu unserem Land reduziert! Dies gilt für Presse und Propaganda, die politisch-ideologischen Gespräche zwischen unseren beiden Seiten wurden schon vor geraumer Zeit auf den Nullpunkt reduziert. Es gibt noch nicht einmal den geringsten Meinungsaustausch über das Weltgeschehen.

Was die Wirtschaftsbeziehungen und die Hilfen für die Armee anbelangt, so wurden auch sie auf das absolute Minimum reduziert. Und trotzdem bluffen die Chinesen nach aussen hin, wollen den Anschein erwecken, Albanien sei ihr «treuester Verbündeter».

Wie haben wir diese Haltung zu verstehen? So, dos die Chinesen von ihren Leuten verspätet informiert werden? Las ist nicht schlüssig, denn es geht hier nicht um geringfügige Dinge, sondern um wichtige Ereignisse und Materialien unseres Landes und unserer Partei. Zudem gibt es ausser den Vertretern von Hsinhua in Tirana auch jede Woche das Flugzeug Peking-Tirana und zurück. Im übrigen hat China auch seine Botschaft in Tirana.

Oder brauchen die Chinesen vielleicht Zeit zum Übersetzen und zum Studium unserer Materialien? Auch das ist nicht schlüssig, denn sie haben ein Bataillon von Übersetzern, und was uns betrifft, so verlangen wir gar nicht, dass sie irgendeinen Artikel oder Kommentare über diese Ereignisse bringen, sondern sind auch mit einer einfachen Nachricht zufrieden, aus der die chinesische Öffentlichkeit erfährt, dass in Albanien «diese Dokumente erschienen». Warum also handeln sie so? Was geht vor? Es gibt nur eine Erklärung: die Chinesen betreiben Sabotage, sie sind nicht einverstanden mit der politischen Linie unserer Partei.

Die Chinesen sprechen von der «Diktatur des Proletariats», dafür kämpfen auch wir. Sie äussern sich gegen die Sowjetunion, doch worum geht es denn im 19. Band? Außerdem, was machen wir denn Tag für Tag? Warum bringen sie dann nicht wenigstens die schlichte Nachricht, dass diese Dokumente erschienen sind?

Wie hat man dieses chinesische Rätsel zu verstehen? Sie wollen aus folgenden Gründen keine Propaganda für die richtige Linie unserer Partei machen:

a) weil dann ihre falsche Haltung herauskommt;

b) weil da der Grösenwahn einer grossen Partei und eines grossen Staates ist;

c) weil sie mit der marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei nicht einverstanden sind, weder in der Theorie noch in der Praxis - propagierten se die richtige Linie unser er Partei, würde schon von daher die Konfrontation offensichtlich;

d) weil die Formeln und Schlagworte der Chinesen pseudomarxistisch sind;

e) weil sie wollen, dass wir ihnen um den Bart gehen, so sprechen und handeln wie sie. Die Chinesen billigen die prinzipienfeste marxistisch-leninistische Haltung unserer Partei nicht. Sie wollen; dass wir vor ihnen katzbuckeln. Dazu wird es selbstverständlich niemals kommen;

f) weil ihnen die inneren Maßnahmen nicht gefallen haben, die wir gegen die Partei- und Staatsfeinde Beqir Balluku, Hito Cako,. Petrit Dume, Abdyl Këllezi u.a. ergriffen haben. Weshalb? Wieweit hatten die Chinesen bei hrem Komplott die Finger im Spiel? Eiriès jedenfalls wissen wir: die Linie der Verräter unseres Landes gefie1 den chinesischen Genossn;

g) weil die Chineser uns von den marxistisch-leninistischen, Positionen abbringen wollen, weil sie wollen, dass wir uns mit den Verrätern Tito und Ceaucescu vereinigen, weil sie uns in den revisionistischen Tümpel stossen wollen. Selbstverständlich haben wir diese antimarxistischen und kapitulantenhaften Ansichten verurteilt.

All dies habe ich oft als Frage aufgeworfen und dazu Erläuterurigen gegeben. Ich habe mich bemüht, in den Analysen objektiv und korrekt zu sein, auch wenn ich manches Mal sehr starke Worte gebrauchte. Ich meine aber, dass die Dinge beim Namen genannt werden müssen.

Für mich ergibt sich aus der Analyse der Fakten in dieser Frage, dass die Hauptsache bei dem chinesischen Rätsel ist: Ist die Kommunistische Partei Chinas auf dem richtigen marxistisch-leninistischen Weg? Ging sie früher diesen Weg? Befindet sie sich in organisatorischer Hinsicht wohl auf dem Weg einer Partei leninistischen Typs, wie ihn Marx, Engels und Lenin lehren? (Von Stalin wollen wir gar nicht reden, gegen den waren und sind die Chinesen. In Worten sind die Chinesen für Stalin, weil sie nicht anders können, laben sie doch nun einmal zu dieser Frage Stellung bezogen, und dei Form halber stellen sie Stalin in Opposition zu Chruschtschow.)

Natürlich kann ich nicht behaupten, die Kommunistische Partei Chinas in ihrer Entwicklung und Struktur zu kennen. Doch meiner Meinung nach war schon der erste Schritt dieser Partei nicht richtig, auf dem marxistisch-leninistischen Weg, ob nun hinsichtlich der leninistischen Prinzipien, der Organisationsform oder verschiedener Probleme, die es zu lösen galt - bei der bürgerlichdemokratischen Revolution und später der Fusion mit der Kuomintang, im Bürgerkrieg, im Krieg gegen Japan, in bezug auf die Rolle der Arbeiterklasse und die der Bauernschaft. Die Partei in China ging also bei all diesen erstrangigen Problemen meiner Ansicht nach chaotisch vor.

Nach unserer Feststellung machten sich von dem Augenblick an, da Mao die Führung der Partei übernahm, in ihrer Organisierung, in Ideologie und Praxis Abweichungen bemerkbar, Fraktionen, etwa die Li Li-sans, Wang Mings usw. usf. Gewiss kamen auch in. der Partei Lenins solche Dinge vor, die Feinde griffen die Bolschewistische Partei von innen und aussen an, doch Lenin ging mit klarer marxistischer Ideologie und eiserner Faust gegen sie vor. Fr stählte die Partei und gab ihr die unvergänglichen Normen, die die wahren marxistisch-leninistischen Parteien und cie Weltrevolution richtig leiten und stets richtig leiten werden.

Ich glaube, dass Mao, als er die Macht antrat, eine gewisse Ordnung schuf. Er schuf die Armee und führte sie, leitete den Kampf, doch der Organisierung der Partei, ihrer Haltung wurden die grundjagenden Prinzipien, die leninistischen Normen nicht so zugrunde gelegt, wie es hätte sein müssen. Die Kommunistische Partei Chinas gewann an Ansehen, doch sie hätte sich auf ihrem langen Weg während und nach dem Krieg stählen müssen. Vor allem stimmten Maos Ansichten über die Hegemonie der Arbeiterklasse und ihr Bündnis mit der Bauernschaft von Beginn an bis heute nicht mit der marxistisch-leninistischen Theorie überein. Diese Ansichten sind, trotz aller Schlagworte, in dieser Hinsicht liberal, und ich meine, hier liegt der Ursprung der Schwankungen in der Linie der Kommunistischen Partei Chinas und Maos. Dies sind, wie uns Theorie und Praxis lehrer, Schwankungen des Kleinbürgertums, der Bauernschaft. In Chinawie bei uns spielte die Bauernschaft tatsächlich eine grosse Rolle iz nationalen Befreiungskampf, doch in China wurde sie, anders als 1?i uns, nicht von der Ideologie der Arbeiterklasse geführt. In unprem Land war die Arbeiterklasse zahlenmäßig nicht vorherrschend, sie war sehr klein, doch ihre Ideologie war gross. Das bedeutet dass unsere Partei auf leninistischen Grundlagen organisiert wurde und die Arbeiterklasse in eine hegemonische Stellung versetzte.

In China dagegen wurde zwar die Kommunistische Partei gegründet, vorherrschend wa: aber der Standpunkt, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse!. Das musste unweigerlich zu einem schwachen organisatorischen Zusammenhalt der Partei führen. Sie sollte darunter leiden, dass de Parteinormen nur unvollständig verankert worden waren. Und urvermeidlich mussten in ihren Reihen Fraktionen und antimarxistische Abweichler überhandnehmen (wie es sich dann auch heraussellte), auch wenn die Li Li-sans und Wang Mings gestürzt wurden

So ging die Kommuzistische Partei Chinas meiner Meinung nach nicht so gut organisiert in den Kampf, wie es nötig gewesen wäre. Sie hatte keine klare Liiie und konnte die wirkliche Vorhutrolle nicht spielen. Diese Partei wurde gross mit Fraktionen und hatte auich weiterhin immer Fraktonen, war einmal links, einmal rechts.

Die Armee und cer Krieg überdeckten diese gefährlichen Krankheiten, und die fraktionisten sammelten sich unter der Führung der «Kriegsherren», nur dass sie diesmal Armeekommandeure und Kommunisten waren, wie sie sich die Kommunistische Partei Chinas vorstellte. Es gal die Partei, doch die Armee war so allmächtig, dass man sagen kann, nicht die Partei kommandierte sie, sondern sie die Partei. All diese hervorragenden und tapferen Kommandeure bezeichneten sich selbst als Kommunisten, doch ihr Verständnis vom Kommunismus war bestimmt von den unklaren, schwankenden Ansichten und Orientierungen ihrer Partei.

In seinen Schriften aus der Zeit des Krieges behandelt Mao sehr viele Fragen der Partei richtig. Diese Schriften dienten der Erziehung der Kader, doch vie sehr und wie sie erzogen wurden, ist ein anderes Problem dessen Konsequenzen wir später sehen werden.

Die wichtigsten militärischen Führer, allen voran Mao, waren sowohl in der Zeit des Krieges als auch danach in der Führung, und das ist nur .natürlich. Zusammen mit ihnen kamen in die Führung der Partei.' und des neuen Staates nicht nur Menschen, die im Kampf gestanden hatten, sondern auch andere. Diese Wahl wurde angeblich .in den von der Partei festgelegten Formen vollzogen, doch jeder Führer brachte mehr seine eigenen Leute mit sich als Leute mit Parteigeist.

Das aus dem Krieg hervorgegangene grosse China musste auch als Staat organisiert werden. Doch was für ein Staat sollte das sein? Ein Staat der Volksdemokratie, doch seine rote Fahne trug 4 Sterne, die .die vier Klassen der chinesischen Gesellschaft (?!) versinnbildlichten, sowie einen weiteren Stern in. der Mitte. Wessen Hegemonie versinnbildlichte dieser Stern? «Der Arbeiterklasse», hiess es, doch die wirtschaftlichen; politischen und organisatorischen Reformen, die man durchführte;. gingen nicht in diese Richtung, denn die Partei selbst war nicht monolithisch, in ihren Reihen bestand keine ideologische Einheit, sondern eine «Einheit» um Mao. Die Kapitalisten existierten. in diesem Staat weiter als Klasse, bezogen sogar Renditen.

Unter Maos Banner brachte Liu Schao-tschi die Staatsmacht .und die Partei in seine Hand. Deng Hsiao-ping leitete die Partei, Tschou den Staat. Mao war die Säule, um die herum sich der Reigen drehte. Die Armee war in den Händen des Marschalls Peng Dö-huai. Diese mächtige Gruppe tat, was ihr beliebte. Man sprach vom Sozialismus, ging aber dem Revisionismus zu.

Peng Dö-huai hatte derart viel Handlungsfreiheit, dass er die Armee auf den chruschtschowschen Weg bringen konnte. Er übernahm all dessen psychische, politische, materielle und organisatorïsche Merkmale. Liu bereitete zusammen mit Peng Dö-huai und Deng Hsiao-ping die Konterrevolution vor. Peng Dö-huai wurde vom Zentralkomitee abgelöst, an seine Stelle trat sein Freund Lin Biao. Neue Reformen, ganz andere als die vorhergegangenen, wurden in cier Armee durchgeführt, und zwar von Mao. Die Armee war stets der Eckpfeiler, stand sie doch angeblich unter Leitung von Mao selbst. Liu Schao-tschi hatte die Partei, Tschou En-lai dagegen war von Anfang bis Ende der opportunistische Vermittler. Damals spitzte sich der Kampf um die Macht zu. Doch wie? Mit opportunistischen Parolen, angefangen bti den «hundert Blumen», d.h., dass alle Ideologien und Fraktionen in der Partei geduldet wurden, über den «Kampf gegen die Oper und die Universität» bis hin zu der Losung: «Alles muss der Gangart der Armee folgen». Und so wurde Lin Biao zum allmächtigen Retter. Liu Schao-tschi sah die ihm drohende Gefahr und versuchte, Mao abzusägen, wie das Breschnew mit Chruschtschow getan latte.

Mao sah die Gefahr ebenfalls und mobilisierte die Hungweibings zu Millionen. Die Kultarrevolution begann ohne Führung durch die Fartei, ohne Arbeiterklisse. Auch Liu handelte, die «Rebellen» und Verschiedene Organisationen traten auf. In China griff Anarchie um sich, die Partei war liquidiert worden, auch die Massenorganisationen wurden liquidiert, und der Bürgerkrieg zwischen den Fraktionen begann. Man kann siel also vorstellen, was das für eine kommunistische Partei in Chna war! Mao rief dann Lin Biao zu Hilfe und deckte ihn mit 7teln ein, damit er der Armee Befehl zum Eingreifen gebe, und die Armee griff ein. Durch diese «Kulturrevolution» wurden Liu Schao-tschi und einige weitere Führer wie Deng Hsiao-ping beseitigt. (Was mit ersterem geschah, ist nicht bekannt, Deng dagegen wurde «umerzogen», und inzwischen hat der «Feind Nr. 2» in China mir nichts, dir nichts seine alten Funktionen wieder eingenommen.) Lin Biao wurde während c?er Kulturrevolution zim «Kriegsherrn», machte das Gesetz, veröffentlichte und verbreitete das «rote Buch», die «Maobibel», von ihm kamen die Plaketten mit Maos Kopf, von Tschen Bo-da dagegen die Reden. Die Armee dominierte über die Partei und die Staatsrr.acht, «Revolutionskorntees» wurden geschaffen, die taten, was Lin E;ao sagte. Dieser trieb sein eigenes Spiel, «traf Vorbereitungen, um Mao in die Luft zu sprengen und China mit der Sowjetunion 7u verbinden», wie es heisst. Mao manövrierte, jagte Lin Biao zum Teufel, richtete zusammen mit Tschou die Antennen auf die Vereinigten Staaten von Amerika, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, das «Vereinte Europa», auf Franco und Pinochet, und sie erklärten China zum Mitglied der «dritten Welt», zusammen mit Spanien, Ägypten, Chile, Jugoslawien, der Türkei usw. usf.

Was lässt sich einer kurzen, nicht sehr vollständigen Aufzählung dieser Ereignisse in der Kommunistischen Partei Chinas entnehmen?

Ihre Führung sagt, in der Kommunistischen Partei Chinas gebe es zwei Linien. Sie akzeptiert, dass diese beiden Linien bestehen, und betrachtet das, wie mir scheint, als Existenzbedingung für die Partei - und das nennen sie Klassenkampf in der Partei. Ich meine allerdings, dass es in dieser Partei nicht nur zwei Linien gibt, sondern viele Linien, die im Ringen um die Macht aufeinanderprallen. In der Partei herrscht Chaos, sie führt keinen Klassenkampf nach gesunden marxistisch-leninistischen revolutionären Prinzipien. Oder besser gesagt: die Partei führt überhaupt keinen Klassenkampf, in ihr findet ein Kampf zwischen Clans statt. Die Clans sitzen in der Partei und in der Staatsmacht, an der Basis und in der Führung. Alle Parteigänger der Fraktionisten, die man angeblich verurteilt hat, sind in der Partei, sind aktiv. Diese ganze Entwicklung vollzog und vollzieht sich unter dem Namen Maos. Er wird zum Tabu, man lernt seine Zitate, hinter den Kulissen allerdings betreibt jede Fraktion ihr eigenes Geschäft. Mao selbst lässt, wenn schon nicht die «hundert Blumen», so doch die «zwei Blumen» zu. «Soll es die zwei oder drei Fraktionen ruhig geben, sollen sie zusammenleben, alle 7 Jahre machen wir dann eine Revolution», sagt er, «und werden sehen, wer gewinnt. Wenn die Rechten siegen, werden die Linken sich erheben und sie stürzen.» Das ist «Maos glänzende Theorie»!! Und so war es tatsächlich auch der Fall. Seit Mao an die Spitze der Kommunistischen Partei Chinas trat, wurde Li Li-san gestürzt, kam Wang Ming in die Führung und wurde gestürzt, kam Liu Schao-tschi hoch und wurde gestürzt, kam Lin Biao nach oben, und auch er wurde gestürzt, nur Tschou En-lai blieb bis zu seinem Tod an der Macht. Doch wie wird es nun weitergehen? Mao wird auf genau die gleiche Weise die Arbeit fortsetzen. Zur Zeit gibt es keinen Ministerpräsidenten in China, die Funktion des Regierungschefs nimmt Deng wahr, der außerdem Generalstabschef ist. Doch wir kennen ihn. Deng sieht sich Dschang Tschun-tjiao als politischem Leiter gegenüber, und an der Stelle eines Verteidigungsministers (den es noch nicht wieder gibt) steht ein Greis, der mehr Tschou En-Jais Strömung zuneigt. An der Spitze der Wirtschaft steht (ohne an der Spitze zu sein) Li Hsiän-niän, allen - Tschou. Deng. Lin Biao, Mao - zutiefst ergeben, niemals aber dein Marxismus-Leninismus.

Dies ist die Lage in der Führung der Kommunistischen Partei Chinas, gar nicht zu reden von der Lage unten. Dort gibt es «Linke»., gibt es «Rechte», gibt es «Gemäßigte», gibt es, was immer man will. Alle tun so, als folgten sie Maos Linie, und sie sind tatsachlich gezwungen, ihr zu folgen, aus Angst vor den Schlägen, die sie im Fraktionskampf beziehen könnten. Doch dieser wird ausbrechen, wenn nicht gleich, so doch bald nach Maos Tod. Nun haben die Scharmützel begonnen: Der Bildungsminister ist ein Revisionist, er ist nicht in -Ordnung, usw. Die Kampagne gegen Liu wurde zur rückgeschraubt, auf der Tagesordnung steht nun die Kampagne gegen Lin Biao und Konfuzius. Bis wann wird sie weitergehen? Wird sie gerade abgeschwächt? Zwei Gedichte Maos wurden veröffentlicht, die gross herausgestellt werden. Was geht aus diesen Parabelgedichten hervor? Es ist nichts zu verstehen. Nach gewohnter Art spricht man weiter in Andeutungen, und es bedürfte eines Exegeten, sie zu interpretieren, so wie das Lin Biao seiner zeit tat.

Man schreibt einen nicht schlechten Artikel über die Diktatur des Proletariats, rührt weiter die Trommel gegen die Sowjetrevisionisten und unterstützt auf der anderen Seite die imperialistische amerikanische Politik. Taucht die Frage auf : wer dominiert bei Dlledem? Die Linken Djiang Tjing, Dschang Tschun-tjiao, Wang Hung-wen und Yno Wen-yüan oder die Rechten mit Deng und seiner Bande, oder die Gemäßigten, die Opportunisten, die Revisionisten wie Tschou und sein Kreis? Es ist unmöglich, etwas Genaues zu sagen. China bewegt sich «nach dem Trägheitsgesetz», es heisst, es sei dabei, sich ökonomisch und militärisch zu stärken, doch dass es ideologisch und politisch einen richtigen Kurs ginge, können wir nicht sagen. Das chinesische Volk ist tapfer, klug. arbeitsam, doch politisch und ideologisch wird es nicht auf einem richtigen Kurs geführt.

Es heisst, die Linken dominierten in der Führung, doch in der Politik der Partei und des Staates können wir keine sichtbaren Veränderungen feststellen. Es heisst, es gebe zahlreiche Leute Lin Biaos, und das könnte stimmen: außerdem sagt man, Tschou En-lai hahc ausser bei Mao nicht viel Unterstützung gehabt. Man sprich? davon, Dengs Leute seien dabei, die Macht zu ergreifen, andere wieder sagen, dies gelte für Lins Leute, doch wem soll man nun glauben und wem nicht? Alles muss man ausgehend von ihrer Politik, ihrer Ideologie, ihren Handlungen bestimmen. Gerade die aber sind rätselhaft, unklar, beim einen wie beim andern.

Was zeigt das? Meiner Meinung nach zeigt das, dass die kommunistische Partei Chinas keine richtige marxistisch-leninistische Linie hat, dass es in ihr Strömungen, Fraktionen, Schwankungen, also keine Stabilität gibt, weil keine marxistisch-leninistische Einheit des Denkens und Handelns vorhanden ist. Die Partei hat nicht wirklich das Kommando. Die Armee geht voran, doch sie steht nicht unter dem Kommando der Partei; die Wirtschaft geht voran, doch ebenfalls nicht unter dem Kommando der Partei; eine Politik 7ird gemacht, doch sie wird nicht von der Partei geleitet und ist nicht auf marxistisch-leninistischem Kurs.

Die Menschen, die Gruppen, die Fraktionen, die sich hinter Maos Namen verschanzen, leiten, prallen aufeinander, sagen heute hü und morgen hott. Chinas Zukunft, Chinas Morgen liegt also im Ungewissen. Wohin geht China? Wohin wird es gehen und wie wird es gehen? Man weiss es nicht. Unter den gegebenen Verhältnissen ist dieser Zustand, und das habe ich auch schon früher gesagt, gefährlich für die Revolution, für den Weltfrieden, für dh Sozialismus.

Chinas Haltung unserer Partei und unserer Volksrepublik gegen über ist erklärlich. Wir rücken nicht von unseren richtige Positionen ab, denn wir lassen uns vorn Marxismus-Leninismus leiten. Die Haltung der Chinesen uns gegenüber dagegen ist schwanend. Die Basis in China mag uns, spricht gut über uns. Die Führung; dagegen hält es mit Sprüngen. Einst sprach sie gut, dann sprach sie überhaupt nicht. Es ist leicht begreiflich, leicht erklärlich, dass dies, Haltung uns gegenüber nicht prinzipienfest, nicht marxistisch-leninistisch ist. Können sich die chinesischen Führer ändern? Kann es später schönes Wetter» geben? Bei den Chinesen ist alles möglich. Wir sind wachsam und verteidigen unsere Partei, .ihre marxistisch-leninistische Linie und die Republik. Wie heute werden wir auch in Zukunft für die Revolution arbeiten.

FREITAG,

23. JANUAR 1976

ZÖGERN- BEI . DER BESETZUNG VON TSCHOU EN-LAIS

FUNKTION!

Tschou En-lais -Tod,. So lesen wir., hat im chinesischen Volk tiefe Betroffenheit und grosse Trauer- ausgelöst. Und dafür gab es Gründe, denn Tschou war für es, nach Mao Tsetung, der hervorragendste, arbeitsamste Mann; ein ausgezeichneter Organisator und kluger Staatsmann.

Seit Tschou En-lais Tod ist nun schon einige Zeit verstrichen, doch wir sehen nichts davon, dass ein neuer Ministerpräsident bestimmt würde. Ich meine, China darf nach dieser seelischen Erschütterung - nicht ohne. Führer- des höchsten Exekutivorgans bleiben. China ist ein grosses Land mit vielen komplizierten Problemen, die gelöst w erden müssen. In unseren sozialistischen Ländern ist die Führung natürlich kollektiv. Das gilt auch für China; da es jedoch in der Führung der Partei dort zu nicht wenigen Vorfällen gekommen ist, darf man nicht zögern, darf man nicht Fraktionen sich entwickeln lassen. Denn auch wenn man sagt und schreibt, es gebe keine Fraktionen, so gibt es doch den Geist, die Strömung und die Leute Liu Schao-tschis. Sie leben, arbeiten und haben als Rehabilitierte Funktionen inne, sie intrigieren auf jeden rall, versuchen, wenn sie es können, die Macht zu übernehmen.

Es gibt den Geist, die Strömung und die Leute Lin Biaos und Tschen Bo-das, sie leben, arbeiten, haben als Rehabilitierte oder «Unbefleckte» Funktionen inne und intrigieren auf jeden Fall, versuchen ebenso, wenn sie können, die Macht zu übernehmen.

Es gibt auch «gemäßigte», «diplomatische» Elemente, wie Tschou es war, der sich auf Mao stützte und von da nach dort schwankte.

Leute mit Tschous Ansichten gibt es jede Menge, sowohl in der Führung als auch an der Basis.

Schließlich sollte es in der Partei und in der Staatsmacht auch wahre Marxisten-Leninisten geben, die die Kommunistische Partei Chinas, die Diktatur des Proletariats leiten, festigen und stählen, konsequent den Klassenkampf fortsetzen müssten.

Nun zögert man aber anscheinend, einen Ministerpräsidenten zu bestimmen. Weshalb? Ist dieses Zögern auf Verfahrensfragen oder auf einen Fraktionskampf zurückzuführen? Letzteres wäre gefährlich, und je schneller auf marxistisch-leninistischem Weg eine richtige Lösung gefunden wird, desto besser für China. In China haben wir auch schon eine andere Praxis erlebt: während der Kulturrevolution leitete in China die Regierung ohne Minister, nur mit Vizeministern. Auch jetzt mag man ohne Ministerpräsident regieren, nur mit stellvertretenden Ministerpräsidenten und Deng Hsiao-ping als erstem stellvertretenden Ministerpräsidenten. Das ist Maos Taktik: man macht einen Versuch, wartet ab, lässt sich Zeit, entscheidet dann, welche Fraktion dominieren soll bzw. welche Fraktion durch eine andere entmachtet werden muss, um dann endlich zu Beschlissen. Eine solche Linie ist nicht kontinuierlich, nicht stabil, denn sie hängt von einer Person ab, auch wenn sie kollektiv genannt wird, auch wenn dem Prinzip nach der demokratische Zentralismus besteht. Warten wir ab, wie sich die Dinge entwickeln.

DONNERSTAG,

29. JANUAR 1976

DIE CHINESEN ARBEITEN AUF DIE BLOCKADE GEGEN

ALBANIEN HIN

Der wichtigste Mann unter den chinesischen Spezialisten im Met411urgischen Kombinat in Elbasan hat damit begonnen, in übler Absicht einige Bemerkungen fallen zu lassen, die jeder Grundlage entbehren und nach Provokation riechen. Er kam zum Direktor des

Kombinats und zum Parteisekretär und sagte ungefähr folgendes: «Eure Leute unten in dem und dem Betrieb sagen zu unseren Genossen (den Chinesen): 'Ihr könnt gehen, denn wir (die Albaner) brauchen euch nicht mehr, es gibt von euch (den Chinesen) zu viele.' Deshalb haben wir auch einige zurückgeschickt. Es wäre gut, wenn es weniger, dafür aber gute chinesische Spezialisten gäbe, als viele und schlechte», fuhr er fort. «Wir sind Brüder, schafft deshalb unten Ordnung», usw.

Unsere Leute machten natürlich grosse Augen und sagten erstaunt zu dem chinesischen Genossen: «Was sagt ihr da? Wir brauchen euch hier sehr, und zwar nicht nur die, die schon da sind, sondern sogar noch mehr. Auf keinen Fall dürfen die chinesischen Genossen weggehen. Falls ihr irgendeinen von ihnen abziehen wollt, entscheidet selbst und gebt uns dann Bescheid. Aber sagt uns

doch bitte, was waren das für Leute von uns, die so etwas ohne unsere Erlaubnis getan haben?»

Der Chinese antwortete ihnen: «Wir können euch keine Namen nennen, sonst ergreift ihr Massnahmen und bestraft sie.» Und setzte dann sogar noch hinzu: «Einer (ein Albaner) hat einem unserer Leute auch in einem Brief seine Ansicht mitgeteilt, er (der Chinese) könne gehen, Die Unsrigen sagten zu ihm: «Dass ihr uns nicht die Namen unserer Leute mitteilen wollt, dass ihr uns nicht einmal den Brief gebt, überrascht uns. Was sollen wir denn dann machen? Wie sollen wir dieses Rätsel lösen?»

«Ergreif t unten Massnahmen», sagte er.

«Aber gegen wen denn, wenn wir die Schuldigen gar nicht kennen? Und außerdem, wie könnt ihr denn nur von zwei oder drei Leuten ausgehen, die möglicherweise sogar Provokateure sind und Unfrieden zwischen uns stiften wollen? Wir meinen, dass ihr über diese Fragen, wenn es Probleme zu lösen gibt, mit uns, den Leitern, sprechen müsst, und wir mit euch.»

In Wirklichkeit ist dies eine Provokation gegen uns, mit dem Ziel, jener Fraktion in Peking, die uns nicht gut gesinnt ist und nach einem Vorwand sucht, um die Arbeit an den Werken in unserem Land und ihre Fertigstellung zu verzögern oder zu behindern, aus der Luft gegriffene Waffen an die Hand zu geben. Das sind keine persönlichen Provokationen, sie sind mit Sicherheit befohlen. Das ist wirtschaftlicher Druck, um dann, vor unserem 7. Parteitag, auch zu politischem Druck überzugehen. Wir durchschauen solche Akte klar, denn wir kennen sie von früher, von anderen. Auch jetzt wirft uns die rechte Fraktion in Peking «den Handschuh hin», damit wir ihn aufnehmen und sie uns dann beschuldigen können, wir hätten zuerst angegriffen.

Deshalb habe ich den Genossen geraten, in den Gesprächen mit ihnen kühlen Kopf zu bewahren. Ich sagte ihnen, der stellvertretende Bauminister solle ins Kombinat gehen und sich «kameradschaftlich und brüderlich», wie die Chinesen zu sagen belieben, mit ihnen unterhalten. Zunächst, so riet ich ihnen; sollten sie die Direktoren und Parteisekretäre der Betriebe des Kombinats fragen, aus denen Glie Chinesen weggegangen sind. Die Genossen taten das auch, und alle unsere Leute dort antworteten: «Die Chinesen selbst sind gekommen und haben uns gesagt, der oder der werde gehen», worauf sie ihnen gesagt hätten: «Sie dürfen auf keinen Fall gehen, wir brauchen sie dringend. Trefft deshalb bitte Massnahmen, dass sie bleiben.»

Es zeigt sich klar, dass diese Sache absichtlich aufgezogen wurde. Doch die in Peking machen noch etwas anderes, viel schwerwiegenderes. Ein Beamter des chinesischen Industrieministeriums teilte unserem Handelsattaché in China mit, die Nickel-Kobalt-Fabrik, die laut Vertrag in einem Zug gebaut werden sollte, solle nun «in zwei Phasen errichtet werden».

Das ist eine weitere grosse Provokation. Wir werden sehen, was sich daraus ergibt, werden wir doch auf der Einhaltung des Vertrags besteh en.

Die Raffinerie in Ballsh ist fertig bis auf zwei oder drei Kompressoren, deren Lieferfrist überschritten ist.

«Wir experimentieren gerade damit», sagen sie uns.

«Wie lange müssen wir denn noch warten, wann werden die Tests endlich abgeschlossen? Wie wäre es denn, wenn ihr sie in Westdeutschland für uns einkauftet?» fragten wir bei ihnen an.

«Nein, wir haben keine Devisen», antworten uns die Chinesen.

«Dann stellen eben wir diese Devisen bereit, das ist doch keine grosse Sache», sagen wir ihnen. Doch auch darauf gehen sie ~nicht ein.

Was hat das zu bedeuten?! Uns ist das klar. Das ist Sabotage, Druck. Die Chinesen arbeiten auf die Blockade gegen Albanien hin. Wir werden vorsichtig sein, denn sie wollen uns die Schuld anhängen.

MITTWOCH,

11. FEBRUAR 1976

MAO SCHALTET UND WALTET NACH BELIEBEN

In China wurde eine neue Dazibao-Kampagne gegen «wichtige Leute an der Macht» eingeleitet, die während der Kulturrevolution verurteilt worden waren, unaufrichtig Selbstkritik übten und rehabilitiert wurden. Diese ehemals Verurteilten, die wieder hochgekommen sind, sind -genau die, die gesagt haben : «Ob schwarze oder weisse Katze, Hauptsache, sie fängt Mäuse» (eine Aussage von Deng Hsiaoping). «Diese Leute», heisst es in den Dazibaos, «werden, wenn sie sich der Linie Mao Tsetungs entgegenstellen, das gleiche Schicksal erleiden wie Liu Schao-tschi», usw. usf. Es heisst, an der Peking-Universität seien 45 Dazibaos über Deng Hsiao-ping aufgehängt worden. Er ist «von der Bühne verschwunden», schon seit er Tschou En-lai das De profundis las. Die ausländischen Nachrichtenagenturen berichten, in den Dazibaos werde auch Tschou En-Jais «ökonomistische» Politik attackiert.

Li Tjiang, der Handelsminister, erklärte unseren Genossen, Li Hsiän-niän liege herzkrank im Krankenhaus. Warum hat er uns das gesagt? Was schert uns denn dieser Revisionist, dieser schillernde Lakai, ein chinesischer Führer, der unsere Partei und unser Land niemals mochte?

Bekannt ist, dass Deng Hsiao-ping inzwischen nicht mehr als erster stellvertretender Ministerpräsident hervortritt.

Die ausländischen Nachrichtenagenturen sprechen offen davon, die linke, die radikale Gruppe, die Schanghaigruppe, habe die Macht übernommen. Doch was wirklich vor sich geht, wissen wir nicht. Vor ein paar Jahren holte Mao Deng aus der Versenkung, rehabilitierte ihn, machte ihn zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und stellvertretenden Ministerpräsidenten, der im Namen Tschou En-Jais schaltete und waltete. Und als Tschou im Krankenhaus war, machte er ihn zum Generalstabschef. Fehlte nur noch, dass er ihn, wie einst Lin Biao, zum «hervorragenden Waffengefährten des grossen Steuermanns» ernannte.

Was passiert nun? Mao stürzte Deng erneut. Wird er einen anderen auf den Schild :eben, um ihn dann eines Tages wieder zu stürzen und mit irgendeinem neuen Deng anzukommen? Was dort geschieht, ist ganz unverständlich, oder besser gesagt, man begreift, dass Mao schaltet und waltet, einsetzt, wen er will, den einen fallenlässt, den andern fördert die zwei Linien in der Partei und in der Staatsmacht beibehält uni anspornt. Jeder Parteitag in China hatte dieses Ziel, und Mao sorgt dafür, dass eine Gruppe von Machthabern gestürzt wurde und eine andere an ihre Stelle kam. Diese Politik ist opportunistisch, nicht revolutionär, nicht marxistisch-leninistisch. Sie weckt nicht Verrauen, im Gegenteil, sie diskreditiert und sabotiert den Aufbau eines wahrhaft sozialistischen Systems, eines Staats der Diktatur des Proletariats mit einer marxistischleninistischen Linie. Die chinesische Linie ist typisch kleinbürgerlich, verbrämt mit marxistischleninistischen Phrasen und Schlagworten. Die Fassade ist rot und wird so propagiert, der Inhalt jedoch ist weder rot noch sozialistisch. Und zu all dem lässt sich beim besten Willen nicht anders sagen, als: der Architekt dieses Gebäudes ist der grosse Steuermann».

MITTWOCH,

25. FEBRUAR 1976

CHINESISCHES RÄTSEL, MAOISTISCHER WIRRWARR

In China gär t es. Gleich nach Tschou En-lais Einäscherung brach mit aller Kraft ein Feldzug gegen die Rechten los, gegen die «wichtigen Leute in der Führung, die den kapitalistischen Weg eingeschlagen haben», gegen diejenigen, die «gegen die Kulturrevolution waren», gegen «diejenigen, die rehabilitiert wurden und erneut den Kampf gegen die Linie des grossen Steuermanns aufnahmen». Die Zeitungen und Zeitschriften sind voll von Artikeln, in denen diese Strömung, diese «Pest» gebrandmarkt wird. Nach chinesischer Sitte werden vorläufig noch keine Namen genannt, doch man setzt «Chinas zweitem Chruschtschow», der «Hauptfigur nach Liu Schaotschi», einem «Feind wie Liu und Lin» und dergleichen mehr den Hut auf. Selbstverständlich ist die Rede von Deng Hsiao-ping. Seit einem Monat ist er nicht mehr auf der Bildfläche erschienen, es ist aus mit seinem Ruhm, die Empfänge und Verabschiedungen als Stellvertreter des Ministerpräsidenten Tschou En-lai hat nun ein anderer übernommen, ein Feng oder Fang, dessen Namen wir uns noch nicht eingeprägt haben, kommen doch diese Leute heute hoch und stürzen morgen wieder. Das ist Maos Taktik: Deng entlarvt er nicht, und in dem Neuen sieht er auch nicht den Ministerpräsidenten.

Für mich ist klar, dass der Schlag gegen Deng sich auch gegen Tschou En-lai, Li Hsiän-niän und ihre Gruppe richtet. Doch wer führt den Schlag gegen sie? Mao?! Ich glaube nicht. Mao ist Opportunist. Es heisst, es seien die «Linken, Radikalen» wie Wang Hungwen, Djia.ng Tjlng, Yao Wen-yüan und Dschang Tschun-tjiao. Das ist absolut möglich. Doch wie lange, wie weit wenden sie diese Kampagne führen? Man weiss es nicht, das ist Maos Sache, der bis gestern Tschou die Stange hielt, während er heute ihnen, den .,Linken» sagt: «Macht ihr nur eure Revolution.»

Was aber hat sich in diesem ganzen Durcheinander geändert? Was ändert sich? Wechseln die Leute, ändert sich die Politik oder die Ideologie? All das geht von Tag zu Tag mehr nach rechts, besonders die Aussenpolitik, die von der Ideologie ihren Anstoss erhält, geleitet wird. Nichts gerät in Bewegung, die Amerikaner bleiben Freunde der Chinesen, die Sowjets Feinde. Doch auch in der proamerikanischen Politik Maos machen sich unvorstellbare Absonderlichkeiten bemerkbar. Während die «linke Kampagne» läuft, und es in China wie in einem Kessel brodelt, wird Amerikas Expräsident Nixon, der Watergate-Gauner, der übelste Antikommunist und Faschist, nach China eingeladen und auf dem Flughafen vom Ministerpräsidenten mit einem Anhang von vielen tausend Menschen empfangen, die amerikanische Fahnen schwenken und ihm zujubeln!!!

Das ist das chinesische Rätsel, der maoistische Wirrwarr.

Für die ganze Welt ist dies unbegreiflich - mit gutem Grund. Meine Erklärung dafür ist die: Mao ist mitsamt den ihm nahestehenden Genossen von allen guten Geistern verlassen. Er glaubt, er betreibe eine grosse, kluge Politik. Seine Absicht, sein strategisches Ziel ist: die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion vertiefen. Die Sowjetunion hält er für den Hauptfeind, deshalb haben wir, seiner Meinung nach, alle T1-räfte gegen ihn zu sammeln. Mao sagt: «Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion wird in Europa stattfinden.»

Bei Nixon war sich Mao ziemlich sicher, dass diese seine Strategie durchgehen würde, doch in diesem Fall ist er in der Tat «hereingefallen». Bei Ford dagegen ist er sich nicht sicher, deshalb hat er íhn kühl empfangen. Auch Ford seinerseits trat offen gegen Maos Strategie auf. Da will nun der «geniale» Mao «Ford und die Vereinigten Staaten von Amerika schockieren», all die in den neuen Skandal um die Schmiergelder von Nixon und seiner Regierung verwickelten faschistischen Regierungen und Staatsmänner in Europa und überall sonst auf seine Seite ziehen - und lädt Nixon nach China ein, wo man ihn mit großem Pomp empfängt, so als sei er noch Präsident. Und tatsächlich will Mao mit dem, was er da tut, zum Ausdruck bringen, dass er nicht einverstanden ist mit den Anklagen gegen den «wunderbaren» Nixon, sagen: «Wenn ihr Amerikaner an einem guten Verhältnis zu China interessiert seid, müsst ihr Nixons Politik verfolgen, der, auch wenn er nicht Präsident ist, die amerikanischen Konzerne zu grossen Geschäften mit dem sozialistischen China drängt.» Der ganzen Welt dagegen sagt Mao: «Lasst mich in Ruhe! Ich bin der Vertreter eines grossen Staates und weiss, was ich tue!»

Anders können wir uns diese Dinge nicht erklären. Ob wir recht haben oder nicht, wird die Zeit erweisen.

Was den Verlauf der Ereignisse in China betrifft, so kann ich daraus folgendes ableiten: Vor allem ist Mao Tsetung kein konsequenter Marxist-Leninist, obwohl man ihn «Theoretiker», «Philosoph», ja sogar «Klassiker» des Marxismus-Leninismus genannt hat. Er neigt zum rechten Flügel der Linken. In Wirklichkeit ist er kein Mann der Tat.

Als Mao an die Spitze der Partei kam, erwies er sich als der Rechteste der Linken, seine wirklichen Positionen waren zentristisch, sie bremsten weder die Linksradikalen, noch waren sie ein Schlag für die Rechten. Die Rechten, ,besonders einige Hauptführer dieses Flügels, schaltete er nach aussen hin aus, liess sie aber zugleich in Villen «vegetieren» und gab ihnen auch ihr Gehalt, ob nun im Inland oder im Ausland wie Wang Ming in Moskau. Die Linken duldete er so lange, bis sie die Macht ergriffen. In der Zeit nach der Befreiung leiteten Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping, Tschou En-lai und ihr Flügel China, die Partei, die Wirtschaft, die Armee unter der Fahne Maos, den sie zum Gott machten und im Tempel einschlossen. Mao wurde zwar göttlich, hatte aber in Wirklichkeit nichts zu sagen. Doch stand Mao etwa in Opposition zu ihnen? Nein, er billigte ihre Ansichten, weil sie seinen Anschauungen entsprachen.

Diese «Linken» wollten weitergehen und waren bemüht, dementsprechend zu handeln: die «Linken» verwandelten sich auf einmal in Rechte, sie zahlten den Kapitalisten, die Leitungsposten behielten, weiter Renditen und waren einig mit den Chruschtschowianern. Dies gefiel Mao nicht, der in Worten eifrig für Chruschtschow war. Als der jedoch China nicht die Atombombe gab und nach Washington reiste, um mit den Amerikanern Freundschaft zu schliessen, da war Mao empört, wollte er sich doch selbst mit den Amerikanern verbinden. Da er aber sah, dass im Land das Trio LiuDeng-Tschou die Macht hatte, blieb Mao nichts anderes übrig, als die Hungweibings in die «Revolution» zu werfen, seine Fama auszuschlachten, um die «Hauptquartiere» anzugreifen.

So kam es zur Kulturrevolution. Liu und Deng wurden entlarvt, während Tschou als der «Seiltänzer», der er war, das sinkende Schiff «Liu-Deng» verliess und Lin Biaos «Rotes Buch» erhob, ohne dabei auch nur ein Jota von seinen rechten Anschauungen abzugehen. Tschou erwies sich als Organisator, Wirtschaftler, Politiker, doch als wankelmütiger Politiker. Liu brauchte ihn, und Tschou diente ihm. Nach dem Sturz von Liu-Deng brauchte auch Mao Tschou, behielt ihn also auch während der Kulturrevolution an der Spitze der Regierung, beschützte ihn sogar vor den Angriffen dieser Revolution. Während dieser ganzen Zeit des Chaos bewies Tschou, wie geschickt er manövrieren konnte. Er kam unter den Pantoffel von Mao, Djiang Tjing, Lin Biao und bemühte sich zugleich, seine Stellung zu festigen, was Mao recht war, hatte er doch keinen anderen von Tschous Kaliber, der ihm die Arbeit machte.

Unter diesen Umständen, während all dies geschah, sammelte Tschou alle seine Leute, die Leute Lius und Dengs um sich, katzbuckelte vor Lin Biao und wurde so zum Feuerlöscher der Kulturrevolution. Lin wurde zum Teufel gejagt, während Tschou mit seinem Apparat der «Erste» hinter Mao blieb, der in seinem Turm sass. Tschou wurde auch in dieser Periode unersetzlich für Mao. Er erstickte die Revolution, rückte die Wirtschaft an die erste Stelle, brachte seine Kader an die Macht und wartete auf Maos Tod, um dann das gesattelte Pferd zu besteigen. Nun kamen aber einige Junge in die Partei- und Staatsführung. Tschou akzeptierte sie, weil sie «Gewächse» der Kulturrevolution waren, hoffte aber, sie später abernten zu können. Ob Mao wohl wusste, wer Tschou war? Meiner Meinung nach schon, doch er brauchte Tschou und passte sich seinen polltisch-ideologischen Schwankungen an.

Beide, Mao wie Tschou, sorgten für die Zukunft. Mao für seinen Teil brachte einige Junge in die Führung, um sie im Schatten seines eigenen Kults zu formen. Für Mao stellten sie den «linken Flügel» seines ideologischen Spiels dar. Der an Krebs er krankte Tschou kümmerte sich ebenfalls um Erben für später. Es war demnach nur natürlich, dass Deng Hsiao-ping rehabilitiert werden musste, um als künftiger «Chef der rechten Linie» Tschous Kurs fortzuführen. Mao segnete diese Initiative Tschous ab, denn er wusste, dass dieser sterben würde, und dachte, im Vergleich zu Tschou sei Deng, der in der Kulturrevolution bereits entlarvt worden war, weitaus weniger gefährlich. So setzte sich Deng in Trab und hielt Schritt mit dem Herannahen von Tschous Ende.

Tschou starb. Mao war ein Stein aus dem Weg geräumt, ebenso den Jungen, die mit Maos «Erlaubnis» Dengs Entlarvun.g begannen. «Eine kleine Revolution, bei der kein Blut vergossen wurde», sondern Tinte. Denn Mao weiss wohl, dass die Jungen mit älteren und alten Kadern zusammen regieren müssen, die in ihrer überwiegenden Mehrzahl auf Tschou En-Jais Linie standen und stehen. Also: «Jagt einige der wichtigsten Leute davon, danach setzt das alte Spiel der zwei Linien fort. Wenn die Linken allzu radikal geworden sind, lassen wir die Rechten von der Kette, und so weiter.»

MITTWOCH,

3. MARZ 1976

DIE GEGENWART IST UNDURCHSICHTIG - MAN WEISS

NICHT, WAS DIE ZUKUNFT BRINGEN WIRD

In China wird ein Riesenlärm veranstaltet gegen den «neuen Chruschtachow Chinas», gegen die «rechten Feinde», die «Agenten der Kuomintang», gegen jene, die «die Macht ergreifen wollen», die «Spaltung ins Zentralkomitee der Partei getragen haben», die «gegen die Linie Mao Tsetungs sind» usw. Wer ist dieser Feind? Es ist Deng Hsiao-ping, das «kleine Goldstück», wie ihn Mao nannte, der durch die Kulturrevolution als «Feind Nr. 2 Chinas» nach Liu Schao-tschi entlarvt und vor drei Jahren von Mao nicht nur rehabilitiert, sondern sogar zum ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt wurde, also praktisch zum Ministerpräsidenten (da Tschou im Sterben lag). Mao ernannte ihn auch zum Mitglied des Politbüros, zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und zum Generalstabschef. Und jetzt? Krach! Bum! Die Festung, der Dengkult, wurde geschleift. Es war Mao, der sie schleifte, heisst es. Doch warum hob er Deng auf den Schild, um ihn dann zu stürzen? «Weil er Verschwörung betrieb, weil seine Selbstkritik unaufrichtig war.» Der «grosse Steuermann» ist sehr wachsam!

Wer beherrschte China: Mao Tsetung und Tschou En-lai? Oder leitete die Kommunistische Partei Chinas? Schwer zu entscheiden. Doch wie sich in der Praxis zeigt, eher die .beiden als die Kommunistische Partei Chinas. Mao war das Banner, in Wirklichkeit war Liu aktiv und herrschte. Dann wurden Liu und Deng gestürzt und es kamen Lin Biao und Tschen Bo-da. Auch sie wurden gestürzt, und Tschou regierte mit Li Hsiän-niän und den Rechten, die Deng und seine Kumpane rehabilitierten. Auf einen Schlag wurde Deng allmächtig! Aus dem Erziehungslager wurde er direkt in die UNO, nach Frankreich und an die Spitze der «dritten Welt» geschickt, Deng gab den sowjetischen Hubschrauber und die Spione frei und versetzte dem sozialistischen Albanien sowohl in der- Wirtschaft als auch in der Militärhilfe Schläge. Deng war bis in die Wolken geklettert, er griff nach dem Himmel, doch eines ''Tages starb Tschou En-lai. Deng fand sich unten wieder, am Fuss dir Leiter...!

Man begann also nach chinesischer Sitte mit Dazzibaos ohne Adressaten, doch letzthin tauchen auch schon die Nannen sowohl des «Schwiegersohns als auch des Schwiegervaters», sowohl Dengs als auch Tschous auf. Der Name des Letzteren jedoch sehr zaghaft, denn Tschou ist tatsächlich das Haupt der Rechten und sehr gut angeschrieben bei der inneren und internationalen Bourgeoisie, die von ihm gesagt hat, er sei «der Klügste, der Höflichste, der gewitzteste Diplomat, ein echter Mandarin». Das Tamtam geht weiter;, doch euch Deng behält weiter seine Posten. Zusammen mit Li Hsiäni-niän ist er zwar in den Schatten getreten, doch wer weiss, vielleicht leistet das «kleine Goldstück» eine weitere Selbstkritik, und der «grosse Steuermann» verzeiht ihm noch einmal.

Wie dem auch sei, was geschehen wird, kann niemand voraussehen. Die chinesische Politik hat ihre spezielle Ideologie mit chinesihen scher Bezeichnung, sie hat ihre eigene, ebenfalls chinesische Strategie und Taktik! Man weiss nicht, was die Zukunft bringt, und heute herrscht das Chaos! Einerseits «kämpft» das chinessische Volt gegen die Rechten, auf der anderen Seite platzte es fast vor unbändiger Freude und hemmungsloser Begeisterung beim Anblick dei Faschisten, des ehemaligen Gaunerpräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Nixon. Das ist Maos «geniale» Politik. Hier ist man mit seinem «Latein» am Ende: Mao war erst für Chruschtscchow, da" gegen ihn, umso mehr, als dieser nach Washington fuhr; später küsste er sich höchstpersönlich mit Nixon ab. Tschou, der es mehr mit Liu und Chruschtschow gehalten hatte, vereinigte sich mit Mao gegen Chruschtschow und für die Vereinigten Staaten vom America. Es kam Deng, der als Mitarbeiter Lius prosowjetisch eingestellt seil musste. Doch er wurde proamerikanisch, weil er sich tarnen, so tun musste, als sei er in jedem Fall auf Maos Seite.

Was wird nun geschehen? Das, was Mao sagt! Es heisst, die Linken seien dabei, die Macht zu ergreifen, doch das Verhältnis mit Amerika wird noch unzertrennlicher, da «das arme Ding» angeblich «geschwächt ist und Hilfe braucht», weil die Sowjets gefährlich werden.

In China herrscht gegenwärtig ein Tohuwabohu. Die Chinesen erklärten den Genossen unserer Botschaft: «Wir sind nicht in der age, die albanischen Studenten vor der Reaktion zu schützen.» Wer hat also die Situation dort in der Hand, die Kommunisten oder die Reaktion? «Man muss das Wasser aufrühren, damit es sich klärt», hat Mao gesagt. Warten wir also ab, bis es sich klärt.

VLORA, DONNERSTAQ,

1. APRIL 1976

WO STAND CHINA UND WO GEHT ES HIN?

China wurde und wird von den Chinesen «Tsung Go» genannt, auf französisch «l'Empire du Milieu» (so nannte man es schon in uralter Zeit). Also : «das Reich der Mitte». Warum aber «Reich der Mitte»? Weil die Chinesen über Dutzende von Jahrhunderten hinweg (es gibt archäologische Funde, die 5 000 Jahre alt sind) ihr Land für den «Mittelpunkt der Welt» hielten. Dieser «Mittelpunkt der Welt» hatte eine grosse, uralte Kultur, nicht erst, seit Marco Polo es festgestellt hat. Sie ist möglicherweise älter als die der Ägypter und der Sumerer, die als die Völker mit der ältesten Kultur der Erde angesehen werden.

Selbstverständlich ist dieses Wort «Tsung Go», das die Chinesen noch immer weiterverwenden, keine bloss historische Bezeichn ung, sondern Ausfluss einer Weltanschauung, die sich in vielen tausend Jahren durch alle chinesischen Generationen hindurch herausgebildet hat und, bewusst oder unbewusst, auch heute noch erhalten ist.

Die Religionen des Buddhismus und des Konfuzianismus, auf den «aufmerksam zu machen», den «zu bekämpfen» Mao Tsetung allzuspät eingefallen ist (und das verband er dann auch noch mit dem Kampf gegen Lin Biao), haben bei den Chinesen zusammen mit ihren mystisch religiösen und philosophischen Weltanschauungen, ihren Organisations- und Leitungsformen, ihren geschriebenen und ungeschriebenen Sitten auch die Idee des «Tsung Go» verwurzelt. Natürlich wurde die alte chinesische Kultur nicht zur Kultur des chinesischen Volkes, sondern blieb eine Kultur der Mandarine. Die Schriftsprache blieb das Privileg der Kaiser und der Mandarine, der «Kriegsherren», die Chinas Völker unterdrückten und ihnen das Blut aussaugten.

Im Verlauf seiner Geschichte wurde China oft von Fremden angegriffen und kämpfte gegen sie, doch oft übten die Fremden dort auch ihren Einfluss aus und schufen eine eigene Organisation und Leitung. Doch wenn die Kultur der Besatzer auch ihre Spuren hinterlies, so vermochte sie doch die reiche und uralte chinesische Kultur nicht zu assimilieren. Natürlich geschah das Gegenteil.

Die Religion hatte in China ihren eigenen Kult hervorgebracht, den Kult des Buddhismus. Und mit diesem verknüpfte sie den Kult des «Tsung Go», sie nährte und verstärkte bei den Chinesen die Theorien des Konfuzius. Der Buddhismus und der Konfuzianismus züchteten dort eine Feindlichkeit allem Ausländischen gegenüber, wie auch den Grössenwahn in bezug auf alles, was zu ihnen, zum «Tsung Go» gehörte. Alles war mit diesen religiösen und ethischen Welt

anschaujungen verknüpft. Das und die jahrhundertslange grosse Armut machte den von den Kaisern und Feudalen unterdrückten chinesischen Bauern fatalistisch, arbeitsam und diszipliniert, patriotisch, xenophob, irgendwie verschlossen, argwöhnisch gegenüber Fremden, seien es Landsleute oder Ausländer. Er handelte immer so, drückte seine Gedanken immer so aus, dass es schwer war, seine «wirkliche Meinung herauszufinden, zu erkennen, worum es ging. Mit anderen Worten, im Denken und Handeln war der Chinese nicht offen, nicht aufrichtig, sondern gewiegt im Herauswinden und listenreich. Und oft genug verwandelten sich diese ursprünglich der Verteidigung dienenden Merkmale in eine Angewohnheit, zu heucheln.

Doch im Lauf der Jahrhunderte, besonders in unseren Tagen, änderten sich der Charakter, der Glaube und die Sitten der Menschen, sie machten eine tiefgreifende Evolution durch, allerdings ohne ihre alten Merkmale völlig einzubüssen. Auch nach der endgültigen Befreiung von den Fremden, nach der Schaffung der

Volksrepublik China, nach der von der Kommunistischen Partei Chinas geführten Revolution blieb China bis zu einem gewissen Grad ein «verschlossenes» Land. Unter der Maske einer volksdemokratischen Regierungsform und unter Leitung und Führung der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetungs nahm China trotz der Umwälzungen, die sein Volk durchführte, doch eine misstrauische Haltung ein. Es knüpfte «Freundschaften», doch sie waren zeitwei1?g. Seine Türen wurden bzw. blieben der fortschrittlichen Weltkul

VLORA, DONNERSTAG,

1. APRIL 1976

WO STAND CHINA UND WO GEHT ES HIN?

China wurde und wird von den Chinesen «Tsung Go» genannt, auf französisch «l'Empire du Milieu» (so nannte man es schon in uralter Zeit). Also: «das Reich der Mitte». Warum aber «Reich der Mitte»? Weil die Chinesen über Dutzende von Jahrhunderten hinweg (es gibt archäologische Funde, die 5 000 Jahre alt sind) ihr Land für den «Mittelpunkt der Welt» hielten. Dieser «Mittelpunkt der Welt» hatte eine grosse, uralte Kultur, nicht erst, seit Marco Polo es festgestellt hat. Sie ist möglicherweise älter als die der Ägypter und der Sumerer, die als die Völker mit der ältesten Kultur der Erde angesehen werden.

Selbstverständlich ist dieses Wort «Tsung Go», das die Chinesen noch immer weiterverwenden, keine bloss historische Bezeichn ung, sondern Ausfluss einer Weltanschauung, die sich in vielen tausend Jahren durch alle chinesischen Generationen hindurch herausgebildet hat und bewusst oder unbewusst, auch heute noch erhalten ist.

Die Religionen des Buddhismus und des Konfuzianismus, auf den «aufmerksam zu machen», den «zu bekämpfen» Mao Tsetung allzuspät eingefallen ist (und das verband er dann auch noch mit dem Kampf gegen Lin Biao), haben bei den Chinesen zusammen mit ihren mystisch religiösen und philosophischen Weltanschauungen, ihren Organisations- und Leitungsformen, ihren geschriebenen und ungeschriebenen Sitten auch die Idee des «Tsung Go» verwurzelt. Natürlich wurde die alte chinesische Kultur nicht zur Kultur des chinesischen Volkes, sondern blieb eine Kultur der Mandarine. Die Schriftsprache blieb das Privileg der Kaiser und der Mandarine, der «Kriegsherren», die Chinas Volker unterdrückten und ihnen das Blut aussaugten.

Im Verlauf seiner Geschichte wurde China oft von Fremden angegriffen und kämpfte gegen sie, doch oft übten die Fremden dort auch ihren Einfluss aus und schufen eine eigene Organisation und Leitung. Doch wenn die Kultur der Besatzer auch ihre Spuren hinterlies, so vermochte sie doch die reiche und uralte chinesische Kultur nicht zu assimilieren. Natürlich geschah das Gegenteil.

Die Religion hatte in China ihren eigenen Kult hervorgebracht, den Kult des Buddhismus. Und mit diesem verknüpfte sie den Kult des «Tsung Go», sie nährte und verstärkte bei den Chinesen die Theorien des Konfuzius. Der Buddhismus und der Konfuzianismus züchteten dort eine Feindlichkeit allem Ausländischen gegenüber, wie auch den Größenwahn in bezug auf alles, was zu ihnen, zum «Tsung Go» gehörte. Alles war mit diesen religiösen und ethischen Weltanschauungen verknüpft. Das und die jahrhundertlange grosse Armut machte den von den Kaisern und Feudalen unterdrückten chinesischen Bauern fatalistisch, arbeitsam und diszipliniert, patriotisch, xenophob, irgend wie verschlossen, argwöhnisch gegenüber Fremden, seien es Landsleute oder Ausländer. Er handelte immer so, drückte seine Gedanken immer so aus, dass es schwer war, seine wirkliche Meinung herauszufinden, zu erkennen, worum es ging. Mit anderen Worten, im Denken und Handeln war der Chinese nicht offen, nicht aufrichtig, sondern gewiegt im Herauswinden und listenreich. Und oft genug verwandelten sich diese ursprünglich der Verteidigung dienenden Merkmale in eine Angewohnheit, zu heucheln.

Doch im Lauf der Jahrhunderte, besonders in unseren Tagen, änderten sich der Charakter, der Glaube und die Sitten der Menschen, sie machten eine tiefgreifende Evolution durch, allerdings ohne ihre alten Merkmale völlig einzubüssen. Auch nach der endgültigen Befreiung von den Fremden, nach der Schaffung der Volksrepublik China, nach der von der Kommunistischen Partei Chinas geführten Revolution blieb China bis zu einem gewissen Grad ein «verschlossenes» Land. Unter der Maske einer volksdemokratischen Regierungsform und unter Leitung und Führung der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetungs nahm China trotz der Umwälzungen, die sein Volk durchführte, doch eine misstrauische Haltung ein. Es knüpfte «Freundschaften», doch sie waren zeitweilig. Seine Türen wurden bzw. blieben der fortschrittlichen Weltkultur verschlossen, und alles, jede Evolution, versuchte es, unter «hermetischem Abschluss» zu machen. Alles Ausländische, auch die marxistisch-leninistische Theorie, die man als «führende Idee übernahm, erfuhr Veränderungen, und zwar auf eklektizistische, angeblich auf die Bedingungen Chinas zugeschnittene Art und Weise.

Auch nach dem Sieg der Revolution nahm die chinesische Kultur keine stürmische Entwicklung. Es gab nicht einmal eine Säuberung von den alten rückschrittlichen und reaktionären Theorien, die für eine nationale und revolutionäre Kultur nötigen soliden Grundlagen wurden nicht gelegt. Tatsache ist, dass nach der Grossen Kulturrevolution, die andere Ziele hatte, Parolen ausgegeben und einige «revolutionäre Ballette» geschaffen wurden, die man als das Allerhöchste, als die Grundlagen einer revolutionären Kultur wertete.

Die gesamte chinesische Kultur war und bleibt eingeschnürt in die alte konfuzianische Kultur. Was die Maoisten «revolutionäre Kultur» nennen, ist alltägliche politische Zeitungspropaganda. Die Schulen bleiben entweder geschlossen, oder man pfropft dort oberflächliches Wissen auf. Die «Kultur» wird beschränkt auf den Kampf gegen Gao Gang, Peng Dö huai, Liu Schao-tschi, Lin Biao und Deng Hsiao-ping, nicht zu vergessen Konfuzius, in dessen Topf man bei dieser Gelegenheit all diese Bosse steckt.

Die ideologisch-politische Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas ist merkwürdig, und das nicht ohne Grund. Sie hat sich abgekapselt gegenüber dem Ausland, insbesondere gegenüber den Kommunistischen und Arbeiterparteien, den Bruderparteien. Meiner Ansicht nach gibt es dafür eigene Gründe grundsätzlicher Natur. «Unsere schmutzige Wäsche waschen wir im eigenen Haus, die anderen brauchen nichts davon zu wissen.» In der Kommunistischen Partei Chinas wurden seit ihrer Gründung Linienfehler begangen, die tiefe Spuren hinterlassen habein und dazu führten, dass die Linie der Partei unbeständig ist, mit einem ausgeprägten rechtsopportunistischen Zug. Doch welche Fehler wurden nun tatsächlich gemacht und welchen Charakter tragen sie? Dazu gibt es kein Dokument, keine Analyse. Man findet politische Artikel voller allgemeiner Formeln, in denen die Namen der «wichtigsten parteifeindlichen Elemente» aufgezählt werden. Die Kommunistische Partei Chinas hat ihre Geschichte noch nicht offiziell niedergeschrieben. Es gibt unzusammenhängende, episodische Schriften, die vollkommen unverbindlich geschrieben sind. Sie werden heute vertrieben und morgen aus dem Verkehr gezogen, und andere Schriften mit anderen Ideen erscheinen. Öffentlich bekannt sind nur die Berichte ihres 8., 9. und 10. Parteitags. Sie alle und nur sie betrachtet man als richtig. Kein Absatz wurde daraus entfernt, obwohl sie gewaltige Fehler enthalten. Sie stehen unter dem Zeichen Maos, denn es waren ja die Fehler Maos, Lius, Dengs und Tschous. Wenn also die Fehler in der Linie bereinigt würden, was passierte dann wohl mit der Autorität von Mao, der an der Spitze der Partei stand?

Dann gibt es auch noch die vier Bände mit Schriften Maos aus der Zeit des Kriegs. Sie wurden gesammelt, «zurechtgemacht und ausgeschmückt», damit man meinen soll, sie gründeten auf der marxistisch-leninistischen Theorie. Diese Schriften erschienen einige Jahre nach der Befreiung 'Chinas, und es heisst, sie seien von dem sowjetischen Philosophen Jüdin, der Botschafter in China war, zurechtgebogen worden. Andere Werke Maos gibt es nicht. Man kämpft mit seinen alten eklektischen Zitaten. Was hat dieser «grosse Theoretiker» während all dieser Jahre getan? Gedanken geäussert, gesprochen, für eine Reihe grosser Probleme eine Lösung gefunden? Fast nichts davon ist veröffentlicht. Nur dass man in der Propaganda die «Maotsetungideen» mit dem Marxismus-Leninismus gleichsetzt. Es gibt sogar Lakaien Maos, die sein Bild in der Reihe der Klassikerfotografien hinter Engels und vor Lenin gesetzt haben.

Was ergibt sich aus alledem? Dass in der Entwicklung und im Kampf der Kommunistischen Partei Chinas die Wahrheit verschleiert und Mao Tsetung künstlich hochgespielt wird. Die Fahne des antimarxistischen chinesischen Größenwahns wurde entfaltet, der Maokult ist auf das Mass des Konfuziuskults angewachsen. Alles, was Mao tut, alles, was er sagt, ist «richtig». Alle haben sich dem zu fügen, was Mao sagt. Vernunft ist nicht erlaubt, nur Fanatismus.

Ich habe schon betont, dass in der Kommunistischen Partei Chinas von Beginn an viele Linienfehler begangen wurden. Doch auf welchen Grundlagen wurde die Partei in China gebildet? Man weiss es nicht. Mao selbst hat darüber nichts oder nur wenig geschrieben, doch auch dieses Wenige ist unbekannt. In den vier veröffentlichten Maobänden werden Fragen der Politik und der Linie de: Partei behandelt, ist von ihrer Organisierung die Rede. Mao versucht darin, Marx und Lenin zu paraphrasieren, gibt aber allem den Anstrich einer theoretischen Lektion mit der Absicht, Kader zu erziehen bzw. als anerkannter Theoretiker zu erscheinen und sich als 'solcher aufzuspielen. Der aktive Kampf der Partei, die Fraktionskämpfe, der Klassenkampf innerhalb und außerhalb der Partei findet darin keinen oder nur sehr wenig Niederschlag. Nein, darin sind zwar angeblich seine Theorien, doch in Wirklichkeit sind das nur bruchstückhafte Paraphrasen von Marx oder Lenin. Stalins Gedanken sind in diesen Bänden nicht zu finden. In China findet man Stalin nur auf einem Porträt am Tienanmenplatz.

In der Kommunistischen Partei Chinas hat es viele Fraktionen gegeben. Das lag daran, dass der Marxismus-Leninismus nicht uneingeschränkt die Grundlinie der Partei war. So muss es schon bei der Gründung der Partei gewesen sein, denn ihre Protagonisten, Mao, Tschou En-lai, Tschu Teh, ganz zu schweigen von den Li Lisans und den anderen, waren keine geformten Marxisten und unternahmen auch nicht die erforderlichen Anstrengungen, sich den Marxismus-Leninismus anzueignen. Sie wollten die nationale und soziale Befreiung Chinas, doch die Idee des Kommunismus und seine Ideologie dürften diesen Genossen nicht klar gewesen sein.

Chinas Abkapselung schloss auch Mao und Tschou in dieser Umgebung ein. Sie blickten nicht über China hinaus, und gewiss verquiekten sich in ihren ursprünglichen Vorstellungen, die sie zur Revolution führten, viele nationale, bürgerliche, demokratische, fortschrittliche und mystische Ansichten. Was die Republik Sun Yatsens anbelangt, von der sie positiv reden, so gibt es keinerlei klares Material der Kommunistischen Partei Chinas, in dem wir auch nur die geringste kritische Stellungnahme finden würden. Heute wie damals werden die Dinge im Nebel belassen, gibt es Meinungen und Interpretationen jeder Art. Das heisst: «Pick dir heraus, was dir passt.» Was über diese revolutionäre und fortschrittliche Epoche geschrieben wurde, stammt mehr und hauptsächlich von Ausländern. Für die Chinesen fängt Chinas Erwachen und Kampf bei Mao an und endet 'bei Mao.

Sun Yat-sen war eine grosse Persönlichkeit, er hatte ein richtiges Verständnis vom Wert der Freundschaft mit der Sowjetunion Lenins, der China die Hand reichte und ihm Hilfe und Unterstützung gab. Die Kommunistische Partei Chinas war zu jener Zeit gerade erst gegründet worden, und ihr Einfluss unter den Massen war natürlich gering, während Sun Yat-sen und die Kuomintang grossen Einfluss hatten. Über die Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas zu jener Zeit, wie sie sich mit ihnen verband und wie sie kämpfte, können wir keinerlei sichere Aussagen treffen, bzw. wir können uns bei unseren Aussagen nur auf das stützen, was die Ausländer geschrieben haben, denn nur sie hatten Analysen gemacht. Ihre Analysen lassen sich allerdings von anderen Prinzipien und Absichten leiten, so dass wir uns nicht auf sie stützen können. Die Tatsachen belegen, dass die Sowjetunion zu Lebzeiten Lenins und Stalins die Freundschaft mit China und der Kuomintang wahrte und pflegte, sowohl als Sun Yat-sen noch lebte, als auch, eine Zeitlang, nachdem Tschiang Kai-schek an seine Stelle getreten war.

Die chinesischen Kommunisten arbeiteten auf dieser Linie mit der Kuomintang zusammen, doch wie, wie viele und was für Widersprüche entstanden, warum sie entstanden, das können wir uns vorstellen, denn wir sind Marxisten und wissen, was Tschiang Kai-schek repräsentiert°. Die Kommunistische Partei Chinas hat, zumindest sc.weit wir wissen, diese Frage nicht untersucht und analysiert. Vom proletarischen chinesischen Staat und der Kommunistischen Partei Chinas wurde keine Geschichte des chinesischen Volkes verfasst. Alles, was wir über dieses grosse Problem gelesen haben, haben wir bei ausländischen und bürgerlichen Historikern, Wissenschaftlern l',nd Soziologen gelesen.

Wir wissen vieles nicht, doch was wir wissen, ist, dass die Kommunistische Partei Chinas «in petto»* *( hier: heimlich, hinter vorgehaltener Hand (it. im Original)) tönt: Die Komintern hat China gegenüber falsch gehandelt, denn Stalin hat Fehler gemacht (und laut Mao hat die Kommunistische Partei (B) der Sowjetunion den Fehler eingesehen), denn die Sowjetunion hat die Direktive gegeben, die Kommunistische Partei Chinas solle mit der Kuomintang zusammenarbeiten, als es nicht statthaft war, usw. usf. All das sagt man in Winkeln und auf Korridoren, und zwar meiner Meinung nach mit dem Ziel, Mao, «der niemals Fehler gemacht hat», aufzuwerten und Stalin, «der Fehler gemacht hat», herabzusetzen.

Was lässt sich aus all diesen Dingen, die niemals analysiert wurden, schliessen? Stalin und die Komintern haben in der allgemeinen Linie weder in bezug auf den revolutionären Kampf in China, noch in bezug auf das Bündnis der Kommunistischen Partei Chinas mit der Kuomintang Fehler gemacht. Mao und die Kommunistische Partei Chinas dagegen haben Fehler gemacht. Sie haben die Linie der Komintern veder richtig interpretiert noch richtig in die Praxis umgesetzt. Um China von den Kolonisatoren, vom militaristischen Japan zu befreien, war das Bündnis dieser beiden Kräfte, der Kommunisten und der fortschrittlichen Bourgeoisie, erforderlich. Möglich, dass in diesem Kampf, bei diesen Kontakten Leute wie Blucher Band andere Delegierte der Komintern, die sich als Trotzkisten entpuppten und verurteilt wurden, Fehler begangen haben, doch die Linie der Komintern, ein Bündnis der gegen Japan kämpfenden fortschrittlichen Kräfte in China herzustellen, war richtig. Tschiang Kai-schek beging Verrat, er trennte sich von den Kommunisten und versuchte, sie zu liquidieren. Er schwächte den Kampf gegen Japan ab und gab ihn auf. Das ist ein Problem, das eine dunkle, komplizierte Periode betrifft, für die man die Schuld nicht,wie die chinesischen Genossen das tun, Stalin und der Komintern zuschieben kann. «Stalin hat Fehler begangen», behauptet Mao, doch in Wirklichkeit ist es Mao Tsetung selbst, der Fehler begangen hat. Nicht nur damals wird er Fehler gemacht haben, auch jetzt hat er viele Fehler begangen, Fehler, die wir nun mit ihren bitteren Konsequenzen sehen. In China heisst es weiter, Mao habe niemals Fehler begangen, weder gestern noch heute, und auch morgen werde er keine Fehler machen. Für die Chinesen ist das ein Tabu, doch das ist eine antimarxistische Behauptung.

Die Einstellung Maos und seiner Genossen zur Sowjetunion der Zeit Stalins lässt Zweifel aufkommen. Sie war nicht richtig und offen. Wir zumindest wüssten nicht, dass es während der Zeit des chinesischen Befreiungskampfes Aversionen gegeben hätte, schon gar nicht von Seiten Stalins, der Sowjetunion und der Komintern. Einer der besten revolutionären marxistisch-leninistischen Führer Chinas, Kang Scheng, war der Veitretter der Kommunistischen Partei Chinas bei der Komintern, und e hat in dieser Hinsicht nichts Schlechtes gesagt.

Wir betrachteten das China der Zeit nach der Befreiung als einen Staat der Volksdemokratie, geführt von einer ruhmreichen kommunistischen Partei, an deren Spitze ein grosser Marxist-Leninist mit Namen Mao Tsetung stand. Wie alle unsere Länder, die befreit worden waren und die volksdemokratische Ordnung errichtet hatten, verband sich auch China eng mit der Sowjetunion und Stalin. Später erfuhren wir dann viel üb(r die wechselhafte Entwicklung der Kommunistischen Partei China; und der Kuomintang, über den «Langen Marsch», über Maos Freundschaft mit ausländischen Offizieren und Journalisten wie dem Amerikaner Edgar Snow und anderen, die sich bei seinem Stab befanden; wir erfuhren von den «fruchtbaren» Kontakten Maos und Tschous zu Wendemeyer und Marshall, die die Vergabe der amerikanische Hilfen an Mao und Tschiang organisierten, sowie über die chinaischen Lobbys in Washington. Das gab uns natürlich zu denken, doch wir hielten es für blosse Taktik und nicht für einen Hang zu den Vereinigten Staaten von Amerika, wie es sich später klar herausstellte. In Mao sahen wir einen Kommunisten, in seiner Partei sine kommunistische Partei und in China ein mit uns und in erster Linie mit der Sowjetunion und Stalin befreundetes sozialistisches Land.

Zu Lebzeiten Stalins war Mao einmal in Moskau, wo er mit ihm zusammentraf und sprach. Was für Gespräche sie führten, wissen wir nicht, doch wir können uns vorstellen, dass Stalin Mao sehr gut empfing und China sicherlich jede Hilfe zuteil werden liess, um die es ersuchte. Die Kommunistische Partei Chinas hat selbst offiziell erklärt, dass «sowohl Lenin als auch Stalin anerkannt haben, dass das zaristische Regime China Gebiete geraubt hat, die ihm zustehen und zurückgegeben werden müssen». Diese Erklärungen veröffentlichten die Chinesen, als China in Konflikt mit den Chruschtschowrevisionisten geriet.

Soweit wir es beurteilen können, behandelte Stalin China also als Freund, als sozialistisches Land. Die Grenzfrage behandelte er in marxistisch-leninistischen Geist und Mao Tsetung betrachtete er aufrichtig als Genossen. Doch auf der Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau 1957, also noch vor der Beratung der 81 Parteien, erklärte Mao zur Unterstützung Chruschtschows, der dabei war, den Marxismus-Leninismus zu verraten, offen, geringschätzig und ironisch, bei seinem Zusammentreffen mit Stalin sei er sich «wie der kleine Schüler vor seinem Lehrer» vorgekommen. Damit wollte Mao - und das gelang ihm - Chruschtschows Verleumdungen über den «Stalinkult» unterstützen, da doch Stalin «diesen grossen Mao» angeblich als Bürschchen betrachtete. Das war ein Angriff Maos gegen Stalin. Das sage ich in vollster Überzeugung, denn bei dem ersten Treffen, das ich, jung und bewegt wie ich war, mit Stalin hatte, behandelte dieser mich mit seinem so menschlichen, von Liebe und Achtung für den Genossen geprägten Verhalten wie einen Gleichen. Und er sprach so warmherzig mit mir, dass die Befangenheit bei mir sofort schwand. Mao ging auf jener Beratung sogar noch weiter. Er gab Chruschtschow hinsichtlich der Liquidierung der «parteifeindlichen» Gruppe Molotows usw. recht, ja, bezeichnete Chruschtschow gar als «Lenin unserer Zeit».

Was lässt sich aus diesen Handlungen Maos schliessen?

Dass Mao gegen Stalin war und zusammen mit seinen Genossen an seinem eigenen Kult bastelte. Mao sollte in der Reihe der grossen Marxisten in der kommunistischen Weltbewegung den Platz des von den Verrätern «gestürzten und besudelten» Stalin einnehmen. Er meinte, Chruschtschow werde, als Dank für die Hilfe, die er ihm hierbei zukommen liess, den neuen Kult um Mao begünstigen, und China werde zum Zentrum der Revolution. «Der Ostwind weht», «Der Osten ist rot», «Mao Tsetung ist die Sonne der Welt» - das waren die Schlagworte, die die chinesische Propaganda damals ausgab.

Doch es kam anders, als Mao dachte und wünschte. Der Sowjetrevisionismus und Chruschtschow zeigten ihm die kalte Schulter. Mao und die Maoisten waren bemüht, die Sache nicht auf die Spitze zu treiben, doch es musste zwangsläufig so kommen, wie es kam. Nun änderte Mao Tsetung die Taktik. Man betrieb weiter den Kult um Mao als «grossen Marxisten-Leninisten», der gegen den modernen Revisionismus, vor allem den sowjetischen, und zugleich auch gegen den amerikanischen Imperialismus und die reaktionäre Welt bourgeoise kämpfte, man hob ihn in den Himmel. Dieser Kampf war richtig, daher unterstützten wir die Chinesen und sie uns. In Wirklichkeit gingen sie bei dieser Taktik nicht von Klassenpositionen aus und verfolgten keinen marxistisch-leninistischen Kurs. Mit dieser Taktik wünschten und versuchten die Chinesen, Chinas Positionen in der kommunistischen Bewegung und bei den Völkern der Welt als «wahrhaft sozialistischer Staat, der den Klassenfeinden, den Feinden der um Befreiung kämpfenden Völker unversöhnlich gegenübersteht», auszubauen. Unterdessen hatten Mao und die Maoisten innerhalb ihrer Partei mit der rechten Fraktion Liu Schao-tschis, Tschou En-Jais, Deng Hsiao-pings und der anderen zu ringen, die im Schlagschatten Maos für die Wiedererrichtung des Kapitalismus kämpften und beabsichtigten, in der Politik einen Umschwung im Sinne der Freundschaft mit den Chruschtschowianern herbeizuführen.

Mao Tsetung war zwischen zwei Feuer geraten, die er in Wirklichkeit selbst entfacht hatte, um sein Ziel zu erreichen, China zu einer grossen Weltmacht zu machen. So befand er sich zwischen den Sowjetrevisionisten und der gefährlichen Fraktion Liu Schao-tschis. Also entfesselte er die Kulturrevolution, auf die ich hier nicht näher eingehen will, da ich schon viel dazu gesagt und geschrieben habe.

Welchen Weg wählte Mao (mir scheint nämlich, dass es hier nicht um den Willen der Partei geht), damit er zu dieser nichtmarxistischen Haltung gelange? Er begann eine konformistische Linie zu verfolgen. Solange Stalin lebte, verfolgte Mao ihm gegenüber eine Linie der «Freundschaft» und «Bewunderung». Damals pflegte man in China die Freundschaft mit der Sowjetunion. Nach Stalins Tod verhielt sich Mao opportunistisch und versuchte, dessen Platz in der kommunistischen Weltbewegung einzunehmen. Er begann auch mit Lobhudeleien, um Chruschtschow Sand in die Augen zu streuen, und übte natürlich Kritik an Stalin. 1956 verteidigte er in Peking uns gegenüber den Revisionisten und Verräter Tito, denn er war selbst ein Revisionist, ein Liberaler, ein Fürsprecher Chruschtschows.

Nach dem Bruch mit Chruschtschow, als Liu und Deng an der Macht waren und Schlüsselpositionen besetzten, wurde in den zentralen Organen Chinas eine Reihe ideologischer Artikel mit marxistisch-leninistischer Linie gegen die Chruschtschowrevisionisten ver- ;~ öffentlich. Das waren theoretische Artikel und nicht die übliche Propaganda gegen den Revisionismus. Das war eine Wendung und natürlich eine gute Wendung, denn durch die theoretische Entlarvung des Revisionismus wurde die Kommunistische Partei Chinas erzogen. Doch dem war nur ein kurzes Leben beschieden. Die Artikel dieser Art verschwanden in den Schubladen, und in der Linie begann sieh ein Schwanken bemerkbar zu machen. Die Kommunistische Partei Chinas fuhr nicht fort, die Massen der Kommunisten im Geist der richtigen marxistisch-leninistischen Linie zu erziehen, sondern beschränkte sich darauf, ideologische Artikel unserer Partei abzudrucken. Das gefiel uns, doch was wir nicht wollten und für falsch hielten, war, dass China die Polemik gegen den Revisionismus ein- F stellte und sich vom Kampfschauplatz zurückzog. Dies wies erneut auf liberale Schwankungen in der Linie der Kommunistischen Panel Chinas hin. Hinter der Veröffentlichung unserer theoretischen Artikel in der chinesischen Presse stand nicht die Absicht, die Linie unserer marxistisch-leninistischen Partei zu unterstützen. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, die Kommunistische Partei Chinas habe ihre Linie nicht geändert, sollte der liberale Kurswechsel, den sie gerade vollzog, verschleiert und in der Weltöffentlichkeit dir Eindruck erweckt werden: «Ich, China, bin es, das der Partei der Arbeit Albaniens diese Artikel, diese Linie diktiert.» Und die bürgerliche Weltpresse sprach es offen aus: «Albanien, ein Satellit Chinas» «Albanien, das Sprachrohr Chinas», «China diktiert Albanien seine Gedanken, und dieses spricht sie aus». Das war eine unehrliche, unmarxistische Haltung, die China da einnahm. Doch solange die marxistisch-leninistischen Ideen unserer Partei propagiert wurde ';` sagten wir uns: «Hauptsache, die Richtung stimmt.» In China aber stimmte die Richtung nicht.

Chruschtschow stürzte. Schlagartig kam Maos opportunistische Linie ans Licht. Er dachte, seine Zeit sei gekommen, und verlangte deshalb - durch Tschou En-lai, der nach Moskau eilte - auch von uns, an der «Hochzeit» der Revisionisten teilzunehmen. Wir widersetzten uns diesem opportunistischen Schritt kategorisch. Ebenso kategorisch lehnten wir auch den chinesischen Vorschlag ab, «e antiimperialistische Front unter Einschluss der Revisionisten zu schaffen». Hier zeigte sich der glühende Wunsch der chinesischen Führer, sich mit den Sowjetrevisionisten zusammenzutun. Doch da sie Revisionisten waren, wollten sie auf diesem Weg selbst dominieren. Die Rechnung ging nicht auf.

Da brach die Kulturrevolution aus. Diese Revolution war ein Ergebnis des Ringens der beiden liberalen revisionistischen rechten Strömungen um die Macht. Wer würde sie ergreifen: Mao oder Liu? In dieser Auseinandersetzung siegte Mao, der Liu und Deng bezichtigte, «der Feind Nr. 1» bzw. «der Feind Nr. 2» zu sein. Mao stellte Tschou in seinen Dienst. Dieser war nämlich, wie Mikojan in der Sowjetunion, der Diener aller. Mao präsentierte sich als «Retter», als «Revolutionär», machte er doch «Revolution». Und er mehrte seinen Ruf als «grosser Marxist-Leninist», hatte er doch über Liu Schao-tschi gesiegt.

Wir unterstützten die Kulturrevolution, waren die einzige Partei an der Macht, die ihnen zur Seite stand. Die chinesischen Führer selbst erkannten diese grosse Unterstützung an und propagierten sie sehr.

Natürlich lag der «Kulturrevolution», wie ich schon früher gesagt habe, keine klare marxistisch-leninistische Linie zugrunde, denn die Partei war zerschlagen, und auch die Massenorganisationen existierten nicht. Nur die Armee mit Lin Biao stand unverrückbar zu dieser Revolution. Es herrschte ein totales Durcheinander, die Sache lief par inertie*. *( nach dem Trägheitsgesetz (frz. im Original)) Tschou, der das Mäntelchen nach dem Wind hängte, hielt mit einer Hand das Ruder der Staatsmacht und schwenkte mit der anderen das von Lin Biao zusammengestellte «Rote Buch» Maos. Während der Kulturrevolution fand der Fremdenhass krassen Ausdruck, wurden sogar die Gebäude ausländischer Botschaften in Brand gesteckt, Diplomaten geschlagen usw. An der Spitze dieser abscheulichen Akte, ähnlich denen Suhartos in Indonesien, stand auch Tschou En-lai selbst.

Deng, Liu und Konsorten wurden «niedergeworfen», doch was zerbrochen war, musste gekittet werden, und tatsächlich war viel zerbrochen worden. Diese Reparaturen übernahm der Revisionist Tschou En-lai, und zwar angeblich auf Weisung des Vorsitzenden Mao, der zur Zeit der Kulturrevolution seiner Frau geschrieben hatte:

«Von meinen Schriften werden sowohl die Revolutionäre als auch die Konterrevolutionäre Gebrauch machen.» Mao gab selbst zu, dass er nicht eine marxistisch-leninistische Linie hatte, sondern zwei oder auch zehn Linien, so wie die Theorie von den «hundert blühenden Blumen».

Unsere Partei hat alles getan, um die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern und Parteien zu festigen. Doch die Chinesen haben oft den Austausch von Arbeitsdelegationen unserer Parteien abgelehnt. Sie machten aus allen Delegationen «Freundschafts-» Delegationen für Massenkundgebungen und Bankettreden mit Trinksprüchen. Wir konnten feststellen, dass die chinesischen Führer einen Erfahrungsaustausch ihrer Partei mit unserer Partei nicht wollten, sie hüteten sich vor politischen, ideologischen und organisatorischen Debatten. Hier standen wir vor verschlossenen Türen. Ich und auch die anderen Genossen fanden Gelegenheit, bei Gesprächen mit Tschou und mit Yao Wen-yüan ausgehend von unserer Erfahrung Parteiprobleme anzusprechen, doch sie sprachen weiter in ihren abgedroschenen Formeln. Nur einmal übte Tschou, dieses liberale und opportunistische Element, als er bei uns war, Kritik an uns. Er behauptete, unsere Partei entfalte den Klassenkampf nicht. Als wir ihm Fakten vorhielten und damit zeigten, dass unsere Partei ihr Leben lang einen heftigen Klassenkampf geführt hat, innerhalb und außerhalb des Landes sowie in den Reihen der Partei, war er gezwungen, sich zu entschuldigen: «Ich kenne die Geschichte eurer Partei nicht gut genug.»

Ebenso hielten wir die isolationistische Linie Chinas in der internationalen Arena nicht für richtig. Wir hatten Li Hsiän-niän offiziell unseren Standpunkt vorgetragen. Wir begründeten ihm, dass der Kampf gegen beide Supermächte in aller Härte fortgesetzt werden müsse, China sich aber gleichzeitig den Völkern und den anderen Staaten gegenüber zu öffnen habe, weil so Spaltung unter unseren hauptsächlichen Feinden geschaffen und ihrer verleumderischen Propaganda gegen unsere Länder ein Schlag versetzt werde. Doch die Chinesen blieben auf ihren Positionen und gingen nicht diesen vernünftigen Weg, der in Chinas und unserem Interesse, im Interesse auch der anderen Völker der Welt lag. Die Chinesen setzten uns in Erstaunen mit ihrer Haltung. Waren sie sonst liberal, so erwiesen sie sich in diesem Fall als sektiererisch. Liberalismus und Sektierertum sind Geschwister. China ignorierte Europa völlig, behielt die feindliche Haltung den asiatischen Ländern gegenüber bei. Als Vorbedingung für die Aufnahme normaler Beziehungen zu den anderen Staaten hatte es die Anerkennung Taiwans als Teil des chinesischen Territoriums gestellt. Ws dagegen Afrika und die Länder Lateinamerikas anbelangt, veröffentlichten die Chinesen einmal im Schaltjahr in «Renmin Ribao» einen propagandistischen Artikel. Chinas internationale Politik waidstarr, sektiererisch, größenwahnsinnig, isolationistisch und fremdefeindlich. Dies ging gewissermaßen bis hin zum uneingestandenen «gelben Rassismus».

Während wir uns noch in dieser Beziehung Sorgen machten, schlugen Kissingers Geheimbesuch in China und seine Geheimgespräche mit Mao und Tscho. wie eine Bombe ein. China trat in eine neue Phase ein, begann eine neue, aber wieder falsche Politik, die rechte Politik der Annär~rung an die Amerikaner. Doch diese Politik sollte noch viel weitr gehen, bis hin zu den Faschisten Franco in Spanien und Pinochet in Chile.

Es zeigte sich deutlich, dass der «Hinderungs-»grund für die Öffnung Chinas gegenüber den anderen Staaten der Welt nicht die Anerkennung der Insel Tiwan als chinesisches Territorium gewesen war. Wie von Zauberhand ( war dieses Problem weggeschmolzen, und die Vereinigten Staaten von Amerika gingen Verbindungen und Beziehungen mit China ei, ohne bislang tatsächlich auch nur ein Zugeständnis in bezug au Taiwan gemacht zu haben. Als Genossen, die wir waren, widersetzten wir uns den geheimen Verbindungen und Beziehungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika und Nixons Chinareise. Wir sagten, diese Freundschaft, die die Chinesen mit dem amerikanischen Imperialismus knüpften, werde nichts Gutes, sondern nur Schlechtes für China selbst, für den Sozialismus und die ganze Welt bringen. Unseren Brief zu dieser Frage geruhte Mao Tsetung so wenig zu beantworten wie die Briefe zu anderen Fragen, worüber ich schon frühe geschrieben habe.

Warum diese Hinwerfung Chinas zum amerikanischen Imperialismus? Weil Mao und Tshou revisionistisch, liberal, opportunistisch waren, und weil ihre Politik eine pragmatische Politik war, darauf ausgerichtet, China zur Supermacht zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, musste sich China nach Meinung Maos und Tschous auf die revisionistische Sowjetunion oder den amerikanischen Imperialismus stützen. Der Kampf an beiden Fronten war nichts für Mao. Seiner Ansicht nach musste sich China «auf die eine Supermacht stützen, um die andere zu bekämpfen, während ihm die anderen die Kastanien aus dem Feuer holen». Das betrieb auch die Sowjetunion. Sie ging nicht auf eine Verbindung mit China ein, weil die Sowjetunion selbstverständlich nicht akzeptieren konnte, von China beherrscht zu werden. Mao vermochte seinerseits sein Ziel nicht zu erreichen, die Sowjetunion in Chinas Dienst zu stellen. Die Sowjetunion öffnete sich den Vereinigten Staaten von Amerika, der reichen Supermacht, von der sie Kredite erhalten und so die Hegemonie errichten konnte. Die Vereinigten Staaten von Amerika für ihren Teil gingen auf diese Öffnung ein, um die Einflusssphären mit der Sowjetunion neu aufzuteilen.

China tat absolut nichts Originelles. Es wandte sich, als es sah, dass seine Absichten gegenüber der Sowjetunion gescheitert waren, ebenfalls den Vereinigten Staaten von Amerika zu, der alten Freundschaft Maos. Ja, Tschou wollte Ruhm, wollte Vorherrschaft. Beide, Mao und Tschou, waren Revisionisten. Sie leiteten die neue Politik ein. Allerdings stellten sich ihnen im eigenen Land Gegner in den Weg, und einer der wichtigsten war Lin Biao. Also musste er eliminiert werden. Und er wurde eliminiert, mit der Beschuldigung: «Er ist ein Verschwörer, der Mao ermorden wollte. Er wurde aber entdeckt, nahm ein Flugzeug und wollte sich über die Mongolei in die Sowjetunion davonmachen, sein Flugzeug verbrannte jedoch in den mongolischen Steppen.» Lin Biao wurde also als «Agent der Sowjets» getötet.

Auf dem 9. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas, der stattfand, als Lin Biao noch lebte, wurde über den Kampf an beiden Fronten gesprochen. Später jedoch, auf dem 10. Parteitag, nachdem I in Biao getötet worden war, wurde mit keinem Wort darauf eingegangen, welche Aussenpolitik Lin Biao vertreten hatte.

Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden zum Weltenrichter. Sie würden, natürlich im eigenen Interesse, sowohl mit der Sowjetunion als auch mit China manövrieren. Die Vereinigten Staaten von Amerika dosierten und dosieren ihre Haltung den beiden gegenüber je nach Bedarf. Es geht ihnen darum, die Sowjetunion zu schwächen und dafür zu sorgen, auch China gegen die Sowjetunion benutzen zu können. Und so geschieht es. China stellte wirklich den Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika ein und intensivierte die Propaganda gegen die Sowjetunion bis zur Absurdität. Ich sage, die Propaganda, denn ideologische Artikel Chinas, die die Sowjetunion entlarven, gibt es nicht. Chinas gegenwärtige Linie ist: «Unser Hauptfeind ist die Sowjetunion.» Wer gegen die Sowjetunion auftritt, ist Chinas Freund, auch wenn er ein Faschist ist. So geschieht es, dass China gegenüber unserem Land, das an beiden Fronten kämpft, sowohl gegen die Vereinigten Staaten von Amerika als auch gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, eine nicht gerade freundschaftliche Haltung einnimmt, während die proamerikanischen Revisionistenstaaten, die das eine oder andere antisowjetische Manöver unternehmen, Chinas Freunde geworden sind. Diese Haltung, sagen die Chinesen, «nehmen wir ein, um die Widersprüche zu verschärfen und zu vertiefen». Die Realität zeigt aber, dass .Maos China mit diesen Staaten einverstanden ist, denn das ist seine revisionistische Linie in Ideologie und Politik. China hat seine Verbindungen zu allen kapitalistischen Ländern der Welt ausgebaut, und sich selbst erklärte es offiziell zum Mitglied der «dritten Welt». Chinas Türen öffneten sich den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, den Königen. Prinzen, Prinzessinnen, Ministerpräsidenten, Senatoren, Parlamentsgruppen, Geschäftsleuten, Krethi und Plethi. Chinas Türen bleiben nur offiziellen albanischen Delegationen verschlossen.

Das chinesische Volk empfindet aufrichtige Freundschaft für das albanische Volk und die Partei der Arbeit Albaniens. Noch haben es die chinesischen Revisionisten nicht gewagt, diese Freundschaft zu attackieren. Die rechten Hauptkader, die, unserer Meinung nach, in China an der Macht sind und starke Positionen besetzen, greifen die zwischen uns bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen an. Sie zahlen die uns bewilligten Kredite nicht, schieben die Lieferfristen der Materialien für die von uns gebauten Objekte hinaus, haben das Handelsvolumen verringert, schrauben die Kontakte mit unserem Land auf ein Minimum zurück. Kurz gesagt, die chinesischen Führer haben uns gegenüber Chruschtschows Weg eingeschlagen. Sie haben gelernt aus der sowjetischen Blockade, die brutal einsetzte, während ihre Blockade allmählich ins Werk gesetzt wird, kaschiert mit heuchlerischen Stellungnahmen und Erklärungen: «Wir sind Freunde, wir sind arm, versteht uns dock» usw. Diese ganze Schwenkung ist rechts, revisionistisch, sozialimperialistisch.

Das ist die Linie Maos und Tschou En-Jais, die Deng rehabilitierten und Vorbereitungen trafen, ihn nach Maos Tod an Tschous und Tschou an Maos Stelle rücken zu lassen. Doch die «mittlere» Person des «Reichs der Mitte» starb zuerst. Kaum war sie gestorben, stellten sich die «Radikalen» gegen Deng und begannen, ihn zu entlarven. Dadurch traten in Partei und Staatsmacht in China zwei Linien, zwei rivalisierende Gruppen in Erscheinung, und Mao steht jetzt zwischen den beiden Wegen. Doch er ist ein Greis und kann nicht mehr handeln. So wurde das zur Wirklichkeit, was er einst in dem Brief an Djiang Tjing angekündigt hatte, dass nämlich sowohl die Reaktionäre als auch die Revolutionäre von den «Maotsetungideen» Gebrauch machen werden.

In China findet also nun ein Kampf statt, doch wer wird wohl siegen?! Man weiss es nicht. Die «Radikalen» haben nur die Propaganda in der Hand, die andern die Aussenpolitik, die Wirtschaft und die Armee, denn in Wirklichkeit hat sich am alten Mao-Tschou-DengKurs nichts geändert.

Deng ist in der Partei und wird gerade entlarvt, doch seine Genossen sind an der Macht. Die Politik mit den Vereinigten Staaten von Amerika gedeiht weiter. Darüber hinaus unterstützt China alle reaktionären Regierungen und Staaten. Die Kommunistische Partei Chinas rät den Marxisten-Leninisten überall, sich mit der Bourgeoisie ihrer Länder, selbst wenn sie faschistisch ist, zu vereinigen und für ihre reaktionären Bündnisse einzutreten. Zu kämpfen hätten sie einzig und allein gegen die revisionistische Sowjetunion.

Wohin geht China mit dieser Linie? Zu einem neuen Sozialimperialismus, zur Machtergreifung durch die neuen, aber auch die alten Kapitalisten, die durch Maos opportunistische Linie an der Macht gehalten, behütet und gestärkt wurden.

In China gibt es ganz gewiss gesunde marxistisch-leninistische Kräfte, ich meine aber, dass man sie nicht mit den sogenannten Radikalen identifizieren kann. Diese sind gegen die Rechten, doch sie sind maoistisch, liberal, für die Koexistenz zweier Linien in der Partei. Nur eine gewaltige revolutionäre marxistisch-leninistische Umwälzung wird China vor der Wiedererrichtung des Kapitalismus bewahren.

MONTAG,

24. MAI 1976

EIN SCHLECHTES BENEHMEN DES CHINESISCHEN

BOTSCHAFTERS IN TIRANA

Man hat mir mitgeteilt, dass der chinesische Botschafter, Liu Dschen-hua, der am 29. dieses Monats unser Land verlassen wird, kreuz und quer durch das Land reist, die im Bau befindlichen Objekte besichtigt, für unsere Leute Abendessen gibt usw. Dabei benimmt er sich schlecht und unfreundlich. Seltsam ist jedoch, dass er dieses unerfreuliche Benehmen im Augenblick des Abschieds an den Tag legt. Es sieht aus, als wolle er die Beziehungen verschärfen bzw. eine weitere Verschärfung ankündigen. Er erwähnt mit keinem Wort den Kampf, der in China gegen Deng Hsiao-ping geführt wird. Uns ist das egal, nur zeigt er damit, dass er ein Mann Dengs ist. Er will demonstrieren, dass er alles weiss dass er sich mit Bergwerken auskennt, ist er doch «in China einmal in ein Bergwerk eingefahren». Wohin er auch kommt, mit wem er auch spricht, er lässt an unserer Arbeit kein gutes Haar. Das fängt an bei den militärischen Befestigungen und reicht bis zu «einem Stück Eisen», das man in eine Ecke geworfen hat. Bei alldem verleumdet er und will zeigen, dass unsere Leute nicht gut arbeiten. Der chinesische Botschafter spricht ganz unverblümt. Er erklärt sogar gegenüber Adil Carçani, Spiro Koleka und Nesti Nase, er wisse über alles Bescheid. Mit anderen Worten, er gibt höchstpersönlich zu, dass er die Geschäfte des chinesischen Sicherheitsdiensts in Albanien versieht und mit den chinesischen Spezialisten ein Agentennetz geschaffen hat.

Die Genossen geben diesem Revisionisten, der sich in das Gewand des Botschafters Chinas kleidet, die verdiente Antwort.

FREITAG,

28. MAI 1976

DIE «MAOTSETUNGIDEEN»

Es gibt sozialistische Staaten, doch die kommunistischen und Arbeiterparteien, die sie führen, stehen nicht alle auf wahrhaft marxistischen Positionen. Es gibt in ihnen krass antimarxistische Elemente. So sieht die Lage auch in China aus. In diesem Land führen die «Maotsetungideen», die keine konsequente Anwendung des Marxismus-Leninismus sind. Darin gibt es falsche, opportunistische, ja sogar getarnte revisionistische Grundideen. Die «Maotsetungideen», die China leiten, kämpfen nicht für die Revolution, für die Einheit des Proletariats. Und wenn darin China auch nicht offen als «Grossänacht» bezeichnet wird, sie sich selbst nicht als «universale Ideen», die den Marxismus-Leninismus ersetzen, ausgeben, so laufen sie in Wirklichkeit doch darauf hinaus. Wer den «Maotsetungideen» nicht folgt und sie nicht mit dem Marxismus-Leninismus identifiziert, ist îür die Chinesen kein Marxist-Leninist oder wird nicht als solcher betrachtet. Die «Maotsetungideen» haben in den Reihen des chinesischen und des Weltproletariats grosse Verwirrung gestiftet.

Innerhalb Chinas herrscht Anarchie, existieren zwei oder zwanzig Linien in der Partei und im Volk. Man weiss nicht einmal, wer dort die Macht hat und wer sie ergreifen wird. Die Kommunistische Partei Chinas ist nicht nach den marxistisch-leninistischen Prinzipien und Normen aufgebaut und stützt sich nicht auf sie. Die Diktatur des Proletariats funktioniert dort nicht.

Diese Verwirrung Chinas griff und greift auch auf Teile des Weltproletariats, auf marxistisch-leninistische kommunistische Parteien über. Viele dieser Parteien sind weder mit den «Maotsetungideen» noch mit Chinas Vorgehen einverstanden, doch sie äussern sich nicht offen. Es wirkt der Kult des grossen Staates, der als <,proletarisch» gilt, es aber nicht ist; es wirkt der Kult Maos, der nichts als Mao Tsetung ist und vor allem weder Marx noch Engels, noch Lenin, noch Stalin.

Die pseudomarxistischen Lakaien, die in die Reihen einiger marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien eingesickert sind, bauschen den Kult um Mao auf und heben diesen auf den Schild. Die Bourgeoisie weiss ebenfalls um den Wert Chinas, Maos, der «Maotsetungideen» und propagiert diese. Jede revolutionäre Gruppe, jede marxistisch-leninistische kommunistische Partei, sogar jede anarchistische Gruppe wie die Sartres u.a. wird von der Bourgeoisie mit dem Etikett «maoistisch» versehen. China und Mao gefällt das. Mit ihnen allen unterhält China Verbindungen und hilft ihnen allein deshalb, weil sie Mao rühmen und seiner verworrenen und undurchsichtigen Politik folgen. Der Antisowjetismus ist inzwischen das einzige Leitmotiv der chinesischen Führung. Und das nicht auf richtigen ideologischen Grundlagen, sondern unter dem Banner der «Maotsetungideen», um über das Proletariat und die «kommunistische» Welt zu dominieren.

Unter diesen Umständen und mit diesen Ideen hat die Kommunistische Partei Chinas aufgehört, die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien zu ihren Parteitagen einzuladen, sie lässt sich nur auf bilaterale Treffen mit den jeweiligen marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien ein. Sie propagiert ihnen die «Maotsetungideen» und rät ihnen, die Sowjetunion, nicht aber die Vereinigten Staaten von Amerika anzugreifen. Sie predigt ihnen die Zusammenarbeit mit der reaktionären einheimischen Bourgeoisie, bis hin zu Franco und Pinochet.

Mao und der «Maoismus» sind zu einem der ernstesten Hindernisse für die Einheit des Weltproletariats und der neuen marxistischleninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien geworden. Deshalb muss diesem neuen getarnten Übel in allem unsere unfehlbare Theorie, der Marxismus-Leninismus, entgegengesetzt werden.

Auch wenn die Kommunistische Partei Chinas eine grosse Partei ist, so kennt doch der Marxismus-Leninismus keine grossen und kleinen Parteien, also ist unsere Partei als gleichberechtigt mit ihr zu betrachten. Und wenn die Kommunistische Partei Chinas falsch handelt, so wie das zur Zeit der Fall ist, dann folgt ihr unsere Partei in ihren falschen Ideen und Wegen nicht etwa, sondern bekämpft sie sogar - wenn vorerst noch nicht direkt, so doch indirekt, durch ihre offenen und öffentlichen Stellungnahmen. Sie ermöglichen es allen, klar zu erkennen, worin die Divergenzen zwischen der Partei der Arbeit Albaniens und der Kommunistischen Partei Chinas bestehen.

SAMSTAG,

12. JUNI 1976

CHINAS LINIE IST RECHTS

Auch wenn man Chinese wäre, liesse sich die chinesische Innenund Aussenpolitik kaum verstehen. Sie hat keine stabile Achse, schwankt so sehr nach der einen wie nach der anderen Seite. Es gibt Momente, da sie zu einer gewissen zentristischen Stabilität findet, dann ändert sich auch entsprechend den inneren Umständen und Konjunkturen die Haltung nach aussen. Es gibt Momente, da man diese Haltung vom Standpunkt der marxistisch-leninistischen Theorie aus für richtig befindet, doch dann neigt sich die Waage auch schon wieder schlagartig zum Liberalismus oder zum Sektierertum.

All diese Haltungen ohne Angelpunkt sind begleitet von Reden, Artikeln. Zitaten Maos. Mit Maos Zitaten wird «jede Mahlzeit» gewürzt, sie dienen jeder Haltung, ob rechts oder links. Mao und seine Ideen werden angepasst, alle bedienen sich seiner «Autorität», und jeder betreibt sein eigenes Geschäft. Also findet der «Klassenkampf» statt, doch auf der Grundlage welcher Ideologie? Auf der Grundlage des «Marxismus-Leninismus», heisst es, doch die Wirklichkeit in China bestätigt dies nicht, denn Mao selbst hat gepredigt: «Lasst hundert Blumen blühen.» Doch die «hundert Blumen» haben natürlich nicht die gleiche «Farbe».

Mao hatte sich auf Chruschtschows Seite gestellt, ihn verteidigt und gelobt, bis er festen Fuss gefasst und seine Positionen gestärkt hatte. In dieser Situation und in diesen Ansichten stimmten Mao und Liu Schao-tschi also miteinander überein. Beide waren rechts. Diese ihre Haltung zeigte sich auch auf dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 1956, einem rechten Parteitag, der sogar Chruschtschow den Weg zum Handeln wies. Chruschtschow jedoch erstarkte und ging unverzüglich zum Angriff auf den sogenannten «Stalinkult» über. Er wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: innerhalb des Landes den «Stalinkult» durch seinen eigenen Kult ersetzen und in der kommunistischen Weltbewegung selbst die erste Geige spielen. Er wollte keinen anderen neben sich, selbstverständlich also auch nicht Mao. Dieser dagegen hatte die Hoffnung, danach «würden die Rollen vertauscht: Chruschtschow werde «Maos Schüler sein». Doch Chruschtschow begriff die Situation und schlug einen anderen Kurs ein, nahm das Gewehr auf die andere Schulter.

So fing Mao an, eine beinahe «marxistisch-leninistische» Haltung einzunehmen. Auf der Beratung der 81 Parteien in Moskau waren die Chinesen genötigt, Änderungen an ihrer Rede vorzunehmen und sie auf unsere abzustimmen. Ich sage, sie begannen, eine beinahe «marxistisch-leninistische» Haltung einzunehmen, denn später, auf dem 21., 22. und 23. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, unternahmen die Maoisten Versöhnungsversuche. Doch mittlerweile hatten die Chruschtschowianer alle Zügel schiessen lassen. Das war die Zeit, da Mao und die Maoisten die Polemik begannen. Wir waren natürlich zufrieden, sahen wir doch, dass Mao «begann, die Situation richtig zu sehen». Das war die Zeit einer grossen Freundschaft zwischen China und uns.

Doch während dieser Zeit machten sich in China neue Schwankungen bemerkbar. Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping und andere, ihre Gefolgsleute, wollten die Macht ergreifen und ein «Bündnis mit der Sowjetunion» eingehen, wie es hiess. Dieses Bündnis begannen sie gemeinsam, doch für die Chruschtschowrevisionisten war Liu anscheinend leichter zu akzeptieren als Mao. Also steuerte dieser, als er sah, dass Liu und Konsorten alles in ihre Hand gebracht hatten, nach links und erliess den Aufruf: «Greift das Hauptquartier an!» Die Kulturrevolution begann, und Liu stürzte vom Thron. Dennoch blieben seine Leute, wo sie waren. Alle wurden Maoisten, mit Mao an der Spitze. Tschou war das Haupt der Staatsmacht und der Wirtschaft, Lin Biao Armeechef. Die Partei war zu jener Zeit zerschlagen und alles war durcheinander, nur Maos Name war zu hören. Unter diesem Namen strebten alle und jeder nach Macht. Mao wahrte angeblich «das Gleichgewicht zwischen den Linken und den Rechten». Kein einziger Flügel war marxistisch-leninistisch. Lin Biao wurde liquidiert, Tschou En-lai blieb «Chinas Vizekönig» und Mao wie immer der «Schiedsrichter».

Nach den aufeinanderfolgenden Konfusionen erreichte man angeblich eine Stabilität, doch sie war antimarxistisch. China verband sich mit den amerikanischen Imperialisten gegen die Sowjets, und diese Position brachte es noch weiter auf den antimarxistischen, rechten Weg.

Selbstverständlich konnten die Chinesen und Mao mit uns nicht einverstanden sein. Und das bewiesen und beweisen sie mit Taten. Wir bewahren kühlen Kopf. Die chinesische Linie steuerte naeh rechts, Mao und Tschou En-lai rehabilitierten Deng Hsiao-ping, der vom «Feind Nr. 2» zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas wurde und sich unterdessen daraui vorbereitete, Tschou En-Jais Platz einzunehmen. Tschou starb und Deng gelang es nicht, Ministerpräsident zu werden, vielmehr wurde er Revisionist, Verräter genannt. Was wurde und wird nicht alles über ihn gesagt! Merkwürdige Beschuldigungen. 'Sie scheinen richtig zu sein, doch es stellt sich die Frage: Wie konnte Mao diesen Menschen nur rehabilitieren? Aber auch nach den Beschuldigungen gegen Deng zeigt sich in der chinesischen Innen- und Aussenpolitik nicht ein einziger positiver marxistisch-leninistischer Ansatz. Wieder grosse Konfusion. Hua Guo-feng erklärt, in der chinesischen Aussen politik werde es keine einzige Veränderung geben, die bisherige Ausrichtung werde sogar noch verstärkt.

In der Presse wird Deng sowohl Zentralisierung als auch Dezentralisierung vorgeworfen. .Man wirft ihm vor, er wolle die Industrie mit ausländischer Technologie modernisieren, während Maos Linie sei, den Sozialismus aus eigener Kraft aufzubauen. U das zu einer Zeit, da in China von den Amerikanern, den Japanern, den Westdeutschen moderne Kombinate gebaut werden. Wer dies alles zugelassen? Nur Deng Hsiao-ping?! Und Tschou En-lai was hat er getan?! Und Mao, hat er dem nicht zugestimmt? Nein, heisst es, Mao habe nichts zugestimmt, doch in Wirklichkeit ist ei~ es, der alles in China geleitet hat.

DONNERSTAG,

24. JUNI l976

IN CHINA FUNKTIONIERT WEDER DIE PARTEI

NOCH DER STAAT DES PROLETARIATS

In China geht die Leier der langen, immer wieder gleichen Kritiken an Deng Hsiao-ping weiter, als ob er der einzige innere Feind der Partei wäre. Dennoch, selbst dieser «so schlimme, so niederträchtige, so tückische» Feind wird in der Partei belassen und nicht ausgeschlossen. Weshalb? Weil er nicht allein steht, sondern grossen Einfluss innerhalb und ausserhalb der Partei hat. Deng Hsiao-ping war die rechte Hand Tschou En-Jais gewesen, war von ihm darauf vorbereitet worden, an seine Stelle zu treten und China unter dem Banner Mao Tsetungs auf den liberalen, opportunistischen Weg zu führen und in eine bürokratische kapitalistische Grossmacht zu verwandeln. Mao und Tschou waren jeweils mit den Ideen des anderen einverstanden, die sie mit marxistisch-leninistischen Formeln tarnten. Mao verkündete seine Ideen, Tschou setzte sie in beider Interesse um. Der Fraktionskampf in der Kommunistischen Partei Chinas hatte seinen Ursprung genau in diesen liberalen Ideen, die sich mit wechselnder Intensität entwickelten.

Liu Schao-tschi war mit Mao in den Hauptfragen einer Meinung, doch er schoss über die Grenzen hinaus, schaffte es, bei sich und seinen Leuten eine beträchtliche Macht anzuhäufen. Er herrschte in der Partei, in der Armee und in der Wirtschaft. Man führte Mao weiter im Mund, «hob ihn in den Himmel», doch seine Macht war geschwächt worden sie war an die anderen übergegangen, an Liu Schao-tschi, Tschou, Deng und andere.

Mao blieb nur noch ein Weg: die Macht zurückzuerobern. Dazu musste er sich auf die «romantische» Jugend stützen, die Mao «anbetete», und auf Lin Biao, den er zu seinem Stellvertreter machte, das heisst, er musste sich auf die Armee stützen. Hier liegt der Ursprung der Kulturrevolution, die nichts anderes tat, als Liu Schao-tschis Gruppe zu liquidieren. Tschou En-lai wurde von Mao geschont, denn ihn brauchte er noch, und ausser dem hatte er die gleichen Ansichten wie Mao. Tschou war eine «Wetterfahne», die sich nach dem Wind drehte. Doch Tschous Pirouetten festigten seine Position, sie führten dazu, dass sich um ihn alle Rechten, Gemässigten und Linken sammelten. Die Grosse Kultur revolution war tatsächlich mit viel Lärm verbunden. Sie wurde gross propagiert, doch sie war eine «Rotgardistenparade», um Maos «Stärke» zu zeigen und zu i bestätigen, dass die «Maotsetungideen» an die Stelle des MarxismusLeninismus getreten waren. China war von diesen Ideen tatsächlich á schon vor geraumer Zeit ergr iffen wolrden, doch bei dieser Gelegenheit gab man ihnen noch einen Schubs, damit sie «die Welt beherrschten».

Weiter gab es die Anarchie, die Konfusion, die zwei Linien, di «hundert Blumen» und die Leute jeden Schlags und jeder Idee unteli dem Aushängeschild der «Maotsetungideen», daran änderte sich nichts, sie machten sich breit, festigten ihre Stellungen. Man kämpft4 um Positionen, um Macht und nicht für den Sozialismus. In diesel Phase gewann Tschou En-lai die Oberhand, der zusammen mit Mao; <allzeit mit Mao» und «hinter Mao» Lin Biao liquidierte.

Die Epoche Tschou En-Jais brach an: die Epoche der Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Warum auch nicht Tschou hatte Chruschtschows «Geschicklichkeit» geschätzt, deshalb ging er, was die Bündnisse anbelangt, bei ihm in die Lehre. Er dachte'' «Schliessen wir Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika und schwächen wir die Sowjets, gehen wir Chruschtschows Weg um China zu modernisieren und aufzurüsten, werden auch wir e' Grossmacht.» Und diese Politik wird nun fortgesetzt.

Tschou glaubte sich schon auf dem Gipfel des Sieges: den alter Mao hatte er in der Tasche, denn der würde heute oder morgen sterben. In der Führung hatte er einige Gegner, doch seine Macht . war gross und er würde sie schon in die Knie zwingen. Zu diesem Zweck rief er Deng Hsiao-ping zu Hilfe und lehrte ihn handelnï manövrieren, die Macht ergreifen. Tschou wusste, dass er an KreW

sterben würde, trotzdem blieben ihm dreieinhalb Jahre Zeit, Deng zu «unterweisen».

Deng war jedoch nicht so wendig wie Tschou, er war machttrunken und zückte das Schwert des «Diktators». «Ich oder ihr», sagte Deng. Dieses übereilte Handeln Dengs sah Mao natürlich gar nicht gern. Es verdarb ihm die opportunistische Politik der zwei Linien, deren Koexistenz. Und Deng stürzte. Trotzdem bleibt seine Macht bestehen, bleibt Deng sogar in der Partei.

Die chinesischen Zeitungen fabrizieren täglich Dutzende von Artikeln, in denen sie Deng und die rechte Abweichung «entlarven». Doch es lässt sich nicht ausmachen, wer rechts ist und wer links. Beide Flügel sind an der Macht, nehmen ihre alten Plätze ein, verrichten jeder für sich und jeder im eigenen Interesse ihr Geschäft und lesen die Psalmen der Zeitungen, so dass beide Seiten schon die Langeweile gepackt hat. Mao hat «den Linken geraten, die Rechten nicht anzugreifen», sondern zu erziehen (so wie sie Deng erzogen!), ihnen keine Schläge zu versetzen, weil es sonst «in China zu Unruhen kommt, von denen der Feind profitiert». Es steht fest, dass diese Direktiven erteilt worden sind. Das zeigt sich auch an der gegenwärtigen Lage.

In den chinesischen Zeitungen stand ausserdem, Mao habe gesagt: «Der Feind sitzt mitten in der Partei.» Wir stellen also die Frage: Wer ist dieser Feind? Wie muss er bekämpft werden? Was wird gegen diesen Feind unternommen? Der stellvertretende chinesische Aussenminister Yü Dschang antwortete auf eine entsprechende Frage unseres Botschafters in Peking: «Dies ist ein tiefschürfender Gedanke des Vorsitzenden Mao, und es wird seine Zeit brauchen, bis er richtig verstanden wird.» Das überrascht uns nicht im geringsten! Mao Tsetung hat das Durcheinander und die Verwirrung in der Partei verursacht, und es wird überhaupt nichts Konkretes getan, um den Schmutz, der sich an den Rädern der «Maschine» der Partei und der Diktatur des Proletariats angesammelt hat, zu entfernen.

In diesem Land funktionieren weder die Partei noch der Staat des Proletariats. Dort findet ein Kampf mit «Glacéhandschuhen» und Zeitungsformeln statt. Die Partei und das Volk sehen, dass es dort so aussieht dass die Rechten, die Gemäßigten, die Opportunisten, die Freunde der Vereinigten Staaten von Amerika stärker sind und über kurz oder lang die Macht ergreifen werden. Sie warten auf den Tod Maos, von dem sie selbst erklären, er werde von nun an niemand mehr empfangen. Was hat das zu bedeuten? Beide Flügel verstecken sich hinter ihm, bekennen nicht Farbe. Damit will man verhindern, dass die Massen irritiert werden. Ist Mao erst tot, werden die beiden oder die sechs Flügel unter dem Banner Maos um die Macht kämpfen. Je länger dieser Stillstand dauert, desto günstiger für die Reaktion.

Früher hatten wir gemeint, Mao denke und handle wie ein Marxist, doch wir sahen, dass auch Dinge geschahen, die keinen richtigen Lauf nahmen. Wir meinten, es sei nicht Mao, der so handelte, oder es sei Taktik. Doch schon seit einiger Zeit werden uns die Dinge klarer: Mao war nicht dem Marxismus-Leninismus treu. Wäre er nicht Führer des grossen China gewesen, wäre ihm der Lack schon früher abgdblättert. Die Interessen Chinas und der kommunistischen Weltbewegung erforderten ein vorsichtiges Vorgehen in dieser Frage, doch die Vorsicht überschritt das gerechtfertigte Mass, und wenn in China nicht jener revolutionäre Teil der Partei siegt, der der Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin und nicht den «Maotsetungideen» die Treue hält, dann wird China unweigerlich in den offen revisionistischen Tümpel abgleiten, den Weg einer kapitalistischen Grossmacht gehen. Den Ideen Mao Tsetungs liegen diese theoretisch-politische Tendenz, dieser Arbeitsstil, diese Arbeitsmethode zugrunde. Im China Maos, das sich sozialistisch gibt, finden sich starke - modernisierte - mystische Überreste. Dort wurden in der Philosophie, in der Arbeit, im Leben ein Geist und eine Disziplin geschaffen, die eine Loslösung von den alten konfuzianischen Vorstellungen und den «Maotsetungideen», einem Amalgam aus Marxismus-Leninismus, Kapitalismus, Anarchismus und allen Einflüssen des Imperialismus und des modernen Revisionismus, sehr erschweren.

Im nationalen Befreiungskampf wurde China befreit, doch die ganze Periode nach diesem Kampf war undurchsichtig, der revolutionäre Marxismus-Leninismus wurde nicht als roter Faden sichtbar, wurde nicht konsequent angewendet. Die opportunistischen Ideen, die enge Zusammenarbeit mit den Parteien der Bourgeoisie usw, herrschten vor in Politik, Ideologie, bei der Organisation der Wirtschaft, der Staatsmacht und der Armee. Die Kapitalisten erhielten weiter Vergünstigungen, und man liess sie ihre frühere Tätigkeit in Ruhe weiter betreiben, Gewinne einstreichen. Sie änderten ihre Lebensund Arbeitsweise, um den Eindruck der «Fügsamkeit» zu erwecken. Doch aus ihnen wurden wiedér fähige Verwaltungs- und Finanzfachleute, sie wurden zur Stütze der Opportunisten. An ihrer Spitze standen Liu Schao-tschi, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping usw., bis zu einem gewissen Grad auch Mao.

China hält viele Überraschungen für uns bereit, die, denkt man gründlich darüber nach, gar nicht «überraschend» sind. Wir werden noch viel zu hören und zu sehen bekommen.

DURRES, SAMSTAG,

17. JULI 1976

EINE PRINZIPIENLOSE POLITIK DES GROSSEN

CHINESISCHEN STAATES

Ich hatte ein Treffen mit Behar, der aus Peking gekommen ist, um am Plenum des Zentralkomitees teilzunehmen, das übermorgen, am 19. Juli, abgehalten wird. Die reale Lage in China ist seiner Schilderung nach sehr verworren, wogegen sie die chinesische Presse als «glänzend» darstellt. Nach aussen hin hält die «Euphorie» an, doch das ist ein falsches Bild. Nur eines läuft gut, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Industriewaren. Das mag Ausfluss der geleisteten Arbeit und der für das chinesische Volk kennzeichnenden Arbeitsdisziplin sein, doch möglicherweise trägt dazu auch die geringe Kaufkraft der Bevölkerung bei. Der bäuerliche Markt, der ein-, zwei- oder dreimal in der Woche stattfindet, ist in ganz China stark entwickelt. Ob wohl Produkte wie Weizen, Hühner, Schweine, Gemüse und das alles über den staatlichen Handel auf den Markt kommen? Oder hat man den Kooperativen die Freiheit zugess.anden, die Produkte «selbstzuverwalten»? Ich glaube, letzteres ist der Fall.

Der politische, ideologische und organisatorische Kampf sieht so aus, wie wir ihn eingeschätzt haben. Die Auseinandersetzung und die Vorbereitungen auf noch grössere Auseinandersetzungen gehen fieberhaft weiter. Deng Hsiao-ping und die rechte Strömung werden entlarvt, doch auf der anderen Seite haben auch Dengs Freunde, ohne auch nur um Haaresbreite von ihren Anschauungen abzugehen, die Generallosung übernommen, üben aber keine Selbstkritik, bleiben bei ihren rechten Ansichten, besonders in der Staatsmacht, in der Armee, in der Wirtschaft, aber auch in der Partei. Alle bemühen sich, ihre Stellung zu festigen, um nach dem Tod Maos, der es, wie Behar, meint, nicht mehr lange machen wird, die Macht zu ergreifen. «Man spricht davon», sagte Behar, «dass Verhaftungen vorgenommen werden, doch die, die ins Gefängnis gesperrt werden, sind unbekannt, mittlere und untere Kader. Die grossen Rechten bleiben in ihren alten Positionen, einmal wird es still um sie, dann treten sie wieder hervor, werden wieder in der Zeitung erwähnt, um irgendwie den Eindruck zu erwecken, es herrsche Harmonie.y

Es scheint, als seien die Rechten stärker. Sie haben viele Schlüsselfunktionen in der Hand und nutzen sie aus, während die «Linken» nur die Presse in der Hand haben und sich hinter Maos Namen verstecken.

Die Fremdenfeindlichkeit ist gross, auch uns, den Albanern, gegenüber. Alle werden beobachtet, überwacht. Wenn sie ins Kino oder ins Restaurant gehen wollen, können sie das nur in Begleitung und an ganz bestimmten Orten. Nach eigenen Aussagen werden Chinesen verhaftet, wenn sie mit einem Ausländer Umgang haben.

Überall wird viel gebaut, grosse moderne Wolkenkratzer und Kombinate werden errichtet. Man erhält Kredite von den Vereinigten Staaten von Amerika, von Japan, von der Deutschen Bundesrepublik, Frankreich usw. Dabei gibt es zwei Sorten von Krediten: entweder bei diesen Staaten auf fünf Jahre oder bei kapitalistischen Privatbanken, die die Investitionen finanzieren. Dann ist die Tilgung längerfristig und es besteht Gewinnbeteiligung. Hongkong ist für China zum Zentrum der kapitalistischen Finanzierung geworden.

Im chinesischen Volk ist die Meinung über uns, über Albanien, gut. Doch neben uns geht am Himmel besonders der Stern Rumäniens auf, und auch der Jugoslawiens. Die Führungen dieser beiden Länder spielen als Agenturen der Imperialisten und der Revisionisten eine grosse Rolle bei der Zersetzung jenes bisschen Sozialismus, das in China übriggeblieben sein mag. Die rumänischen und jugoslawischen Revisionisten arbeiten unter der Maske des Antisowjetismus an der Zerstörung Chinas.

Von guten politischen Beziehungen zu uns kann überhaupt nicht die Rede sein, alles ist Maske, Fassade. «Freundliche» Worte und Slogans, aber ohne Inhalt. Unter den Volksmassen ist es ein wenig anders, doch der Widerhall unserer Freundschaft erlischt wie ein Strohfeuer, erstickt von den Spritzenmeistern vieler Sorten und vieler Farben. Doch wir haben auch Freunde in China. Man hat Behar erzählt, in der höchsten chinesischen Führung werde gegenwärtig über die Frage Albaniens diskutiert. Es gibt Führer, die die Frage aufgeworfen haben: «Warum werden die Lieferungen behindert und warum werden die Albanien gegenüber übernommenen Verpflichtungen nicht eingehalten? Warum verhalten wir uns Albanien, unserem Freund, gegenüber so, während wir bei Ländern; die wir noch kaum kennen, Bereitschaft zeigen?!» Ebenso hat ein Funktionär der Abteilung für Auslandsinvestitionen zu einem unserer Genossen gesagt: «Wir haben die Anweisung erhalten, dass wir über alles für die anderen diskutieren können, nur nicht übet die Probleme Albaniens, denn die studiert die Führung.»

Das sind, in aller Kürze, einige Streiflichter aus China. Wir haben all diese Vorgänge und Entwicklungen verfolgt. Chinans Aussenpolitik hat sich keinen Deut geändert: Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika, gegen die man sich beinahe überhaupt nicht äussert. Gegen die Sowjets wird nur ein politischer Kampf geführt, ideologisch entlarvt man sie nicht. Die Freundschaft reicht bis zu den Faschisten, wenn sie nur ein Wort gegen die Sowjetunion fallen lassen. Eine prinzipienlose, antiprole4tarische, antimarxistische, revisionistische Politik, die Politik einer aufsteigenden «Grossmacht».

POGRADEC, DONNERSTAG.

29. JULI 1976

UNS GEGENÜBER VERFOLGEN DIE CHINESEN EINE

«HINHALTETAKTIK»

China ist dabei, seine probjugoslawische Propaganda erheblich zu verstärken, gar nicht zu reden von Rumänien. Was dieses anbelangt, demonstriert es in jeder Hinsicht Gedankeneinheit - politisch, ideologisch, in Partei- und in Staatsfragen. Delegationen jeder Art aus beiden Ländern gehen in China haufenweise aus und ein. Jugoslawien und China haben auch Parteibeziehungen aufgenommen, kaschieren sie aber aus Gründen der Opportunität. Denn nicht nur für die Chinesen ist das nicht gut, auch den Jugoslawen nützt vorderhand ein offener Parteikontakt mit den Chinesen nicht.

Tito ist verkappt am Werk, den Marxismus-Leninismus in China zu unterminieren, wie er das überall tut, wo er den geeigneten Boden dafür findet. Die Chinesen nehmen sogar Kränkungen durch die Jugoslawen hin, ich meine dabei die diplomatischen Empfangsformen. Hier sind beide Seiten übereingekommen: die Titoisten sind bemüht, die Sowjets nicht zu verärgern, und die Chinesen haben volles Vertrauen in die «antisowjetische» Taktik und Strategie der Titoisten. Deshalb werden Leute wie Ministerpräsident Bijedic,

Mahmut Bakalli und Kosta Nagi in China herzlich empfangen, ja die Chinesen fahren mit ihnen sogar zur Besichtigung der chinesischen strategischen Knotenpunkte an die Grenzen zu den Sowjets. Unsere Genossen haben sie niemals dorthin geführt. Mahmut Bakalli wurde von ihnen mit besonderer Aufmerksamkeit als «Sohn» des albanischen Kosova empfangen.

Die Chinesen stehen im Gegen3atz zur Linie unserer Partei und unseres Staates. Sie haben uns offen empfohlen, ein Bündnis mit Jugoslawien einzugehen (so sagte Tschou En-lai zu Beqir Balluku).

Das heisst, sie wärmten die alte Geschichte wieder auf, den Traum die Titoisten, aus Albanien die siebte Republik Jugoslawiens zu machen. Täglich bringen die chinesischen Zeitungen Nachrichten übel Jugoslawien, verteidigen seine Politik, lobhudeln Tito offen in überschwänglichen Worten. Mao Tsetung hat seit damals, als er zu mir und Mehmet sagte: «Tito hat keine Schuld, Schuld haben vielmehr Stalin und die Komintern», seine Ansicht über Tito nicht irr geringsten geändert. Doch Stalin war und bleibt ein grosser Marxist Tito und Mao dagegen haben die gleiche Farbe, allerdings keine rote

Irgendwann einmal, wenn offen zutage tritt, was Mao wirklich gewesen ist, wird man die Frage stellen, warum wir ihn als «grossen Marxisten-Leninisten» bezeichnet haben. Das haben wir tatsächlich gesagt, doch nicht mit voller Überzeugung. Waren wir also Opportunisten? Nein, wir wollten stets das Beste für das chinesische Volk, die Kommunistische Partei Chinas, die offen Stalin verteidigten, wir wollten auch das Beste für Mao selbst.

Die Chinesen und Mao kämpften, doch in ihrer Linie nach der Befreiung gab es ausgeprägt opportunistische, liberale Elemente. Wir glaubten, diese Auffassungen seien vorübergehend. Nach Stalins Tod zeigte sich Mae «gemäßigt» in der Kritik an Stalin, aber begeistert über die Handlungen Chruschtschows. Später stieß er gegen Chruschtschow ins Horn, und wir meinten, er sei wieder in die Reihe gekommen, doch es waren andere, konjunkturbedingte, ideologische Motive, die ihn zu dieser volte-face* *( Kehrtwendung (frz. im Original)) trieben. Als die Kulturrevolution begann, war unsere Partei der Meinung, wir müssten China und Mao, die von der Reaktion und den Revisionisten bedroht wurden, mit aller Kraft verteidigen. Wir nannten ihn weitcr einen <;grossen Marxisten-Leninisten», waren aber gegen den übersteigerten Kult, den die Chinesen in widerwärtiger Weise um Mao veranstalteten. Wir lehnten es ab, uns über den blühenden Unsinn der Chinesen zu verbreiten und ihn zu veröffentlichen. Meine Meinung über diese unmarxistischen Positionen der Chinesen und Maos habe ich in besonderen Aufzeichnungen zu China in allen Einzelheiten dargelegt.

Besonders nach der Kulturrevolution gerieten die Aussenpolitik Chinas und andere Handlungen der Kommunistischen Partei Chinas in Gegensatz zu unserer Linie. Wir hatten eine richtige Taktik eingeschlagen, und unsere Linie zu allen Problemen wurde öffentlich bekanntgegeben. Sie geriet in Gegensatz zur Linie der KomInunistischen Partei Chinas, des chinesischen Staates und Maos. Alle sahen diese Differenzen, doch wir wollten damit China zum Guten beeinflussen, damit es seine Haltung ändere. Wir richteten auch offizielle Briefe an Mao Tsetung, die dieser nie beantwortete. Im Gegenteil, die Chinesen reduzierten die Hilfen für uns auf ein Minimum und wullen mit Parolen und Schlagworten den Eindruck erwecken, in den Beziehungen zwischen unseren beiden Parteien und Ländern sei überhaupt nichts vorgefallen, obwohl sich in Wirklichkeit Grosses ereignet hat. Doch die Chinesen verfolgen uns gegenüber eine «Hinlialtetaktik».

POGRADEC, DIENSTAG,

17. AUGUST 1976

IN CHINA GAB ES «HUNDERT STRÖMUNGEN» UND

«HUNDERT SCHULEN»

Die Genossen fragen mich oft: Wie viele ideologische Strömungen hat es zur Zeit der Kulturrevolution in China gegeben, und zu welcher Strömung gehörte Mao? Natürlich ist es nötig, dass ich den Genossen meine Meinung mitteile, so richtig sie eben sein kann. Nur kann ich ihnen diese Meinung nicht aufs Geratewohl sagen, sondern muss dabei aufbauen auf dem, was in China geschehen ist, und diese Angaben vom Standpunkt des dialektischen und historischen Materialismus zu analysieren versuchen.

Ich habe die Ereignisse in China ständig aufmerksam verfolgt und zu jedem Vorfall meine Schlussfolgerungen gezogen, die ich zur rechten Zeit niedergeschrieben habe. Ich tat dies, weil China und seiner Kommunistischen Partei auf der Welt und in der kommunistischen Weltbewegung eine grosse Mission anvertraut war.

In China gab es «hundert Strömungen» und «hundert Schulen». Das hat Mao Tsetung selbst gesagt. Er brachte das Motto auf : «Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern.» Das ist so sicher, wie eins und eins zwei gibt. Also akzeptierte Mao Tsetung nicht nur «hundert Strömungen und hundert Schulen» im Sozialismus, er liess sogar zu, dass sie sich in «friedlicher Koexistenz» entwickelten. Es versteht sich von selbst, dass die Theorie von den «hundert Blumen und hundert Schulen» revisionistisch ist. Die gegenwärtigen modernen Revisionisten sagen: «Wir müssen gemeinsam mit allen Parteien zum Sozialismus schreiten, auch den rechtsextremen», das heisst, den Faschisten.

Diese Idee praktiziert Mao Tsetung zu einer Zeit, da die Kommunistische Partei Chinas die Macht ergriffen hat und «den Aufbau des Sozialismus leitet».

Der «grosse Steuermann» spricht, nach alter Gewohnheit, vom «Gipfel des Olymp» aus, wie es ihm gerade durch den Kopf fährt. Eines Tages kommt ihm ein anderer Gedanke - der, die «hundert Blumen und hundert Schulen» auszurotten, wie Unkraut ausgerottet wird. Doch diese «Ausrottung» hing natürlich nicht mehr vom «Kopf des Zeus» ab. Die «hundert Blumen und hundert Schulen» gediehen weiter, doch nun in zwei «Gärten»: im «Garten» Liu Schaltschis und im «Garten» derer, die die Kulturrevolution machten.

Liu Schao-tschi, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und andere bildeten den rechten Flügel in der Kommunistischen Partei Chinas. Diese Gruppe hatte die «hundert Blumen und hundert Schulen» unter ihrem Schirm gesammelt und beherrschte China. Die wichtigsten Mitglieder dieser Gruppe hatten die Partei, die Armee, die Staatsmacht, die Wirtschaft und die Massenorganisationen an sich gebracht, «Zeus» auf dem Olymp dagegen war nichts als eine Galionsfigur. Eines Tages erwachte er und stellte fest: «Die werden mich stürzen.» Und so stützte er sich auf die Gruppe mit Kang Scheng, Lin Biao, Tschen Bo-da und anderen und löste die Kulturrevolution aus, mit dem Befehl: «Greift das Hauptquartier an!», das heisst, die rechte Gruppe. Doch diese Revolution brachte auch neue Führer hervor: Dschang Tschun-tjiao, Wang Hung-wen, Djiang Tjing, Yao Wen-yüan und andere.

Und mit den «Rotgardisten» und Millionen von Lin Biao in Zivil gesteckten Soldaten griff die Kulturrevolution das Hauptquartier an und siegte. Tschou En-lai wechselte das Hemd, krümmte sich wie ein Aal und unterwarf sich Mao. Deshalb blieb er unangefochten auf seinem Platz, entging der Säuberung. Als «die Situation gerettet war», bestieg Mao wieder den «Olymp» und Tschou begann, die Geschäfte auf der «Erde» zu organisieren. Tschou musste Lin Biao liquidieren, und - wie es nun auch immer geschah, ob eine Inerige gesponnen oder ein Komplott geschmiedet wurde - Lin Biao wurde liqLiidiert. Und Kang Scheng wurde krank und starb. So musste Tschou nur noch die Jungen liquidieren. Systematisch arbeitete er mit Maos Hilfe auf dieses Ziel hin. Er sammelte, angeblich unter Maos Banner, alle Rechten, rehabilitierte Deng Hsiao-ping und hob ihn aufs Podest. Wie aus der Theaterloge sah Mao zu, wie sich die Leute im Parkett prügelten», und wartete ab, «wer die Oberhand behalten» würde.

Mao war und ist ein Zentrist, ein Zuschauer, ein Marxist-Leninist à l'eau de rose, wie die Franzosen sagen.

Der «grosse Steuermann» will «unparteiisch» im Urteil sein, er will verfahren wie die Bourgeoisie bei der «Recht» Sprechung, die durch eine «schöne» Frau mit verbundenen Augen und einer «ausserordentlich präzisen» Waage in der Hand symbolisiert wird, um «unparteiisch» zu erscheinen.

Wir werden sehen, wie sich diese Situation nun weiterentwickelt. Unsere Pflicht als Partei ist es, sie zu beobachten und wachsam zu sein.

DIENSTAG,

24. AUGUST 1976

DIE CHINESEN MACHEN UNS SCHWIERIGKEITEN

Mao Beta, stellvertretender Minister für Industrie und Bergbau, der sich in China aufhält, benachrichtigt uns, dass die Chinesen Schwierigkeiten machen und die Fristen für den Bau und die Fertigstellung einiger Werke des Metallurgischen Kombinats hinauszögern. Dabei verschanzen sie sich hinter dem grossen Erdbeben im Juli dieses Jahres in Tangschan-Fengnan, das zwar offensichtlich, wie se sagen, sehr schwer war, jedoch nicht das geringste mit diesen Objekten zu tun hat.

Ich meine, wir sollten die Vorschläge akzeptieren, die vernünftig sind. Bei den anderen dagegen, wo es um einen unbefristeten Aufschub geht, solite unsere Seite erklären, dass wir nicht einverstanden sind, auch wenn wir damit nichts ändern können. Den «Grund», das Erdbeben zwinge sie angeblich dazu, diese Werke aufzuschieben, akzeptieren wir nicht. Was die anderen Punkte anbelangt, sollten wir die Protokolle unterzeichnen, ohne das Erdbeben zu erwähnen. Falls sie darauf beharren, sollte man die Unterzeichnung des Protokolls verweigern und nach einer schriftlichen Stellungnahme nach Albanien zurückkehren.

Heute besuchte mich Genosse Behar Shtylla zu Hause, denn er wird morgen nach Peking zurückkehren, um seine Pflichten wahrzunehmen. Natürlich unterhielten wir uns über die Lage in China und den Stand unserer Beziehungen zu den Chinesen.

Ich fasste für Behar zusammen, was wir von der politischen und ideologischen Linie der Kommunistischen Partei Chinas halten. Behar sieht in diesen Dingen klar. Wir verfolgen unsere eigenständige und offene Linie, und obwohl wir niemals über die chinesische Linie sprechen, sieht alle Welt die Widersprüche zwischen der Linie unserer Partei und der Linie der Kommunistischen Partei Chinas. Zweifellos sehen das auch die Chinesen, die mit der marxistischleninistischen Linie unserer Partei nicht einverstanden sind. Sie verhalten sich kühl, ja sind sogar zornig auf uns. Offen lassen sie nichts erkennen, arbeiten aber in Wirklichkeit gegen uns, indem sie uns unter Druck setzen. Sie verlangsamen den Bau der Werke und zögern vor allem ihre Fertigstellung hinaus. Ausserdem geben sie uns die Kredite nicht und halten die vertraglich festgelegten Wirtschaftsabkommen nicht ein. Die Chinesen hatten gemeint, wir seien ihnen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Sie wollten und wollen uns in Abhängigkeit von sich bringen. Sie wollten und wollen, dass wir ihrem antimarxistischen Kurs folgen. Dies geschah jedoch nicht und wird nicht geschehen. Dennoch hatten die Chinesen in ihrem Grossmachtdenken geglaubt, wir würden ihrer proamerikanischen, probreaktionären Linie folgen. Sie glaubten auch, wir würden für die EWG, das «Vereinte Europa», Tito, Ceau5escu, Pinochet und Franco eintreten. Aber sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht!

Wie damals die Sowjets hat nun auch die chinesische Führung begonnen, Druck auf uns auszuüben. Zunächst begannen sie mit wirtschaftlichen Pressionen, gingen dabei jedoch nicht nach der Methode der Sowjets vor. Die Chinesen stellen die Zahlung der Kredite an uns nicht ein, sie schieben sie auf, vermindern sie. «Wir haben nichts, wir sind arm», erklären sie uns, und diese Aussage kleiden sie in heuchlerische Parolen: «Wir sind Freunde», «unsere Freundschaft ist unverbrüchlich» und dergleichen Palaver mehr. All das liegt daran, dass die Linie ihrer Innen- und Aussenpolitik nicht auf dem Marxismus-Leninismus, sondern auf den «Maotsetungideen» gründet, die mit der Linie unserer Partei weder in der Ideologie noch in der Politik, noch in der Organisation übereinstimmen. Die «Maotsetungideen» stellen eine opportunistische, liberale Strömung dar. Dies zeigt sich klar im ganzen Denken und Handeln der chinesischen Führer.

Die Chinesen (ich meine damit die Führung und nicht das Volk und die Masse der Kommunisten) sind tückisch und heuchlerisch. Wenn sie dich brauchen, schmieren sie dir Honig um den Mund, wenn sie dich nicht brauchen und du ihnen nicht beipflichtest, lassen sie dich sitzen. Als wir gegen Chruschtschow kämpften, setzten sich die Chinesen nicht für uns ein, sie «hüteten sowohl die Ziege als auch den Kohl•>, weil sie zu der Ansicht neigten, Chruschtschow werde Mao als obersten Chef akzeptieren. Als sie sahen, dass Chruschtschow ihnen Grenzen setzte, wurden Mao und seine Genossen Feuer und Flamme für uns und propagierten unser Land und unsere Partei stark unter ihrem Volk. Das war ein Sieg und bleibt auch jetzt ein grosser Sieg für uns. Auch jetzt wagt die chinesische Führung nicht, diesen Sieg zu attackieren, vielmehr «nagt» sie an ihm unter der Erde, wie eine Maus.

Als Grossmacht schlug China in seinem Hegemoniestreben nach Lin Biaos Liquidierung den proamerikanischen, prowestlichen Kurs ein, um die Sowjetunion zu bekämpfen. Es stützt sich nun auf die Vereinigten Staaten von Amerika und diese stützen sich auf China, das es auf den Ausbruch eines Kriegs mit der Sowjetunion anlegt.

Wenn in China nicht eine radikale Wende in marxistisch-leninistischer, revolutionärer Richtung stattfindet, werden die albanischchinesischen Beziehungen durch die Schuld der chinesischen Führer abkühlen.

Offen können sie gegen uns nicht auftreten, doch den wirtschaftlichen Druck werden sie mit Sicherheit fortsetzen. Wir werden natürlich Maßnahmen ergreifen und aus eigener Kraft (und Kräfte

haben wir) mit der Sabotage der Chinesen fertigwerten.

Ich sagte Behar, dass in China, wie er selber weiss, das Chaos regiert, der Kampf zweier Linien. Wer stärker ist und wer siegen wird, lässt sich nur schwer sagen. Möglich, dass man ein opportunistisches Einvernehmen erzielt und für die Zeit nach Mao einen neuen «Mao» vorbereitet. Der hätte dann die Linie zu dosieren und auszubalancieren, die Unversöhnlichen zu versöhnen, Chinas «Gang» zum Sozialismus mit «hundert Blumen», mit vielen Linien und in Eintracht sicherzustellen, auf dass sich das hegemonistische China in rosigen Farben darbiete.

MONT AG,

30. AUGUST 1976

DIESER ZUSTAND IST WEDER NORMAL

NOCH REVOLUTIONÄR

Die Nachrichten, die aus China eintreffen, gleichen dem Echo vom Meeresgrund, der existiert, obwohl man ihn nicht sieht. An der Oberfläche lässt sich täglich eine hemmungslose Propaganda gegen Deng Hsiao-ping feststellen, doch weshalb man über ihn herzieht und was man ihm vorwirft, das dringt nicht aus der Partei heraus. Dieser Zustand ist keinesfalls normal, ist nicht revolutionär.

Die Propaganda gegen die Rechte entsprechend Maos Schlagwort: «Die Bourgeoisie sitzt mitten in der Partei» schlägt hohe Wellen. Diese Rechte, diese Bourgeoisie erfreut sich allerdings uneingeschränkt ihrer bisherigen wichtigen Positionen. Dieser Zustand ist keinesfalls normal, keinesfalls revolutionär.

Man macht grosse Worte um den Klassenkampf, man spricht von der Diktatur des Proletariats und schreibt Artikel darüber, doch weder lässt sich feststellen, dass der Klassenkampf geführt würde, noch scheint die Diktatur des Proletariats zu funktionieren, versetzt sie doch den Feinden keine Schläge. Dieser Zustand ist keinesfalls normal, keinesfalls revolutionär.

Anscheinend haben die gegnerischen Strömungen die Sessel besetzt. Eine Seite hat die Mikrophone und die Presse in der Hand, die andere die Wirtschaft und das Gewehr. Die eine scheint nervös, die andere ruhig zu sein, natürlich, denn sie hat das Gewehr. Mao scheint nirgendwo hervorzutreten, um zu sprechen, den Ton anzugeben, Direktiven zu erteilen. Nur im Rundfunk und in der Presse hört oder liest man einige Parolen von ihm, die allesamt zweischneidig sind, leicht sowohl von den Linken als auch den Rechten benutzt werden können. Es wird gänzlich im Dunkeln belassen, wann und bei welcher Gelegenheit Mao diese Parolen und Schlagworte geäußert un gegen wen er sie gerichtet hat. Nichts. Sie haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den Gleichnissen der Evangelisten.

Wie man sieht, ist es um Chinas Zukunft nicht gut bestellt. Ich meine, dass es dort «Taifune» geben wird, wie sich die Chinesen ausdrücken. Doch wen wird der Sturm wegfegen : die Linken oder die Rechten, die Reaktionäre Tschous, Dengs, Li Hsiän-niäns oder die jungen Führer, Wang Hung-wen und Genossen?.

An der Oberfläche scheint es heute, als seien die jungen Führer stark, doch unter der Oberfläche des grossen chinesischen Ozeans brodelt es. Und ich kann mir vorstellen, dass Tschous und Dengs Leute Maos - wenn auch nicht offene - Unterstützung haben, denn seine opportunistischen und liberalen Ideen sind eine gewaltige Hilfe für sie. Sie sind schon zufrieden, wenn ihnen niemand in die Quere kommt, mag auch das «Sprachrohr» noch so schwadronieren. Die Rechten warten Maos Tod ab und werden dann mit Sicherheit handeln.

SAMSTAG,

4. SEPTEMBER 1976

DIE CHINESEN HALTEN IHRE VERPFLICHTUNGEN

HINSICHTLICH DER OBJEKTE DES METALLURGISCHEN

KOMBINATS NICHT EIN

Genosse Maqo Bleta teilt uns per Radiogramm mit, dass die Chinesen in keinem Punkt bereit sind, von den falschen Ansichten abzugehen, die sic im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Protokolle und der fristgerechten Lieferung für die Objekte des Metallurgischen Kombinats vorbringen, zu denen sic sich früher verpflichtet hatten. Wie es scheint, wollen sic uns mit der Nichteinhaltung ihrer Verpflichtungen in bezug auf das Metallurgische Kombinat einschüchtern. Unter dem Vorwand des Erdbebens, das China getroffen hat, wollen sic in den Freundschaftsbeziehungen zu unserem Land eine 180-Grad-Wendung vollziehen. Für sic hatte die Freundschaft offensichtlich einen anderen Zweck: über die Runden zu kommen, als sic in Schwierigkeiten steckten. Von unserer Seite aus dagegen war es cine aufrichtige Freundschaft.

Wie dem auch sei, Maqo Bleta wird ihnen eine entschlossene und marxistische Antwort geben.

SONNTAG,

5. SEPTEMBER 1976

CHINESISCHE ERPRESSUNG UND WIRTSCIIAF TSBLOCKADE

GEGEN ALBANIEN

Die unfreundlichen, um nicht zu sagen feindsclien Akte Chinas unserem Land gegenüber häufen sich immer mehr. Die Chineen verzögern den Import und Export offen und auf skandalöse Weise, um unserer Wirtschaft zu schaden und uns in Schwierigkeiten zu stürzen.

Bis zum August haben die Chinesen an „ins nur 22 Prozent der vorgesehenen Waren ausgeführt, wir hingegen haben unseren Export an sic zu mehr als 80 Prozent realisiert.

Bei den Importen, die wir aus China erwarten, handelt es sich um Grundstoffe für unsere Industrie. Alle dies-, Importe sind in Effiziellehn Verträgen festgelegt und finden auf Clearingbasis statt. Unsere Waren wurden alle geliefert. Das heisst, wenn ich mich nicht äusche. dass wir mit China eine aktive Handelsbilanz haben. Das ist schändlich von den Chinesen, und es ist klar; dass sic Sabotage gegen uns betreiben. Wir waren gezwungen. unseren Botschafter in Peking, Behar, anzuweisen, mit dem chinesischen Aussenhandelsminister. Li Tjiang, Kontakt aufzunehmen und bei ihm zu protestieren. Eehar nahm Kontakt auf, stellte ihm die Lage in allen Einzelheiten dar und «bat» ihn, dringend Massnahmen zu ergreifen und die Waren an uns abzuschicken. Schiffe von uns wie die «Vlora» liegen bis zu 120 Tagen in den chinesischen Häfen, um Ladung aufzunehmen - cine Sache. die in 5 Tagen abgewickelt werden kann.

Herr Li Tjiang hörte Behar an, tat aber son. als sei er nicht im Bild (was cine gemeine Luge ist), versprach, er werde sich darum kümmern und kommende Woche Antwort t geben.

Die Chinesen bedienen sich uns gegenüber niederträchtiger Handelsmethoden, wie sie kein einziges kapitalistisches und revisionistisches Land praktiziert. China schliesst die Handelsverträge mit dem «befreundeten» Albanien in zwei Etappen: einen Teil im ersten und den anderen im zweiten Halbjahr. Das bedeutet, dass die Waren, die im ersten Halbjahr kontrahiert werden, gegen Ende des Jahres kommen und die Waren des zweiten Halbjahrs im ersten Halbjahr des folgenden Jahres. Nach dieser Praktik liefern wir den Chinesen unsere Waren binnen Jahresfrist, sie dagegen ihre im Verlauf von anderthalb Jahren oder mehr. Die Waren des zweiten Halbjahrs des laufenden Jahres aus China haben deshalb überhaupt noch nicht einzutreffen begonnen. Auf Behars Forderung, albanische Arbeitsgruppen sollten zu Gesprächen nach China kommen, antwortete Li Tjiang: «Wir wollen sehen, ob es uns möglich sein wird, sie vor Dezember zu empfangen.» Mit anderen Worten soll das heissen, dass der Handel mit China, den sie gegenüber früher auf jährlich 30 Prozent gedrückt haben, noch weiter gedrückt werden soll - auf jährlich 15 Prozent. Das ist offen feindselig.

Auf der anderen Seite ist die Industriedelegation, die in Fragen des Metallurgischen Kombinats nach Peking gefahren ist, seit beinahe drei Monaten den Erpressungen und dem arroganten Druck der Chinesen ausgesetzt. Anders ausgedrückt, sie wollen uns wichtige Abteilungen des Kombinats nicht liefern, deshalb legen sie keinerlei Termin fest, wollen das Damoklesschwert über unserem Kopf hängen lassen. Und all diese Absichten versuchen sie mit Phrasen zu kaschieren: «Wir beherrschen die Technologie für dieses und jenes noch nicht.» Das sind samt und sonders Lügen, denn im Arbeitsprogramm, das sie uns früher geschickt hatten, ist vermerkt, ihre Delegation werde «der ersten Produktion von Walzgut beiwohnen».

Darüber hinaus versuchen die Chinesen, uns die Protokolle, die wir unterzeichnen werden, so aufzuzwingen, wie sie sie haben wollen, und beharren darauf, dass der Punkt darin aufgenommen wird, dass «das Erdbeben, das China heimgesucht hat, möglicherweise die Lieferungen erschwert und die albanischen Freunde dafür Verständnis aufbringen müssen». Auf ihren arroganten Anspruch «Wir haben das .j Recht zu sprechen, schließlich sind wir die Lieferanten» gaben ihnen unsere Genossen in den Verhandlungen zwischen den beiden Seiten die gebührende Antwort: «Wir unterschreiben nur Protokolle über Fragen, in denen wir übereingekommen sind. Falls ihr euren Standpunkt in einem Anhang festhalten wollt, werden wir den unseren ebenfalls festhalten.» Die Chinesen, sagt Maqo Bleta, wurden unruhig, als wir dies sagten, und schlugen vor: «Reden wir noch einmal darüber, damit es zwischen uns keine Differenzen gibt.» Und so steht die Sache noch immer.

Andererseits sagte der chinesische stellvertretende Aussenminister Yü Dschang zu Behar, wir sollten unser Einverständnis zum Besuch von Freundschafts-, Kultur- und anderen Delegationen in

den nächsten Monaten geben. All dies machen die Chinesen aber nur, um ihre feindseligen Akte zu bemänteln und sich mit pseudofreundschaftlichen Akten zu präsentieren. Sie wollen also den Schein wahren, während sie andererseits die Freundschaft unterminieren.

Was den neuen chinesischen Botschafter betrifft, der nun schon seit Monaten nicht kommt, weil er angeblich krank gewesen ist, so erklärte Yü Dschang Behar, er werde um den 15. September herum

Eintreffen. «Es geht ihm immer noch nicht gut», sagte Yü Dschang, «immerhin wird er kommen. Dann werden wir weiter sehen, denn vielleicht wird er wieder nach China zurückkehren, um sich zu erholen», schloss er.

Was ergibt sich aus all dem Jelen, das uns die chinesischen Revisionisten antun? Genau die gleichen Gemeinheiten haben auch die Sowjetrevisionisten uns gegenüber begangen, allerdings mit

einem Unterschied: die Sowjets brachen die Beziehungen zu uns auf brutale Weise ab, die Chinesen dagegen gebrauchen Winkelzüge und die Methode: «Biegen, aber nicht brechen.» Ihre Taktik ist: "Brich du, nicht wir.» Worum geht es den chinesischen Revisionisten mit dieser Taktik? Sie sehen, dass unsere Partei einen richtigen, marxistisch-leninistischen Weg verfolgt, doch den Chinesen gefällt r Weg nicht, sie wollen, dass wir ihren revisionistischen und ätherischen Weg gehen. Das werden wir niemals tun. Wir werden jetzt und in Zukunft auf unserem richtigen Weg bleiben, der dem ihnen entgegengesetzt ist. Sie haben nicht die Macht, uns ihren Willen ihre Linie aufzuzwingen, deshalb werden die Versuche, die sie unternehmen, entlarvt.

Also haben die Chinesen mit Erpressungen und Druck auf dem Gebeit der Wirtschaft begonnen, mit dem Ziel, uns einzuschüchtern und fügsam zu machen. Trotz unserer Haltung kommen sie nicht zur Einsicht und denken und handeln wie eine revisìonistische Grossmacht. Ich bin schon früher auf das Gespräch eingegangen, dal Tschou mit Beqir Balluku hatte, um ihn zu dem zu veranlassen, was er dann auch tat. Das gleiche hatte er auch mit Abdyl Këllezi getan Gewiss waren die Chinesen aufs äußerste aufgebracht, dass wir mit ihren Freunden kurzen Prozess gemacht haben. Und genau zu der Zeit, als wir mit den Verrätern abrechneten, 'begannen sie, den wirtschaftlichen Druck zu verstärken.

Wir werden nun unseren 7. Parteitag abhalten. Sie könntet sich vorstellen, dass wir dort unsere Linie darlegen, und diese Linie wird offen sein, im Gegensatz zur Linie der Chinesen stehen, ohne dass diese irgendwie direkt erwähnt werden. Doch der ganzen Welt wird klar werden, dass zwischen unseren beiden Parteien in einer Reihe von Schlüsselproblemen prinzipielle Widersprüche bestehen.

All dal, was ich oben erwähnt habe, machen die Chinesen; um Druck auf uns auszuüben, damit wir auf dem Parteitag nicht uni, Re kristallklare Linie darlegen. Doch sie sind mit Blindheit geschlagen und es wird ihnen übel ergehen. Wir fürchten uns vor niemand. Wir sind auf dem richtigen Weg, sollen sie zittern!

Verständlich auch der Grund, warum sie vor dem Partei «Freundschafts-» Delegationen schicken wollen. Das ist eine eh lische List, um zu sagen: «Ihr mit Steinen, wir mit Blumen.»

Damit erklärt sich auch, was uns Yü Dschang über den chi siechen Botschafter sagte, dass er nämlich «möglicherweise nach na zurückkehren wird». Das soll eine Anspielung sein: «Wenig'! weiter euren Weg geht, ziehen wir den Botschafter ab», unter dem Vorwand, er sei «krank». Dann sinken die Beziehungen unseren Ländern unter Null, so wie die zu den anderen Revisionisten. Das ist der Gedankengang der Chinesen, doch woran sie nicht denken: dass uns das völlig egal ist - unsere Berge werden de nicht kleiner. Wir wollen die Freundschaft mit China, haben um sie bemüht und werden dal weiter tun, doch dal multe Freundschaft auf marxistisch-leninistischem und keinem andere„ sein. Die Freundschaft als Sklave, unter Druck, unter Erpressung egal ob von China oder irgend jemand anderem, weisen wir schroff zurück. Die chinesischen Führer handeln wie die Führer einer .Grossmacht». Sie meinen: «Die Albaner haben mit der Sowjetunion gebrochen, weil sie uns hatten, wenn sie auch mit uns brechen, werden sie zu den Sowjets zurückkehren.» Deshalb sagen sie: «Ob mit uns oder den Sowjets, ist einerlei, die Albaner sind am Ende.» Doch sie können uns den Buckel herunterrutschen! Wir werden gegen diesen gesamten Unratzkämpfen, denn wir sind albanische Marxistenleninisten und werden auf unserem richtigen Weg stets siegreich sein!

DONNERSTAG,

9.. SEPTEMBER 1976

MAO TSETUNG IST GESTORBEN

Heute wurde gemeldet, dass Genosse Mao Tsetung gestorben ist. Sein Tod, besonders in dieser verworrenen Situation, schmerzt und , beunruhigt uns. Er ist ein grosser Verlust für China.

Meiner Meinung nach war Mao Tsetung ein Revolutionär, eine Persönlichkeit, deren Bedeutung nicht nur auf China beschränkt blieb, sondern sich auch auf internationale Ebene erstreckte.

Mao Tsetung führte die Kommunistische Partei Chinas und das grosse chinesische Volk beim grossen Sieg der Befreiung Chinas von t der Knechtung durch die Besatzer und von der reaktionären Kuomintangclique. Dies war ein Erfolg von grosser historischer Bedeutung, sowohl für das chinesische Volk wie für das Lager des Sozialismus und die Völker, die für Befreiung kämpften und kämpfen.

Unter Maos Führung begann der Aufbau des Sozialismus in China. (Mindestens war das unsere Überzeugung bis heute, da wir sehen, dass dieser «Aufbau» im Zickzack vollzogen wurde.) Unserer Meinung nach sind die Dinge nun an dem Punkt angelangt, da sich die Frage stellt: Wer wird in China siegen, der Sozialismus oder der Kapita lismus? Deshalb ruft der Tod des Genossen Mao Tsetung bei uns au grosse Besorgnis um die Zukunft des chinesischen Volkes herv um den Weg, den China nach seinem Tod einschlagen wird. Gewönnen wir uns heute darüber noch nicht äußern, die Zeit wird uns Aufklärung geben. Mögen wir uns irren, doch die Fortfrüh dieser Linie, die die Chinesen «Maotsetungideen» nennen, einer nie, die nichts mit dem Marxismus-Leninismus gemein hat, wird China na nichts Gutes bringen.

Als Denker und Philosoph, als revolutionärer demokratisch Führer des chinesischen Volkes ist Mao Tsetung eine historische Persönlichkeit, doch die Geschichte und die marxistisch-leninistische Analyse der Situation in China werden klären, dass er zwar ein Philosoph mit umfassender Kultur, aber kein Marxist-Leninist war. Er war zutiefst geprägt von der alten chinesischen Philosophie des Konfuzius u.a. Und Eklektiker, der er war, fand der Marxismusleninismus in seinem Werk nur in Form bruchstückhafter Prinzipien und Ideen Eingang:

. Gerade sein philosophischer Eklektizismus liess Mao sozusagen zum Vermittler zwischen den verschiedenen Strömungen werden, die es. in China ständig gab und die er duldete, förderte und zum angeblich dialektischen «Aufeinanderprallen» brachte. Nun konnte sich seine Vermittlertätigkeit sowohl zum Guten als auch zum Schlechten auswirken, doch wie auch immer, dies konnte nur funktionieren, solange Mao selbst am Leben war. Nun ist er gestorben. Wird China seine rote Farbe behalten, und wird sich dieses Rot in ein wirkliches, flammendes, revolutionäres, marxistisch-leninistisches Rot verwandeln?

Mit all unserer kommunistischen Aufrichtigkeit wünschen und hoffen wir aus ganzer Seele, dass es so kommen möge, denn das wäre zum Wohl Chinas, der Revolution, des Sozialismus und Kommunismus.

Wir albanischen Kommunisten werden Mao Tsetungs gute Seiten in achtungsvoller Erinnerung behalten, jene positiven Gedanken und seine lange revolutionäre Tätigkeit. Was jedoch jene politischen, ideologischen und organisatorischen Anschauungen und Standpunkte anbelangt, von denen wir meinen, dass sie falsch und unmarxistisch gewesen sind, so haben wir nicht darauf verzichtet, sie aufzuzeigen und zu kritisieren, und werden auch weiter nicht darauf verzichten. Der Leninismus lehrt uns, stets gerecht und objektiv, nicht aber subjektiv und sentimental zu sein.

Auch wenn wir in vielen Urteilen mit ihm nicht einer Meinung waren, schmerzt uns der Tod des Genossen Mao Tsetung doch, denn er hat unserem sozialistischen Land und der Partei der Arbeit Albaniens stets Freundschaft und Wohlwollen entgegengebracht. Das dürfen wir als Kommunisten und Internationalisten nicht ignorieren. Ich kann sagen, dass Mao Tsetung in der chinesischen Führung die hauptsächliche und entscheidende Person war, die der Volksrepublik Albanien mit Wirtschafts- und Militärkrediten half und diese Hilfe in internationalistischem Geist gewährte. Auch unsere Partei half China in diesem Geist, stand an seiner Seite und verteidigte Mao, in guten wie in schwierigen Zeiten, insbesondere gegen die Angriffe der Chruschtschowrevisionisten und während der Grossen Kulturrevolution.

Sofort, als wir von seinem Tod hörten, beschlossen wir, eine Partei- und Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze zu entsenden, doch aus der Erklärung, die die chinesische Führung herausgab, erfuhren wir, dass zu der aus diesem Anlass organisierten Zeremonie keine ausländischen Delegationen empfangen würden.

Natürlich sorgten wir dafür, dass Beileidsbotschaften nach Peking gesandt und dort Kränze niedergelegt wurden, dass von der Führung der Partei, des Staates, der Massenorganisationen, von Einrichtungen des Bildungswesens, der Wissenschaft und der Kultur, von Delegationen der Werktätigenkollektive in Tirana sowie einiger Industriebetriebe und landwirtschaftlicher Genossenschaften anderer Bezirke Beileidsbesuche bei der chinesischen Botschaft abgestattet und Beileidsschreiben an sie geschickt werden.

DIENSTAG,

12. OKTOBER 1976

DIE TRAGÜDIE CHINAS

Eine grosse Tragödie in China. Die Ereignisse, die wir für die Zeit nach Maos Tod vorausgesehen hatten, sind tatsächlich eingetreten und haben sich sogar in Windeseile entwickelt. Wir dachten, die beiden Strömungen, die Linken wie die Rechten, würden fortfahren, «mit Differenzen zu koexistieren», wie das Mao sein Leben lang getan und wie er es seinen Mitarbeitern für die Zeit nach seinem Tod und immer empfohlen hatte. Nur, dass der «grosse Steuermann» der zwei oder mehr Linien sich eine solche Autorität erworben hatte, dass er die Dinge in der Waage halten konnte. Doch in was für einer Waage? Wirklich und konsequent marxistisch-leninistisch war sie niemals.

Mao Tsetung sprach in revolutionären Formeln über die «Revolution», über den «Klassenkampf» und andere grundsätzliche Fragen, doch in der Praxis war er ein Liberaler, ein Träumer, ein Zentrist, der die verschiedenen Strömungen, die in der Kommunistischen Partei Chinas und im chinesischen Staat bestanden und intrigierten, manipulierte und ausbalancierte. Aufgrund dieser Eigenschaften war Mao Tsetung von der einen oder der anderen Strömung leicht zu beeinflussen; einmal unterstützte er die eine, einmal die andere.

Ganz offensichtlich war Tschou En-lai der grösste «Jago» im chinesischen Shakespeareschen Drama. Er war rechts, war ein Mandarin, ein Bourgeois, ein Pseudomarxist. Bei den Manipulationen, die Mao vornahm, hat Tschou En-lai meisterhaft manövriert. Sank das Schiff einer reaktionären Strömung, in dem sich Tschou befand, verlies er es schnellstens und verbarg sich hinter dem Banner Maos.

Hier soll noch einmal betont werden, dass Mao die vorrangige Rolle der Bauernschaft in der Revolution herausstellte. Hierin zeigt sich, dass er mit der führenden und hegemonischen Rolle der Arbeiterklasse nicht einverstanden ist. Die wandelbaren Ideen Mao Tsetungs, wie die über die Bauernschaft, spiegeln sich in seiner gesamten liberalen Linie wider.

Theoretisch erkannte Mao einige grundlegende Prinzipien des Marxismus an. In seinen offiziellen Schriften finden sich diese Prinzipien und einige andere Fragen im allgemeinen richtig formuliert. Doch in der Praxis hat Mao nichtmarxistische Thesen formuliert und verfochten. Dazu gehört die These, die auch im Nachruf auf ihn betont wird: «Das Dorf muss die Stadt eine reisen.» Im Nachruf heisst es, dass «ohne so zu verfahren, die Revolution nicht gemacht werden konnte»! Das heisst, die Bauernschaft muss die proletarische Revolution führen. Diese These ist antileninistisch.

Doch Mao haben auch noch andere Thesen und Ansichten vorgelegt mit denen wir nicht einverstanden waren und nicht einverstanden:~ sind. Er schrieb viel über den Klassenkampf, die Widersprüche usw4. doch der Klassenkampf fand in China, insbesondere in der Praximy l nicht heftig und konsequent statt. Auch in dieser Beziehung hat sich Mao als liberal und gemäßigt erwiesen. Er liess rechte, revisiostische Elemente die Macht ergreifen und tiefe Wurzeln in der Park in der Staatsmacht und überall schlagen. Mao kosexistierte mit ihr, schaute ihnen zu, oft fanden sie seine Billigung. Schließlich stürzte er einige Häupter dieser Strömungen, doch ihre Basis liess er ungi getastet. Die Autorität, die er sich während des Kampfes und nach dem Sieg erworben hatte, brachte die Fraktionen zum «Scheitern». Doch die Lösung blieb auf halbem Weg stecken, und die Lage blieb weiter stets gemäßigt, liberal. Mao Tsetung war ein Zentrist, er hielt bei sich Leute verschiedener Strömungen, die sich Marx' nannten, es aber nicht waren und unter Mao Tsetungs Schirm ihrer Linie kämpften. Wenn sie das Gleichgewicht störten, griff Tsetung ein und «schaffte Ordnung».

In seinem Denken und Handeln zeigte Mao Unbeständigkeit und ich glaube, dass er den Marxismus irgendwie auf phantastis Art und Weise, nach Gutdünken interpretierte und anwandte. wurde natürlich «erklärt» und «gerechtfertigt» mit den «Bedin gen Chinas».

Noch viele Jahre nach der Befreiung wälzte Mao die Grund der reichen und ausbeuterischen kapitalistischen Klassen in Stadt und Land nicht um, schaffte ihre Privilegien nicht ab. Das geschah mit der Behauptung, dies sei «eine Taktik, bis sich die Lage stabilisiert hat». Doch diese «Taktik» hätte nicht in eine Theorie und eine Strategie verwandelt werden dürfen: dass die Kapitalisten «in den Sozialismus integriert werden», Dividenden erhalten, und dies jahrzehntelang, wie das in China noch der Fall ist. Diese Kapitalisten haben sich nun in «Kommunisten» verwandelt und sind zu einem Teil der «Bourgeoisie in der Partei» geworden, von der Mao spricht. Auch die Kommunistische Partei Chinas hat kein klares Verständnis von den Grundprinzipien der marxistisch-leninistischen Theorie. Im Gegenteil, sie hat sie durch die eklektischen Ideen Maos ersetzt. «Die Bourgeoisie sitzt mitten in der Partei und ihr seht sie nicht», sagt Mao. Und das stimmt. Aber wer hat denn zugelassen, dass sich diese Bourgeoisie in der Partei breit machte? Das war Mao selbst mit seinen Ideen, das war das Fehlen eines richtigen marxistisch-leninistischen organisatorisch-politischen und ideologischen Parteiaufbaus. Mao liess zu, dass viele Linien, Opportunismus, Praktizismus und Liberalismus wucherten.

Bei den «Schwenks» der Kommunistischen Partei Chinas hat sich Mao nicht auf die Partei, sondern auf die Armee, auf die Intelligenz und die Studenten gestützt. Bei diesen «Schwenks» war die Arbeiter- und Bauernschaft entweder in der Hand der Konterrevolutionäre oder stand abseits.

Stellt sich die Frage: Warum wandte sich Mao in schwierigen Augenblicken nicht um Hilfe an die Partei, die Arbeiterklasse und die Bauernschaft? Entweder, weil diese Kräfte ihm nicht gehorcht hätten, oder weil er ein Blutvergießen befürchtete. Zu einer Zeit, da Mao tönte: «Die Macht kommt aus den Gewehrläufen», riss die Reaktion diese Macht an sich.

Es heisst, die Kulturrevolution sei von Mao ausgelöst und geführt worden, der mit der Parole: «Greift das Hauptquartier an!» Millionen von Hungweibings auf die Beine brachte. Die Armee und Lm Biao dagegen, heisst es hätten die Hände in den Schoss gelegt. Die Tatsachen allerdings sprechen eine ganz andere Sprache. Lin Biao stand zusammen mit !Mao Kang Scheng, Tschen Bo-da, Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Dschang Tschun-Tjiao und anderen an der Spitze der Revolution. Nach den Angaben, über die wir verfügen, steckte Lin Biao zwei Millionen Soldaten in Zivil. Mit diesen «Rotgardisten» griff er das Hauptquartier an und zerschlug es, während das Verdienst dafür ganz und gar Mao für sich in Anspruch nahm. Der rettete Tschou En-lai und viele andere und konservierte Deng Hsiao-ping in einer Villa.

Doch Tschou manövrierte sehr geschickt, und eines schönen Tages war Lin Biao zum «Verräter, Agenten der Sowjets und Verschwörer gegen Maos Leben» geworden. Als Beweis dafür hiess es, Lin Biao habe ein Flugzeug genommen, mit dem er in die Mongolei geflüchtet sei, wo es «verbrannte». Alle Insassen wurden getötet. Es heisst, Tschou und Mao seien ins Bild gesetzt gewesen, doch Mao habe gesagt: «Lasst ihn gehen!» Seltsame Geschichten!

Lin Biao wurde mithin als für Tschou gefährliches Element liquid dient. Das gleiche Schicksal wie er erlitt auch Tschen Bo-da. Doch . wie sollte Tschou die Kulturrevolution liquidieren? Das bereitete ihm, Schwierigkeiten, denn damit wäre Mao angetastet worden. Deswegen sprach man weiter über sie wie zuvor. Kang Scheng wurde alt und schwer krank, doch die anderen blieben, die Jungen wie Djiang Tjing und Wang Hung-wen mit Genossen. Diese begannen die Revolution und setzten sie fort, natürlich aber nur so weit, wie dies det «Vorsitzende» gestattete. Mao wies ihnen die Rollen zu: Den Linken überließ er die Presse und den Rundfunk, den Rechten mit Tschou En-lai dagegen die Staatsmacht, die Wirtschaft, die Armee und den Sicñerheitsdienst. Daraus wird klar ersichtlich, wie der «grosse Steuermann» die Revolution und den Aufbau des Sozialismus sah.

Mao und Tschou arbeiteten auch die Aussenpolitik aus. Die chinesische Aussenpolitik Maos und Tschou En-lais war und blieb eine nichtmarxistische, nichtrevolutionäre Politik, sie ist eine fließende k Politik, deren Formen durch die internationalen politischen Verhält Nisse bestimmt werden, und die für den Sozialismus und die Revolution gefährliche Positionen bezieht.

Während dieser Zeit war Tschou damit beschäftigt, seinen Nach» folgert aufzubauen. Zusammen mit Mao brachte er Chinas «Chruschtschow Nr. 2» auf die Szene. Sie machten ihn zum ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten, zum stellvertretenden Parteivorsitzenden usw. Drei Jahre lang, während Tschou En-lais Krankheit, bis zu dessen Tod, sammelte Deng Kraft. Doch wie es scheint, setzten die Linken den «Steuermann» und Deng unter Druck. Letzteren jagten sie zum Teufel, seine Entlarvung begann. Der «Steuermann» manövrierte daraufhin «genial» und brachte, nach seiner Gewohnheit, die Strömungen zu dosieren, noch zu seinen Lebzeiten Hua Guofeng an die Macht, einen bis dahin unbekannten Mann, Chef der Staatssicherheit und gemäßigt in Worten, aber rechts in Taten.

Mao starb und in China geschah die grosse Tragödie. Kaum hatte der «Steuermann» die Augen geschlossen, putschte die Rechte mit Hua Guo-feng an der Spitze und schaltete Djiang Tjing, Wang Hung-wen, Dschang Tschun-tjiao und Yao Wen-yüan aus. Diese vier wurden festgenommen. Mit den Worten Maos im Munde töten heute die Rechten die Linken und Revolutionäre, keckern sie ein, rehabilitieren die verurteilten Rechten und die Konterrevolutionäre.

Fs ist ganz und gar undenkbar, dass die Worte eines «marxistisch-leninistischen Revolutionärs» auch den Konterrevolutionären dienlich sein können, wie das nun in China mit Maos Äußerungen geschieht!

Was schreibt die bürgerlich kapitalistische Presse nun nicht alles über China! Die Radikalen mit Djiang Tjing an der Spitze hätten 4komplottiert», Maos Neffe habe den kranken Mao gegen den Rat der Ärzte auf die linke Seite gedreht, usw. usf. Das sind für sie «Beweise» dafür, dass «diese Verschwörer auch Mao töteten». «Lin Biao versuchte dreimal, Mao zu töten», posaunte man vor einigen Jahren hinaus, während man jetzt trompetet: «Die Verschwörer haben Mao getötet und wollten auch Hua Guo-feng töten.» Doch die wahren Verschwörer sind die Leute Tschou En-Jais, Li Hsiänniäns, Deng Hsiao-pings, Hua Guo-fengs u.a.

Offiziell veröffentlichen diese Verschwörer gegenwärtig nichts, bereiten aber langsam die Massen vor, damit sie ihnen dieses tragische Märchen abnehmen. Die chinesische Reaktion gibt sich, mit vorgebundener Maske als «revolutionär und marxistisch-leninistisch», doch unter dieser Maske vernichtet sie die Revolutionäre und Kommunisten. Chinas Chruschtschowianer sind in höchster Eile dabei, Ihre Positionen zu festigen. Und diese Positionen versuchen sie mit Terror zu festigen. Mit Sicherheit werden sie so weit gehen, nicht nur Mao nicht mehr zu zitieren, sondern auch alles von irgendwelchem Wert, was er hinterlassen hat, mit Füssen zu treten. Mit Chinas Umwandlung in ein kapitalistisches Land werden die Liu Schaltschis, Tschou En-lais, Peng Tschens, Deng Hsiao-pings usw. hochkommen.

MITTWOCH,

13. OHTOBER 1976

GROSSES CHAOS IN CHINA

Grosses Chaos in China. Seit zwei oder drei Tagen sprechen die westlichen und die revisionistischen Nachrichtenagenturen davon, in China habe ein Staatsstreich stattgefunden und die «Gemäßigten» seien an die Macht gekommen. So nennen sie Hua Guo-feng und seine Leute, unter denen auch Li Hsiän-niän aufgetaucht ist. Für uns sind die «Gemäßigten» die Gefolgsleute Tschou En-lais, jene Revisionisten, die der marxistisch-leninistischen Ideologie, getarnt mit einer ohrenbetäubenden Demagogie, in beinahe allen Fragen entgegengehandelt haben. Sie praktizierten und praktizieren eine chauvinistische Großmachtpolitik, verfolgen eine proamerikanische Aussenpolitik. Tschou En-lai war es, der diese Politik betrieb, sie war aber zugleich auch Maos Politik.

Man kann Mao nicht getrennt von Tschou En-lai betrachten. Sie haben gemeinsam gehandelt. Beide waren Liberale und bemühten sich unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus, eine Grossmacht zu schaffen und in der internationalen Arena eine Chinas Grösse entsprechende «grosse Politik» zu betreiben. Mit anderen Worten, sie beabsichtigten, aus China eine Vermittlerkraft zu machen, die das Gewicht der beiden Supermächte, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, auszubalancieren hätte.

Ich habe schon in anderen Aufzeichnungen dieses Tagebuchs geschrieben, dass Mao Tsetung, Tschou En-lai und die ganze chinesische Partei- und Staatsführung, die stets unter dem Banner Mao Tsetungs gekämpft hat, gegen Stalin, gegen die leninistische Sowjetunion, gegen die Bolschewistische Partei und gegen die Kominter waren, diese gesamte Einstellung aber unter einem Tarnschleier Verborgen hielten. Später, nach Stalins Tod, kamen ihre langgehegten Auffassungen und Ansichten ans Licht. Die chinesische Führung hatte die Absicht, Chruschtschow und den Chruschtschowianern nach ihrem Staatsstreich in der Sowjetunion zum Sturz der Ideen des Marxismus-Leninismus dabei zu helfen, festen Fuss zu fassen. Das Ziel Mao Tsetungs, Tschou En-lais und der anderen war zugleich, China mit Hilfe der Sowjetunion zur Grossmacht zu machen und Mao Tsetung auf den Platz nach Lenin zu heben. Er sollte also unter die grossen Klassiker eingereiht werden, die dann ihrer Meinung nach wären: Marx, Engels, Lenin, Mao Tsetung. Dafür musste Mao natürlich Chruschtschow schmeicheln und helfen. Das tat er nicht nur insgeheim, sondern auch offen, nicht nur auf Hintertreppen, sondern auch auf internationalen Beratungen der kommunistischen und Arbeiterparteien, an denen auch wir teilnahmen. Wir hörten mit eigenen Ohren, was Mao über Chruschtschows Taten sagte. Nichts als Lob.

Jedoch, die Zeit nahm ihren Lauf, die Ereignisse entwickelten sich, und es kam anders, als Mao Tsetung dachte. Chruschtschow war tatsächlich ein Clown, ein Antimarxist und ein grosser Intrigant, doch er war kein solcher Dummkopf, dass er die Sowjetunion unter die Fittiche Chinas und Mao Tsetungs gebracht hätte. Im Gegenteil, was er wollte und wofür er arbeitete, war, aus der Sowjetunion eine imperialistische Macht mit grossem militärischem Potential zu machen, um sie so in einen starken Partner der Vereinigten Staaten von Amerika zu verwandeln, mit denen zusammen sie die Welt aufteilen und in beider Interesse ausbeuten würde.

Trotz aller Anstrengungen, die sie unternahmen, ging der Traum Mao Tsetungs und Tschou En-lais also nicht in Erfüllung. Kurz gesagt, die beiden träumten mit offenen Augen. Dann vollzogen sie, wie ich schon bei anderer Gelegenheit erläutert habe, eine Wendung um 180 Grad, richteten die «Batterien» gegen die revisionistische Sowjetunion, woran auch wir interessiert waren. Allerdings wandten sie sich gleichzeitig dem amerikanischen Imperialismus zu und reichten dem faschistischen Präsidenten Nixon die Hand. Der nächste Traum Mao Tsetungs und Tschou En-lais war es also, in enger Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus und auf ihn gestützt China in eine sozialimperialistische Grossmacht zu verwandeln.

Ich will nicht länger auf die Frage der Kulturrevolution usw. usf. eingehen, denn darüber habe ich in meinen Aufzeichnungen viel geschrieben. Ich möchte nur sagen, dass eines sicher ist: Es waren Mao Tsetung und Tschou En-lai, die den Plan zur Liquidierung Lin Biaos, Tschen Bo-das usw. ausgeheckt haben. Wir hatten anfänglich grosse Zweifel, ob Lin Biao, den Mao Tsetung, Tschou En-lai und die ganze chinesische Propaganda als Verräter hinstellten, der eine Verschwörung angezettelt habe, um Mao zu beseitigen und seine Stelle einzunehmen, diese überraschende Tat wirklich begangen hatte. Doch mit der Zeit und dem gegenwärtigen Gang der Ereignisse sehen wir, dass Verschwörungen im China Mao Tsetungs eine geläufige Praktik sind, woraus geschlossen werden muss, dass die Arbeit der Kommunistischen Partei Chinas sehr schwach ist und nicht auf marxistisch-leninistischen Bahnen verläuft. Die Propaganda dieser Partei ist gespickt mit Worten wie «Revolutionäre», «marxistisch-leninistisch», «Proletariat» usw., doch tatsächlich ergibt sich für uns, dass Mao Tsetung, der sich als «grosser Marxist-Leninist» ausgab, nicht nur keiner war, sondern sogar der Urheber all dieser negativen Erscheinungen ist, die in China festzustellen waren und sind.

Die Ereignisse um Liu Schao-tschi, Lin Biao, Deng Hsiao-ping und nun kürzlich der Staatsstreich in China sind das Ergebnis einer liberalen, opportunistischen, unmarxistischen Linie Mao Tsetungs. Er hat ausgeprägte Schwächen in der organisatorischen und politischen Linie der Partei zugelassen; er hat zugelassen, dass sich in Partei und Volk zwei und mehr Linien entfalteten; schliesslich hat er angeblich einen Kampf gegen Konfuzius geführt. Infolge der prinzipiell falschen Linie in grundlegenden Fragen der Diktatur des Proletariats war der Klassen~kampf, ob nun gegen die äußeren und inneren Feinde oder auch gegen die kleinbürgerlichen Überreste, die Religion usw. usf., in China nicht existent oder wurde in Kampagnen geführt, um den einen zu stürzen und den anderen hochzubringen, um den einen zu stürzen und noch einmal zu stürzen und den anderen hochzubringen oder wieder hochzubringen.

Liu Schao-tschi und Deng Hsiao-ping, die in ihrem Leben oft Fehler gemacht hatten, hielt Mao als stellvertretenden Vorsitzenden bzw. Generalsekretär der Partei, bis er sie dann in der heißesten Zeit der Kulturrevolution als «Chruschtschow Nr. 1» und «Chruschtschow Nr. 2 Chinas» bezeichnete. Der «Chruschtschow Nr. 2» (Deng Hsiao-ping) wurde von Mao Tsetung gerufen und in alle Posten wiedereingesetzt, wurde sogar stellvertretender Parteivorsitzender (natürlich mit dem Segen Tschou En-Jais, um nicht zu sagen, auf seinen Vorschlag hin). Vielleicht wäre auch Liu Schao-tschi eine solche «glückliche Fügung» vergönnt gewesen, wäre er nicht gestorben. (Doch auch nach seinem Tod werden ihn seine Freunde vielleicht nicht vergessen.) Dieser Auf- und Abstieg von Feinden in hohen Funktionen von Partei und Staat sowie viele andere üble Akte sind nicht marxistisch-leninistisch.

Um es nicht zu lang zu machen: die ausländischen Nachrichtenagenturen sprechen seit zwei oder drei Tagen davon, in China habe Hua Guo-feng die Macht ergriffen. Hua Guo-feng, Staatssicherheitschef und Innenminister, hatte Deng Hsiao-ping ersetzt, der in der Kulturrevolution verurteilt worden war. Geht man danach, was die chinesischen Führer sagen, war alles, was die Kulturrevolution hervorbrachte, «richtig» und wurde von Mao Tsetung und seien Adepten leidenschaftlich verteidigt. Zwar gab es in dieser Kulturrevolution auch Menschen, die in voller Überzeugung, indem sie Maos Banner hochhielten, die kommunistischen Positionen in China stärken wollten. Doch in dieser Revolution gab es auch zahlreiche starke Feinde, die sich, wie ich in diesem Tagebuch oft geschrieben habe, um Tschou En-lai sammelten. Dieser schloss sich fest mit Mao zusammen und intrigierte bei ihm. Mao brauchte Tschou Enlai. Das heisst, die Politik, die Mao Tsetung im Sinn hatte und verfolgte, war stets eine Politik des Gleichgewichts. Und zu jenen, die diese Gleichgewichtspolitik zu Mao Tsetungs Lebzeiten machen konnten, gehörte Tschou En-lai. Er passte sich Mao an, denn er begriff dessen Mentalität, dessen unmarxistische Anschauungen sehr genau. Tschou verstand es, antimarxistische Elemente um sich zu scharen und sie in Schlüsselpositionen in der Staatsmacht, in der Armee, in der Partei. bis hin zum Zentralkomitee, einzuschleusen. Diese Leute sollten im geeigneten Augenblick die Macht an sich bringen und die gesunden marxistisch-leninistischen Elemente liquidieren. Dazu rehabilitierten Mao Tsetung und Tschou En-lai nahezu alle Elemente, die angeblich schikaniert worden waren. In Wirklichkeit geht es hier nicht um Leute, die schikaniert, sondern um die, die verurteilt worden waren.

Tschou En-lai, der sicherlich genau um seine Krebserkrankung wusste, bereitete Deng Hsiao-ping drei Jahre lang darauf vor, seinen Platz einzunehmen, und als Tschous Asche in ganz China ausgestreut wurde, hielt Deng Hsiao-ping das De profundis auf Tschou En-lai. Doch dieses De profundis war zugleich auch sein eigenes. Deng schaffte es nicht, Ministerpräsident zu werden, denn er wurde kaltgestellt und als Revisionist und Feind, als Führer der Rechten, als Feind Mao Tsetungs, als Feind des Sozialismus usw. usf. angeprangert. So begann eine heftige Kampagne gegen ihn - und die war richtig -, doch nur in der Presse, in der Propaganda und im Radio. Anscheinend hatten Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Wang Hungwen und Dschang Tschun-tjiao nur die Presse in der Hand. Als die Kampagne begann, war Mao Tsetung noch am Leben, und man glaubte, diese vier hätten auch seine Unterstützung.

Aber hatten diese vier wohl jene Macht im Volk, in der Partei und in der Armee, die nötig gewesen wäre, um die Kulturrevolution in der Praxis fortzuführen oder, anders ausgedrückt, die Reihen der Partei, der Staatsmacht und der Armee von den Elementen der Reaktion zu säubern, die im Gewand von Kommunisten wirkten, von den Leuten Liu Schao-tschis, Deng Hsiao-pings, Tschou En-Jais und Peng Tschens? Nach unserer Überzeugung hatten die vier diese Macht nicht. Es waren junge, gutwillige Kader, doch äußerst unreif, während die alten Wölfe in der Kommunistischen Partei Chinas tiefe Wurzeln geschlagen hatten, und diese Wurzeln waren genährt worden von der keineswegs marxistisch-leninistischen Ideologie Mao Tsetungs, der meinte, dass wenn schon nicht er, so doch seine Gedanken Jahrhunderte überleben würden.

Diese vier Führer machten also nur Propaganda. Deng Hsiao-ping entfernten sie aus der Führung. doch Mao Tsetung, der noch am Leben war, riet den Seiten, die sich im Konflikt befanden: «Wer sachte geht, geht sicher», «zankt euch nicht», «vertragt euch miteinander» und «lasst die Streitereien». Alle diese Parolen wannen seltsani. nicht revolutionär. Und sie wurden von jemand ausgegeben, der sich als «grosser Marxist-Leninist» aufspielte. Mao Tsetung nannte sich selbst einen Marxisten, doch er war ein «Marxist» mit kleinbürgerlichen Anschauungen. Da in seinem Denken, in seinen Schriften und in seinem Handeln die Bauernschaft der «Schlüsselfaktor der Revolution» war, die er jedoch nicht versäumte, «proletarisch» zu nennen, konnten sich in seinen ideologischen und politischen Anschauungen auch nur die kleinbürgerlichen Eigenschaften der Bauernschaft niederschlagen, wie es die Schwankungen nach rechts und nach links sind. So vereinigte sich Mao einmal mit dieser Gruppe oder mit diesem Staat, dann wieder mit einer anderen Gruppe oder einem anderen Staat. Tags darauf brach er dann mit ihnen und vereinigte sich mit anderen. Unter Maos Schirm lebten und handelten alle: Bourgeois, Kapitalisten, Proletarier, und Mao genoss seine Popularität. In seinen Äußerungen und Schriften benutzte er auch Ideen und Zitate von Marx und Lenin, doch sie waren Fassade. Wenn man die Ideen von Marx und Lenin, wie sie in Maos Schriften auftauchen, sorgfältig studiert, wird man feststellen, dass sie so eingearbeitet sind, dass der Eindruck entsteht, sie seien seinem eigenen Kopf entsprungen.

Mao predigte Versöhnung, tönte aber andererseits auch: «Was wollt ihr, seht ihr nicht, dass der Feind mitten in der Partei sitzt?» Doch dieser Feind innerhalb der Partei musste totgeschlagen werden. Tat Mao dies? Nein, das tat er nicht. Diese Phrase blieb bei ihm nur Schall und Rauch, denn in der Praxis wandte er die Parole an: «Streitet euch nicht», «vertragt euch», «befasst euch nicht mit Verschwörungen», und andererseits: «Seid gegen den Revisionistnus», «seid für den Marxismus»! So bedienten sich in China alle, Marxisten und Antimarxisten, dieser Phrasen Mao Tsetungs. Mit Sicherheit erlaubte er nicht, dass die gesunden Elemente die Macht ergriffen und China auf richtige Bahnen brachten.

Angesichts dieses grossen Chaos ist es uns nur schwer möglich, definitive Aussagen zu treffen, doch nach dem, was sich in China vor unseren Augen abgespielt hat und wie es sich abgespielt hat, können wir sagen, dass die jungen Elemente revolutionärer und fortschrittlicher zu sein schienen als Tschou En-lais Gruppe. Um also die Leute zu «versöhnen» und im Bewusstsein seiner schweren Krankheit und des nahenden Todes fand Mao Tsetung - ehe er «zum Herrn» ging, wie er zu Edgar Snow gesagt hatte - die «geeignete Lösung»: er betraute Hua Guo-feng mit der Leitung der Gcschäfte.

Wer war dieser Hua Guo-feng? Ein Mann ohne grosse Autorität, ein Unbekannter. Doch Mao Tsetung kannte ihn, und der rechte Flügel, der Hoffnung auf diesen Mann setzte, weil er zumindest gemäßigt sein würde, akzeptierte ihn. Und so kam er ungewählt in die höchste Führung. Nach Tschou En-lais Tod wurde er Ministerpräsident und erster stellvertretender Vorsitzender des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas. Das bedeutete, dass er nach Maos Tod sicherlich Parteivorsitzender werden würde.

Nicht sehr lange nach diesen ausgeklügelten Operationen starb Mao Tsetung. Man trug schwarz, hatte den Trauerflor am Arm, und es vergingen keine zwei, drei Wochen oder höchstens ein Monat (versuche einer, bei solchen Dingen Buch zu führen), bis in China das grosse Chaos ausbrach, bis das ausbrach, was wir vorausgesehen hatten.

Was hatten wir vorausgesehen? Wir hatten vorausgesehen, dass die beiden sich deutlich abzeichnenden Strömungen im Ringen um a die Macht aufeinanderprallen würden (und waren dabei der Ansicht gewesen, dass die Rechten, die Gefolgsleute Tschou En-lais, die Macht in der Hand hatten - aus den Gründen, die ich oben anführte --, während ihre Gegner nur über die Presse und die Propaganda verfügten, so dass, wenn es dann ums Ganze ging, die nichtrevolutionären Elemente die Macht ergreifen würden), doch wir hatten ebenfalls gedacht, die «Königswürde» Maos werde vielleicht noch etwas überdauern. Doch wer nun die Waage in der Hand hielt, war Hua Guo-feng, nicht Mao Tsetung. Hua hatte bei weitern nicht die Autorität, die sich Mao in China und auf der Welt erworben hatte. Hua Guo-feng zeigte sein wahres Gesicht. Vor drei Tagen gaben die ausländischen Nachrichtenagenturen bekannt, dass er eines Morgens Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Wang Hung-wen und Dschang Tschuntjiao unter Hausarrest stellte, also alle Hauptelemente des linken Flügels, die sie «Radikale» nennen. Hua Guo-feng ergriff zusammen mit Li Hsiän-niän, einst die rechte Hand Tschou En-Jais, die Macht. Ebenso gibt es Stimmen, die zu berichten wissen, dass Deng Hsiao-ping nach Peking geholt wurde. Und wenn er vorläufig auch noch nicht stellvertretender Ministerpräsident wird, so wird doch der Weg, den China einzuschlagen dabei ist, Deng Hsiao-ping unbedingt einen wichtigen Posten einbringen, möglicherweise auch den des Generalsekretärs der Partei, eine Funktion, die er schon zur Zeit Liu Schao-tschis und Mao Tsetungs ausgeübt und in der er sich Erfahrung erworben hat.

Also macht China gegenwärtig schwierige Momente durch, und nicht nur China, sondern die ganze Weltrevolution. Falls alles stimmt, was die ausländischen Nachrichtenagenturen über China sagen, wird dies der Weltrevolution und dem Sozialismus gewaltigen Schaden zufügen, sie um viele Jahre zurückwerfen. China selbst wird den Weg einer sozialimperialistischen Großmacht einschlagen. Es wird sich vorerst auf die Vereinigten Staaten von Amerika stützen, doch es wäre kein Wunder, wenn es später Titos Politik betriebe, also, um dieses Ziel zu erreichen, auch der Sowjetunion die Hand reichte. Das ist auch ein Sieg für die Sowjetunion, ungeachtet der gegenwärtigen «ohrenbetäubenden» Propaganda Chinas gegen den modernen Chruschtschowrevisionismus. Diese Propaganda mag es morgen nach und nach abklingen lassen. Wenn China eine unabhängige Macht wird, mit einer starken Industrie, die z.Zt. mit amerikanischer Technologie aufgebaut wird, mit einer geringeren Zahl Atombomben als die Sowjetunion, dafür aber einer im Vergleich zur Sowjetunion erdrückend grossen Armee - dann ist es nicht ausgeschlossen, und ich glaube, so kann es geschehen, dass auf der Welt drei Supermächte entstehen und alle drei ihre Einflusszonen haben wollen. Die Widersprüche zwischen ihnen werden natürlich zunehmen, es wird eine Zeit kommen, da sie sich verschärfen. Und wir werden Zeuge dieser Verschärfung werden, die möglicherweise auch zu einem neuen Weltkrieg führen wird.

Was wird das chinesische Volk jetzt tun? Wird es sich erheben oder wird es apathisch Hua Guo-fengs und Mao Tsetungs Märchen akzeptieren? Wird es einverstanden sein mit den Säuberungen, die jetzt in der Kommunistischen Partei Chinas vorgenommen werden? Wird Schanghai, aus dem alle diese Elemente hervorgegangen sind, diesen Zustand dulden, wird es hinnehmen, dass Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping und Li Hsiän-niän mit Konsorten in Peking dominieren, in China das Gesetz machen und es in Richtung auf die Vereinigten Staaten von Amerika oder die Sowjetunion führen? Das ist ein Problem, das wir im Auge behalten müssen.

Ob es in China wohl zu Unruhen kommen kann? Ja, es kann.

In der Sowjetunion verfuhr Nikita Chruschtschow überlegter, er überstürzte die Dinge nicht so. Nach Stalins Tod betrieb er seine konterrevolutionäre Tätigkeit einige Jahre lang «sanft», unauffällig, er fasste seine Feinde in den Flanken, bereitete die in- und ausländische Öffentliche Meinung vor und säuberte dann schließlich die angeblich fortschrittlichen Elemente weg, die sich allerdings weder als fortschrittlich, noch als sonst etwas erwiesen. Wie dem auch sei, Chruschtschow räumte seinen Weg nicht innerhalb eines Monats frei wie jetzt Hua Guo-feng. Das Sowjetvolk wurde mit enormer Demagogie auf diese regressive Wende vorbereitet, die sich ereignen sollte. Und die Ereignisse, die dann stattfanden, hielt es für normale Angelegenheiten; die sich «innerhalb der leninistischen Parteinormen» abspielten. Es sah die Wahrheit nicht, weil man es die Wahrheit nicht sehen liess. Die rechte revisionistische Clique in China dagegen handelt eilig, überhastet, ein Vorgehen, das möglicherweise Reaktionen im Volk hervorrufen wird. Natürlich erhob sich das chinesische Volk zur Kulturrevolution, weil Mao es aufrief, doch es erhob sich wirklich und schlug zu. Hätte Mao diese Revolution nicht gebremst, hätte sie den ganzen stinkenden Unrat, der jetzt an die Macht kommt, hinweggesäubert. Das chinesische Volk ist imstande, das zu wiederholen. Wieweit es das tun wird, weiss man nicht, wir können nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob es das tun wird, denn das chinesische Volk wurde mit dem Namen Mao Tsetungs fanatisiert.

In Berichten der ausländischen Nachrichtenagenturen heisst es allgemein, die Elemente des rechten Flügels mit Hua Guo-feng an der Spitze behaupteten, sie hätten einen von Djiang Tjing, Yao Wen-yüan usw. angeführten «Staatsstreich» unterdrückt. Das ist ein Bluff. Nach Meldungen ausländischer Nachrichtenagenturen hat Hua Guo-feng erklärt, die «Vier» hätten diesen «Staatsstreich» vorbereitet, «indem sie die Gedanken Mao Tsetungs verfälschten». Das soll heissen, dass «die gesamte Propaganda gegen Deng Hsiao-ping, für die Diktatur des Proletariats usw. usf. von dieser Verschwörergruppe verzerrt worden ist». Sie also sind es, laut Hua Guo-feng, die «die Ideen Mao Tsetungs verfälscht haben». Hua Guo-feng wird unter dem Volk Mao Tsetungs Zitat propagieren: «Sich nicht mit Verschwörungen befassen!» Doch wer befasste sich mit Verschwörung? «Djiang Tjing und Konsorten», werden Hua Guo-feng, Li Hsiän-niän, Deng Hsiao-ping u.a. sagen, die sich als Retter Chinas vor diesen «r reaktionären Elementen» hinstellen, die die Ideen Mao Tsetungs verletzen, dessen Banner sie selbst heftig schwenken, weil dies ihre Geschäfte so wollen.

Wenn das chinesische Volk auf dieses Manöver hereinfällt, wird es in China keinen Aufstand geben. Fällt es nicht darauf herein, wird es sich erheben, und dann wird es Bürgerkrieg geben. In der Kulturrevolution kämpften auch das Volk, auch die Arbeiter, unabhängig davon, zu welcher Gruppe sie hielten. Auch in der Armee schoss man mit Kanonen und Maschinengewehren aufeinander, und es gab Tote. Mehr wissen wir nicht. Wir wollen später sehen.

Eines jedoch können wir mit Gewissheit sagen: was in China geschah, ist eroe Katastrophe für das Land und fügt der Weltrevolution, dem Kommunismus unermesslichen Schaden zu. Der amerikanische Imperialismus und die reaktionäre Bourgeoisie reiben sich die Hände. Diese Katastrophe ist ihr Werk. Diejenigen, die in China diese Situation heraufbeschworen, sind ihre Kollaborateure, wie auch Chruschtschow, Breschnew, Suslow, die gesamte revisionistische Bande Titos und eine Reihe von Konterrevolutionären und Lakaien von ihnen auf der Welt ihre Kollaborateure waren und sind.

Was uns, die Albaner, betrifft, so ist uns natürlich klar, dass uns die in China entstandene Situation nichts Gutes, sondern Schwierigkeiten bringt. Diese Situation hatten wir frühzeitig vorausgesehen, schon 1960, als die chinesischen Führer uns vorgeblich gegen die Chruschtschowianer verteidigten. Wir sahen, dass sie schwankten und uns in Wirklichkeit niemals verteidigten. Mit Tschou En-lai an der Spitze wollten sie die Sowjets dazu bringen, die Polemik gegen uns einzustellen und unter diese Frage einen Schlussstrich zu ziehen. Chruschtschow, als Potentat, akzeptierte es jedoch nicht, sich vor den Albanern zu demütigen. Er war nicht einverstanden mit dieser These Tschou En-lais und Mao Tsetungs. Tschou En-lai und Mao Tsetung hofften sehr, Chruschtschow werde China die Atombombe geben und ihm wirtschaftlich dabei helfen, eine Großmacht zu werden. Deshalb versuchten sie auch, den Konflikt, als er ausbrach, abzumildern. Darüber habe ich in diesem Tagebuch im Verlauf der Ereignisse Tag für Tag geschrieben, es sind also keine Schlussfolgerungen, zu denen ich jetzt erst komme.

Also traf uns diese Situation nicht unvorbereitet. Seit einigen Jahren, besonders während des letzten Jahrfünfts, arbeitete Tschou En-lai gegen uns. In den wirtschaftlichen Fragen hat er Sabotage gegen uns betrieben. Diese Sabotage haben wir konkret erlebt, und wir haben sie bekämpft. Tschou befand sich in einer Situation, da ihm nichts anderes übrig blieb, als zu der Methode zu greifen, den Bau der Werke hinauszuzögern, konnte er doch die andere Methode, die Einstellung der Kredite, nicht anwenden. Tschou En-lai schlug nicht Chruschtschows Taktik ein, der die Brücken zu uns auf einen Schlag abbrach. Er wählte folgende Taktik: uns nicht rechtzeitig die Maschinen für die Werke zu liefern, die für die Entwicklung unserer Wirtschaft von grosser Bedeutung sind. Diese Werke hätten schon vor zwei oder zweieinhalbe Jahren fertiggestellt sein müssen. Aus dem genannten Grund sind sie noch nicht fertig. Und nicht etwa, weil China «arm» wäre, oder wegen anderer Märchen, die die Chinesen erzählen. Nein, dafür waren und sind politische Gründe verantwortlich: Tschou En-lai und Mao Tsetung sahen, dass Albanien seine eigenen, marxistisch-leninistischen Positionen einnahm, dass es, wie auch heute, seine eigene, unabhängige Politik hatte, über die es sich offen, ohne Furcht vor irgendjemand äußert, was den Chinesen nicht gefiel und nicht gefällt.

Genauso wenig gefiel den Chinesen, dass das kleine Albanien auf internationaler Ebene das grosse China verteidigte. Vielleicht empfanden Mao Tsetung und Tschou En-lai unser Eintreten für China als Schmach, denn wie konnte auch, ihrer Meinung nach, ein kleines Land ein grosses Land verteidigen? Jedenfalls war das, was wir taten, eine Verteidigung, die sie nicht leugnen konnten, doch diese Situation gefiel ihnen nicht.

In letzter Zeit zeigte sich deutlich, dass die chinesischen Führer offen und direkt Druck auf uns ausübten, um Beqir Balluku und Abdyl Këllezi zu retten, die in dem gegen Albanien angezettelten Komplott, durch das unsere Führung gestürzt werden sollte, mit ihnen zusammenarbeiteten. Doch sie konnten ihr Ziel nicht erreichen. Deshalb kürzten sie auch ihre Wirtschaftshilfen außerordentlich, ebenso die Militärhilfen, denn darüber hinaus konnten sie uns nichts anhaben.

Wir sind also in dieser Beziehung vorbereitet. Wir sind vorbereit tuet, denn unsere Partei ist durch all diese Stürme hindurchgegangen und dabei hart geworden. Sie hat keine Angst davor, allein zu bleiben. Und tatsächlich bleiben wir in diesem Fall. allein und verfolgen eine eigene, marxistisch-leninistische Politik als Partei an der Macht, die im Gegensatz steht zu den amerikanischen Imperialisten, den sowjetischen Sozialimperialisten, den chinesischen Sozialimperialisten, der reaktionären Bourgeoisie, den Nachbarn, dem Teufel und seiner Großmutter. Doch Albanien und die Partei der Arbeit stehen unerschütterlich, und so wird es ständig bleiben.

Wird die Mannschaft, die in China die Macht antrat, nun die Feindschaft gegen uns unverhüllter fortsetzen? Wir werden sehen. Wir werden wachsam sein, und unsere Wachsamkeit muss gross sein. Unser Interesse verlangt, dass wir - auch wenn sie weiter ihre Methode anwenden, die endgültige Fertigstellung dieser Werke hinauszuzögern - unsererseits kein Feuer entfachen, aber an unserer marxistisch-leninistischen Linie festhalten und die Prinzipien nicht verletzen, auch wenn China möglicherweise die Zahlung der Kredite an uns einstellt. Soll es das tun, wir werden aus eigener Kraft leben, mit Zähnen und Klauen arbeiten, wir werden leben, und besser leben. Zugleich werden wir die Unterstützung der gesamten fortschrittlichen Welt haben, aller wahren Marxisten-Leninisten, des gesamten Proletariats und aller Revolutionäre auf der Welt, die sehen werden, wie ein kleines Land dem Marxismus-Leninismus die Treue hält, sich nicht fürchtet, sondern vorwärts schreitet, lebt und Fortschritte macht. So wird es sein.

Chinas feindselige Einstellung uns gegenüber wird unsere Feinde natürlich freuen, sie werden sowohl von aussen als auch im Land ihre Tätigkeit gegen unseren Staat und unsere Partei verstärken. Doch wir sind stark und werden sowohl den äußeren Feinden erfolgreich standhalten, als auch die inneren Feinde unterdrücken. Deshalb müssen wir mit kühlem Kopf abwarten, wie immer die Situation auf der Welt, insbesondere in China, aufmerksam beobachten.

Erst einmal müssen wir abwarten, ob sich bestätigt, was die Weltpresse schreibt, denn von der offiziellen Presse in China verlautet nichts. Das ist genau die Methode der Chinesen. Als Liu Schao-tschi liquidiert wurde, oder als Lin Biao und später Deng Hsiao-ping usw. usf. ausgeschaltet wurden - stets brauchten sie lange, bis sie offen mit der Sprache herausrückten. Es ist leicht möglich, dass es auch in diesem Fall wieder so ist, denn von Djiang Tjing bis Dschang Tschun-tjiao - das sind Persönlichkeiten, obwohl sie noch relativ jung sind. Trotzdem meine ich, dass wir sehr vorsichtig sein, unsere Linie verteidigen müssen und nicht die Polemik mit den Chinesen eröffnen dürfen, auch wenn sich bestätigt, was die Weltpresse schreibt. Wir dürfen die Polemik so lange nicht eröffnen, wie wir es für vertretbar halten, weil unsere marxistisch-leninistische Linie noch nicht öffentlich angegriffen wird. In dem Augenblick aber, da sich dies ändert, müssen unsere Batterien bereitstehen wie stets. Doch auch das wirtschaftliche Interesse müssen wir im Auge behalten, auch wenn die Chinesen die Lieferungen an uns, zu denen sie nach den bestehenden Verträgen verpflichtet sind, verzögern mögen. Wir müssen also vorsichtig und zugleich wachsam sein, aufmerksam beobachten, welchen Verlauf die Dinge in China nehmen.

In China geschieht alles unerwartet. In außergewöhnlich kurzer Zeit ereignen sich all diese Dinge, und allem wird das Etikett «Staatsstreich», «Putsch», «Verschwörung gegen das Leben Mao Tsetungs» usw. usf. angeheftet. Morgen können sich noch andere Vorfälle herausstellen, deshalb müssen wir hier, in unserem Land, gegenüber den chinesischen Spezialisten wachsam sein. Wir werden weiterhin mit den Angestellten der chinesischen Botschaft in Tirana aufrichtig über die Freundschaft unseres Volkes und unserer Partei mit dem chinesischen Volk und der Kommunistischen Partei Chinas auf marxistisch-leninistischen Grundlagen sprechen, gleichwohl wissen wir nicht, was das für .Menschen sind, die Funktionäre des Botschaft oder die chinesischen Spezialisten, die in unserem Land arbeiten.

Aus den Informationen, über die wir verfügen, ergibt sich, dass ihr jetziger Botschafter, der auch schon in Moskau war, eines der in der Kulturrevolution kritisierten Elemente ist. Er muss also ein Mann Deng Hsiao-pings, Liu Schao-tschis und Tschou En-Jais, rechts sein. Er kam nicht zu uns, um unserem Land zu helfen, sondern um zu sabotieren, zu intrigieren, nicht um sich als Freund zu informieren, sondern im Dienst der Rechten, die in China an die Macht gekommen sind. Er kam mit unguten Absichten, und es ist daher möglich, dass er und die anderen Chinesen anfangen, ihre Nase in unsere inneren Angelegenheiten zu stecken.

Wir können die Angestellten der chinesischen Botschaft nicht daran hindern, Betriebe zu besuchen, in denen chinesische Spezialisten arbeiten, um Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Gleichwohl müssende ersten Sekretäre der Bezirksparteikomitees, die Chefingenieure, die Direktoren der Institute, der Fabriken und Kombinate, wo chinesische Spezialisten arbeiten, wachsam sein, sich vorsehen, denn wir hatten oft zu leiden, unter den Titoisten, unter den Sowjetrevisionisten, und möglicherweise werden wir nun auch unter den Chinesen zu leiden haben.

Das grosse Interesse des Vaterlandes und der Partei verlangt, dass wir in diesen für China unbeständigen und chaotischen und für die Weltrevolution, besonders für das sozialistische Albanien gefährlichen Augenblicken die Lage in der Partei, die Einheit ihrer Reihen festigen, die Einheit von Partei und Volk festigen, aktivere Vorbereitungen auf die Verteidigung des Landes treffen und wachsam sind, unsere Wirtschaftspläne erfüllen,, ja sogar überbieten. Das ist eine grundlegende Aufgabe zur Wahrung der Unabhängigkeit, der Freiheit und der Souveränität unseres Vaterlands. Wir alle müssen uns vor Augen halten - und das müssen wir auf die eine oder andere Weise der Partei, den Kommunisten, dem ganzen Volk klar machen -, dass das sozialistische Albanien sowohl im Innern als auch außerhalb seiner Grenzen stark ist. Im Ausland hat unser Land viele treue Freunde. Das sind nicht nur die Revolutionäre und die fortschrittlichen Menschen, sondern auch Leute, die, obwohl sie gegen unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sind, die Politik des sozialistischen Albanien und den Mut unseres Staates achten.

DONNERSTAG.

14. OKTOBER 1976

DIE ACHTUNG SOLLTE GEGENSEITIG SEIN

Gestern sagte mir Genosse Nesti [Nase], der neue chinesische Botschafter habe darum gebeten, mich am 16. Oktober zu Hause aufsuchen und mir zum Geburtstag gratulieren zu dürfen. Bei dieser Gelegenheit wolle er mir einen Blumenkorb überreichen.

In dieser unruhigen Situation, so meine ich, nach der unseren Zentralkomitee gegenüber so geringschätzigen Haltung der chinesischen Führung und Mao Tsetungs selbst, die keine einzige der Botschaften beantwortet haben, die wir ihnen sandten, und auch der Einladung des Zentralkomitees an die Kommunistische Partei Chinas, an unserem Parteitag teilzunehmen, nicht Folge leisteten, sondern nur ihren Botschafter schickten, der uns im Namen der Abteilung Internationale Verbindungen einen schönen Gruss vom Zentralkomitee ihrer Partei bestellte, müssen auch wir die Autorität unserer Partei wahren. Wir müssen den Chinesen deutlich zu verstehen geben, dass unsere Beziehungen mit ihnen korrekt und vollkommen gleichberechtigt zu sein haben.

MONTAG,

18. OKTOBER 1976

DIE CHINESEN BEHINDERN UNSEREN IMPORT

Genosse Behar hatte vor fast zwei Wochen ein Treffen mit dem Außenhandelsminister Chinas, Li Tjiang, von dem er Auskunft darüber verlangte, warum unser Import aus China im Jahr 1975 um 40 Millionen Yüan unter dem vorgesehenen Wert lag, während unsere Exporte im selben Jahr vollständig realisiert wurden. Behar wies ihn darauf hin, dass China uns bei der Erfüllung unseres Fünfjahrplans viele Hindernisse und Schwierigkeiten in den Weg legt, und ebenso, dass die Handelsgespräche für das Jahr 1976 noch nicht einmal begonnen haben und es in diesem Jahr zwischen Albanien und China faktisch überhaupt keinen Handel gibt. Behar betonte, dass dieses Vorgehen nicht richtig ist und wir so unmöglich in der Lage sind, die Exporte bereitzuhalten.

Li Tjiang hörte zu und erklärte ihm dann: «Ich bin nicht unterrichtet [in Wirklichkeit log er], werde mich aber informieren und dich wieder rufen lassen.»

Es vergingen also zwei Wochen, und Behar wurde zurir stellvertretenden Außenhandelsminister gerufen, der ihm im Namen Li Tjiangs folgendes mitteilte:

«Wir haben Fehler gemacht, stehen bei euch in der Schuld, deshalb werden wir den Handel und die Unternehmen aktivieren und uns bemühen, euch bis Jahresende die Waren zu liefern, mit Ausnahme einiger Fahrzeuge, etwa Traktoren. Der Grund dafür», sagte er, «liegt in unserer falschen Linie. Was die Kontrakte für das Jahr 1976 betrifft, so werden wir sie gegen November oder Dezember realisieren, wenn wir unseren Plan in Ordnung gebracht haben.» Und um uns die Sache zu versüßen, sagte er: «Mit euch r,erden wir zuerst verhandeln.» Dies wurde Behar vom chinesischen stellvertretenden Außenhandelsminister erklärt. Das ist von vorne bis hinten erstunken und erlogen.

Li Tjiang ist einer der Hauptfeinde der Volksrepublik Albanien. Was die Chinesen da uns gegenüber betreiben, ist Sabotage, ist Wirtschaftsblockade. Diese Sabotagetätigkeit ist eine offene Unterstützung des Komplotts von Beqir Balluku, Abdyl Kolezi, Koço Theodhosi und Kiço Ngjela. Damit wollten sie uns unter Druck setzen, Verknappung auf unserem Markt hervorrufen und die Produktion verlangsamen, damit wollten sie bei der Bevölkerung Unzufriedenheit mit unserer Partei und unserer Staatsmacht wecken. Doch diese Saboteure und Verschwörer erreichten ihr Ziel nicht und werden es auch nicht erreichen können. So, wie unsere Exportwaren sind, werden sie von jedem abgenommen, deshalb kann uns China so wenig blockieren, wie das die Sowjetunion oder die anderen Revisionisten und die kapitalistischen Staaten zu tun vermochten. Wir wollen mit China Handel treiben und werden versuchen, es zu tun, doch unter gleichberechtigten Bedingungen und nicht so, wie die Chinesen verfahren.

FREITAG,

22. OHTOBER 1976

DER DIEB RUFT: «HALTET DEN DIEB!»

Hua Guo-feng hat in der Partei die Zügel in die Hand genommen und sich sowohl zum Parteivorsitzenden als auch zum Vorsitzenden der Militärkommission beim Zentralkomitee ernannt. Diese Ernennung teilten sie Behar mit. Dieser Tage werden die betreffenden Schritte sicherlich auch durch Beschlüsse des Zentralkomitees abgesegnet werden.

Hua Guo-feng kam durch einen von langer Hand vorbereiteten Militärputsch an die Macht. Tschou En-Iai war der Architekt der Verschwörung. Nachdem er gemeinsam mit Mao und mit seiner Hilfe Lin Biao ausgeschaltet hatte, arbeitete er nicht nur daran, «Ruhe zu schaffen», sondern änderte auch Chinas Politik. Mao war das Banner, während Tschou an der Spitze der Reaktion alles organisierte, damit diese Politik auch von den Linken verfochten wurde. Solange Mao noch lebte, traf Tschou seine Vorbereitungen, um gleich nach seinem Tod alle Schlüsselpositionen in der Hand zu haben, insbesondere die Armee und die Sicherheitsorgane. Das gelang ihm noch zu Lebzeiten Maos. Die Linken lärmten mit Rundfunk und Presse, und Tschou liess sie gewähren. Mit Maos Einverständnis rehabilitierte er Deng Hsiao-ping, seinen alten Freund. Tschou wusste, dass er bald sterben würde, und hat seinen Mitarbeitern sicherlich geraten, vorsichtig zu sein, solange Mao noch lebte, und dann nach seinem Tod die Macht zu übernehmen.

Als Tschou starb, war Mao noch am Leben. Regulär hätte Deng Ministerpräsident werden müssen, doch damit waren die Linken nicht einverstanden. Also befand sich der «grosse Steuermann» in einem Dilemma. Was sollte er tun? Er rief Hua Guo-feng, den Sicherheitschef, und andere Beteiligte an dem von der Rechten mit Tschou an der spitze vorbereiteten Komplott. Und als Mao starb, gab Hua Guo-feng das Startzeichen des Komplotts und machte den Putsch. Auf faschistische Art eliminierte er die Hauptvertreter des linken Flügels. Hua Guo-feng und die Verschwörer tönten: «Wir haben die Verschwörer, die Schanghaier Mafia niedergeschlagen», nahmen auch Mikrophon, Rundfunk und Presse in die Hand und leiteten den grossen Feldzug ein. Das ist alles. Der Dieb ruft: «Haltet den Dieb!»

Die Verschwörung Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis war mit der chinesischen Verschwörung synchronisiert. Tschou hatte vor, gleichzeitig mit den Veränderungen in China auch die Situation in Albanien zu ändern, um ihre Pläne in bezug auf die kommunistische und Arbeiterbewegung sowie unsere und die internationalen Beziehungen leichter verwirklichen zu können. Doch unsere Partei deckte Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis Putsch auf und zerschlug ihn.

SAMSTAG,

23. OKTOBER 1976

SO MUSS ES MIT DEN «VIER» GEWESEN SEIN

Die aufmerksame Lektüre einer Information über ein Rundsehreiben des ZK der KP Chinas ergibt meiner Meinung nach, dass die Aussagen der Chinesen erstunken und erlogen sind.

Im Oktober 1974, so heisst es in diesem Rundschreiben, sei Wang Hung-wen zu Mao Tsetung gekommen und habe Tschou En-lai «beschuldigt». Damit hat Wang Hung-wen meiner Meinung nach sehr richtig gehandelt, und nach den Parteinormen ist ein solcher Schritt zulässig.

Jedes Mitglied des Zentralkomitees, ja sogar jedes Parteimitglied, hat uneingeschränkt das Recht, zum Vorsitzenden oder zum ersten Sekretär des ZK der Partei zu gehen und ihm seine Meinung über ein Mitglied der Führung oder irgendeinen Kommunisten vorzutragen, welche Funktion er auch innehaben mag. Ein solches Vorgehen gilt als Parteiregel. Es ist eine alltägliche Praxis, dass sich viele Menschen, Parteimitglieder oder Parteilose, in unterzeichneten oder auch anonymen Briefen an das Zentralkomitee, an den Vorsitzenden oder den ersten Sekretär des Zentralkomitees wenden, um ihn über die Tätigkeit jener Menschen zu unterrichten, die Fehler begehen.

Man kann es also nicht als Verfehlung oder gar Komplott auslegen, wenn ein Mitglied der Parteiführung wie Wang Hung-wen zum Vorsitzenden des Zentralkomitees gegangen ist, um die Handlungen eines Mitglieds des Politbüros zu kritisieren, im Gegenteil, das entspricht der Regel. Nur die, die nicht wollen, dass ihr unrichtiges Handeln oder ihre Fehler der Führung bekannt werden, können darüber anders denken und urteilen. Ganz besonders im Fall Mao Tsetungs, der abgeschlossen in seinem Büro saß und darauf wartete, dass die anderen zu ihm kamen und ihm ihre Meinung, ob nun kollektiv oder individuell, über die Arbeit und die Menschen, vortrugen, war ein Vorgehen wie das Wang Hung-wens voll-kommend normal. Deshalb ist der Vorwurf gegen Wang Hung-wen haltlos und verwerflich. Für uns ist klar, dass dahinter die böse Absicht jener steht, die ihn ausgebrütet haben.

Als stellvertretender Vorsitzender des Zentralkomitees hatte Wang Hung-wen, wie ich schon sagte, vollkommen recht, als er zu Mao Tsetung als Vorsitzendem des Zentralkomitees der Partei ging. und ihm seine Meinung über ein Mitglied des Zentralkomitees mitteilte. Doch die gegenwärtigen chinesischen Führer bezichtigen Wang schwer, als «Verschwörer». Da ich weiss, wer Tschou En-lai war und was für eine Tätigkeit er betrieb, meine ich, dass Wang Hung„ven sehr gut daran getan hat, zu Mao Tsetung zu gehen und mit ihm über Tschou zu sprechen. Das macht uns deutlich, dass diejenigen, die von Hua Guo-feng und Konsorten nun beschuldigt werden, der gleichen, richtigen Ansicht wie wir über Tschou En-lai, seine Taten, seine Verbrechen und seine Intrigen waren.

Die Information aus Peking sagt zwar nichts darüber aus, doch es ist möglich, dass Wang Hung-wen mit der Kritik an Tschou En-lai zu Mao kam, nachdem er sich mit den anderen Genossen beraten hatte, um ihm ihre gemeinsame Ansicht über Tschou En-lai vor-zutragend.

Für uns ist klar, dass sich Wang Hung-wen damit wohl kaum begnügt hat. Einen solchen Vorstoß im Zusammenhang mit Tschou En-Jais Handlungen, die nicht auf richtigem marxistisch-leninistischem Kurs erfolgten, unternahm er auch offiziell. Die Tatsache, dass er dieses Problem offen auch auf dem 10. Plenum der Gesetz-gebenden Versammlung aufwarf, wie in dem Rundschreiben erwähnt wird, das uns bekannt geworden ist, bestätigt, dass weder Wang Hung-wen noch seine Genossen, die dort jetzt verfolgt werden, auch, nur im geringsten wie «Verschwörer» handelten, sondern dass ganzi im Gegenteil die, welche die Macht übernahmen, so verfuhren.

Die Elemente der Linken haben meiner Meinung nach richtig reagiert, doch den Konterrevolutionären passte Wang Hung-wens Eingreifen nicht in den Kram, deshalb unternahmen sie Gegenschritte. Wie sich herausstellt, hat Mao die Vorschläge und Vorwürfe der Linken nicht akzeptiert. Nicht nur das. Nach dem, was im Rundschreiben steht, hat Mao die Vorschläge Wang Hung-wens verworfen und ihn deswegen sogar gerügt.

Das zeigt, dass Mao Tsetung gemeinsam mit Tschou En-lai und einer Gruppe die rechten, revisionistischen und reaktionären Elemente unterstützte, die sich im Partei- und Staatsapparat verkrochen hielten oder von ihnen, wie Deng Hsiao-ping, xehabilitiert wurden. Wang Hung-wens, Yao Wen-yüans, Djiang Tjings und Dschang Tschun-tjiaos Einwendungen waren, wie die Analyse des Rund-chreibens ergibt, völlig gerechtfertigt.

In einer Information, die aus einer chinesischen Quelle stammt, heisst es, Djiang Tjing habe sich schon seit geraumer Zeit Tschou En-lai in seiner revisionistischen und kapitulantenhaften Tätigkeit widersetzt. Nicht nur das, sie brachte auch Mao ihre Ansichten über Tschou En-lai zur Kenntnis, und das war richtig. Doch nun erfahren wir aus dem Rundschreiben, das uns bekannt wird, Mao Tsetung habe Djiang Tjing wegen ihres «Ehrgeizes» kritisiert, weil sie ihn mit «Kleinigkeiten» behelligte, anstatt ihm grosse Probleme zu unterbreiten. Daraus können wir die Schlussfolgerung ziehen,, dass jede Kritik der anderen an Tschou En-lai für Mao Tsetung unannehmbar war. Mao nahm den Revisionisten Tschou En-lai in Schutz.

Es erhebt sich die Frage: Wo ist hier das Komplott? Haben etwa -einige Mitglieder des Politbüros nicht das Recht, im Zentralkomitee aufzustehen und offen eine Meinung zu äussern, einen Vorschlag zu :machen und durchaus auch eine Person wie Tschou En-lai oder jedes andere Mitglied der Führung, wer es auch sei, zu kritisieren? Ausgehend von den Parteinormen ist für uns hier absolut kein Verstoss ,ersichtlich, im Gegenteil, wir stellen bei Mao selbst, der diese mutigen Leute wegen «Dogmatismus» kritisiert, Dogmatismus und einen ,unmarxistischen Autoritarismus fest. Die Verschwörer benutzen Maos Aussage, ihre Gegner seien «dogmatisch», als Waffe für sich, doch dogmatisch ist Mao Tsetung selbst, der die Genossen zwang, nur das zu tun, was er sagte und beschloss.

Später, am 3. Februar, so heisst es in dem Rundschreiben, habe Dschang Tschun-tjiao einen Artikel geschrieben, mit dem er sich wütend Maos persönlichem Vorschlag widersetzt habe. Was dies für ein Vorschlag ist und um welche Frage es geht, ist uns nicht klar, doch den Putschisten zufolge musste auch in diesem Fall dem, der es wagte, Kritik zu üben, der Mund gestopft werden, denn wo es um die Dinge ging, die Mao beschloss, durfte es keine Kritik geben. Vielleicht wird hier auf die Einsetzung Deng Hsiao-pings oder irgendeines anderen, der im Rundschreiben nicht genannt wird, in die Führung angespielt. Gerade um diesen Vorschlag zu kritisieren, hat Dschang Tschun-tjiao möglicherweise den Artikel veröffentlicht, einen Artikel, der sicherlich nicht von den Lehren Maos usw. getragen war. Im jüngsten Rundschreiben des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas wird die Veröffentlichung dieses Artikels als Verbrechen betrachtet, weil Mao widersprochen wurde.

Dieses Widersprechen hatte möglicherweise auch etwas mit der von Mao ersonnenen Ernennung Hua Guo-fengs zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und zum Vorsitzenden des Staatsrats zu tun. Das hiesse, dass die vier Genossen der Führung, die verurteilt worden sind, Mao Tsetungs Vorschlag, Hua Guo-feng die Posten zu geben, die ihm dann auch übertragen wurden, die Zustimmung verweigerten und vielleicht ihren Standpunkt dazu in dem betreffenden Artikel öffentlich äußerten. Dies betrachten die Putschisten ebenfalls als «Verschwörung», was natürlich nicht zu akzeptieren ist, .denn das ist nicht die Art, wie man Verschwörung betreibt.

Ein Botschafter Chinas in einem westlichen Staat teilte unserem Botschafter dort, nachdem er ihm über das «Komplott der -Vier» berichtet hatte, angeblich als vertrauliche Information mit: «Unter uns gesagt, Dschang Tschun-tjiao ist ein Agent der Kuomintag, und bei allen vier Verschwörern wusste Mao Tsetung schon vorher, welch üble Leute sie waren, doch er selbst liess zu, dass sie nach Peking kamen und ins Zentralkomitee, ja sogar ins Politbüro aufgenommen wurden.» Was für Gemeinheiten sie doch über diese Vier aushecken! Und wie einfältig sie sind!! Begreifen sie denn nicht, ,dass sie so Mao selbst bloßstellen? Oder machen sie es absichtlich, eben um - als Revisionisten und Reaktionäre, die sie sind - Mao zu «entthronen», ihm heimzuzahlen, was sie durch seine Schwankungen zu erleiden hatten, und im Hinblick auf ihre ultrarevisionistischen und reaktionären Zukunftspläne. Soll einer aus diesen Chinesiaden -klug werden!

Bei Djiang Tjing treiben es die revisionistischen Putschisten besonders bunt. Sie bezeichnen sie als «Straßenmädchen», verbrei ten Broschüren gegen sie, in denen sie in ihren schmutzigen Ausdrücken so weit gehen, sie «Hure» zu nennen. Man fragt sich: Wie konnte diese «Hure» zu Jahre lang mit Mao Tsetung verheiratet sein, Kinderton ihm bekommen, zum Mitglied des Zentralkomitees und des. Politbüros des ZK der Kommunistischen Partei Chinas gewähltwerden? Wo haben denn diese «Helden» gesteckt, die jetzt Verleumdungen verbreiten, so ungeheuerlich, dass selbst die schmutzigste pornographische Literatur des Westens nicht mithalten kann?' Es versteht sich von selbst, dass diese Leute selbst Agenten des Imperialismus sind und auf dem Weg über Djiang Tjing Mao persönlich zu diskreditieren versuchen. Dabei halten sie natürlich nach aussen hin seine Fahne weiter hoch, bis sie aus dem Schneider sind. Auch das wenige Gute, das Mao für China getan hat, besudeln die revisionistischen Putschisten mit diesen Handlungen.

Weiter unten im Rundschreiben bringen die Putschisten dann weitere allgemeine Bezichtigungen an die Adresse der revolutionären Elemente, weil diese aktiv tätig waren, um die Verschwörerpläne des revisionistischen Flügels mit Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Hua Guo-feng und anderen zu durchkreuzen. Diese serienweise Anschuldigungen drehen sich um vollkommen nichtige, an den Haaren herbeigezogene, gewöhnliche Dinge. Meiner Meinung nach haben die Putschisten mit Hua Guo-feng an der Spitze sie in das Rundschreiben gesetzt, weil sie keine anderen Vorwürfe haben, um die Genossen des linken Flügels als «Verschwörer» hinzustellen. Alles, was sie gegen die Reaktion unternahmen, der Kampf, den sie gegen sie führten, störte die Ruhe der Revisionisten, die von Mao unterstützt wurden. Die Revisionisten hatten sich in der Partei und im Staat eine starke Basis geschaffen. Sie hatten die Schlüsselpositionen in der Hand und setzten überall ihre Leute ein. In dieser günstigen Lage, die sie sich geschaffen hatten, wollten sie nicht, dass ihnen die anderen in die Quere kamen. Doch die «Linken» waren dabei, ihr e Ruhe zu stören, mit Artikeln und in anderer Form, einschließlich einer Reihe von Kritiken. All dem gaben die Revisionisten den Anstrich einer «Verschwörung». Das revisionistische Komplott, das sie selbst seit langem vorbereitet hatten, versuchen sie nun jenen Genossen anzulasten, die sie radikal nennen, die uns aber, nach dem, was wir wissen, trotz aller Fehler und Mängel, die sie haben mögen. auf gesünderen Positionen gestanden zu haben scheinen.

Ich möchte die Cyberzeugung zum Ausdruck bringen, dass es Tschou En-lai mit Alaos Unterstützung geschafft hatte, alle Revisionisten und die Reaktion, mit einem Wort, alle Anhänger Liu Schaltschis, des Verräters, um sich zu scharen. Er brachte sie allmählich alle nacheinander in den Apparat der Partei, des Staates, der Armee und überallhin. Nachdem er dieses Ziel erreicht hatte, machte sich Tschou En-lai daran, alle Gegner einen nach dem anderen aus dem Weg zu räumen. So fädelte er zunächst die Sache mit Lin Biao ein, der sein Hauptgegner war. Er liess Lin Biao in die Falle gehen und liquidierte ihn damit. Danach ging er daran, die anderen Gegner zu liquidieren, die durch die Kulturrevolution hochgekommen waren, an ihrer Spite Kang Scheng und die anderen. Doch Kang Scheng erkrankte und starb, während Tschen Bo-da schon vor Lin Biao liquidiert worden war.

Jetzt blieben noch diese vier: Wang Hung-wen, Yao Wen-yüan, Djiang Tjing und Dschang Tschun-tjiao, die für Tschou En-lai nur schwer zu eliminieren waren. Doch als der grosse revisionistische Organisator und Verschwörer, der er war, gelang es Tschou En-lai mit Maos Unterstützung, Deng Hsiao-ping zu rehabilitieren und erneut in die Führung zu bringen, und er arbeitete intensiv, um ihn zu seinem Stellvertreter aufzubauen. Die «Vier» haben sich wohl der Rehabilitierung des Revisionisten Deng Hsiao-ping sofort entgegengestellt, doch Mao wird seinen Aufstieg durchgesetzt haben. Ich bin davon überzeugt, dass diese vier die Aufnahme Deng Hsiao-pings in die Führung von Partei und Staat kaum akzeptiert haben dürften. Mao muss ihnen gesagt haben, es habe zu geschehen, wie Tschou Lind seine Leute vorgeschlagen hatten.

Ich vermute, dass Tschou seinen Mitarbeitern riet, nichts zu unternehmen, solange Mao noch am Leben war. Nun wurden aber nach Tschous Tod diese vier aktiv, und dank ihres Widerstands konnte Deng nicht zum Vorsitzenden des Staatsrats ernannt werden und Tschous Platz übernehmen. So entstand die Notwendigkeit, die Kulturrevolution weiterzuführen. Doch Man, der sich im Gegensatz zu diesen vier befand, rief Hua Guo-feng. machte ihn zum stell-wegtretenden Parteivorsitzenden und stellte ihn auch an die Spitze der Regierung. Mao wusste genau, dass Hua Guo-feng ein Parteigänger Tschou En-lais war. Genauso gut wussten dies auch Wang Hung-wen, Dschang Tschung-tjiao, Tjiang Tjing und Yao Wen-yüan, deshalb müssen sie sich wohl der Aufnahme Hua Guo-fengs in die Führung widersetzt haben. Doch Mao nötigte ihnen seine Einsetzung in das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Partei und des Vorsitzenden des Staatsrats auf.

Nach Maos Tod müssen die «Vier» erneut dagegen gewesen sein, dass Hua Guo-feng an die Spitze der Partei und des Staates kam,. doch dieser Widerstand wurde von den Revisionisten als «Vers-Schwörung» betrachte Sie verhafteten die vier unter der Beschuldigung, sie hätten «gegen die Partei gekämpft, sich Mao Tsetung und. dem von ihm persönlich gefassten Beschluss, Hua Guo-feng an die . Spitze zu stellen, widersetzt» - einem Beschluss, den er fasste, ohne das Zentralkomitee, ja sogar, ohne das Politbüro einzuberufen - usw. usf. So muss es meiner Meinung nach wirklich gewesen sein, andrem „, lassen sich die Ereignisse, die stattgefunden haben, nicht begreifen.

Bei der Lektüre der Information, die uns erreichte, wird deutlich, was für Verleumdungen und falsche Beschuldigungen gegen diese vier Genossen zusammengebastelt wurden. Die revisionistischheil. Verräter bezichtigen sie, sie hätten «Dutzende Male mit Ausländern gesprochen, mit ihnen Verbindungen unterhalten», ohne namentlich zu erwähnen, um wen es sich dabei handelt. Sie vergessen, dass, angefangen bei Mao selbst und Tschou En-lai, alle Mitglieder áieser revisionistischen Gruppe wer weiss wie oft mit Ausländern vom :Kaliber eines Kissinger, eines Nixon, mit Krethi und Plethi tageund nächtelange Treffen und Gespräche hatten. Und um nicht dieseaTreffen, von denen die ganze Welt wusste, angeklagt zu werdety.bezichtigen die Revisionisten die «Vier», sie hätten mit Ausländem gesprochen! Damit wollen sie sagen, diese vier seien «Agenten der : Ausländer» gewesen. So werten sie Djiang Tjings Zusammenkunft mit-. einer amerikanischen Journalistin oder Schriftstellerin, die über sie: schreibt.

Die Revisionisten verfahren mit diesen vier genauso, wie sie mit Lin Biao verfuhren, werfen ihnen vor, sie seien «Agenten», ohne allerdings zu sagen, wessen Agenten. Sicherlich werden sie morgen sagen, und dafür gibt es schon jetzt Anzeichen, sie seien «Agenten der Sowjets» gewesen, wie sie das auch über Lin Biao sagten. Derbchinesische Botschafter, den ich vorhin erwähnte, sagte zu unserem. Botschafter ausser dem, was ich bereits erwähnt habe, auch noch :. «Vorläufig können wir von diesen vier noch nicht sagen, sie seien Agenten der Sowjets, doch sicher sein können wir uns darin keinesfalls, und es kann sein, dass wir morgen herausfinden, dass sie ihre. Leute sind.» Mit Sicherheit sind die chinesischen Revisionisten, nachdem sie dann gefälschte Dokumente zusammengebastelt haben, auch, imstande, das zu behaupten.

Zum andern informierte derselbe chinesische Botschafter unseren Botschafter, dass der Westen die vier Verschwörer als Links-radikale bezeichnet, doch das stimmt nicht», weil sie, ihm zufolge, «Rechtsextremisten sind, die sich nur das Mäntelchen von Linksradi-kahlen umgelegt haben». Natürlich können sie nicht sagen, diese vier seien Agenten der Amerikaner, sind sie doch selbst mit den Yankee-Imperialisten dick befreundet.

Man erkennt, wenn auch nicht unmittelbar, dass die Putschisten mit Tschou En-lai an der Spitze gegen die Kulturrevolution waren. Sie attackieren diese Revolution sogar, die das Hauptquartier der Reaktion innerhalb der Partei entlarvte, wenn sie behaupten, Mao. habe Djiang Tjing und die drei anderen kritisiert, weil sie «im Zuge, der Kulturrevolution einigen Führern den Hut aufgesetzt haben»usw. usf. Damit wollen sie sagen, die Revolutionäre hätten mit der Kulturrevolution usw. usf. die Partei getroffen, sie klagen sie an, dass sie «Verbrechen begangen haben», als sie den Konterrevolutionären, «den Hut aufsetzten», dass sie «gestürzt haben, wen sie nur stürzen konnten» usw. usf.

Anscheinend haben die vier Beschuldigten unmittelbar nach Maos Tod die Frage aufgeworfen, wer in die neue Führung gewählt werden sollte. Die Putschisten um Hua Guo-feng betrachten dies nur jedoch als «Intrige», «Komplott». Doch warum sollte das eine Intrige oder ein Komplott sein, wo sie sich doch schon zu Maos Lebzeiten der Wahl Hua Guo-fengs zum Spitzenführer widersetzt hatten?

So banal sind die Beschuldigungen der Putschisten, dass sie, um die anderen zu überzeugen, Dinge an den Haaren herbeiziehen. Hier, was sie im Rundschreiben sagen: Mao hat im April 1976 betont, man müsse edlen Kurs der Vergangenheit weiterverfolgen», doch die vier hätten diese Aassage «verdreht», indem sie die Formel benutzten, man müsse «an dem einmal festgelegten Kurs festhalten». Und wo liegt hier der Unterschied? Das ist kaum zu erkennen, doch wenn man gründlich nachdenkt, so lässt sich auch hinter ,der Erwähnung von Maos Aussage: «Verfolgen wir den Kurs der Vergangenheit weiter» eine Absicht der Revisionisten feststellen, Man muss das so auffassen, dass mit dem alten Kurs die von Mao Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping und Konsorten in jeder Hinsieht verfolgte Linie gemeint ist. Ihnen zufolge «sind die besten Leute Tide, die erneut in ihre Funktionen in Partei und Staatsmacht ein gesetzt wurden, und nicht die, die aus der Kulturrevolution hervor, gegangen sind». Diese Revolution ist für die Putschisten nun zu Ende, deshalb rufen sie dazu auf : «Richten wir uns nach dem alten Kum niemand soll gegen die aufbegehren, die rehabilitiert worden site denn sie sind die besten.» Dass die «Linken» das Problem der Wahl einer neuen Führung aufwarfen, wurde von den Renegaten also als «Verbrechen» gewertet. Daraus erklärt sich auch, dass sie sich Maos Aussage bedienervi «Sich zusammenschließen und nicht Spaltertätigkeit betreiben,... sich nicht mit Verschwörungen und Ränken befassen!» All das, was Mao sagt, benutzen die Putschisten, um diesen Kurs zu untermauern und ,die «Vier» zu bezichtigen, sie verdrehten Maos Worte. In Wirkliebweit hat Mao diese Parole schon zur Zeit der Kulturrevolution á gegeben, während die heutigen Putschisten zu belegen versuchen, er habe es jetzt und ganz besonders gegen diese vier gesagt Es zeigt sich deutlich die Arglist, mit der die Putschisten die breiten Massen der Partei und des Volkes zu täuschen versuchen, wenn Mao den Menschen weismachen wollen, Mao habe diese Äußerung jetzt getan. Wie dem auch sei, ob Mao diese Aussage jetzt oder während der Kulturrevolution getroffen hat, sie lässt nicht den richtigen, revolutionären und Klassengeist erkennen.

«Befasst euch nicht mit Verschwörungen», sagt Mao, doch Wist es denn in Wirklichkeit, der sich mit Verschwörungen befasse. Analysiert man die Tätigkeit der vier, dann zeigt sich, dass sie keine Verschwörung betrieben haben. Diejenigen, die das Regime in Chine völlig verändern wollten und eine solche Veränderung herbeizuführen versuchten, sind Liu Schao-tschi, Tschou En-Iai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen u.a. Einige von ihnen wurden im Verlauf der Kulturrevolution ausgeschaltet, kamen aber wieder an die Macht, deshalb mussten sie wegen der konterrevolutionären Tätigkeit, die sie betrieben, entlarvt und bekämpft werden. Doch wer sollte sie bekämpfen? Natürlich die revolutionären Elemente mit einer marxistisch-leninistischen Partei. Doch die Leute, die in China die Macht innehatten, wie Tschou En-lai und Konsorten, die die Woge der Kulturrevolution nicht hinwegzufegen vermochte, und die diese Macht behalten und ihr Dauer verleihen wollten, beschuldigen die Linken, sie seien «Verschwörer». Die Putschisten bedienen sich dieser Äußerung, um sich selbst zu schützen. Nun sind sie alle an die Macht gekommen und bezichtigen die vier Genossen der Verletzung der Direktiven Maos.

Sie bezichtigen diese vier ebenso, einen Artikel gegen den Revisionismus geschrieben zu haben, in dem dazu aufgerufen wird, nach dem vom Vorsitzenden Mao festgelegten Kurs» zu handeln. Dieser Artikel wird als parteifeindlicher Angriff gegen das Zentralkomitee angesehen. Recht hatten die vier, das Zentralkomitee anzugreifen, wenn es auf revisionistischem Kurs war. In dem Artikel, der auf den Kampf gegen den Pragmatismus eingeht, wird auch gegen den Revisionismus gesprochen. Es ist bekannt, dass Tschou En-lai mit seiner Arbeitsmethode den Pragmatismus repräsentierte. Die Umsetzung seines Pragmatismus bedeutete Tätigkeit gegen den Marxismus-Leninismus.

In einem Gespräch mit unseren Genossen, als diese in Peking waren, sagte Mao Tsetung: «Falls die Revisionisten irgendwann einmal die Führung in China usurpieren, dann müssen die MarxistenLeninisten der anderen Länder diese Revisionisten genauso entschieden entlarven und bekämpfen, müssen sie der Arbeiterklasse und den Volksmassen Chinas helfen, gegen den Revisionismus zu kämpfen.»

Dschang Tschun-tjiao wird beschuldigt, er habe eine Beratung mit den Komminissaren der Armee usw. durchgeführt, wo er den Kampf gegen den Pragmatismus als Frage ersten Ranges herausgestellt habe. Und diese Auffassung habe er auf der Beratung verteidigt. Wie er dies getan hat, wissen wir nicht, doch anscheinend hat er betont dass wir Marxisten die marxistisch-leninistische Theorie verteidigen, sie zugleich aber auch in der Praxis anwenden müssen, und dies, ohne ihre Prinzipien aufzugeben. Wie die Putschisten sagen, hatten «Dschang Tschun-tjiao und Konsorten dem Marxismusleninismus abgeschworen». Das ist ebenfalls eine falsche Beschuldigung gegen sie.

Mao hat gesagt: «Um den Marxismus zu verteidigen, muss man auch gegen den Strom schwimmen.» Tatsächlich haben Wang Hungwen, Dschang Tschun-tjiao, Djiang Tjing und Yao Wen-yüan, ungemachte t des sinken Widerstands der Revisionisten, gegen den Revisionism gelärrpît. Gerade sie waren es, die den Revisionisten in den Realien der Partei Schläge versetzten, während die Putschisten sie des «Verrats an Mao, am Zentralkomitee, an der Revolution» usw. bezichtigen.

Die «Vierer»Elemente haben,, so die Revisionisten, «Maos Strategie im Kampf gegen Lin Biao und Konfuzius verfälscht». Doch worin besteht diese Strategie Maos? Das sagen uns die Revisionisten nicht. Wenn jene vier «diese Strategie verfälscht hatten», wo waren dann sie mit Mao an der Spitze? Warum warfen sie diese Frage nicht beizeiten auf? Wenn die Sache so stand, warum beriefen sie dann nicht eine Sitzung der Führung ein, um jene, die «Verfälschungen» vornahrmen, zum Teufel zu jagen? Wenn sie doch Lin Biao und Tschen Bo-da zum Teufel jagten, konnten sie das nicht auch mit ihnen machen? Warum gingen sie nicht schon damals auch gegen Djiang Tjing vor? Doch das konnten sie nicht, denn zur Zeit der Kulturrevolution waren sie, mit Verlaub,...

Über Djiang Tjing sagen die Putschisten tausend Sachen. Die Revisionisten kommen damit an, Mao habe ihr dann und dann gesagt: «Du bist ehrgeizig, du strebst nach der Macht, du bist so und so, du trittst für eine Minderheit ein, ihr seid eine Viererbande» usw. usf. Diese Fragen waren nach ihrer Aussage allerdings schon vor Jahren aufgetreten, und Mao soll diese Dinge, wie es in dem Rundschreiben heisst, auch auf Sitzungen vorgebracht haben. Falls dem so war, ist es immerhin erstaunlich, warum nicht sowohl gegen Djiang Tjing als auch gegen die drei anderen Stellung bezogen wurde. «Schau her, du hast Fehler», soll Mao zu Djiang Tjing gesagt haben, «doch die Genossen machen dich nicht darauf aufmerksam. Du gibst dich mit Kleinigkeiten ab, mit denen du zu mir kommst und mich störst, anstatt mit mir über die grossen Dinge zu sprechen.» Das alles verdross Mao.

Nach Aussage der Putschisten hatten die «Vier» «schon zur Zeit der Entlarvung Lin Biaos Verbrechen begangen, indem sie drei Pfeile abschossen. Der erste Pfeil war der gegen Lin Biao, der zweite richtete sich gegen Konfuzius und der dritte gegen die Günstlingswirtschaft» oder das «Hereinbringen durch die Hintertür». Doch was soll das heissen? Warum kommen sie jetzt mit der Frage des Kampfes gegen die Günstlingswirtschaft an? Warum wurmt sie das? Wer war es denn, der Günstlingswirtschaft betrieb? Sicherlich die, die die Macht in der Hand hatten, angefangen bei Tschou En-lai, er vor allein, bis hin zu Deng Hsiao-ping. Sie hatten um sich in den Schlüsselpositionen ihre Leute gesammelt und betrieben politische, wirtschaftliche u.a. Günstlingswirtschaft. Da sieht man, mit was für Beschuldigungen die Revisionisten ankommen! Sie klagen die anderen an, weil sie selbst Dreck am Stecken haben. Der Pfeil gegen Mao, Tschou und dessen Leute, den sie den «Vier» zur Last legen, sei absichtlich ins Spiel gebracht worden, um den ersten beiden Pfeilen, gegen Lin Biao und Konfuzius, die Spitze abzubrechen. Solche sophistischen Einschätzungen treffen die Putschisten.

Auch in diesem Fall greifen sie wieder zur gleichen Taktik. Über Lin biao sagten die Revisionisten, er habe «an Maos Stelle treten wollen». Auch über Djiang Tjing sagen sie, sie habe «wie Lin versucht, die Führung der Partei in die Hand zu bekommen». Die Putschisten haben diese Unterstellungen so zurechtgebastelt, dass man beim Lesen auf den ersten Blick, ohne gründlich über diese Lügen nachgedacht zu haben, sagen könnte: «Mensch, was waren diese vier doch tatsächlich für Grosse Verbrecher! » Denkt man aber nur ein bisschen darüber nach, stellt sich ganz von selbst die Frage: Wenn Djiang Tjing so schlimm war und Mao sie mehrmals so schwer kritisiert hatte, warum wurde sie dann nicht wenigstens aus der Führung entfernt? Zweifellos wies Djiang Tjing Mao auf die grossen Betrügereien hin, die die Revisionisten hinter den Kulissen betrieben. brachte ihre Einwände vor, doch Mao, auf dem Olymp, duldete nicht, dass an seinen «unfehlbaren» Gedanken getastet wurde.

Genau wir Lin Biao wird auch Wang Hung-wen beschuldigt, er habe «wie Djiang Tjing, die die Parteiführung anstrebte, an Maos Stelle treten wollen».

All das zeigt, dass die Rechten, von Mao selbst unterstützt, lange Zeit gekämpft haben, um unter allen Bedingungen die Macht in der Hand zu behalten.

Den vier «Linken» wird vorgeworfen, sie hätten sich «in den Kampf gegen den Empirismus gestürzt (gegen Tschou En-lai, versteht sich) und angeblich «nicht gegen den Revisionismus gekämpft». Auch das ist eine Verleumdung. Die Empiristen in China sind gleichzeitig Revisionisten, und es sind Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Hua Guofeng usw. Es ist begreiflich, dass den genannten Revisionisten durch den Kampf, den die Linken gegen den Empirismus führten, auf die Hühneraugen getreten wurde.

Die Revisionisten stellen in dem Rundschreiben auch die Aussage heraus, wonach «Mao Disziplin und Gehorsamkeit verlangt». Und diese Aussage ist für die Rechten unter den gegenwärtigen Bedingungen unanfechtbar und muss angewendet werden.

Ihre Schlussfolgerung ist, dass die Vier» und ihre Anhänger die Bourgeoisie in der Partei» sind, wie Mao Tsetung den Putschisten zufolge gesagt hat, während sie selbst mit Hua Guo-feng an der Spitze «Marxisten-Leninisten» sind.

Ganz zu schweigen davon, dass in dem Rundschreiben Deng Hsiao-ping mit keinem Wort erwähnt wird, dass nicht der geringste Vorwurf gegen ihn vorgebracht wird. Diesmal verlieren sie kein Wort über ihn.

SONNTAG,

28. NOVEMBER 1976

KAMPF UM DIE MACHT

Ohne jeden Zweifel ist die Situation in China nach Maos Tod chaotisch, und die Partei, versehen mit einer eklektischen Theorie, ist gespalten.

Bekanntlich dominierte zu Lebzeiten Maos die rechte Gruppe Tschou En-lais. Mao als «Steuermann» leitete «mit den Zentristen» und zügelte sowohl die Rechten als auch die Linken, die sich mit «blanker Klinge- gegenüberstanden.

In Tschnus Gruppe war der zweite Mann Deng Hsiao-ping, der seine Stelle einnehmen sollte. Mao billigte dieses Vorgehen, doch die Linke widersetzte sich. Als Tschou starb, stand Mao am Scheideweg. Er konnte sich bei den Linken nicht durchsetzen, und diese begannen, Deng zu entlarven, als Mao noch lebte. Mao gelang es, Deng in der Partei zu halten, doch die Rechte war bedroht. Also holte der Schaukler Mao den Zentristen Hua Guo-feng hervor, den er zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und ersten stellvertretenden Parteivorsitzenden ernannte. Die Linke war auch mit dieser Entscheidung Maos durchaus nicht einverstanden. Zu dieser Zeit, fast ein Jahr lang, gingen die Zentristen ein Bündnis mit den Rechten ein und beschlossen, dass nach Maos Tod Hua Guo-feng Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas und, sogar noch ehe jener starb, Ministerpräsident und Oberkommandierender der Armee werden sollte. Und so geschah es. Kaum war Mao tot, verhaftete Hua Guo-feng mit Hilfe der Armee die Führer der Linken und nahm sich die Titel, ohne dass das Politbüro, ohne dass das Zentralkomitee einberufen wurden.

Doch für die Rechten und die Leute Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings war Hua Guo-feng nur eine Übergangslösung, bis der Putsch durchgeführt und die «Vier» entlarvt waren. Danach sollte er einem anderen, Stärkeren Platz machen, einer Persönlichkeit der Rechten, die sowohl die Zustimmung Maos als auch Tschous gehabt hatte. Dies war Deng Hsiao-ping.

Hua Guo-feng tat die ersten Schritte unter der Behauptung, Mao habe «ihn bestimmt». Er begann, an den Posten und Titeln Gefallen zu finden. Mit der banalen «Entlarvung» und Verleumdung der «Vier» glaubte Hua seine Position gefestigt zu haben, doch das ist sicherlich nicht der Fall. Die Recht will Deng. Auch Hua will Deng, doch sicher verlangt er von ihm, eine gewisse Selbstkritik abzulegen, ehe er ihn rehabilitiert und ihm dann einen Posten überträgt, nicht aber den des Parteivorsitzenden. Deng und seine Anhänger gehen darauf allerdings nicht ein und haben deshalb Hua Guo-feng blockiert. Dieser steht illegal an der Spitze und kann noch nicht einmal das Zentralkomitee zusammenrufen, denn dort gibt es Linke, Zentristen; gibt es auch Rechte und Leute mit anderem Anstrich. Also übt Deng Druck auf Hua aus und dieser auf Deng. Hua «kritisiert» weiter (oh, nur ganz sachte!) einige rechte Fehler Dengs, bis er ihn dazu gebracht hat, das zu tun, was Hua will. Doch Deng ist «halsstarrig», er will die ganze Macht und gibt sich mit weniger nicht zufrieden. Hierin liegt der Konflikt.

Hua Guo-feng kämpft mit einem Teil der Militärs, die ihn unterstützen, darum, an der Macht zu bleiben, und manövriert mit ihnen. Er berief eine Sitzung des Präsidiums des Nationalen Volkskongresses ein, auf der Huas einziger Punkt die Ernennung von Tschou En-lais Witwe zur stellvertretenden Vorsitzenden des Volkskongresses war. Hua stellte diese Kandidatur so dar, als habe ihm Mao vor einem Jahr gesagt, Tschous Frau müsse «auf diesen Platz gestellt werden». Es heisst, Tschous Witwe sei die Schwester Deng Hsiao-pings. Mit diesem Manöver will Hua dem Volk und den Rechten beweisen, dass er «das Vertrauen Maos gehabt hat», dass Mao ihm aufgetragen habe, «die Linken zu liquidieren», dass Mao ihm gesagt habe: «Wenn du an der Spitze stehst, sterbe ich ruhig», dass Mao ihm gesagt habe: «Stell Tschous Frau auf diesen hohen Posten.» Mit diesem letzten Schritt versucht Hua Guo-feng einen Teil der rechten Gruppe, Tschou En-lais Leute, für sich zu gewinnen.

Mit anderen Worten, in China ist der Kampf um die Macht nicht nur noch nicht beendet, er hat vielmehr gerade erst 'begonnen. Hier wird die Armee die entscheidende Rolle spielen, und von dieser Rolle hängt ab, ob Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping oder irgendein anderer starker Rechter wie Deng die Macht in der Hand halten wird.

Dabei spielt die Kommunistische Partei Chinas nicht die geringste Rolle bzw. nur eine formale Rolle, gerade, um auf ihren formalen Sitzungen dem zuzustimmen, was die Putschisten oben beschlissen. Wie es nun scheint, besteht die Kommunistische Partei Chinas nur aus ihrem Namen und ihrer Fassade. Sie trat in der Welt und in der kommunistischen Bewegung als Partei «mit einer revolutionären, marxistisch-leninistischen Linie, mit der Struktur einer Partei vom Leninschen Typ» auf. Doch die Tatsachen bewiesen, dass sie das nicht war. Das chinesische Volk kämpfte, die revolutionären Kommunisten mit Mao und den anderen kämpften, doch dies war ein nationaler Befreiungskampf, der weder die Partei in den marxistisch-leninistischen Normen festigte, noch die Staatsmacht in der Form der Diktatur des Proletariats. Auch die Algerier kämpften als Nationalisten, doch sie säuberten ihre Feinde hinweg, die chinesischen Kommunisten dagegen nicht. Und deshalb leiden sie.

DONNERSTAG,

2. DEZEMBER 1976

EINE WIRRE PARTEI

Man kann sagen, dass die Frage der Kommunistischen Partei Chinas etwas Mysteriöses ist. Nach aussen erscheint sie wie eine legale Partei, und das ist sie auch. Sie ist eine Partei an der Macht, hat ihre Politik, ihre Presse und ihre Organisation. Es hiess, alles werde vom Marxismus-Leninismus geleitet, und jetzt kamen zu dieser Losung auch noch die «Maotsetungideen» hinzu. Trotz alledem ist die Kommunistische Partei Chinas aber eine Partei, die wie in der Illegalität lebt und wirkt. Sie hält nur selten Parteitage ab, und auch die Sitzungen des Zentralkomitees und des Politbüros finden selten und unter größter Geheimhaltung statt, als lebe man in Kriegszeiten. Nur der 8. Parteitag trat offen zusammen, es wurden Delegationen der Bruderparteien eingeladen, die Verbreitung der Berichte wurde gestattet. Auch der letzte Parteitag, auf dem Tschou En-lai und Wang Hung-wen sprachen, fand halböffentlich statt, doch keine einzige Delegation einer Bruderpartei wurde zur Teilnahme eingeladen. Ansonsten bleibt alles im Dunkeln. Nur «Renmin Ribao» schreibt so lange Propagandaartikel, dass sie kaum lesbar sind, denn sie sind gespickt mit Formeln, Zitaten, immer gleichen Schlagworten, die Mao Tsetung vor der Befreiung ausgegeben hat. Man erfährt nur unter Mühen, unter grossen Mühen, ob irgendein Plenum stattgefunden hat, wer gesprochen hat, welche Probleme aufgeworfen und welche Beschlüsse gefasst worden sind. Niemals verlautet auch nur das Geringste, ausser einigen allgemeinen Weisungen, von denen ebenfalls nicht bekannt ist, wer sie formuliert hat. Es ist die Rede von der Landwirtschaft, von Dadschai, man verknüpft dies mit irgendeinem Zitat Maos und macht Propaganda!

Unser Eindruck ist, dass die Kommunistische Partei Chinas mit Schlagworten lebt und mit Befehlen urbeitet. Nach aussen, uns und anderen gegenüber, sprechen sie - selbst die Leute von der chinesischen Führung, mit Ausnahme Tschou En-lais - sogar über die unterschiedlichsten und kompliziertesten Situationen in Zitaten und Losungen. Es scheint, als sei die «Parole des Stillschweigens» an sie ausgegeben worden: «Verkauft. nichts, seid aber bemüht, einzukaufen» Das kann tatsächlich so sein, und irgend etwas ist da faul, das heisst, entweder wird eine ungesunde Konspiration auch den Genossen und Freunden gegenüber gewahrt, oder die Erziehung durch die Partei ist so dürftig, dass keiner etwas weiss über die Formeln hinaus, die ihm in der Presse und im Rundfunk serviert werden. Beides ist der Fall.

Es ist eine unleugbarre Tatsache, dass die Kommunistische Partei Chinas mit diesem «grossen» Vorsitzenden und diesen „hervorragenden» Führern bis heute noch nicht die Geschichte der Partei geschrieben und offiziell genehmigt hat. Nein, die gibt es nicht! Woraus lernt die junge Generation in China die Geschichte ihrer Kommunistischen Partei, mit. ihren guten Seiten und ihren Fehlern? Aus nichts. Mindestens hat. die Welt nichts in der Hand. Gibt. es vielleicht irgendeine Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas, die sie konspirativ behandeln? So etwas ist. Unmöglich. Warum wird sie dann nicht geschrieben? Fehlen ihnen die Leute oder die Mittel dazu? Weder das eine noch das andere kann der Fall sein. Also? Es ist schwer,, die Geschichte ihrer Partei zu schreiben, weil es für sie schwer ist, ihre Linie und ihren Kampf zu analysieren. Es ist schwer für sie, die Etappen, die sie durchlaufen hat, die Ereignisse, die Veränderungen und ihre Ursachen, die Rolle dieses oder jenes Führers oder dieser oder jener Gruppe im Licht des Marxismusleninismus zu analysieren. Die, denen diese Aufgabe zufällt, müssen, wenn sie ein solches Dokument schreiben, die Verantwortung für seinen Inhalt auf sich nehmen, denn die Welt wird über sie urteilen und sie wie in einem Spiegel sehen. Die, die es schreiben könnten, vermögen es nicht vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus zu schreiben, weil sie keine Marxisten-Leninisten sind, sondern Opportunisten, Pragmatiker und seit Jahrzehnten in Fraktionen und komplette verwickelt, weil sie politisch und ideologisch erstaunlich unbeständig gewesen sind. Anders lässt sich nicht erklären, wie die Geschichte einer solchen kommunistischen Partei, die reich ist an Ereignissen, an Gutem und an Schlechtem, an so viel fraktionistischer Tätigkeit, noch immer nicht erschienen ist und den chinesischen Kommunisten, dem chinesischen Volk und den anderen als grosse Erfahrung dient.

Nicht nur das, auch die Geschichte des grossen Befreiungskampfes Chinas .ist noch nicht geschrieben und wird weiter nicht geschrieben. Es geht mir dabei um eine wissenschaftliche Geschichte und nicht um einzelne .Zusammenhanglose Schriften, in denen die Ereignisse wie in den Helden»sagen des Mittelalters beschrieben werden, mit dem Vorsitzenden Mao als Oberhelden. Wir wissen, dass ein Kampf geführt worden ist, doch warum wird dann diese reiche Geschichte nicht niedergeschrieben, damit die Menschen sie studieren können? Meiner Meinung nach aus denselben Gründen, die ich in bezug auf die Geschichte der Partei genannt habe.

Die Kommunistische Partei Chinas hatte niemals -ein marxi5tisch-leninistisches Rückgrat. Verschiedene Leute, die weder in der marxistisch-leninistischen Theorie noch durch die Ereignisse erzogen wurden, standen auf, machten eine Zufallspolitik, «unabhängig», als «Kommunisten» in einer «domkommunistischen Partei», die kein marxistisch-leninistisches Rückgrat hatte.

Solche Leute kamen in die Führung. wurden zu Karrieristen, kämpften darum, die Macht an sich zu bringen und 'kamen in Konflikt mit anderen Gruppierungen, die genauso wenig prinzipienfest waren. Die Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen nannte man Kämpfe, und den chinesischen Schlagworten zufolge hat Mao Tsetung 10 oder 11 solcher Kämpfe geführt. Dies 10 Kämpfe werden auch noch mit den Namen der Fraktionisten aufgezählt, doch damit hat es sich dann. Simplifizierend heisst es; sie seien «gegen die Linie Mao Tsetung gewesen», «Mao Tsetung liquidierte sie» usw. Doch Mao Tsetung liquidierte die Fraktionisten weder physisch noch ideologisch, denn er predigte bis zum Schluss die «hundert Schulen». Und wenn er irgendwann einmal eine Gruppe liquidierte, können wir durchaus die Schlussfolgerung ziehen, dass Mao das tat, weil seine persönliche Macht in Gefahr war.

Die Partei in China war also das Organ einiger Leute, die darum kämpften, ihre Macht zu wahren, und keine Partei des Proletariats. Und die Macht, die sie hüteten, war ihre Macht und nicht die Macht der Diktatur des Proletariats.

Wie war diese Partei organisiert, wie arbeitete sie und wie wurde sie erzogen? Auch das war und bleibt für uns ein Geheimnis. Niemals teilte man uns etwas mit, keine einzige Erfahrung wurde uns vermittelt, keine einzige wirkliche Parteidelegation liessen sie nach Chinaikommen. Das genaue Gegenteil war bei uns der Fall. Wir legten den Chinesen ohne Vorbehalt dar, wie unsere Partei die politischen und ideologischen Aufgaben organisatorisch löste. Sie haben das nie getan. Die Arbeit der Kommunistischen Partei Chinas muss sehr schwach gewesen sein. Nach aussen hin, der Zahl nach, ist sie eine grosse Partei, doch innerlich ist sie wirr, denn wirr waren auch ihre Führung und ihre Linie.

Die unzähligen Fraktionisten, die es in der Partei gab, betrieben auch an der Basis eine fraktionistische Tätigkeit. In der Partei stieg einmal die eine Fraktion auf und die andere ab, dann war es wieder umgekehrt. Dieses Spiel wurde nun gefährlich.

Neue Leute aus den Reihen der Arbeiter und der anderen Klassen wuchsen heran, kamen in die Partei, hatten Begeisterung und revolutionären Schwung, doch die Arbeit zu ihrer Erziehung lahmte.

Alles wurde in die Bahn der Idealisierung ihres Hauptführers gelenkt, der «niemals irrte». Alle, einschließlich der Fraktionisten, führten unter dem Banner Maos einen Kampf hinter den Kulissen.

Was können wir über all die alten und jungen Führer sagen, die in den letzten Jahren angeprangert wurden, über Lin Biao, Tschen Bo-da, Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Dschang Tschun-tjiao und Wang Hung-wen? Man stellte sie uns als gute Leute vor, und soweit wir sie kannten, schienen sie uns das auch zu sein. Unter den chinesischen Führern erschien uns Kang Scheng als ein entschlossener Revolutionär, als ein ernsthafter Genosse mit marxistisch-leninistischer Formung, als der internationalistischste der chinesischen

Führer, die wir kennensgelernt haben. Inzwischen werden sie alle schwer beschuldigt, «rechts und aufs höchste unmoralisch» gewesen zu sein, mit Ausnahme Kang Schenks, der gestorben ist, von dem n ran aber weiss, dass er die Linken unterstützte.

Was wissen wir von diesen Genossen, die in diesem Chaos und Durcheinander von Ideen und verfehlten Handlungen in China wohl auch den einen oder anderen Fehler gemacht haben? Wir wissen wenig über sie. Sie kämpften in der Kulturrevolution, «stürmten das Hauptquartier» der Revisionisten und der Reaktion, griffen Liu Schao-tschi an. Sie waren gegen die Sowjetrevisionisten und den amerikanischen Imperialismus. (Wieweit es Lin Biao mit den Sowjets hielt, wissen wir nicht, wir können dafür nicht die Hand ins Feuer legen.) Sie wollten diese Revolution zu Ende führen. Mao und Tschou En-lai samt den Rechten hinderten sie daran. Was für eine marxistisch-leninistische Erziehung hatten diese Leute? Die der ganzen Partei, doch wie sich zeigt, waren sie zur Ansicht gelangt, dass diese Kette, die dabei war, China zu erdrosseln, zerbrochen werden musste. Kämpften nicht auch sie um die Macht? Wir können es nicht sagen, doch wir würden auch dafür die Hand nicht ins Feuer legen.

Mit den anderen, an deren Spitze Tschou stand, sind wir in prinzipiellen Fragen aneinandergeraten, und wir haben sie bekämpft, weil wir genau wussten, mit wem wir es zu tun hatten.

Was nun in China geschehen ist, war nichts anderes als eine Wiederholung des Fraktionskampfes, den ich oben angesprochen habe, doch dieser Kampf ereignete sich nach dem Tod Maos, der zugelassen hatbe, dass die Rechte sich festigte und die Zügel in der Hand hatte, um die revolutionäre 'Seite zu schwächen. Mao konnte nicht mehr seine Schaukelpolitik spielen lassen, deshalb schlug die Reaktion die linken revolutionären Elemente, und sie wird diesmal die Sache zu Ende führen.

Wir standen und stehen auf der Seite der Revolution und der F Revolutionäre und hoffen und wünschen, dass die Revolution in China sich nicht mehr vom «Banner der Maotsetungideen», sondern von den Ideen von Marx, Engels, Lenin und Stalin leiten lassen möge. Nur so wird die Revolution in China siegen.

MONTAG,

6. DEZEMBER 1976

EINE FÜHRUNG, DIE NICHT ZUR STABILITÄT FINDET

Die neue chinesische Führung schwimmt in einem unbeschreiblichen politischen, ideologischen und organisatorischen Chaos. Es zeichnet sich noch keinerlei Stabilität ab, und sei es auch auf dem falschen Weg, den Hua Guo-feng eingeschlagen hat. Alle kehren hervor und behaupten von sich, sie seien die Fortsetzer der Linie Maos, doch das stimmt nicht. Maos nicht marxistisch-leninistische Linie erschien stabil,, sie war es aber nicht und konnte es nicht sein. Und warum konnte sie es nicht sein? Weil Mao in Politik, Ideologie und bei der Organisierung des Staats der Diktatur des Proletariats nicht Glied marxistisch-leninistische Theorie anwandte. Und das war das Ergebnis davon, dass Mao die Kommunistische Partei Chinas als marxistisch-leninistische Partei weder aufgebaut noch erzogen hatte.

Mao als Theoretiker war kein Marxist. Er hielt die Bauernschaft und nicht das Proletariat für die führende Kraft der Revolution. Das Proletariat und die Gewerkschaften verachtete er bis zum Schluss, so sehr, dass Tschiang Kai-Scheck ihnen bei der Konterrevolution von Schanghai schwere Schläge versetzen konnte. Später, bis zu seinem Tod, betrachtete Mao die sogenannte dritte Welt als die «größte Triebkraft gegen den Imperialismus und den Sozialimperialismus». Dies ist der schwarze Faden der nichtmarxistischen opportunistischen Linie Maos, die in den Worten ihren Ausdruck findet: «Das Dorf muss die Stadt einkreisen» und «China gehört zur dritten Welt». Aus Maos antimarxistischen Theorien ergibt sich die antimarxistische Schlussfolgerung, dass dort, wo der Kapitalismus die Bauernschaft vernichtet und die Bauern in Arbeitslose oder in von den kapitalistischen Konzernen geknechtete Arbeiter verwandelt hat, die Aussicht, dass das Proletariat sich zur Revolution erhebt, verschlossen ist.

Mao, von dem großspurig verkündet wird, er sei ein «grosser Marxist-Leninist», ist nicht mehr als ein Eklektiker, ein Pragmatiker und somit auch ein Opportunist. Die Richtung der Theorie «Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern» einzuschlagen, das eben ist der Kern des opportunistischsten Pragmatismus,, der zum Parteienpluralismus, zur Unterhöhlung der führenden Rolle der Kommunistischen Partei Chinas in der Revolution und beim Aufbau des Sozialismus, also zur Wiederherstellung des Kapitalismus führt. Das 'kann keine Taktik, kein geschickter Schachzug sein, wie es manche, die sich mit Feuereifer bemühen, Maos roten Anstrich zu erhalten, darstellen wollen. Sie sagen, Mao habe diese Parole ausgegeben, um festzustellen, «wo der Hase im Pfeffer liegt», um dann mit einem Schuss «alle Hasen zu treffen» Nein, Mao hat mit seinen Theorien den Klassenfeinden nirgend wann Schläge versetzt und wird es nie tun. Der Klassenkampf, die Diktatur des Proletariats, die Partei des Proletariats - sie haben in Chip nicht existiert, niemals richtig, auf marxistisch-leninistischem Weg funktioniert. In Wirklichkeit waren das alles .nur Parolen und nicht» F als Parolen, denn dort existierten «hundert Schulen», und sie Exil stieren weiter.

Mao Tsetung hat gesagt: «Es genügt, wenn es im Zentralkomitee 10 Leute gibt, die begreifen, was der Marxismus ist.» Diese, Aussage allein reicht aus, um den Abgrund zu erkennen, zu begreifen, was es mit den «hundert blühenden Blumen und Schulen» auf sich hat. In der Partei, sagte Mao, «gibt es drei Strömungen, also drei Gruppierungen: die Linken, die Zentristen und die Rechten Damit kommt aus Maos eigenem Mund die Bestätigung dafür, d «hundert Schulen» existieren, die sich zu den drei Gruppen und d drei Linien in der Partei zusammengeschlossen haben, welche die chinesische Praxis auf zwei Linien reduziert.

In den Jahren des «grossen Sprungs» predigte er, der Kommunismus könne innerhalb von 30 Jahren aufgebaut werden. Nach dem Scheitern dieser Politik rückte er dann davon ab und «verschob» den Sieg des Sozialismus um Zehntausende von Jahren.

Ebenso schrieb er: «Alle sieben Jahre wird eine Revolution stattfinden, es werden die Rechten kommen, dann werden die Linken kommen und so wird es zehntausend Jahre weitergehen.» Diese ganze von Mao Tsetung praktizierte Theorie ist typisch bäuerlich, kleinbürgerlich. Sie hat all das grosse Chaos verursacht, oder, besser gesagt, mit Unterstützung Mao Tsetungs hat die «Rechte» nun die Macht ergriffen und arbeitet, lügt, unterdrückt und diskreditiert unter Maos Banner.

Mao hat sich gegen den «Stalinkult» ausgesprochen, doch er liess zu, dass um ihn selbst ein Kult getrieben wurde, der skandalöse Formen annahm und bei den breiten Massen Chinas eine nahezu religiöse Verehrung züchtete, wie für einen Gott. Dass er die masslose Aufblähung des Kultes um ihn duldete, die während der Kulturrevolution in den Reden und Tricks von Lin Biao und Konsorten ihren Höhepunkt erreichte, als sie zwischen den «Maotsetungideen» und dem Marxismus-Leninismus gar ein Gleichheitszeichen setzten und erklärten, die «Maotsetungideen» seien «der Marxismus-Leninismus unserer Zeit» - das zeugt (gelinde gesagt) nicht gerade von Bescheidenheit.. . Für die Rechten, die die Macht ergriffen haben, war der Kult um Mao, als dieser noch lebte, ein grosses Hindernis, doch auch nun, nach seinem Tod, bleibt «sein Ruf» und ist ihnen hinderlich. Daher wird die Rechte dieses Hindernis bekämpfen, bis es nur noch ein Schatten ist, bis also Maos Mythos vollkommen verschwunden ist. Solange Mao lebte, wagten weder die Lin ken, auf revolutionärem Weg zu handeln, noch die Rechten auf ihrem offen konterrevolutionären Weg. Letztere haben nun mit Hua Guo-feng gewaltsam, durch einen Putsch, die Macht in Partei und Staat an sich gebracht. Die Rechte hat sich die «Zentristen» dienstbar gemacht und versetzt nun der Linken Schläge, die in Zukunft noch härter sein werden. Sie verhaftete die «Vier», verhaftete auch viele andere wichtige Kader, die wir nicht kennen.

Den anderen Teil der Linken wird sie einschüchtern, ihm Schläge versetzen, ihn kompromittieren, und Hua Guo-feng oder ein anderer, noch wilderer Reaktionär wird die Macht antreten, um die faschistische Diktatur zu errichten und den Kapitalismus in China wiederherzustellen.

Die Rechte wird bei ihrer Tätigkeit innerhalb des Landes vor gelblich unter Maos Banner streiten, bis sie sich einen eigenen Mao geschaffen hat. Maos Zitate werden an der Tagesordnung sein, sind sie doch die Gedanken eines opportunistischen, pseudokommunistischen, pragmatischen, träumerischen und idealistischen Führers. Maos Ansichten wurden unter dem Begriff «Maotsetungideen» zusammengefasst, und die chinesische Propaganda kreierte nicht ohne Absicht die Formel «Marxismus-Leninismus gleich Maotsetungideen». Dies ist eine in Theorie und Praxis antimarxistische Formel, denn die «Maotsetungideen» sind nicht nur keineswegs der Marxismusleninismus, sondern in vielen theoretischen Kernfragen und ihrer praktischen Umsetzung sogar sein Gegenteil.

Warum geschah dies? Dies geschah, um den Marxismus-Leninismus als. revolutionäre Theorie und Praxis zu bekämpfen, um ihn nur noch als tote Formel beizubehalten, so wie das die modernen Revisionisten tun. Ersetzt haben ihn die Chinesen durch die «Maotsetungideen», eine Theorie und Praxis, die nicht revolutionär ist. So zu handeln, ist antimarxistisch, konterrevolutionär und revisionistisch. Darin zeigt sich klar das hegemonistische Wesen in Politik und Ideologie eines grossen Staates und einer zahlenmäßig grossen, jedoch nicht marxistisch-leninistischen Partei.

Die Rechte wird die «Maotsetungideen» beibehalten, um in der Welt den Antikommunismus zu propagieren, und Mao einbalsamiert im Mausoleum aufbewahren. So brachte die chinesische Rechte Mao ins Mausoleum, um ihn auf eine Stufe mit dem grossen Lenin zu stellen. Demnach gibt es heute, den Chinesen zufolge, «zwei Lenins», «zwei Kommunismen» und «zwei sozialistische Staaten». Eine Dualität zweier Linien sowohl in der Partei als auch auf der Welt. So haben die Kommunisten auf der Welt zwischen dein Marxismusleninismus und den «Maotsetungideen» zu wählen. Die Sowjetrevisionisten sagen: «Wir sind Leninisten.» Die chinesischen Revisionisten sagen: «Wir sind Maoisten.» Doch beide Seiten können Marx und Lenin nichts anhaben, beide Seiten sind ihre Feinde, sind Renegaten des Kommunismus. Marx und Lenin gehören den wahren Kommunisten, gehören den Revolutionären der Welt.

Doch Maos Zitate sind, wie ich schon oben sagte, eine zweischneidige Sache. Neben den bekannten benutzt die Rechte auch andere Zitate Maos, gesagte und ungesagte, die sie aufpoliert und Zurechtstutzt, wie sie will, wie sie ihr am besten dienlich sind. Wo kann man es finden, dieses Gesagte oder Ungesagte Maos? In der Luft, in der Erinnerung des einen oder anderen oder in den unreinen oder bereinigten Protokollen? Jetzt hat Hua Guo-feng den Beschluss gefasst, Maos Werke herauszugeben, und eine dafür zuständige Kommission ins Leben gerufen. Die ganze Welt kennt nur die vier Bände Mao Tsetungs mit Schriften aus der Zeit vor der Befreiung. Nach der Befreiung wurde fast gar nichts veröffentlicht, kein Referat, keine Rede Maos. Merkwürdig!! Warum liess der Vorsitzende Mao, dessen Kult in den Himmel gehoben wurde, nichts von seinen Kostbarkeiten ans Licht dringen?! Oder waren es vielleicht gar keine Kostbarkeiten, sondern nur Staub und Asche?! Nun wird also Hua Guo-feng diese Kostbarkeiten ans Licht bringen, doch wann und wie ist nicht bekannt. Er wird der Welt diesen «Kohl» zu fressen geben, damit die Anhänger der Theorie von der «dritten Welt» dadurch «erzogen werden» und sich damit «den Kopf voll stopfen», denn was die wahren Kommunisten anbelangt, so werden sie ihn nicht schlucken!

Die Rechte schiebt den Putsch, den sie unternahm, den Linken in die Schuhe, die sie als «rechts, faschistisch, revisionistisch» usw. hinstellt. Deng 1-Isiao-ping, der ein Rechter ist und als solcher von den Linken wütend bekämpft worden ist, wird von Hua Guo-feng, der sich als Zentrist gibt wie Mao, aus Opportunitätsgründen weiter als Rechter bezeichnet. Mag einer diese «geniale» Logik des neuen V ortsitzenden begreifen. Er bezichtigt die «Vier», sie hätten die Gedanken Maos entstellt, was er doch gerade selbst tut.

Der neue Vorsitzende und seine rechten Freunde greifen mangels politischer Vorwürfe gegen die «Vier» zu den schmutzigsten, unmoralischsten persönlichen Verleumdungen. Wenn du keine Argumente hast, Hua Guo-feng, dann bist du eben gezwungen, mit Unrat aufzuwarten! Selbst die Bourgeoisie, selbst die Reaktion bedient sich, wenn sie die Kommunisten verdammt, nur politischer Beschuldigungen gegen sie, die Rechte in China dagegen erweist sich als reaktionärer denn die schwärzeste Reaktion.

Doch warum hat die Rechte diesen ganzen Schmutz aufgebracht? Weil sie auf ganz und gar reaktionären Positionen steht, weil sie Mao restlos diskreditieren und es so weit bringen will, dass man die Frage stellt: «Wie war es nur möglich, dass Mao mit einer Hure erheiratet war, dass er im Politbüro Agenten der Kuomintang und der Sowjets, Verschwörer, Attentäter sitzen hatte» usw. gleichzeitig will die Rechte mit diesem Unflat Eindruck auf das einfache und anständige chinesische Volk machen. Sie versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Mit grösster Unverschämtheit schiebt die Rechte die Schuld an allem Schlechten, das sie selbst im Staat, in der Wirtschaft, in der Armee und überall angerichtet hat, den «Vier» in die Schuhe. Doch die ganze Welt weiss, dass die Staatsmacht, die Wirtschaft, die Armee und die Partei in der Hand der Rechten waren - Tschou En-lais, Yä Djiän-yings, Li Hsiän-niäns und ihrer Bande.

Dieses Chaos in China wird andauern. Doch die Revolutionäre, werden sie schweigen, werden sie vor dieser Verbrecherbande auf die Knie fallen? Die Zeit wird darüber Aufschluss geben. Vorläufig herrschen in dieser chaotischen Lage im Kopf der Chinesen und unter den einfachen Kommunisten Angst, Unsicherheit, politische, ideologische, wirtschaftliche und organisatorische Konfusion.

DONNERSTAG,

9. DEZEMBER 1976

EINE CHINESISCHE NOTE OHNE ADRESSE UND OHNE

UNTERSCHRIFT

Genosse Behaar Shtylla wurde gestern von Li Hsiän-niän empfangen, der ihm eine «Verbalnote» aushändigte, so wie irgendein Außenministerium eine Protestnote an irgendeine andere Regierung richten mag. Doch die ministeriellen Verbalnoten sind mildes Teens noch adressiert, während die «Note» der Chinesen weder Adresse noch Unterschrift trug. In der Essenz besagte sie folgendes: «Genosse Hua Guo-feng sagt, auf dem 7. Parteitag der PAA seien die Linie der Kommunistischen Partei Chinas und die strategischen Auffassungen Mao Tsetungs über einige wichtige Probleme, insbesondere der internationalen Lage, durch Anspielungen öffentlich angegriffen worden. Dies hält er nicht für richtig, auf dem Marxismus-Leninismus gründend, denn es schadet der Freundschaft, der Einheit der Bewegung, enthüllt vor den Feinden die Differenzen zwischen den beiden Bruderparteien», usw. Unser Brief von 1964 (über die chinesisch-sowjetischen Grenzen) wird erwähnt, über den Mao Tsetung gesagt hat, er werde ihn nicht beantworten, da er keine Polemik

einzugehen wünsche, weshalb sie auch «auf die Vorwürfe nicht erwidern» wollten usw. So fasst Behar die beiden Seiten der «Verbal note» zusammen, die er uns morgen mit dem Flugzeug schicken wird

Dies ist das erste Mal, dass die chinesischen Revisionisten die Partei der Arbeit Albaniens offen angreifen - mit einem «Dokument», das sie morgen bestreiten können. Die Chinesen hinterlassen niemals offizielle Dokumente. Die jetzige revisionistische chinesische Führung ist sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes in einer schwierigen Lage. Den inneren Zustand habe ich oft dargestellt, und die Außenpolitik Chinas erleidet Fehlschläge.

Was das Inland angeht, beschuldigt die chinesische Führung die «Vier», die sie mit Lin Biao in Verbindung bringt, und erklärt sie alle zu den Schuldigen an sämtlichen Missständen, bezeichnet sie als Agenten der Sowjets usw. Was das Ausland betrifft, bezichtigt sie mit dieser «Note» die Partei der Arbeit Albaniens, sie attakk ihre Maos Strategie, d.h., sie behauptet, wir seien schuld «am 1Vtisserfolg außerhalb Chinas». Also sind wir «gegen Maos Strategie», «helfen den Sowjets». Ihrer Meinung nach bilden wir «einen Block mit den Vier und Lin Biao». All dies sind Anspielungen, die darauf angelegt sind, uns einzuschüchtern und dazu zu bringen, ihrer Linie zu folgen, «denn sonst werden wir weitergehende Maßnahmen ergreifen, die Zahlung der Kredite an euch einstellen», und andere verschleierte Drohungen. Getrieben von .ihrer revisionistischen Logik meinen die jetzigen chinesischen Führer, sie erhielten uns «am Leben», das sozialistische Albanien lebe nur «dank ihnen», wir würden uns, wenn sie uns im Stich lassen, «mit den Supermächten verbinden»; und ihre Propaganda werde «sich bestätigen» usw. All das gleicht dem Vorgehen des Revisionisten Chruschtschow und seiner Adepten gegen uns wie ein Ei dem anderen!

Wir müssen den Provocakateuren mit ihren chauvinistischen Gross Machtanschauungen, den chinesischen Putschisten, Revisionisten und Antimarxisten, antworten und sie entlarven.

Der Brief, den wir ihnen schicken werden, wird im Gegensatz zu ihrer Verbalnote offiziell vom Zentralkomitee kommen. Darin y werden wir ihnen sagen Erstens ist die PAA eine unabhängige marxistisch-leninistische Partei und formuliert selbst ihre Linie im Licht der marxistisch-lenininistischen Theorie, auf der Grundlage realistischer Analysen der in nerven und äußeren Lage. Die PAA treibt keinen Schacher mit dem marxistisch-leninistischen Prinzipien, sie lässt sich von einer eigenen Strategie leiten, die sie selbst festlegt, und sie formuliert Selbst die fuhr diese Strategie geeigneten Taktiken. Die PAA -duldet nicht, dass ihr irgendein anderer eine Strategie aufzwingt, die sie für ungeeignet hält. Auf der Grundlage ihrer marxistisch-leninistischen Normen billigt sie den marxistisch-leninistischen Bruderparteien zu, sie zu kritisieren, und ist einverstanden, über viele Probleme mit ihnen zu Diskutieren. Und umgekehrt hat auch die PAA dieses Recht gegenüber den anderen Bruderparteien.

Zweitens hat die PAA ihre Linie und ihre Strategie stets offen verkündet. Wenn sie Kritik an den Feinden übte und übt, dann mit Adresse und niemals durch Anspielungen hinter dem Rücken. Deshalb weisen die Partei der Arbeit Albaniens und ihr Zentralkomitee den Vorwurf Hua Guo-fengs und des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas an die Partei der Arbeit Albaniens und ihren 7. Parteitag, sie hätten angeblich die Linie der KP Chinas angegriffen usw., entschieden zurück. Ganz im Gegenteil sprach die Partei der Arbeit Albaniens herzlich über die Freundschaft mit China usw. Ihr greift also die Partei der Arbeit Albaniens und ihren 7. Parteitag an.

Drittens, wenn ihr uns schon beschuldigt, ist es auch die Pflicht der KP Chinas,, uns zu sagen, welches die «wichtigen Probleme» sind, bei denen wir die Kommunistische Partei Chinas und die Strategie Mao Tsetungs angegriffen haben sollen, und uns diese eure Strategie klar zu umreißen, damit wir beurteilen können, wer recht hat, wir oder ihr, wer den anderen angreift, wenn von Angriffen die Rede sein kann. Dies erwarten wir, und wir akzeptieren eure Aussage nicht, ihr würdet auf die Angriffe, die unsere Partei angeblich unternommen hat, nicht antworten, weil ihr «die Polemik nicht eröffnen wollt». Mit dem, was ihr hier tut, nehmt in Wirklichkeit ihr die Polemik auf. Diese Einstellung des Genossen Hua Guo-feng und des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas ist für uns unannehmbar, und wir werden es als eine Tatsache betrachten, dass ihr der Konfrontation der Meinungen ausweicht und es ablehnt, die Meinungsverschiedenheiten oder Divergenzen, falls es sie gibt wie ihr behauptet, auszuräumen. Wir erklären euch in kameradschaftlicher Form, dass dies unter allen Umständen geschehen muss. Keine unserer Parteien, weder die Partei der Arbeit Albaniens noch die Kommunistische Partei Chinas, ,kann einseitige Auffassungen und Beschlüsse akzeptieren.

Es gibt zwei von beiden Seiten unterzeichnete Erklärungen, die eine von 1964 und die andere von 1966, in denen es heisst, wir rüssten über strategische Fragen Konsultationen durchführen. Ihr habt diese Erklärungen verletzt, sogar in Kardinalfragen, zu denen ihr unsere Partei nicht konsultiert habt. Wir wurden von euch überhaupt nicht gefragt und in Kenntnis gesetzt oder aber vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ihr erwähnt in eurer «Note» unseren Brief aus dem Jahr 1964. Wir waren und sind der Meinung, dass dieser Brief von grosser politischer, ideologischer und strategischer Bedeutung ist, denn was wir dort anschnitten, schien zwar euer Problem zu sein - und es ist auch tatsächlich euer Problem -, doch es ging auch uns an, auch die Weltrevolution. Ihr habt uns als Bruderpartei nicht ins Bild gesetzt, während wir euch unsere Meinung auf sehr kameradschaftliche Weise mitteilten. Und diese Frage blieb zwischen unseren beiden Parteien offen. Sicherlich verfolgt ihr mit der Erwähnung dieses Briefes für jetzt oder später bestimmte Absichten, doch wir versichern euch, dass dieser Brief in keinem Fall und zu keiner Zeit von irgend jemand gegen die PAA verwendet werden kann Ganz im Gegenteil.

Doch dies ist nicht der einzige Brief, den wir an das Zentral'.. Komitee der KP Chinas und Genossen Mao Tsetung gesandt haben, Auch in den anderen ging es um grosse Fragen der Strategie und Taktik. Dies waren 'kameradschaftliche, offene und aufrichtige Briefe.

Einen weiteren Brief sandten wir euch am 6. August 1971. Darin verurteilten wir euren Beschluss, den amerikanischen Präsidenten Nixon in China zu empfangen. Dies geschah, weil wir vor eine vollendete Tatsache gestellt worden waren, die weder mit der grossen Freundschaft zwischen unseren beiden Parteien noch mit den gemeinsamen Erklärungen vereinbar war. Euer Schritt betraf eia Problem von grosser internationaler Bedeutung. Doch auch diesig unseren Brief habt ihr unbeantwortet gelassen. Die Partei der Arbeit

Albaniens blieb bei ihrer Strategie und ihrer Linie und fuhr gleicher zeitig fort, die albanisch-chinesische Freundschaft zu stählen.

Ein Brief des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Albaniens, unterzeichnet von seinem Ersten Sekretär, wurde der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetung am 12. November 1975 zugesandt, doch auch er blieb ohne Antwort, während euer praktisches Verhalten immer schroffer wurde. Trotzdem liessen und lassen wir v on diesen Fragen nichts nach aussen dringen.

Dagegen hat das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens den Vorschlag Liu Schao-tschis vom 27. Juni 1962, bei dem es um eine Frage von grosser strategischer Bedeutung ging (die «antiimperialistische Front unter Einschluss der Revisionisten»), mit einer negativen Antwort beschieden und verworfen.

Am 29. Oktober 1964 beschieden wir die strategische Fragen betreffenden Vorschläge des Genossen Tschou En-lai (nach dem Sturz Chruschtschows nach Moskau zu fahren) abschlägig und wiesen sie zurück.

Am 15. Juni 1975 hat das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens Tschou En-lais Vorschlag (zu einem Bündnis mit Jugoslawien und Rumänien), den er zweimal, zu verschiedenen Zeitpunkten, vorbrachte, abgelehnt und verworfen. Doch diese Dinge sind unter uns geblieben, der marxistisch-leninistischen Freundschaft zwischen unseren beiden Parteien und Völkern zuliebe.

All dies und anderes taten wir auf normalem Weg, auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Normen. Dies musste unbedingt getan werden, denn wir mussten die Fragen klären und die Freundschaft stählen.

Wir haben in keinem Fall hinter dem Rücken geredet, sondern offen, wir haben die Kommunistische Partei Chinas niemals öffentlich und durch Anspielungen angegriffen, wie ihr behauptet, wir haben niemals die Polemik aufgenommen, sondern - da ihr uns keinerlei andere Möglichkeit gabt - euch alles durch interne Botschaften mitgeteilt, die in kameradschaftlichem Geist gehalten waren.

Uns war und ist die Freundschaft mit dem Bruderland China und der Kommunistischen Partei Chinas auf marxistisch-leninistischem Weg teuer. Auf unserem 7. Parteitag wurde sie vollauf bekräftigt, und die Linie des Parteitags ist die Linie der Partei. Unser Zentralkomitee und unsere Partei gehen keinen Millimeter von dieser Linie ab, und eben deshalb betonen wir sie in Beantwortung eurer Verbalnote noch einmal.

Erstens werden wir die Freundschaft der Partei der Arbeit Albaniens und des albanischen Volkes mit der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Volk weiter härten. Wir für unseren Teil werden auf marxistisch-leninistischem Weg kämpfen, um jedes Hindernis, das die Feinde unserer Freundschaft in den Weg legen, zu überwinden. Sowohl wir, als auch ihr, als auch die kommunistische Weltbewegung brauchen diese Freundschaft zwischen uns sehr.

Zweitens erwarten wir von eurer Seite Aufklärung darüber, wo wir euch angegriffen haben und wie eure Strategie und Taktik in den Fragen aussehen, in denen wir euch, eurer Meinung nach, «auf dem 7. Parteitag der PAA indirekt angegriffen» haben.

P.S. Ich gab Genossen Ramiz einige dieser Thesen zur Aus-Arbeitung der Antwort auf die «Note», die uns Li Hsiän-niän irrig Namen Hua Guo-fengs und des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas aushändigte.

MONTAG,

13. DEZEMBER 1976

DIE LAKAIEN DER CHINESEN WERDEN SCHEITERN

Der Vor sitzende der Kommunistischen Partei Australiens, Marxisten-Leninisten, Edward Hill, der an unserem 7. Parteitag teilgenommen, seine «Zufriedenheit» geäußert und auf dem Parteitag «gut» gesprochen hatte, übermittelte nach seiner Abreise aus unserem Land unserem Botschafter in Paris, Genossen Dhimitër Lamani, ein Schreiben an Genossen Ramiz. Das Schreiben wurde unserem Botschafter von Hills Frau ausgehändigt, mit dem Kommentar, dies seien «einige Einwände Hills zum 7. Parteitag der PAA».

Anscheinend hat dieser «Kommunist», den wir als guten und objektiven Genossen geschätzt haben, noch nicht einmal das bisschen Mut aufgebracht, mit einem von uns zu sprechen, sondern machte stattdessen seine «Einwände» schriftlich. Diese seine «Einwände» sind freilich Angriffe, Verleumdungen und Provokationen gegen unsere Partei, die er entweder aufgrund eigener Überlegungen unternommen oder von den Chinesen bezogen hat. Damit hat er sich zu ihrem Strohmann gemacht.

Wir haben das Schreiben noch nicht erhalten, doch der Botschafter schickte uns ein Radiogramm mit den darin geäußerten Hauptgedanken. Hill sagt:

a) «Warum ist die Partei der Arbeit Albaniens dafür, Beratungen auch mit vielen Parteien zu organisieren, während China nicht dafür ist?» Dies ist keinen Kommentar wert. Wir haben gesagter warum.

b) Warum wurde unsererseits auf dem Parteitag nicht erklärt, dass China nicht für multilaterale Beratungen der Parteien ist? Auch das ist genauso provokativ wie absurd. Doch es muss tiefere Gründe geben, weshalb er dies anspricht.

c) Obwohl wir erläuterten, warum auch Beratungen vieler Parteien stattfinden können, kommt dieser Revisionist mit der Schlussfolgerung daher, wir machten dies, «um China auf den richtigen Weg zu bringen». Was soll man zu dieser Verleumdung sagen? Er würde uns gern vorwerfen, wir seien «die Fahnenträger».

d) «Mao Tsetung ist ein grosser Marxist-Leninist, das bewies und .beweist die Geschichte.» Seiner Meinung nach ist alles, was er gesagt und getan hat, eine «Offenbarung», und er setzt hinzu, Mao müsse «hinter Marx und Lenin gesetzt werden». Wer hinderte ihn daran, das zu tun? Doch wir für unseren Teil halten uns an Marx, Engels, Lenin und Stalin. Das ist ebenfalls eine Provokation, mit der uns Hill die «Maotsetungideen» aufzwingen will. Trotzdem bringt er unbegründet und unbelegt den Vorwurf, die Partei der Arbeit Albaniens versuche «ihre Ansichten auch den anderen aufzuzwingen».

e) Eine weitere Verleumdung Hills ist, wir hätten auf dem Parteitag die Parteien Vietnams, Koreas und Laos' diskriminiert, und er setzt hinzu, im Zusammenhang mit diesen Parteien habe er viel zu sagen, denn er sei nicht einverstanden mit ihnen.

f) Der «Kommunist» Hill ist nicht einverstanden damit, wie unsere Partei die Kommintern einschätzt, und liefert (eine Seite lang) eine angebliche Analyse, wonach Dimitroff «falsch gehandelt» habe und «von Stalin kritisiert worden» sei.

Wie niederträchtig ist doch dieser Mensch, der, um das Werk der Kommintern zu verdunkeln, behauptet, Thorez, Togliatti, Duclos, Sharkey (die alle Verrat begingen) seien zufällig in die Kommintern gekommen! Mit anderen Worten, er leugnet die Rolle, die die Kommintern bei der Festigung der kommunistischen Parteien der Welt gespielt hat, und möchte indirekt sagen: «Seht her, die Parteien, denen die Komintern half, haben Verrat begangen.»

Genosse Lamani schreibt außerdem, Hill liefere auch seine Einschätzung «der internationalen Lage», die im Widerspruch zur Analyse unseres Parteitags stehe. Doch all diese Fragen werden wir besser klären, wenn wir sein Schreiben erhalten. Ich kann nur das eine sagen: dass Hill wie ein Revisionist und Provokateur vorgeht. Wir bringen nirgendwo auch nur eine einzige Kritik an China oder an Mao, niemals haben wir mit Hill über sie gesprochen. Was wir auf dem Parteitag sagten, äußerten wir auch 'bei einem Gespräch, das wir vor ein oder zwei Jahren mit ihm hatten. Dabei sagten wir weder über China noch über Mao auch nur ein einziges schlechtes Wort, sondern nur Gutes. Hill erwies sich beim ersten wie beim weiten Mal als Heuchler, wagte es nicht, seine Ansichten zu äußern urig kameradschaftlich zu diskutieren. Wie sich nun h herausstellt, war ei gekommen, «um etwas einzukaufen» und es dann nach China zu bringen. Dort ist Hill, wie es scheint, auch gesagt worden, in welcher Richtung er vorzugehen habe. Man setzte ihn nur ein, um zu provozieren, um uns dazu zu bringen, mit ihm eine Polemik über eine dritte Partei, die Kommunistische Partei Chinas, einzugehen. Wir tappen nicht in diesen Morast. Solche trotzkistische Manöver kennen wir schon aus der Zeit Chruschtschows, der Schiwkoff und Kadar vorschickte, um uns zu provozieren.

Hier zeigt sich die Taktik der Chinesen. Sie richteten eine «Verbalnote» an uns, in der sie uns beschuldigen, wir hätten «die Linie ,der Kommunistischen Partei Chinas und die Strategie Mao Tsetungs angegriffen», und fertig. Und dabei betonen sie, sie würden «die Vorwürfe nicht beantworten, weil wir nicht die Polemik aufnehmen -wollen•>. Während sie auf der anderen Seite Hill, vielleicht auch andere, vorschieben, damit wir mit ihnen über die Chinafrage polemisieren. Das Ziel dabei ist, die revolutionäre Bewegung und die Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien zu spalten. Das haben sie schon vor geraumer Zeit bei einer Reihe marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien getan, zu denen sie die Verbindungen abgebrochen haben. Verbindungen unterhalten sie dafür mit allerlei provokatorischen Gruppen, die sich selbst «maoistisch» nennen. Zum andern wollen sie mit diesem Spiel die Partei der Arbeit Albaniens isolieren und ihre grosse Autorität schmälern.

Wir müssen in dieser Hinsieht wachsam sein, uns vor Provokateuren hüten und mit aller Kraft die richtige Linie unserer Partei und die Reinheit des Marxismus-Leninismus verteidigen. Die revisionistischen Chinesen und ihre Lakaien werden sich diskreditieren Lind scheitern.

Wir müssen Hills Brief beantworten und ihm schreiben, dass er in keiner Frage, die im Zusammenhang mit einer dritten Bruderpartei steht, jemals eine Antwort erhalten wird. Wir werden seine antimarxistischen Anschauungen eine nach der anderen zu Fall bringen. Das werden wir in kameradschaftlichem Ton tun, so wie unsere Partei stets verfahren ist, und ihm damit zeigen, dass er nicht recht hat, wenn er irgendwo das Wort «leidenschaftlich» benutzt. -Leidenschaftlichkeit» warf uns auch Chruschtschow damals vor. Was die Fragen anbelangt, über die er seine eigene Meinung hat, steht es ihm frei, diese zu behalten und zu verfechten.

DONNERSTAG,

16. DEZEMBER 1976

DIE AGENTEN CHINAS FANGEN AN, SICH HERVORZUWAGEN

Ich habe, gestützt auf eine kurze Zusammenfassung des Schreibens des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Australiens/ Marxisten-Leninisten, E. Hill, die unser Botschafter in Paris gemacht hat, in meinem Tagebuch einige Anmerkungen festgehalten. Im allgemeinen werden sie den Fragen gerecht, die in der zusammengefassten Übersetzung dargestellt sind, die uns der Botschafter schickte.

Inzwischen haben wir das ganze von Hill gesandte Material in die Hand bekommen. Fs ist begleitet von einem kurzen Brief an Genossen Ramiz. Dieses 15 Seiten lange Material ist in einem knappen Stil verfasst, mit angeblich theoretischem Anstrich, Zitaten usw., und das in einer Rekordzeit, innerhalb eines Tages nach Hills Abreise von Tirana nach London. Dies erweckt den starken Verdacht, dass er oder irgendein anderer das Material schon vorher vorbereitet hatte, einige seiner Haupt«Thesen» sogar schon, ehe Hill zu unserem Parteitag kam. Hill wird das Material sofort nach seiner Ankunft in London fertig vorgefunden haben und liess es dann tags darauf durch seine Frau sogleich nach Paris bringen, um es unserem Botschafter auszuhändigen.

Die Absichten des Autors, über die ich mich in diesem Tagebuch geäußert habe, bevor uns der vollständige Text des Materials zuging, sind für uns, trotz der schlechten Übersetzung und obwohl uns unser Botschafter nur eine Zusammenfassung schickte, erkennbar. Liest man nun den vollständigen Text, kommt noch klarer zum Jobschein, dass der Wesenskern von Hills Ansichten darin liegt, dass er meint, die Partei der Arbeit Albaniens habe nicht das Recht gehabt, auf ihrem î. Parteitag ihre Ansichten übeler die internationale kommunistische Bewegung darzulegen. Er gibt in dem Material zu verstehen, der Partei der Arbeit Albaniens stehe dies nicht zu.

Hill schreibt uns, wir würden im Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees unserer Partei die Tätigkeit der Kommintern einer Analyse unterziehen, die seiner Meinung nach nicht richtig sei. Im Zusammenhang mit dieser Frage übergeht er nicht ohne Absicht mit Schweigen, dass wir im Rechenschaftsbericht betonen, wir hätten hier durchaus nicht die Absicht, die Tätigkeit .der Kommintern zu analysieren, sondern wollten nur sagen, dass die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien angesichts der grossen Gefahr, die ihnen von seiten des modernen Revisionismus und der beiden. Supermächte droht, unbedingt nicht nur bilaterale, sondern auch multilaterale Beratungen durchführen müssen, um dort gemeinsame Probleme zu diskutieren. Wir wiesen ebenfalls darauf hin, dass die Komintern durch die Arbeit, die sie zu ihrer Zeit leistete, einen grossen Beitrag zur Festigung der jungen marxistisch-leninistischen Parteien lieferte. Schließlich betonten wir im Rechenschaftsbericht deutlich, dass heute keinesfalls die Zeit ist, eine internationale Organisation wie die Kommintern zu schaffen. Dafür waren wir nicht und dafür sind wir auch jetzt nicht, aber Beratungen von Vertretern der marxistisch-leninistischen Parteien müssen zu einer normalen Praxis werden.

Aus dieser Schlussfolgerung, zu der wir kamen,, leitet Hill die Meinung ab, unser Standpunkt, dass multilaterale Beratungen durchgeführt werden sollten, ziele darauf ab, «die Kommunistische Partei Chinas auf den richtigen Weg zu bringen». Irgendwie wirft uns Hill vor, wir meinten, die Kommunistische Partei Chinas weiche von der Linie ab. Dafür hat er überhaupt keinen Beleg, denn auf unserem Parteitag attackieren wir die Kommunistische Partei Chinas nicht, ungeachtet unserer Meinung über viele ihrer Ansichten und Auffassungen. Dagegen attackiert Hill bei dieser Gelegenheit die Kommintern, die er bezichtigt, sie habe schwere Fehler begangen, die seiner Aussage nach auch Lenin erkannt haben soll. Vorwürfe richtet er auch gegen uns, indem er sagt, wir könnten die Kommintern nicht mit den paar Aussagen entschuldigen, die wir auf unserem 7. Parteitag über sie machten, wo wir doch auch zugäben, es sei nicht ausgeschlossen, dass sie Fehler gemacht habe. Herr Hill möchte, dass wir im Rechenschaftsbericht eine Analyse anstellen, worin die Fehlerder Kommintern bestanden und wie schwer sie waren. Doch war dies. für uns durchaus night der Augenblick, solches zu tun. Trotzdem. Hill will auf etwas aideres hinaus.

Mit der Komintirn greift Hill zugleich auch Dimitroff an. Seiner Meinung nacl hat Dimitroff Fehler gemacht, ist doch seine berühmte Rede angebich von Stalin kritisiert worden, weil dort nicht von der Diktatur des 'roletariats die Rede war. Bekanntlich entwikkelte Dimitroff in di ser Rede die These des Kampfes gegen den: Faschismus. Er spracl von der Notwendigkeit der Schaffung von Volksfronten zusamm,n mit fortschrittlichen Elementen und Parteien, um der Gefahr desdeutschen und italienischen Faschismus, der zu jener Zeit für die Völ;er bedrohlich wurde, die Spitze abzubrechen. U ns ist bis heute nicit bekannt, dass Stalin Dimitroffs Rede zu dieser Frage kritisiert hätte.

Zum andern konmt Hill mit der Schlussfolgerung daher, Dimitroff habe mit diesfr Rede «spätere Konsequenzen in Gestalt der Abweichung und Entatung marxistisch-leninistischer Parteien verursacht», und führt cábei Exführer solcher Parteien - Togliatti, Thorez, Harry Pollitt, 3harkey usw. - an. Er lässt ausser acht, dass. Dimitroffs Rede damas auf der ganzen Welt ein -aussergewöhnlich, starkes Echo hervorriaf, vergisst, dass sie dem Kampf gegen den.

Faschismus und der S(haffung von Volksfronten in Frankreich und: insbesondere in Spanim, die dem deutschen und dem italienischem Faschismus politischen und bewaffneten Widerstand leisteten, grossen Aufschwung verlieh. Hill vergisst ebenfalls, dass es die Kom-. munistischen Parteien des Westens waren, die diese Fronten und den Kampf gegen den Faschismus, den die Komintern propagierte, organisierten. Später, Js ihre Länder vom Nazifaschismus besetzt wurden, 'kapitulierte die reaktionäre Bourgeoisie dort, und niemand ausser den französisch?n und den italienischen Partisanen ging in die Berge und kämpftc. Er vergisst zu sagen, dass weder Togliatti noch Duclos, noch Marty, noch Longo im Spanienkrieg Verrat begingen, sondern vielmehr auf marxistisch-leninistischem Weg, auf dem Weg der Komintern gegen den Faschismus kämpften.

So ist Hills Kritik !n der Komintern, die als real und begründet präsentiert wird, nur eine Seifenblase. Er bekämpft die Kommintern, weil er meint, wir wollten ihr Banner aufnehmen und die marxistisch-leninistischen Parteien der Welt gegen die Kommunistische Partei Chinas organisieren. Das zeigt sich daran, dass er sich der Idee multilateraler Beratungen, die wir auf dem Parteitag zur Sprache brachten, widersetzt. Seiner Meinung nach können und dürfen nur bilaterale Beratungen stattfinden.

Hill tritt auch in einer anderen Frage gegen unsere Partei auf. Er meint, die marxistisch-leninistischen Bruderparteien dürften sich nicht gegenseitig zu ihren Parteitagen einladen. Das «theoretische» Argument, das er gegen diese Praxis ins Feld führt, ist, dass diese Parteien auf dem Parteitag, zu dem sie eingeladen sind, gegenüber den Auffassungen der gastgebenden Partei in eine schwierige Position gerieten und nicht in der Lage seien, sogleich ihre Meinung darüber zu äußern. Also sind für seine Begriffe nicht nur multilaterale Beratungen marxistisch-leninistischer Parteien fehl am Platz, ebenso wenig dürfen auch Vertreter dieser Parteien am Parteitag einer Bruderpartei teilnehmen. Daraus folgert Hill, er persönlich und seine Partei seien gegen solche Praktiken, und hätte er gewusst, dass auf unserem 7. Parteitag die Probleme aufgeworfen werden würden, die aufgeworfen wurden, hätte er sich seine Teilnahme an diesem Parteitag erst noch überlegt.

Historisch liegt die Sache mit Hill so: Vor anderthalb oder zwei Jahren, genau kann ich mich da nicht festlegen, hatten wir eiíi bilaterales Gespräch mit ihm, bei dem wir all jene Ansichten -erläuterten, die wir auch auf unserem 7. Parteitag darlegten. Er sprach nicht länger als 10 Minuten und berührte dabei überhaupt nicht die Kardinalfragen, die wir ihm bei dieser Gelegenheit vortrugen und die die Linie unserer Partei darstellten, die wir aua auf dem Parteitag entwickelten. Sein Bluff ist also klar. Damals; hatte Hill entweder Angst oder beliebte nicht, seine Ansichten gegen unsere Partei offen zu äussern, und überging die Fragen, ohne irgendwie Stellung zu beziehen. So lässt sich auch seine These, er se; für bilaterale Gespräche, nicht halten, denn auch bei dem bilateralen Gespräch, das wir mit ihm führten, brachte er von sich aus keine einzige kritische Meinung gegen die Ansichten unserer Partei vor.

Hill macht sich Sorgen, weil wir nicht der politischen, ideologischen und organisatorischen Linie der Kommunistischen Partei Chinas folgen, weil wir aus ihrer Reihe tanzen. Seiner Meinung nach haben wir der Linie dieser Partei gehorsam Folge zu leisten. Persönlich versucht er sich als «ganz unabhängig», «ungebunden» hinzustellen, während er alle anderen marxistisch-leninistischen Bruderparteien, die ihre Vertreter zu unserem Parteitag entsandten und sich sehr positiv über die Linie unserer Partei äußerten, als Lakaienparteien betrachtet. Die Haltung, die diese Parteien auf unserem 7. Parteitag einnahmen, entsprang nach Hill nur der Absicht, der Partei der Arbeit Albaniens zu Gefallen zu reden. Mit anderen Worten, Hill will zeigen, dass auch das, was er in eigener Person auf unserem Parteitag sagte, nicht seiner Meinung entspricht, hat er doch seine wahre Meinung in dem aus London gesandten Material geäußert, wo er sagt, er gehe mit vielen grundlegenden Auffassungen des 7. Parteitags der Partei der Arbeit Albaniens nicht konform.

Hill nimmt den Standpunkt ein, dass zwar jede Partei ihren eigenen Parteitag abhalten, dort allerdings nur über Mais, Kürbisse und Gurken reden, nicht aber politisch und ideologisch Stellung beziehen, dem einen oder anderen gegenüber eine kritische Meinung äußern darf. Das hiesse, dass die Partei, die den Parteitag abhält, in der Äußerung ihrer marxistisch-leninistischen Ansichten nicht aufrichtig sein dürfte. Hill möchte, dass alle marxistisch-leninistischen Parteien der Welt völlig widerspruchslos der Linie der Kommunistischen Partei Chinas folgen. Nur dann ist für ihn bei diesen Parteien alles in Ordnung.

Einerseits gibt sich Hill als Verfechter des Standpunkts aus, jede Partei habe das Recht, ihre eigene Meinung zu äussern, andererseits widerspricht er sich selbst, wenn er sagt, die Partei habe absolut nicht das Recht, ihre Meinung öffentlich auszusprechen. Tatsache ist, dass er in dem uns übersandten Material das fünfte und das sechste Kapitel des Rechenschaftsberichts des Zentralkomitees unserer Partei kritisiert, wo es um die internationale Lage und einige Probleme der kommunistischen Weltbewegung geht. Das ist eine bittere Pille für ihn und seine Freunde. Es traf sie einerseits, weil bekanntlich in diesen beiden Kapiteln ausführlich und klar unsere marxistischleninistische Linie dargelegt wird, die in vielen Punkten im Gegensatz zu den Ansichten der Kommunistischen Partei Chinas steht, obwohl wir uns nirgendwo namentlich gegen diese Partei äussern. Zum andern ist Hill nicht damit einverstanden, dass eine Partei wie die unsere sich die Mühe macht, ihre Meinung zu sagen über den Kampf, den die anderen marxistisch-leninistischen Parteien führen und führen müssen, über ihre Arbeitsmethoden, die Kampfbündnisse, die sie eingehen, und andere Fragen, die sich aus der gewonnenen Erfahrung ergeben.

Hill sagt, die Teilnahme anderer Parteien an den Parteitagen von Bruderparteien kompromittiere sie. Das ist ein Bluff. Diese Praxis kompromittiert sie keineswegs. Wurden zum Beispiel etwa die Parteien Vietnams, Koreas oder Laos' auf unserem Parteitag kompromittiert? Nein! Ihre Delegationen äußerten ihre Ansichten auf dem Parteitag ganz frei, und wir meinen, dass sie, falls sie Gegensätze zu unserer Partei hätten, sehr leicht auch um ein Treffen mit unseren Führern hätten ersuchen können, um sich dort über ihre eventuellen Meinungsverschiedenheiten mit uns auszusprechen. Das taten sie nicht. Falls sie etwas zu sagen hatten und es nicht taten, so ist das nicht unsere Schuld.

Wir stimmen Hill zu, wenn er sagt, dass im Verlauf des Parteitags diese Einwände nicht gemacht werden können. Wir haben aber auch nichts dagegen, wenn jemand, der sich nicht lobend über die Tätigkeit und die Auffassungen der gastgebenden Partei zu äußern wünscht, es bleiben lässt. Gerade die Lobhudeleien, die man ihr angedeihen lässt, wünscht unsere Partei nicht, sie verlangt vielmehr, dass realistisch über ihre Tätigkeit gesprochen wird. Sollte irgend jemand etwas an uns auszusetzen gehabt haben, hätte er, wie ich schon sagte, sogar ganz leicht um ein Treffen mit uns ersuchen können. So hätten bilaterale Klarstellungen zu den Fragen, die ihn beschäftigen, erfolgen können. Auch Hill tat das nicht.

Er behauptet, die Teilnahme an einem Parteitag lasse die anderen eingeladenen kommunistischen Parteien in eine schwierige Lage geraten. Wir meinen jedoch, dass sie diese durchaus nicht in Schwierigkeiten bringt, im Gegenteil, die Vorteile, die eine Teilnahme bei solchen Anlässen bietet, überwiegen. Diese Vorteile stellt auch Hill fest, er unterschätzt sie aber und spielt beträchtlich den Standpunkt hoch, den er zu verteidigen sucht, dass nämlich andere Parteien nicht zu Parteitagen eingeladen werden dürften. Das hiesse, den Parteitag unter hermetischem Abschluss abzuhalten, so dass kein Mensch erfährt, was man meint. Der glühende Wunsch der modernen Revisionisten, der Sowjets, und zugleich auch der Imperialisten ist, dass man sie allesamt zufrieden lässt, dass wir nicht über die Aktivitäten gegen den Kommunismus, gegen die Völker, gegen die sozialistischen Länder sprechen. Das ist die ganze Schlussfolgerung, die man aus einer solch antimarxistischen Behandlung des Problems ziehen kann, das Hill in dem uns übersandten Material anschneidet, einem Material, in dem er offen gegen den 7. Parteitag unserer Partei Stellung bezieht.

Im Zusammenhang mit dieser Frage versucht Hill, die Wirklichkeit zu verdrehen, was Tschou En-lais Haltung auf dem 22. Parteitag der sowjetischen Revisionistenpartei anbetrifft. Tschou En-lai hatte auf dem 22. Parteitag wahrhaftig die Einstellung der Polemik gegen die Partei der Arbeit Albaniens gefordert, was für uns und viele andere nicht wünschenswert war. Wie richtig die Haltung unserer Partei war, hat sich inzwischen bestätigt. Ebenso zog Tschou Enlai auf dem 22. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion nicht etwa deshalb unter Protest aus, weil dort die Partei der Arbeit Albaniens angegriffen wurde, sondern weil zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Sowjetunion Meinungsverschiedenheiten über grosse interne strategische Probleme bestanden, etwa die Nichtweitergabe der Atombombe an China, das Grenzproblem mit Indien usw. Eben diese Probleme, die zwischen den beiden Seiten existierten, veranlassten Tschou En-lai dazu, den 22. Parteitag zu verlassen. Aufgrund dieser Sorgen und Hoffnungen wollte er später, nach Chruschtschows Sturz im Jahr 1964, erneut in die Sow jetunion reisen und Freundschaft mit den Sowjetrevisionisten schliessen. Deshalb haben Hills Beispiele und Thesen keinerlei Wert, weder historischen noch theoretischen, noch praktischen.

Nach Hills Meinung muss eine Partei, wenn sie im Sinn hat, ein Problem internationalen Charakters aufzuwerfen, das die ganze kommunistische Weltbewegung angeht, zunächst auf eine grosse Rundreise gehen, mit einer Vielzahl marxistisch-leninistischer Parteien Kontakt aufnehmen und bilaterale Gespräche führen, und nur wenn sie in dieser oder jener Frage einverstanden sind, kann sie auf ihrem Parteitag dieses oder jenes Problem behandeln. Sollte sie jedoch auf Widerstand stossen, darf sie es überhaupt nicht zur Sprache bringen. Dies ist einer der Hauptpunkte der absurden und antimarxistischen Kritiken dieses revisionistischen australischen Provokateurs, der von den chinesischen Revisionisten gezielt dazu eingesetzt wird, die Partei der Arbeit Albaniens zu provozieren.

Ich habe bereits gesagt, dass die Kommunistische Partei Chinas und der Provokateur Hill nicht wollten und nicht wollen, dass die Partei der Arbeit Albaniens ihre Auffassung darüber äussert, wie die internationale Einheit der Kommunisten und der Proletarier gefestigt werden muss. Sie stehen im Gegensatz dazu. Doch die internationalistische Einheit des Proletariats und der marxistisch-leninistischen Parteien ist ein grosses Problem des Marxismus-Leninismus. Auch die Kommunistische Partei Chinas hat diese Losung ausgegeben, doch in Wirklichkeit, in der Praxis ist sie gegen sie und bekämpft sie. Dieses grosse Motto stellte sie in den Rahmen der Einheit der «dritten Welt», zu der sie sich auch selbst rechnet. Wir können uns mit keiner derartigen Ansicht abfinden und auch nicht mit der Haltung, die eingenommen wird.

Wir stehen im Gegensatz zu den Ansichten der Kommunistischen Partei Chinas über die «dritte Welt», weil sie antimarxistisch sind, weil es revisionistische Ansichten sind. Wir behandelten dieses Problem auf dem 7. Parteitag vom Klassenstandpunkt aus, auf der Grundlage unserer Ideologie, des Marxismus-Leninismus. Der Losung von der «dritten Welt» haben sich schon vor 1960 sowohl Chruschtschow als auch Tito unter verschiedenen Bezeichnungen, wie etwa «blockfreie Länder» bedient, die unsere Partei als außerhalb des Klassenkriteriums gesehene und erfundene Gruppierungen und Begriffe bekämpft hat. Unsere Partei legte auf dem 7. Parteitag klar, dass sie für die Verteidigung aller Staaten ist, die sich für frei und unabhängig erklärt haben, in Wirklichkeit aber wirtschaftlich und politisch abhängig sind. Nur wenige Staaten der «dritten Welt» können unabhängig genannt werden, weil in Wirklichkeit jeder von ihnen auf die eine oder andere Weise von dieser oder jener imperialistischen Macht abhängig ist. Auch wenn man ihn für politisch unabhängig hält, ist er doch wirtschaftlich abhängig, und nach den Lehren unserer Klassiker der marxistisch-leninistischen Wissenschaft kann es ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit keine politische Unabhängigkeit geben. Wir sind dafür, diese Staaten mit unserer ganzen Kraft zu verteidigen, und das Leben hat bewiesen, dass wir den Kampf für ihre Verteidigung ständig und entschlossen geführt haben. Doch mit den «theoretischen» Schlussfolgerungen, zu denen die Kommunistische Partei Chinas gelangt ist, können wir unmöglich einverstanden sein. Gerade darin besteht einer unserer hauptsächlichen Gegensätze zu ihr.

Bei unseren hauptsächlichen Gegensätzen zu den Chinesen geht es um Fragen, die eng miteinander verbunden sind: um die Frage der «dritten Welt», um die Haltung, die gegenüber den beiden Supermächten eingenommen werden muss, sowie um den «proletarischen Internationalismus», also um die Festigung der Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien. Die Kommunistische Partei Chinas geht unserer Meinung nach an diese Fragen opportunistisch, revisionistisch heran, wir dagegen marxistisch-leninistisch. Wir sind für den proletarischen Internationalismus, für die Festigung der Einheit mit den marxistisch-leninistischen Parteien, außerdem für eine möglichst grosse und ständige Hilfe für alle Länder der sogenannten freien und unabhängigen Welt, die in Wirklichkeit allerdings abhängig ist und unter dem Einfluss des amerikanischen, des sowjetischen und des anderen Kapitals steht. Um ihre vollständige Befreiung erlangen zu können, müssen diese Länder, wie Lenin sagt, zunächst den Feind im eigenen Land bekämpfen, dann auch den äußeren Feind. Wir sagen, dass der moderne Revisionismus mit aller Kraft bekämpft werden muss, dass genauso die reaktionäre Bourgeoisie bekämpft werden muss, die die Freiheit und Unabhängigkeit des eigenen Landes dem amerikanischen Imperialismus oder dem sowjetischen Sozialimperialismus in den Rachen wirft. Deshalb halten wir es für unumgänglich, diese beiden Supermächte zu bekämpfen, während die Chinesen die Frage nicht auf dieser Ebene sehen.

Eine andere Frage, die Hill erörtert, ist die Konkurrenz, die angeblich unausgesprochen zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens bestehe. Die Opfer dieses Spiels seien all jene marxistisch-leninistischen Parteien, die als Reaktion auf den modernen Revisionismus gegründet worden sind. Nach

Hills Meinung sind jene marxistisch-leninistischen Parteien, die sich positiv über die Partei der Arbeit Albaniens äußern, Lakaienparteien, Parteien, die sich bei unserer Partei anbiedern wollen. Er stellt die Sache so dar: alle jene marxistisch-leninistischen Parteien, die Liebe und Achtung für die Partei der Arbeit Albaniens empfinden und in ihren theoretischen und politischen Ansichten mit ihr übereinstimmen, sind keine wahren marxistisch-leninistischen Parteien. Für Hill ist wohl nur seine Partei «rein und marxistisch-leninistisch»

Hill sagt, die neuen marxistisch-leninistischen Parteien versuchten unter allen Bedingungen, anerkannt zu werden. Doch von wem? Von der Partei der Arbeit Albaniens? Für Hill sind die Bindungen dieser Parteien an die Kommunistische Partei Chinas der richtigste und absolut notwendige Weg, ihn müssten sie also verfolgen. Doch viele von ihnen suchen auch die Anerkennung durch die Partei der Arbeit Albaniens, und er lässt sich über die angeblich theoretische Seite aus, dass nämlich daraus dann die Frage der «Mutterpartei» und der «Tochterpartei» erwachse. Das hiesse, laut Hill, dass sich die Partei der Arbeit Albaniens das Recht ammasst, zu entscheiden, welche der neuen Parteien marxistisch-leninistisch ist und welche nicht.

Worauf will Hill damit hinaus? Er versucht damit, der internationalistischen Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt zu schaden, er versucht, diese Einheit zu zerstören und die Stärkung und Ausweitung der kommunistischen Weltbewegung der Spontaneität zu überlassen. Was die Stellung unserer Partei in der kommunistischen Weltbewegung betrifft, so hat sie sich niemals selbst als «Mutterpartei» und die anderen Partein als «Tochterparteien» betrachtet. Unsere Partei hat niemals und in keinem einzigen Fall irgendeiner Bruderpartei ihre Meinung aufgezwungen. Vielmehr machen wir ständig die Genossen, die Bruderparteien vertreten, sooft wir Gelegenheit haben, mit ihnen zu sprechen und ihnen unsere Meinung vorzutragen, mit unseren Ansichten zu diesem oder jenem Problem bekannt, mit der Erfahrung, die wir uns erworben haben. Darüber hinaus hat jede Partei ihre eigene, unabhängige Meinung, urteilt und entscheidet selbst über alles.

Vor allem betonten und betonen wir ständig, dass jede Meinung und jede Handlung der Bruderparteien auf dem Marxismus-Leninismus gründen muss, und nur auf dem Marxismus-Leninismus. Das ist korrekt. Das betonten wir nachdrücklich auch auf dem 7. Parteitag. Doch Hill passt das nicht in den Kram, und zwar gerade deshalb nicht, weil die Partei der Arbeit Albaniens nicht daran denkt, den Marxismus-Leninismus mit den «Maotsetungideen» gleichzusetzen, weil wir Mao Tsetung nicht in eine Reihe mit den vier grossen Klassikern Marx, Engels, Lenin und Stalin gestellt haben. Hill steht diesen Ansichten und Auffassungen unserer Partei entgegen und spricht bei jeder Gelegenheit von Mao, bringt ihm grosse Lobeshymnen dar, ohne seine Ansichten über alle Probleme richtig zu kennen, die er, wie wir wissen, zu einem grossen Teil falsch behandelt hat. Für uns ist Mao kein wahrer Marxist. Diese Ansicht haben wir nicht offen ausgesprochen, doch das ist unsere Überzeugung, während Hill vom Gegenteil überzeugt ist.

Um Mao Tsetungs Wert zu heben, greift Hill bei dieser Gelegenheit Engels an, behauptet, er habe Fehler gemacht, deshalb gebühre ihm nicht der Rang der Vier. Die gleiche Ansicht hat Hill auch über Stalin. Auf den Platz dieser beiden grossen Marxisten, Engels und Stalin, hebt er Mao und betont, er sei ein Marxist-Leninist von den Dimensionen eines Marx und Lenin. So wie Lenin zu seiner Zeit den Marxismus und die Theorie von Marx bereichert hat, so habe sie, laut Hill, im Laufe seines Lebens auch Mao bereichert. Hierin liegt der Kern der ganzen Theorie Hills, die er uns in seinem Material in Wendungen unterbreitet, die angeblich freundschaftlich, in Wirklichkeit aber Angriffe, Verleumdungen und haltlose Kritiken nicht nur gegen unsere Partei, sondern auch gegen die Kommintern, gegen Engels, Stalin und Dimitroff sind. Dies gilt auch für andere Fragen, denn es gibt auch sonst noch genug antimarxistische Thesen in dem Schreiben dieses revisionistischen Demagogen.

Hill hebt hervor, wir machten uns ein falsches Bild von der Weltkrise, die seiner Meinung nach keine allgemeine Krise des kapitalistischen Weltsystems, sondern eine Überproduktionskrise ist. Dabei beruft er sich auf die Theorie von Marx. Mit einem Wort, über die anderen haltlosen Vorwürfe gegen die Partei der Arbeit Albaniens hinaus versucht er auch einige vorgeblich theoretische Kritiken anzubringen, was die Bestimmung einiger grosser internationaler Probleme anbelangt, zu denen auch die jetzige weltweite Krise des Kapitalismus zählt.

Folglich können wir sagen, dass der Provokateur Hill eindeutig nicht ohne Absicht zu unserem 7. Parteitag kam. Doch die Ziele, die er sich gesteckt hatte, konnte er im Saal des Parteitags nicht erreichen. Er musste das Flugzeug nehmen, unser Land verlassen und uns von London aus dieses Material mit seinem revisionistischen Inhalt schicken. Von dort aus kehrte er nach Australien zurück und machte sich dann umgehend, ohne die geringste Zeit zu verlieren, nach Peking auf, wo ihm, wie wir erfahren haben, ein sehr herzlicher Empfang zuteil wurde. Sie empfingen ihn der Reihe nach, von Li Hsiän-niän bis Hua Guo-feng. Hill stattete sogar Tschou En-lais Frau einen Besuch ab. Die chinesische Nachrichtenagentur Hsinhua meldete, dass Hill von Hua Guo-feng empfangen wurde, berichtete über die herzlichen Gespräche über zahlreiche internationale Probleme, die sie mit ihm führten und betonte, dass beide Seiten in allem vollkommen einer Meinung gewesen seien.

Hsinhua übermittelte auch die kurze Rede Li Hsiän-niäns auf diesem Empfang. Durch ihn brachten die chinesischen Heuchler korrekte Aussagen vor, mit denen sie herauszustellen versuchten, die Kommunistische Partei Chinas sei gegen die beiden Supermächte, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Er spricht auch über den proletarischen Internationalismus, ohne dabei zu vergessen, die Freundschaft der Kommunistischen Partei Chinas mit der Kommunistischen Partei Australiens/Marxisten-Leninisten und dem Volk Australiens hervorzuheben.

Nach Li Hsiän-niän nahm dann Hill das Wort und griff indirekt den 7. Parteitag unserer Partei an. Er hob hervor, Hua Guo-feng habe wie ein «grosser Marxist-Leninist», als getreuer Schüler Mao Tsetungs gehandelt, den er, wie ich schon sagte, auf die Dimensionen von Marx und Lenin erhebt. Hua Guo-feng, sagt Hill in seiner Rede, zerschlug massenhaft die Verräterelemente mit den «Vier» an der Spitze. Er unterstrich, die von Mao Tsetung festgelegte Linie sei die wahre marxistisch-leninistische Linie, die marxistisch-leninistische Theorie seien die «Maotsetungideen», und ferner, dass jene Elemente bzw. jene Parteien, die sich dieser Linie entgegenstellen, die sich den «Maotsetungideen» entgegenstellen, zerschmettert werden würden, wie die «Vier» und ihre Leute von der grossen Kommunistischen Partei Chinas zerschmettert worden seien. Abschließend sagt er, die marxistisch-leninistischen Parteien auf der Welt würden treu der richtigen marxistisch-leninistischen Linie des Vorsitzenden Mao Tsetung folgen.

Das ist, kurz zusammengefasst, das, was der Vorsitzende der probchinesischen australischen Revisionistenpartei in seiner Rede sagt. Diese Ideen werden auch in dem Material geäußert, das er uns übersandte. Mit diesem Dokument zeigte er so seine wahre Renegatenfratze. Bei dieser Gelegenheit bestätigte sich unsere Annahme, dass die Kommunistische Partei Chinas versuchen wird, solche Leute aufzuhetzen, indirekt die Linie der Partei der Arbeit Albaniens anzugreifen, um so der Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung zu schaden, den wahren Marxismus-Leninismus zu entstellen, das Proletariat zu verwirren und die marxistisch-leninistischen Parteien in allen Ländern der Welt zu zerschlagen. Begonnen haben die Chinesen mit diesem Geschäft allerdings schon vor langem.

Was Hills Äußerung betrifft, die marxistisch-leninistischen Parteien der Welt konkurrierten um die Anerkennung durch die Partei der Arbeit Albaniens, so ist es doch in Wirklichkeit die Kommunistische Partei Chinas, die so etwas anstrebt und praktiziert. Sie ist es, die zu allen Fraktionen Verbindungen unterhält, die aus den Reihen der jungen marxistisch-leninistischen Parteien, die eine korrekte Haltung einnehmen. hervorgehen, sie ist es, die das Auftreten solcher Fraktionen in vielen dieser jungen Parteien anstiftet, etwa in Portugal, Italien, Uruguay, Frankreich usw. usf. Die Kommunistische Partei Chinas ist in dieser Richtung offen und heimlich aktiv, mit dem Ziel, alle diese Parteien zu spalten und aus den Fraktionen, die in ihnen entstehen, eine Reihe maoistischer, angeblich marxistischleninistischer Gruppen zu schaffen, um sich ihrer als Agenturen zu bedienen.

Hill bezichtigt in seinem Brief an uns die Kommintern und Stalin, sie hätten vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg die kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt in den Dienst der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gestellt. Diese Parteien, so Hill, «konnten nicht auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus handeln und kämpfen», der, wie wir wissen, von Lenin, Stalin und der Muhniestischen Weltbewegung zu isolieren, so dass die korrekte marxistisch-leninistische Stimme unserer Partei in dieser Bewegung ungehört verhallt.

Zweitens, verschiedene Gruppierungen zu schaffen, die sich «marxistisch» nennen und aus Provokateuren bestehen, die durch ihre Spaltertätigkeit in den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien aufgetaucht sind. Die Chinesen werden, wie einst auch die Chruschtschowianer, ihnen dienliche Gruppierungen schaffen, die von ihnen selbst sowie von der Bourgeoisie der Länder, wo sie entstehen, finanziert werden. Sie werden versuchen, durch diese Provokateure hemmungslos Propaganda gegen den Marxismusleninismus zu betreiben. Ihre Propaganda wird sich besonders gegen unsere Partei richten und die chinesische revisionistische Linie unterstützen. Es wird erneut so sein, wie es auch bei den Chruschtschowianern war. Gegen sie befand sich anfänglich nur die Partei der Arbeit Albaniens im offenen Kampf. Dann stand zusammen mit uns auch die Kommunistische Partei Chinas im Kampf gegen die Chruschtschowianer, doch sie ging dabei nicht von klaren marxistisch-leninistischen Positionen aus. Es gab im Verlauf der Ereignisse einige Momente, in denen die Chinesen Seite an Seite mit uns angriffen, dann wichen sie ab, und dieses ihr Abweichen vom Marxismus-Leninismus setzt sich fort. Die Kommunistische Partei Chinas hat ihre revisionistische Tätigkeit gegenwärtig darauf ausgerichtet, sogenannte marxistisch-leninistische Parteien zu schaffen, um sie dem chinesischen Revisionismus gegen den Marxismus-Leninismus dienstbar zu machen.

Wir haben die Pflicht, uns auf diesen Kampf vorzubereiten, sowohl auf innerer als auch auf äußerer Ebene. Unser Kampf wird auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus, unserer Theorie, geführt werden, auf der Grundlage der Richtlinien des 7. Parteitags. Deshalb muss das. was ich den Genossen vor zwei Tagen über die richtige Aneignung der auf dem Parteitag entwickelten Ideen und die richtige Erläuterung der damit zusammenhängenden Probleme sagte, stets berücksichtigt werden. darf es keinen Augenblick lang vernachlässigt werden.

Viele politische, ideologische, wirtschaftliche u.a. Grundprobleme, die in den Parteitagsberichten behandelt werden, müssen erklärt, und sie alle müssen behandelt, entwickelt, für die Kommunisten und die breiten Volksmassen möglichst verständlich gemacht werden. Sie sollen einem doppelten Zweck dienen: sowohl für das Ausland als auch das Inland, um so den teuflischen, feindseligen, antimarxistischen Absichten der chinesischen Revisionisten zuvorzukommen. Dazu, so meine ich, sollten wir jeweils Gruppen aus qualifizierten Kadern bilden, die über verschiedene Probleme gründlich nachdenken und Thesen ausarbeiten sollen, die wir zu erörtern und, soweit sie vernünftig sind, anzunehmen hätten. Nach einer theoretischen und politischen Behandlung sollten diese Thesen zur Grundlage der ideologischen und politischen Erziehung unserer kommunistischen Kader und der breiten Volksmassen gemacht werden. Diese Materialen müssen von uns auch gedruckt, übersetzt und dem Ausland zugänglich gemacht werden, um sie den marxistischleninistischen Parteien als zusätzliche Erläuterungen zu den Dokumenten unserer Partei über die Grundprobleme, die der 7. Parteitag aufgeworfen hat, an die Hand zu geben. - So, meine ich, werden wir die Arbeit hinlänglich bewältigen, der kommunistischen Weltbewegung Hilfestellung zu leisten, ehe die Agenten der chinesischen Revisionisten handeln, denn man muss damit rechnen, dass die Chinesen in diesem Kampf gegen den Marxismus-Leninismus und unsere Partei zahlreiche und mächtige Propagandamittel einsetzen werden.

Ich bin sicher, dass wir, wenn wir den Kampf richtig organisieren (und wir müssen diesen Kampf unbedingt möglichst gut organisieren, denn das ist eine lebenswichtige Frage), die chinesischen Revisionisten entlarven werden, auch ohne sie offen beim Namen zu nennen. Das soll nicht heissen, dass wir einem gewissen Hill, X oder Y die Antwort schuldig bleiben, die, ohne uns namentlich zu erwähnen, im Chor die Thesen unseres 7. Parteitags angreifen werden. Wir werden die Gelegenheit bzw. den günstigen Augenblick finden, um ihnen allen oder jenen, die die chinesischen Revisionisten dazu angeworben haben mögen, die Thesen unseres 7. Parteitags anzugreifen, auf einen Schlag zu antworten. Die Vorbereitung, von der ich oben sprach, dient dieser Sache. Wenn sie uns namentlich angreifen, dann müssen auch wir uns Gedanken darüber machen, ob wir in die gegenseitige Polemik eintreten sollen oder nicht. Die Sache ist die, dass wir beizeiten durchdachte Massnahmen ergreifen müssen, um die Thesen unseres Parteitags möglichst klar zu erläutern und auf richtige, marxistisch-leninistische Weise nachdrücklich zu verfechten. Verfochten werden sie dadurch, dass jede These klar erläutert und auf möglichst verständliche Weise dargelegt wird, denn es gibt in den marxistisch-leninistischen Parteien Leute und wird sie geben, die unsere Thesen nicht genügend verstehen. Viele dieser Leute haben sich sogar schon jetzt hervorgewagt, weil man in den Parteien, denen sie angehören, auf die Routine zumarschiert, d.h., nach den von den Chinesen hochgespielten Thesen verfährt.

Wie wir sehen, sind die Chinesen und Hill auf ihrem Weg Sozialdemokraten. Sie begreifen nicht, dass die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen kämpfen, gegen eine bis an die Zähne bewaffnete Bourgeoisie, gegen den amerikanischen Imperialismus und den modernen Revisionismus mit dem sowjetischen Sozialchauvinismus an der Spitze. Sie begreifen nicht, dass sie unbedingt in beiden Formen des Kampfes, der legalen wie der illegalen, arbeiten, sich auf beide vorbereiten, beide praktizieren müssen, dass sie es verstehen müssen, beide Formen zu kombinieren, so wie Lenin uns das lehrt. Die Chinesen akzeptieren dies in Worten, doch in Wirklichkeit sind sie nur für offene, sozialdemokratische Arbeitsformen, weil sie natürlich selbst auch Sozialdemokraten sind, allerdings getarnt mit «marxistischleninistischen» Parolen, die in Wirklichkeit antimarxistisch sind.

Die andere Sache, auf die wir uns vorbereiten müssen, hängt mit der Arbeit innerhalb des Landes zusammen. Jeden Tag mehr müssen wir allen gut klar machen, dass die klassenfeindlichen Elemente, solange sie existieren, auch arbeiten werden. Falls der Klassenfeind versuchen sollte, unsere Widersprüche zur Kommunistischen Partei Chinas und den über ausländische Rundfunksender geführten Kampf gegen Albanien indirekt für sich auszunutzen, wird sich durch eine gute Aufklärungsarbeit seitens der Partei verhindern lassen, dass ihre Tätigkeit verfängt. Sie wird dann im Gegenteil dazu beitragen, die Wachsamkeit der Kommunisten und der Werktätigen zu schärfen und die nötigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, noch schwierigeren Tagen gewachsen zu sein.

Ein weiteres Problem für uns sind die wirtschaftlichen Fragen.

Keinesfalls dürfen wir n die Meinung verfallen, ein Kampf, wie ihn China und seine Stellten gegen uns führen, habe keine negativen Auswirkungen auf uns. Die negativen Folgen dieser Tätigkeit müssen wir beizeiten voraussehen, einkalkulieren und ihnen zuvorkommen. Das erfordert, was die Pläne anbelangt, eine totale Mobilisierung zur Erfüllung durchweg aller der zahlreichen Aufgaben an sämtlichen Fronten, in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft und des Lebens in unserem Laid.

Vor allem erhält in dieser Situation die Erfüllung der Aufgaben im Bereich der Landortschaft und des Bergbaus, vor allem der Erdölförderung, unbesheitbare Bedeutung. Um das Öl müssen wir uns sehr kümmern, neue Felder entdecken, wir dürfen nicht zulassen, dass es zu Pannen kommt, denn, das muss uns klar sein, ohne Erdöl werden wir in .allen Sektoren der Wirtschaft in Rückstand geraten. Die anderen :Zineralien garantieren uns gute Einnahmen, ob sie nun im Land verarbeitet oder auch als Erz exportiert werden. Doch beim Export von Mineralien werden wir möglicherweise auch der Sabotage der Feinde ausgesetzt sein, indem sie z.B. allein schon die Trägheit einiger unserer Leute im Handelssektor ausnutzen, so dass wir keine Märkte finden.

Wir müssen begreifen, dass wir kein Staat sind, der es sich leisten kann, zeitweilig; grosse Reserven unverkaufter Mineralien anzulegen. Wenn wird’s meinen, werden wir vor schwierige Situationen gestellt werden. Wir müssen deshalb in dieser Hinsicht gründlich nachdenken. Es reicht nicht, wenn wir nur besondere Pläne für diese schwiegen Situationen haben, mit denen wir rechnen müssen, vielmehr ist es auch zwingend notwendig, bei der Entwicklung des Bergius geschickter vorzugehen, ebenso beim Export von Mineralien, ob nun verarbeiteten, halbverarbeiteten oder Rohstoffen. Unternehmen wir allseitige Anstrengungen, damit wir nicht auf Mineralien und anderen Waren sitzen bleiben, die sich dann in Lagern und in unseren Häfen türmen.

Ein anderer für uns lebenswichtiger Sektor ist die Landwirtschaft. Sie müssen wir intensiv entwickeln, damit das Volk zu essen, Kleider und Schuhe hat, das wirtschaftliche Niveau unserer Werktätigen also nicht sinkt

Bei der Verwirklichung unserer Pläne müssen wir an allen Fronten voranmarschieren, doch es gibt auch einige Objekte, die wir in diesen Plänen zwar vorgesehen haben mögen, deren Bau aber noch warten kann. Deshalb dürfen wir nicht zögern, sie angesichts dieser beiden Schlüsselprobleme, die in der entstandenen Situation nach Lösung verlangen, zeitweilig zurückzustellen.

Deshalb empfahl ich den Genossen, ernsthaft über diese Fragen nachzudenken, und zwar so bald wie möglich, sie nicht der Spontaneität zu überlassen und sich auch nicht mit einigen Halbheiten zu begnügen. Es ist unerlässlich, das Arbeitsprogramm, das für all diese grossen Probleme erstellt werden muss, gut zu durchdenken.

SAMSTAG,

25. DEZEMBE$ 1978

AGENTENMETHODEN, UM DIE KOMMUNISTISCHE

WELTBEWEGUNG ZU SPALTEN

Man hat mich über das Gespräch in Kenntnis gesetzt, das der Leiter der Delegation der marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei von . . . mit unseren Genossen hatte. Unser Gast war, wie er uns selbst sagte, im Auftrag der Vertreter der 8 marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien Lateinamerikas nach China gefahren, um die Kommunistische Partei Chinas über die Beratung dieser 8 Parteien und die Erklärung, die sie verabschiedeten, zu unterrichten.

Der Genosse war empört und entrüstet über den inquisitorentaften Empfang, den ihm 8 Genossen Geng Biaos bereiteten, denn dieser selbst hatte noch nicht einmal geruht, diesem «Gericht» beizuwohnen. Er sagte: «Ich bin zum ersten Mal ins Ausland gereist, und ich hätte mir niemals vorgestellt, dass man sich einer Bruderpartei gegenüber so verhalten kann wie ein Untersuchungsrichter, der einen Verbrecher vor sich hat. In diesem Fall», sagte er, «war ich, der Sekretär einer marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei, der 'Verbrecher', und sie waren das 'Untersuchungsgericht'.

Stunden- und tagelang, pausenlos», fuhr er fort, «bestürmten mich die Chinesen mit Fragen und bestanden darauf, dass ich ihre Materialien las.

Sie bezichtigten die Partei der Arbeit Albaniens und die 8 Parteien Lateinamerikas, sie hätten offen, vor aller Welt, die Kommunistische Partei Chinas und die Linie Mao Tse-tungs 'angeklagt'. Diese Beschuldigungen wies ich entschieden zurück und fragte sie: Warum zieht ihr die Partei der Arbeit Albaniens in diese Sache hinein? Sie hat nichts mit unserer Beratung zu tun und wusste nichts davon, allerdings informierten wir sie darüber, wie wir jetzt auch euch informieren. Die Chinesen nannten die Beratung der Vertreter unserer 8 Parteien 'ein Komplott gegen China wie das, das in Bukarest geschmiedet wurde'.»

Welch eine Ungeheuerlichkeit! Der Genosse sagte, die Chinesen hätten die Einschätzung, Lateinamerika sei nicht die Beute der Vereinigten Staaten von Amerika, und die Staaten dieser Zone bewegten sich nicht in Richtung Faschvisierung, sondern seien «unabhängige bürgerlich demokratische Staaten». «Nach Einschätzung der Chinesen», fuhr er fort, «müssen wir also den bewaffneten Kampf einstellen, ja sogar Selbstkritik üben, dass wir ihn begonnen haben.»

Dann fügte der Genosse hinzu: «Unter Verletzung jeder Norm griffen die Chinesen die Partei der Arbeit Albaniens scharf an, wobei sie eine Reihe von Widersprüchen aufzählten, die ihr zur Linie und Strategie Mao Tsetungs hättet.

Sie erschöpften mich, sie zermürbten mich, seht, wie ich abgemagert bin», sagte er, «sie wollten mich brechen, wollten, dass ich vor ihnen kapituliere. Ich war allein, sie zu acht, doch ich hielt ihnen stand. Jetzt, da ich in Albanien bin, bin ich glücklich und ruhig, und nachdem ich euch endlich davon erzählt habe, ist mir ganz so, als sei ich von einem Alptraum befreit.»

Ich empfahl Ramiz, den Genossen zur Ruhe kommen zu lassen, dann mit ihm zusammenzutreffen, ihn anzuhören und in groben Zügen die Beschuldigungen und Verleumdungen der Chinesen gegen sie und gegen die Partei der Arbeit Albaniens zurückzuweisen. Daraufhin solle er ihm, an einem anderen Tag, alle diese Gegenvorwürfe unsererseits mit Dokumenten belegen, die die marxistischleninistische Linie der Partei der Arbeit Albaniens und die revisionistische Linie der Kommunistischen Partei Chinas beweisen.

Wir haben die Taktik der Kommunistischen Partei Chinas richtig beurteilt. Die Chinesen wollen uns nicht direkt antworten, weil sie es nicht wagen, die Polemik mit uns aufzunehmen. Andererseits benutzen sie trotzkistische, Agenten-, Inquisitionsmethoden, um unsere Partei hinter ihrem Rücken zu bekämpfen, um uns von der internationalen kommunistischen Bewegung zu isolieren und diese zu spalten. So geht eine bürgerliche, kapitalistische und imperialistische Grossmacht vor. Wir werden sie scharf bekämpfen, und wir werden siegen.

DIENSTAG,

28. DEZEMBER 1976

EINIGE ANSICHTEN ÜBER DEN BALLISTISCHEN

«DEKALOG»* *( b allistischer «Delmlog»: Siehe Anmerkung in Band 1, Seite 177.) MAOTSETUNGS

Die chinesischen Revisionisten, an der Spitze die Gruppe Hua Guo-fengs, die durch einen Militärputsch die Macht in China an sich gerissen hat, veröffentlichten diese Woche ein Dokument Mao Tsetungs, eine zehn Punkte umfassende Rede («Über die zehn grossen Beziehungen»), die er auf der erweiterten Sitzung des Politbüros im April 1356 gehalten hat.

Dieses Dokument wurde vor dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas verfasst, auf dem Liu Schao-tschi den Hauptbericht hielt. Der Bericht hatte revisionistischen Inhalt. Wir, die wir am Parteitag teilnahmen, wunderten uns, wie dieser Bericht gehalten werden konnte, und wie es möglich war, dass man ihn auch später nicht wer urteilte, zusammen mit Liu Schao-tschi, den man ausschaltete. In diesem Bericht an den 8. Parteitag wurden die Probleme den Ideen Mao Tsetungs gemäss dargelegt, deshalb bezeichnete man ihn auch nach der Kulturrevolution als richtig. Dies bestätigen die 10 Punkte von Maos ballistischem «Dekalog», die seine unmarxistische, eklektische Strategie und Weltanschauung bilden.

Diese zehn Punkte Maos wurden nach dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion geschrieben und vorgelegt, auf dem der Revisionist und Renegat Chruschtschow den Marxismusleninismus angegriffen, Stalin verleumdet und mit Schmutz beworfen hatte. Mit diesem Schritt ergriff Mao die Initiative, eine Initiative, die mit den Chruschtschowianern hätte koordiniert sein können. Und so war es auch. Chruschtschow hatte Mao über seine revisionistischen Ideen und die Schritte, die er unternehmen würde, ins Bild gesetzt. Mao war mit Chruschtschow einverstanden gewesen, was er auf der Moskauer Beratung im Jahr 1957 auch öffentlich sagte. Dort rühmte er Chruschtschow, griff Stalin an und hiess die Liquidierung der «parteifeindlichen Gruppe von Molotow und Konsorten» durch Chruschtschow gut. So half Mao Chruschtschow. Er war einverstanden mit der Linie des 20. Parteitags, war gegen Stalin. Der 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas war mit den Chruschtschowianern abgestimmt, denn die beiden «Gevatter» waren von den gleichen Ideen beseelt. Natürlich machte Chruschtschow Mao auch Versprechungen, doch er hielt sie nicht, sondern belog ihn nur, bis er über dem Berg war.

Maos Ziel war es nicht, Chruschtschow zu helfen, sondern sich selbst. China sollte zur Hauptführungsmacht der kommunistischen Welt werden, und Mao an die Stelle Stalins treten, von dem sie glaubten, sie hätten ihn unter die Erde gebracht. Mao arbeitete rasch auf die Hegemonie hin.

Chruschtschow für seinen Teil wollte Mao Tsetung ins Glied und unter seine Führung bringen, doch hier griff die Partei der Arbeit Albaniens ein, die den Marxismus-Leninismus und die Kommunistische Partei Chinas verteidigte. In Bukarest wurde das Feuer der Polemik entfacht, die die Partei der Arbeit Albaniens auf der Beratung der 81 Parteien in Moskau <.mit Maschinengewehrsalven» fortsetzte. Mao war dafür, dieses grosse Feuer zu löschen, er war gegen die Polemik. Er wollte eine Beratung, wollte sozialdemokratische übereinfünfte, denn auch er selbst war ein Sozialdemokrat, cin Opportunist, ein Revisionist. Doch Mao konnte das Feuer nicht löschen, die Polemik nicht ersticken, und als er sah, dass er seine Hegemonie nicht errichten konnte, änderte er seine Haltung. Mao bezog irgendwie «besser» antisowjetische Positionen und traf sich hier dem Anschein nach mit uns, die wir konsequent den Chruschtschowrevisionismus bekämpften. Doch auch zu dieser Zeit hegte er Hoffnungen auf eine Annäherung an die Chruschtschowrevisionisten. Seitens der chinesischen Führer wurden Versuche dazu unternommen, doch wir widersetzten uns.

Als Chruschtschow stürzte, belebten sich Maos Hoffnungen. Er schickte Tschou nach Moskau, schlug auch uns vor hinzugehen, doch wir weigerten uns entschieden. Das bedeutete für Mao Tsetung ein Fiasko. So wandte er sich von der Strategie des Kampfes an beiden Flanken ab und den Vereinigten Staaten von Amerika zu. Die vielen Treffen in Warschau zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Botschafter bereiteten Kissingers und danach auch Nixons Reise nach China vor.

Die Kulturrevolution endete wie das Hornberger Schiessen. Diese Revolution blieb auf halbem Wege stecken, oder sagen wir besser, sie festigte die persönliche Stellung Mao Tsetungs. Die linken Elemente wurden von den Rechten mit Hua Guo-feng an der Spitze ..mit einem Schlag liquidiert». So triumphierte die revisionistische Linie Maos, und nun kam der •<Dekalog» ans Licht, der den Rechten passt. In diesem «Dekalog» werden die Weltrevolution, die Diktatur des Proletariats, der Klassenkampf und die Hilfe für die Völker, die Freiheit wollen und für ihre Befreiung kämpfen, mit keinem Wort erwähnt.

Dieses Dokument ist ein Spiegel der revisionistischen Ideen Maos, der für die friedliche Koexistenz auch mit den Vereinigten Staaten von Amerika ist, obwohl sie überhaupt nicht erwähnt werden. ich überfliege dieses Dokument gerade, doch es muss gründlich analysiert werden.

Was die zickzackreichen antimarxistischen, pragmatischen, liberalen, putschistischen Ansichten Mao Tsetungs, Tschou En-lais, Deng Hsiao-pings, Hua Guo-fengs und der anderen chinesischen Revisionisten angeht, darf uns nichts wundern. Diese ihre Ideen sind alt, fünfzig Jahre alt, verwoben mit Idealismus und Mystizismus und mit rotem Lack überzogen, der in der Sonne des Marxismus-Leninismus abblättert.

Eines der Hauptziele dieses «Dekalogs» Maos ist, zwischen ihm Band Stalin, zwischen dem sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion und der Ideologie, die den Aufbau des Sozialismus in China leitet, eine Scheidelinie zu ziehen. Mit anderen Worten, Mao Tsetung setzt der marxistischen Theorie seine Ideen entgegen, die «Maotsetungideen», wie die Chinesen diese Gedanken jetzt nennen, die angeblich «mit dem Wesen der Theorie des Marxismus-Leninismus identisch sind», in Wirklichkeit aber in Gegensatz zu ihm stehen.

Lenin sah die Tätigkeit der Antimarxisten voraus, wer immer sie auch seien, Mao, die Maoisten usw., als er 1913 in seinem Werk «Das historische Schicksal der Lehre Karl Marx'» schrieb:

«Die Dialektik der Geschichte ist derart, dass der theoretische Sieg des Marxismus seine Feinde zwingt, sich als Marxisten zu verkleiden.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 653 (alb. Ausgabe).)

Mao Tsetung befand sich, wie dieser «Dekalog» zeigt, in vielen prinzipiellen Fragen der revolutionären Theorie und Praxis schon früh im Gegensatz zum Marxismus-Leninismus. Wie aus dem «Dekalog» hervorgeht, hat er schon zur Zeit des «Langen Marsches», schon in Yenan, antimarxistische Ansichten über die Hegemonie der Arbeiterklasse gehabt und die führende Rolle der Bauernschaft in der Revolution gepredigt. Auch heute macht Mao die sogenannte dritte Welt zum «Zentrum» und zur «Führungskraft der Revolution» und leugnet so die führende Rolle des internationalen Proletariats. Die antimarxistischen Ansichten Maos, die sich auch in diesem «Dekalog» widerspiegeln und die sich auf dem Höhepunkt des chinesischen Befreiungskampfes herauskristallisierten, versäumen es nicht nur, den Klassenkampf zu entwickeln, sie predigen sogar seine Einstellung.

Diese reaktionären und antirevolutionären Thesen Maos sind also auch im «Dekalog» von 1956 fixiert. In seinen in 4 Bänden veröffentlichten Werken sind solche offenkundig antimarxistischen und antileninistischen Thesen nicht zu finden. Wie sich zeigt, war Mao Tsetung ein Eklektiker, ein getarnter Revisionist, der die Maske fallenliess, als er sich mit den Chruschtschowrevisionisten zusammentat, um den Leninismus zu entthronen und Stalin zu attackieren. Mao Tsetung entfaltete seine pseudomarxistische Theorie im Gewand des Marxismus-Leninismus, und diese «Theorie» sollte «von nun an das Weltproletariat und die Revolution leiten». Hier liegen die Wurzeln des Betrügerischen, Größenwahnsinnigen, den Marxismusleninismus Verleumdenden der «Maotsetungideen».

Die «Maotsetungideen» führten auch die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» an, um sie der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution entgegenzustellen, die für Mao, in anderen Worten, «überholt», «veraltet» war, zusammen mit der Theorie von Marx und Lenin. Die Zeiten hätten sich geändert, meinte er, deshalb müsse «der Marxismus durch eine neue Theorie ersetzt werden», die «Maotsetungideen». Dies ist die Theorie des modernen Revisionismus, die, wie die chruschtschowsche auch, die leninistische Maske wahrt. Beide Varianten des modernen Revisionismus sind eins und unteilbar, doch die Frage besteht darin, welche dominieren wird, Chruschtschows oder Maos revisionistische Variante, unabhängig davon, dass beide auf das gleiche hinauslaufen, auf den Antimarxismus. Bei dieser Rivalität geht es darum, welcher der grossen Staaten es schaffen wird, über den andern zu dominieren, welcher das Gesetz machen wird.

Beide nahmen die Verunglimpfung von Stalins genialem Werk als Ausgangspunkt auf diesem Weg. Die Chruschtschowianer gingen in ihren Verleumdungen gegen Stalin bis zum Äußersten, während Mao von dieser Diffamierung Stalins profitierte und sich das herausgriff, was er brauchte, um seine revisionistische Linie zu verhüllen, sie als marxistisch-leninistisch in den Himmel zu heben und besser zu tarnen, damit sie gegenüber den Chruschtschowianern an Boden gewännen. Mao sagte, 30 Prozent des Werks von Stalin seien falsch und 70 Prozent seien richtig. Ein grosser Meister der Waage! Er wog das Werk Stalins mit der gleichen Genauigkeit, mit der auch Tomaten auf dem Feld abgewogen werden!! .

Im ersten Punkt des «Dekalogs» von Mao Tsetung wird die antimarxistische These aufgestellt, der Leichtindustrie und der Landwirtschaft müsste Vorrang eingeräumt werden und nicht der Schwerindustrie. Diese Kossyginrevisionistische Abweichung begründet Mao Tsetung damit, dass die Investitionen in der Schwerindustrie hoch und unrentabel seien, die Bonbon- und Gummistiefelindustrie dagegen Einnahmen brächte, rentabler sei. Was die Landwirtschaft anbelangt, so produziere sie die Nahrung des Volkes.

Durch Maos antimarxistische These wird die Entwicklung der Produktivkräfte nicht vorangetrieben, sondern gebremst. Die Landwirtschaft und die Leichtindustrie können nicht rasch genug entwickelt werden, wenn die Bergbauindustrie nicht entwickelt wird, wenn kein Stahl hergestellt, kein Öl gefördert, keine Traktoren, Züge, Autos, Schiffe gebaut werden, wenn nicht die Chemieindustrie aufgebaut wird, usw. usf.

Die Entwicklung der Industrie ist nach Mao ein handwerklicher Prozess. Die Leichtindustrie, die Mao zu entwickeln vorgibt, lässt sich nicht nur mit Ziegeln, Fahrrädern, Baumwollstoffen, Thermosflaschen und Fächern aufbauen, die zwar einiges an Einnahmen bringen mögen, die die Menschen jedoch nur kaufen können, wenn sie Kaufkraft haben. 1956 war China - ein Land mit grosser Bevölkerung - wirtschaftlich rückständig, und viele Konsumartikel mussten unter dem Kostpreis verkauft werden. Der Ertrag war also nicht hoch.

Mao kritisiert in seinem «Dekalog» Stalin und die wirtschaftliche Lage in der Sowjetunion. Doch «die Sonne kann man nicht mit einem Sieb verdecken». In Wirklichkeit wurde in der Sowjetunion in den 24 oder 25 Jahren von der Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg unter der Führung Lenins und danach Stalins dank einer richtigen Linie und Politik eine Schwerindustrie aufgebaut, die nicht nur der Binnenwirtschaft dieses ersten sozialistischen Landes einen Aufschwung gab, sondern der es auch allein zu verdanken war, dass dem Überfall der furchtbaren Maschine Hitlerdeutschlands standgehalten werden konnte. Welchen Stand hat dagegen heute, da seit 1949 schon beinahe 30 Jahre vergangen sind, Chinas Industriepotential mit Maos Wirtschaftspolitik erreicht? Es ist weit zurück! Und daran sollen die «Vier» schuld sein! Nein, die Schuld daran tragen nicht die «Vier», sondern die Linie Maos, wie seine im «Dekalog» dargelegten Ansichten beweisen.

Doch wie konnte das grosse sozialistische China ohne Schwerindustrie auskommen? Sicher, Mao glaubte, die Sowjetunion werde ihm beim Aufbau der Schwerindustrie helfen, oder er würde zu amerikanischen Krediten hinüberwechseln. Als Mao sah, dass die Sowjetunion ihm nicht «gehorchte» und ihm die ersehnte Hilfe nicht gab, begann er Stahl in Öfen zu giessen, die auf den Gehsteigen der Boulevards errichtet wurden, oder in Miniöfen für Gusseisen. China blieb zurück, China blieb ohne moderne Technologie. Zwar hatte das chinesische Volk nicht mehr unter Hunger zu leiden wie früher, doch sich wie Mao zu der Behauptung zu versteigen, der chinesische Bauer habe im Jahr 1956 besser gelebt als der sowjetische Kolchosbauer, während er tatsächlich hinter ihm zurück war, das heisst die Kollektivierung der Landwirtschaft und den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion zur Zeit Lenins und Stalins zu verunglimpfen.

Mao Tsetung sagt geringschätzig: «Was für einen Sinn hat es, von der Entwicklung der Schwerindustrie zu reden? Man muss den Lebensunterhalt der Arbeiter sichern.» Das ist, anders formuliert, Chruschtschows «Gulaschtheorie». Und als Schlussfolgerung versucht Mao in seinem «Dekalog» die Behauptung aufzustellen, sie hätten keine Fehler gemacht wie angeblich die Sowjetunion, oder genauer (doch das sagt er nicht laut), wie Lenin und Stalin. Um diese Abweichung zu verschleiern, versäumt er es jedoch nicht zu sagen, man müsse «auch die Schwerindustrie entwickeln, allerdings der Landwirtschaft und der Leichtindustrie grössere Bedeútung beimessen». Diese seine Ansicht, die auf pragmatische Weise umgesetzt wurde und dazu führte, dass China zurückblieb, bewirkte, dass es Jahrzehnte brauchen wird, bis zum Jahr 2000, um den Rückstand einigernassen aufzuholen... mit der Hilfe und den Krediten des amerikanischen Kapitals, die ihm die neue Strategie verschafft. Ganz ohne Zweifel könnte sich China auf die eigene Kraft sutzen; es hat eine riesige Menschenkraft, es verfügt ebenso über eine erhebliche Wirtschaftskraft, doch es ist infolge seiner falschen Linie zurückgeblieben.

Im zweiten Punkt des «Dekalogs» wird auch die Frage gestellt, wo die Industrie aufgebaut werden müsse, an der Küste oder im Landesinnern. Mao sagt: «Rund 70 Prozent unserer Leicht- und Schwerindustrie sind in den Küstengebieten und nur 30 Prozent im Landesinnern. Dieses Missverhältnis ist uns von der Geschichte hinterlassen worden.» Diese Industrie wurde selbstverständlich von den Ausländern aufgebaut, die dort Konzessionen hatten, die Rohstoffe aus dem Innern Chinas aufsaugten und an der Küste Sklavenarbeiter fanden. Dieser Art der Entwicklung misst Mao Bedeutung bei. Er betont, auch in Zukunft müsse weiter an der Küste gebaut werden, und macht dazu eine phantastische Rechnung auf: ein Betrieb der Leichtindustrie könne «binnen vier Jahren so viel Gewinn abwerfen, wie für den Bau von drei, zwei, einer oder doch wenigstens einer halben Fabrik gebraucht wird». Das ähnelt der Theorie des Revisionisten Koço Tashko, der auf der ersten Parteikonferenz in Labinot erklärte, wir müssten «eine Revolution mit viel Blut, mit wenig Blut oder möglichst überhaupt ohne Blut machen».

Im Zusammenhang mit dieser Frage kommt Mao zu folgender Schlussfolgerung: «Siedeln wir Industriebetriebe auch im Landesinnern an, für den Kriegsfall.»

Doch woher kommt der Krieg? Von den Vereinigten Staaten von Amerika, von Japan oder von .der Sowjetunion? Anscheinend ist Mao gleichzeitig der Meinung, der Krieg käme von überhaupt nirgendwoher, schon gar nicht vom Meer, empfiehlt er doch den Bau von Fabriken an der Küste.

Anscheinend denkt Mao nicht darüber nach, wie man den Süden und den -Südosten etwas entvölkern könnte, um den Norden und den Westen zu bevölkern.

Im dritten -Punkt des «Dekalogs» bestimmt Man Tsetung das Verhältnis zwischen dem Wirtschaftsaufbau und dem Aufbau der Verteidigung. Wenn er sagt, man müsse die Verteidigungsausgaben senken, zeigt sich klar, dass er sich auf falsche Bestimmungen stützt. Die chinesische Verteidigungskraft soll laut Mao doch tatsächlich stärker sein als die der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg.

Chruschtschow stellte die These auf, Stalin habe die Sowjetunion schutzlos den Hitlernern ausgesetzt. Diese Verleumdung übernimmt auch Mao, der prahlt, mit den Flugzeugen und den Kanonen, über die er verfügte (und der Atombombe, die ihm Chruschtschow geben sollte), sei Chinas Verteidigung gewährleistet.

Die Tatsachen zeigen, dass China in Rückstand geriet. Dies war Folge der Unterschätzung der Schwerindustrie, des Sichtstützens auf die anderen, um die Verteidigungsfähigkeit mit einer falschen Militärstrategie zu stärken. Inzwischen hat China begonnen, seine Meinung über die Verteidigung zu ändern, gleichzeitig hat es aber auch die Bündnisse gewechselt. Es hat sich den Amerikaner n angenähter t und bei ihnen moderne Kriegstechnologie eingekauft.

In diesem Punkt des «Dekalogs» spricht sich Mao eindeutig für eroe leichte Bewaffnung aus, für die Besoldung der chinesischen Soldaten (wie in einer Söldnerarmee) und Kürzungen in der Verwaltung, ohne dass dafür irgend etwas getan worden wäre - im Gegenteil, sie ist für China zu einem Krebsgeschwür geworden. Das konnten wir feststellen, als wir 1956 dort waren und sie uns selbst sagten alle Exoffiziere Tschiang Kai-scheks werden als besoldete Beamte gehalten.

Im vierten Punkt des «Dekalogs» ist die Rede von den Beziehungen zwischen dem Staat, den Produktionseinheiten und den Produzenten. Natürlich haben wir von dieser Organisierung und dieser organisatorischen Gliederung in China weder jemals irgend etwas Frfahren, noch wissen wir, wie die Beziehen gen zwischen dem Staat, den Produktionseinheiten und den Produzenten aussehen. China kann und muss seine Besonderheiten haben, denn es hat ein grosses, von vielen Nationalitäten bewohntes und nicht in Republiken, sondern in Provinzen untergliedertes Territorium. Wir waren der Meinung, dort gebe es demokratischen Zentralismus, doch dass die Provinzen keine Kompetenzen in bezug auf die innere Verteilung in ihrem Bereich hatten und die Fabriken sich nicht selbst trugen, das konnten wir uns nicht vorstellen. Mao behauptet, in der Sowjetunion (selbstverständlich zur Zeit Stalins) habe es einen starken bürokratischen Zentralismus gegeben und, so meint er, den Sowjetrepubliken seien die Hände gebunden gewesen. Inwieweit das stimmt, wissen wir nicht, doch mindestens genauso viel Btirokratie und Zentralismus wie in der Sowjetunion, wenn nicht noch mehr, gab und gibt es heute auch in China. Doch China ist auf dem Kurs der Verunglimpfung der Sowjetunion der Zeit Stalins und geht vor wie Chruschtschow. Mao möchte zeigen, dass er ein besserer «marxistisch-leninistischer» Organisator ist, doch geht er da nicht mit dem, was er tut, den Weg der titoistischen «Selbstverwaltung»?

Im selben Punkt vergleicht Mao die Armee mit dem Staat, nennt also eine Waffe des Staates Staat und stellt sie auch über die Partei. Tatsächlich hat sowohl im alten als auch im neuen China die Armee eine entscheidende Rolle gespielt. Sie hat eine Fraktion unterst sützt und die andere liquidiert.

Den demokratischen Zentralismus und die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Zentrum banalisiert Mao mit einem Beispiel, das so lächerlich und simpel ist, dass man sich wundert, wie dieser «grosse Theoretiker» eine politisch, ideologisch und wirtschaftlich-organisatorisch so wichtige Frage mit so viel désinvolture* *( Leichtfertigkeit (frz. im Original)) behandeln kann!?

Wo Mao von der Bauernschaft spricht, und das 1956, also nur wenige Jahre nach der Befreiung, betont und unterstreicht er, das System der Kolchosen und der Showchosen in der Sowjetunion sei bankrott, die Bauern würden dort durch die Abgaben erdrückt, erhielten für ihre Produkte zu wenig bezahlt, und er führt noch andere Missstände an, während in bezug auf China nur noch fehlt, dass er sagt, dort lebten die Bauern im Überfluss, im Glück, die Ernte sei reichlich, die Preise niedrig, die staatliche Akkumulation gering. Eine merkwürdige Analyse! Wir haben die Lage sowohl in der Sowjetunion als auch in China selbst kennergelernt, denn in jenen Jahren waren wir in beiden Ländern. Wir wissen also, dass dal, was Mao sagt, nicht der Realität entspricht.

Maos Analyse der Beziehungen zwischen Staat und Landwirtschaft, zwischen Kommune und Kommunemitgliedern, der Verteilung der Einkommen, des Problems der Investitionen, der Frage der Akkumulation und des Lebensniveaus in den Kommunen und Städten in diesem Punkt des «Dialogs» ist ganz und gar nicht marxistisch-leninistisch, gibt keine klare und objektive Widerspiegelung der Lage, sondern ist nur eine Demonstration der erlogenen «Überlegenheit» der chinesischen Landwirtschaft gegenüber der sowjetischen. Chruschtschow trat auf als «Theoretiker der Landwirtschaft», der sie aus «dem Sumpf» ziehen würde, «in den Stalin die geführt hatte». Und Mao imitiert nun diesen Kulaken und Schieben

Dieses so wichtige Problem beschliesst Mao mit Worten, die zeigen sollen, in China liefe alles gut; die Schwerindustrie setzt er an die dritte Stelle, die ürgerlichen Fabrikanten integriert er in den Sozialismus. Das gleiche predigt er für die Kulaken auf dem Land, und alles wird gemäss seiner maoistischen Theorie geregelt, die angeblich vollständig richtig, fehlerlos ist! In Wirklichkeit stehen diese Ideen Maos im Gegensatz zu den Ideen Lenins und Stalins.

Klarer kann der Gr13senwahn dieses revisionistischen «Klassikers» und seine Verungmpfung des Werks Lenins und Stalins nicht zum Ausdruck gebrecht werden.

Im Punkt fünf des Dekalogs», in dem von den Beziehungen zwischen Zentrum und Basis die Rede ist, bestimmt Mao Tsetung, wie diese Beziehungen auszusehen haben. Das hängt natürlich von den Kompetenzen ab, die das Zentrum in China der Basis übertragen hat. Das alles hat zu tun mit der territorialen Ausdehnung und Grösse diesel Landes. Hierzu legt Mao Tsetung dar, man dürfe nicht dem Beispiel der Sowjetunion folgen, alles in den länden der Zentralbehörden zu konzentrieren und dadurch die Initiative der lokalen Organe zu erdrücken, sondern müsse sich um deren selbständige Leitung bemühen. Damit unterstellt Mao, die föderierten Republiken der Sowjetunion hätten keinerlei Kompetenz gehabt. Das ist ein Bluff, eine Lüge, denn bekanntlich stellten die Sowjetrepubliken ihre eigenen Wirtschaftsentwicklungspläne, il, ihre Industrie- und Ladwirtschaftspläne usw. auf, natürlich in enger Verbindung mit den Zentrum. Wenn man also behauptet, die Republiken der Sowjetunion hätten nicht, wie das bei den Prov1nzen Chinas der Fall sein mag, ihre eigenen Kompetenzen gehabt, dann heisst dal, den Sozideismus zu verunglimpfen, der dort zur Zeit Stalins aufgebaut wurde, dann bedeutet dal, dass man zu erzählen versucht, Organisation, Leitung, Ideologie und Politik in China seien auf einem höheren Stand als in der Sowjetunion, die leninistische Praxis des ökonomischen Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion sei (Maos Meinung) nicht richtig, weil diese leninistische Praxis von Stalin entstellt worden sei! Doch wir wissen, dass Stalin getreulich die ökonomiscle, organisatorische und ideologische Politik Lenins angewandt hat ass im Verlauf dieser ganzen kolossalen Arbeit auch Fehler vorjekommen sind, ist nicht auszuschliessen. Mao Tsetung selbst sagt, lass auch in China Fehler gemacht worden sind. Wenn aber die Rede auf die Sowjetunion kommt, bläht er diese Fehler mächtig auf, übertreibt sie sogar dermaßen, dass offensichtlich wird, dass es ihm darum geht, das richtige System des sozialistischen Aufbaus zur Zeit Stalins schlechtzumachend.

Es ist absurd zu behaupten, zur Zeit Stalins habe es in der Sowjetunion seitens der lokalen Organe keine Initiative gegeben. Will Mao Tsetung mit dieser Behauptung die Rolle des demokratischen Zentralismus schmälern und schwächen und den Weg der titoistischen «Selbstverwaltung» rechtfertigen? Wir vergessen nicht Mao Tsetungs Schwäche für Tito. Wenn Mao Tsetung annimmt, Stalin habe Tito gegenüber Fehler gemacht, so heisst dies, dass er die Methoden der «Selbstverwaltung» der jugoslawischen Wirtschaft billigt, d.h. die Methoden der titoistischen revisionistischen «Selbstverwaltung». Diese «Selbstverwaltung» möchte Mao fortschreitend auch in China einführen. Er versäumt es auch nicht, über die Besonderheiten zu sprechen. Es ist interessant, was die Chinesen sagen: sie wollten einen spezifischen Sozialismus aufbauen. In dieser Frage treffen sie sich mit Tito, der seit langem vom Aufbau des «spezifischen Sozialismus» schwatzt. Hier geht es nicht nur um den Begriff, den die Chinesen verwenden, sondern auch um den Inhalt, darum, dass darin auch die Erfahrung à la Tito einbezogen wird.

Im sechsten Punkt spricht Mao von den Beziehungen zwischen der Han-Nationalität und den nationalen Minderheiten, die in China leben. Man kann in der Theorie über die Gleichberechtigung der Nationen reden, soviel man will, in Wirklichkeit herrscht in China doch die Han-Nationalität. In den Beziehungen zwischen den Nationalitäten behielt und wahrt die Han-Bevölkerung ihre Vorrangstellung, sie dominiert und gebietet über die anderen Nationalitäten, ungeachtet der abgedroschenen, demagogischen Formeln, derer man sich bedient. Der Zustand in den Beziehungen zwischen der russischen Nationalität und den nationalen Minderheiten war zur Zeit Stalins nicht so, wie Mao unterstellt. Fehler gab es, doch nicht so, wie er behauptet. In China gibt es keine Demokratie und Gleichberechtigung unter den Nationalitäten. Dort existiert, wie in früheren Zeiten, eine Militärdiktatur. Die Fraktion jener Nationalität, die die Armee auf ihrer Seite hatte, zwang den Volksmassen und der Partei ihren Willen auf. Also steht dort an der Spitze der Partei die Armee, und an der Spitze des Staates steht ebenfalls die Armee.

Im siebten Punkt, im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen der Partei und den Parteilosen, steht Mao Tsetung vollständig auf der revisionistischen, opportunistischen Linie. Der kommunistischen Partei räumt er nicht die Spitzenstellung, die Führung ein, er gibt zu verstehen, sie habe die Führung inne, wolle und befürworte aber, dass die Macht mit den Parteien der Bourgeoisie geteilt werde. Mao tritt also für den Parteienpluralismus bei der Leitung des proletarischen Staats ein. Er betrachtet die Existenz dieser Parteien aus vielerlei Gründen als notwendig: weil sie Kritik an der Kommunistischen Partei Chinas üben können; weil man vön ihnen viel lernen kann; um alles aufzudecken, was unter der Hand organisiert und getan wird, usw. Die Existenz dieser Parteien betrachtet er als maßgebenden oder, besser gesagt, unabdingbaren Faktor für den Aufbau des Sozialismus in China.

Damit stellt sich Mao in Widerspruch zu Lenin, der natürlich nicht zugelassen hat, dass andere Parteien als die bolschewistische den Sowjetstaat leiteten. Die Verankerung des Systems vieler Parteien in der Führung zu billigen, bedeutet also, sich von antimarxistischen ideologischen Ansichten leiten zu lassen. In diesem Kapitel versucht Mao, diese Parteien auf ein paar Leute zu reduzieren, auf einige Führer, die «hier und da Kritik üben oder den Beschlüssen der Kommunistischen Partei Chinas zustimmen». Hier geht es nicht um einige fortschrittlich demokratische Individuen, die auch von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, auch von unserer Partei und allen anderen Parteien in der Front akzeptiert wurden, die man heranzog und mit denen man sich beriet, wenn es notwendig war. Mao Tsetung legitimiert vielmehr die Existenz bürgerlicher Parteien in der Führung des proletarischen Staats. Mit dieser seiner These erklärt er, dass die «demokratischen Parteien» angeblich «Produkte der Geschichte sind» und dass «alles, was in der Geschichte entsteht, im Lauf der Geschichte auch wieder verschwindet». Für die Marxisten-Leninisten ist klar, dass jede Partei die Interessen bestimmter Klassen und Schichten vertritt; welchen Sinn hat es demnach, im Sozialismus Parteien beizubehalten, die die Interessen der Bourgeoisie vertreten? Das bedeutet, dass man keinen Klassenkampf führt, nicht für die hegemonische Rolle des Proletariats und seiner Partei kämpft.

Diese sogenannten demokratischen Parteien bis hin zur Kuomintang werden laut Mao verschwinden, so wie auch die kommunistische Partei verschwinden wird. «Es wird uns sehr angenehm sein», sagt er, «wenn die kommunistische Partei und die Diktatur des Proletariats verschwinden.»

Mao versäumt nicht zu sagen, gegenwärtig seien die Diktatur des Proletariats und die Partei des Proletariats unentbehrlich. Er betont dies und spricht davon, die Partei müsse stark gemacht werden, beruft sich dabei sogar auf Lenin, doch dies geschieht, nachdem er sein Gift schon verspritzt hat. Lenin hat festgestellt, dass man ohne Partei des Proletariats und ohne Diktatur des Proletariats nicht auskommt, er hat auch erläutert, wozu diese Diktatur dient. 1920 sagte Lenin:

«Wer die eiserne Disziplin der Partei des Proletariats (besonders während seiner Diktatur) auch nur im geringsten schwächt, klär hilft faktiscli der Bourgeoisie gegen das Proletariat.»* *( Lenin, Werke, Bd. 31, S. 33 (alb. Ausgabe).)

Ebenso sagte Stalin:

«Es genügt, die Partei nur ein wenig ins Wanken zu bringen, sie zu schwächen, und sofort wird auch die Diktatur des Proletariats ins Wanken geraten und geschwächt werden.»* *( Stalin, Werke. Bd. 7, S. 317 (alb. Ausgabe))

Im achten Punkt, wo von der Beziehung zwischen Revolution und Konterrevolution die Rede ist, erklärt Mao Tsetung, die Diktatur des Proletariats sei für die Unterdrückung der Konterrevolution und der Konterrevolutionäre erforderlich, doch leider hätschelt er die Konterrevolutionär. Er gibt zu: «Zu Beginn haben wir eine Anzahl Konterrevolutionäre hingerichtet, mehr sollten jedoch nicht hingerichtet werden, sie seilten nicht verhaftet, nicht verurteilt, sondern überzeugt, aufs Lang geschickt werden, um sie durch Produktionsarbeit umzuerziehen»usw. usf. «Wir dürfen die Todesstrafe nicht abschaffen», sagt Mao «se in der Praxis aber auch nicht anwenden!» Was ist das? Das ist nicht Klassenkampf. Mit dieser Einstellung wird die Konterrevolution nicht beseitigt, werden die Ausbeuterklassen nicht beseitigt.

Doch hierzu lehrt Lenin unter anderem, man müsse gehen

«...bis zur völligen Vertreibung oder läternierung der gefährlichsten und lautnäckigsten Ausbeuter, ihrer strengen Cyberwachung zwecks Bekämpfung der unausbleiblichen Versuche, Widerstandzug leisten und die kapitalistische Sklaverei wiedereinzuführen - nur solche Maßnahmen sind geeignet, die tatsächliche Unterwerfung der ganzen Ausbeuterklasse zu gewährleisten»* *( Lenin, Werke, Bd. 31, S. 201 (alb. Ausgabe))

An den Thesen von Maos «Dekalog» muss viel gekürzt worden sein, wurde doch einige Monate nach dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas ausdrücklich davon gesprochen, die Fabrikbesitzer müssten Renditen erhalten und zu Vizedirektoren der Fabriken gemacht werden. Diese Anschauung wird in dieser ganzen These Mao Tsetung: sichtbar. Er behält die kapitalistischen Reaktionäre in der Leitung der Fabriken, die ihr Eigentum gewesen sind, spricht ihnen Einkünfte aus diesen Fabriken zu, die verstaatlicht worden sind, aber dennoch teilweise als ihnen gehörig betrachtet werden, und vergisst dabei, dass sie diese Fabriken durch die Ausbeutung des Blutes und Schweißes der Arbeiter errichtet und ausgebaut haben. Das soll Klassenkampf sein? Nein, das ist ganz und gar nicht Klassenkarnpf. Diese ehemaligen Eigentümer müssen nach Mao Tsetung in der Gesellschaft aufgehen, in die Gesellschaft cinbezogen, in der Geseffichaft erzogen werden. (Das heisst, sie sollen in den Sozialismus integriert werden. Von der Integrierung des Kapitalismus in den Sozialismus reden die bürgerlichen und revisionistischen «Theoretiker. heute viel, die Titoisten, die «Eurokommunisten» und andere.) «Das wäre eine sehr gute Sache», bekräftigt Mao, «aus vielerlei Gründen, einer davon ist, dass wir (die Chinesen damit dem Ausland ein gutes Beispiel geben.» (Ein «schönes» Beispiel, wie man die Volksfeinde nicht bekämpft!)

Lenin denkt da ganz anders. Er sagt:

«Und den Kampf gegen dies Element kann man nicht allein durch Propaganda und Agitation, nicht allein durch Organisierung des Wettbewerbs, nicht allein durch Auslese von Organisatoren führen - man muss den Kampf auch durch Zwang führen.»* *( Lenin, Werke, Bd. 27, S. 205 (alb. Ausgabe))

Und noch einmal Lenin betonte zu diesem Problem:

«. . . jeder Gedanke an eroe friedliche Unterordnung der Kapitalisten unter den Willen der Mehrheit der Ausgebeuteten, an einen friedlichen Übergang zum Sozialismus durch Reformen [ist nicht nur ein Beweis extremen spießbürgerlichen Stumpfsinns, sondern auch ein direkter Betrug an den Arbeitern. . . »* *( Lenin, Werke, Bd. 31, S. 201 (alb. Ausgabe))

Eine weitere Ansicht Maos ist, man verliere auch eine Informationsquelle, wenn man die Kapitalisten beseitige, wisse also nicht, was bei ihnen im Gange sei. Welch «geniale» Schlussfolgerungen, um den Klassenkampf einzustellen! Tschou En-lai, der uns vorwarf, wir führten keinen Klassenkampf, versuchte uns dazu zu bewegen, ebenfalls einen solchen «Klassenkampf» zu führen! Die Absicht dabei war, zu sehen, wie weit wir gingen in diesen Kampf, ob wir es mit der Linie Mao Tsetungs hielten, den Klassenkampf einzustellen, oder mit dem leninschen und stalinschen Weg der scharfen Entfaltung dieses Kampfes.

Mao pflegte in der Kommunistischen Partei Chinas seinen Kult und wandte die grossen Lehren des Marxismus-Leninismus nicht an - weder über den Klassenkampf noch über die eiserne proletarische Disziplin, noch über die Diktatur des Proletariats. Die Kommunistische Partei Chinas wuchs heran, wurde geformt in liberalen, reformistischen Normen, in zwei oder mehr Linien. Die Grundthesen des Marxismus-Leninismus sind also für Mao und die Kommunistische Partei Chinas fiktiv.

Leute wie Mao Tsetung werfen Stalin vor, er habe im Zusammenhang mit dem Klassenkampf Fehler gemacht, während sie doch selbst beteuern, im Sozialismus schwäche sich der Klassenkampf immer mehr ab. Mao Tsetung spricht sogar ganz offen davon, man solle den Klassenkampf nicht führen, die Verbrecher nicht hinrichten, die gefährlichen Feinde nicht erschießen, niemand ins Gefängnis werfen. Stalin dagegen verfuhr niemals so. Er führte in der Praxis weiter hart, entschlossen und bis zuletzt den Kampf gegen die Volksfeinde. Um die Konterrevolution reinzuwaschen, zu verteidigen, führt Mao Tsetung fünf, sechs Gründe an und bemüht sich, mit ihnen «zu beweisen», dass sein Kurs richtig, marxistischleninistisch sei.

Mao möchte die Gewalt, die Todesstrafe, die Gerichte und Staatsanwaltschaften abschaffen, damit die Konterrevolutionäre ohne Strafe davonkommen. Er predigt ausschließlich Erziehung und

Propaganda. Wo gibt es hier Klassenkampf bei Mao? Wo existiert in seinen Anschauungen und in seiner Praxis die Diktatur des Proletariats ?

Im neunten Punkt apricht Mao über die Beziehungen zwischen richtig und falsch. Worauf will er dabei hinaus? Auch hier versucht Mao, Stalin zu attackieren. Er sagt: «Stalin hat Leute für den geringsten Fehler hinrichten lassen». Das ist eine Verleumdung. Stalin liess Leute nicht hinrichten, weil sie Fehler gemacht hatten, im Gegenteil, er kämpfte darum, Menschen, die Fehler gemacht hatten, zu bessern, und es gibt Dokumente, die belegen, dass dies wahr ist. Stalin gab die Richtlinie aus, Übeltäter ins Gefängnis oder in Straflager zu stecken und die Konterrevolutionäre, Verräter, Agenten und andere Feinde des Volkes, wenn sie besonders gefährliche Verbrechen begangen hatten, zu erschießen. Hätte er dies nicht getan, hätte der Sozialismus in der Sowjetunion nicht aufgebaut werden können, hätte Stalin nicht den leninistischen Weg gehen können. Mao Tsetung steht im Gegensatz zu dieser Linie. Er verallgemeinert die Frage und behandelt diejenigen, die keine sehr gefährlichen Verbrechen begangen haben und keinesíalls hingerichtet werden dürfen, genauso wie die Konterrevolutionäre. Wer sagt, man müsse Leute hinrichten, die keine schwere Verbrechen begangen haben? Niemand. Im Gegenteil, wir sind dafür, solche Leute zu bessern, und so sind wir verfahren.

Der zehnte und letzte Punkt des «Dekalogs» dreht sich um die Beziehungen zwischen China und anderen Ländern. Diese Beziehungen, wie er sie erläutert und zur These erhebt, sind opportunistische, revisionistische Beziehungen. Sie sind darauf angelegt, die Anwendung einer richtigen revolutionären Linie in China zu verhindern, ' mit der dem Weltproletariat und der Weltrevolution, den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien geholfen wird, erfolgreich gegen die Bourgeoisie, gegen den Kapitalismus und den w modernen Revisionismus zu kämpfen. Tatsächlich ist Mao ein moderner Revisionist wie die Sowjetrevisionisten, die Titoisten und die anderen.

Über die Außenpolitik Chinas heisst es in den berühmten Thesen Mao Tsetungs: «Unsere Politik ist es, von den Vorzügen aller Nationen und aller Länder zu lernen und uns alles anzueignen, was in ihrer Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Literatur und J Kunst wirklich gut ist.» Das ist seine ganze Politik. Um dies tun zu können, muss nach Mao Tsetungs Meinung die (revisionistische) friedliche Koexistenz mit allen Staaten der Welt hergestellt werden. Für Mao gibt es keine Unterschiede zwischen diesen Staaten. Später teilte Mao Tsetung die Welt in drei Teile und war für die Strategie der «drei Welten», wobei er die sozialökonomische Ordnung, wie sie in dem einen oder anderen Land besteht, ignorierte. Er ist überhaupt gegen gar keine «Welt». Auch in der «ersten Welt», in die Mao den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus steckt, nimmt er keine Differenzierung vor. Heute ist er für den amerikanischen Imperialismus, morgen mag er gegen ihn sein; heute ist er gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, morgen mag :, er für ihn sein. Er laviert also je nach den Umständen, so wie es die revisionistischen Interessen des chinesischen Staates erfordern, und handelt nicht auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Prinzipien, denkt nicht daran, dass die imperialistischen Mächte bekämpft werden müssen und der nationale Befreiungskampf der Völker unter

stützt werden muss.

Den nationalen Befreiungskampf der Völker kann ï1Vlao Tsetung mit dieser Linie nicht verteidigen. Demagogie kann er betreiben, er kann erklären: «Wir, die Chinesen, halten zu den Völkern der dritten Welt.» Doch das sind nur Worte. Solange er die genannte Taktik formuliert, solange er es mit dem amerikanischen Imperialismus hält, mit dem er es nicht verderben will, weil er von ihm «lernen», Kredite, offene oder verschleierte, beziehen muss, solange kann Mao Tsetung nicht auf der Seite der Völker der sogenannten dritten Welt stehen, die gegen den amerikanischen Imperialismus kämpfen, kann er ihnen nicht helfen, dem Joch dieses Imperialismus zu entrinnen. Demagogisch bemüht er sich, als Verteidiger der Staaten aufzutreten, die unter dem Einfluss des sowjetischen Sozialimperialismus stehen, doch damit will er sie nur unter den Einfluss entweder Chinas oder der Vereinigten Staaten von Amerika bringen.

Im Zuge einer antimarxistischen Strategie willigte Mao in Nixons Besuch in China ein, ohne dass die USA diesen Staat offiziell anerkannt hatten; er ging ebenfalls darauf ein, die Taiwanfrage, die er als stählerne Mauer für jedes Land, das mit China diplomatische Beziehungen aufnehmen wollte, aufgerichtet hatte, als Hindernis für den Besuch des amerikanischen Präsidenten fallen zu lassen. Von da ab überging er Taiwan mit Schweigen. Damit bedeutet er den Vereinigten Staaten von Amerika, sie könnten in Taiwan, in Japan, auf den Okinawa-Inseln, in Birma und sonst wo bleiben, und auf dieser Strategie Maos haben China und die heutigen revisionistischen chinesischen Führer ihre Aussenpolitik und ihre Verteidigung aufgebaut. Gewiss, es muss so sein, dass die chinesische Führung einem Verbleiben der Amerikaner auch in Südvietnam, einer Beendigung des Kriegs und einer Freundschaft der Vietnamesen mit den Amerikanern zugestimmt hatte. Dies muss der Grund für die Widersprüche sein, die zwischen den Chinesen und den Vietnamesen auftraten, die einmal offen erklärt hatten: «Wir (die Vietnamesen) dulden nicht, dass sich irgendein anderer Staat in unsere inneren Angelegenheiten einmischt...»

Mao Tsetung bezichtigt Stalin des linken Abenteurertums, er beschuldigt ihn, starken Druck auf China und die Kommunistische Partei Chinas ausgeübt zu haben. Stalin hat wohl kein Vertrauen in die Führung der Kommunistischen Partei Chinas gehabt. Als China befreit wurde, äußerte Stalin den Verdacht, die chinesische Führung werde den titoistischen Weg gehen. Wirft man einen Blick auf alle wesentlichen Prinzipien der revisionistischen Linie Mao Tsetungs, dann kann man zu allem, was er gegen Stalin vorbringt, getrost sagen, dass Stalin wirklich ein grosser Marxist-Leninist war und richtig voraussah, wohin China gehen würde, beizeiten sah, was Mao Tsetung für Ansichten hatte, dass er sie in vielerlei Hinsicht als revisionistische, titoistische Ansichten beurteilte - sowohl in der internationalen als auch in der Innenpolitik, in bezug auf den Klassenkampf, die Diktatur des Proletariats, die friedliche Koexistenz zwischen Ländern mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen usw.

Mit der Veröffentlichung dieses «Dekalogs» wollen Hua Guofeng und Konsorten ihre revisionistische Linie, ihre konterrevolutionäre Tätigkeit, den Abbruch der Kulturrevolution legalisieren, denn sie glauben, so leichteres Spiel zu haben, auch wenn die Kulturrevolution in China, wie ich schon früher geschrieben habe, nicht auf revolutionären, sondern auf opportunistischen Grundlagen stand. Sie war der Kampf einer opportunistischen Gruppe mit Mao Tsetung an der Spitze gegen eine andere opportunistische Gruppe, an deren Spitze Liu Schao-tschi, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und andere standen, die die Macht usurpiert hatten. Mao Tsetung wurde von der gegnerischen Gruppe in Gefahr gebracht, seine Person sollte auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden, so wie Mao es dann mit Liu Schao-tschi tat. Mao verstand es, den Kult um ihn auszunutzen, der ins Masslose gesteigert worden war, obwohl er, was den Kult anbelangt, die anderen beschuldigte, Großmäuler zu sein. Diese Großmäuler, das sind nach Mao Stalin und seine Genossen. Mao Tsetung profitierte also von dem masslosen Kult, der Zeit seines Lebens um seine Person getrieben wurde, mobilisierte die Armee. stützte sich auf sie und die Schuljugend und löste die sogenannte Kulturrevolution aus. Doch auch bei dieser Revolution verhinderte er, dass sie zu Ende geführt wurde, brachte sie doch all die opportunistischen Kader in Gefahr, die zur Gruppe Liu Schao-tschis und Tschou En-Jais gehörten, gefährdete sie doch auch Mao Tsetung selbst. Deshalb warf er nach einiger Zeit das Steuer herum, unterstützte die Rechten und brachte Tschou En-lai an die Macht, der seine Pläne ausarbeitete und zur Anwendung brachte.

Während dieser Zeit erkannten junge Elemente, die im Verlauf der Kulturrevolution hervorgetreten waren, insbesondere die «Vier», die von Hua Guo-feng jetzt «Verräter» genannt werden, diesen -schrecklichen Abgrund, auf den jene China zutrieben, und versuchten, auf ihre Weise und mit ihren Methoden, die, wie es scheint, nicht sehr überlegt und ausgereift, vielleicht auch nicht vollkommen richtig, aber dennoch mehr oder weniger revolutionär waren, dieser feindlichen Tätigkeit, die China zum Sozialimperialismus führte, 5chranken zu setzen. Nach Maos Tod gelang es den Rechten, die Macht zu übernehmen. Sie gingen sofort, mit einem Schlag, wie sie sagen, gegen die Linken vor und unterdrückten die Revolution. Also erstickten die Konterrevolutionäre, die von Mao Tsetung und seinen Anhängern in die Partei und die Staatsmacht gebracht worden waren, die Revolution in China.

FREITAG,

31. DEZEMBER 1976

DIE CHINESISCHE STRATEGIE IST DABEI, EIN FIASKO

ZU ERLEIDEN

Nichts, keine antimarxistische Handlung der Chinesen, darf uns verwundern. Wir beurteilen das Denken und Handeln der Kommunistischen Partei Chinas, ihres Zentralkomitees und Mao Tsetungs im marxistisch-leninistischen Licht, das unsere Partei erleuchtet. Doch nichts, was von ihnen kommt, liegt auf dem Kurs unserer Theorie, denn die Kommunistische Partei Chinas lässt sich nicht von der marxistisch-leninistischen Theorie leiten.

Wie ich schon verschiedentlich gesagt und geschrieben habe, ist dies eine Krankheit, von der die Kommunistische Partei Chinas schon in der Anfangsphase ihrer Tätigkeit befallen wurde. Mit Fehlern begann sie diese Tätigkeit und mit Fehlern setzt sie sie nun fort, Fehlern auch in den Grundfragen der marxistisch-leninistischen Theorie, obwohl über diese Tätigkeit offiziell nichts Schriftliches vorliegt. Man spricht van Fraktionskämpfen, die in ihren Reihen stattfanden: jede Fraktion kritisierte und beschuldigte die andere; die eine gab sich «pro Komintern», die andere nicht; die eine behauptete, sie liesse sich «von der Ideologie der Arbeiterklasse leiten» und betrachtete diese Klasse als Führerin der proletarischen Revolution, die andere schrieb diese führende Rolle der Bauernschaft zu usw.

Diese Probleme wurden von der Kommunistischen Partei Chinas niemals wissenschaftlich, vom Standpunkt der marxistischleninistischen Theorie aus analysiert, sie wurden nicht wirklich unter den Bedingungen Chinas gesehen. Auch wenn sie es wären in diesen sogenannten Analysen herrschen die Agitation und Propaganda in leeren und stereotypen Phrasen vor, idealistisch, sophistisch in Form und Inhalt, ähnlich dem alten Stil der idealistischen, mystischen buddhistischen Schriften, wo der Kult jener Person betrieben und übersteigert wird, die die Fraktion «geistig» führt und leitet.

Eine solche Fraktion war auch die Maos, über die wir uns nicht äussern können, weil wir nicht viel Genaues wissen, weil wir nicht wissen, warum er mehrmals aus der Partei ausgeschlossen wurde. Wir wissen, dass Mao sich von der Partei trennte, sich ihr wieder anschloss, aus ihr ausgeschlossen, dann wieder in sie aufgenommen und erneut ins Zentralkomitee gewählt wurde, den «Langen Marsch» unternahm. Dieser Marsch ging in die Geschichte ein, und hier beginnt Maos Legende. Er ging nach Yenan und bildete dort die «Sowjet»macht Yenans. Doch wie bildete er sie? Mao handelte wie ein Linksradikaler, legte seinem Vorgehen eklektische «marxistische» Ansichten, falsche Ansichten über den Klassenkampf und die künftige Macht zugrunde. Man könnte den Begriff «sowjetisch» so verstehen, als sei es ihm dabei um die «Räte» als Organe der Diktatur des Proletariats gegangen. Wie sich jedoch später herausstellte, war diese «revolutionäre Volksmacht» Mao Tsetungs «die Macht der Arbeiter, der Bauern, des Kleinbürgertums und der mittleren Bourgeoisie». In dieser zusammengewürfelten Macht war jede Klasse mit ihrem Stern in der Nationalflagge vertreten. Diese Macht entwickelte sich niemals, wurde niemals Diktatur des Proletariats, weder de facto noch de jure, obwohl in Worten und in der Propaganda davon die Rede war und ist, sie sei die Diktatur des Proletariats.

Die Macht in China konnte keine Diktatur des Proletariats sein und ist es nicht, denn diese hat unter anderem die Funktion: die Ausbeuter, die Konterrevolutionäre, die Klassenfeinde und die Feinde des Sozialismus zu unterdrücken, eine Funktion, die in China nicht erfüllt wurde. Nicht nur, dass Mao, im Widerspruch zu den Thesen von Marx und Lenin, die Restauration des Kapitalismus in China nicht bekämpfte, nicht nur, dass er diese Restauration billigte, er bereitete sie mit seiner antimarxistischen Theorie sogar vor.

Doch warum geschah dies? Dies geschah, weil Mao, der kein marxist gewesen ist, weder auf eine wahre marxistisch-leninistische Partei hingearbeitet, noch eine wahre marxistisch-leninistische Partei aufgebaut und gestählt hat. Die Kommunistische Partei Chinas ist keine Partei der Arbeiterklasse sie führt nicht die Diktatur des Proletariats. Eine solche Diktatur gibt es in China nicht. Die Macht in die sem Land ist eine fortschrittliche bürgerlich-demokratische Macht und wird, wie Mao bestätigt, «von einer Koalition von Parteien mit unterschiedlichen politischen und ideologischen Anschauungen geführt».

In bezug auf diese Schlüsselprobleme der marxistisch-leninistischen Theorie - die Diktatur des Proletariats, die Führung d durch die Arbeiterklasse und ihre Vorhut, die Kommunistische Partei, den Klassenkampf - verfolgt Mao Tsetung also einen opportunistischen, revisionistischen Kurs, ist er ein Sozialdemokrat. Dieser Kritiker Stalins ist für die Integration der Bourgeoisie und der Kulaken in den Sozialismus, er ist ein neuer Bucharin, der sich mit angeblich marxistischen Formeln tarnt. In der Frage der Diktatur des Proletariats formuliert Mao Tsetung, ein neuer Schüler Bernsteins und Kautskys, angeblich marxistische Losungen. In der Frage der Leitung des Landes durch viele Parteien ist er ein bürgerlicher Sozialdemokrat wie alle anderen, und in seinem Handeln tarnt er seine rechten Ansichten mit linken Losungen.

Mao Tsetung führte den nationalen Befreiungskampf des chinesischen Volkes auf der Grundlage dieser dem Anschein nach marxistischen, im Kern aber nichtmarxistischen Prinzipien. Der Kampf des chinesischen Volkes gegen die Besatzer war ein gerechter Kampf, vergleichbar freilich dem Kampf des algerischen Volkes gegen die Franzosen. Das algerische Volk führte einen entschlossenen Befreiungskampf unter Führung der bürgerlichen Nationalisten, während der Kampf des chinesischen Volkes geführt wurde von der fortschrittlichen Bourgeoisie und unklaren, schwankenden Kommunisten, unentschlossen in bezug auf die Prinzipien und Normen einer wahrhaft marxistisch-leninistischen Partei, die diese Prinzipien und Normen unter den Bedingungen des Landes korrekt anwendet. Es geht hier um die Grundprinzipien, auf die ich oben hingewiesen habe, denn was die Bündnisse mit demokratischen, fortschrittlichen und nichtkommunistischen Elementen anbelangt, so ist dies ein weiteres grosses Problem für den Sieg. Doch die Rolle der Kommunistischen Partei Chinas durfte nicht verdunkelt werden, sie durfte die Führung nicht mit anderen Parteien teilen, wie Mao dies in seinem «Dekalog» vom April 1956 befürwortet. Dieser ganze Strauss von sogenannten marxistisch-leninistischen Theorien Mao Tsetungs wurde auf eklektische Weise, je nach Anlass, Bedarf und Situation angewandt und propagiert.

Mao Tsetung und seine Genossen haben im Verlauf von 50 Jahren eine Strategie und Taktik nicht des Triumphs der Revolution unter dem Banner des Marxismus-Leninismus, sondern des Triumphs eines China als Weltgroßmacht entwickelt.

In Vergangenheit und Gegenwart ist in China nach kleinbürgerlichen Anschauungen verfahren worden. In der chinesischen Linie gibt es einen ständigen Zickzack, die Strategie der Partei war unbeständig, ihre Politik wies Ebbe und Flut auf, und man ging an diese Fragen nicht so heran, wie die marxistisch-leninistische materialistische Dialektik sie stellt.

Die chinesischen Bündnisse auf auswärtiger Ebene waren sowohl während des Krieges als auch danach, als die Volksmacht errichtet wurde, niemals beständig. Was wichtig ist, diese Bündnisse hatten keine prinzipienfesten, revolutionären Grundlagen, sondern waren von scheinheiligen Winkelzügen gekennzeichnet, von konjunkturbedingten Schwenks, aufbauend auf der Idee, China als grossen Staat zu stärken! China, einst - zur Zeit Stalins - Freund der Sowjetunion, wurde, als die Chruschtschowianer die Macht ergriffen, auch zu deren Freund und dann, als es von ihnen keinen Nutzen hatte, zum Freund der Amerikaner. Morgen mag es sich wieder mit den Sowjets vereinigen, und es wird sich in noch stärkerem Mass auch mit den Titoisten zusammentun.

Die chinesische Kulturrevolution war ein Fraktionskampf zwischen der Gruppe Maos und der Liu Schao-tschis. Weder die Arbeiterklasse noch ihr Verbündeter, die Bauernschaft, und vor allem nicht deren Führung, die Kommunistische Partei Chinas, nahmen daran teil, begriffen ihre Rolle. Sie wurden weder von der einen noch von der anderen Fraktion in Bewegung versetzt. Die entscheidende Rolle in dieser Revolution spielte die Armee, die zu Lin Biao und Mao hielt.

Die sogenannte Kommunistische Partei Chinas war keine Partei der Revolution, denn dazu war sie auch gar nicht erzogen. Sie war mehr eine «Bauernpartei», die traditionsgemäß abwartete, wer mit Hilfe der Militärmacht die Oberhand gewinnen würde.

Maos Fraktion siegte, doch sie bremste die «Revolution» auf halbem Weg, verhinderte die revolutionäre Gewalt, denn es gab keine Diktatur des Proletariats. Mao arbeitete gemeinsam mit Tschou intensiv daran, den alten Zustand wiederherzustellen und die Positionen des Clans auf ihrem Kurs zu festigen. Sie schalteten Kang Schenk aus, liquidierten Lin Biao und Tschen Bo-da und trafen zugleich Vorbereitungen, auch das «Dornengestrüpp» wegzuräumen, das ihre Schritte noch hemmte: die «Viererbande», wie sie sie nennen.

Mit dem Tod Tschou En-lais und Maos verlor der Clan die Hauptführer. Das Land und der Clan blieben ohne Kopf und stürzten in ein grosses Chaos. Die übrig geblieben sind, lassen sich vom Schatten der Toten, von einer antimarxistischen Ideologie leiten, innerhalb und außerhalb des Landes. Die reaktionäre Strategie Maos und Tschous erlitt und erleidet ein Fiasko. Beide manövrierten, Mao mit dem unverdienten «Prestige» des «Paarchen» und Tschou mit seinen Teufeleien vor und hinter den Kulissen.

Die neuen Revisionisten, die an die Spitze von Partei und Staat in China getreten sind, schwimmen weiter im sozialdemokratischen Sumpf, in dem sie immer tiefer und tiefer versänken. Sie meinen, ihre marxistische Maske werde ihnen nicht vom Gesicht gerissen, doch sie sind dabei, sie sich selbst herunterzureißen. Sie meinen, das «Prestige» Maos und Tschous werde sie aus dem Sumpf herausbringen, glauben, Chinas Potential sowohl nach Territorium als auch nach Bevölkerung werde den Marxisten-Leninisten, den Revolutionären und den fortschrittlichen Völkern imponieren. Doch sie werden sich entlarven, werden scheitern, werden Maos und Tschous antimarxistische Linie bis zum Äußersten treiben und China beschleunigt auf den Weg eines kapitalistischen bürgerlichen Staates führen. Dies wird mit Sicherheit geschehen, wenn die Elemente dieser Gruppe, dieser konterrevolutionären Fraktion nicht gestürzt werden, wenn die «Ställe» Maos und Tschous nicht mit eisernem Besen ausgemistet werden, doch diesmal durch eine wahrhaft grosse proletarische Revolution, geführt von einer wahrhaft marxistischleninistischen kommunistischen Partei, durch eine eiserne Diktatur des Proletariats und durch einen Klassenkampf, wie ihn Marx, Engels, Lenin und Stalin lehren. Dies ist Chinas einziger Ausweg.

Der Weg Maos, Tschous, Dengs und Hua Guo-fengs ist der Weg des Kapitalismus, der Weg der Reaktion und des Sozialimperialismus.

1977

SONNTAG,

2. JANUAR 1977

EIN TREFFEN, DAS NUR FÚNF MINUTEN DAUERTE

Unser Botschafter in Peking berichtet uns, dass er, nachdem er im Zuge der Gegenseitigkeit um ein Treffen mit Li Hsiän-niän ersucht hatte, um ihm das Antwortschreiben unseres Zentralkomitees auf ihren Protest (wir hätten angeblich Maos Strategie angegriffen) zu übergeben, nach zwei Tagen von Geng Biao anstatt von Li empfangen wurde.

Der Botschafter sagte zu ihm: «Wünscht ihr, dass ich euch das Schreiben vorlese, so wie ihr verfahren seid, oder wollt ihr es selbst lesen?»

«Gib her», sagte der Revisionist Geng Biao zu ihm.

Das alles dauerte nur fünf Minuten.

MONTAG,

3. JANUAR 1977

WIE ES SCHEINT, WIRD DIE PROAMERIKANISCHE FRAKTION

IN CHINA SIEGEN

Die Mauern an den Strassen sind vor allem in Peking mit Dazibaos bedeckt, durch die Druck auf Hua Guo-fengs Gruppe ausgeübt wird, Deng Hsiao-ping vollständig zu rehabilitieren und ihm die Funktionen des Ministerpräsidenten, des stellvertretenden Parteivorsitzenden und des Generalstabschefs zu übertragen. Nicht mehr, nur alle zentralen Schlüsselpositionen in China! Mit anderen Worten, alle Machtbefugnisse seines Herrn Tschou En-lai, der ihn rehabilitierte und als seinen Nachfolger aufbaute. Wäre Mao vor Tschou gestorben, hätte dieser, als der Zweite, seinen Platz eingenommen und der Dritte, Deng, den Platz des Zweiten. In diesem Fall wäre alles in Butter gewesen, der Widerstand ihrer Gegner wäre unterdrückt worden. Die Verschwörung und den Schlag zu diesem Zweck hatten Tschou, Deng und Hua Guo-feng schon geraume Zeit vorbereitet. Bei dieser «Wachablösung» wurden weder die Partei noch das Zentralkomitee, noch der Parteitag in Rechnung gezogen. Diese Organe waren und sind für die Chinesen nur Fassade.

Doch die Ereignisse nahmen einen anderen Lauf, zwei starben, der dritte wurde ausgeschaltet, während Hua Guo-feng, Mitverschwörer und Innenminister, rasch handelte, die Gegner verhaftete, sich selbst zum Chef ernannte und les rouages* *( das Räderwerk (frz. im Original).) der Verschwörung in Gang setzte. Doch das konnte nicht lange gut gehen, denn «die Köpfe kühlten sich ab» und handelten nicht mehr einheitlich. So begannen die Fraktionen getrennt zu handeln und Forderungen zu stellen. Dieser Zank unter ihnen wird nun und in Zukunft viel schmut zige Wäsche zutage fördern. Die Fraktionen sind sich einig, wo es darum geht, die «Vier» auf jede Weise zu verleumden, nicht einverstanden sind sie allerdings mit der Teilung der Macht, wie Hua Guofeng, der in der Hierarchie der Verschwörung ganz am Ende stand, sie möchte. Der dritte in der Hierarchie muss hochgebracht werden, und das ist Deng, über den - als er gestürzt wurde - Mao sagte: «Deng ist kein Marxist-Leninist.» Und auch Hua Guo-feng selbst hatte ihn, als er die Macht übernahm, angegriffen und schwer kritisiert.

Nun steckt die chinesische Führung in einer grossen Krise. Das Land steht in Flammen (ausländische Botschafter in verschiedenen Ländern haben unseren Botschaftern gesagt: «In China hat der Bürgerkrieg begonnen. 17 von 27 Provinzen befinden sich in der Revolution.» Die Chinesen selbst geben diese Lage offiziell zu, bagatellisieren sie aber). Innerhalb der heutigen Führung Chinas muss es viele Streitigkeiten geben, muss es Leute geben, die für Mao sind, sogar unter denen, die Mao kritisieren, weil er sich so über Deng äußerte und die «Vier» derart lange tolerierte; es muss auch andere geben, die für Tschou En-lai sind, und zu dieser Gruppe gehört die Mehrheit, denn sie haben nun die Macht in der Hand.

In der Tschou-Gruppe muss es zwei Strömungen geben: eine für Deng und eine für Hua Guo-feng. Auf die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Gruppen konzentriert sich inzwischen der Fraktionskampf. Diese beiden Linien befinden sich in heftiger Opposition: die Linie Dengs und die Linie Huas, beide rechts, die eine extrem und in einigen Dingen gegen Mao, die andere gemäßigt und in einigen anderen Dingen angeblich für Mao. Die eine Linie fordert die vollständige Rehabilitierung Dengs, während die andere diese akzeptiert, doch erst, «wenn er zuvor Selbstkritik geübt hat und nicht Staatsratsvorsitzender wird».

Sollte Deng die Macht ergreifen, würde man Hua Guo-feng auf einem «Ehren»platz belassen und ihn zur Galionsfigur machen, wie Tschou En-lais Gruppe dies mit Mao tat, dem sie Lobgesänge darbrachte, während er, Mao, hier und da einmal eine Bemerkung fallen liess oder vom «neunten Himmel» aus, zu dem er emporgestiegen war, ein Gedicht verfasste.

Also findet in China gegenwärtig - und nicht erst jetzt, das ist ständig so gewesen - ein prinzipienloser Kampf um die Macht statt.

Liu Schao-tschi kämpfte um die Macht, Mao kämpfte ebenfalls um die Macht, genauso Lin ßiao, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping und schließlich auch Hua Guo-feng - alle haben sie um die Macht gekämpft. Die Prinzipien und die Ideologie sind hierbei nur Masken. Die Partei dort ist gespalten und aus dem Gleis, sie befindet sich im Schlepptau der Propaganda und des Gewehrs. In dieser ganzen Periode von Unruhen, Intrigen und Komplotten haben die Gewehre über die Partei geherrscht und nicht die Partei über die Gewehre. Gehüllt in ein neues Gewand und versehen mit einer trügerischen ideologischen «Politur», machen in China die «Kriegsherren» das G besetz.

Doch in diesem grossen Chaos von Rivalitäten spielt auch die Politik der beiden Supermächte eine Rolle. Jede nimmt ihre Anhänger in China in Schutz und spiegelt ihnen die «Fata Morgana» eines Auswegs aus dem wirtschaftlichen Chaos und der militärischen Stärkung vor. Meiner Einschätzung nach wird die proamerikanische Fraktion siegen, denn die Vereinigten Staaten von Amerika sind in der Lage, China wirtschaftlich und militärisch zu versorgen. Die chinesische Propaganda, die Vereinigten Staaten von Amerika seien «geschwächt», ist verlogen und dient dazu, die ausgiebigen Verhandlungen Chinas mit dem Imperialismus zu tarnen.

Und die Revolutionäre, die Marxisten-Leninisten, jene, die in China die Kulturrevolution machten, was tun sie? Ich glaube, sie zählen nach Millionen. Zur Zeit werden sie gejagt, verfolgt, doch wie stark und wie lange?! Nach dem, was wir hören, ohne es allerdings nachprüfen zu können, zeigen sie sich rührig, leisten Widerstand. Sollte in China die Revolution ausbrechen, so wird sie sich wie ein Lauffeuer verbreiten, wird sie sich nicht so leicht ersticken lassen, und die Rechten werden in Gefahr geraten, denn dies wird eine blutige Revolution sein und keine, wie Mao Tsetung sie predigte.

DIENSTAG,

4. JANUAR 1977

WIR MÜSSEN DIE VERTRÄGE EINVERNEHMLICH

DURCHFÜHREN, DOCH OHNE IDEOLOGISCHE UND

POLITISCHE ZUGESTÄNDNISSE ZU MACHEN

Mehmet unterrichtete mich über die Schwierigkeiten, die die Chinesen bei der Lieferung von verkokter Kohle machen, die nach dem Vertrag bis Ende 1976 hätte erfolgen müssen. Zur Zeit haben wir für den Hochofen nur noch Reserven bis Ende Februar dieses Jahres. Ich habe mit Mehmet einen Meinungsaustausch über dieses Problem gehabt. Wir kamen zu dem Schluss, dass uns Aufregung nicht förderlich ist, wir deshalb kühlen Kopf bewahren und rechtzeitig Maßnahmen ergreifen müssen. Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass uns die Chinesen grosse Schwierigkeiten bereiten werden, wenn sie uns nicht überhaupt unter Blockade stellen. Wir gehören natürlich nicht zu denen, die die Waffen strecken; wir werden den Revisionismus überall, wo er in Erscheinung tritt, erbarmungslos bekämpfen, ohne auch nur im geringsten nachzugeben.

Den grössten Teil der Kohle für das Jahr 1976 müssen uns die Chinesen liefern, da gibt es nichts. Für den Rest werden wir mit ihnen die Lieferfrist festlegen, und was die Kohlenmenge anbelangt, die im Vertrag für 1977 vorgesehen ist, so müssen wir darum ringen, so viel wie möglich sicherzustellen, denn wir beziehen sie auf Clearing-Basis. Unsere Geschäfte mit den Chinesen können nicht wie geschmiert laufen, deshalb müssen unsere Leute ruhig und geduldig mit ihnen reden, damit sie begreifen, dass sie falsch vorgehen. Zugleich müssen sie so weit wie möglich Reibungen in Fragen vermeiden, in denen wir im Gegensatz zu ihnen stehen. Wir müssen den Chinesen die Perspektive offen lassen, dass auch wir China einen Teil einiger wichtiger Produkte auf Clearing-Basis liefern. Dies müssen wir tun, um ihnen die Möglichkeit zu nehmen, uns beim Bau der Objekte, die wir von ihnen erhalten, zu behindern. Wir müssen im Handel mit den Chinesen wendig, nicht starr sein. Nehmen wir, was sie uns geben, und bestehen wir später auf dem Rest. Sagen wir nicht: «Wir haben Verträge», sondern kämpfen wir für ihre Einhaltung. Die Praxis zeigt, dass auch die kapitalistischen Länder Verträge brechen, wenn es ihnen nützt; dafür nehmen sie sogar Konventionalstrafen in Kauf. Sie brechen willkürlich nicht nur Verträge im Bereich der wirtschaftlichen Beziehungen, sondern auch Verträge, bei denen es um viel wichtigere Probleme geht. So wird auch China künftig mit den Verträgen und Abkommen verfahren, die wir mit ihm haben. Deshalb: seien wir vorsichtig, geduldig, wachsam und bereit zu manövrieren.

Unser Handel, der Import und der Export, ist ein grosses und kompliziertes Problem. Nun, da Chinas Himmel wolkenverhangen ist, ist dieses Problem noch viel verwickelter, deshalb kann es nicht «im Vorübergehen» gelöst werden, handelt es sich doch um eine komplexe Frage. Wir müssen dieses Problem in seiner Komplexität untersuchen.

Dringend und sehr nötig ist es, die Frage der Rohstoffe, die wir vordringlich importieren müssen, zu lösen. Woher werden wir sie beziehen? Was uns China liefern wird, gut, aber auch das müssen wir jetzt mit Vorbehalt betrachten. Es gilt also, sorgfältig zu rechnen, hier etwas einzusparen, dort eine andere Quelle aufzutun. Dies ist als Reserve zu betrachten, auch wenn uns China die eine oder andere Ware liefert.

Die Waren, die uns China nicht liefert, müssen wir auf anderen Märkten zu finden versuchen, und sei es auch auf denen der revisionistischen Länder - ich spreche von den sogenannten volksdemokratischen Ländern, mit denen wir die Handelsbeziehungen aufrechterhalten haben. Diese neuen Aufträge müssen zusätzlich zu denen erfolgen, um deren Sicherstellung wir normalerweise kämpfen. Natürlich müssen wir darum kämpfen, denn mit diesen Staaten treiben wir Handel auf Clearing-Basis, und zugleich müssen wir berücksichtigen, dass wir mit diesen Staaten in Feindschaft leben und dass sie uns auch unter Blockade stellen können. Deshalb müssen wir mit unseren Clearing-Waren geschickt umgehen.

Bleibt uns noch der kapitalistische Markt, auf dem gewöhnlich Devisen verlangt werden. Devisen aber haben wir wenig, deshalb dürfen wir die, über die wir verfügen, nicht sinnlos vertun, sotidern müssen sie sehr sparsam einsetzen, bei Waren, die wir wirklich unbedingt brauchen.

Als Schlussfolgerung sagte ich zu Mehmet, sie sollten dieses Problem studieren, in der Regierung Beschlüsse fassen und Massnahmen ergreifen, damit der Plan erfüllt wird. Schon in diesem Jahr müssen auch die Probleme des gesamten Fünfjahrplans studiert werden, insbesondere hinsichtlich der Werke, für die uns China Kredite zugesagt hat. Es könnte uns mitten im Bau im Stich lassen, deshalb müssen wir rechtzeitig Massnahmen ergreifen und Beschlüsse fassen, um diese Objekte aus eigener Kraft weiterzubauen und fertigzustellend.

Diese Aufgaben im Zusammenhang mit den Chinesen müssen sorgfältig, mit kühlem Kopf angegangen werden, denn die Proteste haben nichts gebracht. Die Linie der Partei darf nicht verletzt werden, doch Handelsmanöver müssen gemacht werden. Wenn möglich, sollte bei ideologischen Gegensätzen der direkte Zusammenprall so lange vermieden werden, bis sie offen gegen uns vorgehen. Wir dürfen sie um keine Handelsvergünstigungen usw. mehr ersuchen, wir müssen dafür kämpfen, ich sage kämpfen, dass die Verträge eingehalten werden, und das, wohlgemerkt, entgegenkommend, doch ohne jedes ideologische und pólitische Zugeständnis.

Das habe ich mit Mehmet besprochen, und er war vollkommen einer Meinung mit mir.

MITTWOCH,

5. JANUAR 1977

DIE CHINESISCHE FÜHRUNG SCHLITTERT TÄGLICH TIEFER

IN DEN ABGRUND

Die Chinesen schrieben vor zwei, drei Tagen, gedacht sicherlich als Angriff auf unsere richtige ideologische und politische These gegen die «dritte Welt», die auf dem 7. Parteitag dargelegt wurde, einen langen, angeblich theoretischen Artikel, unterteilt in Kapitel. Dieser Artikel war nicht nur kein bisschen theoretisch, sondern so, wie das Problem dort behandelt wurde, sogar falsch.

Die Absicht dieser Schrift kam klar zum Vorschein: zu «beweisen», dass die Teilung in «drei Welten» eine «geniale Erfindung Mao Tsetungs» ist. Sie wollen, dass Mao Tsetung die Vaterschaft für diese absurde und antimarxistische Erfindung in bezug auf die Einteilung der Welt zuerkannt wird, die im Gegensatz zu der von Marx und Lenin vorgenommenen Einteilung steht. Die Bourgeoisie und Chruschtschow haben diesen «Bankert» schon früher in die Welt gesetzt, nichtsdestoweniger wollen ihn auch die Maoisten adoptieren. Jetzt haben sie ihn auf dem Hals.

Mit diesem Artikel wollen die Chinesen «beweisen», dass die «dritte Welt», diese ihre Ausgeburt, «grosse Erfolge» errungen hat, und dass die Lage dort «glänzend ist».

Doch die Chinesen machen sich nicht die Mühe, diese «dritte Welt» zu erläutern, denn sie können sie vom Marxismus-Leninismus her theoretisch nicht begründen. Weil ihnen dies nicht möglich ist, haben sie einige ihrer «Theoretiker» aufgeboten, Registratoren der Weltereignisse, die diese auf so banale Weise aufzählen, eines nach dem anderen, wie dies vielleicht eine Nachrichtenagentur in der Spalte «Ereignisse des Jahres» macht.

Dadurch wollen die «klugen» chinesischen Revisionisten der «dritten Welt» sagen: «Seht her, was für Erfolge! Seht, welch grosse Hilfe China euch leistet»(!) (wobei diese ihr vorgerechnet wird). Diese Aufzählung soll besagen: «China steht zu euch, es ist ein Teil der dritten Welt, deshalb hört auf es und lasst .euch von ihm führen, denn zusammen mit ihm seid ihr die Triebkraft der Welt, seid ihr der wahre Marxismus-Leninismus.»

Doch diese unbestimmte, beziehungsweise von den Chinesen bestimmte «dritte Welt», über wen trägt sie denn diese «glänzenden Erfolge» davon? «Ohne jeden Zweifel», sagen die Chinesen, «über den sowjetischen Sozialimperialismus». So wird in jedem Abschnitt dieses -Artikels» ausschließlich gegen die Sowjetunion gesprochen, die ihrer Meinung nach der alleinige Urheber aller Übel ist! Doch was sagen sie darin über den amerikanischen Imperialismus? Nicht viel: es wird nur davon gesprochen, dass die Sowjetunion Widersprüche mit den Vereinigten Staaten von Amerika hat. Doch warum bestehen diese Widersprüche, und worin? Der Artikel sagt darüber nichts aus, weil man sich nicht gegen die Vereinigten Staaten von Amerika äußern will! Also verteidigt China die Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist eindeutig, denn liest man die Statistiken über die Investitionen in der «dritten Welt», so wird man feststellen, dass 80 Prozent von den Amerikanern vorgenommen werden, 10 Prozent von der Sowjetunion und 10 Prozent von anderen imperialistischen Mächten! ES bedarf keines Kommentars, um die Verlogenheit des Kampfes der Chinesen zu durchschauen, wenn sie sich «gegen den Imperialismus, gegen den Sozialimperialismus, gegen den Hegermonismus» äußern. Weder in der Theorie noch in der Praxis erläutern die Chinesen diese kapitalen Fragen, denn damit würden sie hereinfallen. So führen sie Formeln an, um kein Risiko einzugehen, und handeln anders, als sie reden.

Gut, das erläutern sie also nicht, doch berühren, erläutern, erwähnen sie auch nur ein bisschen das Problem der Klassen und des Klassenkampfes innerhalb dieser Staaten der sogenannten dritten Welt? Überhaupt nicht, es ist um des Kampfes gegen die Sowjetunion sowie der Verteidigung der Vereinigten Staaten von Amerika lind deren in der Mehrzahl der Staaten der «dritten Welt» herrschenden Cliquen willen völlig von der Bildfläche verschwunden. Doch was sind diese Cliquen für die Chinesen? Sie sind «demokratisch, nationalistisch, frei und souverän», wenn sie auf der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen! Was geschieht mit dem Volk in diesen Ländern, und was müssen jene Menschen dort tun, die leiden, die unterdrückt werden, keine Arbeit haben? Was raten ihnen die Chinesen? Für die Chinesen sind diese Völker Viehherden, ohne Persönlichkeit, sind sie nur Völker der «dritten Welt», die nichts anderes zu tun haben, als das innere und äußere Joch des amerikanischen Imperialismus zu ertragen und gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu kämpfen! «Wir können», sagen die Chinesen, «unter diesem Banner der dritten Welt auch Beratungen veranstalten». «Beginnen wir mit der Bildung», sagt Zulfiqar Ali Bhutto. «Einverstanden», sagen die Chinesen, «morgen machen wir dann auch noch eine über den Umweltschutz.»

Die chinesischen revisionistischen Führer schlittern täglich tiefer in den Abgrund, und das wird so weitergehen. Mit diesen angeblich marxistisch-leninistischen Theorien lassen sich weder die Marxisten noch die Revolutionäre, noch die fortschrittlichen Menschen täuschen. Mit Gewäsch wie: «Die Lage in China ist glänzend», während dort ein Durcheinander besteht, oder: «Die Lage auf der Welt ist glänzend», während die Welt von der Gefahr des imperialistischenKrieges und der Versklavung der Völker bedroht ist, werden die Chinesen ihren Kredit vollkommen verspielen. Doch besser so, als dass Lüge und Revisionismus siegen.

SAMSTAG,

8. JANUAR 1977

DIE CHINESISCHEN REVISIONISTEN GREIFEN HINTERRÜCKS

DIE PARTEI DER ARBEIT ALBANIENS AN

Die Kommunistische Partei Chinas hat hinter dem Rücken unserer Partei eine schmutzige Polemik eröffnet, ohne zuvor ihre Meinungsverschiedenheiten und Widersprüche mit unserer Partei offenzulegend. Sie hat ein Standardmaterial vorbereitet, ruft Vertreter aller möglichen marxistisch-leninistischen Parteien nach Peking und ackert es mit ihnen durch. Dieses Material richtet sich gegen die marxistisch-leninistische Linie unserer Partei im allgemeinen und gegen ihren 7. Parteitag im besonderen.

So revisionistisch, trotzkistisch ist noch nicht einmal Chruschtschow vorgegangen, weder gegen uns noch, soweit wir wissen, gegen die Chinesen. Der Renegat Chruschtschow hat uns angegriffen, attackiert, er hat sich uns entgegengestellt, offen oder brieflich, während die Chinesen so etwas noch nie getan haben.

Wir haben ihnen bei jeder Frage von prinzipieller Bedeutung, in der wir mit ihnen Divergenzen hatten, entweder Briefe geschrieben oder unsere Anschauungen durch Delegationen bekanntgemacht. Unsererseits wurde eine korrekte Haltung eingenommen, wie sie zwischen zwei Bruderparteien üblich ist. Wenn wir mit ihnen nicht einverstanden waren, haben wir ihnen alles offen gesagt, unsere Ansichten verfochten und unsere Meinung nicht geändert. Die Chinesen beantworteten unsere Briefe nicht, und bei einer Reihe von Problemen verfuhr jede Partei nach eigenem Ermessen.

Sie geben vor, sie wollten mit uns «nicht Polemik betreiben» über das, was wir ihnen unterbreitet haben, deshalb hätten sie uns nicht geantwortet. Sie handelten jedoch selbst ihrer Strategie gemäss, und das war ihr «Recht», aber auch wir handelten unserer Strategie und Taktik entsprechend. Doch anscheinend erblickten sie in unserer Strategie und Taktik Angriffe auf die Kommunistische Partei Chinas, also haben auch wir das Recht, die ihren als Angriffe auf die Partei der Arbeit Albaniens zu betrachten.

Es zeigt sich klar, dass die Kommunistische Partei Chinas, die heuchlerisch behauptet, es dürfe keine «Mutterpartei» und «Tochterparteien» geben, wollte, dass die Partei der Arbeit Albaniens blindlings ihrer Linie folgte. Nicht nur das, sie wollte uns auch ihre eigenen Ansichten aufzwingen. Ich sage das, weil sie nicht einmal geruhte, über diese Divergenzen, die unseren beiden Parteien bekannt waren, zu sprechen. Doch wie konnte das geschehen?

Erstens meinen wir, dass sie sich als «Grossmacht» fühlten, die Kommunistische Partei Chinas für eine «grosse Partei» und Mao Tsetung für «einen unfehlbaren Führer» hielten. So waren die Gefühle der «Grossmacht», der «grossen Partei» und des «grossen Führers» en bloc wirksam.

Zweitens fürchtete China, obwohl es «für bilaterale Beziehungen und Gespräche» ist, eine Meinungskonfrontation mit uns. Bilaterale Gespräche «akzeptiert» China, doch es wünscht sie nur insoweit, als es darum geht, sich zu informieren und dann, wo es ihm möglich ist, den anderen Direktiven zu geben.

Drittens meint China, weil es uns einige Kredite gibt, müssten wir uns seinen Ansichten fügen.

Ich möchte ein wenig gründlicher darauf eingehen, warum wir meinen, dass Mao Tsetung und das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas mit uns nicht über die Probleme sprechen wollten, die wir ihnen gegenüber anschnitten und in denen wir Divergenzen mit ihnen hatten. Wir meinen, dass der Grund dafür in den sozialdemokratischen und opportunistischen Ansichten zu suchen ist, die bei Mao Tsetung bestanden. Was dieses Problem angeht, so war es ihm egal, ob entgegengesetzte Meinungen existierten. Doch darüber i hinaus gab es noch einen anderen Grund, nämlich dass die betreffenden Probleme andere Probleme im Zusammenhang mit der Generallinie unserer Partei, ihrer Partei und der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) hätten aufbrechen lassen.

Sie machen uns einige haltlose Vorwürfe, zum Beispiel, wir seien für die Thesen der chruschtschowschen «friedlichen Koexistenz», hätten den Stalinkult attackiert, später aber diese Kritik getilgt, für uns gebe es «nur die eine Möglichkeit - dass der Krieg verhindert wird», und andere solche Aussagen, die sich weder durch die Handlungen unserer Partei noch durch ihre schriftlichen Dokumente belegen lassen. Doch an diesen haltlosen vorwürfen, die sie vorbringen, erweist sich etwas anderes, für China und die kommunistische Weltbewegung sehr Kritisches und sehr Wichtiges. Unserer Meinung nach erweist sich, dass Mao Tsetung und das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas nach Stalins Tod, während der chruschtschowschen Umtvandlungen, bis zum 20. Parteitag, sozusagen eroe gewisse Befriedigung dahingehend empfanden, dass «wir (die Chinesen) von nun an in unseren inneren Angelegenheiten und auf internationaler Ebene mehr Handlungsfreiheit haben». Dies ist unser Eindruck, wie wir ihn sowohl aus den Gesprächsbeiträgen als auch aus den späteren Thesen Mao Tsetungs gewannen, wonach angeblich «Stalin den Chinesen und a11en anderen marxistisch-leninistischen Parteien die Ansichten der Bolschewistischen Partei aufzwang». Also waren, laut Mao, zur Zeit Stalins alle marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt gezwungen, die Sowjetunion und ihre Linie zu unterstützen, standen sie im Dienst der Bolschewistischen Partei und fühlten sich nicht als selbständige marxistischleninistische Parteien. Dies behauptete Mao Tsetung persönlich auf der Moskauer Beratung 1957. Außerdem schnitt Mao Tsetung auf dieser Beratung die Frage an, dass «wir alle, die kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt, also das Lager des Sozialismus, ein Haupt haben müssen, und dieses Haupt muss die Sowjetunion sein». Diese These unterbreitete und verfocht Mao Tsetung auf der Moskauer Beratung, während Chruschtschow so tat, als stehe ihm danach nicht der Sinn. Wir müssen zugeben, dass auch wir, auch die anderen diese These vertraten. Doch Genosse Mao Tsetung mit all seiner grossen Autorität sagte auch noch etwas anderes: -Chruschtschow ist ein hervorragender Marxist-Leninist, ein grosser Führer der Sowjetunion», «mit Chruschtschow kann man reden und vorankommen» während man bei Stalin, das wollte er damit sagen, in «Habtachtstellung» zu verharren hatte.

Ebenso unterstützte Mao Tsetung Chruschtschow - und das

haben wir mit eigenen Ohren gehört - vorbehaltlos, als er die sogenannte parteifeindliche Gruppe Molotows und seiner Genossen liquidierte. All diese Fakten zeigen also, dass Mao Tsetung voll und ganz für die revisionistische Linie und die putschistischen, entwürdigenden und verschwörerischen Akte gegen die (bolschewistische) Kommunistische Partei, gegen Stalin, gegen die Sowjetunion war.

Unsere Partei nahm nicht diese Positionen Mao Tsetungs oder der Kommunistischen Partei Chinas ein. Nach Stalins Tod meinten wir, jemand anders werde an die Spitze der Partei kommen, und, nebenbei gesagt, wir dachten dabei an Molotow. Genau nach dem Tod Stalins kamen wir in Konflikt mit der neuen Führung der Sowjetunion, mit Malenkow, Bulganin, Chruschtschow, Mikojan und anderen. Drei, vier Monate nach dem Tod Stalins griffen sie uns unverschämt und scharf an, beschuldigten uns, wir verstünden es nicht, die geringen Kredite, die sie uns gegeben hatten, zu nutzen und jene wenigen Industriewerke zu bauen, die wir in Wirklichkeit fristgerecht errichteten, weil wir für den Vormarsch des Sozialismus in unserem Land arbeiteten.

Wir nahmen an den Beratungen der kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau teil, doch wir gingen nicht mit den Anschauungen Mao Tsetungs dorthin. Wir äußerten uns nicht gegen die Sowjetunion, solange die Bedingungen noch nicht reif waren, doch in uns nagten grosser Kummer und Zweifel an ihrer Führung. Sie zeigte sich nicht entschlossen, befand sich in Konfusion. Wir witterten die Widersprüche, die in ihrem Innern, unter den Führern bestanden, besonders was die Linie Stalins anbelangte, wussten aber nichts darüber.

Unserer Meinung nach wusste Mao Tsetung von diesem Zustand, und er muss mit der Linie und dem Vorgehen Chruschtschows gegen Stalin und die Linie der Bolschewistischen Partei einverstanden gewesen sein. Mao Tsetung hatte von Chruschtschow wohl auch Zusicherungen über Wirtschaftshilfe und politische Hilfe auf internationaler Ebene erhalten, ebenso über Militärhilfe, einschließlich des Geheimnisses der Atombombe. Chruschtschow, so meinen wir, hat diese Zusicherungen gegeben, und für eine gewisse Zeit schienen die Dinge gut zu laufen, doch er war ein Betrüger.

Auch Mao hatte, so meinen wir, seine eigenen Absichten. Mao (das sind natürlich Vermutungen) stellte sich nach Stalins Tod, auch wenn er sagte, Chruschtschow sei «ein grosser Mann», selbst über Chruschtschow und meinte, ihm als «grossem philosophischem Kopf» und Führer des bevölkerungsreichsten Landes der Welt stehe der Platz hinter Lenin zu. Obwohl er sagte: «An der Spitze des Lagers muss die Sowjetunion stehen», meinte er in Wirklichkeit doch, es müssten mindestens zwei sein: China und die Sowjetunion, einer de jure, doch de facto zwei, die auf der Welt das Gesetz zu machen hätten.

Wir hielten den 7. Parteitag ab, und die Partei der Arbeit Albaniens äußerte ihre Ansichten, wie sie sie für richtig hielt, während die chinesische Führung sauer wurde und den tragischen Fehler beging, unseren Parteitag auf eine verwerfliche Weise anzugreifen, im Widerspruch zu den Normen, die für die Beziehungen zwischen marxistisch-leninistischen Parteien gelten. Zu Lebzeiten Maos und Tschous hatten wir interne Widersprüche, doch sie waren nicht bereit, sie zu diskutieren, oder beharrten auf ihrer Meinung, während wir, weil wir nicht anders konnten, bei der unseren blieben. Das war ihrerseits eine opportunistische Taktik, doch diesen antimarxistischen Fehler, den die chinesischen Führer jetzt begehen, machten sie damals nicht, weil sie erstens wussten, dass unsere Anschauungen unerschütterlich waren, und weil zweitens die Partei der Arbeit Albaniens mit ihrer richtigen Linie die Kommunistische Partei Chinas und China in den schwierigsten Augenblicken, die sie erlebten, verteidigte, etwa auf der Bukarester Beratung und auf der Beratung der 81 Parteien in Moskau sowie auch später während der Grossen Proletarischen Kulturrevolution.

Warum machten Hua Guo-feng und Konsorten diesen Fehler? Weil ihre Politik Schlappen erlitten und innerhalb und außerhalb Chinas grosse Konfusion hervorgerufen hat. Wir konnten Huas Vorgehen innerhalb Chinas nicht verteidigen - weil wir gute Gründe hatten, es nicht zu unterstützen und weil wir uns noch nicht im klaren darüber sind, was in China vor sich geht. Chinas außenpolitische Haltung schwächte seine Positionen. Das Vorgehen der heutigen Führer bedeutete einen indirekten Angriff auf Mao, während

Deng, der einmal rehabilitiert worden war und wieder gestürzt wurde, nun wieder die Szene betrat, um sich seine verlorenen Posten zurückzuholen.

In letzter Zeit tauchte auch die Frage der «Vier» auf, die auf einer schmutzigen, persönlichen und nicht auf politischer und ideologischer Ebene angegriffen wurden. Die Kulturrevolution wird nun höchstens noch erwähnt, sie wurde verdunkelt und faktisch liquidiert. Alle diese Ereignisse bewirkten, dass bei den Marxisten-Leninisten der Welt grosse Zweifel an der Kommunistischen Partei Chinas zu entstehen begannen. Mao Tsetung und Tschou En-lai, die zu manövrieren wussten, starben, und China trieb ins Chaos. Doch warum? Weil seine Linie keine korrekte marxistisch-leninistische Linie gewesen ist. In der Partei herrschten zwei oder mehr Linien, gab es Fraktionen, die einander bekämpften, usw.

In dieser Situation trat der 7. Parteitag unserer Partei zusammen, auf dem über 40 Parteien durch Delegationen vertreten waren oder Solidaritätstelegramme schickten. Die Chinesen sahen in dieser internationalistischen Solidarität sicherlich eine Herausforderung und eine Schlappe für sich selbst, denn vieles lief ihren Thesen zuwider. Unsere prinzipienfeste Haltung hob die Autorität der Partei der Arbeit Albaniens in der internationalen kommunistischen Bewegung und auf der Welt. Deshalb begannen die jetzigen Führer Chinas, in der Einschätzung, dass die Situation schwierig für sie ist, hinterhältig mit dem feindseligen, trotzkistischen Angriff auf unsere Partei. Sie riefen einen Vertreter der marxistisch-leninistischen kommunistischen Pürrteien nach dem anderen nach Peking, angefangen bei der Hills in Australien über die von Jurquet in Frankreich bis hin zu denen Lateinamerikas. Während sie uns in einer unadressierten Note, ohne Briefkopf, lakonisch erklärten: «Auf dem 7. Parteitag sind die Linie und die Strategie Mao Tsetungs angegriffen worden»! Natürlich antworteten wir den Chinesen ausführlicher, als sie uns geschrieben hatten, und verlangten von ihnen eine Erklärung, wo und weshalb wir die Strategie Mao Tsetungs angegriffen haben sollen.

In dem besagten Standardmaterial entstellen die chinesischen Revisionisten die Wahrheit, die in unseren Materialien, unseren Dokumenten festgehalten ist, etwa in unseren Briefen an sie über die Grenzfragen mit der Sowjetunion, über ihren Vorschlag, nach dem Sturz Chruschtschows nach Moskau zu fahren, über Nixons Reise nach Peking, über Kossygins Treffen mit Tschou En-lai usw. Von unseren Briefen an die Chinesen existieren Kopien. Pech für sie, «verba volant, scripta manent»*. *( Worte verwehen, Schriften bleiben (lat. im Original) Diese Briefe entlarven ihre Verleumdungen, Betrügereien, Entstellungen und Absichten, sie zeigen auf, warum sie diese feindlichen, antimarxistischen und konterrevolutionären Handlungen unternommen haben. Mit Betrügereien lassen sich ihre Absichten nicht verhüllen. Die Meinungen und Handlungen unserer Partei im Zusammenhang mit den genannten Problemen waren nicht nur damals richtig, das Leben hat auch gezeigt, dass sie heute noch richtig sind, und wir sind der Ansicht, dass sie auch morgen noch richtig sein werden. Die Tatsachen sind hartnäckig, und sie bestätigen unsere marxistisch-leninistischen Thesen. Die Demagogie, derer sich die chinesischen Revisionisten bedienen, ihre Behauptung, sie stützten ihr Vorgehen gegen das sozialistische Albanien auf leninistische theoretische Grundlagen, all das ist nutzlos, taugt nicht dazu, ihre revisionistische und opportunistische Fratze zu verbergen. Unsere Widersprüche zu den chinesischen Revisionisten sind prinzipieller Art, umsonst behaupten sie, unsere Analysen seien «schwach», «unfundiert», nur sie allein analysierten die internationale politische Situation «objektiv».

Die Hauptsache für die Chinesen ist, den Leuten im stillen Kämmerlein einzureden, die Vereinigten Staaten von Amerika seien wirtschaftlich und militärisch schwächer geworden, ihre Schulden im In- und Ausland hätten erheblich zugenommen, ihr Zustand sei sogar schon so weit gediehen, dass die anderen kapitalistischen Länder in den Vereinigten Staaten von Amerika investieren, und diese seien nicht mehr so stark wie früher. Dies ist eine falsche, haltlose Analyse, mit der etwas bewiesen werden soll, was sich nicht beweisen lässt. Sie wollen beweisen, die Vereinigten Staaten von Amerika seien nicht mehr aggressiv, sie versuchten nur das zu erhalten, was sie erworben haben, sie wollten den Status quo wahren, deshalb sei für die Welt «der Hauptfeind der sowjetische Revisionismus, der nach Expansion strebt». Das ist eine der Thesen der Chinesen, eine der Hauptthesen. Sie werfen uns vor, wir unterzögen die internationale Lage und die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten nicht einer marxistisch-leninistischen Analyse und folgten deshalb nicht dem Weg der Chinesen, das «Vereinte Europa», die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und das Weltproletariat dazu aufzurufen, sich allesamt gegen die Sowjets zu vereinigen. Daraus haben sie ihre «Schlussfolgerung» gezogen» dass wir angeblich den sowjetischen Sozialimperialisimus begünstigen! Dies ist nicht nur eine revisionistische These im antirevisionistischen Gewand, sondern auch feindselig und verleumderisch uns gegenüber.

Der amerikanische Imperialismus ist aggressiv, kriegslüstern und kriegstreiberisch, und eine These, die das Gegenteil besagt, hält den Tatsachen nicht stand. Die Stützpunkte der Amerikaner, die Kredite der Amerikaner, ihre gewaltige Aufrüstung, die proamerikanischen Cliquen, die überall ans Ruder gebracht wurden, all das beweist, dass die amerikanischen Imperialisten nicht nur den Status quo erhalten wollen, sondern auch nach Expansion streben. Andernfalls gäbe es keinen Grund, warum zwischen ihnen und der Sowjetunion so tiefe Widersprüche bestehen sollten. «Die Sowjetunion will den Krieg», sagen die Chinesen, «die Vereinigten Staaten von Amerika hingegen nicht.» Und sie geben zu verstehen, dies zeige das Maowort: «Die Vereinigten Staaten von Amerika sind wie eine Maus geworden und die ganze Welt schreit auf der Strasse: schlagt sie tot,, schlagt sie tot.» Daran sieht man auch die Schonung, die sich die Chinesen auferlegen, und das kommt einem indirekten Aufruf gleich, einem Staat wie den Vereinigten Staaten von Amerika, der inzwischen angeblich zur Maus heruntergekommen ist, ja keine Schläge zu versetzen.

Ist diese Strategie Maos etwa eine marxistische Strategie?

Die «euf der marxistisch-leninistischen Analyse basierende» Strategie Mao Tsetungs hat definitiv festgelegt, dass «die Rivalität zwischen den beiden Supermächten in Europa besteht». Merkwürdig! Warum besteht sie nicht auch an irgendeinem schwächeren Punkt auf der Welt, wo die Sowjetunion nach Expansion strebt, etwa in Asien, in Afrika, in Australien oder Lateinamerika?! Es lag schon immer in der Tradition der Kolonisatoren, sich die schwächsten Punkte vorzunehmen. Auch die Raubkriege entfesseln die Imperialisten im Kampf um Hegemonie, um neue Märkte, um die Neuaufteilung der Welt. Besteht die Hauptrivalität etwa nicht zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der revisionistischen Sowjetunion? Mithin, so die Chinesen, werden diese beiden Supermächte, von denen die eine den Status quo und die andere Expansion will, schließlich in Europa den Krieg auslösen, so wie zur Zeit Hitlers, denn auch dieser wollte Expansion. Doch um das zu erreichen, musste Hitler Frankreich, England und die Sowjetunion bezwingen. Deshalb begann er den Krieg in Europa und nicht anderswo. Stalin ging mit England und den Vereinigten Staaten von Amerika erst ein Bündnis ein, als Deutschland die Sowjetunion schon überfallen hatte und nicht vorher. Die Chinesen jedoch benutzen die Taktik, die Stalin unter diesen Bedingungen einzuschlagen gezwungen war, als Argument, um zu sagen: Warum sollten nicht auch wir uns in diesem künftigen Krieg auf die Vereinigten Staaten von Amerika stützen?

All das belegt nicht die These der Chinesen in bezug auf die Bündnisse, die sie predigen, es belegt das Gegenteil. Als das Deutschland Wilhelms II. Frankreich und England angriff, predigte die II. internationale die «Vaterlandsverteidigung», also die Verteidigung des bürgerlichen Vaterlandes. Das galt sowohl für die deutschen Sozialisten als auch die französischen, obwohl der Krieg von beiden Seiten aus imperialistischen Charakter trug. Wie Lenin dies verurteilte und was er gegen die imperialistischen Kriege und über ihre Umwandlung in den Bürgerkrieg sagte, ist bekannt. Wenn sich die Chinesen heute für die Verteidigung des «Vereinten Europa» stark machen, so tun sie nichts anderes als die II. Internationale. Sie hetzen zum künftigen Atomkrieg, den die beiden Supermächte zu entfesseln suchen, und obwohl dieser Krieg zwischen den beiden Supermächten nichts als ein imperialistischer Krieg sein kann,, richten sie «patriotische» Aufrufe an die Völker Westeuropas, an sein Proletariat, die «Kleinigkeiten», die zwischen ihnen und der Bourgeoisie stehen, beiseite zu schieben (diese «Kleinigkeiten» sind Unterdrückung, Hunger, Streiks, Morde, Arbeitslosigkeit, die Unantastbarkeit der Macht der Bourgeoisie), sich mit der NATO, mit dem «Vereinten Europa», mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft der Großbourgeoisie der Konzerne zusammenzuschließen und gegen die Sowjetunion zu kämpfen, zum Kanonenfutter für die Bourgeoisie zu werden.

Besser hätte auch die II. Internationale nicht Propaganda betreiben können!

Was aber empfiehlt China den Völkern der Sowjetunion und der anderen revisionistischen Länder, die zum Warschauer Pakt und zum RGW gehören? Nichts! Durch sein Schweigen bedeutet es ihnen: «Haltet aus, kämpft und vergießt euer Blut für die blutrünstige Kremlclique!» Ist das eine leninistische Haltung?! Nein! Diese Linie der Kommunistischen Partei Chinas ist antiproletarisch,, kriegstreiberisch.

Die Chinesen sind nicht dafür, einen Zweifrontenkrieg gegen die beiden imperialistischen Supermächte zu führen, um deren Raubkriegspläne zu durchkreuzen; sie wollen nicht, dass darauf hingearbeitet wird, den Krieg, sollte er ausbrechen, in einen Bürgerkrieg, in einen gerechten Krieg zu verwandeln. Wir halten uns genau an diese leninistische Lehre, deshalb werfen uns die Chinesen vor, wir hätten Illusionen über den Frieden und leiteten Wasser auf die Mühlen der Sowjets ! !

Die Chinesen unterstellen uns, wir überschätzten die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Sowjetunion und unterschätzten die Widersprüche zwischen ihnen. Ebenso sagen sie: «Die Albaner betonen, beide Supermächte, die eine wie die andere, seien gleichermaßen gefährlich.» Das erste stimmt nicht, das zweite dagegen ist absolut wahr. Nicht nur, dass wir die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten kennen und richtig beurteilen, wir kämpfen auch, damit sie weiter vertieft werden. In allen unseren Dokumenten werden diese Probleme richtig bestimmt.

Die Chinesen reden nicht viel von der Tatsache, dass sich die beiden Supermächte vollkommen einig sind, wo es gegen den Sozialismus, den Kommunismus und die Befreiung der Völker geht. Mit ihren Verleumdungen, ihren Sophismen können die Chinesen weder vertuschen, dass sie den Marxismus-Leninismus revidiert haben, noch der richtigen Linie und den richtigen Auffassungen unserer Partei etwas anhaben. Die Chinesen erklären offen, dass die Amerikaner ihnen sagen: «Seht euch vor, die Sowjetunion wird euch überfallen.» Das heisst: «Habt keine Angst vor uns Amerikanern, ihr C'hinesen, denn euer Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika ist auf einem guten Weg.» Und aufbauend auf dieser Empfehlung verfolgen die Chinesen eine «.geniale» Politik: «Sagen wir der Sowjetunion, sie solle Europa angreifen, damit schwächen wir indirekt auch die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten, und so siegen wir»! Chinesiaden!

Noch eine andere wichtige Sache: Um ihre Hetze zum künftigen imperialistischen Krieg zu verschleiern und ihre These vom «Vereinten Europa» zu verteidigen, versuchen die Chinesen Lenins klaren Gedanken, den wir auf dem 7. Parteitag unserer Partei im Zusammenhang mit dem «Vereinten Europa» zitiert haben, zu Fall zu bringen. Sie behaupten, dass die Albaner, wenn sie sich auf Lenin berufen, um die These vom «Vereinten Europa» zu widerlegen, «ins Leere stossen, hat sich doch Lenin dabei gegen eine europäische Föderation zwischen Russland, Usterreich, England, also Imperialisten, ausgesprochen». Und sie setzen hinzu: «Wir (die Chinesen) beziehen uns auf die Vereinigung der Länder Westeuropas.» Das heisst, für die Chinesen sind die kapitalistischen Länder Westeuropas nicht reaktionär! Doch diese «Vereinigten Staaten von Europa» sagen selbst jeden Tag, dass sie, wenn sie sich zusammenschließen, zwangsläufig zu einem imperialistischen Ganzen werden. Und was sind das für Staaten? Es sind eben die, von denen die Chinesen sagen, sie seien «so mächtig geworden, dass sie sogar in den Vereinigten Staaten von Amerika investieren»!

In den Beziehungen der Kommunistischen Partei Chinas zu den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt ist alles verlegen, demagogisch. Die Chinesen unterhalten mit diesen Parteien keine aufrichtigen Verbindungen. Verbindungen unterhalten sie nur mit ihren Lakaien, mit denen, die sich ihren antimarxistischen Grundsätzen fügen. Den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien auf der Welt geben sie klar zu verstehen, dass es keine internationalistische Hilfe und auch keinen proletarischen Internationalismus gibt. Gerade dieser antimarxistischen Grundidee entspringen alle ihre Theorien: über die «bilateralen Treffen», die sie nur insoweit «wünschen», als es darum geht, den anderen Parteien, die widersprechen, eine Gehirnwäsche zu verpassen. Die Chinesen vermeiden Beratunaen vieler Parteien, da sie, ihrer Aussage nach, die Einheit der marxistisch-leninistischen Bewegung nicht etwa stärken, sondern vielmehr spalten und die Meinungsverschiedenheiten vermehren.

Absurd! Antimarxistisch! Mit dieser Linie stellen sic sich gegen die Einheit der internationalen Bewegung des Proletariats.

Die Chinesen laden 'keine Delegationen zu ihren Parteitagen ein und schicken auch keine eigenen Delegationen zu den Parteitagen der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien. Auch die Gründe, die sic für diese ihre Haltung anführen, sind absurd! In Wirklichkeit wollen sic mit all dem verdecken, dass ihre Linie faul ist, dass es ihrer Parteiarbeit in jeder Hinsicht an Leninismus fehlt. So wollen sic auf diesen Versammlungen keine anderen Parteien, die über sic ein Urteil fällen könnten. Die bilateralen Beratungen dienen ihnen nur dazu, Informationen einzuholen, und die Abteilung Internationale Verbindungen ihres Zentralkomitees ist nichts als ein Kontor des Sicherheitsdienstes. Geht es nach den Chinesen, dann darf jede Partei getrost kämpfen, wie sic es versteht, und sic versäumen es nicht, diese Idee mit irgendeinem «marxistischen» Zitat zu «illustrieren». Doch ebenso wenig versäumen sic es, den anderen Parteien zu bedeuten: «Arbeitet so, wie wir es euch sagen.»

Die Chinesen erkennen jede Partei und jede Gruppe an, die sich selbst «marxistisch-leninistisch» oder besser maoistisch nennt. Das bedeutet, die wirklich marxistisch-leninistischen Parteien zu spalten, Konfusion, Fraktionen zu schaffen, die internationalistische marxistisch-leninistische Einheit und die Stäbe der Revolution zu schwächen.

«Die diplomatische Unterstützung», sagen die Chinesen, «unterstützt die Revolution.» So müsste es sein, doch bei den Chinesen war und ist es nicht so. Wir haben ihnen früher gesagt: «Ihr müsst diplomatische Beziehungen zu den Staaten der Welt unterhalten und dürft nicht in der Isolation verharren», doch sic haben unserer Ansicht widersprochen und uns die «Taiwanfrage» vorgehalten, die Bedingung, dass die verschiedenen Staaten erst Volkschina anerkennen müssten, che sic diplomatische Beziehungen mit ihm aufnehmen könnten. Wir kämpften in der UNO so lange für China, bis es aufgenommen wurde, doch die chinesischen Führer wünschten diese Aufnahme gar nicht, denn Tschou En-lai hatte öffentlich den Wunsch geäußert, seine eigene, neue UNO zu schaffen. Wir waren gegen diese Idee, doch sic reden von dem, was sic gestern getan haben, heute nicht mehr. Wir schlugen ihnen vor, die diplomatischen Beziehungen zur Suharto-Regierung in Indonesien abzubrechen, die China auch als Staat erniedrigte. doch sic taten es nicht. Genauso wenig ist. ihre Diplomatie mit Pinochet und Franco zu rechtfertigen! Warum nehmen sie denn dann nicht auch zu Israel Beziehungen auf? Etwa, weil es ein Aggressor ist? Und was ist Pinochet, der in Chile das Volk, die Proletarier, die Kommunisten und die fortschrittlichen und freiheitsliebenden Menschen unterdrückt und mordet?

«Die Partei der Arbeit Albaniens ist nicht mit uns einverstanden, wenn wir das Feuer auf die Sowjetunion konzentrieren», sagen die Chitiesen. Das ist eine Verleumdung. Wir sind gegen ihre Haltung, weil sic das Feuer nicht gleichermaßen auch auf die Vereinigten Staaten von Amerika konzentrieren. Wir sind dafür, dass das Feuer im gleichen Nass wie auf die Sowjetunion auch auf die Vereinigten Staaten von Amerika konzentriert wird. Warum erklären die chinesischen Führer niemals laut und deutlich, dass die Sowjetunion auch China angreifen kann, so wie sic das für Westeuropa behaupten? Doch die Chinesen sagen nur: «Die Sowjetunion wird Europa angreifen.» Und warum fühlen sic sich an ihren Ostgrenzen so sicher? Wir haben das Recht, diese Frage aufzuwerfen und dieses Problem zur Diskussion zu stellen.

Wenn die marxistisch-leninistischen Parteien Lateinamerikas das Feuer auf die Vereinigten Staaten von Amerika konzentrieren, so richten sic es zugleich auch gegen die herrschenden Generalscliquen in ihren Ländern und gegen die revisionistische Sowjetunion - China dagegen tut das nicht! Einen Feind erkennt es an, zwei unterschätzt es! Chinas Strategie gründet also weder auf der Wirklichkeit, noch auf den marxistisch-leninistischen Prinzipien.

Den Personenkult. wem er auch gelten mag, haben wir verurteilt und verurteilen ihn auch jetzt. Wir stellen uns in dieser Frage auf den Standpunkt von Marx. und deshalb gibt es bei uns in der Führung marxistisch-leninistische Einheit. gibt es marxistisch-leninistische Liebe. Aufrichtigkeit. Achtung für die Genossen. beruhend auf der Arbeit und der Treue jedes einzelnen zu den Prinzipien der Partei. Idolatrie* *( hier: übertriebene Verehrung.) gibt es bei uns nicht. bei uns ist vor allem anderen von der Partei die Rede, und von Enver wird gerade so viel geredet, wie es die Interessen der Partei und des Landes erfordern. Und wenn es an der Basis und bei den Massen manchmal Übertreibungen gibt, haben wir, das Zentralkomitee, die Parteiführung und ich persönlich, soweit es mir möglich ist und soweit man in dieser Hinsicht auf mich hört, immer Maßnahmen ergriffen, und wir werden dies weiter tun, damit die Dinge ihren richtigen Gang nehmen.

Bei den Verleumdungen und Unterstellungen der Kommunistischen Partei Chinas gegen unsere Partei, wir hätten uns «der Linie der chruschtschowschen friedlichen Koexistenz angeschlossen» usw., will ich mich nicht lange aufhalten. Der ganze Kampf unserer Partei, alle ihre Dokumente und Schriften beweisen das Gegenteil von den chinesischen Vorwürfen, die Linie der Kommunistischen Partei Chinas dagegen ist gleich wie die der Chruschtschowianer gewesen. Warum gab es bei dieser Partei der Chinesen Zickzack in der Linie? Auch das hat seine Gründe, die ich bereits in anderen Schriften erläutert habe.

Was die Theorie der «drei Welten» anbetrifft, so haben wir sie auf dem Parteitag analysiert und betrachten sie, wie wir gesagt haben, als eine fiktive, nicht klassenmäßige, nicht marxistische Einteilung. Maos These und die Versuche der 'Chinesen, diese Benennung unter Hinweis auf eine Analyse Lenins ohne Herkunftsangabe angeblich von der theoretischen Seite her zu analysieren, erfüllen ihren Zweck nicht. Lenin hat die internationale Lage nach dem Ersten Weltkrieg und später analysiert, doch er hat geschrieben, es gebe zwei Welten: «die kapitalistische Welt und unsere Welt, die sozialistische Welt». Die Chinesen sagen: «Da die Sowjetunion und einige ehemals sozialistische Länder Verrat begangen haben und zu kapitalistischen Ländern geworden sind, ist das sozialistische System verschwunden»! Nein, das sozialistische System ist nicht verschwunden, es existiert und schreitet voran in den wahrhaft sozialistischen Ländern wie der Sozialistischen Volksrepublik Albanien, die dem Marxismus-Leninismus treu bleiben. Doch auch wenn kein einziger sozialistischer Staat mehr übrig geblieben wäre, stünde .Lenins These unerschütterlich. Auch dann würden im Kampf, in der Revolution zwei Welten geschaffen werden, also existieren.

Wir und alle marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien untersuchten und untersuchen die internationale Lage im Lichte der Analysen Lenins und seiner Theorie. Während des Krieges und auch nachher haben wir die internationale Situation gründlich studiert. Auf jedem unserer Parteitage haben wir das Kräfteverhält.2is auf der Welt analysiert, denn dies ist absolut notwendig, will man nicht im Dunkeln tappen. Eine Partei oder ein - sozialistischer oder nichtsozialistischer - Staat taumelt, wenn er die internationale Lage nicht analysiert, in den Abgrund. Doch die Welt in mehrere Welten einzuteilen, diese mit arabischen oder römischen Ziffern zu versehen, sich selbst in eine von ihnen zu integrieren und diese imaginäre Einteilung auch den anderen aufzwingen zu wollen - das ist unannehmbar. Wie kann sich ein sozialistisches Land mit der :«dritten Welt» identifizieren, also mit Ländern, in denen Ausbeuterklassen und Unterdrückung herrschen, wie kann es sich in eine Reihe mit den Königen und Schahs stellen, wie die Chinesen selbst bekennen, wenn es den Völkern dieser Länder Hilfe und Unter

stützjung auch geben !kann, ohne sich selbst in diese «Welt» einzubeziehen und ohne die Welt dreizuteilend? Unser Standpunkt ist weder einseitig noch zweideutig, wie uns die Chinesen vorwerfen, sondern leninistisch und entspricht der Wirklichkeit. Wir helfen mit der klassenmäßigen Analyse der Lage und der richtigen Klassenhaltung in erster Linie .den Völkern, dem Proletariat, der Freiheit, der Unabhängigkeit und der wirklichen Souveränität der Völker und ganz ausgesprochen nicht den Staaten, in denen Könige, Schahs und reaktionäre Cliquen herrschen. Wir helfen den Völkern und jenen demokratischen Staaten, die sich wirklich vom Joch der Supermächte befreien wollen. Wir betonen, dass diese Aufgabe nicht richtig und auf klassenmäßigem Weg erfüllt werden !kann, wenn man nicht auch die Schahs, die Könige und die internationalen Konzerne bekämpft. Die Chinesen irren, wenn sie diesen Kampf so verstehen und meinen, sie lösten dieses verwickelte Klassenproblem, indem sie in dieser imaginären Welt aufgehen, einer Welt, die weder Kopf noch Fuss hat, die man vielmehr als Staatengruppierung mit unterschiedlichen Regimen und unterschiedlicher Politik betrachten kann. Nicht alle diese Staaten sind, wie die Chinesen behaupten, für den Befreiungskampf, gegen die «zweite» oder die «erste Welt», und auch nicht für den Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus oder den sowjetischen ,Sozialimperialismus .

Die Strömung der Völker der Welt geht dem Befreiungskampf, der Revolution, dem Sozialismus entgegen, doch dies kann nicht der Weg der Cliquen jener Staaten der «dritten Welt» sein, die man alle in einen Topf geworfen hat. Als Teil dieser «dritten Welt» versteht sich auch China selbst, so wie sich Tito der «blockfreien» Welt zurechnet. Beide Seiten sind bemüht, sich beim Verkauf von «Eintrittskarten» für ihre jeweilige Welt den Rang abzulaufen.

Der Standpunkt, den wir bei unserer Analyse einnehmen, baut auf der klassenmäßigen Einteilung der Welt durch Lenin auf. Diese Analyse .hindert uns nicht daran, gegen die beiden Supermächte zu kämpfen und allen Völkern und Staaten, die nach Befreiung streben und Widersprüche zu den beiden Supermächten haben, zu helfen. Kann sein, dass wir auch dem einen oder anderen König oder Fürsten helfen, wenn es die Situation und das Interesse des Volkes des betreffenden Landes erfordern, doch die Prinzipien der sozialistischen Ordnung, ihre Klassennatur zu verhehlen, den Marxismus-Leninismus und die ideologischen und politischen Normen der Partei des Proletariats zu verheimlichen und zu entstellen, das ist antimarxistisch, ist Betrug und Heuchelei. Die Partei der Arbeit Albaniens hat dies nie getan und wird es nie tun, denn das wäre ein unverzeihliches Verbrechen an ihrem eigenen Volk, an den anderen Völkern, am Weltproletariat und an der Weltrevolution.

SONNTAG,

16. JANUAR 1977

WARUM DIESE VARIATIONEN IN DER CHINESISCHEN

STRATEGIE?

Ich möchte nun in diesen Aufzeichnungen einige Gedanken Über ein paar der haltlosen und trotzkistischen Kritiken niederlegen, die die Kommunistische Partei Chinas bei Treffen mit Genossen verschiedener marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien der Welt hinter dem Rücken der Partei der Arbeit Albaniens an dieser geübt hat. Die Chinesen rufen sie nach Peking oder in ihre Botschaften in verschiedenen Ländern der Welt und behandeln mit ihnen, entsprechend ihrer eigenen Strategie und Taktik, Probleme der internationalen Politik und deár kommunistischen Weltbewegung. Bei einigen dieser Probleme befinden sie sich in flagrantem Gegensatz zur Strategie und zur Linie unserer Partei.

Doch heute möchte ich auf die Frage eingehen, die die chinesischen Führer mit der Behauptung aufgeworfen haben, es sei ein antichinesischer Standpunkt, wenn wir sagen, man dürfe sich nicht auf einen Imperialismus stützen, um einen anderen Imperialismus zu bekämpfen.

Die chinesischen Revisionisten verlangen von jeder marxistischleninistischen Partei, dass sie getreulich den verschiedenen Varianten ihrer Strategie folgt. Auf ihrem 8. Parteitag richtete die Kommunistische Partei Chinas ihre Strategie darauf aus, alle Kräfte zusammenzuschließen,, mit denen ein Zusammenschluss möglich war, und mit der Sowjetunion an der Spitze einen scharfen, ununterbrochenen Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus zu führen.

Später, auf dem 9. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas, änderte sich ihre Strategie. Sie verlangte nun, dass man mit aller Kraft und gleichzeitig sowohl gegen den amerikanischen Imperialismus als auch gegen den sowjetischen Sozialimperialismus als die wütendsten Feinde der Völker zu kämpfen. Auf diesem Parteitag wurde auch gesagt, man müsse so kämpfen, dass sowohl dem amerikanischen Imperialismus als auch dem sowjetischen Sozialimperialismus das Grab geschaufelt werde.

Auf dem 10. Parteitag änderte sich diese Strategie erneut, und man ging vom Kampf an beiden Fronten zum Kampf an einer Front über. Im sowjetischen Sozialimperialismus sah man den grüssten Feind der Menschheit, während der amerikanische Imperialismus ins zweite Glied rückte. Wir können also feststellen, dass auf jedem Parteitag eine neue Strategie auftaucht. Die Strategie unserer Partei bleibt dagegen unverändert, unsere Linie ist: es gibt zwei Hauptfeinde der Völker, des Sozialismus und des Kommunismus - den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus mit allen ihren Verbündeten, der reaktionären Grossbourgeoisie.

Unsere Schlussfolgerung, dass man sich nicht auf einen Imperialismus stützen kann, um einen anderen zu bekämpfen, ist also die Konsequenz aus der unbeirrbaren Strategie der Partei der Arbeit Albaniens. Diese unbeirrbare und beständige Strategie unserer Partei auf dem marxistisch-leninistischen Weg nennen die Chinesen eine antichinesische Strategie! Doch warum nennen sie sie eine antichinesische Strategie? Daran ist etwas Wahres: die Chinesen stützen sich auf den amerikanischen Imperialismus gegen den sowjetischen So7ialimperialismus.

Ich meine, das Sichtstützen der Chinesen auf den amerikanischen Imperialismus ist nicht etwa fiktiv. Seit Tschou En-lais und später Maos Treffen mit Kissinger, Nixon, Schlesinger und einer ganzen Masse von Spezialistengruppen des amerikanischen Senats, der amerikanischen Großfinanz und Schwerindustrie hat sich bestätigt, dass dieses Sichtstützen real ist.

Natürlich machten sich die beiden Seiten, als sie die Gespräche begannen, gegenseitig Zugeständnisse. Das Ziel des amerikanischen Imperialismus ist, China auf seine Seite zu bringen, zu verhindern, dass es sich auf die Seite der Sowjetunion stellt. Natürlich hat auch China seine eigenen Absichten: es möchte zur Supermacht und zum Gegengewicht gegen die beiden anderen Supermächte werden. Dazu braucht es jedoch Zeit, Mittel, moderne Waffen, und die Kommunistische Partei Chinas hat sich dabei, wie sich nun zeigt, für den Weg entschieden, sich auf den amerikanischen Imperialismus zu stützen.

Hat China von den Vereinigten Staaten von Amerika Hilfen erhalten? Wir können es nicht belegen, aber wir glauben, dass es welche erhalten hat. Wir stützen uns dabei auf das, was die amerikanischen Zeitungen schreiben, auf die Reden des Präsidenten Ford, die Anspielungen Kissingers und die offizielle Unterstützung, die er China in einer Rede zuteil werden liess, in der er sagte, das Gleichgewicht in den internationalen Beziehungen werde eine grosse Verschiebung erfahren, falls China von irgendeiner anderen Macht angegriffen werde, und das werde gewichtige Folgen nach sich ziehen. Dies sind in etwa die Worte, die Kissinger gebrauchte. Wie dem auch sei, die Vereinigten Staaten von Amerika bewilligten China 10 Boeing-Flugzeuge, ohne noch diplomatische Beziehungen zu ihm aufgenommen zu haben - es gibt bisher nur ein amerikanisches Büro in China und umgekehrt ein chinesisches Büro in Washington. Über diese Verbindungsbüros, d.h. unter ihrer Abschirmung, wurde und wird der Austausch zahlloser Delegationen, bekanntgegebener oder nicht bekanntgegebener, abgewickelt. Doch es geht nicht nur um die Boeings, denn letzten Endes kann man ein Flugzeug als eine Handelsware betrachten, die die Vereinigten Staaten der ganzen Welt verkaufen. Aus den Reden Fords vor dem Senat wird ersichtlich, dass China von Amerika wohl auch Computer gekauft hat. Diese Computer, wichtige Anlagen, dienen unter anderem auch der Überwachung leistungsfähiger Radarsysteme und der Zielleitung von aus Flugzeugen abgefeuerten Fernlenkgeschossen. Dies erregte in den Vereinigten Staaten von Amerika grosses Aufsehen und löste eine Polemik aus, tatsächlich erfahren wir aber, dass China nach dem Kauf dieses Computers bzw. dieser Computer damit begonnen hat, die Erdölförderung zu intensivieren, denn solche Anlagen sind hochgradig perfektioniert und dienen sowohl der zivilen als auch der Kriegsindustrie.

Natürlich bestand auch die Angst, mit diesem Schritt könne das Gleichgewicht gestört werden, und deshalb boten die Vereinigten Staaten von Amerika, wie wir in der Presse gelesen haben, auch der Sowjetunion solche Computer an. Die Chinesen haben von den Amerikanern möglicherweise auch noch andere wichtige militärische Patente erhalten und werden sie, glaube ich, auch in Zukunft erhalten. Deshalb sage ich, dass das Sichtstützen der Chinesen auf die Vereinigten Staaten von Amerika nicht fiktiv, sondern real ist.

Doch warum geben die Vereinigten Staaten von Amerika China diese Dinge? Sicherlich haben sie ihre strategischen Ziele. Die Vereinigten Staaten von Amerika möchten, dass China aufrüstet, jedoch für den Angriff gegen die Sowjetunion und nicht gegen sie. Das heisst, sie werden die Waffen, die sie China liefern, wohl zu bemessen wissen. Die Waffen, die Patente oder Lizenzen zur Waffenproduktion, die die Vereinigten Staaten von Amerika China geben werden, werden diesem auch dazu dienen, sich gegen einen möglichen sowjetischen Angriff zu verteidigen. So schließen die Amerikaner einen Zusammenstoss zwischen China und der Sowjetunion nicht aus, sie wünschen ihn sogar, deshalb helfen sie China mit Waffen und schüren so die Wut des sowjetischen Imperialismus.

Den Amerikanern geht es noch um etwas anderes: wenn China aufrüstet und dem sowjetischen Sozialimperialismus eine relativ starke Macht entgegensetzt, dann muss die Sowjetunion, so denken die Vereinigten Staaten von Amerika, Truppen aus Europa abziehen, um sie an die lange Grenze mit China zu verlegen. Außerdem werden die Vereinigten Staaten von Amerika mit diesem Vorgehen wie schon in anderen Ländern auch im chinesischen Volk ihrer Lebens- und Denkweise Auftrieb geben, denn eine derart substantielle Hilfe der Amerikaner wird natürlich bei der chinesischen Führung Sympathie wecken, aber auch in der chinesischen Armee wird eine alte Freundschaft neu belebt werden. Es wird auch nicht ausbleiben, dass die amerikanische Lebens- und Denkweise in das Volk eindringt. Deshalb haben die Vereinigten Staaten von Amerika in China nicht nur einen grossen Markt gefunden, wo sie ihre Waren absetzen und die chinesischen Rohstoffe aufsaugen können. Es ist auch so, dass unter den Waren, die sie exportieren werden, die Rüstungsgüter ganz oben stehen werden, denn die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion sind zu den grössten Waffenlieferanten der anderen Staaten geworden.

Die Amerikaner kennen die Mentalität des chinesischen Volkes und der chinesischen Führer genau. Im Bewusstsein des chinesischen Volkes haben vor über 2000 Jahren die konfuzianischen Ansichten Wurzeln geschlagen, während die Periode des Aufbaus des Sozialismus (so wie dieser Sozialismus in China eben aufgebaut wird) einen sehr kurzen Zeitraum darstellt. Konfuzianische Anschauungen gibt es im chinesischen Volk wie in der chinesischen Führung, die nicht von ihren Überresten gereinigt worden sind, sehen wir doch, und die Tatsachen sprechen in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache, dass es in der chinesischen Führung eine Reihe von Fraktionen gibt, sehen wir doch, dass Komplotte zum Sturz der einen oder der anderen eingefädelt, organisiert und aufgelöst werden, dass Morde und viele andere Handlungen angezettelt werden, die, leider, auch der alten chinesischen Mentalität entsprechen. Bis zu einem gewissen Grad werden diese Überreste auch heute, da in China die Volksrepublik proklamiert ist, weiter genährt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika studieren all diese Fragen genau. Der amerikanische Imperialismus hatte im Raum des Pazifik, in Japan, Korea, China, Vietnam, Indien und anderswo immer außerordentlich grosse Interessen. Deshalb haben sich die amerikanischen Sinologen an die Arbeit gemacht und systematisch jede Situation analysiert, d.h., sie haben die politischen Tendenzen, die politischen Ansichten im Volk und in der Führung untersucht und die Probleme so behandelt, dass sie im Interesse der Amerikaner gelöst werden oder doch beginnen, im Interesse der Amerikaner gelöst zu werden.

Der 10. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas vollzog also mit dem Bericht, den Tschou En-lai dort hielt, eine Wendung in der Strategie Chinas hin auf das Sichtstützen auf die Vereinigten Staaten von Amerika, und zwar nicht auf fiktive, sondern auf reale, konkrete Weise. China ist sehr daran interessiert, innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu erstarken, den Tschou En-lai auf dem 10. Parteitag umriss, als er erklärte, China müsse es schaffen, bis zum Jahr 2000 eine «sozialistische Grossmacht» zu werden. Natürlich sollte diese «sozialistische Grossmacht» nach Ansicht der Gruppe Tschou En-lais wohl aus eigener Kraft, der Kraft Chinas, geschaffen werden, aber eben auch mit Hilfe einer Supermacht, und diese Superbnacht war, den Anschauungen und Neigungen Mao Tsetungs und Tschou En-lais gemäss, der amerikanische Imperialismus. Die beiden hätten auch die Sowjetunion nehmen können, doch die war für sie ohne Bedeutung, brachte doch das Bündnis mit der Sowjetunion Mao Tsetung und Tschou En-lai nicht das ein, was sie sich erhofft hatten. So wurde die Wendung hin zu den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen. Die Richtung dieses Schwenks war auch von militärischen Gesichtspunkten bestimmt, mit denen die Chinesen nicht herauskommen, an die sie aber denken. Und hierin liegt auch die Verlogenheit der Propaganda, die ihre Strategie erläutert: die Sowjetunion sei in erster Linie eine mächtige Landmacht. Wenn es einen Angriff gebe, der eine gewisse Wirkung auf China haben könne, so sei dies in erster Linie der Angriff, der von den Grenzen mit der Sowjetunion her komme, die über eine starke konventionelle Bewaffnung verfüge, aber auch mit modernen Waffen, mit Atombomben gut gerüstet sei, ganz zu schweigen von der Kriegsflotte, die derartig vergrößert und verstärkt worden sei, dass sie sogar dem amerikanischen Imperialismus und seinen englischen, japanischen und anderen Verbündeten Angst eingejagt habe. Die Strategie der Sowjetrevisionisten sei die Beherrschung der Welt, die Beherrschung der Meere und die Unterdrückung der Völker.

China ist also zu dem Urteil gekommen, einen möglichen Angriff habe es eher von der Sowjetunion als vom amerikanischen Imperialismus zu erwarten. Dieser wiederum durchschaut diese Situation und hat sie ständig durchschaut, hat er doch in den beiden ersten Weltkriegen, geschützt durch Ozeane, durch Flotten, durch die Waffen, über die er verfügte, und seine Wirtschaftskraft, die anderen in den Krieg gegeneinander gehetzt, sie sich gegenseitig morden und zerstören lassen, um schließlich selbst vom fremden Blut, das vergossen wurde, zu profitieren. Der amerikanische Imperialismus hat also immer die anderen zum Krieg aufgestachelt, um selbst zu profitieren. Das tut er auch heute mit China; er hilft ihm, damit es stark wird und gegen die Sowjetunion Krieg führt. Mag sein, dass die Vereinigten Staaten von Amerika China auch im Krieg helfen, trotzdem wird es aber das Blut des chinesischen und des sowjetischen Volkes sein, das fliessen wird. Der Krieg kann sich in einen Weltkrieg verwandeln, so wie die beiden vorangegangenen Kriege, und die Vereinigten Staaten von Amerika können dann in der Endphase eingreifen, nachdem die anderen sehr hohe Verluste erlitten und Pyrrhussiege errungen haben.

China seinerseits verfolgt die Strategie, vom amerikanischen Imperialismus zu profitieren, der Sowjetunion nicht den Krieg zu erklären, sondern eine Politik zu betreiben, die ihm den Ruf einbringt, der Weltschiedsrichter bei der Uzung der Probleme zu sein. Dabei gründet der chinesische Standpunkt auf der Idee des grossen Staates, auf der Grösse des chinesischen Kontinents und auf der grossen chinesischen Bevölkerung. Natürlich baut diese Politik auch auf der wirtschaftlichen und militärischen Stärke auf, die China in dieser Zeit zu erreichen gedenkt, deshalb wäre es nicht verwunderlich, wenn Hua Guo-feng, sollte er an der Macht bleiben, bzw. die Person, die ihn später ersetzt, beiden Supermächten gegenüber eine «behutsame» Politik empfehlen würde. Das hiesse, Chinas Beziehungen zur Sowjetunion wären nicht mehr gespannt, auch zu den Vereinigten Staaten von Amerika unterhielte es gute Beziehungen, es würde dann die Beziehungen zur Sowjetunion weiter verbessern, um sich hier wie dort Hilfen zu holen und so in aller Ruhe seine wirtschaftliche und militärische Macht zu entfalten. Tatsache ist, dass China momentan in einem politischen, ökonomischen und organisatorischen Chaos steckt, das unbedingt behoben werden muss, da es sonst immer schwach bleiben und der Gnade der Grossmächte ausgeliefert sein wird.

China muss seine Wirtschaft stärken, denn die chinesische Wirtschaft scheint gegenwärtig nicht stark zu sein. Es hat reiche Bodenschätze, doch sie müssen gefördert, angereichert und verarbeitet werden. Auch was die Rüstung anbelangt, ist China schwach. Zwar besitzt es eine Anzahl Atombomben, doch nach Aussage amerikanischer und westeuropäischer Fachleute braucht China noch etwa 20 Jahre, um den gegenwärtigen Rüstungsstand der Sowjetunion zu erreichen.

Deshalb ist es in dieser Situation durchaus möglich, dass wir Zeugen eines neuen Kurswechsels in der Politik der Kommunistischen Partei Chinas werden, will sagen, einer neuen Strategie, die sich von den vorherigen unterscheidet - der einstigen Strategie: Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus mit der Sowjetunion an der Spitze; der Strategie: gleichzeitig Kampf gegen den Arneerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus, dann der Strategie: vereint auch mit dem amerikanischen Imperialismus Kampf gegen die Sowjetunion. Es ist möglich, dass die Chinesen zu einer neuen Strategie übergehen: Friede an beiden Fronten, Freundschaft mit der Sowjetunion, Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Wie es scheint, ist China bestrebt, diese Strategie zu verfolgen, und das kann ihm auch gelingen.

Natürlich können wir China auf diesem Weg niemals folgen, auch wenn wir damit allein bleiben; doch wir meinen, dass diese Variationen in der chinesischen Strategie sein Prestige auf der Welt nicht heben werden. Die Völker und die fortschrittlichen Menschen auf der Welt werden begreifen, dass die Partei der Arbeit Albaniens, eine kleine Partei, eine konsequente und richtige Politik verfolgt, eine beständige, marxistisch-leninistische Politik, und dass der Marxismusleninismus eine unfehlbare Theorie ist.

DIENSTAG,

25. JANUAR 1977

DIE «THEORIE» VON DER «DRITTEN WELT» IGNORIERT

DEN KLASSENKAMPF

Die These: «Die dritte Welt ist die grösste und mächtigste Triebkraft der Revolution» und andere sind antimarxistische, konterrevolutionäre Thesen, aufgebracht von Mao Tsetung und seinen chinesischen Schülern (alles sogenannte Marxisten). Diese Thesen, gewonnen aus «einer marxistisch-leninistischen Untersuchung der Weltlage und ihrer Entwicklung», stellen für die Weltrevolution und die nationalen Revolutionen einen ernsten Hemmschuh dar. China und sein Führer Mao, denen ein Ruf anhängt, dem sie in Wirklichkeit nicht gerecht werden, bezeichnen sich selbst als Teil der «dritten Welt», wobei sie es darauf anlegen, den Klassenkampf auf nationaler und internationaler Ebene noch mehr zu schwächen.

Doch wer sind diese Staaten der «dritten Welt»? Bis heute wurde noch keine «Liste» herausgegeben, und das ist gewiss auch unmöglich. Mao und seine Adepten sagen nur, es seien jene Staaten, die weder zur «ersten» noch zur «zweiten Welt» gehören. Die «erste Welt» zu bestimmen, fällt ihm leicht: es sind dies die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion; die «zweite Welt» sind die «entwickelten Staaten», doch welches diese Staaten sind und warum sie es sind, wird nicht gesagt, und der Rest ist die «dritte Welt». Diese Einteilung, die keinerlei wissenschaftliche und klassenmäßige theoretische Grundlage hat, erscheint lächerlich!! Und das ist sie in der Tat. Die ganze «theoretische» Begründung dieser Einteilung besteht darin, die «dritte Welt» strebe nach Befreiung vom Sozialimperialismus und vom Imperialismus. Diese These ist keinesfalls marxistisch-leninistisch. Nur die können meinen, sie sei es, die vergessen, dass sich die Welt in Kapitalisten und Proletarier teilt, die nicht zugeben, dass der Graben, die Kluft zwischen diesen beiden Klassen durch den Klassenkampf täglich grösser wird und sich vertieft, die nicht auf der Seite der Unterdrückten gegen die Unterdrük ker stehen, die diesen Klassenkampf zwischen den Kapitalisten und dem Proletariat nicht vorantreiben.

«Die Nationen wollen Freiheit, die Völker wollen Revolution» usw., sagt Mao. Das stimmt, doch gegen wen müssen die Völker kämpfen? Seine Aussage darüber ist nicht vollständig. «Gegen die Sowjetunion, den Hauptfeind, und in zweiter Linie gegen die Vereinigten Staaten von Amerika», sagt Mao. Gegen die sie unterdrückenden Kapitalisten im eigenen Land müssen diese Völker nicht kämpfen? Diesen Kampf erwähnt Mao nicht, denn nach ihm darf es ihn nicht geben, da er globalisiert.

Mao formuliert auf antimarxistische Art und Weise die These von der «dritten Welt» und bezieht sich selbst in diese Welt mit ein, um sie zu beherrschen. Er übersieht die Cliquen der Schahs, der Könige, der faschistischen Generale, die Cliquen der Scheichs, der Emire und all der Kasten Indiens, Afghanistans, Pakistans usw., die brutal über die Völker herrschen und so eng mit den imperialistischen und sozialimperialistischen Mächten verbunden sind! Wenn also China diese engen Verbindungen, ihren Zweck und ihre Entwicklung ignoriert, dann sind seine Führer Antimarxisten. Und das sind sie tatsächlich.

Wie können nur die Marxisten-Leninisten die Länder und Völker, die nach Befreiung vom Joch des nationalen und internationalen Kapitals streben, mit den sie unterdrückenden und ausbeutenden kapitalistischen Cliquen durcheinander werfen?! Wie kann man zur Befreiung und zur Revolution gelangen, wenn man keinen Unterschied zwischen den Unterdrückern und den Unterdrückten, den Ausbeutern und den Ausgebeuteten macht, und wenn zwischen ihnen kein Kampf stattfindet?! Nicht allein, dass Mao Tsetung mit der Theorie der «drei Welten» gerade diesen Unterschied nicht macht, er kämpft sogar, den Klassenkampf auf nationaler und internationaler Ebene aus der Welt zu schaffen, zu ersticken.

Das China Mao Tsetungs wiegelt von antileninistischen POS1tionen aus zum Kampf gegen die Sowjetunion auf und schwächt den Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika ab. Diese Politik ist ganz und gar antimarxistisch, schürt den imperialistischen Weltkrieg, anstatt ihn zu schwächen und zu erschlagen, weil es die Völker sind, die von allen Leiden betroffen sind, die ihr Blut vergießen, die ins Elend stürzen. China schürt die Raubkriege und hemmt die gerechten, revolutionären Kriege.

Die chinesische Führ und und Mao wollen nicht wahrhaben, dass die in der Mehrzahl der Länder der «dritten Welt» herrschenden Cliquen von der Technologie, den modernen Waffen und den Krediten des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus abhängig sind. Diese Abhängigkeit, insbesondere die von den Vereinigten Staaten von Amerika, nennen die chinesischen Revisionisten «Fortschritt»

Für sie bewaffnet und finanziert das imperialistische Amerika die Schahs sowie die Generale Lateinamerikas, damit «diese ihre Länder und ihre Völker unabhängig machen»! Eine «schöne» Vorstellung von der Unabhängigkeit, eine «schöne», «richtige» und „marxistisch-leninistische» Vorstellung vom Imperialismus! Solche Vorstellungen haben Mao Tsetung und seine Adepten verbreitet nd gefördert.

Die «Maotsetungideen» sind konterrevolutionär, streikbrecherisch, sie haben es übernommen und sind dabei, die marxistischleninistische revolutionäre Bewegung zu spalten, die aus dem Kampf gegen den chruschtschowschen modernen Revisionismus und die anderen revisionistischen Parteien hervorgegangen ist und sich in diesem Kampf konsolidiert hat. Die Gegensätze zwischen den Chruschtschowianern und den Maoisten sind nicht grundsätzlicher Natur, beide Strömungen sind antimarxistisch, revisionistisch. Den Gegensätzen, die diesen Anschauungen entspringen, liegen die Rivalitäten der beiden imperialistischen Grossmächte zugrunde, die eine ausgeformt und die andere im Aufstieg begriffen.

Wie wir die Chruschtschowrevisionisten entlarvt haben, so müssen wir auch die Maoisten entlarven.

MITTWOCH,

2. FEBRUAR 1977

«KLEINODE» DER CHINESISCHEN PRESSE

Merkwürdige Dinge schreibt die chinesische Presse unter der Rubrik des Kampfes der «Vier» gegen Tschou En-lai!

«Renmin Ribao» schrieb am 27. Januar: «Als die Vier ihre schwarze Hand nach der Stadt Paoting (Provinz Hopei) ausstreckten, wurde dort eine Zeitlang die Ruhe gestört, Spaltung hervorgerufen, und es kam zu bewaffneten Zusammenstössen.»

Die Armeezeitung beschuldigt am 23. Januar die «Vier» ebenfalls, sie hätten «die Redefreiheit verletzt, gewaltsam die Handlungen der revolutionären Massen unterdrückt, dem Volk die demokratischen Rechte und Freiheiten vorenthalten, vom Zentrum bis an die Basis Agententätigkeit betrieben» usw. usf. Sie schreibt, die «Vier» hätten Maos Linie «Lasst hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander wetteifern» sabotiert.

Dieselbe Zeitung wirft den «Vier» in einem Artikel vom 24. Januar 1977 vor, sie hätten «die Befreiung Taiwans sabotiert, da das Schanghaiter Kommuniqué zwischen China und den USA günstige Bedingungen für die Befreiung geschaffen» habe, und Tschang Tschun-tjiao habe «die Ausbildung von Kadern aus Taiwan nicht zugelassen».

In diesem Artikel heisst es unter anderem: «Hua Guo-feng kümmert sich sehr um die Brüder aus Taiwan, persönlich sorgte er für die Amnestierung aller inhaftierten Kriegsverbrecher, er liess alle Spione der Amerikaner und Tschiang Kai-scheks frei, die im Gefängnis sassen, ebenso die Partei- und Regierungsangestellten der Kuomintang auf Distrikt- und Brigadeebene.» Diese Massnahme, so die Zeitung, «erzog die Bevölkerung Taiwans gründlich und übte sowohl im In- als auch im Ausland grossen Einfluss aus».

Solche revisionistischen «Kleinode» bringen die wichtigsten chinesischen Zeitungen! So verfährt die chinesische Presse, die natürlich diejenigen verteidigt, die nun die Macht usurpiert haben, und bringt damit ungewollt klar ans Licht, welch reaktionäre Macht mittlerweile in China errichtet worden ist. Und diese «Tatsachen» lassen die Schlussfolgerung zu, dass die «Vier» auf dem richtigen Weg gewesen sein müssen.

Die revisionistische Idee Mao Tsetungs von den «hundert Blumen» und den «hundert Schulen» zu bekämpfen, hiess für Tschou En-lai, Hua Guo-feng und Konsorten, antimarxistisch zu sein. Doch all diese Dinge und all diese Vorwürfe gegen die «Vier» führen zu der berechtigten Frage: Und was tat Mao? Warum griff er nicht ein, um diese «Abweichler» von seiner «unfehlbaren marxistischleninistischen» Linie in die Schranken zu verweisen?! Sah Mao sie nicht handeln? Las er in den Zeitungen nicht all jene «Ungeheuerlichkeiten», die die «Vier» anstellten? Berichtete ihm sein «Intimus», als der sich Tschou En-lai, der mit den «Vier» «erbittert kämpfte», nun entpuppt, nicht über all diese ihre Umtriebe?

Sehr geheimnisvolle, merkwürdige und widersprüchliche Dinge kommen ans Tageslicht. Wenn man Fragen stellt, tief in diese Probleme eindringt, dann stellt sich heraus, dass Mao Tsetung ein Revisionist, ein Liberaler war, der jeden auf Kosten Chinas sein Spielchen treiben liess. Das wird belegt durch das .Motto von den «hundert Blumen» und den «hundert Schulen». «Wenn ihr euch nur nicht umbringt», lautete seine Ausrichtung, «könnt ihr euch ruhig gegenseitig stürzen. Ich, der 'grosse Steuermann' halte es dann mit dem, der siegt.» Das ist die Hauptidee. Was Tschou betrifft, so hielt er es teils mit Mao, teils aber auch nicht. Wäre er ganz auf Maos Seite gewesen, hätten sie gemeinsam die «Vier» «erbittert bekämpfen» und liquidieren müssen. Doch Tschou hatte nicht Maos vollständige Billigung, allerdings nicht, weil Mao das Problem richtig gesehen hätte. Tschou arbeitete im stillen und wartete auf den Tod des «Vorsitzenden». All dies ist wahr und lässt sich durch nichts vertuschen. Marxistisch-leninistische Ideologie gab es dabei nicht, vielmehr spielte sich dort, wie ich schon in anderen Aufzeichnungen dieses Tagebuchs aufgezeigt habe, ein Kampf um die persönliche Macht ab, gab es eine Intrige, ein Komplott, einen Putsch nach dem andern.

MONTAG,

7. FEBRUAR 1977

SIE SÄTEN WIND UND ERNTEN NUN STURM!

Wir erhalten Informationen, nach denen die Chinesen Vertretender (marxistisch-leninistischen) kommunistischen Parteien Kolumbiens und Argentiniens nicht nur nach Peking, sondern auch in ihre Botschaft in Paris geladen und ihnen auch Geld angeboten haben, um sie zu korrumpieren, alles in der Absicht, sie dazu zu bringen, die Unterschrift ihrer Parteien unter der gemeinsamen Erklärung der acht marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Länder Lateinamerikas zurückzunehmen, die aus ihrer Beratung im November 1976 hervorging. Die Genossen der beider Parteien waren entrüstet über dieses skrupellose, feindliche und so gemeine Vorgehen der Chinesen. Sie wiesen diese so schändlichen und feindlichen Angebote und Taten kategorisch zurück. Natürlich hatten von diesem Vorgehen der Chinesen auch andere Genossen marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien Europas erfahren und waren entrüstet.

Es kann einem wirklich leid tun um das chinesische Brudervolk und die wahren marxistisch-leninistischen chinesischen Genossen, wenn man sieht, in welche Fiebersümpfe, in welchen Schmutz und in was für einen Abgrund die chinesischen Revisionisten, die die Macht übernommen haben, China führen. Doch man muss mit dem Messer in das Geschwür fahren, damit der Eiter herauskommt, das chinesische Volk also sieht, wo der Wundherd sitzt, und die Kräfte mobilisiert, um seinen Körper von dieser Pest zu heilen, die ihm an der Gurgel sitzt und den Atem nimmt.

Sollen genauso auch alle wahren Marxisten-Leninisten auf der Welt sehen, was für ein verlogener «Marxismus-Leninismus» in China von einer Reihe von Führern ausgeklügelt wurde, die sich mit der marxistischen Theorie tarnten, um ihren Rechtsopportunismus, ihren Revisionismus und ihre Verbindungen mit der inneren und der internationalen Bourgeoisie zu verbergen.

Mao, dem Hauptakteur dieser Tragödie. wurde nach seinem Tod die Maske vom Gesicht gerissen. Er war als «grosser MarxistLeninist» in die Geschichte eingegangen und konnte, solange er lebte, Völker, Parteien und Menschen betrügen, doch zu guter Letzt wurde sein Spiel, das Spiel eines um die Entstellung des Marxismusleninismus «verdienten» Schauspielers aufgedeckt. Sein Lebenslauf, die Entwicklung der Strategie und Taktik der Kommunistischen Partei Chinas, die von Mao persönlich festgelegt wurden, und die gegenwärtige Lage in China bestätigen nun die Thesen der Partei der Arbeit Albaniens, die schon früh, schon in den sechziger Jahren, die ersten Anzeichen dieser ideologischen Entartung festgestellt hatte, einer Entartung, die sich allmählich entwickelte, so wie sich auch unsere Zweifel allmählich entwickelten und präziser wurden.

Unser 7. Parteitag machte den chinesischen Revisionisten einen dicken Strich durch die Rechnung, deshalb handelten sie wie Wahnsinnige. Wie die chinesischen Revisionisten innerhalb Chinas verfuhren, mit dem Staatsstreich, den sie mit Hua Guo-feng an der Spitze durchführten, so gingen sie auch außerhalb des Landes vor, und zwar in erster Linie gegen den unbezwingbaren Feind des modernen Revisionismus, die Partei der Arbeit Albaniens. Doch sie rannten mit dem Kopf gegen die Wand und holten sich dabei eine blutige Nase! Sie säten Wind und ernten nun Sturm! Die chinesischen Revisionisten meinten, sie könnten uns einschüchtern, dachten, sie würden uns mit ihrem grossen Leib die Luft abdrücken oder uns isolieren, glaubten, der «Kult der Toten» werde dieselbe Rolle spielen wie ihr Kult, als sie noch lebten.

Doch Mao Tsetung und Tschou En-lai waren schlau, beide manövrierten, verstanden sich auf Winkelzüge, wussten Politik zu machen, während der Titular des chinesischen Ministeriums des Innern, Hua Guo-feng, meinte, die Gesetze seiner Geheimpolizei könnten die revolutionäre Theorie von Marx und Lenin ersetzen. ,Gerade hierbei rannte er sich den Kopf ein.

In vielen Schlüsselproblemen, so bei den antimarxistischen Beschlüssen, mit denen verschiedene Male die Strategie der Kommunistischen Partei Chinas geändert wurde, bei der antimarxistischen Haltung, die man einnahm, als man die Briefe der Partei der Arbeit Albaniens nicht beantwortete, als man zu den Parteitagen der anderen marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien keine Delegationen der Kommunistischen Partei Chinas schickte und auch zu den eigenen Parteitagen keine Delegationen anderer Parteien einlud, bei der Ablehnung von Beratungen mit Vertretern vieler marxistisch-leninistischer Parteien, in der Frage der Einteilung der Welt in «drei Welten», beim Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und in vielen anderen Problemen waren Mao und Tschou aktiv, doch sie machten keine Affäre daraus, zwangen sich denen, die nicht mitmachen wollten, nicht offen auf. Sie bedienten sich «geschmeidiger» Taktiken, während die «Freunde», die nach ihnen kamen, weder mit dem Verstand noch mit der Befähigung der Verstorbenen gesegnet, «auf die Bullentour» kamen, zum Knüppel griffen und erklärten: «Alles, was China getan hat und tut, alles, was Mao Tsetung und Tschou En-lai gesagt und getan haben, ist heilig, deshalb müssen alle vor ihnen auf die Knie fallen.»! Und damit schnitten sie sich ins eigene Fleisch.

Die Verbindungen der Kommunistischen -Partei Chinas mit den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt besorgt gegenwärtig ein gewisser Geng Biao, ein Antimarxist, der nach Belieben schaltet und waltet. Niemand verlangt Rechenschaft von ihm. Den Inhalt und die Formen der Verbindungen mit den anderen Parteien entwickelt er sowohl ideologisch als auch organisatorisch von den antimarxistischen, den revisionistischen Positionen der chinesischen Führung aus, den Positionen einer Grossmacht und einer grossen Partei. Wir für unseren Teil haben mit dieser äußerst zweifelhaften Person und ihrer Abteilung, die nichts ist als ein «Wespennest», keinerlei Verbindungen unterhalten und tun dies auch jetzt nicht.

Wir haben Geng Biao schon vor längerem kennensgelernt, als er für kurze Zeit chinesischer Botschafter in Tirana war. Kaum war er von hier weggegangen, wurde er Leiter der Abteilung Internationale Verbindungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas. Nach unserem 7. Parteitag wurden die Beziehungen zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens aus ihrer Lethargie gerissen, und dieser gewisse Agent, Geng Biao, erhob die Nichtteilnahme marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien am Parteitag einer Partei zur Prinzipienfrage, erhob zum Prinzip, es dürfe keine Beratungen von Vertretern mehrerer Parteien geben. Für ihn sind nur «bilaterale Treffen» «legal», denn bei solchen Treffen kann er intrigieren, kann er verleumden, kann er korrumpieren, kann er denen, mit denen er redet, drohen, ihnen «ein X für ein U vormachen».

Dieser gewisse Leiter versucht, allen die Politik des chinesischen Staates aufzuzwingen. Dieser Geheimagent hat doch tatsächlich vor Militärkadern eine Rede gehalten, in der er sagte: «Angesichts der sowjetischen Gefahr ist die amerikanische Präsenz im Fernen Osten, in Japan und auf den Philippinen notwendig, die Taiwanfrage ist zweitrangig, einige 'revolutionäre Starrköpfe' verstehen die Strategie Chinas nicht, dass nämlich die NATO, das 'Vereinte Europa', die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die von der Sowjetunion bedroht werden, unterstützt werden müssen. Dieser gewisse Geng Biao, der wie ein Advokat Verteidigungsreden für den amerikanischen Imperialismus hält, warum sollte er nicht auch ein Agent der Amerikaner sein?

Auf jeden Fall ist er ein geschworener Feind des Marxismusleninismus, des Sozialismus und des Kommunismus, der Partei der Arbeit Albaniens und des albanischen Staates, ein Feind der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt. Geng Biao und sein Chef Hua Guo-feng konzipieren und betreiben mit allen Mitteln den Kampf gegen die marxistisch-leninistische Ideologie überall auf der Welt, den Kampf gegen das Prinzip des proletarischen Internationalismus sowie die Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und des Weltproletariats, die gegen die beiden Supermächte, gegen die Oligarchien, gegen den Weltkapitalismus kämpfen.

Die Kommunistische Partei Chinas hat mit diesen Leuten an der Spitze den Weg der Spaltung eingeschlagen, der Schaffung von «Parteien» und «Gruppen», die sich von opportunistischen, revisionistischen, eklektischen maotsetungschen Ideen leiten lassen. Diese neuen Revisionisten werden sich mit jedem Tag mehr entlarven, tiefer im Sumpf versinken, aus dem sie nicht anders herauskommen können, denn als dritte Supermacht. Und Maos Partei wird die Farbe, die Merkmale und den ideologischen Inhalt der «Kommunistischen» Partei der Sowjetunion, der Chruschtschowianer annehmen und deren strategische Ziele verfolgen.

SAMSTAG,

12. FEBRUAR 1917

«HIMMLISCHE» ARGUMENTE!

Was wir nicht alles zu hören bekommen!!

Die chinesische Zeitung «Renmin Ribao», das Organ des Zentral. komitees der Kommunistischen Partei Chinas, schreibt zur Entlarvung der «Vier» unter anderem: «Auch die Götter sind empört über den Verrat der Viererbande.»

Anscheinend «ging Mao hin und wurde von den Göttern in Audienz empfangen» (wie er zu Edgar Snow gesagt hatte), bei denen er sich dann über seine Frau Djiang Tjing und ihre Genossen beklagt hat!! Nicht einmal die konservativste, reaktionärste Bourgeoisie greift zu solchen Eseleien, um ihre Feinde anzuprangern.

Die heutigen chinesischen Führer sind nicht nur Antimarxisten, sie haben auch jedesMass an gesundem Menschenverstand eingebüsst. Wie es scheint, stecken sie in grossen Schwierigkeiten, weil niemand ihren «materiellen» Argumenten gegen die «Vier» glaubt. Deshalb haben sie nun begonnen, «himmlische» Argumente ins Feld zu führen!

SAMSTAG,

12. FEBRUAR 1977

«HIMMLISCHE» ARGUMENTE!

Was wir nicht alles zu hören bekommen!!

Die chinesische Zeitung «Renmin Ribao», das Organ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, schreibt zur Entlarvung der «Vier» unter anderem: «Auch die Götter sind empört über den Verrat der Viererbande.»

Anscheinend «ging Mao hin und wurde von den Göttern in Audienz empfangen» (wie er zu Edgar Snow gesagt hatte), bei denen er sich dann über seine Frau Djiang Tjing und ihre Genossen beklagt hat!! Nicht einmal die konservativste, reaktionärste Bourgeoisie greift zu solchen Eseleien, um ihre Feinde anzuprangern.

Die heutigen chinesischen Führer sind nicht nur Antimarxisten, sie haben auch jedes Mass an gesundem Menschenverstand eingebüsst. Wie es scheint, stecken sie in grossen Schwierigkeiten, weil niemand ihren «materiellen» Argumenten gegen die «Vier» glaubt. Deshalb haben sie nun begonnen, «himmlische» Argumente ins Feld zuführen!

MONTAG,

14. FEBRUAR 1977

DER «WINKELADVOKAT» DER VERROTTETEN CHINESISCHEN LIME

Die revisionistische Linie der Kommunistischen Partei Chinas hat wieder einmal Zuwachs von einem weiteren gehorsamen Soldaten zu verzeichnen. Es ist Kazimierz Mijal, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Polens. Nach Hill aus Australien, nach dem Franzosen Jurquet tritt nun ein weiterer Renegat des Marxismusleninismus auf, um die marxistisch-leninistischen Thesen des 7. Parteitags der Partei der Arbeit Albaniens anzugreifen. Er schickte uns diese Kritiken schriftlich, in einem Brief. Angeblich sind es Beschlüsse des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Polens, mit dem er seit 7 oder 8 Monaten keinerlei Verbindung mehr hat. Der Brief kommt angeblich aus Warschau, doch auch dorthin hat Mijal keinerlei Verbindung. Diese ganze verlogene Inszenierung, mit der er seinen revisionistischen «Thesen» Bedeutung verleihen, den Eindruck erwecken will, er sei prinzipienfest und leite kollektiv, hat den Zweck, uns vorzumachen, die an die Partei der Arbeit Albaniens. gerichteten Kritiken stammten vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Polens und durchaus nicht von den Chinesen, seien ihm nicht in Peking oder später, nach dem 7. Parteitag, vom chinesischen Botschafter in Tirana eingeflüstert worden.

Der polnische Revisionist Mijal ist zu einem Lakaien der Chinesen geworden. Was die Probleme, in denen er uns nun angreift, und viele andere Thesen anbelangt, so war er früher ausdrücklich für unsere Thesen und gegen die Kommunistische Partei Chinas. Das ist in Protokollen dokumentiert. Nun hat er die Fahne gewechselt. Warum wohl? Weil er nicht nur ein getarnter Revisionist, sondern möglicherweise auch ein - auf die uns bekannte dramatische Art und Weise - zu uns geschickter Agent ist. Wir haben ihn auf genommen, Opfer gebracht und alles getan, damit er sich während seines Aufenthalts hier wie in seinem eigenen Land fühlen konnte.

In den politischen und ideologischen Auffassungen gab es zwischen uns und ihm keinerlei Widersprüche, nur eines rieten wir ihm: es sollten außerhalb Polens über einen vom ZK der Kommunistischen Partei Polens entsandten Genossen Verbindungen hergestellt werden, denn diese Verbindungen konnten nicht über unsere Botschaft erfolgen.

Anfangs äußerte sich Mijal nicht sehr begeistert über China, aber auch nicht dagegen. Allmählich vertiefte er die Kritik und war gegen eine Reihe von chinesischen Thesen, verurteilte sie. Als er -einmal nach China fuhr, behandelten sie ihn dort äußerst geringschätzig. Daraufhin kam er wutschäumend aus Peking zurück und zog über die Chinesen her. Gut, bis hier war alles normal, nichts gab uns Grund zu zweifeln.

Doch dann, nachdem er einige verdächtige Handlungen began gen hatte, begann Mijal mit revisionistischen Thesen die Beschlüsse und Handlungen unserer Partei zu kritisieren. Das veranlasste uns zu noch grösserer Wachsamkeit. Wir beantworteten seine Kritiken, .und er schien verwirrt zu sein. Er ging danach noch weiter, bis er uns dann den besagten Brief schickte, in dem gegen unseren 7. Parteitag und für die revisionistische chinesische Linie Stellung bezogen wird. Das heisst, als Mijal sah, dass wir Widersprüche zu den Chinesen hatten, schwenkte er um.

Steht Mijal womöglich (und das ist eine Vermutung) im Dienst der Sowjets, wurde er in bestimmter Absicht nach Albanien geschickt? Hatte er vielleicht die Aufgabe, in der Situation, die zwischen uns und den chinesischen Führern entstanden war, im Interesse anderer das Vertrauen der letzteren zu gewinnen? Dies ist eine «wichtige Aufgabe», die der polnische und der sowjetische Geheimdienst Mijal, der nach unserem Parteitag begann, uns offen .anzugreifen, übertragen haben könnten. Die Chinesen freuen sich über diese räudige Ziege, die da in ihren Stall getrottet ist.

Doch kommen wir zurück auf den Brief, den dieser Lakai der chinesischen Revisionisten unserer Partei geschrieben hat.

Kazimierz Mijal kritisiert uns in zwei Fragen, die er «politische und ideologische Fehler», «verhängnisvolle, antileninistische und antistalinistische Fehler» nennt, weil sie nicht mit den «Maotsetungideen» übereinstimmen. Er verdreht die Ideen und Handlungen Lenins und Stalins, attackiert die beiden, attackiert die Partei der Arbeit Albaniens, himmelt Mao und seine revisionistischen Ideen mit Formeln an, die angeblich theoretisch, in Wirklichkeit aber nur banale Argumentationen der kapitalistischen Propaganda, der Phrasendrescherpropaganda sind, also keinen Funken marxistisch-leninistischer Ideologie an sich haben, sondern von den Chinesen als «Krücke» für ihre revisionistischen Ideen erfunden worden sind.

Was für Widersprüche hat Kazimierz Mijal zu uns? Es sind zwei

1) Die «dritte Welt».

2) Er besteht darauf, es gebe keine zwei Hauptfeinde für die Völker der Welt, sondern nur einen, und zwar immer einen.

Die Thesen unseres Parteitags sind bekannt, deshalb werde ich richt lange darauf eingehen, sondern ein wenig die revisionistischen «Kostbarkeiten» dieses Renegaten, dieses «Winkeladvokaten» der wurmstichigen chinesischen Linie kommentieren.

1) Dass die «dritte Welt» eine «These Maos» ist, kann er nicht verbergen, auch wenn er sagt, es sei «Deng Hsiao-ping, der sie vor der UNO offen äußerte». Doch diese These muss ideologisch begründet werden. Eine solche Begründung gibt es nicht, wenigstens nicht für die Öffentlichkeit, weder von Mao noch von Deng. Also greift der «Advokat» Mijal ein, um sie zu verteidigen, und zwar «gestützt auf Lenin». Allerdings hat Lenin die Welt weder drei- noch viergeteilt. Lenin hat von Staatengruppen gesprochen, und wo es ihm um Welten geht, erwähnt er nur zwei: die kapitalistische Welt und unsere Welt des Sozialismus. Diese marxistische These hat unsere Partei auf ihren Parteitagen vertreten, sie vertrat sie auch kürzlich auf dem 7. Parteitag.

Doch wie verteidigt der «Advokat» Mijal Maos «unfehlbare» These von den «drei Welten»? Er interpretiert Maos Theorie der «drei Welten» «marxistisch-leninistisch», indem er erklärt, richtig ausgelegt bedeute dies «Staatentypen, Staatengruppen». Also stellen «die Welten» «Staatentypen» dar; die «dritte Welt» ist eine «Staatengruppe», ein «Staatentyp», und schon ist für diesen «Advokaten» alles von der klassenmäßigen und jeder anderen Seite her politisch und ideologisch geklärt. «Deshalb ist an dieser Einteilung alles klassenmäßig». So hat sich denn auch, seiner Meinung nach, «die Partei der Arbeit Albaniens auf ihrem Parteitag geirrt».

Um Maos revisionistische und konterrevolutionäre These zu illustrieren, sagt der «Advokat»: «Die Entwicklungsstufe des Kapitalis: muss in den verschiedenen Staaten der Welt, deren wirtschaftliche u.a. Verflechtung im Weltmassstab stehen der Hegemonie der Supermächte entgegen» usw. Doch diese These beweist nicht die Thesé von den «drei Welten».

Diese kapitalistischen «Staatengruppen» mit unterschiedlicher Entwicklung bleiben kapitalistische Staaten und Reserven des einen oder anderen Imperialismus. Diese kapitalistischen «Staatengruppen» haben Widersprüche zu den imperialistischen Mächten und unter einander, und man muss daran arbeiten, diese Widersprüche zu vertiefen, zum Vorteil der Revolution und der Sache der Befreiung der Völker vom in- und ausländischen Kapital. Das ist die marxistischleninistische These der Partei der Arbeit Albaniens, während der «Advokat» Mijal die maoistische These der «drei Welten» zu erklären versucht. Nach diesem «Hokuspokus», den er veranstaltet, um sich für alle Fälle abzusichern, fängt dieser «Advokat» davon zu reden an, an der Spitze dieser «Staatentypen», die Mao «Welt» nennt; stünden Könige, Feudale usw. Darunter gebe es fortschrittliche Elemente usw., und die Situation in diesen Staaten sei kompliziert sagt der «Advokat». Es scheint, als habe der «grosse Steuermann» womöglich «eine dritte Welt» gemacht, in der er zusammen mit China auch selbst untergeschlüpft ist, um es weniger kompliziert zu machen. So haben sich denn Mao, der Schah des Iran, der König von Saudiarabien, der Faschist Pinochet in Chile, die faschistische Junta Brasiliens usw. bei der Hand gefasst und tanzen den Reigen der «dritten Welt». Weiter unten im Brief gibt der «Advokat» zu, dass «diese Staaten der dritten Welt mit dem neokolonialistischen System -. verbunden sind», usw.

In bezug auf die Formulierung, die wir unserer These geben und die der Rechenschaftsbericht an den Parteitag gut erläutert, auch was die Probleme der Staaten, die Widersprüche usw. anbelangt, hätte der «Advokat» gerne «bewiesen», dass «diese Formulierung pauschal ist, wenn gesagt wird, das seien bürgerliche, kapitalistische Staaten». Doch wenn sie das nicht sind, was sind sie dann? Das sagt uns der «Advokat» nicht, er versucht nur, auch Albanien in die .dritte Welt» zu stecken (weil China ohnehin darin ist). Also müssen wir uns «zur 'dritten Welt' zählen», denn wir sind «Entwicklungs länder». Dies, seiner Meinung nach, ist die «theoretische» und «klassenmässige» Bestimmung der «dritten Welt» durch den «grossen Steuermann» und seinen polnischen «Advokaten»! Für sie ist das klassenmässig, vom Standpunkt der Klasse aus, unter dem Blickwinkel der Interessen der Klasse und der proletarischen Revolution

gesehen! Die Sicht eines revisionistischen Renegaten, eines Agenten der internationalen und nationalen kapitalistischen Bourgeoisie!

Der Gipfel ist, wenn diese Verräter behaupten, um die Einteilung der Staaten in «Welten» hätten sich weder die Komintern noch Stalin Sorgen gemacht. Warum hätten sie sich auch Sorgen machen sollen? Für Lenin wie für die Komintern gab es Staaten und Staatengruppen, aber für sie gab es nur zwei Welten und nicht drei.

Der «Advokat» sagt, Lenin habe die bürgerlich-kapitalistischen Staaten in fünf Gruppen eingeteilt. Lenins Analyse ist richtig, doch

die Staatengruppen betrachtete er nicht als «fünf Welten» und steckte auch die Sowjetunion nicht in eine dieser Gruppen; er blieb bei seiner Aussage, dass es zwei Welten gibt, die «kapitalistische und die sozialistische Welt».

Welch niederträchtige Verdrehungen! Nach all diesen Entstellringen, die er bringt, sagt der «Advokat», um sich zu tarnen und äbzusichern: «Als Lenin davon sprach, die kommunistische Weltbewegung müsse die revolutionären Bewegungen der Länder Asiens, Mrikas und Lateinamerikas unterstützen, die Mao 'dritte Welt' nennt [so hat er auch Mao an die Seite Lenins gestellt, um uns weiszumachen, Mao denke wie Lenin!!], wollte er damit nicht die 19taaten unterstützen, sondern die revolutionären Bewegungen in diësen Staaten» usw. Was beweist der «Advokat» damit? Das Gegenteil von dem, was er verteidigen will, denn was er sagt, beweist, dass Mao weder in der Theorie noch in der Praxis für die revolutionären Bewegungen innerhalb dieser Staaten eintritt, sondern für die Staaten, die das Proletariat und die Revolution unterdrücken.

Dieser bankrotte «Advokat» Kazimierz Mijal hat einen weiteren revisionistischen Gipfel erklommen, wenn er sagt, man dürfe «die Beziehungen der internationalen Arbeiterbewegung, einschließlich jener der sozialistischen Staaten, nicht mit der revolutionären Bewegung verwechseln, die in den mehr oder weniger entwickelten kapitalistischen Staaten stattfindet», usw. Und was macht Mao?

Seiner Ansicht nach dürfen diese beiden Bewegungen keine Verbündeten sein, dürfen sie weder miteinander verschmelzen, noch darf die eine die andere führen. Mit anderen Worten, die eine schlägt auf die Nägel, die andere aufs Hufeisen, genug, wenn sie sich in der «dritten Welt» miteinander vermengen, genug, wenn sie die maoistischen Thesen v erfechten, das Bündnis mit dem Kapital und dem amerikanischen Imperialismus, gegen die sozialimperialistische Sowjetunion.

Schließlich entschärft der «Advokat» vorsichtshalber: «Diese verschiedenen Bewegungen dürfen nicht mit den internationalen Leziehungen zwischen Staaten verwechselt werden.» Um uns weis7umachen, die «dritte Welt» Maos gründe auf dem «Klassenstandpunkt», sagt er, die «dritte Welt» sei keine Abstraktion, denn sie bestehe aus hundert Staaten. So hat er auch ihre Zahl bestimmt, dabei aber tatsächlich abstrahiert von allen Klassenwidersprüchen und dem Kampf, der innerhalb dieser Staaten der «dritten Welt» gegen die inländische Kapitalistenklasse und das internationale Monopolkapital geführt wird.

Der «Advokat» Mijal, der sich als «leninistischer Theoretiker» zu geben versucht, hat den Kopf voll von konterrevolutionären Weltanschauungen. Er entstellt und zerstückelt Formulierungen und Zitate Lenins, Stalins und der Komintern, gibt die Quelle nicht an. Dennoch belegen sie auch so, wie er sie hindreht, noch immer nicht seine und Maos Thesen, die revisionistisch sind. Mao ist konsequent in seinen revisionistischen Anschauungen, während der Pole mehr einem Revisionisten gleicht, der «nackt und bloss» auf der Strasse steht und versucht, ein Dach über seinen Kopf voll Mist zu bekommen.

Er zögert bei seiner Verteidigung der revisionistischen Thesen Maos über die «Dreiteilung der Welt», versucht es mit der Version von den «Staatentypen», versucht, unsere Thesen zu widerlegen, in dem er die Formulierungen Cenins verdreht, der bei der Analyse der damaligen Weltlage zu einer Einteilung der bürgerlich-kapitalistischen Staaten in fünf Grupen kam. Doch Kazimierz Mijal müht sich vergebens, denn damit !reicht er nichts, er ist nicht einmal in der Lage, an den leninistschen Thesen unseres Parteitags auch nur zu kratzen.

Wie ein Anwalt, der de. Straftäter, dessen Verteidigung er übernommen hat, befragt, um dann das Verteidigungsplädoyer auszuformulieren, das er vor Geriet halten will, so ging auch der «Advokat» Mijal zum chinesischen Botschafter in Tirana und erkundigte sich, welche Fragen Hua Gu-feng vor der Partei der Arbeit Albaniens und der internationalenkommunistischen Bewegung durch ihn gerne verteidigt hätte. Und das tat er dann auch, er verteidigte den maoistischen modernen Revisionismus, griff die Partei der Arbeit Albaniens, die internationalenkommunistische Bewegung an, verteidigte die Thesen des Kapites, des amerikanischen Imperialismus und der revisionistischen Sowjetunion. Grosse Renegaten wie Tito, Chruschtschow, Mao und dan auch kleine wie Mijal, Hill und Jurquet tauchen an Wendepunkten der marxistisch-leninistischen revolutionären Bewegung zwangläufig auf, doch all diese Renegaten gleich welchen Schlags werde entlarvt, diskreditiert werden und wie alle ihre Vorgänger auf derr Misthaufen der Geschichte enden.

Das ist der Kern und ie Begründung der ersten Kritik des Polen Miial an einer der Thsen des 7. Parteitags.

2) Seine zweite Kritik gilt unserer These: «Beide Supermächte sind gleichermaßen gefährlich.» Seiner Meinung nach «ist dies eine abstrakte Wahrheit» und um dies zu konkretisieren, versäumt er es nicht, sich die Thesen unsers 7. Parteitags vorzunehmen, in denen die internationale Lage und die, verschiedenen miteinander kämpfenden Kräfte sehr real und mit marxistisch-leninistischen theoretischen Schlussfolgerungen dargestellt werden.

Der «Advokat» der chineischen Revisionisten, der Revisionist Miial. bedient sich der gleichen Methoden, der gleichen Taktik. der gleichen Verdrehlinken, dergleichen Taschenspielertricks und der eleichen «sicheren» Pose eines «Theoretikers» wie im ersten Punkt. Doch dies ist ein «harter Broken» und kaum zu schlucken. Der Pole will Gründe finden, mit denen er jene revisionistische These beweisen kann, die selbst die Chinesen bis jetzt noch nicht so offen vertreten haben, wie er das tut, weil sie damit hereinfallen würden.

Die Chinesen sagen: «Der Hauptfeind ist die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen kommen an zweiter Stelle.» Diese These ist antimarxistisch. Ihre gesamte Ideologie und Politik bauen sie auf dieser Definition auf, und jeder ihrer Schritte auf internationaler Ebene ergibt sich daraus. Um sich angesichts unserer marxistisch-leninistischen Linie vor der kommunistischen Weltbewegung und der Weltöffentlichkeit zu tarnen, versäumen es die Chinesen allerdings nicht, von Zeit zu Zeit zu erklären: «Wir haben zwei Hauptfeinde, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika.»

Der Pole Mijal wird nun «päpstlicher als der Papst». Er gleicht dem Frosch im Märchen, der so gross werden wollte wie ein Büffel und sich deshalb aufblies und immer weiter aufblies, bis er platzte. Auch der Pole Mijal hat sich bei der Verteidigung einer reaktionären revisionistischen These so sehr aufgeblasen, dass er geplatzt ist und dabei seine ganze innere Fäulnis ans Licht gebracht hat, zugleich aber auch die der Chinesen.

Wie versucht Mijal unsere These zu Fall zu bringen? Ganz einfach: «Ein Land kann keine zwei Feinde haben, sondern nur einen, einen äusseren und einen inneren. Auch auf der Ebene der Kontinente gibt es nur einen Hauptfeind und nicht zwei.»!

Der Pole hat das Problem angeschnitten, um die chinesische These zu verteidigen, dass «der Hauptfeind der sowjetische Sozialimperialismus ist», weil er «wirtschaftlich am reichsten, am höchsten gerüstet, am dynamischsten, am wenigsten entlarvt ist»! (Alles Begründungen, die von Geng Biao zusammengebraut und frei Haus geliefert wurden.)

Doch Mijal berücksichtigt, dass sich die chinesische Strategie auf jedem Parteitag ändert. Der 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas verwies darauf, dass «der Hauptfeind die Vereinigten Staaten von Amerika sind, weswegen wir uns mit der Sowjetunion gegen die Amerikaner vereinigen müssen». Inzwischen sind die Vereinigten Staaten von Amerika allerdings angeblich weniger gefährlich geworden! Es wäre kein Wunder, wenn dereinst der 11. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas beschlösse, der Haupt feind sei nicht die Sowjetunion, sondern die Vereinigten Staaten von Amerika, oder aber beide für ungefährlich erklärte!

Diese volte-fade* *( Kehrtwendung) erklärt der Pole mit dem «Argument», dass «das Leben nicht stehen bleibt». Das heisst, seiner Meinung nach müssen die kommunistischen Parteien alle 7 Jahre ihre Strategie ändern, weil «heute die Sowjetunion der Hauptfeind ist und die anderen ihre Kettenhunde sind», morgen aber «die Vereinigten Staaten von Amerika zum Hauptfeind werden und die anderen zu ihren Kettenhunden». Dieses «Argument», mit dem er seine revisionistische Idee veranschauliehem will, hat Mijail angeblich van Lenin.

Ausgehend von diesen revisionistischen Thesen urteilt Mijal wie ein polnischer Nationalist und keineswegs wie ein Internationalist. Er sagt: «Für die Kommunistische Partei Polens gibt es einen äusseren Feind, die Sowjetunion, und einen inneren Feind, Gierek. Im Kampf gegen diese beiden muss sich die Kommunistische Partei Polens auch mit der schwärzesten Reaktion zusammenschlissen.» (Eine These, die von Geng Biao geliefert wurde.) Wenn sich Mijal schon mit der schwärzesten Reaktion (dem Vatikan) zusammenschlissen kann, warum sollte er sich dann nicht auch mit Gierek vereinigen, denn der mag die Sowjets auch nicht. Doch die Zeit wird kommen, da er sich auch mit Gierek zusammenschlisst!

Und die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten - wer ist, nach Mijal, für sie der Hauptfeind? Er sagt es nicht, denkt aber: «Die Sowjetunion». Dass aber Westdeutschland gleichzeitig unter den Bonner Revanchisten leidet und von den Vereinigten Staaten von Amerika unterdrückt wird, und Ostdeutschland gleichzeitig von der revisionistischen Honeckerbande und von der Sowjetunion unterdrückt wird, das ist diesem maoistischen «Dialektiker» egal.

Und die Kommunistische Parti Italiens/Marxisten-Leninisten, die zwei innere Feinde hat und dazu noch die Vereinigten Staaten von Amerika, gegen wen muss sie nach Mijals Ansicht kämpfen? Auch das sagt er nicht, doch er denkt: «Gegen die Sowjetunion.»

So klar. so einfach, so «theoretisch» regelt der Renegat also diese Dinge!!

Von hier aus kommt er zu einer anderen Frage: wir Albaner irrten, wenn wir sagen, dass «wir uns nicht auf einen Imperialismus stützen dürfen, um den anderen zu bekämpfen». Nach Ansicht dieses Lakaien der Amerikaner können wir uns auf die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Kettenhunde stützen, um den Hauptfeind, die Sowjetunion, zu bekämpfen.

Mijal sagt, die These unseres Parteitags habe «Kompromissen», «Bündnissen» innerhalb wie ausserhalb des Landes den Weg verbaut. Und um diese Absurdität zu begründen, verdreht er Lenin und Stalin, verfälscht er die Geschichte! Er führt den Frieden von Brest-Litowsk als Beispiel an und nennt ihn «einen Kompromiss Lenins mit Deutschland». Der Friede von Brest-Litowsk war nicht, wie Mijal ihn interpretiert, ein prinzipienloser Kompromiss, sondern ein Friede, der Lenin durch die Notwendigkeit aufgezwungen wurde, die Sowjetrepublik zu retten. Dadurch entzog Lenin den ersten Staat der Proletarier, den er geschaffen hatte, einem imperialistischen Raubkrieg und verteidigte die Revolution. Das war richtig gehandelt und lief den Absichten der Aristokraten und Kehrenskis zuwider, die Hand in Hand mit den anglofranzösischen Imperialisten den Krieg des gestürzten Zarenrusslande fortsetzen und die Revolution ersticken wollten. Dieser Renegat geht sogar noch weiter und schlachtet die «Geschichte vom plombierten Waggon» aus, um zu demonstrieren, wie weit Lenins Kompromiss mit dem Kaiserdeutschland äugangen sei. Damit versucht dieser Renegat, Lenin und die Oktoberrevolution mit Schmutz zu bewerfen, weil sie angeblich vom deutschen Kaiserreich unterstützt wurden.

Mijal lässt auch den «sowjetisch-deutschen Nichtangriffspakt» Stalins und das zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika und England abgeschlossene Bündnis gegen den Nazismus nicht unerwähnt. Stalin handelte richtig und ging keinen prinzipienlosen Kompromiss ein, weder mit Hitler noch mit dem angloamerikanischen Imperialismus. Als der Krieg seinen Schatten über die Sowjetunion warf, als Hitler Österreich und die Tschechoslowakei geschluckt hatte, als Chamberlain das Münchner Abkommen unterzeichnet hatte, um Hitler gegen die Sowjetunion zu treiben, rief Stalin die westlichen «Demokratien» zur antifaschistischen Allianz auf, stiess aber bei ihnen auf taube Ohren. Daraufhin erst ging er, um Zeit zu gewinnen, den Nichtangriffspakt, nicht aber ein Bündnis mit Nazideutschland ein.

Nachdem er diese «Kompromisse» ins Feld geführt und damit die «Argumente» geliefert hat, fragt der polnische Renegat: «Hahen Lenin und Stalin damit etwa den Marxismus-Leninismus und die Revolution verraten?» Und er gibt sich die Antwort gleich selbst: «Auf gar keinen Fall.» Diese Art «Argumentation» ist eine trotzkistische Provokation.

Der polnische Renegat behauptet also, die Marxisten-Leninisten könnten zu jeder Zeit, in jeder Situation «auch mit dem Teufel» Bündnisse und Kompromisse eingehen, um den «Beelzebub» auszutreiben. All das dient ihm dazu, die Freundschaft der Maoisten mit den Amerikanern zu verteidigen, denn «es kann nicht gleichzeitig zwei Hauptfeinde geben, sondern nur einen, also kann man sich auf den einen Feind stützen, um den anderen zu bekämpfen». Wäre diese These des revisionistischen Renegaten richtig, dann müsste er konsequenterweise auch erklären, dass Giereks Einheit mit der Sowjetunion in Ordnung, richtig ist. Dieser «grosse Theoretiker» ist gegen Schablonen, betreibt aber in Wirklichkeit, um seine revisionistische These zu belegen, nichts als Geschichtsfälschung und benutzt sie als Schablone, um Mao und China aus dem Sumpf zu ziehen.

Abgekapselt und ganz und gar vom revolutionären Leben loserlöst, sieht der Pole Mijal die Welt und die Politik mit den Augen eines von der Sonne Geblendeten, der sich anhand der «Stimme Freies Europa», anhand von «Radio Warschau» und «Radio Moskau» orientiert. Vollgestopft mit Hsinhua-Futter, brütet er angeblich marxistisch-leninistische theoretische Auffassungen aus, mit denen er diese beiden Thesen unseres 7. Parteitags zu Fall bringen will, behauptet er doch, er sei «mit jeder anderen These des 7. Parteitags der PAA einverstanden». Der Demagoge bleibt Demagoge und kleidet diese Kritiken in Lobeshymnen auf die Partei der Arbeit Albaniens, auf mich usw.

Wie glaubhaft ist seine Aussage, die anderen Thesen dei Partei der Arbeit Albaniens seien richtig, wenn er auch die, welche er kritisiert, noch gestern als ganz richtig verfochten hat? Wir haben an der Strategie unserer Partei nichts geändert, deshalb hat sie Erfolge geerntet. Die Maoisten trieben China in den Sumpf des Opportunismus, deshalb passieren dort diese Dinge. Der Revisionist 1VIijal will, dass auch wir in diesen Sumpf gehen, wie er. Nein, dies wird niemals geschehen, wenn wir den Marxismus-Leninismus, die marxistisch-leninistischen Normen, den Klassenkampf weiter so gewissenhaft anwenden, wie wir das bisher taten. Die Partei der Arbeit Albaniens geht von diesem Weg nicht ab.

Die Analysen, denen unsere Partei die innere und äussere Situation unterzogen hat, sind marxistisch-leninistisch, deshalb gelangt man zu richtigen Schlussfolgerungen, deshalb wird gekämpft, wie es nötig ist, um die Widersprüche zwischen den Feinden der Revolution und der Befreiung der Völker zu vertiefen, deshalb beurteilt unsere Partei die Lage und die Feinde nicht nur unter einem engen Blickwinkel, von nationalen Positionen aus, sondern auch als Partei, die sich vom Gesamtinteresse der proletarischen Revolution und vom proletarischen Internationalismus leiten lässt. Weder Mao noch die Kommunistische Partei Chinas, noch ihre Advokaten sprechen in ihren Angriffen auf uns von der proletarischen Revolution, vom proletarischen Internationalismus, vom Kampf der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt. Würden sie auf diese lebenswichtigen Probleme der Revolution eingehen, dann würden sie mit Sicherheit auch die letzten paar Federn lassen, die ihnen noch geblieben sind.

Den Maoisten und ihren revisionistischen Advokaten geht es darum, diese Polemik zu vermeiden. Die Revisionisten haben schon immer die marxistisch-leninistische Polemik gefürchtet, die Maoisten nicht anders als die Chruschtschowianer. Eben in ihrem letzten Brief, in dem sie uns angreifen, schreiben die Maorevisionisten: «Wir werden euch nicht antworten, denn wir wollen keine Polemik.»

Wir polemisierten nicht, wir sagten nur offen unsere Meinung. Die Chinesen und ihre Advokaten hätten es gern, wenn wir sie nicht sagten. Die Maoisten dagegen sollen ihre Meinung sagen dürfen, und wir sollen sie stillschweigend als universale Wahrheit anerkennen. Sehr schlau!!

«Warum habt ihr diese Fragen offen aufgeworfen?» tadelt uns der «Advokat» Mijal und tut so, als wüsste er es nicht. Er weiss jedoch ganz genau, dass wir die Kommunistische Partei Chinas schriftlich auf diese prinzipiellen Gegensätze hingewiesen haben, dass wir drei Jahre lang die Entsendung einer Parteidelegation gebforciert haben, um darüber zu diskutieren, Mao selbst und Tschou aber abgelehnt haben. Nun schlägt dieser «Advokat» einer verrotteten Sache vor: «Führen wir eine Vielparteienberatung durch, um diese Widersprüche auszuräumen», obwohl er sehr genau weiss, dass China gegen solche Beratungen ist, dass es auch gegen bilaterale Beratungen mit uns ist, während es mit anderen Parteien, etwa den Parteien Mijals, Jurquets und Hills, die seine Lakaien sind und denen es allerlei Absurditäten einflüstert, bilaterale Beratungen durchführt.

Mit anderen Worten, das maoistische China setzt alles daran, sein unverdientes Ansehen in der internationalen kommunistischen Bewegung zu wahren, ohne etwas im Interesse dieser Bewegung zu tun, bzw. sogar ihrem Interesse zuwiderhandelnd. Es trachtet danach, sich dem Befreiungskampf der Völker, also auch der «dritten Welt», als Führer aufzudrängen, kämpft darum. Es versucht, den anderen einzureden, Mao und seine Nachfolger hätten eine realitätsgerechte Analyse der Lage auf der Welt vorgenommen, die sich «in Bewegung, in Revolution befindet», und die geeignetsten Rezepte gegeben: dass nämlich alle, Völker, Revolutionäre, Kommunisten, marxistisch-leni.nistische kommunistische Parteien, «Staatentypen» der «beiden Welten», zusammen mit den Vereinigten Staaten von Amerika aus der «ersten Welt», China zu folgen hätten, um den sowjetischen Sozialimperialismus, den «Hauptfeind der Menschheit», zu bekämpfen.

All diese Renegaten haben die Aufgabe übernommen, die Revolution und die marxistisch-leninistische Bewegung, die sich erholt bat und dabei ist, sich zu festigen, erneut zu spalten. Die Mijals, die Jurquets und die Kumpane der Hills sind die Giereks, die Schiwkoffs, die Comulkas, die Sharkevs, die Marchais einer neuen revisionistischen Variante, und man muss schweres Geschütz auffahren. um sie zu entlarven, zu zerschlagen und zu liquidieren.

Mit den Unklaren muss und wird die Partei der Arbeit Albaniens sehr geduldig umgehen, um bei ihnen Klarheit zu schaffen, denn der Mythos und der Kult auf der Welt um Mao als «großen Marxisten1,eninisten» darf nicht unterschätzt werden. Advokaten wie Mijal hinätzen zehren nicht zu den Unklaren, sondern sind klare und gef3hrliche Renegaten, deshalb: Feuer auf sie, um sie wie Ratten zu verbrennen!

VLORA, SAMSTAG,

5. MÁRZ 1977

CHINA IST BESTREBT, ZUR SUPERMACHT ZU WERDEN

Für uns steht ausser jedem Zweifel, dass China ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika eingegangen ist. Anscheinend besteht zwischen diesen beiden Ländern ein Geheimabkommen über ihren gemeinsamen Kampf gegen den sowjetischen S sozialimperialismus. Als China seine Strategie ausarbeitete oder, sagen wir besser, änderte, ging es ihm also nicht um die Interessen der Weltrevolution, der Befreiung der Völker, sondern nur um seine Stärkung als sozialimperialistische Grossmacht. Ziel dieser beiden Staaten in diesem Dreieck ist es, den sowjetischen Sozialimperialismus zu schwächen. Ein Ausdruck dieser Politik Chinas sind auch seine Versuche, alle Kommunisten, marxistisch-leninistischen Parteien und nationalen Befreiungsbewegungen auf der Welt dazu zu Lingen, den sowjetischen Sozialimperialismus nicht nur in strategischer, sondern auch in taktischer Hinsicht als Hauptfeind bzw. als den einzigen Feind zu betrachten, der unter allen Umständen bekämpft werden muss.

China erhielt und erhält Hilfen von den Vereinigten Staaten von Amerika und anderen kapitalistischen Ländern der Welt, von den Ländern Europas wie auch von Japan. Diese Hilfen sind, insbesondere jetzt zu Beginn, militärischer Art. Vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika haben China leistungsfähige Computer geliefert, und weitere werden folgen. Nur die sowjetische Frage bremst die Vereinigten Staaten von Amerika auf ihrem probchinesischen Kurs, denn sie wollen nicht, dass die Sowjets ihre Haltung den Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber verschärfen. Das heisst, der amerikanische Imperialismus will «sowohl das Zuckerbrot als auch die Peitsche» in der Hand behalten. Der Sowjetunion hat er das Zuckerbrot nicht entzogen, er hat ihr hohe Kredite gegeben. Bekanntlich gibt der amerikanische Imperialismus der Sowjetunion diese grossen Kredite nicht ohne Hintergedanken. Er will damit bestimmte Ziele erreichen und in erster Linie verhindern, dass sich die Sowjetunion den Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber aggressiv verhält.

Das soll nicht heissen, dass es keine Widersprüche zwischen dem sowjetischen Sozialimperialismus und dem amerikanischen Imperialismus gibt. Nein, es gibt Widersprüche zwischen ihnen, sogar grosse, die wir ausnutzen müssen. Aber wir können nicht sagen, dass es

zwischen diesen beiden Supermächten keine Abkommen und keine Absprachen gebe. Wir befinden uns in der Phase der Aufteilung der i`Jelt, der Auf teilung der Märkte. Es gibt mithin Reibungspunkte in den Beziehungen zwischen ihnen, aber auch Einvernehmen, anders lässt sich die ganze grosse Hilfe nicht erklären, die die Vereinigten Staaten von Amerika und alle anderen kapitalistischen Staaten der 3owjetunion geben, Staaten, die, wie China sagt, täglich von einem überraschenden, blitzschnellen Angriff der Sowjetarmee bedroht sind. Die Sowjetunion hat, das sagen die Chinesen selbst, an der Grenze zu China fast eine Million Soldaten stehen. Eine Million ;sowjetischer Soldaten an der Grenze zu China, das bedeutet eine Schwächung der europäischen Front, die China im Fall eines An griffst der Sowjets für die gefährlichste hält.

Die Kommunistische Partei Chinas will, dass alle marxistischleninistischen kommunistischen Parteien und die Völker der Welt ihre Strategie, deren Urheber Mao Tsetung ist, übernehmen. Nicht anders war es bei Chruschtschow und den Chruschtschowianern, die „ersuchten, uns ihre theoretischen, politischen, wirtschaftlichen und militärischen Thesen des 20. und anderer Parteitage zur Stärkung des sowjetischen Sozialimperialismus aufzuzwingen. Das gleiche macht auf antimarxistische Weise und mit nichtrevolutionären Absichten, für seine Großmachtinteressen, nun auch China. Eben um dieser Absichten willen versucht es, den Marxisten-Leninisten der Welt eine neue Strategie aufzunötigen, die ganz augenscheinlich nicht als revolutionäre Strategie gelten kann.

Als die Vereinigten Staaten von Amerika entschieden, Cina Bürstungs-, Industrie- und andere Kredite zu geben, kalkulierten sie richt nur ihren grossen finanziellen Vorteil ein, sondern auch den grossen politischen Gewinn, denn China mit seinem Gewicht, seinem Einfluss betreibt Propaganda zugunsten des amerikanischen Imperialismus und stellt ihn dabei als nichtaggressive Macht hin. China bewirkt damit, dass die Völker, die unter dem wirtschaftlichen und militärischen Joch des amerikanischen Imperialismus leiden, diese Unterdrückung nicht erkennen oder angesichts einer anderen grossen Gefahr hinnehmen. Diese, die andere grosse Gefahr, ist allerdings nicht kleiner als die Gefahr, die den Völkern der verschiedenen Kontinente im Nacken sitzt. Auch aus diesem Grund finanziert der amerikanische Imperialismus China und wird es auch in Zukunft finanzieren. Solange es für die imperialistischen und hegemonistischen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika eintritt, solange China seinen Konflikt mit der Sowjetunion verschärft und die Vereinigten Staaten von Amerika in dieser Hinsicht die Widersprüche zwischen China und der Sowjetunion zu vertiefen suchen, werden gerade die Hilfen des amerikanische Imperialismus als Treibstoff für diese Widersprüche dienen. Aus diesem Grund sagen wir, dass der Krieg genauso gut wie in Europa auch in Asien stattfinden kann, denn er ist die Ausgeburt des Imperialismus und des Sozialimperialismus. Der sowjetische Sozialimperialismus ist eine Macht, die den Krieg heraufbeschwört, die den Krieg vorbereitet, genauso wie die Vereinigten Staaten von Amerika, die gleichermassen den Krieg vorbereiten.

China hat sich in die Handlungen dieser beiden Supermächte verstrickt, um zu erreichen, was es sich vorgenommen hat, nämlich selbst ebenfalls zur Supermacht zu werden. Darauf sind natürlich auch seine Anstrengungen zurückzuführen, einen dritten Weltkrieg anzustiften. Wo dieser Krieg ausbrechen wird, in Europa oder in China, lässt sich bei dem Weg, den China eingeschlagen hat, nicht sagen. Wie dem auch sei, die Vereinigten Staaten von Amerika werden die Kastanien mit den Händen der andern aus dem Feuer holen.

Wäre China wirklich ein sozialistisches, von der marxistischleninistischen Lehre geleitetes Land, und würde es eine revolutionäre Politik machen, dann würde es an beiden Fronten kämpfen, gegen beide imperialistischen Staaten. Doch tatsächlich geht es den entgegengesetzten Weg. Durch sein Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika schürt China den Krieg zwischen ihm selbst und der Sowjetunion, zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika. Warum sage ich das? Weil wir gegenwärtig das Urteil fällen können, dass es die beiden Supermächte sind, die um hegunionistische Stellungen auf der Welt, um Märkte kämpfen, die darum !kampfen, die Reichtümer der anderen Völker aufzusaugen, dass aber auch China diesen Weg beschritten hat und es sich nicht nehmen lassen wird, zum dritten Partner im Rahmen dieser Absichten und dieser Politik zu werden.

Als Marxisten-Leninisten dürfen wir nicht dem konterrevolutionären und antimarxistischen Kurs Chinas folgen, sondern müssen unseren marxistisch-leninistischen revolutionären Weg gehen. Für diesen Weg kämpfend, haben wir den Marxismus-Leninismus, seine Reinheit, die Interessen unseres Volks, die Interessen der anderen Völker und ihre Befreiung verteidigt und uns bemüht, den imperialistischen Atomkrieg zu verhindern, der zwischen diesen drei Partnern, die sich in ihrem Kampf um Hegemonie aufeinander stützen, ausbrechen kann. Wenn sich diese Staaten aufeinander stützen, so ist das stets zum Schaden der Weltrevolution, der sozialistischen Länder und der Befreiung der Völker.

Wir als Marxisten-Leninisten sind gegen imperialistische Raubkriege, ob sie nun von den sowjetischen Sozialimperialisten, den Vereinigten Staaten von Amerika oder von China, das dabei ist, sich in eine sozialimperialistische Grossmacht zu verwandeln, ausge1«st werden. Als Marxisten-Leninisten werden wir deshalb gegen diese Raubkriege kämpfen, weil sie stets den hohen Interessen der Völker, ihrer Befreiung, ihrer Unabhängigkeit und Selbstbestimmung schaden, weil sie dem Triumph der Revolution und des Sozialismus auf der Welt schaden. Wenn wir gegen den Krieg sind, sind wir demnach gegen die aggressiven Mächte, gegen die, die danach streben, zur Supermacht zu werden, stehen wir auf der Seite der Völker, die wir anspornen müssen, Kriege zu verhindern oder, falls sie dieses Hauptziel nicht erreichen können, in Befreiungskriege zu verwandeln. Gegenwärtig besteht das Bündnis der Marxisten-Leninisten und der demokratischen und fortschrittlichen Patrioten in jedem Land in ihrer Einheit gegen die imperialistischen und sozialimperialistischen Kriegstreiber. Einen anderen Weg gibt es nicht, eine andere Strategie gibt es nicht.

China teilt die Welt in drei Teile und eliminiert jeden inneren, aber auch äußeren Klassenunterschied, weil es sich vom Kampf der Volksmassen gegen Unterdrückung und Ausbeutung abgekehrt hat, weil die gegenwärtige chinesische Strategie die Ziele des Staates mit den Interessen der von diesem Staat der reaktionären Bourgeoisie unterdrückten und ausgebeuteten Volksmassen vermengt. Für China gibt es nur Staaten, die seine Politik und seine Strategie unterstützen, die im Kampf gegen einen einzigen Feind, den sowjetischen Sozialimperialismus, und in der Einstellung des Kampfes gegen die Vereinigten Staaten von Amerika bestehen. Das heisst, China predigt den sozialen Frieden aus dem einzigen Grund, diesen sozialen Frieden seiner Strategie dienstbar zu machen, die darauf angelegt ist, die dominierende Stellung Chinas in der sogenannten dritten Welt zu festigen und die Vereinigten Staaten von Amerika vor den Schlägen zu bewahren, die ihnen die Völker direkt oder auch indirekt - durch Schläge gegen die in den Staaten der sogenannten dritten Welt herrschenden, mit dem amerikanischen Imperialismus verbundenen kapitalistischen Gruppen - versetzen könnten. An den Staaten, die unter der Herrschaft der Sowjetunion stehen, ist China dagegen nicht im geringsten interessiert; es hat die Völker dieser Länder mit den Gruppen von modernen Revisionisten und Kapitalisten, die sich untereinander völlig einig sind und diese Völker unterdrücken, in einen Topf geworfen. Das heisst, China differenziert nicht, kümmert sich nicht um die Interessen dieser Völker, sei es nun der ehemals volksdemokratischen Länder, sei es der anderen kapitalistischen Staaten, die sich unter sowjetischem Einfluss befinden. China identifiziert diese Länder mit der Staatsmacht der Bourgeoisie und der hegemonistischen Linie der sowjetischen Führung.

Der Einteilung der Welt nach Art der Chinesen liegt also die Absicht zugrunde, den Kampf der Volksmassen, die das Joch des einheimischen und ausländischen Kapitals abschütteln wollen, auszulöschen. Das kann keine revolutionäre, marxistisch-leninistische Linie sein, weil sie den revolutionären Kampf der Werktätigen gegen das unterdrückende Kapital ignoriert, weil China nicht für die revolution und die nationalen Befreiungskämpfe der Völker eintritt.

Nehmen wir ein Beispiel, Birma. China soll ruhig diplomatische Eeziehungen zum Birma U Ne Wins unterhalten, doch nicht so enge, wie das gegenwärtig der Fall ist. Es nennt die Beziehungen zu Birma ewig, außerordentlich vertraut, während es auf der anderen Seite in Birma bekanntlich eine von der Kommunistischen Partei Birmas geführte Bewegung nationaler Volksbefreiungskräfte gibt, die aus eigener Kraft unter außerordentlich schwierigen Bedingungen in den Dschungeln und Bergen gegen die reaktionären Unterdrückungskräfte Ne Wins kämpft. Dieser überfällt und mordet Kommunisten und Patrioten. Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Birmas selbst ist in diesen Kämpfen gefallen. Ist es da richtig und marxistisch-leninistisch, dass China während dieser Zeit seine Beziehungen zum Birma Ne Wins überschwänglich preist und zu eben diesem Ne Win Tschou En-lais Frau auf Freundschaftsbesuch schickt, die diesen Henker des birmanischen Volkes mit Blumen überschüttet? So versteht China die Beziehungen zu kapitalistischen Staaten, so wenig sind ihm seine Beziehungen zu den Völkern wert, die gegen die reaktionären Cliquen kämpfen, von denen sie unterdrückt und bis auf die Knochen ausgebeutet werden, so wenig gilt ihm die Hilfe, die es diesen Ländern geben müsste.

Deshalb ist die «dritte Welt» für China das Bündnis mit den Regiárungen der Staaten dieser sogenannten dritten Welt und nicht das Bündnis und die Freundschaft mit den Völkern dieser Länder. China unterstützt die Bestrebungen dieser Völker nicht im mindesten, Bestrebungen, die im offenen Gegensatz und im Kampf mit den Führungen dieser Länder stehen, denn diese Führungen sind der Kapitalismus an der Macht.

Nirgendwo in der chinesischen Presse und im chinesischen lind funk ist ein Eintreten für die nationalen Befreiungsbewegungen der Völker erkennbar, und sei es auch nur gering, von den mächtigen Demonstrationen des Weltproletariats in allen kapitalistischen Ländern ist dort nichts zu hören und nichts zu lesen, vom Kampf der marxistisch-leninistischen Parteien dieser Länder ist nicht die Rede. Nein, diese Propaganda ist aus den Spalten der chinesischen Presse verschwunden. Diese Haltung dient Chinas Strategie, den kapitalistischen Staaten und dem amerikanischen Imperialismus zu verstehen zu geben, dass China den revolutionären Kampf und die Hilfe für die Völker, die für Befreiung kämpfen, eingestellt hat. Andererseits bestehen Chinas Betrug und Demagogie eben darin, dass es sich als revolutionär aufspielt, so tut, als helfe es den Revolutionären und den marxistisch-leninistischen Parteien, was durchaus nicht stimmt. In Wirklichkeit hilft China nur jenen Elementen und jenen sogenannten marxistisch-leninistischen Gruppen, die seiner konterrevolutionären Strategie und Politik Lobeshymnen darbringen. Unter diesen Umständen lässt sich also keinesfalls sagen, die politische und ideologische Linie der Kommunistischen Partei Chinas sei richtig, revolutionär und marxistisch-leninistisch. Sie hat sich in eine Sackgasse verrannt, einen konterrevolutionären Weg eingeschlagen. Deshalb müssen wir durch unsere Propaganda und unsere Haltung die wirklich marxistisch-leninistische Linie betonen, die in der nachdrücklichen Verteidigung der nationalen Befreiungsbewegung der Völker, der wahren marxistisch-leninistischen Partien und aller demokratischen, fortschrittlichen Menschen besteht, die gegen die Unterdrückung durch das einheimische und das kosmopolitische Kapital kämpfen.

Es scheint, als unterstütze China die Länder der «dritten Welt». Die Unterstützung gilt den Positionen der Regierenden dieser Staaten, einschließlich jener, die mit dem amerikanischen Imperialismus bzw. mit allen bürgerlich-kapitalistischen Staaten, die sich dem sowjetischen Sozialimperialismus entgegenstellen, verbunden sind. Da es nicht auf revolutionären Positionen steht und nicht für das Interesse der Völker kämpft, macht China jedoch keinen Schritt vorwärts, im Gegenteil, es macht Schritte rückwärts.

VLORA, MONTAG,

7. MÄRZ 1977

DIE CHINESISCHE FÚHRUNG HAT DEN POLITISCHEN

KOMPASS VERLOREN

Die internationale Lage ist reich an Ereignissen; überall auf der Welt findet ein Kampf zwischen den verschiedenen Staaten, zwischen den beiden Supermächten, dem amerikanischen Imperialismus und dem sowjetischen Sozialimperialismus statt, und die Klassenwidersprüche zwischen der kapitalistischen Bourgeoisie und dem Proletariat vertiefen sich. Die Kommunisten nehmen an diesem Klassenkampf des Proletariats und der übrigen ausgebeuteten Massen für politische und wirtschaftliche Rechte aktiv teil. Überall, wo sie geschaffen worden sind, in allen Teilen der Welt, kämpfen die marxistisch-leninistischen Parteien gegen die beiden Supermächte, gegen das unterdrückerische Kapital in ihren Ländern und gegen den modernen Revisionismus.

In dieser Situation ist nichts davon zu hören, dass China etwas tut, Schritte unternehmen würde, um die Positionen der Revolution zu festigen, um den Klassenkampf des Weltproletariats und den Befreiungskampf der Völker zu stärken. Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass es keinerlei Schritte unternimmt. Doch warum? Weil die gegenwärtige Führung der Kommunistischen Partei Chinas keine wirklich revolutionären, sondern sehr opportunistische Positionen einnimmt und den politischen Kompass verloren hat. Der Opportunismus, von dem sie befallen ist, lässt ihre Linie unbeständig, unsicher sein, führt dazu, dass sie nicht den kleinsten Schritt vorwärts macht, weil sie sonst mit sich selbst, mit der eigenen Arbeiterklasse und den Bestrebungen des ganzen chinesischen Volkes in Widerspruch geraten würde. Die Schritte, die die gegenwärtige chinesische Führung im Land unternahm, waren konterrevolutionär. Sie er folgten nicht nach den Parteiregeln, deshalb verursachten sie der Partei Kopfschmerzen, für die sich nicht leicht eine Arznei findet. Lilie chinesische Führung befindet sich also in einem Zustand innerer politischer Unbeständigkeit, der auch ihre äußere Unbeständigkeit bzw. ihre Inaktivität in der Außenpolitik nach sich zieht.

Im Innern Chinas herrscht ein Chaos: die Menschen akzeptieren nicht so ohne weiteres die Ansichten und Handlungen der neuen Führung, die nicht einmal in der Lage ist, China wenigstens auf dem Weg zu leiten, auf den es Mao Tsetung und Tschou En-lai gebracht haben. Auch wenn der Weg dieser beiden Führer nicht marxistisch-leninistisch, sondern pragmatisch, opportunistisch war, so spielte doch Chinas grosse Autorität international weiter eine Rolle, wenn auch selbstverständlich keine erstrangige. Momentan spielt China keine aktive Rolle auf dem Feld der internationalen Politik und besitzt nicht die Autorität, die ihm zustehen würde. Niemand hört auf es, weil es nichts zu sagen weiss; es nimmt nicht teil am politischen Leben auf der Welt, ja sogar die politischen Aktivitäten im Inland selbst haben gegenwärtig keine Bedeutung. Dorthin kommt jetzt vielleicht einmal eine koreanische Handelsdelegation, irgendein Vizeminister, eine jugoslawische Journalistendelegation, die kreuz und quer durch China reist. Auch in den wichtigsten Pekinger Zeitungen wird man auf nichts anderes stossen als eine abgedroschene Propaganda gegen die «Vier» und die grosse Aufmerksamkeit, die der jugoslawischen Journalistendelegation und der jugoslawischen Politik entgegengebracht wird.

Die chinesische Presse verfolgt die Politik Titojugoslawiens mit grosser Aufmerksamkeit, propagiert sie, stellt sie heraus. Genauso stellt sie auch die Politik Rumäniens heraus. Jetzt, nach dem Erdbeben in Rumänien, sind in der Zeitung «Renmin Ribao» nur noch Floskeln wie «das heroische rumänische Volk» hier, «das heroische Volk» dort usw. zu finden. Es ist wahr, dass dem rumänischen Volk ein schweres Unheil widerfahren ist, das uns in unserem menschliclzen und kommunistischen Empfinden tief getroffen hat, doch die Politik unserer Partei dem revisionistischen rumänischen Staat und der rumänischen Revisionistenführung gegenüber ändert sich deshalb nicht im geringsten. Die rumänische revisionistische Führung geht alle Welt um Hilfe an, und wir sehen, wie man ihm von den Vereinigten Staaten von Amerika bis London mal 50 000, mal 100 000 Dollar an Hilfe schickt, was nachgerade lächerlich ist. So lácherlich ist diese «Hilfe» geworden, dass die rumänische Führung genötigt war, sich mit einer Erklärung an das Internationale Rote Kreuz in Genf zu wenden, sie nehme über die bisher erhaltene hinaus keine weitere Hilfe aus dem Ausland mehr an. Was sollte sie auch annehmen? Was sie Rumänien gegeben haben, sind lächerliche Almosen.

In diese ungünstige Lage ist Chinas Politik nunmehr geraten. Doch das Verhalten der heutigen chinesischen Führer ist merkwürdig, und merkwürdig ist es schon immer gewesen. Anlässlich des ". März, so informiert uns unser Botschafter in Peking, gab die Verantwortliche der chinesischen Frauenorganisation (von der ich nicht weiss, ob sie als Organisation überhaupt existiert, anscheinend existiert aber die Verantwortliche als Person) zusammen mit Tschou En-lais Witwe einen Empfang für die Frauen der in Peking akkreditierten Botschafter. Bei diesem Empfang setzten sie die Fráu unseres Botschafters in auffälliger Weise zwischen sich an die Haupttafel, um den Frauen des diplomatischen Corps vorzuführen, dass ihre Beziehungen zur Sozialistischen Volksrepublik Allianzen die allerbesten seien.

Was zeigt das? Das zeigt die Unbeständigkeit und Doppelzünziakeit der heutig-«en chinesischen Führung, die einerseits solche Demonstrationen veranstaltet und uns andekerseits den Dolch in den Rücken stösst. Das heisst, dass sie, wo sie nur kann, spaltet, dass sie die Führungen der marxistisch-leninistischen Parteien zu spalten versucht, die sich in einer schwierigen Lage befinden, weil sie von dem, was ihnen die Chinesen sagen, nicht überzeugt sind, aber noch zögern, offen gegen die chinesische revisionistische Linie Stellung zu beziehen. Ein Teil von ihnen wendet sich dann an uns und will einige unvereinbare Auffassungen in der internationalen kommunistischen Bewegung, vor allem zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens, klären. Wir sagen ihnen: Bitte, wir sind bereit zu diskutieren, auch wenn auf unserem 7. Parteitag alle politischen und ideologischen Probleme für jeden klar behandelt wurde. Wir haben eine Linie, einen Standpunkt, den wir offen geäussert haben, und zwar nicht nur auf dem 7. Parteitag. Dieser Parteitag, der die gegenwärtige Weltsituation in der gebotenen Weise analysierte, ist vielmehr die Folgerung aus der gesamten richtigen Linie, der marxistisch-leninistischen Strategie und den marxistisch-leninistischen Taktik en unserer Partei, die dieser Strategie dienen.

Die Haltung, die die jetzigen chinesischen Führer momentan einnehmen, stellt unseres Erachtens die Grundlage jener unbeständigen und antimarxistischen Politik der neuen Führung mit Hua Guo-feng an der Spitze dar.

Betrachtet man sich den Spiegel der chinesischen Presse auf die politischen Auffassungen der chinesischen Partei und des chinesischen Staates hin, so findet man nur ein Thema: den Kampf gegen den sowjetischen Revisionismus oder, besser gesagt, den Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, was heisst, dass man nur eine staatliche Politik betreibt. Man reitet also unablässig auf dem gleichen herum. So sind die chinesischen Zeitungen voll von Meldungen verschiedener Nachrichtenagenturen über politische und ideologische Standpunkte, die die Forderungen, den Kampf der Staaten untereinander, verschiedene Beratungen, die auf der Welt stattfinden usw. widerspiegeln. Das heisst, die chinesische Politik, die chinesische Presse ist darauf orientiert, überall auf der Welt jene Nachrichten der verschiedenen Nachrichtenagenturen aufzuklauben, in denen die Lage auf eine Weise dargestellt wird, die den chinesischen Ansichten zupass kommt und Wasser auf die Mühlen der Politik Chinas leitet. Diese Politik ist gegen den sowjetischen Sozialimperialismus und für die Vereinigten Staaten von Amerika, für die Einheit des Proletariats mit der Bourgeoisie aller möglichen Staaten im Kampf gehen den sowjetischen Sozialimperialismus.

Das heisst, China hat keine eigene Politik. In den chinesischen Zeitungen findet sich kein Leitartikel, in dem die politischen Anschauun2en der chinesischen Regierung zum Ausdruck kämen, von denen der Partei -ganz zu schweigen, die nirgends zu sehen sind. Man wird darin nur Meldungen ausländischer Nachrichtenagenturen finden, die ein klares Bild von der Politik vermitteln, die China betreibt. Des geschieht, damit China, wenn man ihm einmal vorhält: «Das war deine Politik», sagen kann: «Das war nicht meine Politik, ich habe nur die Nachrichten wiedergegeben, die mir am wichtigsten erschienen.» So findet man die chinesische Politik in keiner einzigen Zeitung, in keiner einzigen Rede der wichtigsten Führer Chinas formuliert. Nur auf zwei Probleme wird man in diesen Zeitungen stossen: auf den Kampf gegen die «Vier» und den Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.

Wir müssen den sowjetischen Sozialimperialismus ständig entlarven, wie wir ihn schon bisher entlarvt haben. Entlarvt haben wir gleichzeitig aber auch den amerikanischen Imperialismus, und das werden wir weiter tun.

VLORA, MITTWOCH,

9. MÄRZ 1977

DIE CHINESISCHEN OPPORTUNISTEN VERLANGEN VON DER

KOMMUNISTISCHEN WELT, IHNEN RUHMESLIEDER

ZU SINGEN

Eine Haltung, die uns nicht erstaunt. Die Nachrichtenagenturen bringen die Erklärung der Prasidenten von Peru und Argentinen über die lateinamerikanische Integration. Selbstverständlich liegt diese Erklärung auf der Linie der Diktatoren der lateinamerikanischen Staaten, die sich auf den amerikanischen Imperialismus stützt. Doch darum geht es nicht. Uns geht es darum, dass diese Erklärung auch von China in der Presse propagiert wird. Das heisst, China ist bereit, jede Handlung dek Reaktion zu propagieren und der eigenen sowie der Weltöffentlichkeit bekannt zu machen, wohingegen es die Erklärung der 8 marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Länder Lateinamerikas mit keinem Wort erwähnt.

Dieses wichtige Ereignis in der kommunistischen Weltbewegung lässt China unbeeindruckt, oder besser gesagt, es kommt ihm nicht gelegen, denn sonst wäre es bereit, nicht nur eine einfache Nachricht, sondern auch ganze Artikel zu veröffentlichen. So verfuhr es bei den Beschlüssen, die die «marxistisch-leninistische Kommunistische» Partei Australiens auf den Bericht und die Resolutionen des Zentralkomitees dieser sogenannten marxistisch-leninistischen Partei hin fasste. Der Parteivorsitzende, Hill, sandte der Kommunistischen Partei Chinas auch einen Brief, in dem er Hua Guo-feng als klugen und fähigen Mann preist, die «Maotsetungideen» rühmt, die seiner Aussage nach der Marxismus-Leninismus sind, in dem er die «Vier» verurteilt und die «dritte Welt» gemäss der Theorie Mao Tse-tungs verteidigt. Diesen Brief Hills veröffentlicht die Kommunistische Partei Chinas auf der ersten Seite von «Renmin Ribao».

Diese Haltung spricht für sich. Für uns wird klar, dass die Kommunistische Partei Chinas nur über jene Parteien und Gruppen spricht, die ihr hinterherlaufen, sich bei ihrer Führung anbiedern und sie rühmen, während sie die Aktivität der anderen marxistischleninistischen Parteien gar nicht erwähnt, ja noch nicht einmal ihre Fixstenz und ihre Handlungen, z. B. die Erklärung der 8 Parteien der Länder Lateinamerikas, in der auch China und Mao Tsetung unterstützt werden. Doch diese Erklärung passt den Chinesen nicht in den Kram.

Der «berühmte» Geng Biao, der sich im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas mit den internationalen Angelegenheiten beschäftigt, sagte einmal zu unserem Botschafter in Peking: «Wir wollen nicht, dass Vertreter marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien zu uns nach China kommen, doch was sollen wir machen, wir können sie ja nicht hinauswerfen, uns wäre es also lieber, wenn sie überhaupt nicht kämen, denn sie bereiten uns Unannehmlichkeiten.» Für die Parteien, die ihnen gute Dienste leisten, machen die gegenwärtigen chinesischen Führer mithin Reklame, die anderen, die ihnen Unannehmlichkeiten bereiten, verleumden sie. Diese Haltung führt indessen zu nichts anderem als zur Entlarvung ihrer Absichten und ihrer Einstellung.

Die Chinesen haben einen antimarxistischen Kurs eingeschlagen und versuchen, ihn zu rechtfertigen. Ihre Anstrengungen bestehen daher aus einer hemmungslosen Propaganda ohne marxistisch-leninistische Grundlagen, ohne marxistisch-leninistische Logik und erst recht ohne marxistisch-leninistischen Geist. Die Chinesen wollen, dass alle marxistisch-leninistischen Parteien ihnen unbedingt die Stange halten, obwohl ihre Thesen falsch sind.

Sie putschten und stürzten vier Mitglieder des Politbüros. Dies ist ihre innere Angelegenheit, doch sie wollen bar jeder marxistischleninistischen Logik, dass die anderen ihre Thesen und Taten loben, propagieren, hochjubeln, sie für richtig und für marxistisch-leninistische Wahrheiten erklären.

Die zweite Sache ist schamlos. Dieser Putsch wurde von einem gewissen Hua Guo-feng angeführt, einem bis dahin nicht sehr bekannten Mann. Die Chinesen verlangen nun von der ganzen kommunistischen Welt, diesem Menschen Ruhmeslieder zu singen und den skandalösen Kult der chinesischen Propaganda um seine Person zu Anteerstützen. Das ist nicht marxistisch gehandelt, deshalb ist der Weg, den die Kommunistische Partei Chinas auf diese Weise beschritten hat, sowohl in bezug auf die Außenpolitik als auch auf die Innenpolitik, für uns albanische Kommunisten natürlich nicht marxistisch-leninistisch. Als die Beurteilung der Dinge wirklich ergab, dass die KP Chinas verteidigt werden musste, haben wir sie verteidigt. So war unsere Partei die erste, die die Kulturrevolution verteidigte, die auch Mao Tsetung verteidigte, doch nicht nur, dass wir den Kult um Mao Tsetung nicht übertrieben, wie das die Kulturrevolution tat, wir billigten ihn nicht einmal. Wir fanden es sogar verwunderlich, dass man so etwas tat, obwohl Mao Tsetung ein im In- und Ausland bekannter Führer war und kein Hua Guo-feng. Zu diesen Ereignissen bezog unsere Partei die Haltung, die sie einnehmen musste, und sie stützt sie auf Tatsachen. Wir traten nicht deshalb für die Kulturrevolution ein, weil die Chinesen wollten, dass wir sie verteidigten, sondern weil wir einsahen, dass China in diesen für es sehr gefährlichen Augenblicken verteidigt werden musste, sagte doch Mao Tsetung selbst damals zu uns, es sei in Gefahr.

Jetzt aber können wir auf keinen Fall die theoretisch und politisch falschen Thesen der gegenwärtigen Führung verteidigen und genauso wenig die Verherrlichung von Personen wie Hua Guo-feng, Geng Biao oder einem gewissen Li Hsiän-niän, der sich sein ganzes Leben lang an der Macht gehalten, sich als ein wirkliches Chamäleon erwiesen und unserer Partei, unserem sozialistischen Stáat gegenüber stets eine unmarxistische und unfreundliche Haltung eingenommen hat. Uns gegenüber verhielt er sich arrogant und wie der Vertreter einer Grossmacht. Er wollte, dass wir uns den Ansichten Iter Chinesen beugen, weil sie uns einen Kredit gaben, den sie einem sozialistischen Bruderstaat als internationalistische Hilfe geben mussten. Doch wir beugen niemals den Nacken vor diesen Leuten mit antimarxistischen Anschauungen und Auffassungen. Wir wären auch ohne die Hilfe dieser antimarxistischen Elemente ausgekommen, doch waren wir stets der Meinung gewesen, die Hilfe, die uns China gab, sei eine verdiente, internationalistische Hilfe, die ein sozialistischer Staat einem anderen sozialistischen Staat erteilte, wie es unser Land ist, das für die Revolution und den internationalen Kommunismus gekämpft hatte und kämpfte, das eingekreist von kapitalistischen und revisionistischen Staaten kämpfte, die seine Freiheit und Unab1:ängigkeit bedrohten.

Trotzdem haben wir auch zu dieser Hilfe eine Menge zu sagen, denn seit Deng Hsiao-ping die Macht angetreten hat, das heisst, seit er rehabilitiert worden ist, hat man sie uns nicht nur gekürzt, sondern wir müssen gegenwärtig auch feststellen, dass uns die Chinesen beim Bau der von China mit Krediten finanzierten Betriebe Schwierigkeiten in den Weg legen.

VLORA, MONTAG,

14. MÁRZ 1977

CHINA VERTEIDIGT SEINE OPPORTUNISTISCHE

THESE VON DER «DRITTEN WELT»

Die chinesische Theorie van der «dritten Welt», die kein Fünkchen an Klasseninhalt hat und keinerlei spezifischen Unterschied zwischen den Staaten macht, verteidigt diese «Welt», die sie selbst erfunden hat, auf verzweifelte, sture Weise. In einem Material, das Hsinhua am 3. März aus Peking übermittelte, heisst es, dass der „nichtkapitalistische Weg», den die Sowjetunion für die Länder der -dritten Welt» predigt, eine Falle sei. Dieser Weg ist zwar tatsächlich eine Falle, doch warum das so ist und wie gegen diese Falle gekämpft werden muss, das erläutert die chinesische Propaganda nicht.

Die Sowjetunion und nicht nur sie, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika, über die China kein Wort verliert, versuchen mit aller Kraft und allen Mitteln, über die sie verfügen, in die Staaten der sogenannten dritten Welt einzusickern, dort ihren Einfluss, den Neokolonialismus zu errichten und diese Ländler und diese Völker im Interesse Moskaus und Washingtons auszubeuten. Die Sowjetunion hat dafür den Weg gewählt, für die Länder der sogenannten dritten Welt die Ausnutzung der Staatsbetriebe zu propagieren; sie sollen zum Unterbau gemacht werden, der diese Länder auf den Weg des «Sozialismus» bringt. Deshalb, so ist dem Hsinhua-Material zu entnehmen, sieht die Investitions- und Bautätigkeit der Sowjetunion so aus, dass sie veraltete Fabriken dorthin schickt, versehen mit frischem Anstrich, usw. Zweifellos geht man so vor, doch es stellt sich die Frage: unter wessen Leitung stehen diese Staatsbetriebe? Stehen sie unter der Leitung des Volkes oder der bürgerlich kapitalistischen Cliquen dieser Länder? Natürlich stehen sie unter der Leitung der kapitalistischen Cliquen, mithin helfen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von -amterika eben jenen bürgerlich kapitalistischen Cliquen, die von den Hilfen der beiden Supermächte profitieren, weil sie dadurch ihre Macht auf dem Rücken des Volkes wahren und stärken können. Das ist allen klar, nur nicht den Chinesen.

Für die Chinesen ist der prinzipielle, der Klassenkampf nicht klar, den das Proletariat, die Bauernschaft, die unterdrückten Menschen und die fortschrittlichen Elemente dieser Länder führen müssen. Gegen wen muss sich dieser Kampf richten? Natürlich gegen den amerikanischen Imperialismus, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus und den inneren Feind, nämlich eben die Bourgeoisie mit

ihren Unterdrückungsapparaten, ihrer Macht, ihrer Gendarmerie, ihrer Armee, ihrer Polizei, jene Bourgeoisie, die diese Völker seit Jahrhunderten unterdrückt.

Diese Seite des Problems (und sie ist die Hauptseite) berührt China nicht einmal, es befleißigt sich vielmehr, eine reine Propagandapolitik ohne Inhalt und ohne Fundament gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu betreiben. Doch wenn man den sowjetischen Sozialimperialismus und den amerikanischen Imperialismus bekämpfen will, die ihre Fänge in das Herz dieser Völker geschlagen haben und schlagen, muss man natürlich auch den Kampf unterstützen, indem man den Klassenkampf der Völker gegen die Kräfte der Finsternis und der Unterdrückung richtet. Doch an Hand der «Klassifizierung», die Mao Tsetung für die «dritte Welt» erfunden hat, ist das nicht möglich. Dieser Kampf kann nicht geführt werden, wenn diese «Theorie» nicht liquidiert wird, wenn diese Staaten nicht so gesehen werden, wie sie sind, in der Zusammensetzung, die sie aufzuweisen haben, mit den Widersprüchen, die in ihnen bestehen, antagonistischen und nichtantagonistischen Widersprüchen, wenn nichts dafür getan wird, die antagonistischen Widersprüche zu vertiefen und den Völkern zur Seite zu springen, die um befreijung kämpfen. Eben dies ist der Weg, den unsere Partei verficht, und wir meinen, dass dies der marxistische Weg ist. China dagegen verficht nicht diesen, sondern einen Weg, der nicht marxistisch-leninistisch ist, einen vollkommen falschen Weg, der dem amerikanischen Imperialismus dient und sich mit angeblich marxistisch-leninistischen Parolen tarnt.

VLORA, DIENSTAG,

22. MARZ 1977

DIE THEORIE DER «DREI WELTEN» IST GEGEN DIE

PROLETARISCHE REVOLUTION

Die Chinesen haben alle ihre Kräfte aufgeboten, um die Theorie der «drei Welten» zu verteidigen. So haben sie einige «marxistischleninistische kommunistische» Parteien in Bewegung gesetzt, die zu demonstrieren versuchen, dass die von Mao Tsetung formulierte «dritte Welt» angeblich theoretisch unanfechtbar und die antiimperialistische und antisozialimperialistische Hauptkraft auf dem Erdball ist. Das ist nicht wahr. Wahr ist, was unsere Partei der Arbeit sagt: dass das Proletariat und die Völker, die um ihre Befreiung kämpfen, die Hauptkraft gegen die reaktionäre inländische Bourgeoisie sowie den Imperialismus und Sozialimperialismus darstellen.

Die Theorie der «drei Welten» ist gegen die proletarische Revolution und ersetzt sie durch die bürgerlich-demokratische Revolution. Diese antimarxistische Theorie streicht die entscheidende führende Rolle des Proletariats in der Revolution, nivelliert die Kräfte und steckt sie unter einen Schirm bzw. in einen Topf, indem sie sie «dritte Welt» nennt. Dieser spricht sie eine Rolle und Attribute zu, die sie nicht hat, und leugnet mit dieser «Welt» die sozialistische Welt. Das heisst, China negiert sich selbst als sozialistisches Land, bezeichnet sich als «Entwicklungsland» und nicht als sozialistisches Land. Ein sozialistisches Land ist man nach dieser Theorie, wenn man ein unentwickeltes Land ist. Diese Theorie ist schlicht antimarxistisch, reaktionär zu nennen, sie bedeutet, dass man alle unentwickelten Länder mit bürgerlich-kapitalistischem System als sozialistische Länder zu betrachten hätte. Warum tut China dies? Mir scheint, es will damit nicht nur eine irrige ideologische These verteidigen, sondern auch sein geheimes Ziel erreichen: all diese Staaten Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas zu führen, die es in diese Welt steckt, zu ihrer Leaderchip zu werden, indem es sich als ihr Hauptfürsprecher ausgibt. In Wirklichkeit aber verteidigt China überhaupt nichts, denn es gibt diesen - búrgerlichen, kapitalistischen - Staaten, keinerlei Hilfe, nicht einmal wirtschaftliche. Diese Länder sind in ihrer Mehrzahl entweder mit den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Kapital der anderen Imperialisten oder mit der Sowjetunion verbunden. Die Widersprüche, die in ihnen bestehen, leugnet China nicht, doch ohne auch die inneren Unterdrücker dort zu bekämpfen, ohne den modernen Revisionismus - eine Strömung des Kapitals, deren Zweck es ist, die Völker auf ewig unter dessen Unterdrückung zu halten - zu bekämpfen, kann man weder die Freiheit noch die Unabhängigkeit erringen und schon gar nicht den Sozialismus aufbauen.

Also müssen die um Befreiung kämpfenden Völker ihre Einheit mit der Arbeiterklasse festigen und unter der Führung der Arbeiterklasse für ihre Befreiung von der inländischen kapitalistischen Bourgeoisie und ihrer Hauptstütze, dem amerikanischen Imperialismus und dem sowjetischen Sozialimperialismus kämpfen.

DIRNSTAG,

5. APRIL 1972

DREI THEMEN DER CHINESISCHEN POLITIK

Ständig ist die Rede von der Rehabilitierung Deng Hsiao-pings, und man wartet auf sie. Das ist auch das erste Thema der chinesischen Politfile. Doch anscheinend haben sich Hua Guo-feng und Konsorten festgefahren. All ihre täglichen Anstrengungen konzentrieren sie auf die Bloßstellung der «Vier». Ihre Propaganda in dieser Sache ist schal, fad geworden, denn es werden so skandalöse, so belanglose und so aus der Luft gegriffene Dinge behauptet, dass niemand mehr daran glauben kann. Ihre Vorwürfe gegen die «Vier» kehren sich gegen sie selbst.

Das zweite Thema der Politfile der herrschenden chinesischen Führer ist: alle Äusserungen gegen die Sowjetunion, von wem sie nun auch stammen mögen, aufzuklauben und in der eigenen Presse nachzudrucken. Das ist der Grundstein ihrer Politik, und sie wollen damit ihre These beweisen, dass «die .Sowjetunion der grösste Feind» sei und alle ihren Kampf gegen sie zu richten hätten, während die Vereinigten Staaten von Amerika als ungefährlich zu betrachten seien.

Das dritte Thema ihrer Politik ist der Empfang und die Verabschiedung von Vertretern all jener «marxistisch-leninistischen kommunistischen» Parteien, die die Positionen der chinesischen Revisionisten, opportunistische Positionen einnehmen. Die Chinesen verlangen von diesen Opportunisten zweierlei: Hua Guo-feng zu rühmen und die «Vier» zu beschimpfen.

Jede andere diplomatische Aktivität wurde eingestellt. Das muss daran liegen, dass es unter den Führern in China Spaltung gibt. Sie sind gespalten, weil anscheinend ein Teil von ihnen bei der Verteidigung Dengs bis zum Ende gehen will, das heisst, bei der Verteidigung der Politfile Tschou En-lais und der Unterhöhlung der Fundamente von Maos ins Wanken geratenem «Prestige», während der andere Teil, Hua Guo-fengs Teil, seine Positionen unter dem befleckten Banner Maos zu wahren und zu konsolidieren sucht.

Wir dürfen ;nicht vergessen, was die Nachrichtenagmtur TANJUG meldet, die zur Vertrauten der Chinesen und zu ihrem Sprachrohr in diesen Fragen geworden ist. TANJUG sagt, die Bekanntgabe der ßehabilitierung Dengs sei auf Juni verschoben worden, weil die chinesischen Führer zuvor einen Weg finden müssten, jene 30 Millionen chinesischer Kommunisten zu überzeugen, die glauben, Mao habe, wie Hua Guo-feng auch, Deng schwer kritisiert. Nun müssen sie also das wieder auflecken, was sie früher ausgespieen haben.

DONNERSTAG,

28. APRIL 1977

DIE KUNDGEBUNGEN DER MARXISTISCH-LENINISTISCHEN

PARTEIEN UND DIE HALTUNG CHINAS

Die internationalistische Grossveranstaltung in Rom aus Anlass des 40. Todestages von Antonio Gramsci, die grosse Manifestation des proletarischen Internationalismus der Portugiesischen Kommunistischen Partei (Wiederaufgebaut), die in Lissabon stattfand, wie auch die beiden vorangegangenen Veranstaltungen, die eine in Westdeutschland im Anschluss an den 3. Parteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten und die andere in Italien, organisiert von der Kommunistischen Partei Italiens/Marxisten-Leninisten, sie alle haben grosse Bedeutung für die kommunistische Bewegung auf der Welt.

Diese Veranstaltungen der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, an denen Vertreter der marxistisch-leninistischen Bruderparteien teilnahmen, darunter auch Vertreter der Partei der Arbeit Albaniens, sind eine außerordentlich grosse Hilfe für die kommunistische Bewegung auf der Welt. Wir zeigen den Völkern und den Kommunisten, dass trotz des Verrats der sowjetischen und der anderen modernen Revisionisten, trotz der opportunistischen Abweichung der Kommunistischen Partei Chinas der Marxismusleninismus niemals stirbt, im Gegenteil, er bricht sich Bahn, festigt, stählt sich in Klassenschlachten .gegen den amerikanischen Imperialismus, den sowjetischen Sozialimperialismus, die reaktionäre Bourgeoisie und die Faschisten, die ihr Haupt erhoben haben.

Die von den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien veranstalteten Kundgebungen sind eine Ermutigung für die Revolutionäre, die in den bedrohlichen Augenblicken der grossen Krise des Kapitalismus sehen, dass jene Kraft existiert, die dem Proletariat aller Länder und den von den Supermächten, den kapitalistischen Grossmächten usw. unterdrückten Völkern zeigt, dass man stets mutig handeln und hart, ja auch bewaffnet gegen diese ihre wilden Feinde kämpfen muss. Überdies können wir sagen, dass diese Veranstaltungen nach dem 7. Parteitag unserer Partei aufkamen, und das war nur natürlich. Diese Veranstaltungen gewinnen eine besondere Bedeutung vor allem, wo die Linie der Partei der Arbeit Albaniens in vielen wichtigen Prinzipienfragen der Linie der Kommunistischen Partei Chinas entgegengesetzt ist.

Die Idee, über die bilateralen Beratungen hinaus auch Beratungen vieler Parteien durchzuführen, die auf unserem 7. Parteitag geäußert wurde, war eine seiner wichtigen Orientierungen. In den Fällen, wo sie es für notwendig halten, können und müssen die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien auch multilaterale Beratungen durchführen, sich über gemeinsame Handlungen gegen die Feinde des Kommunismus und der Revolution konsultieren. Die Kommunistische Partei Chinas dagegen nimmt in dieser wichtigen Frage bekanntlich den entgegengesetzten Standpunkt ein. Sie ist gegen Beratungen mehrerer oder vieler Parteien und behauptet, die einzige Lösung sei die Praktik bilateraler Beratungen.

Welche Linie hot unsere Partei in dieser Frage? Sie hält an dem Grundsatz fest, dass die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien ihre Einheit festigen, gegensätzliche Punkte, die es in ihrer Strategie und ihren Taktiken gegen die Feinde der Revolution geben mag, klären und ihre gemeinsame Tätigkeit auf internationaler Ebene koordinieren müssen. Dieses Vorgehen stählt sie und zeigt dem Feand, dass der Kommunismus eine unbezwingbare Kraft ist, dass die Kommunisten nicht gespalten sind und dass der moderne Revisionismus sein Ziel nicht zu erreichen vermocht hot. Bekanntlich hot der moderne Revisionismus das Ziel, seine Einheit in der Ungleichartigkeit zu gewährleisten, um die Einheit der Marxisten-Leninisten zu beseitigen. Während die Kommunistische Partei Chinas in dieser Frage die Linie hot, dass die marxistisch-leninistischen Parteien auf der Welt in der Illegalität oder in der Halbillegalität zu bleiben hätten. Nach Meinung der Kommunistischen Partei Chinas können diese Parteien auf der Welt innerhalb ihrer Länder aktiv sein, und wenn sie den Wunsch haben, sich hervorzutun, sollen sie nach Peking fahren, Kontakt mit Geng Biao oder auch mit Hua Guo-feng aufnehmen, die Kommunistische Partei Chinas rühmen, daraufhin wird dann ein Pressekommuniqué über diese Kontakte herausgegeben, und damit hat sich's. Dann soll ein jeder wieder nach Hause fahren.

Das würde für die marxistisch-leninistischen Parteien auf der Welt heissen, dass sie unter dem Schirm der Kommunistischen Partei Chinas zu leben hätten. Mit anderen Worten, wer nach Peking fährt und Hua Guo-fengs oder Geng Biaos Hand nimmt, der hat sich ein kurzes Kommuniqué in der Zeitung «Renmin Ribao» verdient und zeigt so der Welt, dass er «lebt und sich in voller Einheit mit der grossen Kommunistischen Partei Chinas Mao Tsetungs befindet»! Dieses Vorgehen zeigt deutlich den Patriarchalismus, den die Kommunistische Partei Chinas praktiziert. Das heisst, der Partei, die mit der Kommunistischen Partei Chinas verbunden ist, :können in der chinesischen Presse und im chinesischen Rundfunk endige Zeilen zugestanden werden, und das reicht nach Meinung der Chinesen aus, um sie als marxistisch-leninistische kommunistische Partei bezeichnen zu können.

China fürchtet sich vor Beratungen vieler Parteien, denn seine Teilnahme an diesen Beratungen wäre zwangsläufig verbunden mit der Diskussion von Problemen, die für den internationalen Kommunismus und die Revolution wichtig sind. Doch die Kommunistische Partei Chinas ist Diskussionen nicht gewachsen, würden dabei doch die papierenen Fundamente untergraben, auf die sie sich in einer Reihe von Problemen stützt, die für die Sache des Kommunismus grosse Bedeutung haben. Deshalb geht sie Beratungen dieser Art aus dem Weg und verlangt von den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, nur bilaterale Beratungen durchzuführen und sich, ohne im Einklang miteinander zu sein, im Einklang mit der Kommunistischen Partei Chinas zu befinden...

Zu uns kommen Nachrichten aus den Ländern Afrikas. Sie besagen, dass es Einheimische in Tansania und anderswo gibt, Kommunisten und Fortschrittliche, die sich über die Einstellung der Chinesen gegenüber Zaire und Mobutu sehr wundern. Sie verurteilen die reaktionäre Haltung Chinas, das dem amerikanischen Imperialismus gegen das Volk von Zaire zu Hilfe kommt, ist doch Mobutu nichts als ein Söldner, ein kapitalistischer Reaktionär, der das kongolesische Volk in enger Zusammenarbeit mit den Neokolonialisten unterdrückt, die namentlich den Kongo in ihre Klauen gebracht haben. Der amerikanische Imperialismus hat grosse Interessen in Katanga und im ganzen Kongo, und auch der französische Imperialismus hat im Kongo Interessen.

Wie ist es also möglich, dass man - unter dem Deckmantel der sogenannten dritten Welt - Cliquen wie der Mobutus hilft, die kämpfen, um ihre Völker unter dem Joch zu halten und ihnen zusammen mit den Imperialisten das Mark aus den Knochen zu saugen? Angeblich tut China dies, um den «Hauptfeind» zu bekämpfen, wie es den sowjetischen Sozialimperialismus nennt. So kämpft man allerdings nicht gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Der sowjetische Sozialimperialismus mag sich im Kongo Band in Katanga einmischen - und er hat es tatsächlich getan -, mag auch sein, dass er die Gendarmen Tshombes oder eines anderen grossen und in Katanga einflussreichen Anführers ausgebildet hat. Doch was zeigt das? Das zeigt, dass diese beiden imperialistischen Mächte, die versuchen, überall ihre Einflusszonen zu schaffen, die Märkte auf Kosten der Völker der Welt aufzuteilen, gleichermaßen bekämpft werden müssen. Man muss also die Völker der Welt zur Revolution aufrufen, denn wenn es auch heisst, der Kongo sei gegenwärtig unter Mobutu oder auch irgendeinem Tshombe oder einem neuen Kasawubu «frei» und «unabhängig», so ist er doch in Wirklichkeit weder frei noch unabhängig, sondern die Kolonie eines Imperialismus, und es gilbt Bestrebungen, die Märkte im Kongo unter zwei oder drei imperialistischen Mächten aufzuteilen.

China erkennt das, dennoch geht es diesen Weg, der nicht marxistisch-leninistisch ist. weil es davon Vorteil hat. Wie könnte man darauf verzichten. diese falsche Linie der Kommunistischen Partei Chinas, die die revoluzionäre Bewegung und die Weltrevolution spaltet, zu entlarven? Diese Linie schadet den marxistisch-leninistischen Parteien. die für die Revolution und die wahre, vollständige Befreiung der Völker vom Joch des Neokolonialismus und der wütenden inneren Reaktion kämpfen, die eng mit der ausländischen Reaktion und mit dem ausländischen Kapital verbunden ist.

Wie könnten wir uns mit der Haltung Chinas abfinden, das einerseits Mobutu, diesem Vertreter des kongolesischen Kapitals, unter die Arme greift, sogar mit Waffen, und bereit ist, zu einer Beratung über die sogenannte dritte Welt zu gehen, die der Sohn Bhuttos, dieses CIA-Agenten, der dar Volk seines Landes unterdrückt, in Pakistan organisieren will, sich aber andererseits mit grösster Kaltblütigkeit gegen die Beratungen einiger marxistisch-leninistischer Parteien ausspricht? China bekämpft diese Beratungen, spaltet die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und unterhält Verbindungen mit etlichen Gruppen von Dissidenten und Leuten, die von den Geheimdiensten des Kapitals und der Bourgeoisie der verschiedenen Länder in sie eingeschleust worden sind. Nein, hier kann es keine Versöhnung geben, denn die chinesische Linie ist eine opportunistische, eine nicht marxistisch-leninistische Linie im Dienst des Weltkapitals. Wir meinen, dass China in dieser Sache sehr falsch liegt und weit vom richtigen marxistisch-leninistischen Weg abgekommen ist

FREITAG,

29. APRIL 1977

DAS NENNT MAN: NICHT DEN WOLF, SONDERN SEINEN

SCHATTEN BEKÄMPFEN

Ich sprach mit Genossen Ramiz über eine Saehe, die ich für angebracht und wichtig halte. Wir müssen einen theoretischen Artikel schreiben, der in seinem Kern den Inhalt der opportunistischen chinesischen Linie im Zusammenhang mit der sogenannten Theorie der drei Welten entlarvt.

Wir sehen momentan, wie die Chinesen und ihre Adepten Überall mit der These von der «dritten Welt» hausieren gehen, um sie als eine «richtige Theorie der nationalen Befreiungskämofe» an den Mann zu bringen. Ohne sie ausdrücklich zu erwähnen. verunglimpfen und attackieren sie damit die richtige, marxistisch-leninistische Linie unserer Partei und ihres 7. Parteitags. der auf dieses Problem besonders einging.

Aufbauend auf einigen Zitaten von Marx und Engels. von Lenin und Stalin, die sie aus dem Zusammenhang gerissen haben, versuchen sie ihre Theorie der «driften Welt» (die faktisch die Revolution leugnet) zu erklären (und erklären doch tatsächlich nichts). Ebenso werfen uns die Chinesen vor. wir seien «Dogmatiker. Blanquisten, die die Etappen überspringen wollen». Die Albaner. so behaupten sie, kämpften nicht darum. dass die Völker der Welt zunächst den nationalen Befreiungskampf entfalten, sondern versuchten, geradewegs und auf einen Schlag zum Ziel zu kommen: dass die Völker für die proletarische Revolution kämpfen.

Mit anderen Worten. wir müssen in diesem Artikel, ohne die Kommunistische Partei Chinas beim Namen zu nennen, die opportunistischen Ansichten entlarven, die sie jetzt aufgebracht hat. um die Revolution abzuwürgen. China stimmt nicht überein mit der Bestimmung unserer Epoche durch die Klassiker des Marxismus-Leninismus, die sagten, dass die Welt nach dem Sieg der Sowjetunion, nach dem Sieg der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution, in die Epoche der proletarischen Revolutionen eingetreten ist. Für China «lebt die Menschheit nicht in dieser Epoche», es behauptet, wir befänden uns noch in der Periode der bürgerlich-demokratischen Revolutionen.

Eben diese Frage müssen wir in dem Artikel klar erläutern. Zwar hat die Welt seit den zwanziger Jahren Veränderungen erfahren, zwar haben die Völker vieler Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, die Lenin zu den Kolonialländern zählte, inzwischen eine gewisse politische Unabhängigkeit erlangt (die faktisch allerdings nur formal ist, so wie auch ihre Souveränität und Freiheit formal sind). Doch den neuentstandenen Staaten dieser Völker ist heute das Joch des amerikanischen Imperialismus und der anderen kapitalistischen Mächte der Welt, darunter auch des sowjetischen Sozialimperialismus, auferlegt, und diese Völker werden nun in anderen Formen, die wir Neokolonialismus nennen, ausgebeutet. Diese sogenannten freien Staaten werden also von bürgerlich-kapitalistischen Cliquen beherrscht, die die Völker im Einvernehmen und im wirtschaftlich-politischen Bündnis mit den Supermächten und den anderen kapitalistischen Staaten ausbeuten und unterdrücken. Viele dieser Staaten, die die Unabhängigkeit errungen haben und von denen es heisst, sie hätten die Etappe der bürgerlichen Demokratie hinter sich gebracht, haben noch nicht einmal die elementarsten Reformen dieser Etappe vollzogen, beispielsweise die Landverteilung, die Agrarreform.

Wir müssen klarstellen, dass es den marxistisch-leninistischen Parteien und dem Proletariat in dieser Situation keinesfalls erlaubt sein kann, im Rahmen des Status quo zu verharren, das heisst, nicht für die proletarische Revolution zu kämpfen. Doch wenn man von der proletarischen Revolution spricht, so muss diese erst vorbereitet werden, und um sich auf die Revolution vorzubereiten, müssen sich das Proletariat und seine Partei organisieren, müssen sie das Bündnis mit der Bauernschaft sowie der kleinen und mittleren Bourgeoisie herstellen, die nach Befreiung streben (letztere nach Befreiung von der kapitalistischen Grossbourgeoisie), um durch tiefgreifende politisch-wirtschaftliche Reformen hindurch zur proletarischen Revolution überzugehen. Das Proletariat und seine Partei dürfen weder mit den Partien der Grossbourgeoisie ein Bündnis schlissen, die in vielen dieser Staaten der sogenannten dritten Welt an der Macht ist, noch mit den Parteien des Kleinbürgertums, die auf reaktionären Positionen stehen. Die marxistisch-leninistische kommunistische Partei, die Partei des Proletariats, muss stets ihre Unabhängigkeit bewahren. Diese Partei und das von ihr geführte Proletariat dürfen nur mit jener Klasse und jenen Schichten ein Bündnis eingehen, die die Revolution wollen, die die Revolution anstreben.

Dagegen sagt China - mit der Linie, die es verfolgt und der Haltung, die es einnimmt - Stop! zur Revolution. Es vertritt einen neuen Revisionismus, eine Variante des modernen Revisionismus, eine ausgeprägt opportunistische Form der Verdrehung unserer marxistisch-leninistischen Ideologie. Im Kern betrachtet, verfolgt es in Theorie und Praxis das Ziel, die Revolution zu verhindern und aufzuhalten, den Status quo der sogenannten freien und unabhängigen, in Wirklichkeit aber von den grossen einheimischen Kapitalistencliquen im Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus beherrschten Staaten zu wahren und diese Staaten in den Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu treiben. Der «Kampf» dieser «dritten Welt», zu der sich auch China selbst zählt, findet also im Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus statt.

Mit Hilfe des amerikanischen Imperialismus, gestützt auf ihn und mit dem Anspruch, Mitglied der «dritten Welt» zu sein, versucht China so, die Revolution aufzuhalten und Zeit zu gewinnen, um selbst auch zur Supermacht zu werden. Das liegt im Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika, denn China hemmt mit dieser Linie nicht nur die Revolution, entstellt nicht nur die marxistischleninistische Ideologie, sondern trägt zugleich auch zur Erhaltung des Status quo bei, hilft also dem amerikanischen Imperialismus und der nationalen Grossbourgeoisie aller Staaten, ihre Märkte zu erhalten, bis es selbst, tief versackt in diesem antimarxistischen, antisozialistischen Weg, zu einer weiteren Supermacht wird, die die beiden Supermächte gegeneinander ausspielt.

Uns albanischen Marxisten-Leninisten fällt die Aufgabe zu, diese Linie Chinas zu durchleuchten, und zwar wie immer gestützt auf unsere grossen Lehrmeister Marx, Engels, Lenin und Stalin, die diese Fragen überaus klar dargestellt haben. Unsere Partei liess sich nicht erst auf dem 7. Parteitag von den Lehren unserer Klassiker leiten, sondern schon von ihrer Gründung an, und sie wird sich auch in Zukunft von ihnen leiten lassen. Sie hat sie theoretisch richtig verstanden und auch praktisch richtig angewandt.

Unsere Partei hat sich niemals dogmatisch verhalten, sie war in keiner Weise blanquistisch, im Gegenteil, sie hat es jederzeit verstanden, das Volk auf dem Weg der bürgerlich-demokratischen Revolution zu führen, auf dem Weg des Nationalen Befreiungskampfes, in dem es darum ging, die nazifaschistischen Besatzer zu schlagen und aus dem Vaterland hinauszuwerfen. Unsere Partei verstand es, diesen grossen nationalen Befreiungskampf mit den marxistisch-leninistischen Prinzipien zu verknüpfen, das heisst mit dem 'Übergang von der Etappe der bürgerlich-demokratischen Revolution zum Aufbau des Sozialismus. Wie lange die Etappe der bürgerlich-demokratischen Revolution dauerte, ist nicht wichtig, denn unter den bei uns gegebenen Bedingungen bestand bei der Lösung der Aufgaben sowohl der bürgerlich-demokratischen als auch der sozialistischen Revolution eine enge Verflechtung, sowohl zeitlich als auch von der Marschroute her. Die Verhältnisse in unserem Land gestatteten es, die Etappe der bürgerlich-demokratischen Revolution sehr rasch zu durchlaufen, und die Partei verstand es, die geschaffenen Bedingungen auszunutzen. Die Bedingungen waren reif, da die bürgerlichen Elemente - der Handelsbourgeoisie bzw. der Feudalen des Landes bei uns mit den Besatzern verbunden waren, mit ihnen gemeinsame Sache machten, sich zum Kampf gegen das Volk erhoben und vom Kampf des Volkes hinweggespült wurden, so dass die Revolution relativ leicht und schnell von einer Etappe in die andere hinüberwuchs.

Mit Hilfe des Artikels, den wir schreiben werden, müssen wir der Weltöffentlichkeit. insbesondere den Marxisten-Leninisten, Klarheit über diese betrügerische Theorie geben, die die chinesischen Revisionisten unter der Maske des Marxismus-Leninismus verbreiten. Sie meinen, die Marxisten-Leninisten der ganzen Welt müssten, weil China (angeblich) ein sozialistisches Land ist und Mao Tsetung ein «grosser Marxist-Leninist», alles, was er gesagt hat, unter allen Bedingungen widerspruchslos befolgen. Das akzeptieren wir nicht.

Wir müssen die Entwicklung des Sozialismus in China analysieren - und haben es auch schon getan -, um zu sehen, was für ein Sozialismus dort entwickelt wird und welcher Formen man sich auf diesem Weg bedient. Wir waren mit den Ansichten Mao Tsetungs schon vor geraumer Zeit nicht einverstanden, besonders dort, wo er davon sprach, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Diese Ansicht Mao Tsetungs haben wir niemals als marxistisch-leninistisch akzeptiert, betrachtet Mao Tsetung doch damit die Bauernschaft als die revolutionärste Klasse. Das ist eine antimarxistische Ansicht.

Die revolutionärste Klasse der Gesellschaft ist das Proletariat, deshalb muss es die Revolution im Bündnis mit der Bauernschaft führen, dem treusten Verbündeten des Proletariats. Das Proletariat muss diesen Verbündeten gewinnen, den auch die Bourgeoisie auf ihre Seite zu ziehen versucht. Maos Theorie geht noch weiter. «Die Völker der drei Kontinente Asien, Afrika und Lateinamerika», p predigt Mao, «müssen sich zusammenschließen gegen die beiden anderen Kontinente, den alten Kontinent und den nordamerikanischen Kontinent», also gegen Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Mao vertrat mithin, als Derivat seiner Theorie, die Ansicht, man müsse bedingungslos alle Staaten dieser drei Kontinente unterstützen, ohne Klassenunterschiede und Differenzierungen nach den verschiedenen Regimen zu machen. Seiner Ansicht nach sind Europa und Nordamerika die Städte, das Proletariat, die anderen drei Kontinente dagegen die Bauernschaft. Diese Theorie ist aberrante*, *( widersinnig (frz. im Original)) sie berücksichtigt nicht die objektive Realität, die materialistische Entwicklung der Geschichte, ihr ist die Rolle der Arbeiterklasse, des Proletariats und seiner marxistisch-leninistischen Partei nicht klar, sie lässt die Revolution ausser acht. Es ist gerade Mao Tsetungs Theorie, die die verschiedenen Etappen, in denen die Entwicklung der Menschheit notwendigerweise verläuft, nicht berücksichtigt. Mao Tsetungs Vorstellung, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse, nimmt gegenwärtig in der Theorie der «dritten Welt» Gestalt an. Tatsache ist, dass Mao Tsetung, da er damit die «dritte Welt» zur gegenwärtigen Hauptkraft der Revolution erklärt, die grosse revolutionäre Kraft, die die Geschichte vorwärtstreibt, das Weltproletariat, in der Theorie liquidiert. Das ist absurd.

Diese «Theorie» der chinesischen Revisionisten bzw. diese ihre «Analyse» der heutigen Welt bedeutet eine Unterstützung für die feindliche Ansicht, dass «die Revolution fehlgeschlagen» sei, «sich in einer starken Rückentwicklung» befinde, und wir jetzt nicht mehr von der proletarischen Revolution sprechen dürften, sondern die Hände in den Schoss legen und Mobutu von Zaire Beifall klatschen, ihm helfen müssten. Doch Mobutu und Co. sind Vertreter der gekauften Grossbourgeoisie, die mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Frankreich und den Kapitalisten der anderen Länder verbunden ist. Was aber macht China? Es setzt sich mit Waffen und Propaganda für Mobutu ein. Das ist die Politik, die es macht. Doch ist diese Haïtung richtig? Nein, diese Haltung kann nicht richtig sein. Im Gegenteil, auf diese Weise macht China das Joch, das auf dem kongolesischen Volk lastet, noch schwerer. Dasselbe können wir auch über die anderen Länder sagen.

Deshalb muss der Artikel, den wir schreiben werden, sorgfältig erarbeitet sein, sein Inhalt muss ein hohes theoretisches Niveau haben, er muss alle Winkel gut ausleuchten. Wir müssen gestützt auf unsere marxistisch-leninistische Theorie zeigen, dass die Thesen unseres 7. Parteitags richtig, marxistisch-leninistisch sind, dass sie auf den Lehren unserer Klassiker gründen und der objektiven Wirklichkeit der gegenwärtigen Welt, ihrer Einteilung, der Kämpfe, der Widersprüche, die es heute gibt, entsprechen. Unsere Partei analysiert all diese Situationen und Widersprüche gründlich, sie versteht es, richtige Kampftaktiken zu bestimmen und anzuwenden, deren einziges Ziel ist: Durchführung der proletarischer Revolutionen und Befreiung der Völker.

Unser letzter Parteitag hat die Kämpfe, beispielsweise die der Völker Afrikas, die eine gewisse formale Freiheit oder Unabhängigkeit errungen 'haben, sehr gut erläutert. Einige von ihnen, so etwa Algerien, haben die Unabhängigkeit im bewaffneten Kampf errungen. Einigen anderen Ländern aber wurde diese «Freiheit» und «Unabhängigkeit» vom französischen Imperialismus, vom englischen Imperialismus usw. «geschenkt». Sie, die Imperialisten, schenken den Völkern in Wirklichkeit gar nichts, sondern halten durch dieses «Geschenk» stets die Völker dieser Länder mit vielen Fäden gebunden. Wenn wir also annehmen, und das müssen wir annehmen, dass diese Völker eine «Freiheit» errungen haben, die zulässt, dass sie von der Bourgeoisie und vom brutalen Feudalismus ,ihrer Länder unterdrückt werden, dann müssen sie sich zum Kampf für die wahre Freiheit erheben. Gegen wen müssen diese Völker kämpfen, und was für einen Kampf müssen sie führen? Sie müssen kämpfen gegen die einheimischen Kapitalistencliquen an der Macht, die sie unterdrücken, gegen die ausländischen Kapitalisten, den amerikanischen Imperialismus, den französischen Imperialismus, den deutschen und den portugiesischen Imperialismus usw. und im gleichen Zug auch gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Das heisst, wenn wir von Kampf sprechen, müssen wir den vom in- und ausländischen Kapital ausgebeuteten Völkern sagen, dass sie zu kämpfen haben, während China ihnen das nicht sagt. Unsere Partei erklärt diesen Völkern, dass sie zu kämpfen haben und gegen wen sie zu kämpfen haben, während China ihnen nichts sagt, weder dass sie kämpfen müssen, noch gegen wen sie kämpfen müssen. Es ruft sie auf, nur gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu kämpfen, weil dieser nach Welthegemonie strebt und, kurz gesagt, die amerikanische Welthegemonie gefährdet. Wir zeigen den Völkern, wie sie den Kampf organisieren müssen, wer diesen Kampf führen muss, welches die Prinzipien dieses Kampfes sind, welches die Strategie und Taktik des Kampfes dieser Völker sein muss. China dagegen sagt den Völkern nichts von alledem, ganz im Gegenteil, es empfiehlt ihnen, eine Strategie des Kapitals zu verfolgen und Taktiken zu verwenden, die diesem Kapital dienen, die sein Dasein verlängern, kurzum, es sagt den Völkern, dass sie nicht den Wolf, sondern seinen Schatten bekämpfen sollen.

DIENSTAG,

3. MAI 1977

EIN AMERIKANISCHER AGENT - ENGER FREUND

MAO TSETUNGS

Ich habe das Hauptwerk des amerikanischen Journalisten Edgar Snow gelesen, des «Jahrhundertjournalisten», wie man ihn nennt, der über das China vor und nach der Revolution geschrieben hat. Sein letztes Buch indessen, das auf italienisch «La mia vita di giornalista» («Mein Leben als Journalist») heisst, vermittelt einen noch klareren Begriff davon, was dies für eine Persönlichkeit ist.

Diesem Journalisten ging ein grosser Ruf als gründlicher Kenner Chinas voraus, und das nicht ohne Grund. Diese Person hat ein sehr abenteuerliches Leben geführt. Aus allen seinen Schriften ist klar ersichtlich, dass Snow ganz gewiss ein Agent der CIA war, insofern der amerikanische Sicherheitsdienst damals schon so hiess, oder aber ein Journalist im Dienst der amerikanischen Geheimpolizei und des State Departements. Er selbst ;gibt auch zu, dass ihn Roosevelt mehrmals zu sich gerufen hat, um sich über China informieren zu lassen. Natürlich brauchte der Präsident der USA von Snow keine Informationen über das Klima in China und auch nicht über die Armeen und die Verwaltung Tschiang Kai-Schecks. Es ist ganz klar, was Roosevelt von Snow wissen wollte: er wollte etwas über die Leute in den Höhlen van Yenan erfahren, über ihre Auffassungen und Ziele.

In diesem Buch erzählt Edgar Snow von seiner Pilgerfahrt - wie er vor dem chinesisch-japanischen Krieg von den Philippinen aus über Indien und Indonesien schliesslich in China landete, wo er sich jahrelang aufhielt. Er hatte Verbindungen zu ausländischen Konzessionären und arbeitete insbesondere für die Vereinigten Staaten von Amerika, war mit Tschiang Kai-Scheck verbunden, mit den wichtigsten chinesischen Kapitalisten, und fand schließlich über die Frau Sun Yat-sens auch Zugang zu den von den chinesischen Kommunisten befreiten Gebieten. Das heisst, er kam bis ins Hauptquartier Mao Tsetungs in den Höhlen, in denen sich das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas nach dem Langen Marsch niedergelassen hatte.

Ehe er auf Mao zu sprechen kommt, ehe er von seinem regen Umgang mit den chinesischen Führern erzählt, behandelt Edgar Snow in diesem Buch eine Reihe von Fragen, eine Reihe von Fakten: wie die industrielle Zusammenarbeit mit Tschiang Kai-schek, mit der Kuomintang, mit Tschou En-lai und anderen chinesischen Kommunisten organisiert wurde; wie der Schwiegervater Tschiang Kai-scheks und Sun Yat-sens half; wie die Kapitalisten ausserhalb Chinas, in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Hongkong und änderswo, interessiert wurden; wie schon damals begonnen wurde, die Formen der Entwicklung der Landwirtschaft, der Entwicklung der Industrie zu organisieren, die später, nach der Befreiung Chinas, gewissermassen definitivere Gestalt annehmen sollten, denn wirklich definitiv ist in China nichts.

Dann spricht Edgar Snow von seinem Leben in den Höhlen von Yenan. Wie ich schon oben sagte, berichtet er, dass er bis hinein ins Zentrum der chinesischen Kommunisten gelangte, Freund und Vertrauter der Mitglieder des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas wurde, einen ganzen Tag und und eine Nacht mit ihnen und ihren Frauen zusammennass, plauderte und ihnen Poker beibrachte. Er erzählt, wie er auch das Verbrauen Mao Tsetungs gewann. Ihn schildert er anfänglich als einen weltfremden Träumer, landet aber dann auf ganz raffinierte Weise bei dem, worauf er hinaus will: die Schaffung der grossen Persönlichkeit Mao Tsetungs. Der Autor erzählt, dass Mao Tsetung vertrauter mit ihm wurde, weil der nationale Befreiungskampf Chinas, die chinesische Revolution damals in den Vereinigten Staaten von Amerika und in der westlichen Welt nicht bekannt waren. Snow sagt, Mao Tsetung sei versessen darauf gewesen, dass über die chinesische Revolution und über ihn geschrieben werde, damit die Welt begreife, was dies für eine Revolution und wer die chinesische Führung war.

Edgar Snows vertrauter Umgang mit Mao Tsetung war sogar so weit gediehen, dass er auch hanebüchene Vorkommnisse aus dem täglichen Leben Maos anzuführen weiss. So schreibt er etwa in diesem Buch schwarz auf weiss, Mao Tsetung habe 7 Tage lang an Verstopfung gelitten, und als er endlich konnte, sei dies ein grosses Ereignis für seine gesamte Umgebung gewesen.

Mit anderen Worten, Mao Tsetung und die anderen chinesischen Führer hatten uneingeschränktes Vertrauen zu Edgar Snow. Dieser war China dienlich, half ihm, denn er machte China und Mao Tsetung im Ausland bekannt, aber auch China half Snow beträchtlich. Seiner Aussage nach ging das Vertrauen der chinesischen Führer in ihn so weit, dass Mao Tsetung diesen Amerikaner über alle seine politischen Pläne, über alle seine ideologischen Anschauungen, ja selbst über seine militärischen Pläne auf dem laufenden hielt. Edgar Snow schreibt auch, dass er stets, wenn Mao Tsetung einen Angriff gegen die Japaner oder gegen Tschiang Kai-Scheck vorbereitete, so weitgehend ins Bild gesetzt worden sei, dass Mao ihm sogar gesagt habe: «Falls die Japaner diese Taktik anwenden, werden wir eine andere Taktik verfolgen»; «sollte uns Tschiang Kai-schek von dieser Seite her angreifen, werden wir von der anderen Seite her gegenangreifen oder uns an dieser oder jener Flanke zurückziehen». Edgar Snow war also quasi Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, so dass er, auch wenn er nicht innerhalb der Führung sass, doch von aussen alles wusste, weil ihm vollstes Vertrauen entgegengebracht wurde.

Dieser Mensch gibt sich als sehr bedeutender Chinakenner und wird als solcher propagiert, und im Westen ist er eine Autorität, daran besteht kein Zweifel. In diesem Buch präsentiert sich Edgar Snow als wütender Sowjetgegner, nicht aber im Hinblick auf die Sowjetunion der jüngsten Vergangenheit, sondern als Sowjetgegner mit einem, wie der Franzose sagt, viszeralen* *( hier: abgrundtief (frz. im Original))Groll und Hass gegen die Diktatur des Proletariats, gegen Stalin, gegen die Sowjetunion. Und wann redet er so? Zur Zeit des grossen antifaschistischen Kriegs der Sowjetunion gegen die Hitlerner. Es ist merkwürdig, dass eine so zweifelhafte, ja sogar sehr verdächtige Figur, ein solcher Sowjet feind, der seine Sowjetfeindlichkeit nicht verbarg, bei Mao Tsetung und den anderen Mitgliedern des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas so grossen Kredit hatte. Chinas Einstellung zu ihm blieb bis ans Ende seines Lebens unverändert; ehe er starb, fuhr er sogar noch einmal nach China und wurde dort von Mao Tsetung mit grossen Ehren empfangen.

Wenn man all dies liest, kommt man um den Gedanken nicht herum, dass die Ansichten Mao Tsetungs und seiner Genossen proamerikanisch waren, dass sie ,grosse Sympathie für die Vereinigten Staaten von Amerika empfanden, und dass es dem «Journalisten» Edgar Snow gelang, eine wichtige Rolle bei der Annäherung Chinas an die Vereinigten Staaten von Amerika zu spielen, bei der Vorbereitung von Kissingers, dann Nixons und später auch Fords Besuch in China.

DONNERSTAG,

5. MAI 1977

CHINAS PROAMERIKANISCHES SPIEL IST SEHR GEFÁHRLICH

Noch einmal einige Gedanken zu Edgar Snows Buch: «Mein Leben als Journalist».

Im letzten Kapitel seines Buches berichtet der Autor über ein Gespräch mit dem Inder Nehru. Er blickte auf die Uhr und stellte fest, dass sie stehengeblieben war. Daher fragte er Nehru nach der Zeit. Dieser nannte sie ihm, setzte aber hinzu: «Ihr müsst die Uhren umstellen.»

Edgar Snow erzählt diese Episode, weil er Kritik an der amerikanischen Politik China gegenüber üben will. Diese Politik, die lange Zeit verfolgt wurde und von McCarthy, Truman und anderen inspiriert war, die Tschiang Kai-Scheck unterstützten, nennt er perspektivlos und falsch. Er schreibt, in Amerika habe man die von Mao Tsetung geführte chinesische Revolution nicht verstanden, deshalb habe man gefordert, dass China auf den alten kapitalistischen Positionen bleiben und dem amerikanischen Kapitalismus gewisse Konzessionen machen solle.

Edgar Snow, der Verteidiger des amerikanischen Imperialismus, zeigt sich als Sympathisant Chinas. Seine konklusiven Analysen sind folgende: Als China im Jahr 1949 seine Unabhängigkeit erlangte, begingen die Vereinigten Staaten von Amerika den Fehler, zu meinen, es werde diese Unabhängigkeit dem Kreml in den Rachen werfen. Nein, das wird nicht geschehen, sagt er, und er liefert eine Reihe von Argumenten, warum China nicht zur Kolonie des Kremls werden kann. Dazu gehört das Argument, dass China sich bei der Durchführung seiner Revolution auch ideologisch nicht auf das Proletariat der Städte stützte, sondern auf die Bauernschaft. China finde in dieser und in vielen anderen Fragen ideologisch nicht mit dem Kreml zusammen. Deshalb, schreibt Edgar Snow, liegt es im Interesse der Vereinigten Saaten von Amerika, in China einen Freund und einen grossen Markt zu haben, den sie brauchen, also muss die Haltung China gegenüber unbedingt geändert werden.

Und natürlich stellt Edgar Snow China und das neue chinesische Regime Mao Tsetungs as nicht sehr radikal dar, um seine Meinung zu untermauern und so Einfluss auf die amerikanische Politik zu gewinnen. Wenn die Vereinigten Staaten von Amerika in ihrer Chinapolitik eine Wende vollziehen, so meint er, ist es sehr leicht möglich, dass dieses Regine eine freundschaftliche Politik den USA gegenüber verfolgt. Dies' Politik, so Edgar Snow; hat grosse Bedeutung in Anbetracht der Ausdehnung des chinesischen Territoriums, seiner grossen Bevölkermg, der reichen chinesischen Bodenschätze und des Einflusses, den idieses Land in Asien und auf der Welt ausüben wird.

Schlussfolgernd sagt er, dass dieser Einfluss dem gegenwärtigen kapitalistischen System keinen grossen Schaden zufügen wird, das seiner Meinung nach nicht die Merkmale, die Organisation und die Politik der Zeit vor dem I. oder auch dem II. Weltkrieg beibehalten kann und sich deshalb gendwie dieser Situation anpassen muss.

Edgar Snow, der Mann des amerikanischen State Departements, der Kontakte mit den amerikanischen Präsidenten hatte (er wurde drei, vier Mal von Roosevelt in Audienz empfangen) und zur Konsultation über die chinesischen Probleme gerufen wurde, präsentiert sich als Freund des maoistischen China. Liest man sein Buch, so kann man sagen, dass e; ihm gelungen ist, viele dieser Ansichten und Absichten der Ameñkaner bis zu einem gewissen Grad in die chinesische Führung hintinzutragen und ihnen dort Verbreitung zu verschaffen, werden wir loch gegenwärtig Zeuge eines grossen Umschwenkens der chinesisihen Politik hin zur Freundschaft mit dem amerikanischen Imperialsmus, der weder seine Natur noch seine Absichten geändert hat. Ich sage, dass es Edgar Snow gelungen ist, seine Meinungen bis zu einem gewissen Grad in die chinesische Führung hineinzutragen, hat doch Mao Tsetung immerhin nach der Befreiung Chinas einige Jahre lang den «unbarmherzigen, kompromisslosen» Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus gepredigt, während er .gegen Ende seines Lebens (und zwar, als er seine fünf Sinne noch vollkommen beisammen hatte und ganz normal war) auf den Weg der Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika fand. Mao bahnte diese Freundschaft sogar mit Nixon und Kissinger an, Leuten, die von Edgar Snow in seinem Buch als Poliertische Figuren dargestellt werden, gegen die er persönlich einen grossen Hass hegte. Ausgerechnet mit Nixon knüpfte Mao Tsetung jedoch die Fäden, und als dieser gewisse Präsident gezwungen war, wegen seiner politischen Skandale vom Weissen Haus Abschied zu nehmen, lud ihn Mao noch einmal nach Peking ein und hatte ein herzliches Treffen mit ihm, um die Welt erkennen zu lassen, dass er den Expräsidenten, den sogar die amerikanische «Demokratie» selbst «verabscheut hatte», unterstützte.

Es ist also begreiflich, dass die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat diese ganze Strategie und die Taktiken, derer sie sich bedienen, um ihre 180-Grad-Wendung gegenüber dem amerikanischen Imperialismus zu tarnen, mit angeblich marxistischleninistischen Thesen zu untermauern versuchen, mit Zitaten von Lenin, Marx und Engels, indem sie behaupten, auch diese hätten Kompromisse mit dem Imperialismus vertreten, indem sie behaupten, die Welt sei in Veränderung begriffen, man müsse sehen, wo der Hauptfeind sitze, gegen den man sich mit allen anderen Feinden zusammenschlissen könne, und dergleichen dem Marxismus-Leninismus widersprechende Auffassungen mehr. Alle diese Thesen der Kommunistischen Partei Chinas sind falsch. Sie verdreht die Zitate der Klassiker, reisst sie aus dem Zusammenhang, so dass dadurch nur ihr Verrat illustriert wird.

Es ist klar, dass die Vereinigten Staaten von Amerika auf diese chinesische Avance eingehen werden; sie werden China helfen und es durch Kredite und neue Technologie bis zu einem gewissen Grad von sich abhängig machen. Doch gleichzeitig wird der amerikanische Imperialismus nicht China zuliebe seine Beziehungen zur Sowjetunion bis zum Krieg verschärfen. Nein! Die Amerikaner werden eine Schaukelpolitik in- ihrem eigenen Interesse betreiben, und erst wenn die Widersprüche auch aufs äußerste verschärft haben, sei es mit der Sowjetunion, sei es mit China, können und werden sie in den Krieg gehen, der sich vom Imperialismus und Sozialimperialismus nicht trennen lässt. Letzten Endes werden sie die Welt, um sie zu beherrschen, in ein schreckliches Blutbad stürzen. Chinas Spiel, seine antimarxistische Politik ist also sehr gefährlich für die Menschheit.

SAMSTAG,

14. MAI 1977

SAIFUDIN IN JUGOSLAWIEN

Die von einem gewissen Saifudin, Kandidat des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, geleitete chinesische Parlamentarierdelegation stattet Jugoslawien gerade einen Freundschaftsbesuch ab. Sie wurde vom Vorsitzenden der Skupstina, des jugoslawischen Parlaments, empfangen, der ihr ausserordentlich wohlwollend vom grossen heldenhaften Kampf der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, die sich jetzt Bund der Kommunisten Jugoslawiens nennt, und von der Rolle des «grossen Marxisten» Tito erzählte.

SONNTAG,

15. MAI 1977

DIE UNTERWÜRFIGKEIT DER CHINESEN

AMERIKA GEGENÜBER

Nach der Londoner Beratung der imperialistischen Wirtschaftsprossmächte mit den Vereinigten Staaten von Amerika bratahte die «Prawda» einen Artikel gegen die Beschlüsse, die auf dieser Beratung gefasst wurden. Der Zweck dieses Artikels ist verständlich: Moskau ist nicht einverstanden mit den Beschlüssen, die in London gefasst wurden, deshalb bekämpft es sie, kritisiert sie und entlarvt sie auf seine Weise und seinen Interessen gemäss. Es ist wahrhaftig skandalös, dass der Moskauer Artikel von der Pekinger «Renmin Ribao» beantwortet wird, die mit grösster Unverschämtheit die «grossen Erfolge», «die Vorzüge der Einheit» dieser kapitalistischen Staaten verteidigt, sich für die «Einheit» und die Fortschritte des «Vereinten Europa» stark macht und sie als «grossen Erfolg» beirachtet, der den hegemonistischen Absichten der Sowjetrevisionisten vorbaue.

Nicht einmal die Presse des amerikanischen, des englischen, des französischen, japanischen u.a. Imperialismus macht sich vorläufig die Mühe, das Feuer zu erwidern und in eine Polemik mit den Artikeln der «Prawda» einzutreten. Die Imperialisten kümmern sich um ihre eigenen Angelegenheiten, halten Beratungen ab, treffen Massnahmen, betreiben Propaganda und schreiben natürlich auch Artikel, skandalös ist aber, dass der Chinese den «Krapfen», den Carter in London gebacken hat, schon zwischen den Zähnen hatte, ehe er noch richtig «aus dem Ofen» war.

Die Chinesen geraten mit jedem Tag tiefer in den Schlamm, in den Sumpf des Opportunismus, und sie empfinden kein Fünkchen Scham vor der Weltöffentlichkeit, vor den Marxisten-Leninisten und den Revolutionären. Wie die schmierigsten Lakaien verteidigen sie jede Handlung des amerikanischen Imperialismus und der bürgerlich kapitalistischen Staaten, und alles, was diese aggressiven imperialistischen Grossmächte, die die Völker unterdrücken, tun, wird von China beklatscht. Weiter kann man, so scheint mir, in der Unterwürfigkeit gegenüber dem amerikanischen Imperialismus, jenem Imperialismus, der China Kredite gibt, damit es sich stärken kann, nicht gehen. Hua Guo-feng und Yä Djiän-ying tönen in den Stadion eranstaltungen, an denen Zehntausende teilnehmen, als ob der Weltkrieg morgen ausgerufen würde, sagen, man müsse deshalb den bewaffneten Kampf organisieren, die Kriegsindustrie und die Wirtschaft entwickeln und neue Ölfelder erschldessen oder eine neue Industrie im Innern Chinas bauen. Doch es muss gesagt sein, dass sie die wahren Absichten dieser Kampagne verhüllen. Nach Aussage der Chinesen wird den Krieg die Sowjetunion gegen den amerikanischen Imperialismus führen, und sie erklären, sie müssten sich unbedingt auf den Krieg vorbereïten. Bis gestern sagten sie das noch nicht. Stellt sich die Frage: Wenn sie sich auf den Krieg vorbereiten, gegen wen? Wer wird China angreifen, der amerikanische Imperialismus oder der sowjetische Sozialimperialismus? Es ist nicht auszuschließen, dass der sowjetische Sozialimperialismus China angreift, deshalb sollten die Chinesen nicht zu der falschen Schlussfolgerung kommen, die Sowjetunion werde Europa und nicht China angreifen. Diese ganze heutige Politik Chinas hat ein klares Ziel: Zeit zu gewinnen, um aufzurüsten und zur kapitalistischen Grossmacht zu werden, das heisst, die gleiche Position einzunehmen wie die beiden anderen Supermächte und sich in eine Reihe mit ihnen zu stellen.

Was die Revolution betrifft, so wurde sie auf den Sankt1\ Immeerleeins-Tag verschoben.

MONTAG,

16. MAI 1977

DIE CHINESISCHE DELEGATION ÄUSSERT SICH MIT GROSSER

BEGEISTERUNG ÚBER DAS TITOISTISCHE REGIME

TANJUG, «Renmin Ribao» und Hsinhua machen täglich gemeinsam Reklame für die Jugoslawienreise der Delegation des Nationalen Volkskongresses Chinas unter Leitung von Saifudin. Der äussert sich mit besonderem Wohlwollen und bewundernd über den Kampf der Völker Jugoslawiens, die Organisierung und den Aufbau des «Sozialismus» in Jugoslawien, besucht Fabriken, Farmen usw. Er lässt es sich nicht nehmen, in Reden und Trinksprüchen seine Zufriedenheit auszudrücken, die «Gefühle der engen und aufrichtigen Freundschaft des chinesischen Volkes für das heldenhafte jugoslawische Volk». Saifudin wurde im Weissen Palast (dem amerikanischen Weissen Haus in Belgrad) mit Ehren auch von Tito empfangen. Das Kommuniqué, das TANJUG herausgab, wurde auch von Hsinhua unterstützt.

Tito äußerte Saifudin gegenüber Sympathie und Bewunderung für das grosse China, für seine Erfolge, die gewichtige Rolle, die es auf der Welt spiele, und bat ihn auch, «Genossen» Hua Guo-feng seiner grössten Verehrung zu versichern. Saifudin seinerseits überbrachte Tito die Grüsse Hua Guo-fengs, beglückwünschte ihn herzlich zum Geburtstag und überreichte ihm als Geschenk einen Wandteppich. Einen solchen Wandteppich haben die Chinesen auch Kim Ir Sen, ihrem engen Freund, zum Geburtstag geschenkt.

Man schickte Saifudin in die Woiwodina, wo der Präsident des Parlaments der Woiwodina ihm erzählte, wie in Jugoslawien all die verschiedenen Völker dieses Landes «in voller Harmonie zusammenleben», um Saifudin durch die Blume zu sagen, die nationale Frage in Jugoslawien sei richtig gelöst. Von dort aus fuhr Saifudin weiter nach Montenegro, also in die Nähe unserer Grenze, um auch <,<dieses gebirgige Land und seine heldenhafte Bevölkerung kennenzulernen und sich mit ihr anzufreunden». Bei dieser Pilgerfahrt wurde Saifudin von Peko Dapcevic begleitet, einem alten General, einem Partisanen der jugoslawischen Armee aus Montenegro. Dann führten sie ihn nach Dubrovnik, um ihm den Hafen dieser Stadt und die sowjetischen Kriegsschiffe, die dort - wie auch in anderen Häfen Jugoslawiens - ankern, vorzuführen.

In seinen Gesprächen mit den Jugoslawen und Tito versäumte es Saifudin nicht, von der «blockfreien Welt» zu sprechen, um sich bei den Jugoslawen anzubiedern. Doch ist klar, dass Saifudin nicht nur dorthin fuhr, um die Freundschaft zwischen den beiden Staaten zu festigen, sondern auch, um Verbindungen beider Parteien herzustellen, denn die Kommunistische Partei Chinas verbindet sich gegenwärtig mit allen revisionistischen Parteien westlichen Gepräges.

Ein Botschaftsrat in Peking sagte einem unserer Genossen, gegenwärtig befinde sich in Peking eine hohe Delegation der italienischen Revisionistenpartei, die Gespräche mit dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas führe, doch, so setzte der Rat hinzu, «ihr Besuch in Peking soll nicht in der Presse veröffentlicht werden», d.h., dieser Besuch soll nicht offiziell bekanntgegeben werden.

Nach dem offiziellen Treffen, das sie mit Carrillo gehabt hat, der von einiger Zeit nach Peking gereist ist, organisiert die Kommunistische Partei Chinas nun also auch Gespräche mit der italienischen Revisionistenpartei.

MITTWOCH,

18. MAI 1977

EIN KULT GEHT UNTER, EIN ANDERER STEIGT AUF

Seit 7 Monaten lesen wir Tag für Tag lange Artikel und Kommuniqués am laufenden Band, die sich gegen die «Viererbande» richten. Und was wird dieser «Bande» nicht alles nachgesagt! Alles Schlechte und Feindliche, was man sich vorstellen kann, hat die «Viererbande» getan. Diese «Bande», so die gegenwärtigen chinesischen Führer, besteht aus den vier Führern, die aus der Kulturrevolution hervorgingen.

Diese Kulturrevolution stand unter Mao Tsetungs Führung, was bedeutet, dass diese Elemente in ihrem Handeln die volle Unterstützung Mao Tsetungs genossen. Stellt sich nun die Frage: Waren diese Unterstützung und dieses Vertrauen begründet oder nicht? Meiner Meinung nach müssen sie begründet gewesen sein, sonst hätten Mao Tsetung und die andern, seine Genossen, die die Kulturrevolution führten, schwere Schuld auf sich geladen. Damit will ich sagen, dass man, wenn sie Agenten waren, wenn Dschang Tschun-tjiao ein Agent der Kuomintang bzw. Tjiang Tjing eine Hure war, die auf Tschiang Kai-Schecks Schoss sass, wie man ihr vorwirft, usw. usf., die Frage stellen muss: wie war es um die Wachsamkeit Mao Tsetungs und der anderen Führer, etwa Kang Schengs, bestellt, liessen sie doch zu, dass diese Leute - sowohl als Tschen Bo-da verurteilt wurde, als auch bei der Verurteilung Lin Biaos, als auch bei der Entfaltung der Kritik an Konfuzius und Menzius - im Zentralkomitee verblieben und laut Hua Guo-feng und Konsorten das Gesetz machten? Das ist natürlich seltsam, gleichzeitig aber auch unannehmbar.

Wir meinen, dass die gegenwärtige antimarxistische und antirevolutionäre Führung, die einen reaktionären Kurs verfolgt zugunsten des amerikanischen Imperialismus und vereint mit ihm gegen die andere Supermacht, den sowjetischen Sozialimperialismus -, diese Elemente, die wohl nicht nur zu viert sind, sondern nach Millionen zählen, niedergeworfen hat und fortfährt, sie bloßzustellen. Das zeigt, dass diese «Vier» nicht allein waren, und es erhebt sich die Frage: hatte diese ganze Masse von Leuten unrecht, wgren sie blind, ahnten, sahen sie nicht, wohin sie das Land trieben? Ein unannehmbarer Zustand, aber es ist eine Tatsache, dass die chinesische Armee, von <«Generalen» mit merkwürdigen Tendenzen kommandiert, während dieser ganzen Zeit das Gesetz machte, auch während der Kulturrevolution. Gestützt auf die Armee handelte auch Lin Biao. Ebenso machen es nun auch Hua Guo-feng, der sich auf die Armee stützt, und Yä Djiän-ying, um diesen, wie sie sagen, plötzlichen Stoss zu führen und so «die Vier mit einem Schlag zu liquidieren».

Inzwischen wird in China eine grosse Propaganda betrieben, um den Hua-Guo-feng-Kult hochzujubeln. Hua Guo-feng verfolgt die Taktik ellenlanger Versammlungen, die an die 20 Tage dauern und an denen bis zu 7 000 Menschen teilnehmen. Die Teilnahme von bis zu 7 000 Menschen an solch breiten Versammlungen über ein Problem dient folgendem Zweck: Hua Guo-fengs Stern aufgehen zu lassen. So geht ein Kult unter, ein anderer steiet auf. Für den Augenblick ist die Waage auf Maos Seite leichter geworden und drückt auf der Seite Hua Guo-fengs schwer herab, doch wie lange das so sein wird, das wenden wir noch sehen. Mao Tsetung hat gesagt: «Alle 7 Jahre wird eipe Revolution stattfinden, es werden die Rechben kommen, dann werden die Linken kommen und so weiter, zehntausend Jahre lang.»

FREITAG,

20. MAI 1977

DAS CHINESISCHE VOLK BEWAHRT SEINE LIEBE FÚR DAS

ALBANISCHE VOLK UND DIE PARTEI DER ARBEIT ALBANIENS

Dem Bericht, den uns Genosse Behar über seine Reise durch einige Provinzen Chinas geschickt hat, lässt sich entnehmen, dass er von den Offiziellen im allgemeinen korrekt, aber kühl empfangen wurde. Behar wurde von Liu Dschen-hua begleitet, dem vorletzten Botschafter in unserem Land, einem unguten Element, das insbesondere gegen Ende zeigte, was sich hinter seinem dümmlichen Lächeln verbarg.

Viele der Personen, die Behar in Peking kennensgelernt hatte, gaben ihm kühl die Hand und entfernten sich, weil sie von denen, die sie beobachteten, nicht in seiner Nähe gesehen werden wollten. Anscheinend war von oben der Befehl ergangen, sich so zu verhalten. Trotzdem gab es den einen oder anderen Führer von Regionen, die sie besuchten, der nichts von diesem Befehl wissen wollte und Behar gegenüber seine Liebe und Sympathie für unser Land und unsere Partei zum Ausdruck brachte.

Wo Behar an der Basis Kontakt bekam, war die Lage ganz anders. Anscheinend war der Befehl nicht bis dorthin durchgedrungen, obwohl es nicht mehr die Herzlichkeit, Liebe und Aufrichtigkeit von früher gab. Man spürte, dass sich etwas geändert hatte, und diese Änderung wiederum hatte ihre Ursache in der Propaganda der chinesischen Führung gegen unsere Partei und unser Land. Trotzdem war es dieser Propaganda nicht gelungen, sich richtig festzusetzen, und auch dort, wo sie sich festgesetzt hatte, war dies, Behars Meinung nach, nur pro forma, denn in Wirklichkeit bewahren die Menschen an der Basis, das Volk ihre Liebe und Freundschaft für das albanische Volk und die Partei der Arbeit Albaniens.

Es gibt gute Leute, die besonders Hua Guo-fengs Politik Jugoslawien und Rumänien gegenüber scharf kritisieren und sagen

«Was sind das nur für niederträchtige Machenschaften, die da vor sich gehen? Wir freuenden uns mit unseren Feinden an und verfeinden uns mit unseren Freunden wie dem sozialistischen Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens, die immer in der Vorhut standen, wenn es um die Verteidigung der Reinheit des Marxismus-Leninismus und besonders Chinas ging.»

Zweifellos gibt es in China gegenwärtig ein Chaos in Politik, Ideologie und Wirtschaft. Dieses Chaos hat seine Ursachen in der opportunistischen, revisionistischen Linie der Gruppe Hua Guo-fengs, die Anstrengungen unternimmt, diese Linie zu entwickeln und sowohl in der Partei als auch unter den Massen zu verankern.

Behar informiert uns, dass er nirgends, wo er hinkam, mehr auf die Wendung «der Vorsitzende Mao Tsetung» stiess, alle sprachen nur von «Genossen Mao Tsetung». Inzwischen gilt dort nur noch Hua Guo-feng als «Vorsitzender»

SAMSTAG,

21. MAI 1977

SAGE MIR, MIT WEM DU UMGEHST, SO SAGE ICH DIR, WER

DU BIST

Saifudins Ausflug durch Jugoslawien ging «mit grösstem Erfolg» zu Ende. Nach den Worten des Vorsitzenden der chinesischen Parlamentarierdelegation «waren die Ergebnisse glänzend». Er bedankte sich, so meldeten die Nachrichtenagenturen, im Namen der Delegation «für den so herzlichen Empfang, der ihm zuteil wurde», und besonders dankte er Präsident Tito, der seiner Aussage nach «ausführlich und sehr herzlich mit der Delegation sprach».

Saifudin erklärte, die Mitglieder der Delegation hätten sehr positive Eindrücke über die Entwicklung in Jugoslawien gewonnen. Er sagte: «Die Nationen und Nationalitäten in Jugoslawien haben durch ihren Kampf unter Führung des Präsidenten Tito die Freiheit und Unabhängigkeit gewonnen, und jetzt, nach der Befreiung, bauen sie auf die eigene Kraft gestützt (und das betonte Herr Saifudin in seinen Reden ständig) ihr Land auf und verfügen über eine wertvolle Erfahrung», was den Chinesen gewiss sehr dienlich sein wird!

Vor aller Welt erklären, die jugoslawische Wirtschaft habe sich auf die eigene Kraft gestützt entwickelt, das heisst unter anderem, den sogenannten Selbstverwaltungssozialismus in Schutz nehmen und zu vertuschen versuchen, dass diese Art «Sozialismus» bedingt hat, dass sich die jugoslawische Wirtschaft nicht auf die eigene Kraft, sondern auf die Kredite und Almosen des Imperialismus und Kapitalismus gestützt entwickelt. Zu erklären, dass sich das titoistische Jugoslawien «auf die eigene Kraft stützt», das hat bis heute noch nicht einmal Tito selbst gewagt. Diese Haltung bringt die chinesische Führung in die lächerliche Position eines Winkeladvokaten, der ohne jedes Argument die Schuld leugnet, die der Angeklagte selbst zugegeben hat.

Diese Delegation mit diesem gewissen Saifudin an der Spitze kam auch zum Urteil, äußerte ihre besondere Zufriedenheit darüber, konstatieren zu können, dass «die Nationen Jugoslawiens die geeignete Leitung gefunden haben, und hier, in Jugoslawien, die nationalen Probleme im Einklang mit den marxistischen Prinzipien gelöst worden sind». Laut Saifudin ist also das titoistische Jugoslawien mit seinem Präsidenten wahrhaftig marxistisch-leninistisch und baut den Sozialismus auf!

Fs ist weltweit bekannt, dass die titioistische «Selbstverwaltung» Jugoslawien neben vielen anderen Übeln auch die Vertiefung der Streitigkeiten und ernsten Zerwürfnisse zwischen den Nationen eingebracht hat. Die neue jugoslawische Bourgeoisie mit Tito an der Spitze hat den nationalen Minderheiten gegenüber immer die Politik der Unterdrückung verfolgt. Diese Politik hat zum Misstrauen und zur Feindschaft zwischen den Nationen und Völkern Jugoslawiens gebührt und die bürgerliche Ideologie und den bürgerlichen Nationalismus um sich greifen lassen.

Welche Gefahr in der Politik der Vertiefung der Spannungen zwischen den Nationen, die zum föderativen jugoslawischen Staat gehören, liegt, hat auch Tito selbst erkannt, dem es trotz der staatlichen Massenahmen und des staatlichen Zwangs, mit denen er der Auflösung seiner Föderation vorbauen will, und einiger verstümmelter Rechte, die er den Nationalitäten zuerkannt hat, um den Aufruhr wenigstens zeitweilig zu beschwichtigen, Äußerordentlich grosse Sorgen bereitet, was nach seinem Tod mit diesen Nationen geschehen wird.

Wenn es um die Bereinigung der schon zur Zeit der Zaren zwischen China und der Sowjetunion festgelegten Grenzen geht, so erheben Mao Tsetung und die Kommunistische Partei Chinas die Forderung danach, und zwar lautstark. Doch während sie das Problem aufwerfen, die Abkommen des Zweiten Weltkriegs müssten rückgängig gemacht werden, da die «Staatsgrenzen falsch festgelegt worden sind» - selbstverständlich von Stalin -, finden sie Titos angebliche Lösung für das Problem der Nationen innerhalb der jugoslawischen Föderation «richtig» und «marxistisch-leninistisch».

Eine grössere Lanze können die Chinesen für Tito nicht mehr brechen, und noch mehr hätte Saifudin nicht sagen Köruzen, um jene Zufriedenzustellen, die ihn nach Jugoslawien geschickt hatten, um Tito die Hand zu küssen. So sehr die Chinesen auch falsches Zeugnis ablegen, so sehr sie auch versuchen, den Titoismus zu beschönigen, ihr Gewäsch kann die jugoslawische Föderation nicht von dieser chronischen Krankheit heilen, die ihr auf den Atem drückt.

Saifundin würdigte ebenso «Jugoslawiens Politik der Blockfreiheit, die Zusammenarbeit und Solidarität mit den anderen blockfreien Ländern und den Entwicklungsländern», nur sagte er nicht: «mit den Ländern der dritten Welt». So servil und scheinheilig aind diese Leute. Tito und alle jene, die Saifudin empfingen und mit ihm sprachen, verkündeten offen ihre Linie und ihre Ansichten, der Chinese dagegen verheimlichte sie. Und warum? Um sich bei den Titoisten anzubiedern.

Tatsächlich betrachteten die Chinesen früher die «Bewegung für die Blockfreiheit» als ein Mittel in den Händen der k kapitalistischen Staaten zur Beherrschung der Völker. Jetzt haben sie eine neue Platte aufgelegt, werten sie sie als Bewegung, die sich angeblich gegen den Imperialismus und den Kolonialismus richtet, während sie Tito, diesen Renegaten der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung, als den Begründer der «Blockfreiheit» präsentieren. Und Saifudin bringt den veränderten chinesischen Kurs auch der sogenannten Bewegung der Blockfreiheit gegenüber zum Ausdruck, wenn er betont: «Ebenso freuen wir uns, feststellen zu können, dass Jugoslawien als einer der Begründer der Bewegung der Blockfreiheit entschieden an der Politik der Blockfreiheit feasthält, entschlossen seine Souveränität und Unabhängigkeit verteidigt, unermüdliche Anstrengungen unternimmt, um die Einheit der blockfreien Länder und der anderen Entwicklungsländer im Kampf gegen den Imperialismus, den Kolonialismus und den Hegemonismus zu stärken», usw. Diese Erklärungen sprechen für sich und .beweisen, dass die Chinesen zu verschleiern versuchen, dass der Titoismus, diese opportunistische ideologische und politische Strömung, unter den fortschrittlichen Kräften der Länder, die für Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen, Sabotagearbeit leistet und ihre Anstrengungen, die kolonialen Überreste usw zu beseitigen, in die Irre führt.

Es ist ganz klar,. dass die chinesische Parlamentarierdelegation keine Zufallsdelegation ist, sondern mit einigen bestimmten Zielen nach Jugoslawien kam. Und die Hauptsache dabei ist nicht nur, sich für Tito und den Titoismus stark zu machen, zu bekräftigen, dass die Entwicklung in Jugoslawien sich «auf die eigenen Kräfte stützt» und dass die Politik der «Blockfreiheit» sich angeblich gegen den Imperialismus und den Kolonialismus richtet, sondern es geht auch darum, die Staats- und Parteiverbindungen zu festigen, die Freundschaftsbande dicker zu machen, als Genossen eines gemeinsamen ldeals zusammenzuarbeiten, und das ganz unverhüllt. Dieses Ziel verheimlichte der Leiter der chinesischen Parlamentarierdelegation in Jugoslawien durchaus nicht. In der Rede, die er auf dem Bankett hielt, das zu seinen Ehren gegeben wurde, als er in Belgrad eintraf, drückte er sich Folgendehrmassen aus : «. . .China und Jugoslawien sind durch Tausende von Bergen und Flüssen getrennt, doch. . . sie sind durch die gemeinsame historische Erfahrung und den gemeinsamen Kampf, den wir heute vor uns haben, miteinander verbunden. Wir sympathisieren miteinander, unterstützen und ermutigen uns gegenseitig. . . Wir wünschen euch neue, noch grössere Erfolge unter der Führung des Präsidenten Tito. . .» Es ist ganz klar ersichtlich, dass die Chinesen zusammen mit den Titoisten kämpfen wollen. Doch was wird das für ein Kampf sein und gegen wen wird er sich richten? Ganz zweifellos wird dieser «Kampf» so aussehen wie der Titos, der vom Imperialismus unterstützt wird, und er wird sich gegen den Marxismus-Leninismus, den Sozialismus und die Befreiungsbewegungen richten. Die gegenwärtige chinesische Führung wird diesen Weg gehen, denn sonst würde sie sich nicht Genossen, Freunde und Mitarbeiter wie Tito suchen, würde sie sich nicht in eine Front mit ihm stellen. Anders lassen sich diese Tatsachen nicht logisch bewerten.

Über all die Ansichten, die ich den erwähnte, berichtet TANJUG lang und .breit. Man muss sagen, dass diese Nachrichtenagentur über die Dinge spricht, wie sie sind, nichts beschönigt, genau ist, denn die Interessen des modernen Revisionismus, den Tito vertritt, sind gross, denn der jugoslawische Staat hat dabei grosse Interessen. Deshalb verfolgen sie die Absicht, China und Hua Guofeng ordentlich ins revisionistische Fahrwasser zu bringen und den chinesischen Staat zu ihrem Verbündeten zu machen, das heisst, seine proamerikanischen Positionen zu verstärken.

Der Verrat der Chinesen an der marxistisch-leninistischen Linie zeigt sich auch an den Kommuniqués, die zu dieser Reise Saifudins herausgegeben wurden. Hsinhua bringt kurze, nichtssagende Kommuniqués, in denen die Probleme, die ich oben ausgesprochen habe, die Ansichten also, die die chinesische Delegation in Jugoslawien ausserte, verschleiert, verschwiegen werden. Das geschieht aus Angst vor der inländischen chinesischen Öffentlichkeit, die gegen einen solchen gemeinsamen Weg mit dem Verräter Tito ist, aber auch aus Angst vor der Weltmeinung, die China dort einordnen möchte, wo es dies verdient. Aus diesem Grund verheimlicht Hsinhua die Wahrheit, damit die Ziele, um derentwillen Saifudin nach Jugoslawien meiste, das, was er dort tat und was er dort sagte, nicht ans Licht kommen. Das chinesische Volk soll diese Reise für unwichtig halben, während sie für die chinesische Führung in Wirklichkeit grosse Bedeutung hat.

Auch wenn China in vielen Fragen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika unterhält und sich mit ihnen selbst direkt verständigen kann, mag es in der Praxis doch einige Dinge geben, bei denen die Einschaltung dieses jugoslawischen Gauners als nötig empfunden wird, um den Prozess der Freundschaft zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika zu beschleunigen. Dieses Geschäft hat Josip Broz-Tito immer betrieben, und er hat es niemals versäumt, nach einer solchen Tat den Scheck aus Washington, in Empfang zu mehren.

Genau im Anschluss an Saifudins Abreise traf in Jugoslawien der Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika ein, der ebenfalls herzliche Gespräche mit Tito führen wird. Der wird ihn über das in Kenntnis setzen, was ihm Saifudin vortrug, er wird für den amerikanischen Vizepräsidenten auch Empfehlungen bereit halten und natürlich auch den Lohn für die geleistete Arbeit erhalten, sicherlich in Form eines fetten Schecks.

Wir albanischen Kommunisten bedauern das chinesische Volk, das von dieser Führung auf den Weg des Verrats gebracht wird, sehr, doch wir können nichts tun, das ist ein Kampf, den es selbst zu führen hat, ein Kampf, den es zunächst verstehen und dann mit grösster Härte entfalten muss. Doch diese nun eingetretene Lage hat auch ihr Gutes: die revisionistische und antimarxistische Renegatenclique, die in China die Macht übernommen hat, wird sich mit diesen Handlungen entlarven.

Das heutige China hat sich auf die Seite der Vereinigten Staaten von Amerika, des Titoismus, aller revisionistischen sogenannten kommunistischen Parteien geschlagen. Eine Volksweisheit bei uns heisst: «Sage mir, mit wem du umgehst, so sage i.ch dir, wer du bist.»

DONNERSTAG,

2. JUNI 1977

CHINA HÁLT JENEN PARTEIEN DIE STANGE, DIE DIE

TROMMEL-FÜR ES RUHREN

Die Kommunistische Partei Chinas arbeitet systematisch daran, die kommunistische Weltbewegung zu spalten. Sie hat ihre Basis über die prinzipiellen Widersprüche mit der Partei der Arbeit Albaniens in Kenntnis gesetzt. Diese Information erfolgte von ihrem Standpunkt aus, die Partei und die Basis wurden also mit der Behauptung betrogen, «die Schuld und die falschen Ansichten» lägen auf unserer Seite, sie selbst dagegen befinde sich auf marxistisch-leninistischem Weg.

Hinsichtlich der anderen marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, die in verschiedenen Ländern der Welt geschaffen worden sind, nimmt die Kommunistische Partei Chinas folgende Haltung ein: jene marxistischleninistischen kommunistischen Parteien, die entschlossen den Marxismus-Leninismus anwenden, die die Probleme im Licht des Marxismus-Leninismus analysieren und für die Reinheit des Marxismus-Leninismus kämpfen, die im Denken und im Handeln Revolutionäre sind, bekämpft sie; jene «marxistischleninistischen» Parteien und Gruppen dagegen, die sich blindlings auf die Seite der Kommunistischen Partei Chinas schlagen und die falschen Linien von der «dritten Welt», vom Kampf nur gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, von der Einheit mit der Bourgeoisie, von der Verteidigung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft usw. usf. vertreten, verkünden und hinausposaunen, hat sie in zwei Gruppen eingeteilt: die, die uneingeschränkt zu ihr halten, hat sie nach Peking beordert, wo sie von Hua Guo-feng persönlich empfangen wurden, die anderen, die ebenfalls für die revisionistische Linie der Kommunistischen Partei Chinas sind, sie aber nicht so glühend verteidigen, sondern nur eben erwähnen, werden nicht von Hua Guofeng, sondern von Geng Biao oder Li Hsiän-niän empfangen. Für sie gibt es kein Bankett mit Hua Guo-feng, für die anderen indessen gibt es eines.

In den Ländern, wo es keine solchen Parteien gibt, schaffen die Chinesen - durch Elemente, die für die Kommunistische Partei Chinas die Trommel rühren und Agentenorganisationen in ihrer Dienst sind, durch die Chinafreundschaftsgesellschaften dieser Länder, die von den Hsinhua-Korrespondenten in verschiedenen Ländern, Agenten der chinesischen Staatssicherheit (davon sind wir überzeugt und das hat sich in vielen Fällen bestätigt), bearbeitet worden sind Gruppen, die sich marxistisch-leninistische Partei nennen und auf die Ideologie der «Maotstungideen» sausgerichtet sind. Diese «Parteien» erhalten von den Chinesen Anweisung, den Kampf gegen die wahren marxistisch-leninistischen kommunistischen Partien zu führen, die in verschiedenen Ländern seit längerem bestehen und konsequent, auf dem Weg des Marxismus-Leninismus, für die Revolution kämpfen.

Das, so scheint mir, geschieht in doppelter Absicht. Die erste Absicht ist, die chinesische Linie zu verteidigen, das heisst, den amerikanischen Imperialismus und die kapitalistische Bourgeoisie zu verteidigen, diese schlechte Welt zu erhalten und die Revolution hinauszuschieben. Eben deshalb werden die wahrhaft marxistischleninistischen kommunistischen Parteien bekämpft, die ein Hemmschuh für diese chinesische Linie sind. Andererseits ist es so, dass China mit Hilfe dieser sogenannten marxistisch-leninistischen Parteien und Gruppen, die indessen für die Chinesen die Trommel rühren, die Einheit mit den alten revisionistischen Parteien Westeuropas, aber auch anderer Kontinente, etwa Australiens, plant, betreibt und eingeht. So hat die Kommunistische Partei Chinas bereits Kontakt mit der spanischen Revisionistenkartei Carrillos hergestellt. Es heisst, rie habe auch mit der italienischen Revisionistenpartei Kontakt aufgenommen, und gewiss wird sie auch mit der französischen Revisionistenpartei in Kontakt treten. Ebenso hat sich offen gezeigt, dass - mit der Entsendung der chinesischen Parlamentarierdelegation nach Belgrad - die Verbindungen der Kommunistischen Partei Chinas mit den Títorevisionisten und dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens, wenn nicht offiziell, so doch de facto hergestellt worden sind, ohne noch bekanntgegeben zu sein. Diese beiden Parteien, die chinesische und die jugoslawische, sind jeweils mit der Linie der andern einverstanden, denn sie haben nicht viele Differenzen.

In staatlicher Hinsicht entwickelt China die Beziehungen zu Jugoslawien unter grossem Spektakel. Dutzende jugoslawischer Delegationen kommen nach China. Das zeigt Chinas Annäherung an Jugoslawien. Es stellt sich die Frage: Warum erklärt China nicht die Herstellung von Parteiverbindungen mit Jugoslawien? Das tut es vorläufig noch nicht, weil es sich dadurch übel entlarven würde, und entlarven will es sich nicht, deshalb verschweigt es die Wahrheit sowohl dem eigenen Volk als auch der Weltöffentlichkeit. Doch auch diese Sache betreibt die Kommunistische Partei Chinas in verschiedenen Formen nach chinesischer Art, um einen fait accompli zu schaffen, in der Absicht, es sowohl dem eigenen Volk als auch der Weltöffentlichkeit als natürliche Sache erscheinen zu lassen, dass die Kommunistische Partei Chinas Beziehungen zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens hat, so wie sie auch Beziehungen und Verbindungen zur Rumänischen Kommunistischen Partei hat.

Mit der Partei der Arbeit Albaniens unterhält sie in Wahrheit keine Verbindungen. Wir wollten Verbindungen mit der Kommunistischen Partei Chinas haben, doch diese Verbindungen haben nicht existiert. Zwischen uns gab es nur diplomatische, freundschaftliche und kommerzielle Beziehungen, aber keine Partei beziehjungen. Auch wenn Delegationen unserer Partei dorthin gefahren sind, haben sie Spazierfahrten gemacht, nicht aber gearbeitet und Gespräche geführt, wie wir uns das gewünscht hätten.

Mit den Revisionisten dagegen hat sich die Kommunistische Partei Chinas tiefer und immer tiefer auf Arbeitsverbindungen, ideologische und organisatorische Verbindungen eingelassen, und damit fährt sie fort. So sieht die Lage aus, dar ist die neue Taktik der Kommunistischen Partei Chinas auf dem Weg ihrer revisionistischen Entartung.

FREITAG,

3. JUNI 1977

KOREA UND CHINA BEREITEN SICH DARAUF VOR, TITO ZU

EMPFANGEN

Unsere Botschaften in Pjöngjang und in Peking melden uns, dass die Presse und die Nachrichtenagenturen Koreas und Chinas tagtäglich eine überschwängliche Propaganda für das revisionistische Jugoslawien und seinen Präsidenten, den Renegaten Tito, betreiben. Die Absicht aller dieser Agenturen ist, offen zu propagieren, Jugoslawien sei ein Land, das «erfolgreich» und «aus eigener Kraft» den Sozialismus aufbaut, ein fortschrittliches Land usw. Dies ist eine grosse Lüge von Weltformat, und wir meinen, dass es auf der einen Seite ganz gut ist, dass dem so geschieht, weil die wahren Marxisten-Leninisten, die ehrlichen Menschen, die die ganze vielschichtige Entwicklung des jugoslawischen Staates verfolgt haben, verstehen werden, von was für einer Ideologie sich die Partei der Arbeit Koreas und die Kommunistische Partei Chinas da leiten lassen, und selbst zu der Schlussfolgerung gelangen werden, dass diese Ideologie, die jene beiden Länder leitet, revisionistisch ist.

Wie nun scheint, bereiten diese beiden Länder die inländische Offentlichkeit auf einen eventuellen Besuch Titos in Korea und in Peking vor. Tito hat nach Aussage der jugoslawischen Botschafter versprochen, er werde nach Korea reisen, doch er muss zuvor seinen Besuch in Peking vorbereiten. Anscheinend sind sich die Chinesen und die Titoisten bei dem Besuch der chinesischen Parlamentarierdelegation, die sich so begeistert über das titoistische Regime äußerte, einig geworden, dass Tito Peking besucht, doch wann dieser Besuch stattfinden soll, ist noch nicht bekanntgegeben worden. Wie dem auch sei, die Vorbereitungen dafür werden getroffen, und dies wird für uns sehr gut sein, haben wir doch alles getan, um sowohl China und Korea als auch der ganzen Welt zu beweisen, dass das Titojugoslawin ein kapitalistisches Land ist, so wie wir das schon früher ständig gezeigt haben.

DIENSTAG,

7. JUNI 1977

WARUM FÄHRT TITO NACH CHINA?

Die diversen Nachrichtenagenturen schreiben, dass der Präsident Jugoslawiens, Josip Broz-Tito, im August nach Moskau und Pjöngjang und danach nach Peking fahren werde. Diese Nachricht gab der italienische Aussenminister Forlani, der von Tito empfangen worden war, in Belgrad vor der Presse bekannt. Heute brachte auch die jugoslawische Nachrichtenagentur TANJUG diese Nachricht. Der Besuch dieses Renegaten in Peking wird genau zur Zeit der grossen Wendung Chinas hin zur engen Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika und der ganzen übrigen kapitalistischen Welt gegen den sowjetischen Sozialimperialismus stattfinden, von dem die chinesische Führung tönt, er sei der hauptsächliche und einzige Feind des Sozialismus und der Freiheit der Völker.

Tito, dieser Renegat des Marxismus-Leninismus, dieser Agent des amerikanischen Imperialismus und Lakai der kapitalistischen Weltbourgeoisie, wird also voll Begeisterung und mit Pomp von einem anderen Renegaten des Marxismus-Leninismus, Hua Guo-feng, empfangen werden. Hua Guo-feng hat heute - wie lange noch, weies man nicht - ein 800-Millionen-Volle unter seiner Herrschaft, einen ganzen Kontinent, und der Renegat Tito, ein alte r Fuchs, der es versteht zu lavieren, um Kapitalien anzulocken und den Sozialismus zu liquidieren, wird sich in Pjöngjang und Peking wie zu Hause fühlen. Ich glaube, in Pjöngjang wird sogar Tito über das Ausmass des Kults um seinen Gastgeber staunen. Für diesen Kult gibt es kein Beispiel, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart, und schon gar nicht in einem Land, das sich sozialistisch nennt.

Doch auch Hua Guo-feng, der an die Stelle Mao Tsetungs trat, fing nach dem Sieg des von ihm organisierten Militärputschs gleich falls mit einer ohrenbetäubenden Propaganda an, um den Kult um Seine Person anzukurbeln. Unter anderem kommen Tag für Tag nicht nur eine, sondern zig verschiedene Delegationen nach China -. einige, um diesem Menschen Lobeshymnen darzubringen, andere, um der Macht, die er errichtete, das Hosianna zu singen, oder auch dem Kampf, den Hua Guo-feng seit nunmehr 8 oder 9 Monaten gegen die «Vier» führt, die er «Banditen», «Diebe», «Hurenböcke» und sonst noch alles mögliche nennt. Nach China reisen Gruppen von Geschäftsleuten des amerikanischen Imperialismus und der anderen kapitalistischen Staaten, um zu investieren und sich Märkte für ihre Waren zu sichern.

So wird sich 'bei den beiden, Hua Guo-feng und Kim Ir Sen, also auch Tito einfinden. China und Korea hat Tito bisher noch nicht besucht, so verwirklicht er sich denn auch diesen Wunsch. Eben die Briefmarken Chinas und Koreas fehlten noch in seiner Sammlung; die Marken von Franco und Pinochet dagegen konnte er noch nicht bekommen, doch auch die wird er sich morgen in das Album seiner Reisen kleben können, die er unternimmt, um unter dem Deckmantel einer grossen Weltpolitik Intrigen zu spinnen. Eines muss, man Tito tatsächlich lassen: Er ist zwar ein niederträchtiger Verräter, aber auch Pin ganz gerissenes Element, was Intrigen, Machenschaften, Kombinationen und die Auflösung von Kombinationen anbelangt. Deshalb ist seine Reise nach Peking nicht einfach nur ein Besuch, sie soll dazu dienen, China seine «Herrlichkeit» vorzuführen, dem chinesischen Volle und der Kommunistischen Partei Chinas zu zeigen: «Seht her, ich bin wer ich bin, und eure, die chinesische Führung verbeugt sich vor mir. Wenn eure Führung, die doch marxistisch-leninistisch ist, sich bei meiner Ankunft in Peking verbeugt, so heisst das,

sie verbeugt sich vor einem grossen Marxisten-Leninisten, der als erster Stalin trotzte, der allen Weltkapitalisten, dem amerikanischen Imperialismus, dem sowjetischen Sozialimperialismus trotzt», usw. Das will ihnen Tito zu verstehen geben.

Tito fährt sicherlich nach China, um politische und wirtschaftliche Gespräche zu führen. Was die wirtschaftlichen Fragen betrifft,

so hofft Tito, einige Probleme der Krise, in der Jugoslawien steckt, lösen zu können. Diese Absicht wird ein Pfeil in seinem Köcher sein, doch ein anderer Pfeil ist auf die weitere Festigung der Verbindungen der Hua-Guo-feng-Gruppe mit dem amerikanischen Imperialismus gerichtet, and dies nicht etwa deshalb, weil es Hua Guofengs Gruppe bisher versäumt hätte; immer engere urig freundschaftlichere Beziehungen zu den amerikanischen Kapitalisten, den grossen amerikanischen Konzernen and Trusten aufzunehmen and zu entwickeln, sondern weil eine Hilfestellung durch diesen amerikanischen Agenten sowohl Washington als auch China dienlich sein kann.

In China wird Tito Versprechungen abgeben and erhalten. Er kommt nicht mit leeren Händen, weder was die Sowjets noch was den amerikanischen Imperialismus angeht. Die Vorschläge, die von ihm kommen werden, wird er vor seiner Reise nach Peking gewiss mit den beiden Supermächten abgestimmt haben, die natürlich jede für sich und direkt auf den Ablauf der Ereignisse in China Einfluss zu nehmen versuchen, doch Tito wird auch in eigenem Auftrag tätig werden.

Meiner Meinung nach wird Titos Arbeit in China zum Vorteil des amerikanischen Imperialismus and zum Nachteil des sowjetischen Sozialimperialismus sein. Er wird dabei mit Sicherheit raffiniert zu Werke gehen, was ganz nach dem Geschmack der Chinesen sein wird, and diese werden mit Vergnügen darauf eingehen. Sollte Tito auch von Breschnew Vorschläge zu einer Entspannung mit China, also einer gewissen Übereinkunft bzw. dem Beginn einer Übereinkunft zwischen China and der Sowjetunion, mit auf den Weg bekommen haben, so wird er auch in diesem Sinne aktiv werden, and das lohnt sich für ihn, denn er hat den sehnlichen Wunsch, mit seinem Verrat die Balancepolitik zwischen dem amerikanischen Imperialismus and dem sowjetischen Sozialimperialismus fortzusetzen, natürlich mit ein paar Kilo mehr in der amerikanischen Waagschale.

Tito wird von allen drei Seiten Handgeld erhalten, von den beiden alten Supermächten and der neuen Supermacht, die gerade emporsteigt and dabei ist, die Insignien der «sozialistischen» Republik China zu «vergolden». Man gibt vor, Tito komme als Präsident der Föderativen Republik Jugoslawien .and nicht als Generalsekretär des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens nach China. Dieser Quatsch soll dazu dienen, den Verrat der chinesischen Führung zu übertünchen, die ihre revisionistische Fratze nicht sofort enthüllen will. Sie möchte sich hinter der Maske des sogenannten maoistischen Marxismus verbergen, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Mao selbst war für Tito and gegen Stalin, obzwar er auch schon das Gegenteil erklärt hat - nämlich, Tito sei unverbesserlich - and ihn in eine Reihe mit Hitler and Hirohito stellte. Seine Stellvertreter, - beziehungsweise Hua Guo-feng, dem Mao Tsetung gesagt haben soll: «Nun, da du die Sache in der Hand hast, sterbe ich ruhig» haben d.iesen Renegaten «gebessert».

Es ist eine Tatsache, dass Tito mit der Reise nach China and Korea seine Autorität als Renegat international erhöht. Er erhöht diese Autorität, versteht sich, in der Welt der kapitalistischen Intrigen, in der Welt der Versklavung der Völker, and dieser Titel wird ihm immer anhaften.

Kim Ir Sen dagegen meint, der Korea-Besuch Titos, den er als grossen Mann betrachtet, werde ihm beim Volk noch mehr Kredit verschaffen, so dass er den Kult um seine Person vertiefen kann. Kim Ir Sen setzt grosse Hoffnungen auf Tito and wird ihn sehr herzlich and mit grossem Prunk empfangen, weiss er doch, dass Tito der Abgesandte Carters, der Amerikaner ist. Kim Ir Sen wünscht sich Verbindungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika, möchte diplomatische Beziehungen zu diesem Land herstellen, damit es Korea gegenüber eine mildere Haltung einnimmt.

Was die Frage der Einheit bzw. der Vereinigung der beiden koreanischen Staaten betrifft, so ist dies ein Problem, das sich heute nicht lösen lässt. Und wenn diese Vereinigung nicht auf marxistisch-leninistischem Weg vollzogen wird, dann ist sie selbstverständlich nicht zum Vorteil des Sozialismus.

Tito fährt daher nach Korea, um Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Imperialismus and Kim Ir Sen in Gang zu bringen, denn um Tito Kredite zu geben, dafür fehlt Korea der Geldschrank. Korea ist selbst so tief in Schulden versackt, dass es nicht in der Lage ist, sie abzutragen.

Was die «dritte Welt» anbelangt, so erhebt Kim Ir Sen Anspruch darauf, nicht nur Mitglied, sondern möglichst auch ihr Chef zu sein. Ebenfalls beansprucht er, dass die «Ju-Je»-Idem, das hisst die Kim-Ir-Sen-Ideen, mit grosser Geschwindigkeit auf der ganzen Welt verbreitet werden. All diese Ansprüche stören Tito weiter nicht, der sich bekanntlich als Chef der «blockfreien Welt», der «blockfreien Staaten» aufspielt. In Pjöngjang werden sich die beiden «Chefs» in die Arme schließen, so wie auch ihre beiden Welten zusammenstimmen. Beide Seiten werden den Segen vor allem des amerikanischen Imperialismus haben, in diesem oder jenen Punkt aber auch den Segen des sowjetischen und des chinesischen Sozialimperialismus.

Die Führung der Kommunistischen Partei Chinas hat Verrat begangen. Wir können sagen, dass sich auch in Korea die Führung der Partei der Arbeit Koreas in diesem Fahrwasser befindet. Von Tito weiss man ja, dass er ein alter Verräter ist. Das ist natürlich sehr schlecht für die Revolution, ein Rückschlag und ein schwerer Schaden für den Marxismus-Leninismus. Doch dies Schlechte, das sich da abspielt und nicht von uns abhängt, hat auch sein Gutes, und dieses Gute ist, dass diese Leute, diese Gruppen, diese Cliquen sich nun entlarven und dass die wahren Marxisten-Leninisten, die Revolutionäre, das Weltproletariat, das leidet, das kämpft und bei Demonstrationen, bei Streiks getötet wird, sehen, wie ihre Unterdrücker, die Kapitalisten, die Imperialisten und ihre Agenten, die sich als Kommunisten, als Marxisten-Leninisten ausgeben, auf Kosten der Revolution, auf Kosten der Völker Komplotte schmieden. Dieser grosse Verrat wird somit den Menschen die Augen öffnen, und der Kampf der Völker und der Marxisten-Leninisten gegen diese Verräter wird sich in Quantität und Qualität weiterentwickeln. Es wird in den verschiedenen Ländern die Zeit kommen, da in jedem von ihnen das Proletariat mit seiner wahrhaft marxistisch-leninistischen Partei den Schlag gegen die Macht des Kapitals führen wird.

Der Marxismus-Leninismus ist nicht tot, er ist auch nicht alt geworden, er ist immer revolutionär, ist jung, ist die Triebkraft der heutigen Welt. Die Revolution unter Führung des Proletariats ist die grosse Kraft, die die Welt umgestalten wird, und nicht jene «dritte Welt», für die Mao und die Maoisten die Trommel rühren. Gestern sagte Li Hsiän-niän bei einem Abendessen, das die chinesischen Führer für Numeri aus dem Sudan gaben, unter anderem: «Der Imperialismus und der Sozialimperialismus sind keine grosse Kraft, wir, die dritte Welt, sind heute die grösste Kraft auf dem Erdball.»

Was wird diese «größte Kraft auf dem Erdball» tun? Li Hsiänniän, dieser «grosse Politiker», erläuterte es nicht, doch mit dieser «grossen Kraf» meint er: «Zu dieser dritten Welt gehören auch wir Chinesen mit unsren 800 Millionen Mensachen, deshalb steigen wir nun auf zu eine grossen Kraft, und ihr, Sudanesen und andere halbkoloniale Volker, vereinigt euch mit uns, denn wir werden euch leiten.» Das ist, in andere Worte gekleidet, der Sinn dieser Aussage.

Unter diesen für den Kapitalismus und den Imperialismus schwierigen Bedingungen uh Umständen winden sich also die antikommunistischen und antimarxistischen Schlangen sowohl in Washington als auch in Moskau und Peking, wo sich die herrschenden Cliquen in einer schwierigen Situation befinden. Überall finden Veränderungen statt, grosse Erschütterungen sind festzustellen, und all diese Veränderungen zeugen nicht von der Stärke, sondern von der Fäulnis des Imperialismus, vor seiner Ablösung durch den Sozialismus.

Die Niederlage, di die kommunistische Weltbewegung hinzunehmen hatte, ist zeitweilig. Der Berg muss erklommen werden, dock mit dem Banner on Mark, Engels, Lenin und Stalin wird ihn das Proletariat erklimnen.

SAMSTAG,

11. JUNI 1977

DIE CHINESISCHE SABOTAGE AN DER WIRTSCHAFT

UNSERES LANDES GEHT WEITER

Wir erhielten ein Radiogramm von unserem Handelsattaché in Peking, in dem er uns darüber in Kenntnis setzt, dass die Leute vom Industrieministerium in China ihm erklären, sie hätten eine Reihe von Maschinen, die für die Eisenmetallurgie und für Ballsh benötigt werden, nicht bereit, nicht erprobt, und dass sie sich damit begnügen zu sagen: «Wir werden weitersehen», «wir werden es schon machen» usw. Kurzum, die Chinesen treiben Sabotage gegen uns und zögern die Lieferung dieser Maschinen hinaus. Natürlich protestierte unser Handelsattaché offiziell und erklärte, dass wir erneut verlangen werden, dass man diese Dinge überprüft.

SAMSTAG,

18. JUNI 1977

DIE CHINESEN BETREIBEN AGENTENTÄTIGKEIT

Unser Botschafter in China teilt uns mit, dass die Chinesen begonnen haben, unsere Studenten zu belästigen, in der Absicht, sie als Agenten anzuwerben. Das war der Fall bei einem unserer Studenten an der Universität Peking, den ein Dozent auf etwas derartiges ansprach. Unser Student antwortete ihm sofort sehr entrüstet und wandte sich umgehend an die Botschaft, um über diesen Vorfall zu berichten. Dies ist ein gemeines, feindseliges Vorgehen. Wir hatten so etwas vorausgesehen, deshalb hatten wir die Genossen der Botschaft benachrichtigt, sie sollten mit allen Studenten Kontakt aufnehmen, ihnen raten, im Unterricht, im Benehmen und bei der Arbeit korrekt, zugleich aber auch wachsam zu sein, die Linie der Partei und ihr sozialistisches Vaterland gegen jeden Vorstoss, gleich welcher Art, gegen jede Provokation und jeden Rekrutierungsversuch der Chinesen zu verteidigen.

So sieht es mit der «engen», «unvergänglichen» Freundschaft und den anderen grossmäuligen Phrasen aus, die die Chinesen im Zusammenhang mit uns von sich geben. Sie sind nicht nur Heuchler, sondern auch Feinde, haben sie es in ihrer Tätigkeit gegen unser Land doch schon so weit gebracht. Sie machen aber auch noch etwas anderes: Im Gespräch mit unseren Studenten legen sie es darauf an, aus ihnen herauszubekommen, wo ihre Eltern arbeiten, wie viel Personen sie zu Hause sind, was sie arbeiten. Anscheinend legen sie Karteikarten über jeden Albaner an, der zum Studium oder zur Arbeit nach China kommt. Und warum? Natürlich, um auch in Zukunft eine ständige feindliche Sabotagetätigkeit gegen unser Land betreiben zu können. Das gleiche machen die Chinesen auch hier, in unserem Land. An der Spitze ihrer Agentenorganisation steht der Hsinhua-Korrespondent. Wir sind zur Überzeugung gelangt, dass die Botschaftsangestellten, einschließlich auch der Übersetzer, keine Karrierediplomaten oder Parteikader sind, sondern Agenten des chinesischen Sicherheitsdienstes. Sie halten natürlich Verbindung mit ihren Spezialisten, die in den Fabriken und an den anderen Objekten arbeiten, die wir gerade bauen, und diese Ingenieure verrichten mit Sicherheit zugleich Informantendienste für die chinesische Botschaft.

Was die Frage des Baus der Fabriken und Werke anbelangt, die wir mit chinesischer Hilfe errichten, so legen sie uns grosse Hindernisse in den Weg, insbesondere beim metallurgischen Kombinat und beim Werk in Ballsh. Das Ballshehr Werk müsste schon seit Jahren fertig sein, doch es kann weiterhin nicht in Betrieb genommen werden, weil einige äußerst unbedeutende Teile fehlen, einige Pumpen, die sie einmal schicken, dann wieder zurückholen, wieder schicken, montieren und dann wieder abmontieren, unter dem Vorwand: «Wir sind uns nicht sicher, wir müssen Sicherheit haben, ehe wir sie montieren, sie werden noch erprobt» usw. Und beim Bau des metallurgischen Kombinats legen sie uns eine ganze Reihe von Hindernissen in den Weg. Eine ganze Liste hat das chinesische Bergbauministerium unserem Beauftragten vorgelegt und ihm gesagt, dieses Objekt könne nicht zum vorgesehenen Termin geliefert werden, es sei noch nicht in der Erprobung, dies und das sei gerade in die Erprobung gegangen, doch habe diese noch keine Ergebnisse erbracht, man müsse noch erproben usw. usf. So wollen diese neuen Revisionisten jene beiden vorrangigen Werke bei uns sabotieren. Auch in Fierza sieht es nicht anders aus.

Wir haben Geduld, doch uns ist klar, dass die Werke und Fabriken, die von China kommen, mit grosser Verspätung den Betrieb aufnehmen werden, wenn nicht überhaupt mitten in den Bauarbeiten aufgehört wird. Sollte es dazu kommen, wird das einen grossen Skandal für sie bedeuten. Wie dem auch sei, sie werden für diese Schäden bezahlen, die sie mit ihrer Verräterlinie der Wirtschaft unseres Landes zufügen. Am Ende wird abgerechnet und dann werden sie alles bezahlen.

In China verhalten sich die Offiziellen, die Direktoren, die stellvertretenden Minister, die Sektorchefs unseren Leuten gegenüber kalt wie Eis. Das bedeutet, dass Hua Guo-fengs Führung den gesamten chinesischen Apparat angewiesen hat, wie man sich gegenüber der Partei der Arbeit Albaniens und der Sozialistischen Volksrepublik Albanien zu verhalten hat. Im Volk dagegen gibt es Leute, die für uns sind, die uns von ganzem Herzen lieben, die gut über uns sprechen: es gibt auch andere, die Angst haben, aber sich nicht gegen uns äußern. Es gibt chinesische Botschafter im Ausland, die sich so dreist, so unverschämt benehmen, dass einem übel wird. Sie sagen zu unseren Botschaftern: «Es gibt nichts wie die Freundschaft zwischen China und Albanien, sie wird ewig bestehen; es gibt keine liraft, die diese Freundschaft zerstören könnte; wir lieben Albanien von ganzem Herzen», und dergleichen Gefasel mehr. Doch sie lassen es in ihrer Heuchelei dabei noch nicht bewenden. Einerseits haben sie mit Tito eine so enge Freundschaft geknüpft - ideologisch, politisch, wirtschaftlich und überhaupt -, und auf der anderen Seite treibt zum Beispiel der chinesische Botschafter in Bukarest vor dem ,jugoslawischen Botschafter Demagogie, indem er unserem Botschafter rnit den Worten den Arm um die Schulter legt: «Mit Albanien sind wir eng verbunden, denn wir sind Marxisten-Leninisten, wir lieben einander aufrichtig, und es gibt keine Kraft auf der Welt, die uns trennen könnte.» Doch auch der jugoslawische Botschafter spielt seine Rolle gut. Als der Chinese über diese Dinge sprach, fing der jugoslawische Botschafter an, sichtbar mit der Hand und dem Kinn zu zittern, um sich den Anschein zu geben, als sei er sehr betroffen über die Worte des Chinesen, die sich angeblich gegen Jugoslawien richteten! Possen!

Aus Anlass der Abreise des chinesischen Botschafters aus Italien, so besagen Meldungen aus Rom, war eine grosse Menge hoher ita1 ionischer Funktionäre eingeladen worden. Der chinesische Botschafter hielt sich mit all den Direktoren und Vorsitzenden italienischer Grossfirmen und Konzerne wie «FIAT», «ENI», «Montedison» usw. in einem besonderen Raum auf.

Wie sich zeigt, hat sich China in ein kapitalistisches Land verwandelt und geht immer weiter auf diesem Weg; es bejaht die Zusammenarbeit mit den Konzernen der kapitalistischen Welt oder «zweiten Welt», wie es sie nennt. Morgen wird China dasselbe auch in bezug auf die Vereinigten Staaten von Amerika bejahen, während es auf der Ebene des Kampfes gegen unsere Partei und die wahren marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien das Schwert gezogen hat. Überall finanziert und sammelt es den Unrat und verleiht ihm den Titel «kommunistische Partei», «Arbeiterpartei», «Befreiungspartei», «marxistisch-leninistische Partei». Alle diese «Parteien» plappern nach, was China über die «dritte Welt», über die Vereinigung mit dem amerikanischen Imperialismus und den Monopolen dieses Landes im «gemeinsamen frontalen Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus» sagt. Das alles ist nichts anderes als ein Kampf gegen den Marxismus-Leninismus, gegen die Revolution, gegen den Sozialismus, um zu erreichen, dass China eine grosse kapitalistische Weltmacht wird.

In China gibt man gegenwärtig sehr viel Geld für Empfänge und Verabschiedungen aus. Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Delegationen aus allen Teilen der kapitalistischen Welt überschwemmen es. Mit ihnen werden offen Verträge unterzeichnet, doch sicherlich versäumt man es auch nicht, Geheimverträge abzuschließen, man manipuliert mit feindseligen, gegen die Völker der Welt gerichteten politischen und militärischen Einstellungen, und China ist bestrebt, dies mit einer angeblich marxistischen Phraseologie zu tarnen, die in Wirklichkeit lächerlich ist. Es versucht, diese stinkenden Handlungen mit Rosenwasser oder «l'eau de rose», wie der Franzose sagt, zu besprengen.

Chinas Eindringen in Afrika erfolgt von Tag zu Tag offener, und stets ist es ein «aufrichtiger», aber ungleicher Partner der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vereinigten Staaten sind sich der Handlungen Chinas so sicher, dass sie es gewähren lassen, denn das Vorgehen der Chinesen, beispielsweise in Zaire oder jetzt in Äthiopien und anderswo, ist den Amerikanern sehr dienlich.

Also sagt die Welt, dass China vom Marxismus-Leninismus abgewichen ist; es ist zum engen Freund Titojugoslawiens geworden und Tito wird nach China reisen, um sich in staatlicher Beziehung und von der Parteilinie her mit ihm anzufreunden, und er ist dabei, eins mit der Gruppe Hua Guo-fengs zu werden.

Inzwischen trifft China Vorbereitungen für den Empfang Titos. Zu diesem Zweck werden Leitartikel veröffentlicht, allerdings nicht ohne chinesische Winkelzüge. Man lässt durchblicken: «Tito werde ich zwar empfangen, ich werde ihm auch grosse staatliche Ehrungen zuteil werden lassen usw., doch ich werde auch gut über Stalin sprechen, werde sagen, er habe so und so gehandelt, deshalb sage ich Tito, selbst wenn ich ihn empfange, dass ich Bewunderung für Stalin empfinde.» Das Ganze ist eine weitere Handvoll Brennnesseln im chinesischen Salat. Doch wird Tito diesen chinesischen Salat essen? Solche Salate isst er mit Sicherheit nicht.

Titos Reise nach Peking wird kein Touristenausflug sein. Mit seinem Besuch dort will Tito in erster Linie sein Prestige erhöhen, der Welt sagen: «Seht her, auch China ist mir zu Füssen gefallen, hat mich als Hauptführer der kommunistischen Weltbewegung anerkannt; Hua Guo-fengs China hat die Linie Mao Tsetungs fallenlassen, der einst zwar einige Pfeile auf mich abgeschossen, aber auch Gutes über mich gesagt hat. Nun, da ich nach China reise, wird alles hinfällig, was gegen mich gesagt worden ist.»

Tito hat bei seiner Reise nach China sicherlich auch noch andere Gaunerstücke vor, um China noch tiefer auf den Weg des Verrats und der Blosstellung zu treiben, damit es keinen Atem mehr schöpfen kann. Tito wird diesen Besuch an viele Bedingungen knüpfen, politische, ideologische Bedingungen, er wird wirtschaftliche Forderungen stellen und über militärische Fragen reden. Er wird zum Fürsprecher des amerikanischen Imperialismus werden, zum Vermittler der Sowjets bei verschiedenen China betreffenden Problemen, und bei vielen dieser Probleme wird er zunächst die Meinung und die Zustimmung des «neuen grossen Vorsitzenden» Chinas, Hua Guo-feng, einholen und dann nach China fahren.

Tito tat seine Arbeit, als er erklärte, die chinesische Führung habe ihn zu einem Besuch nach China eingeladen, und er werde auch fahren, nur wann, das sei noch nicht bekannt. Er wird den Besuch machen, wenn er die Zustimmung der Chinesen zu vielen seiner Ansichten erhalten hat. Unseres Erachtens wird Tito zur chinesischen Theorie der «dritten Welt» niemals ja sagen, er beharrt auf seiner Formel von den «blockfreien Ländern» und ist von ihr in seinem Größenwahn fest überzeugt, denn er dreht diese «blockfreie Weït» wie den berühmten Ring mit dem Edelstein, den er am Finger trägt. «Wenn Hua Guo-feng mit seiner nichtvorhandenen sogenannt ten dritten Welt will», sagt Tito, «soll er doch in unsere Welt kommen.»

Ein jugoslawischer Botschafter hat zu einem unserer Botschafter gesagt: «Uns ist klar, warum China behauptet, es gebe eine 'dritte Welt', obwohl sie in Wirklichkeit gar nicht existiert. Damit sucht es zur Führung aller blockfreien Länder zu werden. Doch die Führer der blockfreien Länder sind wir. Und nicht nur das, China ist in der 'dritten Welt' sogar in Verruf geraten. Solche Ansichten haben auch die Koreaner, die gleichfalls bestrebt sind, zur blockfreien Welt gezählt zu werden, denn sie wollen mit ihrer 'Ju-Je'-Theorie eine führende Rolle spielen, doch auf diese Versuche gehen wir, die Jugoslawen, nicht ein.»

Wir sehen also, wie eine Bande von Verrätern, Revisionisten, Faschisten, die durch Komplotte und Diversion an die Macht gekommen sind und si.ch als Vertreter der Völker und des Proletariats tarnen und Diversionstätigkeit gegen die Befreiung der Völker und die Revolution betreiben, auf Kosten der Völker, auf Kosten des Proletariats eine Tragikomödie aufführt.

Ein gemeinsames Merkmal aller modernen Revisionisten an der Macht ist die Diversionstätigkeit. Die Diplomaten der revisionistischen Länder versuchen mit allen Mitteln, den Widerstand der Völker gegen die inländischen Unterdrücker und die gemeinsamen kapitalistischen Konzerne und Truste vieler Staaten zu schwächen, um jenes Monopol zu schaffen, welches das Proletariat versklavt und unterdrückt. Wie die Sowjets betreiben auch die Chinesen auf der ganzen Welt, in allen Staaten, in denen sie diplomatische Vertretungen unterhalten, Agententätigkeit.

Ich bin der Ansicht, dass bei den Sowjets und bei den Chinesen die Organisierung dieser diverszionistischen Tätigkeit sogar entwickelter ist als bei vielen kapitalistischen Staaten. Der moderne, Revisionismus ist eine dekadente Strömung unter den bürgerlichen kapitalistischen Strömungen, die nicht die geringste Überzeugungskraft besitzt. Die revisionistischen Parteien sind genau wie die anderen Parteien des Kapitals nicht mit den Massen verbunden. Der moderne Revisionismus, der eine Ausgeburt des Verrats am Marxismus ist und für die Revision des Marxismus kämpft, kann keinerlei politischen Einfluss mehr haben, denn er ist in keiner Weise aufrichtig zu den breiten Massen der Völker. Die breiten Massen der Völker, die unter den Losungen des Marxismus-Leninismus nach dem Sozialismus gestrebt, um ihn gekämpft haben, sie haben gespürt und begriffen, dass diese Theorie richtig ist, und sehen, dass die Verräter „n ihr anders handeln als sie sprechen. Deshalb haben sie vollständig das Vertrauen in die revisionistischen Häupter verloren, und ohne jeden Zweifel verfängt deren Agitation und Propaganda bei ihnen nicht.

Bisher war eine Art Salat bekannt, die man russischen Salat nannte. Inzwischen gibt es noch einen anderen Salat, den chinesischen Salat. Dieser Salat ist so faulig, dass er Tausende von Meilen weit stinkt. «Renmin Ribao» bringt gegenwärtig redaktionelle Artikel, in denen Stalin «verteidigt» wird, doch die «Verteidigung» Stalins wird gleichgesetzt mit der Verteidigung Hua Guo-fengs. Hua Guo-feng spielt sich als «Stalin Chinas» auf. Zur Zeit wird dort reichlich davon gesprochen, Stalin sei ein grosser Marxist-Leninist gewesen, der gegen die Trotzkisten und die Bucharienisten, gegen Sinowjet, Kamenev, gegen X und Y gekämpft habe. Diesen Stalin hat Mao angeblich so sehr geliebt und gelobt usw. usf, und von hier aus kommt man zur Schlussfolgerung, dass «Genosse Hua Guofeng gegen die Vier kämpft», die ihrer Aussage nach in der und der Beziehung wie die Trotzkisten, die Bucharinisten usw. sind. Dies ist ein Sträußchen Kräuter im chinesischen Salat. Ein Unkraut darin ist auch die Freundschaft mit Tito. Die Nachricht von Titos bevorstehendem Besuch in Peking oder, besser gesagt, Chinas Herantreten an Tito hat China bei den Völkern und den Revolutionären in ein sehr schlechtes Licht gebracht. Sie alle sagen, dass China sich mit Tito, mit dem Revisionismus angefreundet hat, also vom marxistischleninistischen Weg abgewichen ist, auf dem es tatsächlich niemals richtig war.

MONTAG,

20. JUNI 1977

CHINA NÄHERT SICH ZUNEHMEND KAPITALISTISCHEN

STAATEN AN

Der Besuch des italienischen Aussenministers Forlani in Peking ist «erfolgreich» beendet worden. In seinen Erklärungen sprach er natürlich herzlich über Hua Guo-fengs China, dem sich die Italiener nun annähern, über die guten, täglich besser werdenden Beziehungen, über die grossen Perspektiven, die sich Italien beim Export von verschiedenen Maschinen mit hohem technologischem Standard auf dem chinesischen Markt eröffnen. Er äußerte sich nicht dazu, ob die Italiener in China investieren werden, doch es wäre nicht verwunderlich, wenn sie auch dies täten, obgleich Italien unter den entwickelten Ländern eines der ärmsten ist. Dennoch ziehen es die italienischen Kapitalisten vor, die italienischen Werktätigen arbeitslos zu lassen, leiden zu lassen, wenn sie nur selbst grosse Profite aus den Ländern herausholen können, in denen sich ihre Kapitalien gewinnbringender anlegen lassen.

Forlanis Gespräche mit Huang Hua waren «sehr herzlich», und dieser trat lachend und fröhlich auf, ist doch Italien der gehorsamste und getreuste Sklave unter den «Verbündeten» der Vereinigten Staaten von Amerika. Im «italienischen Stiefel» steckt fest der amerikanische Fuss, daher ist Italien für China in jeder Beziehung ein guter Verbündeter. Dagegen wissen die Chinesen, dass Frankreich nicht stillhält, ab und zu gegen die lästige und arrogante Herrschaft der amerikanischen kapitalistischen Monopole «aufmuckt».

China möchte, dass Frankreich unter das amerikanische Diktat zurückkehrt, keine unabhängige Politik macht, dass es vor allem nicht einen Weg der Versöhnung mit der Sowjetunion einschlägt. Doch was soll man machen, wenn Giscard d'Estaing, der heute mit Pomp Leonid Breschnew in seiner Funktion als Präsident des Obersten Sowjets empfängt, nicht auf China hören will. Selbstverständlich fuhr Feldherr Leonidas nach Frankreich, um die Freundschaft mit Giscard «zu vertiefen», und das ist weder im Sinne der Vereinigten Staaten von Amerika noch Westdeutschlands, noch Chinas. Giscard d'Estaing versucht auf diese Weise, seine Stellung etwas zu festigen - sowohl im Hinblick auf die USA, als auch auf ihren gefährlichsten Partner, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, für die sich China zerreisst. Es propagiert sie als bedeutsam für den Frieden, für das Wohl der Völker Westeuropas und ruft alle dazu auf, sich in dieser Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu vereinigen. Es propagiert ebenso, alle sollten sich im «Vereinten Europa» zusammenschließen, Proletarier und Reiche.

Giscard d'Estaing manövriert, denn nächstes Jahr werden in Frankreich Wahlen stattfinden, und es geht ihm darum, die sogenannte kommunistisch-sozialistische Koalition von Marchais und Mitterand zu spalten. In Wirklichkeit ist diese Koalition eine Utopie, denn Mitterand möchte auf keinen Fall, dass die «Kommunisten» vollkommen gleichberechtigt, wie die Franzosen sagen, an einer künftigen «Links»regierjung teilnehmen. Deshalb manövriert Giscard d'Estaing rechtzeitig, um diese rissige Einheit weiter zu spalten, eine Einheit, die nur auf dem Papier, in einigen unwichtigen Dingen besteht und die man «Linksunion» nennt.

Auf diese Weise nähert sich China der französischen Revisionistenpartei, Marchais an, und da ihm die Politik Giscards nicht gefällt, gefällt ihm natürlich die Politik von Marchais. Doch China gefällt ;auch die «neue Politik» Carters nicht, hat es sich doch eingebildet, die Vereinigten Staaten von Amerika würden eine Politik nach dem Belieben und dem Geschmack Mao Tsetungs, Tschou En-lais oder Hua Guo-fengs betreiben. Wirklich ein Zeichen «grosser Klugheit», wenn all die chinesischen Führer meinten, sie hätten international ein enormes Gewicht in die Waagschale zu legen, und die Vereinigten Staaten von Amerika würden einen Kniefall vor ihnen machen und ihre Politik gegenüber der Sowjetunion verschärfen! Natürlich haben die Vereinigten Staaten von Amerika als Imperialisten, die sie sind, grosse Widersprüche zur Sowjetunion, doch sie stellen ihre eigene Rechnung an, wollen China in Feindschaft mit der Sowjetunion halten, es aufstacheln, nach Möglichkeit sollen sie an den Grenzen sogar aneinandergeraten, wenn nicht gerade in einem grossen Krieg, so doch zumindest in einigen Scharmützeln.

Obwohl Carters «neue Politik» China nicht gefällt, liegt sie doch auch auf der Linie Chinas, denn sie erlaubt ihm, die begonnene Propaganda für die Vereinigten Staaten von Amerika fortzusetzen, indem es behauptet, diese seien «pazifistisch», «nicht aggressiv», «wünschen den Status quo», «suchen Übereinkünfte» usw. usf. Die Rede, die Carter nach seiner Ankunft in London hielt, zeigt genau diese verlogene Linie, als seien die Vereinigten Staaten von Amerika für eine Détente im breiten Messstab, als seien sie dafür, den Entwicklungsländern zu helfen, als seien sie für eine noch engere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, für eine enge Freundschaft mit China usw. usf.

Dieser Politik Carters ist es zuzuschreiben, dass die Chinesen die Vereinigten Staaten von Amerika verehren, obwohl sie es gerne hätten, wenn sie sich anders über die Sowjetunion -äußerten. Die Chinesen waren ganz verliebt in den Banditen Nixon, denn der sagte, er werde am Bau einer grossen Brücke arbeiten, die in San Francisco beginnen und in Peking enden solle, der Brücke der Freundschaft der Vereinigten Staaten von Amerika mit dem China des Vorsitzenden Mao Tsetung. Damals beklatschte China diesen «genialen» Gedanken, die glühenden Wünsche dieses amerikanischen Ganoven.

Den Bau der Brücke, den Nixon mit Mao Tsetung und Tschou En-lai begann, führt nun Hua Guo-feng mit Carter weiter, ungeachtet der bestehenden feinen Unterschiede. Feine Unterschiede kann es immer geben, doch die chinesische Linie, der nun verfolgte chinesische Kurs wird sich nicht ändern, wenn sich nicht die gegenwärtige chinesische Führung ändert, wenn sich die Kommunistische Partei Chinas nicht auf den richtigen marxistisch-leninistischen Weg begibt.

MITTWOCH.

22. JUNI 1977

RICHTIGE KRITIKEN UND FORDERUNGEN UNSERER

ARBEITERKLASSE

In Korça findet zur Zeit der 8. Kongress des Gewerkschaftsverbandes Albaniens statt. Genosse Rita Marko erwähnte in seinem Bericht die Freundschaft mit dem chinesischen Volk nur mit einem Satz und ging auf die Wirtschaftshilfe gar nicht ein.

Die Delegierten dagegen unterließen es nicht nur, über die Hilfe der Chinesen zu sprechen, von denen sie wegen ihrer Verzögerungen und Sabotageakte die Nase voll haben, sondern äußerten in indirekter Form sogar ihre Unzufriedenheit. So brachten der Delegierte der Werktätigen des metallurgischen Kombinats in Elbasan und der Delegierte des Werks für kontinuierliche Erdölverarbeitung in Ballsh in ihren Diskussionsbeiträgen - nachdem sie über die erzielten Ein-Folge gesprochen hatten, ohne China, dessen Hilfe oder die chinesischen Spezialisten überhaupt zu erwähnen - einige Spitzen an, als sie das Handelsministerium, die Organe, die sich mit dem Außenhandel und dem Export-Import befassen, sowie das Industrie- und hergibauministerium als Investor dafür kritisierten, dass sie nicht rechtzeitig und in der festgelegten Frist die benötigten Maschinen beschafft hatten. Dies führe, so stellten sie heraus, zu planwidrigen Verspätungen bei der Fertigstellung dieser beiden wichtigen Werke der Industrie unseres Landes und schade folglich den wirtschaftlichen Interessen der Sozialistischen Volksrepublik Albanien und der albanischen Arbeiterklasse schwer. Daher verlangten sie von der Regierung, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen und den zuständigen Organen noch einmal die Anweisung zu geben, die Beschaffung dieser Alle gen und Maschinen zu beschleunigen, die, wie in den staatlichen Verträgen längst vorgesehen. aus dem Ausland eingeführt werden sollen. Alle begriffen, dass diese Kritiken an die chinesische Führung gerichtet waren. Das nennt man: «Den Sack schlagen und den Esel meinen».

DONNERSTAG,

23 JUNI 1977

CHINA WILI. DIE ROLLE DES «ALTEN DER BEPGE» SPIELEN

Die Vertreter der chinesischen Nachrichtenagentur in Europa und die Lakaien der Chinesen, besonders der Trotzkist Jurquet in Frankreich sowie die Elemente von der «Roten Fahne» in Deutschland sind auf Hua Guo-fengs Verräterlinie am aktivsten. Sie aktivieren Leute nicht nur innerhalb ihrer Länder, sondern überall, wo sie können.

China finanziert alle diese Agenten, die eine Presse geschaffen haben, eine gewisse Propaganda betreiben, doch die Hauptpropaganda erfolgt in klingender Münze. China gibt diesen Agenten Geld, um damit die Schwankenden in den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien Europas zu kaufen. Genossen von Bruderparteien haben uns erzählt, dass Angestellte der chinesischen Botschaften direkt, auf der Strasse, Kontakt mit Parteigenossen aufnehmen, ohne vorher mit ihnen bekannt gewesen zu sein, ein Gespräch anknüpfen und ihnen dann nach zwei, drei Treffen, mach angeblich ideologischen Diskussionen, Geld anbieten. Einige weigern sich entrüstet und kategorisch, es anzunehmen, doch der eine oder andere nimmt es. Mit solcher Arbeit befasst sich die Agentenorganisation Geng Biaos, der für die Beziehungen der Kommunistischen Partei Chinas zu den kommunistischen Parteien auf der Welt zuständig ist.

Die marxistisch-leninistischen kommunistischen Bruderparteien sind heute in der Lage, zu urteilen und zu handeln, und wir meinen, dass sie nicht zögern dürfen. die richtigen Schritte gegen diese feindseligen Versuche der modernen Revisionisten zu unternehmen, der chinesischen und sowjetischen Revisionisten, der Trotzkisten und aller anderen Lumpen in ihrem Dienst.

Es ist Sache der marxistisch-leninistischen Parteien selbst, sich zu entscheiden, auch offen zu sprechen, wenn die Situation es von ihnen verlangt. Sie dürfen sich nicht strikt an unsere Taktik halten, denn sie kennen unsere Auffassungen und Ansichten über diese revisionistische Linie der Kommunistischen Partei Chinas genau. Wir äußern uns offen gegen diese Linie, gegen ihre Strategie und Taktik, doch ohne Chinas Namen auszusprechen, ohne mit dem Finger auf die Kommunistische Partei Chinas zu deuten. Trotzdem, inzwischen begreifen das alle. Vielleicht ist jetzt für die jungen marxistischleninistischen kommunistischen Parteien die Zeit gekommen, auch offener zu sprechen, und sie dürfen, wenn die Situation reif ist, nicht zögern, denn die Gruppen und Parteien, die China mit seinem Hua Guo-feng bildet, werden speziell dazu aufgebaut, diese Parteien zu verunglimpfen und zu bekämpfen.

Das Ziel der chinesischen Taktik ist, wie ich auch schon früher gesagt habe, die Polemik anzufachen, doch soll sich diese Polemik zwischen den marxistisch-leninistischen Parteien und den faschistischen Gruppierungen mit maoistischem Etikett abspielen, während sich China heraushält, nicht erwähnt wird und die Rolle des «Gottes auf dem Olymp» spielt, die Rolle des «Alten der Berge». So hiess in der Geschichte der Führer der Aschaschen-Sekte, der in den syrischen Bergen lebte. In seiner Höhle sammelte er Menschen um sich. berauschte sie mit Mohn, führte sie in seinen Garten voll Blumen und Huris und schickte sie dann aus in alle Teile der Welt, um seine Sekte zu propagieren und die Feinde des «Alten der Berge» zu töten. Dieses mittelalterliche Geschäft betreibt auch Peking. Deshalb muss man ihm und seinen Agenten, um sie zu entlarven und zu zerschlagen, die stählerne Kraft der marxistisch-leninistischen Ideologie entgegensetzen.

DURRËS, SONNTAG,

26. JUNI 1977

EINE KURZE INFORMATION ÜBER DIE LAGE IN CHINA

Heute morden kam Genosse Behar Shtylla, der gestern aus Peking zurückgekehrt ist, nach Durrës. Er berichtete mir ausführlich über die Lage in China. Sie ist so, wie wir uns das dachten. Dort sind die Armee und die Staatssicherheit an der Macht, an deren Spitze Hua Guo-feng, Yä Djiän-ying und Li Hsiän-niän stehen. Die Aussenpolitik macht Geng Biao.

Der Kampf wird nicht nur gegen die «Vier» geführt, sondern selbstverständlich auch gegen alle Gegner, die es in China gibt. In jeder Strasse in Peking gibt es eine Armeekaserne. Noch nie zuvor hat es in der chinesischen Hauptstadt eine solche Flut von Soldaten, Polizisten und Agenten der Staatssicherheit gegeben. Das Leben ist schwierig geworden, insbesondere für die Botschaft unseres Landes. Von der diplomatischen Seite her wird sie vollkommen vernachlässigt. Natürlich rangieren die Rumänen, die Jugoslawen und andere an erster Stelle unter den diplomatischen Vertretungen.

Der Kurs geht in Richtung auf die Annäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika und die kapitalistischen Länder des Westens. Die Chinesen erhalten weiterhin in verschiedener Form Kredite von den Vereinigten Staaten von Amerika, von Japan und den kapitalistischen Ländern Europas.

Behar, der seit vier Jahren dort lebt, sagte uns, es sei erstaunlich, wie sehr sich die wirtschaftliche Lage in China verschlechtert hat, während es früher vor allem landwirtschaftliche Produkte so reichlich gab, dass man sie sogar auf der Strasse verkaufte. Er berichtete uns von den grossen Schwächen und den Mängeln, die sich auf dem chinesischen Markt und in der chinesischen Wirtschaft bemerkbar machen.

Titos Chinareise erwarten sie ungeduldig, obwohl im diplomatischen Corps fast überhaupt nicht über seinen Besuch gesprochen wird. Oder, wie ein Botschafter zu Behar sagte: «Unter uns gesagt, es ist China, das zu Tito geht, und nicht Tito, der nach China fährt.» Warum dieses Schweigen im diplomatischen Corps in China über Titos Besuch? Das lässt sich daraus erklären, dass der Westen diesen Besuch nicht schon jetzt propagieren will, weil er damit China keinen guten Dienst leistet. Sie wollen nicht, dass China sich vollständig entlarvt, fällt doch mit Titos Besuch natürlich Chinas Maske als sozialistisches Land. Auch die kapitalistischen Länder wollen, dass es die Maske wahrt, während die Chinesen selbst ihre Maske von sich geworfen haben, deshalb Tito ungeduldig erwarten und ihm, wie sie sagen, einen prächtigen Empfang bereiten werden.

Doch Tito geht eben nicht, ohne Vorbedingungen gestellt zu haben, und er wird seine Reise nach China zum Ausklang seines Lebens mit einem Erfolg krönen, der den Eindruck hinterlassen wird, dass auch China vor ihm auf die Knie gefallen ist.

Was unsere Wirtschaftsbeziehungen anbelangt, so verfolgen die Chinesen bei der Lieferung von Maschinen und Anlagen für die Werke, die wir gerade bauen, jene bekannte «Hinhalte»Taktik - verschleppen, hinausschieben, mit allen möglichen «Gründen» auffahren und die vertraglich vereinbarten Fristen nicht einhalten. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde unser Handel mit China nur zu 30 Prozent realisiert, die im Vertrag vorgesehenen Waren machen nur 70 Prozent von diesen 30 Prozent aus. Für die Verspätungen lassen sich reichlich Gründe finden. 90 Prozent von ihnen sind haltlos, nur ungefähr 10 Prozent lassen sich vielleicht halten.

Die chinesische Generallinie ist also, Albanien zu blockieren, es innerhalb Chinas zu blockieren, aber auch außerhalb, es auch wirtschaftlich zu blockieren. Man verfolgt uns gegenüber die gleiche feindliche, revisionistische, ja sogar eine noch brutalere Politik als damals die Sowjetrevisionisten.

Der chinesische Staatssicherheitsdienst überwacht die Angestellten der Botschaft nun auf Schritt und Tritt. Es gibt keinen Chinesen, der in China auf der Strasse oder bei der Arbeit einem Albaner begegnet, ohne dass man ihn herbeizitiert und fragt: «Worüber hast du mit dem Albaner gesprochen, was hat dir der Albaner gesagt?» Auf unsere Leute sind Leute von der Staatssicherheit angesetzt, und wir haben sogar Fakten, dass sie auch versuchen, sie als Agenten anzuheuern.

DURRES, DIENSTAG,

5. JULI 1977

DIE KP CHINAS ORGANISIERT IHRE SATELLITEN

Die Kommunistische Partei Chinas ist dabei, ihre Satelliten zu organisieren. Sie sollen Beratungen abhalten und Erklärungen herausgeben. Die letzte Beratung fand zwischen den belgischen und holländischen angeblich marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien statt. Diese Parteien bekräftigten ihre «kämpferische Einheit und die Übereinstimmung der Ansichten beider Seiten». Beide Parteien ehrten das Andenken Mao Tsetungs und verkündeten, er habe «die Wissenschaft der Revolution in hohem Grad und in so enger Verbindung mit den drei Elementen der Epoche bereichert, die sind: der Marxismus, der Leninismus und die Maotsetungideen». Inzwischen reden sie nicht mehr von «Marxismus-Leninismus-Maotsetungideen», sondern stellen die drei in eine Reihe. Sie betonen, man müsse bei der Analyse der internationalen Lage von Mao Tsetungs «berühmter» These von den «drei Welten» ausgehen, denn diese ist ihrer Aussage nach «die mächtige Triebkraft, die die Welt, das Proletariat, die fortschrittlichen Länder und Völker voranführt», wobei sie nicht zu sagen versäumen, die beiden Supermächte, der sowjetische Sozialimperialismus und der amerikanische Imperialismus, bildeten die «erste Welt», und beide seien geschworene Feinde der Völker. Dann betonen sie, der sowjetische Sozialimperialismus sei dabei, zum Raubtier zu werden, kurz, er rüste immer mehr auf und gefährde insbesondere Europa.

Diese beiden «Parteien» sagen ebenso, sie seien gegen den Hegemonismus, zugleich sind sie aber auch für die nationale Verteidigung angesichts der Gefahren, die die nationale Unabhängigkeit bedrohen. Um diese Unabhängigkeit zu verteidigen, müssen sich deshalb, ihnen zufolge, die unabhängigen Nationen Europas und der anderen Kontinente mit der «dritten Welt» vereinigen und so eine einheitliche Taktik entwickeln, zu einem einheitlichen Vorgehen gegen die Gefahr der Supermacht, des sowjetischen Sozialimperialismus, finden. Und am Schluss kommt die Leier: Lobhudeleien für Hua Guo-feng, der der würdige Nachfolger des Vorsitzenden Mao sei und «die faschistische Viererbande zerschlagen, China befreit» habe. Diese «Viererbande» sei «eine grosse Gefahr für China, für die Welt und für alle» gewesen. So sehen die Erklärungen aus, die China für diesen konfusen bzw. entarteten Abschaum vorfabriziert, den man bis zu einem gewissen Grad und eine gewisse Zeit lang für «marxistisch-leninistische kommunistische Parteien» hielt.

Jetzt, da die revisionistische Abweichung ,in China in Entwicklung begriffen ist, finden diese Parteien ihren Platz, finden sie auch den Schirm, unter dem sie Schutz suchen können, und von diesen Positionen aus bekämpfen sie unsere Partei, die anderen marxistischleninistischen kommunistischen Parteien, die fest auf der Linie der marxistisch-leninistischen Theorie stehen, bekämpfen sie also die proletarische Revolution und zugleich die Befreiung der Völker.

Es ist interessant festzustellen (und das stellen wir nicht erst jetzt fest), dass sich die Kommunistische Partei Chinas nicht darauf einlässt, diese Formulierungen ihrer Ideen, die sie auf der Welt verbreitet, zu begründen und zu untermauern. Sie versucht nicht, diese Formulierungen von der «dritten Welt», vom mächtigeren und weniger mächtigen Imperialismus theoretisch zu erklären, zu beweisen, dass der amerikanische Imperialismus schwächer, «eine Maus geworden ist, während der sowjetische Sozialimperialismus ein Bär und ein Tiger geworden ist, den man nicht füttern darf».

Die Kommunistische Partei Chinas hält sich also aus dieser Polemik heraus, bringt sich aus der Schusslinie, sieht von weitem zu, denn sie hat Angst vor den Pfeilen, die auf sie niederprasseln werden und die für die chinesischen Revisionisten todbringend sein werden. Und es ist nicht ausgeblieben, dass diese Pfeile auf sie abgeschossen wurden, und es wird auch weiter nicht an ihnen fehlen.

Die Kommunistische Partei Chinas verfolgt gegenwärtig die Taktik, die angeblich marxistisch-leninistischen Parteien vorzuschieben, die sie unter Huas Herrschaft gebracht hat, damit sie dieser antimarxistischen Theorie das Wort reden. Natürlich dreschen diese sogenannten marxistisch-leninistischen Parteien, die für die Chinesen die Trommel rühren, angesichts der marxistisch-leninistischen Reaktion gegen sie in der Welt dann Phrasen, zwei- und dreideutige Phrasen. Das sind Phrasen, die ihnen Geng Biao aus einem Zentrum mit Sitz in Peking geliefert hat. Sie verfolgen also genau die Taktik, die Mao Tsetung und seine Nachfolger immer verfolgt haben: nicht úber heikle Fragen sprechen, sich nur mit grossen Vorbehalten äussern, zweideutig reden, sowohl ja als auch nein, sowohl in der Mitte als auch vorne als auch hinten, so dass sie in jeder Situation etwas aus dem Sack, in dem sie alle diese «Kostbarkeiten» gesammelt haben, ziehen und sagen können: «Seht her, wir haben dies gesagt und nicht das.»

Deshalb müssen wir fortfahren, unsere Polemik gegen diese rechte Abweichung, gegen diese gefährliche Variante des modernen Revisionismus, gegen diesen Verrat, der erneut am Marxismus-Leninismus begangen wird, diesmal von der chinesischen Führung, zu entfalten. Bei dieser Polemik müssen wir ständig Betonung auf ihre Schärfe legen, wir müssen die Fragen gut herausarbeiten, damit nichts im Dunkeln bleibt und die Genossen unserer Partei und unser ganzes Volk begreifen, um welche Probleme es geht und gegen wen sich diese Polemik richtet. So werden auch unsere marxistisch-leninistischen revolutionären Genossen im Ausland und ihre wahren Parteien an Hand unserer Polemik die Situation klarer erkennen können, werden sie genauer wissen, welcher Meinung unsere Partei über diese rechte, verräterische Abweichung ist.

DURRËS, DONNERSTAG,

7. JULI 1977

EIN ARTIKEL, DER EINE GROSSE INTRIGE ZUM SCHADEN

DER VÖLKER ENTLARVT

Ich glaube, unser Artike1 «Theorie und Praxis der Revolution», der heute in der Zeitung «Zeri i popullit» erschien, wird bei den Marxisten-Leninisten im Ausland, aber auch bei den fortschrittlichen bürgerlichen Denkern eine grosse Wirkung erzielen, während die Chinesen und ihre Ableger, gegen die sich der Artikel tatsächlich richtet, ohne Frage vor Wut schäumen werden. Es war notwendig. sogar sehr notwendig und unerlässlich, dass wir diesen Artikel ausarbeiteten und veröffentlichten, denn die chinesischen Revisionisten richteten immer mehr Schaden an, verstärkten ihren Kampf 5egen den Marxismus-Leninismus und besonders gegen die Partei der Arbeit Albaniens.

Wie ich schon andere Male gesagt habe, wurde dieser Kampf auf hinterhältige, heimtückische, heuchlerische Weise geführt und hatte nichts Prinzipienfestes an sich. Die Chinesen machten sich nicht die geringste Mühe, sich zu verteidigen, denn ihre berüchtigten Thesen über die Revolution sind tatsächlich auch überhaupt nicht zu verteidigen, weil die Dreiteilung der Welt und die Einordnung Chinas in die «dritte Welt» nichts ist als ein Versuch, die proletarische 1levolution zu erdrosseln und das Proletariat unter das Joch der kapitalistischen Bourgeoisie der Industrieländer und des amerikanischen -imperialismus zu zwingen. Mit dieser absurden und antimarxistischen Theorie wurde angeblich der sowjetische Sozialimperialismus bekämpft, der sowohl den amerikanischen Imperialismus als auch den chinesischen Sozialimperialismus als auch die entwickelten kapitalistischen Länder gefährdete. Mit den Völkern und der Revolution rechnen die Theorien der Chinesen, die ihren Ursprung in den bürgerlich-revisionistischen Ansichten Mao Tsetungs, Tschou En-lais, Deng Hsiao-pings und des Vorsitzenden Hua haben, überhaupt nicht.

Hinter der Verteidigung des amerikanischen Imperialismus und der anderen Imperialisten in Europa und Asien seitens der Chinesen stèckt ein grosses Ziel, auf das sie nun praktisch hinarbeiten. Sie sprechen mittlerweile offen davon, sie wollten Hilfen und Kredite von diesen Staaten und kapitalistischen Firmen erhalten, um ihre Wirtschaft und ihre Armee zu stärken, mit anderen Worten, um auch China zu einer Supermacht zu machen, wobei ihm jene natürlich helfen, um es gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu hetzen.

Bei diesem grossen Intrigenspiel zum Schaden der Völker, das mit einer pseudo-marxistisch-leninistischen Theorie maskiert wird, spekulieren die revisionistischen chinesischen Führer darauf, dass der amerikanische Imperialismus zusammen mit dem aufsteigenden chinesischen Sozialimperialismus in einen dritten Weltkrieg geht, um die andere Supermacht, die Sowjetunion, zu liquidieren. Die Chinesen gehen dabei natürlich von einer angeblich marxistisch-leninistischen Plattform aus, kämpft doch ein «sozialistisches» und «marxistisch-leninistisches» Land gegen einen Sozialimperialismus, 1vährend die Vereinigten Staaten von Amerika dabei von den Positionen eines mächtigen Imperialismus ausgehen, der einen anderen Imperialismus, der ihm den Platz streitig macht, vernichten will.

Die Hilfe, die China von den Vereinigten Staaten von Amerika und von anderen entwickelten kapitalistischen Ländern erhalten wird, wird so geartet sein, dass sie weder für den amerikanischen Imperialismus noch für die anderen entwickelten kapitalistischen Länder eine Gefahr bedeutet, doch im Bündnis mit diesen Mächten wird sich die Waage mehr dem amerikanischen Imperialismus zuneigen, was zur Schwächung des sowjetischen Sozialimperialismus beitragen wird. Mithin werden sich die Widersprüche, durch die die Völker in einen Weltkrieg getrieben werden, noch mehr vertiefen. Das antisozialistische China kämpft also für die Entfesselung eines dritten Weltkriegs. Das ist ein schweres Verbrechen an der Menschheit.

Wäre China sozialistisch, müsste es beide grossen imperialistischen Mächte bekämpfen, die Widersprüche zwischen ihnen ausnutzen und vertiefen, dafür kämpfen, die Vorbereitungen beider Supermächte auf einen Weltkrieg zu neutralisieren, und die Freunde und Genossen auf der ganzen Welt wappnen, damit sie sich der Katastrophe eines neuen Vernichtungskriegs entgegenstellen. Das tut China nicht, deshalb musste unser Artikel «Theorie und Praxis der Revolution» unbedingt zu diesem Zeitpunkt erscheinen.

Dieser Artikel wird auch von anderen theoretischen Studien, anderen Artikeln begleitet sein, natürlich ohne China namentlich zu erwähnen. Doch wenn die Situation es verlangt, wird ach das geschehen. Heute verstehen alle, dass sich die Haltung der Partei der Arbeit Albaniens gegen die antimarxistische Theorie Mao Tsetungs und Hua Guo-fengs richtet. Möglich, dass die bürgerliche Presse und der bürgerliche Rundfunk diesem Artikel grosse Beachtung schenken, möglich ist aber auch, dass sie ihn mit Schweigen übergehen. Beide Möglichkeiten bestehen. Jene, die China verteidigen wollen, damit es weiterlügt und tief in Abhängigkeit von ihnen gerät, werden natürlich schweigen, die anderen dagegen, die Realistischeren, denen dieser Weg Chinas nicht gefällt, werden sprechen.

Wie dem auch sei, die Linie der Partei der Arbeit Albaniens wird auf der Welt ein starkes Echo finden, und dies wird unserer Partei, ihrer richtigen marxistisch-leninistischen Linie zustatten kommen.

SAMSTAG,

9. JULI 1977

EIN KORB VOLL KREBSEN

Zwischen dem Korea Kim Ir Sens, dem Jugoslawien Titos und dem China Hua Guo-fengs ist, natürlich in aller Stille, gedämpft, ein angeblich ideologischer Konflikt ausgebrochen, der durchaus nicht das Bild eines solchen Konflikts bietet, sondern bei dem es darum geht, wer das Banner der falschen Ideologie an sich bringt. Die drei Streithähne wollen die Vorrangstellung in den «Welten»gruppierjungen, die sie gemeinsam mit den Imperialisten erfunden haben, also der «blockfreien Welt», der «dritten Welt» und der «Welt in Entwicklung». Jeder versucht, die Grenzen seiner Welt zu wahren, Grenzen, die es in Wirklichkeit nicht gibt und nicht geben kann, denn tatsächlich predigen diese «Freunde» des Weltkapitals den nach Befreiung strebenden unterdrückten Völkern, sich weiter brav unter das Joch zu ducken.

Die drei Anwärter auf die Throne dieser «Welten» wollen von einigen Brosamen vom Tisch des amerikanischen Imperialismus oder des sowjetischen Sozialimperialismus und der anderen entwickelten kapitalistischen Länder profitieren. Sie wollen den grössten Teil davon für sich selbst behalten und sich als die Führungen dieser Gruppierungen aufspielen, die in den armen Ländern der verschiedenen Kontinente Regen und Sonnenschein machen .

...Da Korea zu den Staaten gehört, die nicht ohne fremde Hilfe leben können, steht es jetzt am Scheideweg, denn seine Gläubiger helfen ihm nicht mehr mit Anleihen, weil es seine Schulden nicht bezahlt. Das Weltkapital hat kein Interesse mehr daran, in Korea zu investieren.

Trotzdem verlangt die koreanische Presse von der Welt, sich vor Kim Ir Sen zu verbeugen, und erklärt ihn dreist zum «grössten Führer, den die Welt bis heute gekannt hat»! Deshalb verlangt er nicht nur Hilfen und Almosen für sich selbst, sondern will außerdem, dass die Vereinigten Staaten von Amerika von jeder Hilfe für Südkorea Abstand nehmen, in dem sie eine wichtige Basis haben, die auch China indirekt verteidigt. So wünscht und versucht Kim Ir Sen, die beiden Koreas unter seiner Fahne zu vereinigen.

Das ist der Tagtraum dieses geborenen «grossen Führers», und um sich Autorität zu verschaffen, hat er den Plan gefasst, grosse Persönlichkeiten in Pjöngjang zu empfangen und zu verabschieden sowie allerlei internationale Seminare und Beratungen abzuhalten. So ist zum Beispiel eine grosse Beratung der Jugend der «dritten Welt» vorgesehen, an der aber ebenfalls sowohl die Jugend der «blockfreien Welt» als auch die Jugend der «Welt in Entwicklung» als auch der Teufel und seine Grossmutter teilnehmen sollen. Man kann sich natürlich vorstellen, was das für eine Veranstaltung gibt; nur dem Namen nach wird es eine «Beratung der Jugend» sein.

In dem «Netz», das da ausgeworfen worden ist, wird es allerlei Fische und Krebse geben, Leute aller Tendenzen und aller Kaliber, von gekauften Agenten bis hin zu vagabundierenden Gaffern, die

immer auf dem Sprung sind, durch die Welt zu reisen, natürlich nicht, um zu lernen, sonder n um sich «gratis» zu amüsieren.

Doch das gefällt nun den Titoisten nicht, deshalb versuchen sie, es zu sabotieren. Die jugoslawischen Revisionisten wollen nicht, das Kim Ir Sen die Führung der Weltjugend übernimmt. Aber auch den anderen revisionistischen Ländern gefällt es nicht, etwa der Sowjetunion, denn auch sie ist nicht daran interessiert, dass dieser Mensch, Kim Ir Sen, sich als etwas aufspielt, was er nicht ist. Den Chinesen gefällt es ebenfalls nicht, und nicht anders sieht es bei den Mitgliedern der «dritten Welt» aus. Niemand gefällt es, dass die «dritte Welt», angeblich ihre Welt, die Jugend nach Pjöngjang schickten soll, und dass die Koreaner dort dann schwadronieren, wie sie wollen. So sagen viele Botschafter verschiedener Länder zu unseren Botschaftern: «Wir sind nicht einverstanden mit diesen, wir sind nicht einverstanden mit jenen, wir wollen nicht, dass die kommen, wir wollen nicht, dass jene kommen, wir sind nicht einverstanden, dass sie sich in Korea treffen» und anderes dieser Art. Natürlich, wie sollten sie auch einverstanden sein, wenn das alles ein Korb voll Krebsen ist, wo jeder für seine eigenen Interessen arbeitet, und wenn in ihrem Pferch alle Sorten von Ideologien herrschen, nur nicht die marxistische. Wir haben es hier mit einem Basar zu tun, wo jeder sich als der Krämer mit den meisten Menschen oder den meisten Ländern aufzuspielen versucht und die Waren an den Mann bringen will, die ihm der eine oder der andere Imperialismus liefert. Das Ganze ähnelt einem tragikomischen Jahrmarkt.

Unsere Leute erklären natürlich allen den Standpunkt unserer Partei zu dieser Frage und sagen ihnen, dass wir uns nicht nur gegen dieses Vorgehen verwahren, dass wir nicht nur gegen das Wesen dieser Veranstaltung, gegen die Benennungen für diese Gruppierung sind, sondern auch keinesfalls an diesem Mummenschanz teilnehmen werden, der da in Pjöngjang stattfinden soll, denn unsere Partei ist eine ernsthafte Partei, die wie eh und je den Prinzipien des Marxismus-Leninismus die Treue halten wird.

In eben dieser Situation hat Tito beschlossen, zu Besuch in den Fernen Osten zu reisen, und man redet jetzt über diesen Besuch, doch wann und wie er fährt, steht noch nicht fest. Es heisst, er werde Ende Juli fahren, andere sagen, im August oder Ende August. Es heisst, er werde über die Sowjetunion reisen, von anderer Seite wiederum hört man, die Sowjetunion gestatte nicht, dass Tito über ihr Territorium nach China fährt t. Es gibt auch Leute, die sagen, China wünsche nicht, dass er über die Sowjetunion kommt, weil das so interpretiert werden würde, als sei er ein Vermittler. Und tatsächlich ist Tito ein Vermittler zwischen der Sowjetunion und China. China möchte diesen Menschen völlig mit Beschlag belegen. Es bemüht sich, Tito zu zeigen, dass es ihn mit offenen Armen empfängt, mit Gongs und Millionen Menschen, die auf dem Tienanmen-Platz, auf den Boulevards, selbst auf dem Flughafen in Sympathiebekundungen für ihn ausbrechen werden. Die Chinesen werden die Strassen säumen, um in ihrem Land den «Triumphator» des Antimarxismus, den Renegaten des Marxismus-Leninismus, den Agenten des amerikanischen Imperialismus und der reaktionären Weltbourgeoisie zu empfangen.

Doch wird Tito bei dieser Gelegenheit auch nach Korea fahren? Natürlich, auf seinem Plan steht dieser Besuch, doch damit er zur Wirklichkeit wird, müssen noch einige Dinge geregelt werden, denn Tito geht nicht nur dorthin, um irgendeine hohe Auszeichnung entgegenzunehmen, sondern auch wegen einiger Angelegenheiten, die ins reine gebracht werden müssen. Doch was sind das für Angelegenheiten? Angelegenheiten in seinem Sinn, im Zusammenhang mit dem amerikanischen Imperialismus, der möchte, dass diese Länder von ihm abhängig sind, und Tito will bei diesem Schacher bzw. Zwischenhandel einen fetten Kredit seines Herrn herausholen, denn so war es jedes Mal nach seinen Besuchen in verschiedenen Lände n. Diese Besuche haben ihm immer Profit gebracht.

In diesen Augenblicken der Rückschläge und Niederlagen für I-qua Guo-fengs China wird nun Tito nach Peking reisen. Während Tito aufbricht, um China zu besuchen, wird auf der anderen Seite Zulfiqar Ali Bhutto, der sich als Freund Chinas ausgab und tatsächlich sein Freund war, zum Teufel gejagt. Er ist ein pakistanischer Geldsack, der die Parole ausgegeben und gepredigt hatte, man solle eine Beratung von Vertretern des Bildungswesens der Länder der «dritten Welt» durchführen. Das war aber natürlich ein Schlag ins Wasser, denn niemand zog mit ihm in dieser Frage mit. Im übrigen liess man ihn noch nicht einmal den Versuch machen, fegte doch e in kürzlich von der pakistanischen Reaktion und sicherlich auch vom englischen, amerikanischen oder auch sowjetischen Imperialismus inszenierter Staatsstreich Ali Bhutto von der Bühne, brachte ihn mitsamt seiner Regierung ins Gefängnis, und mit Sicherheit wird in Pakistan die Opposition an die Macht kommen, für die die «Freundschaft» mit China ohne Frage das letzte ist, worum sie sich sorgt.

Diese Regierung der Reaktion in Pakistan wird also enge Freundschaft mit dem Chinafeindlichen und proamerikanischen bzw. prosowjetischen Indien schliessen. Das werden wir im Laufe der Ereignisse sehen, eines aber können wir sagen: dass einer der Freunde Chinas schweren Schiffbruch erlitten hat. Das ist zugleich auch eine niederlege für die «kluge» Politik Hua Guo-fengs.

DURRËS, MONTAG,

11. JULI 1977

WANN UND WARUM WIRD DER PARTEITAG IN CHINA

ZUSAMMENTRETEN?

Unsere Botschaft in Peking berichtet uns, gestützt auf das, was man sich in Freundeskreisen und im diplomatischen Corps erzählt, dass es in der chinesischen Führung grosse Widersprüche gebe. Widersprüche zeigen sich zwischen Hua Guo-feng und Yä Djiän-ying. Y4 Djiän-ying ist dafür, Deng Hsiao-ping so bald wie irgend möglich zu rehabilitieren, während Hua Guo-feng nicht dafür ist. Er setzt alles daran, diese Situation hinauszuschieben, und möchte, dass das Zentralkomitee oder der Parteitag so schnell wie möglich einberufen werden. Es heisst, man habe oben festgelegt, wer am Parteitag teilnehmen soll, und dass der Parteitag die Funktionen und Aufgaben zu bestimmen habe, die Deng Hsiao-ping übertragen werden sollen.

Natürlich redet man davon, dass dieser Parteitag heute oder morgen stattfinden könne, doch das sagt man nun schon seit fast einem Jahr, ohne dass der Parteitag zusammentritt, und die Gegensätze bleiben bestehen. Indessen entnehmen wir den Informationen, über die wir verfügen, dass die Gegensätze nicht nur in der Führung, sondern auch unter den breiten Massen der Partei und des Volkes weiterbestehen. Die Lage in China kann also gar nicht anders sein als unruhig, unbeständig.

Was die Beziehungen zu uns betrifft, so haben die chinesischen Führer nicht nur unter den Parteikadern, sondern auch unter dem Volk Kälte verbreitet - überall, wo unsere Leute Gelegenheit zu Kontakten mit chinesischen Arbeitern, Studenten usw. haben. Die chinesischen Werktätigen sind gehemmt, fürchten sich davor, unseren Leuten zu begegnen und mit ihnen zu sprechen. Wo es um die anderen geht, machen die chinesischen Offiziellen genau das Gegenteil, sie übertreibe ostentativ, um durchblicken zu lassen, dass die Sache mit uns Albanern böse aussieht, d.h. sich verschlechtert hat, während mit den Jugoslawen und den Rumänen alles in Ordnung ist.

Gestern abends las ich einen Artikel der Zeitung «Renmin Ribao» über die Eindrücke der chinesischen Veteranendelegation bei ihrem Besuch in Jugoslawien. Was wird in diesem Artikel nicht alles gesagt! Es wird auf den so herzlichen und großartigen Empfang, den die Jugoslawen den Chinesen bereitet haben, hingewiesen! Es wird berichtet, man habe einen Volkshelden Jugoslawiens entdeckt, der im Gefängnis gewesen sei, weil er zur Zeit von König Alexander ein Gedicht über Mao Tsetungs Langen Marsch geschrieben habe! Dann wird erzählt, wie die Chinesen in den Häusern jugoslawischer Veteranen empfangen wurden, wie diese ihnen sagten, sie hätten den Kampf des chinesischen Volkes sehr aufmerksam verfolgt. Aber auch die Chinesen ihrerseits, heisst es im Artikel von «Renmin Ribao» weiter, hätten mit grösster Aufmerksamkeit jeden Schritt des heroischen Kampfes der Völker Jugoslawiens verfolgt! Selbst wir, die wir hier ganz in ihrer Nähe waren und Bez2ehungen zu ihnen unterhielten, wussten nichts Konkretes über diesen Kampf der Völker Jugoslawiens, seine Entwicklung, und da wollen die Chinesen aus dem hintersten Tangschan oder Hunan den jugoslawischen nationalen Befreiungskampf «unter Führung des Helden Tito mit grösster Aufmerksamkeit» verfolgt haben! Doch das alles ist natürlich dazu da, die «grosse Einheit» zu zeigen, die zwischen diesen beiden revisionistischen Ländern besteht. Die Chinesen sind inzwischen dabei, einen triumphalen Empfang für den revisionistischen Renegaten Tito vorzubereiten, der erklärt hat, er werde zunächst nach Moskau reisen und von dort aus weiter nach Peking.

All das, wie auch die Tätigkeit der Titoisten, die es verstehen zu lavieren, die Chinesen hinters Licht zu führen und sie für ihre kleinbürgerlichen Untugenden zu beweihräuchern, hat den Zweck, sie hereinzulegen, um sie tiefer in den revisionistischen Verrat hineinzutreiben und sie vor den Karren des amerikanischen Imperialismus zu spannen. Dies ist ganz offenkundig, und wir liegen durchaus nicht falsch, wenn wir diesen ideologischen Kampf gegen die revisionistische chinesische Führung beginnen, die die Theorien des modernen Revisionismus anwendet, praktiziert und entwickelt.

DONNERSTAG,

28. JULI 1977

DER MACHTANTRITT HUA GUO-FENGS UND DIE

REHABILITIERUNG DENG HSIAO-PINGS SIND SKANDALÖS

Den Machtantritt Hua Guo-fengs sowie die volle Rehabilitierung Deng Hsiao-pings und seine Wiedereinsetzung in alle früheren Funktionen betrachten wir als einen skandalösen Fall, was die Anwendung der marxistisch-leninistischen Grundprinzipien der Organisierung der Partei anbelangt. Fs ist offensichtlich, dass Hua Guo-feng durch einen Militärputsch an die Macht kam, an dessen Spitze er selbst und Yä Dj,iän-ying standen. Sie verhafteten die vier Personen, die sie als Rechtsradi'kale bezeichnen, und übernahmen die Macht. Die Clique, die den Putsch machte, ernannte Hua Guo-feng zum Vorsitzenden des Staatsrats, zum Parteivorsitzenden, weil ihn Mao Tsetung vor seinem Tod angeblich dazu bestimmt hat. Allerdings hätte dies vom Politbüro und vom Zentralkomitee bestätigt werden müssen. Das geschah nicht, sondern man handelte gegen das Statut der Kommunistischen Partei Chinas und gegen jede Norm einer wirklich marxistisch-leninistischen Partei. Weder fand eine Sitzung des Politbüros statt, noch wählte das Zentralkomitee Hua Guo-feng. Dieser machte sich selbst zum Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, zerschlug mit einem Schlag die «Vier», ernannte sich :selbst zum Ministerpräsidenten usw. usf. Die Art und Weise, wie Hua Guo-feng an die Macht kam, trägt also alle Merkmale eines Militärputschs, wie man ihn von den Ländern Lateinamerikas kennt.

Das Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas war amputiert, weil eroe grosse Anzahl seiner Mitglieder schon vor langem ausgeschaltet worden war, deshalb konnte es nicht zusammentreten. Wie kann es sein, dass vier Mitglieder aus dem Politbüro ausgeschlossen werden. ohne dass dieses zuvor einberufen und sein Beschluss dann dem Zentralkomitee der Partei vorgelegt wird? Nichts davon geschah. Hua Guo-feng wurde somit nicht von den Organen gewählt, die nach dem Statut der Kommunistischen Partei Chinas dafür zuständig sind, und die «Vier» wurden nicht auf der Grundlage der in eben diesem Statut verankerten Regeln von den Organen der Partei ausgeschlossen. Das ganze Verfahren war illegal, antimarxistisch.

Zu Deng Hsiao-ping ist zu sagen, dass er ein gebrandmarkter Antimarxist ist, der Hauptgehilfe Liu Schao-tschis war. Letzterer wurde von Mao Tsetung bezichtigt, ein Revisionist und der chinesische Chruschtschow Nr. 1 zu sein, während Deng Hsiao-ping als Chruschtschow Nr. 2 betrachtet und zusammen mit Peng Tschen und vielen ihrer Gefolgsleute auf die gleiche Weise ausgeschaltet wurde. Erst danach fanden Versammlungen zur Entlarvung dieser Personen statt. Deng Hsiao-ping war tatsächlich ein Revisionist, und als er erneut an die Macht kam, geschah das nicht auf korrektem marxistisch-leninistischem Weg, sondern auf persönlichen Wunsch Mao Tsetungs. Mao Testung hatte ihn also verurteilt, dann rehabilitierte er ihn, und zwar gründlich, indem er ihn zum ersten Stellvertreter des Ministerpräsidenten Tshou En-lai, zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas und gleichzeitig zum Generalstabschef der Armee ernannte. Dies war eine antimarxistische Entscheidung nur nach dem Gefallen der Clique Mao Tsetungs und Tschou En-lais. Tschou En-lai rehabilitierte seine alten Genossen, mit denen er gleichen Sinnes gewesen war, ohne damals dasselbe Schicksal erlitten zu haben wie Liu und Deng, weil Mao Tsetung sich vollkommen isoliert fühlte und seine Hand über Tschou hielt. Das hat er auch selbst zugegeben, und er rief zur Kulturrevolution auf.

Deng Hsiao-ping wurde also verurteilt, weil er die von Mao Tsetung inspirierte Kulturrevolution verurteilte. Dieser Mao Tsetung war es. der die «Rote Garde» dazu aufrief. sich zu erheben und die Hauptquartiere anzugreifen, und die «Rote Garde» stürmte die Hauptquartiere. Doch als er den Aufruf erließ, die Hauptquartiere anzugreifen. stellte Mao fest, dass seine Partei ganz und gar liquidiert war. Auch die Gewerlzschaften und alle anderen Massenorganisationen wurden liquidiert. Dies geschah, weil alle diese Massenorganisationen, mit der Partei an der Spitze, unter dem Einfluss Deng Hsiao-pings, Liu Schao-tschis, Peng Tschens und der anderen standen. Deshalb gab es in der Kulturrevolution, die von Mao Tset ung ausgelöst wurde, an der Basis und in der Führung nicht die Partei und die Arbeiterklasse, sondern nur die Intellektuellen, die Studenten und insbesondere die Schüler der höheren Schulen, die, aufgeputscht durch Maos Aufrufe, ihre Theorien schufen, taten, was ihnen in den Sinn kam. Unter ihnen gab es eine ,ganze Reihe von Provokateuren, Probmaoisten, Antisozialisten, Probsozialisten und was nicht sonst noch alles. Später rehabilitierte Mao Tsetung Deng Hsiaoping, in der Absicht, den rechten Weg hin zu den Vereinigten Staaten von Amerika, hin zu einem Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus gegen den sowjetischen Sozialimperialismus einzuschlagen. Später prangerte er dieses Element wieder an, enthob es der hohen Funktionen, mit denen er es betraut hatte, und setzte es auf die Strasse, liess ihm nichts als das Parteibuch in der Tasche. Das war nach Tschou En-lais Tod, als es so aussah, als werde alles laufen wie geschmiert: Deng Hsiao-ping werde an Tschou En-Jais Stelle treten und seinen Weg unter Mao Tsetungs Banner fortsetzen. Doch es kam anders. Mao stellte Deng zum zweiten Mal bloß und hinterließ angeblich die Anweisung, Hua Guo-feng solle an die Macht kommen, womit er alle Parteinormen mit Füssen trat. Anders gesagt, auch Hua Guo-feng beschuldigte auf dem Tienanmen-Platz Deng Hsiao-ping, ein Rechter und Revisionist zu sein; das tat auch Wu Dö, Mitglied des Politbüros und Bürgermeister von Peking. So verschwand also Deng Hsiao-ping erneut für 10 oder 12 Monate im Dunkeln, um nach Hua Guo-fengs und Yä Djiän-yings Staatsstreich wieder auf der Bildfläche zu erscheinen.

Inzwischen sitzt Deng Hsiao-ping fest im Sattel, in der Staatsmacht und in der Partei. Möglicherweise wird ihn der 11. Parteitag, der, wie man hört, Ende des Jahres abgehalten werden soll, zum Ministerpräsidenten machen, in Erwartung des Sturzes Hua Guo-fengs»;, uni dann Deng Hsiao-ping auch zum Vorsitzenden der Partei zu ernennen. Nach Dengs Machtantritt wird Chinas Politik natürlich weiter Kurs auf den Revisionssinus, auf die Einheit und Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika halten.

So wird in China unter sozialistischen und marxistisch-leninistischen Parolen der Kapitalismus wiederhergestelzt werden.

Deng Hsiao-ping ist gegen die Kulturrevolution, und alles, was über diese Revolution gesagt wird, .nämlich dass sie 7 gute und 3 schlechte Seiten gehabt habe, wird der Jangtsekiang davontragen. Die Kulturrevolution ist für Deng Hsiao-ping eine feindliche Revolution, die mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden muss. Also wird Deng Hsiao-ping auch Mao Tsetungs Autorität liquidieren. Maos Autorität fehlt eben, unter theoretischem und politischem Blickwinkel betrachtet, der Unterbau, und es stimmt nicht, dass Mao eine konsequente marxistisch-leninistische Autorität war. Deng Hsiao-ping und seine Kumpane, die nun die Macht ergriffen haben, wollen Mao Tsetung in der Versenkung verschwinden lassen, sie wollen, dass niemand mehr von ihm spricht. Und diese Zeit wird kommen, es wird dann keinen Mythos um Mao Tsetung gegen die Strömung mehr geben, ihn wird vielmehr die Strömung des Jangtsekiang mit sich nehmen und ins Meer spülen. So wird es geschehen bei der Linie, die Deng Hsiao-ping nun verfolgen wird.

POGRADEC, MONTAG,

1 AUGUST 1977

DIE «MUTTER»PARTEI UND IHRE BASTARD«TÖCHTER»

Die Abteilung Internationale Verbindungen des Zentralkomitees der KP Chinas in Peking, die angeblich die Verbindungen mit dem Ausland und der internationalen kommunistischen Bewegung betreut, ist faktisch zu einem Zentrum geworden, wo Pläne zur Spaltung der wahrhaft marxistisch-leninistischen Parteien und zur Bildung neuer Parteien oder Gruppen, die der neuen revisionistischen chinesischen Linie folgen, gescluniedet werden. Selbatverständlich sind diase letzteren keine marxistisch-leninistischen kommunistischen, sondern revisionistische, prochinesische Parteien. Diese Abteilung wird von einem gewissen Geng Biao geleitet, Exbotschaftar in Schweden, in Albanien und was weiss ich wo sonst noch überall. Es ist eine Tahsache, dass alle «Vertreter» von Hsinhua in verschiedenen Ländern der Welt, die der chinesischen Spionage angehören, mit dieser Abteilung in Verbindung stehen. Die da angeblich für Hsinhua arbeiten, leisten vielerlei Arbeit, sie informieren sich über alles, über staatliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche Einrichtungen, über die militärische Organisation und Ausrüstung, über die politischen Parteien, die Persönlichkeiten und das Leben des Landes, in das man sie geschickt hat. Kurzum, sie erfüllen Spionageaufgaben.

Die andere Mission dieser Abteilung Inbernationale Verbindungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Parbei Chinas ist es, wie ich schon erwähmte, prochinesische Pa teien zu fabrizieren, die sich selbst marxistisch-leninistisch nennem. Diese Parteien werden ins Leben gerufen, um vorzutäuschen, die Kommunistische Partei Chinas gemesse .breite Untenstützung unter dem Weltproletariat. Diese «marxistisch-leninistischen» Parteien schießen wie Pilze aus dem Boden, natürlich mit Hilfe von in Dollars umgewechselten Yuan, ohne mehr zu sein als endige sich selbst marxistisch-leninistisch nennende und von der chinesischen Revisionistenführung mit einem Taufschein versehene Gruppierungen.

Solche Gruppen oder Parteien entstehen täglich in verschiedenen Ländern der Welt. In Italien gibt es, soweit wir wissen, drei probchinesische Parteien, in Frankreich zwei, in Belgien eine, in Luxemburg eine, in Griechenland kann ich nicht genau sagen, ob dort zwei oder drei solche Parteien gegründet worden sind, in den Vereinigten Staaten von Amerika wurde eine gebildet, in Portugal eine, es können aber auch zwei sein, und in Spanien werden ebenfalls solche maoistische Gruppen geschaffen. Auch in Lateinamerika geschieht das gleiche.

In den Ländern, wo es wahrhaft marxistisch-lenintische Parteien gibt, fabriziert China sogenannte marxistisch-leninistische kommunistische Parteien, die die revisionistischen, antimarxistischen, probimperialistischen Thesen von Mao Tsetungs China propagieren sollen, gegen den Marxismus-Leninismus, gegen unsere Partei und alle anderen wirklich marxistisch-leninistischen Parteien.

Diese wilde chinesische revisionistische Strömung hängt sich an die andere wilde revisionistische Strömung, die sowjetische, an. Beide Strömungen unterscheiden sich im Kern nicht voneinander und stellen eine grosse, eine kolossale Kraft gegen die Revolution dar. Wir Marxisten-Leninisten, die wir in wahrhaft marxistischleninistischen kommunistischen Parteien kämpfen, müssen dieser blindwütigen antimarxistischen Strömung die Stirn bieten und sie entlarven. Sie bedient sich aller Mittel des Betrugs am Weltproletariat, damit es nicht kämpft, damit es einen «Klassenfrieden» mit seinem wütenden Feind schließt, dem weltweiten Großkapitalismus, der es unterdrückt. Dazu gehören auch die beiden sozialimperialistischen Staaten, der sowjetische und der chinesische, der eine durchgebildet, der andere noch in der Herausbildung begriffen, doch ohne auf seinem Weg anzuhalten.

Wir müssen uns vor Augen frühren, dass unter diesen Bedingungen der Kampf mit den chinesischen Revisionisten unvermeidlich ist 'and heute oder morgen offener werden wird. Wir müssen der kapitalistischen und sozialimperialistischen Kapitularnotenstrategie des chinesischen Revisionismus unsere marxistisch-leninistische revolutionäre Strategie entgegensetzen. Wir dürfen uns nicht der geringsten Hoffnung hingeben, die chinesischen Revisionisten könnten in die Reihe gebracht werden, genauso wenig dürfen wir zaudern, was unsere Haltung ihnen gegenüber anbelangt.

Natürlich müssen wir für diesen Kampf unsere Kräfte sammeln, den geeignetsten Zeitpunkt finden, unsere Granaten und Kugeln abzufeuern, damit sie die nötige, die unerlässliche Wirkung erzielen, denn wir haben zwei in jeder Hialsioht mächtige Staaten vor uns, schwacchh ,nur ideologisch und politisch. Diese beiden wirtschaftlich und militärisch grossen, politisch und ideologisch aber schwächen Mächte können uns nichts anhaben, weil unsere marxistisch-leninistische Ideologie unfehlbar ist, daher werden wir die Feinde entlarven und bezwingen. Wenn wir es wie bisher verstehen, unseren Kampf gegen die Feinde der Revolution, des Proletariats und des Sozialismus richtig und angemessen einzusetzen, werden wir mit Sicherheit siegen.

Es ist klar, dass Chinas gegenwärtige Strategie konterrevolutionar ist, dass sie Hand in Hand und im Bündnis mit der Strategie des amerikanischen Imperialismus marschiert. Die Partei der Arbeit Albaniens und alle anderen marxistisch-leninistischen 'kommunistischen Parteien müssen demnach diesen beiden gleichen Strafregien ihre revolutionäre marxistisch-le4nistische Strategie entgegenstellen. Die Zeit und die Umständt e werden uns die Methoden und Formen des Kampfes lehren. Wir müssen und werden die geeignetsten Taktiken finden, und dabei wissen wir, dass diese Taktiken, je mehr Zeit vergeht und je mehr sich der Kampf zwischen uns .und den Feinden verschärft, immer mehr von ihrer jetzigen Zurückhaltung einbüssen werden. Diese unsere taktische Zurückhaltung in verschiedener Hinsicht ist logisch und notwendig, weil wir mit unserem Kampf zweierlei Ziele verfolgen : erstens. den amerikanischen Imperialismus, den sowjetischen Sozialimrerialismus, die chinesischen modernen Revisionisten und alle ihre Helfer zu entlarven, und zweitens, den Völkern, dem Proletariat. den Kommunisten, auch den guten Kommunisten in den Parteien, die Verrat begangen haben, Klarheit zu verschaffen, damit sie den revolutionären, den marxistisch-leninistischen Weg verfolgen. Das dürfen wir nicht vergessen.

Natürlich werden unsere revolutionären Gedanken und Anschauungen nicht in all diesen Ländern die von uns erwünschte Verbreitung finden, denn vor allem in den revisionistischen Staaten wird man über unsere Ideen eine scharfe und gemeine faschistische Zensur verhängen. Doch die siegreichen Ideen des Marxismus-Leninismus lassen sich nicht einsperren. Trotz der scharfen Zensur werden sie durchdringen, nicht nur, weil sie von uns verfochten werden, sondern auch wegen der Widersprüche innerhalb dieser Länder zwischen dem Proletariat in Einheit mit dem freiheitsliebenden Volk auf der einen und der revisionistischen, faschistischen Führerbande, die die Macht ergriffen hat und s iah bemüht, den Kapitalismus wiederherzustellen und die Diktatur des Proletariats zu beseitigen, auf der anderen. In all diesen Ländern gibt es revolutionäre, marxistisch-leninistische Kräfte, Völker, die begreifen, was vor sich geht und auf passive Weise Widerstand leisten. Doch aus diesem passiven wird ein aktiver Widerstand werden, er wird sich vervielfachen, und es wird der entscheidende Zeitpunkt kommen, da das Proletariat und die Völker sich zum Aufstand erheben. Die Völker werden sowohl dem amerikanischen Imperialismus als auch dem Weltkapitalismus Widerstand leisten.

Deshalb ist es unsere Pflicht, die Pflicht der wahren marxistischleninistischen kommunistischen Parteien, die Handlungen zu koordinieren, vor allem, was die allgemeinen Züge unserer Politik und Ideologie anbelangt. Wir müssen uns bemühen, Schwankungen in unseren Reihen zu vermeiden. Jede Partei leninistischen Typs muss im Einklang mit den Bedingungen im eigenen Land handeln, diese hedingungen aber sehr sorgfältig einschätzen, einer marxistischleninistischen Analyse unterziehen und auf der Grundlage dieser realen und konkreten Analyse die Taktiken festlegen, die sie wirklich von Sieg z» Sieg führen werden.

Keine der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien darf meinen. man müsse irgendwo Direktiven einholen. Jede soll von den Direktiven von Marx, Engels, Lenin und Stalin lernen. De^ Hauptquell der Orientierung ist für uns alle der Marxismus-Leninismus. Es ist zwingend notwendig, auf diese Ideologie gestützt gemeinsam zu handeln, ohne dass eine Partei von der anderen abhängig wäre. Wir sind gegen die These, es müsse eine Mutterpartei und Tochterparteien geben. Wir sind für Parteien mit gleichen Rechten, so wie uns Marx lehrt, doch diese Gleichheit setzt voraus, dass diese Parteien eine klare Ideologie haben, von der sie sich leiten lassen, und diese klare Ideologie kann nichts anderes sein als der Marxismus-Leninismus. Daher müssen wir, um gegen die Feinde kämpfen, ihre Schliche, ihre Lügen und ihre versuche, uns zu spalten und zu bekämpfen, durchschauen zu können, den Marxismus-Leninismus gut beherrschen.

Es ist sehr wichtig, den Marxismus-Leninismus zu .beherrschen, was keineswegs ausschliesst, sondern sogar unbedingt voraussetzt, dass wir untereinander eng zusammenarbeiten und Erfahrungen austauschen. Wir müssen auf die Erfahrung der Bruderparteien zurüàkgreifen, und sie genauso auf unsere. Diese unerlässeche Zusammenarbeit ,bedeutet keinesfalls, dass wir voneinander abhängig sind. Wir wenden die Plattform des Marxismus-Leninismus an, sind eng mit dieser Plattform verbunden und sprechen über die Erfolge des anderen, weil sie uns freuen. Es ist dringend nötig, unabdingbar, dass wir voneinander sprechen und nicht unter dem Vorwand schweigen, man werde uns dann für abhängig halten, es werde dann heissen, die Partei des einen. sei abhängig von der Partei des andern usw. Nein, diese Unterstellung der Feinde, die unsere Zusammenarbeit mit scheelen Augen betrachten, darf keinesfalls ein Hindernis auf unserem Weg des gemeinsamen Handelns und des gemeinsamen Kampfes gegen den Hauptfeind sein. Wir sind verbündet, doch nicht auf formale, bürgerliche Weise. Unser Bündnis ist solide, internationalistisch, es hat eine einheitliche, hervorragende, unfehlbare Führung: den Marxismus-Leninismus, die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Wir müssen es verstehen, diese anzuwenden, und um sie richtig anwenden zu können, müssen wir sie uns so gut wie möglich aneignen. Es ist nötig, dass wir die Aufgaben für eine bestimmte Zeit, für einem bestimmten Augenblick und zu bestimmten Problemen mit dieser Theorie als Richtschnur festlegen.

China macht nun in der Praxis das, was es in der Theorie angeblich bekämpft hat. Es fesselt die von ihm organisierten Parteien. die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, an sich und lenkt sie. Diese Parteien warten auf die Direktiven Geng Biaos, um die Haltung einnehmen zu können, die den chinesischen Revisionisten gefällt. Das ist vor allem deshalb so, weil sie keine Parteien der Arbeiterklasse sind, sondern Gruppen von Leuten, die für ihre Dienste bezahlt werden. Diese Leute, die sich selbst «Marxisten» nennen, sind Söldlinge und keine Kommunist ten. Man hat ihnen die Mittel und das Geld gegeben, um eine Zeitung herauszugeben. Und in diesen Zeitungen bringen sie einige internationale Nachrichten, ihr Hauptziel ist jedoch, die revisionistische Theorie der Chinesen zu unterstützen.

Die chinesische revisionistische Partei ist praktisch zu einer «Mutterpartei geworden, und die anderen sind ihre «Töchter», ihre Bastarde. Wie die «Mutter», so die «Töchter», deshalb muss man sowohl diese als auch jene entlarven, zerschlagen, denn sie alle haben sich mit der kapitalistischen Bourgeoisie in jedem Land und der internationalen Bourgeoisie zusammengetan und schmieden gemeinsam infame Pläne gegen die Völker, gegen die Revolution, womit sie grossen Schaden anrichten.

Unsere Partei wird, wie bisher, so auch in Zukunft, nach dem Vorbild des grossen Lehrmeisters Lenin handeln, der, ohne jemals zu zögern, nicht nur allen Sorten von Parteien der Bourgeoisie in verschiedenen Ländern Schläge versetzte, sondern auch die Renegaten angriff, jene, die anfänglich eine marxistisch-leninistische Haltung eingenommen hatten, dann aber Verrat begingen. Unsere Partei hat stets als Beispiel die Tätigkeit des grossen Lenin vor Augen, der niemals Opportunist war, sondern immer das grosse Interesse der Weltrevolution sah.

POGRADEC, MITTWOCH,

3. AUGUST 1977

DAS ECHO AUF UNSEREN ARTIKEL: .ITHEORIE UND PRAXIS

DER REVOLUTION»

Seit der Veröffentlichung unseres Artikels «Theorie und Praxis der Revolution» ist nun schon beinahe ein Monat vergangen, doch das Echo auf ihn bleibt immer noch sehr stark. Inzwischen wird er nicht nur von allen Nachrichtenagenturen der Welt gebracht und von verschiedenen Kreisen kommentiert, sondern auch von den grossen internationalen Zeitungen recht ausführlich behandelt, und die Kommentare fallen günstig für uns aus. China schweigt, oder sagen wir besser, Yä Djiän-ying erklärte in seiner Rede aus Anlass des Jahrestages der chinesischen Armee nur, sie würden die «dritte Welt» unterstützen. Das betrachtete TANJUG sofort als «starke Antwort» auf unseren Artikel. Warum? Weil Yä Djiän-ying es sagte.

Die sogenannten marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, Chinas Anhängsel, verhalten sich unserem Artikel vom 7. d uh gegenüber weiter ganz unterschiedlich. Einige dieser Parteien schweigen in ihrer Presse vollständig. Natürlich haben sie den Artikel nicht veröffentlicht, aber sie bringen auch noch nicht einmal Kommentare dazu, nur die Mitglieder dieser Parteien äussern da und dort einige haltlose Argumente, die von den Chinesen ausgeborgt sind. Auf diese Weise entlarven sie sich, anstatt sich zu verteidigen. Das ist die Haltung, die der eine Teil dieser Parteien einnimmt. Der andere Teil verteidigt ganz offen die Thesen der Chinesen. So gab zum Beispiel eine griechische Maoistenpartei, von der ich schon einmal feststellte, dass sie revisionistisch ist, in einem Artikel einen langen Kommentar mit genau diesen haltlosen «Argumenten». In ihrem Artikel wird China verteidigt, wird Hua Guo-feng verteidigt, wird Deng Hsiao-ping usw. verteidigt und indirekt wird auch unser Artikel attackiert. So verfuhr, wenn ich mich nicht irre, auch ein amerikanischer «Pilz», der, organisiert von den Chinesen, in letzter Zeit emporgeschossen ist. Auch noch eine oder zwei andere Parteien haben diese Haltung.

Die probchinesische Partei in Belgien und die anderen Parteien dieser Sorte haben dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas Glückwunschtelegramme geschickt und zum «großen Meisterwerk» gratuliert, zum Zusammentreten des Plenums des Zentralkomitees der Partei, das Hua Guo-feng als Vorsitzenden und Deng Hsiao-ping als stellvertretenden Vorsitzenden bestätigte usw. In diesen Telegrammen erwähnen und rühmen sie Chinas Innen- und Aussenpolitik und die «dritte Welt». Einige andere, sehr schwankende und oppomtunistische Parteien, sitzen zwischen zwei Stühlen: sie schweigen, sprechen sich weder für noch gegen unsereyn Art,ikel aus und nehmen auf der amderen Seite varläufig keine offen prochinesische Stellung mehr ein.

Erst kürzlich veröffentlichte die Zeitung einer salchen Partei einen von ihaen Chefredakteur, der soeben aus China zurüokgekehrt war, gezeichneten Artikel. Was enthält dieser Artikel? Geschwafel! Darin wird die These vertreten, wenn von der «dritten Welt» die Rede sei, so heisse das nicht, dass diese Welt führe, sondern dass sie die Triebkraft sei. Wir stellen allerdings die Frage: wenn diese «dritte Welt», die Triebkraft ist, wie geht sie dann gegen den Imperialismus und für die Revolution vor? Spontan? Das meinen heisst, nicht auf marxistische Weise urteilen. Wenn diese Leute ii nehmen, dass die sogenannte dritte Welt nicht von einigen Prinzipien geleitet wird, dann können sie sich nicht Marxisten nennen, dann können sie keine richtige marxistische Analyse der Situation vornehmen, denn in den Führungen dieser Staaten der «dritten Welt» sitzen bürgerliche, feudale und kapitalistische Elemente. Wenn wir sagen würden, dass die Leute, die diese Staaten führen, gegen den Imperialismus kämpfen, da doch in Wirklichkeit bekannt ist, dass sie es nicht tun, dann würde das bedeuten, dass es eine andere grosse Kraft geben mass, die diese «dritte Welt», diese «grosse Kraft» zu leiten, ihr Anweisungen zu geben, sie zum Kampf gegen den Imperialismus zu Führer hat, und dann soll man auch offen sagen, dass diese «grosse Kraft China ist», weil es sich der «dritten Welt» angeschlossen hat. China als «grosser, mächtiger sozialistischer» Staat führt demnach diese «dritte Welt». Doch solche Dinge sagen sie nicht und können sie nicht analysieren, weil sie dabei hereinfallen würden. Auch wenn China so tut, als führte es diese Länder und beseelte sie mit den Idem der Revolution, so hört doch in dieser «dritten Welt» niemand' auf es. Deshalb sind diese Theoretisierfreien ohne Basis.

Eine andere «Theorie» ist jene, die predigt, man dürfe zur Zeit die Polemik noch nicht eröffnen, weil dies der kommunistischen Weltbewegung schade. Ein schönes Argument! Genau wie damals bei Chruschtschow. Das heisst, wir hätten die Polemik gegen den Sowjetrevisionismus und den modernen Revisionismus sein lassen müssen, um dadurch nicht die kommunistische Weltbewegung zu spalten, hätten also Chruschtschow in Ruhe sein Geschäft betreiben lassen müssen. Analog dazu dürfen wir nach Meinung dieser chinesischen Agenten jetzt, da wir die Abweichung der Chinesen feststellen, daraus kein Weltproblem machen, keine offene Polemik führen. Wir Führer die Polemik nicht offen, doch selbstverständlich entlarven wir, wenn wir die revisionistischen Theorien angreifen, diejenigen, die sie aufstellen.

Es gibt einige Genossen anderer marxistisch-leninistischer Parteien, die gut sind, aber 'keine Klarheit haben. So hält sich beispielsweise derzeit ein Genosse einer marxistisch-leninistischer kommunistischen Partei in Albanien auf, der sich mit unseren Ansichten vollkommen einverstanden erklärte, allerdings sagte, es gebe einige Dinge, die erläutert werden müssten, weil sie ihnen nicht ganz klar seien. Solchen Genossen müssen wir zuerst unsere Auffassungen über die internationalen Fragen und unsere politische und ideologische Linie zu allen brennenden Problemen erklären. Sollte dann die Frage gestellt werden, warum unsere Partei sie nicht auf dem laufenden gehalten habe, müssen wir ihnen das korrekte Verhalten unserer, Partei erklären und sie davon überzeugen, dass sie die Bruderparteien, für die sie grosse Achtung empfindet, wenn es notwendig war, ins Bild gesetzt hat.

Vor allem brauchten wir den Bruderparteien gar nicht zu sagen, dass Mao Tsetung 1956 offen Chruschtschow verteidigte, merhin wurde das nach dem 8. Parteitag der KP Chinas in der chinesischen Presse verkündet, und jede marxistisch-leninistische kommunistische Partei konnte sich selbst ein Urteil darüber bilden.

Auch später waren die Kommunistische Partei Chinas, Mao Tsetung und Tschou En-lai nicht davon überzeugt, dass man die Polemik gegen den Chruschtschowrevisionismus fortsetzen müsse, während wir uns in dieser Frage im Widerspruch zu ihnen befanden und so handelten, wie es nötig war, um den Chruschtschowrevisionismus zu entlarven. Sie wollten Gespräche mit den Chruschtschowianern aufnehmen, um sich mit ihnen zu versöhnen, während wir erklärten, wir würden 'keine Gespräche führen, wobei wer darauf beharrten, dass die Chruschtschowianer offen ihre Fehler zugeben, die falschen Ánschuldigungen zurücknehmen müssten, rlie sie öffentlich gegen uns gerichtet hatten. Später erkannten die Chinesen, dass wir recht hatten, und begannen, als sie sahen, dass ihre Taktik der Gespräche mit den Chruschtschowianern erfolglos blieb,, mit uns zusammen ebenfalls die Chruschtschowianer anzugreifen (Mao hat in einem Gespräch mit Kossygin sogar gesagt, diese Polemik werde zehntausend Jahre weitergehen). Wir bemühten uns nach Kräften, China zu veranlassen, in die offene Polemik mit idem Chruschtschowrevisionismus einzutreten, doch das war eine interne Angelegenheit der beiden Parteien, wir konnten nicht alle Parteien über diese Auseinandersetzungen und Debatten informieren.

Die Chinesen machten offen Grenzansprüche gegenüber der Sowjetunion geltend. Im Zusammenhang mit dieser Frage richteten wir einen kameradschaftlichen, internen Brief an die Kommunistische Partei Chinas, in dem wir schrieben, es sei nicht opportun, eine coache Frage aufzuwerfen, da dies den Kampf gegen die Sowjetrevisionisten schwäche und dem grossrussischen Chauvinismus Auftrieb gebe. Auch davon konnten wir die anderen marxistisch len4.nistischen Parteien nicht unterrichten.

Als Chruschtschow stürzte, versuchte Tschou En-lai, uns die Ansicht aufzitzwingen, wir müssten nach Moskau fahren, alles vergessen, was geschehen war, und mit den neuen Führern sprechen, weil sie angeblich positiv seien. Wir sagten zu Tschou En-lai: «Auch die sind nicht positiv, sondern Feinde, sie sind Chruschtschowianer und noch schlimmer als Chruschtschow. deshalb fahren wir nicht nach Moskau.» Tschou En-lai selbst fuhr. Er ass und trank dort, verhandelte, und schließlich erklärte ihm Malinowski: «Warum ,behaltet ihr diese alte Galosche immer noch an der Macht?» Damit meinte er Mao Tsetung, und Tschou En-lai schluckte diese schreckliche Beschimpfung, blieb sogar weiter in Moskau, als ob nichts gewesen wäre. Jedenfalls scheiterte auch dieser Besuch. Auch damals war es nicht angebracht, diese Sache allen marxistisch-leninistischen kommunistischen Bruderparteien mitzuteilen.

Was den amerikanischen Imperialismus betrifft, so ist allgemein bekannt, dass unsere Partei den Kampf gegen ihn von Anfang an ununterbrochen geführt hat, dass sie ihn fortsetzen wird bis zum Sieg des Kommunismus. Zu Nixons Reise nach China - unter dein Umständen, unter denen sie stattfand - schrieb unsere Partei dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas einen internen Brief, in dem sie diesen Akt verurteilte. Auch über diesen unseren Schritt konnten wir nicht alle Bruderparteien informieren, doch Stellung bezogen wir.

Die Sache mit Nixons Reise nach Peking ist ein öffentlich bekanntes Ereignis, und alle hätten damals Stellung beziehen müssen, wie unsere Partei das tat. Mit Nixons Besuch in China verfestigte sich bei uns der Verdacht, dass die Kommunistische Partei Chinas dabei war, in den Sumpf des Opportunismus, in den Sumpf der Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus abzugleiten, noch mehr.

Uns fielen bei der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Staat noch viele andere offensichtliche Dinge auf, denn wir hatten Beziehungen zu ihnen und bemühten uns stets, ihnen alle Fragen, in denen Widersprüche zwischen uns bestanden, entweder schriftlich, wie schon gesagt, oder mündlich, in Gesprächen, zu unterbreiten. Die Chinesen beantworteten unsere Gedanken und Vorschläge nicht.

Schließlich forderten wir, eine hohe Partei- und Regierungsdelegation solle nach Peking reisen, um über alle diese Probleme zu sprechen, die es auf der Welt und zwischen unsern beiden Parteien gab. Diese Forderung trugen wir vor beinahe vier Jahren an sie heran, wir haben sie inzwischen viermal wiederholt und niemals eine positive Antwort erhalten. Unsere Forderung wurde auf die lange Bank geschoben. Man muss den Genossen gegenüber betonen, dass Mao Tsetung damals noch lebte, vollständig gesund war, und dass unsere Forderung zu einer Zeit gestellt wurde, da in China Könige und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen, Faschisten und kapitalistische Bourgeois, Vertreter des amerikanischen Senats, Nixon und wer sonst noch alles empfangen wurden. Nur wir wurden nicht empfangen. Auch darüber, dass wir darum ersucht hatten, die Delegation nach China, zu schicken, um uns mit den Chinesen auszusprechen, konnten wir nicht die ganze kommunistische Weltbewegung in Kenntnis setzen. Als marxistisch-lenimstische Partei hatten wir die Pflicht, nur unter uns, nur zwischen den beiden Seiten eine Klärung herbeizuführen, doch die Chinesen wollten keine zweiseitigen Gespräche, obwohl sie in der Theorie angeblich für solche Gespräche sind.

Alle kommunistischen Genossen wissen, dass sich die Chinesen ab dem 6. Parteitag unserer Partei weigerten, Delegationen zu entsenden, weil sie, wie sie sagten, an den Parteitagen von Bruderparteien nicht teilnehmen. Diese Praxis wurde danach auch bei den Kongressen aller Massenorganisationen verfolgt.

Das zeigt also, dass die Kommunistische Partei Chinas nicht gewillt ist, mit den Bruderparteien kameradschaftlich über ihre Auffassungen und Meinungen zu diskutieren, und vor allem ist sie nicht gewillt, mit der Partei der Arbeit Albaniens zu diskutieren, während sie einige andere Parteien, von denen sie weiss, dass sie ihren Ansichten nicht widersprechen, empfängt. Dies wurde in letzter Zeit sogar noch ausgeprägter, als die Chinesen nicht nur mit den wirklich marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt Kontakt hielten, sondern auch mit jeder anderen Gruppe, die sich «marxistisch-leninistisch, maoistisch nannte, auch wenn sie faschistisch sein mochte. Mit ihnen hatten die Chinesen Verbindungen. Wir dagegen nahmen eine andere Haltung ein. Die Bruderparteien sahen; dass wir nur zu ihren marxistisch-leninistischen Parteien Verbindungen unterhielten.

Die Theorie der «drei Welten», die wir auf dem 7. Parteitag kritisierten, war nichts Neues. Die Chinesen, die dabei waren, ihre proamerikanische «neue Strategie» zu entwickeln, brauchten diese Schöpfung anderer, die exdrei Welten. Nicht Mao Tsetung hat diese Theorie erfunden, wie die Chinesen behaupten, auch nicht Deng Hsiao-ping, der in seiner Rede 1974 vor der UNO China ebenfalls in diese Welt steckte. Das ist eine alte Bezeichnung, und ausgedacht hatten sie sich der amerikanische Imperialismus, der sowjetische Sozialimperialismus und die Chruschtschowianer. Gegen diese These kämpft unsere Partei seit langem an, dafür gibt es Dokumente, die jedermann vorliegen. Wenn sie jemand nicht gelesen hat, ist das nicht unsere Schuld. Tatsache ist aber, dass wir gegen die Theorie der «drei Welten» angekämpft haben. Als wir allerdings sahen und zum Urbeil kamen, dass die Absicht, die laufenden Handlungen und die Strategie Chinas eine antimarxistische Richtung genommen hatten, da bezogen wir auf unserem 7. Parteitag offener Stellung zu diesen politisch-ideologischen Anschauungen, die die Welt und die Kommunisten beunruhigten.

Jetzt müssen wir all dies den Genossen der marxistisch-leninistischen Bruderparteien erklären und sie davon überzeugen, dass unsere Partei immer eine konsequente und lautere marxistisch-leninistische Haltung eingenommen hat, ganz besonders gegenüber allen marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien. Auch gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas hat unsere Partei eine marxistisch-leninistische Haltung eingenommen.

DURRES, DONNERSTAG.

11. AUGUST 1977

IN DER POLITIK GEHT ES NICHT ZU WIE IM MÄRCHEN

Ich will nicht lange auf die grosse Wirkung eingehen, die der Artikel «Theorie und Praxis der Revolution» auf der Welt und in den politischen Kreisen verschiedener Länder hervorgerufen hat. Die Weltöffentlichkeit äussert sich günstig über die richtigen und realistischen Ideen, die in d diesem Artikel zum Ausdruck kommen. Alle wissen inzwischen, dass sich dieser Artikel gegen die chinesische Theorie der «drei Welten» sowie gegen Chinas Öffnung für das Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern der Welt richtet.

Mittlerweile hat China alle seine Ableger, die von ihm finanzierten pseudomarxistischen Parteien, mobilisiert, und diese schreiben phrasenhafte, verworrene Artikel, um die chinesischen Thesen zu verteidigen, die sich nicht verteidigen lassen. Die Chinesen gehen so weit, dass sie als Beistand für ihre antimarxistischen Ansichten auf einen Lakaien zurückgreifen, einen gewissen Hill aus Australien, einen Doppelzügler (oder sagen wir besser, einen Vielzungler, denn wir wissen nicht, wem er sonst noch alles dient. . .), der sich einmal als Freund unserer Parti ausgab. In einem Artikel, den wir gestern lasen, nennt Herr Hill Mao Tsetung «den höchsten Gipfel der Geschichte»! Auch Hills Artikel war der Gipfel seiner Niedertracht.

Was die «Beweis»gründe für die chinesischen Thesen anbelangt, so sind sie zum Heulen, wie auch einige Artikel der Zeitung «Renmin Ribao», über die ich mich schon früher geäussert habe, zum Heulen sind.

Doch das Problem der verschiedenen feindseligen Taktiken, derer sich die Chinesen ,gegenwärtig bedienen, besteh; nicht nur darin. Die Feinde und Verräter Beqir Balluku und Abdyl Këllezi mit Konsorten, die vor Gericht gestellt und verurteilt worden sind, haben zugegeben, dass Tschou En-lai ihnen geraten hatte: «Albanien sollte sich in Freundschaft und in einem Biindnis mit Jugoslawien und Rumänien zusammenschliessen.» Tschou En-lai scheiterte mit diesem Versuch. Jetzt haben wir Informationen, die in Anbetracht der feind lichten Haltung der chinesischen Führung uns gegenüber glaubwürdig sind, dass sie nämlich, während sie einerseits, um den Schein zu wahren, behaupten, sie wollten die Freundschaft und die wirtschaftlichen Beziehungen mit Albanien aufrechterhalten, auf der anderen Seite einigen Botschaftern kapitalistischer und revisionistischer Staaten sagen, unter den gegenwärtigen Umständen werde es schwierig sein, Albanien zu helfen. Sie verbreiten, Albanien sei «bestrebt», sich selbst zu entwickeln.

Die kapitalistische Welt, der das sozialistische Albanien ein Dorn im Auge ist, weil es allen Feinden, einschließlich des neuen Feindes, des chinesischen Revisionismus, Widerpart bietet, hat auch ohne das Gerede der Chinesen schon zu propagieren begonnen, die wirtschaftlichen Beziehungen (gar nicht zu reden von den politischen und ideologischen) zwischen Albanien und China seien nahezu abgebrochen und hingen an einem seidenen Faden, Albanien sei ein isoliertes Land und könne ohne irgend jemandes Unterstützung nicht leben.

Augenblicklich beschäftigen sich alle mit diesem Problem. Sie bedauern Albanien! Sie bedauern den Reiter, weil ihm die Beine herabhängen! Die weit entfernt sind, geben «Ratschläge», die in der Nähe unternehmen verschiedene Vorstöße und üben Druck aus. Die Jugoslawen stehen auf der Seite Chinas, loben seine Politik und seine Entwicklung. Das macht umgekehrt auch China. Es pro pagiert Jugoslawiens Entwicklung und berichtet in der Zeitung «Renmin Ribao» gar, wie in Jugoslawien Gemüse angebaut wird! Mit all dem wird der Boden für Titos triumphalen Empfang in China bereitet. Uns ist es recht, wenn sie Tito triumphal empfangen, denn dann sieht die Welt, dass die Chinesen sich mit den Revisionisten und mit dem Agenten des Imperialismus, Tito, abküssen.

Die Jugoslawen kennen unsere Haltung, deshalb treten sie nicht mit unannehmbaren Vorschlägen und Erpressungsversuchen an uns heran, sondern sagen, die Beziehungen zwischen unseren Ländern müssten ausgebaut werden.

Die realistischen Kreise Griechenlands wünschen die Freundschaft, die kulturellen und Handelsbeziehungen mit uns zu entwickeln. Tatsächlich sind wir dabei, diese Beziehungen zu entwickeln, nicht weil uns die Chinesen nicht mehr helfen wie früher, sondern weil es unser gemeinsames Interesse erfordert.

Auch mit Italien treiben wir Handel, ohne allerdings zu vergessen, dass es in Italien Menschen und Kreise gibt, die unter neuen Umständen alte Illusionen hegen. So sagte der stellvertretende Chefredakteur einer führenden italienischen Zeitung im Gespräch mit einem Angestellten unserer Botschaft in Rom, Albanien sei ein Land, das eine unabhängige Politik verfolge, und andere solche Sachen, um ihm um den Bart zu gehen. Dann sagte er zu ihm, Albanien stehe ja nun allein und brauche deshalb Hilfe. Dieser italienische «Laffe» liess in dem Gespräch durchblicken, Italien sei bereit, Albanien Hilfe zu geben. Albanien müsse sich im klaren darüber sein, dass es, allein geblieben, möglicherweise von den Sowjets oder einer Staatenkoalition angegriffen werde, so dass die Adria und das Mittelmeer in Gefahr gerieten, um die sich sowohl die NATO als auch der Warschauer Vertrag Kopfzerbrechen machten. Dieser Faschist meint, das «isolierte» A1banien werde möglicherweise die Sowjets einladen, Vlora und seine anderen Häfen zu «besetzen», und hielt es deshalb für angebracht, Albanien nach einigen Lobhudeleien mit einer Drohung zu kommen, damit es Angst bekommt und sich an den Westen bindet. Er sagte unverblümt, Albaniens Wohl liege in seiner Bindung an den Westen. Der Angestellte unserer Botschaft gab ihm natürlich die gebührende Antwort.

In Italien und in einigen westlichen Ländern gibt es Journalisten, die in Gegenwart von Angestellten unserer Botschaft Albaniens Tapferkeit, seinen Mut usw. usf. loben, es gibt aber auch Leute von Parteien der Reaktion, die sagen, Albanien dürfe nun nicht in der Isolation bleiben, es müsse sich dem Westen öffnen. Binige der Journalisten wollen - der eine in guter, der andere in schlechter Absicht - nach Albanien kommen, um diese so interessante Situation zu studieren und darüber zu schreiben. «Geben Sie mir das Visum, und ich werde einen Artikel schreiben, der eine Atombombe zugunsten Albaniens sein wird», sagte der provokatorische italienische Journalist, der sich mit dem Angestellten unserer Botschaft in Rom unterhalten hat.

Unser Außenministerium muss die Meldungen, die von den Botschaften kommen, sorgfältig analysieren, um zu sehen, welcher Taktiken der Feind und die Reaktion sich zum gegenwärtigen Zeitpunktregen uns bedienen. Unsere Botschaften dürfen nicht das «alte Lied» anstimmen, das heisst, sich an die überholte Anweisung halten, den Leuten auf die Frage nach unseren Beziehungen mit China zu antworten, von einer Trübung könne nicht die Rede sein, und unsere Beziehungen zu China seien gut. Diese Situation ist nun vorbei, ein anderes Problem ist aufgetaucht, das wir bewältigen müssen. Wir müssen den «Ballon» zum Platzen bringen, den die westliche Reaktion aufsteigen lässt, und den die Chinesen bereit sind, weiter aufzublasen.

Die Chinesen wollen nach wie vor mit allen Mitteln Albanien kompromittieren, damit es einen falschen Schritt tut, und aus diesem Schritt soll dann eine falsche Linie werden. Doch das sozialistische Albanien, geführt von seiner Partei der Arbeit, tut keinen einzigen falschen Schritt. Es wird fest auf dem marxistisch-leninistischen Weg bleiben, deshalb muss in erster Linie daran gearbeitet werden, macht nur die Einheit des Volkes mit der Partei zu härten, sondern auch jeden Vorstoß und jedes Manöver des Feindes mit Fakten und Argumenten zu entlarven. In dieser Frage ist Wachsamkeit geboten, daher müssen die Weltmeinung über China, über Albanien sowie die Meinung der anderen über die internationale Politik schlechthin hautnah verfolgt werden.

Albanien ist mittlerweile zu einem Staat geworden, auf dessen richtige Ansichten man auf der Welt hört und auf dessen richtige Handlungen man blickt. Unser Handeln muss immer bedacht und richtig sein. Wir müssen diese Situation dahingehend nutzen, zahlreiche Freunde um uns und um die Marxisten-Leninisten der Welt zu scharen, es gleichzeitig aber auch verstehen, die Feinde der Revolution und der Sozialistischen Volksrepublik Albanien zu entlarven. Wir müssen all ihre Verleumdungen und Bemühungen im Keim ersticken. Deshalb müssen unsere Leute mit Verstand vorgehen.

In der Politik geht es nicht zu wie im Märchen, und wir dürfen uns keinesfalls durch Euphorie blenden lassen, genauso wenig wie durch die Lobhudeleien, die uns die Reaktion und der Imperialismus zollen, ja selbst der Sozialimperialismus, denn auch er hat um seiner Interessen willen damit angefangen. Darüber müssen wir uns völlig im klaren sein, denn diese Sache hat ihre gute Seite - die Weltöffentlichkeit erfährt etwas -, der Feind aber hat andere Ziele, mit denen er hinter dem Berg hervorkommt, wenn er die zu ihrer Verwirklichung notwendigen Vorbereitungen getroffen hat. Wenn der Feind dann vorbereitet ist, wird er weitere Versuche starten, uns zu schwächen. Deshalb muss die Politik unserer Partei unverändert dynamisch und nicht träge, routinemäßig sein.

DURRËS, MONTAG,

15. AUGUST 1977

EIN DOKUMENT, DAS UNSERE UNERSCHÜTTERLICHE

HALTUNG ZEIGT

Heute brachte AFP eine erste Blitzmeldung über meinen Gesprächsbeitrag beim Treffen mit Tschou En-lai im März 1965, der gestern in der Zeitung «Zëri i popullit» veröffentlicht wurde. Der erste Funken also. Es waren anderthalb Seiten, die allerdings die wichtigsten Fragen enthielten. Die Nachrichtenagentur betonte, dass die Partei der Arbeit Albaniens am Marxismus-Leninismus festhält und ihn verteidigt, dass sie und der albanische Staat mit China und seiner Partei nur befreundet sind und sein werden, soweit diese Freundschaft auf marxistisch-leninistischen Grundlagen steht.

Weiber stellte diese Nachrichtenagentur heraus: «Enver Hoxha sagt, die Hauptfeinde der Welt, der Völker und des Kommunismus sind: der amerikanisehe Imperialismus, der sowjetische Sozialimperialismus, der Titoismus und alle Reaktionäre auf der Welt, die wir alle erbarmungslos bekämpfen müssen.»

AFP betonte auch, ich hätte zu Tschou En-lai gesagt, wir müssten eine gemeinsame Kampfstrategie ausarbeiten und wir stimmten in dieser Frage vollkommen überein.

Sie spricht auch den Punkt an, dass ich in bezug auf die Gespräche, die wir führten, Tschou En-lai gegenüber äusserte: der Meinungsaustausch, wie wir ihn gerade durchführen, ist eine sehr gute Sache, und sehr gut ist es auch, dass die Chinesen mit den kommunistischen Parteien Asiens Meinungen austauschen, uns ist diese Möglichkeit allerdings verschlossen.

Ob die bürgerliche Presse nun meinen Gesprächsbeitrag mit Tschou En-lai verbreitet oder nicht, das ist ihre Sache, das werden wir sehen. Wir haben aber ein Interesse daran, dass dieser Gesprächs beitrag verbreitet wird, da so die Weltöffentlichkeit von der unabhängigen politischen und ideologischen Haltung der Partei der Arbeit Albaniens erfährt und zugleich begreift, wer von den soliden Posi-tionen a'bgegangen ist, wir oder die Chinesen. Mein Beitrag im Gespräch mit Tschou En-lai macht dies ganz deutlich, zieht man die aktuelle Lagne in Betracht. Dort heisst es, unsere beiden Parteien seien sich einig, eine gemeinsame Kampfstrategie auszuarbeiten.

Besonders wichtig ist aber, dass die wirklich marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien diesen Gesprächsbeitrag kennenlernen, weil sie dann die korrekte marxistisch-leninistische Linie unserer Partei noch klarer und in ihrer Kontinuität sehen.

Auf der anderen Seine werden die falschen marxistisch-leninistischen Parteien und alle maoistischen, trotzkistischen und anarchistischen Gruppierungen, die mittlerweile in verschiedenen Kontinenten der Welt wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, gespalten und zerschlagen werden, und viele irregeleitete Menschen in diesen Partien und Gruppierungen werden sich den wahren marxistisch-leninistischen kommunistischen Partien ihrer Länder anschließen. Das ist sehr wichtig für unsere Partei und den proletarischen Staat des sozialistischen Albanien.

Mein Gespräch mit Tschou En-lai schafft bei den wirklichen Revolutionären Klarheit, genauso wie unser 7. Parteitag und der Artikel vom 7. Juli in «Zeri i popullit», genauso wie schon früher all das, was unsere Parti sagte, denn schon als sie gegründet wurde, hatte unsere Partei eine richtige, unerschütterliche marxistisch-leninistische Ansicht über die internationalen Probleme und die inneren Probleme unseres Landes. So ist es auch heute und so wird es in Zukunft sein.

DURRËS, MONTAG,

15. AUGUST 1977

ARTIKEL MIT ABGEDROSCHENEN

«THEORETISIEREREIEN»

Ich lese gerade vier oder fünf chinesische Materialien, die zusammengenommen einen einzigen Artikel mit der Überschrift «Die Dreiteilung der Welt durch Vorsitzenden Mao - eine marxistischleninistische Definition» ergeben. Diese Artikelserie dient angeblich für die Kompanien in der Armee, ist aber tatsächlich der einzige vorgeblich theoretische Artikel, den die «grosse» Kommunistische Partei Chinas gegenwärtig über Idee Theorie der «drei Welten» veröffentlicht und der auf den Artikel von «Zëri i popullit», «Theorie und Praxis der Revolution», antwortet. Über den chinesischen Artikel kann man wahrhaftig nur lachen und spotten; denn in dieser Darlegung oder Analyse, wenn man es so nennen kann, gibt es keine einzige ideologische Argumentation, es werden nur allgemeine politische Aussagen aneinandergereiht.

Diesem Artikel zufolge teilte der Vorsitzende Mao nach dem Zweiten Weltkrieg, schon 1947, noch ehe China befreit und die Republik proklamiert worden war, die Welt in zwei Welten ein, das heisst, in die Vereinigen Staaten von Amerika als mächtigsten Imperialismus auf der einen und England und Frankreich (Deutschland erwähnt er nicht, denn das war ein Staat, der aus dem Krieg geschwächt hervorgegangen war) auf der anderen Seite. Später nahm er noch die Zwischenzonen dazu, die die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder einschlossen, die das sozialistische Lager bildeten. So teilte also dieser «grosse Steuermann» die Welt bis zu einer Zeit ein, da er es nicht mehr schafft, sich mit Chruschtschow über seine Absichten zu einigen. Später nahm Mao eine andere Einteilung vor, da Chruschtschow die Sache des Marxismus-Leninismus verraten hatte: Die sozialimperialistische Sowjetunion stellte er an die Seite der Vereinigten Staaten von Amerika und nannte dies «erste Welt», in die «zweite Welt» steckte er die entwickelten kapitalistischen Staaten, die sich wieder erholt hatten, und in die «dritte Welt» packte er alle Zwischenzonen samt China. Natürlich steckte er in Gedanken auch Albanien in diese «dritte Welt», äußerte sich aber, weil er dazu kein Recht hatte, nur global.

Das ist alles, was dieser «grosse Denker» zu diesem Problem gesagt hat. Irgendeine theoretische Erklärung, warum er die Welt so einteilte, gab er nicht. Genauso wenig unterzog er die vier grossen Hauptwidersprüche der Epoche, die Lenin bestimmt hat (um nicht auch Stalin zu nennen, denn Stalin verurteilte er und hielt ihn durchaus nicht für einen Führer des Weltproletariats), irgendeiner Analyse. Das tat er nicht, denn das war der Sache der chinesischen Revisionisten, ihrer Absicht nicht dienlich. Das ist die «Erläuterung», die die Kommunistische Partei Chinas für diese «weise», «geniale» Theorie des «grossen Steuermanns» liefert!! Auf diese Weise liess Mao die «dritte Welt» in der Luft hängen. Er war der Vater dieser «Welt», dieses illegitimen Findelkindes.

Nach diesen «Erläuterungen» fährt der Artikel fort mit abgeschmackten politischen «Theoretisierfreien», wonach die Vereinigten Staaten von Amerika zwar eine Supermacht seien, aber im Abstieg begriffen, der sowjetische Sozialimperialismus dagegen eine aufsteigende Supermacht. Erstere sei weniger aggressiv, die andere aggressiver, deshalb müssten sie bekämpft werden. Um sie aber zu bekämpfen, muss ihrer Meinung nach die «dritte Welt» ein Bündnis mit der «zweiten Welt» eingehen. Diese sei allerdings noch weiter unterteilt. Dazu gehörten die Staaten, die weiterhin die Völker erbarmungslos unterdrücken, aber auch jene, die nicht fortfahren, sie auf diese Weise zu unterdrücken. Deshalb müssten sich die «zweite Welt» und die «dritte Welt» mit dem ersten Teil der «ersten Welt», das heisst den Amerikanern, vereinigen und alle zusammen den sowjetischen Sozialimperialismus bekämpfen.

Weiter unten fangen die Prahlereien an. Der Artikel beginnt, eine Reihe marxistisch-leninistischer Parteien auf der Welt auf zuzählen (die «marxistisch-leninistischen kommunistischen» Anhängselparteien der Kommunistischen Partei Chinas), die nach der Veröffentlichung des Artikels von «Zëri i popullit», «Theorie und Praxis der Revolution», oder schon früher, nach der Veröffentlichung des Berichts an den 7. Parteitag unserer Partei, wo unsere Ansichten über die «Dreiteilung der Welt» dargelegt werden, damit angefangen hatten, Artikel zu schreiben, in denen die «Genialität» Maos, der die Welt dreigeteilt hat, in den Himmel gehoben wird. Nach Mao ist die «dritte Welt» die Haupttriebkraft auf dem Erdball im Kampf gegen den Imperialismus, sie ist also für die Revolution und den Sozialismus! So wollen diese «Theoretiker» mit ein paar Seifenblasen die ganze marxistisch-leninistische Theorie wegwischen, so wollen sie Marx', Engels', Lenins und Stalins Ideen als «überholte Dogmen» über Bord werfen.

In diesem Material werden, um die Soldaten zu beschwatzen, nacheinander die Worte Hills, die Huldigungen Jurquets, die Lobhudeleien irgendeines Amerikaners, der unlängst eine «marxistisch leninistische» Gruppe ins Leben rief, das Palaver eines griechischen Trotzkisten, der eine neue «marxistisch-leninistische» Gruppe gebildet hat, das Geschwätz einiger bedeutungsloser trotzkistischer Gruppen auf der Welt angeführt. Und sie meinen, auf diese Weise liesse sich diese berühmte «marxistisch-leninistische» These des «grossen Theoretikers» Mao Tsetung «beweisen».

Dieser Artikel ist natürlich nicht nur dazu gedacht, die Soldaten in den Kompanien zu schulen, wie es heisst, sondern richtet sich an die ganze Kommunistische Partei Chinas. Dieser Artikel wird auch für die revisionistischen und trotzkistischen Anhängselparteien veröffentlicht, die sich selbst marxistisch-leninistisch nennen.

Das ganze Material entbehrt jeder Grundlage, es ist zum Lachen und zum Weinen. Nicht nur, dass sie damit unserem marxistisch-leninistischen Artikel, der unangreifbar ist wie eine Granitfestung, nichts anhaben können; vielmehr wird das Ansehen unserer Partei noch mehr erhöht und das marxistisch-leninistische Gedankengut unserer Partei, die die internationale Situation, die soziale Lage, den Kampf, die Revolution und ihre Triebkräfte, alle Mittel, die eingesetzt werden, um diese Ziele zu erreichen, wirklich einer soliden Analyse unterzieht, noch weiter aufgewertet.

Uns ist klar, dass die Kommunistische Partei Chinas auf dem antimarxistischen Kurs, auf dem sie sich gegenwärtig befindet, gar nichts anderes machen kann als solche Eseleien, die sie noch tiefer 3n den revisionistischen Sumpf bringen.

SONNTAG,

21. AUGUST 1977

DIE HAUPTIDEEN DES 11. PARTEITAGS DER

KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS

Gestern brachte Hsinhua die Nachricht, dass der 11. Parteitag per Kommunistischen Parrei Chinas abgeschlossen worden ist. Der Parteitag dauerte an die sechs oder sieben Tage, was für China cine Rekordzeit ist, da die Parteitage der Kommunistischen Partei Chinas und ihre Sitzungen, egal welcher Art, gewöhnlich wochenlang, wenn nicht monatelang dauern. Dieser Parteitag wurde rasch, geordnet und diszipliniert durchgeführt. Nabürlich, so wollen sie uns weismachen, waren «dieses Mal.» die Parteitagsteilnehmer von der Gruppe Hua Guo-fengs und Deng Hsiao-pings auf «demokratischste» Weise (aus)gewählt worden. Kurz gesagt, die Delegierten warn ernannt, waren durch ein «schönes», «demokratisches» Sieb gegangen, und die Diskussionen verliefen, wie der Franzose sagt, tambour battant*.*( * hier: in aller Eile (frz. im Original).) Die Clique Hua Guo-fengs wurde mát stürmischem Beifall empfangen, berichtete das Kommuniqud, und ins Präsidium wurden gewählt: Hua Guo-feng, Yä Djlän-ying, Deng Hssao-ping und einige andere, deren Namen nicht erwähnt wurden.

Die Themen, die auf dem Parteitag behandelt wurden, sind mehr oder weniger die, die ich in einer meiner früheren Anmerkungen vorausgesehen habe. Bisher wissen wir aus dem etwa 17 Seiten langen Hsinhua-Kommuniqué (den vollen Text haben wir noch nicht erhalten), dass dort zwei Referate gehalten wurden: das politische Referat, das Hua Guo-feng vemlas, und das Referat über die neue Verfassung, das Yä Djiän-ying hielt. Den Schlusspunkt hinter den Parteitag setzte Deng Hsiao-ping, der von Mao Tsetung einst zu Chinas «Chruschtschow Nr. 2» erklärt worden war. Später wurde der Revisionist Deng rehabilitiert und kletterte im Rang, wurde dann aber gleichfalls von Mao Tsetung wieder als Revisionist bezeichnet, so dass er nach Tschou En-lais Tod erneut gestürzt wurde und im Dunkeln verschwand. Nach dem Staatsstreich von Hua Guo-feng und Konsorten kam Deng Hsiao-ping als einer der «ruhmreichsten Kommunisten» der Kommunistischen Partei Chinas wieder an die Macht.

Was enthält die politische Rede Hua Guo-fengs? Was die Außenpolitik anbelangt, so erklärte er, China rücke um kein Haar von seiner Haltung ab, die Chinesen seien (angeblich) gegen die beiden Supermächte, die den Krieg wollten, besonders aber gegen die Sowjetunion, die aggressiver sei. Die Perspektive ist also Chinas Orientierung auf die Vereinigten Staaten von Amerika.

Mächtig Demagogie betreibt er mit Chinas Unterstützung für die «dritte Welt». Auf diese Frage geht er zuletzt ein, erläutert sie aber schon vorher mit der Behauptung, China werde allen Völkern helfen, die mach Befreiung streben usw. usf., und denen, die vom Proletariat geführt werden. Das ist also die Erklärung, die das China Hua Guo-fengs für die «dritte Welt» gibt, und weiter unten betont er, er verfechte die «berühmte» Theorie Mao Tsetungs.

In einem französischen Lexikon las ich zufällig, dass Roosevelt den Begriff «dritte Welt» schon 1945 verwendet und erklärt hat, die Vereinigten Staaten von Amerika müssten den Ländern dieser Welt helfen. Die Chinesen dagegen behaupten, Mao Tsetung habe diese Theorie 1974 erfunden. Doch das ist nicht sehr wichtig. Wichtig ist, dass die Chinesen in dieser Hinsicht nichts erklären und such nichts erklären können, weil die Linie der Kommunistischen Partei Chinas und ,ihres Parteitags nicht marxistisch-leninistisch ist. Nur vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus kann alles richtig erklärt wenden.

Die andere Frage, die außerordentlich hochgespielt wird, ist der Kampf gegen die «Vier». Auf diesem Parteitag, im Bericht Hua Guo-fengs, wird der Schlussstrich unter die Kulturrevolution gezogen. Er sagt offen, dass die Kulturrevolution zu Ende ist. Wie er sagt, stellt diese Revolution ein grosses Ereignis in der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas dar. Doch warum beurteilt die ser Mensch die von Mao Tsetung geführte Kulturrevolution so, wenn diese doch ausging wie das Hornberger Schiessen? Um zu zeigen, dass nur Mao Tsetung in dieser Kulturrevolution fehlerfrei blieb, während alle andern Jünger des «Christus» Mao liquidiert wurden. Die «Vier», die während der Kulturrevolution eine grosse Rolle spielten, wurden inhaftiert, es heisst, Maos Neffe sei getötet worden, Zehntausende weitere wunden ins Gefängnis gesteckt, und jetzt sind nur die an der Macht, die die Grosse Kulturrevolution als Verräter brandmarkte, mit Ausnahme Tschou En-lais, der gestorben ist. So haben diese Verräter zusammen mit einigen, die so viel Lärm um die Kulturrevolution machten, einen Schlussstrich unter sie gezogen, machten den Putsch, übernahmen die Macht und halten nun den 11. Parteitag ab, der diese Kulturrevolution liquidiert.

Die neue Bande, die nun in China die Szene betreten hat, tastet Mao natürlich nicht direkt an, doch tatsächlich hat sie ihn mit ,ihrem Handeln diskreditiert. Diese Bande -gibst sich als der makelloseste Teil der Kulturrevolution aus. Sie tun ,so, als seien sie es gewesen, die sich den Ungerechtigkeiten und dem Terror der «Vier» widersetzten, und nun, da sie die Macht ergriffen haben, führen sie einen harten Kampf gegen die angeblich negative Seite der Kulturrevolution. Deng Hsiao-ping, der ein Revisionist, ein enger Freund Liu Schao-tschis und Peng Tschens war, ist nun an die Macht gekommen und hat dieser Revolution ein Ende gesetzt. Dennoch erklärt Hua Gio-feng aus demagogischen Gründen, der Klassenkampf gehe weiter. Ganz gewiss geht er weiter, denn in China ist es nicht ruhig, dort gibt es Marxisten-Leninisten, die sich durch diese Demagogie nicht täuschen lassen. Deshalb forderte Hua Guo-feng - nach dem, was ich in diesem Kommuniqué gelesen habe - nicht nur einmal, sondern drei oder vier Mal, dass überall die innere Ordnung und Disziplin wiederhergestellt werden müsse.

Natürlich sprach Hua Guo-feng auch über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Er sagte, der wissenschaftlich-technischen Revolution, der Bildung, der Kultur und in erster Linie der Verstärkung der Verteidigung werde grosse Bedeutung zukommen. Um dieses Ziel zu erreichen, hob er hervor, wollten sie die auf dem 10. Parteitag vom «geehrten Ministerpräsidenten» Tschou En-lai definierten Weisungen des Vorsitzenden Mao anwenden, so dass China schon zu Beginn des 21. Jahrnunderts zu einer «sozialistischen Grossmacht» werde. Das sagt Hua Guo-feng in seinem politischen Bericht.

Yä Djiän-ying wiederum, der Vertreter der Armee, der die Clique von Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping, ihm selbst und Tschou En-lai an die Macht brachte, huldigte Hua Guo-feng. Er sagte sogar ausdrücklich: «Nun schreitet China unter dem Banner Mao Tsetungs, glänzenden Siegen entgegen, denn Hua Guo-feng ist der Mann, der uns bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts fühnen wird», usw.

Was zeigt diese Erklärung? Sie zeigt, dassv Yä Djiän-ying log, als er zuvor saghe, Hua Guo-feng sei auf vollkommen reguläre Weise an die Spitze der Partei gekommen, wie vorgesehen. Die Feststellung,. Hua Guo-feng werde noch dreissig oder vierzig Jahre an der Spitze der Partei stehen, bedeutet also, dass es keine demokratischen. Wahlen in der Kommunistischen Partei Chinas geben wird; sie bedeutet, dass Hua Guo-feng von Yä Djiän-ying und der Armee eingesetzt worden ist und es in ihrer Hand liegt, ob er an der Macht bleibt. Nicht cinmal Tito ging, als er beschloss, auf Lebenszeit Präsident zu bleiben, willkürlich vor, sondern verankerte «das. Recht» durch ein von der Skupstina gebilligtes Gesetz, beachtete die bestehenden Gesetze, obwohl er überzeugt war, dass er gewählt werden würde. Yä Djiän-ying dagegen verlor weder über eine Wahl durch die Verbretungsorgane noch über etwas anderes auch nur ein Wort. So wird also dieser gewisse Hua Guo-feng bis zum Beginn des 21. Jahrhumderts der Hauptführer der Kommunistischen Partei Chinas bleiben. Natürlich, diese chinesischen Führer wie Mao, Yä Djiän-ying oder Hua Guo-feng leben lang, wie die Kardinäle im Vatikan, die mit fast 90 Jahren sberben, weil sie nicht viel Sorgen inl Kopf haben, sich nicht den Sch laf rauben lassen. Maos «Theorie», aufgestellt in einem Brief*, *( * s. S. 46 dieses Bandes.) besagt, alle 7 Jahre wérde es eine Revolution und eroe Konterrevolution geben, doch Yä Djiän-ying fegte in seiner Rede diese «Theorie» hinweg und erklärte vor dem Parteitag, es werde keine weiteren Revolu tionen mehr geben. An der Spitze wird also Hua Guo-feng bleiben.

Doch der Gang der Ereignisse in China hängt weder ab von Yä Djiän-ying noch von sonst jemand. Im Gegenteil, in China wird ein Putsch auf den anderen folgen, das hat Mao Tsetung nich schlecht vorausgesehen. Mag sein, dass er sich hinsichtlich des. Abstands zwischen den Putschen geirrt hat, doch -blei seiner Voraussage Grog er aus von seinen eklektischen Anschauungen, von den. beiden Linien und den vielen Linien, die in der Kommunistischen Partei Chinas bestanden haben und bestehen. Die Sache wird davon abhängen, wer am stärksten ist. Er wird putschen und die Macht übernehmen.

Das waren in aller Kürze die Ideen des 11. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas, die wir in extenso* *( * ausführlich (lat. im Original).) in den Parteitags-. berichten finden werden, die die Chinesen, wie wir glauben, veröffentlichen werden. Mittlerweile finden in China Kundgebungen: statt, das Volk ist auf den Strassen, Feuerwerke werden abgebrannt, die Menschen jubeln dem Gott Hua Guo-feng zu - zum Empfang des amerikanischen Außenministers Vance und, 10 oder 12 Tage später, auch des jugoslawischen Oberrevisionisten Tito, der dieser schmutzigen Linie der Kommunistischen Partei Chinas die Krone aufsetzen wird.

Das Wichtigste bei dem Parteitag aber war sein apotheotischer Abschluss. In den Geschichten über das alte Rom und Byzanz, die. wir gelesen haben, heisst es, Kaiser Konstantin habe, als er gegen Maxentius in den Krieg zog, am Himmel ein Kreuz erblickt mit der Inschrift: in hoc signo vinces («in diesem Zeichen wirst du siegen»). Und dieses Zeichen übernahm er in seine Fahne oder Labarum, wie die Historiker sagen. Auch Hua Guo-feng erschien auf dem, Parteitag mit einer Haartracht, die der Mao Tsetungs nachempfunden. war. Seine vollen schwarzen Haare, die ihm früher wie Igelstacheln in die Höhe gestanden waren, hatte er wachsen lassen, sie waren. raffiniert geschnitten und frisiert und gaben seinem Kopf die Form von Mao Tsetungs Kopf. Auch seine Stirn war dadurch hoch geworden, wie die Maos. Auch dazu können wir also sagen: «in hoc signo vinces». Durch seinen Haarschnitt nahm Hua Guo-feng Mao Tsetungs Aussehen an und in diesem Zeichen «wird er siegen».

MONTAG,

22. AUGUST 1977

CHINA WIRD VON DEN MILITÄRS GEFÜHRT

Gestern Abend veröffentlichte Hsinhua ein Kommuniqué, wonach angeblich das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas zusammengetreten ist und Hua Guo-feng zum Parteivorsitzenden sowie Yä Djiän-ying, Deng Hsiao-ping, Li Hsiän-niän und einen anderen (dessen Namen ich nicht behalten habe, von dem ich aber weiss, dass er der Kommandant von Maos Leibgarde war) zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt hat. Nach dem Kommuniqué sind auch das Politbüro mit 23 Mitgliedern und 3 Kandidaten und der Ständige Ausschuss des Politbüros gewählt worden. Wenn ich mich nicht täusche, sind im Politbüro 10 Karrieremilitärs, die z. Zt. die Truppen kommandieren. Rechnet man auch Hua Guo-feng, Deng Hsiaoping und den mit, der Maos Leibgarde kommandierte, so wird die Zahl der Militärs noch höher. Das Politbüro, der Ständige Ausschuss des Politbüros und das Zentralkomitee der Partei bestehen in ihrer

überwiegenden Mehrheit aus Militärs. Also wird China nun von den Militärs geführt. Sie haben auch den «berühmten» Geng Biao ins Politbüro aufgenommen, der die Abteilung Internationale Beziehungen des Zentralkomitees und den ideologischen Kampf gegen unsere Partei leitet.

Natürlich mass ich zum Abschluss des 11. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas ein Glückwunschtelegramm an Hua Guofeng schicken, der zum Parteivorsitzenden gewählt worden ist. So ist es die Regel, so haben wir es auch beim 10. Parteitag gemacht, als Mao Tsetung in diese Funktion gewählt wurde. Wir werden auf diese Weise auch beim 11. Parteitag verfahren, denn auch sie haben zu unseren 7. Parteitag eine Grußbotschaft geschickt, die wir veröffentlicht haben. Da sie uns nicht über die Einberufung des Parteitags informiert haben, sollten wir, so habe ich mir gedacht, im Text des Telegramms erwähnen: «Wir erfuhren von der Abhaltung des Parteitags» und «wir wünsohen, dass sich unsere Freundschaft auf marxistisch-leninistischem Weg festigen möge», usw. usf. Trotzdem, wir wollen sehen, wie wir das Telegramm an sie am besten formulieren, das wir dann heute oder morgen veröffentlichen können.

SAMSTAG,

27. AUGUST 1977

TAIWAN GERÄT IN VERGESSENHEIT

Cyrus Vance, Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, beendete seinen Besuch in China. Ich las alle Meldungen der ausländischen Nachrichtenagenturen über diesen Besuch. Natürlich sprachen sie nicht über die Fragen, die Gegenstand der Verhandlungen waren, denn sie kennen sie nicht. Sie schreiben aber, Vance habe dort auch eine Pressekonferenz gegeben, er sei sehr zufrieden über den herzlichen Empfang gewesen, und sie hätten im beiderseitigen guten Einvernehmen wichtige Probleme diskutiert, über die er Carter Bericht erstatten werde. Vance sagte, er sei sowohl von Hua Guo-feng als auch von Deng Hsiao-ping herzlich empfangen worden, China und die Vereinigten Staaten von Amerika hätten vieles gemeinsam, und viele andere gute Worte. Hua Guo-feng trug Vance auf, er solle Carter Grüße bestellen, und natürlich unterhielt er sich mit ihm über zahlreiche Fragen; das tat auch Deng Hsiao-ping.

Mit anderen Worten, beide Seiten, die Amerikaner wie die Chinesen, werteten den Vance-Besuch als fruchtbar. Er werde, so unterstreicht AFP, «befriedigende Ergebnisse für Chinas zukünftigen Weg zeitigen».

Von der Taiwanfrage wurde diesmal über das hinaus, was Hua Guo-feng auf dem 11. Parteitag sagte, gar nicht gesprochen. Doch dieses Tamtam kennen wir von ihnen seit langem. Wir wissen auch, wie sie sich bei den diplomatischen Beziehungen, die sie zu all den Staaten auf der Welt hergestellt haben, darüber hinweggesetzt haben. Die Taiwanfrage stört sie also nicht bei den engen freundschaftlichen, kommerziellen, kulturellen und möglicherweise auch militärischen Verbindungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika.

Es sollte uns nicht wundern, wenn es zwischen ihnen auch Geheimabkommen gäbe, über Taiwan sowieso, aber auch über andere Fragen.

In dieser Situation und mit diesen seinen Ansichten ist China daran interessiert, dass der Status quo auf Taiwan erhalten bleibt, dass dort amerikanische Truppen stehen, dass die amerikanischen Truppen in Japan und überall sonst, wo sie stationiert sind, bleiben, denn China braucht sie. China hat sich mit den Vereinigten Staaten von Amerika verbündet, das steht außer Zweifel. Unsere Thesen waren, sind und bleiben richtig, das Leben hat sie bestätigt. China stützt sich auf einen wütenden Imperialismus, um einen anderen Imperialismus zu bekämpfen. Nicht etwa, um der Revolution einen Dienst zu erweisen, sondern um selbst ebenfalls zur Supermacht zu werden, zu einer weiteren sozialimperialistischen Macht. Darauf richten sich alle Absichten Chinas, darauf zielt auch die chinesisch-amerikanische Übereinkunft ab, die getroffen wurde und sich weiter festigen wird.

DIENSTAG,

30. AUGUST 1977

DER EHRENVOLLE EMPFANG FÜR TITO IST EINE

GRENZENLOSE NIEDERTRACHT

In einer ersten Nachricht aus Peking wird gemeldet, dass Tito mit einem Sonderflugzeug angekommen ist. Auf dem Flughafen wurde er von Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping, Li Hsiän-niän und vielen anderen «hervorragenden» chinesischen Führern sowie von Tausenden und Abertausenden Pekinger Bürgern empfangen, die sangen und Gongs schlugen. Auf den 30 Kilometern vom Flugplatz zur Stadt war die Strasse überfüllt mit Menschen, die dem «Helden» Tito zujubelten, während sich auf dem Tienanmen-Platz hunderttausend Tänzer in Nationaltracht versammelt hatten, die in ihren Händen alle möglichen Blumen, Spruchbänder und was weiss ich noch trugen.

In den Morgennachrichten des italienischen Rundfunks hiess es, bisher sei einem Staatschef in Peking noch niemals ein solcher Empfang bereitet worden. Indes erfahren wir, dass Tito auch in Korea nicht nur in den Strassen Pjöngjangs und auf dem grossen Platz, wo man ihm mit unbeschreiblicher Begeisterung zujubelte, ein grossartiger und pompöser Empfang bereitet wurde. Darüber hinaus verlieh Kim Ir Sen Tito - nachdem er sich mit ihm an Teichen ergangen und in Palästen sowie bei Jachtausflügen zahlreiche Mittag- und Abendessen gegeben hatte - den «Orden des Helden Ger Koreanischen Volksdemokratischen Republik», verehrte ihm die Jubiläumsplastik «Kämpfer gegen den Imperialismus», machte ihn zum Ehrenbürger Pjöngjangs und überreichte ihm auch den silbernen Dolch, jenen Dolch, der nach ihrer Sitte den «Verteidiger des Glücks und der Sicherheit» symbolisiert!

Solche Pseudomarxisten sind die, die diesem Renegaten des Marxismus-Leninismus einen derart spektakulären Empfang bereiten. Sie rutschen vor ihm auf dem Bauch. Niemals würden sich die bürgerlichen Führer so erniedrigen wie diese Revisionisten. Alle spotten über sie, weil sie sich so würdelos verhalten.

DIENSTAG,

30. AUGUST 1977

TITO ERWEIST MAO IM MAUSOLEUM

«DIE REVERENZ»

Gestern Abend sah ich die Berichte des italienischen und des jugoslawischen Fernsehens über Titos Besuch in Peking. Italien mass diesem Besuch überhaupt keine Bedeutung bei. Es zeigte auf dem Bildschirm einige Szenen und nichts weiter. Jugoslawien dagegen zeigte grosses Interesse, und die Übertragung war länger. Ich konstatierte ein grosses Durcheinander auf dem Flughafen. Es war nicht festzustellen, wo sich Tito und Hua Guo-feng befanden. Die beiden tauchten zwei oder drei Mal auf, dann kamen die Blumen der Bevölkerung und der Schüler, die sich auf dem Flughafen versammelt hatten, ins Bild. Ein grosses Gedränge von Leuten, Polizisten, Hsinhua-Korrespondenten fiel auf, die durcheinander liefen, einander wegstießen und keinen Blick auf die Hauptpersonen zuließen. Man sah flüchtig Tito und Hua Guo-feng, der sich hinter ihm hielt. Auffällig war die grosse Nervosität der Chinesen. Anscheinend fürchteten sie, Tito könnte etwas zustoßen, deshalb wimmelte es auf dem Flughafen von Agenten in Zivil. Auch als der Wagen auf dem Tienanmen-Platz fuhr, herrschte ein auffälliger Mangel an Ordnung und Disziplin. Völlig anders stellte sich uns der Empfang in Korea dar, wo sich niemand von den Gehsteigen und den Plätzen wegbesiegte. Man tanzte, schwenkte Blumen, und jede Bewegung verlief geordnet.

Auch das Abendessen, das die Chinesen zu Titos Ehren gaben, erschien wie ein privates Essen, obwohl es in Wirklichkeit prunkvoll im grossen Saal des Volkskongresses gegeben wurde. Dabei hielten Hua Guo-feng und Tito Reden. Hua Guo-feng sprach über die herzliche Freundschaft mit den Völkern Jugoslawiens, über die Heldentaten des jugoslawischen Volkes im Kampf für die gemeinsamen Ziele und so weiter, erwähnte jedoch nicht den Aufbau des Sozialismus in Jugoslawien. Im Gegensatz zu Tito, der sagte, der Krieg könne vermieden werden, erklärte er, der Krieg sei unvermeidlich. Hua Guo-feng sprach auch von Titos grosser Rolle bei der Leitung der «blockfreien Welt» und versäumte nicht zu sagen, Tito sei ein hervorragender Führer dieser «Welt». Tito dagegen bezeichnete, ohne sie ausdrücklich anzusprechen, die «dritte Welt», der Hua Guo feng die Treue hält, als künstliche Einteilung und gab eine lange Tirade zur Verteidigung der «blockfreien Länder» von sich, die, so betonte er, «die einzige Kraft sind, die dem Imperialismus die Stirn bieten und von ihm fordern kann, sich nicht einzumischen, sondern zu helfen». Und so weiter und so fort. Es zeigt sich ganz deutlich, dass die Freundschaft innig ist. Hua Guo-feng sagte, Mao Tsetung habe 1975 Tito lobend erwähnt. Er habe gesagt, Tito habe einen stählernen Willen. Heute morgen legte Tito im Mao-Tsetung-Mausoleum einen Kranz nieder. Tito, der moderne Revisionist, ist der erste von allen ausländischen Führern, die Peking besucht haben, der in diesem Mausoleum einen Kranz niederlegte.

Hua Guo-fengs Rede lässt sich entnehmen, dass er zweigleisig fährt: sowohl auf den Geleisen der «dritten Welt» als auch auf denen der «blockfreien Welt». Er spricht sich also für beide aus. Nicht ohne Absicht fährt er zweigleisig. Hua hofft darauf, China könne nach Titos Tod auch die Pseudowelt von Titos «Blockfreien» einkassieren, sie vereinheitlichen und selbst zur einzigen Führung dieser zwei sogenannten Welten werden, die in Wirklichkeit allerdings gas gleiche sind.

Wie ich irgendwo in einer meiner Schriften geschrieben habe, nützt Titos Pseudotheorie der «Blockfreien» gegenwärtig dem amerikanischen Imperialismus und den Sowjets, weil sie sich in den Dienst des Neokolonialismus stellt. Tito, der diese Theorie vertritt, leugnet nicht die Widersprüche, die zwischen den Staaten bestehen, auch nicht die Widersprüche zwischen den «blockfreien» Staaten und dem Imperialismus sowie den anderen kapitalistischen Mächten. Aber er sagt es nicht laut, weil er eine so offensichtliche und wichtige These des Marxismus-Leninismus, der sich keine Kraft auf der Welt widersetzen kann, nicht verteidigen will. Immerhin ist Tito mit dem Begriff «blockfreie Länder» Mao Tsetung mit seiner Dreiteilung der Welt überlegen, denn Mao Tsetungs «dritte Welt» - so habe ich auf unserem 7. Parteitag betont, so steht es im Artikel «Theorie und Praxis der Revolution» und in allen meinen Schriften - tilgt die wesentlichen Widersprüche zwischen Sozialismus und Kapitalismus, zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie, das heisst zwischen Arbeit und Kapital, die Widersprüche zwischen den abhängigen Staaten und den imperialistischen Mächten sowie die Widersprüche zwischen den kapitalistischen Ländern untereinander - mit einem Wort: die vier Hauptwidersprüche .unserer Epoche. Unter diesem Gesichtspunkt ist also Mao Tsetungs und Hua Guo-fengs «Welt» Titos «blockfreier Welt» unterlegen.

Tito nennt seine «Theorie» allgemeingültig. Um sie hätten sich all diese «blockfreien Staaten» mit ihren Widersprüchen, mit unter3chiedlichen Regierungen jeden Typs, mit unterschiedlichen Regimen zu sammeln, denn ihre Vereinigung sei erforderlich, um die akuten politischen Fragen zu bewältigen und eine neue Weltwirtschaftsordnung zu schaffen. Mit anderen Worten: sie sollen in Frieden, in friedlicher Koexistenz leben, und es soll, so Tito, eine angemessenere Aufteilung der Reichtümer der Welt vorgenommen werden.

Mao Tsetung und Hua Guo-feng verfolgen mit ihrer Dreiteilung der Welt bestimmte Absichten. Sie unterschlagen die Widersprüche und predigen Bündnisse zwischen diesen «drei Welten», um den sowjetischen Sozialimperialismus zu bekämpfen, der ihnen zufolge die einzige aggressive Supermacht ist. Die Chinesen haben erklärt, die Sowjetunion sei noch nicht als revisionistischer imperialistischer bzw. sozialimperialistischer Staat entlarvt. Deshalb wollen die Chinesen, die mit dieser Theorie Anspruch darauf erheben, wahre Marxisten-Leninisten zu sein, im Kampf gegen den Sozialimperialismus als Hauptgefahr fortfahren, ihn vermittels ihrer antimarxistischen chinesischen Ideologie ideologisch bloßzustellen. So wollen sie zu Bannerträgern werden, wollen sie erreichen, dass man sie als die marxistisch-leninistischen Hauptführer betrachtet, die angeblich eine Supermacht, die Sowjetunion, niedergerungen haben. Und wenn sie dann alle Kräfte gesammelt haben, die es nur zu sammeln gibt, wollen sie sich die andere Supermacht vornehmen, den amerikanischen Imperialismus! Wann? Am Sankt-Nimmerleins-Tag! So werden die Chinesen die Verhältnisse auf der Welt friedlich, ohne Kriege, ohne Klassen, ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen «ordnen»! Das ist tatsächlich ein Märchen, das heute noch von manchem geglaubt wird. Doch mit jedem Tag wird sich klarer zeigen, dass dieses Märchen ein Schwindel ist. Ich sage Schwindel und nicht Utopie, wie sich der Revisionist Carrillo ausdrückt, der über seine «sozialistischen» Ansichten sagt, dass Marx sie, wären sie ihm seinerzeit zu Ohren gekommen, für utopisch gehalten hätte.

DIENSTAG,

30. AUGUST 1977

AUCH DIE CHINESEN WERDEN VERSUCHEN, DIE

«MARXISTISCHE» MASKE ZU WAHREN

Bei China mit seiner Theorie der «drei Welten», bei Tito mit seiner Theorie der «blockfreien Welt» und Camillo samt Konsorten mit ihrem «Eurokommunismus» gibt es ausgeprägte Tendenzen zu einer angeblichen Überprüfung der Analyse der Weltlage. Sie wollen einen neuen, vom sowjetischen modernen Revisionismus abgesetzten revisionistischen ideologischen Block bilden. Was den Marxismus-Leninismus anbelangt, so passt er ihnen überhaupt nicht in den Kram, um ihn kümmern sich weder der neue revisionistische Block noch der alte sowjetische Block.

Der Sowjetblock mit all seinen Satelliten, den modernen Revisionisten, die Mitglied im Warschauer Vertrag sind, tarnt sich mit marxistisch-leninistischen Parolen. Genauso tarnt sich Tito mit Parolen des Marxismus-Leninismus, obwohl er bekanntlich keineswegs ein Marxist, sondern ein Pseudomarxist gleichen Ranges wie die Pseudomarxisten des «Eurokommunismus» ist. Er gehört zur gleichen Kategorie von Renegaten wie jene von der «Kommunistischen» Partei Italiens, der «Kommunistischen» Partei Frankreichs, der «Kommunistischen» Partei Spaniens, der «Kommunistischen» Partei Englands und all jener Parteien, die mit ihren revisionistischen Theorien und Aktivitäten in Wirklichkeit gegen die Ideen des Marxismus-Leninismus kämpfen. Sie wünschen Einheit in der Pluralität, das heisst, sie wollen frei sein, den «Sozialismus» auf dem Weg aufzubauen, der ihnen jeweils passt. Zu dieser Kategorie gehört auch die Kommunistische Partei Chinas, die in ideologischer Hinsicht viel Ähnlichkeit mit dem Titoismus und den Parteien des «Eurokommunismus» aufzuweisen hat.

Hinter dem äußeren Anschein, den sie sich gibt, zielt die Kommunistische Partei Chinas darauf ab, eine neue Gruppierung unter ihrer Leitung zu schaffen, so wie sich der sowjetische Revisionismus seine eigene Gruppierung geschaffen hat, die er nun zusammenzuhalten versucht. Das heisst, unter einer heuchlerischen Maske baut sie angeblich den Sozialismus in der Vielfalt auf und tarnt sich mit dem Begriff Marxismus-Leninismus. Doch ihrer Theorie und Tätigkeit liegt nicht der Marxismus-Leninismus zugrunde, sie ist sogar gegen den Marxismus-Leninismus. Die Kommunistische Partei Chinas gibt vor, sie wünsche die Unabhängigkeit jeder pseudomarxistischen Partei und billige, dass jede von ihnen ihre Tätigkeit nach eigenem Gusto ausrichtet, ohne sich um «die alten Dogmen» des Marxismus-Leninismus, wie Carrillo sie nennt, zu kümmern. In Wirklichkeit träumt die Kommunistische Partei Chinas davon, diese Gruppen über kurz oder lang unter ihre eigene Führung zu bringen, wenn China dann eine Grossmacht geworden ist. Sie meint, ihre pseudomarxistische Theorie werde dann durch vielseitige Bündnisse mit den anderen revisionistischen Parteien und den neuen Anhängselparteien, die sie überall auf der Welt ins Leben ruft, vorherrschend sein.

Auch Tito versucht, seine eigene Hegemonie zu errichten. Eigentlich war in den Plänen des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens schon immer das Ziel enthalten, auf seine Weise und in seinen Formen die gesamte kommunistische Weltbewegung zu beeinflussen. Wenn wir hier «kommunistisch» sagen, hat man darunter antikommunistisch zu verstehen, denn was Tito wünscht, ist alles andere als eine kommunistische Bewegung.

Diese ganze Stagnation, dieses ganze Durcheinander wird geschaffen, um das Dasein des Kapitals zu verlängern und die Ideen von Marx, Engels, Lenin und Stalin zu bekämpfen. Anders ausgedrückt, die Revisionisten versuchen auf verschiedene Art die kommunistischen Parteien, das Weltproletariat und das Proletariat jedes Landes von den Ideen des Marxismus-Leninismus, von der wahren Wissenschaft der Revolution, der Diktatur des Proletariats und des Klassenkampfes, die zum Sozialismus führen, abzubringen. Sie versuchen außerdem, einige pseudomarxistische, pseudosozialistische und pseudodemokratische Anschauungen in die Welt zu setzen, die angeblich auf die Periode zugeschnitten sind, die die Menschheit gegenwärtig durchläuft. All diese Antimarxisten behaupten, die Erscheinungen der gegenwärtigen Periode hätten keine Ähnlichkeit mit den Erscheinungen der Periode, in der Marx, Engels und Lenin gelebt und geschrieben haben. Und angeblich bestätigen sich deren Voraussagen, die von ihnen enthüllten Gesetze der Revolution und der Gesellschaft heute in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft nicht. Das ist überhaupt der Kern der antimarxistischen Theorie. Also können aufbauend auf dieser pseudomarxistischen Theorie hundertundein Theorien entwickelt werden, von denen jede einzelne den Kampf gegen die proletarische Revolution zum Ziel hat, zugleich aber als proletarische Ideologie hingestellt wird.

Das ist das Ziel all dieser antimarxistischen Gruppierungen, die sich selbst kommunistisch nennen, vom Titoismus, dem Chruschtschowrevisionismus über den «Eurokommunismus» bis hin zum chinesischen Revisionismus. Auch für den asiatischen 4Kommunismus» wird sich in Entsprechung zum «Eurokommunismus» ein Name finden lassen. Doch die Chinesen begnügen sich nicht damit, einen Namen zu finden, der auf den asiatischen «Kommunismus» passt. Sie wollen für die Führung des Marxismus-Leninismus auf der Welt gehalten werden. Doch diese Maske ist ihnen schon abgerissen worden und wird auf jeden Fall noch mehr zerfetzt werden, obwohl sie, wie auch die Sowjets, möglichst weit und möglichst lange die «marxistische» Maske zu wahren versuchen werden.

DONNERSTAG,

1. SEPTEMBER 1977

IN DEN KARDINALFRAGEN DES MARXISMUS-LENINISMUS

SIND DIE CHINESISCHEN FÜHRER AUSGEMACHTE

REVISIONISTEN

Der chinesische Standpunkt, der Europäische Gemeinsame Markt und das «Vereinte Europa» seien zu verteidigen, ist ganz klar

revisionistisch, denn der Europäische Gemeinsame Markt ist nichts anderes als eine Form des Exports öffentlichen (nicht mehr privaten) Kapitals im Rahmen des Neokolonialismus, und kennzeichnend für diese Organisation ist der Ausbau der verschiedenen imperialistischen Integrationen. Der chinesischen Theorie zufolge ist das staatsmonopolistische Kapital eine Transformation innerhalb des höchsten Stadiums des Imperialismus, die dem Staat die Möglichkeit gibt, die kapitalistischen Privatmonopole ;bzw. die privaten Truste und Konzerne bis zu einem gewissen Grad zu kontrollieren. Die Chinesen .stützen diese Theorie darauf, dass der kapitalistische Staat die Privatproduktion finanziert, indem er ihr Subventionen und zinsgünstige Anleihen zukommen lässt und außerdem die Unternehmen des öffentlichen Konsums und der öffentlichen Dienstleistungen finanziert. Darunter fallen zum Beispiel die parasitären Aufwendungen für Armee und Polizei, soziale Ausgaben, etwa für Sozialversicherung, Wohnungsbau und so weiter und so fort. Da der kapitalistische Staat also mehr oder weniger eine öffentliche Planung vornimmt, glauben die Revisionisten, sie könnten, indem sie diese Theorie des staatsmonopolistischen Kapitals unterstützen, indem sie in den kapitalistischen Staat eindringen, die kapitalistische Wirtschaft beeinflussen und beherrschen - ohne Kriege, ohne Gewalt, durch parlamentarische Reformen.

Bekanntlich ist die revisionistische Theorie vom staatsmonopolistischen Kapital keinesfalls eine Weiterführung der Theorie des Marxismus-Leninismus, im Gegenteil, sie stellt eine Abweichung von der marxistisch-leninistischen Theorie dar. Lenin hat diese Frage nur beiläufig berührt, in der Zeit der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution, im Jahr 1917; Stalin hat sie überhaupt nicht erwähnt. Die revisionistische Theorie über das staatsmonopolistische Kapital wurde insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt.

Die Revisionisten vermochten nie, ihre Theorie über das staatsmonopolistische Kapital zu realisieren. Sie gehen nicht über eine Aufzählung der dem Staat in einem bestimmten Stadium der ökonomischen Entwicklung zur Verfügung stehenden neuen Mittel des Eingreifens hinaus, die die ökonomische Waffe eines neuen Typs von Kapitalismus darstellen. Sie sagen, diese Waffe könne den demokratischen und revolutionären Kräften die Möglichkeit geben, diesen Markt des staatsmonopolistischen Kapitals gegen die Monopole zu kehren, indem sie gerade den Staat unter ihre Kontrolle bringen. Doch das ist nur ein Traum.

Also dringen die Chinesen wie alle anderen Revisionisten, insbesondere die westlichen, die aufs eifrigste die Ansicht unterstützen, das «Vereinte Europa» habe eine starke Einheit zu sein und der Europäische Gemeinsame Markt müsse gestärkt werden, nicht tief in dieses Problem ein, um es zu erläutern, denn sie haben keine Argumente, sind theoretisch dazu nicht in der Lage. Deshalb haben sie auf eine ,-theoretische Erklärung dieses Problems verzichtet. Die einzige Definition ihres Ziels haben sie in der Erläuterung gegeben, dieser Zusammenschluss in einem «Vereinten Europa» und eine Festigung des Gemeinsamen Marktes würden dem drohenden Angriff des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus widerstehen. Damit bedeuten sie den Proletariern, sie sollten die Widersprüche, die zwischen ihnen und dem Kapital bestehen, vergessen, sie sollten zulassen, dass der kapitalistische Staat den Monopolen und den Privatinteressen des Kapitals zu Hilfe kommt, sie sollten sich nicht erheben, sie sollten keine theoretischen, praktischen und revolutionären Schlüsse aus den ständigen schweren Krisen des Monopolkapitals ziehen. Sie sagen ihnen, sie sollten keine Maßnahmen treffen, um die Arbeitslosigkeit, den Hunger, die gesellschaftliche Unter drückjung durch das internationale und das einheimische Monopolkapital im engen Bündnis miteinander zu bekämpfen.

Also verfahren die Chinesen in dieser kapitalen Frage unserer marxistisch-leninistischen Theorie und der Praxis der Revolution wie ausgemachte Revisionisten.

Die Chinesen wissen sehr gut, dass die Klassiker des Marxismus-Leninismus auf der Grundlage der materialistischen Methodologie den Kapitalismus in zwei Phasen (oder Stadien) einteilen: den vormonopolistischen Kapitalismus und den monopolistischen Kapitalismus oder Imperialismus. Die zweite Phase, den Imperialismus, nannten sie die höchste und letzte Phase, nach der, vermittels der proletarischen Revolution, unvermeidlich der Sozialismus kommt.. Deshalb bezeichnete Lenin den Imperialismus als den Vorabend der proletarischen Revolution.

Die Renegaten des Marxismus-Leninismus haben immer versucht, den staatsmonopolistischen Kapitalismus als besondere Phase mit völlig neuen Merkmalen vom Imperialismus abzulösen, und ihn dabei auch als «Staatssozialismus» dargestellt. Auch die chinesischen Revisionisten stimmen der revisionistischen These zu, der staatsmonopolistische Kapitalismus sei eine besondere Phase. Darüber hinaus. verkünden sie auch noch, er sei eine unvermeidliche Phase, die jedes Land durchlaufen müsse, ehe der Sozialismus erreicht werde. Mit anderen Worten, sie streben wie alle anderen modernen Revisionisten danach, das Ende des Kapitalismus hinauszuschieben. Dem Proletariat und den Völkern dagegen sagen sie, sie sollten warten, bis diese unvermeidliche Phase eintrete. Und wenn sie dann eingetreten sei, verlaufe der Weg zum Sozialismus nicht über die proletarische Revolution, dieser Übergang müsse vielmehr mit friedlichen, parlamentarischen Mitteln, im Einvernehmen mit den anderen Parteien vollzogen werden. Das heisst, sie predigen den Pluralismus, völlig im Gegensatz zur Lehre Lenins, der festgestellt hat, dass nur durch die Revolution und «...in der Revolution der staatsmonopolistische Kapitalismus direkt in den Sozialismus hinübergeführt wird». Die Chinesen sagen das nicht direkt, doch ihre These von der Einheit und vom Bündnis der «dritten Welt» mit der «zweiten Welt» unter Beilegung der Differenzen mit den ehemals starken kapitalistischen und imperialistischen Ländern und vom Bündnis dieser beiden Welten mit dem amerikanischen Imperialismus gegen den sowjetischen Sozialimperialismus beweist nur den trotzkistischen Weg, den die revisionistischen chinesischen Führer eingeschlagen haben.

Die Verbindungen, die China zu der kapitalistischen Weitwirtschaft herstellt, bedeuten eine Unterstützung für den Neokolonialismus und die Entwicklung des internationalen monopolistischen Finanzkapitals. Auch China gehört zu denen, die Kapitalimporte aus dem Ausland unterstützen und von ihnen profitieren.

Die chinesische Frage ist deshalb nicht ganz einfach. Mit dem Größenwahn der Großmacht meinen die Chinesen, die anderen würden möglicherweise vor ihnen zurückweichen, sich von ihrer Demagogie täuschen lassen, doch ihre Maskerade ist zu grobschlächtig, um nicht durchschaut zu werden.

Der Leninismus ehrt uns, dass der Kapitalismus niedergeworfen werden muss, soll der Sozialismus siegen und die sozialistische Gesellschaft errichtet werden. Deshalb ist es absolut unerlässlich, dass die werktätigen Massen eines Landes unter Führung des Proletariats mit seiner marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei an der Spitze ständig kämpfen und sich im Kampf Klassenbewusstsein und die unerschütterliche Überzeugung erwerben, dass nur durch Kampf der Kapitalismus gestürzt und die kapitalistische Gesellschaft in die sozialistische Gesellschaft umgewandelt werden kann. Im Kampf gegen den Kapitalismus entsteht und wächst auch das Klassenbewusstsein.

Sowohl die Theorie der «drei Welten» als auch die titoistische Theorie von den «blockfreien Ländern» sind Ausgeburt der absurden Theorie von der Machtergreifung durch das Proletariat auf parlamentarischem Weg. Spricht man von der Machtergreifung auf diesem Weg (die unter den heutigen Bedingungen unmöglich ist), so bedeutet dies, künstlich den politischen Kampf vom wirtschaftlichen Kampf zu trennen und diesen Kampf in einer Reihe von Gesetzen, Organisationsformen und Verordnungen münden zu lassen, die die Bourgeoisie bereits geschaffen hat. Der Parlamentarismus bringt also nicht das Proletariat zur Revolution, sondern hilft dem Kapitalismus, indem er dessen ruhigen Gang verbürgt. Kurz gesagt, diese Theorien helfen auch der bürgerlichen Ordnung, die in Jugoslawien schon frühzeitig errichtet worden ist und in China nun errichtet wird, sich normal und störungsfrei zu entwickeln. Nach diesen beiden Theorien dürfen die Streiks der Arbeiter in den Länúern der sogenannten dritten Welt bzw. blockfreien Welt nur wirtschaftlichen Charakter haben, oder manchmal auch nur politischen Charakter, dies aber unter der Bedingung, dass sie sich an den parlamentarischen Weg halten. Das hiesse: zersplitterte, begrenzte treiks, Streiks also, die nur ein, zwei oder drei Fabriken erfassen, nicht aber allgemeine landesweite Streiks von kämpferischem, revolutionärem Charakter. Das bedeutete außerdem, dass die Arbeiterklasse in diesen Streiks geführt würde durch die natürlich von den sozialistischen, sozialdemokratischen u.a. Parteien geleiteten Gewerkschaftsbewegungen, die von der friedlichen Entwicklung des Kapitalismus fa sein und behaupten, durch diese Streiks erreiche man einige Reformen, gewinne man einige Mittel zur Erziehung der Arbeiterklasse, so dass diese auf parlamentarischem und friedlichem Weg die Macht ergreifen und den Sozialismus aufbauen könne.

Gegenwärtig erleben wir, wie die Widersprüche des kapitalistischen Systems die Kampfentschlossenheit des Proletariats erhöhen, das sich mit kämpferischem Geist in einen wahrhaft revolutionären Kampf wirft. Ein Generalstreik, der durch nichts aufzuhalten ist, ein derart starker Widerstand der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen in politischen und ökonomischen Grundfragen erschüttert den verfaulten bürgerlichen Staat. Der Kampf des Proletariats in dieser Form reisst die Massen, die ihm folgen und ihre Lebensweise und die Gesellschaft ändern möchten, in die bewusste Revolution hinein. Wenn die Klasse und ihre marxistisch-leninistische Partei an der Spitze dieses Kampfes stehen, lenken sie ihn auf das Ziel der Zerschlagung des kapitalistischen Staates und seiner Ersetzung durch die Diktatur des Proletariats hin. Solche Streiks und Bestrebungen

sind für das Proletariat und die unterdrückten und ausgebeuteten Klassen eine grosse Schule. Wenn ein solcher revolutionärer Zustand einige Monate andauert, so ist das für die Massen das gleiche wie viele Jahre Schule.

Deshalb sehen wir, dass die modernen Revisionisten, vor allem die Titoisten, die Spanier, Franzosen, Italiener und Chinesen, nicht mehr von der Revolution und der Diktatur des Proletariats reden, ,nicht mehr von der Hegemonie der Arbeiterklasse, dafür aber von einer normalen und friedlichen Entwicklung auch der Streiks, ob nun mit ökonomischem oder politischem Charakter, im Rahmen einer normalen Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft. Besonders bei den Titoisten und den Chinesen ist diese Seite stark ausgeprägt. Wenn sie sagen, sie seien gegen beide Supermächte, so ist das eine Formel, die nur der Tarnung dient, da sie sich sonst völlig entlarven würden. Doch tatsächlich hört man von beiden Seiten, vor allem aber von den Chinesen mit ihrer Theorie der «drei Welten», nicht nur keinerlei Aufforderung zur revolutionären Bewegung, zur allgemeinen Streikbewegung mit politischem und wirtschaftlichem Charakter gegen die kapitalistischen Mächte, die sie beherrschen, sie rufen sogar das Proletariat und die unterdrückten Massen dieser Länder dazu auf, sich mit jedem zusammenzuschließen, sich also auch mit den bürgerlich-kapitalistischen Führungen zu vereinigen.

Die Chinesen behaupten, die Sowjetunion, die nach Expansion strebe, werde Europa angreifen. Das haben wir auch schon gesagt, und es ist möglich, dass sie dies tut. Doch die Sache ist die, dass die Chinesen selbst Angst haben, die Sowjets könnten genauso China angreifen. Und eben um diesen Angriff abzuwenden, haben sie die These aufgebracht, die Sowjets bedrohten Europa. Ihre Absicht ist, die Sowjetunion gegen Europa zu treiben, damit die Sowjets den Chinesen die Kastanien aus dem Feuer holen. Wenn die Sowjetunion den Krieg erklärt, dann, so glaube ich, zuerst China, weil sie als grosser sozialimperialischer Staat in der Richtung angreift, wo sie die «Front» für am schwächsten hält und sich Vorteile verspricht, und weil sie meint, China bedrohe ihre Grenzen. China. strebt die Änderung dieser Grenzen an, deshalb ist es sehr gut möglich, dass die Sowjets, um einen chinesischen Angriff zuvorzukommen, China zuerst angreifen. Geht es also darum, wen die Sowjetunion zuerst angreift, China oder Europa, kann es ganz gut sein, dass sie zuerst China angreift. (Natürlich falls die Sowjetunion nicht zuerst von Europa, von einem Staat [etwa Deutschland] oder vielmehr einer Staatenkoalition, mit einem Wort, von der NATO mit den Vereinigten Staaten von Amerika an der Spitze angegriffen wird.)

Doch die Sache ist die, dass China, um seine Angst zu verbergen und seine Träume zu verwirklichen, die Widersprüche in den anderen Ländern der Welt, vor allem in Afrika, noch mehr verschärft, indem es Intrigen zwischen den Amerikanern und den Sowjets spinnt. Diese drei wollen sich unter der afrikanischen Sonne wärmen, deshalb verschärfen sie die Widersprüche untereinander, suchen nach Verbündeten unter den bürgerlich-kapitalistischen Führungen der afrikanischen Länder und hindern die Völker und das Proletariat dieser Länder daran, die Revolution zu machen. Darin besteht der wütende Antimarxismus der Chinesen.

FREITAG,

2. SEPTEMBER 1977

HUA GUO-FENG UND TITO FÄLSCHEN DIE GESCHICHTE

Ich lese gerade die Meldungen der ausländischen Nachrichtenagenturen. Dort heisst es, die Gespräche zwischen Tito und Hua Guofeng gingen in grosser Wärme und Herzlichkeit weiter. Jetzt spricht man sogar offen davon, dass «Hua Guo-feng, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, die Gespräche mit Tito, dem Vorsitzenden des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, fortsetzt», was bisher nicht der Fall war. Das heisst, dass eines der Ergebnisse der Gespräche die Herstellung von Parteibeziehungen war. Für uns ist das ganz eindeutig.

Die jugoslawische Nachrichtenagentur TANJUG gibt in groben Zügen den Inhalt der Gespräche mit den Chinesen bekannt. Mit beinahe allem, was Tito sagt, sind die Chinesen einverstanden. Und was wird gesagt? Kein Wort gegen den amerikanischen Imperialismus, kein Wort gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, kein Wort gegen die anderen Imperialisten der entwickelten kapitalistischen Länder - nichts also gegen diese drei grossen Gruppierungen, die den Völkern das Mark aus den Knochen saugen. Sie sagen nur, in Afrika gebe es eine Krise, es bestünden Meinungsverschiedenheiten zwischen verschiedenen Staaten dieses Kontinents, allerdings ohne konkret zu erwähnen, wer die Urheber dieser Streitigkeiten, dieser Meinungsverschiedenheiten und der heissen Kriege sind, ohne zu erwähnen, dass sie übereinstimmend der Meinung seien, diese Staaten müssten die Meinungsverschiedenheiten untereinander auf friedliche Weise lösen. Auf der anderen Seite sagen sie, dass sich der Nahe Osten ebenfalls in einer Krise befinde, die durch einen Frieden gelöst werden müsse, der den Palästinensern ihre Rechte gibt.

Und das ist auch schon alles zur internationalen Politik. Gäbe es noch etwas, TANJUG hätte es mit Sicherheit gebracht.

Das Problem wurde also auf zwei Krisen reduziert. Und so ist die Lage «glänzend», so TANJUG, die betont, die «blockfreien Länder» (die Länder der «dritten Welt» finden nicht die leiseste Erwähnung) würden in dieser Frage eine bedeutende Rolle spielen.

Anscheinend äußert sich die Nachrichtenagentur Hsinhua nicht gegen den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus, weil der Freund der Chinesen, Tito, nicht in seinen Gefühlen verletzt werden soll. Was zeigt das aber? Dies zeugt davon, dass die chinesischen Führer vollkommen einig sind mit diesem «sauberen» Freund, den sie großartig empfangen. Es geht hier nicht nur darum, dem Freund einen Gefallen zu tun, diese Haltung ist vielmehr ein Reflex der chinesischen Linie, die proamerikanisch und bis jetzt, in Worten, antisowjetisch ist, morgen aber abgemildert und ebenso gut auch prosowjetisch werden kann. Dann würde China eine Position einnehmen, wie sie heute Tito auf der Welt und in der internationalen kommunistischen Bewegung innehat. In der internationalen kommunistischen Bewegung repräsentiert Tito den Revisionismus, und er ist der geschworene Feind dieser Bewegung. Diese Position hat auch China bezogen, von dem sich erwiesen hat, dass es mit Tito einig ist. Deshalb ist die internationale kommunistische Bewegung eines, der titoistische, chinesische, sowjetische und sonstige moderne Revisionismus dagegen etwas anderes. Sie stehen auf verschiedenen Seiten der Barrikade, im scharfen unversöhnlichen Kampf gegeneinander.

Diese beiden, Tito und Hua Guo-feng, Geschichtsfälscher, Verfälschter und Verdreher der internatiorialen Lage, Freunde des Imperialismus und des Sozialimperialismus, Gönner des Weltkapitalismus, dem sie helfen, verlieren kein Wort über die grossen, unüberbrückbaren, ständigen Widersprüche zwischen den Imperialisten selbst, zwischen den Imperialisten und den unterdrückten Völkern, zwischen den unterdrückten Völkern und ihren Unterdrückerreimen sowie zwischen den Imperialisten uni den andrehen entwickelten Ländern. Kurz gesagt, für diese beiden Führer vom gleichen Typ, die gegenwärtig in Peking miteinander Gespräche führen, existieren keine antagonistischen Widersprüche auf der Welt.

Seit langem spricht China weder von den grossen Streiks des Proletariats noch von der grossen Krise, in der der Weltkapitalismus steckt. Und das hat seinen Grund. Würde es über dies alles sprechen, dann würde es den Imperialismus, die entwickelten kapitalistischen Regime und jene Regime der sogenannten dritten Welt, mit denen China einig ist, vor den Kopf stoßen. China will es mit den Führern dieser «dritten Welt» nicht verderben, auch wenn viele von ihnen in scharfem Gegensatz zu ihrem Volk stehen, das sie unterdrücken, in scharfem Gegensatz zum Proletariat, wenn in diesen Ländern also unversöhnliche Widersprüche zwischen Proletariat und Bourgeoisie existieren. Ganz allgemein sprechen die Chinesen nicht davon, weil sie den Staat als den zentralen Pfeiler betrachten, um den sich die revisionistischen Parteien, die revolutionären und demokratischen Elemente, das Proletariat scharen müssen. Sie sollen durch Wahlen diese Staatsmacht des Kapitalismus, die nicht verändert werden darf, gegen die kapitalistischen Monopole, gegen die Konzerne und Truste kehren. Also sollen sie durch Reformen, vermittels dieses kapitalistischen Staates, in den sie eindringen und den sie unterstützen müssen, zum Sozialismus schreiten! Mit dieser Ideologie kann China nicht davon sprechen, kann es das Proletariat nicht anspornen und ermutigen, die grossen Streiks gegen seine jahrhundertslangen Unterdrücker in eine starke Kraft gegen das Kapital zu verwandeln.

Wie könnten sich China, Jugoslawien und die Sowjetrevisionisten gegen die Könige und Emire Arabiens und der anderen Nahostländer äussern, die über die Haupterdölreserven verfügen? Tito und Hua Guo-feng unterstrichen die Ölkrise, erklärten sie aber nicht richtig, weil sie nicht für die wirklichen Interessen des Proletariats sind. Diese Ölkrise bedeutet natürlich eine Schwächung des Imperialismus und des Sozialimperialismus und eine Stärkung des Kapitalismus in diesen Ländern mit reaktionären Regimen, die die grossen Ölfelder beherrschen und ausbeuten. Ein Teil der Gewinne aus der Erhöhung der Ölpreise fließt in die Kassen der feudalen Könige des Iran, Saudiarabiens und der Emire am Persischen Golf. Wozu führte das? Dies führte zu einer grossen Krise, sowohl in den Vereinigten Staaten von Amerika als auch in Europa, verschärfte also auch den Widerspruch zwischen den Imperialisten, den Sozialimperialisten und den anderen Kapitalisten der entwickelten Länder. Es verschärfte ebenso den Widersprach zwischen dem Proletariat und den werktätigen Massen dieser Länder auf der einen und der kapitalistischen Bourgeoisie und dem kapitalistischen Staat auf der anderen Seite. In dieser Situation ist der kapitalistische Staat gezwungen, die Steuern zu erhöhen, die Arbeitslosigkeit und die Inflation in die Höhe zu treiben. Hieraus entstand die Währungskrise, und dieser Staat, der den staatsmonopolistischen Kapitalismus repräsentiert, ging also mit Macht zum Kampf gegen die Interessen des Proletariats und des werktätigen Volks über. Das musste zwangsläufig so kommen, denn dies ist ein kapitalistischer Staat, der mit aller Kraft bekämpft, der gewaltsam gestürzt werden muss, von dem man nicht glauben darf, er liesse sich durch «Reformen an Basis und Überbau» erobern, wie das die Revisionisten behaupten. Ihrer Aussage nach sind die gegenwärtigen kapitalistischen Staaten inzwischen in einem solchen Grad zum Eckpfeiler der Vergesellschaftung der Produktionsmittel geworden, dass sie sich in einen Bestandteil der gesellschaftlichen Produktion verwandelt haben!

SONNTAG,

4. SEPTEMBER 1977

AUCH HUA GUO-FENG AUF DEN KNIEN VOR TITO

Tito, Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping und die anderen haben ihre politischen Gespräche in Peking beendet. Der abgefeimte Verräter am Marxismus-Leninismus flog zusammen mit Li Hsiänniän in einem Sonderflugzeug nach Hangtschou, wo er von Hunderttausenden von Menschen mit Blumen und Gongs empfangen wurde.

Die Gespräche ergaben, dass zwischen den Chinesen und den jugoslawischen Revisionisten nahezu vollständige Einheit des Denkens und Handelns besteht. Das betonten beinahe alle ausländischen Nachrichtenagenturen, insbesondere TANJUG, die ausführlich über alle Erfolge berichtet, die sie in den Gesprächen erzielt haben. Wenn man sich über dieses oder jenes nicht hundertprozentig verständigen konnte, «so liegt das an den unterschiedlichen Bedingungen beider Länder». Die französische Nachrichtenagentur nannte dieses Treffen «historisch» und «positiv». Nach dem, was wir nun hören und lesen, sind sie in den staatlichen, den wirtschaftlichen, den politischen und den kulturellen Beziehungen vollständig übereingekommen. Außerdem wurden auch Parteibeziehungen hergestellt. Das ist daraus ersichtlich, dass nun, in den jüngsten Kommuniqués von Hsinhua, als erstes Titos Parteifunktion genannt wird: «Vorsitzender des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und Präsident der Föderativen .Sozialistischen Republik Jugoslawien». Das heisst, die Hua Guo-fengs haben Tito als Kommunisten anerkannt und gemeinsame Sache mit dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens gemacht. Die These unserer Partei hat sich bestätigt, dass China heute ein Land ist, an dessen Spitze eine revisionistische Partei steht, in deren Führung Renegaten des Marxismus-Leninismus sitzen.

Eines ist erstaunlich! Uns ist zu Ohren gekommen, Tito habe Hua Guo-feng dafür kritisiert, dass sofort nach aussen gedrungen sei, ,über welche Fragen sie diskutiert hätten, das sei nicht seriös! Hua Guo-feng wiederum habe geantwortet, man habe sich über einige Fragen mit der Partei beraten müssen. Später erfuhren wir, was geschehen war. Tito hatte die Frage der Anerkennung des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens durch die Kommunistische Partei Chinas aufgeworfen, denn, so sagte er, eine Nichtanerkennung sei absurd. Und die heuchlerischen chinesischen Führer waren einverstanden gewesen, hatten aber, um nicht die Verantwortung auf sich nehmen zu müssen, ein plumpes Spiel :betrieben. Sie hatten Befehl gegeben, die Pekinger Parteiorganisationen sollten die ganze Nacht über versammelt bleiben. Dort war dann die jugoslawische r orderjung zur Debatte gestellt worden. Man fragte: «Was meint ihr?» und ging dann zur Diskussion über. Diese ganze Komödie ist nicht die erste, die diese chinesischen Verräter veranstalten. Solche Komödien organisierten sie auch zur Rehabilitierung Deng Hsiao-pings. Sie hatten Deng rehabilitiert, sagten aber, zuvor hätten sie hier und dort Versammlungen abgehalten. So gaben sie diesem Akt den Anstrich, als seien es die Massen, die Partei und die Armee gewesen, die hartnäckig Deng Hsiao-pings Rehabilitierung forderten.

Die chinesischen Führer sind äußerst übel, sehr heuchlerisch, ausgemachte Revisionisten. Was wir vor 14 Jahren in den Artikeln «Die Ergebnisse von Chruschtschows Besuch in Jugoslawien» oder «Chruschtschows Kniefall vor Tito» über Chruschtschow sagten, hat sich also Punkt für Punkt auch in China bestätigt. Hua Guo-feng fiel vor Tito auf die Knie, und alles, was vor 14 Jahren in diesem Artikel geschrieben wurde, hat sich tale quale* *( genauso (ital. im Original)) auch in Peking bestätigt, bis hin zum fehlenden Kommuniqué. Sie hatten guten Grund, kein Kommuniqué herauszugeben. Dennoch stellten die TANJUG-Korrespondenten sehr geschickt und eindeutig nacheinander die Erfolge auf allen Gebieten heraus, von der Wirtschaft bis zur Politik, von der -blockfreien xA7elt», die auch die Chinesen übernahmen, bis hin zur Anerkennung des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und Titos als seines Vorsitzenden. China hatte den Bund der Kommunisten Jugoslawiens sicherlich schon vorher anerkannt, doch nun erkannte es offiziell an, dass «in Jugoslawien der Sozialismus aufgebaut wird».

Wir hatten vor, all diese revisionistischen Entgleisungen der Chinesen nachzuweisen, doch sie haben in den Gesprächen mit Tito selbst den Nachweis erbracht. Alle Marxisten-Leninisten auf der Welt, alle fortschrittlichen Menschen werden sehen, dass China die politische und ideologische Linie geändert hat, sie werden sehen, dass es sich unter die Antimarxisten, die Agenten des Arneerikanischen Imperialismus eingereiht hat und eine proamerikanische Politik betreibt, d.h., sich auf die Vereinigten Staaten von Amerika stützt, um die Sowjetunion zu bekämpfen und einen Weltkrieg anzustiften. Die Meinungsverschiedenheiten oder Gegensätze in Worten, die zwischen Tito und Hua Guo-feng angeblich auftraten, sind bedeutungslos - etwa wenn Tito den Standpunkt vertrat, der Krieg könne vermieden werden, während Hua Guo-feng mit seiner «grossen Autorität und Klugheit» bekräftigte, der Krieg stehe unmittelbar bevor. Diese Erklärungen gaben der Presse die Möglichkeit, «einen Widerspruch» zwischen diesen beiden revisionistischen Staaten aufzuspüren, um auch China bei dieser seiner Talfahrt, dieser seiner Kriecherei hinein ins Schlammloch des revisionistischen Verrats mit ein klein bisschen «Autorität» zu versehen.

Während dieser ganzen Gespräche wurde weder über den amerikanischen Imperialismus noch über den sowjetischen Sozialimperialismus gesprochen, man diskutierte nur über Afrika, wo es Unruhen gebe, die von den afrikanischen Völkern selbst beigelegt werden müssten. Man sprach über den Nahen Osten und sagte, das palästinensische Volk müsse sein Recht erhalten, nichts weiter. Kurz: Was ist dabei herausgekommen? Nichts! Das waren die Hauptfragen.

China stimmte außerdem der von Tito, Ceausescu und anderen verfochtenen These von einer «neuen Weltwirtschaftsordnung» zu.

Also war dieser Besuch für uns wie für die westlichen Nachrichtenagenturen positiv, obwohl wir die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Für uns war er gut, weil sich Hua Guofeng und Tito entlarvten, für sie war er gut, weil sich China mit dem titoistischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten von Amerika vereinigte. Die Widersprüche zwischen uns und ihnen vertiefen sich. Unser Weg ist dem ihren entgegengesetzt, wir stehen im Kampf mit ihnen. Auch sie stehen natürlich im Kampf mit uns. Wir werden den Kampf fortsetzen, ohne zu zaudern, ohne einzuhalten, den Kampf gegen die beiden Supermächte und die dritte Supermacht, die gerade hochkommt - das pseudosozialistische China.

DIENSTAG,

6. SEPTEMBER 1977

TITO ZIEHT DIE SCHRAUBEN DER CHINESISCH-

AMERIKANISCHEN BRÜCKE AN

Tito setzt seine triumphale Rundreise durch China fort. In Hangtschou und besonders in Schanghai wurde er von vielen hunderttausend Menschen grossartig empfangen. Das ging sogar so weit, dass Akrobaten Darbietungen auf der Strasse gaben, als er vorbeifuhr.

Wie Chruschtschow söhnte sich auch Hua Guo-feng vollkommen mit Titos Linie aus, mit seiner politischen, ideologischen und organisatorischen Linie. Über die organisatorische Linie sprachen sie nicht offen, verständigten sich aber in Wirklichkeit. So lieferte Hua Guo-feng den Beweis, dass er und seine Gruppe sowie Deng Hsiaoping vollständig vom Marxismus-Leninismus abgewichen sind, dass sie auf revisionistischem Kurs sind, dass sie ein Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus eingegangen sind und versuchen, unter ihrer revisionistischen Leitung alle Dissidentenparteien, die in Frontstellung zur sowjetischen Revisionistenpartei stehen, zu sammeln.

So wird die revisionistische Kommunistische Partei Chinas im Bündnis mit Tito Verbindungen zu allen anderen Revisionistenparteien der Welt herstellen, über die Verbindungen hinaus, die sie zu ihren Anhängseln unterhält, die schon bestanden haben oder die sie selbst in Europa oder in anderen Kontinenten ins Leben gerufen hat. Diese Anhängsel sind kleine Gruppen von 20, 30 oder 100 Leuten, die China gewisse Dienste leisten, die die Aufgabe haben, ihm Glückwunschtelegramme zum Parteitag oder irgendeinem anderen Ereignis zu schicken, damit China sie alle nacheinander in der Zeitung «Renmin Ribao» voröffentlichen kann, um in der inländischen und internationalen Öffentlichkeit den Eindruck hervorzurufen, China sei ein marxistisch-leninistisches Land, ein sozialistisches Land und führe die gesamte kommunistische Weltbewegung, abgesehen natürlich von der revisionistischen und sozialimperialistischen Sowjetunion auf der einen und dem sozialistischen Albanien auf der anderen Seite. China zählt die Partei der Arbeit Albaniens nicht einmal zur kommunistischen Weltbewegung. Auch sie ist ihrer Meinung nach «revisionistisch und trotzkistisch».

Man hat in diplomatischen Kreisen angefangen, über unseren Artikel «Chruschtschows Kniefall vor Tito» zu reden. Auch die Weltpresse hat ihn aufgegriffen, druckt ihn ab und kommentiert ihn günstig. Sie hat durchschaut, welche Absicht mit dem Artikel verfolgt wird, und zieht berechtigte Vergleiche zwischen Hua Guo-feng und Chruschtschow.

Hua Guo-feng ist mit Tito übereingekommen, kein Kommuniqué herauszubringen, so wie auch Chruschtschow und Tito keines herausgaben, damals, als wir den Artikel zum ersten Mal veröffentlichten. Doch die Nachrichtenagentur TANJUG lüftete den Schleier. Peinlich genau berichtete sie über alle Beschlüsse, die in den gemeinsamen Gesprächen getroffen wurden, über die gemeinsamen Auffassungen über die grossen Weltprobleme und die beiderseitigen Beziehungen.

Der Artikel von «Zëri i popullit»: «Chruschtschows Kniefall vor Tito» passt also auf Hua Guo-feng, der ebenfalls vor Tito auf die Knie fiel, wie der Deckel auf den Topf. Natürlich hat dieser Artikel die Chinesen und die Jugoslawen - verständlicherweise - wild gemacht, denn er schlug ein wie eine Bombe. Mit so etwas hatten sie nicht gerechnet. Trotzdem können wir bis jetzt weder bei den Chinesen noch bei den Jugoslawen irgendeine Reaktion feststellen. Die Reaktion einzig der Diplomaten und der Zeitungen verschiedener Länder der Welt ist günstig für die Partei der Arbeit Albaniens und die Sozialistische Volksrepublik Albanien. Die wahren Marxisten-Leninisten auf der Welt und ihre Parteien pflichteben diesem Artikel völlig bei, der einen neuen Verrat entlarvt, durch den der Weltrevolution und dem internationalen Kommunismus sowie dem Befreiungskampf der Völker kolossaler Schaden zugefügt wird.

Wie stets setzt Tito als Agentur des amerikanischen Imperialismus auch diesmal Nixons und Kissingers Arbeit fort und zieht die Schrauben der Brücke zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika an.

MITTWOCH,

7. SEPTEMBER 1977

WAS IST DAS GENERALBÜRO IN CHINA?

Die Presseagentur Hsinhua veröffentlichte einen Artikel unter der Vierschrift: «Befolgen wir immer die Lehren des Vorsitzenden Mao und beharren wir auf der Fortsetzung der Revolution unter der Diktatur des Proletariats», der am 8. September in der Zeitung «Renmin Ribao» abgedruckt werden wird. Dieser Artikel wurde anlässlich des ersten Todestags von Mao Tsetung von der Gruppe für «theoretische Studien» des Generalbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas verfasst.

Ich betone, dass dieser Artikel vom Generalbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas stammt. Zum erstenmal hören wir von der Existenz eines solchen Büros im Zentral Komitee der Kommunistischen Partei Chinas. Seine Funktionen sind jedoch völlig andere als die solcher Generalbüros in den Apparaten der kommunistischen und Arbeiterparteien, die nach leninistischem Vorbild und nach der marxistisch-leninistischen Theorie aufgebaut sind.

Dieser Artikel hebt zunächst hervor, dass Mao Tsetung «der grösste Marxist unserer Zeit ist». Mao Tsetung soll also grösser sein als Stalin, das sowieso (für ihn haben die Chinesen nie etwas übrig gehabt), aber auch als Lenin, ja sogar als Marx und Engels!

Darüber hinaus heisst es weiter unten in diesem Artikel: «Genosse Hua Guo-feng, der von Mao selbst ausgewählte Nachfolger, fiat die ganze Partei geführt, als die parteifeindliche 'Vierer bande', Wang Hung-wen, Tschang Tschun-tjiao,, Djiang Tjing cnd Yao Wen-yüan, auf einen Schlag zertrümmert wurde, und damit die Revolution und die Partei gerettet. Das grosse Banner des Vorsitzenden Mao hochhaltend, hat unser weiser Führer, Vorsitzender Hua, die revolutionäre Tradition vorangeführt» usw. usf. Diese beiden Zitate am Beginn dieses Artikels verdienen, wie wir später noch sehen werden, besondere Beachtung. Sie sind kein Zufall und nicht einfach Lobgesänge, sondern haben mit den Fragen der Organisation und der Leitung der sogenannten Kommunistischen Partei Chinas zu tun. Wie wir später sehen werden, liegt also diesem Artikel zu5runde, dass der einzige entscheidende Führer dieser Partei, der Armee und des Volkes der Vorsitzende Mao Tsetung war und jetzt, nach ihm, der Vorsitzende Hua Guo-feng ist. Alle anderen stehen weit unter ihnen und haben sich den Meinungen und Weisungen des Vorsitzenden zu fügen.

Über das Werk Maos heisst es in diesem Artikel: «Sein monumentaler Beitrag wird so lange leben wie die Erde und strahlen wie die Sonne. Das grosse Banner der Ideen Mao Tsetungs ist das Banner des Sieges der Revolution des chinesischen Volkes und der Revolution der Völker der Welt.»

Nun kommen wir zum Kern des Problems. Die zahlenmäßige Stärke der Mitglieder des Generalbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas ist nicht bekannt, man sagt darüber nichts. Es wird nur erläutert, dass zum Personal dieses Büros Kommandanten und Kämpfer der Einheit 8341 der Volksbefreiungsarmee gehör en.

Was ist diese Einheit 8341 ? Wir können es nicht genau sagen, denn es wird keinerlei Erläuterung gegeben, doch wie von den Chinesen selbst einmal gesagt, ist das die Abteilung des Sicherheitsdienstes, die mit Mao Tsetungs persönlichem Schutz betraut war, und wenn man von Maos Leibgarde spricht, so versteht sich, dass dies eine grosse, mit allen Mitteln ausgerüstete Abteilung gewesen sein muss. Dieses Generalbüro wurde vom Vorsitzenden Mao und nur von ihm geleitet, also war dieses Personal «glücklich, Mao Tsetung unterstützen und schützen zu dürfen», der es in seinen Ideen formte.

«Wir», heisst es im Artikel, «möchten den kämpferischen Kurs, den wir unter seiner Führung einschlugen, und seine Ratschläge, die uns das Herz erwärmten, weiter befolgen. Sie werden uns noch mehr ermutigen, gemäss seiner revolutionären proletarischen Linie siegreich vorwärts zu schreiten.»

Liest man im Artikel weiter, so begreift man, dass sein Inhalt nicht das Übliche ist, etwas anderes, als wenn etwa ein Parteikomitee oder eine Betriebsleitung sagt: «Wir wurden von den Ratschlägen des Vorsitzenden Mai zu Siegen geführt.» Nein. Die weitere Analyse dieses Artikels ergibt, dass Mao Tsetung nur durch dieses Personal des Generalbüros führte, dass dieses Büro allmächtig war, über dem Politbüro, über dem Sekretariat, über dem Zentralkomitee und über den stellvertretender Vorsitzenden des Zentralkomitees stand; es stellt sich ebenso heraus, dass dieses Büro wie ein Ei dem anderen dem Nationalen Sicherheitsrat gleicht, den der amerikanische Präsident über der Regierung und über seiner Partei einrichtet, um dann Maßnahmen zu ergreifen, zu handeln und den Ministern oder den anderen Organen seine einzig und allein im Sicherheitsrat diskutierte und gebilligte Politik aufzuzwingen. Also machte Mao die Politik mit dem Personal des Generalbüros des Zentralkomitees der Partei.

Worauf stützen wir diese Schlussfolgerung? Eben darauf, dass es in diesem Artikel heisst, als wichtiger Sektor des Zentralkomitees der Partei habe «das Generalbüro die Aufgabe gehabt, Vorsitzenden Mao und das Zentral comitee der Partei zu schützen sowie sich mit streng geheimen Parteifragen und anderen wichtigen Problemen zubefassen. Es war eire Frage von praktischer Bedeutung für die Grundinteressen der ganzen Partei, der ganzen Armee und des ganzen Volkes im ganzen Land, ob die Führung des Generalbüros in den Händen des vor Vorsitzendem Mao geleiteten proletarischen Hauptquartiers lag und ob die vollständige Sicherheit des Vorsitzenden Mao, des Zentralkomitees der Partei und der streng geheimen Fragen der Partei gewährleistet wurde». Der Artikel gibt also klaren Aufschlus über die Kompetenzen dieses Büros. Kurz gesagt, wenn dieses Generalbüro existierte, dann wurden das ganze Land, die ganze Parte., der ganze Staat von ihm geleitet, und dieses Büro erhielt seine Befehle und Direktiven von Mao.

Laut diesem Artikel haben sowohl die Gruppe Liu Schao-tschis als auch Lin Biao, als auch die Gruppe der «Vier» versucht, dieses Generalbüro des ZK der Partei unter ihre Leitung zu bringen. Dem Artikel ist zu entnehmen, dass sich Liu Schao-tschi bemühte, seine Leute, das heisst das burgerliche Hauptquartier, in dieses Büro einzuschleusen, und das er sich mit parteifeindlichen Komplotten abgab; dass die Gruppe Liu Schao-tschis das Generalbüro in ihre Hand gebracht hatte, weil, wie nun klar wird, Mao Tsetung in diesem Büro nicht mehr so mächtig war wie zuvor; dass Liu Schao-Ischi die ganze Leitung an sich gebracht hatte, während sich der Vorsitzende Mao auf dem Aibstellgleis wiederfand. Das macht verständlich, warum er die Hungweibings mobilisierte.

Wir hielten es damals für einen Fehler, dass Mao Tsetung sich nicht auf die Partei stützte und diese Frage nicht durch die Partei löste, doch nun ist ganz klar zu sehen: er mobilisierte die Hungweibings, weil die Partei seiner Macht entglitten war. Alles dort lag in den Händen des Generalbüros, das Liu Schao-Ischi in seine Fänge gebracht hatte. Also musste Mao Tsetung die Elemente außerhalb der Partei zur Revolution mobilisieren. Daraus erklärt sich, weshalb sich die «rote Garde» erhob und der Befehl gegeben wurde: «Bombardiert das Hauptquartier!». Der Aufruf, «das Hauptquartier zu bombardieren» ist nun leicht zu erklären. Das sollte in erster Linie heissen, das Generalbüro einzunehmen, denn dieses Büro leitete das ganze Land, während alles andere, die Partei, die Gewerkschaften, nur Fassade war und in Abhängigkeit von diesem Büro stand. In der Kulturrevolution ging es demnach darum, die Leitung des Generalbüros zurückzuerobern, die Mao von Liu Schao-tschi, Deng Hsiaoping usw. entrissen worden war. Das bestätigt auch der Artikel, in dem es heisst: «Der Vorsitzende Mao führte uns bei der Entlarvung der parteifeindlichen Verbrechen, die von ihnen (d.h. von der Bande Liu Schao-tschis) im Generalbüro begangen worden waren. Sie wurden ihrer Funktionen enthoben, und das Generalbüro wurde erneut in die Hände des proletarischen Hauptquartiers gelegt.»

Das erinnert an die Zeit der Kriegsherren, die in den von ihnen beherrschten Provinzen taten, was sie wollten; auch wenn es in allen Gebieten, in denen sie herrschten, eine gewisse Verwaltung gab, so hatten sie doch ihre Leute in einigen Schlüsselpositionen und übten durch sie die Herrschaft aus.

Der Artikel dieses Büros, das alles machte, hält sich nicht lange bei dieser Frage auf, sondern springt mit uns in den April des Jahres 1966. Es heisst dort: «Wir stellten ein Buch mit ausgewählten Zitaten des Vorsitzenden Mao zusammen, in Übereinstimmung mit den Erfordernissen des Kampfes, und sandten es Vorsitzendein Mao zur Billigung.» Also war das rote Buch mit den Zitaten Mao Tsetungs doch nicht das Werk Lin Biaos, sondern dieses Generalbüros. während Lin Biao, der natürlich ein einflussreicher Mann und die zweitwichtigste Person nach Mao war, dieses Zitatenbüchlein gross herausbrachte.

Die Funktionen. die dieses Büro hat, sind merkwürdig. Im Artikel heisst es: «Vorsitzender Alao wies uns an, wir sollten die Bewegung auf eroe Weise 'leiéen, die der Natur und der Merkmalen der Arbeit des Generalbüres entsprach, und zurückhaltend sein bei der Herstellung breiter Kontakte mit der Geseìlschaft, um das nor

male Funktionieren des Büros hei der gesamten Arbeit im Dienst des Zentralkomitees der Partei zu gewährleisten.» Sind diese Ausfuhrungen nicht so eindeutig, dass sie weitere Erläuterungen über die grossen und merkwürdigen Kompetenzen des Generalbüros überflüssig machen? Dieses Büro hat die Grosse Kulturrevolution geleitet, doch nicht alles lief wie geschmiert, denn «Lin Biao arbeitete» - so die Leute vom Generalbüro - «mit der 'Viererbande' zusammen und handelte in flagranter Weise den Direktiven des Vorsitzenden Mao entgegen». «Im Versuch. die Macht zu usurpieren», heisst es weiter im Artikel. «schickten sie oft ihre Lakaien in dieses Büro, um schädliche Winde zu säen, sie schürten Aufruhr, organisierten versteckte Angriffe, verbreiteten solch reaktionären Betrug wie 'an allem zweifeln', griffen führende revolutionäre Kader an, stachelten Leute auf, mit Ausländern Komplotte zu schmieden, und schreien sich heiser im vergeblichen Versuch, die Macht im Generalbüro zu usurpieren: 'Tschungnanhai muss ins Chaos gestürzt werden'.»

Was soll das alles heissen? Das soll heissen, dass weder Lin Diao noch Tschou En-lai, noch die anderen Mitglieder des Politbüros, noch sonst irgend jemand das Recht hatte, sich in die Geschäfte des Generalbüros einzumischen. Mit Mao an der Spitze hatte es die Allmacht zu handeln, ganz China, alle Bereiche des Lebens in China zu leiten. Die Mitglieder des Politbüros und des Sekretariats des Zentralkomitees hatten nicht das Recht, geeignete Kader für dieses Büro vorzuschlagen. Wenn jemand geeignetere Kader für dieses Büro vorschlug und sie hineinbrachte, wurde er als Verschwörer angesehen, und die Verschwörung entwickelte sich, ihrer Aussage nach, natürlich von der Quantität zur Qualität, wie das schließlich bei der Truppe der «Vier» der Fall war, die angeblich gewaltsam die Macht übernehmen wollten.

Der Vorsitzende !Mao soll das alles gesehen haben, außerdem soll er gesehen haben, dass sich Djiang Tjing mit Lin Biao zusammengetan hatte und Verschwörung betrieb. Und, so heisst es im Artikel, «Vorsitzender Mao gab, ausgehend von dieser Kampflage, besondere Weisungen im Zusammenhang mit der Bewegung im teuer albüro. Die Bewegung ging in den von den unterschiedlichen Umständen gebotenen vielfältigen Formen weiter, und es wurden wirksame Massnahmen zur Abwehr von Einmischungen getroffen. Das erzog die Massen und gab der Bewegung die Möglichkeit, gut voranzuschreiten.»

Im Artikel heisst es, die Widersprüche seien massiver geworden, da Djiang Tjing nach dem Zwischenfall vom 13. September 1971, als Lin Biao verschwand, getrieben angeblich von ihren konterrevolutionären Motiven, «gemeine Verleumdungen gegen die Einheit 8341 ausstieß», in der Absicht, das Generalbüro des Zentralkomitees und die Einheit zu zerschlagen.

Also müssen wir die Schlussfolgerung ziehen, dass man auf die anderen Führer des Zentralkomitees, des Politbüros und des Sekretariats überhaupt nicht hörte, und dass sie folglich eine Veränderung dieser Verhältnisse wünschten. Nehmen wir einmal an, sie hätten versucht, neue Organisations- und Leitungsnormen zu etablieren und diese Verhältnisse zu beseitigen, die sich hemmend auswirkten, weil dort allein auf Mao Tsetung gehört wurde und dieser durch die Kader des Generalbüros und dieser Abteilung handelte.

Nach dem Artikel arbeiteten auch die «Vier», ebenso wie Liu Schao-tschi, pausenlos darauf hin, «die Führungsmacht im Generalbüro des Zentralkomitees an sich zu reißen, um ihr teuflisches Ziel zu erreichen». Daraus geht hervor, dass es bei den Staatsstreichen, ob nun Liu Schao-tschis oder Maos, Lin Biaos, der sogenannten Vierergruppe oder auch der Truppe Hua Guo-fengs, allen darum ging, unbedingt dieses Generalbüro in die Hand zu bekommen, und es wurde ein Putsch nach dem andern organisiert.

Im Artikel heisst es: «In vielen Fällen wollte die 'Viererbande' hinter dem Rücken des Vorsitzenden Mao im ganzen Land ihre Dokumente, Reden und Tonaufnahmen vertreiben», ohne sich an die Weisung des Vorsitzenden Mao zu halten, dass «alle Dokumente und Telegramme im Namen des Zentralkomitees der Partei erst dann ausgesandt werden dürfen, wenn ich sie durchgesehen habe, G.ndernfalls sind sie ungültig». Im Artikel wird betont: «Wir berichteten Vorsitzendem Mao von ihren Versuchen. Vorsitzender Mao tadelte die 'Viererbande' wegen ihrer geheimen Pläne und entlarvte ihre teuflischen Ziele.»

Es wird also klar ersichtlich, dass Mao Tsetung wie ein Diktator verhinderte, dass irgendeiner seiner Mitarbeiter - Mitglieder des Politbüros und Mitglieder des Sekretariats oder des Ständigen Ausschusses des Politbüros - dem Zentralkomitee, der Partei, den Militärabteilungen, der Verwaltung usw. Direktiven geben konnte. Jeder ihrer Schritte ohne Wissen Maos wurde als teuflisch angesehen.

Angesichts dieser Verhältnisse hat die «Viererbande» natürlich versucht, diesen Zustand zu ändern, und dieses ihr Handeln nennen die Autoren des Artikels ein Komplott mit dem Ziel, das General

Büro und die politischen Kommissare der Einheit 8341 unter ihre Kontrolle zu bekommen. Doch ihr Versuch scheiterte. In dem vom Personal dieses Büros verfassten Artikel heisst es: «Varsitzender Mao ermunterte und verteidigte uns ständig. Ständig ermutigte er sein Personal, sich gegen Djiang Tjing zu erheben.» Nachdem Hua Guofeng an die Macht gekommen war, übernahm er damit auch das Generalbüro. Es ist klar, heisst es im Artikel weiter über die «Vier», dass inzwischen «ihr Bemühen darauf abzielte, die Verbindungen des Vorsitzenden Hua und des Zentralkomitees zur Basis abzuschneiden und die Befugnis zu erhalten, im ganzen Land Befehle zu erteilen. Sie stahlen Geheimdokumente der Partei, schalteten absichtlich unsere Wachen aus und betrieben überall eine geheime Tätigkeit.»

Man begreift, welch grosse, ja gewaltige Macht dieses Büro und diese Spezialabteilung hatten. Deshalb beschloss der Vorsitzende Hua, schlagartig gegen die «Vier» vorzugehen. Und so führte die Einheit 8341, nun unter der Führung des Vorsitzenden Hua und unter seinem und des stellvertretenden Vorsitzenden Yä direktem Kommando, entschlossen den Befehl -angeblich des Zentralkomitees durch und inhaftierte die «Viererbande». Diese grosse und gewaltige Macht, ich zitiere den Artikel, «gab unserem Büro und unserer Einheit die Möglichkeit, inmitten eines scharfen Klassenkampfes auf dem Weg der Fortsetzung der Revolution unter der Diktatur des Proletariats Fortschritte zu machen, und gewährleistete das normale Funktionieren aller Bereiche der Arbeit, etwa Schutz und Dienst für den Vorsitzenden Mao» und jetzt den Vorsitzenden Hua, diese beiden seltenen «Edelsteine».

Für Maos Art, die Arbeit zu leiten, werden im Artikel auch Beispiele gegeben. Um festzustellen, wie die landwirtschaftliche Kooperation und der Getreideankauf durch den Staat funktionierten, gab Mao Anweisung, aus jeder Präfektur eine Person zu bestimmen, die in seiner persönlichen Leibwache arbeiten sollte. Er hielt die Nachforschungen dieser Leute aus seiner persönlichen Wache in den bäuerlichen Gebieten für eine wichtige Sache, um die Lage dort unter Kontrolle zu haben. Deshalb, so heisst es im Artikel, versammelte Mao das Personal des Generalbüros des Zentralkomitees und die Mannschaft der Einheit 8341 und erläuterte ihnen «die Vorzüge von Nachforschungen, was zu erforschen sei und wie man dabei zu verfahren habe»; er erläuterte seinen Wachen bis ins einzelne «die Vorzüge von Nachforschungen in ihren Heimatdörfern». Als diese schließlich zurückkehrten und ihm berichteten - immer nach dem Artikel -, sagte Mao ihnen: «Ich habe nur drei Stunden gebraucht, um mich über die Lage von 60 Millionen Menschen in zwei Provinzen zu informieren. Das ist tatsächlich eine glänzende Methode. Ihr habt als Bindeglied zwischen mir und den Massen der Bauern gedient.» Im Artikel heisst es weiter: «Der Vorsitzende Mao hob drei Finger und sagte: 'Ihr seid mit den Bauern zusammengetroffen und ich bin mit euch zusammengetroffen. So bin ich über diese ganze Entfernung hinweg indirekt mit den Bauern zusammengetroffen. Ihr seid Bauern mit Waffen und Klassenbewusstsein'.»

Ist es für die wahren Marxisten-Leninisten vorstellbar, eine solche Arbeit Leibwächtern der Sicherheitsorgane oder einigen Angestellten, Bürokraten einer Verwaltungsbehörde zu überlassen, die damit beauftragt werden, zu kontrollieren, wie 60 Millionen oder 800 Millionen Bauern leben und arbeiten? Und Mao betrachtet diese Wachen als klassenbewusste Menschen, ohne sich darum zu scheren, dass man, wenn es um eine so grosse Frage wie das Schicksal der landwirtschaftlichen Kooperation in China geht, die Partei in Bewegung setzen und beauftragen muss, die Kontrolle auszuüben! Wir verstehen nun die Äußerungen, die Mao 1966 unseren Genossen gegenüber machte: «Was soll man sich auf die Parteisekretäre stützen, die sich mit zwei Pfund Schweinefleisch kaufen lassen?» Mao Tsetung hat dies genau so, Wort für Wort, vor den Genossen unserer Delegation, Mehmet und Hysni, gesagt. Das zeigt die Geringschätzung, die Mao Tsetung für die Partei empfand, beziehungsweise seine Meinung, sie existier e gar nicht. Er stützte sich nur auf seine Leibwächter und ausgewählte Leute dieses Büros, die nichts waren als Speichellecker, die Mao Tsetung nach dem Mund redeten.

In dem Artikel gibt es auch noch anderen Blödsinn. Doch dieser Blödsinn wird zur Theorie erhoben, als ob Mao damit grosse Kostbarkeiten von sich gegeben hätte! Hier einiges davon: «Wenn jeder von euch [d.h. den Wachen] einmal in zwei Monaten einen Brief schreibt, oder auch vier oder fünf Briefe im Jahr, um bei den Bauern anzufragen, ob sie ausreichend zu essen haben, um sich nach der Produktion und den Kooperativen zu erkundigen, und wenn ihr mir dann die Antworten zeigt, dann werde ich wohlinformiert sein.» Im Artikel heisst es weiter: «Unser grosser Führer, Vorsitzender Mao, versuchte ständig über verschiedene Kanäle und mit verschiedenen Methoden die jüngste Entwicklung der Gesellschaft kennenzulernen, zu untersuchen und Erfahrung zu sammeln, um die Ansichten und die Wünsche der Massen kennenzulernen, um auf dieser Grundlage die Politik auszuarbeiten und so die Massenbewegung siegreich auf dem richtigen Weg voranzuführen.» Dass ihn nicht der Schlag traf, Mao Tsetung mitsamt seiner «Genialität», der er sich auf die Bürokraten und die Elemente dieser gewissen Einheit stützt, um in seinem «genialen» Kopf die Politik der Partei und die allgemeine Linie zu formulieren, die die Massenbewegung voranführen soll! Das ist untragbar! Das ist, gelinde gesagt, antimarxistisch.

Der Artikel belegt, dass Mao sich nirgendwo auf die Partei stützte, auch wenn er das behauptete. Er diktierte alles den Leuten seines Personals, erteilte ihnen Befehle und Direktiven. Im Artikel wird betont, Mao habe ihnen gesagt: «Erzählt mir dann, wenn ihr zurückkommt, was ihr gesehen habt.» Und dann kommt die Frage: «Ist das nicht eine gute Idee?» Ich antworte ihnen, dass das eine blödsinnige Idee des Vorsitzenden Mao ist, der sich selbst nicht im geringsten um die Partei und die Volksmacht schert und dann Liu Schao-tschi bezichtigt, er sammle durch Geheimkontakte einige Vertraute um sich. Doch der «grosse Steuermann« Mao, was hat denn er mit diesem seinem Personal gemacht? Genau das, was auch Liu Schao-tschi tat. Mao Tsetung sagte zu diesen Leuten: «Geht und seht, was die Verschwörer getan hab-en», und er ordnete an: «Keinen einzigen hinrichten, die meisten nicht verhaften, mit Ausnahme der Mörder, der Zerstörer von Reichtum und der Giftmischer.» «Unter Giftmischern», sagte Mao Tsetung, «verstehe ich mehr jene Personen, die Nahrungsmittel vergiften, als diejenigen, die politisches Gift verspritzen.» Was das politische Gift anbelangt, was die Reaktionäre anbelangt, empfahl Mao Tsetung natürlich, sie nicht zu bestrafen, sie nicht hinzurichten, sondern zu erziehen!

Der betreffende Artikel ist sehr lang, 41 Seiten, und auf diesen Seiten gibt es eine endlose Reihe von Histörchen und Märchen, wie dieses allmächtige Büro unter Maos Leitung einen scharfen Kampf zur Verteidigung der angeblich revolutionären Linie Mao Tsetungs geführt und die Kommunistische Partei Chinas und China selbst vor der Katastrophe «bewahrt» hat. Dieses Büro gleicht nicht den Büros, die die Zentralkomitees der kommunistischen Parteien gewöhnlich unterhalten, besonders jene Parteien, die an der Macht sind. Diese Büros haben bei uns nicht die Kompetenzen - und können sie nicht haben -, die dieses «berühmte», auch von einer Abteilung des Sicherheitsdienstes gestützte Büro der Kommunistischen Partei Chinas hat.

In der leninistischen Weise der Organisation der kommunistischen Partei, die unsere Partei praktiziert, sind die Funktionen klar bestimmt. Die Verwaltungsbüros, deren Aufgabe es nur ist, die Direktiven des Zentralkomitees, des Politbüros und des Sekretariats weiterzugeben, dürfen auf gar keinen Fall, nicht im allermindesten, die Kompetenzen der hohen Parteiorgane überschatten. Nur die Plenartagungen dieser Gremien und dann jedes einzelne ihrer Mitglieder, dessen Kompetenzen von dem entsprechenden Organ festgelegt sind, können, dürfen Befehle und Direktiven erteilen und tun das. Und diese Befehle und Direktiven sind nicht persönlich und subjektiv, sondern gründen auf den Direktiven des Parteitags, den Richtlinien des Zentralkomitees, der Zergliederung der Probleme, die vom Politbüro und vom Sekretariat gestellt werden.

Anders ausgedrückt, diese gesamte Arbeitsmethode der Chinesen ist nach Form und Inhalt antimarxistisch, stützt sich überhaupt nicht auf die Partei. Deshalb vermochten wir niemals zu begreifen, wie die Partei in China funktionierte. Sie weihten uns darin nicht ein, lehnten es ab, eine Parteidelegation zu schicken, die Erfahrungen gesammelt oder vermittelt hätte. Was für eine Erfahrung sollten sie auch vermitteln? Sie wussten, dass ihre Partei nicht wie unsere funktionierte, ihre Partei hatte nicht die Kompetenzen, die unsere Partei hat.

Nun tritt klar zutage, wer in der chinesischen Partei herrschte und leitete. In unserer Partei dagegen war und ist die Leitung kollektiv; ihre Gremien, vom Parteitag bis zu den Grundorganisationen, haben ihre festumrissenen Rechte, Pflichten und Kompetenzen.

In China wurde also, wie sich zeigt, ein Kampf um persönliche Macht geführt. Maos Macht war unanfechtbar geworden. Mao hatte sich in einen Gott verwandelt, und es ist ganz leicht zu begreifen, warum der Kult um ihn betrieben und derart aufgebauscht wurde. Mao leitete allein mit einer Gruppe von Menschen, und das waren die, die sich bei ihm anbiederten, die seine Ansichten durchführten. Dejenigen, die nicht Maos Ansichten befolgten, nannte er «Verschwörer», «Revisionisten», nannte er, was er nur wollte, und schaltete sie aus. Das soll nicht heissen, dass es unter denen, die ausgeschaltet wurden, nicht Revisionisten und Verschwörer gegeben hätte. Doch die Arbeits- und Leitungsmethode, eine gewiss parteifeindliche, antileninistische Methode, weckt Zweifel an der Unanfechtbarkeit aller Handlungen einer Person, die von einem in einem Generalbüro und einer Sicherheitsabteilung zusammengefassten Personal umgeben ist. Das ist antimarxistische, persönliche Leitung.

Anscheinend war diese Organisation für Liu Schao-tschi und Deng Hsiao-ping zu einem Hindernis geworden, unabhängig davon, wer sie waren. Sie und ihre revisionistische Bande nahmen diese Situation nicht hin und unternahmen deshalb beizeiten Anstrengungen, schufen Voraussetzungen zur Festigung ihrer Positionen, bildeten Leute aus, brachten die Macht an sich. Mao Tsetung liquidierten sie zwar nicht, schalteten ihn aber eine Zeitlang aus.

Es ist eine Tatsache, dass sich Mao auf die Armee und Lin Biao stützte, dem er es zu verdanken hatte, dass er die Macht in diesem Generalbüro und in der Sicherheitsabteilung zurückgewann. Doch dann - sicherlich, als Mao Tsetung sah, dass Lin Biao und die sogenannte Viererbande Veränderungen in der Leitungs- und Organisationsweise anstrebten, was natürlich auch Veränderungen in den politischen und ideologischen Anschauungen verlangte, als er sah, dass sie zuverlässige Leute mit weiter reichenden revolutionären demokratischen Ansichten für dieses Büro und diese Abteilung auswählen wollten - entdeckte Mao Tsetung mit den Ansichten eines allmächtigen Menschen, die ihn kennzeichneten, zusammen mit seinen Leuten in diesem Büro vorgeblich die Verschwörung Lin Biaos. Dem Artikel nach ging es bei Lin Biaos Verschwörung nicht nur uni eine Mine, die gelegt worden sein soll, vielmehr soll er die Flotte, die Bomber usw. usf., kurz, die ganzen Streitkräfte aufgeboten haben, uni die Macht zu ergreifen. Woher nahm er nur diese Macht, wo doch Mao Tsetung mit seinen Leuten an der Spitze der Armee, dieses Büros und dieser berühmten Abteilung stand?

Die Maoisten und Huas Leute, die die «Vier» inhaftierten, behaupten, auch deren Komplott habe sich gegen Mao Tsetung gerichtet, uni ihn physisch zu liquidieren, und ihre Kombinationen seien durch verschiedene Versammlungen, Reden, Zitate und viele andere solche Sachen erreicht worden. Doch nichts davon ist glaubwürdig. Eine Tatsache zeigt sich klar: diese vier, die von Hua Guo-feng ausgeschaltet worden sind, wollten einen neuen Wind in die Führung der Kommunistischen Partei Chinas bringen. Wie fähig und organisiert sie waren, wie richtig ihre Prinzipien und Handlungen waren - darüber lässt sich hier kaum etwas Genaues sagen. Auf den opportunistischen, revisionistischen Positionen der Kommunistischen Partei Chinas unter der Führung Mao Tsetungs war es auch für diese vier und ihre Genossen schwierig, wirklich klare leninistische revolutionäre Standpunkte in ideologischen, organisatorischen und Leitungsfragen einzunehmen. Tatsache ist, dass Mao Tsetung die persönliche Macht Liu Schaotschis, Deng Hsiao-pings und Peng Tschens mit Hilfe der Hung Weibings und der Führung der Kulturrevolution, in der Tschen Bo-da,

Kang Scheng, Lin Biao, Djiang Tjing, Wang Hung-wen, Yao Wen-yüan und Tschou En-lai sassen, liquidierte. Also waren sie es, die Mao die Macht zurückgaben. Als schwankender, jedoch auch despotischer Mensch stützte sich Mao einmal auf die eine, ein andermal auf die andere Fraktion. Er war nicht sicher in seiner politischen Haltung; eine sichere Basis in Partei, Armee oder Staatsmacht hatte er ebenfalls nicht. Die Fraktion von Liu Schao-tschi wurde in der Kulturrevolution natürlich zerschlagen, doch in der Staatsmacht verblieben viele seiner Leute. Einer von ihnen war Tschou En-lai.

Wir erlebten, wie Tschou En-lai in der Kulturrevolution kritisiert wurde, doch Mao rettete ihn. Tschou En-lai wurde Mao und Lin Biao gegenüber zum Opportunisten, huldigte und rühmte aber auch Djiang Tjing; dadurch wollte er Zeit gewinnen, uni erneut Kräfte zu sammeln, seine Positionen zu festigen und dann zum geeigneten Zeitpunkt alle seine Gegner auszubooten.

Tatsache ist, dass Tschou En lais Position, gestützt von Mao Tsetung, nach der Liquidierung Lin Biaos gestärkt wurde, der sich - mit welchen Absichten, können wir nicht wissen - der chinesischen Innen- und Außenpolitik widersetzt haben muss. Die chinesische Strategie wandte sich nach seiner Liquidierung dem revisionistischen Kurs zu, der Verständigung mit den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Titoismus, der Verständigung mit allen kapitalistischen Ländern. Auch die «Vier» waren mit dieser Linie nicht einverstanden, doch Tschou trug den Sieg davon, es gelang ihm sogar, Deng Hsiao-ping, «Chinas Chruschtschow Nr. 2», zu rehabilitieren, an die Macht zu bringen und zu seinem ersten Stellvertreter im Staat zu machen, zum ersten Stellvertreter Maos in der Partei und zum Generalstabschef in der Armee.

Tschou En-lai wusste, dass er sterben würde, deshalb rehabilitierte er Deng Hsiao-ping. Mao setzte dies gegen die «Vier» durch, und Tschou festigte zusammen mit Deng Hsiao-ping, der stellvertretender Parteivorsitzender war und es derzeit ist, die Positionen innerhalb des Generalbüros des Zentralkomitees und der Abteilung 8341.

Nach Maos Tod übernahm Hua Guo-feng die Macht. Wie wir wissen, kam er auf antimarxistische Weise an die Macht, er war die Person, die Mao zu seinem Stellvertreter erkoren hatte. Dieser Mann hatte die Unterstützung Yä Djiän-yings, er hatte die Unterstützung des Chefs von Maos Wache, des stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralkomitees der Partei, der das Generalbüro leitete, also der wichtigsten Leute Maos. Und so zerschlug er «mit einem Schlag» die «Vier», die nach Tschou En-las und ,Maos Tod geglaubt hatten, nun sei die Zeit gekommen, die Macht in die Hand zu nehmen. Die Gruppe Hua Guo-fengs, Deng Hsiao-pings und Yä Djiän-yings war jedoch besser vorbereitet und schaltete die vier aus.

Im Lichte dieses Artikels betrachtet zeigt sich, dass die Gruppe von Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping, die die Macht angetreten hat und diese ganze ohrenbetäubende Propaganda veranstaltet, die «Vier» seien rücksichtslos am Werk gewesen und hätten in allen lebenswichtigen Bereichen in China Schaden angerichtet, in Wirklichkeit ihre ganze Kritik gegen Mao Tsetung und seine persönliche Leitung richtet, obwohl auch Hua Guo-fengs Leitung eine persönliche Leitung ist und nicht das geringste mit Parteileitung zu tun hat. Alles, was im Namen der Partei, des Zentralkomitees, des Parteitags usw. gesagt wird, ist Fassade oder die von einer kleinen, von einer Junta unterstützten Gruppe festgelegte Linie, einer Gruppe, die diese Anschauungen und diese Politik von ein paar, gewählten oder ernannten, angeblichen Partei- bzw. Staatsorganen absegnen lässt. Wenn Hua Guo-feng und Konsorten behaupten, sie würden sich «vom Banner Mao Tsetungs leiten lassen», so hat man darunter diese Leitung zu verstehen, das heisst die persönliche Leitung. Man muss also davon ausgehen, dass Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping bei der Leitung der Partei und der Volksrepublik China genauso allmächtig sind, wie es Mao war.

Derzeit ist Hua Guo-feng Parteivorsitzender und Ministerpräsident, doch das «berühmte» Generalbüro des Zentralkomitees mit der Sicherheitsabteilung Nummer 8341 ist nicht so vollständig in der Hand Hua Guo-fengs, wie es in der Hand Mao Tsetungs war. Es gab sogar Zeiten, da es von da nach dort pendelte und auch nicht in der Hand Maos war, sondern von einer Hand in die andere Überging. Jetzt gibt es in diesem Büro und in dieser Abteilung sowohl Leute Hua Guo-fengs als auch Deng Hsiao-pings als auch Yä Djiän-yings, das heisst, in diesem Büro und dieser Abteilung existieren verschiedene Fraktionen, die darum kämpfen und kämpfen werden, die Oberhand zu gewinnen. Dies wird ein ununterbrochener Kampf sein, bei dem der Sieger ungewiss ist. Dies hängt nicht nur von der Fähigkeit des einen oder de anderen ab, Hua Guo-fengs oder Deng Hsiao pings oder irgendeines anderen, die Sicherheitskräfte und die Armee völlig neu zu gruppieren, sondern auch von den jeweiligen inneren Verhältnissen, von der Verteilung, dem «Gleichgewicht« der Kräfte, der Sympathisanten des einen und des anderen. So mag der Westen Deng Hsiao-ping brauchen, die «gemäßigten» inneren Kräfte mögen aber einen Hua Guo-feng brauchen, wie er ist, «von Mao bestimmt», und besser in der Lage, die Rolle des «Zentristen» zu spielen. Was die Kräfte der staatlichen Wirtschaftsverwaltung betrifft, so gibt es nichts daran zu diskutieren, dass es Deng Hsiao-ping, Li Hsiän-niän, Fang Yi und andere sein werden, unter deren Leitung die Umwandlung des «chinesischen Sozialismus» in Kapitalismus vollzogen werden wird.

Es ist klar, dass die Leitung in enger wirtschaftlich-politischer Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus, mit der kapitalistischen Bourgeoisie der verschiedenen Länder Europas und Asiens und, warum auch nicht, dem sowjetischen Sozialimperialismus erfolgen wird. Die Zeit wird kommen, da Deng Hsiao-ping seine Stellung konsolidieren und Hua Guo-feng entweder als blosse Figur auf dem Posten eines Vorsitzenden der sogenannten Kommunistischen Partei Chinas belassen oder auch gegen ihn irgendeine Verschwörung anzetteln und ihn ins Dunkel stürzen wird. Diese Richtung werden die Geschicke der Volksrepublik China nehmen, und diese Geschicke hat ihr Mao Tsetung mit seinen antimarxistischen, antileninistischen, anarchistischen Ideen vorgezeichnet, den Ideen eines Führers, der persönliche Macht ausübte, der Einfachheit predigte, doch nicht einfach war, der die Massenlinie predigte, in der Praxis aber nicht anwendete, der den Marxismus-Leninismus predigte, aber nicht praktizierte, der den Kampf gegen anmaßende Tendenzen als grosser Staat und als grosses Volk predigte, aber in seinen Ansichten und Handlungen davon ausging, dass China, mit ihm an der Spitze, auf der Welt zu dominieren habe. Die Theorie der «drei Welten» führt direkt zum Großmachtchauvinismus.

Die «grosse und breite Weltpolitik» Maos, wie sie im Artikel der «hervorragenden» theoretischen Gruppe des Generalbüros genannt wird, war «eine Sonne und ein Monument des Lebens»! In Wirklichkeit zeigt sie den Größenwahn Maos, seine antimarxistischen Ideen die persönliche Organisierung der angeblich Kommunistischen Partei Chinas und des angeblich sozialistischen chinesischen Staates.

Nun, nach dem Machtantritt Hua Guo-fengs, wird die ganze Struktur der Partei und des Staates die gleiche bleiben wie zuvor, denn auch diese Leute, sowohl Deng Hsiao-ping als auch Hua Guofeng, stammen aus der Schule Mao Tsetungs, mögen sie Couch gegen ihn gewesen sein. Sie übernahmen das berühmte Generalbüro des Zentralkomitees, d.h., sie haben die Armee und den Sicherheitsdienst in der Hand und werden nun das Gesetz machen, werden leiten wie bisher, allerdings dabei Mao Tsetung geschickt blossstellen. Tatsächlich deckt der von diesem Büro verfasste Artikel auf, das4 die ganze Fäulnis, die in der obersten Leitung geherrscht hat und herrschen wird, das Werk Mao Tsetungs ist. Das möchte Deng Hsiao ping deutlich machen, und andererseits möchte er einige andere Formen der persönlichen Leitung schaffen, zusammen mit Hua Guo -feng oder durch seine Eliminierung, um dieses neue chinesische Reich besser den modernen Leitungsmethoden eines kapitalistischen landes anzupassen.

Die Chinesen empfingen Tito, sind also mit ihm in der Politik, in der Ideologie und in der Organisation einverstanden und werden aus seinem Erfahrung schöpfen. Doch wir dürfen sicher sein, dass die Chinesen in ihrem Hochmut und Größenwahn einer Großmacht mit 800 Millionen Menschen neue Formen der Organisation ihres kapitalistischen Staates schaffen werden, in denen sowohl etwas vom Titorevisionismus als auch vom Sowjetrevisionismus, am meisten aber vom Imperialismus der Vereinigten Staaten von Amerika enthalten sein wird.

Das China Deng Hsiao-pings möchte zur Supermacht werden. Es stürzt sich in den Strudel aller imperialistisch-kapitalistischen Staaten, macht sich politische, ideologische und organisatorische Formen und Ausrichtungen zu eigen, die es ihm ermöglichen, zur sozialimperialistischen Grossmacht zu werden.

Hua Guo-feng oder Deng Hsiao-ping und ihre Verwaltung, in der Partei, Staatsmacht und Armee durcheinandergewürfelt sind, werden sich noch lange Zeit mit marxistischen Ausdrücken tarnen und ihr Land als sozialistisch ausgeben. Das ist durch das Interesse geboten, das Volk im Land und die Weltöffentlichkeit zu täuschen, und wenn ich von Weltöffentlichkeit spreche, hat man sich darunter nicht die kapitalistischen Staaten, nicht die kapitalistischen Führungen vorzustellen, sondern hauptsächlich das Weltproletariat. Solcher Winkelzüge und Lügen bedient sich das China Hua Guo-fengs bei den pseudo-marxistisch-leninistischen Parteien, die total heruntergekommen sind wie die in Australien mit Hill an der Spitze, die sich in eine Agentur der Gegenspionage der australischen Regierung verwandelt hat Gestern las ich in einer Hsinhua-Meldung, «Vanguard», die Zeitung der von Hill geführten Partei, habe einen Artikel zur Entlarvung des sowjetischen KGB in Australien gebracht. Anstatt sich nur Gedanken über den Kampf gegen den sowjetischen, KGB zu machen, solle Hill, lieber auch über den Kampf gegen den chinesischen «KGB» and den australischen «KGB» nachdenken.

Also wird sich des jetzige chinesische Regime auch in Zukunft - bis dort die Revolution ausbricht - mit dem Mantel des... Marxismus verkleiden Wir werden kämpfen, um ihnen diese Verkleidung herunterzureißen.

Es war, ist und bleibt das grosse Interesse der Revolution, des. Weltproletariats, des 3ozialismus, Albaniens, dass das grosse China ein sozialistisches Lana sei. Doch leider gibt es zahlreiche Tatsachen, die davon zeugen und die beweisen, dass es nicht so ist. Die Tatsachen zeigen uns, und die Zukunft wird diese bittere Wahrheit bestätigen,. dass sich China sehr rasch auf einem dem Sozialismus Entgehgänge setzten Weg voranbewegt. Es ist dabei, sich in einen mächtigen kapitalistischen Staat zu verwandeln, in einen bürgerlich demokratischen. Staat, der darum kämpfen wird, neue bürgerliche Farmen und Merkmale anzunehmen, ur die Bourgeoisie reicher zu machen, das Proletariat und die Völker zu betrügen und so den Triumph der Revolution zu verhindern.

MITTWOCH,

7. SEPTEMBER 1977

EINIGE EMPFEHLUNGEN FÜR DIE GRUPPE VON

ERDÖLFACHLEUTEN, DIE NACH CHINA FAHREN WIRD

Die Chinesen willigten ein, dass eine Gruppe unserer Erdölfachleute nach Datjing fährt, um Erfahrungen zu sammeln. Sie haben auch festgelegt, welche Erfahrungen sie uns vermitteln können.

Ich empfahl Genossen Prokop Murra, die Gruppe der Erdölfachleute, die nach China fahren wird, solle sich gegenüber denen, die sie empfangen, korrekt und liebenswürdig verhalten, den Erdölarbeitern gegenüber herzlich sein, stets von der engen Freundschaft sprechen, die unsere beiden Länder verbinde, aufmerksam zuhören, wenn sie von ihren Erfahrungen bei der Erdölförderung berichten, und Fragen stellen. Wenn die Fragen beantwortet werden, sehr gut, wenn sie keine Antwort erhalten, dürfen unsere Leute in den politischen Reden, die möglicherweise bei den Mittag- und Abendessen gehalten werden, nicht stur darauf bestehen. Das Hauptthema in den Gesprächen unserer Erdölfachleute muss die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern und der Erfahrungsaustausch zwischen unseren beiden Ländern sein. Wenn sie politische Themen anschneiden, etwa die Frage des Kampfes nur gegen den sowjetischen Sozialimperialismus oder die Frage der «dritten Welt», sollen sich unsere Leute auf der Grundlage der Linie unserer Partei äußern, d.h., sie sollen sagen, dass die Welt zwei Hauptfeinde hat, den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus, dass die Völker aller Länder außer diesen beiden Feinden auch noch die inneren Feinde haben; sie sollen aber kei~ne solchen Diskussionen und Debatten anfangen, weil sie keine politische Delegation sind, sondern nur eine Delegation von Erdöltechnikern.

DONNERSTAG,

8. SEPTEMBER 1977

TITOS REVISIONISTISCHER WIND WEHT NACH OSTEN

Heute abend sah ich im Belgrader Fernsehen Titos Rückkehr aus der Sowjetunion, Korea und China. Ein triumphaler Empfang in Jugoslawien. Zehntausende von Menschen waren zum Flughafen gekommen, der rote Teppich, der ausgelegt war, hatte eine Länge von mehreren hundert Metern, während der Wagen, den Tito bestiegen hatte, von zehn oder fünfzehn Motorrädern umgeben und von einer endlosen Kette von Autos gefolgt war. Der ganze Konvoi, mit Tito an der Spitze, passierte eine riesige Menschenmenge, die die Strassen an beiden Seiten säumte und aufgedreht und hektisch jubelnd Tito begrüßte. Der Empfang in Belgrad war die Krönung der pompösen Empfänge, die Breschnew, Hua Guo-feng und Deng Hsiaoping sowie Kim Ir Sen diesem Renegaten bereitet hatten. Sie hatten das ganze Volk aufgeboten, um diesen Renegaten des Marxismusleninismus zu begrüßen, der auf Kosten der Revolution Abkommen zwischen Verrätern, Revisionisten und Imperialisten anbahnt und auflöst.

Die Chinesen und die Koreaner trieben das Volk wie eine Schafherde zusammen und liessen es blöken und hüpfen. Die Chinesen meinen, sie könnten mit ihrer Theorie, dass der sowjetische Imperialismus angeblich «entlarvt werden muss, weil er sich noch mit der Maske des Marxismus-Leninismus tarnt», den Völkern Sand in die Augen streuen. Das ist absolut haltlos, denn die Sowjetrevisionisten haben sich übel entlarvt, und jedermann weiss, dass sie keine Marxisten-Leninisten, sondern Revisionisten, Sozialimperialisten, Renegaten des Marxismus-Leninismus sind. Selbst wenn wir diese «Theorie» für einen Augenblick akzeptierten, liesse sich damit nicht rechtfertigen, dass dieselben Chinesen Tito, einen Renegaten, einen Mittelsmann des Weltkapitalismus, einen Saboteur an der Revolution, so triumphal, unter soviel Aufsehen empfangen, soviel Reklame für ihn machen, dass sie seinen Namen und sein Werk in den Himmel heben. Ist er etwa nicht entlarvt? Doch, entlarvt ist er, sogar die Chinesen selbst haben ihn mit entlarvt. Was soll man also zu diesen Aktivitäten sagen? Chruschtschow kritisierten wir; noch nicht einmal die Wolga kann ihn von seiner Schuld reinwaschen. Bei Tito ist es ebenso. Nun, da Tito nach China gereist ist, können ihn und die neuen chinesischen Chruschtschows nicht der Amur, ja nicht einmal der Jangtsekiang reinwaschen. Im Gegenteil, den Gestank Huas und Dengs riecht man nun in ganz China. Der titoistische Westwind weht nach Osten.

Zur gleichen Zeit, da Tito in Belgrad landete, kam auch der chinesische Landwirtschaftsminister mit dem Flugzeug an. Er kam nach Belgrad, um Erfahrungen über die Entwicklung der kapitalistischen Landwirtschaft in Jugoslawien zu sammeln. Genauso werden sie es mit der «Selbstverwaltung» machen. Die Chinesen werden Dutzende, ja Hunderte von Delegationen schicken, um überall Erfahrungen zu sammeln, in der Absicht, diese titoistische, revisionistische und anarchosyndikalistische Erfahrung auch in China bestmöglich nutzbar zu machen, unter dem Deckmantel, man baue den Sozialismus auf wie auch Tito, doch einen chinesischen «spezifischen Sozialismus», einsprechend dem jugoslawischen «spezifischen Sozialismus». Das werden auch die Chinesen machen, denn sie sind Titos Partner, und sie werden mit diesem Renegaten im Inland wie international in voller Einheit zusammenwirken.

DONNERSTAG,

8. SEPTEMBER 1977

REVISIONISTISCHE MANÖVER.

ANTIMARXISTISCHE STRUKTUR.

In meinen periodischen Aufzeichnungen habe ich über viele Fragen geschrieben, über einige davon auch in scharfem Ton. Unter marxistisch-leninistischem Blickwinkel, vom Standpunkt der theoretischen und praktischen Erfahrung und der leninistischen Organisation unserer Partei aus betrachtet, erschienen mir - und das habe ich auch betont - viele politische, ideologische oder organisatorische Dinge bei der Kommunistischen Partei Chinas, bei Mao Tsetung, beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas, in der chinesischen Revolution und bei den verschiedenen Schlägen gegen Abweichler nicht sehr klar. Sehr oft habe ich mich auch in harten Warten darüber geäußert. Das tat ich, weil mir das kommunistische Bewusstsein, die Erfahrung der Partei und das Studium der Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus nicht erlaubten, angesichts der vielen konfusen und zweifelhaften Verhältnisse den Ton zu mildern. Außerdem habe ich - erbost über all die Dinge auf Kosten des Marxismus-Leninismus, zum Schaden der Sache des Proletariats, die ich sah und las - in diesem meinem Tagebuch in einigen Fällen vielleicht mehr Dampf abgelassen als angebracht gewesen wäre.

Oft habe ich in meinen Aufzeichnungen über diese Fragen die Meinung geäußert, wir könnten mit unseren Anschauungen auf die Kommunistische Partei Chinas Einfluss nehmen. Weder die Genossen noch ich haben es in öffentlichen Reden an positiven und sogar sehr positiven Äußerungen über China mangeln lassen, obwohl wir die chinesische Wirklichkeit kannten und bei vielen verschiedenen Fragen und Problemen Chinas unsere Zweifel hatten. Unsere öffentlichen Stellungnahmen stimmten nicht überein mit der Meinung, die sich unsere Parteiführung durch die Analyse von Chinas jeweiligem politischen Verhalten wirklich gebildet hatte. Bei unseren Kontakten mit den verschiedenen chinesischen Delegationen sagten wir natürlich ebenfalls Gutes über China, über Mao Tsetung sowieso, dock beabsichtigten wir auch, auf kameradschaftliche und diplomatische Weise, d.h. indirekt, indem wir unsere Erfahrung hervorhoben, auf die chinesischen Genossen zugunsten des marxistisch-leninistischen Wegs Einfluss zu nehmen. Und unsere Darlegungen verstanden wir als kritische Stellungnahme zu vielen ihrer Handlungen. Es kam auch vor, dass wir mit Tschou En-lai und mit Li Hsiän-niän direkt aneinander gerieten und ihnen gegenüber in vielen wichtigen Problemen, in denen sie uns ihre falschen Standpunkte aufzwingen wollten, offen Kritik übten. Wir 'befanden uns in erstrangigen politischen Fragen in offenem Gegensatz zu den chinesischen Genossen, besonders in der Stalinfrage. Wir verteidigten Stalin, sie griffen ihn heftig an. Das gleiche gilt für die Frage des Klassenkampfes, wo sie behaupteten, wir würden ihn nicht richtig führen, sie dagegen «gut», während die Wirklichkeit doch vom genauen Gegenteil zeugte und zeugt.

Was all diese Widersprüche wie auch die Widersprüche in der Haltung gegenüber den Sowjets anbelangt, wo die Chinesen in verschiedenen Etappen - von Bukarest bis heute - außerordentliche Schwankungen erkennen liessen, haben wir gekämpft. Die chinesischen Führer, nicht nur Liu Schao-tschi, sondern auch Mao Tsetung, auch Tschou En-lai, auch Li Hsiän-niän, mit Ausnahme Kang Schengs, waren für die Einstellung der Polemik mit den Sowjets. In dieser Frage hatten wir nicht nur theoretische Diskussionen, sondern auch praktische Gegensätze, denn sie wollten nicht nur die Polemik einstellen, sondern auch freundschaftliche Kontakte mit den Sowjets entwickeln, und das nach dem so harten Kampf, den wir gegen sie geführt hatten. Die Chinesen setzten grosse Hoffnungen auf die «sowjetischen Genossen», wie sie sie nach Chruschtschows Sturz nannten, und erklärstarr uns, wir sollten ihnen gegenüber nicht so schroff auftreten, denn sie würden die Fehler korrigieren. Wir sagten den Chinesen unverblümt, auch die neuen sowjetischen Führer seien Revisionisten, sie würden ihre Ansichten nicht ändern und - ohne Chruschtschow - den Weg des Verräters Chruschtschow fortsetzen.

Die Chinesen waren mit unseren Ansichten nicht einverstanden und liessen sich vor, dem, was wir ihnen sagten, nicht überzeugen. Sie liessen sich nicht überzeugen (darüber habe ich auch schon früher geschrieben), weil sle durch die Einstellung der Polemik mit den Sowjets Zeit gewinnen wollten, um zur Grossmacht zu werden. Die Sowjets dagegen dachten anders, meinten, China werde zu einem revisionistischen Lahd unter ihrer Leitung und ihrem Diktat werden. Als die Chineen die Absichten der Sowjets durchschauten, wurde die Spaltung vollzogen, und einige Zeit polemisierten sie miteinander. Das grog weiter, während sich gleichzeitig auch die Strategie Chinas änderte, die sich nun den Vereinigten Staaten von Amerika zuwandte. Diese Strategie liquidierte Lin Biao und die «Vier».

All das habe ich geschrieben, und die Zeit bestätigt es. Die Zeit wird noch vieles bestätigen und uns dabei noch deutlicher die grosse Fäulnis, den grossen Betrug, den Mao Tsetung und seine Anhänger begangen haben, vor Augen führen. Sie wird uns vor Augen führen, wie sie die günstigen revolutionären Verhältnisse in China dazu benutzt haben, das Land ins Chaos zu stürzen. Nun bezichtigt die Clique Hua Guo-fengs die «Vier» und Millionen anderer einfacher Menschen, die den Sozialismus wollten und wollen, sie hätten angeblich darum gekämpft, in China den Kapitalismus zu errichten, ein Chaos zu schaffen, China an die Sowjetunion zu binden und anderer Dinge mehr. Doch die Wirkichkeit sieht anders aus: die herrschende Clique ist eine antimarxistische Bande, eine Bande von Kapitalisten, die eiligst auf den kapitalistischen Kurs, auf die Annäherung und Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika zumarschiert, um ein Gegengewicht zum sowjetischen Sozialimperialismus zu schaffen, um zur Supermacht zu werden, ein auf kapitalistische Weise wirtschaftlich und militärisch entwickeltes Land und nicht ein grosser sozialistischer Staat, wie diese Renegaten behaupten. Auch jene positiven Seiten, die man in den Aussagen Maos finden kann, ohne dass er selbst sie in die Praxis umgesetzt hätte, verschwinden nun.

Die revisionistischen chinesischen Führer empfingen Tito triumphal. Das bedeute, dass sie mit seiner politischen, ideologischen, militärischen und wirtschaftlichen Linie übereinstimmen, dass sie mit der staatlichen Organisation der jugoslawischen Wirtschaft und «Selbstverwaltung» einverstanden sind, dass sie den antimarxistischen Theorien des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens zustimmen. Diese antimarxistischen Theorien und Praktiken werden die chinesischen Führer nun auch in China praktizieren. Doch das dient dem Verrat am Marxismus-Leninismus, dient dem amerikanischen Imperialismus und den kapitalistischen Ländern der Welt, die jetzt in China Kapital investieren, Banken gründen, multinationale Gesellschaften aufbauen werden, um es in ihren imperialistischen Sog hineinzuziehen.

Gegen diese Verhältnisse müssen wir ungeachtet der zeitweiligen Niederlagen, die wir erlitten haben, mit grösster Härte kämpfen. Wir müssen den Marxismus-Leninismus verteidigen, die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin, die stets stark, rein, siegreich bleibt. Die Völker und das Proletariat der Welt verlieren weder den Mut noch die Hoffnung auf den Sieg. Sie kämpfen und werden noch härter kämpfen. Sie werden den Verrat dieser Pseudokommunisten mit jedem Tag klarer erkennen, sie werden sehen, dass durch diesen Verrat das Joch des Weitkapitals und des einheimischen Kapitals noch schwerer auf ihrem Rücken lastet. So werden sie zu der von Marx, Engels, Lenin und Stalin gezogenen Schlussfolgerung kommen, dass die Völker und das Proletariat revolutionäre Situationen, marxistisch-leninistische Parteien schaffen müssen, um die Revolution durchzuführen und die Macht zu ergreifen: für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, einer Gesellschaft, die ihnen gehört, mit einer Staatsmacht der Diktatur des Proletariats.

Die Frage des chinesischen Kommunismus war für mich ein Rätsel. Das sage ich nicht erst jetzt, diesen Zweifel habe ich in meinen Aufzeichnungen schon vor Jahren geäußert. Dieser Zweifel kam bei mir schon gleich nach der Bukarester Beratung auf, angesichts der zaghaften Haltung, die die Chinesen dort einnahmen. Für die chinesische Seite sprach in Bukarest als erster Peng Tschen, Auf die Moskauer Beratung kam aus China Deng Hsiao-ping mit einem den Chruschtschowianern gegenüber sehr versöhnlyrischen Referat, er war aber infolge Chruschtschows Vorgehen gezwungen, dieses Referat zu ändern und ein wenig zu verschärfen, denn dieser hatte vor der Beratung ein Material herausgebracht und verteilt, in dem China angegriffen wurde. Ebenso zwang ihn dazu aber auch die entschlossene Haltung unserer Partei, und das ist eine lange Geschichte. Die spätere Haltung der Chinesen - ich spreche von der politischen und ideologischen Haltung - war ein ständiges Schwanken, und genau darin lag das Rätsel, wurzelte der Zweifel. Es gab Perioden, da sie heftig bestrebt waren, die Polemik zwischen uns und den Chruschtschowrevisionisten auszulöschen; es gab auch Momente, da die Polemik mvischen ihnen schärfer wurde. Mit Chruschtschows Sturz wurde die ausgeprägte Tendenz zur Einstellung der Polemik und zur Einheit mit den Chruschtschowianern, angeblich gegen den amerikanischen Imperialismus, wiederbelebt. Nach einer gewissen Zeit änderte sich ihre Strategie erneut. Die Chinesen begannen mit der Kritik an den Sowjetrevisionisten durch die Veröffentlichung unserer Schriften und Reden. Später setzten sie die Kritik dann auch mit der Veröffentlichung eigener Schriften fort. Doch wieder schwankten sie.

Es kam die Periode des scharfen Kampfes zwischen Mao Tsetung und Liu Schao-tschi, die Periode der Kulturrevolution. Die Kulturrevolution war antisowjetisch ausgerichtet, es wurde gegen den Revisionismus, gegen die innere Reaktion und den Kapitalismus, gegen Liu Schao-tschi und den amerikanischen Imperialismus Stellung bezogen.

All diese schwankenden politischen Haltungen liessen uns zweifeln. Doch obwohl diese Haltungen rätselhaft waren, meinte unsere Partei, meinten wir, China als ein grosser sozialistischer Staat mit einem grossen marxistisch-leninistischen Führer betreibe eine sehr breite Politik, eine Politik mit Perspektive, auch wenn sich diese Politik, wie ich schon früher gesagt habe, nicht im Rahmen der Hauptprinzipien unserer unvergänglichen marxistisch-leninistischen Lehre bewegte. Hierin liegt das Rätsel, doch inzwischen können wir sagen, dass diese Politik Chinas ein grosser Betrug, ein grosses Tarnungsmanöver der chinesischen Revisionisten war.

Dem Anschein und der Propaganda nach hatte die chinesische Partei die gleiche Struktur wie die einstige Bolschewistische Partei Lenins und Stalins, die Partei der Arbeit Albaniens und alle marxistisch-leninistischen Parteien. Die Ereignisse zeigen uns, dass diese Propaganda Betrug war. Die Kommunistische Partei Chinas hatte schenbar eine Organisationsstruktur, mit der eine richtige marxistisch-leninistische Linie umgesetzt werden konnte, doch in Wirklichkeit war es nicht so. Auch was die Diktatur des Proletariats in China anbetraf, so propagierten die Chinesen, sie basiere wie in Albanien auf den Lehren des Marxismus-Leninismus. In dieser Frage hatten wir Zweifel. Wir zweifelten nicht etwa, weil wir über die organisatorischen Strukturen der Partei und der Staatsorgane in China Sicheres gewusst hätten, blieb uns doch der Zugang zur Erfahrung dieser Bruderpartei verschlossen, sondern weil uns viele ihrer Einstellungen und Handlungen nicht gefielen. Wir fragten uns: Warum gibt man einem befreundeten Land wie dem sozialistischen Albanien und einer Bruderpartei wie der Partei der Arbeit Albaniens, die in den schwierigsten Augenblicken, die die Kommunistische Partei Chinas durchmachte, an ihrer Seite standen, nicht die Möglichkeit, die Erfahrung der Partei usw. kennenzulernen?

Ich möchte hier noch einmal betonen, dass die Chinesen, wenn Parteidelegationen nach China kamen, alles mit einer lärmenden Propaganda, mit Kundgebungen, mit Applaus, mit Gongs und einigen nichtssagenden Versammlungen überdeckten. Alle Sitzungen waren demonstrativ, und der ganze Besuch war eine Spazierfahrt, hierhin und dahin. Auf die Fragen, die unsere Genossen den chinesischen Genossen stellten, antworteten diese vage oder nur mit einigen auswendig gelernten Schlagworten und Zitaten, so dass man ihnen nichts entnehmen k konnte, oder sie sagten etwas davon, dass dieses oder jenes annähernd so sei wie bei uns. Die Fakten zeigen, dass sie viel politischen, ideologischen und organisatorischen Betrug begingen.

In China gab es Grundorganisationen der Partei, Parteikomitees der Distrikte, der Kommunen, der Provinzen und ein Zentralkomitee. All diese Organe und Organisationen arbeiteten angeblich entsprechend den Normen einer leninistischen Partei. In diese Gremien wurden «demokratisch» Kommunisten gewählt, die ordnungsgemäß zusammentraten und Beschlüsse fassten. Es hiess, die Partei führe die Staatsmacht, die Verwaltung und die Wirtschaft; die Partei stand angeblich über der Armee und kommandierte die Gewehre, und nicht die Gewehre die Partei. Den Worten nach leiteten dort also das Zentralkomitee, das Politbüro oder der Ständige Ausschuss des Politbüros. Sie existierten auch wirklich, doch nur formal, weil die ganze Organisationsstruktur der Partei auf der persönlichen Leitung Mao Tsetungs beruhte, getarnt durch eine sogenannte kollektive Leitung, die nicht funktionierte. Also handelte Mao mit Unterstützung des Generalbüros und seiner Leibwache, über die ich schon geschrieben habe. Auf dieser Grundlage arbeiteten die Staatsmacht, die Fabriken und Kommunen. Es gab einige Ausrichtungen, einige Regeln, einige Gesetze, die alle dort, wo sie arbeiteten, zu befolgen hatten, usw. usf.

Es heisst, die Gruppe Liu Schao-tschis habe eine Charta mit was weiss ich wie viel Punkten zur Organisierung der Betriebe nach dem Muster des sowjetischen Magnitogorsk gehabt, während Mao zur gleichen Zeit eine andere «Charta» formulierte, die er Anschaucharta nannte. Doch dieses «Werk» Maos, so erklären die Chinesen selber, wurde 10 Jahre lang in der Schublade unter Verschluss gehalten. Von wem? Weshalb? Wie konnte das geschehen, war doch der Vorsitzende der Partei, zumindest offiziell, Mao selbst?! Ein merkwürdiger Kampf der Fraktionen und Linien! Anders ausgedrückt: Die Struktur der Kommunistischen Partei Chinas, so stellt sich heraus, war keine Struktur vom Typ der bolschewistischen Partei Lenins. Inzwischen durchschauen wir diese Struktur und diese Linie klar, doch Zweifel daran hatten wir auch schon früher. Wir schrieben, Mao habe in Wirklichkeit die leninistische Struktur des Parteiaufbaus nicht akzeptiert. Er «akzeptierte» sie nur, um seine unmarxistischen oder, sagen wir, bestenfalls eklektischen Ansichten zu tarnen.

Mao brauchte die Revolution in China, um seine persönliche Macht und die Macht einer grossen Clique um ihn herum zu organisieren und zu verschleiern. Dort, so scheint es, gab es viele Cliquen, viele Linien. Jede Provinz war wie ein eigenes Königreich, und jeder Provinzchef war ein Kriegsherr. Wir wissen, dass der Leiter des angeblichen Parteikomitees und des Exekutivkomitees alle Schlüsselpositionen in der Provinz in der Hand hatte, er hatte auch die Funktion des Kommandeurs des Armeekorps in der entsprechenden Provinz inne usw.

Tatsächlich wurde diese Organisation Chinas, wie mir scheint, nach der Revolution modernisiert. Am Apparat des alten Regimes des Kaiserreichs und danach Tschiang Kai-Schecks wurden Veränderungen vorgenommen, um ihn der Zeit anzupassen, und diese Veränderungen wurden in ein angeblich marxistisch-leninistisches Gewand gekleidet. Tatsächlich war die Struktur der Partei in China keine Struktur leninistischen Typs, nicht nur, weil dort das Generalbüro und sein Vorsitzender, der Führer der Partei, allmächtig waren, sondern auch noch aus einem anderen Grund: weil in dieser Partei (und die Chinesen selbst geben das zu) mindestens zwei Linien bestanden, denn Mao predigte, es sollten «hundert Blumen blühen», viele Linien zur Entfaltung kommen. Das ist, so habe ich auch schon bei anderer Gelegenheit betont, nichts anderes als der pluralistische Weg zum Sozialismus, einem Sozialismus allerdings, der mit dem in der Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin definierten wissenschaftlichen Sozialismus nichts gemein hat.

Auch was die Frage der staatlichen Organisation anbetrifft, hatten wir immer Zweifel. Man sagte uns, ausser den hohen, zentralen Organen der Staatsmacht und der Staatsverwaltung existierten auch lokale Organe der Staatsmacht und der Staatsverwaltung in den Provinzen. Diese Provinzen in China sind sehr gross und haben Zeigmillionen von Einwohnern, so viel wie ein ganzer Staat, etwa Frankreich, Japan oder die Ukrainische Republik. Wie wurden diese Provinzen geleitet? Sie wurden von einem relativ umfassenden sogenannten Parteikomitee geleitet, es mochte an die 100 Mitglieder haben, von einem Politbüro mit 10-12 Mitgliedern und einem Exekutivkomitee, das mehr oder weniger den Bezirksexekutivkomitees in Albanien vergleichbar war. Für China mit seinem so grossen Territorium, seiner so grossen Bevölkerung, für ein Land mit verschiedenen Nationalitäten war diese verwaltungsmäßige Einteilung verwunderlich.

Wir fragten uns: Wie ist es möglich, dass bei solchen Organisationsformen und bei so grossen Problemen die Verbindungen des Zentrums mit diesem ganzen Territorium und mit diesen Millionen von Einwohnern richtig funktionieren? Das war für uns zweifelhaft und zugleich ein Rätsel. Doch offensichtlich wurden sie persönlich geleitet, durch eine Konzentration von Macht und durch bürokratischen Zentralismus; die Befehle und Direktiven gingen von Mao aus, von hier aus erhielten sie der Ministerpräsident und die Minister zur Umsetzung. Mao schickte also von diesem Generalbüro aus die Befehle direkt an die Provinzsekretäre, und das Fussvolk führte sie aus. Wurden Versammlungen und Konferenzen durchgeführt? Sicherlich, sogar viele, und sie dauerten tagelang. Dabei ging es darum, diese oder jene angeblich grosse Direktive zu erläutern und den Leuten einzubläuen, damit sie sie ganz genau durchführten. Sie wurde dann als Parteidirektive hingestellt, war es in ,Wirklichkeit jedoch nicht, sondern eine persönliche Direktive. Das führt zur Schlussfolgerung, dass es in diesem sogenannten sozialistischen Regime Chinas keine Partei gab, die führte ,und leitete, keine kollektive Führung, sondern nur eine bürokratische persönliche Leitung. Diese Art der Organisation in persönlichen Formen spiegelt sich auch in den Provinzen wider. Sooft es Gruppen- und Fraktionskämpfe gibt, heisst es, diese Provinz halte zu Deng Hsiao-ping, jene zu den «Vier» usw. Nehmen wir Schanghai, eine sehr grosse Stadt mit rund 10 Millionen Einwohnern. Lange Zeit wurde sie als die «Hochburg» der Gruppe der Vier, Dschang, Djiang, Yao und Wang, betrachtet. Später aber wurde sie als Beispiel für Millionen Menschen präsentiert, die auf die Strasse gingen und demonstrierten, um die «Viererbande» zu verurteilen. Hierin spiegelt sich auch die grosse Diskrepanz in der Behandlung von Kadern und Massen in bezug auf Bezahlung und Vergünstigungen wider. Das Volk führte ein einfaches Leben, und man muss sagen, es war zufrieden, hatte doch die Revolution eine gewisse Veränderung in der wirtschaftlichen Lage gebracht, mindestens Arbeit und das tägliche Brot (Reis) gesichert.

Betrug liegt auch in der Verwendung einer marxistischen Terminologie. Mit ihr tarnten Mao Tsetung und seine Clique ihre bürgerlichen, kapitalistischen und revisionistischen Aktivitäten. Als wir die vier Bände der Werke Mao Tsetungs lasen, zogen wir daraus einige Schlüsse, und diese Schlüsse waren positiv. Ich habe sogar geschrieben, es sei schwer, dort irgendein theoretisch falsch behandeltes Problem zu finden. Mao gab viele Parolen aus, die einfach schienen, aber auch verschwommen, philosophisch, marxistisch. In Wirklichkeit entwickelte sich die chinesische Gesellschaft ganz anders. Was geschah also? Warum deckten sich die Schriften Maos nicht mit den Handlungen dieses allmächtigen Menschen? Das ist die Frage, das Rätsel bei diesem Problem, und dieses Rätsel lässt sich nicht anders erklären als durch die Tatsache, dass diese vier Bände der Werke Maos bei ihrer Zusammenstellung und Vorbereitung für die Veröffentlichung natürlich von kompetenten Leuten überarbeitet wurden, die sich im Marxismus auskannten und den revisionistischen Abweichungen Maos einen marxistisch-leninistischen Anstrich zu geben hatten.

Anders lässt sich dieser Zustand, der in China entstand, mit seinen grossen ideologischen und politischen Unruhen, nicht erklären. Anders lassen sich die Unbeständigkeit in der politischen Linie der Partei und die ständige Änderung der Strategie der chinesischen Partei und des chinesischen Staates, von den Taktiken ganz zu schweigen, nicht erklären. Jetzt wird verständlich, warum Mao Tsetung so begeistert war, als Stalin mit Schmutz beworfen wurde, warum er so begeistert von Chruschtschow war, den er als «Lenin unserer Zeit» bezeichnete (was wir mit eigenen Ohren gehört haben). Diese Begeisterung hat ihren Grund darin, dass Mao gegen den Marxismus-Leninismus, gegen den von Lenin aufgebauten und von Stalin gestärkten sozialistischen Staat, gegen die leninistischen Normen der Partei und der Diktatur des Proletariats war, .dass er für eine persönliche Diktatur war und in Chruschtschow einen neuen revisionistischen Diktator sah, einen Feind der Lenin-Stalinischen Prinzipien und Normen.

DONNERSTAG,

15. SEPTEMBER 1977

DIE VERLEUMDUNGEN DER BOURGEOISIE ÜBER UNS

WERDEN IN CHINA DEN KADERN ZUGÄNGLICH GEMACHT

Unsere Botschaft sendet uns aus Peking täglich die für die chinesischen Kader gedachte Materialzusammenfassung von Hsinhua. Diese Materialien strotzen von verleumderischen Artikeln über unser Land. Sie sind den bürgerlichen Zeitungen des amerikanischen Imperialismus und anderer imperialistischer Länder entnommen. Jede Verleumdung dieser Zeitungen wird vom chinesischen Propagandabüro abgedruckt, um den sozialistischen Staat in Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens zu diskreditieren. Dieses Büro steht unter der Leitung des Chefs der Abteilung Internationale Verbindungen des Zentralkomitees, die für die Beziehungen zu den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien auf der Welt zuständig ist.

Ausser den Lügenmärchen dieser Zeitungen, Albanien schreibe ganz offen dies und jenes gegen China - und diese Lügenmärchen werden in den für die chinesischen Kader zusammengestellten Nachrichtenbulletins vervielfältigt - heisst es auch, in unserem Land würden Hunderte von Probchinesen verhaftet, man foltere sie usw. Man schreibt, die albanischen Studenten, die in China lernen, seien nach Albanien zurückgerufen worden und würden nicht mehr nach China zurückkehren. Verleumderisch wird auch behauptet, die Albaner würden sich den chinesischen Spezialisten gegenüber schlecht benehmen und diese seien aus Albanien vertrieben worden.

All diese Verleumdungen der reaktionären westlichen Presse und viele andere werden von den Chinesen abgedruckt und an ihre Kader verteilt. Die Absicht Geng Biaos und der chinesischen Führung ist leicht zu durchschauen. Damit soll nicht nur die Politik unserer marxistisch-leninistischen Partei, die freundschaftliche Politik unseres Staates der Volksrepublik China gegenüber diskreditiert werden. Mit diesen Dingen wollen die Chinesen auch von den Verhaftungen und den Verbrechen, die sie selbst begehen, ablenken, ihre kapitalistische Linie verschleiern, die sie an allen Ecken und Enden vorantreiben und mit den Artikeln in «Renmin Ribao» und anderen Zeitungen, die von den Chinesen bezahlte Pseudomarxisten überall auf der Welt geschrieben haben, zu tarnen versuchen. Anscheinend veröffentlichen die Chinesen in ihrer offiziellen Presse also alle Lobhudeleien über China, Hua Guo-feng, den 11. Parteitag, die Theorie der «drei Welten, Mao Tsetung, Deng Hsiao-ping usw.. usf., während sie den Kadern die Verleumdungen der bürgerlichen. Zeitungen über unsere Partei und unsere Land vorsetzen.

Diese Politik, dieses Vorgehen ist noch nicht einmal bei der reaktionärsten Presse üblich. Einer solch heimtückischen Taktik. bediente und bedient sich noch nicht einmal die Bourgeoisie. Kein bürgerlich kapitalistischer Staat, der sich in Widerspruch und in Feindschaft mit einem anderen Staat befindet, greift zu solchen Verleumdungen und Methoden. Nehmen wir zum Beispiel Griechenland und die Türkei. Sie haben in gewichtigen politischen, ideologischen und territorialen Fragen tiefe Meinungsverschiedenheiten, bedrohen einander sogar mit Krieg, doch sie sprechen offen, kritisieren offen, schimpfen offen und veröffentlichen dies in ihren Zeitungen. Die• Chinesen dagegen drucken für ihre Kader die Verleumdungen der Bourgeoisie über uns ab und machen sich nicht die Mühe, in diesen internen Zeitungen unsere wirklichen Ansichten, die wirklichen Ansichten jener marxistisch-leninistischen Parteien zu veröffentlichen, die sich über die grossen politischen Probleme äußern. Dies ist den Chinesen gar nicht möglich, denn würden sie ihren Kadern. unsere Meinungen bekannt machen, entstünde eine für die Verräter, die im chinesischen Staat und in der Kommunistischen Partei Chinas an die Macht gekommen sind, unerträgliche Situation.

Einst, zur Zeit Mao Tsetungs und Chruschtschows, verfochten die Chinesen die Taktik, in ihren Zeitungen alle Reden Chruschtschows zu veröffentlichen, nicht nur die Reden, in denen er die imperialistischen Beziehungen rühmte, die Reden, in denen er Stalin diskreditierte, sondern auch die, in denen er China angriff. Wir fragten sie: Warum veröffentlicht ihr dar alles? Mao antwortete mit seiner «grossen» Philosophie: «Wir veröffentlichen das, damit die Chinesen von den Fehlern der Sowjets lernen.» Dabei, von dieser «blendenden» Philosophie Maos, profitierten die chinesischen Chruschtschows, Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping - Tschou En-lai nicht ausgenommen. Man veröffentlichte sie so lange, bis Mao sah, dass die Ergebnisse äußerst gefährlich für ihn waren und ihre Veröffentlichung verbot.

Eine andere Frage ist die Haltung der Chinesen zu den neuen. marxistisch-leninistischen Parteien. Sie hatten keinen Funken Vertrauen in die Organisierung dieser Parteien, deswegen unterschätzten, sie sie nicht nur, ihr Prinzip war sogar: «Wir Chinesen werden Verbindung zu allen marxistisch-leninistischen Parteien und Gruppen halten, die gegründet werden, ohne zu unterscheiden, wer recht hat und wer nicht. Später sehen wir dann weiter.» So verstrich eine gewisse Zeit. Als die Chinesen Strategie und Taktik wechselten und grosse prinzipielle Fehler begingen, als sie einen antimarxistischen Weg einschlugen, da nahmen sie auch eine andere Haltung zu den. neuen Parteien ein. Die Parteien, die der KP Chinas lobhudelten, waren ihre Freunde, die anderen dagegen ihre Feinde. Und an der Spitze dieser Feinde steht ihrer Meinung nach die Partei der Arbeit Albaniens. Das ist typisch für diese Renegaten, diese Revisionisten, diese Feinde des Kommunismus, die heute China führen. Doch diese ihre Taktik, diese ihre Handlungen werden nicht lang dauern, denn wie sie es auch anstellen mögen, dar Recht wird sich Bahn brechen, dar Wort und die Meinung der Partei der Arbeit Albaniens und der anderen marxistisch-leninistischen Parteien werden sich Bahn brechen und dar Ohr des chinesischen Volkes erreichen, das Ohr der chinesischen Marxisten-Leninisten, die auch heute zwischen der richtigen Linie unserer Partei und der antimarxistischen revisionistischen Linie der chinesischen Führung zu differenzieren wissen, denn. die Schriften unserer Partei finden nun überall Verbreitung. Dieser Prozess der Differenzierung wird sich noch verstärken, diese Schriften werden eine noch grössere Verbreitung finden, auch wenn von den chinesischen Revisionisten eine scharfe Zensur verhängt werden wird. Doch eine strenge Zensur, so scheint es, wird sich in China nur schwer verwirklichen lassen, denn sie sind dort nicht so organisiert wie die Sowjetrevisionisten, die den alten Apparat des Aufbaus des Sozialismus beibehielten, ihn jedoch in den Dienst ihrer faschistischen Diktatur stellten. In China dagegen herrscht ein Chaos, und dieses Chaos wird, wenn ich mich nicht täusche, noch zunehmen.

Wir stellen fest, dass es in China keine Ruhe, keine Einheit gibt; wir stellen fest, dass keiner denkt wie der andere - in der Führung nicht und erst recht nicht an der Basis. Und dies nimmt den chinesischen Revisionisten die Möglichkeit, so vorzugehen wie die Chruschtschowianer.

FREITAG,

16. SEPTEMBER 1977

WÄGEN WIR ALLES MIT KÜHLEM KOPF AB

Seit Titos Besuch äussert sich die chinesische Propaganda nicht mehr gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Gegen den amerikanischen Imperialismus sagt sie schon seit geraumer Zeit kein Wort mehr. Ebenso wenig spricht diese Propaganda von der «dritten Welt». Was die anbelangt, stieß China auf den Widerstand Titos, der sie als künstliche Einteilung der Welt bezeichnete. Er verfocht und betonte seine Auffassung, es bestünden die Lager, zu denen eine Reihe von Staaten gehörten, außerdem das System der «blockfreien Länder».

Wie ich schon bei anderer Gelegenheit geschrieben habe, bereiteten die Chinesen Tito einen bombastischen Empfang auch in Schanghai, wo er es nicht versäumte, Demagogie à la Tito. zu betreiben - für Jugoslawien, für die «Selbstverwaltung» und für die «sehr fortgeschrittenen» wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen, die Jugoslawien mit dieser grossen Industriemetropole Chinas herstellen könne. Dies sollte, anders ausgedrückt, heissen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika China über Jugoslawien mit fortgeschrittener Technologie versorgen sollen, so dass China sein Gesicht wahren kann, in seinem Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus nicht übel bloßgestellt wird. So gewinnen die Vereinigten Staaten von Amerika, so gewinnt Tito, und so gewinnt auch China. Wer bei diesen revisionistischen Umtrieben verliert, ist die Revolution.

China hat also den Weg des Verrats am Marxismus-Leninismus und an der Revolution eingeschlagen und wird sich noch tiefer darin verrennen. Wir werden diesen Prozess jetzt mit grösster Aufmerksamkeit verfolgen, denn dies betrifft in erster Linie die ganze Welt, im besonderen aber auch uns. Welche Haltung werden die Chinesen uns gegenüber einnehmen? Es ist klar, dass ihre ideologische und politische Haltung im Widerspruch zu unserer stehen wird. Die Opposition und die wechselseitigen Angriffe erfolgen momentan indirekt. Unsere Opposition ist begründet, hat Substanz und ist unanfechtbar. Ihre dagegen ist unbegründet, unfundiert und antimarxistisch.

Sind die Chinesen derzeit an einer solch indirekten Entfaltung der Polemik interessiert, oder wollen sie, dass sie offen betrieben wird? Nach unseren Erfahrungen hat China ständig eine gewisse indirekte Polemik dieser Art praktiziert. Es bekämpfte Tito, um nicht Chruschtschow beim Namen nennen zu müssen; zwei oder drei Jahre lang griff es den «Chruschtschow Nr. 1» an, um nicht Liu Schao-tschis Namen aussprechen zu müssen, gegen den Mao die Proletarische Kulturrevolution ausrief. Deng Hsiao-ping wurde lange Zeit Chinas «Chruschtschow Nr. 2» genannt, usw. Es gibt diese Taktik in Chinas Praxis.

Die Chinesen sagen: «Die anderen sollen uns zuerst attackieren, danach attackieren wir.» Doch auch wir werden uns ihrer Taktik bedienen, solange das Fass noch nicht überläuft. Dann geht es auch darum, dass die Chinesen, um ihre Gemeinheiten zu kaschieren, ihre antimarxistische ideologisch-politische Einstellung zu verbergen, möglicherweise die Handelsbeziehungen normal fortsetzen und, natürlich mit Verspätung, die vertraglichen Verpflichtungen, die sie uns gegenüber eingegangen sind, einhalten. Es kann aber auch sein, dass sie diese Verpflichtungen nicht einhalten oder sie so verschleppen, dass wir gezwungen sind, Note um Note an sie zu schicken. Und das werden wir tun. Auf jeden Fall müssen wir diese Sache auch unter dem Gehsikhfispunkt verfolgen, dass die Chinesen ihren Verpflichtungen uns gegenüber nachkommen. Es ist in unserem Interesse, dass sie ihren Verpflichtungen nachkommen, ohne dass wir dabei irgendein politisches und ideologisches Zugeständnis machen. `1'enn es darum geht, antimarxistische Handlungen von ihrer Seite zu entlarven, werden wir dazu die Formen und Methoden finden, die von allen verstanden werden, ohne das Kind beim Namen zu nennen. So muss unsere gegenwärtige Taktik aussehen, solange sich die antimarxistischen Handlungen der Chinesen gegen uns nicht sichtbar überstürzen. Diese Taktik kann nicht immer gleich bleiben, kann nicht immer von gleicher Intensität sein. Das hängt ab vom Augenblick, von den Umständen und den Fehlern, die die Chinesen begehen werden. Wir müssen alles mit kühlem Kopf abwägen, im Interesse der Weltrevolution, der Reinheit des Marxismus-Leninismus, im Interesse unserer Partei und unseres sozialistischen Vaterlandes.

DONNERSTAG,

6. OKTOBER 1977

DAS SIND ALBERNHEITEN

Die Rede des chinesischen Außenministers vor der UNO war ein Fiasko. Das war keine politische Rede, noch nicht einmal ein gewöhnlicher Artikel, es hörte sich vielmehr an, als spreche Huang Hua vor dem Revolutionskomitee irgendeiner Volkskommune in China. Kann man vor der Organisation der Vereinten Nationen Dinge sagen wie: «Hua Guo-feng ist der weise Führer, und Mao Tsetung persönlich hat ihn zu seinem Nachfolger bestimmt»? Selbst die Königin von England kann, obwohl dort ein Gesetz über die Thronfolge besteht, die Regentschaft im Land nicht einfach an ihren Sohn abtreten, ohne dass zuvor der Kronrat, dann das Unterhaus usw. usf. einberufen worden sind. Dagegen soll in China, einem Land, das sich sozialistisch und marxistisch-leninistisch nennt, Mao Tsetung das Recht haben, selbst den Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten zu bestimmen, wie er dies im Fall von Hua Guo-feng tat. Sagt man auf einer Sitzung der Organisation der Vereinten Nationen, der Vorsitzende der Partei, Hua Guo-feng, habe «auf einen Schlag die Viererbande zerschmettert»? Das sind Albernheiten. Was für einen Eindruck mag eine solche Rede wohl bei den Ländern der sogenannten dritten Welt machen, die China unter seine Fittiche nehmen möchte?

SONNTAG,

9. OKTOBER 1977

DURCH UNSERE HALTUNG ENTLARVEN WIR DIE PLÄNE DER

REVISIONISTEN

Die Rede des Vertreters Albaniens vor den Vereinten Nationen hat einen günstigen Eindruck hinterlassen, und genau das hatten wir angestrebt, besonders im Hinblick auf die kleinen Länder der von den Chinesen erfundenen sogenannten dritten Welt und die angeblich von den Titoisten geführten «blockfreien Länder». Wir entlarvten alle diese «Theorien». Das hat ihre Pläne tatsächlich durcheinandergebracht. Der chinesische Plan von der «dritten Welt» war ein grosser teuflischer Plan mit dem Ziel, China zu einer weiteren Supermacht zu machen, eben indem es sich an die Spitze der «dritten Welt» und der «blockfreien Welt» stellt. Daraus erklären sich auch das Ziel der Pekingreise Titos und das Ergebnis der Gespräche zwischen Hua Guo-feng und Tito. Doch durch unsere Haltung, durch die politische und ideologische Behandlung der Fragen auf dem 7. Parteitag und danach im Artikel vom 7. Juli usw. entlarvten wir die von Mao Tsetung und später seinen Nachfolgern ausgeheckten Pläne.

Nun haben wir diese Arbeit fortzusetzen, denn auf der Welt müssen die richtigen marxistisch-leninistischen Prinzipien siegen und verwurzelt werden, bringen sie doch allen Völkern der Erde die wahre Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität, tragen sie doch bei zur Zertrümmerung und Vernichtung des amerikanischen Imperialismus, des sowjetischen Sozialimperialismus und des chinesischen modernen Revisionismus, der ebenfalls danach strebt, zur Supermacht zu werden.

FREITAG,

14. OKTOBER 1977

EIN REVISIONISTISCHER VERSCHNITT

Gestern Abend las ich den Leitartikel von «Renmin Ribao»: «Über das Blühen von hundert Blumen und das Wetteifern von hundert Schulen», die alte Theorie von Mao Tsetung schon aus der Zeit, als die Clique Liu Schao-tschis, Deng Hsiao-pings, Peng Tschens usw. herrschte, gegen die die «Grosse», ja sogar «Proletarische Kulturrevolution» durchgeführt wurde.

Mao Tsetung brachte diese geradezu «geniale» Idee auf, die seinen opportunistischen Anschauungen entsprach, hatte doch diese Idee zu bedeuten, dass alle bürgerlichen, kapitalistischen, marxistischen, pseudomarxistischen, revisionistischen, trotzkistischen, anarchistischen Ansichten auf jedem Gebiet zur ungehemmten Entwicklung, zur unbeschränkten Diskussion freigegeben werdem sollten. Diese Linie wurzelte in seinen opportunistischen Ansichten, denn wie aus seinen Schriften hervorgeht, hat er den «Sozialismus» in China nicht auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Theorie, sondern eines von ihm produzierten «Theorie»verschnittst geführt, den man «Maotsetungideen» nennt. In diesem «Sozialismus» in China führt nicht nur die Kommunistische Partei Chinas, und das gibt Mao höchstpersönlich zu. Dort führen auch die anderen Parteien der Bourgeoisie, die mit der Kommunistischen Partei Chinas in einer gemeinsamen Front zusammengeschlossen sind. Laut Mao Tsetung müssen auch diese Parteien China regieren, zusammen mit der Kommunistischen Partei. Es versteht sich, dass diese Parteien nach jener «Theorie» nicht nur das Recht haben, beim Aufbau eines neuen China mitzureden, sondern auch ihre philosophischen Anschauungen über die Kunst, die Kultur, den Aufbau des Staats, der Armee usw. usf. zu äußern.

Die Orientierung der Theorie von «den hundert blühenden Blumen und den hundert miteinander wetteifernden Schulen» ging nicht über die philosophische Linie Mao Tsetungs hinaus, nur dass sie als Konkretisierung eines Modellkampfs der Massen, d.h. einer herrschenden Politik der Massendebatten, bezeichnet und gewertet wurde. Was geschah jedoch, als diese «Theorie» des Vorsitzenden Mao in Kraft trat? Es kam, dass die gesamte reaktionäre Bourgeoisie in China begann, Tausende von politischen, theoretischen, kulturellen und anderen Artikeln zu schreiben, die in flagrantem Widerspruch zum Marxismus-Leninismus standen. Mit diesen Artikeln wurde versucht, unter den breiten Volksmassen die Auffassung zu beleben, der in der Sowjetunion unter Stalins Führung aufgebaute Sozialismus sei ungeeignet, deshalb müsse China einen anderen Weg zu seiner Entwicklung beschreiten, den bürgerlich-kapitalistischen Weg. Die ganze Gewaltkampagne, die damals aufgezogen wurde, hatte die Unterstützung der reaktionären Liu-Deng-Clique.

Als man diese Situation erkannte, d.h., als Mao Tsetung und seine Gruppe sahen, dass der Ausbruch dieser «Teufel», die sie selbst aus der Flasche gelassen hatten, äußerst gefährlich war, wurden mit einem Mal Maßnahmen ergriffen, um ihn aufzuhalten. Dieser Ausbruch ging über das hinaus, was Mao beabsichtigt hatte. Ihm und seiner Gruppe gefiel diese Entwicklung des «Erblühens von hundert Blumen und des Wetteiferns von hundert Schulen» zwar, nicht aber in jener Form, die sie annahm. Das zeigte, dass es mit der Entfaltung dieser «genialen» Idee Maos vorbei war.

Jedenfalls entfesselte, wie wir wissen, Mao Tsetung danach die «Grosse», ja sogar «Proletarische Kulturrevolution» - mit den Studenten, der «Roten Garde» und der Armee. Er liquidierte die Partei und die Massenorganisationen und auf diese Weise auch das Hauptquartier Liu Schao-tschis. Tatsächlich liquidierte Mao Liu Schao-tschi sowie Peng Tschen und einige andere reaktionäre Häupter, nicht aber Deng, den Liu Schao-tschi Nr. 2, und einige andere ausgemachte Revisionisten wie ihn.

Machen wir es kurz. Die Kulturrevolution unternahm einige, natürlich lahme, Anstrengungen, denn ihr Kopf, Mao Tsetung, stand nicht auf wirklich marxistisch-leninistischen Positionen, die es ihm erlaubt hätten, eine solche Revolution, d.h. eine Revolution unter der Diktatur des Proletariats, zu Ende zu führen. In dieser Revolution kam aber nicht die Diktatur des Proletariats an die Macht und zur Ausübung; im Gegenteil, diese Revolution - «proletarisch» und «unter der Diktatur des Proletariats», wie Mao sagte - verlief nicht unter der Führung dieser Diktatur, sondern einiger unklarer, nichtrevolutionärer Anschauungen. Während der Grossen Kulturrevolution wurden gute und schlechte Massnahmen ergriffen, bis es Mao Tsetung erneut mit der Angst zu tun bekam, diesmal vor ihr selbst, und nach der Liquidierung Liu Schao-tschis zusammen mit Tschou En-lai die Bewegung bremste, versuchte, China auf die Positionen zu bringen, die Maos eigenen Vorstellungen entsprachen, nicht auf revolutionäre, marxistisch-leninistische, sondern auf opportunistische, liberale Positionen. Und Mao erreichte dieses Ziel, er rehabilitierte Deng und ernannte ihn gar zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und Vizevorsitzenden der Partei.

Indessen gab es nach dem Tod Tschou En-lais im Politbüro eine «Viererbande», wie Hua Guo-feng und Konsorten sie nennen. Sie bezichtigten sie, reaktionär, radikal, pseudolinkes zu sein, in Wirklichkeit nannte man sie aber rechts und sagte, sie sei gegen alles. Hua Guo-feng und Konsorten behaupten, die «Vier» seien dafür gewesen, «die Bourgeoisie an die Macht zu bringen, den Sozialismus zu liquidieren» usw. usf. Und so liquidierte Hua Guo-feng zusammen mit der Armee nach Tschou En-lais und Maos Tod «auf einen Schlag» die «Vier», das heisst, er stabilisierte die Lage durch einen Putsch.

Kommen wir nun zu den «hundert Blumen und hundert Schulen». Die Linie der Putschisten ist also klar. Sie brauchten diese alte «Theorie» Mao Tsetungs, doch - so der in «Renmin Ribao» veröffentlichte Leitartikel - sie wurde von den «Vier» in ihrer breiten Entfaltung behindert. Wenn die «Vier» sie behindert haben, so haben sie daran sehr gut getan; Hua Guo-feng und Deng Hsiaoping mit Konsorten indessen beschuldigen die «Vier», damit ein grosses Verbrechen begangen zu haben, und deshalb haben sie nun diesen Leitartikel veröffentlicht, in dem sie predigen, man müsse die «hundert Blumen und hundert Schulen» sich entwickeln lassen. Das heisst, dass alle konfuzianischen und bürgerlich-kapitalistischen philosophischen Strömungen blühen sollen, und diese idealistische, kapitalistische und pragmatische Ideologie, diese «Maotsetungideen» kleidet man in ein marxistisch-leninistisches Mäntelchen. «Diese neue Entwicklung des fortschrittlichen chinesischen Denkens», heisst es in dem Artikel, «ist die Fortsetzung und die genaue Anwendung der Ideen Mao Tsetungs». So ist es tatsächlich : die Entwicklung der unmarxistischen Ideen Mao Tsetungs.

Das braucht der Revisionistenklüngel, der dort die Macht angetreten hat, um das sozialistische China in ein kapitalistisches Land zu verwandeln. Er braucht es, um den Boden für grosse kapitalistische Investitionen multinationaler Gesellschaften vorzubereiten, für die Schaffung von Großkonzernen in China, die mit den grossen Konzernen Amerikas und der anderen wirtschaftlich entwickelten kapitalistischen Länder, d.h. der «zweiten Welt», kooperieren sollen. Diese Welt und die Großkonzerne, die es in ihr gibt, wollen in China investier en, denn sie haben dort kolossale Interessen. Der chinesische Markt ist unermesslich, China hat grosse Reichtümer. Dementsprechend verlangen diese Länder Stabilität im chinesischen Staat, sie verlangen, dass der Revolution vorgebaut wird. Und um das zu erreichen, genügt es nicht, dass die Staatsmacht in den Händen von Konterrevolutionären liegt, vielmehr müssen auch die Organisation, die Basis und der Überbau des chinesischen Staates kapitalistisch sein. Das heisst, seine wirtschaftlichen, politischen und ideogischen Beziehungen mit den imperialistischen Großmächten müssen sich harmonisch entwickeln. Deshalb kommt ihnen die «Theorie» vom «Blühen der hundert Blumen» und vom «Wetteifern der hundert Schulen», eine typisch revisionistische Theorie, gelegen.

Vorgestern las ich in der französischen Zeitung «Le Monde» einen Artikel, in dem einer ihrer Korrespondenten einige Ansichten des französischen Revisionisten Garaudy behandelte. Darin werden unter anderem die gleichen Ansichten über die Entwicklung von Kunst und Kultur geäußert, wie sie auch die Chinesen vertreten, allerdings ohne den Ausdruck «hundert Blumen und hundert Schulen» zu verwenden. Der Autor des Artikels gibt Garaudys Auffassung wieder, man müsse Kunst, Kultur und Philosophie je nach der Überzeugung und dem Glauben jedes einzelnen sich frei entwickeln lassen. Insbesondere dürfe sich diese Entwicklung auf keinen Fall von überholten Dogmen leiten lassen. Man müsse vielmehr eine Konfrontation der Meinungen gestatten, damit die Zukunft ersonnen und nicht vorausgesehen werde, ersonnen also von den Denkern, denen man die Freiheit lassen müsse, ihre heterogenen Anschauungen zu entwickeln. Anders ausgedrückt: der Artikel zeigt, dass Garaudy genau die gleichen Ansichten predigt wie Mao. Irgendwo schreibt der Korrespondent von «Le Monde», es täte ihm leid, sich während seines Philosophiestudiums an der Pariser Universität nicht auch Kenntnisse in der indischen, der chinesischen, der arabischen Philosophie usw. erworben zu haben.

Ideologisch befinden sich die Chinesen in Gemeinschaft mit allen revisionistischen Strömungen der Welt und stehen auf den gleichen Positionen wie diese. Sie werden ihrerseits die spezifischen Merkmale des chinesischen Revisionismus einbringen, die - bedingt durch die Landschaft der chinesischen Gesellschaft selbst, die Bestrebungen der chinesischen Revisionistenclique und die alte chinesische Philosophie - zutage treten werden. Anders ausgedrückt, der chinesische Revisionismus wird ein ziemlich komplizierter, mystischer und teuflischer Verschnitt sein, denn die Chinesen werden bei der Verteidigung ihrer eklektischen revisionistischen Theorien ständig weiter vorrücken. Kennzeichnend für die revisionistische chinesische Ideologie wird die Erzeugung einer grossen Konfusion im nationalen Maßstab sein, und zwar nicht nur, um die revolutionäre Bewegung zu ersticken und den Marxismus-Leninismus in Misskredit zu bringen. Nein, dieser Eklektizismus wird zugleich auch in der Ideologie der anderen Revisionisten Konfusion hervorrufen, besonders in der Ideologie derer, die den Sowjetrevisionismus unterstützen.

Ideologische Konfusion werden die Chinesen nicht nur getrieben vom Wunsch, den Sowjetrevisionismus bloßzustellen, hervorrufen, sondern auch aufgrund der konfuzianischen asiatischen Psychologie und Mentalität Chinas und der idealistischen asiatischen Philosophie im allgemeinen. Wenn wir von der Philosophie reden, können wir über den Einfluss der Religion auf sie nicht hinwegsehen - des Buddhismus, des Brahmanismus, außerdem des Christentums und des Islam, letzterer in dem Mass, wie sie auf dem asiatischen Kontinent und dem chinesischen Subkontinent eine Rolle zu spielen vermögen.

Darüber hinaus wird Chinas Politik auch von einer grossen, andauernden Unbeständigkeit charakterisiert sein. Lange Zeit werden Heuchelei, Lächeln, zugleich aber auch prinzipienlose Schläge, Angriffe und Gegenangriffe ihre Kennzeichen sein. Diese ganze Politik wird geprägt sein von der Tendenz, auch in den anderen Ländern ein Klima der Konfusion zu schaffen, besonders in Asien und Afrika, wo China seinen eigenen vorherrschenden Einfluss ausüben oder, anders ausgedrückt, sich jene Märkte und Einflusszonen verschaffen kann, die es braucht, um zur Supermacht zu werden.

Unter diesem Blickwinkel muss der Kampf gegen den chinesischen Revisionismus geführt werden. Chinas «grosse» Politik wird nicht nur mit dem entschlossenen Kampf der Partei der Arbeit Albaniens und aller anderen marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt frontal zusammenprallen, sondern zugleich auch mit dem Widerstand der Völker der sogenannten dritten Welt, mit denen China ein verlogenes politisches Spiel mit vielen Gesichtern und vielen Fahnen treiben zu können glaubt. Es wird in Widerspruch zu dem einen oder dem anderen Volk geraten, denn schon allein der Revisionismus schafft Widersprüche. Doch auch Chinas imperialistische Ziele werden nicht nur zwischen ihm und den Imperialisten, nicht nur zwischen ihm und den grossen Industriestaaten, also den anderen Imperialisten, die kleiner sind als der amerikanische Imperialismus und der sowjetische Sozialimperialismus, Widersprüche heraufbeschwören, sondern auch zwischen den Staaten and Völkern, die es «dritte Welt» nennt.

China half Mobutu, stellte sich gegen das kongolesische Volk. Jetzt - beim Konflikt zwischen Äthiopien und Somalia - sehen wir, dass China den Rückzug angetreten hat, weil ihm klar geworden ist, dass es sich in Afrika mit seiner früheren Haltung in Verruf gebracht hat. Gegenwärtig, so scheint es, hält es zu Somalia, das gegen Äthiopien kämpft. Der Krieg zwischen diesen beiden afrikanischen Ländern ist durch die Supermächte verursacht worden, durch die strategischen und wirtschaftlichen Interessen des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus. Der sowjetische Sozialimperialismus hilft Äthiopien, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen helfen Somalia. China musste Somalia gegen Äthiopien unterstützen und tut das nun auch, allerdings sehr vorsichtig. Dennoch schafft das einen weiteren Widerspruch und entlarvt den «grossen» Anspruch Chinas, es sei Beistand der kleinen Völker. Wenn es geneigt wäre, den kleinen Völkern zu helfen, dann müsste es festlegen, was für eine Hilfe es ihnen zu geben hat. Doch China ist nicht in der Lage, solch eine richtige Politik festzulegen, denn seine Politik ist nicht marxistisch-leninistisch, sondern konjunkturabhängig, eklektizistisch, kapitalistisch. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die eine kapitalistische Gruppe zu unterstützen und die andere zu bekämpfen. Wäre Chinas Politik marxistisch-leninistisch, müsste es all jene angreifen, die diese Kriege zwischen den Völkern anzetteln, und den Völkern dieser beiden Länder müsste es ihren wahren Weg zeigen, das heisst, den Weg der wahren Unabhängigkeit, Freiheit und Souveränität, um sie so dem Einfluss und den Einmischungen der Imperialisten und Revisionisten zu entziehen. Das vermag China nicht, deshalb wird seine Politik stets eine konjunkturabhängige, eine kapitalistische Politik sein, eine Politik der ständigen Widersprüche, eine Politik, die es politisch und ideologisch diskreditieren wird.

Chinas wahre Absicht ist es, in erster Linie von den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch von Japan, von Westdeutschland, von Frankreich usw. Kredite zur Stärkung seiner Armee und seiner Wirtschaft zu erhalten. Das sind die beiden Ziele Chinas in Politik und Ideologie. An dieser Ausrichtung ist nichts Marxistisch-Leninistisches. Im Gegenteil, das ist eine bürgerliche Politik und Ideologie, die China zwar in einen Staat mit grossem wirtschaftlich-militärischem Potential, aber mit kapitalistischer Basis und kapitalistischem Überbau verwandeln wird.

Mit jedem Tag und mit jedem Monat werden die Marxisten Leninisten diese antimarxistische Politik Chinas noch klarer erkennen. Auch die armen Völker der Erde, die nach wahrer Freiheit und Unabhängigkeit streben, wollen sich von den Ketten des Kapitals befreien. Auch sie werden täglich klarer erkennen und durchschauen, dass die chinesische Politik genauso versklavend ist wie die Politik des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus. Sie werden begreifen, dass China mit den reaktionären Führungen dieser Länder Politik macht und nicht mit den Völkern.

Natürlich müssen wir Marxisten-Leninisten, besonders die Partei der Arbeit Albaniens, einen grossen und scharfen, ungleichen Kampf gegen alle imperialistisch-revisionistischen Mächte führen. Der Kampf, den wir gegen den chinesischen Revisionismus führen, ist natürlich hart und wird immer heftiger werden, ungeachtet der Taktik, die wir aus den angeführten Gründen vorläufig beibehalten werden. Doch das Problem liegt darin, dass alle anderen wahren marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien begreifen müssen, dass wir es mit einem grossen Feind zu tun haben und dass unser Kampf sehr scharf, sehr kompliziert ist, dass wir deshalb in seinem Verlauf auf grosse Schwierigkeiten und Hindernisse stossen, aber auch Siege erringen werden.

Die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien auf der Welt haben eine intensive Arbeit zu leisten, um die Massen der Arbeiter und alle Werktätigen ihrer Länder über die Ziele der Partei, über ihr Minimal- und Maximalprogramm aufzuklären. Es ist wichtig, dass diese Arbeit konkretisiert wird, und sie wird nach und nach konkretisiert werden, doch die Konkretisierung muss zementiert sein und nicht oberflächlich, denn eine oberflächliche Konkretisierung schafft nicht jene solide Möglichkeit, die kritischen Phasen und die schwierigen Augenblicke zu überwinden, auf die die marxistisch-leninistische Bewegung, der Sozialismus, der Kommunismus und die Revolution auf der Welt stossen werden.

MONTAG,

24. OKTOBER 1977

DENG HSIAO-PINGS INTERVIEW IST EIN FASCHISTISCHES

INTERVIEW

Vergangene Woche gab Deng Hsiao-ping AFP (der französischen Nachrichtenagentur) ein Interview, in dem er viele Probleme behandelte und eine Reihe von Fragen des Korrespondenten der Agentur beantwortete. Im allgemeinen zielten die Fragen von AFP darauf ab, die Ansichten der chinesischen Führung, besonders Deng Hsiaopings, kennenzulernen. Und dieser äußerte offen, ungeschminkt die Ansichten der chinesischen Regierung.

Das Hauptproblem, auf das er einging, war, dass die Spannung auf der Welt gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, nach Meinung der chinesischen Revisionisten der Hauptfeind, noch mehr erhöht werden müsse. Deng Hsiao-ping sprach offen davon, die ganze Welt müsse mobilisiert und in einer gemeinsamen Front vereinigt werden, um die Sowjetunion niederzuwerfen, ihre Kriegspläne zu durchkreuzen. «Der von der Sowjetunion ausgebrütete allgemeine Kriegsplan muss zerschlagen werden», sagte er, «und ich hoffe, dass dieses Bemühen die ganze Welt umfassen wird, die dritte Welt, die zweite Welt und sogar die erste Welt, d.h. die USA.» «Diese Mobilisierung», fuhr Deng Hsiao-ping fort, «muss allseitig sein - politisch, ideologisch, wirtschaftlich und militärisch.» Und er rief die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen grossen imperialistischen Staaten auf, die Versorgung der Sowjetunion mit Getreide, mit Technologie usw. einzustellen.

«Wir werden», so erklärte Deng Hsiao-ping, «jegliche ausländische Technik und Technologie nehmen, unsere Wirtschaft stärken, unsere Armee und unsere Landesverteidigung stärken und bereit sein für den Krieg gegen die Sowjetunion.» Aus Dengs Antworten geht klar hervor, dass sich China von den Imperialisten grosse Hilfe ~ erspricht. Deng Hsiao-ping erklärte: «Wir werden die Politik des vorsitzenden Mao auf dem Feld der auswärtigen Angelegenheiten for tsetzen, besonders die Theorie der drei Welten, die in Zukunft die Grundlage unserer Aussenpolitik sein wird. .. Ich war im Jahr 1974 der erste, der diese Theorie vor den Vereinten Nationen darlegte». Und an den AFP-Korrespondenten gewandt, setzte er hinzu: «Der erste, der Beifall spendete, war Ihr ehemaliger Aussenminister Michel Jobert.»

Auf die Frage nach der Kritik unserer Partei an der Theorie der «drei Welten» antwortete Deng Hsiao-ping: «Diese Kritik hat für uns keinerlei Bedeutung. . . Wenn einer diese Theorie nicht akzeptieren will, so ist das seine Sache. Der fanatischste Gegner der Theorie der drei Welten ist die Sowjetunion.» Mit anderen Worten, für Deng Hsiao-ping sind wir Albaner das Sprachrohr der Sowjetunion.

Dieser chinesische Faschist gerät in Widerspruch zur Theorie der chinesischen Führung und widerspricht sich selbst, wenn er im Anschluss an die Behauptung, die Sowjetunion sei der gefährlichste und Hauptfeind, die These vertritt, die Sowjetunion sei schwach, weil es ihr an Getreide, an Brot, an Technologie mangle und es nicht wahr sei, dass sie ein Übergewicht an atomaren Massenvernichtungswaffen besitze usw. Ein solch wildes faschistisches Subjekt, das sich als Marxist-Leninist ausgibt und dabei den blutigen imperialistischen Weltkrieg predigt, hat es noch nie gegeben. Das ist Deng Hsiao-ping, hinter dem die Clique der faschistischen chinesischen Armee und sicher auch Hua Guo-feng steht.

Trotzdem, Deng Hsiao-ping erwähnte, in diesem Interview den berühmten Vorsitzenden Hua Guo-feng mit keinem Wort. Er sprach als Vorsitzender der Partei, als Ministerpräsident, als Diktator Chinas, sprach mit unbeschränkter Autorität und herausfordernder Arroganz über seine aggressiven Ziele und eine offene, allseitige Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika und den entwickelten kapitalistischen Ländern der Welt.

In diesem Interview Deng Hsiao-pings sucht man vergebens nach dem Wort «sozialistisch» oder den Begriffen «sozialistisches Land» und «Marxismus-Leninismus». All das ist aus dem Wortschatz dieses Faschisten verschwunden.

Gefragt, was er vom «Eurokommunismus» halte, erklärte Deng Hsiao-ping, er sympathisiere noch nicht mit diesen Parteien, da er den Verdacht habe und befürchte, sie wollten in die Regierungen ihrer Länder eintreten, um eine Entspannung mit der Sowjetunion herbeizuführen. Selbst aber sprach er sich offen gegen eine Entspannung aus. Er betonte, es müsse alles nur mögliche getan werden, um die Spannung zu erhöhen, also die Psychose des neuen imperialistischen Kriegs zu schüren. Weiter sagte er über diese Parteien, China wisse «die Unabhängigkeit, die sie gegenüber der Sowjetunion bekundet haben, zu schätzen, . . . doch wir müssen noch abwarten, ob sich das auch bewahrheiten wird». Und um die Sache abzurunden, setzte er hinzu: «Wir sind mit diesen Problemen nicht so vertraut, befinden sich doch diese Parteien weit von China entfernt, in Europa.» Deng Hsiao-ping betreibt eine nicht nur europäische, nicht nur asiatische, sondern eine «grosse» Weltpolitik. Wenn er also behauptet, er wisse nicht genau Bescheid über den .«Eurokommunismus», weil die «Eurokommunisten» in Europa sitzen, dann zeigt er damit seine faschistischen Anschauungen, lässt er offen erkennen, dass ihn nichts interessiert, dass er nichts vom Klassenstandpunkt aus, sondern alles nur unter dem Blickwinkel der Entfesselung eines blutigen atomaren Weltkriegs betrachtet.

Das waren die Kernpunkte dieses Interviews, das Deng Hsiaoping gab. Zum Abschluss des Interviews versäumte es AFP nicht hinzuzufügen, er habe, als es um die Frage unseres Landes ging, erklärt, Albanien sei das Land, das China wegen der Theorie der «drei Welten», wegen seiner Annäherung und Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika angegriffen habe.

Wie schrecklich für die Geschicke der Menschheit und der Revolution ist doch die gegenwärtige Politik Chinas, wie gefährlich ist doch dieser Mann, wie gefährlich die Clique, die nun in China herrscht!

Wir bemühen uns, Chinas Annäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika und die kapitalistische Grossbourgeoisie der Welt mit Fakten und Dokumenten zu belegen, doch um das zu erkennen, ist tatsächlich nicht viel Verstand nötig, erzählen doch Deng Hsiaoping und seine Clique selbst weit und breit offen, sie seien nicht nur für eine Annäherung, sondern sogar für ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und allen Kriegstreibern der Welt. Es lässt Deng Hsiao-ping kalt, dass es gerade die Völker und das Proletariat aller Länder sind, die ein Vorgehen, wie er es vorschlägt, in ein Blutbad stürzen würde. Ebenso kalt lässt diesen Faschisten der Befreiungskampf, den die Völker gegen den Imperialismus, den Sozialimperialismus, den Revisionismus aller Schattierungen und die reaktionäre Bourgeoisie ihrer Länder führen. Deng Hsiao-ping und die chinesische Führungsclique sind gegen diese Befreiungskämpfe, deshalb rufen sie zu ihrer Einstellung und zur Unterwerfung der Völker unter das faschistische chinesische Diktat auf.

Das sind wahrhaftig die Ansichten eines blutrünstigen Wahnsinnigen. Die linken Elemente in China haben mit vollem Recht Mao Tsetungs Schritt verurteilt, diese Bestie zu rehabilitieren, die später erneut gestürzt wurde. Doch als die Konterrevolution mit Hua Guo-feng an der Spitze die Macht ergriff, liquidierte dieser die sogenannten Vier, rehabilitierte Deng Hsiao-ping, den sogar er selbst bezichtigt hatte, ein gefährlicher Revisionist und ein Rechter zu sein. Inzwischen hat jedoch Deng Hsiao-ping alle Hemmungen abgelegt. Das zeigt ebenfalls, dass es in der chinesischen Führung tiefe Widersprüche und Spaltung geben muss.

In den Nachrichten heisst es, Wu Dö und Tschen Hsi-liän würden gerade kaltgestellt. Sie waren zwei Elemente im Politbüro, die zusammen mit Hua Guo-feng Deng Hsiao-ping attackierten. Nun beschuldigt man sie in Dazibaos, sie hätten keine Selbstkritik geübt. Das heisst mit einem Wort, sie haben sich Deng Hsiao-ping nicht unterworfen. Doch anscheinend ist auch Hua Guo-feng nicht völlig einverstanden mit Deng Hsiao-ping, und zweifellos lavieren er und seine Gruppe, um Deng und seine Gruppe auszuschalten.

Die Geschichte des chinesischen Staates ist nichts als eine Aufeinanderfolge von Putschen, bei denen es darum geht, welche truppe die Macht in ihre Hand bringt und ihre Politik macht. Deshalb werden wir in dieser Hinsicht in China noch viel erleben, denn dia Gruppe Deng Hsiao-pings möchte allmächtig werden.

Es ist kein Zufall, dass Deng Hsiao-ping diese Politik der Weltöffentlichkeit so unverhüllt verkündete. Natürlich nimmt die gesamte Weltöffentlichkeit, nehmen nicht nur die Marxisten-Leninisten, sondern auch die kapitalistische Grossbourgeoisie, auch der amerikanische Imperialismus eine derart brutale Politik, ein derart brutales Diktat von seiten Deng Hsiao-pings nicht hin. Sie durchschauen Chinas Absichten: grosse Kredite von den imperialistischen und kapitalistischen Ländern zu erhalten, seine Armee und seine Wirtschaft zu stärken, zur Supermacht zu werden und ein Gegengewicht zur Macht der beiden grössten Staaten, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, zu bilden. Gewiss sind die Amerikaner und all die internationalen Gesellschaften, die China, die Sowjetunion, Osteuropa und einander finanzieren, nicht so verrückt, den Weg zu gehen, den Deng Hsiao-ping empfiehlt. Zweifellos bricht der Krieg aus, wenn sich die Widersprüche aufs äußerste zuspitzen. Und diese Widersprüche spitzen sieh wirklich zu. Auf der Welt gibt es wichtige Elemente im Hinblick auf einen Kriegsausbruch, gibt es auch Investitionsgesellschaften, die als Katalysator dabei nicht übersehen werden können. Und genau diese multinationalen Gesellschaften, diese gewaltigen Truste sind es, die den Regierungen die Politik diktieren.

Ich erinnere mich an eine brutale Äußerung Chruschtschows, die von einer Zeitung veröffentlicht wurde. Als eine italienische Delegation in die Sowjetunion kam, um über italienische Investitionen dort zu verhandeln, zeigte Chruschtschow, ohne sich um die beiden italienischen Minister zu kümmern, sofort mit dem Finger auf Agnelli, den Präsidenten von FIAT, und sagte : «Mit dir will ich mich unterhalten, denn die andern da sind heute an der Macht und morgen nicht mehr. Du dagegen wirst immer an der Macht sein, weil du die Macht bist und nicht die da.» Diese Aussage Nikita Chruschtschows war nicht ohne Grundlage. Schlussfolgernd können wir sagen, dass es nicht Deng Hsiao-ping mit seinem Geschwätz ist, der über die Geschicke der Welt entscheidet.

MONTAG,

31. OKTOBER 1977

EIN ANTIMARXISTISCHES DOKUMENT

Einige vorläufige Bemerkungen zum redaktionellen Artikel

der Zeitung «Renmin Ribao» über die «Dreiteilung der Welt»

Dieser lange, angeblich theoretische Artikel ist durch und durch pseudomarxistisch. Ich werde noch ausführlich auf seinen Inhalt und seinen Zweck eingehen, doch heute möchte ich vorweg betonen, dass dieser Artikel als Entgegnung auf die Thesen unseres 7. Parteitags, seine zentrale Idee und ihre genaue Darlegung in verschiedenen von uns veröffentlichten Artikeln geschrieben wurde.

Ich glaube, dass die Chinesen diesen Artikel deshalb mit ziemlicher Verspätung herausbrachten, weil sie zunächst die kommunistische Weltmeinung und die. Weltmeinung ganz allgemein über die Thesen unseres Parteitags und ihre Weiterentwicklung in den Artikeln, die wir später veröffentlichten, erkunden mussten. Sie sahen, dass die Welt auf die Thesen unserer Partei sehr positiv reagierte. Die Welt verstand, dass wir die pseudomarxistischen Thesen von Mao Tsetungs Theorie der «drei Welten» sowie Chinas Vorstoß in Richtung auf die Freundschaft und das Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus attackierten.

Anfänglich war es die Taktik der chinesischen Revisionisten, jene pseudo-marxistisch-leninistischen Parteien zu sammeln, die ihnen hinterherlaufen, etwa die «Kommunistische» Partei Frankreichs/ Marxisten-Leninisten, die Belgiens, Hollands usw., und sie gegen uns aufzuwiegeln. Diese Taktik 'brachte ihnen überhaupt nichts ein, weil das, was die Chinesen und ihre Lakaien taten, bei niemandem Gehör fand. Unter diesen Umständen sah sich China genötigt, diesen Artikel herauszubringen, mit dem in erster Linie nachgewiesen wer den soll, dass die Partei der Arbeit Albaniens die internationale Lage nicht einer richtigen marxistisch-leninistischen Analyse unterzogen habe, dass sie nicht in der Lage sei, die Ereignisse auf wirklich marxistisch-leninistische Weise zu interpretieren. Die Chinesen wallen also mit diesem Artikel vor allem Mao Tsetungs Theorie der «drei Welten» «untermauern», ihr den Anstrich geben, als stütze sie sich völlig auf die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Zu diesem Zweck wird auch eine Unzahl von verstümmelten und verdrehten Zitaten der Klassiker des Marxismus-Leninismus angeführt. Mit diesen Zitaten versuchen die Chinesen zu «belegen», dass der Sowjetrevisionismus gegenwärtig die Hauptgefahr darstelle, woraus die Notwendigkeit erwachse, ein Bündnis der «dritten Welt» mit der «zweiten Welt» und den Vereinigten Staaten von Amerika herzustellen, um den sowjetischen Sozialimperialismus zu zerschlagen.

In diesem Artikel versuchen die Chinesen die Notwendigkeit der Einheit des Proletariats und der unterdrückten Völker zur Herstellung eines Bündnisses mit ihren Unterdrückern «nachzuweisen»! Sie versuchen zu demonstrieren, aus der Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin ergebe sich, dass wir Albaner die Augenblicke, die Bündnisse nicht verstehen, dass wir nicht verstehen, worin die Hauptgefahr besteht, und schließlich, dass wir nicht die Rolle begreifen, die die Staaten der «dritten Welt», ihrer Meinung nach die Hauptkraft der Revolution, angeblich zu spielen haben!

Ein weiteres Ziel, das die Chinesen mit diesem Artikel verfolgen, ist, in allen Ländern, vor allem aber den Ländern der «dritten Welt», den Eindruck zu verwischen, den die Thesen unseres 7. Parteitags bei der internationalen Öffentlichkeit hinterlassen haben, und die grosse Resonanz, die der Artikel von «Zëri i popullit» «Theorie und Praxis der Revolution» gefunden hat, zu beseitigen. Die Theorie der «drei Welten» ist ein Schlüsselproblem für China. Indem es sich selber zu dieser gewissen «dritten Welt» rechnet, versucht es, seine Hegemonie ideologisch zu rechtfertigen. Die antimarxistische chinesische Strategie der «drei Welten», die sich in ein marxistisches Mäntelchen kleidet, hat das Ziel, sich die wirtschaftliche, militärische und politische Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika zu sichern, in den Ländern der «dritten Welt» Chinas antimarxistische Ideologie zu verbreiten, ständig und sorgfältig eigene Märkte in die ser Welt zu erschließen und gleichzeitig den Sowjetrevisionismus an der Besetzung neuer Märkte zu hindern. Auf diese Weise versucht China, mit einer Klappe gleich mehrere Fliegen zu schlagen.

Diese konterrevolutionären strategischen und praktischen Ziele Chinas haben wir entlarvt, und wir müssen sie auch in Zukunft entlarven. In diesem neuen Artikel von «Renmin Ribao» ist nicht die Rede von der Revolution, denn für die Chinesen ist Lenins These, dass der Imperialismus das letzte Stadium des Kapitalismus und der Vorabend der proletarischen Revolution ist, überholt. Die proletarische Revolution existiert für die Chinesen nicht mehr, ist für sie doch das Bündnis mit der Bourgeoisie, mit dem Weltkapitalismus, mit dem amerikanischen Imperialismus an die erste Stelle getreten. Diese chinesische Variante des modernen Revisionismus hat sich nicht nur in den Dienst des amerikanischen Imperialismus gestellt, sondern lässt auch die Tendenz erkennen, alle anderen Revisionistencliquen, die an der Macht sind, die Staatsmacht in der Hand haben, von den Titoisten bis zu den polnischen Revisionisten, um sich zu scharen.

Ein weiteres Ziel der Chinesen ist, die Revisionistencliquen der Länder Osteuropas von der Sowjetunion zu lösen und im Rahmen der sogenannten dritten und zweiten Welt in einem Bündnis an China und den amerikanischen Imperialismus zu binden. China versucht, eine buntscheckige Einheit der Revisionisten auf der Welt zu schaffen, um sie in die Lage zu versetzen, gemeinsam den «Dirigentenstab» zu zerbrechen - den Sowjetrevisionismus, der dadurch, dass er die Nachfolgerschaft Lenins für sich in Anspruch nimmt, weiter Einfluss auf der Welt hat, und der gegenwärtig die Länder Osteuropas unter seinem Joch hält. Der chinesische Revisionismus ist also die Variante des modernen Revisionismus, die in verschiedenen Formen die Vereinigung des Revisionismus überall auf der Welt herzustellen und die eigene Hegemonie zu errichten sucht. Der chinesische Revisionismus arbeitet mit dem Imperialismus zusammen, damit der Sozialismus auf «friedlichem» Weg, in «demokratischen» und «parlamentarischen» Formen, ohne die gewaltsame Revolution, ohne die Hegemonie des Proletariats, also durch eine soziale Revolution unter Führung vieler Parteien, durch Pluralismus siege. Santiago Carrillo, Generalsekretär der «Kommunistischen» Partei Spaniens, hat sich so ausgedrückt: es gehe darum, den heutigen kapitalistischen Staat auf «demokratischem», «parlamentarischem» Weg umzugestalten, und nicht darum, ihn in den Fundamenten zu zerschlagen. In diesem Staat à la Carrillo sollen auch die bürgerlichen Parteien ihren Platz haben. Carrillo predigt, diese «sozialistische» Umgestaltung solle nicht durch Revolution, sondern immer schön sachte und schrittweise vollzogen werden.

Natürlich werden weder der amerikanische Imperialismus noch die entwickelten kapitalistischen Länder des Westens den von China oder Carrillo gepredigten Weg gehen. Sie werden, ohne auf sie zu hören, für ihre eigenen Interessen, um Hegemonie kämpfen. Gegenwärtig sind die Imperialisten und Kapitalisten daran interessiert, grosse Profite aus den Investitionen herauszuholen, die sie in der Sowjetunion und den ehemals volksdemokratischen Ländern vorgenommen haben und vornehmen. Ebenso sind sie an Investitionen auch in China interessiert. Dieses Ziel werden der amerikanische Imperialismus und die anderen Imperialisten niemals aus dem Auge verlieren, denn durch seine Verwirklichung stärken sie nicht nur ihre wirtschaftlichen, sondern auch ihre politischen und militärischen Positionen und bringen so all diese Länder in eine gewisse Abhängigkeit von sich. Das muss auch der Sowjetunion und China auffallen. Trotzdem sind beide nicht daran interessiert, wegen eines Flohs das ganze Bett zu verbrennen.

Vor allem hat die Sowjetunion kein Interesse daran, einen Krieg in Europa vom Zaun zu brechen, denn dies würde schwere Folgen für sie haben. Falls die Sowjetunion den Krieg ~beginnt, dann wird sie beim schwächsten Kettenglied des Kapitalismus ansetzen, das heranwächst - und das ist gegenwärtig China, das zudem über grosse Reichtümer verfügt, die sich ausbeuten lassen. Wie jeder andere Imperialismus wird auch der sowjetische Imperialismus dort zuschlagen, wo am meisten zu gewinnen ist, und nicht dort, wo kein Gewinn zu holen ist wie beispielsweise in Europa. Was er in diesem Raum zu gewinnen hätte, wäre die vollständige Errichtung seiner Hegemonie, doch das ist unmöglich, denn auch wenn der sowjetische Sozialimperialismus es schaffen würde, sich Europa militärisch einzuverleiben, so sähe er sich doch durch die europäischen Völker, die er nicht lange ausbeuten und in Knechtschaft halten könnte, vor ein gewaltiges Hindernis gestellt.

An der Seite des amerikanischen Imperialismus versuchen die chinesischen Revisionisten durch Lüge, durch pseudomarxistische Schlagworte ideologisch und wirtschaftlich in die Länder der «dritten Welt» einzudringen, um dort ihre Hegemonie zu errichten. China, das zur Supermacht werden will, arbeitet also daran, zunächst politisch und ideologisch den Boden vorzubereiten, danach aktiv zu werden, indem es in diese Länder sein Kapital einströmen lässt, wenn es dieses zu schaffen vermag, und später auch mit militärischer Drohung vorzugehen, wie das jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion tun.

Die Führung der Kommunistischen Partei Chinas meint nun, die Widersprüche, die in den Beziehungen zwischen ihr und der Partei der Arbeit Albaniens aufgetreten sind und ständig zunehmen werden, bestünden nur in der Beurteilung der internationalen Probleme. Tatsächlich 'besteht einer der wichtigsten Widersprüche zwischen uns genau in der Behandlung dieser Probleme, doch die Widersprüche zwischen uns wurzeln tiefer. Als marxistisch-leninistische Partei enthüllt die Partei der Arbeit Albaniens durch die Untersuchung der internationalen Situation, wo die antimarxistischen Anschauungen der Kommunistischen Partei Chinas auf diesem Gebiet ihren Ursprung haben. Ganz allgemein entspringen unsere Widersprüche zu dieser Partei der Tatsache, dass die Kommunistische Partei Chinas keine marxistisch-leninistische Partei ist. Weil sie keine solche Partei ist, kann in China die Diktatur des Proletariats gar nicht bestehen, kann dort der Sozialismus gar nicht aufgebaut werden. Im grossen und ganzen ist unserer Partei dieses Problem klar, trotzdem hat sie die Aufgabe, es noch gründlicher zu untersuchen.

Im redaktionellen Artikel von «Renmin Ribao» ist mit keinem Wort von der Hegemonie des Weltproletariats und von seinem Kampf die Rede. Das Schweigen zur hegemonischen Rolle des Proletariats erklärt sich daraus, dass die Kommunistische Partei Chinas das Proletariat niemals als die führende Klasse in der Revolution betrachtet hat. Und genau das ist der Grund dafür, dass die chinesische Revolution weder vom Proletariat noch von seiner Ideologie geführt wurde. An der Spitze dieser Revolution stand die Bauernschaft. Das blieb auch nach der Proklamation der Volksrepublik China so. Hier findet sich die Erklärung für den Antimarxismus der chinesischen Revisionisten nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch auf internationaler Ebene. Ausgehend von einer Interpretation der Widersprüche und der Bündnisse der verschiedenen Kräfte, die ihren antimarxistischen Vorstellungen entspricht, versäumen sie es nicht, Vergleiche mit den Bündnissen anzustellen, die China zur Zeit seiner Revdlution einging.

Die letztgenannten Fragen müssen wir noch gründlicher untersuchen, nicht nur, weil sie die Grundlage der grossen theoretischen und praktischen Fehler darstellen, die in China begangen wurden, sowohl in seiner Innenpolitik als auch in seiner Aussenpolitik, sondern auch, weil sie nicht genau ausformuliert sind und so die Möglichkeit offenlassen, sie unterschiedlich zu verstehen und auszulegen. Das liegt eben daran, dass Mao Tsetungs Theorie eklektisch und aus diesem Grund, wie ich auch auf dem 2. Plenum des Zentralkomitees gesagt habe, nur schwer zu fassen ist. Wir haben keine schriftlichen Dokumente über die konkrete Umsetzung der Parteilinie in China. Auch die Dokumente, die es gibt, reflektieren nicht die Realität des Aufbaus in China, die Realität des Aufbaus der Partei und die leninistischen Normen, die die sogenannte Kommunistische Partei Chinas hätte anwenden müssen, aber nicht angewendet hat. In den offiziellen Dokumenten, die wir kennen, gibt es Fragen, die theoretisch richtig dargestellt sind, doch ihre praktische Umsetzung geschah nicht auf marxistisch-leninistischem Weg, die Organisation und die Linie der Partei waren nicht richtig, was sich an den katastrophalen Ergebnissen zeigt, die wir nun sehen.

Wie ich schon zu Beginn betonte, werde ich noch einmal auf dieses antimarxistische Dokument der Kommunistischen Partei Chinas zurückkommen, um es genauer und besser zu analysieren. Diese Analyse wird dazu beitragen, die Überzeugung unserer Parrei, dass Chinas Weg falsch ist, noch mehr zu festigen. Ausserdem werden wir dafür sorgen, dass auch unsere internationalistischen. kommunistischen Genossen der anderen Parteien und die Weltöffentlichkeit über diese Arbeitsformen aufgeklärt werden, wie sie die Kommunistische Partei Chinas praktiziert, die zum Angriff auf die richtige marxistisch-leninistische Linie unscrer Partei übergegangen

DONNERSTAG,

3. NOVEMBER 1977

NOCH EINMAL ÜBER DEN CHINESISCHEN ARTIKEL ZUR

THEORIE DER «DREI WELTEN»

Dies ist ein antimarxistischer Artikel, denn er leugnet die proletarische Revolution und nimmt den Imperialismus, die Bourgeoisie und die internationale Reaktion in Schutz. In diesem Artikel wird die Einheit des Proletariats mit dem Kapitalismus gepredigt. Durch ihn soll der Boden vorbereitet werden, um China zu einer Supermacht zu machen. Die vorherrschende These der Chinesen auch in diesem Artikel ist der Widerstand gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Aus Demagogie, und um die Leser ihrer Presse oder die wohlgesonnenen Hörer ihres Radios leichter täuschen zu können, stellen sie jedoch dem sowjetischen Sozialimperialismus auch den amerikanischen Imperialismus an die Seite. Das tun die Chinesen, weil sie gesehen halben, dass ihre These, wonach «der amerikanische Imperialismus wie eine Maus geworden ist. . .», nicht gut aufgenommen und entlarvt worden ist.

Aus dem Artikel ergibt sich, dass die «Maus» nicht länger eine Maus, sondern eine Supermacht ist, die über eine starke Wirtschaft und ein grosses Militärpobential verfügt, zu weltweiter ökonomischer Expansion neigt. Die Sowjetunion sei genauso, nur, so die chinesischen Revisionisten, aggressiver.

Studiert man diesen Artikel aufmerksam, dann zeigt sich, dass die chinesischen Revisionisten versuchen, Mao Tsetung zeitige Phrasen in den Mund zu legen, in denen es um die Unerlässlichkeit geht, die enge Verbundenheit mit den sozialistischen Ländern zu verstärken, um die Verbundenheit mit dem Weltproletariat, den unterjochten Nationen usw. In Wirklichkeit machen sie jedoch genau das Gegenteil von dem, was sie sagen; denn sie erfüllen keine dieser Pflichten gegenüber den sozialistischen Ländern und dem Weltproletariat. Im Gegenteil, ihre ganze Politik zielt darauf ab, die Einheit des Weltproletariats zu spalten und die Einheit der sozialistischen Länder zu zerstören. In Wahrheit können die chinesischen Revisionisten nicht für die Einheit der sozialistischen Ländern sein und sind es auch nicht, denn sie zählen sie zur «dritten Welt».

Eine andere Frage, um die es im Artikel geht, ist die «schöne Phrase» vom unerlässlichen Kampf gegen alle Erscheinungen des Großmachtchauvinismus in den internationalen Beziehungen. Die chinesischen Revisionisten versäumen es nicht, sie bei passender und unpassender Gelegenheit wiederzukäuen. Wir Albaner, die in der Praxis unserer Beziehungen mit China den chinesischen Großmachtchauvinismus sehr deutlich erkennen konnten, begreifen genau, dass diese Phrasen von vorne bis hinten Bluff sind. So wie wir denken auch viele andere Nationen und Staaten auf der Welt.

Die chinesischen Revisionisten erklären, die internationale Lage müsse in verschiedenen Perioden wissenschaftlich analysiert werden. Diese These wird von ihnen sehr oft betont, wollen sie doch damit einerseits die anderen davon überzeugen, ihre Analysen seien genau, auf der Höhe der Zeit, und andererseits ihre strategische Abweichung und ihre unproletarischen, pseudomarxistischen Taktiken irgendwie rechtfertigen, also ihr Abschwenken vom Kurs des Marxismus-Leninismus verhüllen. So oft diese Schlagworte auch benutzt werden, sie können den Verrat der chinesischen Revisionisten nicht tarnen.

Nach Aussage den chinesischen Revisionisten ist die Theorie der «drei Welten» vom Vorsitzenden Mao Tsetung erfunden worden. Sie behaupten, Mao habe damit eine «Zusammenfassung der objektiven Gegebenheiten des weltweiten .gegenwärtigen Klassenkampfes» geleistet, es sei dies «eine Übernahme, Verteidigung und Weiterentwicklung der Grundsätze des Marxismus-Leninismus». Es ist eine gute Sache, dass die chinesischen Revisionisten die Vaterschaft für diese These bestimmt haben, zeigt sich doch daran der übertriebene Eifer, mit dem sie die Ideen deT Feinde des Marxismus-Leninismus für sich mit Beschlag belegen. In Wirklichkeit sind die «drei Welten» nicht dem Hirn Mao Tsetungs entsprungen.

Dieser Begriff war auf der Welt schon geläufig, ehe ihn die Chinesen benutzten, also schon vor dem Jahr 1974. Die kapitalistische Welt, die gegen Marx und Lenin ist, benutzte den Begriff «dritte Welt», um zu zeigen, dass es neben den grossen und sehr grossen Ländern auch andere, gerade befreite Länder gab. Die «dritte Welt», diese Ausgeburt des kapitalistischen Wortschatzes, die allein mit dem wirtschaftlichen Entwicklungsniveau dieser Länder zu tun hatte, kopierten die chinesischen Revisionisten und definierten sie, angeblich gestützt auf den Marxismus-Leninismus, als «grosse Triebkraft»! Es ist unannehmbar, dass die Theorie der «drei Welten» «eine marxistische Feststellung über die gegenwärtige Welt» sein soll, wie das die Propagandisten in Peking behaupten.

In diem Artikel wird behauptet, die Chinesen betrachteten die Erscheinungen des internationalen politischen Lebens unserer Zeit von Positionen des dialektischen Materialismus aus, ausgehend von der Wirklichkeit. Und sie predigen, auch die anderen hätten diese Probleme von den gleichen Positionen aus zu betrachten. Um ihre antimarxistische Theorie zu «untermauern», führen die Artikelschreiber verstümmelte Zitate von Lenin und Stalin an, die ganz zu Recht festgestellt haben., dass die nationalen und internationalen Probleme im Weltausmaß und nicht isoliert betrachtet werden müssen. Diese hervorragenden Marxisten und Führer des Weltproletariats betrachteten die Welt vom Standpunkt der proletarischen Revolution, vom Standpunkt des Bündnisses des Proletariats mit den unterdrückten Völkern aus. In flagrantem Gegensatz zu den Lehren von Lenin und Stalin, die sie zitieren, betrachten die chinesischen Revisionisten die nationalen und internationalen :Probleme nicht vom Klassenstandpunkt und den Positionen des dialektischen und historischen Materialismus aus, sondern idealistisch und metaphysisch. Sie behandeln diese Fragen auf der Grundlage der Entwicklung, an der China gegenwärtig interessiert ist, um zur Führung der Länder zu werden, die es «dritte Welt» nennt. Das ist eines ihrer Ziele.

Die chinesischen Opportunisten schreiben, Mao Tsetungs «Theorie» über die «Dreiteilung der Welt» bet reffe auf den ersten Blick scheinbar nur die Beziehungen zwischen den Ländern und zwischen den Nationen der heutigen Welt. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen nicht nach einem «ersten Blick». Die Beziehungen zwischen den Länden und Nationen existieren real, doch wir Marxistenleninisten müssen diese Beziehungen und ihre Perspektiven unter dem Blickwinkel der Interessen der Revolution sehen. Genau das tun die Chinesen nicht, die ihre Großmachtinteressen, die Interessen ihres Kampfes um die Führung der «dritten Welt» der Revolution entgegenstellen. Der Klassenkampf muss auch in den Ländern der sogenannten dritten Welt geführt werden, doch von welchem Standpunkt aus? Wir sagen: vom Standpunkt der Revolution und des Sturzes der ausbeuterischen Bourgeoisie, des barbarischen Kapitalismus aus. Die chinesischen Opportunisten dagegen sind für die Klassenversöhnung. Damit man ihnen nichts vorwerfen kann, lassen sie hier und da ein Wort fallen, dass diese oder jene Frage vom Klassenstandpunkt aus betrachtet werden müsse, doch leugnen sie die klassenmäßige Betrachtungsweise, wenn sie umgehend hinzusetzen, dese Fragen seien «außerordentlich kompliziert» und stünden «miteinander im Zusammenhang». Das soll heissen, dass die Entwicklung des Klassenkampfes besonders in den Ländern der «dritten Welt» nicht so leicht zu verstehen sei, dass viele Probleme des Klassenkampfes nur mit Hilfe der «hervorragenden chinesischen Gelehrten» zu lösen seien, dass man den Blick deshalb auf China zu richten habe! Sie erklären, man müsse, um zu Schlüssen über die internationalen politischen Erscheinungen kommen und eine richtige Einteilung der politischen Kräfte auf der Welt vornehmen zu können, vom internationalen Klassenkampf als Ganzem ausgehen, und die konkreten Fragen müssten in Verbindung mit der Zeit, dem Ort und den jeweiligen Bedingungen konkret analysiert werden. Obwohl sie das sagen, gehen sie in der Praxis, im Leben anders vor, machen das Gegenteil, indem sie die Erscheinungen und Ereignisse auf abstrakte, irreale, konjunkturabhängige Weise interpretieren und in Beziehung zueinander setzen. Die Begriffe «idealistisch», «metaphysisch», «abstrakt», «isoliert» usw. verwenden die chinesischen Revisionisten auf jene Menschen und Parteien gemünzt, die ihre Sophismen nicht akzeptieren. Mit diesen Schlagworten wenden sie sich auch gegen uns, obwohl sie wissen, dass es nicht wir und die anderen wahren Marxisten-Leninist ten auf der Welt, sondern gerade die chinesischen Revisionisten sind, die wie alle anderen Revisionisten das Verständnis und die Anwendung des Marxismus-Leninismus in Theorie und Praxis verschandelt haben, wie es schlimmer nicht mehr geht.

Die Chinesen verkünden großspurig, dass «die Marxisten-Leninisten stets fest auf dem Standpunkt des Weltproletariats stehen, sich immer für die allgemeinen Interessen aller revolutionären Völker im internationalen Klassenkampf einsetzen und an ihrem Maximalprogramm, der Ersetzung des Kapitalismus durch den Kommunismus festhalten». Diese Erklärungen erfolgen im chinesischen Artikel durchweg aus Gründen der Demagogie und nur, um ihre Haltung zu tarnen, denn sie haben niemals von den Positionen des internationalen Proletariats aus gekämpft und tun es auch heute nicht, niemals haben sie die Interessen der revolutionären Völker verteidigt, und sie tun es auch heute nicht. Wenn man mit der Reaktion und den blutigsten Faschisten, etwa Pinochet, Strauss, dem Schah des Iran und Mobutu, die zu den grössten Blutsaugern der Völker gehören, Verbindung hält, so bedeutet dies, dass man sich weder um die Interessen des internationalen Proletariats noch um die Interessen des Proletariats eines einzelnen Landes, die sich mit denen des internationalen Proletariats decken, auch nur im geringsten schert. Die Chinesen sparen nicht an bombastischen Phrasen, doch wir beurteilen ihre Worte nicht unabhängig von ihren Taten. Vergleicht man die «marxistisch-leninistischen» Phrasen der Chinesen mit ihrer praktischen Haltung, dann kommt die Verlogenheit der von ihnen praktizierten Theorien ans Licht.

Die revisionistischen chinesischen Führer lehren das Proletariat, es habe im Verlauf des Kampfes in der internationalen Arena in den verschiedenen Geschichtsperioden zu versuchen, sich mit allen zusammenzuschließen, mit denen ein Zusammenschluss möglich ist, um so zur Entfaltung der fortschrittlichen Kräfte beizutragen. Doch was für eine Haltung nehmen die chinesischen Revisionisten in dieser Hinsicht wirklich ein? Sie appellieren an das internationale Proletariat, sich auch mit der schwärzesten Reaktion zu vereinigen!

Die Chinesen «raten» in diesem Artikel, das Proletariat solle sich in verschiedenen historischen Perioden seine Verbündeten wählen. Doch sie selbst drücken sich um diese richtige These herum, indem sie dem internationalen Proletariat empfehlen, sich mit der Weltreaktion zu versöhnen und mit den reaktionären politischen Kräften zusammenzuschließen. Weiter unten im Artikel führen die

Chinesen - um die angebliche Richtigkeit ihrer Haltung zu «untermauern» - eine Reihe weiterer Zitate Lenins und Stalins an, die sie schamlos verstümmeln und verdrehen. Doch welche Ansichten wollen die Chinesen «untermauern»? Es geht um jene, die zusammenhängen mit ihrer angeblich auf den Marxismus-Leninismus gestützten «realistischen Analyse» der Weltlage. In diesen «Analysen» verwenden die Chinesen viele Zitate Lenins und Stalins, die auch wir in unseren Materialien angeführt haben, zum Beispiel Lenins Aussage von 1921: «...[heute] gibt es jedoch auf der Welt zwei Welten: die alte - den Kapitalismus. . . und die heranwachsende neue Welt...», oder Stalins Worte: «Die Welt hat sich entschieden und unwiderruflich in zwei Lager gespalten: in das Lager des Imperialismus und in das Lager des Sozialismus.»

Diese beiden grossen Gedanken Lenins und Stalins stellen in jeder Periode die fundamentale Basis jeder Analyse zur Einteilung der ,politischen Kräfte auf der Welt dar. Weil dies aber ihre Theorie dem «drei Welten» .in sich zusammenfallen lässt, versäumen es die Chinesen nicht, unverzüglich zu betonen, diese beiden Zitate spiegelten .aderen neuen Grundwiderspruch in der Welt nach der Oktoberrevolution wider». Demnach sind also für sie auch diese Feststellungen veraltet, überholt! So haben sie eine «feine Begründung» aufgestöbert, um die Erfindung von den «drei Welten» zu verteidigen. Die Chinesen behaupten: «Niemals vertraten Lenin und Stalin jedoch, es gebe keine anderen Grundwidersprüche in der Welt oder die -politischen Kräfte in der Welt könnten nicht mehr in anderer Form eingeteilt werden.» Diese «Begründung» ist völlig überflüssig und dient nur dazu, die Spalten des Artikels zu füllen und den Eindruck zu erwecken, man «begründe» und «argumentiere» in der Polemik denn niemand hat behauptet, Lenin und Stalin seien irgendwann einmal der Meinung gewesen, es gebe auf der Welt nicht auch noch andere Hauptwidersprüche. Als dialektische Materialisten bestimmten Lenin und Stalin die Widersprüche richtig, doch die chinesischen Opportunisten - Eklektiker, die sie sind - bestimmen diese Widersprüche in ihrem Artikel überhaupt nicht. Täten sie es nämlich, käme ans Licht, wie falsch ihre Anschauungen sind und wie sehr sie Marx, Engels, Lenin und Stalin verdrehen.

Die Chinesen starten den Versuch zu «beweisen», die These von den drei Welten, für die sie die Vaterschaft uneingeschränkt Mao zuerkennen, sei die Fortführung der Thesen Lenins, der schon 1920, auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale, sagte:

«Das charakteristische Merkmal des Imperialismus besteht darin, dass sich. .. gegenwärtig die ganze Welt in eine grosse Zahl unterdrückter Völker und eine verschwindende Zahl unterdrückender Völker teilt, die über kolossale Reichtümer und gewaltige militärische Kräfte verfügen.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 31, S. 264 (alb. Ausgabe).)

Diese Gedanken Lenins sind richtig, und niemand widerspricht. ihnen, doch sie belegen keinesfalls edne Dreiteilung der Welt, wie es nach dem Geschmack der chinesischen Revisionisten wäre. Jede mögliche politische und ökonomische Analyse der Welt auf der Grundlage der leninistischen Theorie wird unweigerlich das grundlegende Merkmal ihrer Teilung in eine kapitalistische pnd eine sozialistische Welt augenscheinlich machen, sonst könnte es keine leninistische Analyse sein. Diese Analyse steht nicht im mindesten im Widerspruch zur Tatsache, dass es auf der Welt ausbeutende und ausgebeufirete Nationen gibt, leugnet sie ndcht. Dagegen Lenin zu zitieren, um nachzuweisen, seine Ideen seien GTundlage für eroe Drei-teilung der Welt, das bringen nur die Verfälscher des Leninismusfertig. Und bei dieser fiktiven Einteilung der Welt sind es die chinesischen Revisionisten, die Lenin verfäLwhen.

Nehmen wir das andere Zitat, von Stalin. 1924 schrieb er in seinem Werk «Über die Grundlagen des Leninismus»:

«a) Die Welt ist in zwei Lager geteilt: in das Lager einer Handvoll zivilisierter Nationen, die über das Finanzkapital verfügen und die die gewaltige Mehrheit der Bevölkerung des Erdballs ausbeuten, und in das Lager der unterdrückten und ausgebeuteten Völker der Kolonien und der abhängigen Länder, die diese Mehrheit bilden.»* *( J. W. Stalin, Werke, Bd. 6, S. 148 (alb. Ausgabe).)

Dieses Zitat führen die Chinesen an, um zu «belegen.», dass es auf der Welt ausser dem Grundwiderspruch, auf den sich Lenin und Stalin beziehen, auch andere Widersprüche gibt, die wir albanischen Kommunisten angeblich vergessen haben!

Wir vergessen diese Widersprüche nicht, ganz im Gegenteil, wir haben sie ständig hervorgehoben. Wir vergessen nicht, dass sich diese Widersprüche entsprechend ihrer Rolle in Haupt- und Nebenwidersprüche teilen, dass sich in den komplizierten Prozessen, die sich bei den Dingen und Erscheinungen der realen Welt feststellen lassen, alle möglichen Haupt- und Nebenwidersprüche verflechten. Doch will man die komplizierten Prozesse richtig untersuchen und analysieren, muss man den wichtigsten Widerspruch herausfinden, also den Grundwiderspruch, der die Entwicklung aller anderen Widersprüche bestimmt und von dessen Lösung die Lösung aller anderen Widersprüche abhängt. Wir haben die Gesetze der Dialektik nicht vergessen, sondern halten sogar entschieden an ihnen fest. Die chinesischen Revisionisten wollen sich um die materialistische Dialektik herumdrücken und dabei mit vielen Zitaten tarnen, die sie bei den Klassikern des Marxismus-Leninismus wahllos aufgeklaubt haben. Diese Zitate werden im Artikel auf eine Weise auseinandergerissen und zusammengesetzt, dass es nicht nur unmöglich ist, sie richtig zu verstehen, sondern auch 'her Sinn ins Gegenteil dessen verkehrt wird, was ihre Autoren sehr klar gesagt haben.

Wo gäbe es wirkliche Kommunisten, die - wie die Chinesen behaupten - leugneten, dass Lenin und Stalin, wo eine allseitige und konkrete Einteilung der politischen Kräfte auf der Welt in dieser oder jener Periode vorgenommen werden musste, die Grundwidersprüche auf der Welt in ihrer Gesamtheit analysierten? Alle Marxisten-Leninisten auf der Welt erkennen an, dass man, um die heutige Epoche definieren zu können, die hauptsächlichen Widersprüche in ihrer Gesamtheit analysieren muss, um den Grundwiderspruch zu bestimmen. Es sind gerade die Chinesen, die sich darum drücken, die Einteilung der politischen Kräfte auf der Welt auf diese realistische Weise zu untersuchen. Wie die Chinesen die Welt in eine «erste», eine «zweite» und eine «dritte Welt» einzuteilen, das bedeutet, die Widersprüche zu verschleiern, einen oder den anderen grossen gesellschaftlichen Widerspruch fallenzulassend, nicht aber, sie in ihrer Gesamtheit zu analysieren.

Auch die Zitate von Marx und Engels verwenden die chinesischen Revisionisten, wie es ihnen gerade passt, und sie legen sie auf eine Weise aus, von der sie meinen, sie könne dazu dienen, ihre antimarxistischen Thesen zu belegen. Sie zitieren den berühmten Aufruf von Marx und Engels aus dem «Manifest der Kommunistischen Partei»: «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» und setzen dann hinzu, sie hätten außerdem als erste auf die «untrennbare Verbundenheit zwischen der Sache des Weltproletariats und dem Befreiungskampf der unterjochten Nationen» hingewiesen. Das ist wahr und bekannt, doch sind es die Chinesen selbst, die den Zweck vergessen, den der Aufruf von Marx und Engels hatte, nämlich dem Weltproletariat die Einsicht zu vermitteln, dass der Grundwiderspruch der menschlichen Gesellschaft nun der zwischen Arbeit und Kapital war, zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat, das diesen Widerspruch durch die Revolution lösen würde. Die chinesischen Revisionisten sprechen überhaupt nicht von den Verbindungen des Kampfes des Proletariats mit dem nationalen Befreiungskampf der unterdrückten Völker und ebenso wenig von der proletarischen Revolution, sondern legen die Betonung auf die Einheit des Proletariats und der Völker, die unterdrückt und ausgebeutet werden, mit ihren barbarischsten und wildesten Unterdrückern und Ausbeutern, dem amerikanischen Imperialismus und der reaktionären Weltbourgeoisie!

Die chinesischen Revisionisten führen in ihrem Artikel folgendes Zitat von Engels an:

«Eine Nation kann nicht frei werden und zugleich fortfahren, andre Nationen zu unterdrücken. Die Befreiung Deutschlands kann also nicht zustande kommen, ohne dass die Befreiung Polens von der Unterdrückung durch Deutsche zustande kommt.»* *( F. Engels, Rede über Polen, gehalten auf dem internationalen Meeting in London am 20. November 1847 anlässlich des 17. Jahrestags des polnischen Aufstands von 1830.)

Was wollen die Chinesen mit diesem Zitat von Engels beweisen? Es ist ihnen gelegen, zu «untermauern», dass das sowjetische Proletariat keinen Anspruch darauf erheben könne, es kämpfe für die Befreiung der anderen Völker, wo es sie doch selbst versklave, dass auch dem Proletariat der Länder Westeuropas, dem amerikanischen Proletariat, dem Proletariat der kapitalistischen Länder der «dritten Welt» aus dem gleichen Grund nicht das Verdienst zukomme, für die Befreiung der Völker zu kämpfen. Doch wer ist dann des Kampfes für die Befreiung der Völker würdig? Aus dem Artikel ergibt sich: nur China kann diesen Kampf führen! Engels' richtige Aussage bauen sie irgendwo in ihren Artikel ein, ohne auch nur im geringsten zwischen dem russischen Proletariat und dem Proletariat der anderen Länder einerseits und ihren Unterdrückern andererseits zu differenzieren. Und sie unterlassen es, dieses Proletariat dazu aufzurufen, sich zur Revolution gegen die Unterdrücker und gegen einen imperialistischen Krieg zu erheben. In jedem Land, wo es unterdrückt wird, muss sich das Proletariat zusammen mit seinen natürlichen Verbündeten zum Kampf erheben, um seine historische Mission zu erfüllen. Verstünde man Engels' Zitat nicht so, wie es von Engels gesagt wurde, sondern entsprechend der Interpretation der chinesischen Revisionisten, dann dürften wir uns keine Hoffnung auf die proletarische Revolution machen. Die «Kommentierung» der richtigen Thesen von Marx und Engels in dem chinesischen Artikel deckt sich völlig mit den antimarxistischen Anschauungen der chinesischen Revisionisten.

Marx und Engels massen der Befreiung der Völker Polens, Irlands, Chinas, Indiens grosse Bedeutung bei, denn diese Völker waren die am meisten unterdrückten. Unterdrückt von den herrschenden bürgerlichen Cliquen sind heute auch das französische, das spanische, das russische und das amerikanische Proletariat. Dieses Proletariat darf man nicht von der politischen Bühne entfernen, im Gegenteil, es ist nötig, dass es bei allem, was geschieht, bei allem, was die imperialistischen Herrscher und die sozialimperialistischen Verräter in den kapitalistischen und revisionistischen Ländern tun, sein Wort mitredet. Deshalb müssen die wirklichen Kommunisten das Proletariat in diesen Ländern dazu aufrufen, sich zur Revolution zu erheben und die bürgerlichen und verräterischen Cliquen zu stürzen, die über die Völker herrschen.

Unsere Klassiker gingen an jede nationale Bewegung und an die verschiedenen politischen Kräfte vom Standpunkt der Interessen des internationalen Proletariats aus heran. Sie haben uns gelehrt, dass die Revolution am schwächsten Kettenglied des Weltkapitalismus triumphieren kann. Ebenso lehren uns unsere grossen Lehrer, dass die durch die Revolution errungene Unabhängigkeit eines Volks auch zur Befreiung der anderen Völker beiträgt, sei es nun in Europa, in Asien oder in anderen Teilen der Welt. Die chinesischen Revisionisten gehen nicht von diesen marxistischen Anschauungen aus. Im Gegenteil, sie betrachten die nationalen Bewegungen und die verschiedenen politischen Kräfte durch die Brille ihres Interesses, eine Supermacht zu werden. Daher unterstützten und unterstützen sie nicht den Unabhängigkeitskampf der Völker, sondern die reaktionären Cliquen, die über diese Völker herrschen. Aus diesem Grund predigen die Chinesen dem Proletariat sozialen Frieden und die Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie.

Um ihre These «Der sowjetische Sozialimperialismus ist zum Hauptfeind der Völker der Welt geworden, er ist das Zentrum der Weltreaktion, das die Welt mit einem Krieg bedroht» zu untermauern, berufen sich die chinesischen Revisionisten in ihrem Artikel auf Marx und Engels. Sie zitieren die Aussagen, die sie schon 1343 über die Gefährlichkeit des Zarismus trafen. Zweifellos war der Zarismus die Bastion der europäischen Reaktion, deshalb musste er bekämpft werden. Diesen Kampf ,führten Lenin und die russischen Bolschewiki, mit denen sich das Proletariat aller Länder der Welt vereinigte. Mit Marx' sehr richtigen Gedanken über den Zarismus lässt sich allerdings durchaus nicht belegen, was Glied Chinesen belegt haben wollen, dass nämlich .gegenwärtig allein der sowjetische Sozialimperialismus der Hauptfeind der Völker der Welt sei. Ausgehend von der marxistisch-leninistischen Analyse beharren wir darauf, dass ausser dem sowjetischen Sozialimperialismus auch der amerikanische Imperialismus und die gesamte Weltreaktion Feinde der Völker sind. Alle diese Feinde, unter denen es hinheit und Widersprüche gibt, stehen im Kampf gegen das Weltproletariat insgesamt und gegen das Proletariat in jedem einzelnen Land. Sie alle stehen im Kampf gegen die Völker, die nach nationaler und sozialer Befreiung streben, daher müssen sich das Proletariat und die Völker in stählerner Einheit miteinander verbinden, um die gefährlichen Feinde zu bekämpfen, die sie vor sieh haben.

Die chinesischen Revisionisten erklären, Marx und Engels hätten, als sie die russische zaristische Reaktion anprangerten, keineswegs den internationalen Klassenkampf ignoriert, sondern seien gerade von den Grundinteressen des Weltproletariats ausgegangen. Was sind das doch für Demagogen! Wenn sie Marx und Engels wirklich glauben, warum wenden sie dann nicht ihre Lehren an? Warum machen sie gerade das Gegenteil und gehen Bündnisse mit dem amerikanischen, dem englischen, dem französischen, dem deutschen Imperialismus usw. ein? Das Studium von Marx ergibt, dass sich das Proletariat, um seine Bestrebungen zu verwirklichen, indem es den Klassenkampf im Weltmaßstab entfaltet, niemals mit dieser internationalen schwarzen Reaktion vereinigen darf. Es reicht nicht, den revolutionären Schwung der Völker im Befreiungskampf nur zu «begrüßen» wie die chinesischen Revisionisten, vielmehr müssen wir es auch verstehen, diesen Schwung so gut es irgend geht an den Lehren unserer vier grossen Klassiker auszurichten - Marx, Engels, Lenin und Stalin (nicht aber auch an den idealistischen und eklektischen Ideen Mao Tsetungs), die genau bestimmt haben, was man tun muss, um die Befreiung der Völker vom Joch des Kapitals zu er reichen.

Um zu zeigen, dass sie angeblich zu Lenin stehen, und um mit Lenins Namen als Maske ihren Antileninismus zu verbergen, haben die chinesischen Revisionisten ihren Artikel unter anderem mit langen Zitaten aus Lenins Schrift «Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx» gespickt. Lenin schreib darin:

«Die Opportunisten waren noch das Lobes voll darüber, dass unter der 'Demokratie' 'sozialer Frieden' herrsche und Stürme nicht notwendig seien, als in Asien ein neuer Herd der heftigsten Weltstürme entstand. Auf die russische Revolution folgten die türkische, die persische, die chinesische.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 653 (alb. Ausgabe). 692)

Das gilt auch für ein anderes Zitat, das aus Lenins 1916 entstandener Schrift « Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den 'imperialistischen Ökonomismus'» entnommen ist:

«Die soziale Revolution kann nicht anders vor sich gehen als in Gestalt einer Epoche, in der der Bürgerkrieg des Proletariats gegen die Bourgeoisie in den f ortgeschrittenen Ländern mit einer ganzen Reihe demokratischer und revolutionärer Bewegungen verbunden ist, darunter auch mit nationalen Befreiungsbewegungen der unentwickelten, rückständigen und unterdrückten Nationen.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 23, S. 63 (alb. Ausgabe).)

Um sich nicht in langen Aussagen zu verheddern, «kommentieren» die chinesischen Revisionisten diese Zitate sehr knapp. Konkret: «Diese Auffassungen Lenins sind nach wie vor gültig.» Wenn wir aber die Linie der Kommunistischen Partei Ch inas heute analysieren, so ergibt sich ein flagranter Widerspruch zu diesen grossen Thesen Lenins und des Leninismus überhaupt. Niemals empfahl Lenin wie die chinesischen Opportunisten den Völkern, die demokratischen und revolutionären Bewegungen oder die nationalen Befreiungsbewegungen nur gegen die äusseren imperia'listischen, nicht aber auch gegen die inneren Feinde zu richten, die mit dem Imperialismus kollaborieren. Die chinesischen Opportunisten haben Lenins Lehren über den Kampf des Proletariats auf nationaler und internationaler Ebene «anzuwenden vergessen».

Auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale hielt Lenin den Bericht über die internationale Lage und die Hauptaufgaben der Internationale. Er analysierte darin die Ziele des imperialistischen Krieges und stellte die Weltlage nach diesem Krieg dar. Er saghe, ein Teil der Weltbevölkerung lebe in den Kolonialländern, ein Teil in den Ländern, die den alten Zustand hatten aufrechterhalten können. Schliesslich erwähnte er noch die Bewohner weniger Länder, die von der Aufteilung der Welt profitierten. Diese Bilanz der Folgen des imperialistischen Kriegs, die Lenin im Juli 1920 zog, ist völlig richtig, nur ist sie total untauglich, die opportunistische chinesische These von den -drei Welten» oder «drei Gruppen», wie sie sagen, zu belegen. Wenn unsere Partei die antimarxistische chinesische These von den «drei Welten» zurückweist, lässt sie sich dabei voll und ganz von Lenins Lehren leiten und berücksichtigt auch Lenins Bericht an den 2. Kongress der Kommunistischen Internationale. Die chinesischen Revisionisten dagegen zitieren diese marxistische Analyse Lenins, um den Eindruck zu erwecken, seine Auffassung von den Ursachen des imperialistischen Kriegs und seinen Folgen für die Völker der Welt sei identisch mit Mao Tsetungs Auffassung von den «drei Welten», und folglich seien auch die von Lenin vertretenen Bündnisse des Proletariats mit den unterdrückten Völkern gegen die reaktionäre Bourgeoisie das gleiche wie die Bündnisse, die Mao Tsetung predigt! Doch hätte Lenin auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale wirklich sagen wollen, die Welt sei dreigeteilt, wie das nach dem Geschmack der chinesischen Revisionisten wäre, hatte er nicht ein Jahr später, im Dezember 1921, auf dem 9. Gesamtrussischen Sowjetkongress erklärt, dass es «heute auf der Welt zwei Welten gibt», sondern von drei Welten gesprochen.

Lenin hat weder 1920 noch vorher, noch nachher gesagt, das Proletariat solle sich mit dem amerikanischen Imperialismus, mit dem englischen Imperialismus zusammenschließen. Ganz im Gegengeil, er betonte den Grundwiderspruch zwischen Proletariat und Bourgeoisie und wies den Weg zur Befreiung des Proletariats durch die proletarische Revolution und zur Befreiung der unterdrückten Völker durch die nationalen Befreiungskämpfe. Die Theorie der «drei Welten. hingegen ignoriert diese Lehren Lenins, sie stellt keinerlei Aufgaben für die Revolution.

Bei der Vorbereitung ihres Artikels haben sich die Chinesen die Mühe gemacht, eine gewaltige Zahl von Zitaten von Marx, Engels. Lenin und Stalin zusammenzutragen. Diese Zitate mögen ein Drittel des ganzen Artikels ausmachen und sollen «belegen», was sich nicht belegen lässt. Sie reissen Zitate verstümmelt aus dem Zusammenhang, um sie ihrer «Drei-Welten»-Theorie anzupassen, die sie als angeblich marxistisch-leninistisch und auf den Lehren unserer grossen Klassiker gründend präsentieren! Sie meinen, diese Zitate liessen sich willkürlich und auf vielerlei Weise interpretieren, von den Rechten wie von den Linken nach Belieben manipulieren.

Der Missbrauch von Zitaten zur mechanischen und prinzipienlosen Verquickung der Anschauungen der Klassiker mit den eigenen Anschauungen ist typisch für den chinesischen Eklektizismus Mao Tsetungs. Dieser hat, wie ich schon früher mehrfach gesagt habe, selbst zugegeben, seiner Ansichten würden sich sowohl die Linken als auch die Rechten bedienen. Eine derart schwammige Interpretation kann es bei den Ansichten der Opportunisten geben, bei denen, die zwischen Materialismus und Idealismus schwanken, bei den Sophisten usw., nicht aber bei unseren grossen Klassikern, Marx, Engels, Lenin und Stalin, denn sie sind die Theoretiker einer grossen wissenschaftlichen Lehre, die das Heute und das Morgen richtig vorherbestimmt und nicht zulässt, dass in der Dynamik der dialektischen Entwicklung der Ereignisse falsche Interpretationen historischer Perioden gegeben werden. Die Analysen unserer Klassiker stützen sich auf unbestreitbare Wahrheiten, wer sie versteht, kann deshalb seine Handlungen mit ihnen konfrontieren, um festzustellen, ob sie richtig sind oder nicht. Wer die Schlussfolgerungen aus diesen Analysen verdreht, kann auch mit verstümmelten Zitaten und absurden Interpretationen seine unrichtigen Handlungen nicht rechtfertigen. Die wahren Marxisten konfrontieren ihre Handlungen mit den Ideen der Klassiker des Marxismus-Leninismus, während die Renegaten versuchen, ihre schändlichen Handlungen durch die Verstümmelung von Zitaten, durch willkürliche Interpretationen, Verfälschungen usw. den Klassikern zu unterschieben.

Das ist es, was die chinesischen Revisionisten mit der Unzahl von Zitaten. die sie in ihrem Artikel anführen, getan haben. Sie haben es getan, weil sie nicht in der Lage sind, ihre opportunistischen Thesen zu belegen. Nehmen wir irgendein Beispiel, nur zur Illustration. Stalin geht in seinem Werk «Über die Grundlagen des Leninismus» auf den Charakter der verschiedenen nationalen Bewegungen ein und kommt dabei zu der Schlussfolgerung, dass das Kriterium. um zu beurteilen, ob eine nationale Bewegung revolutionären oder reaktionären Charakter trägt, darin besteht, ob sie objektiv darauf gerichtet ist, dem Imperialismus zu schad en und ihrn zu zerschlagen, oder aber darauf, den Sieg des Imperialismus zu konsolidieren.

«Der Kampf des Emirs von Afghanistan für die Unabhängigkeit Afghanistans», sagt Stalin, «ist objektiv ein revolutionärer Kampf...»* *( W. Stalin, Werke, Bd. 6, S. 146-147 (alb. Ausgabe).)

Stalin hat recht, denn der betreffende Emir rieb auf den Pässen des Pamir die englischen Armeen auf; von dieser ganzen grossen Armee der englischen Besatzer kamen nur 3 Personen, darunter ein Arzt, in Indien an. Dieses Beispiel Stalins, der sich richtig auf einen konkreten historischen Fall bezieht, verabsolutieren die chinesischen Revisionisten, um dann mit der Schlussfolgerung anzukommen, sie hätten quasi Stalins Autorisierung, allen reaktdonären Königen und Fürsten auf der Welt Hilfe und Unterstützung zu geben, bis hin zu Mobutu, der nichts anderes ist als ein Agent des amerikanischen Imperialismus, ein «moderner» Unterdrücker des kongolesischen Volkes.

Die chinesischen Revisionisten versäumen es nicht, als «Argument» zur Rechtfertigung des Bündnisses des Proletariats und der unterdrückten Völker mit dem amerikanischen Imperialismus und den anderen Imperialisten der Welt gegen den sowjetischen Sozialimperialismus die grosse antifaschistische Allianz der Sowjetunion und der Anglo-Amerikaner gegen Hitlerdeutschland im Il. Weltkrieg anzuführen. Diese Beweisführung nach chinesischer Art ist dermassen absurd, dass sich ihre Urheber damit nur selbst entlarven können. Die historischen Fakten und Ereignisse müssen in engem Zusammenhang mit den Bedingungen und Umständen der betreffenden Zeit begriffen werden.

In einer meiner früheren Schriften habe ich gesagt, dass Stalin und die Sowjetregierung tatsächlich den Engländern und Franzosen ein Bündnis anboten, um den Aggressionskrieg abzuwenden, den Hitler mit der Besetzung der Tschechoslowakei erklärt hatte. Bekanntlich bestand damals zwischen der Sowjetunion und Frankreich ein Abkommen, der Tschechoslowakei zu Hilfe zu kommen, falls sie von einer dritten Macht angegriffen würde. Frankreich hielt seine Versprechungen nicht ein, und nach dem Münchner Verrat der westlichen «Demokratien» wurde die Tschechoslowakei von den Hitlernazis besetzt. Nach diesem Akt versuchten die westlichen «Demokratien» Hitlerdeutschland gegen den Osten zu lenken. Angesichts der Hitlerschen Gefahr bemühten sich Frankreich und England um cine <~Kampfeinheit» mit der Sowjetunion, die dazu ihre Bereitschaft erkennen liess. Doch dies war ein lächerliches «Schauspiel» Englands und Frankreichs. In richtiger Beurteilung der Situation und im Wis:;en um die Gefahr der Hitleraggression unterschrieben die Sowjetunion und Stalin, um Zeit zu gewinnen, den «Nichtangriffspakt» mit Nazideutschland. Dies war ein Akt auf marxistisch-leninistischem Weg. Hitler überfiel Polen, dann traten England und Frankreich in den Krieg ein, und als Deutschland die Sowjetunion angriff, wurde die antifaschistische Allianz der Sowjetunion mit England hergestellt.

Zu diesem Zeitpunkt war es vollkommen natürlich, dass die Sowjetunion mit diesen imperialistischen Staaten eine Allianz gegen den deutschen Faschismus einging, der die Welt bedrohte. Der II. Weltkrieg begann demnach als Raubkrieg, verwandelte sich aber mit dem Kriegseintritt der Sowjetunion in einen Befreiungskrieg. Deshalb lässt sich das Vorgehen Stalins und der Sowjetregierung bei dieser antifaschistischen Allianz nicht mit dem gegenwärtig von China gepredigten Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit den anderen Imperialisten und mit der «dritten Welt» gegen die Sowjetunian gleichsetzen. Die Geschichte lässt sich nicht verfälschen, wie es die chinesischen Revisionisten tun, um ihren Verrat zu vertuschen.

China meint, wir stünden unmittelbar vor einem Krieg. Es kann über kurz oder lang zum imperialistischen Krieg kommen. Doch Deng Hsiao-ping hat erklärt, es werde in den nächsten 20 Jahren keinen Krieg geben; deshalb dürfen sich nach der opportunistischen chinesischen Theorie der «drei Welten» die Völker in diesen zwei Jahrzehnten nicht zur Revolution erheben. Sie dürfen nicht gegen ihre in- und ausländischen Unterdrücker kämpfen, sondern müssen stattdessen die Bündnisse mit den Imperialisten und ihren eigenen Unterdrückern konsolidieren und alle räuberischen Pakte und Bündnisse verteidigen, die der amerikanische Imperialismus und die anderen westlichen Imperialisten eingegangen sind. China predigt derzeit Ruhe für die nächsten 20 Jahre.

Betrachtet man sich Stalins Haltung zum deutschen Nazismus und zum italienischen Faschismus vor dem II. Weltkrieg, so zeigt sich klar, dass der Vergleich, den die chinesischen Revisionisten anzustellen versuchen, sich mit den Thesen des Marxismus-Leninismus nicht in Einklang bringen lässt. Ans Licht kommt aber auch das Ziel dieses Vergleichs. China predigt das Bündnis mit dem Imperialismus, weil es die Unterstützung des amerikanischen Imperialismus und der anderen entwickelten kapitalistischen Länder der Welt möchte, um selbst ebenfalls zur Supermacht zu werden. Die Chinesen betreiben nun dieselbe Erpressung mit dem drohenden Krieg und der Atombombe wie die Amerikaner und die Sowjets. Damit wollen sie das Proletariat einschüchtern, damit es sich nicht zur Revolution erhebt, keine Bündnisse mit der armen Bauernschaft und den ausgebeuteten Werktätigen des eigenen Landes und auf internationaler Ebene eingeht und konsolidiert, sondern stillhält, bis China zur Supermacht geworden ist und ein Gegengewicht zu den anderen beiden Supermächten darstellt, kurz gesagt, bis es selbst ebenfalls auf einen Raubkrieg und die Besetzung von Märkten vorbereitet ist.

Jedem, der diesen «bedeutenden» Artikel der Chinesen über die Theorie der «drei Welten» liest, stellt sich die Frage: warum wurde er geschrieben und wem dient er? Bei logischem Nachdenken kommt man umgehend zu der Schlussfolgerung, dass sich dieser Artikel gegen die revolutionären Thesen unseres 7. Parteitags sowie den von «Zëri i popullit» am 7. Juli dieses Jahres veröffentlichten Artikel «Theorie und Praxis der Revolution» und unsere anderen Artikel richtet. Unsere Thesen sind richtig, kämpferisch, marxistisch-leninistisch. Sie sollen die Weltsituation und die revolutionären Prozesse, die sie charakterisieren, richtig erklären, die albanischen Kommunisten und all jene wappnen, die sie lesen und studieren, Diese Thesen unsrer Partei für den Kampf gegen den Imperialismus, ob nun den amerikanischen oder den sowjetischen, alle anderen Imperialisten und die Weltreaktion, dienen dem Kampf für die Revolution, sie tragen dazu bei, dass sich die Völker in nationalen Befreiungskämpfen gegen den inländischen und den internationalen Kapitalismus erheben. Das sind die Ziele der Thesen, die wir unterbreitet haben. Im Gegensatz dazu verfolgen die chinesischen Revisionisten mit der Veröffentlichung dieses Artikels eine sehr üble Absicht, denn er ignoriert die Hauptfrage, die Frage des Kampfes, den alle Völker der

Welt gegen ihre Hauptfeinde führen müssen. Im chinesischen Artikel wird keine einzige revolutionäre Aufgabe gestellt, man findet nicht die revolutionäre Hauptaufgabe, den nationalen Befreiungskampf der Völker gegen ihre kapitalistischen Unterdrücker, man findet nicht die Interessen der Weltrevolution oder die Interessen eines r einzelnen Landes im schwachen Kettenglied des Weltimperialismus.

In diesem Artikel kommen die Worte «Revolution» und «nationaler Befreiungskampf» überhaupt nicht vor. Dieser Artikel ist also nicht in der Absicht geschrieben, die Völker anzuspornen, zu erziehen und ihnen den Weg des Kampfes zu weisen. Was also zeigt dieser Artikel .der Chinesen dem Proletariat und den Völkern? Es ist klar, \was sein Hauptziel ist: zu demonstrieren, dass Mao Tsetungs Theorie der «drei Welten» angeblich richtig, marxistisch-leninistisch ist, und das einzig und allein im Dienst ihrer antimarxistischen Sache. Zu diesem Hauptzweck wurde der Artikel geschrieben.

Eine weitere Absicht ist, uns zu bekämpfen, die Revolution, den nationalen Befreiungskampf zu drosseln, das Bündnis des Proletariats und der unterdrückten Völker mit der reaktionären Bourgeoisie, mit dem amerikanischen Imperialismus, mit dem englischen, dem französischen, dem japanischen Imperialismus usw. zu predigen. Kurz gesagt, ginge es nach diesem Artikel, müsste sich das Proletariat erst einmal auf die Schulbank setzen, um den Marxismus-Leninismus zu lernen, denn dessen Prinzipien sind, so die Chinesen, sehr hompliziert, nur die Chinesen «kennen» und «verstehen» sie (!). Das ist für sie der Grund dafür, dass das Proletariat angeblich noch nicht so weit ist, ,die Revolution zu machen. Folglich habe es zuerst den Marxismus-Leninismus zu lernen. Die chinesischen Führer zeichnen sich aus in solch antimarxistischem Humbug! Mao Tsetung brachte die Kinder, die Schüler der Oberschulen, die «Gardisten» auf die Beine, die keine Ahnung vom Marxismus-Leninismus hatten. Sie sollten der «marxistisch-leninistischen» Partei Chinas und dem chinesischen Proletariat beibringen, wie man den Marxismus-Leninismus anzuwenden habe. Sie also, die keinen blassen Schimmer vom Marxismus hatten, sollten der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Proletariat den Marxismus-Leninismus lehren! Das ist der antimarxistische Inhalt der maoistischen Thesen, die Studenten hätten dem Proletariat seine Ideologie zu lehren, ihm beizubringen, wie seine Ideologie anzuwenden sei. Und dies haben sie ihm, wie wir sehen, «ganz hervorragend» beigebracht, schafften sie es doch, die ganze Partei zu zerschlagen, die Kommunistische Partei Chinas zu liquidieren.

Antimarxistisch und revisionistisch ist auch die These, die Bauernschaft habe die Hegemonie in der Revolution. Ebenso der «Ratschlag», der einzige, antimarxistische, durch und durch revisionistische «Ratschlag», den dem Weltproletariat und insbesondere dem europäischen Proletariat zu geben China sich die Mühe macht: dass es zuerst den Marxismus-Leninismus lernen und sich danach an die Revolution machen solle. Das ist das gleiche wie die «Theorie der Kader» von Anastas Lulo und Andrea Zisi, nach deren Meinung man zuerst die Kader auszubilden und dann zur Gründung der Partei und zur Revolution zu schreiten gehabt hätte. Mit einem Wort, laut Deng Hsiao-ping haben wir ganze 20 Jahre Zeit, in denen wir den amerikanischen Imperialismus und die reaktionäre Bourgeoisie in jedem Land erstarken lassen müssen, danach werden wir dann sehen, was weiter zu tun ist. Das gleiche tat auch sein alter Lehrmeister, der Revisionist Liu Schao-tschi, der 1949 predigte, China dürfe nicht den Aufbau des Sozialismus anpacken, sondern müsse auch nach seiner Befreiung noch 30 Jahre lang den ererbten Weg gehen, die kapitalistische Bourgeoisie und die Kulaken China leiten zu lassen, während in dieser Zeit «das Proletariat sich die Erfahrung zum Handeln erwerben sollte»!

Also ist klar, dass die Ziele und Thesen dieses pseudomarxistischen chinesischen Artikels nicht der Revolution und den nationalen Befreiungskämpfen dienen, ganz ausgezeichnet aber dem Imperialismus, der Weltreaktion und China, das mittlerweile den kapitalistischen Weg eingeschlagen hat und sich darauf vorbereitet, zu einer sozialimperialistischen Supermacht von Weltrang zu werden.

Lenin und Stalin redeten der Revolution das Wort, wo hingegen die chinesischen Revisionisten in diesem Artikel davon sprechen, wir hätten von Lenin zu lernen, in leninistischer Weise die Befreiungsbewegungen der unterjochten Nationen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas sowie anderer Erdteile vollauf zu begrüßen und zu unterstützen. Das ist ihrer Meinung nach alles, und dann sollen wir Beifall spenden. Doch wem? Allen, denen die Chinesen raten, die sie lehren, nicht für die Revolution zu kämpfen, nicht den nationalen Befreiungskampf aufzunehmen, sich mit jener Pseudofreiheit und Pseudosouveränität zufriedenzugeben, die sie gewonnen oder von den Imperialisten großzügig geschenkt bekommen haben. Das ist die ganze «Philosophie», die die Chinesen predigen.

In diesem Artikel zeigen sich die chinesischen Revisionisten auch bei der Verwendung von Zahlen als Chauvinisten. Lenin und Stalin führten Ziffern an, um die Zahl der unter der Herrschaft und Ausbeutung des Imperialismus geknechteten Menschen zu illustrieren und zeigten dabei auf, was sie und die Marxisten-Leninisten zu tun haben, um sich selbst und ihre Völker von der Knechtschaft zu befreien. Doch was passiert bei den chinesischen Revisionisten? Sie wiederholen diese Zahlen und vergleichen sie mit der Grösse von Chinas Territorium und Bevölkerung, um - angeblich - zu beweisen, dass die «dritte Welt», China darin .eingeschlossen, die erdrückende Mehrheit ausmachte und diese «Welt» als Ganzes die Haupttriebkraft der Revolution sei! Das ist eine Verzerrung des Sinns der Zitate von Lenin und Stalin, die in sehr übler antimarxistischer Absicht erfolgt: die Völker und das Proletariat irrezuführen, damit sie sich nicht zur Revolution erheben, damit sie dem China Mao Tsetungs mit seinen 800 Millionen Menschen eine bis zum Absurden gehende Hochachtung entgegenbringen. Das heisst, sie sollen -, wenn nicht de jure, so doch de facto -. seine Hegemonie in der sogenannten dritten Welt anerkennen, denn die Tatsache, dass China diese Zahlen anführt und sich selbst in die «dritte Welt» einbezieht, zeigte deutlich, welch grosses Gewicht es in dieser gewaltigen Zusammenballung von vielen hundert Millionen Menschen haben möchte. Diese «Welt» soll also denken, Chinas Wort sei das Wort des Herrn, und ihre Völker sollen ihm blindlings auf dem Weg in den Abgrund folgen, in den es sie zu führen sucht.

Vor kurzem schrieb ich, dass der chinesische Artikel geraume Zeit nach unserem 7. Parteitag und der Veröffentlichung der Artikel, die diesem Parteitag folgten, erschien. Während dieser Zeit fühlten die chinesischen Pseudotheoretiker der Welt, der kommunistischen Weltbewegung auf den Puls, um ihre Meinung über unsere Thesen herauszubekommen. In diesem Artikel lassen sich versteckte Versuche feststellen, den schlechten Eindruck etwas zu verwischen, den ihre falschen Thesen über die Theorie der «drei Welten» auf der Welt und in der internationalen kommunistischen Bewegung hinterlassen haben. Das ist der Grund dafür, dass die chinesischen Revisionisten in ihrem redaktionellen Artikel aufzuzeigen versuchen -, wenn auch natürlich auf sehr blasse Weise - , dass der amerikanische Imperialismus noch immer mächtig ist, dass seine Wirtschaft nicht schwächer geworden ist, dass seine Streitkräfte nicht verringert, sondern verstärkt worden sind, dass er überall auf der Welt eine grosse Zahl von Soldaten stehen hat usw. usf. Doch erstaunlicherweise verlieren sie nicht nur kein böses Wort über die NATO, diesen Aggressionspakt gegen die Völker, sie erwähnen sie noch nicht einmal, bringen nicht die geringste Erläuterung, wann und gegen wen dieser berüchtigte Pakt geschaffen wurde. Als ihre Strategie noch nicht den gegenwärtigen Kurs hatte, nahmen Mao Tsetung und die Chinesen bei ihren Ausserungen gegen den amerikanischen Imperialismus und die NATO kein Blatt vor den Mund. Nun schweigt man sich völlig über sie aus. Das ist ein Beweis für ihre Allianz mit dem amerikanischen Imperialismus. Diese «Rückkehr» zu einer ein klein wenig realistischeren Einschätzung vom .sowjetischen Sozialimperialismus und vom amerikanischen Imperialismus vollziehen sie, weil sie dazu gezwungen sind. Natürlich bringt sie das gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika nicht in eine schwierige Position, denn die sind an solche Kritiken und Schlagworte gewöhnt, von denen auch Chruschtschow eine erkleckliche Anzahl von sich gab, sogar sehr viel kräftigere als die Chinesen. Die Amerikaner lassen sich durch diese abgedroschenen Phrasen der Chinesen über die wirtschaftliche und militärische Macht des amerikanischen Imperialismus nicht verdrießen. Weder den Vereinigten Staaten von Amerika noch den anderen imperialistischen Staaten machen diese Aussagen der Chinesen auch nur das geringste Kopfzerbrechen, denn sie verstehen den Kern ihrer «Theorie», sind sich im klaren über die Linie, die sie verfolgen, und wissen, dass diese Linie als Ergebnis der vollen Übereinkunft mit ihnen festgelegt wurde.

Doch die Chinesen sind gezwungen, diese «Wendung» zu vollziehen. Dazu zwingen sie der Kampf der Partei der Arbeit Albaniens und die Notwendigkeit, ihre antimarxistischen Thesen ein wenig zu

verbrämen, hinterlassen diese doch bei den Manschen auf der Welt nach wie vor einen außerordentlich schlechten Eindruck, wenn diese sehen, dass China den amerikanischen Imperialismus in Schutz nimmt, wenn es das Bündnis mit allen Imperialisten gegen den sowjetischen Sozialimperialismus predigt, wenn es das Bündnis mit der kapitalistischen Unterdrückerbourgeoisie aller Länder der Welt predigt. Deshalb müssen die Chinesen in dieser Richtung einige Stellungnahmen abgeben, einige Ecken abrunden.

Das versucht man mit diesem Artikel zu erreichen, doch vergeblich. Ebenso vergeblich versuchen die chinesischen Revisionisten, sich mit Hilfe dieses Artikels den Anstrich von Realisten zu geben, denen es angeblich darum geht, die Theorie der «drei Welten» zu erläutern, die sie ohne jede theoretische, politische oder militärische Erläuterung als Schlagwort ausgegeben haben. So sehr sie auch zu erklären versuchen, in diesen Ländern der «dritten Welt» gebe es natürlich sowohl reaktionäre Elemente und Führer als auch fortschrittliche Führer, gebe es Agenten des amerikanischen Imperialismus und auch Agenten des sowjetischen Sozialimperialismus usw. usf. - die Verlogenheit ihrer «Objektivität» wird trotzdem offenbar. Diese unaufrichtige Haltung nehmen sie ein, um ihren Lesern zu verstehen zu geben, diese Dinge seien wahr, d.h., wenn sie es auch nicht gesagt hätten, verstünden sie es doch so. Doch die Chinesen sagen mit keinem Wort, was die Völker tun müssen, was das Proletariat gegen die Cliquen tun muss, die in den verschiedenen Ländern der Welt herrschen und Feinde des Volks, ja sogar Agenten des amerikanischen Imperialismus oder des sowjetischen Sozialimperialismus sind.

Der ganze Artikel von «Renmin Ribao» über die «drei Welten» hat keinerlei theoretischen Wert, er hat nichts Marxistisch-Leninistisches an sich. Er ist von vorne bis hinten antimarxistisch, revisionistisch. In ihm findet man nichts Wahres und kein einziges revolutionäres Ziel. Alles in diesem Artikel wird in den Dienst der konterrevolutionären Sache gestellt - die imperialistischen Mächte zu schützen, den Status quo des Kapitalismus auf der Welt zu wahren. Diesen Status quo will China, um sich unterdessen mit modernen Waffen auszurüsten und Hilfen zur Stärkung seiner Kriegswirtschaft zu erhalten.

Die chinesischen Führer glauben, dieser Artikel werde bei den Völkern und den Kommunisten auf der Welt seine Wirkung ausüben, doch sie irren sich. Und tatsächlich stellen wir fest, dass sich in der Weltöffentlichkeit im Zusammenhang mit diesem «Artikel» von «Renmin Ribao» nichts dergleichen getan hat. Wir haben nur zwei, drei Meldungen und Kommentare der wichtigsten Nachrichtenagenturen über diesen Artikel gesehen, in denen hervorgehoben wird, China greife in einem seiner Leitartikel die Sowjetunion an. Über den «Zëri-popullit»-Artikel vom 7. Juli dagegen wurde überall auf der Welt gesprochen, und zwar nicht nur einige Wochen, sondern monatelang. Und noch immer spricht man über ihn und kommentiert ihn positiv.

MONTAG,

7. NOVEMBER 1977

EIN DREIECKSSPIEL

Gestern las ich die Grußbotschaft der chinesischen Führung an die sowjetische Führung aus Anlass des 60. Jahrestags der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution. Darin zeigen sich die ersten Anzeichen einer Auflockerung in den Beziehungen zwischen den Führungen dieser beiden Länder. Zuerst wird in der Grussbotschaft über die Bedeutung der Revolution gesprochen, dann heisst es, China wünsche staatliche Beziehungen zur Sowjetunion auf der Grundlage der bekannten fünf Prinzipien sowie der Beschlüsse, die in Peking bei den Gesprächen der beiden Ministerpräsidenten Kossygin und Tschou En-lai gefasst worden seien. Anders ausgedrückt: China antwortet positiv auf Breschnews Avancen hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen.

Im redaktionellen Artikel der Zeitung «Renmin Ribao», in dem es ebenfalls um den 60. Jahrestag der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution, ihre internationale Bedeutung usw. usf. geht, heisst es indessen weiter unten in einem Absatz sinngemäß, die sowjetische Führung sei revisionistisch, in der Sowjetunion sei die Diktatur des Proletariats beseitigt worden, die Kommunistische Partei dort habe sich in eine revisionistische Partei, in eine «Partei des ganzen Volkes» verwandelt. Und man bringt noch ein paar solch harmloser und unschädlicher Beiworte. Sind also die Chinesen von den Positionen des aggressiven Angriffs auf die Sowjetunion abgegangen? Bezeichnen sie diese nicht mehr als einen aggressiven, kriegstreiberischen sozialimperialistischen Staat, wie sie es bisher in allen Artikeln ihrer Zeitungen getan haben? Wir werden sehen.

Wie wir feststellen können, hat die chinesische Propaganda seit Titos Besuch den Ton gegenüber der Sowjetunion etwas gemäßigt.

Es wurde sogar ein Binnenschifffahrtsabkommen abgeschlossen, und zwar besonders für den Fluss, an dem vor ein paar Jahren noch der bewaffnete Zusammenstoss stattgefunden hatte.

Titos Rat, die Beziehungen zur Sowjetunion etwas aufzulockern, ist also nicht auf taube Ohren gestoßen. Wir werden später sehen, wohin diese Auflockerung führen wird; wird sie sich weiter ausprägen oder wird es beim Erreichten bleiben? Das ist ein Dreiecksspiel zwischen den Amerikanern, den Sowjets und den Chinesen. Wenn Deng Hsiao-ping schon erklärt hat, China brauche 20 bis 25 Jahre Frieden, um zu einer «sozialistischen» Großmacht zu werden, dann müssen die Gemüter unbedingt beschwichtigt werden. Beschwichtigen muss China auch in den Beziehungen mit der Sowjetunion, denn es wird zum Krieg mit ihr kommen, und wenn dieser Krieg schneller kommt, wird China nicht so aufgebaut werden können, wie sich Deng Hsiao-ping und Hua Guo-feng das vorstellen. In der Perspektive wird China die Unterhosen sowohl da als auch dort herunterlassen, das heisst, sowohl bei den Amerikanern als auch bei den Sowjets. Unter diesen Umständen müssen wir wachsam sein, auf festen marxistisch-leninistischen Positionen verharren und die Verratsmanöver aller revisionistischen Strömungen entlarven, die - gegen die Revolution, gegen den nationalen Befreiungskampf der Völker - auf der Welt kursieren.

MITTWOCH,

9. NOVEMBER 1977

EINE DER REAKTIONÄRSTEN PAROLEN DER CHINESEN

Die berüchtigte Parole der Kommunistischen Partei Chinas, worin die Vereinigten Staaten von Amerika und die reaktionären kapitalistischen Länder der Welt, d.h. die Hälfte der «ersten Welt» und die gesamte «zweite Welt», wie sie sie nennt, dazu aufgerufen werden, sich mit allen Völkern der anderen Länder, die sie in der «dritten Welt» zusammenfasst, zu vereinigen. ist eine der reaktionärsten Farolen überhaupt. Anders ausgedrückt, die Kommunistische Partei Chinas ruft zum imperialistischen Raubkrieg auf. In dieser Frage zeigt sie einige Ähnlichkeit mit der II. Internationale, die in den Jahren 1914-1916 die Parole der «Verteidigung des [bürgerlichen] Vaterlands» ausgab. So betrügt die revisionistische Partei Chinas mit dieser reaktionären Parole die Völker und das Proletariat und kommt dem internationalen Finanzkapital zu Hilfe. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen imperialistischen Staaten, das Bonner Deutschland, Japan und andere, haben den Wunsch und das Ziel, die Welt zu beherrschen, die Völker auszubeuten, das Proletariat zu unterdrücken.

Für die wahren Marxisten-Leninisten ist klar, dass das Proletariat absolut gegen einen solchen Krieg sein muss, dass gerade das Proletariat alle Anstrengungen unternehmen muss um dafür zu sorgen, dass die Regierung und die sogenannte Kommunistische Partei Chinas mit dieser antimarxistischen politischen Linie, die sie verfolgen, scheitern, eine Niederlage erleiden. Das internationale Proletariat muss genauso gegen die jeweiligen reaktionären Regielungen kämpfen, die in kapitalistischen und revisionistischen Ländern herrschen und ihre Pläne für einen solchen Raubkrieg durch kreuzen, indem es die Vorbereitungen auf einen imperialistischen Krieg verhindert. Und sollte er dennoch ausbrechen, dann muss es ihn in einen Bürgerkrieg verwandeln, um die herrschende Bourgeoisie des Landes zu stürzen und die Macht zu übernehmen.

SAMSTAG,

12. NOVEMBER 1977

INFORMIEREN WIR DIE PARTEI ÚBER DIE ABWEICHUNG

CHINAS

Gestern und heute legte ich letzte Hand an den Bericht über die Abweichung der Kommunistischen Partei Chinas vom Marxismusleninismus, den ich auf dem 3. Plenum des Zentralkomitees halten werde. Auf Beschluss des Politbüros werden am Dienstag, den 15. November, alle Plenummitglieder sowie die Ersten Sekretäre der Bezirksparteikomitees zum Sitz des Zentralkomitees kommen, um diesen Bericht zu studieren. Sie werden sich auch mit dem zweiten Bericht vertraut machen, den Genosse Ramiz über die Verbesserung der Arbeit der Partei zur Erziehung der Kommunisten und Kader halten wird. Am Mittwoch, den 16. November, werden die Genossen einen freien Tag haben, um sich auf die Diskussion vorzubereiten, und am Donnerstag beginnen wir dann direkt mit der Diskussion.

Ich meine, dass es sehr dringend und unerlässlich ist, die Partei über die feindliche, antimarxistische Tätigkeit zu informieren, die die Kommunistische Partei Chinas betreibt. Natürlich habe ich mich bemüht, den Bericht, den ich vor dem Plenum halten werde, so verständlich, so klar und so fundiert wie möglich zu machen. Viele theoretische und praktische Fragen der Kommunistischen Partei Chinas und ihrer Führung schon seit der Zeit vor Mao Tsetung müssen gründlicher untersucht werden, denn in der Aktivität dieser Partei und ihrer Führung sind vielerlei revisionistische Erscheinungen festzustellen. Es gibt bei den Chinesen Ausdrucksweisen. Formulierungen, einmal maskiert, ein andermal in einen «philosophischen» Nebel gehüllt, die wir unter dem Blickwinkel des Marxismus-Leninismus und der Situation in China richtig interpretieren müssen. Viele Kommunisten kennen die allgemeine Geschichte der gesell schaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und militärischen Entwicklung Chinas nicht, und dies gilt nicht nur für die Periode vor der Befreiung, sondern auch für den Zeitraum nach der Gründung der Volksrepublik China. Sie kennen viele Aspekte der Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas nicht. Auch wir selbst, die Partei und ihre Führung, haben bisher in der Öffentlichkeit wohlwollend über das neue China, seine Kommunistische Partei und Mao Tsetung gesprochen. Wir sagen im Bericht und haben auch schon auf anderen Sitzungen des Zentralkomitees und in den Diskussionsbeiträgen im Politbüro gesagt : nach der Kenntnis, die wir von der Situation in China hatten, nach dem, was wir wussten, meinten wir, die Interessen der Revolution erforderten, verlangten eine solche Unterstützung Chinas und Mao Tsetungs durch uns. Ungeachtet der Kritik, die wir bei vielen ideologischen Problemen an ihnen hatten, glaubten wir im grossen ganzen, die Kommunistische Partei Chinas kämpfe immerhin gegen den Chruschtschowrevisionismus und dies sei ein Plus für die Sache der Revolution.

Deshalb stellt sich uns die Aufgabe, in der Partei Klarheit über diese Frage zu schaffen, damit auch in dieser Hinsicht Einheit des Denkens besteht. Diese Einheit des Denkens versuchen wir nicht durch Propagandaschlagworte zu stählen, sondern - wie immer bibier - durch unleugbare und im Licht des Marxismus-Leninismus analysierte Tatsachen. Nur so werden wir unsere Kommunisten und unser Volk in diesen neuen Schlachten stählen und auch das eine oder andere schwankende Element entwaffnen, das an diesem Wendepunkt oder in einem Moment, den es für geeignet hält, unweigerlich hervortreten wird.

Die Partei muss ihr ideologisches und politisches Niveau noch weiter heben, sie muss die Probleme gründlich erfassen, sie muss ein tiefes Verständnis von den Schwenks der verschiedenen revisionistischen Gruppierungen in der internationalen Arena haben. So wie sie den Titoismus und den Chruschtschowrevisionismus verbtanden hat, so muss sie auch den Maoismus verstehen und sich für uns bevorstehende noch härtere Schlachten rüsten.

Unsere Partei hat grosse Kraft, eine gewaltige Erfahrung. Diese Erfahrung ist nicht nur dem Studium des Marxismus-Leninismus zu verdanken, sondern wurde in Kämpfen und Anstrengungen, ihn getreulich in die Tat umzusetzen, erworben und gesammelt. Die albanischen Kommunisten haben eine ganze Reihe von Kämpfen durchgestanden, ihr ganzes Leben war Kampf - bewaffneter Kampf gegen den italienischen Faschismus, bewaffneter Kampf gegen den deutschen Nazismus, ideologischer und politischer Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus und seine Diversanten, gegen die Gesaräte proamerikanische Koalition, die unser Land durch Diversanten, ideologisch und politisch bekämpfte. Wir haben einen ideologischen und politischen Kampf gegen den jugoslawischen Titoismus und die mit ihm liierten Verschwörer, Koçi Xoxe und Konsorten, geführt. Wir haben gekämpft gegen die Chruschtschowrevisionisten und ihre Agentur in unserem Land, Liri Belishova, Kóçö Tashko, Maqo Çomo, Panajot Plaku und viele andere. Beqir Balluku,, Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi und die anderen, die Agenten der sowjetischen und der titoistischen Revisionisten waren, doch im Verborgenen blieben, arbeiteten auch als Agenten der Chinesen.

Nun hat unsere Partei auch einen unbeugsamen Kampf gegen die chinesischen Revisionisten aufgenommen. Wir wollen hier gar nicht reden von dem grossen, gewaltigen Kampf, den sie unter .diesen schwierigen Verhältnissen geführt hat, um den Sozialismus in allen Bereichen aufzubauen, um den neuen Menschen mit neuen Eigenschaften, mit hoher proletarischer Moral zu erziehen, um sein ideologisch-politisches Niveau zu heben, vom Kampf gegen die Schwierigkeiten, gegen die Religion, für die Emanzipation der Frau, für die Elektrifizierung des Landes usw. usf. All dies ist eine gewaltige Erfahrung, die unsere Partei hart macht wie Stahl und befähigt, allen Schwierigkeiten zu trotzen, woher sie auch kommen und welcher Natur sie auch sein mögen. Deshalb müssen wir diese Lage ständig ,und unablässig festigen.

MONTAG,

21. NOVEMBER 1977

MAO ÜBER DEN DEMOKRATISCHEN ZENTRALISMUS

Mao war mit dem Prinzip des demokratischen Zentralismus, so wie es Lenin erläuterte und anwandte, nicht völlig einverstanden. Mao gab diesem Prinzip «eine sehr viel breitere Bedeutung». Dabei ging es ihm angeblich darum, die chinesische Gesellschaft im allgemeinen zu charakterisieren und dem demokratischen Zentralismus eine andere Form und einen anderen Inhalt zu geben. Im Gegensatz zu Lenins Theorie liess Mao Tsetung, was die Beziehungen zwischen Zentrum und Massen anbelangt, dem spontanen Handeln der Massen im allgemeinen und der Arbeiterklasse im besonderen freien Lauf. Lenin liess bekanntlich spontane Disponibilitäten im Gegensatz zu den marxistischen Prinzipien nicht zu. Nach Lenin müssen die Handlungen der Massen und der Klasse von der marxistischen Partei orientiert und geleitet werden.

Mao vertrat den Standpunkt, die Massen müssten selbst, ohne die Führung durch die Arbeiterklasse und ihre Partei und ohne Rücksicht auf die Prinzipien des demokratischen Zentralismus, ihr Leben aufbauen. Wir sahen jedoch sowohl vor der Kulturrevolution als auch und besonders danach, dass diese ganze maoistische Theorie ein derartiges Chaos verursachte, dass selbst Mao überrascht war und sich zu besinnen begann, wie diesem Chaos Schranken zu setzen seien.

Lenin betrachtete den demokratischen Zentralismus als Grundprinzip der Organisation von Partei und Staat. Unter diesem Prinzip verstand er die volle Freiheit der Diskussion über alle Fragen. Waren aber von den höheren Organen Beschlüsse gefasst worden, mussten sie von den unteren Organen unbedingt eingehalten werden. Die unteren Organe mussten gefragt werden; war jedoch der Beschluss gefasst worden, hatten sie sich den darin enthaltenen Anordnungen vorbehaltlos zu unterwerfen. Mao Tsetung verstand auch die Demokratie anders als Lenin, von daher kam er zu der Schlussfolgerung, es könne keinen korrekten demokratischen Zentralismus geben. Für Mao lässt sich der Zentralismus nicht durchführen, weil sich die Auffassungen und Meinungen der Menschen, ihr Verständnis von den Dingen unterscheiden!

Was ist dann für Mao der demokratische Zentralismus? Seiner Ansicht nach ist er in erster Linie ein Zentralismus der «richtigen» Ideen! Das heisst, dass er dieses Prinzip nicht als einen konkreten Ausdruck der Bildung, der Abhängigkeit, der Unterordnung, der Kollektivität und der einheitlichen Leitung der Organe der Partei und des Staates der Diktatur des Proletariats betrachtet, sondern ein idealistisches Verständnis davon hat.

DIENSTAG,

22. NOVEMBER 1977

UNRAT, DEN DIE REVISIONISTEN FABRIZIEREN

Hsinhua brachte gestern Abend lange Auszüge aus einem umfangreichen feindlichen, revisionistischen Artikel, den Kazimierz Mijal, der den Titel eines Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Polens für sich beansprucht, über die chinesische Botschaft in Tirana nach Peking geschickt hat. Diesen Revisionisten haben wir, ohne ihn schon früher zu durchschauen, jahrelang in seiner Arbeit bei der Leitung seiner Kommunistischen Partei unterstützt. Wir haben ihm alle politischen, ideologischen, moralischen und wirtschaftlichen Erleichterungen gewährt. Es stellt sich jedoch heraus, dass er nichts ist als ein Renegat des Marxismusleninismus, ein verkappter Feind der Partei der Arbeit Albaniens. Daher ist es nicht notwendig, hier lange auf seine feindliche Tätigkeit einzugehen, die schon vor zwei Jahren aufgedeckt wurde.

Nach dem 7. Parteitag, aber auch schon früher, hat Kazimierz Mijal unsere Partei provoziert, doch diesmal griff er offen die Thesen unseres Parteitags an. Es zeigt sich deutlich, dass er in geheimer Verbindung mit den Chinesen gestanden hat, denn er verficht genau die Thesen, die auch sie gegen unsere Partei vorbringen. Diese Thesen hat Mijal ebenfalls in einigen Briefen dargelegt, die er an unser Zentralkomitee geschickt hat. Der Artikel, von dem hier die Rede ist, enthält in journalistischer Form nur all jene antimarxistischen und verräterischen Ansichten eines Renegaten, eines Agenten des Imperialismus und des chinesischen Revisionismus, die er auch schon in seinem feindlichen und antimarxistischen Brief an das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens ausgeführt hat.

In dem Brief, den er uns geschickt hat, erklärt er, er sei bereit, auch mit dem Teufelein Bündnis einzugehen, wenn der nur gegen den Sowjetrevisionismus sei. Unter anderem vertritt er die These, ein Land, ein Volk oder eine Partei könnten nicht zwei Hauptfeinde haben, sondern, nur einen, und das sei die Sowjetunion, nicht aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb seien er und seine angeblice Partei bereit, mit der gesamten Reaktion sowohl der seines Landes als auch der Weltreaktion - gegen den Sowjetimperialismus zusammenzuarbeiten. Das ist die These der Chinesen, die These von der «dritten Welt», die These: «Sich auf einen Imperialismus sützen, um einen anderen Imperialismus zu bekämpfen.

Doch mit der Zeit wird sich zeigen, dass die chinesischen Revisionisten sich auch de: Sowjetrevisionisten annähern, auch mit ihnen innige Freundschaft chliessen. Die richtige Linie unserer Partei wird sich jeden Ta; mehr durchsetzen. Und wir sind uns bewusst, dass dieser Unrat in der internationalen Arena und in den Reihen der kommunistischen Bewegung aufgetaucht ist und wei1er auftauchen wird weil die revisionistischen Feinde daran arbeiten, unsere Bewegung zu spalten und Schmutz auf die ruhmreiche marxistisch-leninistische Theorie zu werfen. Doch die marxistisch-leninistische Theorie wird triumphieren, unsere Sache ist gerecht, das Weltproletariat wird sie zu seiner Sache machen. Dazu werden natürlich Erläuterungen, Anstrengungen, Kampf nötig sein. Doch wir werden es 5chaffen, auch diese neue Strömung des Revisionismus, repräsentiert durch die chinesischen Revisionisten, zu entlarven.

MITTIVOCH,

23. NOVEMBER 1977

VERFOLGEN WIR HARTNÄCKIG DEN BAU DER OBJEKTE

Wir dürfen die Arbeiten an der zweiten Phase der Objekte, die wir im Bau haben, nicht vernachlässigen. Im Gegenteil, wir müssen den Bau dieser Objekte, bei denen uns China hilft, rigoros verfolgen, damit sie rechtzeitig fertiggestellt werden. Deshalb müssen wir Bescheid wissen, was wir brauchen und was wir nicht brauchen, warum einiges gekommen ist und einiges nicht. Ständig müssen Forderungen gestellt werden, denn wir wissen, dass China uns zunehmend Schwierigkeiten in den Weg legt und legen wird. Ebenso müssen wir uns über die Arbeit am Werk Nr. 12 auf dem laufenden halten, das Ende dieses Jahres fertiggestellt sein und spätestens im Januar die Produktion aufnehmen muss, damit wir unser eigenes Eisen verhütten können. Deshalb muss das Industrieministerium dazu angehalten werden, die Produktion richtig zu organisieren und den Bau dieses wichtigen Objekts ständig zu kontrollieren.

Es ist unerlässlich, dass wir diese wichtigen Probleme ständig im Auge behalten, rigoros auf die Fristen, auf die Qualität achten, keine überflüssigen Ausgaben dulden. Die Ministerien und ihre Stäbe müssen bei all diesen Problemen Geschick beweisen, in bezug auf die Probleme beim Bau der Objekte wie auch die Probleme bei der Rohstoffbeschaffung im In- und im Ausland. Sie müssen es verstehen, mit besonderem Geschick zu manövrieren, um richtige Kombinationen treffen, vorbeugen, das Notwendige im voraus tun zu können, anstatt die Dinge erst zu konstatieren, wenn es schon zu spät ist und Defizite entstanden sind.

Will man dieser schwierigen Situation gerecht werden, dann muss man die Zügel straffer ziehen, dann muss man mit hohem Bewusstsein, mit solider Organisation und einer straffen Leitung arbeiten, wobei man der Komplexität unserer sozialistischen Wirtschaft gerecht werden und alle ihre Bereiche miteinander koordinieren muss.

SONNTAG,

27. NOVEMBER 1977

WIR KÚNNEN DEM CHINESISCHEN REVISIONISMUS GEGENÜBER KEINEN MILDEREN TON ANSCHLAGEN

Deng Ying-tschao, die Witwe Tschou En-lais, ist in den Iran gereist, um dem Schah dieses Landes und der Prinzessin Aschraf, dem grossen «Freund» und der grossen «Freundin» des China Mao Tsetungs, einen Besuch abzustatten. Prinzessin Aschraf ist in China von Mao Tsetung und Tschou En-lai zwei oder drei Mal mit grossem Pomp empfangen worden.

Dem Besuch Deng Ying-tschaos ging ein langer Artikel der Nachrichtenagentur Hsinhua und der Zeitung «Renmin Ribao» voraus, in dem von der Grösse des Schah-in-Schah die Rede ist, vom «blühenden» Iran, diesem «freien» und «unabhängigen» Land, das angeblich erbittert gegen die beiden Supermächte kämpft. Was für eine ungeheure Schande für China, einen Banditen und Sohn eines Banditen zu verherrlichen, den Amerika mit dem Flugzeug aus der Emigration zurückbrachte, nachdem es mit Dollars und seiner Agent ur den Aufstand Mossadeghs unterdrückt und die Tudeh-Bewegung in Blut erstickt hatte! Dieser Tyrann unterdrückt heute erbarmungslos das iranische Volk, saugt ihm das Blut aus. Dort haben Massen von Menschen keine Arbeit und kein Brot, sie haben nichts anzu7iehen, kein Dach über dem Kopf, noch nicht einmal eine Hütte (von den vom Erdbeben zerstörten Gebieten gar nicht zu reden), und das zu einer Zeit, da er persönlich und sein Kreis jedes Jahr Hunderte von Milliarden Dollars einstecken! Solche Leute sind die «grossen» und «aufrichtigen» Freunde Chinas.

China ist ein vor dem amerikanischen Imperialismus katzbuckelnder grosser Staat geworden, der den Kapitalismus und die gesamte reaktionäre Bourgeoisie verteidigt, unter welcher Maske sie auch auftritt. Es unterstützt den Schah des Iran, die Politik von Washington, Paris, Bonn, London, mit einem Wort, die Politik der Imperialisten jeder Art, jeden Kalibers und jeder Stärke. All dies tarnt es mit einem Feigenblatt, dem angeblichen Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Doch Chinas Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus trägt nur den Charakter territorialer Expansion. Chinas Ziel ist, die nördlich von ihm gelegenen Gebiete - Sibirien, die Mongolei und andere - zu besetzen. Ebenso hat es ein Auge auf ganz Indien und die anderen Länder Südasiens geworfen, etwa Indonesien und die Philippinen, auf die Länder des Fernen Ostens, auf Australien usw., um sie, wenn schon nicht in seine Hand, so doch unter seinen Einfluss zu bringen.

Mao Tsetung wollte, dass China seine alte, Jahrhunderte zurückliegende Grösse wiedererlange. Mit anderen Worten, China sollte auch in moderner Zeit das «Reich der Mitte» werden, wie man es vor langem, zur Zeit des Konfuzius und der Kaiser nannte. Mao Tsetung, Liu Schao-tschi und Tschou En-lai kämpften nicht für den Triumph des Sozialismus und des Kommunismus. Sie waren bestrebt, die proletarischen Revolutionen in Asien und nun auf der Welt zu verhindern. Die maoistische Führung Chinas erlaubte Tschiang Kaischecks Truppen den Durchzug nach Birma, wo sie gegen die dortige nationale Befreiungsbewegung kämpften, die von der Kommunistischen Partei Birmas geführt wurde. Ja, sie kämpfen sogar noch heute gegen sie. Auch wenn es heisst, ein Teil dieser Truppen sei nach Taiwan gegangen, so sind doch die maoistischen Führer Chinas in ihrer Freundschaft mit U Ne Win zu dessen wichtigsten Stütze bei seinem Vorhaben geworden, die Kommunistische Partei Birmas zu liquidieren.

Ebenso verfuhren die revisionistischen chinesischen Führer bei der Spaltung und Liquidierung der Kommunistischen Partei Malayas, gegen die der englische Imperialismus seine Schläge gerichtet hatte, wobei Zehntausende von Kommunisten getötet worden waren.

Gleiches geschieht heute auch mit den Kommunisten der Philippinen. Mao Tsetung unterhielt eine enge Freundschaft mit Marcos, diesem kapitalistischen Schlächter, der dabei ist, die nationale Befreiungsbewegung dieses Landes zu liquidieren.

China erhebt Anspruch auf Hegemonie. Es träumt davon, nicht nur die Sowjetunion, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika zu überholen. Doch seine «Lenden», wie man in Gjirokastra sagt, also seine Gegenwehartige Kraft, besonders die wirtschaftliche und militärische, reicht nicht aus, um die hegemonistische Politik zu verwirklichen, an der es bastelt und von der es träumt. Chinas Politik ist versklavend, und das begreifen die Völker, das begreift das Proletariat, das begreift die Bourgeoisie, das begreifen die fortschrittlichen Menschen. Um selbst die Völker versklaven zu können, unterstützt der chinesische Hegermonismus die Versklavung der Völker durch die Imperialisten, die China augenblicklich «Freunde», «Fürsprecher», gar «Befreier der Völker» nennt. Doch in Wirklichkeit hat diese Politik ein Fiasko erlitten und wird auch weiterhin ein Fiasko erleiden, denn ein Mensch mit Urteilsvermögen, der sich bis zu einem gewissen Grad, und sei es auch nur minimal, Gedanken um die Interessen seines Volkes macht, muss die reaktionäre Politik, die China gegenwärtig betreibt, zwangsläufig durchschauen.

In Anbetracht all dessen äussern wir uns deshalb zur Linie und Politik der Kommunistischen Partei und der Regierung Chinas in scharfen Worten, denn die sind den Taten der chinesischen Führung angemessen. Wir Albaner, wir albanischen Kommunisten sind in der

Lage festzustellen, dass sie ganz und gar vom marxistisch-leninistischen Weg und von z Weg des Aufbaus des Sozialismus abgewichen sind. Angesichts dieser Fakten, angesichts dieses Verhaltens und dieser Ideologie können wir daher dem chinesischen Revisionismus gegenüber keinen milderen Ton anschlagen.

FREITAG,

2. DEZEMBER 1977

DIE CHINESEN DEHNEN DIE IDEOLOGISCHEN

MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN AUF DIE

STAATLICHEN BEZIEHUNGEN AUS

Unser Botschafter in Peking teilte uns mit, dass die Chinesen den Mitgliedern unserer Handelsdelegation erklär t haben, sie würden keine Spezialisten für Phosphorige, PVC und ich weiss nicht für welches andere Problem noch nach Albanien schicken, denn : «Es bestehen keine geeigneten Bedingungen. Solange keine guten Bedingungen und Einvernehmen hergestellt worden sind, werden wir keine Spezialisten zu diesen Objekten schicken.» In anderen Worten, die chinesischen Revisionisten fangen an, die zwischen uns und ihnen bestehenden Verträge und Abkommen offen zu sabotieren. Sie beginnen, die ideologischen Gegensätze zu uns auf das Gebiet der staatlichen Beziehungen auszudehnen, nehmen also langsam die alten Positionen der Sowjets ein, was wir natürlich vorausgesehen haben. Heute kommt, glaube ich, das chinesische Flugzeug, und wir -a erden einen schriftlichen Bericht von unserer Botschaft erhalten. den wir gründlich studieren werden, um dann entsprechend zu handeln.

Zunächst, so meine ich, sollten wir die Chinesen darauf hinweisen, dass diese Handlungsweise eine Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen bedeutet, also falsch ist und umgehend aufgegeben werden muss. Wir werden dann sehen, wie sie weiter vorgehen, und dieses Vorgehen aufmerksam und wachsam verfolgen.

FREITAG,

2. DEZEMBER 1977

AUF DER WELT WERDEN KOMMUNISTEN GETÖTET - DIE

CHINESEN LÄSST DAS UNGERUHRT

Die Nachrichtenagenturen melden, dass der Vorsitzende der Kommunistischen Partei der Philippinen zusammen mit einer Gruppe anderer Genossen des Zentralkomitees der Partei von Diktator Marcos verhaftet worden ist.

Die Kommunistische Partei der Philippinen ist eine kämpferische Partei, doch sie ist der totalen Sabotage durch die chinesischen Revisionisten ausgesetzt. Warum sollte der Schlächter Marcos so etwas auch nicht tun, unterhielt doch Mao Tsetung selbst enge Verbindungen mit den Henkern der Kommunistischen Partei der Philippinen? Diktator Marcos und seine schöne Frau mit ihrem tiefen Dekolleté, aus dem der Busen herausquoll, wurden zwei oder drei Mal in Audienz von Mao empfangen. Sie wurden von ihm gelobt und beglückwünscht und bemühten sich um enge und aufrichtige Freundschaft mit Mao Tsetung und China. Und Mao reichte ihnen die Hand.

Auf der anderen Seite metzelt der philippinische Diktator die Marxisten-Leninisten der Philippinen nieder, die für die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität der Inseln, gegen das fremde Joch und das innere Joch des Kapitals kämpfen. Doch die chinesischen Revisionisten lässt das ungerührt.

Nichts anderes taten sie auch im Fall der Kommunistischen Partei Indonesiens unter Führung von Aidid, als Suharto 500000 Menschen massakrierte. Nicht anders verfuhren die chinesischen Revisionisten auch mit der heroischen Partei Malagas, mit der Partei Birmas, deren Kommunisten U Ne Win, der Freund Mao Tsetungs und der chinesischen Revisionisten, aufrieb. Völlig ungerührt liessen die Chinesen auch die anderen Parteien des Fernen Ostens, mit denen man auf die gleiche Weise verfuhr.

Dies ist ein Verbrechen der maoistischen Führung an den Marxisten-Leninisten in Asien. Inzwischen betreibt sie diese Tätigkeit überall auf der Welt, in Europa, in Lateinamerika, in Afrika, in Australien und überall sonst.

Unter der Maske des Marxismus-Leninismus zielt sie darauf ab, diese Länder und diese Parteien auf dem kapitalistischen Weg zu führen und Chinas Hegemonie über sie zu errichten, um ein Gegengewicht zu den beiden Supermächten zu schaffen und selbst zur Supermacht zu werden.

DONNERSTAG,

8. DEZEMBER 1977

EIN DÜSTERES CHINESISCHES PANORAMA

Das chinesische Panorama ist düster, innerhalb wie ausserhalb Chinas.

Mehr als ein Jahr ist seit dem Machtantritt der Clique von Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping verstrichen, und diese zeigt sich nun eifrig bemüht, die bürgerliche kapitalistische Macht und die revisionistische Ideologie in ganz China zu konsolidieren. Die zahlreichen Fakten, die die Presse und die Nachrichtenagenturen bringen, die auf zahlreichen Kontakten zu in Peking akkreditierten Diplomaten verschiedener Länder der Welt basierenden Mitteilungen, die wir von unserer Botschaft in Peking erhalten - all dies zeigt, dass die Situation dort chaotisch ist, sich nicht im geringsten stabilisiert hat.

Seit dem Machtantritt Hua Guo-fengs gab es nicht nur die Peripetie im Schwanken seiner Gruppe bei der Rehabilitierung Deng Hsiao-pings, vielmehr lassen sich schon seit der Zeit des Schlags gegen die sogenannte Vierergruppe ständige Unruhen und, wie es heisst, sogar bewaffnete Zusammenstösse feststellen.

Tatsächlich spricht die offizielle chinesische Presse davon, dass gegenwärtig in allen Provinzen viele Menschen, einmal 10, einmal 17, einmal 20 oder 25 erschossen werden. Und die Zahlen steigen an. Wir sehen, dass in der chinesischen Presse dauernd nach «staatlicher Disziplin» gerufen wird, und zwar nicht nur bei der Arbeit, sondern auch nach innerer Disziplin. Dies wird in vielen Leitartikeln, besonders in «Renmin Ribao», betont. Das zeigt, dass in China nicht alles wie geschmiert und ruhig seinen Lauf nimmt, wie das die Leute der 'Putschistengruppe Hua Guo-fengs dachten. Anscheinend ist dort die Bewegung gegen Hua Guo-feng ziemlich stark. Neben den Verhaftungen, Einkerkerungen und Erschießungen haben die Putschisten während dieser Zeit auch Kampagnen zur Liquidierung der Kulturrevolution unternommen. Das bedeutet eine Diskreditierung Mao Tsetungs, natürlich indirekt, doch immerhin eine Diskreditierung, weiss man doch, wie sehr propagiert wurde, die Kulturrevolution sei von Mao Tsetung persönlich initiiert und geführt worden (und das stimmte). Nun sagt die Hua-Guofeng-Clique, die Kulturrevolution sei abgeschlossen, während sie doch tatsächlich, laut Mao, weitergehen sollte zur «Liquidierung der Bourgeoisie» in China. Doch der Gruppe Hua Guo-fengs zufolge ist diese «Bourgeoisie in der Partei» wieder hochgekommen, und zu ihrem Pech umfasst diese «Bourgeoisie in der Partei» 12 bis 16 Millionen (ich weiss nicht genau, wie viele neue Elemente während der Kulturrevolution in die Partei kamen), und das waren - wie sie selbst sagten - gesunde Elemente, hervorgegangen aus der Arbeiterklasse und der revolutionären Jugend!

Diese Kulturrevolution hätte also fortgesetzt werden müssen, doch die Putschisten stoppten sie. Warum? Weil sie nicht mit ihr einverstanden waren, weil die von Mao eingeleitete Kulturrevolution - so wie er sie entfaltete und mit den Absichten, die er dabei verfolgte -, in Wirklichkeit ein Kampf gegen die Gruppe von Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und all den anderen war, die in ihren Selbstkritiken zugaben, sie seien Monarchisten, Konfuzianer, Konterrevolutionäre gewesen. Hua Guo-feng wollte mit seiner öffentlichen Erklärung vor dem Zentralkomitee zu verstehen geben, die Kulturrevolution sei falsch gewesen und mittlerweile ungeschehen gemacht. Nach Deng Hsiao-ping wurden auch all die andern rehabilitiert, die in der Kulturrevolution verurteilt worden waren, von Peng Tschen bis Peng Dö-huaj, und sicherlich wird auch Liu Schao-tschi rehabilitiert werden.

All die Reaktionäre, denen die Kulturrevolution Schläge versetzte, haben wieder ihre früheren Funktionen erhalten und besetzen Schlüsselpositionen in der Leitung. Sie sind allesamt nicht nur Reaktionäre, Revisionisten, Trotzkisten, Kapitalisten, sondern auch alt. So fiel die Führung in China, sowohl in der Partei als auch im Staat, wieder in die Hand der Reaktion, der alten, zwar schwang losen, dafür aber bösartigen und rachsüchtigen Reaktion, die nun auf die junge Generation einschlägt und sie auf die Strasse wirft. Diese Bande an der Macht begann die Säuberung an der Peking Universität, einem der Hauptzentren der Kulturrevolution. Von dort wurden all die Elemente aus der Arbeiterklasse entfernt, die vor 10-12 Jahren an die Universität gekommen und zu leitenden Kadern und Erziehern der jungen Generation geworden waren. Sie alle wurden von der Universität entfernt, natürlich mit Zeremonien und «mit Blumen», während unten, in den Provinzen, die Prozedur der Ersetzung aller Menschen, die nicht mit der Führung einverstanden sind, durch Getreue der Putschisten weitergeht, insbesondere durch Militärs, denn die gegenwärtige Führung stützt sich auf die Armee. Für sie ist die Partei eben jene nichtexistente Partei, eine amorphe Organisation, ein Etwas mit entarteten Normen, das diese Führung, die ihr mit Waffengewalt aufgezwungen wurde, zu unterstützen, «ja» und «zu Diensten» zu ihr zu sagen hat.

Diese ganze Situation hat jedoch China wirtschaftlich ausgezehrt, geschwächt, sie hat seine staatliche Organisation geschwächt und der Volkswirtschaft schwer geschadet. Das macht sich überall in China bemerkbar. Dort gibt es eine ausgeprägte Unzufriedenheit und Engpässe bei der Versorgung.

Auch die wirtschaftlichen Beziehungen Chinas mit dem Ausland sind viel schwächer geworden - nicht nur mit uns, das sowieso, sondern auch mit den anderen Ländern. Das ist das Ergebnis des grossen Verrats, der in China gerade stattfindet, eines Verrats, dessen Wurzeln nicht nur im Machtantritt der Putschistengruppe Hua Guo-fengs und Deng Hsiao pings zu suchen sind, sondern noch sehr viel tiefer sitzen, in der revisionistischen, antimarxistischen, kápitalistischen Linie der Gruppe Mao Tsetungs.

Wie man uns sagt, herrscht in China unter den Menschen Misstrauen, sie wagen noch nicht einmal, miteinander zu sprechen, denn man denunziert sie bei den Organen der Polizei, der Armee, was unverzüglich Massnahmen nach sich zieht. Das Land ist so gross, dass man nicht weiss, wohin diese Menschen gebracht werden. Werden sie erschossen, aufgehängt oder in Konzentrationslager gesperrt? Ihre Angehörigen wissen nichts darüber. Das sind die Angaben, die unsere Leute von chinesischen Freunden erhalten. Diese Leute, die unsere marxistisch-leninistische Linie unterstützen, sprechen mit uns, doch untereinander können sie so etwas nicht sagen. So sieht also die Situation aus, eine Situation des Terrors, eine überaus drückende Situation für das chinesische Volk, das dieses schlimme Schicksal, das ihm Mao Tsetung und seine Nachfolger bescherten, nicht verdient hat.

Das chinesische Volk kämpfte für die Befreiung seines Landes, für die Unabhängigkeit und den Sozialismus, doch es wurde von der Führung mit Mao Tsetung an der Spitze betrogen und nicht auf den wahren Weg des Sozialismus geführt, zur Konsolidierung der Partei durch die marxistisch-leninistischen Normen und die marxistisch-leninistische Ideologie. Der neue chinesische Staat wurde nicht auf den Weg des Sozialismus gelenkt, sondern setzte den Weg der kapitalistischen Entwicklung, der Entwicklung der reaktionären Bourgeoisie und des Kulakentums fort. Sie alle, mit Mao Tsetung an der Spitze, einschließlich Liu Schao-tschis und der anderen, waren nichts als NÖP-Leute, die die NÖP als eine ständige, sehr lange dauernde Periode verstanden und praktizierten, die schließlich angeblich in den Sozialismus münden würde. Ihr wahres Ziel war es jedoch, den Sozialismus in den Kapitalismus zu integrier en. Sie waren nichts als Bucharienisten.

Wir stellen fest, dass das China Hua Guo-fengs und Deng Hsiaopings auch international in der vollen Bedeutung des Wortes diskreditiert ist. Seine Stimme ist auf der Welt kaum zu hören. Es nimmt zu keinem der kapitalen Probleme Stellung, die die Menschheit, die Völker und die Staaten bewegen. Sein einziges Schlagwort ist: Zusammenschluss aller Staaten der Welt, der «zweiten Welt» und der «dritten Welt», wie es sie nennt, mit dem amerikanischen Imperialismus gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Das ist die ganze Achse der chinesischen Aussenpolitik, um diese Achse dreht sich, darauf beschränkt sich die ganze Aktivität. Wenn man eine Nachricht von «Renmin Ribao» oder Hsinhua überhaupt Aktivität nennen kann, dann besteht diese «Aktivität» in nichts anderem als dem einen oder anderen Propagandaartikel oder der Sammlung all jener Meldungen der allerreaktionärsten Nachrichtenagenturen, die zum Weltkrieg hetzen, indem sie den Völkern einreden, der sowjetische Sozialimperialismus sei die Hauptgefahr für sie, deshalb müssten sie gegen ihn aufrüsten und kämpfen.

Dieses Ziel ist also in der chinesischen Aussenpolitik vorherrschend: China ruft das Weltproletariat, die unterdrückten Völker, die Völker der Kolonien und Halbkolonien usw. dazu auf, sich mit dem amerikanischen Imperialismus zusammenzuschließen, sich mit der reaktionären Bourgeoisie ihrer Länder zusammenzuschließen, angeblich, um gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu kämpfen. Ein anderes Problem wirft China nicht auf, und es ist dazu auch gar nicht in der Lage. Doch warum ist es dazu nicht in der Lage? Weil es sich selbst in die «dritte Welt» eingereiht hat. Die Länder dieser «dritten Welt» sind jedoch im grossen und ganzen entweder mit dem amerikanischen Imperialismus oder dem sowjetischen Sozialimperialismus verbunden. China selbst, Mitglied der sogenannten dritten Welt, ist mit dem amerikanischen Imperialismus und seinen Satelliten, also den Cliquen der Länder der «dritten Welt-> verbunden.

Unter diesen Bedingungen kann China keine Meinung haben, keine Frage aufwerfen oder verfechten, die im Interesse eines Staates bzw. von Staatengruppierungen der «dritten Welt» ist, die möglicherweise gegen den amerikanischen Imperialismus aufbegehren. Vielmehr unterstützt es jene kapitalistischen Führungen, die eine von den Zeitumständen abhängige Gegnerschaft zum sowjetischen Sozialimperialismus zur Schau stellen. So ist nicht nur Chinas gesamtes internationales Auftreten verschwommen, ohne Substanz, ohne Feuer, weil nicht revolutionär, sondern es zeigt sich auch klar, dass China die Versklavung der Völker durch die amerikanischen Imperialisten unterstützt. Also hören die Völker, die es Völker der «dritten Welt» nennt und deren Hirte es werden möchte, nicht auf diesen hinterhältigen Hirten, der das Lied des Imperialismus singt, der sie unterdrückt. Die Völker der sogenannten dritten Welt ziehen die Schlussfolgerung, dass die chinesische Politik schlecht, eine volksfeindliche, verlogene Politik ist, so verlogen wie Chinas Auftreten gegen den sowjetischen Imperialismus.

Sowohl die Völker als auch die reaktionären Führer, durch die sie in Knechtschaft gehalten werden, durchschauen, in welcher Absicht China die Sowjetunion angreift. Sie erkennen, dass China diese Politik betreibt und ein antisowjetisches Steckenpferd reitet, weil es bestrebt ist, sich in der sogenannten dritten Welt strategische Positionen und Märkte zu verschaffen.

Wenn die Vereinten Nationen zusammentreten oder auf der Welt irgendein wichtiges Ereignis geschieht - zum Beispiel Sadats Schritte, die Aktivitäten der Amerikaner im Nahen Osten -, wenn Konferenzen stattfinden wie die in Tripolis usw., senkt China seine Stimme zwanzig Meter unter den Meeresspiegel, unterstützt aber, natürlich halblaut, jene, die das Spiel der Amerikaner treiben. China wagt es nicht, laut seine Meinung über die Zugeständnisse und Kompromisse zu sagen, die Israel auf Kosten der arabischen Völker gemacht werden, denn sonst würden ihm die Botschafter der arabischen Länder in China und anderswo auf den Leib rücken, und es wüsste nicht, was es ihnen sagen sollte. Tatsache ist, dass China daran arbeitet, diese Völker zu spalten. Es sieht dieses Problem nicht objektiv, und wie sollte es auch, werden doch die arabischen Völker auf der einen Seite vom amerikanischen Imperialismus und auf der anderen Seite vom sowjetischen Imperialismus bedrängt. Wie wir einen richtigen Weg zu verfolgen, dazu ist China nicht in der Lage, denn seine antisowjetischen Positionen hat es nicht auf prinzipieller Grundlage bezogen wie wir, weshalb es gezwungen ist, mit seiner Meinung zu dieser Frage hinter dem Berg zu halten. Gleichgültig, was die Sowjets sagen, China muss, wie wir auch, seine eigene Meinung über die Ereignisse im Nahen Osten haben. Das bringt es nicht fertig, vielmehr bleibt es jener verräterischen Politik treu, die Politik des amerikanischen Imperialismus müsse unbedingt verteidigt werden.

Also stellen wir fest, dass Chinas allgemeine Politik auf der Welt ein grosses Fiasko erlitten hat, denn sie besteht aus unrichtigen Stellungnahmen bzw., in den meisten Fällen, in Schweigen.

China macht ein grosses Geheimnis um die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, die es mit den kapitalistischen Ländern entwickelt. Tatsache ist, dass Hunderte von Delegationen des amerikanischen Imperialismus und des Weltkapitalismus nach China kommen. Ebenso reisen Dutzende und Hunderte chinesischer Delegationen, bestehend aus Wirtschaftsfachleuten, Ingenieuren, Technikern, Militärs, in alle kapitalistischen Länder der Welt. Und sie alle schließen natürlich Verträge über die Belieferung mit Maschinen und Technologie, über den Bau von grossen Fabriken und Werken und die Lieferung von Rüstungsgütern ab. Alle diese Abkommen kommen hinter den Kulissen zustande, im Dunkeln, die Bezahlung erfolgt durch Clearing, oder man räumt China grosse Kredite ein. China ist ins Räderwerk der Kreditaufnahme bei multinationalen Gesellschaften, verschiedenen kapitalistischen Staaten und dem amerikanischen Imperialismus geraten. Das ist die ganze Politik Chinas. Seine Exporte sind zurückgegangen, weil die chinesische Wirtschaft nicht mit dem nötigen Ertrag arbeitet.

Was die angeblich guten Beziehungen Chinas zu einer Reihe von Ländern anbelangt, mit denen es befreundet war, so zeigen die Verhältnisse, dass sie auf dem Nullpunkt angelangt sind.

China ist mit Korea nicht im reinen, denn Korea will auf zwei Hochzeiten tanzen, sowohl bei der Sowjetunion als auch bei China. Es möchte, dass ihm die Sowjetunion grosse Kredite gibt, aber auch China, das dazu nicht in der Lage ist. Die Koreanische Volksdemokratische Republik will von China, dass es sich bei den Vereinigten Staaten von Amerika für die Wiedervereinigung des Landes einsetzt, doch das tut China nicht, weil es sich seinem grossen Freund, den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht entgegenstellen kann. Das ist der Grund dafür, dass Korea nicht auf gutem Fuss mit China steht.

Dasselbe gilt für Vietnam. Kürzlich kam Le Duan nach China, und wie die Meldungen besagen, gelangten die beiden Seiten dabei nicht zu einer Festigung ihrer Freundschaft, weil China Anspruch auf vietnamesische Gebiete erhebt. Es will dem verbrannten und zerstörten Vietnam keine Kredite geben und ist dazu auch nicht in der Lage. Darüber hinaus möchte es auch nicht, dass Vietnam Kredite vom sowjetischen Sozialimperialismus nimmt. China möchte, dass Vietnam ein Vasall der Vereinigten Staaten von Amerika wird, würde sich freuen, wenn es so käme.

China gibt sich den Anschein, als unterhalte es gute Beziehungen zu Kambodscha. Natürlich ist Kambodscha ein sehr armer Staat, kaum aus dem Krieg hervorgegangen, es hat noch keine klar herauskristallisierte Politik. Unter diesen Umständen, auch wegen der schwierigen Situation zwischen Kambodscha und Thailand sowie zwischen Kambodscha und Vietnam, für die territoriale Konflikte verantwortlich sind, scheint es mit China auf gutem Fuss zu stehen.

Nehmen wir Chinas Beziehungen zu Pakistan. Gegenwärtig verhält sich Pakistan China gegenüber kühl, doch China hat begonnen, Brücken der Freundschaft zum Schah-in-Schah und zu den Prinzessinnen des Iran zu schlagen. So schafft sich das «sozialistische» China neue Verbündete unter den schmutzigsten, niederträchtigsten und intrigantenhaftfesten Leuten und Dynastien. China meint, es könne vom Schah des Iran, der unter dem starken Einfluss des amerikanischen Imperialismus und der Ölgesellschaften steht, Kredite erhalten. Der Iran hat viel Kapital im Ausland investiert, besonders aber in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Westdeutschland, also den derzeitigen Freunden Chinas. Außerdem verkaufen die Vereinigten Staaten von Amerika dem Schah des Iran die modernsten Waffen. Für sie ist er, wie Israel, ein Werkzeug gegen die sowjetische Gefahr. Der Schah-in-Schah rüstet auf, denn er hat grosse Pläne. Er will den Irak, den Persischen Golf besetzen und einer Invasion vom Kaukasus oder vom Kaspischen Meer her die Spitze abbrechen. Oder ist er etwa nicht der Nachfolger der berühmten Kaiser des persischen Reiches, dessen Zweitausendfünfhundertjahrfeier er unter kolossalem Aufwand gefeiert hat! Der Schah des Iran führt ein märchenhaftes Leben wie weiland Harun al Raschid, während das persische Volk leidet wie in der Zeit der Sklaverei. Und mit diesem bürgerlich kapitalistischen Staat und seiner reaktionären Clique unterhält China sehr freundschaftliche Beziehungen.

Was die arabischen Länder betrifft, so ist, wie ich schon sagte, Chinas Politik nicht vorhanden. In den Beziehungen zu diesen Ländern zeichnet es sich durch seine proamerikanische und antisowjetische Haltung aus. Von dieser Orientierung ist Chinas gesamte Politik im Mittelmeerraum diktiert, So steht China im Gegensatz zu jenen arabischen Ländern, zu denen die Sowjetunion Beziehungen unterhält und die sie unter ihren Einfluss zu bringen versucht. Dagegen hat China zu den anderen arabischen Ländern, die die Vereinigten Staaten von Amerika in ihre Klauen gebracht und ihrem Gesetz unterworfen haben, eine positive Einstellung. Also stehen in diesem Raum auf der einen Seite verschiedene Staaten im Gegensatz zur chinesischen Politik, aber auch die Staaten auf der anderen Seite sind nicht für China, denn sie sehen, dass es nichts unternimmt. Und tatsächlich, was tut China? Es spendet Somalia, dem Präsidenten Mohammed Siad Beifall, weil er die Sowjets aus Somalia verjagte. Daran hat er gut getan, doch China applaudiert ihm gerade deshalb, weil er nach Washington gefahren ist und sein Land unter das Joch des amerikanischen Imperialismus gebracht hat. Das also ist Chinas Politik.

China spendet auch Mobutu Beifall, der ein Verräter, ein Renegat, ein Agent, einer der größten Kapitalisten Afrikas ist. Auf der anderen Seite ist es gegen Angola, weil dort die Sowjetunion Einfluss hat. Diese Politik ist also reaktionär, unrealistisch. Es gibt auch andere, entwickelte kapitalistische Staaten, die ihre allgemeinen Interessen verteidigen, doch sie verteidigen auch ihre besonderen Interessen, gegen den Sowjetimperialismus, wenn nötig aber auch gegen den amerikanischen Imperialismus. China versucht, in den Staaten der sogenannten dritten Welt Fuss zu fassen, doch das möchte es mit nichts im Kopf und nichts in der Tasche erreichen - das einzige ist, dass es dem einen Imperialismus applaudiert und einen anderen Imperialismus in Worten angreift. Das ist alles, denn in wirtschaftlicher Hinsicht hat es nicht die Möglichkeit zu helfen, zur Zeit kann es noch nicht einmal seine offiziellen und moralischen Verpflichtungen anderen Staaten gegenüber einhalten, weil die Verträge zu einer Zeit unterzeichnet wurden, als sich China als sozialistisches Land ausgab. Heute haben die chinesischen Führer die Maske fallen lassen, deshalb werden sie möglicherweise auch diese Abkommen brechen, die sie unterzeichnet haben.

Uns gegenüber hat China eine feindselige Position bezogen, die es schrittweise auch auf das Gebiet der staatlichen und wirtschaftlichen Beziehungen ausdehnt. Bekanntlich hat uns China einige Kredite zum Bau einer Reihe von Fabriken sowie eines Wasserkraftwerks eingeräumt. Gegenwärtig macht es Schwierigkeiten bei der fristgerechten Lieferung der betreffenden Maschinen und Anlagen. Außerdem haben auch die chinesischen Spezialisten angefangen, grosse Ansprüche zu stellen. Sie verdienen im Monat doppelt soviel vie ich und wollen trotzdem immer noch mehr. Nicht alle sind üble Leute, doch ihre Botschaft hetzt sie auf, häufig die Hände in den Schoss zu legen, kein Interesse für die Arbeit zu zeigen, und wenn in unserer Presse ein ideologischer Artikel erscheint, nehmen sie eine niederträchtige Haltung ein. So geschah es, dass einer der chinesischen Spezialisten Gemeinheiten auf die Zeitung schrieb, in der die Rede des Genossen Mehmet in Vlora veröffentlicht wurde, und sie absichtlich im Zimmer liegen liess. Als man ihn darauf ansprach, antwortete er: «Ich habe das geschrieben, weil es meine Meinung ist.» Das sind Provokationen.

Auch was den Handel anbelangt, machen uns die Chinesen, wie ich im Tagebuch schon geschrieben habe, grosse Schwierigkeiten. Wir kämpfen gegen ihre offensichtlich unrichtige Einstellung, und sie dürfen sicher sein, dass wir von unseren prinzipienfesten marxistisch-leninistischen Standpunkten, die die grosse Kraft unserer Partei und des albanischen sozialistischen Staates ausmachen, nicht abrücken. Unsere prinzipienfesten marxistisch-leninistischen Standpunkte stellt die ganze Welt fest. Sie sieht, dass wir das einzige unabhängige Land sind, dass wir unsere Meinung offen sagen und alle Feinde der Völker kritisieren und entlarven, Imperialisten, Sozialimperialisten, Revisionisten jeden Schlags, all jene, die die Völker unterdrücken, versklaven und kolonisieren, die gegen die Revolution und das Streben der Völker nach Befreiung kämpfen.

Die Menschen auf der Welt, die verschiedenen Kanzleien fragen sich verwundert, woher wir diese Kraft nehmen. Sie können es natürlich nicht verstehen, doch wir finden diese Kraft in der korrekten marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei, in der stählernen Einheit ihrer Reihen und der Einheit von Partei und Volk, wir finden sie in unserer Arbeiterklasse, in der entschlossenen Anwendung des Prinzips, sich auf die eigene Kraft zu stützen. Schließlich finden wir sie auch in der internationalistischen Unterstützung aller Marxisten-Leninisten und fortschrittlichen Menschen auf der Welt, die unsere Volksrepublik lieben und Achtung für die mutige und richtige Politik der Partei der Arbeit Albaniens empfinden. Das ist eine weitere Unterstützung für unser Land.

Es gibt Leute auf der Welt, die die wirtschaftlichen Beziehungen unseres Landes mit der uns umgebenden Welt nicht so begreifen können wie wir, weil die Ansicht aufgebracht worden ist, kein Staat, ob klein, ob gross, könne leben, ohne von irgendjemand Kredite anzunehmen. Das heisst, es gibt Leute, die unsere wirtscharf tliche Unabhängigkeit, die auch politische Unabhängigkeit becteutet, nicht begreifen können, die nicht verstehen können, dass wir in der Lage sind zu leben und sehr gut leben werden - und tatsächlich leben wir sehr gut -, ohne uns selbst die Ketten der wirtschaftlichen und politischen Knechtung aufzuerlegen.

Die Handelsfragen sind eine andere Geschichte. Wir müssen Anstrengungen unternehmen, sogar sehr grosse Anstrengungen, für unsere Waren Märkte zu finden und harte Devisen zu beschaffen bzw. Clearingvereinbarungen zu erreichen, um die Waren einzuführen, die wir noch nicht selbst herstellen können, und so den Bedarf des Landes für die Weiterentwicklung unserer Volkswirtschaft zu decken. Das werden wir auf jeden Fall selbst, aus eigener Kraft tun. Doch das begreifen weder die kapitalistischen noch die revisionistischen Länder.

Die revisionistischen chinesischen Führer meinten, wir würden uns ihnen beugen, dem Marxismus-Leninismus untreu werden, nur um der paar Kredite willen, die sie uns gaben. Offensichtlich haben sie die grosse Erfahrung des Kampfes der Partei der Arbeit Albaniens und des albanischen Staates gegen die Tito und die Chruschtschowrevisionisten schnell vergessen und genau deren Weg eingeschlagen. Es zeigt sich ganz deutlich, dass sich die chinesischen Revisionisten in der Haltung und im Handeln uns und der Welt gegenüber kein bisschen von den Sowjetrevisionisten unterscheiden. Sie sind genauso Revisionisten, genauso Sozialimperialisten, mit dem einzigen Unterschied, dass sie neue Sozialimperialisten sind, die sich die koloniale Macht, die sie anstreben, erst schaffen müssen. Doch wann und wie sie sie schaffen werden, ist ein anderes Problem. In den Beziehungen zum Ausland versuchen die Chinesen, ihre verrottete antimarxistische, revisionistische Ideologie als marxistisch-leninistische Ideologie zu verkaufen. Aber es gibt niemand auf der Welt, der so verrückt wäre, dass er Seife als Käse essen würde. Alle, ob nun wahre Marxisten-Leninisten oder Demokraten oder Reaktionäre, begreifen sehr wohl, dass die chinesische Ideologie durchaus nicht marxistisch-leninistisch ist.

Die chinesischen Revisionisten haben den Marxismus-Leninismus, über Bord geworfen; sie haben eine neue Form des Revisionismus eingeführt, verpackt in eine ausgeprägt sozialdemokratische kapitalistische Ideologie und vermengt mit den reaktionären. etatistischen, feudalen alten chinesischen Pililosophien. Und diese Politik, diese Ideologie versuchen sie zu verbreiten, doch sie verfängt nirgends. Sie verfängt nur bei einigen iungen. verwirrten «Marxisten-Leninisten», die unter der Brutlampe der chinesischen Kulturrevolution und im Schlagschatten der «grossen Autorität» Mao Tsetungs sogenannte marxistisch-leninistische Gruppen gründeten. Diese Elemente. die einige unechte kleine Parteien schufen, können nicht aus ihrer Haut, können diese geistige Koppelung mit den Chinesen, die sie vollzogen haben, nicht lösen. Deshalb schlagen sie sich auf ihre Seite, schreiben in den Zeitungen oder Zeitschriften, die von den Chinesen finanziert werden, um betrügerische, angeblich marxistisch-leninistische Theorien zu verbreiten, plattes, unangebrachtes und im Kern revisionistisches Zeug.

Die diesen Gruppierungen angehören, sine zerstritten, denn die chinesischen revisionistischen Anschauungen können, wie die jedes anderen Revisionismus, niemals zu Einheit und Kohäsion des Denkens und Handelns führen, im Gegenteil, sie bringen Spaltung. So war es bei Mao, der verkündete, in China und in der Kommunistischen Partei Chinas solle es «zwei oder fünf Linien» geben, sollten «hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander wetteifern», weil es seiner Meinung nach am besten wäre, wenn es möglichst viele Strömungen gäbe. Und in den kapitalistischen Ländern, wo es die probchinesischen sogenannten marxistischen Parteien gibt, blühen nicht nur hundert, sondern tausend «Blumen».

Jedermann, jedes Mitglied dieser Anhängselparteien der chinesischer. Revisionisten hat seine eigene Meinung und äussert sie, allerdings nicht, um zu handeln. Doch auch wenn er handelt, handelt er nicht entschlossen. Die Propaganda der Chinesen, die nicht nur unter denen Platz greift, die sich Marxisten nennen, sondern auch unter denen, die sich nicht Marxisten nennen, zielt also darauf ab, dass ausgemacht faschistische Gruppen geschaffen werden, die sich «proletarisch». «revolutionar», «Rote Garde» usw. usf. nennen, in Wirklichkeit aber nichts sind als Agenten der Bourgeoisie und Faschisten, die für China Propaganda treiben. Welchen Einfluss kann China durch sie ausüben? Überhaupt keinen. Allenfalls, dass man sagen kann, China unterhalte Verbindungen zu den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, obwohl die betreffenden in Wirklichkeit gar keine solchen Parteien sind. Die Kommunistische Partei Chinas hat Parteibeziehungen zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens hergestellt, hat sich mit ihm ideologisch und politisch vereinigt. Ebenso unterhält sie feste Verbindungen zur Rumänischen Kommunistischen Partei, die gleichzeitig eine Agentur sowohl des amerikanischen Imperialismus als auch des Sowjetrevisionismus und der verschiedenen Strömungen des modernen Revisionismus ist.

Die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat lächeln revisionistischen und pseudovolksdemokratischen Ländern, beispielsweise Polen, zu. Wir erfahren, dass der chinesische Botschafter in Warschau um eine Verbindung zum polnischen Ministerpräsidenten ersucht hat, um ihm einen Vertrag über den An- und Verkauf von Nahrungsmitteln vorzuschlagen. Doch dieser liess sich nicht dazu herab, den Chinesen zu empfangen, und antwortete ihm, er solle diese Dinge dem Handelsminister unterbreiten und mit ihm darüber verhandeln. Jeden noch so kleinen Akt, ja selbst Anflug von Auflehnung gegen das sowjetische Joch, den diese Länder erkennen lassen, stellt China unverzüglich heraus, und es versucht den Eindruck zu erwecken, als erfolgten diese verschiedenen Widerstandsäußerungen unter seinem Einfluss. Doch eine solche Auflehnung dieser Länder ist nur natürlich. Sie haben weder früher auf China gehört, noch tun sie es heute, noch werden sie es in Zukunft tun, denn sie kennen es und haben durchaus kein Interesse daran, sich mit ihm zu verbinden. Sie scheren sich kein bisschen um China, doch dieses will so tun, als habe es bei ihnen ein Eisen im Feuer, also den Eindruck erwecken, es sei ein grosser Staat, ohne den auf der Welt nichts läuft. Die revisionistischen Cliquen der einstmals volksdemokratischen Länder haben es lieber mit der Sowjetunion zu tun. Oder genauer, wir müssen betonen, dass ihnen tatsächlich vor allem daran gelegen ist, sich mit den westeichen kapitalistischen Ländern und dem amerikanischen Imperialismus zu verbinden.

So sieht das chinesische Panorama im allgemeinen aus: düster, widerspruchsvoll, voller Gefahren, voller Überraschungen, voller Bündnisse und Übereinkünfte - offenen und verborgenen – mit dem amerikanischen Imperialismus und den anderen Imperialisten der Welt. China ist in eine Reihe von Verhandlungen eingetreten, die gefährlich sind für die Menschheit und für es selbst, es kämpft um Hegemonie und opfert dafür die Interessen des eigenen Volkes und der anderen Völker. Alles, was es angeblich im Interesse der Völker sagt, ist Demagogie, ein schaler und schlecht getarnter Bluff.

FREITAG,

9. DEZEMBER 1977

CHINA HAT NEOKOLONIALISTISCHE ABSICHTEN

Es ist eine Tatsache, dass China gegenwärtig mit der Theorie von der «dritten Welt» grosse Anstrengungen unternimmt, zu einer Supermacht, einer neokolonialistischen Grossmacht zu werden. Im grossen und ganzen sind Chinas Anstrengungen derzeit auf die Entwicklung der Wirtschaft und die Stärkung seines Militärpotentials gerichtet. Bei ihrer Verwirklichung hat es sich nicht von der marxistisch-leninistischen Ideologie beseelen lassen, ist es nicht vom Ziel ausgegangen, hauptsächlich und in erster Linie die sozialistische Wirtschaft zu stärken und den Wohlstand des chinesischen Volkes zu heben.

Die chinesischen Führer haben den Weg der maximalen Ausbeutung des grossen, arbeitsamen Volkes ihres Landes eingeschlagen, damit China stark genug wird, sich auf der Welt auszubreiten, neue Märkte zu finden und zu besetzen, die Reichtümer anderer Länder und Völker auszubeuten, um zu einer Supermacht zu werden. Doch wenn das revisionistische China dieses Ziel erreichen will, kann es sich gegenwärtig nicht auf einen Kampf an beiden Flanken, gegen beide Supermächte einlassen, deshalb stützt es sich auf den Weltkapitalismus, vertreten durch den amerikanischen Imperialismus und die anderen reichen kapitalistischen Staaten, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.

Diese Absicht hat in China schon vor sehr langer Zeit bestanden. Ich erinnere mich, dass ich irgendwo in meinem Tagebuch auf dieses Problem eingegangen bin. Damals befand sich die chinesische Führung für eine Weile in Euphorie und hatte sich vorgenommen, an beiden Flanken zu kämpfen, sowohl gegen den amerikanischen Imperialismus als auch gegen den Sowjetimperialismus. Und genau zu der Zeit, als Indonesien aus den Vereinten Nationen austrat, gab Tschou En-lai im Namet des Chinas Mao Tsetungs die Parole aus, China solle zusammen m,t Indonesien und einer Reihe anderer asiatischer Staaten eine neue Organisation vereinter Nationen gegen die UNO schaffen, die nach cem II. Weltkrieg gegründet worden war! Das war angeblich die Konsequenz aus der maoistischen Strategie im Kampf gegen die beiden Supermächte, die das Gesetz in den Vereinten Nationen machten, doch Chinas Ziel bei diesem Schritt war, die Staaten, vor allem Asien:, aber auch Afrikas um sich zu sammeln und zusammen mit ihnen einen politischen, ideologischen und militärischen Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus zu führen.

Die Maoisten versuchten also -schon damals, eine Sammlung um das grosse China zu bewirken und es so zur Führung einer Reihe von Staaten der «dritten Welt» zu machen, jener «dritten Welt», die Roosevelt und späte° Chruschtschow schon lange vor Mao Tsetung so getauft hatten. Und dies nicht etwa in ideologischer Absicht, so wie Mao es dann 19Y4 hindrehte. Roosevelt und Chruschtschow ging es darum, wie dies? imperialistischen Grossmächte dazu beizutragen hätten, dieser «dritten Welt», einer mit neuen Methoden kolonialisierten Welt, also Jen in diesen Staaten herrschenden Cliquen, wirtschaftliche Subventionen zu verschaffen, um sie unter ihrem wirtschaftlichen, politischen, aber auch militärischen Joch zu halten. Das geschah, weil sich zu jener Zeit vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika starke Stützpunkte in diesen Ländern geschaffen hatten. Und es waren eben und vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihrem CIA, die Suharto halfen, in Indonesien innerhalb kurzer Zeit 500 000 Kommunisten und Patrioten zu ermorden, und die bei der Liquidierung des engen Freundes der Chinesen und Aidids, Sukarno, ihre Finger im Spiel hatten.

Schon früh festgesetzt hatten sich bei den chinesischen Führern das Großmachtdenken, die Vorstellung von Chinas Vorherrschaft auf der Welt unter der Maske der «Hilfe» für die kleinen Völker, das Streben, China unter dem Vorwand, es zu einem mächtigen angeblich sozialistischen Staat zu machen, in eine Supermacht zu verwandeln. Die Ursache dafür war ihre kapitalistische, revisionistische Großmachtideologie, keinesfalls aber hatte das etwas mit den marxistisch-leninistischen Ideen von der Verteidigung der unterdrückten und leidenden Völker zu tun, keinesfalls ging man dabei von dem Ziel aus, die Befreiungskämpfe und die Revolution zu fördern.

Der von Tschou En-lai schon zu jener Zeit in aller Öffentlichkeit geäußerte Gedanke an die Schaffung einer neuen Organisation vereinter Nationen, losgelöst und im Gegensatz zur bestehenden, erhält nun, zum jetzigen Zeitpunkt, seine wirkliche Bedeutung als politisch-ideologisches Ziel der Maoisten und macht sichtbar, wie diese pseudomarxistischen Elemente versuchten und versuchen, die jeweiligen Verhältnisse im Interesse ihrer kapitalistischen und auf Vorherrschaft gerichteten Linie auszunutzen. Er bringt also ihre alten Tendenzen, China zur neokolonialistischen Supermacht zu machen, ans Licht.

SAMSTAG,

10. DEZEMBER 1977

DIE CHINESEN WOLLEN DEN HANDEL MIT UNSEREM LAND

AUF EIN MINIMUM DROSSELN

Anstatt eine Handelsdelegation aus Peking nach Albanien zu schicken, bestimmten die Chinesen ihren Handelsattaché hier und zwei oder drei weitere Funktionäre der Botschaft in Tirana zu Mitgliedern der Delegation. Über den Leiter der Delegation haben sie noch nicht entschieden, werden es aber später von Peking aus tun. Mit Sicherheit wird es irgendein niedriger Funktionär sein. Mit anderen Worten, in der Meinung, uns damit wirtschaftlich zu schaden, wollen die Chinesen keinen Handel mit uns treiben, oder genauer gesagt, wollen sie den Handel mit uns auf ein Minimum reduzieren.

Natürlich müssen wir mit dieser Situation fertigwerten, und die Hauptsache dabei ist, dass wir den Handel mit verschiedenen Ländern der Welt intensivieren, Märkte für unsere Waren finden und uns die Möglichkeit schaffen, mit dem Erlös aus ihrem Verkauf die Rohstoffe bzw. die anderen, verarbeiteten Waren zu importieren, die wir brauchen. Dies ist der einzig richtige Weg für uns. Wir wollen nicht, dass der Handel mit China zurückgeht, wir wollen nicht, dass die ideologischen Meinungsverschiedenheiten auch auf die Handelsbeziehungen übergreifen, doch da China es will, sind wir gezwungen, so vorzugehen, wie ich oben gesagt habe.

Durch die Ernennung von Angestellten ihrer Botschaft in Tirana wollen uns die Chinesen nicht nur zu verstehen geben, dass sie keinen Handel zu treiben wünschen, ihr Ziel ist auch, die Verhandlungen über den Warenaustausch zwischen unseren beiden Ländern endlos in die Länge zu ziehen, denn besagte Delegation wird ihren Sitz in der chinesischen Botschaft in Tirana haben, und es wird ihr gar nichts ausmachen, sich in ewigen Diskussionen zu verlieren, Streitpunkte zu schaffen, aufzustehen und die Sitzung zu verlassen, in die Botschaft zu gehen, die Gespräche wiederaufzunehmen, keine Meinung zu äußern und keinen Beschluss zu fassen, ohne zuvor Peking gefragt zu haben. Es ist also die Taktik der Chinesen, die Gespräche in die Länge zu ziehen und dafür zu sorgen, dass in bezug auf den albanisch-chinesischen Handel so gut wie nichts zustande kommt.

Anders wäre es, käme eine komplette Delegation, egal welchen Ranges, aus Peking, denn ihre Mitglieder könnten nur für begrenzte Zeit zu Verhandlungen in unserem Land bleiben, ihren Aufenthalt bei uns nicht sehr in die Länge ziehen. Und ihr Aufenthalt oder ihre Abreise aus Tirana müsste sich entweder in einem regelrechten Ergebnis oder in völliger Ergebnislosigkeit manifestieren. Würden sie jedoch ohne Ergebnis abreisen, bedeutete das eine Schlappe für sie, deshalb vermeiden sie es. Auch wenn wir nach Peking fahren würden, könnte dasselbe passieren. Falls sie nicht einverstanden wären, würden wir aufstehen und gehen, und das brächte zum Ausdruck, dass sie mit uns keinen Handel treiben wollen. Die Welttiffentlichkeit würde verstehen, dass nicht wir es sind, die mit China keinen Handel treiben wollen.

Alle begreifen, was die chinesischen Revisionisten tun. Wie dem auch sei, wir müssen dieser chinesischen Delegation eine Delegation auf der gleichen Ebene gegenüberstellen, die kühlen Bluts mit ihr über den Handelsaustausch diskutiert, ohne die Ideologie und die Politik in diese Verhandlungen hineinzubringen und ohne zuzulassen, dass sie dies tun. Versuchen wir, ihnen möglichst viel zu verkaufen und zu erreichen, dass sie uns möglichst viel verkaufen, natürlich nur, soweit sie dazu bereit sind, mehr können wir nicht tun. Sie werden durch ihre Haltung nicht erreichen, dass wir uns ihnen beugen. Nein, wir werden einen Ausweg finden, werden wie immer erhobenen Hauptes unsere marxistisch-leninistischen Prinzipien verteidigen, und es werden sie sein, die zuerst eine offen feindliche Haltung uns gegenüber einnehmen, auch in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen.

MONTAG,

12. DEZEMBER 1977

EINE EMPFEHLUNG AN UNSERE PRESSE IM

ZUSAMMENHANG MIT CHINA

Ich habe den Genossen empfohlen, in den Zeitungen «Zëri i popullit» und «Bashkimi» über China zu schreiben, Nachrichten über verschiedene, insbesondere wirtschaftliche Fragen zu bringen. Wir haben ideologische Meinungsverschiedenheiten mit der KP Chinas, sogar tiefe, doch wir haben die staatlichen und freundschaftlichen Beziehungen mit dem chinesischen Volk und dem chinesischen Staat nicht abgebrochen. In dieser Situation müssen unsere Leute richtig verstehen, was es heisst, wenn wir sagen, dass wir die politisch-ideologischen Meinungsverschiedenheiten nicht auch auf die wirtschaftlichen und staatlichen Beziehungen übertragen dürfen.

Wir müssen die Wirtschaftsbeziehungen mit China gemäss den bestehenden Abkommen und Verträgen entwickeln. Die Wirtschaftsbeziehungen hindern uns durchaus nicht daran, die Ansichten unserer Partei zu ideologischen Fragen zu äussern. Wenn wir sagen, wir sollten die Wirtschaftsbeziehungen aufrechterhalten, wenn wir sagen, wir sollten die Beziehungen zu China nicht abbrechen, so ist dies eine Forderung, die Gegenseitigkeit verlangt, das heisst, auch wir dürfen keine «frostige» Lage schaffen, nicht etwa auf ideologischem Gebiet, sondern eben in den wirtschaftlichen Beziehungen. Wenn die Beziehungen auf politischem und ideologischem Gebiet eisig sind, heisst das nicht, dass dies auch bei den Handelsbeziehungen so aussehen muss. Sie können normal und zum gegenseitigen Vorteil sein. Deshalb muss man diese Situation richtig verstehen.

Tatsächlich wäre es für China politisch nicht günstig, die Beziehungen zu uns total abzubrechen. Nach wie vor betreibt China selbst eine grosse Propaganda gegen die Sowjetunion wegen des Abbruchs der Wirtschaftsbeziehungen mit China, der einseitigen Annullierung der Verträge, der Kündigung der Kredite, des Abzugs der Spezialisten und der Verringerung des Handels. Heute propagiert China, dass die Sowjetunion Ägypten dies, Somalia jenes antat, usw. usf. Wird China, das eine solche Propaganda betreibt, in seinen Handlungen uns gegenüber bis zu dieser Stufe der Feindseligkeit gehen? Vielleicht nicht, nicht etwa, weil seine Führer uns mögen, sondern weil sie ihr eigenes Interesse im Auge haben. Dass sie uns nicht mehr wie Freunde behandeln werden, ist uns klar. Uns ist auch klar, dass sie uns die Kredite und den Bau der Fabriken, Kombinate oder Wasserkraftwerke hinauszögern werden. Genauso ist uns klar, dass uns China nicht mehr all die Waren abnehmen wird, die es früher bei uns gekauft hat, und dass es uns nicht alle Waren liefern wird, die wir wollen. Doch auch wir werden sie jeweils so behandeln wie sie uns.

Wir haben zum Beispiel tiefe, unversöhnliche Widersprüche zu Jugoslawien, doch wir treiben Handel und verhandeln in aller Ruhe mit ihm. So machen wir es auch mit den Griechen. Genauso mit den Italienern. Umso weniger gibt es von unserer Seite aus einen Grund, warum wir mit der Volksrepublik China, von der wir bis jetzt sogar Kredite erhalten haben, keine normalen Wirtschaftsbeziehungen unterhalten und keinen Handel treiben sollten.

SONNTAG,

18. DEZEMBER 1977

DIE ZUSAMMENHANGLOSIGKEIT DER CHINESISCHEN

AUSSENPOLITIK

Viele Botschafter kapitalistischer Länder der sogenannten dritten Welt wundern sich über die Zusammenhanglosigkeit der chinesischen Außenpolitik in bezug auf die «drei Welten». Sie verstehen einfach nicht, wie es möglich ist, dass ein grosses Land, das sich auch noch als sozialistisch ausgibt, eine so wirre Politik betreibt. Und tatsächlich zeigen die Beziehungen, die China zu den verschiedenen Ländern und Staaten hat, dass seine Aussenpolitik nicht nur kein Gegenstand ernsthafter Studien ist, sondern in dieser Hinsicht Sorglosigkeit und Naivität an den Tag gelegt wird und, man kann sagen, eine Zusammenhanglosigkeit, die an Dummheit grenzt.

Es ist eben das China Mao Tsetungs und Tschou En-lais, Yä Ljiän-yings und Huang Huas, des heutigen Aussenministers, Deng Hsiao-pings und Hua Guo-fengs das diese Politik begonnen hat und nun fortsetzt.

Wie ich in meinen Aufzeichnungen über China geschrieben habe, zeigen seine früheren Positionen, dass sich die chinesischen Führohr ganz abkapselten, keinen Versuch unternahmen, mit den anderen Staaten der Welt Verbindungen zu knüpfen. Diese merkwürdige, sozusagen apolitische Haltung der Selbstisolierung erschien den chinesischen Führern gleichsam als der richtigste Weg. Doch warum war das eigentlich der Fall, was zeigte diese Politik? Diese unkluge Politik entsprang in erster Linie der fehlenden inneren Stabilität in China, auch wenn man den Anschein zu erwecken suchte, es gebe Stabilität. Sie zeigte auch, dass in der chinesischen Führung, in der Kommunistischen Partei Chinas eine Reihe entgegengesetzter Ansichten florierte, was verhinderte, dass eine richtige Linie in der Aussenpolitik festgelegt wurde. Es gab zahlreiche unterschiedliche Strömungen, und die eine zog dahin, die andere dorthin. So war Chinas Aussenpolitik immer schwammig, zögernd, obwohl China den Eindruck eines Staates machte, der vom Gipfel des Olymp oder, besser gesagt, vom Gipfel des Himalaja auf die anderen :herabblickt.

Später krochen die Chinesen aus ihrem Schneckenhaus und begannen, sich in gewisser Weise über die Kontinente auszubreiten, indem sie diplomatische Beziehungen zu einigen Staaten aufnahmen. Doch diese diplomatischen Beziehungen Chinas hatten regionalen, asiatischen, antieuropäischen, gegen die Staaten Lateinamerikas und die anderen kapitalistischen Staaten gerichteten Charakter. Analysieren wir die Ziele der chinesischen Außenpolitik dieser Periode, so zeigt sich, dass China aus der Phase der Isolierung in eine Phase diplomatischer Beziehungen nach eigenem System überging, um eine asiatische Gruppierung bürgerlich-kapitalistischer Staaten zu schaffen, die gewissermaßen die Hegemonie Chinas akzeptieren konnten. Die chinesische Politik war auf die Schaffung dieses Einflusses (um nicht gleich Hegemonie zu sagen) angelegt, während China allen anderen Ländern der Welt gegenüber keinen Vorstoß unternahm, um diplomatische oder auch wirtschaftliche Beziehungen herzustellen, gar nicht zu reden von kulturellen Beziehungen, die es immer vernachlässigt hat. Selbst jetzt unterhält es noch immer keine kulturellen Beziehungen.

Die Herstellung diplomatischer Beziehungen zu den anderen Ländern der Welt verbaute China mit der Taiwanfrage, die es wie einen grossen Felsen in den Weg rollte. Es erklärte, wenn irgendein Staat Verbindungen mit dem sozialistischen China herzustellen wünsche, müsse er automatisch die Beziehungen zu Taiwan abbrechen. Dies war sozusagen der Prüfstein bei Chinas Beziehungen zum Ausland. Die kapitalistische Welt allerdings untersuchte die Situation und durchschaute Chinas Absichten. Sie war einerseits an der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu China interessiert, weil es für sie einen grossen Markt darstellte, den sie brauchte, konnte aber auf der anderen Seite auch nicht Taiwan opfern.

So setzte China seine Politik der Selbstisolierung und der Herstellung einiger regionaler Beziehungen in Asien sehr lange Zeit fort. Dann kam der Augenblick, da die chinesischen Führer zur Arisicht gelangten, so könne es nicht mehr weitergehen und man müsse eine Formel finden, um den Felsen Taiwan aus dem Weg zu räumen, auf den sie ihn gewälzt hatten. Sie fanden diese Formel, \\-andten sie an und begannen, mit vielen Staaten diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Diese Beziehungen brachten natürlich noch nicht die Aufnahme Chinas in die Vereinten Nationen mit sich, trotz all unserer Anstrengungen, trotz des Kampfes, den wir in dieser Organisation zusammen mit den anderen Freunden Chinas, die sein Bestes wollten, führten.

Bei den Abstimmungen über Chinas Aufnahme in die Vereinten Nationen wurden von Jahr zu Jahr Veränderungen sichtbar. Die Stimmen für China nahmen zu, wenn seine Aussenpolitik vernünftiger wurde, das heisst, wenn es Bereitschaft zeigte, mit Staaten verschiedener Regionen der Welt diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Dennoch stieß die Aufnahme Chinas in die UNO, trotz unserer Anstrengungen, auf den «harten» Widerstand der Vereinigten Staaten von Amerika und all jener Staaten, die durch grosse Interessen an sie gebunden waren und nicht gegen sie auftreten konnten. Viele Staaten waren also mit den Vereinigten Staaten von Amerika verbunden und von ihnen abhängig und akzeptierten die Fegdingungen der Chinesen für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen nicht, so dass China die ganze Zeit außerhalb der UNO blieb.

Doch es kam wieder ein neuer Augenblick in der chinesischen Aussenpolitik: die Chinesen änderten ihre Strategie, gingen von der Strategie des Kampfes gegen den amerikanischen Imperialismus und dcn sowjetischen Sozialimperialismus zur Strategie des Bündnisses mit den Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Sowjetunion über. Da begann das Eis auch zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika zu schmelzen, und zu guter Letzt wurde China in die Organisation der Vereinten Nationen aufgenommen.

Die Positionen, die China nach seiner Aufnahme in die UNO einnahm und die es 12 oder 15 Jahre lang in unzähligen Gesprächen mit dem amerikanischen Botschafter in Warschau vorbereitet hatte, verhalfen der neuen Strategie Mao Tsetungs und Tschou En-lais in den Geheimverhandlungen zwischen den beiden Botschaftern in Warschau und später auch zwischen Kissinger und Mao sowie Tschou En-lai zum Triumph. China schlug einen Kurs der Freundschaft mit allen kapitalistischen Ländern der Welt ein und entfaltete den Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. China entwickelte die wahnsinnige, antimarxistische, reaktionäre Strategie, mit dem amerikanischen Imperialismus und allen anderen bürgerlich-kapitalistischen Staaten der Welt zur Verständigung zu gelangen und Übereinstimmung zu erzielen, um so eine gemeinsame Front gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu schaffen.

Mao Tsetung verlangte als Bedingung für Chinas Bündnis mit den Vereinigten Staaten, dass diese ihm die Hilfe gaben, die ihm die Sowjetunion verweigerte. Mao Tsetungs «Weisheit» legte es darauf an, dem amerikanischen Imperialismus vorzugaukeln, China werde zu einer festen Barrikade gegen den sowjetischen Sozialimperialismus und dann, stark geworden, auch die Gebiete Sibiriens okkupieren, unter dem Vorwand, sie seien China von den russischen Zaren geraubt worden. Diese «geniale» Idee gab Mao aus, als er Grenzansprüche an die Sowjetunion anmeldete. Dies war Chinas erstes Unterpfand für die Vereinigten Staaten von Amerika, was seine Bereitschaft anbelangte, den Hauptgegner der amerikanischen Imperialisten im Ringen um Vorherrschaft auf der Welt durch Kampf und Scharmützel zu schwächen.

Chinas Politik in seinen Beziehungen zu den anderen Ländern drehte sich also um die Achse China-Vereinigte Staaten von Amerika. Vergessen war Taiwan, vergessen waren Hongkong und Macao, vergessen war auch Vietnam, das sich im Kampf befand. Und gerade, als Vietnam brutal bombardiert wurde, fanden auch die abschließenden Gespräche zwischen Mao und Tschou En-lai auf der einen und Kissinger und Nixon auf der anderen Seite statt. Mao schlug also diesen antimarxistischen, probimperialistischen Weg ein, als Vietnam gerade unter den Bomben von Nixons B-52-Flugzeugen verbrannte, eben des Nixon, der nach Peking reiste, dort von Mao Tsetung und Tschou En-lai begrüßt wurde und mit ihnen vertraute Gespräche führte.

Genau zu dieser Zeit gaben auch die Vereinigten Staaten von Amerika grünes Licht, und alle Freunde der Amerikaner begannen der Reihe nach diplomatische Beziehungen zum «sozialistischen» China Mao Tsetungs aufzunehmen. Dennoch, diese Ausrichtung, diese Strategie Maos musste noch feste For men erhalten, damit China festlegen konnte, worin diese diplomatischen Beziehungen, die nun aufgenommen wurden, bestanden und welche Richtung sie nehmen sollten.

Damit will ich sagen, dass wir zu Beginn dieser Periode erneut keine sichtbare, überlegte politische Aktivität von seiten Chinas feststellen können. Es war sogar so, dass wir in den Gesprächen mit den Chinesen oft darauf beharrt, unsere Meinung geäußert haben, das sozialistische China müsse diplomatische Beziehungen mit den anderen Ländern der Welt unterhalten, weil es unbedingt nötig sei, dass der Einfluss des sozialistischen China in allen Kontinenten zum Tragen komme und sich dies zugunsten der nationalen Befreiungskämpfe der Völker, zugunsten der proletarischen Revolution auswirkt. China und die Kommunistische Partei Chinas schenkten unseren Anregungen und Ansichten zu diesem wichtigen Problem jedoch keinerlei Gehör. Sie behandelten sie von oben herab.

Konkret: China begab sich ins antisozialistische Fahrwasser, und dadurch wurden seine Ideologie, seine Strategie und seine Taktiken noch klarer festgelegt: Freundschaft und Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, von denen China in bezug auf Technologie, Wirtschaft und Rüstung profitieren will. China ist ebenfalls für die Freundschaft und das Bündnis mit allen anderen entwickelten kapitalistischen Ländern, von denen es Kredite für neue Technologie und Waffen erhalten wird. Hinsichtlich der anderen Länder, bei denen weder Kredite noch Technologie zu holen waren, musste China mit seiner angeblich sozialistischen, wohlmeinenden, beschützenden Politik Einfluss auf sie gewinnen und so, mit der Freundschaft China-Amerika als Achse, allmählich günstiges Terrain für eine Zunahme seiner künftigen Hegemonie schaffen. Von dieser Strategie ging Mao Tsetung aus, als er die «geniale Analyse» von der «Dreiteilung» der Welt auftischte.

Zu dieser Zeit fanden in China als Ergebnis von Maos Strategie grosse Veränderungen statt. Dort kamen Elemente an die Macht wie Chinas «Chruschtschow Nr. 2», Deng Hsiao-ping, ein Hauptvertreter der reaktionären Gruppe Liu Schao-tschis. Tschou En-lai bekam Auftrieb, diese Strategie mit Zielrichtung auf die Vereinigten Staaten von Amerika und das Weltkapital gehörig zu entwickeln und liquidierte zusammen mit Mao die Proletarische Kulturrevolution. In Wirklichkeit besass diese Revolution keine klare, revolutionäre, proletarische Orientierung. Sie hatte nur einen Zweck: Mao Tsetung wollte Liu Schao-tschi die Macht entreissen, seine Macht liquidieren und die Ergebnisse erzielen, die er dann ja auch erzielte.

Ich bin der Ansicht, dass Liu Schao-tschi weiter rechts war als Mao Tsetung, dass er der Fürsprecher der Kompradorenbourgeoisie war, während Mao die nationale Bourgeoisie unterstützte. Mao bekämpfte die nationale Bourgeoisie nicht, im Gegenteil, er beschützte sie. Die Elemente dieser Bourgeoisie strichen sowohl in den Fabriken als auch in den Kommunen Gewinne ein. Sie waren dazu bestimmt, der Hauptrückhalt der gegenwärtigen Politik Hua Guofengs und Deng Hsiao-pings zu sein - und sind es tatsächlich -, die ein Ausfluss des Herzstücks der proamerikanischen Politik von Mao Tsetung und Tschou En-lai ist.

Tschou starb, und nach ihm starb auch Mao, und beide hinterließen China als Erbe ein grosses Durcheinander. Wer würde die Macht übernehmen? Die «Vier»?! Hua Guo-feng mit der Staatssicherheit, Deng Hsiao-ping, Yä Djiän-ying und viele, viele andere Renegaten mit ihren Anhängern traten in Aktion, und es kam, wie wir wissen, zu dem Staatsstreich. Wie gewöhnlich fand ein Militärputsch statt, doch diesmal unter Führung Hua Guo-fengs, die «Vier» wurden verhaftet und beseitigt, und der zweimal als Antimarxist, Revisionist und Konterrevolutionär gestürzte Deng Hsiao-ping kam wieder an die Macht. Doch Hua Guo-feng und zusammen mit ihm Yä Djiän-ying und Deng Hsiao-ping übernahmen als Erbe ein ideologisch, politisch verwirrtes, aber auch wirtschaftlich angeschlagenes China. Dies verursachte eine grosse politische Konfusion und eine gleichfalls grosse Desorganisierung, die der Produktion schadete und für China innerhalb wie ausserhalb des Landes eine schwierige Situation heraufbeschwor. Infolgedessen wird China noch Jahre brauchen, um sich auf dem Weg, den zu gehen es beschlossen hat, zu erholen - nicht dem sozialistischen Weg, denn Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping haben auch jenen «sozialistischen» Weg verbaut, den, wie man meinte, China zur Zeit Mao Tsetungs beschritt.

Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping haben offiziell erklärt, die Kulturrevolution in China sei beendet. Das heisst, sie ergiffen die Macht und beschlossen, dass es dort keine proletarische Revolution und auch keine Proletarische Kulturrevolution mehr geben solle. Im heutigen China, wo man weiter das Schlagwort verbreitet, es würden «hundert Blumen blühen» und «hundert Schulen miteinander wetteifern», wird also in Wirklichkeit keine einzige davon blühen, vielmehr wird die Diktatur der brutalen faschistischen Bourgeoisie errichtet werden. Gerade jetzt sprechen Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping mittels aller Presse- und Propagandaorgane davon, man müsse «überall die Disziplin herstellen», sprich: jeden Widerstand gegen diese faschistische Diktatur blutig ersticken. Die Clique, die in China an die Macht gekommen ist, will also die «Einheit» mit Gewalt herstellen. Das gilt für den inneren Bereich, während diese Clique auf internationaler Ebene, also in der Aussenpolitik, weiter am Schlagwort von den «drei Welten» festhält. Doch in den «drei Welten» gibt es weder innerhalb einzelner Länder noch zwischen ihnen Einheit. Hierin liegt der Trugschluss dieser absurden Theorie, mit deren Hilfe China seine Hegemonie errichten und zu einer Supermacht auf der Welt werden will. Unter den Staaten, die diese «drei» verschiedenen «Welten» bilden, herrscht keine Einheit, und das bedeutet, dass es bei ihnen ständige Diversität und ewige Dualität gibt, da grosse Widersprüche zwischen ihnen bestehen. In diesen Staaten herrscht das Gesetz des Dschungels. Gerade in diesen sogenannten drei Welten «blühen hundert Blumen und wetteifern hundert Schulen miteinander», daher ist es für Hua Guofengs China nicht gar so leicht, diese «drei Welten» zu vereinheitlichen und so seine Macht zu etablieren, wie dies innerhalb des Landes gerade mit der Errichtung der bürgerlichen Diktatur geschieht.

Diese Situation hatten weder Mao noch Hua Guo-feng, noch Deng Hsiao-ping vorausgesehen. Sie hatten gemeint, sie würden sich bei den Völkern, den Staaten, der Welt mit dieser ideologischen und politichen Theorie durchsetzen. Doch konnte diese Theorie z u ihrem Pech keinen Erfolg haben.

Wer die Einheit mit der Hälfte der «ersten Welt» oder die Einheit in der «zweiten Welt» oder in der «dritten Welt» unter der Leitung der Chinesen predigt, entsprechend ihrer Parole, alle diese < Welten» seien angeblich vom sowjetischen Sozialimperialismus bedroht, der nimmt einen kurzsichtigen Standpunkt ein. Weder trägt er der internationalen Lage und den Widersprüchen Rechnung, die den Kapitalismus zerfressen, noch berücksichtigt er, dass wir uns in der Phase der Fäulnis des Imperialismus, in der Phase der proletarischen Revolutionen befinden.

Diese kurzsichtige, reaktionäre Politik hat China in eine Sackóasse gebracht. Deshalb wird sich die chinesische Politik auch fürúerhin in einem Zustand ständigen Schwankens befinden, und, noch schlimmer, das Kennzeichen dieses Schwankens werden immer wieder schwere Niederlagen sein, weil die Politik jeder dieser „drei Welten», die China seinem «ausserordentlich klugen» Standpunkt entsprechend zu manipulieren sucht, nicht zur Vereinheitlichung tendiert, sondern zur Vorherrschaft und zur Spaltung. Dies steht im Gegensatz zu den Absichten Chinas, das versucht, die «Schafe» unter seinem Hirtenstab zu vereinigen, doch die «Schafe» sìnd gar keine Schafe, sondern Wölfe, und der Wolf kennt seinesgleichen. Die Bestie lebt im Wald, und der Wald ist ein Dschungel.

Welche Haltung zu den amerikanischen Machenschaften im Nahen Osten muss China entsprechend dieser seiner internationalen Politik einnehmen? Chinas Ziel ist, in diesem Raum der Welt den Status quo zu wahren, Ägypten zu seinem gehorsamen Partner zu machen; ebenso ist ihm an der Anerkennung und Achtung der anderen arabischen Länder gelegen. Zugleich zielt dieses Manöver darauf ab, die Spaltung unter den arabischen Völkern aufrechtzuerhalten. Natürlich, auf dem Weg, den es beschritten hat, muss sich China auf die Seite der Amerikaner schlagen und tut es tatsächlich auch, das heisst, es unterstützt die proamerikanischen arabischen Führer, es unterstützt auch Israel, ist also für einen Frieden á la Amerika, bei dem nicht die Freiheit und die Unabhängigkeit der arabischen Völker, sondern die Gier der israelischen Faschisten und und politischen Theorie durchsetzen. Doch konnte diese Theorie z u ihrem Pech keinen Erfolg haben.

Wer die Einheit mit der Hälfte der «ersten Welt» oder die Einheit in der «zweiten Welt» oder in der «dritten Welt» unter der Leitung der Chinesen predigt, entsprechend ihrer Parole, alle diese < Welten» seien angeblich vom sowjetischen Sozialimperialismus bedroht, der nimmt einen kurzsichtigen Standpunkt ein. Weder trägt er der internationalen Lage und den Widersprüchen Rechnung, die den Kapitalismus zerfressen, noch berücksichtigt er, dass wir uns in der Phase der Fäulnis des Imperialismus, in der Phase der proletarischen Revolutionen befinden.

Diese kurzsichtige, reaktionäre Politik hat China in eine Sackoasse gebracht. Deshalb wird sich die chinesische Politik auch fürderhin in einem Zustand ständigen Schwankens befinden, und, noch schlimmer, das Kennzeichen dieses Schwankens werden immer wieder schwere Niederlagen sein, weil die Politik jeder dieser „drei Welten», die China seinem «außerordentlich klugen» Standpunkt entsprechend zu manipulieren sucht, nicht zur Vereinheitlichung tendiert, sondern zur Vorherrschaft und zur Spaltung. Dies steht im Gegensatz zu den Absichten Chinas, das versucht, die «Schafe» unter seinem Hirtenstab zu vereinigen, doch die «Schafe» sind gar keine Schafe, sondern Wölfe, und der Wolf kennt seinesgleichen. Die Bestie lebt im Wald, und der Wald ist ein Dschungel.

Welche Haltung zu den amerikanischen Machenschaften im Nahen Osten muss China entsprechend dieser seiner internationalen Politik einnehmen? Chinas Ziel ist, in diesem Raum der Welt den Status quo zu wahren, Ägypten zu seinem gehorsamen Partner zu machen; ebenso ist ihm an der Anerkennung und Achtung der anderen arabischen Länder gelegen. Zugleich zielt dieses Manöver darauf ab, die Spaltung unter den arabischen Völkern aufrechtzuerhalten. Natürlich, auf dem Weg, den es beschritten hat, muss sich China auf die Seite der Amerikaner schlagen und tut es tatsächlich auch, das heisst, es unterstützt die proamerikanischen arabischen Führer, es unterstützt auch Israel, ist also für einen Frieden á la Amerika, bei dem nicht die Freiheit und die Unabhängigkeit der arabischen Völker, sondern die Gier der israelischen Faschisten und der ägyptischen, saudiarabischen und anderen Reichen den Sieg davon trägt.

Es zeigt sich klar, dass diese Position der Chinesen antimarxistisch ist. China ist gezwungen, diese Position einzunehmen und allen arabischen Völkern vorzuspiegeln, es habe sie verteidigt und verteidige sie weiter. In Wirklichkeit jedoch verteidigt es keines dieser Völker, verteidigt es nicht ihr Streben nach nationaler Befreiung, sondern unterstützt den Kapitalismus und den Imperialismus.

Diese Haltung Chinas haben sämtliche Länder der sogenannten dritten Welt schon früher festgestellt, doch besonders jetzt haben sie grosse Zweifel an China, daher gefällt ihnen die chinesische Politik nicht und sie bekämpfen sie. Noch nicht einmal jene Staaten aus dieser «dritten Welt», die sich probchinesisch gebärden, vertrauen auf China, auch wenn ihre Führer schon einmal nach China gefahren sind, wie zum Beispiel Mobutu von Zaire. Das liegt daran, dass sie wissen, dass China keinerlei Einfluss hat und für ihre Geschicke keine Rolle spielt. Mag es deshalb die Trommel für sie rühren, soviel es will. Die Geschicke der kapitalistischen Cliquen, die in diesen Ländern herrschen, liegen in der Hand des amerikanischen Imperialismus, oder wie derzeit zum Beispiel das Schicksal Äthiopiens, Angolas oder sonst noch irgendeines Landes, in der Hand des sowjetischen Sozialimperialismus.

Deshalb stiess die chinesische Aussenpolitik der «drei Welten», der Vereinigung aller Länder in einem Block gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, nicht nur auf Hindernisse, sondern erlitt auch 3lisserfolge. Diese Misserfolge werden einer nach dem andern kommen, je nach den wechselnden Verhältnissen unter den Staaten der verschiedenen «Welten», wie die Chinesen sie nennen, und zwar wegen der grossen Widersprüche, die unter ihnen bestehen. Unter diesen Verhältnissen weiss China weder aus noch ein. Was China heute sagt, bewahrheitet sich morgen nicht und verwandelt sich in das Gegenteil dessen, was es vordem gedacht und geäußert hat. Unter diesen Verhältnissen wird es China nicht gelingen, ein gewisses Gleichgewicht in seiner Außenpolitik zu wahren. Es wird das Gleichgewicht weder so wahren können, wie die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion, mit denen China still schweigend in Konkurrenz treten will, um ebenfalls seine Vorherrschaft auf der Welt zu errichten, noch wie die anderen kapitalistischen Länder, die grosse aussenpolitische Erfahrung haben und es verstehen, zu manövrieren, Bündnisse zu schliessen und zu lösen und bewaffnet, durch Subversion und auf tausenderlei andere Weise zu intervenieren.

So wird China schließlich sagen: «Soll passieren, was will, ich habe mich entschieden, es vorläufig mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu halten und von ihnen und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern industrielle, landwirtschaftliche und militärische Technologie zu beziehen, also meine Wirtschaft und meinen Zustand zu ordnen und stets im Gegensatz zu jener Supermacht zu stehen, die sich meiner Politik und der Politik meines grossen Freundes, der Vereinigten Staaten von Amerika, entgegenstellt.» Dies ist der antimarxistische Kurs, den China in seiner Aussenpolitik verfolgen wird.

Gegenwärtig ist festzustellen, dass angesichts der Niederlagen der chinesischen Politik auf internationaler Ebene von der revisionistischen chinesischen Führung mit Hua Guo-feng an der Spitze nichts zu merken ist, dass sie sich nicht äussert, keine Stellung zu den wichtigen Ereignissen bezieht, die auf der Welt stattfinden. Und warum bezieht es keine Stellung? Weil es sieht, dass jeder Schritt, den es tut, eine neue Niederlage bedeutet. Deshalb schweigt es oder äussert gedämpft die eine oder andere unsinnige Meinung, die niemand täuschen kann und eigentlich nur durch ihren Antisowjetismus, nichts sonst auffällt. Doch auch seinen Antisowjetismus hat es in gewisser Weise zurückgeschraubt, denn bei seiner ungemein schwankenden Politik wird es im Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus nicht bis zum Äußersten gehen, sondern sich ein Hintertürchen offen halten, um leichter manövrieren zu können, falls es mit seinem Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus Schiffbruch erleidet. Das ist natürlich. Wenn China fortfährt, eine solch situationsabhängige, antimarxistische, kapitalistische Politik zu betreiben, muss es ebenfalls zum politischen Jongleur werden, sonst wird es sich auf diesem Weg nicht halten können, da die anderen es nicht ungeschoren lassen werden. Ungeschoren bleiben, triumphieren, erhobenen Hauptes dastehen könnte es nur, wenn es den Sozialismus verteidigte, wenn es sich von der marxistisch-leninistischen Theorie leiten liesse, doch damit ist es bei ihm aus und vorbei. China ist im Sumpf gelandet, und seine antimarxistische Politik wird es noch tiefer darin versinken lassen. Nur eine wirklich proletarische Revolution kann China aus diesem Abgrund, aus dieser Tragödie retten.

DIENSTAG,

20. DEZEMBER 1977

AMERIKANISCHE KOMMENTARE ÜBER CHINA

Der Sender, der sich «Stimme Amerikas» nennt, hat inzwischen begonnen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, von der Freundschaft zwischen den USA und dem China Hua Guo-fengs und Deng Hsiao-pings zu sprechen.

In einer ihrer Sendungen brachte die «Stimme Amerikas» ein Interview mit Senator Mansfield, der jetzt Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Japan ist. Er ist eine bekannte amerikanische Persönlichkeit, und wenn ich mich nicht irre, war er Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses des amerikanischen Senats. Mansfield erklärte, die gegenwärtige Haltung dei Volksrepublik China sei ermutigend für die westliche Welt. Ganz unverblümt sagt er, der Sturz der «Viererbande» bedeute den Machtantritt Deng Hsiao-pings als stellvertretender Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas, was er als sehr gute Sache für die USA und die ganze westliche Welt wertet.

Mansfield erklärte, Deng Hsiao-ping sei der Erbe Tschou Enl-ais und sein Testamentsvollstrecker. Deng, so versichert er, werde akkurat Tschous Vorstellungen von der Modernisierung Chinas bis zum Jahr 2000 ausführen. Mansfield, ein guter Kenner Chinas, meint, dieses werde es wohl kaum schaffen, sich bis zum Jahr 2000 zu modernisieren. Nun, wie dem auch sei, die Vereinigten Staaten von Amerika werden ihm Technologie und andere Mittel zur Verfügung stellen, damit es dieses Ziel erreichen kann. So werden, laut Mansfield, zahlreiche Delegationen verschiedener Art zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China ausgetauscht werden, um diese guten, freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu aktivieren und zu festigen. Mansfield unterstrich ausserdem, China brauche Devisen, anders ausgedrückt, China brauche Kredite, «und die», setzte er hinzu, «müssen wir ihm geben».

Mansfield ist ganz sicher, dass sich China nicht der Sowjetunion annähern wird, habe es doch einen Weg entschlossener Gegnerschaft zu ihr eingeschlagen. Dieser amerikanische Experte weist die Stimmen zurück, die von einer Annäherung zwischen den Chinesen und den Sowjets reden und kommt zum Schluss, augenblicklich sei es um die amerikanischen Beziehungen mit China gut bestellt, nur: «Wir müssen später», so gibt er zu bedenken, «auf die Möglichkeit einer Annäherung Chinas an die Sowjetunion achten.»

Der Erklärung dieser einflussreichen amerikanischen Persönlichkeit, die nicht zufällig als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika nach Japan gegangen ist, lässt sich entnehmen. dass Deng Hsiao-ping die Persönlichkeit ist, welche die sicherste Gewähr für die Vorbereitung und Festigung der chinesisch-amerikanischen Allianz bietet. Das stand für uns ausser Frage, doch genauso steht für uns ausser Frage, dass Deng Hsiao-ping ein Abenteurer ist, der, sollte er mit seiner Gruppe die Macht vollständig in die Hand bekommen, sollten sie den Einfluss der Gegner, die ebenfalls Abenteurer sind, völlig liquidieren können, Chinas Annäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika noch mehr beschleunigen mag, vielleicht für eine gewisse Zeit den Status quo wahrt, aber sich, wenn er es für notwendig erachtet, auch an die Sowjetunion heranmachen könnte. Das wird natürlich dann geschehen, wenn sich China tief in die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern verstrickt hat, oder wenn es sieht, dass diese ihm nicht geben, was es verlangt. Dann wird China auf beiden Hochzeiten tanzen, das heisst, es wird sich auch der Sowjetunion annähern.

DONNERSTAG,

22. DEZEMBER 1977

DIIR ENTARTUNGSPROZESS IN CHINA GEHT WEITER

Was wir in bezug auf die staatlichen Beziehungen Chinas zum jugoslawischen Staat und die Beziehungen der Kommunistischen Partei Chinas zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens vorausgesehen haben, bestätigt und verwirklicht sich nun.

Nach Titos Besuch in Peking, nach seinem so spektakulären, prunkvollen und liebevollen Empfang durch Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping und die anderen chinesischen Führer, werden wir nun Zeuge, wie die in den chinesischen Palästen heimlich getroffenen Vereinbarungen in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Die Freundschaft zwischen den chinesischen und den jugoslawischen Revisionisten wird immer dicker, und das nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Dutzende und aber Dutzende von Parteidelegationen, Gewerkschafts-, Frauen-, Wirtschafts- und insbesondere Organisationsdelegationen reisen von China nach Jugoslawien, um sich die jugoslawische Erfahrung in all diesen Bereichen anzueignen. Diese Kontakte, diese Verbindungen, dieser Austausch oder, besser gesagt, diese Übernahme der revisionistischen jugoslawischen Erfahrung durch die Chinesen, erfolgt nicht mehr in der Stille und geheimnisumwittert, verstohlen, sondern im hellen Tageslicht.

Man spricht und schreibt in der Presse darüber, wohin diese Delegationen gehen und mit wem sie Kontakt aufnehmen, was sie wollen und was sie sehen. So erfahren wir denn im allgemeinen, dass ,ich diese Delegationen die Erfahrung der jugoslawischen «Selbstverwaìtung» zunutze machen wollen. Mit dieser kapitalistischen Form der Verwaltung haben die Chinesen schon vor langem begonnen, doch jetzt geht es ihnen darum, sie zu perfektionieren, und sie meinen, sie könnten diese Methode der kapitalistischen Ausbeutung der Werktätigen nur dann besser herausbilden, wenn sie die jugoslawische Erfahrung übernehmen. Die chinesischen Revisionisten beschränken sich bei der Übernahme der Erfahrung in der «Selbstverwaltung» der Wirtschaft nicht nur auf das Gebiet der Industrie und auf die jugoslawischen Grossunternehmen, die mit ausländischer - amerikanischer, westdeutscher u.a. - Technologie aufgebaut wurden und im Mit besitz der grossen ausländischen kapitalistischen Gesellschaften sind, sondern gehen nach Jugoslawien auch, um sich an den jugoslawischen Staatsfarmen ein Beispiel zu nehmen, die nach dem Modell der kapitalistischen Agrarwirtschaften organisiert sind.

Titos Reise nach Peking erfolgte also nicht zum bloßen Vergnügen oder um China in seinem revisionistischen Kurs zu bestärken, oder um Tamtam zu machen und so den Ruf dieses verräterischen Revisionisten und gebrandmarkten Renegaten aufzubessern. Die Chinesen, die bei den Amerikanern und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern Kredite für den Ankauf moderner Technologie sowohl für die Industrie, als auch für die Landwirtschaft aufnehmen werden und schon aufnehmen, müssen unbedingt eine Staatsund Wirtschaftsorganisation schaffen, die der Erteilung dieser Hilfen durch die Amerikaner, Westdeutschland oder Japan angepasst ist und

diesen im Hinblick auf ihr e Investitionen in China Sicherheit gibt.

Die imperialistischen und kapitalistischen Länder haben gesehen, dass die Erfahrung, die sie Tito vermittelt haben, in dieser Richtung Früchte getragen hat, so dass sie meinen, die jugoslawische revisionistische Erfahrung müsse mit einigen chinesischen Besonderheit ten übernommen werden. Deshalb ergießt sich ein ununterbrochener Strom von Delegationen aus China nach Jugoslawien. Man muss wissen, dass die Jugoslawen Spezialisten sind, wo es darum geht zumanövrieren, die Dinge hinzudrehen, dass sie Psychologen sind und es verstehen werden, die Chinesen so richtig aufs Kreuz zu legen, sowohl die, die dorthin kommen, als auch die chinesische Führung, die sie auf dem kapitalistischen Weg, den sie gewählt hat und nun mit grosser Entschlossenheit verfolgt, ordentlich zurechttrimmen werden.

Es dürfte nicht bei dieser Annäherung an Jugoslawien bleiben.

Der Plan des amerikanischen Imperialismus ist weitgesteckt. Wir sehen ebenfalls, wie China versucht, nach Ungarn, nach Polen, möglicherweise auch in die anderen revisionistischen Länder, die unter sowjetischer Führung stehen, einzudringen. Es meint, sich so in sie integrieren oder sie von der Sowjetunion lösen zu können. Dies ist eine alte Politik des amerikanischen und englischen Imperialismus sowie der bürgerlich «demokratischen» Staaten, wobei Tito in der Maske des angeblichen spezifischen Sozialismus der Voraustrupp bei ihren Seiltänzereien ist. Nun werden diesen Karren des «spezifischen Sozialismus» zwei Paar Pferde ziehen - Tito mit Kardelj und Deng Hsiao-ping mit Hua Guo-feng.

Darüber hinaus wird die Kommunistische Partei Chinas in der Ideologie entschlossen den Kurs des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens verfolgen, das heisst: Bündnis mit allen übrigen Revisionistenparteien des Westens oder der anderen Kontinente der Welt. China selbst ist peinlich darauf bedacht, denn es wird, um sein strategisches Ziel zu erreichen, versuchen, die pseudokommunistische Maskerade beizubehalten, und es wird diese pseudokommunistische Maskerade mit den Maskeraden der anderen Parteien verbinden, die den Marxismus-Leninismus verraten haben und grosse Anstrengungen unternehmen, in den kapitalistischen Clan einzusickern, um mit dem einheimischen und dem internationalen Kapital auf Kosten des Proletariats der kapitalistischen Länder der Welt zusammenzuarbeiten.

Der Prozess der Entartung Chinas geht weiter.

SAMSTAG,

24. DEZEMDER 1947

MAN DARF DIE HOFFNUNG AUF DAS CHINESISCHE

PROLETARIAT UND DAS CHINESISCHE VOLK NICHT

VERLIEREN

Es ist natürlich, dass alle Kommunisten auf der Welt, alle fortschrittlichen Menschen, die Völker, die für politische, wirtschaftliche Freiheit usw. kämpfen, über die probimperialistische Politik Chinas sehr beunruhigt sind. In der modernen Geschichte der Völker und der Staaten ist es noch nie vorgekommen, dass ein so grosses Land: so offen eine skandalöse Politik betreibt, um zu einer prinzipienlosen Einheit mit einem mächtigen imperialistischen Staat wie den Vereinigten Staaten von Amerika zu gelangen.

Chinas augenblickliche Haltung wird noch widerlicher und heuchlerischer dadurch, dass es sich noch immer als sozialistisches Land ausgibt und anpreist, als ein Land, das angeblich für die Revolution, für die restlose Zerschlagung des Weltkapitalismus und des Imperialismus kämpft. In dieser Frage geht man inzwischen oft ganz schamlos und unverhüllt vor, ruft laut nach der Einheit mit dem amerikanischen Imperialismus und der gesamten kapitalistischen Weltbourgeoisie, und das nicht nur in den Artikeln von «Renmin Ribao» oder den Materialien der Hsinhua-Korrespondenten, die durch die kapitalistischen Länder reisen und Stützpunkte und Kriegsschiffe der NATO besuchen, Reportagen über die kapitalistische «Kraft» und das kapitalistische «Paradies» schreiben, nein, der Ruf nach «Einheit» mit dem amerikanischen Imperialismus an der Spitze kommt auch von hohen chinesischen Offiziellen, etwa Deng Hsiao-ping bei seinem Interview mit AFP. Und all das wird so dargestellt, wird so behandelt, als sei es ein leninistischer Kurs. In Wirklichkeit ist dies einer der reaktionärsten Kurse, die die internationale kommunistische Bewegung und die fortschrittliche Weltbewegung jemals erlebt haben mögen. Eine derartige Politik ist sowohl für die Völker unannehmbar als auch für die fortschrittlichen Staaten, die ihre politische Würde haben, ihre eigenen Ansichten, - mögen sie aussehen, wie sie wollen - mit denen sie sich verteidigen und kämpfen, um nicht vor einem grossen Land oder einem grossen Staat zu Kreuze kriechen zu müssen. Es gibt auf der Welt viele Staaten, in denen die bürgerlichen und volksfeindlichen Cliquen herrschen, die in verschiedenen Formen versuchen, die Wirklichkeit zu verhüllen, um ihre Politik und ihre Ziele zu tarnen. Solche Versuche, seine antimarxistische, volks- und befreiungsfeindliche Tätigkeit zu tarnen, unternimmt auch das revisionistische China, das seine Linie ganz unverschämt als eine richtige, marxistischleninistische Linie anpreist. Doch bei uns gibt es eine Volksweisheit: «Das Dorf, das man sieht, braucht keinen Wegweiser.»

Das pseudosozialistische China unterwirft sich den Bedingungen des amerikanischen Imperialismus. Mit der Politik, die es verfolgt, mit seiner Strategie und Taktik hat es sich gegen die Revolution und gegen den nationalen Befreiungskampf der Völker gestellt. Faktisch kann es, wenn es die These vertritt, man müsse ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Weltkapitalismus eingehen, gar nicht für die Befreiung der Völker von der Knechtung durch den Imperialismus, den Sozialimperialismus und den Weltkapitalismus sein. Das ist ein wesentlicher Punkt. China wird dem nationalen Befreiungskampf der Völker nicht nur keine materielle Hilfe geben, sondern auch keine politische Unterstützung. Das ist ein Standpunkt der Unterwerfung unter das Hauptziel des amerikanischen Imperialismus.

Der amerikanische Imperialismus will die Völker unterwerfen. Jetzt hat er sich an die Aufgabe gemacht, China politisch und wirtschaftlich zu unterwerfen und es in militärische Abhängigkeit von den USA und der NATO zu bringen. Auf diesem Weg befindet sich heute China, das auf die Positionen Washingtons übergegangen ist. 'China hat es übernommen, die amerikanische Politik als eine «friedliche» Politik zu propagieren, die Vereinigten Staaten von Amerika als nicht aggressiv hinzustellen, als jemand, der den Status quo wünscht und Hilfe zur Entwicklung der Menschheit gibt. China handelt so, um die «Hilfe» zu rechtfertigen, die es heute selbst von den Vereinigten Staaten von Amerika erhält. Mit seiner Haltung ermuntert China also die Vereinigten Staaten von Amerika, ruhig such in anderen Ländern der Welt zu investieren.

China hat es übernommen (und das ist der glühende Wunsch der amerikanischen Imperialisten), Tag für Tag den sowjetischen Sozialimperialismus anzugreifen,, das heisst, den Hauptkonkurrenten des amerikanischen Imperialismus, zugleich aber auch sein eigener Hauptkonkurrent als Supermacht, zu schwächen. Diesen Kampf gegen die Sowjetunion führt China nicht von marxistisch-leninistischen, sondern von den kapitalistischen Positionen eines grossen Staates aus, der danach strebt, zu einer imperialistischen Supermacht z u werden. Es führt ihn ausgehend von seinen alter Ambitionen in territorialen Fragen. Deshalb ist die «Theorie» der Chinesen, sie griffen die Sowjetunion an, weil sie ein ideologischer Feind sei, ohne jede Grundlage.

Eine andere Sache, die zeigt, dass das revisionistische China sich in den Dienst des amerikanischen Imperialismus gestellt hat, ist sein Versuch, alle Staaten der Welt um die Vereinigten Staaten von Amerika zu scharen. Das heisst, es will die Staaten, die Widersprüche zum amerikanischen Imperialismus haben, dessen Regie unterstellen. China «rät» diesen Staaten, ihre Widersprüche zum amerikanischen Imperialismus «auszuräumen». In dieser Hinsicht zeigt China grössten Eifer, ruft es doch gar das Weltproletariat und die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien dazu auf, sich mit der Bourgeoisie ihrer Länder in einem grossen politischen, ideologischen und militärischen Block zu vereinigen, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten von Amerika, gemeinsam mit dem Weltkapitalismus, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Das bedeutet ebenfalls totale politische und ideologische Unterwerfung unter den amerikanischen Imperialismus.

Die andere wichtige Mission, die die chinesische Politik übernommen hat, ist, die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt, die aus dem Proletariat hervorgegangen sind und für seine Organisierung zur Revolution kämpfen, zu spalten. China, das sich gegen die Weltrevolution, gegen die proletarischen Revolutionen, gegen die leninistischen Thesen stellt, macht mit aller Kraft Front gegen die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, die es spaltet und für deren Liquidierung es kämpft.

In all den Aspekten, auf die ich oben eingegangen bin, bedarf Chinas revisionistische Linie keiner grossen Erläuterungen, denn sie ist augenfällig. Die chinesische Politik muss erbarmungslos bekämpf t, sie muss entlarvt werden, denn sie fügt der Weltrevolution, den Völkern und dem Sozialismus grossen Schaden zu, sie ist eine opportunistische Politik, die Wasser auf die Mühlen des Imperialismus und des Revisionismus leitet. Das ist verbrecherisch, und die Verbrecher, auch die politischen, müssen entlarvt und aufs Haupt geschlagen werden.

Die derzeitige reaktionäre chinesische Politik beunruhigt die Völker sehr, deshalb muss man ihnen ihre Ziele klar machen. Die Völker erkennen die Gefahr, die die heutige chinesische Politik mit sich bringt, sie verstehen auch die richtigen Ziele und den revolutionären Weg der Partei der Arbeit Albaniens und der Sozialistischen Volksrepublik Albanien. Gerade dann, wenn sie unsere richtigen Auffassungen kennenlernen, unterstützen die Völker, die wahrhaft marxistisch-leninistischen Parteien und viele Staaten, die unterschiedliche politische Meinungen haben, sich aber dem amerikanischen Imperialismus oder irgendeinem anderen versklavenden Imperialismus nicht unterwerfen wollen, die Politik unserer Partei und unseres Staates.

Wir hab n bereits früher aufgezeigt, wie der Chruschtschowrevisionismus die Politik der Annäherung an den amerikanischen Imperialismus einleitete, und die Verflechtung der Chruschtschowschen Politik mit der Politik der Reaktion herausgestrichen. Heute brauchen wir alle, die Kommunisten auf der Welt, uns nicht zu wundern, wenn wir sehen, dass sich nun das gleiche zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika abspielt, das heisst, eine Verflechtung ihrer inneren und internationalen Interessen. Beide Seiten sind durch diese Interessen miteinander verbunden, deshalb machen sie einander Zugeständnisse, selbstverständlich auf Kosten der anderen Völker. Auf der einen Seite versucht der amerikanische Imperialismus, seine hegemonische Macht zu wahren, sie zum Nachteil der anderen sozialimperialistischen Macht sogar noch auszubauen, und auf der anderen Seite bemüht sich auch China, sein eigenes Reich zu schaffen, d.h., seinen Einfluss auf der Welt zu etablieren. Weil also die Interessen dieser beiden grossen Staaten - der eine als imperialistischer Staat bestätigt, der andere auf verschiedenste Weise bemüht, sich als solcher zu bestätigen - miteinander verbunden sind, müssen sie zwangsläufig im Gegensatz zu den allgemeinen Interessen des Weltfriedens, zu den Interessen der Befreiungskämpfe der Völker, zu den Interessen der Revolution und der Diktatur des Proletariats stehen.

Derzeit betreibt China diese Politik mit marxistischen Phrasen verkappt, aber auch mit außergewöhnlicher Inkonsequenz, mit einer ungeheuren Schamlosigkeit und ohne gross darauf zu achten, seinen antimarxistischen Weg zu verschleiern. Die Chruschtschowianer gingen nicht genau in der gleichen Weise vor. Sie versuchten und versuchen auch heute noch ständig, sich mit leninistischen Parolen zu tarnen, wobei sie behaupten, ihre politische, ideologische und wirtschaftliche Tätigkeit geschehe «im Interesse der Revolution». Auch seine expansionistischen Absichten tarnt der sowjetische Sozialimperialismus mit der Parole von der «Hilfe für die proletarische Revolution».

Chruschtschow brachte all die antimarxistischen Parolen von der friedlichen Koexistenz mit dem Imperialismus, vom überging zum Sozialismus auf friedlichem, parlamentarischem Weg, durch Reformen usw., sowie die Losung von der «Welt ohne Armeen, ohne Waffen und ohne Kriege» auf, entwickelte sie, doch er schuf dabei immer gleichsam den Eindruck, als gebe es im Kern tiefe Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion.

Es gibt diese Widersprüche zwischen den beiden imperialistischen Supermächten - den Vereinigen Staaten von Amerika, die konsequent ihre Linie verfolgen, jedoch nicht ohne Zickzack in der Politik, und der Sowjetunion, die genauso entschieden ihren sozialimperialistischen Kurs verfolgt, verkappt und ebenfalls mit manchem Zickzack.

Heute jedoch sehen wir, dass die chinesische kommunistische Partei und der chinesische Staat die internationale Arena mit einer häufig unverhüllten, maskenlosen Politik betreten haben, und diese ihre Haltung ist schrecklich, ist antimarxistisch, volksfeindlich. Die ganze kapitalistische Welt hat grosses Interesse daran, dass sich China auf diesem Weg entwickelt. Alle haben inzwischen in diesem Land ihre Hand im Spiel, sie haben ihr Spionagenetz und ihre Politiker in Aktion gesetzt, um es auf diesem Kurs weiter und immer weiter dem Abgrund entgegenzutreiben. An der Spitze aller Agenturen steht natürlich Jugoslawien mit Tito. Die Titoisten sind sehr zufrieden und fühlen sich außerordentlich ermutigt, nicht nur,, weil sich zwischen den beiden revisionistischen Staaten Jugoslawien und China sehr günstige wirtschaftliche und politische Beziehungen entwickeln. Sie sind auch zufrieden, weil sie auf diese Weise den Wunsch ihrer Herren, insbesondere des amerikanischen Imperialismus erfüllen, was Chinas schnelle Umwandlung in einen kapitalistischen Staat, wie es auch Jugoslawien ist, anbelangt.

Sicherlich werden Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping, die von der kapitalistischen Bourgeoisie so sehr gepriesen werden, rasch überall die jugoslawische «Selbstverwaltungs-»Organisation in der Wirtschaft einführen, und sie werden diese «Selbstverwaltung», dieses System, das sie dem grossen China anpassen werden, mit den politischen Merkmalen versehen, auf die ideologischen Merkmale gründen, die den Verratskurs der Maoisten auf die beste und klarste Weise definieren werden.

Die jugoslawische Nachrichtenagentur TANJUG spricht nicht viel von den «Vier» und auch nicht von ihren Anhängern, denen ein schwerer Schlag versetzt worden ist. Sie rechnet mit einer weiteren Stabilisierung in China. Das heisst für sie, dass die Clique Hua Guo-fengs und Deng Hsiao-pings, die an der Macht ist, im Jahr 1978 zur Stabilität finden, bei der Arbeit und im Land Disziplin herstellen wird. Kurz gesagt, man erwartet, dass dort eine starke Militärdiktatur errichtet wird, dass die Demokratie der Volksmassen unterdrückt und die Dezentralisierung der Wirtschaft durchgeführt wird.

So war es auch in der Sowjetunion, wo die Bolschewistische Partei Lenins und Stalins, die den grossen Sieg der Revolution und des Aufbaus des Sozialismus errungen hatte, von innen her zerstört wurde. Trotz Stalins richtiger Haltung und trotz der politisch-ideologischen Arbeit der Bolschewistischen Partei ergriffen die verkappten Revisionisten eines Tages die Macht und verwandelten innerhalb relativ kurzer Zeit die Sowjetunion von einem sozialistischen Land in ein kapitalistisches Land. Heute ist dort eine neue Schicht der kapitalistischen Bourgeoisie entstanden, die sich auf die Streitkräfte und die Staatssicherheit stützt.

Was die Kommunistische Partei der Sowjetunion anbelangt, so wahrt sie die «Tradition», wahrt sie den Ruf (gedankt sei dem Ruf!), doch in Wirklichkeit ist von der Bolschewistischen Kommunistischen Partei Lenins und Stalins nichts übrig geblieben, es ist nicht mehr sie, die die Sowjetunion führt. Dort führt die Armee, die Staatssicherheit, dort führen die Apparatschiks einer revisionistischen Partei. In der Sowjetunion gibt es Widerstand gegen das kapitalistische Regime, das dort errichtet worden ist. Dieser Widerstand scheint von der Rechten auszugehen, doch mit Sicherheit gibt es auch auf der Linken Widerstand, der nicht sichtbar wird, weil die Revolutionäre i-n tiefster Illegalität sind und arbeiten (während die internationale Bourgeoisie um die konterrevolutionären sowjetischen «Dissidenten» nach wie vor einen ohrenbetäubenden Lärm veranstaltet).

So wird es auch in China sein. Vorläufig kann sich dort Widerstand gegen die Herrschenden nur unter grossen Schwierigkeiten und in einigen sporadischen Vorfällen äussern, denn dort hat es eine wirklich revolutionäre marxistisch-leninistische Organisierung niemals gegeben. Deshalb muss in China ein revolutionärer Geist, ein neuer, marxistisch-leninistischer, revolutionärer Geist geschaffen werden. Bei den Kadern und den Massen des Proletariats diesen revolutionären Geist zu schaffen, das wird sicherlich noch seine Zeit brauchen, und während dieser Zeit wird die Militärdiktatur Hua Guofengs und Deng Hsiao-pings, der «Kriegsherren», gleichsam der maoistischen chinesischen neuen Bourgeoisie, ständig zuschlagen und China auf einen ganz und gar kapitalistischen Weg bringen.

Das soll nicht heissen, dass sich in China die revolutionären Elemente nicht rühren werden. Sie werden illegal handeln, mit neuen Methoden natürlich, vielleicht auch mit weniger rigoroser Intensität als in der Sowjetunion. Möglich, dass in China früher gehandelt wird, um die Cliquen, die die Macht ergriffen haben und nun die Revolution unterdrücken, loszuwerden. Man darf die Hoffnung auf das chinesische Proletariat und das chinesische Volk nicht verlieren.

MONTAG,

26. DEZEMBER 1977

KANN DIE CHINESISCHE REVOLUTION ALS PROLETARISCHE

REVOLUTION BEZEICHNET WERDEN?

Um eine derart wichtige Frage zu entscheiden, muss man natürlich einerseits über relativ viel Zeit verfügen. Außerdem braucht man ausführlichere und genauere Dokumente über die sehr komplizierte Entwicklung in China, mindestens ab der Periode Sun Yat-sens, der Kuomintang, bis heute. Auf der andere Seite muss man die Entwicklung der Revolution insgesamt und der klassischen französischen bürgerlich-demokratischen Revolution sowie die Entwicklung der bürgerlich-demokratischen Revolution in anderen Ländern kennen.

Ich kann von mir nicht behaupten, die französische bürgerlichdemokratische Revolution in ihrer ganzen Breite und Tiefe zu kennen, immerhin bin ich aber einigermaßen mit ihr vertraut. Ich habe sie nicht nur in Lehrbüchern, sondern danach auch viele wichtige Autoren wie Michelet, Mathiez, Jaurès u.a. studiert, die über diese Revolution geschrieben haben. Bekannt sind uns ausserdem die Einschätzungen der Klassiker des Marxismus-Leninismus über die französische Revolution.

In seinem Werk «Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte», in dem er auf die französische Revolution eingeht, definiert Marx sie als Revolution der Jahre 1789-1814. Doch zugleich betont er auch, dass der Anstieg dieser Revolution nur bis zum Jahr 1794 reichte. Er schreibt:

«In der ersten französischen Revolution folgt auf die Herrschaft der Konstitutionellen die Herrschaft der Girondins und auf die Herrschaft der Girondins die Herrschaft der Jakobiner. Jede dieser Parteien stützt sich auf die fortgeschrittenere. Sobald sie die Revolution weit genug geführt hat, um ihr nicht mehr folgen, noch weniger ihr vorangehen zu können, wird sie von dem kühnern Verbündeten, der hinter ihr steht, beiseite geschoben und auf die Guillotine geschickt. Die Revolution bewegt sich so in aufsteigender Linie.»* *( K. Marx / F. Engels, Ausgewählte Werke, Bd. I, S. 275 (alb. Ausgabe).)

Nach dem Sturz der Jakobiner «geht es abwärts» mit der Revolution, beginnt die Periode der Konterrevolution, obwohl die Bourgeoisie an der Macht bleibt.

Darüber hinaus kennen wir den Entwicklungsprozess der proletarischen Revolution, ihre Theorie und Praxis gut, denn wir haben sie in den Werken unserer grossen Klassiker, Marx, Engels, Lenin und Stalin, eingehend studiert. Wir haben uns mit der Entwicklung und dem Sieg der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution in der Sowjetunion, der proletarischen Revolution bei uns und in den anderen, sogenannten sozialistischen Ländern, die sich heute - wie die Sowjetunion - in kapitalistische Länder verwandelt haben, vertraut gemacht, sie studiert.

Ich sage dies alles, weil man Kenntnisse braucht, um dieses Problem, dem wir augenblicklich unser Interesse zuwenden, genau, richtig und gründlich untersuchen, d.h., den Charakter der chinesischen Revolution und die verschiedenen Etappen, die sie durchlaufen hat, bestimmen zu können. Insbesondere muss man die entscheidenden, die Schlüsselmomente kennen, die Ideen, den Fraktionskampf, die verschiedenen Etappen, die Triebkräfte, die alle zusammen eine Revolution ~bestimmen. Danach kann man dann durch eine wissenschaftliche Beurteilung und Analyse der Gesamtfrage vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus zu einer richtigen Schlussfolgerung gelangen. Dennoch können wir - auch wenn die Kenntnisse, die wir über China haben, unvollständig, nicht in gebührender Weise durch Gegenüberstellungen und Vergleiche koordiniert und klassifiziert, manchmal vielleicht auch nicht sehr exakt sind eine Meinung über die Revolution dort abgeben, die bisher «sozialistisch», «proletarisch» genannt worden ist, dies jedoch in Wahrheit nicht gewesen zu sein scheint.

Auf Grund meiner Überlegungen, besonders nach all dern, was sich in China ereignet hat und ereignet, bin ich - ohne Anspruch darauf zu erheben, diese Überlegungen stellten eine gründliche Untersuchung dar - zu der Meinung gelangt, dass in China keine Revolution stattgefunden hat, die als proletarische Revolution bezeichnet werden kann wie die Grosse Sozialistische Oktoberrevolution. Es geht mir hier nicht darum, dass die Etappen der bürgerlichen Revolution hätte übersprungen werden sollen und man direkt hütte zur sozialistischen Revolution übergehen müssen.

Sun Yat-sen vermochte durch seinen Kampf an der Spitze der Kuomintang in vielen Kämpfen und Gefechten - obwohl er sein Werk nicht vollendete - in China die Monarchie zu stürzen und die Republik zu errichten, die demokratische Kanton-Regierung zu bilden, ohne China allerdings einigen zu können. Diese chinesische Republik war eine «bürgerlich-demokratische» Republik, ohne dass in ihr alle Wesenszüge und Merkmale einer fortgeschrittenen bürgerlichen Demokratie schon herausgebildet gewesen wären, auch wenn sie sich in diese Richtung entwickelte. Wie jede bürgerlichdemokratische Revolution nahm auch die von Sun Yat-sen und der Kuomintang geführte meiner Meinung nach eine Reihe politischwirtschaftlicher Reformen vor, die sich gewissermassen verbessernd auswirkten und auf die Einigung Chinas gerichtet waren. Dieses litt zu jener Zeit unter einer doppelten Herrschaft: der absoluten Monarchie, dem Chaos in den Provinzen, wo die «Kriegsherren» mit ihren autonomen Verwaltungen und ihren beinahe privaten «Armeen» regierten, und unter der Herrschaft einer Reihe imperialistischer Staaten. Diese hatten sich mit ihren Konzessionen festgesetzt, nahezu die gesamte Ostküste dieses grossen Landes unter sich aufgeteilt, eigene Kolonien und Handelsniederlassungen geschaffen, durch die sie dem chinesischen Volk zum Vorteil der englischen, amerikanischen, französischen, deutschen usw. Metropolen den Schweiss und das Blut auspressten, intrigierten und Spaltung und Chaos schürten.

Die Proklamation der Republik und der Machtantritt der Kuomintang bedeuteten nicht das Verschwinden der chinesischen Gross bourgeoise, der nationalen und der Kompradorenbourgeoisie. Nicht im geringsten. Diese Bourgeoisie blieb an der Macht und behielt ihre Verbindungen zu den imperialistischen Staaten, vor allem dem amerikanischen Imperialismus bei, bewahrte und entwickelte sie. Sie fuhr fort, Reibereien und Spaltung hervorzurufen, die bis zu bewaffneten Zusammenstössen zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Kuomintang führten. Der Schwiegervater Sun Yat-sens, der auch Tschiang Kai-scheks Schwiegervater war und dem Exekutivkomitee der Kuomintang angehörte, war sogar einer der grössten Kompradorenbourgeois Chinas. Wie ihn gab es auch noch viele andere.

Sun Yat-sen und die Kuomintang wählten und beschritten den Weg bürgerlich-demokratischer Reformen, und obwohl sie freundschaftliche Beziehungen zur leninistischen Sowjetunion unterhielten, waren sie doch weit davon entfernt, den leninistischen Weg zur Umgestaltung Chinas zu verfolgen. In seinem Bericht vom 26. Januar 1923 schreibt der Delegierte der Komintern, Sun Yat-sen habe gesagt, das System der Sowjets könne in China nicht eingeführt werden, da in diesem Land jegliche Bedingung fehle, die seine Anwendung begünstige. Es erwies sich, dass Sun Yat-sen nur beschränkt fähig war, ein klares, präzises Programm für die Entwicklung Chinas auszuarbeiten. Seine sozialen Anschauungen und Neigungen waren radikal in Worten, aber blass ihrem Inhalt nach. Die politisch-ideologischen

Neigungen Sun Yat-sens, Tschiang Kai-scheks und überhaupt der Kuomintang gingen mehr in die Richtung der bürgerlich-demokratischen Anschauungen Westeuropas, Amerikas und anderer Länder wie Japan. Wie ich gelesen habe, suchte Sun Yat-sen, obwohl es sehr gewagt und gefährlich war, mehrmals Unterstützung – bald bei den inländischen Militärclans, bald bei den Großmächten, etwa den Vereinigten Staaten von Amerika und Japan. Er nahm von ihnen Hilfe für den Aufbau des Regierungssystems, das in China gerade geschaffen wurde. Selbstverständlich war diese Hilfe von seiten der demokratischen amerikanischen Kreise durchaus nicht uneigennützig. Als imperialistische Macht waren die Vereinigten Staaten von Amerika bestrebt, den Fernen Osten, besonders China, in ihre Klauen zu bringen, sich dort festzusetzen.

Obwohl Sun Yat-sen nur ein fortschrittlicher Demokrat mit liberalen Neigungen blieb, brachte er der Oktoberrevolution und der Sowjetunion Sympathie entgegen. Die von ihm gegründete bürgerlich-demokratische Republik stellte Beziehungen zur Sowjetunion her und hatte in ihr und in Lenin einen mächtigen Helfer, wo es darum ging, die gesellschaftliche, politische und militärische Umgestaltung, die in China gerade begann, weiter voranzutreiben. Sun Yat-sens Testament lässt sehr gut seinen flammenden Wunsch erkennen, die bürgerlich-demokratische Revolution zu Ende zu führen, ebenso das Vertrauen und die Sympathie, die er für die Sowjetunion empfand. Er beschließt sein Testament mit folgenden Worten:

«Liebe Freunde, nun, da ich von euch scheide, möchte ich einer grossen Hoffnung Ausdruck geben, der Hoffnung, dass bald die Morgenröte anbrechen wird. Dann werden die Sowjetunion und ihre Freunde und Verbündeten im grossen Kampf für die Emanzipation der Völker der Welt ein starkes, entwickeltes und unabhängiges China unter sich aufnehmen. Hand in Hand werden die beiden Länder dem Sieg entgegenschreiten. Brüderliche Grüsse.»

In diese Zeit, als die Kuomintang allmächtig war, als an ihrer Spitze Sun Yat-sen stand, als sich die chinesische Republik in Entwicklung befand und mit der Sowjetunion Lenins befreundet war, fällt die Gründung der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 1921.

Die Kommunistische Partei Chinas entstand und entwickelte sich im Schoss der alten chinesischen Gesellschaft und Kultur, und ihre damaligen Mitglieder waren Produkt der konfuzianischen, liberal-demokratischen und schließlich auch marxistisch-leninistischen intellektuellen und moralischen Erziehung. Aber auch später kann man nicht sagen, dass sich die chinesischen Marxisten völlig von der traditionellen Zivilisation gelöst hätten. Diese übte durch ihre individuelle und nationale Psychologie weiter Einfluss auf sie aus.

Vor und nach der Oktoberrevolution nahm die Verbreitung des Marxismus in China mehr den Charakter einer Bewegung für nationale als für soziale Befreiung an. Die ersten marxistischen Gruppen waren durch ideologische Konfusion und Schwanken in der politischen Linie gekennzeichnet. Schu Kiang, der vor 1966 im maoistischen Regime Verantwortlicher für Kulturfragen war, schreibt in einem Artikel vom September 1957: «Werfen wir einen Blick zurück. Wir waren begierig nach allen neuen Kenntnissen, die von den Ausländern kamen, und wir waren nicht in der Lage, zu unterscheiden zwischen Anarchismus und Sozialismus, zwischen Individualismus und Kollektivismus. Nietzsche, Kropotkin und Karl Marx zogen uns gleichermaßen an. Später begriffen wir, dass der Marxismus-Leninismus die einzige Wahrheit und die Waffe zur Befreiung der Menschheit ist. Wir glaubten abstrakt an den Kommunismus, und unsere Akte waren stets vom Wunsch nach individuellem Heldentum diktiert. Wir hatten keine engen Kontakte zu den Arbeitern und den Bauern, wir näherten uns ihnen sehr wenig. Die demokratische Revolution war unser unmittelbares Ziel, die sozialistische Revolution dagegen ein fernes Ideal. Lange Zeit waren wir vom Individualismus ~beeinflusst. Wir hatten Träume wie Ibsen und liebten sein Motto: 'Der stärkste Mensch auf der Welt ist der, der am einsamsten ist'.»

All diesen verschiedenen ideologischen und politischen Anschauungen mussten Zügel angelegt werden, in dem Sinn, dass die Reihen gesäubert und der Einfluss jener Elemente zurückgedrängt werden musste, die Demokraten, nicht aber Marxisten waren und die Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus nicht befolgten. Damit meine ich, dass das Terrain gesäubert werden musste, damit eine wirklich kommunistische Partei geschaffen werden konnte, die die Theorie des Marxismus-Leninismus befolgte und unter den Bedingungen Chinas schöpferisch anwandte, aber mit einem tieferen und klareren Verständnis, entsprechend den Ideen, die die Grosse Sozialistische Oktoberrevolution leiteten, den marxistischen Ideen Lenins.

Die Komintern leistete hierzu ihren Beitrag, und sie war es, die zur Formung der radikaleren, klareren jungen Kader beitrug, die nach der 4.-Mai-Bewegung des Jahres 1919 einer nach dem anderen kamen, von Li Li-san bis Mao Tsetung. Mao Tsetung war viel progressiver als seine Vorgänger, viel revolutionärer, viel konsequenter für den sowjetischen Weg als Sun Yat-sen, aber auch als die anderen, älteren Genossen Tschen Du-hsiu, Li Da-dschao und andere. Dennoch gab es in den Anschauungen der jungen Kader ausgeprägte Züge des chinesischen Nationalismus, der Unabhängigkeit dieses «grossen Staates» sowie deutliche Einflüsse der alten philosophischen Ideen des Konfuzius, des Menzius usw.

Das verhinderte, dass die chinesischen Genossen, die im Verlauf des Kampfes und der Auseinandersetzungen geformt wurden, den Marxismus-Leninismus als einen wirklichen Kompass betrachteten, der sie in dem überaus dunklen Wald der chinesischen bürgerlich-demokratischen Revolution leitete, und dass sie eine marxistisch-leninistische politische Linie mit klaren Zielen ausarbeiteten, die sie ohne Schwankungen in allen Etappen der chinesischen Revolution geführt hätte. Dies geschah jedoch - schon von Anfang an - nicht so wie es hätte sein müssen. Man bewahrte vielmehr einige marxistische Formulierungen und Schlagworte, innerlich jedoch war die Kommunistische Partei Chinas keine wirkliche Partei des Proletariats, keine Partei der Revolution, die die Führung in der demokratischen Revolution und ihre Überführung in die proletarische Revolution gewährleisten konnte. Tatsächlich traten in ihr eine Reihe anarchistischer u.a. Abweichungen und Theorien auf. Dieser chaotische Weg ist kennzeichnend für die gesamte Entwicklung Chinas von der Gründung der Partei, der Schaffung der bürgerlich-demokratischen Republik Sun Yatsens bis heute. Die eben gegründete Kommunistische Partei Chinas hätte den Weg der organisatorischen und ideologischen Festigung einschlagen müssen, sie hätte sich bemühen müssen, ihre Eigenständigkeit zu erhöhen, und sie hätte Schritt für Schritt die Bündnisse mit den revolutionären Klassen und Kräften schaffen, für die Stärkung der Stellungen der bürgerlichen Demokratie kämpfen müssen, die sich in der ersten Etappe ihres Aufbaus befand. Das heisst, sie hätte die demokratischen Freiheiten sichern, den Einfluss des Volkes und in erster Linie des Proletariats im Land - in der Staatsmacht, in der Armee und überall - heben, in den Gewerkschaften, die innerhalb der Kuomintang gebildet wurden, leitende Positionen besetzen und ihre eigene gezielte Propaganda entfalten müssen, um ihre Positionen in der Arbeiterklasse zu festigen, sie zur hegemonischen Klasse der Revolution zu machen. Sie hätte zugleich ihren Einfluss im chinesischen Dorf erweitern müssen, denn hier lebte der weitaus grösste Teil der Bevölkerung dieses, sozusagen, ganzen Kontinents, und sich konsequenter für die Durchführung der Agrarreform und für das politische und bildungsmäßige Erwachen des Dorfes einsetzen müssen.

Dieser Weg war der Kommunistischen Partei Chinas von Lenin und der Komintern erschlossen worden, er war ihr durch die Oktoberrevolution und die Erfahrung der Sowjetunion gebahnt worden.

Lenin hat eine ganze Reihe von Artikeln über China geschrieben. Interessant ist aber vor allem der Artikel «Demokratie und Volkstümmlerideologie in China», veröffentlicht am 15. Juli 1912. Lenin analysiert darin die Situation in diesem Land, die Revolution von 1911. Er erkannte den progressiven Charakter der Ideen Sun Yat-sens an, trotz all ihrer Beschränktheiten in der Lehre. Die von der Kuomintang geleitete bürgerlich-demokratische Revolution schien Lenin deshalb von besonderem Interesse, weil sie gegen die Unterdrückung durch die westlichen Staaten kämpfte und die Zerstückelung und nationale Auflösung stoppte, die China drohte. Er erkannte die wichtige Rolle, die der Bauernschaft zukam, wobei er stets die Frage nach ihrem revolutionären Wert angesichts des Fehlens des Proletariats in China stellte. Doch am 8. November 1912 schrieb Lenin in der «Prawda» unter anderem über die Bauernschaft:

«Ob die Bauern, die nicht von einer Partei des Proletariats geführt werden, imstande sein werden, ihre demokratische Position gegen die Liberalen zu behaupten, die nur au f den geeigneten Moment warten, um nach rechts umzufallen - das wird die nahe Zukunft zeigen.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 445 (alb. Ausgabe).)

Lenin war vollständig davon überzeugt, dass sich in China ein Proletariat herausbilden würde, und betonte:

«Und schließlich wird, in dem Masse, wie in China die Zahl der Shanghais wachsen wird, auch das chinesische Proletariat wachsen. Es wird wahrscheinlich diese oder jene chinesische Arbeiterpartei bilden, die bei gleichzeitiger Kritik an den kleinbürgerlichen Utopien und den reaktionären Anschauungen Sun Yat-sens den revolutionär-demokratischen Kern seines politischen und Agrarprogramms sicherlich sorgfältig herausheben, bewahren und weiterentwickeln wird.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 178 (alb. Ausgabe).)

Man sieht schon allein an diesen beiden Artikeln, wie klar Lenin die Aufgaben bestimmte, die ihrer Lösung durch die Kommunistische Partei Chinas harrten.

Auf dem 2. Kongress der Kommintern, der vom 19. Juli bis zum 7. August 1920 stattfand, wurden - in Übereinstimmung mit Lenins Lehren - die Thesen über die nationale und koloniale Frage beschlossen. Ziemlich viele von ihnen betrafen auch China. Der Kongress verabschiedete die These, dass «die Revolution in China und in anderen Kolonialländern ein Programm braucht, das auch die Einbeziehung bürgerlicher Reformen, insbesondere der Agrarreform, zulassen muss». Es wurde aber betont, dass die Leitung der Revolution nicht der demokratischen Bourgeoisie überlassen werden dürfe. Vielmehr heisst es in den Beschlüssen des Kongresses, die Partei des Proletariats habe eine nachdrückliche und systematische Propaganda für die Sowjets anzuleiten und schnellstmöglich Sowjets der Arbeiter und Bauern zu organisieren. Das war die Generallinie der Kommintern, die auch die Partei in China zu verfolgen hatte.

Ganz allgemein können wir sagen, dass die Kommunistische Partei Chinas in dieser Situation, die in China eingetreten war, ihre Rolle nicht in gebührender Weise, wohlstudiert und systematisch, ausgehend vom wissenschaftlichen Sozialismus, erfüllte. In dieser Frage gab es unterschiedliche Tendenzen in dieser kleinen Partei, die sich Kommunistische Partei Chinas nannte, Tendenzen, die zu keinem Zeitpunkt zuließen, dass eine richtige marxistisch-leninistische Linie festgelegt wurde und das marxistisch-leninistische Denken und Handeln leiteten. Diese Anfangstendenzen, die bei den wichtigsten Führern der Partei häufig zutage traten, waren sehr oft links, manchmal rechtsopportunistisch, manchmal zentristisch, und sie reichten bis zu anarchistischen, trotzkistischen, bürgerlichen, ausgeprägt chauvinistischen und rassistischen Anschauungen. Auch später blieben sie eines der kennzeichnenden Merkmale der von Mao Tsetung und seiner Gruppe geführten Kommunistischen Partei Chinas.

Wollte diese junge Partei unter jenen so komplizierten Verhältnissen und auf einem so grossen Kontinent, wo die Ideen des Konfuzius und die feudale Ordnung starke, um nicht zu sagen unverlöschlichte Spuren hinterlassen hatten, einen organisierten, studierten, reifen systematischen Kampf führen, dann mussten die chinesischen Kommunisten absolutes Vertrauen in den wissenschaftlichen Marxismus, in Lenin und die Kommintern haben, mussten sie ihr realistisch über die Situation in China berichten, damit die Beschlüsse, welche die Kommintern über China fasste, auch richtig waren und von den chinesischen Kommunisten richtig angewendet wurden.

Dies schaffte die Kommunistische Partei Chinas, bei allem guten Willen der Frischbekehrten, meiner Meinung nach nicht. Darin liegt, so glaube ich, der Ursprung aller Schwankungen nach links und nach rechts, von damals bis heute.

Schon bei der Gründung der Partei zeigten sich zwei Strömungen: der eine Flügel wollte legale Arbeit leisten und mit den bürgerlichen demokratischen Parteien zusammenarbeiten, der andere Flügel verfocht den Standpunkt, man solle keinerlei Verbindung zu den anderen unterhalten. Und im allgemeinen entschied sich die Partei für die Isolation, anders ausgedrückt, sie nahm eine feindselige Haltung gegenüber allen an deren Parteien ein, einschließlich der Sun Yat-sens, die für das politische Chaos verantwortlich gemacht wurde. In einem Brief, den Tschen Du-hsiu am 6. April 1922 an Woitinski, den Delegierten der Kommintern in China, sandte, schreibt er, die chinesischen Kommunisten seien gegen ein Zusammengehen mit der Kuomintang, denn sie hätten andere Ziele. Die Kommintern widersprach dieser Auffassung und orientierte die Partei auf eine enge Zusammenarbeit mit der Kuomintang.

Auf dem Kongress der Völker des Fernen Ostens bestimmte die Kommintern richtig die Linie der Zusammenarbeit zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei Chinas sowie deren Aufgaben für die damalige Periode der chinesischen Revolution. Dort vertrat auch der sowjetische Vertreter die Auffassung, die Kuomintang müsse unterstützt werden als Verbündeter, der für nationale und demokratische Befreiung, für die nationale Emanzipation kämpft.

Gleichzeitig betonte er aber, die Kommunistische Partei Chinas dürfe nicht die von der Kuomintang geleiteten Organisationen und Gewerkschaften unterstützen, sondern müsse sich zusammen mit den proletarischen Massen darauf orientieren und dafür kämpfen, unter den Massen Einfluss zu gewinnen und eigene Organisationen zu schaffen. «Deshalb meinen wir in dieser Frage», sagte er, «dass die Kuomintang kein Hindernis für unsere Arbeit sein sollte, und dass wir aufrichtig mit ihr zusammenarbeiten werden. Das sagen wir ganz offen. Das ist unsere Tendenz, und für uns muss die Bewegung der Arbeiter Chinas dominieren, sie muss sich frei entwickeln, ungeachtet der Existenz der Bourgeoisie mit radikalen Tendenzen und demokratischen Organisationen und Parteien.»

So wurde diese ,-kleine kommunistische Partei von der Komintern und Sowjetrussland, die ihre Arbeit unter den Massen, besondern unter dem Proletariat der Städte, aufmerksam verfolgten, politisch verteidigt und materiell unterstützt. In dieser Richtung machte man rasch Fortschritte, besonders auf gewerkschaftlichem Gebiet, während sich die politischen Erfolge später, langsamer einstellen sollten, beginnend mit der 30.-Mai-Bewegung im Jahr 1925. Die 30.-Mai-Bewegung bewirkte, dass auf dem 4. Parteitag ein neuer Erfolg erzielt wurde. Die Zusammenarbeit zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Kuomintang festigte sich, wurde enger, was sich unmittelbar in der - zeitweiligen - Festigung der nationalen Einheit auswirkte, die nach 1911 geschwächt, um nicht zu sagen ganz aufgelöst war. Aus dieser Zusammenarbeit schöpfte die Kuomitang neue, grössere Kraft, doch auch die Kommunistische Partei Chinas kam zu ihrem 4. Parteitag mit vervielfachten Kräften. Auf der 7. Plenarsitzung der chinesischen Kommission des Exekutivkomitees der Kommintern sagte Stalin am 30. November 1926 unter anderem:

«Der ganze Verlauf der chinesischen Revolution, ihr Charakter, ihre Perspektiven sprechen eindeutig dafür, dass die chinesischen Kommunisten in der Kuomintang verbleiben und dort ihre Arbeit verstärken müssen.»'* *( . W. Stalin, Werke, Bd. 8, S. 374375 (alb. Ausgabe).)

Die Zusammenarbeit der beiden Parteien wurde bis 1927 aufrechterhalten. Da gerieten die Dinge durcheinander, und das war nichts Erstaunliches, denn die bürgerliche Reaktion ist und bleibt Reaktion. Tschiang Kai-schek, die Kompradorenbourgeoisie und die chinesische Grossbourgeoisie, die im Rahmen dieser chinesischen «Demokratie» aktiv waren, erblickten in der Kommunistischen Partei Chinas wegen des Einflusses, den sie nach und nach, schrittweise in der Arbeiterklasse und der Bauernschaft gewann, eine Gefahr. So kam es zum Bruch, zur Spaltung und zu den Schlägen in Kanton 1926 und in Schanghai 1927, in deren Verlauf eine grosse Zahl von Proletariern und Kommunisten liquidiert wurde. Das war ein schwerer Schlag für die Gewerkschaften und die Kommunistische Partei Chinas.

Nicht nur in der Haltung zur Kuomintang, sondern auch gegenüber der Arbeiterklasse und der Bauernschaft verstand es die KP Chinas nicht, eine klare marxistisch-leninistische Linie festzulegen. In der bürgerlich-demokratischen Revolution in China spielte die Bauernschaft eine entscheidende Rolle, aber deshalb hätte die Kommunistische Partei Chinas sie noch lange nicht als führende Kraft in der Revolution betrachten müssen. Unter den neuen Be Dingunkseen k am die Führung in dieser Revolution der Arbeiterklasse zu.

Die Leute der Kuomintang kamen nicht aus der Bauernschaft, sondern waren fortschrittliche Elemente der städtischen Bourgeoisie, in erster Linie Intellektuelle, vereint auch mit reaktionären bürgerlichen Elementen, die verhindern wollten, dass in China demokratische Freiheiten verankert wurden. Die Bourgeoisie der neuen chinesischen Republik versuchte, die chinesische Bauernschaft - die armen Bauern, die Mittelbauern und die reichen Bauern - zu ihrem Instrument, zu ihrer Stütze zu machen. Dass die chinesische Bauernschaft ein revolutionäres Element war, lässt sich nicht leugnen. Auch in der französischen bürgerlich-demokratischen \Revolution trug diese Klasse solche Merkmale. Obwohl die französische Bauernschaft in einigen Momenten der Revolution eher royalistisch war, war sie im allgemeinen gegen den Feudalismus ,und haute den Wunsch, sich aus der Klammer der schweren Steuern der französischen Feudalen zu befreien, Steuern, die nicht nur in Geld, sondern auch als Fronarbeit zu entrichten waren. Besonders und vor allem aber wollte sie Land.

In China war die Bauernschaft ein fortschrittliches, revolutionäres Element, sie war gegen die Monarchie, gegen die Unterdrückung, gegen die «Kriegsherren» und die Provinzmachthaber. Doch unter ihr musste Arbeit geleistet werden. Die Bourgeoisie, die die Revolution in China gemacht hatte, würde, wie gesagt, versuchen, die Bauernschaft für ihre eigenen Zwecke zu benutzen. In dieser Situation musste die Kommunistische Partei Chinas handeln, ohne aber dabei auf die Positionen der Bourgeoisie der Kuomintang überzugehen, ob nun der «fortschrittlichen» oder der reaktionären. Die KP Chinas musste ihre eigenständige politische Linie haben, und diese Linie musste auf den Lehren von Marx und Lenin gründen.

In dieser Etappe musste die Kommunistische Partei die im Kampf gegen die Monarchie, den Feudalismus, die Rückständigkeit gewonnenen Positionen festigen. Immer unter Berücksichtigung der Etappen durfte sie die Perspektive der Revolution nicht vergessen, durfte sie nicht vergessen, dass sie eine marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse, die Speerspitze dieser ,Klasse war. Damals, als die KP Chinas gegründet wurde, existierte in China ein im Vergleich zur Klasse der chinesischen Bauernschaft verhältnislässig kleines Proletariat. Dennoch, es gab dort ein Proletariat, und die inzwischen gegründete Kommunistische Partei Chinas musste die Partei des Proletariats sein, und diese Partei hatte die Bauernschaft als wichtigsten Verbündeten des Proletariats zu betrachten. Deshalb musste die Partei durch ihre Arbeit die Bauernschaft als Verbündeten für die Arbeiterklasse gewinnen, um die fortschrittliche bürgerlich demokratische Republik zu stärken und dann, wenn die Bedingungen dafür reif waren, zu einer fortgeschritteneren Etappe, zur sozialistischen Revolution überzugehen. Diese Hauptidee, dieses wegweisende revolutionäre Grundprinzip war in der Theorie nicht klar und wurde folglich auch nicht richtig und konsequent in die Praxis umgesetzt.

Nach dem Bruch der KP Chinas mit der Kuomintang im Jahr 1927 begann für die chinesische Revolution eine neue Etappe, die unter dem Namen Zweiter Revolutionärer Bürgerkrieg bekannt ist.

Die Aufgaben der Partei in dieser Etappe wurden auf dem außerordentlichen Plenum des Zentralkomitees festgelegt, das am 7. August 1927 abgehalten wurde. Das Plenum entfernte Tschen Du-hsiu aus der Parteiführung und legte als wichtigste Aufgabe für die Partei die Agrarrevolution fest. Nach dem Plenum gab es einen Aufschwung der revolutionären Bewegung, die Partei begann, ihre eigene Armee zu schaffen. Und der 6. Parteitag der Partei im Jahr 1928 gab Richtlinien für die Weiterentwicklung der Revolution und bestimmte als Hauptaufgabe die Schaffung revolutionärer Stützpunkte und die Bildung der Roten Armee.

Für die revolutionäre Bewegung begann der Aufschwung. Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale [EKKI] kam im Dezember 1929 zu dem Schluss, dass China in eine tiefe nationale Krise geraten sei und sich im Anfangsmoment des revolutionären Aufschwungs befinde. Es betonte jedoch, dass der Übergang von der nationalen Krise in eine unmittelbar revolutionäre Situation nicht sofort erfolgen werde. Gleichzeitig machte die Kommintern das ZK der KP Chinas darauf aufmerksam, dass «die Revolution in China sich ungleichmäßig entwickelt hat». Unter diesen Bedingungen blieben die Festigung der Partei und ihr Kampf, die Massen bewusst zu machen und zu gewinnen, die Hauptaufgabe.

Die Schlussfolgerungen der Kommintern wurden, wie mir scheint, von der damaligen chinesischen Führung nicht richtig verstanden. Im Februar 1930 sandte das ZK der KP Chinas ein Rundschreiben an die Parteiorganisationen, in dem die These der Kommintern über die ungleichmäßige Entwicklung der Revolution in China faktisch ignoriert wurde und in dem es hiess, ganz China sei von der revolutionären Krise erfasst. Und am 11. Juni 1930 verabschiedete das Politbüro mit Li Li-san an der Spitze die Resolution «Über den neuen revolutionären Aufschwung und die Übernahme der Macht vorläufig in einigen Provinzen». Die chinesische Führung war der Meinung, dass unter den Bedingungen der Krise, die die kapitalistische Welt erfasst hatte, und der Krise, die das Land erdrückte, die revolutionäre Situation in China herangereift sei und man unverzüglich zum Aufstand überzugehen habe, zunächst in einer oder einigen Provinzen, danach im ganzen Land. Sie betonte außerdem, dass der entscheidende Faktor der Revolution der Kampf des Proletariats sei, der Aufstand aber nur durch die Organisierung einer Streikwelle der Arbeiterklasse in den Städten, ohne Angriff der Armee auf die grossen Städte, nicht erfolgreich verlaufen könne. Mao Tsetung wiederum betrachtete den Aufstand als eine rein militärische Aktion und war nicht für ein Zusammenwirken von städtischer Arbeiterklasse und Armee.

Im Juni begann der Aufstand. Am 28. Juni zog die Rote Armee in Tschangscha ein. Die Stadt wurde wenige Tage lang gehalten und dann von den Kuomintangtruppen zurückerobert, die den Terror gegen die Einwohner der Stadt und insbesondere die Arbeiterklasse und die Kommunisten entfesselten.

Soweit ich gelesen habe, war die einzige Einheit, die den Aufstand unterstützte und Widerstand leistete, die V. Gruppe der Roten Armee. Die Truppen der Zone von Kiangsi dagegen, wo Tschu Teh und Mao Tsetung die Leitung hatten, blieben nicht, um Tschangscha zu attackieren, sondern drehten stattdessen um, um der V. Armeegruppe zu Hilfe zu kommen. So scheiterte die Großoffensive im Provinzmaßstab. Doch auch danach ging das Politbüro des ZK der KP Chinas nicht von seiner Meinung ab. Am 18. Juli sandte es einen Brief an das EKKI mit der Aufforderung, der Einleitung des Aufstands in Wuhan, Tschangscha und Schanghai zuzustimmen. Das EKKI-Präsidium lehnte diese Forderung ab. Am 5. August wiederholte das Politbüro der KP Chinas seine Forderung. Am 26. August 1930 sandte das EKKI einen Brief an das ZK der KP Chinas, in dem betont wurde, dass der Plan zum Aufstand in einigen Provinzen unbedingt aufgegeben werden müsse.

Im September 1930 wurde in Luschen die dritte Sitzung der 6. Tagung des Zentralkomitees abgehalten. Daran nahm auch Pawel Mif als Vertreter des EKKI teil. Der Bericht, den Tschou En-lai hielt, der in seiner Eigenschaft als Delegierter des ZK der KP Chinas bei der Kommintern soeben aus Moskau zurückgekehrt war, war sehr vorsichtig und versuchte den Standpunkt der Kommintern mit der Linie von Li Li-san zu versöhnen. Das Plenum betrachtete die Haliung der chinesischen Führung lediglich als ernsten taktischen Fehler, nicht aber als eine Haltung, die im Gegensatz zu den Direktiven der Kommintern stand. Vier !Monate später, im Januar 1931, hielt das Zentralkomitee eine vierte Sitzung ab. In der Resolution dieser Sitzung stand ausdrücklich, die Führung der Kommunistischen Partei Chinas mit Li Li-san an der Spitze habe eine abenteuerliche, putschistische Politik im Gegensatz zu den Direktiven der Kommintern verfolgt. Im Bericht hiess es, Li Li-sans Linie, die grossen Städte einzunehmen, ohne dass die Bedingungen dafür schon herangereift gewesen wären, habe im Widerspruch zu den Thesen der Kommintern über den Charakter und die Etappen der chinesischen Revolution gestanden.

Die Schuld an ihren Niederlagen und Abweichungen, die Schuld daran, dass sie die Entwicklung der Verhältnisse in China nicht verstanden und nicht die richtigen Schlussfolgerungen daraus gezogen haben, lasten die chinesischen Kommunisten mit Mao Tsetung der Kommintern bzw. ihren Vertretern in China an. Sie beschuldigen die Kommintern heftig, sie habe sie an der Entfaltung eines konsequenten Kampfes um die Machtergreifung und den Aufbau des Sozialismus in China gehindert und aus dem Konzept gebracht. Die Periode der chinesischen Revolution ist natürlich lang und kompliziert, doch die Chinesen sind den Nachweis für ihre Ansichten schuldig geblieben. Ich habe oft gesagt, dass sich die Dokumente der Kommintern, nicht nur über die chinesische Frage, sondern auch über viele andere Probleme dieser Zeit, in den Händen der Sowjets, in den Archiven der Kommunistischen Partei der Sowjetunion befinden. Viele von ihnen sind nicht veröffentlicht worden, weil die verschiedenen Fraktionen und die gegenwärtigen Sowjetrevisionisten die Wahrheit nicht aus ihren Archiven herauslassen, so dass die Chinesen mit den Fakten nach Belieben manipulieren, sie nach Wunsch interpretieren können. Man kann die chinesische Vertretung bei der Kommintern und die Vertreter der Kommintern in China nicht restlos von aller Schuld freisprechen, doch genauso wenig kann man die Kommunistische Partei Chinas freisprechen, die an Ort und Stelle wirkte, denn ihre Handlungen waren nicht reif, die Berichte, die sie über die Lage im Land erstattete, nicht realistisch. Unter diesen Umständen haben möglicherweise einige Beschlüsse der Kommintern die Sache nicht getroffen oder sind von den Vertretern der Kommintern in China nicht richtig übermittelt und umgesetzt worden, ob dies nun Sowjets oder Chinesen waren. Dafür gibt es viele Gründe, denn zu jener Zeit gab es in der Kommintern Elemente wie Trotzki, Bucharin, Sinowjew, Kamenew, die erst später als das entlarvt wurden, was sie waren. Anfang der zwanziger Jahre war der Sowjet Adolf Abramowitsch Joffe als Vertreter der Kommintern nach China geschickt worden. Er war ein Anhänger des Trotzkismus und verübte später Selbstmord. Im Oktober 1923 ging Borodin nach China, auch er ein trotzkistisches Element.

Ich bin jedoch der Meinung, dass die Beschlüsse und Direktiven der Komintern, vor allem in der Zeit Lenins, aber auch in der Zeit Stalins, im grossen und ganzen richtig waren.

Betrachten wir die Fakten, so gab es weder in der Periode des ersten Bürgerkriegs bzw. der ersten Periode der Zusammenarbeit Kuomintang-Kommunistische Partei noch in den anderen Perioden eine Richtlinie der Komintern für die Entwicklung des Kampfes der Kommunistischen Partei Chinas als einer selbständigen Partei, die sich als falsch herausgestellt hätte. Stalin forderte grundsätzlich, die Kommunistische Partei Chinas sollte im engen Bündnis mit der Kuomintang kämpfen, als die historische Entwicklung Chinas dies objektiv verlangte. Meiner Meinung nach war das eine richtige Direktive. Doch ich kann nicht glauben, dass Stalin, wie die Chinesen behaupten, die Direktive gegeben haben soll, die Kommunistische Partei Chinas solle liquidiert werden und in der Kuomintang aufgehen, ohne ihre Eigenständigkeit zu wahren. Das kann niemals Stalins Meinung gewesen sein. Die Chinesen sind nicht in der Lage, auch nur ein einziges Dokument vorzuweisen, das dies belegen würde, es gibt aber Dokumente, die das Gegenteil beweisen. Dies wird auch durch die Aussagen der Chinesen selbst untermauert, wonach Stalin angeblich Selbstkritik geübt hat, als Mao Tsetung in Moskau war - allerdings nicht in diesen Fragen. Er soll zugegeben haben, er habe «in einem bestimmten Moment der chinesischen Revolution in gewisser Weise Einfluss auf die Kommunistische Partei Chinas genommen, sich nur auf das Proletariat und weniger auf die Bauernschaft zu stützen». «Das ist der eine und einzige Fehler, den ich China gegenüber begangen habe, und dafür übe ich Selbstkritik», soll Stalin den Chinesen zufolge gesagt haben. Auch wenn das stimmen sollte, ist es dennoch unannehmbar, wie die Chinesen daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, ihre Niederlagen, die Fraktionsauseinandersetzungen in der KP Chinas, das Blutvergießen mit der Kuomintang sei von der «falschen» Politik der Kommintern und Stalin verursacht worden! Hierfür müssen authentische Dokumente gefunden werden, denn anscheinend war es viel eher so, dass die chinesischen Kommunisten, aber auch einige der Delegierten Moskaus es nicht verstanden, der Kuomintang und ihren Häuptern gegenüber eine richtige, prinzipienfeste Politik zu entwickeln, die es ihnen erlaubt hätte, ihre maximalen Ziele zu erreichen.

Wir sehen, dass die Zusammenarbeit der chinesischen Kommunisten mit der Kuomintang am Anfang vernünftig, eng war bis dahin, dass beide Seiten an der Militärakademie Whampoa, wo Tschiang Kai-Scheck Kommandeur und Tschou En-lai Kommissar war, gemeinsam Offiziere ausbildeten. Tschou En-lai und Tschiang Kai-Scheck verstanden sich also ausgezeichnet und arbeiteten bestens zusammen. Mao selbst war Verantwortlicher für die Kader(erziehjung) in der Kuomintang. Also waren die Direktiven der Kommintern nicht falsch. Genauso wenig falsch war auch die Direktive der Kommintern (falls dies überhaupt eine Komainterndirektive war), dass die KP Chinas, um in der Zeit der japanischen Aggression die Spaltung zu vermeiden, durch Tschou En-lai eingreifen solle, um Tschiang Kai-schek zu befreien, der am 12. Dezember 1936 vom Kommandeur der chinesischen Nordostarmee verhaftet worden war, was die nationalistischen Kräfte im Krieg gegen Japan zu spalten drohte.

Es ist äußerst schwierig, heute über die Linie und die Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas der Kuomintang gegenüber, über die Beschlüsse, ,die das ZK der Partei unter Leitung Li Li-sans 1930 traf, über die Beschlüsse, die es nach dem Scheitern des Aufstands von 1930 fasste, ein Urteil abzugeben, denn die Kommunistische Partei Chinas, in deren Reihen stets Fraktionen wucherten, hat diese wichtigen Ereignisse, die im Land und in der Partei stattfanden, niemals mit der nötigen Objektivität dargestellt. Im Gegenteil, die Fakten, Schlüsse, Meinungen und Absichten wurden entsprechend dem Interesse der Fraktionen, die in der jeweiligen Periode im Zentralkomitee herrschten, verzerrt und interpretiert.

So stehen wir vor zwei Schwierigkeiten: erstens, wir müssen allein auf der Grundlage der Ereignisse zu unserem Urteil kommen, können uns bei unseren Schlussfolgerungen nicht auf Dokumente stützen, und zweitens ist da jene Inkohärenz, beziehungsweise, wie man sagen könnte, jene ideologische Konfusion der Kommunistischen Partei Chinas, die, in Fraktionen zerfallen, zu keinem Zeitpunkt die Ereignisse analysiert und Schlussfolgerungen gezogen hat, an Hand derer man hätte lernen und erziehen können. Soweit wir wissen, sind keine Dokumente veröffentlicht worden, zumindest nicht in Fremdsprachen. Die Kommunistische Partei Chinas hätte dies tun müssen, denn sie hatte und hat die Möglichkeiten dazu.

Nach dem September 1931 begann der nationale Befreiungskampf gegen die japanischen Okkupanten. Auch dieser nationale Befreiungskampf erlebte in seiner Entwicklung manchen Umschwung, nicht nur militärisch, sondern auch ideologisch und politisch. Während dieses Kampfes wurden Bündnisse hergestellt - zwischen der fortschrittlichen Bourgeoisie, der nationalen Bourgeoisie und der Kompradorenbourgeoisie, zwischen der Kuomintang, dem Proletariat und der Bauernschaft, zwischen der Kommunistischen Partei und der Kuomintang.

In dieser ganzen komplizierten Situation ist für uns die Linie und die Leitung der Kommunistischen Partei Chinas wieder nicht klar erkennbar. Wir haben die Materialien - man könnte sie eher Propagandaartikel nennen - gelesen. Doch hier geht es nicht um Propaganda, hier geht es um Fragen von Bündnissen zwischen Proletariat und Bauernschaft, zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei Chinas, zwischen der Armee der Kuomintang

und der Armee, die von der Kommunistischen Partei Chinas geleitet wurde. Und sie alle zusammen standen, im Bündnis miteinander oder für sich allein, im Kampf gegen die Japaner und gegeneinander. Wir brauchen Dokumente, um den Faden zu finden, der die Dinge durchzieht.

Wir wissen, dass anfänglich im grossen ganzen im Bündnis mit der Kuomintang Krieg geführt wurde, danach ging man zum Krieg gegeneinander über. Tschiang Kai-schek führte die Kuomintang, d.h. die reaktionäre Bourgeoisie. Tatsache ist, dass sich die Kuomintang angesichts der Gefahr, die der Aufstieg der Kommunistischen Partei Chinas und das Anwachsen ihres Kampfes gegen die japanischen Okkupanten in sich barg, von dieser trennte. So schwächte sie von ihrer Seite aus den Kampf gegen die Japaner ab hzw. stellte ihn ein. Unter Führung Tschiang Kai-scheks warf sich die ganze Kuomintang in den Kampf gegen die Kommunistische Partei Chinas und versuchte, wo sie nur konnte, deren Kampfabteilungen zu liquidieren. Mit anderen Worten, sie kam so dem japanischen Okkupanten zu Hilfe. Zugleich festigten sich ihre Beziehungen zum amerikanischen Imperialismus, sie wurden jeden Tag enger, auch gegen den Willen des amerikanischen Sonderrepräsentanten in China, General Marshall, der zunächst die TschiangKai-schek-Lobby unterstützte, später aber, soweit wir gelesen haben, die Regierung Tschiang Kai-scheks für eine «korrupte Regierung» hielt. Doch während und nach dem antijapanischen Krieg fehlte es auch nicht an Verbindungen der von Mao Tsetung geführten Kommunistischen Partei Chinas mit dem amerikanischen Imperialismus.

Während des Krieges gegen die Japaner hatte es Mao Tsetung geschafft, die Fraktionen von Li Li-san, Wang Ming und vielen anderen zu liquidieren und seine Vorherrschaft errichtet. Neben Mao kamen Tschu Teh, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Lin Biao und viele andere aus dem antijapanischen Kampf hervorgegangene Führer der chinesischen Revolution in die Führung der Partei, doch auch sie standen ein ums andere Mal im Gegensatz zu Mao und zueinander. Der von Mao Tsetung geführte Kampf in China war also ein nationaler Befreiungskampf gegen die japanischen Okkupanten und gegen die Kuomintang unter Führung Tschiang Kai-Schecks, der de facto mit den Japanern und de jure offen mit dem amerikanischen Imperialismus verbündet war.

Nach dem von Mao Tsetung und Tschu Teh geführten historischen Langen Marsch, der einen richtigen taktischen Rückzug darstellte, um eine Liquidierung der Kräfte der Revolution zu vermeiden, nach der Sammlung in Yenan, der Reorganisierung der Armee und dann dem Angriff, der damit endete, dass Tschiang Kai-schek und die Überreste seiner Armee ins Meer geworfen wurden, wurde China am 1. Oktober 1949 befreit und zur Volksrepublik proklamiert.

Wie man sieht, ist das eine sehr allgemeine Zusammenfassung dieses grossen Ereignisses, das über China hinaus auch weltweite Bedeutung hatte, denn die Volksrepublik China wurde geschaffen und hätte zusammen mit der Sowjetunion - wären sie einen wirklich marxistisch-leninistischen Weg gegangen - zu einem mächtigen Bollwerk der grossen proletarischen Weltrevolution werden können.

Was die Zeit nach der Befreiung Chinas anbelangt, so stellt sich die Frage (und das ist eine grosse, bedeutsame Frage, die auf der Grundlage so weniger bzw. auch von uns nicht besonders untersuchter Fakten und Dokumente nicht analysiert und gelöst werden kann) : Baut Volkschina auf dem marxistisch-leninistischen Weg den Sozialismus auf, oder ist und bleibt es eine bürgerliche demokratische Republik? War und blieb die Revolution in China eine bürgerlich-demokratische Revolution, die die erste Etappe der Revolution markiert, oder vermochte sie diese Etappe zu überwinden und zur zweiten Etappe der Revolution überzugehen, zum Sozialismus unter der Diktatur des Proletariats? Das ist eine grosse Frage, die anhand von Fakten geklärt werden muss.

Die Zeit der Befreiung wurde von Maotsetung «Neue Demokratie» genannt, deren Ziele und Aufgaben auch bestimmt wurden. Die theoretischen Grundlagen dieser Lehre wurden von Mao Tsetung schon in dem 1940 erschienenen Dokument «Über die Neue Demokratie» gelegt. Nach Mao Tsetung ist die «Neue Demokratie» die für China geeignete Regierungsform, sie gleicht weder clean von der Bourgeoisie beherrschten westlichen Republiken noch den proletarischen Sowjetrepubliken.

Die neudemokratische Republik, so Mao Tsetung, werde aus «vier [antiimperialistischen und antifeudalen] Klassen» (!) bestehen: Proletariat, Bauernschaft, Kleinbourgeoisie und nationale Bourgeoisie. In dieser Republik müsse auch die Wirtschaft neudemokratisch sein, der Staat werde die Leitung übernehmen, aber das Vermögen der Bourgeoise nicht beschlagnahmen, denn der rückständige Charakter der chinesischen Wirtschaft rechtfertige die Existenz eiñiger kapitalistischer Formen. Gewiss werde gemäss dieser neuen Wirtschaft der Boden aufgeteilt werden, doch die reiche Bauernwirtschaft werde weiter bestehen, denn die oben angeführte Formel sei auch auf die reichen Bauern anwendbar, da ihre Produktion dringend benötigt werde. Die neue Kultur müsse natürlich die ideologische Widerspiegelung dieser Politik und dieser neuen Wirtschaft sein und ihnen dienen.

Diese Politik hat einen liberalen und nationalistischen Beiklang, dennoch hielt Mao Tsetung auch nach der Gründung der Volksrepublik weiter an seiner Lepre fest.

Meiner Einschätzung, meinen, Urteil nach wurde in China durch den bewaffneten nationalen Exfreiungskampf eine bürgerlich-demokratische Revolution neuen Typs durchgeführt. Die Kommunistische Partei Chinas stand an der Spitze und führte dessen Kampf zum Sieg, das steht außer zweiel. Mao Tsetung, der Generalsekretär oder Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, hat sich während jener Periode in dieser Hinsicht und bei diesen Erfolgen grosse Verdienste erworben. Mit Mao Tsetung haben natürlich auch all jene ihre Verdienste, die auf die eine oder andere Welse, in Einheit oder Diversität des Denkens, dieses Endziel erreichen halfen: die Befrerung Chinas, dies kapitale Problem, und die Errichtung einer demokratischen Volksrepublik dort.

Würde dies ein demokratisches Volksregime sein? Würde es in der Form der bürgerlich-demokratischen Regime des Westens oder Amerikas aufgebaut werden? Dies müssen wir in der Entwicklung betrachten. Dem äußeren Bild nach - an der Spitze stand eine kommunistische Partei, die Mitglied der Kommintern war, dem Anschein nach die Richtlinien der Kommintern und ihre Generallinie des Kampfes gegen den Faschismus befolgte - konnte die Meinung und Hoffnung entstehen, diese bürgerliche Demokratie, diese erste Etappe, die die chinesische Revolution durchlief, werde sich unterscheiden von der der klassischen bürgerlich-demokratischen Revolution, und die chinesische Republik werde sich unterscheiden von der amerikanischen oder westlichen bürgerlich-demokratischen Republik, sie werde den Weg der Volksdemokratie gehen, einer neuen Form der Diktatur des Proletariats.

Auch wenn Mao Tse tung vor und nach der Befreiung sagte (und dafür gibt es Dokumente), beim Aufbau der Volksrepublik China werde man sich «stark von der amerikanischen Demokratie inspirieren» lassen, schien es doch in der Propaganda und bei vielen anfänglichen Schritten. und auch, weil die Kommunistische Partei Chinas an die Macht kam, als sei China ein Land, das sich darauf vorbereitete, zum Sozialismus zu schreiten. Das war das allgemeine Bild.

Nach der Befreiung konnten der Aufbau des Landes, die Festigung der Staatsmacht und die Schaffung des Staatsapparats, die Stärkung und Modernisierung der Armee nicht erfolgen ohne Kampf und Auseinandersetzungen mit verschiedenen Tendenzen der chinesischen Reaktion, die es innerhalb Chinas gab und die außerordentlich stark auch von aussen und den neuen Kadern unterstützt wurde, die in die Partei und den Staatsapparat Eingang fanden. In diesen ersten Jahren können wir also jene radikale Linie der Kommunistischen Partei Chinas zu einem so grossen Problem, wie es die Konsolidierung der Republik ist, nicht richtig ausmachen. Und wenn wir Konsolidierung der Republik sagen, dann verstehen wir darunter in erster Linie die Konsolidierung einer richtigen und konsequenten marxistisch-leninistischen Politik zur Festigung der Staatsmacht und zur Vorbereitung der Bedingungen für den Übergang in die Periode des Aufbaus des Sozialismus. Wir können keine richtige Linie zur Organisierung insbesondere einer Partei vom Lenin-Stalinschen Typ feststellen, in der Einheit des Denkens und des Handelns herrschte - die Einheit des marxistisch-leninistischen Denkens und eines organisierten und sehr umsichtigen Handelns im grossen China, das aus einem komplizierten Krieg, aus einer komplizierten Situation hervorgegangen war, wo der Feudalismus, die Bourgeoisie und die verschiedenen Schichten der Bauernschaft, die Intelligenz, der Konfuzianismus, der Buddhismus usw. lebendig waren.

In den ersten Jahren war nicht zu erkennen, dass eine solide und fundierte Organisierung der chinesischen Armee nach dem Beispiel der Stalinschen Armee vorgenommen worden wäre. Auch wenn sie im nationalen Befreiungskampf, einem Partisanenkrieg, in ;grossen Abteilungen organisiert gewesen war, trugen diese nicht immer die Merkmale von Partisanenabteilungen, denn es gab Tendenzen zu einer bürgerlichen kapitalistischen Armee. Das lag daran, dass sich der Armee Mao Tsetungs ganze Abteilungen der Kuominang und der «Kriegsherren» angeschlossen hatten. Und so drangen zusammen mit ihnen auch reaktionäre Ansichten in die chinesische .atonale Befreiungsarmee ein, denn an der Spitze dieser Abteilungen der Kuomintang und der «Kriegsherren» standen Kommandeure und hohe Offiziere der Kuomintang, gedrillt im Kampf gegen das Volk und gegen den Kommunismus. In dieser Armee, die aus dem Krieg hervorgegangen war, gab es überdies auch noch die alten Anschauungen der «Kriegsherren». Diese Anschauungen durchtränkten sozusagen auch die hohen Kader, die den grossen Befreiungskampf geführt hatten, ja sogar Mitglieder der KP Chinas waren. Dies sollten wir später sehen, als einige der wichtigsten militärischen Führer zu Abweichlern wurden und versuchten, die Macht zu ergreifen, den einen und den anderen zu stürzen. Das hiess, dass bei ihnen die alten Anschauungen der «Kriegsherren» bzw. die Anschauungen der hohen militärischen Kader einer bürgerlichen kapitalistischen Armee existierten.

Diesbezüglich lässt sich also nicht erkennen, dass es in jener Zeit eine konsequente, richtige, gut durchdachte und von der Kommunistischen Partei unter Führung Mao Tsetungs richtig formulierte und umgesetzte Politik gegeben hätte. Ihre Politik nannte sich zwar marxistisch-leninistisch, war es aber ihrem Inhalt nach nicht.

Was die ökonomischen Fragen in dieser Periode betrifft, können wir sagen, dass es ziemlich viele positive Veränderungen gab.

In China wurden die Armut und die Arbeitslosigkeit bekämpft, bis zu einem gewissen Grad auch die Rückständigkeit in bezug auf Bildung und Kultur, obgleich die bürgerlich kapitalistischen Ansichten unter den Massen der Intellektuellen nicht beseitigt wurden. Natürlich konnten diese nicht mit einem Federstrich zum Verschwinden

gebracht werden; dennoch, was den Wiederaufbau des zerstörten Landes und, mehr oder minder, die Organisierung des Wirtschaftslebens im Land anbelangt, können wir sagen, dass das Regime der neuen Demokratie eine ganze Reihe erfreulicher, guter Veränderungen brachte. In China gab es keinen Hunger mehr, und das war ein grosser Erfolg. Dies sind die sichtbaren Ergebnisse in dieser

Etappe des neuen demokratischen Regimes.

Nach dem Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution musste die Kommunistische Partei Chinas sehr vorsichtig vorgehen, und das war natürlich, sie durfte nicht linksradikal sein, durfte nicht die Etappen übersprang sie nicht. Das ist eine unleugbare Tatsache. Ebenso stellte sich das Problem, dass die Kommunistische Partei Chinas sich nicht «demokratisch», d.h. liberal opportunistisch der chinesischen Bourgeoisie und den Großgrundbesitzern gegenüber zeigen durfte. Doch das tat sic. Tatsache ist, dass sowohl die Liu-Deng-Fraktion als auch die MaoFraktion diese Klassen unterstützten und ihnen dabei ernste liberale, opportunistische Zugeständnisse machten.

Die Kommunistische Partei Chinas hätte in erster Linie das Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft konsolidieren müssen, und die chinesische Bourgeoisie hätte den Gesetzen des Proletariats unterworfen werden müssen. Dies wäre absolut unerlässlich gewesen. Dabei hätte sich die Partei verschiedener Formen bedienen können, um die Bourgeoisie zu entwaffnen, sic abzubringen vom Weg der Subversion und der bewaffneten Anschläge, denen die neue Macht möglicherweise ausgesetzt sein würde. Sie hätte auch zeitweilige taktische Zugeständnisse machen können, ohne dabei allerdings die strategischen Ziele der Revolution zu ändern, ohne die Prinzipien zu verletzen. Mit anderen Worten: Sie hatte die Bourgeoisie zu entwaffnen gehabt, zu entwaffnen aber vor allem politisch. In ideologischer Hinsicht hätte sic nicht zulassen dürfen, dass sich ihre Ansichten entwickelten, und ökonomisch hätte sic ihr alle Reichtümer zu entreißen gehabt, über die sic verfügte, hätte sic nicht zulassen dürfen, dass sic nahezu die gleichen Positionen behielt, die sic zu einer Zeit innegehabt hatte, als sich vor allem die Bauernschaft, aber auch das Proletariat in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen befanden, ganz zu schweigen von den politischen und ideologischen Verhältnissen.

Hier lässt sich in der alleeersten Zeit nach der Befreiung feststellen, dass sich China vier, fünf Jahre lang abmüht, in Reformen schwimmt, denen es an strikter Beständigkeit fehlt. Wir können dort keine Linie erkennen, die mehr oder weniger die Richtung dieser Massnahmen und Reformen angegeben hätte, kein objektiv studiertes Fortschreiten in allen Richtungen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, ideologischen und militärischen Tätigkeit. Im Gegenteil, wir bemerken Schwankungen nach allen Seiten, die Verfechtung der Reformen der volksdemokratischen Periode mit angeblich sozialistischen Tendenzen ist auffällig. Während dieser Zeit wurde die Tendenz beibehalten, wonach die erste Etappe der bürgerlich-demokratischen Revolution lange zu dauern hätte. In dieser Etappe, so predigten die chinesischen Führer, würden parallel zur Entwicklung des Kapitalismus auch die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen. Mao selbst hat gesagt: «Obwohl eine solche demokratische Revolution neuen Typs einerseits den Weg für den Kapitalismus verbreitert, schafft sie andererseits die Voraussetzungen für den Sozialismus.» Auf diese Behauptung s tützten sie auch ihre bekannte These von der Koexistenz mit der Bourgeoisie und dem Kapitalismus auf sehr lange Sicht, noch ganze 30 Jahre nach 1956. Im Bericht an den 8. Parteitag der KP Chinas heisst es offen, die nationale Bourgeoisie müsse zusammen mit der Arbeiterklasse die staatliche Leitung in China wahrnehmen, sie müsse einen grossen Teil ihres privaten Vermögens behalten. Diese Predigten gaben die Chinesen als schöpferische Anwendung von Lenins Lehren über die NÖP aus. Doch zwischen Lenins Lehren und der chinesischen Theorie und Praxis besteht ein tiefgehender Unterschied, sowohl was den Inhalt als auch was die Anwendungsdauer der NÖP anbetrifft. Lenin gibt zu, dass die NÖP ein zeitweiliger Rückzug war, der eine Zeitlang die Entwicklung des Privatkapitalismus zuließ. Doch er betonte:

«Für die proletarische Macht hat das nichts Schreckliches an sich, solange das Proletariat die Macht fest in Händen hält, das Verkehrswesen und die Grossindustrie fest in Händen hält.»* *( * W. 1. Lenin, Werke, Bd. 32, S. 434 (alb. Ausgabe).)

In China dagegen hielt das Proletariat weder 1949 noch 1956 die. Staatsmacht vollständig in der Hand, und auch nicht die Großindustrie.

Ein Jahr nach der Verkündung der NÖP betonte Lenin, der Rückzug sei beendet, und gab die Losung aus, die Offensive gegen das Privatkapital in der Wirtschaft sei vorzubereiten. In China dagegen wurde die Dauer der Beibehaltung der Bourgeoisie und des. Kapitalismus auf beinahe eine Ewigkeit veranschlagt.

Mit einem Wort, m der Kommunistischen Partei Chinas gab es in dieser Etappe die Ansicht, die nach der Befreiung errichtete Ordnung müsse eine bürgerlich-demokratische Ordnung sein, auch die Bourgeoisie müsse an der Staatsmacht beteiligt werden, dem Aussehen nach aber solle die Kommunistische Partei Chinas mit Mao Tsetung als Vorsitzendem und Liu Schao-tschi, Tschau En-lai, Deng Hsiao-ping und allen anderen in der Führung an der Macht sein (und war es auch). Das waren die Anschauungen dieser Partei. Es waren keine klaren marxistisch-leninistischen Anschauungen. Da die Anschauungen der KP Chinas nicht völlig marxistisch-leninistisch waren, konnte die Revolution in China nicht zu Ende geführt werden, konnte die Umwandlung der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution nicht gewährleistet werden. Der Übergang von der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution kann nur vollzogen werden, wenn das Proletariat die Bourgeoisie entschlossen aus der Staatsmacht entfernt, auch dann, wenn sie eine Zeitlang sein Verbündeter gewesen ist. Da in China die Arbeiterklasse die Macht mit der Bourgeoisie teilte, verwandelte sich diese Macht im Kern niemals in die Diktatur des Proletariats, folglich konnte auch die chinesische Revolution keine sozialistische Revolution sein.

Auch das wichtige Problem der Nationen wurde trotz aller Schlagworte nicht auf marxistisch-leninistischem Weg gelöst. Die Direktiven der Kommintern über das Problem der Nationalitäten, der Sprachen und des proletarischen Vielvölkerstaates waren den chinesischen Führern nicht nur am Anfang unklar, sondern auch nach der Gründung der Volksrepublik China.

Im Interview mit Emil Ludwig sagt Stalin über die Aufgaben, die sich der marxistisch-leninistischen Partei bei der Schaffung des proletarischen Staates stellen:

«Diese Aufgabe besteht nicht in der Festigung irgendeines 'Nationalstaates, sondern in der Festigung des sozialistischen, und folglich eines internationalen, Staates...»* *( J. W. Stalin, Werke, Bd. 13, S. 101 (alb. Ausgabe).)

Diesen Weg hätte die KP Chinas verfolgen müssen. Bei Mao dagegen, der ständig von Kaisern, von Märchenhelden redet, sie einmal rühmt und einmal angreift, finden wir diese klare Definition des Kampfes für einen internationalen proletarischen Staat nicht. Wir finden diese Definition der Zukunft Chinas, der richtigen Lösung des Problems dieser grossen Ansammlung von Nationen auch nicht in der Zeit seiner Reife.

Die staatliche Organisierung Chinas kurz nach der Befreiung war, mindestens für uns Ausländer, nicht so klar erkennbar. Die Organisationsformen und die Verbindungen der Basis mit dem Zentrum wurden nicht deutlich, es war nicht ersichtlich, auf welcher Grundlage die Verwaltungseinteilung erfolgte, und es war, sieht man vom Wiederaufbau im allgemeinen ab, nicht deutlich zu sehen, welche wirtschaftlichen Orientierungen bestanden: wem wurde Vorrang eingeräumt, der Schwerindustrie, der Leichtindustrie oder der Landwirtschaft? Man redete viel, Direktiven wurden gegeben, doch wir können konstatieren, dass diese Direktiven nicht nur nicht umgesetzt wurden, sondern auch konfus, nicht gut getroffen waren.

Eine Fraktion in der Partei vertrat den Standpunkt, vor allem die Schwerindustrie müsse entwickelt werden; eine andere war dagegen. ihrer Meinung nach musste der Leichtindustrie Vorrang eingeräumt werden; eine dritte Fraktion behauptete, man müsse der Landwirtschaft grosses Gewicht geben; es gab auch solche, die sagten, man müsse auf beiden Beinen stehen. Formeln wurden in Menge ausgegeben, soviel man nur will. Nicht, dass gar nichts geschehen wäre, nicht, dass man nicht gearbeitet hätte, aber dennoch, im allgemeinen waren die Richtlinien, die gegeben wurden, nicht klar und wurden nicht richtig umgesetzt. Diese mangelnde Ausrichtung kam daher, dass es der Kommunistischen Partei Chinas während dieser ganzen Periode, von der Zeit ihrer Gründung bis zur Befreiung des Landes und später, nicht gelang, sich ideologisch zu konsolidieren, im Denken und in den Herzen ihrer Mitglieder die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin tief zu verankern, sich die Schlüsselfragen dieser unfehlbaren wissenschaftlichen Ideologie anzueignen, sie der eigenen Arbeit zugrundezulegend und unter den Bedingungen Chinas, in der dialektischen Entwicklung des Kampfes in jenem Land Schritt für Schritt anzuwenden. Dies bewirkte, dass die Kommunistische Partei Chinas im Innern in zahlreiche Fraktionen zerfallen war. Zugleich liess sie zu, dass ausser ihr auch andere Parteien der Bourgeoisie bestanden und an der Staatsmacht beteiligt waren. Mao selbst erklärte ihre Beteiligung an der Macht und an der Regierung des Landes mit genau den gleichen Rechten und Prärogativen wie sie die Kommunistische Partei Chinas hatte, sogar für unerlässlich. Und nicht nur das, seiner Meinung nach waren diese Parteien der Bourgeoisie ein «Produkt der Geschichte» und konnten nicht verschwinden, ehe nicht auch die Zeit für das Verschwinden der Kommunistischen Partei Chinas gekommen wäre.

Kurz gesagt, Mao Tsetung war der Ansicht, man müsse auf pluralistischem Weg zum Sozialismus gehen. Das war eine rechte, reaktionäre Parole. Es war keine marxistische Losung, die bis zu einem. gewissen Grad als eine Form des Bündnisses der Kommunistischen Partei Chinas mit anderen traditionellen Parteien hätte verstanden werden können, Parteien, die zur Front gehörten, in der die Kommunistische Partei Chinas die Hegemonie hatte. Nein.

In seinen theoretischen Schriften sagt Mao Tsetung, China könne nicht anders als unter Führung der Bauernschaft befreit werden, da die Revolution in China eine Bauernrevolution sei. Seiner Meinung nach war die Bauernschaft die revolutionärste Klasse, die die Revolution führen musste und «die Revolution führte». Das ist ein grosser theoretischer Fehler Mao Tsetungs. Er zeigt, dass er kein Marxist-Leninist, sondern ein Eklektiker und ein Bourgeoisdemokrat war. Als fortschrittlicher Demokrat war Mao Tsetung für eine bürgerlich-demokratische Revolution und blieb, als China befreit war, auf dieser Position. Seiner Ansicht nach hatte die Bauernschaft die Hegemonie und die Arbeiterklasse musste ihr Verbündeter sein - weil die Macht in China in erster Linie die Macht der Bauernschaft sein müsse, weil «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Doch als die Linie Li Li-sans verfolgt wurde, führte die Armee Maos und Tschu Tehs nicht die Direktive des Zentralkomitees durch, d.h., sie kreiste die festgelegte Stadt nicht ein. Dieser seiner bürgerlich demokratischen Theorie wollte Mao Tsetung den Charakter einer universalen Theorie verleihen, und tatsächlich wurde diese «Theorie» «Maotsetungideen» genannt. Um sie so annehmbar wie nur möglich zu machen, setzten die chinesischen Führer die «Maotsetungideen» dem Marxismus-Leninismus gleich.

In China wurde die Monarchie schon 1911 gestürzt, doch selbst nach der Gründung der Volksrepublik China richteten die Chinesen den Mandschukaiser Pu Yi, den Marionettenkaiser der japanischen Okkupanten, nicht hin. Nachdem sie ihn einige Jahre lang in einem Erziehungslager gehalten hatten, machten sie ihn zum Museumsstück, z u dem Delegationen kamen, um sich mit ihm zu unterhalten und so ein «überzeugendes Bild» davon zu gewinnen, wie solche Menschen im «sozialistischen» China umerzogen werden. Die Reklame, die für diesen Exkaiser gemacht wurde, sollte unter anderem den Königen, den Häuptern und Marionetten der Reaktion in den anderen Ländern, zu denen China Beziehungen unterhält, die Angst nehmen und ihnen den Eindruck geben: «Maos .Sozialismus ist gut, warum sollten wir uns vor ihm fürchten?»! Mit anderen Worten, die zutiefst opportunistische Haltung der chinesischen Revisionisten dem Kaiser Pu Yi gegenüber soll besagen: «Ihr Kaiser, Könige, Sultane, Fürsten, Faschisten, Diktatoren der zweiten und der dritten Welt, ihr gehört zu uns. Mit euch werden wir zum Sozialismus schreiten!» Ein schöner Sozialismus!

Diese Haltung, die mit Klassenkampf nichts zu tun hat, wurde in China auch den Feudalen und Kapitalisten gegenüber eingenommen, deren Reichtümer sowohl in der bürgerlich-demokratischen Revolution Sun Yat-sens als auch nach der Befreiung Chinas durch die Armee Mao Tsetungs nicht angetastet wurden. Es wurde eine «neue Demokratie» ausgerufen, in der praktisch drei Viertel der Reichtümer der Ausbeuter erhalten blieben, denn die Reformen, die im «sozialistischen» China durchgeführt wurden, waren nicht gründlich.

Wir wissen, dass in Frankreich während der bürgerlich-demokratischen Revolution das Vermögen der Kirche und der Feudalen konfisziert wurde, natürlich zugunsten der Bourgeoisie. Als diese sah, dass sie durch innere Unruhen und von aussen, von Braunschweig und Koblenz, bedroht wurde und unter diesen Umständen ihre politische und wirtschaftliche Macht in Gefahr geriet, schlug sie dem König den Kopf ab, liquidierte nacheinander die verschiedenen Fraktionen der Gironudisten, danach der Reihe nach auch die Fraktionen der entschiedeneren Republikaner; bei denen natürlich die Anschauungen des konservativen bürgerlichen Elements eingesickert waren. So kamen die Dantonisten und die Hébertisten auf die Guillotine, so wie später auch Robespierre und SaintJust von ihren rechten Genossen wie Billaud-Varenne und anderen der Kopf abgeschlagen wurde. Die französische Bourgeoisie liess nicht zu, dass ihre Klasseninteressen angetastet wurden, und genauso wenig, dass der Boden unter die Bauern aufgeteilt wurde, wie es Babeuf und Buonarroti predigten.

In der Kommunistischen Partei Chinas gab es von jeher eine grosse Zahl von Fraktionen. In jeder marxistisch-leninistischen Partei hat es einmal Fraktionen, ideologische Abweichungen gegeben, doch in China hatten diese Abweichungen anderen Charakter, waren sie vergleichbar den Fraktionen in der französischen bürgerlichdemokratischen Revolution, abgesehen davon, dass in China den politischen Gegnern nicht der Kopf abgeschlagen wurde. Natürlich wahrten diese Fraktionen in China den angeblich ideologischen Charakter, sie waren in Wirklichkeit aber mehr politische Fraktionen mit dem Ziel, ihre persönliche Macht zu errichten. Sie trugen genau den Charakter der Handlungen der «Kriegsherren», die natürlich vermeiden wollten, dass die soeben gegründete chinesische Republik den Weg des Sozialismus, den Weg eines zentralisierten und disziplinierten Staates einschlug.

Bei den Chinesen sind dies «10 Kämpfe», die Mao Tsetung geführt hat. Kämpfe sind das zwar, doch in der Kommunistischen Partei Chinas sehen diese Kämpfe nicht so aus wie die, die in der Bolschewistischen Partei oder unserer Partei geführt wurden, wo auf der einen Seite die wahren Marxisten-Leninisten standen, die für die Verteidigung der Partei und ihrer marxistisch-leninistischen Linie kämpften, und auf der anderen Seite die trotzkistischen, anarchistischen Abweichler und was sonst noch immer. Nein, hier, bei diesen Fraktionen in der Kommunistischen Partei Chinas, liess sich kein Flügel vom Marxismus-Leninismus leiten. Es gab Fraktionen, bei denen alle von konfusen, eher fortschrittlich bürgerlichen als marxistisch-leninistischen Anschauungen geleitet wurden, andere Fraktionen waren rechter oder auch linker, doch in der Führung der Kommunistischen Partei Chinas gab es niemals eine marxistisch-_ leninistische Fraktion, d.h. einen gesunden marxistisch-leninistischen Kern. Mao Tsetung und die Genossen um ihn herum waren also keine wirklichen Marxisten-Leninisten, sie waren fortschrittliche bürgerliche Demokraten, Marxisten nach aussen hin, in der Phraseologie, die indessen bis zum Schluss für die Konsolidierung eines grossen fortschrittlichen bürgerlich-demokratischen Staates, für eine «neue Demokratie» kämpften, wie es Mao Tsetung nannte.

Liu Schao-tschi, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und andere Elemente waren rechts, Elemente der Bourgeoisie, die die nationale Grossbourgeoisie verteidigten, um, natürlich getarnt mit linksradikaler Demagogie, deren Vorrechte zu schützen. Und das tat diese Fraktion unter einer kommunistischen Larve. Innerhalb. der KP Chinas hatte diese Gruppe während der Zeit nach der Befreiung die Macht an sich gebracht und sorgte auf diesem Weg für die Konsolidierung der chinesischen kapitalistischen Bourgeoisie.

Mao Tsetung war kein Marxist-Leninist, sondern ein fortschrittlicher bürgerlicher Revolutionär, fortschrittlicher als Liu Schao-tschi, dennoch aber ein zentristischer Revolutionär, der sich als Kommunist ausgab und an der Spitze der Kommunistischen Partei Chinas stand. Innerhalb Chinas, in der Partei, im Volk, und außerhalb des Landes erwarb er sich den Ruf eines für den Aufbau des Sozialismus kämpfenden grossen Marxisten-Leninisten. Seine Anschauungen jedoch waren nicht marxistisch-leninistisch, er folgte nicht der Theorie von Marx und Lenin. Er setzte das Werk Sun Yat-sens fort. doch auf fortgeschritteneren Positionen, sozusagen gekleidet in einige linke revolutionäre Formeln, einige marxistisch-leninistische Thesen und Schlagworte. Mao Tsetung gab sich als marxistischleninistischer Dialektiker aus, war es aber nicht. Er war ein Eklektiker, der die marxistische Dialektik mit dem konfuzianischen Idealismus und der alten chinesischen Philosophie verband. Tatsache ist, dass er sich bei der Leitung der Partei und des Staates, der Politik und der Ideologie, bei der Entwicklung Chinas und seiner Partei sowie der internationalen Verhältnisse nicht auf die marxistisch-leninistische materialistische Dialektik gestützt hat, um China auf den Weg zum Sozialismus zu führen.

Andererseits sehen wir, dass es in der Partei auch den linken Flügel gab, der sich ebenfalls mit marxistisch-leninistischen Parolen tarnte. All diese Abweichungen gereichten der Sache des Sozialismus nicht zum Vorteil. Alle Flügel erhoben Mao Tsetungs Banner, um - in unterschiedlichen Formen, mit unterschiedlichen Methoden, unter fast der gleichen Maske -- ein einziges Ziel zu erreichen, alle kämpften unter Mao Tsetungs Banner, einem Banner, das nur dem Namen nach marxistisch-leninistisch war. Dass dieses Banner nicht wirklich marxistisch-leninistisch war, stellte sich nach Mao Tsetungs Tod klar heraus.

Was geschah? Hua Guo-feng stürzte «auf einen Schlag», wie er selbst sagt, die «Vier» und die gesamte zentristische, unmarxistische Theorie Mao Tsetungs, brachte den rechten Flügel an die Macht, mit einem Wort, alle jene Elemente, die während der «grossen» angeblich proletarischen «Kultur»Revolution verurteilt worden waren, und führte einen Staatstreich durch wie einst Napoleon I. und später auch Napoleon III. Und Deng Hsiao-ping ist nichts anderes als ein kleiner Napoleon. Wie Napoleon, der das französische Imperium zu schaffen suchte, damit Frankreich im damaligen Europa dominiere und dem englischen Empire den Schwung nehme, England auf der Insel blockiere und niederzwinge, so kämpfen auch Deng Hsiao-ping und Konsorten nun um Welthegemonie, mit dem Ziel, China in eine Supermacht zu verwandeln, die auf der Welt vorherrscht und, nach Möglichkeit, sogar über die Vereinigten Staaten von Amerika dominiert, über die Sowjetunion ja sowieso. Dieses Ziel versucht China durch Krieg zu erreichen, indem es mit den modernsten Waffen aufrüstet, seine Wirtschaft und Technologie mit Hilfe der kapitalistischen Staaten entwickelt und eine bestimmte Politik, eine bestimmte Ideologie 'betreibt, die sich auf eine unmarxistische Theorie, «Maotsetungideen» genannt, stützt.

Dieser revisionistischen Theorie werden sich die chinesischen Revisionisten als Larve bedienen, um sich als Sozialisten aufzuspielen, doch in Wirklichkeit sind sie es nicht und können es nicht -sein, können sie keine Marxisten-Leninisten sein. So wenig Napoleon ein Anhänger Robespierres, ein Jakobiner sein konnte, so wenig er ein Anhänger Babeufs sein konnte, so wenig können auch die chinesischen Revisionisten Marxisten-Leninisten sein. Die chinesischen Revisionisten sind genau wie einst Napoleon, der sein Imperiumserrichten wollte. Er schuf, errichtete das Imperium, doch es wurde bald zerschlagen. So wird der Tag kommen, da auch die chinesischen Revisionisten zerschlagen werden.

Der Marxismus-Leninismus und die proletarische Revolution werden in China siegen und diese Renegaten werden unterliegen. Diese Revolution kann natürlich nicht ohne Kampf und ohne Blut siegen, denn in China werden viele Anstrengungen nötig sein, um den subjektiven Hauptfaktor zu schaffen - die revolutionäre marxistisch-leninistische Partei, die es früher nicht gab und auch heute nicht gibt.

Ebenso müssen die Massen vorbereitet werden, damit sie verstehen, dass man nicht mit Illusionen leben kann. Die Massen müssen politisch begreifen, dass an ihrer Spitze keine marxistisch-leninistischen Revolutionäre stehen, sondern Elemente der Bourgeoisie, des Kapitalismus, die einen Weg eingeschlagen haben, der nicht das geringste mit Sozialismus und Kommunismus gemein hat. Doch um dies zu begreifen, müssen sich die Massen über die Grundfrage klar werden, dass nämlich die «Maotsetungideen» nicht der Marxismusleninismus sind, und dass Mao Tsetung kein Marxist-Leninist war. Er blieb sich sozusagen treu. Wir sagen, dass Mao Tsetung ein Renegat, ein Antimarxist ist, und das ist er tatsächlich. Wir sagen das, weil er versuchte, sich mit dem Marxismus-Leninismus zu tarnen, in Wirklichkeit jedoch niemals ein Marxist war.

Man kann sagen, dass die Revolution in China ganz allgemein in v erschiedener Hinsicht einige Merkmale aufzuweisen hatte, die auf eine sozialistische Entwicklung angelegt waren, doch die Maßnahmen, die ergriffen wurden, blieben auf halbem Weg stecken oder wurden rückgängig gemacht, so wie das derzeit geschieht, und eine Maske nach der anderen wird fallen. All dies muss das chinesische Volk begreifen, aber auch außerhalb Chinas muss man es begreifen, denn leider ist die gesamte Entwicklung dieses Landes - der nationale Befreiungskampf des chinesischen Volkes, die Errichtung einer fortschrittlichen volksdemokratischen bürgerlichen Macht - in die Geschichte als proletarische Revolution eingegangen, die sie in Wirklichkeit nicht war, ist China in die Geschichte eingegangen als ein Land, in dem der Sozialismus aufgebaut wird, was ebenfalls nicht wahr ist.

Alles, was wir auf dem 2. und 3. Plenum des ZK der PAA und in diesen Aufzeichnungen über China gesagt haben, enthüllt meiner Meinung nach im grossen ganzen die chinesische Realität, doch dürfen wir bei dem, was wir gesagt haben, nicht stehenbliben. Es ist unsere Pflicht, die hauptsächlichen und entscheidenden, die Schlüsselfragen der Politik und der Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas in der dialektischen Entwicklung ihrer Geschichte, gründlich zu untersuchen, um die allgemeinen Vorstellungen und Schlussfolgerungen, zu denen wir gelangt sind und die meiner Meinung nach nicht falsch sind, mit Fakten und Dokumenten zu untermauern. Zweifellos gibt es Fragen, die wir nicht restlos beantwortet haben; gibt es Mängel, gibt es Probleme, über die man diskutieren kann, die gründlicher untersucht werden müssen. Das lässt sich nicht leugnen, doch insgesamt zeigen die Fakten, dass China diesen chaotischen unmarxistischen Weg zurückgelegt hat.

Mit dem, was nun, d.h. nach dem Putsch von Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping, geschieht, ist China dabei, noch hinter das zurückzufallen, was es mit Mao Tsetung erreicht hatte. Dieser war fortschrittlicher als Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping, denn er war ein Zentrist, während diese beiden ultrarechtes sind.

In einer meiner Anmerkungen habe ich geschrieben, dass die Mythen gestürzt werden müssen. Was ich dabei vor Augen hatte, war eben, dass der Mythos Mao Tsetungs, der Mythos, er sei ein «grosser» Marxist-Leninist gewesen, gestürzt werden musste und muss. Mao Tsetung ist kein Marxist-Leninist, sondern ein fortschrittlicher revolutionärer Demokrat, und unter diesem Blickwinkel, so meine ich, muss sein Werk studiert werden.

Ich habe gesagt, dass Mao Tsetungs Anschauungen nicht nur anhand der zurechtgerückten Phrasen in den veröffentlichten vier Bänden, sondern in ihrer praktischen Umsetzung studiert werden missen. Und praktisch umgesetzt wurden sie in einer anderen als der Periode der bürgerlich-demokratischen Revolution in Frankreich, als die Bourgeoisie - in ihrer Epoche - eine fortschrittliche Klasse war. Die Ansichten Mao Tsetungs werden heute, in der Epoche der Fäulnis des Imperialismus, im letzten Stadium des Kapitalismus entwickelt, in der Epoche also, da die proletarischen Revolutionen auf der Tagesordnung stehen und das Beispiel und die grossen

Lehren der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution, die Lehren von Marx und Lenin für uns ein unfehlbarer Wegweiser sind. Mao Tsetungs Theorie, die «Maotsetungideen», die unter diesen neuen Bedingungen entstanden, würden sich in das Gewand der revolutionärsten und wissenschaftlichsten Theorie der Zeit, des Marxismus-Leninismus, zu kleiden versuchen, im Kern aber blieben sie eine antimarxistische Theorie, denn sie steht im Gegensatz zu den proletarischen Revolutionen und kommt dem in Fäulnis begriffenen Imperialismus zu Hilfe.

Deshalb haben in der Ideologie Mao Tsetungs alle Aspekte der Ideen ihren Niederschlag gefunden, die der Kapitalismus und Imperialismus während der gesamten vieljährigen Periode seines Niedergangs und seiner Fäulnis hervorgebracht hat .Die «Maotsetungideen» sind ein Amalgam von Ideologien, vom Anarchismus, Trotzkismus, über den modernen Revisionismus à la Tito, à la Chruschtschow, den Eurokommunismus à la Marchais-Berlinguer-Carrillo bis hin zur Verwendung marxistisch-leninistischer Formeln. In diesem ganzen Amalgam müssen wir auch noch die alten Ideen des Konfuzius, des Menzius und der anderen chinesischen Philosophen unterscheu den, die die Herausbildung der Ideen Mao Tsetungs, seine kulturelle und theoretische Entwicklung außerordentlich stark beeinflussten. So ist es schwierig, eine einzige oder, sozusagen, klare Linie der chinesischen Ideologie zu bestimmen. Auch jene Seiten, die man als eine Art deformierten Marxismus-Leninismus bezeichnen könnte, sind von asiatischer Prägung, asiatischem Charakter, tragen das Spezifixum eines «asiatischen Kommunismus», einer Art «Asiokommunismus» - entsprechend dem «Eurokommunismus» -, wo der proletarische Internationalismus von Marx und Lenin in seiner vollen und wahren Bedeutung nicht aufzufinden ist. In der chinesischen Ideologie finden sich kräftige Dosen von nationalistischen, fremden feindlichen, religiösen, buddhistischen Zügen, ausgeprägte Überreste der feudalen Ideologie, ganz zu schweigen von den vielen anderen Laberresten, die es gibt, und die weder in der Periode des nationalen Befreiungskampfes noch, insbesondere, in der Periode der Errichtung der Macht der Volksdemokratie systematisch bekämpft worden sind.

Man muss zugeben, dass die reaktionäre Weltbourgeoisie die Entwicklung der Politik und Ideologie Mao Tsetungs, die Entwicklung der politisch-ideologischen Kämpfe Chinas sorgfältiger verfolgt und studiert hat, nicht nur in der vorrevolutionären Zeit, sondern auch während der Revolution. Eben weil die reaktionäre Weltbourgeoisie erkannte, dass diese Politik und Ideologie ihre besonderen asiatischen, chinesischen Merkmale hatte, weit vom Marxismusleninismus entfernt war, hat sie sie verteidigt, unterstützt und sogar auch als marxistisch-leninistisch - propagiert. In ihren eigenen Schriften und Veröffentlichungen zeigt die Bourgeoisie die Ausrichtung der Politik und Ideologie Mao Tsetungs klar auf, und sie wertet sie nicht als marxistisch, sondern als eine bürgerlich revolutionäre Ideologie. Und das ist sie auch wirklich. Der Imperialismus, der Weltkapitalismus war daran interessiert, dass China, gleichsam ein grosser Kontinent, diesen Weg weiterbeschritt, Mao Tsetungs politische und ideologische Orientierung verfolgte, die eines Tages in offenen Gegensatz zum wissenschaftlichen Marxismus geraten musste, weil China nicht den Weg des wissenschaftlichen Marxismus verfolgen würde. Des zeigte sich klar an Chinas Entwicklung; die ideologischen Gegensätze zwischen dem Marxismus-Leninismus und den «Maotsetungideen» wurden - nicht erst jetzt, sondern auch schon früher - unvermeidbar.

Alle Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse, die die Chinesen in Widerspruch Sowjetunion, zur Kommintern und zu Stalin brachten, waren Gegensätze in prinzipiellen Fragen und hatten keinen anderen Grund.

Wenn wir die «Maotsetungideen» untersuchen, müssen wir meiner Meinung nach all die Faktoren berücksichtigen, die in der politisch-theoretischen Entwicklung der chinesischen Führung, der Kommunistischen Partei Chinas eine grosse Rolle gespielt und sich in ihren Orientierungen und Handlungen niedergeschlagen haben. Dort wurzelt mach die gegenwärtige Strategie des Maoismus, die bekanntlich im Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und dem gesamten Weltkapitalismus besteht, um der revisionistischen Sowjetunion entgegenzuwirken.

Dies ist nicht bloss eine durch Zeitumstände bedingte Politik, sondern eine Politik, die einen ideologischen Inhalt hat, und die Maoisten sind ideologisch davon überzeugt. Die chinesischen Führer denken nahezu gleich wie die amerikanischen Imperialisten und die Häupter der anderen entwickelten kapitalistischen «Demokratien», Ideologisch stimmen sie überein, besonders in den Vorherrschaftsabsichten, denn als grosser Staat will auch China nicht unter die Leitung und den Stiefel egal welches dieser Imperialisten und Kapitalisten geraten, sondern dominieren oder zumindest ein gewichtiges Wort auf der Welt mitreden. Das ist der Grund, weshalb das maoistische China auf die eine oder andere Weise das Bündnis des Weltproletariats mit der kapitalistischen Bourgeoisie und dem amerikanischen Imperialismus predigt. Damit, dass es diesen Weg eingeschlagen hat, hemmt China tatsächlich die Weltrevolution, entstellt es die marxistisch-leninistische Theorie, so wie das auch die anderen Revisionisten tun. Seine Politik und seine Tätigkeit dienen dem sterbenden Imperialismus und Kapitalismus als eine frische Injektion, die ihn wieder zu Kräften bringen, sein Dasein verlängern soll.

Was die Frage der Widersprüche des maoistischen China zum Sowjetrevisionismus anbelangt, so besteht sie nur darin, dass es die Sowjetunion für eine schwächere imperialistische Macht hält als die Vereinigten Staaten von Amerika und meint, im Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus könne es seine expansionistischen Träume, die Eroberung Sibiriens und der anderen östlichen Regionen der Sowjetunion, verwirklichen.

Hierin besteht der Widerspruch zwischen China und der Sowjetunion, und dieser Widerspruch trägt nicht ideologischen Charakter, wie man ihn darstellt, das heisst, dass China angeblich marxistisch-leninistisch und die Sowjetunion revisionistisch sei. Nein, beide Länder sind revisionistisch, lassen sich von einer bürgerliehen Ideologie leiten und kämpfen genau unter den Bedingungen der Fäulnis des Imperialismus gegen die Revolution.

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