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Zu meinem Text "der staatliche Character der UdSSR" gab es eine sehr interessante Reaktion.
Ein Genosse schrieb mir folgendes:
"Ein toller Text, hab ihn gleich abgespeichert, bin dir dafür sehr dankbar.
Doch drängt sich mir die Frage auf, dass man die Verbindung zwischen Leitung und Volk gesetzlich zementieren müsste. Mir genügen der gute Wille der Regierungsmitglieder und ein intensiver Briefaustausch nicht. Diese gesellschaftliche, staatliche Zementierung erfolgte durch die Sowjets, Betriebsversammlungen und den vielen anderen politischen Aktionen für das Volk in der SU. Mich würde nun sehr interessieren, wie es den Revisionisten gelang diese Einrichtungen zu entmachten und aufzulösen. Dies war muss doch ein Schritt gewesen sein, den man kein sozialistisches Deckmäntelchen umhängen konnte, das nicht leicht zu durchschauen war. Auch wenn diese Auflösung vielleicht schleichend geschah, so musste doch jeder Werktätige oder zumindest die politisch interessierten der Arbeiter, welche eine großer Teil der Werktätigen dies irgendwann merken(wie kann man übersehen, dass man immer weniger Entscheidungskompetenzen und Einfluss auf die Regierung hat?) und Gegenmaßnahmen ergreifen. Wie gelang dies Revisionisten, ohne das es zu einem Volksaufstand kam? Wenn man über Perestroika und Glasnost liest, hört man nichts mehr von Räten oder ähnlichem, da liest man nur von Parteitagen, wo sind die Räte hin????"
meine entsprechende Antwort darauf war:
Quote: "Diese gesellschaftliche, staatliche Zementierung erfolgte durch die Sowjets, Betriebsversammlungen und den vielen anderen politischen Aktionen für das Volk in der SU. Mich würde nun sehr interessieren, wie es den Revisionisten gelang diese Einrichtungen zu entmachten und aufzulösen. Dies war muss doch ein Schritt gewesen sein, den man kein sozialistisches Deckmäntelchen umhängen konnte, das nicht leicht zu durchschauen war."
Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Man kann eigentlich sagen, dass es mit dem Sozialismus bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges im Großen und Ganzen aufwärts ging. Natürlich gab es gewisse Mängel, teilweise sogar gravierende .... aber 1. welche Gesellschaft hat diese nicht, 2. war man auf dem Wege sie zu lösen und 3. haben diese Mängel den Sozialismus nicht zerstört (1930 wäre zum Beispiel eine Konterrevolution wesentlich erfolgreicher, es bestanden noch Ausbeuterklassen, die - betrachtet man sich die Kollektivierung - erheblich gegen die Sowjetmacht gekämpft haben). Nur dann kam der Krieg, die Sowjetunion hielte zwar stand, doch mit erheblichen Verlusten. Zum anderen sollte man nicht vergessen, dass im Krieg Demokratie etc. eine sekundäre Rolle spielt, es geht in allererster Linie um das Nackte überleben, da ist es einem Bauer schnuppe ob er Marx und Lenin versteht, wenn er damit rechnen muss, dass in der nächsten Minute die SS kommen kann und ihm die Kehle aufschlitzt. Nun der Krieg ging zu Ende - worin bestand da die Aufgabe? Man musste wieder aufbauen und zum anderen bedrohten die USA, die Sowjetunion. Am wichtigsten ist aber auch der psychologische Effekt. Stell dir vor du bist Arbeiter in der SU .... vor der Revolution ging’s dir dreckig, du hast aber gesehen, dass der sozialistische Aufbau erfolgreich war. Gut du musstest anfangs auf vieles verzichten, du hast aber eingesehen, dass nur die Entwicklung der Schwerindustrie, die Entwicklung der Leichtindustrie begünstigt und nicht anders rum. Ja und dann kam der Krieg, enthusiastische hast du auf Seiten der Sowjetmacht gekämpft und gewonnen. Du hast aber deine Familie und Freunde verloren und du hast gesehen - alles war zerstört! Du musstest von neuem anfangen, der Schmerz, entstanden durch den Verlust deiner Familie abgesehen. So nun kam das Jahr 1956, die Industrie war zwar weitgehend wieder hergestellt, man war also wieder auf Vorkriegsniveau .... dennoch musste aber weiter viel aufgebaut werden. Folglich war die Konsumindustrie immer noch nicht ausgebaut und es herrschte wieder Kriegsgefahr. Dann kommt so einer wie Chruschtschow an die Macht und predigt etwas von Gulaschkommunismus und friedlicher Koexistenz. Du weißt vielleicht, dass das antimarxistisch ist, aber das ist dir im Moment egal, weil du - tschuldige wenn ich das sage - den gleichen scheiß nicht nochmals erleben willst. Als du gemerkt hast, dass das Blödsinn ist was der Chruschtschow da faselt, weil trotz des Ausbaus der Leichtindustrie du sogar für Weißbrot lange anstehen musst, wurdest du noch mehr demoralisiert und dir war’s nun völlig Wurst! Also ich kann das nachvollziehen.
Der Grund weshalb die Partei zu der Zeit so stark von Revisionisten bzw. von unerfahrenen Genossen liegt auch auf der Hand:
Ich weiß zwar nicht wie groß die Partei zu der zeit war und wie hoch die Verluste im Krieg, aber eines weiß ich: viele treue Kommunisten kämpften in der Roten Armee und fielen im Krieg. Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Parteimitglieder im hohen Maße an, sodass die Partei nach dem Kriege wesentlich mehr Mitglieder hatte als vor dem Kriege. Viele gingen in die Partei der Treue zum Sowjetstaat hin, im Krieg kannst du aber schlecht an Schulungen teilnehmen und nach dem krieg gab’s auch "wichtigeres" zu tun .... nicht zu vergessen, dass auch da viele Parteimitglieder demoralisiert waren.
Weiter Punkte sind:
- zwar hat Stalin den Revisionismus in der Partei nach dem Kriege erkannt und bekämpft, aber nicht weitgehend genug! Vergleicht man seine Schriften in den 20er und 30er Jahren mit den in den 40er und 50er, so erkennt man, dass Stalin nach dem Kriege sich mit dem revisionismus nicht ausreichend genug beschäftigt hat (nur die ökonomischen Probleme und die Sprachwissenschaften) ... in den 20er und 30er Jahren war das wesentlich mehr!
- ein weiterer Kritikpunkt ist, dass man sich glaube ich zu Siegessicher war ... der Krieg war gewonnen, obwohl er so schlecht und aussichtslos anfing, die Wirtschaft wurde wieder mit aller Kraft aufgebaut, man dachte den Sozialismus kann nichts und niemand zu Fall bringen .... man hats ja gesehen.
- zum weiteren ist eigentlich nichts bis sehr wenig über den Widerstand. Es ist also schwer zu sagen, wie weit dieser Widerstand ging. (Mir ist nur bekannt, dass gegen Ende der 60er Jahre eine Oppositionsbewegung - der Bund Revolutionärer Kommunisten (Bolschewiki), einen Aufruf gegen den Revisionismus Chruschtschows und Breschnews veröffentlichte)
- ein weiterer Punkt ist zu einfach um wahr zu sein, aber dennoch auch eine Rolle gespielt haben könnte: Glück bzw. Pech. Auch wenn man kämpft und zwar auf einer richtigen Grundlinie kämpft, kann man immer noch durch dumme Zufälle verlieren!