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'Mehr über die Fünfte Kolonne in der Stalingesellschaft'(Zu aktuellen Fragen des Revisionismus)
Adolfo Olaechea und Dimitroff
Im September bezeichnete Adolfo Olaechea vom 'Komitee Sol Peru' in seinem Vortrag vor der Gesellschaft zum Thema 'Faschismus' Dimitroff als
"...einen proletarischen Führer", (Adolfo Olaechea: 'Faschismus: Das Alte und Neue und die revolutionären Aufgaben des Proletariats', 1994, S. 12).
als
"einen Wegweiser der Klasse".. (Ebenda).
..und unterstellte, dass diejenigen, die die Rolle Dimitroffs kritisierten - wie die Communist League ('Communist League of Britain', von W. B. Bland gegründete marxistisch-leninistische Organisation - Übers.) -
" ..eine Abteilung der Bourgeoisie in den Reihen des Proletariats" (Ebenda).
bildeten.
Die Frage jedoch, ob Dimitroff ein Marxist-Leninist war oder nicht, ist nicht eine 'Frage von Meinungen'. Sie wird von objektiven Tatsachen und einer marxistisch-leninistischen Analyse eben dieser Tatsachen entschieden.
Wahrhafte Marxisten-Leninisten akzeptieren die klassische Formel, dass der Sozialismus in einem modernen kapitalistischen Land nicht über den Weg des Parlaments, sondern nur durch eine Revolution errichtet werden kann:
"Die Arbeiterklasse kann nicht nur einfach die fertige Staatsmaschinerie überneh men und sie für ihre eigenen Zwecke benutzen." (Friedrich Engels: Vorwort zur englischen Ausgabe von Karl Marx & Friedrich Engels: 'Manifest der Kommunistischen Partei', in: Karl Marx: 'Gesammelte Werke', Band 1, London 1943, S. 203).
"Die Einsetzung eines proletarischen Staates anstelle eines bürgerlichen ist unmöglich ohne eine gewaltsame Revolution." (Wladimir I. Lenin: 'Staat und Revolution - die marxistische Lehre vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution', August 1917, in: 'Ausgewählte Werke', Band 7, London 1946, S. 21).
"Kann eine solche radikale Umwandlung der alten bürgerlichen Ordnung ohne eine gewaltsame Revolution, ohne Diktatur des Proletariats erreicht werden? Offensichtlich nicht. Anzunehmen, dass eine solche Revolution friedlich durchgeführt werden kann, im Rahmen der bürgerlichen Demokratie ..., bedeutet entweder, dass man nicht mehr recht bei Sinnen ist und den gesunden Menschverstand eingebüßt hat oder dass man derb und offen die proletarische Revolution verwirft." (Josef W. Stalin: 'Zu einigen Fragen des Leninismus', Januar 1926, in: 'Werke', Band 8, Moskau 1954, S. 25).
Hier genau liegt die entscheidende Trennlinie zwischen dem echten und dem Pseudo-
Wo steht Dimitroff, was diese Demarkationslinie anbetrifft?
Im März 1946, zehn Jahre bevor Nikita Chruschtschow seine revisionistische Auffassung vom friedlichen, parlamentarischen Übergang zum Sozialismus dem 20. Parteitag der KPdSU unterbreitete, äußerte sich Dimitroff in dieser Beziehung wie folgt:
"Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Sozialismus ohne Aufstand errungen werden. Diese Voraussetzungen bestehen jetzt." (Georgi M. Dimitroff: 'Der Bund der Jungarbeiter muss zu einer Schule des Sozialismus werden', März 1946, in: 'Gesammelte Werke', Band 2, Sofia 1967, S. 195).
Deshalb gebietet die Realität, dass wir Dimitroff als einen Pionier des offenen Revisionismus in der internationalen kommunistischen Bewegung bezeichnen.
Die Kennas und Dimitroff
Im September 1994 veröffentlichten die Mitglieder der Stalin-Gesellschaft Ivor und Florence Kenna einen offenen Brief, in dem sie unsere Charakterisierung Dimitroffs als einen Revisionisten als eine
" ... Verleumdung" (Ivor & Florence Kenna: 'Offener Brief an die Communist League', September 1994).
bezeichneten.
Eine Verleumdung ist jedoch eine schmähende Behauptung, die unwahr ist und wir haben oben gesehen, dass, basierend auf Tatsachen, Dimitroff zweifellos ein Pionier des modernen Revisionismus war. Es tut uns leid, dass die Kennas durch diese Tatsache unangenehm
" ... überrascht" (Ebenda).
waren. Eine revolutionäre Bewegung kann jedoch nur auf dem Fundament der Wahrheit aufgebaut werden, womit die Wahrheit als heilig anzusehen ist und nicht aus irgendwelchen Beweggründen verzerrt werden darf - noch nicht einmal, um den Kennas den Schock für ihre Vorurteile zu ersparen!
In ihrem Offenen Brief nehmen die Kennas Anstoß an der Feststellung der Communist League,
"dass Stalin in den Jahren vor seinem Tod 1953 im Zentralkomitee der KPdSU in der Minderheit war".. (Ebenda).
..sowie an der Behauptung der Zeitschrift 'Compass',
"dass die Kommunistische Internationale in ihren letzten Jahren revisionistisch geführt war." (Ebenda).
Wenn aber Stalin und die anderen Marxisten-Leninisten in der Führung der Kommunistischen Internationale und der Sowjetischen Kommunistischen Partei in den Jahren vor seinem Tod nicht in der Minderheit waren, dann ist es notwendig, andere schlüssige Erklärungen für Fakten wie die folgenden zu finden, dass
1."Stalins vorherige häufige Beiträge zu den Debatten in der Kommunistischen Internationale 1927 aufhörten." (Josef W. Stalin: 'Werke', Band 9, Moskau 1954, S. X).
2. "die Veröffentlichung der Werke Stalins in der Sowjetunion 1949 mit Band 13 (für die Zeit bis Januar 1934) - vier Jahre vor seinem Tode - eingestellt wurde, während ursprünglich 16 Bände vom Zentralkomitee der KPdSU angekündigt worden waren." (Vorwort zu den Werken Stalins, in: 'Werke', Band 1, Moskau 1952, S. XIII-XIV). 3. Stalin im Oktober 1952 noch vor seinem Tode aus der führenden Position eines Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU entfernt und zu einem von verschiedenen Sekretären heruntergestuft wurde:
"Nach dem 11. Parteitag am 3. April 1922 wählte das Plenum des Zentralkomitees auf W. I. Lenins Antrag hin Stalin zum Generalsekretär des Zentralkomitees der Partei. Stalin blieb in dieser Funktion bis Oktober 1952 und von dann bis zum Ende seines Lebens war er Sekretär des Zentralkomitees." ('Entziklopeditscheski Slowar' - Enzyklopädisches Wörterbuch - Band 3, Moskau 1955, S. 310).
Die Tatsache, dass Stalin in der Führung der KPdSU und der Komintern in der Minderheit war, beinhaltet nicht notwendigerweise - wie die Kennas behaupten - dass
" ...entweder die Politik der KPdSU revisionistisch war oder dass sie von Stalin unter Verletzung der Parteidisziplin der Partei aufgezwungen wurde." (Ivor & Florence Kenna, ebenda).
Es beinhaltet lediglich, dass die Mehrheit der Führer entweder heimliche revisionistische Verschwörer oder Leute waren, die von Mal zu Mal überzeugt werden konnten, eine revisionistische Politik zu unterstützen.
Es beinhaltet, dass Revisionisten in den führenden Positionen der KPdSU und der Komintern in der Lage waren, die Politik dieser Organe, gegen Stalins Opposition, von korrekten marxistisch-leninistischen Prinzipien abzubringen. ...
Die Auflösung der Kommunistischen Internationale
Auf verschiedenen Treffen der Stalin-Gesellschaft behauptete Kamal Majid, dass es zwischen der Führung der Kommunistischen Internationale und Stalin keine bedeutenden Meinungsverschiedenheiten gegeben habe und Stalin praktisch der 'Führer der Kommunistischen Internationale' gewesen sei.
Es stimmt, dass auf dem letzten Kongress der Komintern im August 1935 Stalin zu einem der 45 Mitglieder des Exekutivkomitees (des geschäftsführenden Ausschusses, auch 'EKKI' genannt - Übers.) gewählt wurde; er wurde jedoch nicht in das siebenköpfige EKKI- Sekretariat gewählt, das von Revisionisten beherrscht war. (Zu den Mitgliedern zählten die Revisionisten: Georgi Dimitroff - Generalsekretär - , Bulgarien; Otto Kuusinen, Finnland; Dimitri Manuilski, UdSSR; André Marty, Frankreich; Wilhelm Pieck, Deutschland; Palmiro Togliatti, Italien). Bei dem siebenten Mitglied handelt es sich um Klement Gottwald, Tschechoslowakei, auch einem Revisionisten - Übers.
Um diese Auffassung zu stützen, führt Majid die Tatsache an, dass Stalin die Auflösung der Komintern im Mai 1943 unterstützte:
"Die Auflösung der Kommunistischen Internationale ist zweckmäßig und zeitgemäß." (Josef W. Stalin: Antworten an den Korrespondenten der Reuters-Agentur, Mai 1943, in: 'Werke', Band 15, London 1984, S. 131).
Tatsächlich macht Stalins Stellungnahme zur Auflösung der Komintern gut die Unterschiede zwischen ihm und der revisionistischen Führung der Komintern deutlich.
Es ist wichtig, die Gründe, die von der revisionistischen Führung der KI, die die Initiative zu diesem Schritt ergriff, denen Stalins zur Unterstützung dieses Schritts gegenüberzustellen.
Die Revisionisten führten zwei 'Gründe' für die Auflösung an:
Erstens, dass die Weltlage inzwischen zu kompliziert geworden sei, dass ein internationales Zentrum noch in der Lage sein könne, seine Aufgaben zu erfüllen und dass ein solches Zentrum zu einem Hemmschuh für die Entwicklung nationaler Parteien geworden sei:
"Lange vor dem Krieg war es immer deutlicher geworden, dass mit der zunehmenden Kompliziertheit der internationalen und nationalen Beziehungen der verschiedenen Länder jede Art von internationalem Zentrum auf unüberwindbare Hindernisse bei der Lösung der Probleme, vor die sich die Bewegung gestellt sieht, stoßen musste. ... Die organisatorische Form ... der Kommunistischen Internationale ... ist ... zu einem Hemmschuh für die weitere Stärkung der nationalen Arbeiterparteien geworden." (Resolution des EKKI-Präsidiums, die die Auflösung der Kommunistischen Internationale empfiehlt, Mai 1943, in: Jane Degras, Hrsg., ebenda, Band 3, S. 477).
Zweitens, dass der politische Reifegrad der nationalen Parteien und ihrer Führer ein internationales Zentrum unnötig werden lässt. Der Beschluss sei gefasst worden – so das Präsidium des EKKI - unter
"Berücksichtigung des Anwachsens und der politischen Reife der kommunistischen Parteien und ihrer führenden Kader in den einzelnen Ländern." (Resolution des EKKI-Präsidiums, ... ebenda, S. 479).
Stalin konnte diese ganz offensichtlich falsche Einschätzung nur zurückweisen. Gleichzeitig konnte er sich als überzeugter Marxist-Leninist dieser Auflösung der Kommunistischen Internationale nicht verweigern, da sie revisionistisch geführt war und so nicht länger den Interessen der internationalen Arbeiterklasse diente. Als überzeugter Marxist-Leninist unterstützte er die Auflösung der Komintern, um in der Lage zu sein, sie durch eine neue Organisation zu ersetzen, die von Marxisten-Leninisten geführt sein würde.
Als loyaler Marxist-Leninist war Stalin jedoch an die Prinzipien des demokratischen Zentralismus gebunden und konnte die wahren Gründe für seine Unterstützung der Auflösung der Kommunistischen Internationale nicht angeben.
In seiner Antwort gab Stalin deshalb vier Gründe für seine Unterstützung der Auflösung der Kommunistischen Internationale an, die sich auf einen einzigen reduzieren lassen. Die Auflösung, sagte er,
" ... wird zu einer weiteren Stärkung der Vereinigten Front der Alliierten und anderer vereinter Nationen in ihrem Kampf für den Sieg über die Hitlertyrannei führen." (Josef W. Stalin: Antworten an den Korrespondenten der Reuters-Agentur, ebenda, S. 132).
Stalin war offensichtlich der Meinung, dass die Auflösung ein Zugeständnis an die westlichen imperialistischen Mächte war. Aber wir wissen auch, dass für ihn Zugeständnisse an den Imperialismus, die den Interessen der internationalen Arbeiterklasse zuwiderliefen, unzulässigen Opportunismus darstellten:
"Stalin: Amerika fordert, dass wir prinzipiell der Politik der Unterstützung der Befreiungsbewegungen in anderen Ländern abschwören und meint, dass wenn wir dieses Zugeständnis machen würden, alles reibungslos funktionieren könnte. Nun, was meint Ihr, Genossen - sollen wir dieses Zugeständnis machen? Chorrufe: Nein! .. Stalin: Wir können solchen oder ähnlichen Zugeständnissen nicht zustimmen, ohne uns selbst untreu zu werden." (Josef W. Stalin: Bericht an das Moskauer Parteiaktiv der KPdSU, April 1928, in: 'Werke', Band 11, Moskau 1954, S. 59f).
Wenn er also der Auflösung der Kommunistischen Internationale zustimmte, dann vertrat er eindeutig, wenn auch indirekt, die Meinung, dass diese Organisation nicht mehr den Interessen der internationalen Arbeiterklasse diente, so dass ihre Auflösung zwar ein Zugeständnis an den Imperialismus war, jedoch kein opportunistisches.
Vielleicht kann man argumentieren, dass sich Stalin in einer so wichtigen Frage nicht der Parteidisziplin hätte fügen sollen, sondern seine Meinung direkt hätte sagen müssen. Aber ein Marxist-Leninist in einer Partei, die beansprucht marxistisch-leninistisch zu sein, hat nur dann ein Recht die Parteidisziplin zu durchbrechen, wenn er ganz sicher ist, dass die Mehrheitsmeinung in einer prinzipiellen Frage falsch ist und es keine Aussicht auf eine Änderung der Situation mehr gibt.
Im Falle der Entscheidung, die Kommunistische Internationale aufzulösen, waren die Marxisten-Leninisten in der KPdSU in der Lage, die Situation nur vier Jahre später, 1947, mit der Gründung einer neuen Internationale, dem Kommunistischen Informationsbüro oder 'Kominform' unter einer neuen marxistisch-leninistischen Führung, die daranging, den Revisionismus zu entlarven und zu bekämpfen, wie in Ländern wie Frankreich, Italien und Jugoslawien, zu verändern.
Stalin hat sich somit durch Taten von den revisionistischen Auffassungen, dass die Situation für eine internationale marixistisch-leninistische Organisation zu kompliziert geworden und dass eine solche Organisation wegen der 'politischen Reife' der nationalen Parteien überflüssig geworden sei, distanziert.
Mao - Verteidiger Stalins?
In seinem Bericht an die Stalin-Gesellschaft im Oktober sprach Adolfo Oleachea davon, dass
"die Kommunistische Partei Chinas unter seiner (Maos - Verf.) persönlichen Führung der konsequenteste Verteidiger der historischen Rolle des Genossen Stalin war." (Adolfo Oleachea, ebenda, S. 18).
Tatsächlich war nach dem 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 die Einschätzung der Kommunistischen Partei Chinas bezüglich Stalins nur wenig verschieden von der des sowjetischen revisionistischen Führers Nikita Chruschtschow:
"Stalin ging fehl, als er seine eigene Rolle übertrieben herausstrich und seine eigene Autorität der kollektiven Führung entgegenstellte und das Ergebnis war, dass gewisse Maßnahmen seinerseits gewissen fundamentalen marxistisch-leninistischen Auffassungen widersprachen. ... Wenn sich ein Parteiführer oder Staatsoberhaupt über die Partei und die Massen stellt, ... dann hört er auf, einen allseitigen und tiefschürfenden Einblick in die Angelegenheiten des Staates zu gewinnen. Solange dies der Fall war, ... konnte Stalin nicht unrealistische und fehlerhafte Entscheidungen in bestimmten Angelegenheiten vermeiden. ... Im letzten Abschnitt seines Lebens gewann Stalin immer mehr Gefallen an diesem Kult des Individuums und verletzte das Parteiprinzip des demokratischen Zentralismus sowie den Grundsatz der Verbindung der kollektiven Führung mit der eigenen Verantwortlichkeit. Die Folge war, ... dass er bestimmte falsche Ratschläge in Fragen der internationalen kommunistischen Bewegung gab; insbesondere fasste er einen falschen Beschluss in der Jugoslawien-Frage. In diesen Dingen wurde Stalin Opfer des Subjektivismus und der Einseitigkeit und löste sich von der objektiven Realität und den Massen. Die Chinesische Kommunistische Partei gratuliert der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zu ihren großen Errungenschaften in diesem historischen Kampf gegen den Kult des Individuums." ('Über die historischen Erfahrungen der Diktatur des Proletariats', April 1956, in: 'Renmin Ribao' - Volkszeitung - , in: John Gittings: 'Überblick über den chinesisch-sowjetischen Konflikt. Ein Kommentar und Auszüge zu den jüngsten Polemiken, 1963-67', London 1968, S. 291ff).
"Stalin machte einige schwere Fehler sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik der Sowjetunion. Seine unberechenbare Arbeitsmethode verletzte ... das Prinzip des demokratischen Zentralismus ... und zerrüttete Teile des sozialistischen Rechtswesens. Da sich Stalin auf vielen Gebieten von den Massen entfernte ... und viele persönliche, willkürliche Entscheidungen in einer Reihe bedeutender politischer Angelegenheiten fällte, konnte es nicht ausbleiben, dass er schwere Fehler beging. Er tat vielen einfachen Kommunisten und ehrlichen Bürgern Unrecht und dies verursachte schwerwiegende Verluste. ... Es kam vor, dass er sich zu Unrecht einmischte, was oft schwerwiegende Folgen hatte, was die inneren Angelegenheiten bestimmter Bruderstaaten und -parteien anging. ...
Einige der Fehler Stalins, die er in den späteren Jahren seines Lebens beging, weiteten sich zu ernsten, ständigen, die gesamte Nation betreffenden Fehlern aus und wurden nicht rechtzeitig abgestellt. ... Stalins Fehler, die vermieden werden konnten, schadeten der Sowjetunion in der Tat. ... Stalin beging den schweren Fehler der Verletzung der sozialistischen Demokratie. ... Stalin legte bestimmte nationalistische und chauvinistische Tendenzen im Verhältnis zu Bruderparteien und Bruderländern an den Tag." ('Mehr über die historische Erfahrung mit der Diktatur des Proletariats', Dezember 1956, in: 'Renmin Ribao', in: John Gittings, ebenda, SS. 298, 300ff, 303).
Im April 1956 schließlich schrieb Mao selbst dazu:
"Stalins Fehler beliefen sich auf ... 30%. Stalin machte, was China angeht, einige falsche Sachen. Das linke Abenteurertum, das von Wang Ming (der langjährige Vertreter der chinesischen Kommunisten in der Kominternführung - Übers.) in der letzten Hälfte des ... Zweiten Revolutionären Bürgerkriegs befürwortet wurde und sein rechter Opportunismus in den frühen Tagen des antijapanischen Widerstandskampfes, können beide auf Stalin zurückgeführt werden." (Mao Tse-tung: 'Über die zehn wichtigen Beziehungen', April 1956, in: 'Ausgewählte Werke', Band 5, Peking 1977, S. 304).
Es wird aufgezeigt werden, dass die Einschätzung der Kommunistischen Partei Chinas zu Stalin falsch war und dass sie sich im Grunde nicht wesentlich von der der sowjetischen Revisionisten unterschied.
Oleacheas Behauptung, dass
"die Kommunistische Partei Chinas unter seiner (Maos - Verf.) persönlichen Führung zu den standhaftesten Verteidigern der historischen Rolle Stalins gehörte", .. (Adolfo Oleachea, ebenda).
ist eindeutig unzutreffend.
Der revolutionäre Prozess in kolonialartigen Ländern
Mao Tse-tung stimmt mit Lenin und Stalin darin überein, dass in kolonialartigen Ländern wie einst in China der revolutionäre Prozess zwei aufeinander folgende Stadien durchlaufen muss: das Stadium der demokratischen Revolution sowie das der sozialistischen Revolution:
"Die chinesische revolutionäre Bewegung ... umfasst zwei Stadien, das der demokratischen und das der sozialistischen Revolution. Der zweite Prozess kann nur durchgeführt werden, nachdem der erste abgeschlossen worden ist." (Mao Tse-tung: 'Die Chinesische Revolution und die Chinesische Kommunistische Partei', Dezember 1939, in: 'Ausgewählte Werke', Band 2, Peking 1965, S. 330).
Im November 1994 hielt Harry Powell vor der Stalin-Gesellschaft einen Vortrag zum Thema 'Mao Tse-tung - Revisionist oder Revolutionär?' Er behauptete dort, dass Bill Bland in seinem Vortrag 'Der revolutionäre Prozess in kolonialartigen Ländern', den er im Juli 1993 auf dem Marxistisch-Leninistischen Seminar in London gehalten hatte, 'mit Trotzki gegen die Zweistadientheorie des revolutionären Prozesses in kolonialartigen Ländern ist'.
Diese Behauptung ist vollkommen falsch.
Bill Bland sagte dort:
"Der Trotzkismus ... lehnt die marxistisch-leninistische Strategie der Stadien des revolutionären Prozesses in kolonialartigen Ländern als 'konterrevolutionären Opportunismus' ab." (W. B. Bland: 'Der revolutionäre Prozess in kolonialartigen Ländern', London 1993, S. 5).
Der maoistische 'friedliche Übergang zum Sozialismus'
Was das zweite Stadium des revolutionären Prozesses angeht, weicht Mao Tse-tung von Lenin und Stalin ab. Diese bestehen darauf, dass das sozialistische Stadium des revolutionären Prozesses einen erbitterten Klassenkampf gegen die Bourgeoisie beinhaltet:
"Die Ersetzung des bürgerlichen Staates durch den proletarischen ist ohne eine gewaltsame Revolution unmöglich." (Wladimir I. Lenin: 'Staat und Revolution. Die marxistische Lehre vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution', August/September 1917, in: 'Ausgewählte Werke', Band 7, London 1946, S. 21).
"Können die Kapitalisten ohne einen heftigen Klassenkampf vertrieben werden?" Nein, das können sie nicht. ... Es gibt in der Geschichte keine Beispiele dafür, dass die sterbende Bourgeoisie nicht all ihre noch verbliebene Kraft mobilisiert, um am Leben zu bleiben." (Josef W. Stalin: 'Die rechte Abweichung in der KPdSU, B, April 1929, in: 'Werke' Band 12, Moskau 1955, SS. 34, 40).
Während Lenin und Stalin das zweite (sozialistische) Stadium des revolutionären Prozesses als einen Kampf gegen die nationale Bourgeoisie hinstellen, behauptet Mao Tse-tung, dass der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie in China ein Widerspruch 'im Volk' ist, der auf 'friedlichem Wege' gelöst werden kann, weil die chinesischen nationalen Kapitalisten bereit seien, den Übergang zum Sozialismus hinzunehmen:
"In unserem Land fällt der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie unter die Kategorie der Widersprüche im Volke. ... In der Phase der sozialistischen Revolution bildet die Ausbeutung der Arbeiterklasse um des Profits wegen die eine Seite der nationalen Bourgeoisie, während ... ihre Bereitschaft, die sozialistische Umwandlung zu akzeptieren, die andere darstellt. ... Der Widerspruch zwischen der nationalen Bourgeoisie und der Arbeiterklasse ist einer zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten. ... Aber bei den konkreten Bedingungen in China kann dieser unversöhnliche Widerspruch zwischen den beiden Klassen, falls er richtig behandelt wird, auf friedlichem Wege gelöst werden." (Mao Tse-tung: 'Über die korrekte Behandlung von Widersprüchen im Volke', Februar 1957, in: 'Ausgewählte Werke', Band 5, Peking 1977, S. 386).
Des weiteren führt Mao aus, dass er mit 'korrekter Behandlung' des Widerspruchs, wodurch seine 'friedliche Lösung' hervorgebracht wird,
"die ideologische Umerziehung".. (Mao Tse-tung, ebenda, S. 403)
der nationalen Bourgeoisie meint.
Diese Auffassung, dass die Bourgeoisie 'ideologisch umerzogen' werden kann und dann 'bereit ist, den Sozialismus zu akzeptieren' und sich dann dem Klassenkampf dagegen enthält, ist ganz offensichtlich verwandt mit der These des Revisionisten Nikolai Bucharin, dass die russischen Kapitalisten 'in den Sozialismus hineinwachsen' können. Dazu Stalin:
"Kapitalisten in Stadt und Land ... wachsen in den Sozialismus hinein - dies ist die Absurdität, bei der Bucharin inzwischen angelangt ist. ... Entweder Marx Theorie des Klassenkampfes oder die Theorie, dass die Kapitalisten in den Sozialismus hineinwachsen; entweder ein unversöhnlicher Klassengegensatz oder die Theorie von der Harmonie der Klasseninteressen. ... Die Aufhebung der Klassen ...dadurch, dass die Kapitalisten in den Sozialismus hineinwachsen - das ist die Formel Bucharins." (Josef W. Stalin: 'Die rechte Abweichung in der KPdSU,B', April 1929, in: 'Werke', Band 12, Moskau 1955, SS. 32f, 36).
Mao - Verteidiger der Diktatur des Proletariats?
Lenin und Stalin behaupten, dass der Aufbau des Sozialismus ohne die Errichtung der Diktatur des Proletariats unmöglich ist:
"Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus wird sicherlich eine große Vielfalt und Fülle von politischen Formen annehmen, aber im Kern wird es nur eine einzige geben: die Diktatur des Proletariats." (Wladimir I. Lenin: 'Staat und Revolution. Die marxistische Lehre vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution', August 1917, in: 'Ausgewählte Werke', Band 7, London 1946, S. 34).
"Die Revolution wird nicht in der Lage sein, den Widerstand der Bourgeoisie zu brechen, ihren Sieg zu bewahren und zum endgültigen Sieg des Sozialismus voranzuschreiten, wenn ... sie sich nicht ein besonderes Organ in Gestalt der Diktatur des Proletariats, als ihre Hauptstütze, schafft." (Josef W. Stalin: 'Die Grundlagen des Leninismus', April/Mai 1924, in: 'Werke', Band 6, Moskau 1953, S. 112).
Oleachea behauptet:
"Die Kommunistische Partei Chinas unter seiner (Maos - Verf.) persönlichen Führung war die zuverlässigste Verfechterin ... der Diktatur des Proletariats." (Adolfo Oleachea, ebenda, S. 18).
Diese Behauptung ist falsch.
Mao Tse-tung beharrt darauf, dass das Ziel der fortschrittlichen Menschen in allen kolonialartigen Ländern die Errichtung nicht der Diktatur des Proletariats, sondern einer gemeinsamen Diktatur mehrerer antiimperialisischer Klassen, einschließlich der nationalen Bourgoeisie sein sollte:
"Die neudemokratische Revolution ... entwickelt sich in allen anderen kolonialen und halbkolonialen Ländern genauso wie in China. ... Politisch gesehen strebt sie die gemeinsame Diktatur der revolutionären Klassen an." (Mao Tse-tung: 'Die Chinesische Revolution und die Chinesische Kommunistische Partei', Dezember 1939, in: 'Ausgewählte Werke', Band 2, Peking 1965, ohne Seitenangabe).
Mao nennt die nationale Bourgeosie eines kolonialartigen Landes die 'mittlere Bourgeoisie':
"Die mittlere Bourgeoisie stellt die nationale Bourgeoisie dar - im Unterschied zur Kompradorenbourgeoisie." (Mao Tse-tung: 'Aktuelle Probleme der Taktik in der Antijapanischen Einheitsfront', März 1940, in: 'Ausgwählte Werke', Band 2, Peking 1965, S. 423).
Die Kompradorenbourgeoisie stellt den Teil der Bourgeoisie dar, der eng mit dem ausländischen Imperialismus verbunden und von ihm abhängig ist.
Die Klassen, die in dieser 'neudemokratischen' gemeinsamen Diktatur die Macht teilen, umfassen auch die nationale Bourgeoisie, die Kleinbourgeoisie und sogar jenen Teil der Klasse der Grundbesitzer, der bereit ist, sich am neudemokratischen Staat zu beteiligen (den Mao den 'aufgeklärten Landadel' nennt):
"Die Positionen in den staatlichen Organen sollten wie folgt besetzt werden: ein Drittel an ... das Proletariat und die arme Bauernschaft; ein Drittel an ... die Kleinbourgeoisie und das restliche Drittel an ... die mittlere Bourgeoisie und den aufgeklärten Landadel." (MaoTse-ung: Aktuelle Probleme der Taktik der Antijapanischen Einheitsfront', März 1940, in: 'Ausgewählte Werke', Band 2, Peking 1965, S. 427).
Diese 'neudemokratische Republik' unterscheidet sich somit zugegebenermaßen von der Diktatur des Proletariats:
"Die neudemokratische Republik wird sich ... von der sozialistischen Republik sowjetischen Typs unter der Diktatur des Proletariats unterscheiden." (Mao Tse-tung: 'Über Neue Demokratie', Januar 1940, in: 'Ausgewählte Werke', Band 2, Peking 1965, S. 350).
Sie wird als 'Staat des ganzen Volkes' umschrieben:
"Unser Staat ist eine volksdemokratische Diktatur. ... Das Ziel dieser Diktatur besteht darin, unser gesamtes Volk zu schützen." (Mao Tse-tung: 'Über die richtige Behandlung von Widersprüchen im Volk', Februar 1957, in: 'Ausgewählte Werke', Band 5, Peking 1977, S. 387).
Weit davon entfernt, die chinesische Bourgeoisie zu unterdrücken, wird die 'neudemo-
"Warum sollten die bürgerlichen und kleinbürgerlich demokratischen Parteien das Recht haben zu existieren ... über einen langen Zeitraum? ... Weil darin .. die Politik der Kommunistischen Partei besteht." (Mao Tse-tung, ebenda, S. 413).
Sie wird außerdem der chinesischen Bourgeoisie gestatten, ihre Ideologie frei zu progagieren:
"Es ist unvermeidlich, dass die Bourgeoisie und die Kleinbourgeoisie ihrer Ideologie Ausdruck verleihen wird. Es ist unvermeidlich, dass sie sich in allen Fragen der Politik und Ideologie mit allen Mitteln hartnäckig behaupten werden. Man kann nicht erwarten, dass sie dies nicht tun werden. Wir sollten nicht die Methode der Unterdrückung anwenden und sie daran hindern, sich zu Wort zu melden, sondern sollten ihnen dies gestatten." (Mao Tse-tung, ebenda, S. 411).
Tatsächlich verlangt Mao, dass die Kommunistische Partei in dieser 'volksdemokratischen Diktatur' eine Politik des 'freien Wettbewerbs' auf allen Gebieten, einschließlich auf dem Gebiet der Ideologie vertritt:
"Welchen Stellung sollten wir gegenüber nicht-marxistischen Vorstellungen beziehen?... Wird es ausreichen, solche Ideen zu verbieten und ihnen jede Möglichkeit des Ausdrucks zu verwehren? Sicherlich nicht. ... Eigentlich haben die beiden Losungen - lasst hundert Blumen blühen und lasst hundert Denkrichtungen miteinander wetteiferen - keinen Klassencharakter: Das Proletariat kann sie für sich reklamieren, aber auch die Bourgeoisie." (Mao Tse-tung, ebenda, SS. 410, 412).
Zugegeben: Mao spricht von der Bedeutung der
"Führungsrolle der Kommunistischen Partei." (Mao Tse-tung, ebenda, S. 412).
Jedoch hat sie in der neudemokratischen Republik diese Führung mit den bürgerlichen Parteien auf der Grundlage der 'gegenseitigen Kontrolle' zu teilen:
"Gegenseitige Kontrolle ... bedeutet, dass die Kommunistische Partei die Kontrolle über die demokratischen Parteien wahrnehmen darf und umgekehrt. Weshalb soll es den demokratischen Parteien gestattet sein, eine Kontrolle über die Kommunistische Partei auszuüben? ... Die Kontrolle über die Kommunistische Partei wird in erster Linie durch das arbeitende Volk ausgeübt sowie durch die Parteimitglieder. Aber es ist für uns nützlicher, wenn wir auch von den demokratischen Parteien kontrolliert werden." (Mao Tse-tung, ebenda, s. 414).
Maoistischer 'Sozialismus'
Das chinesische revisionistische Konzept vom 'Sozialismus' beinhaltet, dass nur die Betriebe der Komprador-Kapitalisten verstaatlicht werden, während die 'der Kapitalisten der nationalen Bourgeoisie allmählich und auf friedlichem Wege in 'sozialistische' Betriebe im Bündnis mit der nationalen Bourgeoisie, über den Staatskapitalismus und mit Hilfe des 'neudemokratischen' Staatsapparates verwandelt werden':
"In unserem Land ... können wir mit Hilfe des bestehenden Staatsapparates mit unserer schrittweisen sozialistischen Umgestaltung voranschreiten. ... Wir haben in unserem Land eine Bündnisbeziehung zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie. ... Die sozialistische Umwandlung von kapitalistischer Industrie und kapitalistischem Handel durch den Staat wird allmählich durch verschiedene Formen des Staatskapitalismus über einen relativ langen Zeitraum verwirklicht werden. ... Das Ziel kann durch einen friedlichen Kampf erreicht werden." (Liu Shao-chi: Bericht zum Entwurf der Verfassung für die Volksrepublik China auf dem Ersten Nationalen Volkskongress der VRC, September 1954, Peking 1962, S. 27).
"Unter den Verhältnissen, die in unserem Land existieren, kann durch die Anwendung friedlicher Mittel, wie zum Beispiel durch die Methode der Überzeugung und Erziehung das kapitalistische Eigentum in sozialistisches verwandelt werden." (Mao Tse-tung: Rede auf der Obersten Staatskonferenz, Januar 1956, in: Kuan Ta-tung: 'Die sozialistische Umwandlung der kapitalistischen Industrie und des kapitalistischen Handels in China', Peking 1960, S. 40f).
Die Methode, durch die die Betriebe der chinesischen nationalen Kapitalisten in 'sozialistische' umgewandelt werden sollten, bestand in der Bildung von staatlich-privaten Gemeinschaftsunternehmen:
"Die fortgeschrittene Form des Staatskapitalismus in China wird staatlich-privates Gemeinschaftsunternehmen genannt. Dies ist das wichtigste Instrument, durch das die Umwandlung der kapitalistischen Industrie und des kapitalistischen Handels in sozialistische Unternehmen herbeigeführt werden kann. Ein staatlich-privates Gemeinschaftsunternehmen ist ein Unternehmen, in das der Staat investiert und für das er Personal bereitstellt, das zusammen mit den Kapitalisten die Unternehmensführung ausübt. ... Für die gesamten Investitionen der Kapitalisten in das staatlich-private Unternehmen vergütet der Staat diese mit einem festen Zinssatz. Der Zinssatz liegt bei 5% im Jahr." (Kuan Ta-tung, ebenda, SS. 75, 84, 86f).
Die chinesischen nationalen Kapitalisten hatten nicht nur keine Einwände gegen diese Form der sozialistischen Umwandlung - sie begrüßten sie:
"Warum gab es eine zunehmende Zahl von Kapitalisten, die sich freiwillig darum bewarben, dass ihr Betrieb in ein staatlich-privates Unternehmen umgewandelt wurde? ... Die Zahlen aus 64 Betrieben in verschiedenen Teilen Chinas, die früher als andere zur Form des Gemeinschaftsunternehmens übergegangen waren, zeigten, dass ihre Gewinne sich erhöhten. Wenn man ihre Gewinne im Jahr 1950 mit 100 ansetzt, dann waren sie 1953 auf 306 angestiegen. ... Zimbeln und Trommeln schlagend reichten die Kapitalisten die Anträge auf Umwandlung ihrer Betriebe ein." (Kuan Ta-tung, ebenda, SS. 78f, 84).
Die Durchführung dieses Programms der Bildung von staatlich-privaten Gemeinschaftsunternehmen wurde später von den chinesischen Revisionisten als die 'Vollendung der sozialistischen Revolution' bezeichnet:
"Die sozialistische Revolution beim Eigentum der Produktionsmittel wurde im Wesentlichen 1956 abgeschlossen." (Zhou En-lai: Tätigkeitsbericht der Regierung, Dezember 1964, in: 'Hauptdokumente der Ersten Sitzung des Dritten Nationalkongresses der Volksrepublik China', Peking 1965, S. 26).
"Es haben sich sozialistische Produktionsbeziehungen herausgebildet." (Mao Tse-tung, ebenda, S. 394).
Der neudemokratische Staat, der einst als Staat eines Klassenbündnisses unter Einschluss der nationalen Bourgeoisie bezeichnet wurde, wurde von nun an als ein Staat der 'Diktatur des Proletariats', als 'sozialistische Staatsmacht' bezeichnet:
"Die Diktatur des Proletariats ruht in unserem Land auf festen Fundamenten und unsere sozialistische Staatsmacht ist unerschütterlich." (Zhou En-lai, ebenda, S. 28).
Jedoch hinter dieser falschen Fassade des 'Sozialismus', was Mao selbst zugibt, bestand die Realität darin, dass die chinesische nationale Bourgeoisie fortfuhr, die Arbeiterklasse auszubeuten: "In den staatlich-privaten Gemeinschaftsunternehmen von Industrie und Handel erhalten die Kapitalisten immer noch einen festen Zinssatz auf ihr Kapital, was bedeutet, dass die Ausbeutung noch existiert." (Mao Tse-tung, ebenda, S. 394).
Fundamentalistischer und moderner Maoismus
Die meisten Systeme religiösen Glaubens beruhen auf Schriften, die als 'heilig' angesehen werden und die vor langer Zeit abgefasst wurden. Aber in dem Maße, wie das Wissen der Menschheit über das Universum zunimmt, wächst auch die Erkenntnis, dass diese alten Schriften den Tatsachen widersprechen.
Unter diesen Umständen erkennen einige Leute, dass ihre religiösen Überzeugungen nichts weiter als Aberglauben darstellten und werden zu Atheisten. Von denen, die an ihren religiösen Überzeugungen festhalten, beharrt ein Teil von ihnen darauf, dass die Schriften, weil sie heilig sind, unumstößlich war sind, so dass der Anschein ihrer Falschheit eine bloße Illusion zu sein scheint: Wir nennen solche Leute Fundamentalisten. Andere geben zu, dass die Schriften nicht buchstäblich als wahr angesehen werden können; meinen aber, dass sie im übertragenen, allegorischen Sinne als wahr gelten können: Wir nennen solche Leute Modernisten.
Der Maoismus hat seine Fundamentalisten und seine Modernisten.
Da der Maoismus durch die Geschichte als unhaltbar entlarvt wurde, außer für jene, deren Vorurteile sich über ihre Vernunft hinwegsetzten, erkannten aufrichtige Materialisten, dass der Maoismus nichts anderes als eine Spielart des Revisionismus darstellt. Bei den Maoisten selbst jedoch entstand ein modernistischer und ein fundamentalistischer Flügel.
Adolfo Oleachea gehört zum fundamentalistischen Flügel des Maoismus. In der Art der gutgläubigen jungen Leute, die vor fünfundzwanzig Jahren mit dem kleinen Roten Buch Maos in der Hand auf Demonstrationen zu sehen waren, das als heiliges Symbol galt, beharrt Oleachea darauf, dass
"Der Maoismus der Marxismus-Leninismus unserer Zeit ist." (Adolfo Oleachea, ebenda, S. 30).
Und während die Tatsachen, wie wir gesehen haben, zeigen, dass der Maoismus eine Spielart des Revisionismus ist, die den Interessen der nationalen Bourgeosie in kolonialartigen Ländern dient, klammert sich der maoistische Fundamentalist Oleachea an die Illusion, dass
" ... die Kommunistische Partei Chinas, geführt vom Vorsitzenden Mao Tse-tung, den modernen Revisionismus entlarvte und vernichtete." (Adolfo Oleachea, ebenda, S. 16).
Harry Powell, der auf dem November-Treffen der Stalin-Gesellschaft sprach, ist dagegen ein moderner Maoist.
Powell gab ununwunden zu, dass Dimitroff durch und durch Revisionist war und gestand auch ein, dass Mao bis zu einem 'bestimmten Grade' als Revisionist anzusehen ist.
In einer gemeinsamen 'Verteidigung Maos', die im Mai 1981 von drei deutschen Organisationen herausgebracht wurde, wurde diese Auffassung deutlich. In ihrer Erklärung wird zugegeben, dass die Schriften Mao Tse-tungs
" ... vor 1966 nicht eindeutig darauf hinweisen, dass sich der Übergang von der demokratischen zur sozialistischen Revolution in Übereinstimmung mit dem Übergang von der Diktatur aller antiimperialistischen und antifeudalen Klassen und Kräfte hin zur Diktatur des Proletariats vollziehen muss. Es wird deutlich, ... dass er den Aufbau des Sozialismus sogar im Rahmen einer politischen Allianz mit der Bourgeoisie für möglich hielt. All diese Ansichten lassen sich mit den Lehren des Marxismus-Leninismus nicht vereinbaren und tatsächlich leisten sie den Chruschtschow-Revisionisten in ihrem Bemühen, die Idee der Klassenzusammenarbeit zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie in der internationalen kommunistischen Bewegung zu verankern, Vorschub. ... Mao Tse-tung vertrat verschiedene eindeutig revisionistische Positionen." (Gemeinsame Erklärung von 'Rote Fahne', 'Westberliner Kommunist' und 'Gegen die Strömung', in: 'Compass', Nr. 114, Juli 1994, SS. 4, 10).
Trotz dieser sehr schweren Vorwürfe sind die deutschen Organisationen genauso wie H. Powell darum bemüht, Mao als einen 'Marxisten-Leninisten' zu verteidigen, wenn sie darauf verweisen, dass die 'Kulturrevolution', die er 1966 initiierte, der 'Versuch gewesen zu sein scheint, einige seiner Fehler zu korrigieren':
"Um Mao Tse-tung korrekt einschätzen zu können, ist es von entscheidender Wichtigkeit, seine Rolle in der Kulturrevolution und seinen Kampf gegen Teng Hsiao-ping vor seinem Tode zu analysieren. Es scheint, dass Mao Tse-tung einige seiner Fehler in dieser Phase erkannte und bemüht war, sie zu korrigieren." ('Gemeinsame Erklärung', ebenda, S. 10).
Gewiss wurde die 'Kulturrevolution' unter antirevisionistischen Losungen ausgefochten:
"Die offizielle Version der Kulturrevolution ist die, dass es sich bei ihr um die letzte Schlacht eines langen Kampfes zwischen zwei Linien handelte: der korrekten maoistischen Linie und der von 'Chinas Chruschtschow', Liu Shao-chi, vertretenen." (Roderick MacFarquahar: 'Die Ursprünge der Kulturrevolution', Band 1, London 1974, S. 2).
Jedoch wurde der wahre Charakter der 'Kulturrevolution' von dem albanischen Marxisten-Leninisten Enver Hoxha analysiert:
"Die Große Proletarische Kulturrevolution war weder eine Revolution, noch groß, noch kulturell und schon gar nicht proletarisch." (Enver Hoxha: 'Imperialismus und Revolution', April 1978, in: 'Ausgewählte Werke', Band 5, Tirana 1985, S. 655).
Hoxha zufolge war es ein Kampf zwischen zwei revisionistischen Fraktionen in der Chinesischen Kommunistischen Partei, die von Mao Tse-tung bzw. Liu Shao-chi angeführt wurden:
"Die Chinesische 'Kulturrevolution' war ein Fraktionskampf zwischen der Mao-Gruppe und der von Liu Shao-chi. Weder die Arbeiterklasse noch die Bauernschaft war daran beteiligt." (Enver Hoxha: 'Die chinesische Strategie erleidet ein Fiasko', Dezember 1976, in: 'Betrachtungen über China', Band 2, Tirana, S. 391).
Zu Beginn der 'Kulturrevolution' verfolgte die Führung der Kommunistischen Partei Chinas eine antiimperialistische politische Linie, die sich insbesondere gegen den US-Imperialismus richtete:
"Der US-Imperialismus ist das Hauptbollwerk der Weltreaktion und ein Weltpolizist. ..Das internationale Proletariat muss und kann ... die breiteste Einheitsfront gegen die US-Imperialisten und ihre Lakaien herstellen." (Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas: Antwort auf den Brief des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 30. März 1963, Juni 1963, in: 'Ein Vorschlag, die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung betreffend', Peking 1963, S. 12).
1966 wurde die Partei und der Staatsapparat Chinas von der antiamerikanischen Fraktion mit Liu Shao-chi an der Spitze beherrscht:
"Die Partei hatte sich seinem (Maos - Verf.) Zugriff entzogen. Alles wurde vom Generalbüro kontrolliert, das Liu Shao-chi fest im Griff hatte." (Enver Hoxha: 'Was ist das Generalbüro in China?', September 1977, in: Ebenda, S. 621).
Die von Mao geführte Fraktion jedoch, die sich zur
"proamerikanischen Fraktion entwickelt hatte", .. (Enver Hoxha: 'Es scheint, dass sich die proamerikanische Fraktion durchsetzt', Januar 1977, in: Ebenda, S. 400).
" ..wollte Verbindungen zu den Amerikanern herstellen. ...So begann die 'Kulturrevolution." (Enver Hoxha: 'Chinesisches Rätsel, maoistische Verwirrung', Februar 1976, in: Ebenda, S. 225).
Unter diesen Umständen
" ... blieb Mao nur eine Alternative: Er musste die Macht zurückerobern. Um dazu in der Lage zu sein, musste er sich auf die 'romantische' Jugend stützen, die Mao 'anbetete' sowie auf Lin Biao, den er zu seinem Stellvertreter machte - d.h. er war auf die Armee angewiesen." (Enver Hoxha: 'Weder die Partei noch der Staat des Proletariats funktionieren in China', Juni 1970, in: Ebenda, S. 254f).
Im Verlauf der 'Kulturrevolution'
"wurde die Partei liquidiert." (Enver Hoxha: 'Die Chinesen propagieren nicht die richtige Linie unserer Partei', Januar 1976, in: Ebenda, S. 209).
Deshalb kann die 'Kulturrevolution' in keinster Weise als der Versuch Maos bezeichnet werden, seine revisionistischen Fehler zu korrigieren. Es war der Fraktionskrieg zwischen einer anti-US-Gruppe in der Partei, angeführt von Liu Shao-chi, die die Interessen der nationalen chinesischen Bourgeoisie vertrat und einer pro-US-Gruppe, welche die Interessen der mit dem imperialistischen Ausland verbundenen chinesischen Kompradorbourgeoisie, vertreten durch Mao Tse-tung, repräsentierte.
Dem Sieg der letzten folgte Nixons Besuch in China.
Ihm folgte die chinesische Unterstützung des Schah des Iran, der von den USA aufgebauten UNITA in Angola, das chinesische Darlehen an die chilenische Militärjunta von Pinochet usw.
Wenn wir also den Maoismus auf der Grundlage von Fakten einschätzen und nicht auf der Basis bloßer Vorurteile und des Wunschdenkens, dann wird deutlich, dass der
MAOISMUS NICHT NUR EINE SPIELART DES REVISIONISMUS IST, DIE DARAUF ABZIELT, DEN INTERESSEN DER NATIONALEN KAPITALISTEN EINES KOLONIALARTIGEN LANDES DADURCH ZU DIENEN, DASS SIE DEN REVOLUTIONÄREN PROZESS IM STADIUM DER NATIONAL-DEMOKRATISCHEN REVOLUTION ZUM STILLSTAND BRINGT UND VERHINDERT, DASS ER ZUR SOZIALISTISCHEN REVOLUTION VORANSCHREITEN KANN, SONDERN SOGAR NOCH DARÜBER HINAUS DEN INTERESSEN DES US-IMPERIALISMUS IN SEINEM BESTREBEN, WIEDER IN EHEMALIGEN KOLONIALLÄNDERN FUß ZU FASSEN UND SIE IN EINE NEOKOLONIALE ABHÄNGIGKEIT ZU BRINGEN, VORSCHUB LEISTET.
Olaechea und die Partei
Olaechea fordert den Wiederaufbau wahrhaft kommunistischer Parteien in jedem einzelnen Land:
"Die Aufgabe besteht darin, sie (die Kommunistische Partei - Verf.) neu aufzubauen." (Adolfo Olaechea: Ebenda, S. 31).
Er gibt zu, dass die alte kommunistische Bewegung von Revisionisten gespalten bzw. liquidiert wurde:
"Die Revisionisten ... schafften es schließlich, einen großen Teil der Arbeiterbewegung zu spalten bzw. zu liquidieren. ... Viele kommunistische Parteien sind durch den Revisionismus gespalten und politisch und organisatorisch entwaffnet worden." (Adolfo Olaechea: Ebenda, SS. 15, 26).
Sogar in China, gibt Olaechea zu,
"verkaufte die revisionistische Clique um Teng Hsiao-ping ... das Land an das ausländische Monopolkapital." (Ebenda, S. 20).
Man könnte deshalb annehmen, dass Olaechea mit dem, was seit ihrer Gründung das Ziel der Communist League gewesen ist, nämlich
" ... in Großbritannien eine marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse aufzubauen, die frei von allen revisionistischen Strömungen ist", .. (Communist League of Britain, Ziele).
übereinstimmt.
Nichts dergleichen!
Solch ein Ziel anzustreben, sei so zwecklos wie die Suche nach dem Heiligen Gral!
"Es gibt einige Leute, die sagen: 'Wir müssen eine Partei schmieden, die frei von sämtlichen opportunistischen oder revisionistischen Strömungen ist.' Diesen Herren wäre besser gedient, wenn sie sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral aufmachten. In unserer Welt existieren Dinge von solcher Reinheit nicht und sie können es auch gar nicht." (Adolfo Olaechea: Ebenda, S. 31f).
Warum kann eine Partei, die frei von Revisionismus ist, Olaechea zufolge nicht existieren? Weil, sagt er,
" ... sobald eine Form des Revisionismus oder eines opportunistischen Trends überwunden ist, dieselbe Strömung in neuem Gewand wieder auftaucht." (Ebenda, S. 32). Wir geben zu, dass wenn eine marxistisch-leninistische Partei gegründet worden ist, die ursprünglich frei von opportunistischen und revisionistischen Erscheinungen war, der Kampf gegen opportunistische und revisionistische Kräfte auf eine Weise fortgesetzt werden muss, dass die Partei von solchen Elementen gesäubert werden kann:
"Die Partei wird dadurch stärker, dass sie sich selbst von opportunistischen Elementen säubert." (Josef W. Stalin: 'Grundlagen des Leninismus', April/Mai 1924, in: 'Werke', Band 6, Moskau 1953, S. 193).
Da jedoch Olaechea die Möglichkeit verneint, dass eine marxistisch-leninistische Partei aufgebaut werden kann, die noch nicht einmal in ihrem Anfangsstadium von Opportunismus und Revisionismus frei ist, betrachtet er die Partei selbst als eine solche, die notwendigerweise Opportunisten und Revisionisten in ihren Reihen dulden muss und in der die wahren Marxisten-Leninisten einen ständigen Kampf gegen diese Erscheinungen in der Partei zu führen haben. Mehr noch: Er geht sogar so weit zu sagen, dass dieser interne Kampf wesentlich ist für die Entwicklung der Partei:
"Dieses Prinzip ist auch für die allerbolschewistischte kommunistische Partei gültig, in der der Kampf der zwei Linien der eigentliche Motor, der die Entwicklung voranbringt, ist und ... ohne den diese zum Stillstand kommen müsste." (Adolfo Olaechea: Ebenda, S. 32).
Welche war Lenins und Stalins Haltung in der Frage, ob man Opportunisten und Revisionisten in der Partei dulden sollte?
Dazu Lenin:
"Der Bolschewismus hätte die Bourgeoisie in der Zeit von 1917 bis 1919 nicht besiegt, wenn er davor, in den Jahren 1903 bis 1917, nicht gelernt hätte, die Menschewiki zu besiegen, d.h. die Opportunisten, und wenn er sie nicht rigoros aus der Partei der proletarischen Avantgarde ausgeschlossen hätte." (Wladimir I. Lenin: 'Die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung und die Diktatur des Proletariats', Dezember 1919, in: 'Gesammelte Werke', Band 30, Moskau 1974, S. 275).
Dazu Stalin:
"Kleinbürgerliche Gruppen dringen in die Partei ein und bringen den Geist der Zögerlichkeit und des Opportunismus mit sich. ... Den Imperialismus mit solchen 'Verbündeten' im Rücken zu bekämpfen, heißt nichts anderes als sich in eine Lage zu manövrieren, wo man zwischen zwei Feuerlinien gerät: die eine vor einem und die andere im Rücken. Deshalb ist der rücksichtslose Kampf gegen solche Elemente, ihr Ausschluss aus der Partei, eine Vorbedingung für einen erfolgreichen Kampf gegen den Imperialismus. Die Theorie, opportunistische Elemente durch einen ideologischen Kampf innerhalb der Partei zu 'besiegen', diese Elemente im Rahmen einer einzelnen Partei zu 'überwinden', ist eine faule und gefährliche Theorie. ... Unsere Partei ... wäre nicht siegreich aus dem Bürgerkrieg hervorgegangen, wenn sie in ihren Reihen Leute wie Martow und Dan, Potressow und Axelrod gehabt hätte." (Josef W. Stalin: 'Grundlagen des Leninismus', April/Mai 1924, in: 'Werke', Bd. 6, Moskau 1953, S. 192).
Was immer auch für eine Gebilde sich aus Olaecheas Vorschlägen entwickeln mag, es wird ganz sicher auch nicht im Entferntesten einer marxistisch-leninistischen Partei ähneln.
Die Taktik der Herstellung einer breiten Front
Eine breite Front ist eine Organisation von Menschen, die darin übereinstimmen, dass es notwendig ist, sich trotz Meinungsverschiedenheiten in anderen Fragen, in einem breiten Bündnis für eine Sache einzusetzen.
Die Stalin-Gesellschaft ist die breite Bündnisorganisation von Menschen, die darin übereinstimmen, dass Stalin ein hervorragender Marixist-Leninist war und dass es notwendig ist, trotz Meinungsverschiedenheiten in anderen Fragen, sich für die Verteidigung Stalins einzusetzen.
Die Mitglieder einer breiten Bündnisorganisation, die aufrichtig ihre Ziele unterstützen, arbeiten daran, ihre Mitgliedschaft und ihren Einfluss so weit wie möglich auszuweiten. Andererseits ist einer 'Fünfte Kolonne' in einer solchen breiten Bündnisorganisation, die deren Ziele sabotiert und gewöhnlich unter dem Deckmantel eines pseudolinken Sektierertums arbeitet, daran gelegen, sektiererische Barrieren in der Organisation in solchen Fragen aufzuwerfen, die nicht zu den Zielen der breiten Bündnisorganisation gehören.
Vor zwei Jahren sagte Kamal Majid, der Ehemann der jetzigen Vorsitzenden der Stalingesellschaft Cathie Majid, auf einer Konferenz, auf der er im Namen der Stalingesellschaft sprach, Folgendes:
"Die Stalingesellschaft ist für alle offen. Aber wir erwarten, dass Sie nicht kommen, ohne sich selbst zu kritisieren. ... Trotzkisten, Chruschtschowianer oder Breschnewanhänger ... müssen sich zunächst einmal selbst kritisieren. Sie müssen ihre Vergangenheit kritisieren und danach werden wir sie als ... Mitglieder der Stalin-Gesellschaft akzeptieren." (Kamal Majid: Erklärung im Namen der Stalingesellschaft auf der Internationalen Marxistischen Tagung, Mai 1992).
Diese Erklärung ist - wie so viele andere Äußerungen der Majids - bar jeden Wahrheitsgehalts. Zu keiner Zeit ist es die Linie der Stalingesellschaft gewesen, von Leuten zu verlangen, dass sie ihre Vergangenheit kritisieren, bevor sie in die Gesellschaft aufgenommen werden können. Wohin führt diese unzutreffende Erklärung Majids?
Die meisten Leute, die jetzt Stalin unterstützen oder ihn in Zukunft unterstützen werden, haben in der Vergangenheit einige der revisionistischen oder trotzkistischen Verleumdungen über ihn mitgetragen. Weder die Stalingesellschaft noch die marxistisch-leninistische Bewegung kann ausschließlich von Leuten aufgebaut werden, die nie auch nur für einen einzigen Moment sich von solchen Verleumdungen in die Irre führen lassen haben. Zu verlangen, und dies zu Unrecht, dass solche Leute erst einmal einen 'Reinigungstest', der den Vorstellungen der Majids entspricht, bestehen müssen, läuft darauf hinaus, zwischen der Stalingesellschaft und den Zehntausenden von ehrlichen potenziellen Mitgliedern eine Barriere aufzurichten.
Und es verging fast kein Treffen der Stalingesellschaft, auf dem der maoistische Vorsitzende Wilf Dixon es Kamal Majid nicht gestattete, die Mitglieder der Neuen Kommunistischen Partei ('New Communist Party') als 'Verräter' zu brandmarken.
Im Mai dieses Jahres schrieb der Generalsekretär der Neuen Kommunistischen Partei, Eric Trevett, im Organ seiner Partei:
"Ich war für die Kritik an Stalin, wie sie in der Resolution des XX. Parteitags zum Ausdruck kam. Jetzt bin ich nicht mehr der Meinung, dass man diese Resolution noch billigen kann." (Eric Trevett: Erklärung im 'Neuen Arbeiter' ('New Worker'), 27. Mai 1994).
Die Neue Kommunistische Partei gehört zu den größten Organisationen, die sich als marxistisch-leninistisch bezeichnet und alle, die wirklich die Ziele der Stalingesellschaft mittragen, können diese Erklärung nur unterstützen. Aber schon auf dem nächsten Treffen der Stalingesellschaft meinte Kamal Majid, dass es gerade diese Erklärung sei, die es jetzt angebracht erscheinen lasse, die Neue Kommunistische Partei noch schärfer anzugreifen!
Es ist ganz offensichtlich, dass die Angriffe der Majids gegen die Neue Kommunistische Partei auf den Veranstaltungen der Stalingesellschaft sich nicht mit den Zielen der Gesellschaft vereinbaren lassen.
Die Majids sind keine jungen, unerfahrenen Neulinge in der revolutionären Bewegung und deshalb ist es ganz offensichtlich, dass sie mit ihren Angriffen gegen die Neue Kommunistische Partei bewusst der Gesellschaft Schaden zufügen wollen.
Die Zersetzungskampagne der Majids wird natürlich von den maoistischen Rednern, die vom Komitee eingeladen wurden, auf den September- und November-Treffen der Stalingesellschaft Vorträge zu halten, voll unterstützt. Adolfo Olaechea sagte:
"Es gibt einige, die 38 Jahre nach dem XX. Parteitag eingesehen haben, dass sie sie 'ihn nicht länger verteidigen' können (gemeint ist die Resolution zur Verurteilung Stalins auf dem 20. Parteitag der KPdSU - Übers.) Das ist gut so, jedoch kaum ausreichend. ... Solche Leute sollten auf die Anklagebank und das Proletariat sollte sie mit ihren Fehlern konfrontieren. Sie müssen ihr gesamtes Verhalten liquidieren, ihre ganze Linie." (Adolfo Olaechea: Ebenda, S. 28).
In ihrem Offenen Brief zum 'Streit in der Stalingesellschaft', weisen Ted Talbot und Harry Powell die Vorwürfe gegen die Zersetzungsversuche der Majids als größtenteils
"belanglos".. (Ted Talbot & Harry Powell, 'Der Streit in der Stalingesellschaft', S. 1)
und auf
"persönlicher Feindschaft".. (Ebenda).
beruhend zurück.
Sie halten Bill Bland vor,
" ... eine erstaunlich opportunistische Erklärung".. (Ebenda, S. 2).
abgegeben zu haben, wenn er sagt, dass
"es nicht so sehr darauf ankommt, ob diese Erklärungen richtig oder falsch sind (die Angriffe gegen die Neue Kommunistische Partei - Verf.)" (Bill Bland: 'Die Lage in der Stalingesellschaft', Januar 1994, S. 3).
Was Talbot & Powell nicht zitieren, ist:
"Der Punkt ist der, dass ... diese Erklärungen im Rahmen der Stalingesellschaft entzweiend und schädlich sind. Sie schwächen die Stalingesellschaft und behindern sie in ihrer Arbeit." (Bill Bland: Ebenda).
Tony Clark meint in einem nicht datierten Brief an die Mitglieder der Stalingesellschaft, dass diese Politik (gemeint: Bill Blands Haltung - Übers.) darauf hinausläuft,
" ... bestimmte Organisationen und ihre Vorsitzenden von jeder Kritik auszunehmen" (Tony Clark: Offener Brief an die Mitglieder der Stalingesellschaft, S. 1).
und dass diese Politik
"opportunistische Wurzeln hat." (Tony Clark: Offener Brief an die Mitglieder der Stalingesellschaft, S. 2).
Tatsächlich kann nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein, dass wir irgendeine Organisation oder irgendeine Person 'von Kritik ausnehmen' wollen.
Wir behaupten nur, dass es falsch und schädlich ist, Angriffe auf Mitglieder oder mögliche Mitglieder in Fragen, die nichts mit den Zielen der Stalingesellschaft zu tun haben, bei Veranstaltungen der Gesellschaft zuzulassen.
Es bedarf keines übermäßigen marxistisch-leninistischen Verständnisses um zu verstehen, dass ein und dieselbe Erklärung in einer Situation taktisch richtig und in einer anderen kontraproduktiv sein kann.
Zum Beispiel gab es niemanden, der ein konsequenterer Gegner des Verrats der Sozialdemokratie war als Lenin. Anfang 1922 bemühte sich die von ihm geleitete Kommunistische Internationale darum, eine Konferenz der drei Internationalen zu Stande zu bringen:
" ... um eine mögliche praktische Einheit der direkten Aktion aufseiten der Massen zu erreichen." (Wladimir I. Lenin: Brief an N. I. Bucharin und G. J. Sinowjew, Februar 1922, in: 'Gesammelte Werke', Band 42, Moskau 1969, S. 394).
Der fünfte Kolonnist Grigori Sinowjew, der später zugab, Hochverrat am sowjetischen Staat geübt zu haben, entwarf eine Resolution für die vorgeschlagene Konferenz, in der er die sozialdemokratischen Führer der Zweiten und 'Zweieinhalbten' Internationale 'als Komplizen der internationalen Bourgeoisie' bezeichnete. Obwohl diese Umschreibung sicherlich zutreffend war, wandte sich Lenin aus taktischen Gründen gegen sie und gegen ihre Aufnahme in die Resolution:
"Meine wichtigste Abänderung bezieht sich auf die Passage, in der die Führer der Zweiten und 'Zweieinhalbten' als 'Komplizen der Weltbourgeoisie' bezeichnet werden. Du kannst genauso gut jemanden als Esel bezeichnen. Es ist absolut unvernünftig, nur deswegen eine Sache von außerordentlich praktischer Bedeutung zu ruinieren, weil man sich dem zusätzlichen Vergnügen, einen Schurken zu rügen, hingeben möchte." (Wladimir I. Lenin: Brief an Mitglieder des Politbüros des ZK der RKP,B, 23. Februar 1922, in: 'Gesammelte Werke', Band 42, Moskau 1969, S. 400f).
Auch sind Marxisten-Leninisten der Meinung, dass es prinzipiell richtig ist, die reaktionäre Rolle der Religion zu entlarven. Ein ehrgeiziger Marxist-Leninist jedoch, der während einer Messe in eine katholische Kirche eindringt und ruft: 'Nieder mit dem Papst!' handelt keineswegs in Übereinstimmung mit einer richtigen marixistisch-leninistischen Taktik.
Lenin sagte einmal während eines Streiks:
" ... atheistische Propaganda in einer solchen Situation kann sowohl unnötig als auch schädlich sein, nicht aus der kleinbürgerlichen Furcht heraus, die rückständigen Schichten zu verschrecken ..., sondern aus Rücksicht auf den tatsächlichen Fortschritt des Klassenkampfes, der unter den Bedingungen der modernen kapitalistischen Gesellschaft die christlichen Arbeiter zur Sozialdemokratie (gemeint zum Kommunismus - Verf.) und zum Atheismus hundertmal besser bekehren wird als plumpe atheistische Propaganda. In einem solchen Moment und unter solchen Umständen Atheismus zu predigen, würde nur den Pfaffen in die Hände spielen, die nichts stärker herbeisehnen als dass die Unterteilung der Arbeiter nach ihrer Beteiligung an der Streikbewegung durch die Spaltung der Arbeit gemäß ihres Glaubens an Gott ersetzt wird." (Wladimir I. Lenin: 'Die Haltung der Arbeiterpartei zur Religion', Mai 1909, in: 'Gesammlte Werke', Band 15, Moskau 1965, S. 49).
Vielleicht meinen Clark, Talbot und Powell, dass Lenin ein Opportunist war?
Es ist richtig, dass marxistisch-leninistische Prinzipien eine umfassende Selbstkritik umfassen sowie eine Analyse der Fehler einer Partei.
Dazu Lenin:
"Die Haltung einer politischen Partei ihren eigenen Fehlern gegenüber gehört zu den wichtigsten und unzweideutigsten Kriterien für die Ernsthaftigkeit einer Partei und darüber, wie sie in der Praxis ihren Verpflichtungen gegenüber ihrer Klasse sowie gegenüber den arbeitenden Massen nachkommt. Einen Fehler offen zuzugeben, seine Gründe offen zu legen, die Bedingungen zu analysieren, die zu ihm geführt haben, gründlich die Wege zu prüfen, um ihn zu korrigieren - dies sind die Merkmale einer ernsthaften Partei." (Wladimir I. Lenin: 'Der 'linke' Radikalismus - die Kinderkrankheit des Kommunismus', Mai 1920, in: 'Ausgewählte Werke', Band 10, London 1946, S. 98).
Ivor and Florence Kenna von der Kommunistischen Vereinigung aus Finsbury sind in der Stalingesellschaft willkommen. Wir haben nicht den leisesten Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer positiven Einstellung zu Stalin. Es besteht kein Zweifel, dass die Communist League in der Vergangenheit Meinungsverschiedenheiten mit der FCA gehabt hat, z. B. was die Rolle Mao Tse-tungs angeht. Es sollte ihnen nicht schwer fallen einzusehen, wie taktisch unklug und zersetzend es wäre, wenn wir sie auf Veranstaltungen der Stalingesellschaft als 'Verräter' bezeichnen würden!
Wie die Neue Kommunistische Partei mit Fehlern umgeht, ist Sache der NCP und ihrer Mitglieder. Dies ist in keinster Weise eine Angelegenheit der Stalingesellschaft und jene, die darauf bestehen, dass es doch zu einer Angelegenheit wird, legen es offensichtlich darauf an, sektiererische Barrieren gegen Mitglieder und mögliche künftige Mitglieder zu errichten; sie legen es offensichtlich darauf an, die Prinzipien des breiten Bündnisses, auf denen die Stalingesellschaft basiert, zu verletzen.
Der Niedergang der Stalingesellschaft
Die Stalingesellschaft ist nicht eine bloße Diskussionsgruppe. Selbst die Majids geben zu, dass sie beabsichtigt, eine positive Rolle bei der Herstellung einer Vereinigten Marxistisch Leninistischen Partei zu spielen:
"Als überparteiliche Organisation ist die Stalingesellschaft stolz auf ihre Arbeit für die Schaffung der kommunistischen Einheit." (C. & K. Majid: 'Kommunistische Einheit', S. 25).
Ehrliche Marxisten-Leninisten verstehen jedoch sehr gut, dass eine wirkliche kommunistische Einheit nicht durch die mechanische Zusammenfassung aller Organisationen, die sich selbst 'marxistisch-leninistisch' nennen, herbeigeführt werden kann. Es ist zunächst einmal nötig, zwischen aufrechten und Pseudo-Marxisten-Leninisten zu unterscheiden. Wie Lenin dies schon vor fast einhundert Jahren tat:
"Einheit ... kann nicht durch, sagen wir, ein Treffen von Vertretern, die eine Resolution verabschieden, herbeigeführt werden. ... Es ist zuallererst nötig, die Einheit der Vorstellungen herbeizuführen, durch die die Meinungsverschiedenheiten und durch die die Verwirrung, die zurzeit offensichtlich herrscht, beseitigt werden kann. ... Bevor wir uns vereinigen können und damit wir uns vereinigen dürfen, müssen wir zunächst einmal fest und verbindlich die Demarkationslinien aufzeigen. ... Sonst wird unsere Einheit nur eine Einheit in der Vorstellung sein, die die vorherrschende Verwirrung überdeckt und ihre vollständige Beseitigung verhindert." (Wladimir I. Lenin: Erklärung der Redaktion der 'Iskra', September 1900, in: 'Gesammelte Werke', Band 2, London 1944, S. 6).
In den offiziellen Flugblättern der Stalingesellschaft heißt es, dass
" ... die Gesellschaft Einzelpersonen und Organisationen unterschiedlicher Richtungen eine Plattform zu allen Aspekten kommunistischer Aktivität bietet. Etwa zehn Organisationen bzw. Parteien haben Mitglieder in die Stalingesellschaft entsandt." (Anmerkung der Communist League).
Die Stalingesellschaft stellt somit klar, dass sie keine Fragen tabuisiert. ..
Es ist klar, dass eine richtige Taktik der breiten Bündnisse von der Gesellschaft verlangen würde, dass sie in solchen Fragen, in denen es bekanntermaßen unterschiedliche Auffassungen unter den Mitgliedern gibt, sich solange neutral verhält, bis sie zu diesen Fragen eine Position einnehmen kann. Diese Neutralität verlangt, dass wenn solche Fragen auf die Tagesordnung gesetzt werden, Redner aus jedem Lager aufgefordert sind, unter gleichen Bedingungen ihre unterschiedlichen Ansichten vorzutragen.
Offensichtlich ist es so, dass dort, wo widersprechende Positionen zu einer Frage existieren, zumindest eine davon falsch sein muss. Wenn dieses Prinzip eingehalten worden wäre, hätte die Gesellschaft eine nützliche Rolle spielen können, um ihre Mitglieder zu befähigen, auf der Grundlage von Fakten und der Analyse von Fakten zwischen einer richtigen und einer unrichtigen Linie zu unterscheiden. Auf diese Weise hätte die Gesellschaft eine positive Rolle für den Aufbau einer geeinten marxistisch-leninistischen Partei spielen können.
Dies war die Linie des Komitees der Gesellschaft vor der Einvernahme durch die Majids.
Dem Komitee war bekannt, dass eine ganze Reihe von Mitgliedern den Maoismus als eine Form des Revisionismus ansah, der sich im Grunde vom Chruschtschowrevisionismus nicht unterscheidet, außer dass er dazu dient, den kapitalistischen Klassen in kolonialartigen Ländern zu dienen.
Dennoch lud das Komitee im Herbst 1994 gleich zwei Redner ein, um vor der Gesellschaft Vorträge zur Verteidigung des Maoismus zu halten.
Dass dies nicht von ungefähr kam, zeigte sich in den Angriffen von Cathie Majid (Vorsitzende des Komitees und Verfechterin des Maoismus - Übers.) gegen das Mitglied der Communist League Bill Bland auf dem letzten Treffen, weil er zuvor in einem Artikel den Maoismus als eine Form des Revisionismus bezeichnet hatte. Dadurch sei ihrer Meinung nach 'Verwirrung' entstanden. Da nach Auffassung der Vorsitzenden eine Kritik am Maoismus 'Verwirrung' erzeugt, ergibt sich aus ihrer Erklärung, dass eine Verteidigung des Maoismus - so wie sie von den beiden letzten Rednern erfolgte - 'Klarheit' hervorbringt.
Es ist bedauerlich, dass der Vorsitzende der Gesellschaft, Wilf Dixon - selbst ein langjähriger Maoist - sich nicht an das Prinzip der Neutralität in Fragen, in denen es Differenzen gibt, gehalten hat, sondern es im Gegenteil zugelassen hat, zu einem Instrument der Majids zu werden. Er ging sogar so weit, in flagranter Verletzung der Prinzipien der Gesellschaft, Broschüren der Communist League vom Informationstisch der Stalingesellschaft eigenhändig zu entfernen.
Einige Kritiker an dem Vorgehen der Majids haben ihre Linie als 'ultralinks' bezeichnet. Wir meinen, dass diese Bezeichnung nicht genau genug ist. Die Vorsilbe 'ultra' bedeutet soviel wie 'jenseits, über, hinaus', so dass der Begriff 'ultralinks' eine Ideologie umschreiben würde, die 'links' vom Marxismus-Leninismus angesiedelt ist. Jedoch gibt es links vom Marxismus-Leninismus keine Ideologie. Der Majidismus verwendet wie der Trotzkismus eine Phraseologie, die 'links' klingt, jedoch in ihrer Wirkung der Rechten dient. Aus diesem Grunde nennen wir den Majidismus 'pseudo-links'. ...
Zusammenfassung:
Unter dem Einfluss der Majids hat das Komitee der Stalin-Gesellschaft jeden Anschein von Neutralität in Fragen, in denen es unter den Mitgliedern bekanntermaßen Meinungsverschiedenheiten gibt, aufgegeben, was dazu geführt hat, dass aus der Gesellschaft ein Propagandaorgan für die Verbreitung revisionistischer Anschauungen geworden ist.
Die Kennas und der Trotzkismus
In einem zweiten Offenen Brief vom Dezember 1994, der in diesem Fall direkt an Bill Bland adressiert war, unterstellen die Kennas, dass die Communist League mit dem Trotzkismus sympathisiert bzw. sympathisiert hat.
"Wir können uns nicht daran entsinnen, dass Du den Trotzkismus je kritisiert hättest." (Ivor & Florence Kenna: 'Offener Brief an Bill Bland', Dezember 1994).
Seit ihrer Gründung stimmte die Communist League stets mit Stalin überein, dass " ... der gegenwärtige Trotzkismus nicht eine politische Strömung innerhalb der Arbeiterklasse darstellt, sondern eine prinzipienlose Bande ohne Ideale ist, eine Bande von Saboteuren, Geheimdienstagenten, Spionen, Mördern, eine Bande von geschworenen Feinden der Arbeiterklasse." (Josef W. Stalin: Bericht und Diskussionsbeitrag auf dem Plenum des ZK der KPdSU, März 1937, in: 'Werke', Band 14, London 1978, S. 252).
Im Verlauf der letzten Jahre hat die Communist League eine Vielzahl von Analysen zum Trotzkismus auf dieser Linie herausgebracht - zum Beispiel 'Der revolutionäre Prozess in kolonialartigen Ländern', ein Vortrag, der letztes Jahr vor einem marixistisch-leninistischen Seminar gehalten wurde, wo wir der Meinung waren, dass
"der Trotzkismus eine Spielart des Revisionismus ist." ('Der revolutionäre Prozess in kolonialartigen Ländern', Juli 1993, S. 5).
Aber im Unterschied zur Communist League, die alle Formen des Revisionismus ablehnt und kritisiert, waren die Kennas lange Zeit eifrige Anhänger des Maoismus, d.h. des chinesischen Revisionismus.
Darüberhinaus gehörten die Mitglieder der Communist League zu den Organisationen, die dafür waren, Trotzkisten von der Teilnahme an von 'Open Polemic' organisierten Konferenzen auszuschließen, mit der Begründung, dass sie dort eine ausschließlich negative und zersetzende Rolle gespielt haben. Ivor Kenna dagegen war gegen den Ausschluss der Trotzkisten:
"Ich bin nicht dafür, irgendjemanden auszuschließen..." (Ivor Kenna: 'Brief an 'Open Polemic', September 1994).
Die Kennas und der Spanische Bürgerkrieg
In ihrem zweiten Offenen Brief gelangen die Kennas zu der Schlussfolgerung, dass weil die Communist League der Volksfront-Politik Dimitroffs im Verhältnis zu Frankreich kritisch gegenübersteht, wir deshalb auch der Volksfront-Politik im Verhältnis zu Spanien kritisch gegenüberstehen müssten.
"Ihr seid Kritiker des Volksfrontgedankens des Genossen Dimitroff, der Eurer Meinung nach ein Bündnis zwischen der Arbeiterklasse und der liberalen Bourgeoisie und deshalb Klassenzusammenarbeit beinhaltet." (Ivor & Florence Kenna: 'Offener Brief an Bill Bland', Dezember 1994).
In einem entwickelten kapitalistischen Land stehen sich die Interessen der kapitalistischen Klasse und der Arbeiterklasse direkt feindlich gegenüber. Das bedeutet, dass eine Arbeit in Richtung Klassenzusammenarbeit hier notwendigerweise bedeutet, die Interessen der Arbeiterklasse an die der kapitalistischen Klasse zu verraten.
In einem kolonialartigen Land besteht die kapitalistische Klasse jedoch aus zwei Fraktionen: der kapitalistischen Klasse der Kompradorbourgeoisie, die vom ausländischen Imperialismus abhängig ist und den nationalen Kapitalisten, deren Entwicklung durch den Feudalismus und den ausländischen Imperialismus behindert wird. Im ersten Stadium des revolutionären Prozesses in einem kolonialartigen Lande - d. h. im Stadium der nationaldemokratischen Revolution - haben die Arbeiterklasse und die nationale Bourgeoisie ein gemeinsames Interesse an der Fortführung der national-demokratischen Revolution, die sich gegen den ausländischen Imperialismus und den Feudalismus richtet. Hier, in der nationaldemokratischen Revolution, ist also 'Klassenzusammenarbeit' nicht nur gestattet, sondern auch von entscheidender Wichtigkeit!
Spanien war in den 30iger Jahren, ähnlich wie China in den 40iger Jahren, ein halbfeudales, halbkoloniales Land, in dem die erste historische Aufgabe für die Arbeiterklasse darin bestand, die national-demokratische Revolution durchzuführen.
Die Zeitschrift 'Kommunistische Internationale' schrieb im Juni 1931:
"Spanien ist mit dem Problem einer bürgerlich-demokratischen Revolution konfrontiert. Erst nachdem diese Phase durchschritten worden ist, wird Spanien zur proletarischen Revolution kommen." ('Die Spanische Kommunistische Partei und die Revolutionäre Situation', 'Kommunistische Internationle', Band 8, Nr. 11-12, 15. Juni 1931, S. 325). ...
Die Communist League hat diese Einschätzung immer als eine korrekte marxistisch-leninistische Analyse des revolutionären Prozesses in Spanien angesehen.
Wenn dann die Kennas fragen:
"Bitte sage, (1) ob du der Meinung bist, dass die Kommunistische Partei Spaniens berechtigterweise die Republikanische Regierung unterstützt hat und (2), ob die POUM (eine trotzkistische Organisation, die im Spanischen Bürgerkrieg genauso wie die Franco-Faschisten gegen die Republikanische Regierung gekämpft hat -Übers.) zu Recht versucht hat, jene Regierung zu stürzen." (Ivor & Florence Kenna: 'Offener Brief ...', Dezember 1994).
..können unsere Antworten nur heißen: 'ja' zu (1) und 'nein' zu (2).
Differenzen innerhalb der Führung der KPdSU in der Spanienpolitik
Tatsächlich zeigt nichts deutlicher die Differenzen in der Führung der KPdSU - deren Existenz die Kennas bestreiten - als der Unterschied zwischen der Politik Stalins gegenüber der spanischen republikanischen Regierung und der des Außenministeriums, das von Maxim Litwinow geführt wurde, als er Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten war:
"Narkomindel (das Volkskommissariat für Auswärtiges - Verf.), so wie das sowjetische Außenministerium genannt wurde, war eine Organisation, das größtenteils von Litwinow geschaffen worden war. Er stellte das Personal ein und schuf es nach seinen Vorstellungen. ... Das Narkomidel und viele seiner wichtigsten Positionen im Ausland waren (1930 - Verf.) mit seinen Freunden ..besetzt worden." (John Carswell: 'Das Exil. Das Leben des Ivy Litwinow', London 1983, SS. 109, 126).
Aber Litwinow war weithin als Revisionist bekannt. Der US-amerikanische Journalist Alexan- der Werth schreibt, dass er
" ... zeitweise einer aus dem 'Westen' war." (Alexander Werth: 'Russland im Krieg, 1941-45', London 1964, S. 22).
Und der sowjetische Botschafter in London, Iwan Maiski, sei
" ... im Grunde ein 'Litwinow-Mann' " (Ebenda: S. 29). gewesen.
Im Februar 1941 ergriff Stalin die Intitiative und veranlasste
" ... Litwinows ... Entfernung aus dem Zentralkomitee der Partei wegen - so die offizielle Lesart - 'Nichterfüllung seiner Verpflichtungen' ". (Wojtech Mastny:' Kassandra im Kommissariat des Kreml: Maxim Litwinow und der Kalte Krieg', Januar 1976, S. 367, in: 'Foreign Affairs' - Außenpolitik - Band 54, Nr. 2). Dazu Litwinows Biograf John Carswell:
" ... diese Erniedrigung (seine Entfernung aus dem Zentralkomitee - Verf.) ..markierte ein wichtiges Stadium in Maxims Desillusionierung mit der 'Realität', die die Revolution beanspruchte hervorgerufen zu haben." (John Carswell: Ebenda, S. 149).
Jedenfalls war Litwinow Mitte der 40iger Jahre dafür bekannt geworden, in Interviews mit ausländischen Journalisten revisionistische Auffassungen von sich zu geben; zum Beispiel sympathisierte er 1945 mit dem Westen in Sachen 'Kalter Krieg', wie sich der US-Journalist Edgar Snow erinnert:
"Kurz nach meiner Ankunft im Juni (1945 - Verf.) in Moskau traf ich Max Litwinow bei einem diplomatischen Empfang. Standen die Dinge besser oder schlechter als ich ihn zuletzt vor der Jaltakonferenz (Frühjahr 1945 - Übers.) gesehen hatte, fragte ich ihn. 'Schlechter', sagte er sofort, 'warum habt Ihr Amerikaner bis jetzt gewartet, um uns auf dem Balkan und in Osteuropa entgegenzutreten? Ihr hättet dies schon vor Jahren tun sollen. Jetzt ist es zu spät'." (Edgar Snow, 'Reise zum Anfang', London 1959, S. 357).
1946 sagte er zu Richard Hottelot, dem Moskauer Korrespondenten von Columbia Broadcasting System:
"Wenn der Westen nachgibt und Moskau sämtliche Forderungen erfüllt, ...dann wird er sich früher oder später mit der nächsten Serie von Moskauer Forderungen konfrontiert sehen." (Richard C. Hootelet, 'Washington Post', 21. Januar 1952, S. 1).
"Gegen Ende seiner langen und herausragenden Karriere im sowjetischen diplomatischen Dienst lockte Maxim Litwinow die ausländischen Gesprächspartner mit zunehmend offenherzigen Äußerungen der Opposition zur offiziellen Linie seines Arbeitgebers. In der Zeit von Mai 1943 bis Februar 1947 gab es gleich mehrere solcher nachweisbarer Fälle." (Wojtech Mastny: Ebenda, S. 266).
"Hinter den Kulissen agierte er (Litwinow - Verf.) als wichtigster Befürworter einer 'westlichen' Alternative zu Stalins 'Zwei-Lager-Theorie'." (Alexander Dallin: 'Alliierte Führung im Zweiten Weltkrieg: Stalin', in: 'Survey' - Überblick - Band 21, Nr. 1/2, Winter/Frühling 1975, S. 15).
"Maxim (Litwinow - Verf.) ... verfolgte die Entwicklung der sowjetischen Außenpolitik mit zunehmendem Missfallen. Der größte Teil seiner Zeit wurde von der Abfassung einer umfangreichen Denkschrift an Stalin in Anspruch genommen, in der er, wie er sich ausdrückte, 'Molotows Fehler' ausführlich untersuchte und kommentierte." (John Carswell: Ebenda, S. 161). Der Spanische Bürgerkrieg brach am 17. Juli 1936 aus, als die in Marokko stationierte Garnison der spanischen Armee gegen die republikanische Regierung meuterte. Die Tatsache, dass das Exekutivkomitee der Komintern erst am 18. September den Bürgerkrieg analysierte - zwei Monate später - weist darauf hin, dass es, ähnlich wie im Fall des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs, auf höchster Ebene der Sowjetischen Kommunistischen Partei und der Komintern Meinungsverschiedenheiten, was die einzuschlagende Linie dazu anbetraf, gab:
"Erst am 18. September 1936 brachte das Sekretariat des EKKI ... die Einschätzung der Komintern zum Spanischen Bürgerkrieg, der inzwischen schon zwei Monate alt war." (Edward H. Carr: 'Die Komintern und der Spanische Bürgerkrieg', London 1984, S. 20).
Und selbst dann wurde keine politische Orientierung formuliert:
"Es scheint, dass es zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges im Juli 1936 keine Stellungnahme der Komintern gegeben hat." (Jane Degras, Hrsg.: 'Die Kommunistische Internationale, 1919-43. Dokumente', Band 3, London 1975, S. 392).
Das von Revisionisten geführte sowjetische Außenministerium stellt sich in der spanischen Frage sofort auf die Seite der westlichen imperialistischen Mächte, statt auf die des spanischen Volkes:
"Die Idee der 'Nichteinmischung' in die spanischen Angelegenheiten ... entstand unmittelbar nach Beginn der Franco-Rebellion mitten im Herzen des britischen Außenministeriums." (Iwan Maiski: 'Spanische Notizen', London 1966, S. 27).
...und bereits am 5. August 1936 informierte das Sowjetische Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten den französischen Geschäftsträger in Moskau, dass
"die Regierung der Sowjetunion das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Spaniens anerkennt und bereit ist, sich an der vorgeschlagenen Vereinbarung zu beteiligen." (Sowjetisches Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten: Note an den französischen Geschäftsträger in Moskau vom 5. August 1936, in: Jane Degras, Hrsg.: 'Sowjetische Dokumente zur Außenpolitik', Band 3, London 1953, S. 203).
Am 23. August schließlich veröffentlichte das sowjetische Außenministerium ein Dekret, demzufolge
"der direkte oder indirekte Export, Re-Export und Transport von Waffen, Munition und Kriegsmaterial sowie Flugzeuge, montiert oder nicht montiert, und aller Kriegsschiffe nach Spanien" (Sowjetisches Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten: Note an den französischen Geschäftsträger in Moskau vom 23. August, in: Ebenda, S. 204f).
untersagt ist.
Das 'Nicht-Interventionskomitee' war natürlich eine Farce:
"Die Substanzlosigkeit des Nichteinmischungsabkommens zeigte sich sehr schnell. Die Treffen des Nichteinmischungskomitees wurden sehr bald zu einer Farce." (Edward H. Carr: Ebenda, S. 23).
Selbst die sowjetischen Revisionisten sprachen von der "Farce der Nichteinmischung",.. (Maxim Litwinow: Rede vor dem Außerordentlichen Achten Sowjetkongress, November 1936, in: 'Gegen die Aggression. Reden', London 1939, S. 66).
..die den faschistischen Aggressoren half:
"Dadurch, dass sie eine Politik der Nichtintervention betrieben, ... trugen die britische, französische und amerikanische Regierung zum Sieg des Faschismus in Spanien bei." ('Große Sowjetische Enzyklopädie', Band 31, New York 1982, S. 176).
Dennoch nahm die sowjetische Regierung bis März 1939 weiterhin am 'Nicht-Interventionskomitee' teil, lange nachdem es aufgehört hatte, auch nur formal funktionsfähig zu sein und stellte ihre Beteiligung erst ein, als Großbritannien und Frankreich offiziell das Francoregime anerkannt und die diplomatischen Beziehungen zu der republikanischen Regierung abgebrochen hatten:
"Am 27. Februar 1939 erkannten Großbritannien und Frankreich Franco offiziell an und brachen die diplomatischen Beziehungen mit der republikanischen Regierung ab. ... Am 4. März 1939 brachte die Nachrichtenagentur TASS die folgende Erklärung: 'In Zusammenhang mit der Tatsache, dass das Londoner Komitee für 'Nicht-Einmischung' schon seit geraumer Zeit aufgehört hat zu funktionieren und seine Existenzberechtigung verloren hat, beschloss der Rat der Volkskommissare der UdSSR am 1. März, seine Vertreter aus dem Komitee für 'Nicht-Einmischung' zurückzuziehen'." (Iwan Maiski: Ebenda, SS. 199, 203).
Stalins Haltung zum Spanischen Bürgerkrieg unterschied sich maßgeblich von der der sowjetischen Revisionisten. In einem Brief an den spanischen Ministerpräsidenten Largo Caballero vom Dezember 1936, der zusammen mit W. Molotow und K. Woroschilow unterzeichnet worden war, schrieb er:
"Wir haben es als unsere Pflicht angesehen und tun dies auch noch, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten der spanischen Regierung Hilfe leisten, die den Kampf aller Arbeiter und der gesamten spanischen Demokratie gegen die militärfaschistische Clique, welche nichts anderes als ein Instrument der internationalen Kräfte der Reaktion darstellt, richtet." (Josef W. Stalin, Wjatscheslaw Molotow & Kliment Woroschilow: Brief an den spanischen Ministerpräsidenten Largo Caballero vom 21. Dezember 1936, in: Jane Degras, Hrsg.: 'Sowjetische Dokumente zur Außenpolitik', Band 3, London 1953, S. 230).
Stalins Position unterschied sich jedoch nicht nur in Worten von der der Revisionisten, sondern auch in Taten. Es geschah auf Stalins Initiative hin, dass kurz nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges Stalin von den sowjetischen Sicherheitskräften Gebrauch machte, um sowjetische Militärhilfe an die spanische Regierung zu schicken. Walter Kriwitzki, der damalige Chef der Militärischen Sicherheit in Westeuropa, der sich jedoch später in den Westen absetzte, beschreibt wie dies geschah:
" ... am 14. September (1936 - Verf.) berief Jagoda (Genrik Jagoda, der damalige Volkskommissar für Innere Angelegenheiten - Verf.) auf Ersuchen Stalins eine Dringlichkeitssitzung in seinem Amtssitz in der Lubjanka in Moskau ein. ... Das Hauptproblem der Organisierung der Waffenlieferungen nach Spanien wurde auf der Lubjanka-Konferenz durch eine Entscheidung gelöst, wonach das Projekt gleichzeitig von Russland aus und vom Ausland her vorangetrieben werden sollte. Der ausländische Teil des Plans wurde mir zugewiesen; der inländische sollte von Jagoda selbst in die Hand genommen werden." (Walter G. Kriwitzki: Ebenda, S. 94f).
"Stalins Entscheidung zu intervenieren wurde ungefähr zur gleichen Zeit gefällt, als die Sowjetunion die Nicht-Einmischungsvereinbarung unterzeichnete." (Stanley G. Payne: Ebenda, S. 267f).
"Zwei Tage darauf brachte mir ein Sonderbeauftragter ... Anweisungen aus Moskau: 'Weiten Sie Ihre Operationen unverzüglich aus, um den Spanischen Bürgerkrieg abzudecken. Mobilisieren Sie alle verfügbaren Mittelsmänner und Einrichtungen, um sofort ein Verkaufs- und Transportsystem für die Lieferung von Waffen nach Spanien zu schaffen'." (Walter Kriwitzki: Ebenda, S. 100).
Die regelmäßige sowjetische Hilfe, die daraufhin einsetzte, war unverzichtbar, um die Verteidiger von Madrid in die Lage zu versetzen, die Hauptstadt zweieinhalb Jahre lang zu schützen:
"Die Ankunft russischer Hilfe Ende Oktober (1936 - Verf.) versetzte die Loyalisten (=die Verteidiger der freigewählten Spanischen Republik - Übers.) in die Lage, Francos Offensive vor Madrid zum Stehen zu bringen." (David T. Cattell: 'Sowjetdiplomatie und Spanischer Bürgerkrieg', Berkeley, USA, 1957, S. 57).
"Ohne die Unterstützung durch russisches Kriegsmaterial hätte der republikanischen Widerstand nicht über das Jahr 1936 hinaus weitergeführt werden können. ... Es folgte eine Lieferung nach der anderen .. mit 30 bis 40 Schiffen unterschiedlicher Tonnage pro Monat." (Pierre Broue & Emile Temime: Ebenda, SS. 366, 369).
Der Beschluss, sowjetische Militärhilfe an Spanien zu liefern, geschah nicht in Übereinstimmung mit dem Nicht-Interventionsabkommen, das die Sowjetregierung unterzeichnet hatte, widersprach jedoch keineswegs internationalem Recht:
"Stalin befand sich in Übereinstimmung mit internationalem Recht, das Waffenlieferungen an eine legitime Regierung in einem Bürgerkrieg erlaubt, jedoch ver letzte er dadurch den Nichteinmischungspakt." (David T. Cattell: 'Kommunismus und der Spanische Bürgerkrieg', hiernach zitiert als 'David T. Cattell, 1965', New York 1965, S. 73).
Aus diesem Grunde wurde
" ... der Beschluss (Waffen an Spanien zu liefern - Verf.), ... nicht dem Narkomindel (dem Volkskommissariat für Auswärtiges - Verf.) mitgeteilt und auch nicht anderen sowjetischen Regierungsstellen oder der Komintern." (Edward H. Carr: Ebenda, S. 25).
"Dieser Beschluss musste so geheim wie nur irgendmöglich gehalten werden." (Pierre Broue & Emile Temime: Ebenda, SS. 241, 366, 369).
Stalin
" ... hat zweifellos seinen Kommissaren zu Verstehen gegeben, dass die sowjetische Hilfe für Spanien inoffiziellen Charakter hatte und diskret geleistet wurde. ... Es war absolut wichtig, dass kein einziges Anzeichen einer offiziellen Regierungsbeteiligung an den Lieferungen (Waffenlieferungen nach Spanien - Verf.) nach außen drang." (Waltern Kriwitzki: Ebenda, SS. 93, 102).
Und tatsächlich wurde
"die Gewährung der Militärhilfe nie bestätigt. ... Nicht eine einzige kommunistische Zeitung erwähnte jemals die Lieferung der militärischen Ausrüstung." (David T. Catell, 1965: Ebenda, S. 72).
Die 'Schwarze Nation' in Amerika
Wenn die Kennas noch nicht davon überzeugt sind, dass es Zeiten gab, da Stalin gegen die Politik der Sowjetregierung und/oder der Komintern eingestellt war, möchten wir sie über den Atlantik entführen.
Stalin, der Hauptbegründer der marxistisch-leninistischen Theorie der Nation, spricht von einer einzigen amerikanischen Nation:
"Ein Teil der Engländer wanderte aus England aus und zog in ein neues Gebiet, Amerika, und gründete dort schließlich eine neue amerikanische Nation. ... England und Amerika ... stellen zwei verschiedene Nationen dar. Aber die Amerikaner selbst würden es nicht verdienen, eine Nation genannt zu werden, wären die verschiedenen Teile Amerikas nicht zu einem wirtschaftlichen Ganzen miteinander verbunden." (Josef W. Stalin: 'Marxismus und nationale Frage', Januar 1913, in: 'Werke', Band 2, Moskau 1953, S. 305).
Im Unterschied dazu, spricht eine am 30. Oktober 1930 verabschiedete Resolution des Politischen Sekretariats des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale von einer vorwiegend schwarzen Bevölkerung in bestimmten Südstaaten Amerikas (gemeint: die USA - Übers), die eine eigene Nation mit dem Recht auf Selbstbestimmung darstelle:
"Die Neger-Frage in den Vereinigten Staaten muss ... als Frage einer unterdrückten Nation angesehen werden. ... Die Negerzone im Süden, ... der Schwarze Gürtel, ... ist weder wirtschaftlich noch politisch ein ebenso integraler Bestandteil der ganzen Vereinigten Staaten wie andere Teile der Vereinigten Staaten. ... Das Recht auf Selbstbestimmung für die Neger als Hauptforderung der Kommunistischen Partei im Schwarzen Gürtel ist eine angemessene Forderung. ... Es ist, woimmer dies möglich erscheint, notwendig, sämtliche Distrikte des Südens, wo die Mehrheit der angesiedelten Bevölkerung aus Negern besteht, zu einer staatlichen Einheit zusammenzufügen. Innerhalb der Grenzen dieses Staates wird es natürlich eine bedeutende weiße Minderheit geben, die sich dem Recht auf Selbstbestimmung der Negermehrheit fügen muss. Dies bedeutet: vollständiges und unbegrenztes Recht der Negermehrheit, auf dem gesamten Gebiet des Schwarzen Gürtels die staatliche Autorität auszuüben." (Politisches Sekretariat des EKKI: Resolution zur Negerfrage in den Vereinigten Staaten, Oktober 1930, in: Jane Degras, Hrsg.: 'Die Kommunistische Internationale, 1919-1943: Dokumente', Band 3, London 1965, SS. 125, 129ff).
Dies ist eine klare Abweichung von der marxistisch-leninistischen Position hin zu einer auf Rassismus basierenden Position.
Schlussfolgerung
Die Frage, in welchen Punkten es den Revisionisten gelang, die KPdSU und die Komintern vom Weg des Marxismus-Leninismus abzubringen, ist eine wichtige Frage für jene, die darum bemüht sind, neue revolutionäre Parteien aufzubauen.
Es handelt sich um eine Frage, die konstruktiv und im Detail zum Nutzen aller innerhalb des Rahmens der Stalingesellschaft diskutiert werden könnte, vorausgesetzt, ihre Mitglieder unternehmen Schritte, um die gegenwärtige Entartung und den Niedergang zu überwinden, die unter dem schädlichen Einfluss der Majids entstanden sind, die sie zu einem Instrument der einseitigen Verbreitung des Revisionismus verwandelt haben.
(Veröffentlicht von der COMMUNIST LEAGUE, Ilford, Essex)
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