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W.B. Bland


Die Taktik der Einheitsfront


Erschienen in "Compass", Februar 1994


Die marxistisch-leninistische Taktik der Einheitsfront


Im Januar 1921 veröffentlichte das Zentralkomitee der Vereinigten Kommunistischen

Partei Deutschlands einen Offenen Brief, in dem an

" ...alle Arbeiter, Gewerkschafter und sozialistische Organisationen appelliert

wird, die Kräfte zusammenzutun für den Kampf gegen die Reaktion und die

Offensive des Kapitals gegen die vitalen Rechte der arbeitenden Menschen."

(Zentralkomitee der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands: Offener

Brief, in: 'Die Rote Fahne', 8. Januar 1921, in: Anmerkung zu Wladimir I. Lenin,

"Gesammelte Werke', Band 32, Moskau, 1965, S. 32).

Auf dem Dritten Kongress der Kommunistischen Internationale im Juni/Juli 1921 sprach

sich Lenin voll und ganz für die in dem Offenen Brief umrissene Taktik aus, wenn er sagte:

"Der 'Offene Brief' ist ein vorbildlicher politischer Schritt. Dies kommt in unseren

Thesen zum Ausdruck und wir müssen uns sicherlich daran halten."

(Wladimir I. Lenin, 'Rede zur Verteidigung der Taktik der Kommunistischen Inter-

nationale', 3. Kongress der Kommunistischen Internationale, Juli 1921, in: 'Aus-

gewählte Werke', Band 32, Moskau, 1965, S. 470).

In einem Brief an Grigori Sinowjew* meinte er:

"Die Taktik des Offenen Briefes sollte auf jeden Fall überall angewendet werden.

...All jene, die es nicht geschafft haben, die Notwendigkeit der Taktik des Offenen

Briefes zu verstehen, sollten innerhalb von einem Monat nach dem Dritten Kon-

gress aus der Kommunistischen Internationale ausgeschlossen werden."

(Wladimir I. Lenin, Brief an Grigori J. Sinowjew, 10. Juli 1921, in: 'Gesammelte Wer-

ke', Band 42, Moskau, 1969, S. 321).

Im Dezember 1921 wurde die Bezeichnung 'Einheitsfronttaktik' auf diese marxistisch-leni-

nistische Taktik angewandt, die im Kern darin bestand, auf die Bildung von Einheitsfronten

aller Arbeiter für ganz bestimmte begrenzte Ziele hinzuarbeiten. Alle Arbeiter und alle Orga-

nisationen, die sich überwiegend aus Arbeitern zusammensetzten, wurden dazu ermutigt,

eine aktive Rolle in der Einheitsfront zu spielen, deren Ziele sie unabhängig von ihren An-

sichten und politischen Ausrichtungen in anderen Fragen billigen:

"Die Interessen der kommunistischen Bewegung verlangen von den kommunisti-

schen Parteien und der Kommunistischen Internationale überhaupt die Unterstütz-

ung der Losung von der Arbeitereinheitsfront und dass sie in dieser Sache die Ini-

tiative ergreifen. ...

Die Arbeitereinheitsfront bezeichnet die vereinigte Front aller Arbeiter, die gegen

den Kapitalismus kämpfen wollen, was auch diejenigen miteinschließt, die den

Anarchisten, Syndikalisten usw. folgen."

(Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale, 'Direktiven zur Arbeiterein-

heitsfront', Dezember 1921, in: Jane Degras, Hrsg., 'Die Kommunistische Interna-

tionale, 1919-1943, Dokumente', hiernach zitiert als 'Jane Degras, Hrsg., 1971',

Band 1, London, SS. 311, 316).

"Die Weltlage sowie die Lage des internationalen Proletariats ... erfordern ... die

Errichtung einer vereinigten Front aller vom Proletariat unterstützten Parteien, un-

geachtet der Differenzen, die sie trennen, solange wie sie darauf bedacht sind, ei-

nen gemeinsamen Kampf für die unmittelbaren und dringenden Bedürfnisse des

Proletariats zu führen. ...Sie appelliert an die Proletarier in allen Parteien, alles in

ihren Käften Stehende zu unternehmen, damit auch ihre Parteien zu gemeinsamen

Aktionen bereit sind. ...

Reißt die Barrieren, die zwischen euch aufgerichtet worden sind, nieder und reiht

euch ein, ganz gleich, ob ihr Kommunisten oder Sozialdemokraten, Anarchisten

oder Syndikalisten seid, um für die Tagesbedürfnisse zu kämpfen. ...

Proletarier aller Länder vereinigt Euch !"

(Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale und der Roten Gewerk-

schaftsinternationale: Manifest zur Einheitsfront, Januar 1922, in: Jane Degras,

Hrsg.,1971, ebenda, Band 1, S. 317 ff.).

Die Taktik der Einheitsfront wurde nicht nur von Lenin gebilligt, sondern unter seiner Leitung

ausgearbeitet:

" ... dass die Linie gemeinsamer Aktionen zusammen mit Arbeitern der Zweiten

Internationale, die von einer Reihe von kommunistischen Parteien der Kommunisti-

schen Internationale vorgeschlagen wurde, ...gebilligt wird."

(Wladimir I. Lenin, Beschlussentwurf des Politbüros des ZK der RKP (B) zur Taktik

der Einheitsfront, Dezember 1921, in: 'Gesammelte Werke', Band 42, Moskau, 1969,

S. 367).

"Diese Thesen zur Einheitsfront ... wurden unter Lenins Leitung ausgearbeitet."

(Nicos Poulanzas, 'Faschismus und Diktatur. Die Dritte Internationale und das Prob-

lem des Faschismus', London, 1974, S. 157).

Dabei vergaß man nicht, dass einige Organisationen und Parteien, die sich überwiegend aus

Arbeitern zusammensetzten und vorgaben, ihre Interessen wahrzunehmen, in Wirklichkeit

jedoch den Interessen des Kapitals dienten. Tatsächlich war es das grundlegende Ziel der

Einheitsfronttaktik,

" ... die sozialistische Basis davon zu überzeugen, dass 'ihre Führer nicht kämpfen

wollen, nicht einmal für eine Scheibe Brot'."

(Franz Borkenau, 'Weltkommunismus. Geschichte der Kommunistischen Interna-

tionale', hiernach zitiert als 'Franz Borkenau 1971', Ann Arbor, USA, 1971, S. 224).

Aus diesem Grunde wurde die Betonung der Einheitsfronttaktik darauf gelegt, sie von unten

her zu errichten, durch Appelle an die Arbeiter, über die Köpfe ihrer Führer hinweg:

"Die Einheitsfront ist keine bloße Verbrüderung von Parteiführern und sollte dies

auch nicht sein. ... Die Einheitsfront bedeutet die Vereinigung aller Arbeiter, egal

ob Kommunist, Anarchist, Sozialdemokrat, Unabhängiger, Nicht-Parteigebundener

oder gar christlicher Arbeiter - gegen die Bourgeoisie. Mit den Führern zusammen,

wenn sie es denn wünschen, ohne sie, wenn sie gleichgültig beiseite stehen, trotz

der Führer und gegen sie, wenn sie die Arbeitereinheitsfront sabotieren. ...

Baut die Einheitsfront auch auf örtlicher Ebene, ohne auf die Zustimmung der Führer

der Zweiten Internationale zu warten ... in jeder einzelnen Fabrik, in jeder Grube, in

jedem Landstrich, in jeder Stadt. ... Die kommunistische Partei ist bereit, Schulter

an Schulter mit jedem Arbeiter gegen die Kapitalisten zu kämpfen."

(Stellungnahme des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale - EKKI -

zu den Ergebnissen der Berliner Konferenz, April 1922, in: Jane Degras, Hrsg., 1971,

ebenda, Band 1, S. 341 f.).

"Der Widerstand vonseiten der Führer der Zweiten Internationale hat die Versuche,

die Arbeitereinheitsfront von oben aufzubauen, zunichte gemacht. Es wird deshalb

zur Pflicht, alle Kräfte zu vereinen, um das Proletariat für den gemeinsamen Kampf

gegen die Führer der Zweiten Internationale zu organisieren. ...

Errichtet die Einheitsfront von unten !"

(Stellungnahme des EKKI zum Treffen des Komitees der Neun, Mai 1922, in: Jane

Degras, Hrsg., 1971, ebenda, Band 1, S. 351).

Dennoch: Die Kommunistische Internationale sprach sich in diesem Stadium entschieden

gegen eine Einheitsfront ausschließlich von unten aus, da eine solche Politik die Entlarvung

derjenigen Organisationen und Parteien erschwert hätte, die in Wirklichkeit gegen die Taktik

der Einheitsfront waren:

"Unsere Kongresse ... wiesen unsere geschäftsführenden Leiter an, jede sich bie-

tende Gelegenheit wahrzunehmen, um an Amsterdam und die Sozialdemokraten

heranzutreten mit der Aufforderung, den gemeinsamen Kampf gegen die kapitalis-

tischen Angriffe zu führen. ... Und falls sie sich stur dagegen stemmten, sollte eine

Einheitsfront über ihre Köpfe hinweg errichtet werden."

(Appell des EKKI sowie der Roten Gewerkschaftsinternationale - RILU - an alle Ar-

beiter zur Frage der Einheitsfront, Januar 1923, in: Jane Degras, Hrsg., 1971, eben-

da, Band 2, London, 1971, S. 2).

"Einmal mehr appellieren wir an die Führer der Zweiten und der Amsterdamer Inter-

tionale, eine Einheitsfront mit den Kommunisten zu bilden. Wir sind bereit, mit den

sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführern zu verhandeln, obwohl sich unsere

Meinung von ihnen erneut bestätigt hat und ganz besonders durch die neuesten Er-

eignisse."

(EKKI, Brief an die Französisch-Deutsche Arbeiterkonferenz in Frankfurt, März 1923,

in: Jane Degras, Hrsg., 1971, ebenda, Band 2, S. 15).

Dies war tatsächlich Lenins Politik:

"Der Sinn und Zweck dieser Taktik der Einheitsfront besteht darin, immer neue Mas-

sen von Arbeitern in den Kampf gegen das Kapital miteinzubeziehen, selbst wenn

dies bedeutet, an die Führer der Zweiten und Zwei-Ein-Halbten Internationale wieder-

holt zu appellieren, diesen Kampf gemeinsam zu führen."

(Wladimir I. Lenin, Resolutionsentwurf zum Bericht der RKP-Delegation zur Komin-

tern, März/April 1922, in: 'Ausgewählte Werke', Band 42, S. 411).


Die Notwendigkeit einer antifaschistischen Einheitsfront in

Deutschland in den Jahren 1930-1933


Zwischen 1930 und 1933 bestand die Hauptstrategie des europäichen Imperialismus da-

rin, einen deutschen Staat zu schaffen, der von der Nazi-Partei (der Nationalsozialistischen

Deutschen Arbeiterpartei) beherrscht sein würde, um dadurch zu erreichen, dass seine er-

klärte Politik, einen umfassenden Krieg gegen die sozialistische Sowjetunion zu entfesseln,

vorangetrieben würde.

Die Parlamentswahlen (deutsche Reichstagswahlen - Übers.) vom Juni 1932 ergaben folgende

Ergebnisse:

Partei Stimmen in Mill. % an Stimmen gew. Abgeordnete

SPD 8,6 24 133

KPD 4,6 13 89

insgesamt 13,2 37 222

NSDAP 6,4 18 230

Andere 15,4 45 155

Insgesamt 35,0 100 607

(Keesings Archive der Zeitgeschichte, Band 1, S. 415).

Unter diesen Umständen, da die Gefahr der faschistischen Diktatur deutlich geworden war,

war klar, dass die richtige marxistisch-leninistische Taktik darin bestehen musste, eine de-

fensive antifaschistische Einheitsfront all jener zu schaffen, die bereit waren, dem Faschis-

mus gegenüber aktiv Widerstand zu leisten, unabhängig von ihren Ansichten in anderen

Fragen.

Der deutsche revisionistische Politiker Wilhelm Pieck* gab auf dem Plenum des EKKI im

Dezember 1933 zu, dass nach Errichtung der Nazidiktatur

"die einzige Kraft, die die faschistische Diktatur hätte verhindern können oder sie

besiegen kann, die geeinte deutsche Arbeiterklasse ist."

(Wilhelm Pieck, 'Wir kämpfen für ein Sowjetdeutschland', in: '13. EKKI-Plenum',

London, 1934, S. 57).

Das Ringen um die Bildung einer antifaschistischen Front stellt nicht eine Abweichung vom

revolutionären Kampf um den Sozialismus dar, sondern ist ein wesentliches Merkmal dieses

Kampfes.

In dem Maße wie angesichts des zunehmenden Verfalls des Kapitalismus in seinem impe-

rialistischen Stadium die Bewegung für die sozialistische Revolution anwächst, werden die

begrenzten politischen Freiheiten, die unter der bürgerlichen Demokratie existieren, für die

herrschende Klasse zu gefährlich. Und da das Anwachsen der revolutionären Bewegung für

den Sozialismus der herrschenden Klasse schwerlich entgehen kann, ist es unvermeidlich,

das diese versuchen wird, einen Präventivschlag gegen die revolutionäre Bewegung und ge-

gen die bürgerliche Demokratie zu führen.

In einer solchen Situation benötigt die Bewegung für die sozialisische Revolution den Schutz

einer breiteren Bewegung, die all jene umfasst, die, unabhängig von ihren Ansichten in an-

deren Fragen, entschieden gegen den Faschismus sind. Wenn also die Faschisten gegen

die bürgerliche Demokratie eine Offensive starten, dann kann diese breite antifaschistische

Front - unter marxistisch-leninistischer Führung - in eine offensive revolutionär sozialistische

Front verwandelt werden, die in der Lage ist, die sozialistische Revolution durchzuführen.


Die revisionistische Kontrolle der Komintern


Im Dezember 1922 erlitt Lenin einen zweiten Schlaganfall, der seinem politischen Leben

praktisch ein Ende machte. Er starb im Januar 1924.

Stalin hatte in der Führung der Kommunistischen Internationale seit mehreren Jahren eine

aktive Rolle gespielt, in seinen 'Werken' befindet sich jedoch kein Beitrag mehr zu Komin-

ternfragen nach dem Achten Plenum des Exekutivkomitees der Komintern im Mai 1927.

Antisozialistische Historiker führen diese Tatsache im Allgemeinen auf Stalins 'mangeln-

des Interesse' an Komintern-Angelegenheiten zurück. Robert McNeal* zum Beispiel be-

hauptet:

"Stalin teilte nicht Lenins Engagement für die Idee der Kommunistischen Interna-

tionale und spielte auf ihren sieben 'Weltkongressen' keine aktive Rolle."

(Robert McNeal, 'Stalin, Mensch und Herrscher', Basingstoke, 1968, S. 218).

Die historische Wahrheit ist die, dass Stalin seit 1927 aus der aktiven Führung der Komin-

tern durch eine Koalition aus heimlichen Revisionisten, die sich in der Mehrheit befand,

verdrängt worden war.

Als 'Revisionisten' werden Elemente bezeichnet, die sich als Marxisten-Leninisten aus-

geben, tatsächlich jedoch den Marxismus-Leninismus in einer Weise entstellen, dass sie

damit den Interessen des Kaptitals Vorschub leisten.

Das leitende Organ der Komintern, das Politische Sekretariat, das im September 1928

nach dem 6. Weltkongress gewählt wurde, setzte sich danach aus folgenden elf Mitglie-

dern zusammen:

Henri Barbé*, Frankreich;

Thomas Bell*, Großbritannien;

Nikolai Bucharin*, Sowjetunion;

Chu Shui-pai*, China;

Jules Humbert-Droz*, Schweiz;

Otto Kuusinen*, Finnland;

Wjatscheslaw Molotow*, Sowjetunion;

Jossif Pjatnitzki*, Sowjetunion;

Hermann Remmele*, Deutschland;

Bohumir Smeral*, Tschechoslowakei;

Angelo Tasca*, Italien.

(Jane Degras, Hrsg., 1971, ebenda, S. 575).

Von diesen elf waren zwei (Bell und Molotow) mehr oder weniger prinzipienfeste Marxisten-

Leninisten, während die übrigen neun (Barbé, Bucharin, Chu, Humbert-Droz, Kuusinen,

Pjatnitzki, Remmele, Smeral und Tasca) heimliche Revisionisten waren.

Da jedoch die Marxisten-Leninisten in der Sowjetunion weiterhin die Kontrolle über die

sowjetische Staatssicherheit innehatten, war es zu riskant für diese Revisionisten in der

Führung der Komintern, offen eine konterrevolutionäre Politik zu verfolgen. Sie waren aber

in der Lage, den Marxismus-Leninismus auf revisionistische Weise zu entstellen, so dass

dadurch die Komintern-Politik in begrenztem Umfang den Interessen der einen oder ande-

ren kapitalistischen Klasse diente.

Im Juli 1929

" ... wurde Bucharin als Präsident der Komintern entfernt. Es wurde kein neuer

Präsident nominiert."

(Franz Borkenau 1971, ebenda, S. 339).

In der darauffolgenden Periode wurden die kommunistischen Parteien Westeuropas von

dem heimlichen Revisionisten Dimitri Manuilski* angeleitet:

"Im Westen zumindest war Manuilski jetzt der alleinige Führer der kommunisti-

schen Parteien."

(Franz Borkenau, 'Europäischer Kommunismus', London, 1953, hiernach zitiert

als 'Franz Borkenau 1953', S. 65).


Die pseudolinke Entstellung der Einheitsfrontpolitik, 1930-1933


Die grundlegende Strategie der Revisionisten - der unechten Marxisten-Leninisten, die

in Wirklichkeit Gegner des Sozialismus sind - in der Zeit, als der Nazismus an die Macht

kam, bestand darin, dem Faschismus in Worten entgegenzutreten, während sie in Taten

alles unternahmen, um die Bildung einer echten antifaschistischen Einheitsfront, die ihren

wahren Zielen hinderlich gewesen wäre, zu verhindern. Diese Strategie wurde dadurch er-

möglicht, dass sie die Kommunistische Internationale eine pseudolinke Abweichung von

der marxistisch-leninistischen Einheitsfrontpolitik annehmen ließen.

Im September 1924 definierte Stalin die Sozialdemokratie, objektiv gesehen, als 'Zwillings-

bruder' des Faschismus, als seinen 'gemäßigten Flügel' :

"Die Sozialdemokratie ist objektiv gesehen der gemäßigte Flügel des Faschis-

mus. ... Diese Organisationen (die Sozialdemokratie und der Faschismus - Hrsg.)

... bilden keinen Gegensatz, sondern sind Zwillinge."

(Joseph W. Stalin, 'Die internationale Lage betreffend', September 1924), in: 'Wer-

ke', Band 6, Moskau, 1953, S. 294).

Auf dem 10. Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, im Juli

1929, entstellte Otto Kuusinen Stalins These so, dass er die Sozialdemokratie mit dem

Faschismus unter dem Namen 'Sozialfaschismus' identifzierte:

"Die Ziele der Faschisten und der Sozialfaschisten sind die gleichen. ...Der So-

zialfaschismus entlarvt sich ganz offen als Faschismus."

(Otto Kuusinen, Bericht an das 10. EKKI-Plenum, in: 'Internationale Pressekorres-

pondenz', Band 9, Nr. 40, 20. August 1929, S. 848).

Tatsächlich beinhaltet schon der Begriff 'Sozialfaschismus'

" ...eine direkte Gleichsetzung der Sozialdemokratie mit dem Faschismus."

(Nicos Poulantzas, ebenda, S. 148).

"Bis Ende 1933 bezeichnete Moskau (hier: die Kominternführung - Übers.) die So-

zialisten (Sozialdemokraten) als 'Sozialfaschisten' ".

(Franz Borkenau 1953, ebenda, S. 74).

Auf dieser unrichtigen Annahme aufbauend - dass alle Sozialdemokraten in Wirklichkeit

Faschisten seien - wurde die pseudolinke Taktik 'Klasse-gegen-Klasse' entwickelt:

"In der Komintern wurde allmählich eine neue Taktik entwickelt, die danach offi-

ziell unter dem Namen 'Klasse-gegen-Klasse'-Taktik bekannt wurde. ...

Die Taktik 'Klasse-gegen-Klasse' basierte auf der Annahme, dass die reformis-

tischen Organisationen insgesamt bereits vollständig auf die Seite der bürgerli-

chen Klasse übergegangen seien. Zwischen den rechtsgerichteten Führern und

den Sozialdemokraten an der Basis wurde nicht mehr genau unterschieden."

(Institut für Marxismus-Leninismus, Zentralkomitee der KPdSU, 'Historischer

Abriss der Kommunistischen Internationale', Moskau, 1971, S. 269 f.).

Die Periode der 'Klasse-gegen-Klasse'-Taktik wurde in der Komintern als die 'Dritte Pe-

riode' bezeichnet:

"Der Wechsel von der Einheitsfront- hin zur 'Klasse-gegen-Klasse'-Taktik leitete

die Zeitspanne ein, die unter dem Namen ... 'Dritte Periode' bekannt wurde."

(Jane Degras, 'Die Einheitsfronttaktik in der Komintern', in: David Footman, Hrsg.,

'Internationaler Kommunismus', London, 1960, S. 22).

...oder richtiger als

" ...die dritte Periode der allgemeinen Krise des Kapitalismus."

(Agitprop-Abteilung des EKKI: Thesen zum 15. Jahrestag der Gründung der Kom-

munistischen Internationale, März 1934, in: Jane Degras, Hrsg., 1971, ebenda,

Band 3, S. 317).

Die Sozialdemokraten wurden jetzt als das 'Hauptbollwerk der kapitalistischen Klasse'

und deshalb als der 'Hauptfeind' der Arbeiterklasse, gegen den der Hauptschlag zu führen

sei, hingestellt.

Das 12. EKKI-Plenum vom August/September 1932

" ... bekräftigte die Notwendigkeit, den Hauptschlag gegen die Sozialdemokratie

als Hauptstütze der Bourgeoisie zu führen."

(Institut für Marxismus-Leninismus, ZK der KPdSU, ebenda, S. 329).

Auf dem gleichen Plenum erklärte Otto Kuusinen:

"Die Sozialdemokratie bleibt weiterhin die soziale Hauptstütze der Bourgeosie.

... Der Hauptschlag ... muss in der gegenwärtigen Periode ... gegen den Sozial-

faschismus und gegen die reformistische Gewerkschaftsbürokratie geführt wer-

den."

(Otto Kuusinen, 'Die internationale Lage und die Aufgaben der Sektionen der

Komintern', in: '12. EKKI-Plenum', London, 1932, SS. 105, 141).

Sogar auf dem 13. Plenum im Dezember 1933, nachdem die Nazis schon die Macht

ergriffen hatten, betonte Wilhelm Pieck immer noch, dass

" ... die Sozialdemokratie heute ihre Hauptaufgabe als das wichtigste Bollwerk der

Bourgeoisie erfüllt."

(Wilhelm Pieck, 'Wir kämpfen für ein Sowjetdeutschland', in: '13. EKKI-Plenum',

London, 1933, S. 7).

Tatsächlich vertrat die 'Klasse-gegen-Klasse'-Abweichung den Standpunkt, das der linke

Teil der Sozialdemokratie (der die Einheitsfronttaktik unterstützte) 'gefährlicher' sei als der

rechte (der die Einheitsfronttaktik ablehnte). Auf dem 10. Plenum im Juli 1928

" ... wurde den kommunistischen Parteien die Aufgabe gestellt, den Kampf gegen

die Sozialdemokratie zu verschärfen, besonders aber gegen ihren 'linken' Flügel. ...

Die Gleichsetzung der Sozialdemokratie ... mit dem Faschismus und die Proga-

gierung der Parole, den Hauptschlag gegen ihren linken Teil zu führen, der zum

Verbündeten der Kommunisten im Kampf gegen Reaktion und Faschismus hätte

werden können, war ein Fehler."

(Institut für Marxismus-Leninismus, ZK der KPdSU, S. 291).

Der Taktik 'Klasse-gegen-Klasse' zufolge war eine Einheitsfront nur von unten statthaft, d.h.

zusammen mit der sozialdemokratischen Basis:

"Eine wichtige Frage ... ist die Frage der permanenten Herstellung der Einheits-

front von unten."

('Wegweiser für das 12. EKKI-Plenum', London, 1933, S. 53).

"Was wir jetzt brauchen, ist die Einheitsfront von unten."

(EKKI: 'Manifest zum 1. Mai, April 1933, in: Jane Degras, Hrsg., 1971, ebenda,

Band 3, S. 267).

"Das 13. Plenum des EKKI appelliert an alle Sektionen der Kommunistischen In-

ternationale, unablässig für eine vereinigte militante Front mit den sozialdemokra-

tischen Arbeitern, gegen den Willen der verräterischen Führer der Sozialdemokra-

tie zu kämpfen."

(13. EKKI-Plenum: Thesen zum Faschismus, die Kriegsgefahr und die Aufgaben

der kommunistischen Parteien, Dezember 1933, in: Jane Degras, Hrsg., 1971,

ebenda, Band 3, S. 303).

Als sogar der Führer der Sozialdemokratischen Partei Rudolf Breitscheid* im November

1931 der Kommunistischen Partei ein Einheitsfrontangebot unterbreitete, wurde dieses

" ... als 'demagogisches Manöver' von der KPD zurückgewiesen."

(Ebenda, S. 213).

In einem offenen Brief des Zentralkomitees der KPD, der in der 'Roten Fahne' am 5. Ja-

nuar 1932 veröffentlicht wurde, wurde die Beschuldigung erhoben, dass

" ...die sozialdemokratischen Führer und die SAP (Sozialistische Arbeiterpartei -

Verf.) eine Einheitsfront nur deshalb vorschlagen würden, um Verwirrung zu stif-

ten und um die proletarische Einheitsfront unter der Führung der KPD zu zer-

setzen."

(Ebenda, S. 214).

Die neue Taktik beinhaltete das Abgehen von der marxistisch-leninstischen Taktik der

Einheitsfront:

"Die neue linke Politik, die in der Parole 'Klasse gegen Klasse' zum Tragen

kam, ...bedeutete das Abgehen von der Einheitsfronttaktik."

(Ebenda, Band 2, S. 424).

Anstatt dazu beizutragen, die sozialdemokratischen Führer als Saboteure einer Einheits-

front gegen den Faschismus zu entlarven, half diese Taktik diesen Führern, ihre diesbe-

zügliche Rolle zu verbergen.

Hinzukam, dass in dieser Zeit eine ganze Reihe von kommunistischen Parteien die Parole

einer 'Roten Einheitsfront' propagierten, d.h. für eine Front eintraten, die sich auf klassen-

bewusste Revolutionäre beschränken sollte:

"Eine Reihe von kommunistischen Parteien propagierten in dieser Zeit die Parole

einer 'Roten Einheitsfront' ... Das bedeutete in der Tat, dass die Einheitsfront nur

Arbeiter umfassen konnte, die ganz bewusst die Kommunisten unterstützten, wo-

durch diejenigen Arbeiter, die sich der Führung der Reformisten anschlossen, von

der Einheitsfront ausgeschlossen blieben. ...

Mit der Parole der Arbeitereinheitsfront konfrontiert, schlug diese Gruppe (die Neu-

mann-Remmele-Gruppe - Verf.) stattdessen die Parole von der 'Roten Einheitsfront'

vor, die schon im Vorfeld den Rahmen einer Einheitspolitik einengte."

(Institut des Marxismus-Leninismus, ZK der KPdSU, ebenda, SS. 313, 323).

In dieser Periode wies die Kommunistische Internationale auch die Vorstellung zurück, dass

es einen grundlegenden Unterschied zwischen der bürgerlichen Demokratie und dem Fa-

schismus gibt, womit ausgeschlossen wurde, dass die Arbeiterklasse ein Interesse an der

Verteidigung der bürgerlichen Demokratie gegen die Gefahr des Faschismus haben kann.

Das 11. EKKI-Plenum vom April 1931

" ...kam zu der Schlussfolgerung, dass es nötig sei, der Praxis ein Ende zu bereiten,

einen Unterschied 'zwischen Faschismus und bürgerlicher Demokratie zu machen

sowie zwischen der parlamentarischen Form der Diktatur der Bourgeoisie und ihrer

offen faschistischen Form'."

(Ebenda, S. 313).

In einer Resolution des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands vom Mai

1931 schließlich hieß es:

"Jeder Versuch auf liberale Weise zwischen Faschismus und bürgerlicher Demokra-

tie zu unterscheiden, ... kann nur der Sozialdemokratie helfen, die Arbeiter zu be-

trügen."

(ZK der KPD, Resolution vom Mai 1931, in: Ernst Thälmann, 'Einige Fehler in unse-

rer theoretischen und praktischen Arbeit und wie man sie beseitigen kann', in:

'Kommunistische Internationale', Band 8, Nr. 22, Dezember 1931, S. 754).

Als Folge dieser unrichtigen Formulierung wurden dann einige bestehende rechtsgerichtete

bürgerliche Regierungen fälschlicherweise als 'faschistisch' bezeichnet, wodurch die Gefahr

durch den wahren Faschismus unterschätzt und die 'Verteidigung gegen den Faschismus'

als nicht mehr nötig angesehen wurde:

"Die Gleichsetzung von bürgerlich-demokratischen Herrschaftsmethoden mit denen

des Faschismus führte zu einer gewissen Unterschätzung des Faschismus, führte

dazu, dass verschiedene bürgerlich parlamentarische Regierungen als faschistisch

bezeichnet wurden. Dies vernebelte das wirkliche Ausmaß der Gefahr, das die be-

stehenden faschistischen Kräfte darstellten."

(Institut für Marxismus-Leninismus, ZK der KPdSU, ebenda).

"Die Papen*-Schleicher*-Regierung ... hat eine Form faschistischer Diktatur errich-

tet."

(EKKI: Thesen des 12. Plenums zur internationalen Lage und den Aufgaben der

Sektionen der Komintern, September 1932, in: Jane Degras, Hrsg., 1971, ebenda,

Band 3, S. 224).

Die falsche Vorstellung, dass die Sozialdemokraten und nicht die Nazis der Hauptfeind der

Arbeiterklasse seien, führte sogar dazu, dass es zu einer begrenzten Zusammenarbeit

zwischen der KPD und der Nazipartei gegen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands

kam, wie dies im Falle des Volksentscheids zur Absetzung der Preußischen Regierung

deutlich wurde:

"Die Nazis und Nationalisten initiierten 1931 ein Referendum zur Absetzung der

Preußischen Landesregierung, die sich aus einer Koalition zwischen Sozialdemo-

kraten, Liberalen und Katholiken zusammensetzte."

(Franz Borkenau, 1953, ebenda, S. 75).

Die Führung der KPD beschloss, dass sich die Partei in dieser Frage enthalten sollte:

"Die Führer der KPD beschlossen sich zu enthalten."

(Edward H. Carr, 'Komintern im Zwielicht', London, 1982, hiernach zitiert als 'Ed-

ward H. Carr 1982', S. 42).

"Ende Juli 1932 schwenkte die KPD zum Erstaunen ihrer Mitglieder vollständig

um."

(Arthur Spencer, 'Nationalbolschewismus', in: 'Überblick', Nr. 44-45, Oktober 1962,

S. 148).

Auf Anweisung der Kommunistischen Internationale unterstützte sie dann das Referendum:

"Die ... Anweisung kam per Telegramm am 20. Juli. ...Das Zentralkomitee der KPD

beugte sich dem Willen Moskaus (gemeint: 'dem Willen der Kominternführung' -

Übers.)."

(Edward H. Carr 1982, ebenda).

"Im August 1931 unterstützte die KPD das Referendum, das von der NSDAP gegen

die sozialdemokratische preußische Regierung initiiert worden war. Das Zentralko-

mitee hatte zuerst beschlossen, den Schritt der Nazis abzulehnen, wurde aber vom

EKKI dazu überredet, seine Position wieder aufzugeben."

(Jane Degras, Hrsg., 1971, ebenda, Band 3, S. 153 f.).

Auf dem 12. Plenum des EKKI im August/September 1932 berichtete Jossif Pjatnitzki:

"Ihr wisst, dass die Führung der KPD dagegen war, sich an dem Referendum zur

Auflösung des Preußischen Landtages zu beteiligen. Einige Parteizeitungen hatten

Artikel gegen eine Beteiligung herausgebracht. Nach Rücksprache mit der Komin-

tern kam das Zentralkomitee jedoch zu der Auffassung, dass die Partei sich aktiv

an dem Referendum beteiligen sollte."

(Jossif Pjatnitzki, Rede vor dem 12. Plenum des EKKI, in: Jane Degras, Hrsg., 1971,

ebenda, S. 155).

Eine mögliche Barriere gegen die Einsetzung einer Nazidiktatur blieb noch: die deutsche Ge-

werkschaftsbewegung. Dementsprechend wurden Schritte von den Revisionisten (in der Ko-

minternführung - Übers.) unternommen, um diesem Instrument die Spitze zu brechen: Die

revisionistischen Führer der KI wiesen die Kommunisten an und drängten bei ihren Sympa-

thisanten darauf, sich aus den großen Gewerkschaften zurückzuziehen und ihre eigenen,

winzigen, machtlosen 'revolutionären' Splittergewerkschaften zu gründen.

Lenin hatte sich bereits in seiner Schrift, 'Der linke Radikalismus - eine Kinderkrankheit des

Kommunismus' im April 1920 über diese pseudolinke Abweichung lustig gemacht:

"Wir können diese tiefschürfenden, äußerst gelehrten und beängstigend revolutionä-

ren Abhandlungen der deutschen Linken darüber, weshalb Kommunisten in den re-

aktionären Gewerkschaften nicht mitarbeiten können oder sollten, weshalb es ge-

stattet sein soll, eine solche Arbeit zu verweigern, weshalb es angebracht sein soll,

die Gewerkschaften zu verlassen und an ihre Stelle völlig neuartige, kleine, saubere

'Arbeiter'-Gewerkschaften zu schaffen, die von außergewöhnlich netten und größten-

teils sehr jugendlichen Kommunisten usw. usw. erfunden wurden, nur als lächerli-

chen und ebenso kindischen Unsinn bezeichnen."

(Wladimir I. Lenin, 'Der linke Radikalismus - die Kinderkrankheit des Kommunismus.

Eine allgemeinverständliche Schrift zur marxistischen Strategie und Taktik', April

1920, in. 'Ausgewählte Werke', Band 10, London, 1946, S. 90).

Jetzt wurde diese pseudolinke Position zu den Gewerkschaften erneut vertreten - dieses Mal

von dem Revisionisten Solomon Losowski*:

"Im Frühjahr 1928 erreichte die Komintern ein Vorschlag von S. Losowski, einige

grundlegende Fragen der Taktik in der Gewerkschaftsbewegung betreffend. Er be-

merkte, dass die 'Arbeit in den reformistischen Gewerkschaften angesichts der

Existenz eines revolutionären Zentrums als logisches Ziel den Anschluss an das

revolutionäre Zentrum beinhalten sollte."

(Institut des Marxismus-Leninismus, ZK der KPdSU, ebenda, S. 270 f.).

Im August 1930 billigte der 5. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale

"den Beschluss der Revolutionären Gewerkschaftsopposition in Deutschland und

Polen, die Parole 'Rein in die reformistischen Gewerkschaften' fallenzulassen. 'Pa-

rallele Rote Gewerkschaften' sollten überll dort errichtet werden, wo die Situation

einen solchen Schritt rechtfertigen könne."

(Resolution des 5. Kongresses der Roten Gewerkschaftsinternationale, in: Jane

Degras, Hrsg., 1971, ebenda, S. 142).

"Die Gewerkschaften ... sollten gespalten werden und winzige und unbedeutende

kommunistische Splittergewerkschaften wurden überall errichtet."

(Franz Borkenau 1953, ebenda, S. 71).

Das Ergebnis dieses Schrittes war, dass, als der Naziputsch 1933 stattfand,

" ... der Aufruf der KPD zu einem Generalstreik keinerlei Widerhall fand."

(Jane Degras, Hrsg., 1971, ebenda, S. 216).

Auf dem 7. Weltkongress der KI im Jahre 1935 wurde zugegeben, dass dieser Schritt

ein sektiererischer Fehler gewesen war:

"Es wurde ein sektiererischer Fehler begangen: Die Revolutionäre Gewerkschafts-

opposition wurde in eine neue Gewerkschaft verwandelt und das Ergebnis war,

dass sie isoliert blieb."

(Wilhelm Pieck, Bericht des EKKI an den 7. Weltkongress der KI, August 1935,

in: Ebenda, S. 350).

Noch einige Zeit nach dem Naziputsch in Deutschland beharrte die Kommunistische Internationale

(gemeint: 'Die Führung derselben' - Übers.) darauf, dass ihre 'Klasse-gegen-Klasse'-Taktik,

die von der Kommunistischen Partei Deutschlands loyal mitgetragen

worden war - eine Taktik, die jenem Putsch den Weg ebnen half, - richtig gewesen sei. Im

April 1933 entschied das EKKI-Präsidium, dass

" ... die politische Linie und die organisationspolitischen Maßnahmen des ZK der

KPD ...vollkommen korrekt waren."

(EKKI-Präsidium, Resolution zur Lage in Deutschland, April 1933, in: Jane Degras,

Hrsg., 1971, ebenda, S. 257).

Mehr noch: Das EKKI behauptete, dass der Naziputsch 'die Entwicklung zur sozialistischen

Revolution in Deutschland beschleunigt hat':

"Die Aufrichtung einer offenen faschistischen Diktatur, die alle demokratischen Illusionen

bei den Massen zerstört und sie von sozialdemokratischen Trugbildern befreit, beschleunigt

das Tempo des deutschen Voranschreitens zur proletarischen Revolution."

(EKKI-Präsidium, Resolution zur Lage in Deutschland, April 1933, in: Jane Degras,

Hrsg., 1971, ebenda, S. 262).


Schlussfolgerung


Den Revisionisten in der Führung der Kommunistischen Internationale gelang es,

durch die Pervertierung der Einheitsfronttaktik zu einer pseudolinken Orientier-

ung den effektiven Widerstand gegen den Naziputsch vom Januar 1933 zu sabo-

tieren.

Nachdem der Putsch erfolgreich gewesen war, änderte sich die Interessenlage der

imperialistischen Mächte in Europa. Von jetzt an bestand das Hauptinteresse da-

ran, die Beschwichtigungspolitik gegenüber den deutschen Imperialisten voranzutreiben.

Das bedeutete: sie in Worten wegen ihrer Aggressivität zurechtzustutzen,

sie aber in Taten dazu zu ermuntern, in Richtung Sowjetunion zu expandieren.

Im Jahre 1934 änderte sich denn auch die Politik der Revisionisten, die die

Kommunistische Internationale dominierten: Sie änderten ihre Politik, um sie den neuen

Bedürfnissen der Imperialisten anzupassen.


Biografische Anmerkungen


Barbe, Henri, revisionistischer französischer Politiker, 1902-1966; Mitglied des Politi-

schen Sekretariats des EKKI, 1927-1931; aus der Französischen Kommunistischen

Partei ausgeschlossen, 1934; Generalsekretär der faschistischen Französischen Volks-

partei, 1936-39; als Kriegsverbrecher inhaftiert, 1945-1949.

Bell, Thomas, marxistisch-leninistischer britischer Politiker, 1882-1940; Mitglied des

Politischen Sekretariats des EKKI, 1928-1929; Präsident der Vereinigung der Freunde

der UdSSR, 1930-1936; arbeitete für die Internationale Rote Hilfe, 1936-1939.

Breitscheid, Rudolf, sozialdemokratischer deutscher Politiker, 1874-1944; Preußischer

Innenminister, 1918-1919; Vorsitzender der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion,

1922-1933; nach Frankreich, 1933; von den Nazis inhalftiert, 1940; starb 1944 im KZ

Buchenwald.

Bucharin, Nikolai I., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1888-1938; Stellvertreten-

der Vorsitzender des EKKI, 1919-1926; Mitglied des Politischen Sekretariats des EKKI

und Präsident der Komintern bis 1929; Chefredakteur der 'Iswestija', 1933-1937; wegen

Hochverrats 1938 für schuldig befunden und hingerichtet.

Chu Shiu-pai, revisionistischer chinesischer Politiker, 1899-1935; Sekretär der KP Chi-

nas, 1927-1928; Mitglied des Politischen Sekretariats des EKKI, 1928-1931; nach Chi-

na zurück, 1930; Erziehungskommissar in der Chinesischen Sowjetregierung, 1934-1935;

von Kuomintang-Truppen 1935 hingerichtet.

Humbert-Droz, Jules, revisionistischer schweizer Politiker, 1891-1971; Mitglied des Po-

lischen Sekretariats des EKKI, 1926-1928; in die Schweiz, 1931; aus der Schweizer KP

ausgeschlossen, 1943; Sekretär der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, 1947- 1958.

Kuusinen, Otto W., revisionistischer finnischer Politiker, 1881-1964; Mitglied des Politi-

schen Sekretariats des EKKI, 1928-1943; Präsident der Karelo-Finnischen Sozialisti-

schen Sowjetrepublik, 1940-1958.

Losowski, Solomon, revisionistischer sowjetischer Politiker, 1878-1952; Generalsekre-

tär der Roten Gewerkschaftsinternationale, 1921-1937; Direktor des Staatlichen Literatur-

verlages, 1937-1939; Stellvertretender Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten

der UdSSR, 1939-1946; Stellvertretender Leiter des Sowjetischen Informationsbüros,

1941-1948; verhaftet und wegen Hochverrats für schuldig befunden, 1949; starb 1952 im

Gefängnis.

McNeil, Robert H., US-Historiker, 1930-; Geschichtsprofessor an der Alberta-University,

1954-1958; außerordentlicher Professor für Geschichte an der Universität von Toronto,

1964-1969; ab 1969 Professor für Geschichte an der University of Massachusetts.

Manuilski, Dimitri Z., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1883-1959; Sekretär der

KP der Ukraine, 1921-1922; Mitglied des Politischen Sekretariats des EKKI, 1926-1943;

Hauptvertreter der KPR (B) bei der Komintern, 1923-1943; Stellvertretender Ministerpräsi-

dent der Ukraine und Außenminister, 1944-1950.

Molotow, Wjatscheslaw M., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1890-

1986; Mitglied des Politischen Sekretariats des EKKI, 1928-30; Ministerpräsident der

UdSSR, 1930-1941; Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR, 1939-

1949; Stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister der UdSSR, 1953-1957;

Minister für Staatliche Kontrolle, 1956-1957; Botschafter der UdSSR in der Mongolischen

Volksrepublik, 1957-1960; Vertreter der UdSSR bei der Internationalen Atomenergiebehörde,

1960-1962; von Revisionisten aus der KPdSU ausgeschlossen, 1962; erneut Mitglied, 1984.

Neumann, Heinz, deutscher revisionistischer Politiker, 1902-1937; KPD-Vertreter bei der

Komintern, 1925-1932; in die Sowjetunion, 1935; verhaftet und wegen Hochverrats zum

Tode verurteilt und hingerichtet, 1937.

Papen, Franz von, deutscher Diplomat und Politiker, 1879-1969; Reichskanzler, 1932;

Vizekanzler, 1933-1934; Botschafter in Österreich, 1934-1938; Botschafter in der Türkei,

1939-1944; vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal freigesprochen, 1945.

Pjatnitzki, Jossif A., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1882-1939; Mitglied des

Polnischen Sekretariats des EKKI, 1926-1935; verhaftet, 1937; wegen Hochverrats für

schuldig befunden, 1938; hingerichtet, 1939.

Pieck, Wilhelm, revisionistischer deutscher Politiker, 1876-1960; Mitglied des Politischen

Sekretariats des EKKI, 1931-1943; nach Berlin, 1945; Präsident der Sozialistischen Ein-

heitspartei Deutschlands, 1946-1960; Präsident der Deutschen Demokratischen Republik,

1949-1960.

Remmele, Hermann, revisionistischer deutscher Politiker, 1886-1939; Mitglied des Politi-

schen Sekretariats des EKKI, 1926-1933, in die Sowjetunion, 1933; aus der Komintern

ausgeschlossen, 1933; verhaftet, 1937; wegen Hochverrats für schuldig befunden, 1938;

hingerichtet, 1939.

Schleicher, Kurt von, deutscher Militäroffizier und Politiker, 1882-1934; Generalleutnant,

1931; Kriegsminister, 1932; Reichskanzler, 1932-1933; von den Nazis ermordet, 1934.

Sinowjew, Georgi J., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1883-1936; Vorsitzender

des EKKI, 1919-1926, aus der KPdSU ausgeschlossen, 1926, 1932, 1934; wegen Hoch-

verrats für schuldig befunden und hingerichtet, 1936.

Smeral, Bohumir, revisionistischer tschechoslowakischer Politiker, 1880-1941; Mitglied

des EKKI-Präsidiums, 1922-1935; in die Tschechoslowakei, 1935; in die Sowjetunion,

1938; starb in Moskau, 1941.

Tasca, Angelo, revisionistischer italienischer Politiker, 1892-1960; Mitglied des Politi-

schen Sekretariats des EKKI, 1929; aus der Italienischen KP und der KI ausgeschlos-

sen, nach Paris, 1929; Herausgeber der sozialdemokratischen Zeitung 'Populaire', 1934-

1937; Direktor des italienischen Dienstes bei Radio France, 1937-1940, starb in Paris, 1960.


Bibliografie


Borkenau, Franz, 'Europäischer Kommunismus', London, 1953.

Ders.,'Weltkommunismus. Die Geschichte der Kommunstischen Internationale', Ann Ar-

bor, USA, 1971.

Carr, Edward H., 'Komintern im Zwielicht', London, 1982.

Degras, Jane, 'Einheitsfronttaktiken in der Komintern', in: Footman, David, Hrsg.,'In-

ternationaler Kommunismus', London, 1960.

Dies., 'Die Kommunistische Internationale', 1919-1943. Dokumente', Band 1, 2 und 3,

London, 1971.

Institut für Marxismus-Leninismus, Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der

Sowjetunioin, 'Abriss der Geschichte der Kommunistischen Internationale', Moskau, 1971.

Lenin, Wladimir I., 'Ausgewählte Werke', Band 32, Moskau 1965, Band 42, Moskau, 1969.

McNeil, Robert H., 'Stalin. Mensch und Herrscher', Basingstoke, 1968.

Poulantzas, Nicos, 'Faschismus und Diktatur. Die Dritte Internationale und das Pro-

blem des Faschismus', London, 1974.

Spencer, Arthur, 'Nationalbolschewismus', in: 'Survey', Nr. 44-45, Oktober 1962.

Stalin, Joseph W., 'Werke', Band 6, Moskau, 1953.


Zeitschriften und Dokumente


'Kommunistische Internationale'

'Internationale Pressekorrespondenz'

'Keesings Archive der Zeitgeschichte'

'Survey' (Überblick)

'12. EKKI-Plenum', London, 1932

'13. EKKI-Plenum', London, 1934

'Wegweiser zum 12. Plenum des EKKI', London, 1933.