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Zeittafel zum NKWD
1917
Oktober/November 1917
Nach der Oktoberrevolution Gründung der 'Tscheka', der 'Außerordentlichen Kommission', russ.: 'tschreswytschajnaja kammissija'. Ursprüngliche Aufgabe: Bewachung des Hauptquartiers der Revolution in Petrograd; Leiter: Felix Dserschinski.
20.12. 1917
Der Aufgabenbereich der Tscheka wird auf Initiative Lenins und Dserschinskis hin auf den Kampf gegen die Konterrevolution, gegen Sabotage u.a. erweitert.
1918
Juni 1918
Jede Provinz, jeder Bezirk mit Arbeiter-und Soldatenräten (Sowjets), erhält eine eigene Tscheka mit breitem Aufgabenbereich, einschl. der Spionageabwehr, der Durchsetzung von Dekreten der Revolutionsregierung; Tschekisten beteiligen sich am Kampf gegen die weiße Konterrevolution und ihre Verbündeten aus insgesamt 14 Ländern, die in die junge Sowjetrepublik eingefallen sind.
1919
März 1919
Dserschinski wird 'Kommissar für Innere Angelegenheiten' und Vorsitzender der Tscheka. D. ist ein enger Vertrauter Lenins und Stalins und Gegner Trotzkis. Stellt z.B. - anders als Trotzki bezüglich der Roten Armee - dieser übernimmt ehemalige Zarenoffiziere in die Rote Armee, die sich oft als unzuverlässig erweisen - keine ehemaligen Angehörigen aus der zaristischen Geheimpolizei, der 'Ochrana', ein.
Mitte 1919
Allrussische Tscheka auf Initiative von Dserschinski gegründet. Wjatscheslaw R. Menschinski (Marxist-Leninist) und Genrich Jagoda (Mitglied der rechten Opposition) u.a. werden seine Stellvertreter. Es beginnt der Kampf um die Kontrolle der Tscheka zwischen den Marxisten-Leninisten um Stalin und den Revisionisten um Trotzki und Bucharin.
1922
Die Tscheka wird nach dem vorläufigen Sieg über die weiße Konterrevolution in GPU umbenannt ('Staatliche Politische Verwaltung', russ.: gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenije). Sie untersteht jetzt direkt dem Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten, also dem Innenministerium der jungen Sowjetrepublik.
1923
September 1923
GPU wird in 'OGPU' umbenannt: 'Vereinigte Staatliche Politische Verwaltung'. Sie steht unter der gemeinsamen politischen Leitung von F. Dserschinski und W.R. Menschinski, d.h. unter marxistisch-leninistischer Führung.
1926
Juli 1926
Tod von Felix Dserschinski (Schlaganfall). Menschinski übernimmt alleine die Führung der OGPU.
Jagoda bleibt jedoch Stellvertreter.
1933
Gründung der Sonderabteilung des Zentralkomitees zur Unterstützung des NKWD, besonders für den Kampf gegen die innere Konterrevolution. Leiter: Alexander N. Poskrebyschew, Stalins Privatsekretär. Diese Abteilung führt eigene Untersuchungen durch und reicht sie an das OGPU weiter, so dass das OGPU nicht mehr das alleinige Recht hat, Untersuchungen zu führen.
20. Juni 1933
Gründung der sowjetischen Generalstaatsanwaltschaft. Leiter: Andrej J. Wyschinski, ein Marxist-Leninist.(Wyschinski leitet später, von 1936 bis 1938, die öffentlichen Prozesse gegen die innere Konterrevolution). Das Material kommt nicht nur vom NKWD, sondern in erster Linie von der Sonderabteilung Poskrebytschews.
1934
OGPU wird in 'NKWD' umbenannt (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten, russ.: narodny kommissariat wnutrennich del.). Ermordung Menschinskis durch eine Verschwörung der Opposition unter Führung von Genrich Jagoda: mit Hilfe des Arztes Levin, Jagodas Komplice, wird Menschinski falsch behandelt und stirbt an den Folgen. Jagoda ist Chef des NKWD, d.h. das NKWD befindet sich jetzt unter der Kontrolle der rechten und trotzkistischen Opposition.
Die alte OGPU wird in 'GUGB' umbenannt, 'Hauptverwaltung für Staatssicherheit', der ebenfalls Jagoda vorsteht. GUGB bleibt Teil des NKWD, untersteht ihm.
1936
Entlassung Jagodas wegen 'Ineffizienz' bei der Verfolgung und Aufdeckung konterrevolutionärer Verschwörerungen. Jagoda hatte die Nachforschungen sabotiert. 1938 wird Jagoda zusammen mit Bucharin, Rykow, Levin, Krestinski u.a. Mitgliedern des antisowjetischen 'Blocks der Rechten und Trotzkisten' angeklagt und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Jagoda gestand auch, den Schriftsteller Maxim Gorki und seinen Sohn Peschkow durch Levins Falschbehandlungen liquidiert zu haben.
Im gleichen Jahr übernimmt Nikolai Jeschow den Vorsitz im NKWD. Jeschow ist ebenfalls Mitglied der vereinigten rechten und trotzkistischen Opposition.
Das NKWD bleibt also auch nach Jagodas Entlarvung und Entlassung unter revisionistischer Kontrolle. Jeschow wird auf dem 18. Parteitag der KPdSU 1939 als Attentäter Stalins entlarvt und verhaftet. 1941 hingerichtet.
1936-1938
Wüten der konterrevolutionären 'Jeschowtschina'. Unter Leitung Jeschows werden 'Troikas' eingerichtet, die im Schnellverfahren (Verfahrensdauer oft nur 10 Minuten wie im Fall des ungarischen Kommunisten Bela Kun) 'verdächtige Konterrevolutionäre' zum Tode verurteilen. Jeschow erlässt eigenmächtig den 'Befehl für Innere Angelegenheiten' vom 15. August 1937, Nr. 00486, der weit über den Beschluss des Politbüros der KPdSU vom 5. Juli 1937 hinausgeht und sogar die Verhaftung von Kindern wegen 'antisowjetischer Aktivitäten' ermöglicht. Kinder werden als 'Terroristen' angeklagt. Der 'Jeschowschina', die die Kampagne gegen das rechte und trotzkistische Zentrum umfunktionierte, um ehrliche Kommunisten reihenweise auszuchalten, fallen Tausende der besten Kommunisten in der Sowjetunion, darunter viele Angehörige der Exil-KPD wie Werner Hirsch, Thälmanns Sekretär oder Hermann Schubert, von Thälmann zum Nachfolger ernannt, Fritz Schulte u.a. zum Opfer. Auf das Konto der Jeschow-Leute geht die fast vollständige Auslöschung der thälmanntreuen Kader der alten KPD, die in der Sowjetunion im Exil lebten, aber auch viele Antifaschisten werden willkürlich verfolgt und verurteilt wie die Brecht-Schaupspielerin Carola Neher, Zensl Mühsam, Frau des Anarchisten Erich Mühsam, Max Hölz u.a.
1938
Ende 1938: Der Stalin-Vertraute und georgische Parteichef Lavrenti P. Berija wird Nachfolger Jeschows. Jeschow hatte geplant, auch ihn umbringen zu lassen, was im letzten Moment durch die Entlarvung und Verhaftung Jeschows verhindert werden kann. Berija tauscht die gesamte Führungsspitze des NKWD aus, durchweg Vertreter der rechten Opposition, und besetzt die führenden Positionen mit zuverlässigen Marxisten-Leninisten, die oft aus der georgischen KP stammen.
Berija erlässt Amnestie. Viele unschuldig von Jeschows 'Troikas' Verurteilte kehren aus den Lagern und Gefängnissen zurück, viele Verfahren werden neu aufgerollt. Aufhebung der Willkürjustiz und Einführung verfassungsgemäßer Verfahren. Damit hat das NKWD wieder eine marxistisch-leninistische Führung.
1941
Beginn der Aufspaltung des NKWD:
3.2.: Die Staatssicherheit (GUGB) wird aus dem NKWD ausgegliedert und in NKGB (narodny kommissariat gossudarstwennoi besopasnosti, Volkskommissariat für Staatssicherheit) umbenannt. Leiter wird W.N. Merkulow, ein Stellvertreter und Vertrauter Berijas. Berija bleibt Chef des NKWD.
1943
April 1943: Während des Großen Vaterländischen Krieges wird die 'Smersch' geschaffen (Abk. für 'Tod den Spionen'), eine Einrichtung der militärischen Gegenspionage. Viktor S. Abakumow wird ihr Leiter, ein Marxist-Leninist, der 1954 von den Chruschtschowianern hingerichtet werden sollte.
1946
NKGB und NKWD werden Ministerien ('MGB' und 'MWD'). Smersch wird in das MGB eingegliedert. S.N. Kruglow, ein Revisionist, löst Berija ab, der von Stalin die Verantwortung für die Schaffung der sowjetischen Atombombe übertragen bekommt. S. D. Ignatjew, ein Vertrauter Chruschtschows, wird Nachfolger von Abakumow. Damit sind die Sicherheitskräfte nicht mehr ausschließlich unter marxistisch-leninistischer Führung.
1953
5.3.: Stalins 'Tod'. Vorangegangen war die systematische Demontage des Sicherheitssystems, das Stalin umgeben hatte. Ein Putschversuch von MWD-Einheiten am Tag von Stalins Begräbnis wird aufgeschoben angesichts einer Menge von mehreren Millionen Menschen, die Stalin die letzte Ehre in Moskau erweisen. Der Putsch der Chruschtschowianer wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben: Auf Anfang Juli 1953.
15.3.: Berija als Innenminister, unter Georgi Malenkow als Mininsterpräsident, gelingt es, beide Ministerien, MGB und MWD, wieder zu einem einheitlichen Sicherheitsapparat zu vereinigen, wodurch die Staatssicherheit wieder gestärkt und von einem Marxisten-Leninisten kontrolliert wird.
Anfang Juli 1953: Berija wird aus einer Präsidiumssitzung der KPdSU heraus von Georgi Shukow u.a. hochrangigen Militärs verhaftet und im Dezember 1953 'als Agent des Imperialismus' zum Tode verurteilt. Auch Leonid Breschnew, ein Vertrauter Chruschtschows und späterer revisionistischer Generalsekretär der KPdSU und Staatschef der UdSSR (von 1964 bis 1981) nimmt als Militär schon an dieser Aktion teil. Das Komplott der Chruschtschowianer ist erfolgreich. Die Revisionisten befinden sich jetzt an der Macht. Berijas Nachfolger wird Kruglow, ein Chruschtschowianer. Damit kontrolliert die ehemalige rechte Opposition, jetzt an den Schalthebeln der Macht, wieder das 'NKWD' (jetzt MWD).
1954
13.3. 1954: Das MGB, die Staatssicherheit, wird aus dem MWD
wieder ausgelagert und in 'KGB' umbenannt. KGB=Kommissariat für Staatssicherheit des Ministerrats der UdSSR. Diese Trennung bleibt bis 1990, bis zur Auflösung der UdSSR, bestehen.
Im gleichen Jahr: Prozesse der Revisionisten gegen ehemalige Chefs der Sicherheitskräfte, wie gegen Viktor Abakumow u.a., die mit Todesurteilen enden.
Anmerkung 1:
Auch die sowjetischen Arbeitslager wurden vom NKWD kontrolliert.
Anmerkung 2:
Einige wichtige Prozesse gegen die Konterrevolution:
1922 (noch unter Lenin): Prozess gegen die Sozialrevolutionäre;
1928: Schachty-Prozess;
1930: Prozess gegen die 'Industriepartei';
1933: Prozess gegen die britischen Vickers-Ingenieure;
1936: Prozess gegen das trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum;
angeklagt sind z.B. Sinowjew, Kamenjew, der Pieck-Sekretär Fritz David u.a.;
1937: Prozess gegen das antisowjetische trotzkistische Zentrum; angeklagt sind z.B. Pjatakow, Radek u.a.;
1938: Prozess gegen den anti-sowjetischen Block der Rechten und Trotzkisten; angeklagt sind z.B. Bucharin, Jagoda u.a.
Im gleichen Jahr: Prozess gegen die militärische Tuchatschewski-Verschwörung (nicht-öffentlich);
1950: Prozess gegen das 'Leningrader Zentrum', um Nikolai Wosnessenski, ehemaliger Chef der Staatlichen Plankommission, u.a.
Auf Intervention der Chruschtschowianer bleibt Alexsej Kossygin, der spätere Ministerpräsident der UdSSR unter Leonid Breschnew, verschont. Kossygin gehörte ebenfalls zum Kreis um Wosnessenski. Das 'Leningrader Zentrum' hatte versucht, eine kapitalistische Wirtschaftsreform einzuleiten, die dann erst später, nach dem Machtantritt der Revisionisten, ab 1965, eingeleitet wurde und den Kapitalismus in der Sowjetunion hinter roten Fahnen restaurierte.