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Ungarn 1956(1) Der Hintergrund - Stalins letzte Regierungsjahre
'Alliance' (kanadische marxistisch-leninistische Gruppe, eigentlich 'Alliance Marxist-Leninist' - G.) vertritt die Ansicht, dass Stalin Marxist-Leninist gewesen sei.
Zusammen mit der 'Communist League' ('Kommunistischer Bund', ehem., inzwischen aufgelöste britische marxistisch-leninistische Gruppe, die von dem britischen Kommunisten William B. Bland gegründet wurde) vertreten wir auch die Meinung, dass Stalin von Revisionisten umgeben war, die an der Wiederherstellung des Kapitalismus interessiert waren. Dies führte dazu, dass Stalin auf dem 19. Parteitag der KPdSU (abgehalten in Moskau, Okt. 1952 - G.) nicht mehr die führende Position innehatte, sondern schon zur Seite geschoben worden war. Auf dem Parteitag trat Georgi Malenkow (1902-1988) an seine Stelle, der von Chruschtschow und seinen Verbündeten ausgesucht worden war, weil dieser offensichtlich leicht von den Revisionisten manipuliert werden konnte. Dazu Bland:
"Die Marxisten-Leninisten in der Führung der KPdSU, angeführt von Stalin, befanden sich in einem ständigen Kampf gegen den Pseudo-Marxismus-Leninismus, den Revisionismus. Stalin bezog sich verschiedene Male auf diesen Kampf und gab zu, dass die Revisionisten auf dem Gebiet der Ideologie nicht gänzlich erfolglos geblieben waren, wenn er sagte: 'Die Quelle dieser 'Haltung', der Nährboden, auf dem sie entstanden ist, ist das Anwachsen des bürgerlichen Einflusses innerhalb der Partei ... der erbitterte Kampf zwischen den kapitalistischen und sozialistischen Kräften in unserer Volkswirtschaft. Die kapitalistischen Elemente kämpfen nicht nur auf dem Gebiet der Ökonomie, sie versuchen den Kampf auch auf das Gebiet der proletarischen Ideologie auszudehnen, ... und man kann nicht sagen, dass ihre Bemühungen gänzlich erfolglos geblieben sind.' (J. W. Stalin, 'Fragen und Antworten', Juni 1925, in: 'Werke', Bd. 7, Moskau 1954, S. 166f)."
Im Laufe der Jahre gelang es den noch verdeckt arbeitenden Revisionisten in den führenden Positionen der sowjetischen Partei, ihren Einfluss nach und nach zu vergrößern und den der Marxisten-Leninisten zu verkleinern.
Bis 1927 machte Stalin zahlreiche Beiträge in der Kommunistischen Internationale, um ihre Entscheidungen, ihre Arbeit zu beeinflussen. Nach 1927 gelang es den heimlichen Revisionisten, diese Beiträge zu unterbinden. Um diese Tatsache der revisionistischen Legende anzupassen, dass Stalin sowohl in der KPdSU als auch in der Komintern diktatorische regierte, wurde die erfundene Geschichte verbreitet, dass
" ... Stalin nicht Lenins Engagement für die Kommunistische Internationale teilte." (Robert H. McNeal, 'Stalin - Mensch und Machthaber', Basingstoke 1988, S. 218).
Obwohl das Zentralkomitee der KPdSU 1946 ankündigte, Stalins Werke in 16 Bänden herauszubringen, wurde die Veröffentlichung 1949 mit Band 13 gestoppt, womit nur die Zeit bis 1934 abgedeckt war (vgl. Vorwort zu: J. W. Stalin, 'Werke', Band 1, Moskau 1952, S. 11-14).
Im Oktober 1952 gelang es den Revisionisten, Stalin das Amt des Generalsekretärs der KPdSU zu nehmen. Er war fortan nur einer unter anderen ZK-Sekretären:
"Am 3. April 1922 wählte das Plenum des Zentralkomitees auf Lenins Antrag hin Stalin zum Generalsekretär der Partei. Stalin diente in dieser Position bis Oktober 1952, und danach, bis zu seinem Tode, war er Sekretär des Zentralkomitees." (Enzyklopädisches Wörterbuch, russ., Moskau 1955, S. 310).
Boris Nikolajewski in 'Macht und sowjetische Elite', New York 1965, S. 92:
"Stalin hörte auf, Generalsekretär des ZK zu sein. Er hatte damit all jene besonderen Vollmachten verloren, ... die ihn von den anderen Mitgliedern des Sekretariats des Zentralkomitees unterschieden."
Diese Beschneidung des Einflusses von Stalin wurde teilweise durch den 'Persönlichkeitskult' verdeckt, den die heimlichen Revisionisten um Stalin herum aufgebaut hatten. Dennoch stellten die scharfsichtigeren Analytiker fest:
"1950 und 1951 war Stalins Macht begrenzt worden." (William O. McCagg, S. 307).
... was sich fortsetzte, bis Stalin tatsächlich zu dem wurde, was der Amerikaner William McCagg, jr. 'den Gefangenen im Kreml' nannte:
"Berichte aus der Moskauer Botschaft (der USA - Alliance) nährten seinerzeit stark das Bild von Stalin als eines 'Gefangenen'." (Ebd., S. 382).
Dies waren die Umstände, unter denen die heimlichen Revisionisten in der Lage waren, den Beschluss durchzudrücken, dass die führende Rolle auf dem anstehenden 19. Parteitag der KPdSU, der am 3. Oktober 1952 eröffnet werden sollte, nicht von dem standhaften Marxisten-Leninisten Stalin, sondern von dem ZK-Sekretär Georgi Malenkow gespielt werden sollte - kein revisionistischer Verschwörer, aber jemand, von dem die Verschwörer annahmen, dass sie ihn, ohne dass es ihm bewusst sein würde, als Werkzeug für das nächste Stadium ihrer Verschwörung benutzen könnten, um die Partei vom Weg des Aufbaus und der Verteidigung des Sozialismus abzubringen:
"Unter Bruch einer langen Tradition, die bis in die zwanziger Jahre zurückreichte, war es nicht mehr Stalin, der den Rechenschaftsbericht des ZK vortragen sollte. Auch nahm er nicht mehr an den Beratungen teil." (Gabor T. Ritterspoorn, 'Stalinistische Vereinfachungen und sowjetische Vielschichtigkeit: soziale Spannungen und politische Konflikte in der UdSSR 1933-1953', Reading/GB 1991, S. 219).
"Stalin saß während der Debatten abseits auf der Tribüne und sagte nichts, außer dass er eine kurze Schlussansprache hielt." (Robert H. McNeil, S. 209).
"Stalin saß völlig isoliert da. ... Er erschien nur zur Eröffnung und zu den Schlusssitzungen." (Dmitri Wolkogonow, Stalinbiografie, engl. Ausg., S. 568).
An anderer Stelle hat 'Alliance' darauf hingewiesen, dass Malenkow bestenfalls ein 'Schwankender' war, ja zeitweilig auch das Werkzeug der Revisionisten:
"In Malenkows Rechenschaftsbericht war nicht die geringste Spur von proletarischem Internationalismus zu entdecken. In starkem Kontrast dazu war es Stalin, der in seiner kurzen Ansprache an den Parteitag die kommunistischen Parteien der verschiedenen Länder pries sowie die neu geschaffenen Volksdemokratien, die er als 'Stoßtrupps der weltweiten revolutionären und Arbeiterbewegung' bezeichnete (J. W. Stalin, Rede an den 19. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, 14. Oktober 1952, in: 'Der echte Stalin, die wichtigsten theoretischen Schriften, 1905-1952, London 1973, S. 509). Dies war gleichzeitig Stalins letzte öffentliche Ansprache, der revolutionäre Appell eines herausragenden führenden Politikers, der stets, sein ganzes Leben lang, und unter den schwierigsten Umständen für den Sozialismus und Kommunismus und gegen den Revisionismus kämpfte." ('Alliance!' Zeitschrift von 'Alliance Marxist-Leninist', Nr. 36, Juli 2000, 'Stalin und die Komintern', @http://www.allianceml.com/Comintern/ALLIANCE36-CI-NS.htm).
Stalin geht auf dem 19. Parteitag zum Gegenangriff über und beherrscht damit zunächst den Kongress.
Auf dem 19. Parteitag und auf der darauf folgenden Präsidiumssitzung trat Stalin zweimal die Gegenoffensive an: Der wichtigste Gegenschlag, den Stalin führte, bestand darin, zu gewährleisten, dass die anscheinend unwichtige Aufgabe, die man ihm zugewiesen hatte - die Herausgabe eines Lehrbuchs zur Politischen Ökonomie zu betreuen - zu einer Waffe zur Entlarvung der Chruschtschow-Wosnessenski-Gruppe werden konnte:
"Unter diesen schwierigen Umständen beschlossen die Marxisten-Leninisten, dem Revisionismus dadurch einen Schlag zu versetzen, dass sie buchstäblich am Vorabend des Parteitags Stalins 'Anmerkungen zur Diskussion des Entwurfs eines Lehrbuchs zu Fragen der Politischen Ökonomie' veröffentlichen ließen. So kam es, dass trotz Stalins Zurückversetzung ... die Hauptrolle, und die einzig wichtige noch dazu, von ihm gespielt wurde, und sie wurde nicht auf, sondern vor der Eröffnung des Parteitags gespielt. ... Auf diese Weise landete Stalin ein paar Tage, bevor sich die Delegierten in Moskau treffen sollten, einen meisterhaften Treffer. ... Dadurch wurde der Parteitag, so wie er geplant war, vollständig in andere Bahnen gelenkt." (Harrison Salisbury, 'Stalins Russland und danach', London 1955, S. 148).
Bei Adam B. Ulam, 'Stalin, der Mensch und seine Zeit', London 1989, S. 731 heißt es dazu:
"Der Welt wurden am 3./.4. Oktober die 'Ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR' geschenkt, die zwei vollständige Ausgaben der 'Prawda' füllten. Und am 5. Oktober eröffnete der 19. Parteitag"
" ... der entschieden prokapitalistische Tendenzen in der UdSSR verurteilte." (Kenneth W. Cameron, 'Stalin - Mann der Widersprüche', Toronto 1987, S. 118).
Stalins zweiter Gegenschlag: Seine Rede vor dem Präsidium (vorher 'Politbüro' - G.):
Auf der ersten Präsidiumssitzung, die dem 19. Parteitag folgte, hielt Stalin eine Rede, die einige sein 'Testament' genannt haben. Er betonte, dass die neue Führung der KPdSU, B vom marxistisch-leninistischen Weg abgekommen war. Auf dem Parteitag waren neue Statuten verabschiedet worden, wonach ein Präsidium des Zentralkomitees das alte Politbüro ablösen sollte. Auf dem Parteitag hatte er nur ein paar Minuten gesprochen, worüber sich Chruschtschow anerkennend aussprach:
"Er sprach fünf bis sieben Minuten lang und sagte anschließend zu uns: 'Na, was denn - ich kann's doch noch!' Wir sahen auf unsere Uhren: Er hatte fünf bis sieben Minuten gesprochen. Wenn das alles war, was er noch zustande brachte, dann , und das war unsere Schlussfolgerung, war er körperlich sehr schwach." (E. Radzinsky, 'Stalin', New York 1996, S. 548f).
Auf der ersten Präsidiumssitzung des Zentralkomitees der KPdSU nach dem 19. Parteitag hielt Malenkow den Vorsitz und erteilte Stalin das Wort. Er sprach völlig klar und schlüssig anderthalb Stunden lang. Radzinsky schließt daraus, dass er 'seine armen Kollegen wieder einmal ausgetrickst' hatte. ... Der 'körperlich schwache' Stalin hielt eine lange und leidenschaftliche Rede. Molotow zufolge soll Stalin bei dieser Gelegenheit formell sein Amt als Generalsekretär niedergelegt haben. Molotow in einem Interview:
"Interviewer: Avtorkhanov schreibt, dass nach dem 19. Parteitag, auf der Sitzung des Präsidiums, Stalin darum gebeten habe, ihn als Generalsekretär abzulösen. Molotow: Richtig. Das geschah. Interviewer: Danach wurde er einer der ZK-Sekretäre. Molotow: Stalin war Generalsekretär. Er schlug vor, diesen Titel durch 'Sekretär' zu ersetzen." (F. Tschuew, 'Molotow erinnert sich', S. 233f).
E. Radsin ('Stalin', New York 1996, S. 549f) zufolge griff Stalin Molotow und Mikojan in seiner Rede scharf an:
"Unmittelbar nach dem Parteitag fand eine Plenumssitzung des Zentralkomitees statt, und dort hielt der 'physisch schwache' Stalin eine lange und leidenschaftliche Rede. Der Schriftsteller Konstantin Simonow, der anwesend war, beschreibt dies in seinen Erinnerungen. Viele Jahre später erinnerte er sich immer noch bestürzt: '16. Oktober 1952, im Kreml, Swerdlow-Halle. Er trat durch den Hintereingang ein, von den anderen Mitgliedern des Politbüros begleitet und wirkte verbissen zielstrebig. Die Leute fingen an zu klatschen, er hob jedoch seine Hand, um dem Einhalt zu gebieten. Malenkow hielt den Vorsitz. Er war sehr ernst und nicht zu scherzen aufgelegt. Er sprach ohne Notizen. Er fixierte unablässig seine Zuhörer. Der Ton und der Inhalt seiner Rede schockierte und verwirrte sie. Das Treffen dauerte zwei Stunden, und Stalins Rede nahm drei Viertel der Zeit ein. Das Hauptthema war das, dass er alt sei, und dass die Zeit gekommen sei, dass andere sein Werk fortsetzen müssten. 'Aber noch ist es so, dass ich mit der Aufgabe betraut bin und ich führe sie weiter aus', sagte er unumwunden, fast brutal. Er appellierte an den Mut und an die Festigkeit, an die Leninsche Festigkeit des Jahres 1918. Er erinnerte daran, wie Lenin 'in einer unglaublich schwierigen Lage allem die Stirn geboten und nichts gefürchtet habe, er habe einfach allem die Stirn geboten und sei weiter 'gedonnert'. Er sagte das dreimal hinter einander.
Er erwähne Lenin wegen des Verhaltens 'gewisser Genossen'. Schon bald gab er den 'gewissen Genossen' Namen: Er nahm sich zuerst Molotow vor und griff ihn an wegen Feigheit und Defätismus. Er sprach lange und schonungslos über Molotow, gab Beispiele für sein Verhalten, die ich nicht mehr in Erinnerung habe. ... Ich merkte, wie Stalins jäher Zorn aus diesen Beschuldigungen eine direkte Drohung werden ließ. ... Dann ging er zu Mikojan über, und seine Worte wurden noch zorniger und rücksichtsloser. Über der Halle lag eine furchtbare Stille. Die Gesichter sämtlicher Politbüro-Mitglieder waren starr, wie gelähmt. Sie fragten sich, wen er sich wohl als als Nächsten vornehmen würde. Molotow und Mikojan waren todbleich. Nachdem er mit Molotow fertig war, erwähnte er noch einmal sein Alter, und meinte, dass er nicht mehr in der Lage sei, mit der ihm anvertrauten Aufgabe fertig zu werden. Er bete deshalb darum, vom Posten des Generalsekretärs entbunden zu werden, gleichzeitig wolle er aber Vorsitzender des Ministerrats bleiben. Als er dies sagte, blickte er intensiv in die Zuhörerschaft. Ich sah, wie die Angst auf Malenkows Gesicht geschrieben stand, so als befände er sich in einer tödlichen Gefahr. Sein Gesicht, seine Gesten, seine vielsagenden, erhobenen Hände beschworen die Anwesenden, Stalins Bitte abzulehnen. Und Stimmen in Stalins Rücken riefen hastig: 'Nein, bitte bleib!' Sofort war die ganze Halle mit Rufen wie 'Bitte, bitte bleib' gefüllt."
Zum Erstaunen aller Anwesenden ging Stalins Rede noch anderthalb Stunden weiter. Er sprach in klaren Worten, leidenschaftlich und ohne Unterlagen, und ganz offensichtlich war die Rede gut vorbereitet gewesen. Entweder wurde kein Protokoll dieser Sitzung geführt oder es wurde unmittelbar darauf vernichtet. Deshalb ist das, was wir über den Inhalt von Stalins Rede wissen, den Erinnerungen jener entnommen, die anwesend waren. Chruschtschow hat darüber ausführlich geschrieben; auch Dmitri Schepilow. Der Schriftsteller Konstantin Simonow, der auf der Plenumssitzung zum Kandidaten des Zentralkomitees gewählt wurde, nutzte seine professionellen Fähigkeiten, um die lebendigste Schilderung zu liefern, die echteste Wiedergabe der Rede, und er hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass sie die Eigenschaft eines Testaments besaß, wenn er schreibt:
"Das Leitmotiv seiner Rede (wenn nicht wörtlich, aber der leitende Gedanke) bestand darin, dass er alt sei, dass die Zeit gekommen sei, dass andere sein Werk fortsetzen sollten, dass die Weltlage schwierig sei und dass ein erbitterter Kampf mit dem kapitalistischen Lager bevorstünde. Die Hauptgefahr bestünde darin, in diesem Kampf zu schwanken, Angst zu haben, zurückzuweichen, zu kapitulieren. Das war die Hauptaussage, die er nicht nur einfach rüberbringen, sondern denen einhämmern wollte, die anwesend waren. ... Das Seltsame an Stalins Rede war, dass, als er Mut und Angst, Entschlossenheit oder Kapitulation erwähnte, seine Bemerkungen nicht allgemein blieben, sondern sich direkt auf zwei Mitglieder des Politbüros, die hinter ihm, nur zwei Meter von ihm entfernt saßen, bezogen, von denen ich am wenigsten angenommen hätte, so etwas von Stalin über sie zu hören.
Zuerst fiel er über Molotow her, mit der Beschuldigung, unentschlossen und unzuverlässig, feige und ein Defätist zu sein. Es war so erstaunlich, dass ich zuerst nicht meinen Ohren traute und dachte, dass ich mich verhört oder dass ich etwas missverstanden hätte. Es stellte sich heraus, dass dies nicht der Fall war. ...
Trotz des ganzen Zorns, den Stalin zeigte und trotz der Tatsache, dass seine Worte bisweilen außer Kontrolle gerieten, bestand dennoch eine für ihn typische solide Anlage in seiner Rede. Der folgende Teil, der sich mit Mikojan befasste, war ähnlich. Er war nicht ganz so lang, aber brachte unterschwellig eine noch höheren Grad an Groll und Verachtung zum Ausdruck. Mir ist schleierhaft, weshalb sich Stalin Molotow und Mikojan als die Hauptzielscheiben für seine Angriffe in seiner letzten Rede vor dem ZK-Plenum vornahm. Es kann jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass er die Absicht hatte, sie beide bloßzustellen, sie zu erniedrigen und einen der letzten großen historischen Männer auf dem Podest der Partei vom Sockel zu stoßen. ... Aus irgendeinem Grund wollte Stalin nicht, dass falls ihm etwas zustoßen sollte, Molotow die bedeutendster Persönlichkeit von Staat und Partei bleiben würde. Seine Rede räumte damit ein für allemal auf."
Schepilow weiter:
"Mit dem Ausdruck der Verachtung auf seinem Gesicht erinnerte Stalin daran, wie Molotow sich vom amerikanischen Imperialismus einschüchtern lassen habe, wie er auf seiner Reise in die Vereinigten Staaten, Telegramme der Panik nach Moskau geschickt habe. Solch ein Führer verdiene keinen Respekt und im führenden Parteigremium sei für ihn kein Platz. ... Das politische Misstrauen in Richtung Mikojan und Woroschilow äußerte er in ähnlichen Worten." (Roy Medwedjew, 'Der unbekannte Stalin - sein Leben und sein Testament', New York 2004, S. 47f).
Ganz offensichtlich hielt Stalin weder Molotow und Mikojan für würdig, zur Führung der KPdSU, B zu gehören. Wie war dies passiert? Immerhin war Molotow einst ein enger Verbündeter Stalins gewesen.
Hat Stalin seine Verbündeten verstoßen? Die Revisionisten isolieren Stalin.
Als sich Stalin darüber klar geworden war, dass er in die Minderheit von Marxisten-Leninisten an der führenden Stelle in der KPdSU, B geraten war, unternahm er den Versuch, die Entscheidungsbefugnisse auf jene zu beschränken, denen er trauen konnte. Nach Ende des Krieges hatte er ein kleines Beschlussorgan gebildet:
"Bei der Führung der Geschäfte der Außenpolitik in der Nachkriegszeit hatte Stalin für ein gewöhnliches Außenministerium keine Verwendung. .... Er bündelte alle wichtigen Entscheidungen bei sich selbst. ... Über Jahre hinweg war das Politbüro praktisch ausgeschaltet. Um einige seiner Miglieder von Entscheidungen auszuschließen, wurde ein Sextet ernannt, das sich mit internationalen Fragen und noch mit einigen anderen Fragen beschäftigen sollte. Unter den Mitgliedern des kleinen Komitees befanden sich abgesehen von ihm selbst, Molotow, Berija, Malenkow und, bis zu seinem Tode 1948, Andrej Schdanow." (D. J. Dallin, 'Die sowjetische Außenpolitik nach Stalin', Philadelphia 1961, S. 3, @http://www.allianceml.com/AllianceIssues/All30iii.htm).
Wir sind der Meinung, dass nach Schdanows Tod Berija und Molotow Stalins Hauptverbündete waren, dass es aber den Revisionisten gelang, dieses Bündnis zu zerstören. Zuerst, indem sie gegen Berija im Verlauf der so genannten Mingrelischen Affäre vorgingen und zweitens, indem sie Molotow durch seine Frau zu diskreditieren versuchten. 1953 war die Situation die, dass er von den Revisionisten noch stärker isoliert worden war.
Der Fall Lavrentij Berija.
Wahrscheinlich war Lavrentij Berija in der KPdSU, B der wichtigste marxistisch-leninistische Verbündete für Stalin. Jedoch war Berija dadurch, dass er von Stalin den Auftrag erhalten hatte, sich mit der sowjetischen Antwort auf die nukleare Bedrohung zu befassen, an den Rand gedrängt worden:
"Einzelheiten über die nukleare Entwicklung des Westens erhielt man durch ... John Cairncross und Klaus Fuchs. Sie wurden an Berija weitergegeben. ... Berija schickte an Stalin und das Staatliche Verteidigungskomitee eine Denkschrift mit der Aufforderung, sich mit dieser Information zu beschäftigen. ... Das Sonderkomitee für die Atombombe wurde von Berija geleitet. Es war aufgrund eines Sonderdekrets geschaffen worden und besaß außergewöhnliche Vollmachten. Es war Stalin direkt unterstellt. Erst nach Stalins Tod wurde dieser Sonderausschuss von dem von den Chruschtschow-Revisionisten kontrollierten Politbüro aufgelöst, in der Tat dasjenige Politbüro, das Berija später verhaften sollte. Aber es war jenes Sonderkomitee, dem es gelungen war, für die UdSSR die Atombombe zu entwickeln, wodurch mit der militärischen Überlegenheit der USA Schluss gemacht wurde." (http://www.allianceml.com/AllianceIssues/All30iii.htm).
Danach wurde der Geheimdienst von den Revisionisten übernommen, angeführt von S. D. Ignatjew und M. D. Rjumin. Dies nahmen die Revisionisten zum Anlass, mit der 'Mingrelischen Affäre' zu beginnen, um Berija zu demontieren. (vgl. 'Berija und die Mingrelische Affäre', @http://www.allianceML.com/BLAND/MingrelianAffair.html).
Der Fall Molotow.
Aus Stalins Verhalten auf der Präsidiumssitzung nach dem 19. Parteitag geht hervor, dass er das Vertrauen zu Molotow verloren hatte. Weshalb, ist nicht ganz klar. Es wird behauptet, dass Molotows Frau, Polina Schemtschuschina etwas damit zu tun hatte, weil sie zu eng mit der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir verbunden war, wodurch sie ihrer Stellung im Zentralkomitee geschadet habe. In der Ausgabe von 'Alliance!', Nr. 30, haben wir dazu folgende Aussagen gemacht:
"Polina war Jüdin. Sie hatte für die Bolschewiki hohe Positionen innegehabt, wie die der Volkskommissarin für die Fischindustrie, sie stand an der Spitze der Staatlichen Parfümgesellschaft und saß im bolschewistischen ZK. Es wird behauptet, dass sie dadurch Stalins Zorn erregte, weil sie die letzte gewesen war, die Nadeschda Allilujewa (Stalins Frau - G.) noch vor ihrem Selbstmord gesehen hatte. Dies sei, Waksberg zufolge, der Grund gewesen, weshalb sie aus dem ZK mit der Begründung, bei ihrer Tätigkeit 'Fehler begangen' zu haben, entfernt worden sei. Davor schon war sie wegen Nachlässigkeiten gerügt worden. Auch habe sie einigen deutschen Spionen 1939 ermöglicht, in ihr Aufgabengebiet einzudringen. Nach Aussagen von Golda Meir, 'versah sie die Zionisten in Palästina mit ihren besten Wünschen', wenn sie sagte: 'Wenn sich die Dinge in eurem Sinne gut entwickeln, dann werden sich die Dinge für die Juden auf der ganzen Welt auch gut entwickeln.' (nach Arkadi Waksberg, 'Stalin gegen die Juden', New York 1994, S. 188)."
Die Hauptquelle für diese Information ist Chruschtschow. Dennoch: Ende 1948 ließen sich die Molotows scheiden und Schemtschuschina wurde 1949 verhaftet. Waksberg weist darauf hin, dass verschiedene Dokumente verloren gingen, als das Ministerium für Leichtindustrie - Textilabteilung - noch von ihr geführt wurde. Ihr wurden verschiedene Dinge vorgeworfen, angefangen von Ehebruch bis hin zum Besuch von dubiosen Theaterstücken:
"Sie habe am 14. März 1945 in der Synagoge am Gedenkgottesdienst teilgenommen, sie habe sich das nationalistische Stück, das von Freilek nach einem Stück von Mikhoels, dem bürgerlich jüdischen Nationalisten, inszeniert wurde, vergnügt angesehen; sie habe am Begräbnis von Mikhoels teilgenommen." (A. Waksberg, ebd. S. 192).
'Alliance' hat bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Schemtschuschina sich nie gegen Stalin gestellt habe, obwohl sie verhaftet wurde. Es scheint, dass Stalin ihrer Meinung nach nicht Schuld für die Angriffe auf sie gewesen sei:
"Es ist wahrscheinlich, dass einige dieser belanglosen Beschuldigungen der Wahrheit entsprechen. Ob sie dadurch zu einer Staatsfeindin geworden ist, erscheint 'Alliance' jedoch zweifelhaft ... Aber es ist bemerkenswert, dass sie Stalin nie abgelehnt hat, selbst nach ihrem jahrelangen Aufenthalt im Gefängnis nicht (siehe Waksberg, ebd.). Am wahrscheinlichsten ist, dass ihr und Molotow bewusst war, dass innerparteiliche Kämpfe im Gang waren, die den Verlauf der Ereignisse erklären können. Obwohl Stalin für diese Dinge verantwortlich gemacht wird, es ist durchaus nicht einzusehen, weshalb Molotow zur Zielscheibe wurde. Denn nicht nur hatte seine Frau die Haft durchzumachen - auch er selbst wurde degradiert, selbst wenn er noch im Politbüro blieb. " (nach Knight, S. 147, Quelle nicht angegeben).
Damals argumentierte 'Alliance', dass das vorrangige Ziel der Revisionisten, führende staatliche Positionen zu übernehmen, durch die direkten und indirekten Angriffe auf Molotow - einen unserer Meinung nach zuverlässigen Marxisten-Leninisten - noch zu Lebzeiten Stalins unterstützt wurde. (http://www.allianceml.com/AllianceIssues/All30iii.htm und http://www.allianceml.com/AllianceIssues/All30iv.htm).
Nach Stalins Tod.
In einer Atmosphäre, in der Stalin im Prinzip alle ideologischen Verbündeten genommen waren, wurde er auch seiner persönlichen Sicherheit beraubt. Bland hat beschrieben, wie Stalin zur Zeit seines beschleunigten Todes oder Ermordung nur noch über wenige Sicherheitsbeamte verfügte. Auch die wichtigsten Verantwortlichen für seine Sicherheit, nämlich Alexander Poskrebischew und Generalleutnant Nikolai Wlassik waren inzwischen entfernt worden (@http://harikumar.brinkster.net/BLAND/DOCTORS%20CASE_FINAL.htm).
Nach Stalins Tod ging Chruschtschow geschickt dazu über, den wichtigsten marxistisch-leninistischen Gegner, der noch übrig geblieben war, Berija, zu attackieren. Die Geschichte des Pseudo-Gerichtsverfahrens gegen Berija wurde schon bei anderer Gelegenheit erzählt:
"Der albanische Staatsmann, der Marxist-Leninist Enver Hoxha, bestätigt, dass ein sowjetischer Militärberater die Albanier darüber informierte, dass er auf dem Berija-'Prozess' als Zeuge dabei war und dass Berija, weit davon entfernt, Geständnisse abzulegen, sich sehr energisch vor Gericht verteidigt und alle Anschuldigungen zurückgewiesen habe: 'Als ein General, der, glaube ich, Sergatskow hieß, als militärischer Berater nach Tirana kam, erzählte er uns auch etwas über den Prozess gegen Berija. Er sagte, dass er als Zeuge vorgeladen war, um darzulegen, dass sich Berija ihm gegenüber angeblich arrogant verhalten habe. Bei dieser Gelegenheit erzählte uns Sergatskow vertraulich: 'Berija hat sich sehr gut vor Gericht verteidigt. Er hat keine der Beschuldigungen akzeptiert und alle widerlegt.'
Viele westliche Beobachter räumen ein, dass die Vorwürfe gegen Berija und seine Mitangeklagten ein bloßer Vorwand gewesen seien für den Justizmord an ihm. Sogar Stalins Tochter Swetlana, die Berija nie mochte und die dazu neigte, jede Geschichte zu glauben, die über ihn erzählt wurde, kann bezeugen, dass der 'Prozess' gegen Berija inszeniert war ... ohne dass es Beweise gab.' Was die Behauptungen angeht, dass Beriha ein 'ausländischer Agent' gewesen sei, so hält dem Nikolajewski entgegen, dass 'noch nicht einmal der kleinste Beweis dafür vorgelegt werden konnte'.
Auch Lang zieht die Behauptung ins Lächerliche, dass Berija und seine leninistischen Verbündeten schuldig gewesen seien, 'den Kapitalismus wiederherstellen zu wollen': 'Diese Leute, und andere mit ihnen, wurden hingerichtet, weil sie angeblich zusammen mit Berija konspiriert haben sollen, um die Arbeiter- und Bauernmacht der Sowjetunion zu liquidieren, mit dem Ziel, den Kapitalismus zu restaurieren und damit die Macht der Bourgeoisie. Diese Vorwürfe sind kaum ernst zu nehmen.' " (@http://harikumar.brinkster.net/BLAND/DOCTORS%20CASE_FINAL.htm).
Und inzwischen befand sich die Führung der KPdSU, B uneingeschränkt in den Händen der Revisionisten.
Die Ereignisse in Ungarn können ohne diesen Hintergrund nicht verstanden werden.
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