Die Beschwerden als Signale für Fehler und Auswüchse verstehen!Aus der Rede M. I. UI'janovas auf der Allunionskonferenz der Beschwerdebüros am 26. Juni 1933
Gewaltige Bedeutung haben die Büros für Beschwerden auch im Sinne einer Signalisierung derjenigen Fehler und Auswüchse an Partei und Regierung, die wir häufig an den verschiedenen Orten vorfinden und auf die die Klagen hinweisen. Diese Signalisierung funktioniert bei uns aber bis jetzt noch nicht so, wie es sein müßte. In den Rechenschaftsberichten der Büros für Beschwerden überwiegen statistische Übersichten, Zahlenmaterial ..., aufgrund dessen es schwierig ist, das Wesentliche der Arbeit zu beurteilen, die das Büro für Beschwerden geleistet hat. Und im Übrigen: wenn ein Büro für Beschwerden eine große Menge an Klagen oder Entsprechendem erhält, ist das ein zuverlässiges Anzeichen, daß es im Rajon oder im Dorfsowjet nicht zum besten bestellt ist, daß es dort Auswüchse gibt. Man muß der Signalisierung große Aufmerksamkeit zuwenden. ... eine Reihe schwerstwiegender Mängel findet sich auch jetzt noch. In vielen Fällen begegnen wir einer formalen Untersuchung der Beschwerden; die Arbeitsmethoden sind am grünen Tisch ausgedacht und haben sich von den Massen losgelöst; Überprüfungen durch die Massen, Gerichtskonferenzen, Arbeiter-Beisitzer, Posten des Büros für Beschwerden werden nicht organisiert; die Beschwerden werden mechanisch an verschiedene Organisationen und Institutionen verteilt ..., häufig sogar an die, über die man sich beschwert. Aber selbst diese Verteilung wird schlecht durchgeführt, und Hunderte von Beschwerden liegen hier und da Monate ungeprüft auf den Tischen der Beschwerdebüros. Bei den weitergereichten Beschwerden gibt es keine Kontrolle, die Beschwerdeführer erhalten keine Antwort. Die Sektionen der Dorfsowjets werden nicht instruiert. Die Beschwerdebüros, die zum Kampf gegen den Bürokratismus aufgerufen sind, sind oft selbst Brutstätten für Bürokratismus und Amtsschimmel. Rechenschaft über die Beschwerden ist in einer Reihe von Orten nicht durchgeführt worden. Die Beschwerden werden nicht ausgewertet, solche, die große gesellschaftspolitische Bedeutung haben, werden nicht ausgesondert, die Signalisierung über sie fehlt. Es gibt keine Arbeit mit dem Aktiv (Zusammenkünfte, Berichte u. ä.). Mangelhaft ist die Einbeziehung der Frauen, schwach die Verbindung mit der Presse und den Arbeiter-Dorfkorrespondenten .. . Aber wenn wir uns den Beschwerden aufmerksam und wachsam zuwenden sollen, indem wir keine einzige ohne Antwort liegenlassen, indem wir danach trachten, bei jeder von ihnen die Untersuchung bis zum Ende zu führen, dann dürfen wir unsere Arbeit nicht so aufbauen, daß wir uns nur auf den automatischen Ablauf der Dinge verlassen. Man muß eine Flut von Beschwerden und Eingaben über Mängel auslösen, die mit der Durchführung unserer aktuellen Aufgaben zusammenhängen. Man muß eine Flut von Beschwerden der Kolchosbauern und Arbeiter über gesellschaftspolitisch bedeutsame Mängel auslösen. Aber von Kolchosbauern und Arbeitern sind bisher wenig Beschwerden gekommen ... Der geringe Anteil an Beschwerden, die von Kolchosbauern ausgehen (und örtlich auch von Arbeitern), zeugt davon, daß die Beschwerdebüros die Verbindungen mit den Kolchosbauern nicht gefestigt oder es ihnen abgewöhnt haben, sich an sie zu wenden, wegen der unnötigen Verschleppung. Indessen wäre es von großer Bedeutung, Kolchosbauern zur Zusammenarbeit mit den Beschwerdebüros heranzuziehen, damit sie auf Mißwirtschaft, Unterschlagungen, schlechte Arbeitsorganisation usw. hinweisen ... Worin liegt die Ursache der schlechten Arbeit der Beschwerdebüros? Die Hauptursache ist das Fehlen einer Führung, einer Kontrolle der Arbeit der Beschwerdebüros, die mangelhafte Unterstützung sowohl von seiten der Gebiets-(Gau-) als auch der Rajon-KK-RKI (Arbeiter und Bauerninspektion). Auch die völlig ungenügende Auswahl von Funktionären beeinflußt die Qualität der Arbeit .. . |