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Kapitel VII:
Kampf für die sozialistische Industrialisierung,
für die ideologische und organisatorische Zerschlagung
der opportunistischen Opposition in der KPdSU(B)
(1926-1927)

In seinem Referat „Über die wirtschaftliche Lage der Sowjetunion und die Politik der Partei", das Stalin im April 1926 vor dem Aktiv der Leningrader Parteiorganisation hielt, begründete Stalin das Programm der KPdSU(B) zur sozialistischen Industrialisierung und legte die wichtigsten Aufgabenstellungen seiner Verwirklichung dar.

„Den Schwerpunkt der Industrialisierung, ihre Grundlage bildet die Entwicklung der Schwerindustrie (Brennstoffe, Metalle und dergleichen), die Entwicklung letzten Endes der Produktion von Produktionsmitteln, die Entwicklung eines eigenen Maschinenbaus. Die Industrialisierung hat nicht nur die Aufgabe, eine Vergrößerung des Anteils der Industrie an der Volkswirtschaft als Ganzem herbeizuführen, sondern sie hat darüber hinaus die Aufgabe, bei dieser Entwicklung unserem von kapitalistischen Staaten umringten Lande die wirtschaftliche Selbständigkeit zu sichern, es davor zu bewahren, daß es sich in ein Anhängsel des Weltkapitalismus verwandelt. " (SW 8, S. 107)172

Diese Aufgabe war keineswegs nur technischer Natur. Es stellte sich die Frage, aus welchen Mitteln diese Aufbauleistungen zu erbringen sind. In der zurückliegenden Periode, als der Schwerpunkt der industriellen Entwicklung auf der Leichtindustrie gelegen hatte, war der Umfang der dafür erforderlichen Akkumulation noch relativ gering. Jetzt waren Mittel in weitaus größeren Dimensionen erforderlich, und damit erlangte die Frage der sozialistischen Akkumulation erstrangige Bedeutung.

Der Weg der Industrialisierung, den die kapitalistischen Länder gegangen waren, indem sie ihre Kolonien ausplünderten, oder der Weg des zaristischen Rußlands, das den ausländischen Kapitalisten Konzessionen zu knechtenden Bedingungen erteilt hatte, kamen für das Land der Diktatur des Proletariats nicht in Frage. Vielmehr mußte „ohne Anleihen von außen mit den inneren Kräften" (Ebenda SW 8, S. 109) die Industrialisierung verwirklicht und dem sozialistischen Aufbau zum Sieg verholfen werden. Wobei die Mobilisierung der „inneren Kräfte" für die sozialistische Industrialisierung einhergehen mußte mit einer beständigen Verbesserung der materiellen Lage der Masse der Werktätigen. Stalin wandte sich daher dagegen, die Ausfuhr auf Kosten des Konsums der Massen zu steigern, um zu gewährleisten, daß die Arbeiter und Bauern „menschenwürdig essen" (Ebenda SW 8, S. 113) können.

Mit der Enteignung der Gutsbesitzer und Kapitalisten, mit der Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden, Fabriken, Werken etc. durch die Oktoberrevolution standen nun die erwirtschafteten Überschüsse für den Aufbau der Industrie zu Verfügung, denn diese konnten nicht mehr durch den parasitären Konsum dieser Ausbeuterklassen verschwendet werden. Hinzu kam die Befreiung der Volkswirtschaft von einer großen Schuldenlast durch die Annullierung der Zarenschulden. Zudem konnte sich die Sowjetmacht auf weitere Quellen der „inneren Akkumulation" (Ebenda SW 8, S. 111) stützen, wie Stalin ausführte. Diese Quellen waren die nationalisierte Industrie, der nationalisierte Außenhandel, der staatlich organisierte Innenhandel, das nationalisierte Banksystem und der Staatshaushalt.

Damit waren die Möglichkeiten gegeben, sich die notwendigen finanziellen Mittel für die Industrialisierung zu verschaffen. Diesen Prozeß durfte man nicht sich selbst überlassen, sondern er mußte bewußt gesteuert werden.

Ein so riesiges und zugleich ökonomisch zurückgebliebenes Land, wie es die Sowjetunion in jener Periode war, in einer historisch kurzen Frist zu industrialisieren, wie es der XIV. Parteitag der KPdSU(B) beschlossen hatte, war eine ungeheure Herausforderung. Es mußten nicht nur die früheren kapitalistischen Fabriken modernisiert und ausgebaut, sondern auch eine ganze Reihe neuer Industriezweige geschaffen werden wie der Maschinenbau, Automobil- und Flugzeugherstellung, Traktorenfabriken usw.

„All die Rinnen und Ritzen müssen sorgfältig dichtgemacht werden, durch die ein Teil der Akkumulationsüberschüsse des Landes zum Schaden der sozialistischen Akkumulation in die Taschen des Privatkapitals fließt. " (Ebenda SW 8, S. 112)

Auch die Verwendung der akkumulierten Mittel mußte sorgsam geplant und entsprechend dem tatsächlichen Tempo der Akkumulation vorgenommen werden. Stalin warnte vor unrealistischer Projektemacherei und forderte die Einführung eines „strengen Sparsamkeitsregimes" (Ebenda SW 8, S. 117) Dies beinhaltete nicht nur die Senkung der Selbstkosten in der Produktion, sondern auch die Vereinfachung und Verbilligung der wirtschaftlichen Rechnungsführung und den Verzicht auf überflüssige Feierlichkeiten, Jubiläen, Denkmalsenthüllungen etc.

„Genossen, mit diesen eines Kommunisten unwürdigen Maßlosigkeiten muß Schluß gemacht werden. Es gilt, endlich zu begreifen, daß wir, auf deren Schultern die Sorge für die Bedürfnisse unserer Industrie liegt und die wir solche Tatsachen vor Augen haben wie die Masse Arbeitsloser und obdachloser Kinder, derartige Gelage und Bacchanalien der Verschwendungssucht nicht dulden können noch dulden dürfen. " (Ebenda SW 8, S. 119)

Stalin sagte dem Diebstahl den Kampf an, um akkumuliertes Vermögen vor Veruntreuung zu schützen. Schließlich rief Stalin zu einer Kampagne gegen das verbreitete Bummelantentum in den Fabriken auf und forderte, eindringlich Überzeugungsarbeit dafür zu leisten, daß Verstöße gegen die Arbeitsdisziplin der gemeinsamen Sache der Arbeiterklasse insgesamt schaden und die notwendige Steigerung der Arbeitsproduktivität verhindern.

Dabei ging es nicht darum, die industrielle Produktion planlos auszudehnen, sondern die verschiedenen Industriezweige mußten in den richtigen Proportionen zueinander ausgebaut werden. Die Arbeiterklasse an der Macht hatte im Unterschied zu den kapitalistischen Ländern, in denen blinde Konkurrenz und Profitmaximierung die Entwicklung bestimmen, gerade die Möglichkeit, den wirtschaftlichen Aufbau bewußt zu planen. Da weder die landwirtschaftliche Produktion entscheidend vorangebracht werden konnte, ohne sie auf eine neue technische Basis zu stellen, noch die Leichtindustrie ohne neue Maschinen etc. eine wirkliche Steigerung der Produktion erzielen konnte, mußte im Mittelpunkt der Industrialisierung die Entwicklung der Schwerindustrie, vor allem des Maschinenbaus, stehen.

Alle diese Aufgaben würden sich nicht verwirklichen lassen, ohne „die Aktivität der Millionenmassen der Arbeiterklasse zu heben und sie zu bewußten Teilnehmern am Aufbau der Industrie zu machen" (Ebenda SW 8, S. 124), wie Stalin abschließend hervorhob und die Partei aufforderte, initiativ zu werden:

Um die Aktivität der Arbeiterklasse heben zu können, muß vor allem die Partei selbst aktiviert werden. Die Partei selbst muß fest und entschlossen den Weg der innerparteilichen Demokratie beschreiten, unsere Organisationen müssen die breiten Massen der Parteimitglieder, die das Geschick unserer Partei gestalten, zur Erörterung der Fragen unseres Aufbaus heranziehen. Ohne das kann von einer Aktivierung der Arbeiterklasse gar keine Rede sein. " (Ebenda SW 8, S. 127)

Schließlich wies Stalin auf die besondere Bedeutung der Festigung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Masse der werktätigen Bauernschaft für die Diktatur des Proletariats im Zuge der sozialistischen Industrialisierung hin und machte deutlich, daß ohne massenhaften genossenschaftlichen Zusammenschluß der Bauernschaft und ohne Entwicklung der bäuerlichen Wirtschaft die Industrialisierung nicht vorangebracht werden kann wie umgekehrt ohne Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen und Traktoren die Landwirtschaft nicht entwickelt werden kann. (Vgl. ebenda SW 8, S. 125f.)

In der Folgezeit wurden in der Sowjetunion gewaltige Projekte der sozialistischen Industrialisierung verwirklicht, wie die Schaffung einer zweiten Kohlen- und Hüttenbasis im Kusnezkbecken, das Stalingrader Traktorenwerk, das Dnjepr-Wasserkraftwerk, die Hüttenwerke von Magnitogorsk, die Uraler Maschinenwerke, die Rostower Werke für landwirtschaftliche Maschinen, die Turkestan-Sibirische Eisenbahn, die Saratower Mähdrescherwerke oder die Automobilwerke in Moskau und Gorki.

Im politischen Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees an den XV. Parteitag, der im Dezember 1927 stattfand, konnte Stalin nach einer anschaulichen Darstellung der Erfolge der Industrialisierung das Fazit ziehen:„ Unser Land wird zu einem Industrieland. "173

 

Grundfragen des Kampfes gegen die „neue Opposition"

In der KPdSU(B) war die Zeit 1926/1927 geprägt durch die Zuspitzung des innerparteilichen Kampfes zwischen der leninistischen Mehrheit und der vereinigten Opposition um Trotzki, Sinowjew und Kamenew. Im Verlauf dieser entscheidenden Phase des innerparteilichen Kampfes verlor die Opposition fast alle ihre Anhänger sowie die von ihr getäuschten Parteilosen, so daß sie gegen Ende des Jahre 1927 fast vollständig in der KPdSU(B) und in der Arbeiterklasse der Sowjetunion isoliert war. Der Weg der endgültigen Entlarvung der sozialdemokratisch-reaktionären Linie der Opposition und ihre Isolierung ging einher mit ihrem Übergang vom ideologischen Kampf gegen den Leninismus zur offenen Sabotage. Der innerparteiliche Kampf gegen die Opposition endete mit ihrem Ausschluß aus der KPdSU(B) durch den XV. Parteitag im Dezember 1927.

Defätistisches Abwarten oder vorwärtsgehen, um aus eigener Kraft
und im Bündnis mit dem internationalen Proletariat
den Sieg des Sozialismus erkämpfen

Stalin widmete einen großen Teil seiner theoretischen und praktischen Arbeit dem ideologischen Kampf gegen den Oppositionsblock und der systematischen Entlarvung von dessen opportunistischer Linie und fraktionistischer Tätigkeit. In seinem Referat " Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei" 174 auf der XIV. Unionskonferenz der KPdSU(B) im November 1926 stellte Stalin sich die Aufgabe, die Entstehung des Oppositionsblocks in seinen verschiedenen Etappen aufzuzeigen und seine grundlegenden ideologischen sowie politisch-organisatorischen Fehler zu widerlegen.

Im Sommer 1926 war der vereinigte Block von Trotzkisten und Sinowjewleuten zu offenen Kampfformen übergangen und hatte eine antileninistische Plattform vorgelegt, mit der er jedoch kläglich scheiterte. Nachdem die Führer des Oppositionsblocks dem Zentralkomitee vor der XV. Unionskonferenz eine Loyalitätserklärung vorgelegt hatten, warnte Stalin die Partei davor, sich damit zufriedenzugeben. Er wies darauf hin, daß die Opposition nur auf bessere Zeiten " warte, um den offenen Kampf gegen die Partei wieder aufzunehmen" (Ebenda SW 8, S. 219), und forderte die konsequente Fortführung des ideologischen Kampfes.

Anhand ausführlicher Zitate aus originalen Werken Trotzkis legte Stalin nochmals den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Trotzkismus und Leninismus in der Frage der Möglichkeit des Sozialismus in einem Land dar und wies nach, daß Sinowjew und Kamenew mittlerweile auf die trotzkistische Linie der Leugnung des Vorhandenseins der inneren Kräfte für den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion eingeschwenkt waren.

Stimmen innerhalb der Partei, die forderten, die Streitigkeiten beiseite zu lassen und sich statt dessen mit praktischer Arbeit zu befassen, hielt Stalin entgegen, daß dies eine Neuauflage der Bernsteinsehen Losung „Die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts" wäre. (Ebenda SW 8, S. 250)

Ohne Gewißheit darüber, daß der sozialistische Aufbau eine reale Perspektive besitzt, ist es auch unmöglich, die proletarische Aufbauarbeit zu leisten. Ohne eine solche klare Perspektive können auch die Massen der Arbeiterinnen und Arbeiter nicht zur bewußten Teilnahme am sozialistischen Aufbau herangezogen werden und werden diese auch nicht in der Lage sein, die Masse der werktätigen Bauernschaft bewußt zu führen. Machen sich defätistische Stimmungen breit und wird der Wille des Proletariats zum Aufbau des Sozialismus geschwächt, erhalten die kapitalistischen Elemente in der Wirtschaft zwangsläufig wieder Auftrieb. Geht aber das Land der Diktatur des Proletariats der Perspektive des Sozialismus verlustig, dann wird sich das auch zersetzend auf die internationale Revolution auswirken. (Siehe ebenda SW 8, S. 250f.)

Stalin zog dazu folgendes Resümee des Kampfs gegen den opportunistischen Oppositionsblock:

„Eine Partei, die sich auf der Grundlage der sozialistischen Perspektive unseres Aufbaus zusammengeschlossen hat - das ist gerade der Hebel, den wir jetzt so nötig brauchen, um den sozialistischen Aufbau in unserem Lande voranbringen zu können. Diesen Hebel haben wir uns im Kampf gegen den Oppositionsblock geschmiedet. " (Ebenda SW 8, S. 264, H.i.O.)

Stalin entlarvt Sinowjews Befürwortung einer „Diktatur der Partei"
als zutiefst bürokratisch und antikommunistisch

Schon in der Auseinandersetzung um die Rolle der Gewerkschaften für die Mobilisierung der Arbeiterklasse für den sozialistischen Aufbau unter Führung der Kommunistischen Partei hatte die Opposition ihre antileninistische Haltung bezüglich der richtigen Behandlung der Wechselbeziehungen zwischen Partei und Klasse offenbart. Nun trat Sinowjew erneut mit einer schädlichen These hervor, indem er die Diktatur des Proletariats mit der „Diktatur der Partei" gleichsetzte. Dabei versuchte Sinowjew die Autorität Lenins auszunutzen, der diese Formulierung an einigen wenigen Stellen in bestimmten polemischen Zusammenhängen verwendet hatte.

Stalin wies in seiner Schrift „Zu den Fragen des Leninismus"175 überzeugend nach, daß es Lenin in allen diesen Fällen darum ging, die ungeteilte führende Rolle der Kommunistischen Partei als Partei an der Macht herauszustellen, die sie nicht mit anderen Parteien, wie zum Beispiel den „linken" Sozialrevolutionären, auf Dauer teilen konnte, ohne die Diktatur des Proletariats über die Konterrevolution zu gefährden. In keinem Fall jedoch hatte Lenin die Diktatur des Proletariats mit der „Diktatur der Partei" identifiziert.

Unter kapitalistischen Verhältnissen kann die Partei der Arbeiterklasse immer nur eine Minderheit der Klasse erfassen. Dieser Zustand kann auch unter den Verhältnissen des Sozialismus nicht von heute auf morgen überwunden werden. Ohne die leitenden Weisungen der Kommunistischen Partei wäre die Arbeiterklasse orientierungslos. Aber die Diktatur des Proletariats 'Istihrem Umfang nach breiter und reichhaltiger als die führende Rolle der Partei" (Ebenda SW 8, S. 35). Stalin führte dazu im weiteren aus:

„Zwischen den leitenden Weisungen der Partei und ihrer Umsetzung in die Tat liegen (...) der Wille und die Handlungen der Geführten, der Wille und die Handlungen der Klasse, ihre Bereitschaft (oder Weigerung), solche Weisungen zu unterstützen, ihre Fähigkeit (oder Unfähigkeit), diese Weisungen durchzuführen, ihre Fähigkeit (oder Unfähigkeit), sie gerade so durchzuführen, wie die Lage es erfordert. " (Ebenda SW 8, S. 35)

Die Partei kann nicht alleine handeln. Die handelnde Person im Bürgerkrieg, im Kampf gegen die ausländische Intervention, bei der Arbeit für den sozialistischen Aufbau ist das Proletariat als Klasse:

„Es ist niemals vorgekommen, daß die Partei, die Partei allein, alle diese Aktionen ausschließlich mit ihren eigenen Kräften, ohne Unterstützung der Klasse, unternommen hätte. Gewöhnlich leitet sie bloß diese Aktionen, und zwar leitet sie sie in dem Maße, in dem sie die Unterstützung der Klasse besitzt. Denn die Partei kann sich nicht mit der Klasse decken, sie kann nicht die Klasse ersetzen. Denn die Partei bleibt, bei all ihrer wichtigen, führenden Rolle, dennoch ein Teil der Klasse. Wer daher die führende Rolle der Partei mit der Diktatur des Proletariats identifiziert, der ersetzt die Klasse durch die Partei. " (Ebenda SW 8, S. 36, H.i.O.)

Insbesondere kann die Partei ihre führende Rolle bei der Ausübung der Macht und bei der Regierung des Landes nur verwirklichen, wenn sie sich auf die Sowjets stützt.

„In diesem Sinne übernimmt die Partei die Macht, regiert die Partei das Land. Doch darf man das nicht so auffassen, daß die Partei die Diktatur des Proletariats unter Außerachtlassung der Staatsmacht, ohne die Staatsmacht, verwirkliche, daß die Partei das Land unabhängig von den Sowjets, nicht durch die Sowjets, regiere. " (Ebenda SW 8, S. 36, H.i.O.)

Stalin machte auch deutlich, wohin eine solche Gleichsetzung von Partei und Klasse oder vielmehr die Ersetzung der Diktatur des Proletariats durch die „Diktatur der Partei" in der Praxis führen würde:

„Durch diese Formel, ohne Vorbehalte genommen, wird gleichsam gesagt:

a) zu den parteilosen Massen: Wagt nicht zu widersprechen, wagt nicht zu räsonieren, denn die Partei ist allmächtig, denn wir haben die Diktatur der Partei,

b) zu den Parteikadern: Nur forscher ran, packt fester zu, man braucht gar nicht auf die Stimme der parteilosen Massen zu hören - wir haben die Diktatur der Partei;

c) zu den Parteispitzen: Man kann sich den Luxus einer gewissen Selbstzufriedenheit erlauben, ja man kann sogar überheblich sein, denn wir haben die Diktatur der Partei und folglich ` auch die Diktatur der Führer. " (Ebenda SW 8, S. 53)

Gegen den Versuch der Opposition, in der Partei die Methode des Zwangs und des selbstherrlichen Administrierens gegenüber den Massen zu etablieren, stellte Stalin heraus, daß die Kommunistische Partei ohne das Vertrauen der Arbeiterklasse, das sie verpflichtet ist, sich durch Überzeugungsarbeit zu erwerben, diese nicht führen und die Diktatur des Proletariats nicht behaupten kann.

Dies ist die Hauptmethode der Führung der Arbeiterklasse durch die Kommunistische Partei. Die bedeutet jedoch nicht, daß nicht auch Methoden des Zwangs zur Anwendung kommen können, zum Beispiel wenn es gilt, nach breiter Diskussion mehrheitlich gefaßte Beschlüsse gegen eine nicht zur Unterordnung bereite Minderheit durchzusetzen:

„Die Führung wird durch die Methode der Überzeugung der Massen gesichert, die die Hauptmethode der Einwirkung der Partei auf die Massen ist. Das schließt aber die Anwendung von Zwang nicht aus, sondern setzt sie voraus, wenn dieser Zwang sich darauf gründet, daß die Partei das Vertrauen und die Unterstützung der Mehrheit der Arbeiterklasse genießt, wenn er gegenüber der Minderheit angewendet wird, nachdem man es vermocht hat, die Mehrheit zu überzeugen. " (Ebenda SW 8, S. 47)

Nach ausführlicher Referierung grundlegender Positionen Lenins faßte Stalin des Verhältnis Partei und Arbeiterklasse unter der Diktatur des Proletariats wie folgt zusammen:

1. die Autorität der Partei und die eiserne Disziplin in der Arbeiterklasse, die für die Diktatur des Proletariats unerläßlich sind, beruhen nicht auf Furcht oder auf den , unbeschränkten' Rechten der Partei, sondern auf dem Vertrauen der Arbeiterklasse zur Partei, auf der Unterstützung der Partei durch die Arbeiterklasse;

2. Das Vertrauen der Arbeiterklasse zur Partei wird nicht auf einmal und nicht durch Gewaltanwendung gegenüber der Arbeiterklasse erworben, sondern durch langwierige Arbeit der Partei in den Massen, durch die richtige Politik der Partei, durch die Fähigkeit der Partei, die Massen von der Richtigkeit ihrer Politik an Hand der eigenen Erfahrungen der Massen zu überzeugen, durch die Fähigkeit der Partei, sich die Unterstützung der Arbeiterklasse zu sichern, die Massen der Arbeiterklasse zuführen;

3. ohne die richtige, durch die Erfahrung des Kampfes der Massen erhärtete Politik der Partei und ohne das Vertrauen der Arbeiterklasse gibt es keine wirkliche Führung durch die Partei und kann es sie auch nicht geben;

4. die Partei und ihre Führung können - wenn die Partei das Vertrauen der Klasse genießt und wenn ihre Führung eine wirkliche Führung ist - nicht der Diktatur des Proletariats entgegengestellt werden, denn ohne die Führung der Partei (Diktatur' der Partei), die das Vertrauen der Arbeiterklasse genießt, ist eine einigermaßen feste Diktatur des Proletariats unmöglich.Ohne diese Bedingungen sind die Autorität der Partei und die eiserne Disziplin in der Arbeiterklasse entweder eine hohle Phrase oder Überheblichkeit und Abenteurertum" (Ebenda SW 8, S. 41 f.)

„In China kämpft die bewaffnete Revolution gegen die bewaffnete
Konterrevolution"-Die Haltung zum bewaffneten Befreiungskampf
der Millionenmassen in China als Prüfstein

Im Verlauf der Jahre 1926/27 erfuhr die revolutionäre Befreiungsbewegung in China einen großen Aufschwung. Die Truppen der Kuomintang, die in dieser Phase noch über ein antiimperialistisches Potential verfügte, rückten von Kanton aus in die Yangtse-Ebene vor und brachten den Militärmachthabern des Nordens, die insbesondere von den englischen, amerikanischen und auch japanischen Imperialisten gestützt wurden, schwere Niederlagen bei. In der Kantoner Periode der Revolution bis Anfang 1927 stand der antiimperialistische Aspekt im Vordergrund. Nach der Spaltung der Kuomintang in einen rechten Flügel unter Tschiang Kai-scheck, der auf die Seite der Konterrevolution überging, und in einen linken Flügel verlagerte sich das revolutionäre Zentrum nach Wuhan, wo sich eine mächtige Bauernbewegung gegen die feudale Unterdrückung entfaltet hatte. In dieser Periode trat die Agrarrevolution in den Vordergrund. Die KP Chinas, die vor deren Spaltung einen Block mit der Kuomintang insgesamt gebildet hatte, gingen nun mit dem linken Flügel der Kuomintang ein Bündnis ein. Im Sommer 1927 erlitt die revolutionäre Bewegung in China gegen die gesammelten Kräfte der Konterrevolution jedoch eine schwere, wenngleich auch vorübergehende Niederlage.

Insbesondere im Rahmen der Arbeit des EKKI, des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, griff Stalin wiederholt in die ideologische Debatte um die richtige Strategie und Taktik der Kommunistischen Partei Chinas ein. Die Fragen der chinesischen Revolution wurden sofort auch Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen mit der Opposition um Trotzki, Sinowjew und Radek. Stalin verteidigte in dieser Debatte Grundprinzipien des Leninismus und half durch deren Anwendung auf die Bedingungen der Revolution in China entscheidend mit, richtige Grundpositionen für die erfolgreiche Durchführung der chinesischen Revolution festzulegen, die schließlich unter der Führung der KP Chinas 1949 den grundlegenden Sieg in der antiimperialistisch-demokratischen Etappe errang. Vor allem folgende Grundpositionen wurden von Stalin formuliert und begründet:

-Antiimperialistisch-antifeudalistischer Charakter der chinesischen Revolution: Gegen die Linie Trotzkis und anderer Opportunisten, welche die grundlegende Bedeutung der feudalistischen Verhältnisse in China ebenso leugneten wie die Abhängigkeit Chinas vom Imperialismus, stellte Stalin als Grundlinie entgegen „die Linie der Komintern, die dem Vorhandensein feudaler Überreste in China als der dominierenden Form der Unterdrükkung, der entscheidenden Bedeutung der machtvollen Agrarbewegung, der Verknüpfung der feudalen Überreste mit dem Imperialismus, dem bürgerlich-demokratischen Charakter der chinesischen Revolution, deren Kampf gegen den Imperialismus zugespitzt ist, Rechnung trägt, " (SW 9, S. 252)176

- Entscheidende Bedeutung der Agrarrevolution der Millionenmassen der Bäuerinnen und Bauern. Stalin verurteilte die Linie Trotzkis und Radeks, welche die Millionenmassen der Bauernschaft als grundlegenden Faktor der chinesischen antiimperialistischdemokratischen Befreiungsbewegung „vergaßen".177

Um die Hegemonie des Proletariats in der antiimperialistisch-demokratischen Revolution in China zu erringen, forderte Stalin, war es erforderlich,

„daß die chinesischen Kommunisten in den ersten Reihen der Agrarbewegung der Bauern stehen, daß sie die Bauern, besonders die armen Bauern lehren, sich in revolutionären Verbänden und Komitees zu organisieren und auf die Konfiskation der Ländereien der Gutsbesitzer Kurs halten. " (SW 9, S. 229)178

Gegen opportunistische Kräfte und Tendenzen, welche eine Schwächung der antiimperialistischen Einheitsfront durch eine Entfaltung der Revolution auf dem Dorf befürchteten, stellte Stalin heraus, daß die antiimperialistische Front in China um so stärker und mächtiger sein würde, je schneller und gründlicher die chinesische Bauernschaft in die Revolution hineingezogen wird 179

- Möglichkeit zeitweiliger Bündnisse mit Teilen der Bourgeoisie in der antiimperialistisch-demokratischen Etappe der Revolution in China: Gegen die opportunistische Opposition in der KPdSU (B),

Trotzki, Sinowjew und andere, welche die entscheidenden Unterschiede zwischen der demokratischen Revolution in Rußland 1905 und in China und damit auch jegliche Möglichkeit eines Bündnisses mit Teilen der Bourgeoisie in China leugneten, stellte Stalin entgegen, worin der Ausgangspunkt der Komintern und der Kommunistischen Parteien überhaupt beim Herangehen an die Fragen der revolutionären Bewegung in den kolonialen und abhängigen Ländern besteht:

„Er besteht in der strengen Unterscheidung zwischen der Revolution in den imperialistischen Ländern, in Ländern, die andere Völker unterdrücken, und der Revolution in den kolonialen und abhängigen Ländern, in Ländern, auf denen das imperialistische Joch anderer Staaten lastet. Die Revolution in den imperialistischen Ländern, das ist eine Sache - dort ist die Bourgeoisie die Unterdrückerin anderer Völker, dort ist sie in allen Stadien der Revolution konterrevolutionär, dort fehlt das nationale Moment als Moment des Befreiungskampfes. Etwas anderes ist die Revolution in den kolonialen und abhängigen Ländern - hier ist die Unterjochung durch den Imperialismus anderer Staaten einer der Faktoren der Revolution, hier ist dieses Joch, wie es nicht anders sein kann, auch für die nationale Bourgeoisie fühlbar, hier kann die nationale Bourgeoisie in einem bestimmten Stadium und für eine bestimmte Zeit die revolutionäre Bewegung ihres Landes gegen den Imperialismus unterstützen, hier ist das nationale Moment als Moment des Befreiungskampfes ein Faktor der Revolution. " (SW 10, S. 10)180

Stalin betonte aber auch die Notwendigkeit, die Bourgeoisie Chinas im Verlauf der Entwicklung des revolutionären Kampfes zu differenzieren. Dies wurde erforderlich, da sich im Verlauf der Entwicklung des revolutionären Kampfes zu differenzieren. Dies wurde erforderlich, da sich im Verlauf der chinesischen Revolution die Spaltung der Bourgeoisie in verschiedene Sektoren infolge des verstärkten Eindringens des Imperialismus einerseits und infolge des Anwachsens der revolutionären Kräfte andererseits zunehmend verschärfte und sich insbesondere eine vom Imperialismus direkt abhängige und dessen Interessen vertretende Kompradorenbourgeoisie als entscheidende innere konterrevolutionäre Kraft neben der Großgrundbesitzerklasse herausgebildet hatte, so daß nur gewisse Teile vor allem der mittleren Bourgeoisie als zeitweilige Verbündete in Frage kamen.181

- Kampf der bewaffneten Revolution gegen die bewaffnete Konterrevolution als eine Besonderheit und ein Vorzug der chinesischen Revolution. Hatte in den früheren Revolutionen, wie in der demokratischen Revolution in Rußland 1905, das Volk den Aufstand größtenteils unbewaffnet und schlecht ausgerüstet begonnen, standen die Dinge in China anders, wie Stalin im November 1926 feststellte, als der Nordfeldzug der revolutionären Kantoner Truppen noch in vollem Gange war:

„In China kämpft die bewaffnete Revolution gegen die bewaffnete Konterrevolution. Das ist eine der Besonderheiten und einer der Vorzüge der chinesischen Revolution. Darin liegt eben auch die besondere Bedeutung der revolutionären Armee in China. " (SW 8, S. 324)' 182

Diese Einschätzung Stalins bestätigte sich im gesamten weiteren Befreiungskampf in China bis zum Sieg der demokratischen Volksrevolution 1949, als die dann unter direkter Führung der KP Chinas stehende revolutionäre Volksbefreiungsarmee siegreich in Peking einrückte. Die revolutionäre Armee war dabei nicht nur ein militärisches Instrument der Revolution, sondern - wie Stalin bereits 1927 ausführte - auch ein entscheidendes Mittel, um direkt auf die Massen einzuwirken, sie zu organisieren und zu erziehen (siehe ebenda SW 8, S. 324 und S. 331)

- Nicht vorschnell den Entscheidungskampf in den städtischen Zentren der Herrschaft des Imperialismus in China aufnehmen-

wichtiger Hinweis Stalins zum militärischen Weg der chinesischen Revolution: 1927, kurz nach dem konterrevolutionären Umsturz Tschiang Kai-scheks, warf Stalin in der Auseinandersetzung mit der trotzkistischen Opposition die Frage auf, ob es damals richtig gewesen wäre, daß die gegen die Konterrevolutionäre kämpfenden revolutionären Armeen eine Offensive zur Eroberung Schanghais unternehmen sollten. Stalin hielt das für verfrüht und unzweckmäßig und hob ausdrücklich hervor:

Um Schanghai wird es noch Kämpfe geben und nicht solche, wie sie jetzt um Tschangtschou usw. geführt werden. Nein, dort wird es ernstere Kämpfe geben. Der Imperialismus wird Schanghai als Knotenpunkt von Weltbedeutung, wo sich die wichtigsten Interessen der imperialistischen Gruppen kreuzen, nicht so leicht hergeben. Wäre es nicht zweckmäßiger, sich zunächst mit Feng zu vereinigen, in militärischer Hinsicht genügend Stärke zu erlangen, die Agrarrevolution mit aller Kraft zur Entfaltung zu bringen, eine verstärkte Zusammenarbeit zur Zersetzung des Hinterlands und der Front Tschiang Kai-scheks zu leisten und dann anschließend die Frage Schanghai in ihrem ganzen Umfang aufzuwerfen? Ich glaube, das wäre zweckmäßiger. " (SW 9, S. 221)183

In der Tat war der weitere militärische Weg der chinesischen Revolution dadurch gekennzeichnet, daß vor allem in weiten ländlichen Gebieten bzw. ingünstigen Gebirgsgegenden befreite Gebiete geschaffen wurden. Diese wurden durch den Partisanenkrieg, durch Volksaufstände in einzelnen Gebieten, dann aber vor allem durch den siegreichen Vormarsch der unter der Führung der KP Chinas stehenden Volksbefreiungsarmee immer weiter ausgedehnt, bis in der letzten Phase von der Volksarmee mit aktiver Unterstützung der Arbeiterinnen und Arbeiter und anderen unterdrückten Massen in den Städten die letzten Bollwerke des Imperialismus eingenommen, die letzten großen Städte befreit wurden.

- Über den Charakter der künftigen revolutionären Macht in China stellte Stalin 1926 richtungsweisend fest:

„Ich glaube, daß die zukünftige revolutionäre Macht in China ihrem Charakter nach im allgemeinen der Macht ähneln wird, von der bei uns im Jahre 1905 die Rede war, das heißt, sie wird eine Art demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft sein, mit dem Unterschied jedoch, daß sie eine vorwiegend antiimperialistische Macht sein wird. Sie wird eine Übergangsmacht sein, die zur nichtkapitalistischen, oder genauer gesagt, zur sozialistischen Entwicklung Chinas hinüberleitet. " (SW 8, S. 326f.)184

In seinem „Prawda"-Artikel „Notizen über Gegenwartsthemen" vom 28. Juli 1927 zeigte Stalin anhand der Fragen der Revolution in China auf, daß die Fehler der trotzkistischen Opposition direkt mit der Ablehnung der taktischen Prinzipien des Leninismus zusammenhängen. Stalin stellt drei Prinzipien heraus:

- Das Prinzip der unbedingten Berücksichtigung des national Besonderen in jedem einzelnen Land bei der Anwendung der Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus (z. B. das Vorhandensein dominierender feudalistischer Strukturen in China berücksichtigen);

- das Prinzip der unbedingten Ausnutzung der geringsten Möglichkeiten durch die Kommunistische Partei eines jeden Landes, dem Proletariat einen Massenverbündeten zu sichern, und sei es auch ein zeitweiliger, schwankender, unsicherer, unzuverlässiger Verbündeter (z. B. die Möglichkeit zeitweilige Bündnisse mit Teilen der Bourgeoisie in der demokratischen Etappe der Revolution in China nutzen);

- das Prinzip der unbedingten Berücksichtigung der Wahrheit, daß Propaganda und Agitation allein für die politische Erziehung der Millionenmassen nicht ausreichen, daß hierfür die eigene politische Erfahrung der Massen notwendig ist (z. B. die Notwendigkeit berücksichtigen, daß die breiten Massen noch nicht als Feinde erkannte Kräfte anhand ihrer eigenen Erfahrungen als solche erkennen.) 185

Schließlich entlarvte Stalin den Versuch der Trotzkisten, eine Niederlage als Beleg dafür zu nehmen, daß die politische und ideologische Linie, auf der der Kampf geführt wurde, falsch gewesen sein muß, als faulen Pragmatismus:

Eine richtige Politik muß keineswegs stets und unter allen Umständen unmittelbar zum Sieg über den Gegner führen. Der unmittelbare Sieg über den Gegner wird nicht nur durch eine richtige Politik bestimmt, sondern außerdem, vor allem und hauptsächlich, durch das Verhältnis der Klassenkräfte, durch ein offensichtliches Übergewicht der Kräfte auf seiten der Revolution, durch Zerfall im Lager des Gegners, durch eine günstige internationale Situation. Nur unter diesen Voraussetzungen kann eine richtige Politik des Proletariats unmittelbar zum Sieg führen. " (Ebenda SW 9, S. 297f.)

Dieser Hinweis Stalins ist höchst bedeutsam auch für die Analyse der Linie und Politik anderer Kommunistischer Parteien, so hier in Deutschland besonders der KPD. 186

Verteidigung des Leninschen Prinzips von der Führung der Massen
in der Debatte über das „Englisch-Russische Einheitskomitee

Ebenfalls von der Mißachtung der Leninschen taktischen Prinzipien gekennzeichnet war die Position Trotzkis und der Opposition zur Arbeit der Kommunistinnen und Kommunisten in den reaktionären Gewerkschaften. Im Mai 1926 behauptete Trotzki in einem „Prawda"-Artikel, daß die Tätigkeit der Kommunistischen Parteien in den reaktionären Gewerkschaften die Revolution in diesen Ländern hemmen würde und statt dessen Kurs darauf genommen werden müßte, durch Druck auf die Gewerkschaften von außen die Bildung neuer revolutionärer gewerkschaftlicher Organisationen zu fördern.

Stalin wies diese Position in seiner Rede „Über das EnglischRussische Einheitskomitee", gehalten auf der Plenartagung des ZK und der ZKK der KPdSU(B) im Juli 1926, zurück und machte deutlich, daß dies ein direktes Signal zum Austritt aus den Gewerkschaften in einer Situation darstellte, als sich die Massen der Arbeiterinnen und Arbeiter noch mehrheitlich unter dem Einfluß der reaktionären sozialdemokratischen Führer und Gewerkschaftsführer befanden.

„Ist diese Politik richtig? Sie ist grundfalsch. Sie ist grundfalsch, weil sie dem Leninschen Prinzip von der Führung der Massen widerspricht. Sie ist falsch, da die Gewerkschaftsverbände des Westens, so reaktionär sie auch sein mögen, die elementarsten, für die rückständigsten Arbeiter verständlichsten und deshalb umfassendsten Massenorganisationen des Proletariats sind. Wir können zu den Massen nicht Zugang erhalten, wir können sie nicht ewinnen, wenn wir diese Verbände ignorieren. "(SW 8, S. 158)187

Eine solche Politik des „Überspringens" der Gewerkschaften würde die dort organisierten Arbeitermassen letztlich der Sozialdemokratie überlassen und zur Absonderung der kommunistischen Kader von diesen führen. Der Opposition, die in dieser Frage verschiedene „ultralinke" Opportunisten in den Kommunistischen Parteien der kapitalistischen Länder unterstützten 188, hielt Stalin Lenins Polemik in seiner Schrift „Der linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus" von 1920 entgegen. Dieser hatte den „Ultralinken" in der KPD, die ebenfalls den Austritt aus den reformistischen Gewerkschaften gefordert hatten und diese durch neue, ausgeklügelte Arbeiterorganisationen ersetzen wollten, nachgewiesen, daß eine solche Politik nur der Bourgeoisie nützt. 189

Anlaß der Auseinandersetzung um die Gewerkschaften war der mächtige Streik der Bergarbeiter in England 1926, der sich nach einer hinterhältigen Aussperrungsaktion der Kohlekapitalisten und der konservativen Regierung zu einem Generalstreik ausweitete. Dieser Streik hätte erfolgreich geführt werden können, wenn erauf politische Gleise gelenkt und wenn er in eine Kampfaktion der Proletarier aller fortgeschrittenen Länder gegen das Kapital verwandelt worden wäre "190. Der reaktionäre Generalrat der englischen Gewerkschaften brachte den Streik jedoch zum Scheitern, indem er auf die rein ökonomischen Ziele pochte und die finanzielle Hilfe, die von den Arbeiterinnen und Arbeitern der Sowjetunion und aus anderen Ländern angeboten worden war, ablehnte.

Diese Solidaritätsaktion war über das Englisch-Russische Einheitskomitee organisiert worden, das einen Block der sowjetischen Gewerkschaften mit den Gewerkschaften Englands darstellte. Dieser Block bot die Gelegenheit, die Bereitschaft der englischen Gewerkschaftsführung zur Zusammenarbeit auszunutzen, um den entstandenen Riß zwischen den englischen Gewerkschaften und der gelben Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale zu vertiefen und die Propaganda gegen eine drohende imperialistische Aggression gegen die Sowjetunion zu verstärken.

Trotzki nahm die Weigerung des Generalrats, die Hilfe der Sowjetunion zu akzeptieren, zum Anlaß, die sofortige Auflösung des Englisch-Russischen Komitees zu fordern. Stalin wies diese für Trotzki typische Politik der pseudorevolutionären Gesten zurück und verteidigte die Notwendigkeit solcher Blocks und Überein kommen, wobei er gleichzeitig die unverzichtbaren Bedingungen klarstellte, unter denen sie als zulässig anzusehen sind.

„Aber wozu brauchen wir eigentlich solche Übereinkommen? Um zu den Arbeitermassen Zugang zu erhalten, um diese Massen über das reaktionäre Wesen ihrer politischen Führer und Gewerkschaftsführer aufzuklären, um die Teile der Arbeiterklasse, die sich im Prozeß der Linksentwicklung und der Revolutionierung befinden, von den reaktionären Führern loszureißen, um somit die Kampffähigkeit der Arbeiterklasse im Ganzen zu steigern. Daher darf man sich auf solche Blocks nur unter zwei Hauptbedingungen einlassen: Wenn die Freiheit unserer Kritik an den reformistischen Führern gewährleistet ist, und wenn die für die Loslösung der Massen von den reaktionären Führern notwendigen Voraussetzungen gewährleistet sind. " (SW 8, S. 166f.)191

An anderer Stelle wies Stalin darauf hin, daß ein solcher Block wie das Englisch-Russische Einheitskomitee nicht der einzige Weg der Einflußnahme auf das Proletariat in den kapitalistischen Ländern ist. Die internationalistische Arbeit für die Revolutionierung der Arbeitermassen war hauptsächlich über die Kommunistische Internationale und über die Rote Gewerkschaftsinternationale zu leisten, während zeitweilige und instabile Abkommen wie mit den reaktionären englischen Gewerkschaften im Vergleich dazu nebenrangig, wenn auch unabdingbar waren.192

Die Kämpfe in England hatten gezeigt, daß die Phase der relativen Stabilisierung des Kapitalismus sich Ende 1926 ihrem Ende zuneigte und sich die Arbeiterklasse auf verschärfte Angriffe der Kapitalisten und neue revolutionäre Massenkämpfe vorbereiten mußte.

Über den Zusammenhang von ideologischem Kampf und organisatorischen Maßnahmen gegen die opportunistische Opposition

In den Jahren 1926/1927 führte die KPdSU(B) unter Führung Stalins einen umfassenden und entschiedenen ideologischen Kampf sowohl in der eigenen Partei als auch in der Kommunistischen Internationale gegen den opportunistischen „Oppositionsblock", zu dem sich die Trotzkisten und die „neue Opposition" mit Sinowjew und Kamenew an der Spitze vereinigten. Auf der anderen Seite verlor der „Oppositionsblock" in dieser Zeit seinen Einfluß in der Partei fast vollständig und ging aufgrund seiner Isolierung von der fraktionistischen Tätigkeit innerhalb der KPdSU(B) zum Aufbau eigener konterrevolutionärer Parteistrukturen über.

In dieser Zeitspanne leistete Stalin mit zahlreichen Reden und Artikeln eine umfangreiche Erziehung der Partei für den Leninismus und führte einen auf Argumenten und Beweisen beruhenden ideologisch vernichtenden Kampf gegen den Trotzkismus und die „neue Opposition". Vor allem mit seinem Referat „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei" auf der XV. Unionskonferenz der KPdSU(B) im November 1926 und seinem Referat „Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei" auf dem VII. Erweiterten Plenum des EKKI im Dezember 1926 leistete Stalin einen entscheidenden Beitrag zur ideologischen Zerschlagung der opportunistischen Opposition und sicherte so die Einheit und Geschlossenheit der Reihen der Partei und der Komintern auf leninistischer Grundlage.

Stalin machte deutlich, daß der Kampf gegen die opportunistische Opposition im Bewußtsein geführt werden muß, daß prinzipielle Meinungsverschiedenheiten nur durch Kampf entschieden werden können:

„Es handelt sich darum, daß es prinzipielle Meinungsverschiedenheiten gibt, die im Verlauf der Entwicklung der Partei, im Verlauf des Klassenkampfes des Proletariats entstehen. Es handelt sich darum, daß man Gegensätze nur auf dem Wege des Kampfes überwinden kann, des Kampfes um diese oder jene Prinzipien, um diese oder jene Kampfziele, um diese oder jene Kampfmethode zu Erreichung des Zieles. " (SW 9, S. 3f.)193

Der Trotzkismus stand an der Spitze des „Oppositionsblocks", in dem sich alle opportunistischen Gruppierungen vereinigten, „die entweder seit ihrem Entstehen gegen den Leninismus gekämpft haben oder aber in letzter Zeit den Kampf gegen ihn aufgenommen haben". (Ebenda SW 9, S. 12) Deshalb kam im Kampf gegen die opportunistische Opposition der Auseinandersetzung mit den antileninistischen Auffassungen Trotzkis eine besondere Bedeutung zu, seit er 1917 der Partei der Bolschewiki beitrat. Vor 1917 war Trotzki mal im Lager der Menschewiki, mal rückte er von ihnen ab, war aber nie im Lager der Bolschewiki.194

Stalin erinnerte ausdrücklich an die Geschichte der Meinungsverschiedenheiten mit Trotzki in der KPdSU(B), um deutlich zum machen, daß ein langer und tiefgehender ideologischer Kampf der Partei gegen den Trotzkismus stattgefunden hatte, ein Kampf, in dessen Verlauf die Partei jedesmal und wiederholt die antileninistischen Auffassungen und die fraktionistische Tätigkeit Trotzkis abgelehnt und verurteilt hatte. Und Stalin forderte die Delegierten des VII. EKKI-Plenums auf, selbst zu urteilen, ob man Trotzkis Beteuerung auf dein Plenum Glauben schenken kann, er habe beim Parteieintritt alles „abgelegt", was ihn vom Bolschewismus trenne:

„Urteilen Sie selbst. 1918 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei in der Frage des Brester Friedens und Kampf innerhalb der Partei. 1920/21 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei über die Gewerkschaftsbewegung und Diskussion im gesamtrussischen Maßstab. 1923 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei in den Grundfragen des Parteiaufbaus und der Wirtschaftspolitik, Diskussion in der Partei. 1924 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei in der Frage der Einschätzung der Oktoberrevolution und der führenden Rolle der Partei, Diskussion in der Partei. 1925/26 - Meinungsverschiedenheiten Trotzkis und seines Oppositionsblocks mit der Partei in den Grund agen unserer Revolution und in der Tagespolitik. " (SW 9, S. 74)195

Stalin machte mit diesem Blick auf die Geschichte des Kampfes gegen den Trotzkismus nicht nur deutlich, daß eine tiefgehende Auseinandersetzung und ausführliche Debatte über prinzipielle Meinungsverschiedenheiten in der Partei stattgefunden hatte, sondern auch, daß der Fraktionismus des „Oppositionsblocks" tiefe ideologische Wurzeln in der Gegnerschaft zum Leninismus hatte. Da die Opposition mit ihren gegen den Leninismus gerichteten Auffassungen nicht ideologisch gebrochen hatte und statt selbstkritischer Korrektur den Weg der Fraktionsbildung und des Bruchs der organisatorischen Prinzipien der Partei gegangen war, lag es in der Logik der Sache, daß die Opposition auch politisch in das Lager der Gegner der Sowjetmacht und der Diktatur des Proletariats geriet, in das Lager der konterrevolutionären russischen Sozialdemokraten und Kadetten, die in ihren Emigrantenzeitungen die Opposition mit Lob überschütteten. Stalin machte klar, daß dies in der objektiven Logik des Fraktionskampfes lag, unabhängig von den subjektiven Vorstellungen der sich fraktionistisch betätigenden Mitglieder des „Oppositionsblocks". Stalin warf die Frage wie folgt auf

Wollte das die Opposition? Wahrscheinlich wollte sie es nicht. Aber hier kommt es nicht darauf an, was die Opposition will, sondern darauf wohin ihr Fraktionskampf objektiv führt. Die Logik des Fraktionskampfes ist stärker als die Wünsche dieser oder jener Leute. Und gerade deshalb haben sich die Dinge so gestaltet, daß sich die Front der Opposition in der Tat mit der Front der Gegner und Feinde der Diktatur des Proletariats verschmolzen hat. " (SW 9, S. 49) 196

Stalin ließ damit keinen Zweifel, daß der „Oppositionsblock" mit seiner fraktionistischen und antisowjetischen Politik bereits derart in den konterrevolutionären Sumpf geraten war, daß die „Logik des Fraktionskampfes" zum organisatorischen Bruch und zum Ausschluß aus der Partei führen mußte.

Der XV. Parteitag der KPdSU(B) im Dezember 1927 erklärte die Zugehörigkeit zum „Oppositionsblock" und die Propagierung seiner trotzkistisch-opportunistischen Auffassungen als unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der KPdSU(B). Der Parteitag bestätigte den Beschluß des ZK und der ZKK vom November 1927 über den Ausschluß Trotzkis und Sinowjews aus der KPdSU(B) und beschloß, alle aktiven Beteiligten am „Oppositionsblock" aus der Partei auszuschließen. Stalin resümierte in seinem Rechenschaftsbericht an den XV. Parteitag die „Hauptdifferenzen mit der Opposition "197 und erklärte vorab:

„Eben weil die Opposition mit der Partei in allen Fragen auseinandergeht, eben darum ist die Opposition eine Gruppe mit eigener Ideologie, mit eigenem Programm, mit eigener Taktik, mit eigenen Organisationsprinzipien. "(Ebenda SW 10, S. 293)

Und Stalin folgerte, daß damit die Opposition alles hatte, was für eine neue Partei nötig war, jedoch „es fehlt ihr die Kraft" (Ebenda), eine solche zu schaffen. Zwar ging die Opposition bereits dazu über, wie Stalin an anderer Stelle in seinem Rechenschaftsbericht erwähnte, eine illegale Druckerei einzurichten und eine parteifeindliche, antisowjetische Demonstration zu organisieren,198 jedoch war die der Opposition „fehlende Kraft" auch Ausdruck ihrer Isolierung in der Partei und in den werktätigen Massen der Sowjetunion.

Stalin führte in seinem Rechenschaftsbericht als Ergebnis der Diskussion vor dem Parteitag über die Linie der Partei und den „Oppositionsblock" das Stimmenverhältnis der Abstimmung an: für die Partei 724 000 Genossinnen und Genossen, für die Opposition 4 000.199 Kurz vor dem Parteitag zeichnete Stalin in seiner Rede auf der XVI. Moskauer Gouvernementsparteikonferenz am 23. November 1927 ein anschauliches Bild vom schwindenden Einfluß des Trotzkismus und der opportunistischen Opposition in der Partei aufgrund des systematischen ideologischen Kampfes und der offenen Debatte, mittels derer die leninistische Parteiführung die Opposition widerlegte und entlarvte. Standen in der Periode des Brester Friedens 1918 noch ein Viertel der Parteimitglieder hinter dem Trotzkismus, wurde ihr Einfluß in der Gewerkschaftsdiskussion 1921 auf ein Achtel reduziert. Auf dem XIV. Parteitag 1925 hatte die „neue Opposition" mit Sinowjew und Kamenew an der Spitze immerhin noch die Leningrader Delegation hinter sich. Schließlich sank der Einfluß des „Oppositionsblocks" aller opportunistischer Gruppen in der Partei auf dem XV. Parteitag 1927 auf unter ein Prozent. 200 Deshalb konnte Stalin am Ende seiner Parteitagsrede zu Recht feststellen:

Wir haben die Partei gefestigt, den Leninismus behauptet und die Opposition vernichtend geschlagen. " (SW 10, S. 306)201

Es war ein großes Verdienst Stalins in dem zehnjährigen innerparteilichen Kampf gegen die opportunistische Opposition in der KPdSU(B) von 1917 bis 1927 die beiden grundlegenden Gesetzmäßigkeiten, Formen und Methoden des innerparteilichen Kampfes vorbildlich durchgeführt und in der Partei sowie in der breiten werktätigen Öffentlichkeit bewußtgemacht zu haben: die Notwendigkeit eines unversöhnlichen Kampfes gegen opportunistische Kräfte und die Notwendigkeit der solidarischen Kritik und Selbstkritik.

Stalins Betonung der Wissenschaftlichkeit in Fragen des Meinungskampfes, seine Einforderung der Beweispflicht für aufgestellte und vertretene Behauptungen, sein Kampf gegen eine Atmosphäre von Gerüchten und Verleumdungen, sein Kampf für einen offenen und ehrlichen Umgang mit den eigenen Fehlern, seine Forderung nach einem offenen und öffentlichen Kampf voller Argumente und nicht ohne Polemik - all dies sind wesentliche kommunistische Methoden des innerparteilichen Kampfes, die durch den Kampf gegen die Opposition in den Reihen der KPdSU(B) und der Komintern bei Hunderttausenden von Kommunistinnen und Kommunisten bewußtgemacht und als Anforderungen der leninistischen Partei verankert wurden.

Gerade angesichts der Erfolge im Kampf gegen die opportunistische Opposition warnte Stalin eindringlich vor der Gefahr der Oberlieblichkeit und rückte die unbedingte Notwendigkeit der Kritik und Selbstkritik als Grundgesetz der Entwicklung der Kommunistischen Partei ins Bewußtsein der Parteimitglieder.

Wenn wir nicht offen und ehrlich, wie es Bolschewiki geziemt, die Fehler und Mängel unserer Arbeit feststellen und aufdecken, dann versperren wir uns selbst den Weg nach vorn. Wir wollen aber vorwärtsschreiten. Und gerade, weil wir vorwärtsschreiten wollen, müssen wir die ehrliche und revolutionäre Selbstkritik zu einer unserer wichtigsten Aufgaben machen. Ohne das gibt es keinen Vormarsch. Ohne das gibt es keine Entwicklung. " (SW 10, S. 287) 202

Die Verbindung der Methode der Kritik und Selbstkritik mit dem Kampf gegen den Opportunismus und die restlose Entlarvung und Zerschlagung der Opposition war gerade in der Schlußphase des Kampfs gegen den „Oppositionsblock" in den Jahren 1926 und 1927, als die Opposition vom ideologischen Kampf gegen die leninistische Linie der Partei zum offenen antisowjetischen Kampf und zur faktischen Zusammenarbeit mit den Kräften des Klassenfeindes übergegangen war, ein wesentliches Mittel der Erziehung der Parteimitglieder. Denn es galt, den weiteren Vormarsch beim sozialistischen Aufbau zu organisieren, den Klassenkampf weiter zu intensivieren und die Aktivität des Proletariats und der werktätigen Massen weiter zu heben.

1928 erschien in der Sowjetunion zum ersten Mal der Sammelband „Über die Opposition", der die wichtigsten Artikel und Reden Stalins, die in der Hauptphase des innerparteilichen Kampfes gegen die Opposition 1921-1927 entstanden waren, enthielt. Das gründliche Studium dieses über 1000 Seiten umfassenden Bandes vermittelt einen hervorragenden Überblick über den Verlauf des ideologischen Kampfes von Stalin in diesen Jahren, vermittelt entscheidende Inhalte und Methoden dieses Kampfes von Stalin an der Spitze der leninistischen Führung der KPdSU(B).203

Der zehn Jahre dauernde ideologische Kampf gegen die opportunistische Opposition war Ausdruck breitester proletarischer Demokratie sowohl innerhalb als auch außerhalb der Partei. Er diente der Parteiführung zur ideologischen Erziehung und Schulung der Parteimitglieder, sowohl in grundlegenden theoretischen Fragen als auch in den Methoden des innerparteilichen Kampfes. Die breite öffentliche Debatte war auch deshalb notwendig, weil es nicht genügte, daß die Parteiführung vom Opportunismus der führenden Kräfte der Opposition überzeugt war. Die opportunistischen Führer mußten politisch isoliert, ihre Autorität mußte gebrochen und sie mußten durch gründliche Entlarvung und breiteste Aufdeckung ihre Fehler vor der ganzen Partei diskreditiert werden. Die Parteimassen wie auch die parteilosen werktätigen Massen mußten aufgeklärt werden und diejenigen, die innerhalb oder außerhalb der Partei von der Opposition beeinflußt waren, mußten von deren Schädlichkeit für die Kommunistische Partei und die Festigung der Diktatur des Proletariats, für die Fortsetzung der proletarischen Revolution und den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion überzeugt werden.

„Was heißt eigentliche Kommunismus?" - Gespräche mit Delegationen von Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Ländern

Während die opportunistische Opposition in der KPdSU(B) in immer größere Isolation geriet und den Weg der offenen Feindschaft gegen die Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion beschritt, wuchs das Ansehen des ersten sozialistischen Landes und sein Einfluß auf die internationale Arbeiterbewegung. Ein Ausdruck davon waren die zahlreichen Delegationen von Arbeiterinnen und Arbeitern, die aus aller Welt kamen, um die neue Welt des Sozialismus in Augenschein zu nehmen und Erfahrungen der Arbeiterklasse und ihrer Partei bei der Ausübung ihrer Macht zu studieren.

Diese Besuche waren auch eine wichtiges Mittel der KPdSU(B) und der Sowjetunion, die Kommunistischen Parteien verschiedener Länder in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Mehrheit der Arbeiterklasse und der ausgebeuteten Werktätigen für den Kommunismus zu gewinnen

Einen Eindruck von dem Interesse und der Wißbegier der Arbeiterinnen und Arbeiter, die die Sowjetunion besuchten, geben auch zwei Gespräche Stalins mit mehreren dieser Delegationen: am 9. September 1927 führte er eine „Unterredung mit der ersten amerikanischen Arbeiterdelegation"204 und am 5. November 1927 eine „Unterredung mit ausländischen Arbeiterdelegationen"205 aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Tschechoslowakei, Südamerika, China, Belgien, Finnland, Dänemark und Estland. Die Gespräche fanden, wie sich bei der Lektüre mitteilt, nicht nur in einer sehr offenen Atmosphäre statt, in der die Delegationen auch nicht mit kritischen Nachfragen hinter dem Berg hielten. Stalin ging offen auf alle Fragen ein, griff aber auch das eine oder andere Ressentiment auf, das sich an dieser oder jener Frage heraushören ließ, um mit klaren Worten die grundlegende Linie der KPdSU(B) überzeugend darzulegen. Die besprochen Themen reichten von Fragen der Kommunistischen Partei, der nationalen Minderheiten über das Außenhandelsmonopol bis zu Fragen der Religions- und Pressefreiheit und der Rolle der Staatssicherheitsorgane.

Ein gutes Beispiel dafür, wie ernsthaft und wissenschaftlich fundiert Stalin auf die Fragen der Arbeiterinnen und Arbeiter antwortete, sind seine Ausführungen zur Charakteristik der zukünftigen Gesellschaft, für die die Kommunistischen Parteien kämpfen.206

„Eine allgemeine Charakteristik der kommunistischen Gesellschaft haben Marx, Engels und Lenin in ihren Werken gegeben. Will man in Kürze die Anatomie der kommunistischen Gesellschaft skizzieren, so wird das eine Gesellschaft sein:

a) in der es kein Privateigentum an Produktionsinstrumenten und -mitteln, sondern nur gesellschaftliches, kollektives Eigentum an ihnen geben wird;

b) in der es keine Klassen und keine Staatsmacht, sondern Schaffende der Industrie und der Landwirtschaft geben wird, die sich als eine freie Assoziation der Werktätigen wirtschaftlich selbst verwalten werden;

c) in der die Volkswirtschaft, nach einem Plan organisiert, auf der höchstentwickelten Technik sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft basieren wird;

d) in der es keinen Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft geben wird,

e) in der man die Produkte nach dem Prinzip der altenfranzösischen Kommunisten verteilen wird: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen';

f) in der Wissenschaft und Kunst sich unter so günstigen Verhältnissen entwickeln werden, daß sie zur vollen Blüte gelangen werden;

g) in der die Persönlichkeit, befreit von der Sorge um das Stück Brot und von der Notwendigkeit, sich an die , Mächtigen dieser Welt' anzupassen, wirklich frei sein wird. " (SW 10, S. 116f.)207

Die proletarisch-internationalistische Haltung, mit der Stalin diese Unterredungen führte, wird deutlich an seiner Schlußbemerkung, mit der er dem Dank eines Delegierten für das Gespräch antwortete:

„Nichts zu danken, Genossen. Ich halte es für meine Pflicht, die Fragen zu beantworten und Ihnen Rechenschaft abzulegen. Wir Sowjetfunktionäre sind der Auffassung, daß wir verpflichtet sind, unseren Klassenbrüdern in allen Fragen, in denen sie Bericht zu erhalten wünschen, Rechenschaft abzulegen. Unser Staat ist ein Kind des Weltproletariats. Die Führer unseres Staates erfüllen lediglich ihre Pflicht gegenüber dem Weltproletariat, wenn sie vor dessen Vertretern Rechenschaft ablegen. " (SW 10, S. 206)208

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