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Kapitel 1:
„Meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter"
(1894-1903)

Josef Wissarionowitsch Dshugaschwili (Parteiname Stalin) wurde am 9., nach neuem Kalender am 21. Dezember 187926 in der Stadt Gor], Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater, Wissarion Iwanowitsch Dshugaschwili, der Nationalität nach Georgier, stammte aus einer Bauernfamilie des Dorfes Dido-Lido, Gouvernement Tiflis, war von Beruf Schuhmacher, später Arbeiter in der Schuhfabrik Adelchanow in Tiflis. Die Mutter, Jekaterina Georgijewna, entstammte der Familie des leibeigenen Bauern Geladse aus dem Dorf Gambareuli.
Im September 1888 wurde Stalin in die vierklassige Elementarschule von Gori aufgenommen. Er beendete 1894 die Schule und bezog im gleichen Jahr das griechisch-orthodoxe Priesterseminar in Tiflis.
In diesen Jahren fand der Marxismus in Rußland aufgrund der Entwicklung des Kapitalismus in der Industrie und des Wachstums der Arbeiterbewegung weite Verbreitung. Der von Lenin 1895 gegründete und von ihm geleitete Petersburger „Kampfbund zu Befreiung der Arbeiterklasse" gab der Entwicklung der marxistischen sozialdemokratischen Bewegung im ganzen Land einen mächtigen Anstoß. Eingeleitet wurde damit eine neue Etappe, der Übergang zur Massenagitation unter den Arbeiterinnen und Arbeitern und die Vereinigung des Marxismus mit der Arbeiterbewegung. Der Petersburger „Kampfbund" war der erste Keim der revolutionären proletarischen Partei in Rußland. Nach seinem Vorbild wurden marxistische Organisationen in allen großen Industriezentren und in den Randgebieten geschaffen. Im Jahr 1898 wurde mit der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (SDAPR) 27 auf dem 1. Parteitag der Versuch unternommen, die marxistischen sozialdemokratischen Organisationen zu einer Partei zu vereinigen. Jedoch hat dieser Parteitag die Partei noch nicht wirklich geschaffen: Es gab weder ein Programm noch ein Statut, noch eine Leitung von einem Zentrum aus, es gab fast keine Verbindung zwischen den einzelnen marxistischen Zirkeln und Gruppen. Die Parteigründung war im Grunde ein formaler Akt, hatte aber dennoch große propagandistische Bedeutung. Darin lag die Bedeutung des ersten Parteitags. Mit der sich entwickelnden revolutionären Arbeiterbewegung wuchsen und erstarkten revolutionäre und marxistische Organisationen in Rußland. Doch diese waren zersplittert, ideologisch zerfahren und politisch schwankend. Um wirklich den Aufbau der Partei in Angriff zu nehmen, mußte vor allem der Kampf gegen die „Ökonomisten" geführt und deren Ideologie in der revolutionären marxistischen Bewegung zerschlagen werden. Die „Ökonomisten" rechtfertigten theoretisch die desolate Lage der sozialdemokratischen Bewegung. Da diese Lage ihrer Theorie der Anbetung der Spontaneität, des Nachtrabs hinter der Arbeiterbewegung entsprach. In der 1938 erschienenen „Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) - Kurzer Lehrgang" heißt es zu dieser Situation: „ Um die zersplitterten marxistischen Organisationen miteinander zu verbinden und zu einer Partei zu vereinigen, entwarf und verwirklichte Lenin den Plan der Schaffung der ersten gesamtrussischen Zeitung der revolutionären Marxisten - der,Iskra `. Die Hauptgegner der Schaffung der einheitlichen politischen Arbeiterpartei waren in dieser Periode die ,Ökonomisten'. Sie verneinten die Notwendigkeit einer solchen Partei. Sie förderten die Zersplitterung und Handwerklerei der einzelnen Gruppen. Und gegen sie gerade richtete Lenin und die von ihm organisierte Lskra' ihre Schläge. Die Herausgabe der ersten Nummer der,Iskra' (1900 bis 1901) bedeutete den Übergang zu einer neuen Periode, die Periode der tatsächlichen Bildung der einheitlichen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands aus den zersplitterten Gruppen und Zirkeln. " (KL, S. 35, H.i.O.)28 Die Wellen der Arbeiterbewegung erfaßten auch Transkaukasien, wohin der Kapitalismus bereits vorgedrungen war und wo eine starke nationale und koloniale Unterdrückung herrschte. Transkaukasien war eine typische Kolonie des russischen Zarismus, ein wirtschaftlich rückständiges Agrarland mit noch starken Überresten des Feudalismus, ein Land, das von zahlreichen Nationalitäten bewohnt war, die in einem bunten Gemisch nebeneinander lebten. Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und der ersten Fabriken und Werke im Kaukasus entstand auch die Arbeiterklasse. Besonders rasch entwickelte sich die Erdölstadt Baku, das große Industriezentrum des Kaukasus. Die Entwicklung des Industriekapitalismus hatte ein Anwachsen der Arbeiterbewegung zur Folge. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts entfalteten in Transkaukasien die dorthin entsandten russischen Marxisten ihre revolutionäre Tätigkeit und begannen mit der Propagierung des Marxismus.

Beginn der revolutionären Tätigkeit Stalins

Das Tifliser griechisch-orthodoxe Seminar war damals ein Zentrum für jede Art von Befreiungsideen unter der Jugend, sowohl von volkstümlerisch-nationalistischen als auch von marxistischinternationalistischen. Das im Seminar herrschende Jesuitenregime rief bei Stalin stürmischen Protest hervor, nährte und verstärkte in ihm die revolutionäre Gesinnung. In die revolutionäre Bewegung trat Stalin im Alter von 15 Jahren ein, als er mit den illegalen Gruppen russischer Marxisten, die damals in Transkaukasien lebten, Verbindung aufgenommen hatte. Diese Gruppen übten großen Einfluß auf ihn aus und führten ihn an die illegale marxistische Literatur heran. In den Jahren 1896 und 1897 leitete Stalin marxistische Schülerzirkel im Seminar. Stalin arbeitete viel und beharrlich: Er studierte „Das Kapital" von Marx, das „Manifest der Kommunistischen Partei" und andere Werke von Marx und Engels, machte sich mit den gegen die Volkstümlerrichtung, den „legalen Marxismus" und den „Ökonomismus" gerichteten Schriften Lenins vertraut. Bereits damals machten die Schriften Lenins einen tiefen Eindruck auf ihn. Er studierte Philosophie, politische Ökonomie, Geschichte, Naturwissenschaften, las wichtige Werke der Belletristik. Im August 1898 trat Stalin im Alter von 19 Jahren der Tifliser Organisation der SDAPR bei. Stalin wurde Mitglied der Gruppe „Messame-Dassi", der ersten georgischen sozialdemokratischen Organisation, die in den Jahren 1893 bis 1898 eine gewisse positive Rolle bei der Verbreitung der Ideen des Marxismus spielte. Die „Messame-Dassi" war politisch nicht einheitlich - ihre Mehrheit vertrat den Standpunkt des „legalen Marxismus" und neigte zum bürgerlichen Nationalismus. Die Genossen Stalin, Kezchoweli und Zulikidse bildeten in der „Messame-Dassi" den führenden Kern der revolutionären marxistischen Minderheit, die zur Keimzelle der revolutionären Sozialdemokratie Georgiens wurde. Stalin leistete in diesem Zeitabschnitt intensive propagandistische Arbeit in Arbeiterzirkeln (unter anderem im Eisenbahnausbesserungswerk in Tiflis), nahm an illegalen Arbeiterversammlungen teil, verfaßte Flugblätter und organisierte Streiks. Das war für Stalin die erste Schule der praktischen revolutionären Arbeit unter den fortgeschrittenen Proletarierinnen und Proletariern von Tiflis. Stalin blickte 1926 in einer Rede auf diese Zeit wie folgt zurück: „Ich erinnere mich des Jahres 1898, als man mir zum erstenmal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahnwerkstätten zuteilte. (...) Hier, im Kreise dieser Genossen, erhielt ich damals meine erste revolutionäre Feuertaufe. Hier, im Kreise dieser Genossen, wurde ich damals ein Lehrling der Revolution. (...) meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter. " (SW 8, S. 154f.)29 Dem Unterricht in den marxistischen Arbeiterzirkeln von Tiflis lag ein von Stalin verfaßtes Schulungsprogramm zugrunde. Im Seminar, wo die „Verdächtigen" unter scharfe Beobachtung gestellt wurden, kam man der illegalen Tätigkeit Stalins auf die Spur. Am 29. Mai 1899 wurde er wegen marxistischer Propaganda aus dem Seminar ausgeschlossen. Stalin schlug sich einige Zeit mit Stundengeben durch und fand dann im Dezember 1899 Arbeit am Tifliser Physikalischen Observatorium. Stalin setzte seine revolutionäre Tätigkeit fort und war zu dieser Zeit einer der wichtigsten und energischsten Parteiarbeiter der Tifliser revolutionären Sozialdemokraten. Vorbild für ihre revolutionäre Arbeit war der Leninsche „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse". Unter Führung der revolutionären Minderheit der „Messame-Dassi", die die Notwendigkeit der Schaffung einer illegalen revolutionären marxistischen Presse verfocht, ging die Arbeiterbewegung in Tiflis in diesem Zeitabschnitt über den Rahmen der rein propagandistischen Arbeit hinaus. Die Agitation unter den werktätigen Massen durch Herausgabe von Flugblättern über aktuelle Themen, durch fliegende Versammlungen und politische Demonstrationen gegen den Zarismus rückte in den Vordergrund. Diese neue Taktik stieß auf den scharfen Widerstand der opportunistischen Mehrheit der „Messame-Dassi", die zum „Ökonomismus" neigte, vor revolutionären Kampfmethoden zurückschreckte und den politischen Kampf auf der Straße gegen die zaristische Selbstherrschaft ablehnte. Stalin und die revolutionäre Minderheit der „Messame-Dassi" führten einen heftigen und unversöhnlichen Kampf gegen die Opportunisten, für die Durchsetzung der neuen Taktik der politischen Massenagitation, und sie fanden dafür bei den fortgeschrittenen Tifliser Arbeiterinnen und Arbeitern Unterstützung. Im April 1900 hielt Stalin in der Umgebung von Tiflis, in der Gegend des Salzsees, auf einer proletarischen Maifeier eine Rede. Beim Übergang der Tifliser Sozialdemokraten zu neuen Arbeitsmethoden spielte Viktor Kurnatowski eine hervorragende Rolle. Das war ein geschulter Marxist, ein standhafter und naher Kampfgefährte Lenins, ein Verfechter der Leninschen Ideen in Transkaukasien. Im Sommer 1900 in Tiflis eingetroffen, stellte er enge Beziehungen zu Stalin und der revolutionären Minderheit der „Messame-Dassi" her und wurde zum nächsten Freund und Kampfgefährten Stalins. Als im Dezember 1900 die Leninsche „Iskra" (Der Funke) zu erscheinen begann, stellte sich Stalin entschieden auf ihren Standpunkt und erkannte die überragende Rolle Lenins bei der Schaffung einer wahrhaft marxistischen Partei. Unter den Bedingungen der einsetzenden Wirtschaftskrise, unter dem Einfluß der Arbeiterbewegung Rußlands und als Folge der Tätigkeit der Sozialdemokraten setzte in Tiflis in den Jahren 1900 und 1901 eine Welle wirtschaftlicher Streiks ein, die einen Betrieb nach dem anderen erfaßte. Im August 1900 gelang unter Stalins Leitung ein großer Massenstreik der Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten und Eisenbahndepots. Am 22. April 1901 fand im Zentrum von Tiflis eine Maidemonstration statt. Stalin war an der Organisation und Durchführung der Demonstration maßgeblich beteiligt. Die von Lenin geleitete „Iskra" schätzte diese Demonstration als ein Ereignis von historischer Bedeutung für den ganzen Kaukasus ein: ihre Wirkung auf die gesamte weitere Entwicklung der Arbeiterbewegung des Kaukasus war außerordentlich groß. So wurde in diesen Jahren unter Leitung der revolutionären, von Stalin geführten Minderheit der „Messame-Dassi" der Übergang der Arbeiterbewegung Georgiens von der Propaganda in kleinen Zirkeln zur politischen Massenagitation vollzogen. Damit wurde auch im Kaukasus die Vereinigung des Marxismus mit der Arbeiterbewegung eingeleitet.

Eintritt in das Leben eines illegal wirkenden Berufsrevolutionärs

Die durch das Anwachsen des revolutionären Kampfes des transkaukasischen Proletariats beunruhigte zaristische Regierung verschärfte die Gewaltmaßnahmen und glaubte, dadurch der Bewegung Einhalt gebieten zu können. Am 21. März 1901 führte die Polizei eine Hausdurchsuchung im Physikalischen Observatorium durch, wo Stalin wohnte und arbeitete. Die Hausdurchsuchung und der später bekanntgewordene Haftbefehl der Geheimpolizei Ochrana veranlaßten Stalin, in die Illegalität zu gehen. Von da an bis zur Februarrevolution 1917 führte Stalin in der Illegalität das Leben eines Berufsrevolutionärs Leninscher Schule.
Auf Initiative Stalins und Kezchowelis begann im September 1901 die erste illegale georgische sozialdemokratische Zeitung „Brdsola" (Der Kampf) zu erscheinen, das Organ des revolutionären Flügels der georgischen Marxisten. In ihm wurden die Ideen der Leninschen „Iskra" verfochten. Der Leitartikel der ersten Nummer der „Brdsola" (September 1901) unter dem Titel „Geleitwort der Redaktion" wurde von Stalin verfaßt. In diesem Leitartikel wies Stalin darauf hin, daß die Zeitung ihre Aufmerksamkeit vorwiegend auf die Arbeiterbewegung lenken muß. Nur das revolutionäre Proletariat werde den Kommunismus erkämpfen und so die Menschheit befreien. Weiter legte Stalin die grundlegenden Aufgaben dar, der die „Brdsola" als marxistische Zeitung nachzukommen hat:
„Die georgische sozialdemokratische Zeitung (muß) klare Antwort geben auf alle Fragen, die mit der Arbeiterbewegung zusammenhängen, die prinzipiellen Fragen klären, die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf theoretisch erläutern und jede Erscheinung, auf die der Arbeiter stößt, mit dem Lichte des wissenschaftlichen Sozialismus beleuchten. Gleichzeitig muß die Zeitung ein Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Rußlands sein und ihre Leser rechtzeitig über alle die taktischen Ansichten unterrichten, die die revolutionäre Sozialdemokratie Rußlands verficht. Sie muß die Leser darüber informieren, wie die Arbeiter in den anderen Ländern leben, was sie für die Verbesserung ihrer Lage tun und wie sie das tun, und die georgischen Arbeiter rechtzeitig dazu aufrufen, auf dem Kampffeld hervorzutreten. Dabei darf die Zeitung keine gesellschaftliche Bewegung unberücksichtigt lassen, sondern muß sie alle der sozialdemokratischen Kritik unterziehen. " (SW 1, S. 8)30
In der folgenden Doppelnummer (November/Dezember) brachte die „Brdsola" den wichtigen Artikel Stalins „Die Sozialdemokratische Partei Rußlands und ihre nächsten Aufgaben". In diesem Artikel unterstrich Stalin die Notwendigkeit der Vereinigung des wissenschaftlichen Kommunismus mit der spontanen Arbeiterbewegung, wies auf die führende Rolle der Arbeiterklasse in der demokratischen Revolution hin und stellte die Aufgabe, eine selbständige politische Partei des Proletariats zu schaffen, die mit festen Prinzipien und einer strengen Konspiration gewappnet sein wird.31
Auch die Herausgabe von Flugblättern in den verschiedenen Sprachen der vielen Nationalitäten Transkaukasiens nahm große Ausmaße an. „Prächtig geschriebene Aufrufe sind in russischer, georgischer und armenischer Sprache erschienen, und mit ihnen wurden alle Stadtviertel von Tiflis überflutet", schrieb die „Iskra" über die Tätigkeit der Tifliser Sozialdemokraten.32 Stalins nächster Kampfgefährte Lado Kezchoweli gründete in Baku ein Komitee der Leninschen „Iskra"-Richtung und organisierte eine illegale Druckerei.
Am 11. November 1901 fand eine Konferenz der Tifliser sozialdemokratischen Organisation statt, auf der das Tifliser Komitee der SDAPR gebildet wurde. Stalin wurde in das Komitee gewählt. Er blieb jedoch nur kurze Zeit in Tiflis. Ende November reiste Stalin im Auftrag des Tifliser Komitees nach Batum, dem drittgrößten (nach Baku und Tiflis) proletarischen Zentrum im Kaukasus, um dort eine sozialdemokratische Organisation zu schaffen.
Stalin stellte in Batum Verbindungen mit fortgeschrittenen Arbeitern her, gründete sozialdemokratische Zirkel und leitete selbst einige Zirkel. Er unterstützte die Genossinnen und Genossen vor Ort bei der Einrichtung einer illegalen Druckerei und bei der Erstellung und Verbreitung von Flugblättern. Gestützt auf die sozialdemokratischen Arbeiterzirkel leitete Stalin den Kampf der Arbeiterinnen und Arbeiter der Betriebe von Rothschild, Mantaschow, Sideridis und anderen. Außerdem spielte er eine wichtige Rolle bei der Organisierung der revolutionären Propaganda auf dem Land.
Ergebnis dieser vielfältigen Arbeiten in Batum war die Schaffung einer sozialdemokratischen Organisation, die Gründung des Batumer Komitees der SDAPR, das von Stalin geleitet wurde. Am 31. Dezember 1901 versammelte sich auf Initiative Stalins eine illegale Konferenz von Vertretern der sozialdemokratischen Zirkel.
Am 8. März 1902 rief das Batumer Komitee der SDAPR zu einer Kundgebung der streikenden Arbeiter auf, die die Freilassung von 32 verhafteten Streikteilnehmern verlangten.
Am 9. März organisierte das Batumer Komitee die berühmt gewordene politische Demonstration der Arbeiter der Batumer Betriebe, wodurch es gelang, die Streiks in den Betrieben mit dem politischen Kampf zu verbinden. Mehr als 6.000 Personen nahmen daran teil. Sie forderten die Freilassung von 300 am 8. März von der Polizei verhafteten Demonstranten. Die Demonstration wurde von Militär zusammengeschossen, wobei 15 Arbeiter getötet und 54 verletzt wurden. An die 500 Demonstranten wurden verhaftet. In der folgenden Nacht schrieb Stalin eine Proklamation, in der die blutige Niederschlagung der Demonstration verurteilt wird. Am 12. März leitete das Batumer Komitee die von ihm anläßlich der Beisetzung der ermordeten Opfer organisierte Demonstration.
So entstand und entwickelte sich in diesem Zeitabschnitt im entschiedenen und unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus die Organisation der Leninschen „lskra"-Richtung in Transkaukasien unter führender Beteiligung Stalins.
Die Organisation der Leninschen „Iskra"-Richtung in Transkaukasien wurde auf den festen Grundlagen des proletarischen Internationalismus aufgebaut. Sie vereinigte in ihren Reihen die fortgeschrittenen Arbeiterinnen und Arbeiter der verschiedenen Nationalitäten: Georgier, Armenier, Aserbaidschaner, Russen.
Der Aufschwung des Kampfes der Arbeiterinnen und Arbeiter in Batum rief bei der Regierung ernsthafte Beunruhigung hervor. Die Spürhunde der Polizei suchten eifrig nach den „Rädelsführern". Am 5. April 1902 wurde Stalin auf einer Sitzung der führenden Parteigruppe in Batum verhaftet. Doch auch im Gefängnis (zuerst in Batum, dann - vom 19. April 1903 ab - in dem durch sein hartes Regime berüchtigten Gefängnis von Kutais, danach wieder in Batum) verlor Stalin nicht die Verbindung mit der revolutionären Arbeit. Vom Batumer und vom Kutaiser Gefängnis aus organisierte er die
Verbindung mit der Batumer sozialdemokratischen Organisation, nahm Einfluß auf ihre Arbeit, schrieb Flugblätter, leistete politische Arbeit unter den revolutionären Gefangenen und propagierte unter ihnen die Ideen der Leninschen „Iskra".
Anfang März 1903 tagte der erste Kongreß der sozialdemokratischen Organisationen des Kaukasus, auf dem der Kaukasische Bund der SDAPR gegründet wurde. Stalin, der sich in Haft befand, wurde zum Mitglied des Kaukasischen Bundeskomitees der SDAPR gewählt. Im Gefängnis erfuhr Stalin von Genossen, die vom II. Parteitag der SDAPR zurückgekehrt waren, daß zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki überaus ernste Meinungsverschiedenheiten bestanden.
Auf dem II. Parteitag der SDAPR im Juli 1903 gab es bei der Verabschiedung des Parteiprogramms Differenzen und Auseinandersetzungen um die Frage der Diktatur des Proletariats, um die Bauernfrage und um die Frage des Rechts der Nationen auf volle Selbstbestimmung. Doch in diesen Fragen konnte sich Lenin auf dem Parteitag durchsetzen, so daß ein revolutionäres Programm angenommen wurde. Anders war es in der Frage des § 1 des Parteistatuts, bei der Frage, wer Mitglied der Partei werden kann. Streitpunkt war, ob ein Parteimitglied in einer Organisation der Partei tätig sein muß oder nicht. Die Formulierung Martows, die die Vorstellung einer Partei propagierte, die nicht straff organisiert und nicht aus einem Guß mit einheitlicher Disziplin ist, setzte sich durch. In der Frage der zentralen Parteiinstitutionen (Zentralkomitee und Redaktion des Zentralorgans „Iskra") erlitten Martow und seine Anhänger jedoch eine Niederlage, sie blieben in der Minderheit (Menschewiki). Lenin und seine Anhänger erhielten die Mehrheit (Bolschewiki). Das war der Beginn der Spaltung der Partei in Bolschewiki und Menschewiki. Stalin trat entschieden auf die Seite Lenins, auf die Seite der Bolschewiki.
Im Herbst 1903 wurde Stalin für drei Jahre nach Sibirien verbannt, in das Dorf Nowaja Uda, Kreis Balagansk, Gouvernement Irkutsk. Am 27. November 1903 kam Stalin im Verbannungsort an.
Stalin blieb jedoch nicht lange in der Verbannung. Er brannte vor Ungeduld, möglichst rasch die Freiheit wieder zu erlangen, um an der Durchführung des Leninschen Plans des Aufbaus der bolschewistischen Partei mitzuwirken. Am 5. Januar 1904 flüchtete Stalin aus der Verbannung. Im Februar 1904 war er wieder im Kaukasus, zuerst in Batum und dann in Tiflis.

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