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Anhang
1. Bibliographisches zur Veröffentlichung der Werke Stalins
Wie im „Vorwort zu den Gesammelten Werken J. W. Stalins" nachzulesen ist, sollten die Werke Stalins auf Beschluß des ZK der KPdSU(B) in 16 Bänden herausgegeben werden.397 Die erste Auflage der Bände 1-13 ist erstmals im Jahre 1946 vom Marx-EngelsLenin-Institut beim ZK der KPdSU(B) besorgt und auf russisch in Moskau erschienen. Geplant waren noch Band 14 mit den Schriften der Jahre 1934-1940, Band 15 sollte die 1938 als Einzelausgabe erschienene „Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang" umfassen und Band 16 die Schriften aus der Periode des „Großen Vaterkindischen Krieges der Sowjetunion". Diese Bände wurden nicht mehr im Rahmen der „Gesammelten Werke" zu Lebzeiten Stalins herausgegeben. Die Herausgabe der ersten deutsche Ausgabe der Bände 1-13 wurde vom Dietz Verlag 1950 in Berlin begonnen und 1955 beendet.
Durch die bewußte Auswahl und Erstveröffentlichung bestimmter Schriften, Texte, Gespräche und Briefe, die von Stalin für eine Veröffentlichung ausgewählt und freigegeben worden sind, ist mit der 1erausgabe der Gesammelten Werke Stalins in der Sowjetunion sehr massiv in die Debatte nach 1945 eingegriffen worden. Es wurde selbstverständlich nicht alles veröffentlicht, denn es gibt sicher auch interne Reden oder Dokumente, die inhaltlich zu uninteressant oder zu unwichtig waren. Eine vollständige Ausgabe war gar nicht gewollt, sondern es wurde eine bewußte Auswahl der ideologisch und politisch bedeutsamen Dokumente getroffen, auch solcher, die bisher noch nicht veröffentlicht worden sind.
So ist ganz bewußt eine Reihe von Briefen mit Polemiken gegen den Personenkult damals 1946 zum ersten Mal veröffentlicht worden, um eine Debatte über diese Frage zu eröffnen, z. B. der „Brief an Xenofontow" von 1926 oder der „Brief an Genossen Schatunowski" von 1930. Auch der „Brief an den Genossen Me-rt", einen Genossen der KPD, von 1925, der die wichtige Kritik an der gegenseitigen Zustimmerei in der internationalen kommunistischen Bewegung beinhaltet, wurde erstmals 1946 veröffentlicht. Oder die Kritik an der Angst vor Selbstkritik, die den Feinden Material liefere, die Stalin in einem „Brief an A. M. Gorki" 1930 schrieb, ist ebenfalls 1946 zum ersten Mal veröffentlicht worden. Ein anderes Beispiel für eine Erstveröffentlichung, die für die Zeit nach 1945, als es um den sozialistischen Aufbau in verschiedenen Ländern Osteuropas ging, sehr bedeutsam war, sind die Bemerkungen Stalins in einem Brief „An Genossin M. J. Uljanowa. Antwort an Genossen L. Michelson" von 1927. Dabei ging es darum, daß nach dem Sieg des Sozialismus noch lange nationale Unterschiede bestehen bleiben.
Anhand dieser Beispiele wird klar, daß nicht nur darauf zu achten ist, wann Texte geschrieben worden sind und in welchem Zusammenhang diese stehen, vielmehr muß das Augenmerk immer auch darauf gerichtet werden, wann die Schriften veröffentlicht worden sind, welche Debatte damit bewußt initiiert bzw. in welche Debatte damit hineingewirkt werden sollte. Zum anderen ist auch wichtig, ob eine Rede, die innerhalb der Partei oder auf Sitzungen der Kommunistischen Internationale gehalten wurde, damals bereits veröffentlicht wurde oder nur intern diskutiert wurde. Die Grundsatzreden Stalins, die in die Werke aufgenommen wurden, sind bis auf wenige Ausnahmen damals sofort in der „Prawda" veröffentlicht worden. Aus diesen Gründen ist in der Biographie in den Quellenangaben bei Zitaten stets vermerkt, ob, wann und wo der betreffende Text damals veröffentlicht wurde oder ob es eine Erstveröffentlichung bei Herausgabe der Werke ist. Nur so kann verstanden werden, welche Bedeutung und historische Wirkung etwa eine Rede hatte, ob sie nur intern, im relativ kleinen Kreis von Parteifunktionären, gehalten worden ist oder öffentlich, vor den Völkern der Sowjetunion, vor der ganzen Welt.
II.
Zur Überarbeitung und Kritik der
„Kurzen Lebensbeschreibung" Stalins von 1947
Ursprünglich sollte die in verschiedenen Auflagen in der Sowjetunion und international erschienene Biographie „Josef Wissarionowitsch Stalin - Kurze Lebensbeschreibung", Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1947 - die auf der vom Marx-Engels-Lenin-Institut in Moskau 1947 herausgegebenen, gegenüber der Auflage von 1939 zweiten, verbesserten und ergänzten russischen Auflage beruht -, weitgehend als Grundlage für eine Überarbeitung genommen werden.398 Es stellte sich jedoch bald heraus, daß dies in bezug auf weite Teile der Biographie aufgrund von erheblichen Mängeln nicht möglich ist.399
Eine erhebliche Schwäche der ursprünglichen Biographie, sowohl der von 1939 als auch der verbesserten Auflage von 1947, ist die Tendenz zur Lobhudelei. Diese Tendenz war schon damals schädlich, ist heute aber um so mehr ein ernstes Hindernis für die Überzeugungsarbeit. Die teilweise maßlosen Übertreibungen erleichterten es vor allem auch den Chruschtschow-Revisionisten, ihre revisionistischen „Korrekturen" und Angriffe auf Stalin unter dem Deckmantel des „Kampfes gegen den Personenkult" plausibel erscheinen zu lassen.
Chruschtschow behauptete auf dem XX. Parteitag der KPdSU, daß Stalin angeblich die ärgsten Lobhudeleien in die Biographie von 1947 eigenhändig eingefügt und jene Stellen besonders angestrichen habe, wo seine Verdienste nicht genügend gerühmt worden seien.
Durch einen Textvergleich der 1947 erschienenen Version400 mit der 1939 herausgegebenen Auflage kann jedoch nachgewiesen werden, daß die Stalin und seine Werke betreffenden Übertreibungen teilweise stark abgeschwächt und keineswegs verstärkt worden sind. 401 Die Verbesserungen bestanden hauptsächlich in der Abschwächung der die Person Stalins und seine Werke betreffenden Übertreibungen, in der Ersetzung von Lobpreisungen durch sachliche Auskünfte und zielgerichtete Zitate sowie aus ergänzenden, ideologisch bedeutsamen Hinweisen auf politische Einzelfragen, die über das Leben Stalins hinausgingen (wie zum Beispiel zur Frauenfrage, zur Fragen der Propaganda und Erziehung, des Kadereinsatzes usw.).
Das Problem der Lobhudelei war damit jedoch nicht ausgeräumt. Das zeigt nachfolgendes Beispiel für eine Übertreibung, die schon direkt verfälschenden Charakter hat. Stalin hat 1946 in seinem gesondert verfaßten Vorwort zum ersten Band seiner Gesammelten Werke (1901-1907) festgestellt:
„ Um diese Werke zu verstehen und richtig zu beurteilen, muß man sie als die Werke eines jungen Marxisten betrachten, der noch nicht zu einem fertigen Marxisten und Leninisten geworden war. Man begre ft deshalb, daß sich in diesen Werken noch Spuren gewisser später veralteter Leitsätze der alten Marxisten finden, die von unserer Partei in der Folgezeit überwunden worden sind. " (SW 1, S. X111)402
Dieser Gedanke fehlt völlig und im direkten Widerspruch dazu heißt es im Kapitel 11 (1904-1907) der Biographie von 1947, also ein Jahr später:
„Stalins Werke aus dieser Zeit sind Vorbilder der folgerichtigen Verteidigung der Positionen des Leninismus und zeichnen sich durch theoretische Tiefe und Unversöhnlichkeit gegenüber dem Opportunismus aus. "403
Eine „Würdigung" Stalins wie diese in der „zweiten, verbesserten und ergänzten" Auflage der Biographie von 1947 ist also ein wahrer Bärendienst an der wirklichen Verteidigung Stalins.404
Unter dem Blickwinkel der Beseitigung von lobhudlerischen Übertreibungen mußte also die alte Biographie gründlich überarbeitet werden, mußten größere Passagen ersatzlos gestrichen werden. Dabei konnten wir uns auch darauf stützen, daß Stalin selbst mehrmals gegen Lobhudeleien seine Person betreffend Stellung genommen hat.
Darüber hinaus haben die einzelnen Kapitel in der Biographie von 1947 sehr unterschiedliche Qualität. So kommt die Oktoberrevolution und ihre Bedeutung viel zu kurz, während die einzelnen Phasen des Bürgerkriegs und der ausländischen Intervention 1918-1920 aus unserer Sicht viel zu detailliert und ausführlich geschildert werden. Gleichzeitig fehlen wichtige inhaltliche Aspekte wie Stalins Beiträge zur Entwicklung der internationalen kommunistischen Bewegung (z. B. in China oder auch in imperialistischen Ländern). Vor allem die für den Kampf an der ideologischen Front wesentlichen Positionen Stalins zur Massenlinie, zur Kritik und Selbstkritik, zu den Methoden im innerparteilichen Kampf, zur Kadererziehung, zur internationalistischen Bedeutung der UdSSR als Faktor zur Beschleunigung der proletarischen Weltrevolution, zur Notwendigkeit, den Klassenkampf unter der Diktatur des Proletariats weiterzuführen und auf dem Weg zum Kommunismus zu verschärfen, mußten aufgenommen und eingearbeitet werden, soweit das im Rahmen der Biographie möglich ist.
Hinzu kommt aber auch: Abgesehen von der ersten Zeitspanne bis zu Lenins Tod, wo es möglich ist, auch einige Details und lebendige Fakten aus dem revolutionären Leben Stalins einzubringen, gibt es ab 1924 einfach weniger biographische Daten zu berichten. Stalins Leben und Wirken floß mehr oder weniger mit der Entwicklung der Kommunistischen Partei in der Sowjetunion zusammen und bestand hauptsächlich in der Leitung der Parteiarbeit, im führenden Eingreifen in den ideologischen Kampf sowie in der Unterstützung der Arbeit der Parteien der Kommunistischen Internationale.
Deshalb greifen wir für den Teil der Biographie ab 1924, der die Hauptwerke Stalins umfaßt, in größerem Umfang auf Passagen aus Schriften, Reden und Briefen Stalins zurück als die erwähnte LeninBiographie. Dennoch haben wir uns bemüht, jeweils das Problem und seine Bedeutung aufzuwerfen und nur solche Zitate aufzunehmen, die grundlegende und programmatische Akzente beinhalten und aussagekräftig sind. Dabei sind wir ausgegangen von den wesentlichen ideologischen Schwerpunkten der Arbeit beim Aufbau der revolutionären Kommunistischen Partei in Deutschland in den letzten und kommenden Jahrzehnten. Zudem haben wir besonderes Augenmerk darauf gelegt, die wichtigsten Ratschläge und Hinweise aufzunehmen, die Stalin gerade gegenüber der kommunistischen und Arbeiterbewegung in Deutschland gegeben hat.
Die Ausgabe von 1947 der Biographie Stalins endet 1945, es fehlen also acht Jahre bis zu Stalins Tod Anfang März 1953. Diese Lücke mußte mit Hilfe des später nachträglich von einem Dortmunder Verlag RM 1976 zusammengestellten sogenannten „Band 15" der Werke Stalins geschlossen werden, der keine chronologischen Lebensdaten Stalins enthält. Zusammen mit der Auswertung des sogenannten „Band 14", der die Zeit des Zweiten Weltkriegs umfaßt, keine größeren theoretischen Schriften enthält und ebenfalls nicht in dieser Form zur Lebenszeit Stalins erschienen ist, stellt der Teil über die Zeitspanne von 1939 bis 1952 in der Biographie eine eigenständige Auswertung des Kollektivs der Autorinnen und Autoren dar.
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