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Teil E:

Zur Geschichte und zur Methode des Kampfes gegen den modernen Revisionismus

 

I. Zur Geschichte des Kampfes gegen den modernen Revisionismus

1. Die Haltung der KP Chinas zu Stalin

 a) Die Frage der Verteidigung Stalins - ein herausragender Prüfstein 
 b) Die KP Chinas hat die Angriffe der Chruschtschow-Revisionisten auf Stalin nicht konsequent zurückgewiesen

2. Die schwankende Haltung der KP Chinas zum Tito-Revisionismus

 a) Die Haltung zum Tito-Revisionismus war und ist eine Frage von großer und prinzipieller Bedeutung. 
 b) Die unkonsequente Haltung der KP Chinas im Kampf gegen die Tito-Revisionisten 

3. Die falsche Haltung der KP Chinas zum Frontalangriff des XX. Parteitags der KPdSU auf die grundlegenden Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus

4. Die Erklärungen der Moskauer Beratungen von 1957 und 1960 waren eine weitere Herausforderung an die Marxisten-Leninisten, den offenen Kampf zu beginnen

 a) Die Dokumente der Moskauer Beratungen von 1957 und 1960 nützten vor allem den Chruschtschow-Revisionisten 
 b) Die Haltung der KP Chinas zu den Dokumenten der Moskauer Beratungen von 1957 und 1960 hemmte den Kampf gegen den 
 Chruschtschow-Revisionismus
 c) Lenins Kampf für einen prinzipienfesten Umgang mit Kompromissen am Beispiel der Konferenzen von Zimmerwald (1915) und 
 Kienthal (1916) 

5. Die schwankende Haltung der KP Chinas in der Frage des endgültigen Bruchs mit dem Chruschtschow-Revisionismus

 a) Gegen Chruschtschows Maßnahmen gegen die Partei der Arbeit Albaniens - aber zunächst nicht für den Kampf der Partei der 
 Arbeit Albaniens gegen Chruschtschow
 b) Verbreiten von Illusionen über eine Umkehr der Chruschtschow-Breschnew-Revisionisten 

 

1. Die Haltung der KP Chinas zu Stalin

 

a) Die Frage der Verteidigung Stalins - ein herausragender Prüfstein

 

Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den „Personenkult und seine Folgen" begannen die Chruschtschow-Revisionisten ihre Angriffe auf Stalin mit dem Ziel der umfassenden Revision des wissenschaftlichen Kommunismus.

Sie mußten Stalin angreifen, weil er als Führer der KPdSU(B), des Sowjetvolkes und der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung in seinem großen theoretischen und praktischen Werk bis zu seinem Tode den Revisionismus bekämpft und den wissenschaftlichen Kommunismus konsequent verteidigt und weiterentwickelt hat. Die Chruschtschow-Revisionisten hetzten dermaßen gegen Stalin, um seine Lehren, deren strikte Anwendung der internationalen kommunistischen Weltbewegung zu seiner Zeit so große Siege brachte, in Mißkredit zu bringen.

Chruschtschows Kampf gegen den „Personenkult" war ein Mittel, um seine revisionistische Linie zu rechtfertigen. Die Diffamierung Stalins als „Tyrann" und „Diktator", wie sie Chruschtschow in seinem berüchtigten Geheimbericht auf dem XX. Parteitag betrieb, war in Wirklichkeit ein direkterAngriff auf die Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion, an deren Spitze Stalin stand. Damit bezweckten die Chruschtschow-Revisionisten ihre revisionistische These vom „Staat des ganzen Volkes", die auf die Liquidierung des proletarischen Klassenstaates abzielte, plausibel zu machen.

Wenn sie Stalins Politik als „Politik des Massenterrors" verleumdeten, womit sie sich in demagogischer Weise gegen die kommunistische Position Stalins wendeten, daß der Klassenkampf sich im Fortschreiten auf dem Wege zum Kommunismus verschärft, so bereiteten sie damit unter dem Schlagwort der „Wiederherstellung der sozialistischen Demokratie" in Wirklichkeit der bürgerlichen „Liberalisierung" den Weg, um die sozialistische Gesellschaftsordnung in eine bürgerlich-kapitalistische Gesellschaftsordnung umzuwandeln.

In dieser Situation nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956, als die modernen Revisionisten im Zusammenspiel mit den Imperialisten und Reaktionären aller Länder aus allen Rohren das Feuer auf den wissenschaftlichen Kommunismus eröffneten, war somit die Frage der VerteidigungStalins ein herausragender Prüfstein für alle Marxisten-Leninisten.

Angesichts dieser Verleumdungskampagne gegen Stalin, angesichts dieser Angriffe auf den wissenschaftlichen Kommunismus stellte und stellt sich für die Kommunisten die erstrangige Aufgabe, Stalin, den großenMarxisten-Leninisten, den Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus, der das Erbe von Marx, Engels und Lenin so hervorragend verteidigt und weiterentwickelt hat, konsequent zu verteidigen.

Die Verteidigung Stalins beinhaltet sowohl eine Verteidigung seiner theoretischen Beiträge zum wissenschaftlichen Kommunismus als auch eine Verteidigung seiner Praxis bei der Errichtung und Festigung der Diktatur des Proletariats in der sozialistischen Sowjetunion und seiner Praxis in der internationalen kommunistischen Bewegung.

Was die Frage von Fehlern Stalins angeht, so sollen auf dieser Grundlage vor dem Hintergrund des Machtantritts des Chruschtschow-Revisionismus nur kurze Zeit nach dem Tod Stalins folgende Gesichtspunkte betont werden:

Erstens. Niemand hat so entschlossen und unermüdlich gegen die aufkommende revisionistische Strömung in der KPdSU(B) angekämpft wie Stalin. Das zu ignorieren würde bedeuten, die klassenmäßige Front zwischen revisionistischem Verrat und möglichen Fehlern der großen Lehrmeister des Kommunismus zu verwischen. Jeder kann die Dokumente von Stalins Kampf gegen die aufkommenden revisionistischen Tendenzen in der KPdSU(B) in „Fragen der Sprachwissenschaft" (1950) und „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR" (1952) studieren, um sich davon zu überzeugen, daß alle Pseudomarxisten völlig im Unrecht sind, die Stalin als „Wegbereiter des Revisionismus" darstellen. Das sind Verleumdungen.

Und Verleumdungen müssen wir brandmarken und nicht darüber diskutieren.

Zweitens wäre es selbstverständlich völlig unmarxistisch, davon auszugehen, daß ein an so herausragender Stelle Jahrzehnte kämpfender Genösse wie Stalin, der in einer so weltbewegenden Zeit an so vielen Fronten des Klassenkampfes den Feind unermüdlich geschlagen und die Genossinnen und Genossen sorgfältig erzogen hat, keine Fehler gemacht habe.[304] Stalin war nicht unfehlbar, ebenso wie wahr ist, daß auch Lenin, Engels und Marx nicht unfehlbar waren. Die Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus üben in ihren Werken, wenn nötig, Selbstkritik und gehen auch gegenseitig kritisch auf die Werke ihrer großen Mitkämpfer bzw. ihrer Vorgänger ein.[305] So benannte Lenin seine Fehler in der Gewerkschaftsfrage und in anderen Fragen, und auch Stalin zeigte vielfach auf, daß er es verstand, seine Fehler selbstkritisch und offen einzugestehen und zu korrigieren. [306]

Dies zeigt, daß die Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus sich selbst nie als unfehlbar betrachteten und natürlich auch nie von anderen eine solche Haltung ihnen gegenüber verlangten.

Drittens darf man es sich mit der Kritik auch nicht zu leicht machen.

Was schon Lenin in bezug auf Grundschriften von Engels sagte, nämlich daß „man sich darauf verlassen kann, daß kein einziger Satz aufs Geratewohl ausgesprochen, daß jeder auf der Grundlage eines riesigen historischen und politischen Materials niedergeschrieben ist"[307], das gilt auch für die Werke Stalins. Lenin schrieb über leichtfertige Kritiker von Engels:

„Ich habe in meinem Leben allzuoft mit angesehen, daß Engels unüberlegt des Opportunismus bezichtigt wurde, und verhalte mich äußerst mißtrauisch dagegen: Versuchen Sie nämlich erst einmal zu beweisen, daß Engels unrecht hatte!! Das können Sie nicht! (...) Nein. Nein. Engels ist nicht unfehlbar. Marx ist nicht unfehlbar. Aber um ihre ,Fehler' nachzuweisen, muß man anders zu Werke gehen, wirklich, ganz anders. So aber haben Sie tausendmal unrecht." (Lenin: Aus einem Brief an Ines Armand, nachdem diese Engels des Opportunismus inder Frage des Generalstreiks bezichtigt hatte, 1916, Werke Band 35, S. 243. Hervorhebungenim Original.)

Lenin stellte sich bei seiner Verteidigung der Lehrmeister des Kommunismus also nicht einfach auf den Standpunkt: Marx und Engels sind unfehlbar, also ist jede Kritik von vornherein falsch. Vielmehr stellt er klar, daß gerade eine Kritik an Marx und Engels im Zusammenhang mit dem ideologischen Klassenkampf gesehen werden muß, im Zusammenhang mit den Verleumdungen und unbewiesenen theoretischen Anwürfen der Opportunisten.

Daher ist es völlig richtig, von vornherein erst einmal „äußerst mißtrauisch" gegen die „Kritiker" der Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus zu sein, den theoretischen, ideologischen und politischen Gehalt der Kritik zu prüfen, auf Beweisen zu bestehen und jede unüberlegte und unseriöse Kritik als „tausendmal falsch" zurückzuweisen. Was nun die sogenannten „Kritiken" der Chruschtschow-Revisionisten an Stalin angeht, war entscheidend, deren durch und durch konterrevolutionären und revisionistischen Charakter zu entlarven.

Betrachten wir davon ausgehend die Haltung der KP Chinas zu Stalin unmittelbar nach dem XX. Parteitag der KPdSU. Welche Position hat sie in dieser Situation des verschärften ideologischen und politischen Klassenkampfes in der Welt bezogen?

 

b) Die KP Chinas hat die Angriffe der Chruschtschow- Revisionisten auf Stalin nicht konsequent zurückgewiesen

 

Wenige Monate nach dem XX. Parteitag der KPdSU veröffentlichte die KP Chinas 1956 auch in vielen Fremdsprachen die zwei Artikel: „Über die historischen Erfahrungen der Diktatur des Proletariats" und „Mehr über die historischen Erfahrungen der Diktatur des Proletariats". An diesen beiden Artikeln sieht man, daß die KP Chinas mit der vollständigen Verteufelung Stalins durch die Chruschtschow-Revisionisten nicht einverstanden war.

Trotz der Weigerung der KP Chinas, Stalin völlig zu verdammen, brachte die KP Chinas damals aber selbst unbewiesene und falsche Kritiken am theoretischen und praktischen Werk Stalins vor, die sich im Grunde mit den Verleumdungen deckten, welche die Chruschtschow-Revisionisten in diesen Fragen gegen Stalin vorbrachten. So wird vorgeworfen, er habe eine „Fehlentscheidung in der Jugoslawienfrage" [308] getroffen, hätte „willkürliche Arbeitsmethoden" [309] gehabt, sei „von den Massen entfremdet" [310] gewesen, „neigte (...) zum Großmacht-Chauvinismus"[311], sei teilweise „gröblich von der dialektisch-materialistischen Denkweise" abgewichen - solche und ähnliche Schlagworte werden ohne irgendeinen Beleg aneinandergereiht! [312]

Auf der Basis dieser Ansichten ist es auch kein Wunder, daß die KP Chinas auf den Beratungen von 1957 und 1960 keinen offensiven Kampf gegen die Chruschtschow-Revisionisten zur Verteidigung Stalins führte, so daß in der „Erklärung" von 1960, von Seiten der KP Chinas mehr oder weniger unwidersprochen, formuliert werden konnte, daß die „Überwindung der schädlichen Folgen des Personenkults" einen großen Sieg der kommunistischen Weltbewegung darstelle.[313]

Um so spannender war und ist die Frage, wie die KP Chinas in ihrer nunmehr offenen und öffentlichen Polemik gegen die Chruschtschow-Revisionisten dazu Stellung bezog.

Im „25-Punkte-Vorschlag" wird von der KP Chinas die Frage der Haltung zu Stalin indirekt zum Gegenstand des Kampfes gegen die Chruschtschow-Revisionisten gemacht:

„In den letzten Jahren haben gewisse Leute gegen die in sich geschlossene Lehre Lenins über die Wechselbeziehungen zwischen Führer, Partei, Klasse und Masse verstoßen und die Frage vom ,Kampf gegen den Personenkult' aufgeworfen, was falsch und schädlich ist. (...)

Mit ihrem lauten Geschrei über ,Kampf gegen den Personenkult' verunglimpfen gewisse Leute in Wirklichkeit mit allen Mitteln die proletarische Partei und die Diktatur des Proletariats." („25-Punkte-Vorschlag", S. 44f. Siehe S. 586.)

Unzweifelhaft wird hier ein richtiger Aspekt gegen die Angriffe der Chruschtschow-Revisionisten hervorgehoben, indem dem „Kampf gegen den Personenkult", wie ihn die Chruschtschow-Revisionisten auf ihr Banner geschrieben hatten, die Lehre Lenins über das Verhältnis von Führer, Partei, Klasse und Masse gegenübergestellt wird. Im Gegensatz zu den Stellungnahmen von 1956 wird nunmehr auch klar gesagt, daß es „falsch und schädlich" war, daß die Chruschtschow-Revisionisten die Frage des „Kampfs gegen den Personenkult" aufgeworfen hatten, und daß dies in Wirklichkeit eine Kampferklärung gegen die proletarische Partei und die Diktatur des Proletariats war.

Ausführlich hat die KP Chinas ihre Ansicht zu Stalin im Kommentar „Zur Stalinfrage" dargelegt. Darin entlarvt die KP Chinas treffend, worum es den Chruschtschow-Revisionisten bei ihrem Frontalangriff gegen Stalin wirklich ging:

„Stalin starb 1953. Drei Jahre später griff ihn die Führung der KPdSU auf dem XX. Parteitag aufs heftigste an und wiederholte diesen Angriff acht Jahre nach Stalins Tod auf dem XXII. Parteitag, entfernte seine sterblichen Überreste aus dem Mausoleum und verbrannte sie.

Die wiederholten scharfen Attacken der Führung der KPdSU gegen Stalin zielten darauf ab, den unauslöschbaren Einfluß dieses großen proletarischen Revolutionärs unter dem Sowjetvolk und den Völkern der ganzen Welt zu beseitigen, den Marxismus-Leninismus, den Stalin verteidigt und weiterentwickelt hatte, zu verneinen und damit der revisionistischen Linie auf allen Gebieten den Weg zu bahnen. Die revisionistische Linie der Führung der KPdSU begann gerade mit dem XX. Parteitag und entwickelte sich auf dem XXII. Parteitag zu einem ganzen System. Die Tatsachen zeigen immer deutlicher, daß die Revision der Lehren des Marxismus-Leninismus über den Imperialismus, über Krieg und Frieden, über die proletarische Revolution und die Diktatur des Proletariats, über die Revolution in den Kolonien und Halbkolonien, über die Partei des Proletariats usw. durch die Führung der KPdSU untrennbar mit ihrer Verleugnung Stalins verbunden ist." („Polemik", S. 148f.)

Die KP Chinas brandmarkt treffend die Chruschtschow-Revisionisten, welche Stalin mit Namen wie „Mörder", „Verbrecher", „Bandit", „größter Diktator in der Geschichte Rußlands", „Idiot" usw. belegt hatten. So führt der Kommentar zum Beispiel an, daß Chruschtschow 1961 in einem Gespräch mit der Delegation der KP Chinas Stalin als „Mörder", „Verbrecher" und Bandit" bezeichnet hat. Die KP Chinas schreibt dazu:

„Chruschtschow hat Stalin einen ,Mörder' genannt. Heißt das nicht, daß die internationale kommunistische Bewegung Jahrzehnte lang einen ,Mörder' als ihren Lehrer angesehen hat? Die Kommunisten der ganzen Welt, einschließlich der Kommunisten in der Sowjetunion, können sich mit einer derartigen Verleumdung auf keinen Fall einverstanden erklären! (...)

Wenn Chruschtschow Stalin in solcher Weise beschimpft, so ist das eine ungeheuerlicher Beleidigung für das große Sowjetvolk, für die KPdSU, für die Sowjetarmee, für die proletarische Diktatur und das sozialistische System, für die internationale kommunistische Bewegung, für die revolutionären Völker der Welt und für den Marxismus-Leninismus.

Wenn Chruschtschow, der zur Zeit, als Stalin die Führung innehatte, auch an der Leitung von Partei und Staat beteiligt war, jetzt aus Ärger die Fäuste ballt und auf den Tisch haut, wenn er mit großem Stimmaufwand gegen Stalin wettert - wo stellt er sich damit schließlich selber hin? In die Stellung des Komplizen eines ,Mörders' und ,Banditen'? Oder in die eines ,Schufts' und ,Idioten'?

Was für ein Unterschied besteht denn zwischen dem Geschimpfe Chruschtschows gegen Stalin und dem Geschimpfe der Imperialisten, der Reaktionäre in allen Ländern und der Verräter am Kommunismus gegen ihn? Warum verfolgt Chruschtschow Stalin mit solch wütendem Haß? Warum greift er ihn noch viel grimmiger an als den Feind? Chruschtschows tollwütige Angriffe auf Stalin sind in Wirklichkeit gegen das Sowjetsystem und den Sowjetstaat gerichtet. Die Schimpfwörter, die Chruschtschow hier anwendet, stehen der Sprache von Renegaten wie Kautsky, Trotzki, Tito und Djilas nicht nach, ja, übertreffen sie sogar." („Polemik", S. I42f.)[314]

Trotzdem wäre es ein Irrtum, anzunehmen, die KP Chinas habe damit ihren vollständigen Gegensatz zu den modernen Revisionisten in der Frage der Haltung zu Stalin erklärt und würde nunmehr diese auf der ganzen Linie bekämpfen. Stattdessen wird im „25-Punkte-Vorschlag" immer noch gegenüber den Chruschtschow-Revisionisten erklärt:

„Außerdem gibt es noch einige Fragen von gemeinsamem Interesse, so z. B. die Kritik an Stalin..." („25-Punkte-Vorschlag", S. 59. Siehe S. 597.)

Was unter diesen „gemeinsamen Interessen" zu verstehen ist, wird deutlich, wenn auch nach Beginn der öffentlichen Debatte mit den Chruschtschow-Revisionisten die inhaltlich weitgehend falsche Stellungnahme der KP Chinas in den beiden Artikeln von 1956 nicht etwa selbstkritisch verworfen, sondern ausdrücklich bestätigt werden:

„Diese zwei Artikel analysierten umfassend das ganze Leben Stalins, (...) und übten taktvoll, aber sehr deutlich Kritik an den falschenThesen des XX. Parteitags der KPdSU." („Polemik", S. 75.)

Es wird also ausdrücklich an den inhaltlichen Angriffen gegen Stalin, die sich im Kern mit denen der Chruschtschow-Revisionisten decken, festgehalten.

Warum die KP Chinas die Frage der Haltung zu Stalin als eine Frage von „gemeinsamem Interesse" ansieht, wird weiterhin im Kommentar „Zur Stalinfrage" deutlich, wo die KP Chinas ausführlich ihre Position zu Stalin darlegt. Einleitend wird festgestellt:

„Die Stalinfrage ist eine Frage von Weltbedeutung. (...) Vermutlich wird in diesem Jahrhundert ein endgültiges Urteil in dieser Frage unmöglich sein." („Polemik", S. 133.)

Hierin drückt sich bereits die ganze Herangehensweise der KP Chinas zu Stalin aus. Es wird nicht davon ausgegangen, daß Stalin umfassend gegen die modernen Revisionisten verteidigt werden muß. Stattdessen wird von einer „ungelösten Frage", der „Stalinfrage", ausgegangen.

Dies ist bereits eine vom Einfluß des modernen Revisionismus in der KP Chinas geprägte Position. Denn für Kommunistinnen und Kommunisten existiert eine „Stalinfrage" genausowenig wie eine „Leninfrage" Sie lassen

es unter keinen Umständen zu, einen prinzipiellen Unterschied zwischen Lenin und Stalin zu machen, ebensowenig wie zwischen Marx und Engels zum einen und Lenin zum anderen.

Die KP Chinas propagiert in ihrer Polemik 1963/64 folgendes Herangehen an Stalin als korrekt:

Stalin muß kritisiert werden. Aber über die Form der Kritik sind wir verschiedener Meinung. Es gibt da auch einige Fragen, in denenwir nicht einverstanden sind."[315]

Wir sehen also, daß die KP Chinas mit den modernen Revisionisten darin übereinstimmt, daß Stalin kritisiert werden muß, daß über seine „Fehler" diskutiert werden muß. Sie ist aber nicht einverstanden mit der „Form" der Kritik der Chruschtschow-Revisionisten. Daneben ist sie mit „einigen" inhaltlichen Angriffen der Chruschtschow-Revisionisten nicht einverstanden.

Die KP Chinas formulierte im Kommentar „Zur Stalinfrage" folgende Aufgabe des Herangehens an Stalin:

„Die Kommunistische Partei Chinas ist konsequent der Auffassung, daß man Stalins Verdienste und Fehler mit der Methode des historischen Materialismus unter Berücksichtigung des historischen Sachverhalts, allseitig, objektiv und wissenschaftlich analysieren (...) soll." („Polemik", S. 135.)

Doch in diesem Kommentar wiederholt die KP Chinas im Grunde nur - lediglich in der Form etwas abgeschwächt — die unglaublichen und völlig haltlosen Vorwürfe gegen Stalin, die sie in den oben zitierten Artikeln von 1956 erhob, ohne auch nur im Ansatz anzudeuten, daß Argumente undBeweise vielleicht doch nötig wären. Vielmehr werden zahlreiche „Anklagepunkte" pauschal wiederholt, ohne umfassend das Werk Stalins zu analysierenund einzuschätzen. So heißt es dort:

„Stalin ... verfiel in Metaphysik", verwechselte „zu gewissen Zeiten und in gewissen Fragen die zwei verschiedenen Arten von Widersprüchen", unter seiner Leitung ist man „bei der Unterdrückung der Konterrevolution zu weit gegangen...", er „befolgte (...) nicht in vollem Maß den proletarischen demokratischen Zentralismus", gab „in der internationalen kommunistischen Bewegung (...) einige falsche Ratschläge..." (Ebenda, S. 137.)

Nannten die Chruschtschow-Revisionisten Stalin einen „Tyrannen" und „Diktator", so erklärt die KP Chinas, daß Stalin in einigen Fällen bei der Unterdrückung der Konterrevolution „zu weit" ging. Es handelt sich im Kern um die gleichen, unbewiesenen Vorwürfe, wenn auch die KP Chinas sie nicht so absolut vorbringt und sie durch Worte wie „in gewisser Weise", „zu gewissen Zeiten" usw. einschränkt.[316]

Vor allem war die KP Chinas nicht damit einverstanden, „Stalin völlig zu negieren".[317] Davon ausgehend kritisierte sie an den Chruschtschow-Revisionisten unter anderem:

„Sie haben Stalin nicht als Genossen, sondern als Feind behandelt. Sie haben bei der Zusammenfassung der Erfahrungen nicht die Methode von Kritik und Selbstkritik angewandt, sondern Stalin allein für alle Fehler verantwortlich gemacht oder ihm einfach willkürlich erfundene, angebliche ,Fehler' zugeschrieben." („Polemik", S. 141)

Gegen diese allseitige Verdammung Stalins betont die KP Chinas:

„Jawohl, wir wollen Stalin verteidigen." (Ebenda, S. 139.)

Dem fügt sie jedoch die Einschränkung hinzu:

„Wenn die Kommunistische Partei Chinas Stalin verteidigt, so verteidigt sie ihn seiner positiven Seiten wegen..." (Ebenda, S. 139.)

Als solche „positiven Seiten" zählt die KP Chinas Verdienste Stalins auf, die Tatsache, daß Stalin nach dem Tode Lenins das Sowjetvolk geführt hat, daß er sich große Verdienste beim Aufbau des Sozialismus und im Großen Vaterländischen Krieg erworben hat. Außerdem wird gesagt, daß er den Marxismus-Leninismus gegen den Opportunismus aller Schattierungen verteidigt und weiterentwickelt hat, daß die theoretischen Werke Stalins „unvergängliche Dokumente des Marxismus-Leninismus"[318] sind. Abschließend heißt es:

„Das ganze Leben Stalins war das Leben eines großen Marxisten-Leninisten, eines großen proletarischen Revolutionärs." (Ebenda, S. 137.)

Zweifellos trat die KP Chinas zum damaligen Zeitpunkt mit einer solchen Aufzählung bestimmter Verdienste Stalins den unerhörten Angriffen der Chruschtschow-Revisionisten entgegen und spielte das Bekenntnis der KP Chinas zur Verteidigung Stalins zum damaligen Zeitpunkt in der kommunistischen Weltbewegung für viele junge kommunistische Kräfte eine große Rolle. Das bedeutet jedoch noch keineswegs, daß die KP Chinas damit den Anforderungen, die an die Marxisten-Leninisten in bezug auf die Verteidigung Stalins gestellt waren und sind, wirklich gerecht wurde.[319]

Nur eine offensive, von der Verteidigung der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus ausgehende, alle direkten und indirekten Angriffe der Chruschtschow-Revisionisten zurückschlagende Inschutznahme und Verteidigung von Person und Werk Stalins hätte wirklich die Trennungslinie zwischen Marxisten-Leninisten und modernen Revisionisten ziehen können.

Indem die KP Chinas das große theoretische und praktische Werk Stalins nicht allseitig gegen die modernen Revisionisten verteidigte, gab sie diese für die Kommunistischen Parteien stets aktuellen und siegbringenden Lehren preis.[320]

Was die Bedeutung dieser Haltung der KP Chinas zu Stalin in der „Polemik" angeht, so ist wesentlich, daß die KP Chinas aufgrund ihres Auftretens gegen den Chruschtschow-Revisionismus innerhalb der sich damals neu formierenden internationalen kommunistischen Bewegung eine sehr große Autorität genoß.

Das bedeutete zum einen, daß die Position der KP Chinas, Stalin nicht gänzlich zu verdammen, und etwa sein Bild weiter neben dem von Marx, Engels und Lenin aufzuhängen, in der damaligen Situation, in der die Revisionisten aller Länder im Bunde mit dem Weltimperialismus ihre tollwütige Hetze gegen Stalin entfalteten, zumindest einen Bremsklotz darstellte, durch den viele junge Revolutionäre aufgehalten wurden, in dem Strudel der Anti-Stalin-Hetze zu versinken.

Zum anderen bedeutete das aber, daß die „Kritik" an Stalin, wie sie die KP Chinas vorbrachte, viel eher akzeptiert wurde als die Angriffe der Chruschtschow-Revisionisten. Tatsächlich haben die falschen Positionen der KP Chinas zu Stalin in großem Maße dazu beigetragen, daß die Haltung zu Stalin innerhalb der kommunistischen Weltbewegung in vielen Fällen defensiv und inkonsequent blieb.

Somit zeigt sich, daß auf lange Sicht gesehen der fehlerhafte Standpunkt der KP Chinas in der „Polemik" zu Stalin sehr großen Schaden angerichtethat und weiterhin anrichtet.

Offenbar muß die Haltung zu Stalin, wie sie in den Dokumenten der „Polemik" dargelegt wurde, als eine Wurzel für die Entwicklung der revisionistischen Linie der KP Chinas angesehen werden.

So ist es kein Zufall, daß in der 1975in China durchgeführten Kampagne zum Studium der Lehren des wissenschaftlichen Kommunismus über die Diktatur des Proletariats nur zum Studium der Schriften von Marx, Engels und Lenin über die Diktatur des Proletariats aufgerufen wurde, während Stalins Ausführungen über die Diktatur des Proletariats einfachausgeklammert wurden.

Die Tatsache, daß die KP Chinas Stalin und insbesondere seine Lehren über die Diktatur des Proletariats schon seit langem nicht mehr konsequent verteidigt, sondern angegriffen hat, macht es der revisionistischen Führung der KP Chinas nach Mao Tse-tungs Tod leicht, daran anzuknüpfen und Stalin in extremer Weise in den Schmutz zu ziehen.[321] zurück

 

2. Die schwankende Haltung der KP Chinas zum Tito-Revisionismus

 

a) Die Haltung zum Tito-Revisionismus war und ist eine Frage von großer und prinzipieller Bedeutung.

 

Der Tito-Revisionismus war vor dem Aufkommen des Chruschtschow-Revisionismus der Hauptvertreter des Rechtsopportunismus, des modernenRevisionismus in der kommunistischen Weltbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Gefährlichkeit wurde dadurch erhöht, daß zum ersten Mal in der Geschichte des Kommunismus der Revisionismus in einem Land die Staatsmacht innehatte. Der Kampf gegen die ideologische Strömung des Tito-Revisionismus war ein Kampf der kommunistischen Weltbewegung gegen den modernen Revisionismus.[322]

Bereits 1948 wurde durch den Kampf der Kominform unter Führung J. W. Stalins die revisionistische Linie Titos und der KP Jugoslawiens grundsätzlichund unwiderlegbar entlarvt. In den Briefen des ZK der KPdSU(B)und den Resolutionen des Kominformbüros von 1948 und 1949[323] wird dasWesen der antimarxistischen Theorie und Praxis der Tito-Revisionistenaufgedeckt:

Leugnung der Hegemonie des Proletariats und Propagierung, daß die Bauern „die festeste Grundlage" des sozialistischen Staates darstellten.

Ablehnung der kommunistischen These, daß sich der Klassenkampf beim Aufbau des Sozialismus verschärft, und Weigerung, die Großbauernals Klasse zu liquidieren - statt dessen eine sich festigende Zusammenarbeitmit den kapitalistischen Elementen in Stadt und Land.

Verneinung der Notwendigkeit der Führung der Arbeiterklasse und ihres Staates durch die Kommunistische Partei, statt dessen Aufgehenin der Volksfront als der angeblich „führenden Kraft der Revolution".

Errichtung eines militärisch-bürokratischen Regimes in der Partei, die Erstickung der innerparteilichen Demokratie, die Abschaffung desPrinzips von Kritik und Selbstkritik, Kontrolle der Parteikader durch dieGeheimpolizei.

• Abtötung der gegenseitigen Hilfe und Kritik zwischen den kommunistischen Parteien sowie Verrat am proletarischen Internationalismus, Großmachtchauvinismus gegenüber dem damals noch sozialistischen Albanien, das die Tito-Revisionisten annektieren und kolonialisieren wollen.

Übergang in das Lager des Imperialismus als Folge des nationalistischen und auf Festigung des Kapitalismus orientierten Weges unter der demagogischen Berufung auf die „Sicherung der jugoslawischen Unabhängigkeit". Als Ergebnis des Verrats am wissenschaftlichen Kommunismus degenerierte Jugoslawien zu einem revisionistischen Land, welches völlig vom Imperialismus abhängig war und in dem der Kapitalismus allseitig gefördert wurde, das in seinem Innern gegen Marxisten-Leninisten, gegen alle Revolutionäre mit faschistischem Terror vorging und zu einem Völkergefängnis wurde.

Die frühzeitige Aufdeckung der revisionistischen Linie der KP Jugoslawiens durch die KPdSU(B) mit Stalin an der Spitze, die sich in ihrem Kampf auf die grundlegenden ideologischen und politischen Meinungsverschiedenheiten konzentrierte, führte 1948 zur einhelligen Verurteilungder KP Jugoslawiens, des späteren „Bundes der Kommunisten Jugoslawiens", durch das Kominformbüro. Die Richtigkeit seiner Resolutionen von 1948 und 1949 wurde durch die weitere Entwicklung in der KP Jugoslawiens und dem ganzen Land vollauf bestätigt.

Die Versuche der modernen Revisionisten verschiedener Schattierungen, den Tito-Revisionismus zu rehabilitieren, machten und machen es für alle Kommunistischen Parteien zu einer dringlichen und ernsten Aufgabe, diese Resolutionen des Kominformbüros zu propagieren und zu verteidigen.

 

b) Die unkonsequente Haltung der KP Chinas im Kampf gegen die Tito-Revisionisten

 

Den Chruschtschow-Revisionisten, die ihre bankrotten revisionistischen Thesen unter anderem auch bei Tito entlehnten, war dieser Kampf selbstverständlich ein Dorn im Auge. Konnten die Marxisten-Leninisten doch die Erfahrungen dieses Kampfes auch im Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus fruchtbar machen. So verbanden die Chruschtschow-Revisionisten ihren globalen Angriff auf den wissenschaftlichen Kommunismus mit einer gleichzeitigen Verbrüderung und Aussöhnung mit dem Tito-Revisionismus.

Bereits 1955 begab sich Chruschtschow demonstrativ nach Belgrad, um sich mit Tito zu umarmen und um Verzeihung zu bitten für all das „Unrecht", das ihm die Kommunisten der Welt angetan hätten.

Im „Vorschlag zur Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung" entlarvte die KP Chinas, mit wem sich Chruschtschow verbrüderte und stellte fest:

„Mit dem Mantel des ,Marxismus-Leninismus' angetan und unter dem Banner eines ,sozialistischen Staates', unterminiert die Tito-Clique als Sondertrupp des US-Imperialismus die internationale kommunistische Bewegung und die revolutionäre Sache der Völker der ganzen Welt." („25-Punkte-Vorschlag", S. 52. Siehe S. 592.)

Diese Haltung der KP Chinas, die auch im Kommentar „Ist Jugoslawien ein sozialistischer Staat?" zum Ausdruck kommt, war eindeutig ein Schlag gegen den Revisionismus Chruschtschows. Die KP Chinas entlarvte, daß Jugoslawien ein revisionistisches, vom US-Imperialismus abhängiges Land mit einer bürgerlich umgewandelten, revisionistischen Partei an der Spitze ist und daß die Tito-Revisionisten typische Vertreter des Rechtsopportunismus sind, Vertreter der ideologischen und politischen Strömung, die die Hauptgefahr in der kommunistischen Weltbewegung darstellt.

In diesem Kommentar wird ausführlich die kapitalistische Entwicklung Jugoslawiens in Stadt und Land entlarvt und die Ablehnung der Planwirtschaft und ihre Ersetzung durch die „Arbeiterselbstverwaltung" angeprangert.

Zudem enthält der Kommentar eine Fülle von Fakten über die konterrevolutionären Machenschaften des „Bundes der Kommunisten Jugoslawiens" auf der ganzen Welt und über die Macht, die der US-Imperialismus in diesem Land besitzt.

Zudem wird der prinzipielle Charakter der Jugoslawienfrage betont, bei der es um die Verteidigung der Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus geht, und es werden die Gemeinsamkeiten zwischen den Revisionisten chruschtschowscher und titoistischer Prägung hervorgehoben.

Und dennoch haben wir an der gesamten Haltung der KP Chinas zum Tito-Revisionismus eine Reihe von Kritiken.

Die Frage des Tito-Revisionismus wurde von der KP Chinas vor allen Dingen ausgehend von der Erklärung der Moskauer Beratung von 1960 aufgerollt. So entsteht der Eindruck, daß erst zu diesem Zeitpunkt die internationale kommunistische Bewegung von der Tito-Frage bewegt wurde.

Die Versuche der modernen Revisionisten verschiedener Schattierungen, den Tito-Revisionismus zu rehabilitieren, hätten es für alle kommunistischen Parteien jedoch zu einer dringlichen und ernsten Aufgabe gemacht, die Resolutionen des Kominformbüros zu propagieren und zu verteidigen.

In ihrer Polemik gegen die Chruschtschow-Revisionisten unterstützt die KP Chinas die Kominform-Resolutionen mit keinem Wort und verteidigt deren wesentlichen Inhalte nicht. Es fehlt die Verteidigung der kommunistischen These, daß sich der Klassenkampf beim Aufbau des Sozialismus verschärft, wie auch der Kampf gegen die Mißachtung der Lehre von der Hegemonie des Proletariats. Es wird nicht das bürokratische militärische System in der Partei entlarvt, die fehlende Selbstkritik usw.

Statt von der durch die Dokumente der Kominform klar festgelegten Einschätzung des Tito-Revisionismus auszugehen, bringt die KP Chinas folgende abweichende Auffassungen über die Entwicklung des Tito-Revisionismus vor, wenn sie den Weg des Verrats der Tito-Revisionisten so schildert:

„Der Degenerationsprozeß Jugoslawiens dauert bereits 15 Jahre an." („Polemik", S. 197.)

Im Gegensatz zu den Auffassungen des Kominformbüros beginnt nach Meinung der KP Chinas der Restaurationsprozeß in Jugoslawien erst 1948, das heißt zu einem Zeitpunkt, als der Tito-Revisionismus und die Entwicklung des Kapitalismus in Jugoslawien bereits international entlarvt war und die Tito-Clique bereits zu einem Anhängsel des US-Imperialismus geworden war.

Auf der Grundlage dieser Einschätzung ist auch folgende Rechtfertigung der Position der KP Chinas von 1954 nicht verwunderlich: „1954, als Chruschtschow vorschlug, die Beziehungen mit Jugoslawien zu verbessern, waren wir damit einverstanden, Jugoslawien als sozialistisches Bruderland zu behandeln, um es für den sozialistischen Weg zurückzugewinnen und die Tito-Clique weiter zu beobachten" (Ebenda, S. 198.)

Hier liegt eine katastrophale Fehleinschätzung der Lage in Jugoslawien vor. Diese Haltung und Einschätzung des Tito-Revisionismus befindet sich vor allen Dingen in eklatantem Widerspruch zum Kampf der internationalen kommunistischen Bewegung nach 1945 und zu den Schlußfolgerungen und praktischen Konsequenzen, die aus diesem Kampf gezogen wurden.

Die KP Chinas geht nicht nur mit keinem Wort auf die prinzipielle Resolution der Kominform von 1948 ein und schweigt sie tot, sondern ist vielmehr offensichtlich mit dieser Einschätzung nicht einverstanden und setzt ihr die eigene falsche Einschätzung entgegen.

Was sind die Ursachen für solch eine Herangehensweise?

Unserer Meinung nach muß man hierbei zwei Aspekte berücksichtigen.

Offenbar hat die KP Chinas, wie aus dem Zitat bezüglich 1954 hervorgeht, in der Frage des Tito-Revisionismus geschwankt. Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß die KP Chinas tatsächlich 1954 die Einschätzung Chruschtschows über Jugoslawien geteilt hat - und sich damit ganz klar gegen die kommunistische Einschätzung der Kominform stellte.

Die angeführten Passagen lassen erkennen, daß die KP Chinas nicht damit einverstanden war, den Kampf des Kominformbüros unter Führung Stalins gegen den Tito-Revisionismus und gegen die reaktionäre Umwandlung der jugoslawischen Partei und des ganzen Landes fortzusetzen. Der 1956 erschienene „Renmin Ribao"-Artikel „Über die historischen Erfahrungen der Diktatur des Proletariats", der zur Grundlage eine Diskussion des erweiterten Politbüros der KP Chinas hatte, greift den richtigen Kurs Stalins sogar ganz offen an:

„Eine Reihe von Fehlern beging er (Stalin, A.d.V.) in der internationalen kommunistischen Bewegung, insbesondere fällte er die Fehlentscheidung in der Jugoslawienfrage."[324]

„Es ist verständlich, daß die jugoslawischen Genossen den Fehlern Stalins gegenüber einen besonderen Groll hegen."[325]

Als das konterrevolutionäre Bündnis der Chruschtschow-Revisionisten mit Tito nicht mehr zu übersehen war, versuchte die KP Chinas nun, sich mit einem opportunistischen Trick aus der Affäre zu ziehen. Anstatt ihre massiven, mit antimarxistischen Ausfällen gegen Stalin verbundenen Zugeständnisse an die modernen Revisionisten selbstkritisch einzugestehen und zu verurteilen, werden sie dadurch gerechtfertigt, daß man versucht habe, die Tito-Clique „für den sozialistischen Weg zurückzugewinnen"[326].

Das bedeutet eine Diskreditierung aller kommunistischen Parteien, die den Tito-Revisionismus entlarvt haben.

Fazit:

Die KP Chinas entlarvte die Tito-Revisionisten in verschiedenen Bereichen sowie das Bündnis der Chruschtschow-Revisionisten mit den Tito-Revisionisten durchaus treffend mit einer Fülle von Material. Der Position der KP Chinas zu den Tito-Revisionisten liegt jedoch durchgängig der schwerwiegende und durch nichts zu entschuldigende ideologische Fehler zugrunde, die unwiderlegbaren kommunistischen Positionen der Resolutionen des Kominformbüros, den gesamten ideologischen und politischen Kampf des Kominformbüros und der KPdSU(B) unter Leitung Stalins zu mißachten und mit den eigenen falschen Positionen selbst anzugreifen.[327] zurück

 

3. Die falsche Haltung der KP Chinas zum Frontalangriff des XX. Parteitags der KPdSU auf die grundlegenden Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus

 

Unmittelbar nach Abhalten des XX. Parteitags wurde dieser von den chinesischen Parteiführern, in der chinesischen Presse sowie auf dem VIII. Parteitag der KP Chinas öffentlich begrüßt [328] - ebenso wie übrigens auch von der Partei der Arbeit Albaniens.[329]

Auf dem internen Weg kritisierte die KP Chinas jedoch bereits zwei Monate nach dem XX. Parteitag gewisse revisionistische Kernthesen des XX. Parteitags der KPdSU:

„Tatsache ist, daß führende Genossen des ZK der KP Chinas nach dem XX. Parteitag der KPdSU wiederholt während interner Besprechungen die Fehler der Führer der KPdSU ernsthaft kritisiert haben." („Polemik", S. 73.)

Nach einiger Zeit wurde auch aus den Publikationen der KP Chinas ersichtlich, vor allem aus der Broschüre „Es lebe der Leninismus", die 1960 erschien, daß sie mit einigen prinzipiellen revisionistischen Kernthesen des XX. Parteitags nicht einverstanden war.

Die KP Chinas begann in der Presse gegen bestimmte revisionistische Auffassungen der Chruschtschow-Revisionisten zu polemisieren, aber ohne den Kampf direkt gegen diese zu richten, sondern indem sie scheinbar bloß die Tito-Revisionisten bekämpfte. Sie griff die Chruschtschow-Revisionisten zunächst also nicht namentlich an.

Die Chruschtschow-Revisionisten warfen der KP Chinas vor, daß diese den XX. Parteitag zunächst begrüßt, dann aber verurteilt habe. Im Kommentar „Ursprung und Entwicklung der Differenzen zwischen der Führung der KPdSU und uns" führt die KP Chinas alle möglichen Belege an, daß sie von Anfang an ihre kritische Haltung zum XX. Parteitag deutlich gemacht habe und zieht daraus die Schlußfolgerung:

„Die Tatsachen beweisen, daß die KP Chinas zu keiner Zeit und bei keiner Gelegenheit den XX. Parteitag der KPdSU völlig bejaht hat."

(Ebenda, S. 74.)

Das trifft sicherlich zu, insbesondere, wenn man das Wort „völlig" beachtet.

Die KP Chinas fährt fort:

„Natürlich ist es auch notwendig, darauf hinzuweisen, daß wir damals, der Einheit gegenüber dem Feind zuliebe (...) keine offene Kritik an den Fehlern des XX. Parteitags der KPdSU übten." (Ebenda, S. 75.)

Die KP Chinas nennt noch einen weiteren Grund für ihr „taktvolles"[330] Vorgehen:

„...auch waren die Führer der KPdSU damals (auf dem XX. Parteitag, A.d.V.) noch nicht so weit vom Marxismus-Leninismus abgegangen, wie es heute der Fall ist." (Ebenda)

Deshalb betont die KP Chinas:

„...unser Standpunkt zum XX. Parteitag der KPdSU (wurde) in den Reden der führenden Genossen des ZK der KP Chinas hauptsächlichvom Positiven und Prinzipiellen her dargelegt." (Ebenda, S. 75f.)

Diese Haltung bedeutete, daß die KP Chinas im XX. Parteitag „positive Faktoren" suchte und fand:

„Deshalb bemühten wir uns stetig, die positiven Faktoren dieses Parteitags herauszufinden, und unterstützten ihn vor der Öffentlichkeit, wie es angemessen und notwendig war." (Ebenda, S. 75.)

Wir können also zusammenfassend festhalten, daß die KP Chinas vor allem aus zwei Gründen den XX. Parteitag der KPdSU erst sehr spät in aller Öffentlichkeit direkt kritisiert hat:

• Infolge der Ablehnung namentlicher Kritik in aller Öffentlichkeit, weil dies angeblich der Einheit geschadet und dem Feind genützt hätte.

• Infolge der Unterschätzung des Ausmaßes des revisionistischen Verrats; das heißt, daß die KP Chinas nicht die volle Tragweite des XX. Parteitags und seiner revisionistischen Plattform erkannt hat, unter anderem, weil sie selbst, wie im weiteren gezeigt werden soll und im Fall Tito und Stalin schon angesprochen wurde, mit einer Reihe wesentlicher Thesen des XX. Parteitags und Chruschtschows einverstanden war oder ähnliche Ansichten hatte. Es darf nämlich nicht übersehen werden, daß in den Dokumenten des VIII. Parteitags der KP Chinas, der kurz nach dem XX. Parteitag der KPdSU stattfand, ebenfalls revisionistische Positionen der Art enthalten sind, wie sie der XX. Parteitag selbst propagierte. Sehr wichtig erscheint uns dabei, daß die KP Chinas auch noch zu einem Zeitpunkt, als die Auswirkungen des revisionistischen Verrats immer offensichtlicher wurden, ihr Vorgehen nicht selbstkritisch überprüft und in Frage gestellt hat, sondern nach wie vor als richtig propagierte.

Mit dieser Haltung der KP Chinas und mit den Argumenten, mit denen sie diese begründet hat, werden wir uns im folgenden noch eingehend auseinandersetzen. zurück

 

4. Die Erklärungen der Moskauer Beratungen von 1957 und 1960 waren eine weitere Herausforderung an die Marxisten-Leninisten, den offenen Kampf zu beginnen

 

Die Beratungen der Parteien der sozialistischen Länder 1957 und die der kommunistischen Parteien der ganzen Welt 1960 fanden zu einem Zeitpunkt statt, als nach dem XX. Parteitag der KPdSU die Hochflut des modernen Revisionismus in fast allen Kommunistischen Parteien der internationalen kommunistischen Bewegung ausbrach, zu einem Zeitpunkt, als die KPdSU mehr oder weniger offen die KP Chinas und die Partei der Arbeit Albaniens angriff, zu einem Zeitpunkt, als immer deutlicher wurde, daß es ernste und prinzipielle Meinungsverschiedenheiten innerhalb der kommunistischen Weltbewegung gab. Diese Situation spiegelt sich auch in den von diesen beiden Beratungen angenommenen Dokumenten wider.

Die Einpeitscher des modernen Revisionismus, die Chruschtschow-Revisionisten, wollten auf diesen Beratungen der internationalen kommunistischen Weltbewegung ihr revisionistisches Programm, dargelegt auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956, zum allgemeingültigen Programmder kommunistischen Weltbewegung machen.

Die Marxisten-Leninisten, das heißt vor allem die KP Chinas und die Partei der Arbeit Albaniens, versuchten auf diesen internationalen Foren dem modernen Revisionismus, insbesondere dem Chruschtschow-Revisionismus, entgegenzutreten und einen Kampf zur Verteidigung der Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus zu entfalten.

Dieser Kampf der Marxisten-Leninisten führte zu dem Ergebnis, daß in den Dokumenten der Beratungen direkt entgegengesetzte Standpunkte, die zum Teil sogar innerhalb eines Satzes zusammengeklebt wurden, in einer ganzen Reihe von Fragen zu finden sind. Das war ein Versuch, etwas unter einen Hut zu bringen, was höchstens noch äußerlich und formal miteinander verbunden, inhaltlich aber schon entgegengesetzt war.

Betrachten wir die hauptsächlichen Widersprüchlichkeiten dieser Dokumente:

• So wird in der Erklärung von 1960 im Abschnitt über Imperialismus und Krieg richtig ausgeführt: „Der aggressive Charakter des Imperialismus hat sich nicht geändert."[331]

Doch nur einige Seiten weiter heißt es direkt entgegengesetzt: „Die Kommunisten sehen ihre historische Mission (...) auch darin, bereits in der gegenwärtigen Epoche die Menschheit vom Alpdruck eines neuen Weltkrieges zu erlösen." (Ebenda, S. 53) Und es wird die revisionistische These verbreitet, es werde „...sich bereits vor dem vollen Sieg des Sozialismus auf Erden, beim Fortbestehen des Kapitalismus in einem Teil der Welt, die reale Möglichkeit ergeben, den Weltkrieg aus dem Leben der Gesellschaft auszuschalten." (Ebenda, S. 51)

• Zwar wird in der Erklärung von 1960 hinsichtlich der Lage der unterdrückten Völker richtig die Notwendigkeit der „antiimperialistischen,antifeudalen Revolution" (Ebenda, S. 56) hervorgehoben und gefordert, „...alle Überreste des Mittelalters hinwegzufegen" (Ebenda, S. 55). Im selben Satz wird jedoch die Forderung nach der antifeudalen Revolution kurzerhand in die Notwendigkeit von „tiefgreifenden Agrarreformen" (Ebenda) verwandelt.

Ebenso wird einerseits herausgestrichen: „Die Kommunisten haben die fortschrittliche, revolutionäre Bedeutung der nationalen Befreiungskriege stets anerkannt", andererseits wird einen Absatz weiter festgestellt:

„Die Völker der Kolonien erkämpfen ihre Unabhängigkeit je nach den konkreten Verhältnissen eines jeden Landes durch bewaffnetenKampf oder auf nichtmilitärischen Wege." (Ebenda, S. 54), zugleich wird als Weg der Befreiung für die unterdrückten Völker der Weg der „nichtkapitalistischen Entwicklung" (Ebenda, S. 56) propagiert.

• In der Erklärung von 1957 wird schon völlig schwammig festgestellt: „Deshalb erfordert die Lösung der Frage ,Wer wen?' (im Sozialismus, A.d.V.) - Kapitalismus oder Sozialismus - eine ziemlich lange Zeitspanne." (Ebenda, S. 16) Diese Formulierung ist vereinbar mit der revisionistischen Position, die bestreitet, daß die kapitalistische Restaurationsgefahr bis zum Kommunismus vorhanden ist und statt dessen behauptet, daß bereits nach Errichtung sozialistischer Produktionsverhältnisse die kapitalistische Restaurationsgefahr gänzlich gebannt sei.

In der Erklärung von 1960 wird drei Jahre später ganz offen die revisionistische These propagiert: „Jetzt sind die sozialen und ökonomischen Möglichkeiten einer Restauration des Kapitalismus nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in den anderen sozialistischen Ländern beseitigt." (Ebenda, S. 41)

• In der Erklärung von 1960 wird in der Frage der friedlichen Koexistenz eine richtige Abgrenzung vom modernen Revisionismus vorgenommen:

„Friedliche Koexistenz der Staaten bedeutet im Gegensatz zu den Behauptungen der Revisionisten keineswegs Verzicht auf den Klassenkampf." (Ebenda, S. 52) Das ist eine richtige, wenn auch nicht ausreichende Feststellung. Doch an anderer Stelle wird klar, daß keineswegs der Klassenkampf als das primäre und grundlegende Prinzip angesehen wird. Es heißt nämlich: „Die unerschütterliche Grundlage der Außenpolitik der sozialistischen Länder ist das Leninsche Prinzip der friedlichen Koexistenz..." (Ebenda, S. 50)

Im weiteren beruft sich die Erklärung direkt auf den XX. Parteitag der KPdSU, der anstelle des proletarischen Internationalismus die friedliche Koexistenz als „Generallinie der Außenpolitik sozialistischer Staaten"[332] bezeichnete, und verklärt den Chruschtschow-Revisionismus als

„Weiterentwicklung" (Ebenda, S. 51) des angeblich von Lenin aufgestellten Prinzips.

• In der Erklärung von 1957 wird die Haltung des modernen Revisionismus zur Hegemonie des Proletariats kritisiert: „Die Revisionisten sind bestrebt, die revolutionäre Seele des Marxismus auszumerzen, ... sie leugnen die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei." (Ebenda, S. 16f.)

Zwei Seiten später wird in derselben Erklärung gefordert: „...so sind die kommunistischen Parteien auch im Kampf um die Macht und für die Errichtung des Sozialismus für Zusammenarbeit mit den sozialistischenParteien". (Ebenda, S. 19) Eine solche Perspektive zu umreißen wäre nicht zwingend falsch gewesen in einer Situation wie unmittelbar nach 1945, als es - im Zusammenhang mit der vom VII. Weltkongreß der KI 1935 festgestellten Differenzierung innerhalb der sozialdemokratischen Parteien vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Kampfes gegen den Nazifaschismus - etwa in Ungarn, der Tschechoslowakei real war, eine „Zusammenarbeit mit den sozialistischen Parteien" durchzuführen.[333] Dergleichen war aber absurd und völlig falsch 1957, als die sogenannten „sozialistischen" Parteien reaktionäre und konterrevolutionäre Stützpfeiler der kapitalistischen Herrschaft waren und als solche unversöhnlich entlarvt und bekämpft werden mußten.

• In der Erklärung von 1960 wird hinsichtlich des Kampfes gegen den modernen Revisionismus festgelegt: „Die Interessen der weiteren Entwicklung der kommunistischen und Arbeiterbewegung erfordern auch in Zukunft, wie es in der Moskauer Erklärung von 1957 heißt, einen entschiedenen Zweifrontenkampf: Gegen den Revisionismus, der die Hauptgefahr bleibt, und gegen den Dogmatismus und das Sektierertum" (Ebenda, S. 68), gleichzeitig wird allerdings noch festgestellt: „Die kommunistischen Parteien haben die Revisionisten in ihren Reihen, die sie vom marxistisch-leninistischen Weg abzubringen versuchten, ideologischzerschlagen." (Ebenda, S. 67) „Zerschlagen" war der moderne Revisionismus in Wirklichkeit bei weitem nicht, ganz im Gegenteil, er befand sich massiv auf dem Vormarsch.

• In der Erklärung von 1957 wird der Tito-Revisionismus nicht einmal erwähnt, im Gegenteil, den Tito-Revisionisten wurde die Erklärung und das Friedensmanifest zur Unterschrift angeboten, sie unterschrieben allerdings nur das Friedensmanifest.

In der Erklärung von 1960 wird der Tito-Revisionismus verurteilt: „Die kommunistischen Parteien haben die jugoslawische Spielart des internationalen Opportunismus, die einen konzentrierten Ausdruck der ,Theorien' der modernen Revisionisten darstellt, einmütig verurteilt." (Ebenda, S. 67) Eingeschränkt wird diese Haltung jedoch dadurch, daß die Erklärung fortfährt: „Die Führer des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (...) haben (...) damit die Gefahr heraufbeschworen, daß das jugoslawische Volk seiner im heroischen Kampf erzielten revolutionärenErrungenschaften verlustig geht." (Ebenda) Jugoslawien wird damit praktisch noch 1960 (!) als ein sozialistisches Land dargestellt, in dem es gelte, die „revolutionären Errungenschaften" zu verteidigen!

• Heißt es 1960 völlig richtig: „Der Leninismus lehrt und die historische Erfahrung bestätigt, daß die herrschenden Klassen die Macht nichtfreiwillig abtreten" (Ebenda, S. 65), so wird gleichzeitig die diesem Grundsatz entgegengesetzte These auf derselben Seite verkündet:

„...hat die Arbeiterklasse die Möglichkeit (...) eine stabile Parlamentsmehrheit zu erringen, das Parlament aus einem Werkzeug, das den Klasseninteressen der Bourgeoisie dient, in ein Instrument zu verwandeln, das dem schaffenden Volk dient (...)für die friedliche Verwirklichungder sozialistischen Revolution ..." (Ebenda)

Dies zeigt, daß die Dokumente von 1957 und 1960 einen gefährlichen Kompromißcharakter hatten, der die tiefgehenden Widersprüche derkommunistischen Weltbewegung nicht aufdeckte, sondern kommunistischeThesen mit revisionistischen Thesen vermischte.

Das Ergebnis des Kampfes der antirevisionistischen Kräfte gegen die revisionistischen Auffassungen war, daß es zwar gelang, einige revisionistische Extreme zu entfernen und bestimmte, meist recht allgemein gehaltene kommunistische Positionen durchzusetzen, ohne daß aber eine einheitlichekommunistische Linie durchgesetzt und verabschiedet wurde.[334]

So wurden in einer ganzen Reihe von Fragen, ja eigentlich bei allen grundsätzlichen Fragen der kommunistischen Weltbewegung, in diesen Dokumenten richtige und falsche, kommunistische und revisionistischeThesen nebeneinandergestellt, wobei die revisionistischen Thesen natürlich im Gesamtzusammenhang die revolutionären, kommunistischen Positionen entwerteten und insgesamt diese Dokumente zu einem Mittel verwandelten, revisionistische Ideen in der kommunistischen Weltbewegung mit höchster Autorität zu propagieren.

 

a) Die Dokumente der Moskauer Beratungen von 1957 und 1960 nützten vor allem den Chruschtschow-Revisionisten

 

Dieses Ergebnis, diese Auswirkung der beiden Dokumente wird am anschaulichsten und eindringlichsten deutlich in der Haltung der modernen Revisionisten selbst zu diesen Dokumenten.

So widmen die Revisionisten der KPdSU in ihrem revisionistischen Machwerk „Geschichte der KPdSU" den Beratungen von 1957 und 1960 und besonders den dort verabschiedeten Erklärungen ein ganzes Kapitel. Sie feiern diese Beratungen als ihren Sieg. Sie zitieren ausführlich Kernthesen der beiden Dokumente als Siege ihrer Linie, insbesondere ihres Programms des XX. Parteitags.

Der Charakter dieser Dokumente, die „für jeden etwas, wenn auch nicht gleich viel" bieten, läßt sich nochmals sehr gut verdeutlichen, wenn man sich dieses ganze Bündel revisionistischer Positionen ansieht.

Die revisionistische „Geschichte der KPdSU" hebt als Kernthesen der Erklärungen von 1957 und 1960 hervor:

• Die schwammige Epochenbestimmung der Erklärung von 1957, wonach der „Hauptinhalt unserer Epoche der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus ist" [335], womit die kommunistische Charakterisierung unserer Epoche als Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution

umgangen wird.

• Die revisionistische Behauptung, daß „sowohl ein friedlicher als auch ein nichtfriedlicher Übergang zum Sozialismus möglich" (S. 665) sei, die gegen das kommunistische Gesetz der Notwendigkeit der gewaltsamen Revolution gerichtet ist.

• Die reformistische Propaganda, daß die Völker, „gestützt auf die Hilfe des sozialistischen Lagers, den Machenschaften der Imperialisten widerstehen und den nichtkapitalistischen Entwicklungsweg einschlagen" (S. 665) könnten, womit die Notwendigkeit der neudemokratischen Revolution geleugnet wird.

• Die katastrophale These, daß die „Möglichkeiten für eine Restaurierung des Kapitalismus beseitigt" (S. 664) seien, womit die Lehre des wissenschaftlichen Kommunismus, daß die zum Sieg des Kommunismus im Wertmaßstab die Gefahr einer Restaurierung des Kapitalismus bestehen bleibt, über Bord geworfen wird.

• Die revisionistische These, daß „bereits in der gegenwärtigen Epoche die Menschheit vom Alpdruck eines neuen Weltkrieges" (S. 664) erlöst werden könne, was die Frage der Verhinderung eines bestimmten Krieges mit der Abschaffung der Kriege überhaupt vermischt und die Leninsche These der Unvermeidlichkeit der Kriege im Imperialismus als veraltet abtut.

Die große Befriedigung der sowjetischen Revisionisten über den Inhalt der Erklärungen gipfelt in der Feststellung:

„Die Einmütigkeit, mit der die Teilnehmer der Beratung die Erklärung und das Friedensmanifest annahmen, war ein großer ideologischer und politischer Sieg der kommunistischen Weltbewegung." (S. 661)

Mit dieser Einschätzung können sich die Revisionisten der KPdSU auch direkt auf eine Formulierung der Beratung von 1957 berufen:

„Entgegen den unsinnigen Behauptungen des Imperialismus von einer ,angeblichen Krise' des Kommunismus wächst und erstarkt die kommunistische Bewegung."[336]

Diese Einschätzung der Erklärung von 1957, die angesichts der damaligen Lage der internationalen kommunistischen Bewegung wie Hohn klang, wird dann weitergeführt mit einem wahrhaften Hohelied auf den XX. Parteitag der KPdSU:

„Die historischen Beschlüsse des XX. Parteitags der KPdSU haben nicht nur für die KPdSU und den kommunistischen Aufbau in der UdSSR große Bedeutung, sondern leiteten auch in der internationalen kommunistischen Bewegung eine neue Etappe ein und trugen zu deren weiteren Entwicklung auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus bei."[337]

Eine Hauptwurzel allen Übels in der internationalen kommunistischen Bewegung wurde hier als ein Beweis für die Einheit dieser Bewegung angeführt.

Die Chruschtschow-Revisionisten konnten sich auf eine von der gesamten kommunistischen Weltbewegung verabschiedete „historische" Würdigung ihres revisionistischen Parteitags berufen, obwohl gerade andiesem die tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den Marxisten-Leninisten und den Chruschtschow-Revisionisten aufzubrechen begannen.

 

b) Die Haltung der KP Chinas zu den Dokumenten der Moskauer Beratungen von 1957 und 1960 hemmte den Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus

 

Die Tatsache, daß die KP Chinas und auch andere Parteien, die gegen den modernen Revisionismus Chruschtschows sichtbar angekämpft haben, die Erklärungen von 1957 und 1960 unterzeichnet und nach dem Bruch mit der KPdSU weiter als kommunistische Plattform der kommunistischen Weltbewegung propagiert haben, wirft eine Fülle von Fragen auf, von denen hier und im Verlauf der gesamten vorliegenden Arbeit lediglich einige angesprochen und analysiert werden können.

Hat die KP Chinas diese revisionistischen Positionen nicht „bemerkt" oder teilweise nicht bemerkt, sie gebilligt oder teilweise gebilligt?

Wenn sie sie bemerkt hat, aus welchen Gründen hat sie dann nicht öffentlich diese Fehler aufgedeckt und sie verantwortungsbewußt kritisiert?

Warum wurde, wenn aus vermeintlichen „taktischen" Gründen diese Dokumente zunächst nicht umfassend kritisiert wurden, nicht nach demBruch mit der KPdSU bzw. nach Beginn der öffentlichen Polemik dieses Versäumnis nachgeholt?

Und weiter: Wenn die KP Chinas den revisionistischen Positionen in den beschlossenen Dokumenten entgegentreten wollte, weil sie sie erkannte, was hätte sie tun müssen?

Das vollständige Stillschweigen über die Differenzen in bezug auf viele Positionen der Dokumente von 1957 und 1960 hatte um so weitreichendere Folgen angesichts der Tatsache, daß die überwältigende Mehrheit der 1957 und 1960 anwesenden Führer der Kommunistischen Parteien ausgemachte Revisionisten waren, die, natürlich im eigenen Interesse, vor der eigenen Partei „zu Hause" die Standpunkte der KP Chinas wie der Partei der Arbeit Albaniens in ihrem Sinne darstellten und verfälschten, so daß sich vielfach ehrliche Revolutionäre und Kommunisten in den Reihen dieser Parteien kein eigenständiges objektives Bild über die Differenzen und den Verlauf des Kampfes machen konnten.

Die KP Chinas hat darüber hinaus noch Jahre nach dem Verrat der Chruschtschow-Revisionisten, nachdem sich klar und eindeutig die unüberbrückbare Kluft, der unversöhnliche Gegensatz zwischen ihren Auffassungen und dem wissenschaftlichen Kommunismus herausgestellt hatte, ihr eigenes Vorgehen für richtig erklärt, sie propagierte nach wie vor die Dokumente der Beratungen als Verkörperung der Generallinie der kommunistischen Weltbewegung, sie rechtfertigte nach wie vor ihr beharrlichesSchweigen über die Differenzen in der Öffentlichkeit.

So schreibt die KP Chinas 1961 in der „Polemik":

„Die auf dieser Beratung (gemeint ist die von 1957, A.d.V.) festgelegte gemeinsame Linie der internationalen kommunistischen Bewegung verkörpert die revolutionären Prinzipien des Marxismus-Leninismus und steht im Gegensatz zu den falschen, vom Marxismus-Leninismus abweichenden Ansichten des XX. Parteitags der KPdSU." („Polemik", S. 80f.)

Und zum Ergebnis der Beratung von 1960 heißt es:

„Das Ergebnis des Kampfes auf dieser Beratung war, daß die revisionistische Linie und die revisionistischen Anschauungen der Führer der KPdSU im wesentlichen zurückgewiesen wurden, und daß die marxistisch-leninistische Linie einen großen Sieg errang." (Ebenda, S. 100.)

Sicher hängen diese Positionen der KP Chinas aufs engste damit zusammen, daß sie aufgrund eigener, vom wissenschaftlichen Kommunismus abweichender Ansichten diese Dokumente als im wesentlichen für akzeptabel hielt. Aber wenn man weiß, daß die KP Chinas auf den Beratungen intern ihre differierenden Ansichten durchaus offen darlegte, und sich auch bewußt war, daß ihre Zugeständnisse an die Chruschtschow-Revisionisten auf diesen Beratungen teilweise zu weitgehend waren, so wird deutlich, daß die Frage des richtigen Vorgehens im Kampf gegen den modernenRevisionismus, der Art und Weise, der Methoden dieses Kampfes, eine große Bedeutung hatte und nach wie vor hat.[338]

Trotz inhaltlich unterschiedlicher Standpunkte in wichtigen Grundfragen entstand durch das Vorgehen der KP Chinas in der Öffentlichkeit der Eindruck eines „vollständigen Einvernehmens" zwischen ihr und den Chruschtschow-Revisionisten. Indem sie nicht offen und öffentlich ihre Haltung zu den Dokumenten darlegte, indem sie den Chruschtschow-Thesen keine offensive Propagierung der kommunistischen Prinzipien und Standpunkte entgegensetzte, nahm sie eine völlig defensive Haltung ein.

Das führte dazu, daß sie die Dokumente als kommunistisch propagierte und die Chruschtschow-Revisionisten der Verletzung der Linie dieser Dokumente anklagte, einer Linie, die gar nicht kommunistisch war, während den Chruschtschow-Revisionisten gerade diese Tatsache alle Möglichkeiten bot, die ihnen recht gebenden Stellen herauszugreifen und sich als wahre Verteidiger der Linie dieser Dokumente hinzustellen.

Bei alledem kam eine totale Verwirrung und Konfusion in der internationalen kommunistischen Bewegung heraus, da bei einem solchen Vorgehen kein wirklich offensiver ideologischer Kampf geführt werden konnte, sondern die jeweils „richtige" Auswahl und Interpretation der völlig widersprüchlichen Inhalte der Dokumente von 1957 und 1960 in den Vordergrund trat.

Durch das Vorgehen der KP Chinas war überhaupt nicht mehr klar auszumachen:

• welche Positionen von 1957 und 1960 als revisionistisch und welche als kommunistisch angesehen wurden;

• welche Positionen, mit denen die KP Chinas und andere Kommunistische Parteien sich gegen die modernen Revisionisten wenden wollten, dennoch selbst falsch, ja revisionistisch waren.

So haben diese Dokumente die kommunistische Weltbewegung, die kommunistischen Kräfte nur scheinbar einen Schritt hin auf die Festigung der Einheit der kommunistischen Weltbewegung gebracht, in Wirklichkeit jedoch waren sie ein Hemmschuh für die öffentliche kompromissloseideologische Entlarvung der revisionistischen Kernthesen des XX. Parteitags und der KPdSU sowie des modernen Revisionismus überhaupt. Sie waren insgesamt gesehen im ideologischen Kampf unbrauchbar. Im Zusammenhang mit einem solchen Vorgehen, wie dem der KP Chinas, haben diese Dokumente die kommunistische Offensive unterminiert und dieInitiative in großem Maße in die Hände der Chruschtschow-Revisionistengelegt.

 

c) Lenins Kampf für einen prinzipienfesten Umgang mit Kompromissen am Beispiel der Konferenzen von Zimmerwald (1915) und Kienthal (1916)

 

Wir meinen, daß man, um zur Einschätzung der Dokumente von 1957 und 1960 und zur Tatsache ihrer kritiklosen Propagierung durch die KP Chinas eine korrekte Haltung einzunehmen, unbedingt auf die reichen Erfahrungen und Lehren der Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus zurückgreifen muß, insbesondere auf den Kampf der Bolschewiki gegen den Verrat der II. Internationale und ihren Kampf für die Schaffung der III. Internationale.

Wir wollen auf diesen Kampf Lenins zurückgreifen, weil wir auf dem Standpunkt stehen, daß auch bei Berücksichtigung aller konkreten Umstände, die die KP Chinas veranlaßt haben, nicht öffentlich den Revisionismus der KPdSU zu kritisieren (die Unterschätzung der revisionistischen Gefahr; das Argument, daß man so die „Einheit" der kommunistischen Weltbewegung schützen könne; die eigene mangelnde ideologische Klarheit usw.), die man kennen und analysieren kann und muß, an erster Stelle die Prinzipien des Kampfes des wissenschaftlichen Kommunismus gegen den Opportunismus stehen müssen und das entscheidende Kriterium zur Beurteilung dessen sein müssen, was geschehen hätte müssen bzw. was versäumt wurde.

Bei aller Taktik, auch bei der Zustimmung zu Kompromissen selbst mit gewissen opportunistischen Kräften, war ein Gesichtspunkt für Marx, Engels, Lenin und Stalin stets grundlegend:

Marxisten-Leninisten betreiben keinen Prinzipienschacher, ideologische Widersprüche müssen ausgetragen und das klassenbewußte Proletariat muß anhand dieser Widersprüche erzogen werden, Kompromisse, die dazu führen, daß das Klassenbewußtsein der revolutionären Arbeiter getrübt wird, müssen abgelehnt werden. Marxisten-Leninisten fordern stets die unbedingte Freiheit der kommunistischen Propaganda.

Das waren entscheidende Prinzipien im Kampf Lenins selbst in Situationen, in denen er und die Bolschewiki innerhalb der internationalen Bewegung den opportunistischen Parteien zahlenmäßig extrem unterlegen waren und Unterstützung unmittelbar nicht zu erwarten war, selbst in Situationen, in denen weitestgehende Zugeständnisse an schwankende Kräfte erforderlich waren.

Betrachten wir etwa die Haltung Lenins auf der Beratung von Zimmerwald 1915 und von Kienthal 1916.

Wie Lenin schrieb, wurde auf der Konferenz von Zimmerwald der ideologische Kampf zwischen einer Gruppe von Internationalisten, revolutionären Marxisten einerseits und schwankenden Beinahe-Kautskyanern andererseits ausgetragen, die den rechten Flügel der Konferenz bildeten. Auf dieser Konferenz gelang es den revolutionären Marxisten nicht, all ihre Positionen in das zu verabschiedende Manifest zu bringen.

In dieser Situation stellte Lenin die Frage:

„Sollte unser Zentralkomitee das an Inkonsequenz und Ängstlichkeit leidende Manifest unterschreiben? Wir glauben, ja. Unsere abweichende Meinung — die abweichende Meinung nicht nur des Zentralkomitees, sondern des gesamten linken, internationalen, revolutionär-marxistischen Teils der Konferenz - wird offen bekundet, sowohl in der besonderen Resolution als auch in dem besonderen Entwurf des Manifests und in der besonderen Erklärung über unsere Abstimmung für die Kompromißfassung des Manifests.

Wir haben aus unseren Auffassungen, unseren Losungen und unserer Taktik nicht das geringste Hehl gemacht. Auf der Konferenz wurde die deutsche Ausgabe der Broschüre ,Sozialismus und Krieg' verteilt. Wir haben unsere Auffassungen verbreitet und werden sie verbreiten, und zwar in nicht geringerem Maße, als das Manifest verbreitet wird. Daß dieses Manifest einen Schritt vorwärts macht zum wirklichen Kampf gegen den Opportunismus, zur Spaltung und zum Bruch mit dem Opportunismus, ist eine Tatsache.

Es wäre Sektierertum, wollte man darauf verzichten, gemeinsam mit der Minderheit der Deutschen, Franzosen, Schweden, Norweger und Schweizer diesen Schritt vorwärts zu machen, solange wir uns die volle Freiheit und die volle Möglichkeit wahren, die Inkonsequenz zu kritisieren und mehr anzustreben." (Lenin: „Ein erster Schritt", 1915, Werke Band 21, S. 393f. Hervorhebungen im Original.)

Lenin lehnte es also nicht ab, in der Gesellschaft unbeständiger Elemente, ja selbst mit opportunistischen Elementen, einen Schritt vorwärts zum ideellen und praktischen Bruch mit dem Opportunismus und Sozialchauvinismus zu tun. Aber als Bedingung bestand er auf der völligen Freiheit,seinen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen und – selbstverständlich auch öffentlich — die Inkonsequenz des Manifests zu kritisieren.

An anderer Stelle geißelt Lenin ausdrücklich diejenigen Zimmerwalder,

„...die dieses Manifest unterzeichnet haben, ohne seinen zaghaften Ton zu bekämpfen und ohne Vorbehalte zu machen!"

(Lenin: „Sozialchauvinistische Politik, getarnt durch internationalistische Phrasen", 1915, Werke Band 21, S. 440.)

Der weitere Verlauf der Auseinandersetzung zeigte die völlige Richtigkeit des Vorgehens Lenins und der Bolschewiki sehr deutlich, denn aufgrund des Charakters des Manifests als Kompromiß zwischen den Auffassungen der revolutionären Marxisten und den „Beinahe-Kautskyanern" mußten sich die Dinge bald zuspitzen.

Auf der zweiten Zimmerwalder Konferenz in Kienthal stellte sich bald heraus, daß nur ein Teil, die wirklichen Linken, bereit war, einen Schritt weiter zu gehen. Die opportunistische Mehrheit glitt vollständig in den Sumpf des Sozialchauvinismus und Lenin führte an der Spitze der Linken einen erbarmungslosen Kampf gegen sie.

Als die Linken zur Schaffung einer neuen Internationale, die frei von Opportunisten ist, vorwärtsschreiten wollten und es auch taten, versuchten die Zentristen und Opportunisten, Zimmerwald in einen Bremsklotz zu verwandeln.

Im April 1917 schrieb Lenin in seinem Artikel „Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution" im Abschnitt „Der Zusammenbruch der Zimmerwalder Internationale — eine Dritte Internationale muß gegründet werden":

„Die Zimmerwalder Internationale nahm von Anbeginn an eine schwankende, ,kautskyanische', ,zentristische' Position ein, was denn auch die Zimmerwalder Linke zwang, sich sofort von ihr abzugrenzen, sich abzusondern, mit einem eigenen (...) Manifest hervorzutreten.

Der Hauptmangel der Zimmerwalder Internationale, die Ursache ihres Zusammenbruchs (denn sie ist ideologischpolitisch bereits zusammengebrochen), sind die Schwankungen, die Unentschlossenheit in der wichtigsten, praktisch alles bestimmenden Frage des völligen Bruchs mit dem Sozialchauvinismus und der von Vandervelde, von Huysmans im Haag (Holland) und anderen geführten sozialchauvinistischen alten Internationale." (Lenin: „Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution", 1917, Werke Band 24, S. 66. Hervorhebungen im Original.)

Lenin schlußfolgert daraus:

„Der Zimmerwalder Sumpf darf nicht länger geduldet werden. Es geht nicht an, der Zimmerwalder ,Kautskyaner' wegen die halbe Verbindung mit der chauvinistischen Internationale der Plechanow und Scheidemänner länger aufrechtzuerhalten. Man muß unverzüglich mit dieser Internationale brechen." (Ebenda, S. 67f.)

Und Lenin stellt unmittelbar die Aufgabe:

„Benutzen wir diese Freiheit (die Freiheit in Rußland nach der Februarrevolution, A.d.V.), nicht um die Unterstützung der Bourgeoisie oder der bürgerlichen revolutionären Vaterlandsverteidigung' zu predigen, sondern zur kühnen und ehrlichen, proletarischen Liebknechtschen Gründung der dritten Internationale, einer sowohl den Verrätern, den Sozialchauvinisten, als auch den schwankenden Gestalten des ,Zentrums' unwiderruflich feindlich gegenüberstehenden Internationale." (Ebenda, S. 69. Hervorhebung im Original.)

Unabhängig von einer Reihe gravierender Unterschiede zwischen den Situationen zur Zeit Zimmerwalds und zur Zeit der Beratung in Moskau 1960-unabhängig von der Frage, ob auch der Charakter der Dokumente direkt verglichen werden kann als ein „Schritt vorwärts im Kampf gegen den Opportunismus"; unabhängig also auch von der Frage, ob es nicht eine denkbare Möglichkeit gewesen wäre, daß die KP Chinas direkt nach dem XX. Parteitag der KPdSU eine öffentliche Polemik begonnen hätte, zu den Erklärungen von 1957 und 1960 mit einer gründlichen Stellungnahme die Unterschrift verweigert hätte, oder ob es unumgänglich war, 1957 und 1960 zu unterzeichnen- unabhängig von all diesen Fragen erscheint uns der wesentliche Unterschied zwischen dem Kampf Lenins und dem Kampf der KP Chinas der zu sein:

Lenin und die Bolschewiki ließen sich in Zimmerwald nicht die Hände binden und propagierten offensiv und in aller Öffentlichkeit im internationalen Proletariat und unter den revolutionären Linken der verschiedenen Länder ihre revolutionären leninistischen Positionen ohne irgendwelche Abstriche und Einschränkungen. Gewappnet mit der ideologischen und theoretischen Klarheit Lenins, ließen sie an der Halbherzigkeit des Manifests von Zimmerwald keinen Zweifel aufkommen und legten umfassend dar, worin diese Halbherzigkeit bestand und daß es notwendig war, auf dem weiteren Weg der Schaffung der III. Internationale allseitig mit dieser Halbherzigkeit zu brechen.

Anders die KP Chinas. Weil sie mit der Linie der Dokumente von 1957 und 1960 in wesentlichen Fragen inhaltlich einverstanden war und weil sie auch in den Fragen, in denen sie abweichende Ansichten hatte, der Meinung war, daß es erforderlich sei, sich in der Öffentlichkeit rückhaltlos zu den gemeinsam beschlossenen Dokumenten zu bekennen, führte sie den Kampf um die korrekten Standpunkte nicht offensiv und band sich im weiteren die Hände. Damit bot sie den Chruschtschow-Revisionisten reichlich Raum und Handhabe für ihre Demagogien.

Somit zeigt diese kurze Einschätzung der Geschichte des Kampfes der KP Chinas gegen den Chruschtschow-Revisionismus bis zum „Vorschlag zur Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung" und zur „Polemik über die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung", welch großen Schaden es nach sich zog, daß nicht vom Kampf Lenins gegen den Revisionismus der II. Internationale sowie vom Kampf Stalins gegen den internationalen Revisionismus (z. B. gegen den Tito- Revisionismus) ausgegangen wurde. Statt dessen hat sich die KP Chinas im Grunde von den modernen Revisionisten die Art und Weise des Kampfes diktieren lassen und den von den Revisionisten gesetzten Rahmen nicht in kommunistischer Weise gesprengt.[339]

Doch der springende Punkt ist unseres Erachtens noch nicht einmal, daß die KP Chinas in der Zeit von 1957 und 1960 nicht den Weg Lenins in der Methode des Kampfes gegen den Opportunismus gegangen ist. Denn es läßt sich folgendes Fazit ziehen:

Die Analyse der Inhalte der Deklarationen von 1957 und 1960 beweist, daß der Chruschtschow-Revisionismus in diesen Dokumenten eindeutigvorherrscht und sich durchgesetzt hat, insofern sind diese Dokumente als im wesentlichenrevisionistisch zu charakterisieren. Die Analyse hat als weiteres Merkmal dieser Dokumente ergeben, daß — in zweitrangigem, aber doch nicht unwesentlichem Maß - der Kampf der KP Chinas und der PAA einige oppositionelle Stacheln in den Dokumenten hinterlassen hat, die den ganzen Dokumenten eine besondere Problematik verleihen. Diese Positionen - mögen sie teilweise auch einen Alibicharakter haben – müssen auch verstanden werden als Keime der zukünftigen Spaltung der KP Chinas und der PAA vom Chruschtschow-revisionistischen Lager, als sichtbare Elemente, wie falsch und ungenügend die KP Chinas und die PAA gekämpft haben. Auch dieses Merkmal bei der Einschätzung der Beratungen von 1957 und 1960 festzustellen, ist spätestens dann wichtig, wenn es darum geht, präzise die Fehler der KP Chinas und der PAA (einschließlich der Fehler jener Positionen, die gegen den Chruschtschow- Revisionismus durch die KP Chinas und die PAA erkämpft wurden) zu kritisieren und die Entwicklung der KP Chinas und der PAA realistisch und wahrheitsgetreu einzuschätzen.

Daraus folgen zwei Gefahren opportunistischer Abweichungen: Erstens sind jene Kräfte eine Gefahr, die historische Umstände als Entschuldigungund Rechtfertigung ansehen und die Deklaration und Erklärung von 1957 und 1960 als „im wesentlichen marxistisch-leninistisch" verteidigen, um die prinzipiellen Fehler der KP Chinas (und der PAA) zu vertuschen.

Zweitens sind auch jene Kräfte eine reale Gefahr, die historische Umstände überhaupt für null und nichtig erklären, Mao Tse-tung, die KP Chinas und die PAA kurzerhand auch bereits 1957 als total revisionistisch betrachten und somit unfähig sind, den realen Prozeß der Entwicklung desRevisionismus in der KP Chinas und der PAA zu analysieren und dementsprechende konkrete Lehren zu ziehen.

Eindeutig steht fest, daß es bei Fehlen einer klaren öffentlichen Kritik — ähnlich Lenins Vorgehen in Zimmerwald und Kienthal - ein großer Fehlerund Prinzipienschacher war, die Dokumente von 1957 und 1960 zu unterzeichnen.

Allerdings bestand - wie im betreffenden Kapitel ausgeführt - der wirklich große, folgenreiche und schwerwiegende Fehler nicht einfach in derUnterzeichnung, sondern darin, auf diesem Fehler zu bestehen, ihn zu verteidigen, keine Selbstkritik und öffentliche Polemik gegen diese Dokumente zuführen, selbst dann nicht, als der Bruch mit dem Chruschtschow-Revisionismus schon längst vollzogen war. So wuchs der zunächst schongroße Fehler weiter an und war einer der Faktoren, durch den die prinzipiellfalschen Inhalte und prinzipiell falschen Methoden in der KP Chinas,der PAA und der sich ihnen anschließenden Kräfte zementiert wurden. zurück

 

5. Die schwankende Haltung der KP Chinas in der Frage des endgültigen Bruchs mit dem Chruschtschow-Revisionismus

 

a) Gegen Chruschtschows Maßnahmen gegen die Partei der Arbeit Albaniens - aber zunächst nicht für den Kampf der Partei der Arbeit Albaniens gegen Chruschtschow

 

Die Chruschtschow-Revisionisten, die auf ihrem XXII. Parteitag und zu anderen Gelegenheiten direkt zum Sturz der Führung der Partei der Arbeit Albaniens aufgerufen hatten, versuchten gleichzeitig mit demagogischen Mitteln, die offene Polemik der Partei der Arbeit Albaniens gegen den Chruschtschow-Revisionismus abzuwürgen. Im „Brief des ZK der KPdSU an das ZK der KP Chinas" heißt es dazu:

„Unsere Partei, die die Spaltertätigkeit der albanischen Führer verurteilt hat, unternahm gleichzeitig wiederholt die notwendigen Schritte zur Normalisierung der Beziehungen der Partei der Arbeit Albaniens zur KPdSU und zu den anderen Bruderparteien."[340]

Im „Vorschlag" kritisierte die KP Chinas das revisionistische, großmachtchauvinistische Vorgehen der Chruschtschow-Revisionisten, wie etwa die Aufforderung zum Sturz der Führung der Partei der Arbeit Albaniens, oder die Übertragung der Differenzen zwischen der sowjetischen und der albanischen Partei auf die staatlichen Beziehungen.[341]

Doch während die Partei der Arbeit Albaniens im Oktober 1962 die Parole ausgab: „Die Trennungslinie gegenüber dem Revisionismus ein für allemal und auf allen Gebieten ziehen" [342], schreibt das ZK der KP Chinas noch ein halbes Jahr später im „Vorschlag":

„Wir möchten erneut unsere aufrichtige Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß die leitenden Genossen der KPdSU die Prinzipien für die Beziehungen zwischen Bruderparteien und -ländern befolgen, die Initiative ergreifen und nach einem wirksamen Mittel zur Verbesserungder Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Albanien suchen werden." („25-Punkte-Vorschlag", S. 50. Siehe S. 590.)

Tatsächlich richtete sich dieser Appell der KP Chinas gegen die richtige Parole der Partei der Arbeit Albaniens, auf allen Gebieten ein für allemal die Trennungslinie zu ziehen und leitete direkt Wasser auf die Mühlen der Chruschtschow-Revisionisten, die demagogisch von der „Normalisierung" der Beziehungen zur albanischen „Bruderpartei" schwätzten.

Das Ziel der Bemühungen der KP Chinas war nicht, die Trennungslinie zu den modernen Revisionisten klar zu ziehen, sondern die Einheit zwischen bereits Unvereinbarem herzustellen und zu festigen:

„In den Beziehungen zwischen Bruderparteien und -ländern sticht die Frage der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Albanien im Augenblick besonders hervor. Hier geht es um die Frage, was ist die richtige Art, eine Bruderpartei, ein Braderland zu behandeln. (...) Die richtige Lösung dieser Frage ist für die Wahrung der Einheit des sozialistischen Lagers, der Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung von prinzipieller Bedeutung." (Ebenda, S. 48f. Siehe S. 589.)

Betrachtet man in diesem Licht die chinesische Haltung: „Wir hoffen, daß die offene Polemik zwischen den Bruderparteien eingestellt werden kann" [343], so muß man sie als eine indirekte Verurteilung des Kampfes der Partei der Arbeit Albaniens gegen den Chruschtschow-Revisionismus werten.

 

b) Verbreiten von Illusionen über eine Umkehr der Chruschtschow-Breschnew-Revisionisten

 

Im Oktober 1961 fand der XXII. Parteitag der KPdSU statt. Über die Linie dieses Parteitags heißt es im Kommentar „Ursprung und Entwicklung der Differenzen zwischen der Führung der KPdSU und uns":

„Dieses Programm richtet sich gegen die Revolution der zwei Drittel der Gesamtbevölkerung der Welt, die immer noch unter dem imperialistischen und kapitalistischen System leben. Es hindert das andere Drittel der Gesamtbevölkerung der Welt, das bereits den Weg des Sozialismus gegangen ist, an der Durchführung der Revolution bis zum Endsieg.

Es ist ein revisionistisches Programm für die Beibehaltung und Restauration des Kapitalismus." („Polemik", S. 105.)

Trotz dieser - richtigen - Einschätzung akzeptierte die KP Chinas im Januar 1962 den Vorschlag der Partei der Werktätigen Vietnams, daß „alle Parteien mit ihren Angriffen gegeneinander im Rundfunk und in der Presse aufhören sollen" [344].

Lediglich weil die Führung der KPdSU die Übernahme einer bindenden Verpflichtung verweigerte, „die offene Debatte einzustellen (...) sahen wir (die KP Chinas, A.d.V.) uns gezwungen, den Angreifern offen zu antworten."[345]

Obwohl die Chruschtschow-Revisionisten zielstrebig ihren revisionistischen Weg fortsetzten und schon längst eine durch und durch konterrevolutionäre Linie entwickelt hatten, die sie Tag für Tag in Wort und Tat durchsetzten und bereits unzählige Verbrechen gegen die Weltrevolution begangen hatten, behielt die KP Chinas ihre versöhnlerische Haltung und ihre Illusionen bei.

So heißt es im Kommentar „Die Führung der KPdSU ist der größte Spalter der Gegenwart" abschließend:

„Wir möchten der Führung der KPdSU raten, in aller Ruhe zu überlegen:

Welche Folgen wird euer Beharren auf dem Revisionismus und dem Spaltertum haben ? Wir wollen noch einmal aufrichtig an die Führung der KPdSU appellieren: Kehrt zu den Grundlagen des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus zurück (...)

Wir hoffen , daß ihr dazu imstande seid." („Polemik", S. 398f.) Neben der illusionären Hoffnung auf eine mögliche Umkehr der Chruschtschow-Revisionisten fällt hier auf, daß der Versuch unternommen wird, den Revisionisten eine Rechnung aufzumachen, daß sich ihr Revisionismus doch nicht lohne: sie sollten sich doch „in aller Ruhe" die „Folgen" überlegen.[346]

Der Appell an die „Vernunft", an die „ruhige Überlegung" der modernen Revisionisten leugnet völlig den Klassencharakter der Ideologie des modernen Revisionismus.

Auf der Basis solcher Fehler ist schon nicht mehr verwunderlich, wie die KP Chinas auf die Absetzung Chruschtschows reagierte. Im Kommentar „Warum Chruschtschow von der Bühne abgetreten ist" vom 21. November 1964 heißt es dazu:

„Chruschtschow ist nun gestürzt. Auch die ganze revisionistische Politik, die er mit solchem Eifer betrieben hat, ist bankrott (...)

Überall posaunen sie (die US-Imperialisten, die Reaktionäre aller Länder und die modernen Revisionisten, A.d.V.) die sogenannten ,Leistungen' und ,Verdienste' Chruschtschows aus, in der Hoffnung, daß sich die Dinge weiter in der von Chruschtschow festgelegten Richtung entwickeln würden und ein sogenannter ,Chruschtschowismus ohne Chruschtschow' möglich wäre. Man kann kategorisch voraussagen,daß daraus nichts werden wird."[347] („Polemik", S. 549.)

Das ist eine katastrophale Verkennung der Ursachen und Gründe für den Sturz Chruschtschows. Es kommt so heraus, als ob die „führenden Genossen der KPdSU" sich nun wirklich „genau überlegt" hätten, daß beim Revisionismus nichts herausschaue.

Erst aufgrund der offenen und praktischen Verhöhnung dieser Einschätzung durch die Chruschtschow-Breschnew-Revisionisten korrigierte die KP Chinas später diese falsche Einschätzung und nahm die Tatsache eines Chruschtschowismus ohne Chruschtschow zur Kenntnis.

 

* * *

 

Nach dem Tode Stalins und dem Generalangriff Chruschtschows herrschte in der kommunistischen Weltbewegung eine sehr, sehr schwierige Situation. Keine Kommunistische Partei, keiner ihrer Führer war imstande, mit dem Weitblick und der Konsequenz eines Lenin oder Stalin sofort den Kampf zu eröffnen. Fehler, auch ernste, waren zunächst praktisch unvermeidlich. Das hauptsächliche Übel lag vielmehr darin, daß die Fehler während der öffentlichen Polemik der KP Chinas gegen den Chruschtschow-Revisionismus nicht korrigiert wurden und keine Selbstkritikgeübt wurde. Im Gegenteil, in der sehr wesentlichen Frage der Methode des Kampfes gegen den Opportunismus wurden Ansichten propagiert und eine eigene Praxis gerechtfertigt, die der Methode des Leninismusfundamental widersprachen und die sich leider bis heute innerhalb der kommunistischen Weltbewegung ebenso großen Einfluß bewahrt haben wie die Vorstellung, daß es sich bei den Dokumenten von 1957 und 1960 um kommunistische Plattformen für die Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung handle. zurück

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