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II. Über die Linie der KP Chinas für die„imperialistischen und kapitalistischenLänder"

1. Positionen der KP Chinas mit richtiger Stoßrichtung gegen den modernen Revisionismus

2. Die falsche Linie des Kampfes „in erster Linie gegen den USImperialismus"

3. Statt Bündnis der Arbeiterklasse mit der Masse der werktätigen und ausgebeuteten Bauern propagiert der „Vorschlag" eine obskure „Einheitsfront"

4. Das Verhältnis von Tageskampf und Kampf um die proletarische Revolution ist keine Frage eines bloßen Sowohl-als-auch

5. Der bewaffnete Kampf wird lediglich als eine Kampfform unter mehreren behandelt

 

1. Positionen der KP Chinas mit richtiger Stoßrichtung gegen den modernen Revisionismus

 

Die modernen Revisionisten breiteten ihren Rechtsopportunismus und Reformismus in Windeseile aus und vertieften ihn:

• Der revolutionäre Kampf für die proletarische Revolution wurde mehr oder weniger offen aufgegeben und machte einer „Veränderung der Gesellschaft" auf reformistischem, parlamentarischem, legalistischem und friedlichem Weg Platz.

• Der Kampf für die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats wurde dem Tageskampf für ökonomische, soziale und ähnlichen Interessen der Werktätigen geopfert. Die „Schaffung einer breiten antimonopolistischen Front" [277], wie es die modernen Revisionisten nennen, wurde in den Mittelpunkt gerückt.

• Um ihre Liquidierung des Kampfes für die proletarische Revolution, ihren extremen Reformismus plausibel erscheinen zu lassen, verkündeten die modernen Revisionisten, daß „in den hochentwickelten kapitalistischen Ländern die demokratischen und die sozialistischen Aufgaben so eng miteinander verflochten sind, daß eine Trennungslinie hier kaum zu ziehen ist." [278]

• Nicht die Entwicklung des Klassenkampfes in jedem einzelnen Land wurde zum Dreh- und Angelpunkt gemacht, sondern die „weitere Festigung der Macht des sozialistischen Weltsystems", die „Festigung der

großen sozialistischen Gemeinschaft" [279], sprich Festigung des sozialimperialistischen Einflußbereichs der Sowjetunion.

Im Kampf dagegen hat die KP Chinas im Punkt 10 ihres „25-Punkte-Vorschlags" gleich zu Beginn völlig richtig die Notwendigkeit der proletarischen Revolution und das Ziel der Diktatur des Proletariats festgelegt. Es heißt dort einleitend:

„Um die Widersprüche in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in den imperialistischen und kapitalistischen Ländern[280] von Grund auf zu lösen, ist es notwendig, die proletarische Revolution durchzuführen und die Diktatur des Proletariats zu errichten." („25-Punkte-Vorschlag", S. 19. Siehe S. 570.)

Diese Betonung der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats durch die KP Chinas zur damaligen Zeit war nicht zu unterschätzen.

Die KP Chinas fordert von den Kommunistischen Parteien, daß diese „die historische Mission der proletarischen Revolution auf ihre Schultern nehmen":

„Tun sie das nicht und betrachten sie die Bewegung des Augenblicks als ein und alles, legen sie ihre Haltung von Fall zu Fall fest, passen sie sich den Tagesereignissen an und opfern die Grundinteressen des Proletariats, dann ist das hundertprozentiger Sozialdemokratismus." (Ebenda, S. 20/21. Siehe S. 571.)

Im Kommentar „Die proletarische Revolution und der Revisionismus Chruschtschows" prangert die KP Chinas an, daß die modernen Revisionisten unter dem Vorwand des Fehlens einer revolutionären Situation die Aufgabe der Sammlung der revolutionären Kräfte und der Vorbereitung der Revolution gänzlich fallengelassen haben. Dem stellt die KP Chinas entgegen:

„Bevor die Gelegenheit zur Machtergreifung vorhanden ist, besteht das grundlegendste und wichtigste Problem für die proletarische Partei darin, ihre ganze Aufmerksamkeit auf die harte Arbeit der Sammlung der revolutionären Kräfte zu richten. Eine energische Führung zielt in den Tageskämpfen hauptsächlich darauf ab, die revolutionären Kräfte zu sammeln und den Sieg der Revolution in dem Moment, da die Bedingungen für sie reif sind, vorzubereiten." („Polemik", S. 439)

Gegen die revisionistische Vermanschung von demokratischen und sozialistischen Aufgaben führt die KP Chinas die Grundposition Lenins, des Leninismus an:

„Lenin sagte ferner, daß ,für klassenbewußte Arbeiter jede beliebige demokratische Forderung ... den höheren Interessen des Sozialismus untergeordnet ist'[281]." (Ebenda, S. 441 f.)

Doch auch wenn die KP Chinas die Frage der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats, diese wesentliche Trennungslinie zwischenwissenschaftlichem Kommunismus und modernem Revisionismus, im Punkt 10 des „Vorschlags" ausdrücklich festgeschrieben hat und sich vom Reformismus der Revisionisten abgrenzt, so verfolgte sie jedoch diesen richtigen Ansatz nicht in der erforderlichen Weise weiter. Sie weichte ihn vielmehr auf, verwässerte ihn durch Positionen, auf die wir im folgenden eingehen werden. zurück

 

2. Die falsche Linie des Kampfes „in erster Linie gegen den US-Imperialismus"

 

Die KP Chinas schrieb im Punkt 10 des „Vorschlags zur Generallinie":

„In den kapitalistischen Ländern, die der Kontrolle des US-Imperialismus unterstehen oder die er seiner Kontrolle zu unterwerfen versucht, müssen Arbeiterklasse und Werktätige ihren Kampf in ersterLinie gegen den US-Imperialismus richten, dann aber auch gegen die Monopolbourgeoisie und andere reaktionäre Kräfte, die die nationalen Interessen ihrer Länder verkaufen." („25-Punkte-Vorschlag", S. 20. Siehe S. 570.)

Der Zusammenhang dieser Passage ist folgender: Zunächst propagiert die KP Chinas die proletarische Revolution und die Diktatur des Proletariats, weist dann darauf hin, daß dafür in einer Reihe von Tageskämpfen wirtschaftlicher, antifaschistischer und antiimperialistischer Natur die Führung der Kommunistischen Partei erkämpft werden muß zwecks Vorbereitung der proletarischen Revolution, um dann den Kampf gegen den US-Imperialismus in der oben zitierten Weise darzustellen.

Gegen alle voreiligen Kritiker, die sich die Sache zu leicht machen und sagen: Hier wird der Kampf um die proletarische Revolution einem obskuren Kampf gegen den US-Imperialismus, „nationaler Interessen" willen, geopfert, haben wir auf den Zusammenhang der Passage hingewiesen und weisen wir auf einen weiteren Punkt hin.

Bei aller notwendigen Kritik an der KP Chinas angesichts extremer revisionistischer Auslegungen solcher Formulierungen wie oben, besonders zur Zeit der Höhenflüge der „Drei-Welten-Theorie", muß festgehalten werden, daß von einem Bündnis mit der Monopolbourgeoisie gegen den US-Imperialismus hier nicht die Rede ist. Es wird vielmehr ausdrücklich, wenn auch in zweiter Linie, der Kampf gegen die Monopolbourgeoisie gefordert.

Das ist unbedingt klarzustellen und zu betonen. Aber dennoch ist die oben zitierte Passage keineswegs richtig und unangreifbar. Ganz im Gegenteil.[282]

Unsere Kritik betrifft folgende Punkte:

a) Es wird der Eindruck erweckt, daß aus der Fülle der kapitalistischen Staaten einige Staaten herausgegriffen würden, auf die besonders eingegangen werden müßte, eben jene Staaten, die tatsächlich in bezug auf Ökonomie und Politik, auf Militär und Staatsapparat „unter der Kontrolle der USA" stehen.

In der Tat gab es ein solches Problem, etwa in Westdeutschland 1945 bis in die fünfziger Jahre (in Anbetracht auch der komplizierten Lage, daß nach 1945 die USA eine kurze Zeit noch Alliierte der damals noch sozialistischen Sowjetunion waren, die Besetzung Westdeutschlands durch westliche Alliierte noch Ergebnis des Siegs der Anti-Hitler-Koalition war, bei gleichzeitig eindeutigen imperialistischen Ambitionen der westlichen Alliierten u.a.m.).

Aber in den sechziger Jahren, zur Zeit der Abfassung der „Polemik", war in eigentlich allen „kapitalistischen Ländern" bereits die einheimischeMonopolbourgeoisie eindeutig an der Macht, hatte eine eigenständige Armee, war im Besitz der politischen Macht im Land trotz der Anwesenheit von US-Truppen und gewisser Einflußmöglichkeiten der US-Imperialisten.

Es soll nicht bestritten werden, daß diese amerikanischen Truppen durchaus als Feinde der proletarischen Revolution eingeschätzt und bekämpft werden mußten. Das war ein wichtiger Faktor. Aber der Hauptfeind in den vielfältigen Tageskämpfen, der Hauptfeind vor allem auch bei der Vorbereitung und Durchführung der sozialistischen Revolution war die Monopolbourgeoisie des eigenen Landes, die „eigene" Bourgeoisie. Das stellt die „Polemik" nicht heraus.

Der Punkt 10 des „25-Punkte-Vorschlags" baut diesen Fehler weiter aus, indem in der betreffenden Passage noch die Formulierung von den Ländern, die der US-Imperialismus „seiner Kontrolle zu unterwerfen versucht', hinzugefügt wird. Hiermit wird die ganze Sache im Grunde auf alle imperialistischen Länder ausgeweitet, sogar auf die imperialistischen Großmächte, denn welches Land „versucht" der US-Imperialismus nicht seiner Kontrolle zu unterwerfen? Es geht hier also nicht mehr um einige (vielleicht selbst damals noch mögliche) Ausnahmen unter diesen Ländern, sondern um alle. Ein geschichtlich möglicher Spezialfall wird damit verallgemeinert zu einer falschen Generallinie des Kampfes gegen den US-Imperialismus.

Damit nicht genug.

b) Gravierend ist weiterhin, daß offen bleibt, auf was sich die Richtlinie, „in erster Linie" gegen den US-Imperialismus zu kämpfen, bezieht. Bezieht sie sich auf einen speziellen Tageskampf, was falsch wäre, wenn auch dieser Fehler einen anderen Stellenwert hätte, oder ist es so zu verstehen, daß der Kampf für die proletarische Revolution und die Diktatur des Proletariats sich „in erster Linie" gegen den US-Imperialismus richten soll, was grundlegend falsch wäre.

Und in der Tat war gerade die letzte mögliche Interpretation später Bestandteil der rechtsopportunistischen und nationalistischen Konzeption der „Drei-Welten-Theorie", die dadurch gekennzeichnet war, den Kampf gegen die „eigene" Bourgeoisie hinten anzustellen, den Kampf gegen den US-Imperialismus und die anwesenden US-Truppen zur Frage Nummer l zu machen. Sie war gar Einfallstor dafür, mit der „eigenen" Bourgeoisie die „nationale Unabhängigkeit" des Landes zu verteidigen.

Die falsche Herangehensweise der KP Chinas entwaffnete ideologisch das Proletariat im Grunde auch in Hinblick auf die Demagogie der jeweils „eigenen" Bourgeoisie, die in zwischenimperialistischen Rivalität mit dem US-Imperialismus verstärkt nationale Töne anschlug. Angesichts dessen wäre es die Aufgabe gewesen, das Proletariat dieser Länder darauf zu orientieren, die „eigene" Bourgeoisie und ihre nationale Demagogie zu entlarven, sie aber dennoch nicht wegen eines etwaigen Verkaufs der „nationalen Interessen ihrer Länder", wie es im Punkt 10 des „Vorschlags" heißt, anzugreifen, sondern als Feind, vor dem das Proletariat nicht nur in den Tageskämpfen, sondern vor allem in Hinblick auf die proletarische Revolution steht.

Die richtige Linie der Vorbereitung der proletarischen Revolution in den Tageskämpfen und im Kampf vor allem gegen Ideologie und Politik der„eigenen" Bourgeoisie, die es zu vernichten gilt, sucht man im „25- Punkte-Vorschlag" der KP Chinas vergeblich.

All dies zusammengenommen ergibt eine falsche Orientierung in bezug auf den Weg, der im Kampf um die Diktatur des Proletariats eingeschlagen werden muß. Denn eine der wichtigsten Fragen der Strategie, die Frage nach dem Hauptfeind, wird ausgeklammert bzw. falsch beantwortet. zurück

 

3. Statt Bündnis der Arbeiterklasse mit der Masse der werktätigen und ausgebeuteten Bauern propagiert der „Vorschlag" eine obskure „Einheitsfront"

 

Wenn das Proletariat den bürgerlichen Staatsapparat zerschlagen und seine Diktatur errichten will, so muß es zuvor klären, wer seine Verbündeten in diesem Kampf sind. Ohne Verbündete unter der Masse der anderen Ausgebeuteten und Werktätigen zu gewinnen, kann das Proletariat nicht siegen.

Dabei ist nicht die zahlenmäßige Stärke dieser oder jener Schicht der Werktätigen ausschlaggebend für ihre Bedeutung und Haltung in der Revolution des Proletariats, sondern ihre Kampfkraft und Interessiertheit an der proletarischen Revolution, die entscheidend aus ihren Arbeits- und Lebensbedingungen, ihrer Klassenlage und Stellung in der Produktion sowie der Perspektive, die ihr der Sozialismus eröffnen kann, resultieren.

Hierbei ist die Frage der Bauernschaft, die Frage der Gewinnung der Masse der werktätigen und ausgebeuteten Bauern für die proletarische Revolution von ausschlaggebender Bedeutung. Die Bauernfrage als Frage nach den Verbündeten des Proletariats ist

„...ein Teil der allgemeinen Frage der Diktatur des Proletariats und als solche eine der lebenswichtigsten Fragen des Leninismus." (Stalin: „Über die Grundlagen des Leninismus", 1924, Werke Band 6, S. 109)

Das Prinzip des Bündnisses zwischen der Arbeiterklasse und der Masse der werktätigen und ausgebeuteten Bauern in den imperialistischen Ländern ist sowohl in Hinblick auf die siegreiche Durchführung der sozialistischen Revolution zentral als auch in Hinblick auf die Errichtung der Diktatur des Proletariats und des sozialistischen Aufbaus, bei dem dann auch die Mittelbauern mit einbezogen werden.[283]

Die werktätigen und ausgebeuteten Massen auf dem Land betreiben Lebensmittelproduktion, das Land ist Lebensmittellieferant der Stadt. Ganz besonders deutlich wird diese Bedeutung nach dem Sturz der Bourgeoisie, wo die Diktatur des Proletariats die Lebensmittelversorgung im eigenen Land sichern muß und es gilt, die vom Monopolkapital und seiner imperialistischen Staatsmacht betriebene Ausplünderung der anderen Völker zu beenden.

Besonders in Zeiten des Bürgerkriegs, aber auch in Zeiten des krisenhaften Zusammenbruchs der Produktions- und Verteilungsmechanismen des Kapitalismus, wie zum Beispiel in und direkt nach dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg, wird schlagartig deutlich, inwiefern die Landwirtschaft auch in hochindustrialisierten imperialistischen Ländern eine grundlegende Basis der gesellschaftlichen Reproduktion ist und daß die Frage des Bündnisses des städtischen und industriellen Proletariats mit der ausgebeuteten werktätigen Mehrheit der Landbevölkerung eine überragende Bedeutung hat.

Natürlich darf nicht unterschätzt werden, was es bedeutet, wenn die städtischen Mittelschichten in den Büros, im Handel usw. gegen das siegreiche Proletariat stehen. Die Existenz der Diktatur des Proletariats ist jedoch viel unmittelbarer bedroht, wenn es die Massen der ländlichen Werktätigen nicht auf seiner Seite, sondern gegen sich hat. Deshalb ist es zentral, daß das Land unbedingt zur Bastion der proletarischen Revolution werden muß, denn wenn das Land Stützpunkt der Bourgeoisie bleibt, wenn in den Städten der bewaffnete Aufstand begonnen hat, kann ein Sieg nicht von Dauer sein, weil es der Konterrevolution gelingen wird, die Masse der Werktätigen und Ausgebeuteten auf dem Land gegen die Stadt zu mobilisieren.

Aus diesen Gründen ist der siegreiche Kampf zum Sturz der Bourgeoisie, zur Errichtung der Diktatur des Proletariats unmöglich, ohne daß die Kommunistische Partei „eine Macht auf dem Lande" wird.[284]

Die Vorrangigkeit des Kampfes für das Bündnis mit den Ausgebeuteten auf dem Lande gegenüber dem Bündnis mit den anderen Werktätigen in der Stadt ergibt sich auch daraus, daß erstere aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen und aufgrund ihres insgesamt gesehen doch weniger korrumpierten Lebensstils der Arbeiterklasse näher stehen, verläßlicher sind.

Jede Geringschätzung der Aufgabe des Proletariats gegenüber den werktätigen und ausgebeuteten Bauern bedeutet im Grunde Verrat an der proletarischen Revolution. Gegen den Opportunismus der II. Internationale stellte Stalin hierzu fest:

„...die Gleichgültigkeit gegenüber einer so wichtigen Frage wie der Bauernfrage am Vorabend der proletarischen Revolution ist die Kehrseite der Ablehnung der Diktatur des Proletariats, ist ein unzweifelhaftes Merkmal des direkten Verrats am Marxismus." (Stalin: „Über die Grundlagen des Leninismus", 1924, Werke Band 6, S. 110.)

Der grundlegende Verrat der modernen Revisionisten an der proletarischen Revolution drückt sich auch darin aus, daß sie unter dem Vorwand der zahlenmäßigen Abnahme der bäuerlichen Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung der Bauernfrage, des Bündnisses mit der Masse der werktätigen und ausgebeuteten Bauern beiseite wischen.

Die KP Chinas verliert im Punkt 10 des „Vorschlags", der die Linie der proletarischen Revolution behandeln soll, kein Wort über das Bündnis derArbeiterklasse mit der Masse der werktätigen und ausgebeuteten Bauern, und das ist ein gravierender Fehler. Doch damit nicht genug.

Statt einer klaren Aussage über die Notwendigkeit, das Bündnis mit den werktätigen und ausgebeuteten Bauern zu erkämpfen, wird ganz schwammig formuliert: Die proletarischen Parteien müssen sich „mit allen Kräften, mit denen Einigkeit möglich ist, zusammenschließen und eine breite Einheitsfront gegen das Monopolkapital, gegen die Aggressions- und Kriegspolitik des Imperialismus bilden." („25-Punkte-Vorschlag", S. 20. Siehe S. 570.)

„Einheit mit allen Kräften, mit denen Einheit möglich ist", ist eine Tautologie, sagt überhaupt nichts darüber aus, um welche Kräfte es sich hierbei handeln soll und ist an Schwammigkeit kaum zu überbieten. Durch diese Gummiformulierung, die völlig offen läßt, mit wem denn nun konkret in den imperialistischen Ländern eine Einheitsfront möglich sein wird, wer konkret Bündnispartner sein kann, wird allerlei möglichen, revisionistischen Spekulationen Tür und Tor geöffnet.

Etwas präziser wird die KP Chinas lediglich im Kommentar „Die proletarische Revolution und der Revisionismus Chruschtschows". Dort heißt es in einer Passage über „die wichtigsten Erfahrungen, die uns nach dem zweiten Weltkrieg der Erfolg der proletarischen Revolution in China, Kuba und einer Reihe anderer Länder vermittelt"[285]:

„Die Bauern sind die verläßlichsten Verbündeten des Proletariats. Es ist daher notwendig, daß das Proletariat sich eng auf die Bauern stützt, eine breite Einheitsfront bildet, die auf dem Bündnis der Arbeiter und Bauern basiert, und auf seine führende Rolle in der Revolution beharrt." („Polemik", S. 447)

Unklar bleibt hier aber, daß das Proletariat sich in der sozialistischen Revolution keineswegs mit „den Bauern" verbünden kann, sondern zunächst nur mit bestimmten Teilen, mit dem Halbproletariat sowie der Masse der ausgebeuteten und werktätigen Kleinbauernschaft. zurück

 

4. Das Verhältnis von Tageskampf und Kampf um die proletarische Revolution ist keine Frage eines bloßen Sowohl-als-auch

 

Einer der wesentlichen Streitpunkte zwischen Opportunisten, modernen Revisionisten einerseits und Revolutionären und Marxisten-Leninisten andererseits ist seit jeher die Frage, in welchem Verhältnis der Tageskampf zum Kampf um die Revolution steht. So machen die modernen Revisionisten Propaganda, daß der Kampf um die sozialistische Revolution kein aktuelles Problem, sondern eine Frage der fernen Zukunft sei, aktuell ohne Belang. Man könne zwar einmal allgemein darüber reden, entscheidend und ausschlaggebend hingegen sei der Kampf um Tagesforderungen, um Reformen etc.

Was stellte die KP Chinas diesem Verzicht auf die proletarische Revolution unmittelbarer Tagesinteressen zuliebe entgegen? Sie schrieb hierzu:

„Während sie aktiv den Kampf des Tages leiten, müssen die Kommunisten in den kapitalistischen Ländern ihnauch mit dem Kampf auf lange Sicht und für die Gesamtinteressen verbinden, die Volksmassen im revolutionären Geist des Marxismus-Leninismus erziehen und ihr politisches Bewußtsein ständig heben, sie müssen die historische Mission der proletarischen Revolution auf ihre Schultern nehmen. Tun sie das nicht und betrachten sie die Bewegung des Augenblicks als ein und alles, legen sie ihre Haltung von Fall zu Fall fest, passen sie sich den Tagesinteressen an und opfern die Grundinteressen des Proletariats, dann ist das hundertprozentiger Sozialdemokratismus." („25-Punkte-Vorschlag", S. 20f. Siehe S. 571.)

Angesichts des Aufgehens der modernen Revisionisten in den Tageskämpfen war eine solche Entgegnung sicherlich wichtig und von Bedeutung.

Denn zweifellos: Wenn nur der Tageskampf geführt wird, ist von vornherein nichts zu retten. Allerdings kann man die modernen Revisionisten in dieser Frage nicht richtig und tiefgehend entlarven, geschweige denn eine positive Linie hierzu festlegen, wenn man nur darauf hinweist, daß sowohl der Tageskampf als auch der Kampf um die Revolution geführt, daß beides miteinander „verbunden" werden muß.

Lenin ging in dieser Frage weiter. Er machte unmißverständlich klar, wie beides verbunden werden muß, nämlich nicht gleichgewichtig, sondern so,daß der Tageskampf dem Kampf um die Revolution, ihrer Vorbereitungund Durchführung untergeordnet wird. Das bedeutet, in den Tageskämpfendie Notwendigkeit bewußtzumachen, nicht nur einen Teil, sondern das ganze kapitalistische System zu bekämpfen. Es bedeutet, das Ziel der sozialistischenRevolution und der Diktatur des Proletariats in die Tageskämpfehineinzutragen und den Erfolg der Tageskämpfe und des Eingreifensder Kommunisten daran zu messen, inwieweit es gelingt, die Massenfür die Ziele des Sozialismus und Kommunismus empfänglich und bewußtzumachen.

In Hinblick auf den demokratischen Kampf stellte Lenin allgemein heraus:

„Man muß verstehen, den Kampf um die Demokratie und den Kampf um die sozialistische Revolution zu vereinigen, indem man den ersten dem zweiten unterordnet. Darin liegt die ganze Schwierigkeit; darin liegt das ganze Wesen der Sache." (Lenin: „An Ines Armand", 1916, Werke Band 35, S. 241. Hervorhebungen im Original.)

Obwohl die KP Chinas im Kommentar „Die proletarische Revolution und der Revisionismus Chruschtschows" eine ähnliche Lenin-Passage zitiert, nämlich daß Jede beliebige demokratische Forderung" „den höheren Interessen des Sozialismus untergeordnet" [286] werden muß, wird gegen die modernen Revisionisten die Notwendigkeit der Unterordnung des einen unter das andere nicht eindeutig festgeschrieben, sondern die KP Chinas bekämpft die Chruschtschow-Revisionisten in der Hauptsache mit einem Sowohl-Als-auch. Sie macht nicht klar, was Stalin einmal so treffend erklärte:

„Für den Reformisten ist die Reform alles, die revolutionäre Arbeit aber Nebensache, ein Unterhaltungsthema, ein Täuschungsmanöver. (...)

Für den Revolutionär dagegen ist umgekehrt die revolutionäre Arbeit die Hauptsache und nicht die Reform, für ihn ist die Reform ein Nebenprodukt der Revolution." (Stalin: „Über die Grundlagen des Leninismus", 1924, Werke Band 6, S. 146f.) zurück

 

5. Der bewaffnete Kampf wird lediglich als eine Kampfform unter mehreren behandelt

 

Der Fehler, auf den wir im folgenden hinweisen wollen, durchzieht die ganze „Polemik". Wir haben ihn schon in Hinblick auf den Punkt 9 kritisiert.

Dennoch ist dieser Punkt so wesentlich, daß die entsprechende Kritik in bezug auf die Frage der proletarischen Revolution festgehalten werden muß. Im Punkt 10 des „Vorschlags" kann man lesen:

„Die Avantgarde des Proletariats kann erst dann unter allen Umständen unüberwindlich sein, wenn sie alle Kampfformen beherrscht, friedliche und bewaffnete, offene und geheime, legale und illegale, parlamentarische oder Massenkämpfe usw. usf." („25-Punkte-Vorschlag", S. 21. Siehe S. 571.)

In gewisser Weise ist dies richtig, es gibt wirklich diese verschiedenen Kampfformen. Und angesichts des extremen Revisionismus der damaligen sich kommunistisch nennenden Parteien war allein das Erwähnen solcher Kampfformen wie des illegalen und bewaffneten Kampfes eine „Todsünde".

Es ließ die modernen Revisionisten zusammenzucken und war ganz sicher ein wichtiger Grund für ihren Haß gegen die KP Chinas zur damaligen Zeit, die am bewaffneten und illegalen Kampf festhielt.

Doch genügte dies keineswegs, um eine wirklich richtige Linie zum bewaffneten Kampf, zum Bürgerkrieg des Proletariats festzulegen. Dann nämlich muß unbedingt herausgestellt werden, daß die Vorbereitung des Bürgerkriegs, die Vorbereitung und Durchführung der bewaffneten proletarischen Revolution ein Grundpfeiler der Linie der Kommunistischen Partei ist und keineswegs eine Frage der Taktik, ein Punkt, der lediglich unter der Rubrik „verschiedene Kampfformen der Partei" als eine Kampfform unter mehreren abgehandelt werden darf.

Wenn wir die KP Chinas an dieser Stelle kritisieren, dann nicht so sehr deswegen, was sie geschrieben hat, sondern vor allem deshalb, weil Entscheidendes fehlt. Denn wenn man zur Linie der proletarischen Revolution in den imperialistischen Ländern Stellung nimmt, dann ist es unverzichtbar, das Proletariat auf die Vorbereitung und Durchführung der bewaffneten Revolution, des Bürgerkriegs zur Zerschlagung des Staatsapparates der Bourgeoisie zu orientieren. Das hat die KP Chinas nicht im „Vorschlag zur Generallinie" und auch nicht im dazugehörigen Kommentar getan. zurück

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