zurück zum Inhalt

II. Kräfte der internationalen Konterrevolution (Über die falsche Theorie eines „internationalen Hauptfeindes" und deren Wurzeln)

 

1. Die falsche Konzentration auf den US-Imperialismus in der „Polemik" der KP Chinas

1. Die falsche Konzentration auf den US-Imperialismus in der „Polemik" der KP Chinas 214

a) Die aktuelle Lage nach dem Zweiten Weltkrieg

b) Der Kampf Stalins für die Gültigkeit der Lehren des wissenschaftlichen Kommunismus gegen die Verabsolutierung des US-Imperialismus

c) Der XIX. Parteitag der KPdSU 1952

d) Die Position der Chruschtschow-Revisionisten zum imperialistischen Lager

e) Der Kampf der KP Chinas gegen die versöhnlerische Verharmlosung des US-Imperialismus durch die Chruschtschow-Revisionisten

f) Direkte Fehler der KP Chinas und für die „Drei-Welten-Theorie" offene Formulierungen

 Die Verabsolutierung des US-Imperialismus 
 Die Haltung der KP Chinas zu anderen imperialistischen Mächten 
 Die KP Chinas über die „breiteste" Einheitsfront 
 Einheitsfront wofür, gegen wen und mit wem? 

g) Mißachtung der Möglichkeit zwischenimperialistischer Kriege

2. EINSCHUB: Die besondere Bedeutung der Broschüre „Einige grundlegenden Fragen der revolutionären Politik der Partei der Arbeit Albaniens zur Entfaltung des Klassenkampfes" von Nexhmije Hoxha von 1977

 

a) Die aktuelle Lage nach dem Zweiten Weltkrieg

 

Der Zweite Weltkrieg führte zu einer Fülle von gravierenden Änderungen in der internationalen Lage. In bezug auf die Kräfteder internationalenKonterrevolution stellte Genösse Shdanow in seinem Bericht auf der ersten Sitzung der neu geschaffenen Kominform im September 1947 „Über die internationale Lage" fest: „Auch das Antlitz der kapitalistischen Welt hat sich wesentlich verändert. Von den sechs imperialistischen Mächten, den sogenannten Großmächten (Deutschland, Japan, England, USA, Frankreich, Italien) sind drei infolge ihrer militärischen Niederlage fortgefallen (Deutschland, Italien, Japan). Auch Frankreich wurde geschwächt und hat seine ehemalige Bedeutung als Großmacht eingebüßt. Somit blieben nur zwei ,große' imperialistische Weltmächte - die Vereinigten Staaten und England. Aber die Positionen einer von ihnen, nämlich Englands, erwiesen sich als erschüttert."[197]

Nach der Analyse der Faktoren, die England schwächen, stellte Genosse Shdanow fest:

„Von allen kapitalistischen Mächten ist nur eine kapitalistische Macht - die USA - aus dem Krieg nicht geschwächt, sondern wirtschaftlich wie militärisch bedeutend gestärkt hervorgegangen. (...) Die Hauptkonkurrenten der USA, Deutschland und Japan, sind vom Weltmarkt verschwunden, und das hat den USA neue, sehr große Möglichkeiten eröffnet. (...)

Die empfindliche Schwächung der Wirtschaftsmacht der anderen kapitalistischen Staaten schuf die Möglichkeit zur spekulativen Ausnutzung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit, die die Unterstellung dieser Länder unter die amerikanische Kontrolle erleichtern, und insbesondere auch die Möglichkeit einer Ausnutzung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Großbritanniens nach dem Krieg. Die USA verkündeten einen neuen, unverhüllt aggressiven, expansionistischen Kurs.

Der neue, unverhüllt expansionistische Kurs der USA setzt sich die Errichtung einer Weltherrschaft des amerikanischen Imperialismus zum Ziel."[198]

Genösse Shdanow analysierte die aktuellen politischen Handlungen der US-Imperialisten, beschrieb die Existenz der zwei großen Lager, das antiimperialistisch-demokratische Lager und das imperialistische Lager, und stellte dann fest: „Die führende Hauptkraft des imperialistischen Lagers sind die USA."[199]

Der ganze Bericht Shdanows wie auch insbesondere die hier zitierten Auszüge aus seinem Bericht waren von großer Bedeutung für die Kommunistischen Parteien in der ganzen Welt.

Dieser Bericht über die internationale Lage war unter dem Gesichtswinkel der aktuellen Lage abgefaßt und beschrieb richtig die in der damaligen Zeit tatsächlich existierende führende Rolle des US-Imperialismus, der damals wirklich die größte und stärkste imperialistische Macht war. Shdanow stellte sich nicht die Aufgabe, über die aktuelle Lage hinaus auch die Entwicklung der Widersprüche zwischen den kapitalistischen Mächten, die Tendenz der langfristigen Wiederherstellung der zeitweise daniederliegenden imperialistischen Großmächte zu analysieren.

In den Ausführungen Shdanows ist keine längerfristige Einschätzung der Entwicklung der Weltlage enthalten. Der Bericht ist sozusagen eine Momentaufnahme der gegebenen Situation und beschäftigt sich auch nicht mit der Frage der Entwicklung der Revolution in den einzelnen Ländern bzw. der proletarischen Weltrevolution überhaupt.

Die Entwicklung der kommunistischen Weltbewegung nach 1947 zeigte, daß dies ein gewisser Mangel war, der die vorhandene Tendenz unterstützte, über die augenblickliche Situation nicht hinauszudenken und die grundlegende Perspektive aus dem Auge zu verlieren.

Es herrschte zu dieser Zeit — ausgehend von der momentan tatsächlichen Macht der US-Imperialisten innerhalb der kapitalistischen Welt – innerhalb der Kommunistischen Parteien verschiedener Länder doch mehr oder minder deutlich die Meinung, daß kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Grunde nur noch der US-Imperialismus übriggeblieben sei und daher die eigenständige imperialistische Aktivität anderer imperialistischer Mächte kaum noch Gewicht habe.

Daß in dieser Richtung tatsächlich falsche Ansichten in der kommunistischen Weltbewegung vorhanden waren, wird deutlich, wenn man sich erinnert, daß Mao Tse-tung, Vorsitzender der KP Chinas, drei Monate nach der Rede Shdanows im Dezember 1947 erklärte:

„Diese Abhängigkeit vom US-Imperialismus ist den reaktionären Kräften aller Länder der Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gemein. Sie ist ein Ausdruck der Schwere der Schläge, die der Zweite Weltkrieg dem Weltkapitalismus beigebracht hat; sie spiegelt auch die Schwäche der reaktionären Kräfte aller Länder wider, ihre panische Furcht und die Einbuße ihrer Zuversicht; sie spiegelt ferner die Stärke der revolutionären Kräfte der ganzen Welt wider. Das alles läßt die Reaktionäre aller Länder fühlen, daß es für sie nur noch den einen Ausweg gibt, sich auf die Hilfe des US-Imperialismus zu verlassen."[200]

Was die Einschätzung der aktuellen Abhängigkeit der Reaktionäre aller Länder angeht, so stimmt Mao Tse-tung offensichtlich mit Shdanow überein.

Was die Schlußfolgerungen angeht, geht Mao Tse-tung jedoch einen Schritt weiter und behauptet, daß die Reaktionäre aller Länder nur noch den einen Ausweg hätten, sich auf die Hilfe des US-Imperialismus zu verlassen.

Was die Reaktionäre im Wirkungsbereich der KP Chinas, also in China, angeht, so war eine solche Analyse realistisch und richtig, da die Tschiang-Kai-schek-Clique, um sich vor dem Untergang zu retten, sich nur noch knapp zwei Jahre auf die Hilfe der US-Imperialisten stützen konnte. Für die Reaktionäre vor allem der zeitweilig daniederliegenden imperialistischen Großmächte in Europa aber ist die unter den konkreten Bedingungen Chinas gültige These Mao Tse-tungs, die er allgemein für alle Länder aufstellt, schon nicht mehr korrekt. Denn die Imperialisten etwa Westdeutschlands, Frankreichs usw. sahen durchaus den Ausweg nicht nur in der Hilfe der USA, sondern in der Entwicklung eigenständiger imperialistischer Aktivitäten, unter anderem auch gegen den US-Imperialismus.

Shdanow hatte zwar keine Schlußfolgerung über die Perspektive der Entwicklung gezogen, er sprach vom imperialistischen Lager insgesamt und behandelte nicht die Frage, welche Auswege die Reaktionäre aller Länder haben und suchen werden. Er erklärte lediglich die aktuelle Lage. Seine Ausführungen trafen aber keine Vorkehr gegen falsche, den US-Imperialismus verabsolutierende Schlußfolgerungen.

Tatsächlich war damals die Überlegenheit der US-Imperialisten gegenüber allen anderen so eindrucksvoll, daß innerhalb der kommunistischen Weltbewegung und auch innerhalb der KPdSU(B) sich theoretische Analysen und politische Schlußfolgerungen ausbreiteten, die von der absoluten Vormacht der USA als eine Art Superimperialismus ausgingen und überhaupt nicht in Rechnung stellten, daß sich an dieser Vormachtstellung etwas ändern könnte.

Theoretisch wurden unter Berufung auf die neue Lage Gesetzmäßigkeiten der Epoche des Imperialismus wie die Unvermeidbarkeit innerimperialistischer Kriege im Grunde bestritten, politisch gesehen ergab sich eine gefährliche Unterschätzung oder gar Negierung der Möglichkeit eigenständiger imperialistischer Aktivitäten der zeitweilig zurückgefallenen imperialistischen Großmächte.

Es wurde nötig, einen ideologischen Kampf zur Klärung dieser Fragen zu beginnen.[201] zurück

 

b) Der Kampf Stalins für die Gültigkeit der Lehren des wissenschaftlichen Kommunismus gegen die Verabsolutierung des US-Imperialismus

 

Das von Stalin geführte ZK der KPdSU(B) hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Reihe von Fragen bereits einen ideologischen Kampf eröffnet. Die Hauptstoßrichtungen dieses Kampfes waren:

Die Entlarvung des Tito-Revisionismus.[202]

Die Kritik an revisionistischen Konzeptionen bei der Erstellung eines Lehrbuches über die Geschichte der Philosophie.[203]

Die Bekämpfung revisionistischer Tendenzen im kulturellen Bereich.[204]

Die Aufdeckung der katastrophalen Lage im Bereich der Sprachwissenschaft als Symptom für die Gefahr des Verknöcherns des Denkens, fehlender offener Debatte und antimarxistischen Denkens bezüglich des historischen Materialismus und Fragen von Basis und Überbau.[205]

Auch in der Debatte über die Erstellung eines Lehrbuches der Politischen Ökonomie ging es um weit mehr als um eine bloß akademische Debatte unter einigen wenigen Spezialisten. Es ging um die Aufdeckung revisionistischer, antileninistischer Tendenzen, die von großer Tragweite waren.

1952 schaltete sich Stalin unmittelbar mit dem Werk „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR" in diese Debatten ein.

Dieses Werk erschien kurze Zeit vor dem XIX. Parteitag der KPdSU und kritisierte nicht nur revisionistische Tendenzen unter den Verhältnissen des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR, sondern beschäftigte sich in seinem sechsten Kapitel auch gesondert mit den Problemen der Wirkung ökonomischer Gesetzmäßigkeiten unter den Bedingungen des imperialistischen Weltsystems.

In diesem Kapitel analysierte Stalin nicht nur die Lage unter dem Blickwinkel des gegebenen Moments, sondern gerade auch unter dem Blickwinkel der längerfristigen Perspektive. Er stellte nicht nur die real existierenden äußeren, konkret sichtbaren augenblicklichen Erscheinungen fest, sondern analysierte darüber hinaus die tiefergehenden Bewegungsgesetze - davor warnend, sich nicht vom Schein der Dinge täuschen zu lassen.

Die entsprechenden Passagen im Werk Stalins sind von größter Wichtigkeit und müssen im Detail in Erinnerung gebracht werden - um so mehr, als diese Hinweise Stalins unserer Einschätzung nach trotz ihrer sehr großen Tragweite und unmittelbaren Aktualität oft ignoriert werden. Sogar bei Kräften, die sich sehr vehement auf Stalin berufen, ihn viel zitieren und loben, wird man häufig den Eindruck nicht los, daß sie die besondere Bedeutung und überhaupt den ganzen Zweck dieser gegen den aufkommenden Revisionismus gerichteten Feststellungen Stalins nicht einmal annähernd erfassen.

Stalin erklärte:

„Manche Genossen behaupten, daß infolge der Entwicklung der neuen internationalen Bedingungen nach dem zweiten Weltkrieg Kriege zwischen den kapitalistischen Ländern nicht mehr unvermeidlich seien. Sie meinen, daß die Gegensätze zwischen dem La ger des Sozialismus und dem Lager des Kapitalismus stärker seien als die Gegensätze zwischen den kapitalistischen Ländern, daß die Vereinigten Staaten von Amerika sich die anderen kapitalistischen Länder so weit untergeordnet hätten, um ihnen nicht zu gestatten, untereinander Krieg zu führen und sich gegenseitig zu schwächen, daß die tonangebenden Leute des Kapitalismus aus der Erfahrung zweier Weltkriege, die der ganzen kapitalistischen Welt schweren Schaden zugefügt haben, genügend gelernt hätten, um sich nicht noch einmal zu erlauben, die kapitalistischen Länder in einen Krieg gegeneinander hineinzuziehen — daß infolge all dessen die Kriege zwischen den kapitalistischen Ländern nicht mehr unvermeidlich seien. Diese Genossen irren sich. Sie sehen die an der Oberfläche schimmernden äußeren Erscheinungen, aber sie sehen nicht die in der Tiefe wirkenden Kräfte, die obwohl sie vorläufig unmerkbar wirken, dennoch den Lauf der Ereignisse bestimmen werden."

(Stalin: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 284.)

Stalin stellte also die Erfordernisse des dialektischen Materialismus heraus, die Dinge nicht nur im gegebenen Moment zu betrachten, sondern vor allem auch in ihrer Entwicklung zu beurteilen, nicht nur die Erscheinungen zu sehen, sondern auch das Wesen, die Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, nicht nur die zeitweilige und im Grunde äußerliche „Harmonie" und äußerliche „Einheit" der Gegensätze in Rechnung zu stellen, sondern den Dingen auf den Grund zu gehen und die Entwicklung des Kampfes der Gegensätze als eigentliche Triebfeder zu betrachten. Stalin führt polemisierend weiter aus:

„Nach außen hin scheint alles ,wohlgeordnet' zu sein. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben Westeuropa, Japan und andere kapitalistische Länder auf Ration gesetzt; (West-) Deutschland, England, Frankreich, Italien, Japan, die in die Klauen der USA geraten sind, führen gehorsam die Befehle der USA aus. Es wäre aber falsch, wollte man annehmen, dieser ,wohlgeordnete Zustand' könne ,in alle Ewigkeit' erhalten bleiben, diese Länder würden die Herrschaft und das Joch der Vereinigten Staaten von Amerika endlos dulden, sie würden nicht versuchen, aus der amerikanischen Knechtschaft auszubrechen und den Weg einer selbständigen Entwicklung zu beschreiten. Nehmen wir vor allem England und Frankreich. Ohne Zweifel sind dies imperialistische Länder. Ohne Zweifel haben billige Rohstoffe und gesicherte Absatzmärkte für sie erstrangige Bedeutung. Kann man annehmen, daß sie die gegenwärtige Lage endlos dulden werden, da die Amerikaner unter dem Deckmantel der ,Hilfe' auf der Linie des ,Marshallplans' in die Wirtschaft Englands und Frankreichs eindringen und bestrebt sind, sie in ein Anhängsel der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika zu verwandeln, da das amerikanische Kapital die Rohstoffe und die Absatzmärkte in den englisch-französischen Kolonien an sich reißt und damit den hohen Profiten der englisch-französischen Kapitalisten eine Katastrophe bereitet? Ist es nicht richtiger zu sagen, daß das kapitalistische England und, ihm folgend, auch das kapitalistische Frankreich schließlich und endlich gezwungen sein werden, sich aus der Umarmung der USA loszureißen und einen Konflikt mit ihnen zu riskieren, um sich eine selbständige Stellung und, natürlich, hohe Profite zu sichern? Gehen wir zu den hauptsächlich besiegten Ländern über, zu (West-)Deutschland und Japan. Diese Länder fristen jetzt unter dem Stiefel des amerikanischen Imperialismus ein elendes Dasein. Ihre Industrie und Landwirtschaft, ihr Handel, ihre Außen- und Innenpolitik, ihre ganze Lebensweise sind durch das amerikanische Besatzungs,regime' gefesselt. Aber diese Länder waren doch gestern noch imperialistische Großmächte, die die Grundlagen der Herrschaft Englands, der USA und Frankreichs in Europa und in Asien erschütterten. Wollte man annehmen, diese Länder würden nicht versuchen, wieder auf die Beine zu kommen, das ,Regime' der USA zu durchbrechen und auf den Weg einer selbständigen Entwicklung vorzudringen - so hieße das, an Wunder glauben."

(Stalin: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 284f.)

Stalin erinnert dann eindringlich an die unleugbaren Erfahrungen der Geschichte:

„Nach dem ersten Weltkrieg hat man ebenfalls angenommen, Deutschland sei endgültig erledigt, ebenso wie auch heute manche Genossen meinen, Japan und Deutschland seien endgültig erledigt. Damals wurde auch davon geredet und in der Presse darüber geschrien, daß die Vereinigten Staaten von Amerika Europa auf Ration gesetzt haben, daß Deutschland nicht wieder auf die Beine kommen könne, daß es von nun an zwischen den kapitalistischen Ländern keine Kriege mehr geben könne. Doch hat sich Deutschland nach seiner Niederlage trotzdem in etwa 15-20 Jahren wiederaufgerichtet und ist als Großmacht wieder auf die Beine gekommen, nachdem es aus der Knechtschaft ausgebrochen war und

den Weg einer selbständigen Entwicklung beschritten hatte. Dabei ist charakteristisch, daß niemand anders als England und die Vereinigten Staaten von Amerika Deutschland geholfen haben, sich ökonomisch aufzurichten und sein kriegswirtschaftliches Potential zu erhöhen. Natürlich verfolgten die USA und England, als sie Deutschland halfen, sich ökonomisch aufzurichten, die Absicht, Deutschland, nachdem es sich aufgerichtet hat, gegen die Sowjetunion zu lenken, es gegen das Land des Sozialismus auszuspielen. Deutschland richtete seine Kräfte jedoch in erster Linie gegen den englisch-französisch-amerikanischen Block. Und als Hitlerdeutsch land der Sowjetunion den Krieg erklärte, schloß sich der englischfranzösisch-amerikanische Block nicht nur nicht Hitlerdeutschland an, sondern war im Gegenteil gezwungen, eine Koalition mit der UdSSR gegen Hitlerdeutschland einzugehen. Folglich erwies sich der Kampf der kapitalistischen Länder um die Märkte und der Wunsch, ihre Konkurrenten abzuwürgen, praktisch als stärker denn der Gegensatz zwischen dem Lager des Kapitalismus und dem Lager des Sozialismus. Es fragt sich, welche Garantien gibt es, daß Deutschland und Japan nicht erneut auf die Beine kommen, daß sie nicht versuchen werden, aus der amerikanischen Knechtschaft auszubrechen und ein selbständiges Leben zu führen? Ich denke, solche Garantien gibt es nicht. Daraus folgt aber, daß die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen Ländern bestehen bleibt."

(Stalin: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 256f.)

Stalin stellte eindeutig heraus, daß auch unter den nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Bedingungen mit zwischenimperialistischen Kriegen im allgemeinen - früher oder später -, mit einem Krieg etwa zwischen USA und Japan, bzw. USA und (West-) Deutschland, USA und Frankreich usw. im besonderen zu rechnen ist und gerechnet werden muß.

Diese Schlußfolgerung Stalins muß um so mehr unterstrichen werden, als sich immer deutlicher die zunehmende Rivalität der verschiedenen imperialistischen Großmächte erweist und eine der Kriegsgefahren darstellt.

Stalin zeigt auch für die politische Praxis die Konsequenzen der theoretischen Beschränkung auf den Augenblick und die äußere Erscheinung auf.

Im letzten Abschnitt des sechsten Kapitels schildert Stalin die Möglichkeiten und Grenzen der sich nach dem Zweiten Weltkrieg mächtig entwickelnden Friedensbewegung, die als demokratische Friedensbewegung lediglich in der Lage sein konnte, „zeitweilig den Frieden zu erhalten".

„Die gegenwärtige Friedensbewegung verfolgt das Ziel, die Volksmassen zum Kampf für die Erhaltung des Friedens, zur Verhütung eines neuen Weltkrieges zu mobilisieren. Folglich setzt sie sich nicht das Ziel, den Kapitalismus zu stürzen und den Sozialismus zu errichten - sie beschränkt sich auf die demokratischen Ziele des Kampfes für die Erhaltung des Friedens. In dieser Beziehung unterscheidet sich die gegenwärtige Bewegung für die Erhaltung des Friedens von der Bewegung während des ersten Weltkrieges für die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg, da diese Bewegung weiterging und sozialistische Ziele verfolgte. Es ist möglich, daß bei einem bestimmten Zusammentreffen von Umständen der Kampf für den Frieden sich hier und da zum Kampf um den Sozialismus entwickelt, aber das wird nicht mehr die gegenwärtige Friedensbewegung sein, sondern eine Bewegung zum Sturz des Kapitalismus.

Am wahrscheinlichsten ist, daß die gegenwärtige Friedensbewegung, als Bewegung für die Erhaltung des Friedens, im Falle des Erfolges zur Verhütung eines bestimmten Krieges, zu seinem zeitweiligen Aufschub, zur zeitweiligen Erhaltung des gegebenen Friedens, zum Rücktritt einer kriegslüsternen Regierung und zu ihrer Ablösung durch eine andere Regierung führt, die bereit ist, zeitweilig den Frieden zu erhalten."

(Stalin: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 287f. Hervorhebungen im Original.)

Stalin zieht daraus folgende Schlußfolgerang:

„Das ist natürlich gut. Das ist sogar sehr gut. Aber dennoch genügt das nicht, um die Unvermeidbarkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen Ländern überhaupt zu beseitigen. Es genügt nicht, da bei allen diesen Erfolgen der Friedensbewegung der Imperialismus dennoch erhalten bleibt, bestehen bleibt und folglich auch die Unvermeidbarkeit der Kriege bestehen bleibt. Um die Unvermeidbarkeit der Kriege zu beseitigen, muß der Imperialismus vernichtet werden."

(Stalin: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 288.)

 

* * *

 

Wir können die uns besonders interessierenden Punkte folgendermaßen zusammenfassen:

Stalin stellt zunächst die aktuelle Lage eindeutig fest, nämlich daß der US-Imperialismus tatsächlich im Augenblick die Oberherrschaft über die anderen kapitalistischen Mächte hat, die vor kurzem noch so mächtigen imperialistischen Großmächte auf „Ration" gesetzt hat. Stalin stellt zugleich aber heraus, daß es gänzlich falsch wäre, nur noch den US-Imperialismus zu sehen. Er betont, daß die anderen imperialistischen Mächte sich zu kriegerischen Großmächten entwickeln und die USA herausfordern, deren Joch abschütteln werden, was zum Krieg zwischen den Imperialisten führen wird, wenn der Imperialismus nicht vorher vernichtet wird.

Stalin stellt weiter unmißverständlich fest, daß der „Widerstand" der anderen imperialistischen Staaten gegen die USA ein Kampf ist, „um hohe Profite" zu sichern. Damit stellt er den Klassencharakter dieser Widersprüche entgegen aufkommenden revisionistischen Tendenzen eindeutig fest.[206]

Abschließend stellt Stalin die Notwendigkeit, aber auch Beschränktheit der damaligen Friedensbewegung heraus, die eben nicht „hinreichend" sein konnte, um imperialistische Kriege überhaupt zu verhindern. Stalin erinnert an die grundlegende Aufgabe, „den Imperialismus zu vernichten".zurück

 

c) Der XIX. Parteitag der KPdSU 1952

 

Der Rechenschaftsbericht des XIX. Parteitag der KPdSU stützte sich in wesentlichen Passagen, aber leider nicht mit der wünschenswerten Schärfe, auf die oben dargelegten Ausführungen Stalins.

Es war der letzte Parteitag, auf dem Stalin anwesend war, und er hatte große Auswirkungen auf die Kommunistischen Parteien aller Länder.

Der nachfolgende XX. Parteitag der KPdSU unter Führung Chruschtschows mußte unter anderem auch mit grundlegenden Thesen des XIX. Parteitags der KPdSU brechen.

Im vom XIX. Parteitag verabschiedeten Rechenschaftsbericht wird in bezug auf die uns hier interessierende Frage der Kräfte der internationalen Konterrevolution ausgeführt:

„Aus dem Zweiten Weltkrieg gingen die kapitalistischen Staaten mit ungleichen Resultaten hervor, was wesentliche Veränderungen in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen diesen Ländern nach sich zog. Nach den langwierigen Kriegshandlungen, nach den erlittenen Verlusten an Menschenleben und den erlittenen materiellen Einbußen war die Wirtschaft vieler am Krieg beteiligt gewesener Länder schwer zerrüttet. Das gilt vor allem für Deutschland, Italien und Japan. Schweren Schaden erlitten auch Frankreich, Holland, Belgien und einige andere Länder. Sehr beträchtlich geschwächt ist England.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben am Krieg profitiert, die amerikanischen Milliardäre ihre wirtschaftlichen Positionen gefestigt."[207]

In diesem Sinne kennzeichnet der XIX. Parteitag ähnlich wie Shdanow 1947 den US-Imperialismus 1952 immer noch als an der Spitze stehende " Kraft des imperialistischen Lagers, als „Zentrum" der Reaktion in der kapitalistischen Welt.[208]

War also eine Ära des US-Imperialismus als „Supermacht" - ähnlich den Prophezeiungen Kautskys über eine Epoche des „Ultraimperialismus" - angebrochen? Der XIX. Parteitag fährt in seinem Rechenschaftsbericht gegen solche Vorstellungen gerichtet unmittelbar fort: „Dennoch ist es den USA nicht gelungen, ihr Ziel zu erreichen, ist es ihnen nicht gelungen, dem amerikanischen Kapital die Herrschaft über den Weltmarkt zu verschaffen."[209]

Der XIX. Parteitag ging eindeutig von der Tatsache der selbständigen Entwicklung der aktuell auf Ration gesetzten imperialistischen Mächte aus und stellte richtig fest:

„Die Gegensätze, die heute das imperialistische Lager zerfleischen, können zum Krieg eines kapitalistischen Staates gegen den anderen führen."[210]

Allerdings muß auch als gravierender Mangel des Berichts Malenkows festgehalten werden, daß er zwar richtig die damalige Friedensbewegung als „keine sozialistische Bewegung" [211] einschätzt, aber ohne die revolutionäre Konsequenz Stalins daraus zu ziehen, daß die weitergehende Aufgabe darin besteht, den „Imperialismus zu vernichten". Malenkow benennt in seinem Bericht lediglich die aktuelle Aufgabe der Stärkung der Friedensbewegung als „Hauptaufgabe der ganzen fortschrittlichen und friedliebenden Menschheit" [212].

Der XIX. Parteitag der KPdSU und die diesem Parteitag vorangegangene Schrift Stalins „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR" stellten auf jeden Fall unmißverständlich klar:

Es ist ganz falsch, anzunehmen, daß nur noch der US-Imperialismus „übrig" sei! Die anderen imperialistischen Mächte werden unbedingt wiedererstarken. Die zwischenimperialistischen Kriege sind daher weiterhin unvermeidlich, wenn nicht der Imperialismus vernichtet wird (Stalin), die Widersprüche zwischen den US-Imperialisten und den anderen imperialistischen Mächten können zum imperialistischen Krieg fuhren (Malenkow). zurück

 

d) Die Position der Chruschtschow-Revisionisten zum imperialistischen Lager

 

Die modernen Revisionisten, die schon zur Zeit Stalins ihre Ansichten vorbrachten, von diesem aber scharf bekämpft und eindeutig widerlegt wurden, systematisierten ihre Ansichten auf dem XX. Parteitag der KPdSU.

Die Chruschtschow-Revisionisten propagierten, daß durch die „neuen Bedingungen" der Existenz mehrerer sozialistischer Staaten der Imperialismus, soweit er überhaupt noch bestehe, sein Wesen geändert habe und „friedlich", „vernünftig" geworden sei usw. Nur noch „Besessene" – womit nur die Revolutionäre gemeint sein konnten - könnten Kriege auslösen.[213] Aber diese Kräfte wollte Chruschtschow gemeinsam mit der ihm

einzig relevant erscheinenden Kraft, der USA, schon zur Besinnung bringen:

„Wir (die USA und die Sowjetunion, A. d. V.) sind die mächtigsten Staaten der Welt. Wenn wir für den Frieden zusammenstehen, wird es keinen Krieg geben."[214]

Die Chruschtschow-Revisionisten stellten generell die Sache so hin, als ob es durch die Vorherrschaft der USA innerhalb der imperialistischen Welt keine Verschärfung der zwischenimperialistischen Widersprüche bis hin zum innerimperialistischen Krieg mehr gäbe. Wenn überhaupt, so sahen die Chruschtschow-Revisionisten nur die Gefahr eines Krieges gegen die Sowjetunion, aber geleugnet wurde die Möglichkeit und Unvermeidlichkeit zwischenimperialistischer Kriege! Die Gefahr eines Krieges gegen die Sowjetunion sah Chruschtschow durch seine revisionistische Konzeption der „Generallinie friedliche Koexistenz" gebannt.

Zugleich propagierte der XX. Parteitag, daß Länder wie „Großbritannien, Frankreich (...) zutiefst daran interessiert (sind), das Entstehen eines neuen Krieges in Europa (...) nicht zuzulassen."[215]

Der XX. Parteitag der KPdSU behauptete sogar, daß „...alle europäischen Länder zutiefst an einem Frieden in Europa interessiert sind."[216]

Chruschtschow verharmloste also keinesfalls nur den US-Imperialismus, sondern kraß auch die anderen imperialistischen Mächte, vor deren Wiedererstarken Stalin so eindringlich gewarnt hatte.

Angesichts des Algerienkrieges propagierte Chruschtschow 1958 unverblümt: „Wir wollen keine Schwächung Frankreichs, wir wollen eine Stärkung der Größe Frankreichs."[217]

Die Sozialchauvinisten in der KP Frankreichs unter Führung Thorez' griffen dieses Argument natürlich begeistert auf, um die Unterstützung von „De Gaulies antiamerikanischer Politik" noch zu forcieren.

Es ist unserer Meinung nach ganz offensichtlich, daß die modernen Revisionisten hiermit die Lehren Lenins und Stalins kraß verletzten und so auf ganzer Linie den proletarischen Klassenkampf gegen alle Imperialisten vollständig verraten hatten.

Gleichzeitig bekämpfte Chruschtschow auf dem XX. Parteitag unverblümt die These des Leninismus, daß unter den Bedingungen des Imperialismus Kriege zwischen imperialistischen Mächten unvermeidlich sind. Er sagte: „Eine verhängnisvolle Unvermeidbarkeit der Kriege gibt es nicht mehr."[218]

Chruschtschow warf gerechte und ungerechte Kriege, Kriege zwischen Imperialismus und sozialistischen Ländern und Kriege zwischen imperialistischen Ländern wild durcheinander und propagierte eine „Welt ohne Waffen" noch während der Existenz des Imperialismus.

Das massive Auftreten der Chruschtschow-Revisionisten auf dem XX. Parteitag zeigte ganz deutlich, wie nötig Stalins Kampf gegen den Revisionismus innerhalb und außerhalb der KPdSU gewesen war und wie stark revisionistische Tendenzen sich in der kommunistischen Weltbewegung bereits ausgebreitet hatten, die sich nun nach dem Tod Stalins und mit dem Machtantritt der Chruschtschow-Revisionisten mit aller Macht entfalteten. zurück

 

e) Der Kampf der KP Chinas gegen die versöhnlerische Verharmlosung des US-Imperialismus durch die Chruschtschow-Revisionisten

 

Nach der offenen Verkündung der revisionistischen Linie auf dem XX. Parteitag der KPdSU begann die KP Chinas schrittweise einen Kampf gegen die Beschönigung des US-Imperialismus durch die Chruschtschow-Revisionisten.

Im „25-Punkte-Vorschlag" betonte die KP Chinas, daß der Feind US-Imperialismus keinesfalls zum Freund gemacht werden darf.

„...wenn kein Unterschied zwischen Feind, Freund und uns selbst gemacht wird, wenn man das Schicksal der Völker aller Länder und der Menschheit der Zusammenarbeit mit dem US-Imperialismus anvertraut, dann heißt das, die Menschen in die Irre führen zu wollen." („25-Punkte-Vorschlag", S. 14. Siehe S. 566.)

Die KP Chinas prangerte hier wie an anderen Stellen der „Polemik" die konterrevolutionäre Theorie und Praxis der Chruschtschow-Revisionisten an, mit dem US-Imperialismus „allseitig" zusammenzuarbeiten. Die KP Chinas entlarvte es als Verbrechen, diesen geschworenen Feind als einen Freund auszugeben.

In dieser Hinsicht war die damalige Haltung der KP Chinas gegenüber dem US-Imperialismus zweifelsohne ein Schlag gegen den Chruschtschow-Revisionismus. So heißt es etwa im Kommentar „Zwei Linien in der Frage von Krieg und Frieden", daß die US-Imperialisten mit oder ohne Kennedy „trotz Chruschtschows Bibelpredigten und Lobgesängen keine lieblichen Engel werden..." („Polemik", S. 262.)

Gleichzeitig findet sich im Zusammenhang mit den Forderungen der KP Chinas bezüglich der Linie der sozialistischen Staaten auch die Forderung, „die antikommunistische, volksfeindliche und konterrevolutionäre Politik der Reaktionäre aller Länder zu bekämpfen." („25-Punkte-Vorschlag", S. 10. Siehe S. 564.)

In Punkt 3 des „Vorschlags" wird ebenfalls richtig als ein Kernpunkt der Generallinie festgehalten, daß der Kampf „gegen den Imperialismus mit den USA an der Spitze und gegen die Reaktionäre aller Länder" (Ebenda, S. 6. Siehe S. 561.) geführt werden muß.

Während die KP Chinas also unzweideutig und völlig richtig alle Reaktionäre und den Imperialismus insgesamt angreift, ist sie jedoch nicht konsequent. Bei einem genaueren Studium des „25-Punkte-Vorschlags" und der neun Kommentare der KP Chinas wird deutlich, daß es in der Linie der KP Chinas auch entgegengesetzte Positionen gibt. zurück

 

f) Direkte Fehler der KP Chinas und für die „Drei-Welten-Theorie"[219] offene Formulierungen

 

Die Verabsolutierung des US-Imperialismus

 

Gleich zu Beginn des „Vorschlags zur Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung" heißt es in Punkt 3:

„Diese Generallinie geht aus dem Gesamtbild der Realität der Welt, aus der Klassenanalyse der grundlegenden Widersprüche in der Welt in der gegenwärtigen Epoche hervor und ist gegen die konterrevolutionäre Globalstrategie des US-Imperialismus gerichtet." („25-Punkte-Vorschlag", S. 6. Siehe S. 561.)

Betrachtet man diese Passage eingehend, wird ein sehr wichtiger Widerspruch sichtbar:

Einerseits ist die Rede vom „Gesamtbild" der Realität der Welt und von der „gegenwärtigen Epoche" im allgemeinen.

Andererseits wird die Generallinie nur auf einen Imperialismus ausgerichtet, also nur ein Teil der Realität erfaßt.

Unserer Meinung nach muß die Generallinie in der gegenwärtigen Epoche sich gegen den Weltimperialismus insgesamt richten. Sie darf nicht fälschlicherweise - egal wie stark auch ein Imperialismus im gegebenen Moment sein mag — lediglich auf einen Imperialismus reduziert werden. Die oben zitierte Passage der KP Chinas geht eben von der Vorstellung aus, daß es dem „Gesamtbild" der Realität der Welt entspricht, wenn man lediglich der Globalstrategie des US-Imperialismus entgegentritt.

In Wirklichkeit aber war der US-Imperialismus zwar der momentan stärkste, aber auf keinen Fall der einzige Imperialismus, gegen den die Generallinie zu richten war.

Der Fehler der KP Chinas ist um so gravierender, als der wichtige Kampf Stalins gegen die Verabsolutierung des US-Imperialismus ganz beiseite gelassen wird -ja schlimmer noch, faktisch der Betonung Stalins, daß weiterhin neben dem US-Imperialismus auch andere imperialistische Mächte existieren, entgegengetreten wird.

Noch kurz vor seinem Tod hatte Stalin gewarnt, nicht nur die äußeren Erscheinungen zu sehen, sondern die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der verschiedenen imperialistischen Großmächte - die lediglich zeitweilig von den USA auf Ration gesetzt waren - zu beachten. Elf Jahre später macht die KP Chinas glatt das Gegenteil: Sie geht von einem „Globalimperialismus USA" aus, gegen den die Generallinie zu richten sei, ignoriert also die Gesetzmäßigkeiten, die Stalin ausführlich beschrieben hat. Dies ist-nebenbei bemerkt-um so unverständlicher, als 1963 bereits auch anhand äußerer Erscheinungen, wie der Opposition Frankreichs gegen die USA, die Existenz mehrerer rivalisierender imperialistischer Mächte festzustellen war.

Welche politischen Folgen hat nun die einseitige Konzentration des „Vorschlags" auf den US-Imperialismus? Die politischen Folgen sind vor allem in jenen Ländern für die Kommunisten und die Arbeiterklasse katastrophal, in denen der US-Imperialismus nicht den Staatsapparat in den Händen hat, also auch nicht der Hauptfeind der Revolution in den betreffenden Ländern ist. Die Generallinie soll für die kommunistischen Parteien aller Länder Gültigkeit haben. Die These der KP Chinas bedeutete für jene Länder daher, daß die dortigen Revolutionäre unabhängig von ihrer konkreten Lage vor allem der „Globalstrategie des US-Imperialismus" entgegenzutreten hätten und nicht jenen Klassen, die den Staatsapparat wirklich beherrschen und die Macht im Land haben.

Doch dies war nicht der einzige Fehler. Die Linie der KP Chinas enthielt von vornherein die massive Gefahr der falschen Bewertung der Widersprüche anderer imperialistischer Staaten zur USA - selbst dort, wo sie erkannt und zugegeben werden.

 

Die Haltung der KP Chinas zu anderen imperialistischen Mächten

 

Die Haltung der KP Chinas zum imperialistischen Frankreich war von besonderer Bedeutung. Denn 1963 hatten die französischen Imperialisten ihren Anspruch als imperialistische Großmacht sowohl durch den Krieg gegen das algerische Volk als auch durch die ernsten Widersprüche zum US-Imperialismus bereits deutlich gemacht. Die Haltung der KP Chinas war in dieser Frage leider keineswegs eindeutig.

Während die KP Chinas einerseits in einer Passage Chruschtschow geißelte, der die Unterstützung „der Größe Frankreichs" [220] forderte und diese Haltung Chruschtschows richtig als Verrat an der Revolution bezeichnete, während die KP Chinas im allgemeinen auch theoretisch hervorhob, daß es zur Situation des „erbitterten Ringens unter den imperialistischen Staaten" [221] kommen muß und feststellte, daß „zwischen den USA und den anderen imperialistischen Mächten ... Betrug und Rivalität" [222] herrschen, waren trotz alledem ihre politischen Schlußfolgerungen von einer falschen Bewertung dieser Widersprüche geprägt. Betrachten wir etwa folgende Argumentation der KP Chinas:

„Außerdem schrecken die Führer der KPdSU die Verbündeten der USA, verbieten ihnen, gegen die Kontrolle der USA anzukämpfen, und helfen damit dem US-Imperialismus, diese Länder zu versklaven und seine eigene Stellung zu festigen." („Polemik", S. 285.)

Einederartige Polemik gegen den modernen Revisionismus der KPdSU gleicht dem bekannten Schuß, der nach hinten losgeht. Zunächst stimmte es einfach nicht, daß die Chruschtschow-Revisionisten die Verbündeten des US-Imperialismus schreckten. Im Gegenteil, sie hatten deren imperialistische Politik sogar angestachelt. So etwa, wenn Chruschtschow, wie bereits zitiert, die „Stärkung der Größe Frankreichs"[223] unterstützte.

Die Chruschtschow-Revisionisten propagierten selbst den „Widerstand" Frankreichs als positiv. An anderer Stelle hatte die KP Chinas dies als Verrat angeprangert. In der oben zitierten Passage hingegen stehen die Dinge plötzlich auf dem Kopf.

Es war völlig falsch anzunehmen, die Chruschtschow-Revisionisten hätten nur den US-Imperialismus unterstützt. Vielmehr begannen sie, zunehmend mit der gesamten Weltreaktion zusammenzuarbeiten, darunter gerade auch mit dem französischen Imperialismus und nicht zuletzt mit dem wiedererstarkenden westdeutschen Imperialismus.

Der Streit, wer nun mehr den sogenannten „Widerstand" anderer imperialistischer Mächte gegen die USA unterstützt, war lediglich ein Streit zwischen revisionistischen Positionen. Gemeinsam war beiden, daß überhaupt nicht der zwischenimperialistische Charakter des „Widerstands" gesehen, oder noch schlimmer, einfach unter den Tisch gekehrt und somit gefordert wurde, einen Imperialismus gegen einen anderen Imperialismus zu unterstützen.

Betrachten wir als nächstes die damalige Haltung der KP Chinas zur internationalen Einheitsfront.

 

Die KP Chinas über die „breiteste" Einheitsfront

 

Über die Schaffung der internationalen Einheitsfront heißt es im „25-Punkte-Vorschlag":

„Die USA-Imperialisten haben sich so zu den Völkern der ganzen Welt in Opposition gestellt und werden von ihnen eingekreist. Das internationale Proletariat muß und kann alle Kräfte vereinigen, mit denen Einheit möglich Ist. Es muß die inneren Widersprüche der Feinde ausnutzen und die breiteste Einheitsfront gegen die USA-Imperialisten und ihre Lakaien errichten." („25-Punkte-Vorschlag", S. 13. Siehe S. 566.)

Der Pferdefuß ist hier im letzten Satz zu finden. In einem Atemzug wird hier zum einen von der Ausnutzung der inneren Widersprüche der Feinde gesprochen, zum anderen ist aber lediglich der Errichtung der „breitesten Einheitsfront gegen die US-Imperialisten und ihre Lakaien" die Rede, obwohl dies zwei Dinge sind, die streng auseinandergehalten werden müssen.

Damit wurde ein gefährlicher Weg beschriften und eine Brücke gebaut für die revisionistische Vorstellung einer Einheitsfront, in der sich die Kräfte der Revolution mit einem Teil der Imperialisten gegen einen anderen Teil, gegen das angeblich „zentrale Übel", zusammenschließen sollen - und all das unter der Flagge der „Ausnutzung der inneren Widersprüche der Feinde." Im Grunde revidierte die KP Chinas damit fundamentale Lehren Lenins, der die Frage des Ausnützens der Widersprüche der Feinde folgender Bedingung unterwarf:

„...das internationale Ausnutzen muß sich (...) nicht gegen einzelne nationale Finanzkapitale, sondern gegen das internationale Finanzkapital, richten."

(Lenin: „Unter fremder Flagge", 1915, Werke Band 21, S. 138f. Hervorhebungen im Original.)

 

Einheitsfront wofür, gegen wen und mit wem?

 

Die Frage nach dem Ziel der Einheitsfront steht im unlöslichen Zusammenhang mit der Feststellung, gegen wen und mit wem die Einheitsfront gebildet werden kann. Die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung und die auf dieser Generallinie beruhende Einheitsfront kann sich keine untergeordneten Ziele stecken.[224] Ihr Ziel ist der Sieg der proletarischen Weltrevolution über den Weltimperialismus. Sie kann daher keinesfalls nur auf den Sturz eines bestimmten Imperialismus, und mag er im Moment auch noch so stark erscheinen, gerichtet sein. Der Anspruch des „Vorschlags zur Generallinie" der KP Chinas war es, den Proletariern und Völkern aller Länder in ihrem revolutionären Kampf „die grundlegende Richtung" zu weisen. Und dennoch war er lediglich „gegen die konterrevolutionäre Globalstrategie des US-Imperialismus gerichtet".

An diesem Widerspruch zeigte sich, daß die KP Chinas eine viel zu enge und beschränkte Vorstellung von der Generallinie der kommunistischen Weltbewegung in unserer Epoche hatte. Dies zeigte sich besonders deutlich auch dort, wo die modernen Revisionisten nur wegen ihrer Unterstützung des US-Imperialismus gebrandmarkt wurden, die anderen imperialistischen Mächte aber, wie wir oben gezeigt haben, nicht die Zielscheibe der Einheitsfront bildeten, sondern vielmehr offen bleibt, ob sie in diese Einheitsfront einbezogen werden können. Einmal mehr zeigte sich, wie katastrophal es ist, den Kampf gegen den modernen Revisionismus nicht in jeder Frage von prinzipiellen Positionen aus zu führen.

Unserer Meinung nach wäre es notwendig gewesen

• klarzustellen, daß die internationale Einheitsfront eine Einheitsfront der Kräfte der proletarischen Weltrevolution mit dem Ziel des Sturzes des Weltimperialismus sein muß;

• auf den von Stalin begonnenen Kampf gegen den modernen Revisionismus zurückzugreifen. Stalin hatte weitblickend und eindeutig festgestellt, daß der sogenannte „Widerstand" der Verbündeten der USA natürlich dazu dient, „hohe Profite zu sichern". Damit war der revisionistischen Vorstellung, dieser Widerstand habe sozusagen „positiven", unterstützenswerten, vielleicht sogar antiimperialistischen Charakter, der Boden entzogen.

Wenn wir zusammenfassend die im „25-Punkte-Vorschlag" sichtbar werdenden Fehler der KP Chinas betrachten, zeigt sich, daß der ganze Prozeß der proletarischen Weltrevolution überhaupt nicht umfassend dargelegt wird. Die Lehre Lenins wurde im Grunde mit Füßen getreten, daß

„in unserer Epoche keine einzige unter diesen anderen Staatsmächten das ,zentrale Übel' ist und sein kann." (Lenin: „Unter fremder Flagge", 1915, Werke Band 21, S. 130. Hervorhebung im Original.)

Lenins Betonung, daß nicht eine Macht das zentrale Übel sein kann, ergibt sich schon daraus, daß die proletarische Weltrevolution eben keine einheitliche, parallele, in allen Ländern gleichzeitig verlaufende Revolution ist. Gerade aus diesem Grund ist die Idee der Konzentration aller Revolutionen in allen Ländern auf eine imperialistische Macht eine liquidatorische Idee, denn sie leugnet, daß die proletarische Weltrevolution nur wirklich vorankommt durch den Sieg der Revolution in einem jeden Land des kapitalistisch-imperialistischen Systems, das heißt durch den Sturz der dortigen Staatsmacht.

Eine weitere Konsequenz, die in die ganz falsche Richtung geht, bestand bei der KP Chinas darin, daß sie gar nicht die Frage stellte, wie eigentlich die Einheitsfront im internationalen Maßstab geschaffen werden kann. Die Einheitsfront des Weltproletariats und der unterdrückten Völker kann zum Beispiel in den imperialistischen Ländern Europas und Japans unmöglich dadurch geschmiedet werden, daß man vorrangig oder gar allein die Verbrechen des US-Imperialismus anprangert und sich nur gegen den US-Imperialismus

vereinigt. Der Leninismus besagt, daß ein internationales Bündnis

„unmöglich (ist) ohne direkte und entschiedene Unterstützung der Befreiungsbewegung der unterdrückten Völker durch das Proletariat der unterdrückenden Nationen gegen den Vaterländischen' Imperialismus, denn ,ein Volk, das andere Völker unterdrückt, kann nicht frei sein' (Engels)."

(Stalin: „Über die Grundlagen des Leninismus", 1924, Werke Band 6, S. 128.)

Es ist ein schwerwiegender Mangel, daß dieser Grundgedanke des Leninismus über die Schmiedung der revolutionären Einheitsfront gegen den Weltimperialismus im Kampf gegen den „eigenen" Imperialismus im ganzen „Vorschlag zu Generallinie" nicht erwähnt wird und infolge der Verabsolutierung des US-Imperialismus und der Verharmlosung der anderen Imperialisten auch gar nicht wesentlich erscheint. zurück

 

g) Mißachtung der Möglichkeit zwischenimperialistischer Kriege

 

Der „Vorschlag" sowie der Kommentar „Zwei Linien in der Frage von Krieg und Frieden" erwähnen zwar, wie bereits zitiert, theoretisch Widersprüche zwischen den Imperialisten, sehen jedoch nicht deren Zuspitzung bis hin zum Krieg zwischen den Imperialisten. Die KP Chinas erwähnte zwar die Möglichkeit eines Krieges zwischen dem imperialistischen Lager und den sozialistischen Ländern, aber bereitete das Weltproletariat im „Vorschlag" in keiner Weise auf die Möglichkeit eines Krieges zwischen den imperialistischen Mächten vor. Dieses „Vergessen" der von Stalin und dem XIX. Parteitag der KPdSU noch so eindringlich hervorgehobenen Möglichkeit von Kriegen zwischen der USA und anderen imperialistischen Mächten, wie Frankreich, Japan, Westdeutschland und England, befindet sich nicht in Widerspruch, sondern in Einklang mit der Linie des XX. Parteitages der KPdSU. Dort wurden ausdrücklich alle europäischen Länder als „friedliebend" dargestellt.

Der gewaltige Einbruch des Sozialchauvinismus in die Reihen der sich neu formierenden kommunistischen Weltbewegung im Zusammenhang mit der These einer weitgehend „fortschrittlichen" sogenannten „Zweiten Welt" ist auch vor diesem Hintergrund zu sehen.

Es ist in jeder Hinsicht unverzeihlich im Hinblick auf Kriege zwischen den Imperialisten[225] auch die entscheidenden Lehren Lenins über die Umwandlung des imperialistischen Kriegs in den Bürgerkrieg im Kampf gegen den modernen Revisionismus gänzlich außer acht gelassen zu haben.

Die Generallinie der kommunistischen Weltbewegung muß Antwort geben auf die Frage nach der politischen Bedeutung der Widersprüche zwischen den imperialistischen Mächten, die eben das Problem aufwerfen, wie das Proletariat sich im Krieg zwischen imperialistischen Mächten verhalten soll.

Die „Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang" stellte knapp die Linie der Bolschewiki, die kommunistische Linie gegenüber imperialistischen Kriegen dar:

„Der menschewistischen und Sozialrevolutionären Absage an die Revolution, der verräterischen Losung von der Einhaltung des ‚Burgfriedens' während des Krieges stellten die Bolschewiki die Losung der ,Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg' entgegen. Diese Losung bedeutete, daß die Werktätigen, darunter die in den Soldatenrock gesteckten bewaffneten Arbeiter und Bauern, die Gewehre gegen ihre eigene Bourgeoisie kehren und deren Macht stürzen müssen, wenn sie den Krieg loswerden und einen gerechten Frieden erreichen wollen. Der menschewistischen und Sozialrevolutionären Politik der Verteidigung des bürgerlichen Vaterlandes stellten die Bolschewiki die Politik der ,Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischenKriege' entgegen. Dies bedeutete, daß es notwendig ist, gegen die Kriegskredite zu stimmen, illegale revolutionäre Organisationen in der Armee zu schaffen, die Verbrüderung der Soldaten an der Front zu unterstützen und revolutionäre Aktionen der Arbeiter und Bauern gegen den Krieg zu organisieren, um diese Aktionen in den Aufstand[226] gegen die eigene imperialistische Regierung überzuleiten."

(„Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang", S. 209f. Hervorhebungen im Original.)

Unserer Meinung nach existiert ein enger Zusammenhang zwischen der Verabsolutierung des US-Imperialismus als quasi vorrangigem oder gar alleinigem Feind der Völker der Welt und der Forderung, die Verbündeten der USA, wenn sie gegen die USA ankämpfen, nicht zu „schrecken". Der Zusammenhang besteht in der Vorstellung, daß der US-Imperialismus der einzige ernstzunehmende wirkliche Feind sei und man sich daher mit allem und jedem gegen ihn verbünden könne. Wir räumen ein, daß der „Vorschlag" diesen Zusammenhang noch nicht offen herstellte.[227]zurück

 

2. EINSCHUB: Die besondere Bedeutung der Broschüre „Einige grundlegenden Fragen der revolutionären Politik der Partei der Arbeit Albaniens zur Entfaltung des Klassenkampfes" von Nexhmije Hoxha von 1977

 

Die Broschüre „Einige grundlegenden Fragen der revolutionären Politik der Partei der Arbeit Albaniens zur Entfaltung des Klassenkampfes" von Nexhmije Hoxha, der damaligen Leiterin des „Instituts für marxistischleninistische Studien beim ZK der PAA", hat eine besondere Bedeutung, weil darin versucht wird, ausführlicher als in anderen Stellungnahmen der PAA die These des „Hauptfeindes der Völker der Welt" theoretisch zu begründen.[228]

Die Broschüre von Nexhmije Hoxha zwingt uns, noch einmal zusammenhängend unsere Kritik an der Theorie der „Supermächte" und der Bestimmung von „internationalen Hauptfeinden" darzustellen. Dabei müssen wir auf die Dokumente der kommunistischen Weltbewegung und die Hauptargumente Lenins und Stalins zurückgreifen, um einige unrichtige Argumente zu widerlegen.[229]

Nexhmije Hoxha schreibt:

„Den Hauptfeind im internationalen Maßstab in einer gegebenen historischen Periode richtig zu bestimmen, ist von grundsätzlicher Bedeutung, um eine korrekte revolutionäre Außenpolitik zu verfolgen.

Die Ansicht unserer Partei zu dieser Frage war stets klar. Der VII. Parteitag äußerte sie erneut: Der USA-Imperialismus und der sowjetische Sozialimperialismus, die beiden Supermächte, sind heute ,die größten und Hauptfeinde der Völker', deswegen ,stellen (sie) die gleiche Gefahr dar' (VII. Parteitag der PAA, S. 191).

Diese Schlußfolgerung wurde aufgrund einer vom Klassenstandpunkt ausgehenden marxistisch-leninistischen Analyse der objektiven internationalen Bedingungen, der grundlegenden Widersprüche im Weltmaßstab gezogen."[230]

Hier fällt zunächst auf, daß Nexhmije Hoxha die Frage anfangs scheinbar als Frage der Außenpolitik behandelt, dann aber keineswegs auf diesem Gebiet bleibt, sondern davon ausgeht, daß es um den „Hauptfeind" nicht nur für die Außenpolitik der VR Albanien allein, sondern für alle Völker geht. Es wird daher nötig sein, die Frage der Außenpolitik eines sozialistischenStaates gegenüber bestimmten Hauptfeinden in bestimmten Perioden klar zu trennen von der Konstruktion eines „internationalen Hauptfeindes" für alle Völker, und keine Vermischung dieser sehr verschiedenen Dinge zuzulassen.

Nebenbei bemerkt, ist das Wörtchen „stets", das in Selbstdarstellungen der Politik der PAA häufig vorkommt, hier besonders fehl am Platze, da auf dem vorhergehenden VI. Parteitag der PAA bekanntlich noch allein der US-Imperialismus als „Hauptfeind der Völker" bezeichnet wurde, wie leicht nachzulesen ist.

Um ihre Auffassung zu unterstützen, beruft sich Nexhmije Hoxha auf Dokumente der kommunistischen Weltbewegung, und fährt unmittelbar fort:

„Der VII. Kongreß der Komintern 1935 bestimmte den Hauptfeind der Völker, damals der Faschismus, verkörpert im nazistischenDeutschland, im faschistischen Italien und militaristischen Japan. Daßder Faschismus der Hauptfeind der Völker war, bestätigte sich klar imZweiten Weltkrieg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte das Forum der internationalen kommunistischen Bewegung, das Informbüro, den Hauptfeind derVölker - den amerikanischen Imperialismus. Diese These wurde auch auf der ersten Moskauer Beratung 1957 und auf der zweiten Moskauer Beratung 1960 bestätigt, trotz aller Bemühungen der Chruschtschow-Revisionisten, zu verhindern, daß diese Bestimmung aufgenommen wurde.

Als die Sowjetunion von einem sozialistischen Land zu einem kapitalistisch-revisionistischen und sozialimperialistischen Land wurde, kam noch ein neuer Hauptfeind, außer dem US-Imperialismus, hinzu. So entstanden zwei gleichermaßen gefährliche Hauptfeinde der Revolution,des Sozialismus und der Völker." [231]

Als erstes springt in die Augen, daß Nexhmije Hoxha in ihrem knappen Abriß der Geschichte von vornherein nicht systematisch auf diesen Fragenkomplex eingeht, also nicht mit der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution beginnt, sondern faktisch mit der Situation vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Das ist kein Zufall! Nexhmije Hoxha und auch sonst niemand wird bei Lenin und Stalin auch nur eine Andeutung in der Richtung finden, daß eine oder zwei imperialistische Mächte der „Hauptfeind der Revolution, des Sozialismus und der Völker" seien.

Ganz im Gegenteil hat Lenin grundsätzlich dagegen angekämpft, als in der Phase des imperialistischen Ersten Weltkrieges derartige Thesen aufgestellt wurden. Im Ersten Weltkrieg gab es bekanntlich unter den beiden kriegführenden Seiten keine „gerechte", auch keine „etwas bessere", „nicht so gefährliche" Seite. Lenin kämpfte unermüdlich gegen die Vorstellung, daß einer der imperialistischen Staaten oder Staatenkoalitionen das „zentrale Übel" sei, mit dem man vor allem und zuerst fertig werden müsse.

Unsere entschiedene Ablehnung des Begriffs „internationaler Hauptfeind", der einen gemeinsamen Hauptfeind für alle Kräfte der proletarischen Weltrevolution feststellen soll, stützt sich gerade auf die in diesem Zusammenhang von Lenin gemachten Aussagen, die für die ganze Epoche der proletarischen Weltrevolution gelten.

Lenin betonte, daß

„in unserer Epoche keine einzige unter diesen anderen Staatsmächten das ,zentrale Übel' ist und sein kann." (Lenin: „Unter fremder Flagge", 1915, Werke Band 21, S. 130. Hervorhebung im Original.)

Der Begriff „Hauptfeind" läßt sich, wie Lenin unterstrich, lediglich dann in internationaler Hinsicht verwenden, wenn darunter das ganze Systemaller imperialistischen Großmächte verstanden wird. Lenin erklärte kurz und bündig:

„unser Hauptfeind, der Imperialismus." [232]

(Lenin: „Marxismus und Aufstand", 1917, Werke Band 26, S. 5.)

Es ist kaum anzunehmen, daß Nexhmije Hoxha als Direktorin des Instituts für marxistisch-leninistische Studien beim ZK der Partei der Arbeit Albaniens diese klaren Stellungnahmen Lenins nicht kennt. Wir können uns daher weder von der Methode noch vom Inhalt her damit einverstanden erklären, daß diese fundamentalen Stellungnahmen Lenins einfach ignoriert und unter den Tisch gewischt werden. Betrachten wir die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, so läßt sich an dieser Zeitspanne zweierlei deutlich zeigen:

a) Für die Außenpolitik eines sozialistischen Landes kann es in bestimmten, oft recht kurzen Zeitspannen, tatsächlich einen „Hauptfeind" geben, allerdings ist das eben der Hauptfeind für ein Land und nicht für alle. So war eine kurze Zeitspanne nach dem Ersten Weltkrieg für die sozialistische Räterepublik Rußlands der deutsche Imperialismus der Hauptfeind, wie Lenin herausstellte. Gemäß dem damaligen Kräfteverhältnis war es übrigens so, daß Lenin daher mit ebendiesem Hauptfeind den Kompromiß von Brest-Litowsk schloß. Es ist klar, daß ein sozialistisches Land aufgrund einer konkreten Analyse in seiner Außenpolitik auf dem Gebiet der friedlichen Koexistenz, also im Rahmen seiner staatlichdiplomatischen Aktivität, einen „Hauptfeind" bestimmen kann (der sehr rasch wechseln kann). Aber diese Bestimmung ist keinesfalls für die Völkerder Welt gültig, und es handelt sich also um etwas ganz anderes als den sogenannten „internationalen Hauptfeind".

b) Was nicht nur die Lage der Sowjetunion in der Welt, sondern die ganze weltpolitische Szene betrifft, zeigt sich in dieser Zeitspanne, daß Stalin in seinen Parteitagsberichten über die internationale Lage nach dem Tode Lenins oftmals tagespolitische Differenzierungen zwischen den verschiedene imperialistischen Großmächten vornimmt, ohne daraus einen für alle Völker verbindlichen Hauptfeind abzuleiten.

Die Vorstellung, daß die jeweils größte imperialistische Macht auch immer der gefährlichste Kriegstreiber oder gar „internationaler Hauptfeind" sein müsse, entbehrt jeder Grundlage und widerspricht völlig der historischen Erfahrung.

Um ein möglichst plastisches Bild von den innerimperialistischen Widersprüchen zu geben, die Gesetzmäßigkeit der ungleichmäßigen Entwicklung der kapitalistischen Länder möglichst konkret zu erläutern und eine Orientierung zum Verständnis der internationalen Politik zu geben, differenzierte Stalin natürlich zwischen den imperialistischen Mächten. Aber er leitete aus solchen Differenzierungen keine Wertungen ab und legte sie nicht den strategischen Konzeptionen der proletarischen Weltrevolution zugrunde.

Im Jahr 1925, unter den Bedingungen des noch wirkenden Versailler Friedensdiktats, stellte Stalin zum Beispiel fest:

„Früher waren England, Frankreich, Deutschland und teilweise Amerika die Hauptausbeuter, jetzt hat sich dieser Kreis aufs äußerste verengt. Jetzt sind die finanziellen Hauptausbeuter der Welt (...) Nordamerika und teilweise auch England als dessen Gehilfe."

(Stalin: „Der XIV. Parteitag der KPdSU(B)", 1925, Werke Band l, S. 233f.)

Zu den USA wird dort festgestellt:

„Dieser Staat wächst in jeder Beziehung: sowohl was die Produktion als auch was den Handel und die Akkumulation betrifft." (Ebenda, S. 231.)

Zwei Jahre später, 1927, unterscheidet Stalin im Sinne aktueller Differenzierungen Länder mit „vorwärtsstürmendem Kapitalismus" (USA und Japan) und „Länder des wirtschaftlichen Niedergangs" (England).[233]

Wieder ein Jahr später, 1928, stellt Stalin fest, daß - ohne daß die anderen imperialistischen Gegensätze aufhören zu existieren - dennoch

„der Gegensatz zwischen dem amerikanischen Kapitalismus und dem englischen Kapitalismus zum Hauptgegensatz geworden ist."

(Stalin: „Über die Ergebnisse des Juliplenums des ZK der KPdSU(B)", 1928, Werke Band 11, S. 176.)

Stalin dachte dennoch nicht daran, diese beiden imperialistischen Großmächte zu „Supermächten" oder zu den beiden „Hauptfeinden der Völker der Welt" zu erklären. Er berücksichtigte eben nicht nur die Besonderheit des damaligen Gegensatzes zwischen England und den USA, daß der Stern Englands sinkend und der Stern der USA aufsteigend war[234], sondern er stellte auch das, relativ gesehen, viel schwächere, aber „erstarkende

Deutschland" in Rechnung.[235]

Bekannt sind die dann folgenden Analysen nach dem Sieg des Revanchegedankens in Deutschland 1933, in der Zeit der zunehmenden internationalen Bedeutung Nazideutschlands. Doch auch diese Analysen geben Nexhmije Hoxha in keiner Beziehung recht.

Beschäftigen wir uns nun kurz mit der Behauptung Nexhmije Hoxhas, daß 1935 auf dem VII. Weltkongreß der Komintern die faschistischen Staaten zum „internationalen Hauptfeind" erklärt worden seien.

Offensichtlich vermischt Nexhmije Hoxha dabei das Problem des weltweiten demokratischen Kampfes gegen die imperialistischen bzw. die faschistischen Kriegstreiber mit der Frage der proletarischen Weltrevolution.

Denn im ganzen Bericht Georgi Dimitroffs an den VII. Weltkongreß sowie in den entsprechenden Resolutionen ist nirgendwo davon die Rede, daß die faschistischen Staaten „Hauptfeind der Revolution", „Hauptfeinde des Sozialismus" bzw. „Hauptfeinde der Völker der Welt" seien.

Der VII. Weltkongreß behandelte ja bekanntlich gar nicht die Frage der proletarischen Weltrevolution, sondern die Frage der Weltkriegsgefahr. In diesem Zusammenhang — und nur in diesem — werden Formulierungen verwendet wie:

„Die deutschen Faschisten, die die Hauptbrandstifter des Krieges sind..."[236]

Und der deutsche Faschismus

„als Hauptkriegstreiber (...) Hauptfeind des Friedens (...) Hauptkriegsbrandstifter in Europa."[237]

Alle diese Formulierungen machen unzweifelhaft klar, daß es nicht um die Frage der Revolution der Völker ging, sondern um die Frage des Kampfes zur Verhinderung eines drohenden imperialistischen Krieges, bei dem unter den besonderen Bedingungen der damaligen Zeit bereits absehbar war, daß, anders als im Ersten Weltkrieg, eine Seite durch den Angriff auf die sozialistische Sowjetunion sowie durch die bewaffnete Intervention gegen die Revolution in China und in Spanien eben der „Hauptkriegstreiber" war.

Nexhmije Hoxha negiert diesen entscheidenden Zusammenhang und verwirrt heillos die Frage der damaligen Möglichkeiten des antiimperialistischen Friedenskampfes mit der Frage der proletarischen Weltrevolution, indem sie beides über denselben Kamm schert.

Ihre Berufung auf den VII. Weltkongreß ist in jeder Hinsicht ein Schuß, der nach hinten losgeht, denn gerade der VII. Weltkongreß zeigte, daß trotz der aktuellen Kriegsgefahr und trotz der Tatsache, daß der Kampf gegen diese Gefahr im tagespolitischen Sinne vorrangig war, dennoch eines ganz außer Diskussion stand, nämlich „...keine Minute (zu) vergessen, daß der Schlag gegen den Feind im eigenen Land, gegen den ,eigenen' Imperialismus gerichtet werden muß."[238]

Das war eine kraftvolle leninistische Antwort auf alle Versuche, eine Politik der Klassenversöhnung einzuleiten, und ist auch heute eine kraftvolle Antwort auf die Versuche, unter falscher Berufung auf den VII. Weltkongreß der Komintern eine Theorie des „internationalen Hauptfeindes der Revolution" zu rechtfertigen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich, daß zwar ein Imperialismus in der Tat die „Hauptkraft", die „größte Kraft", „das Zentrum", „der Führer" des imperialistischen Lagers geworden war - der US-Imperialismus. Diese und ähnliche Ausdrücke verwenden Shdanow und die Resolutionen des Kominformbüros zur internationalen Lage. Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt unserer Analyse, beim Bericht des Genossen Shdanow von 1947 und der Analyse Stalins von 1952. Aber wer diese Dokumente vollständig studiert, wird feststellen, daß die Behauptung Nexhmije Hoxhas, hier würde der US-Imperialismus als „Hauptfeind der Revolution, des Sozialismus und der Völker der Welt" bezeichnet, nicht stimmt. (Wir können unseren Lesern das Studium der Originaltexte nicht ersparen, denn man kann nicht durch Zitieren beweisen, daß etwas irgendwo nicht steht.)

Mit einem Wort: Auch die Berufung auf die Dokumente der Kominform durch Nexhmije Hoxha zeigt, daß sie ganz verschiedene Dinge durcheinanderbringt:

Die Frage einerseits, ob ein Imperialismus die größte oder die Hauptmacht ist, und die ganz andere Frage, ob man ihn deswegen zum „Hauptfeind aller Völker" erklären soll. Denn das würde bedeuten, daß jedes Volk in erster Linie gegen diese größte Macht kämpfen muß, was ganz und gar falsch ist.

Irreführend ist auch die Berufung von Nexhmije Hoxha auf die Moskauer Deklarationen von 1957 und 1960, die man unserer Meinung nach jedoch in gar keinem Fall, wie sie es tut, in einem Atemzug mit den Dokumenten des VII. Weltkongresses und der Kominform nennen darf, da im Gegensatz zu 1935 und 1947 in den Jahren 1957 und 1960 in wesentlichen Fragen die modernen Revisionisten federführend waren.

Immerhin ist jedoch auch 1957 und 1960 an keiner Stelle davon die Rede, daß die US-Imperialisten der „Hauptfeind" seien. Das ist die ganze Wahrheit, und wir können Nexhmije Hoxha und allen, die uns widersprechen, nur raten, die Texte wirklich zu lesen.

Tatsächlich ist in diesen Dokumenten lediglich davon die Rede, daß der US-Imperialismus die „Hauptkraft der Aggression und des Krieges", der „größte internationale Ausbeuter", das „Hauptbollwerk des Kolonialismus und der Weltreaktion", der „internationale Gendarm, der „Feind der Völker der ganzen Welt" ist, während gleichzeitig aber auch auf den wiedererstarkenden westdeutschen, den englischen und den französischen Imperialismus hingewiesen wird.[239]

All diese Kennzeichnungen des US-Imperialismus betreffen seine Stärke oder solche ebenfalls unbestreitbaren Tatsachen, daß er es war, der die meisten Aggressionskriege nach dem Ersten Weltkrieg entfesselt hatte, sowie daß er der „Feind" aller Völker sei, wobei aber eben nur vom Feind und nicht vom „Hauptfeind" gesprochen wird.

Alles in allem: Nexhmije Hoxhas Berufungen auf die oben genannten Dokumente sprechen gegen sie selbst und gegen die von ihr verfochtene Theorie des „internationalen Hauptfeindes".

Betrachten wir als letztes eine weitere Passage bei Nexhmije Hoxha, in der dieser Fragenkomplex ebenfalls falsch behandelt, allerdings drastisch zugespitzt wird:

„Wenn man sich nicht ständig prinzipiell und in derPraxis, und zwar bei jeder Gelegenheit vor Augen hält, daß die Hauptfeinde des Sozialismus und der Völker heute die beiden Supermächte sind, könnte das für die eine oder andere marxistisch-leninistische Partei, für dieses oder jenes Land oder Volk, verheerende Folgen haben."[240]

„Nur wenn man es vom strategischen Gesichtspunkt aus richtig beurteilt und tief versteht, daß die Hauptfeinde des Sozialismus und der Völker heute die beiden Supermächte sind, kann man eine revolutionäre, marxistisch-leninistische Außenpolitik verfolgen.

Nur auf der Grundlage einer solchen richtigen Einschätzung und eines solchen richtigen Verständnisses, die auf den realen Verhältnisse der Dinge beruhen, läßt sich der Klassenkampf an der äußeren Front richtig führen, läßt sich seine Speerspitze gegen die beiden Supermächte als die Hauptfeinde des Sozialismus und der Völker richten.. ,"[241]

Hier springt hervor, wie sehr Nexhmije Hoxha diese Frage als fundamentale, „prinzipielle" Frage, ja als „strategische" Frage betrachtet. Deutlich wird hier aber auch, daß einfach die Haltung einer jeden Kommunistischen Partei mit möglicherweise gerechtfertigten - allerdings sicherlich nur taktischenGesichtspunkten der Außenpolitik eines sozialistischen Staatesheillos durcheinandergeworfen wird.

Die These, die „Speerspitze gegen die Supermächte" richten, bedeutet - wir wiederholen es -, daß die Völker nicht nach den Verhältnissen ihres Landes feststellen, wer in ihrem konkreten Fall der Hauptfeind ist, sondern diese für ihre Revolution entscheidende Frage nach einem für die ganze Welt geltenden Schema beantworten sollen, das sich an den außenpolitischen Interessen eines einzelnen sozialistischen Landes orientiert bzw. überhaupt nur von den Größenverhältnissen unter den imperialistischen Großmächten ausgeht. Die These von der „Speerspitze gegen den internationalen Hauptfeind" ist somit Ausdruck eines Schematismus, der sowohl den Erfordernissen der proletarischen Weltrevolution kraß widerspricht als auch den wohlverstandenen Interessen eines einzelnen sozialistischen Landes, die denen der Weltrevolution untergeordnet und keinesfalls übergeordnet sind. Diese These widerspricht offenbar auf der ganzen Linie dem dialektischen Materialismus, den Lehren des wissenschaftlichen Kommunismus und den praktischen Erfordernissen der Revolution in einem jeden Land.

In ihrer Konsequenz bedeutet sie in den einzelnen Ländern faktisch die Vernachlässigung des Kampfes gegen den dortigen tatsächlichen Hauptfeind, während sie international auf die Verharmlosung, Unterschätzung und damit auf die Vernachlässigung des Kampfes gegen die anderen imperialistischen Mächte hinausläuft.

In ihrer Broschüre versucht Nexhmije Hoxha Kritiken in dieser Richtung dadurch den Wind aus den Segel zu nehmen, daß sie die Konzentration des Kampfes auf die „internationalen Hauptfeinde", die „Supermächte", nicht als Unterstützung der anderen imperialistischen Mächte verstanden wissen will:

„...unsere Partei, die sich auf die Lehren Lenins stützt, versteht die Ausnutzung der zwischenimperialistischen Widersprüche keineswegs als Unterstützung eines imperialistischen Staates oder einer imperialistischen Gruppe gegen eine andere."[242]

Allerdings ist diese Position von der PAA nicht durchgehalten worden.[243]zurück

weiter