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III. Mit welchem Verständnis sprachenLenin und Stalin von der ausnahmsweisenMöglichkeit einer „friedlichen Entwicklung"der Revolution?

1. Besonderheiten während der „Doppelherrschaft" in Rußland 1917

 a) Lenin und Stalin über die Möglichkeit einer „friedlichen" Vorwärtsentwicklung der Revolution in der Phase der 
 „Doppelherrschaft" Mitte 1917 
 b) Der bewaffnete Aufstand im Februar 1917 war die Voraussetzung der „Doppelherrschaft" - erst sein Erfolg macht ihre 
 wesentlichen Merkmale verständlich 
 c) „Labile Staatsmacht" - „Waffen in den Händen des Volkes" - das Wesen der Doppelherrschaft 
 d) Hat die Geschichte Lenin widerlegt, wenn er in einer bestimmten Phase der Revolution Kurs auf eine „friedliche Entwicklung 
 der Revolution" nahm? 
 e) Die Auswertung der Erfahrungen der Doppelherrschaft" im Lichte des wissenschaftlichen Kommunismus gegen die 
 revisionistischen Theoretiker des „friedlichen Weges" 

2. Die theoretische Möglichkeit, daß die Bourgeoisie in „ferner Zukunft" als Ausnahme kapituliert und „friedlich die Macht abtritt", basiert auf den bewaffneten Kräften des Proletariats und der werktätigen Massen

3. Die Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution macht die Vorbereitung des Proletariats und der unterdrückten Volksmassen auf den bewaffneten Kampf zur Zerschlagung des alten Staatsapparates in allen Ländern der Welt unumgänglich

 

1. Besonderheiten während der „Doppelherrschaft" in Rußland 1917

 

a) Lenin und Stalin über die Möglichkeit einer „friedlichen" Vorwärtsentwicklung der Revolution in der Phase der „Doppelherrschaft" Mitte 1917

 

Beim Versuch, ihre revisionistischen Konzeptionen des „friedlichen Weges" als „leninistisch" zu verkaufen, zitieren die modernen Revisionisten mit Vorliebe auch Satzfetzen aus der Zeit der „Doppelherrschaft" in Rußland, als Lenin von der Notwendigkeit sprach, eine „friedliche" Weiterentwicklung der Revolution zu versuchen.

Lenin sagte damals, die Weiterentwicklung der Februarrevolution von 1917 zur sozialistischen Revolution betreffend, auf dem I. Gesamtrussischen Sowjetkongreß:

„In Rußland ist diese Revolution ausnahmsweise als friedliche Revolution möglich."

(Lenin: „I. Gesamtrussischer Kongreß der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Rede über die Stellung zur Provisorischen Regierung", 1917, Werke Band 25, S. 10.)

Auch Stalin ging von einer derartigen Möglichkeit während der „Doppelherrschaft" aus, als er im Rechenschaftsbericht des ZK auf dem VI. Parteitag der SDAPR(B) am 27. Juli 1917 rückblickend über die Tätigkeit des ZK im Mai äußerte:

„Das ZK ging davon aus, daß sich die Revolution bei uns auf friedlichem Wege entwickele, daß es durch Neuwahlen der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten möglich sein werde, die Zusammensetzung der Sowjets und folglich auch die Zusammensetzung der Regierung zu ändern."

(Stalin: „Reden auf dem VI. Parteitag der SDAPR (Bolschewiki). 1. Rechenschaftsbericht des ZK, 1917, Werke Band 3, S. 144.)

Die Revisionisten, die sich auf diese Äußerungen Lenins (oder auch Stalins) aus der Zeit der „Doppelherrschaft" berufen, vermeiden es jedoch sorgsam, den Zusammenhang dieser Worte herzustellen, um das Wesen der Frage zu umgehen, um alles fortzulassen, was ihre revisionistische Demagogie entlarven könnte.

 

b) Der bewaffnete Aufstand im Februar 1917 war die Voraussetzung der „Doppelherrschaft" - erst sein Erfolg macht ihre wesentlichen Merkmale verständlich

 

Die erste und grundlegendste Erkenntnis, um die oben zitierten Worte Lenins und Stalins richtig verstehen und richtig einordnen zu können, betrifft die Tatsache, daß bereits ein Bürgerkrieg in Rußland stattgefunden hatte, daß die Möglichkeit einer friedlichen Entwicklung nicht den gesamten Weg der russischen Revolution betraf, sondern nur eine bestimmtePhase im Gesamtprozeß dieser Revolution, daß sie undenkbar gewesen wäre ohne den vorangegangenen Bürgerkrieg des Proletariats. Diesen heldenhaften blutigen Bürgerkrieg des russischen Proletariats einfach zu „vergessen" und so zu tun, als hätte er auf die Möglichkeiten der Weiterführung der Revolution bis zum Oktober 1917 keinen Einfluß, ist eine der gemeinsten und gröbsten Betrügereien!

Lenin schrieb ausdrücklich, daß sich nach dem „ersten Bürgerkrieg", nach der ersten Etappe der Revolution, aufgrund ihrer Ergebnisse die Möglichkeit eröffnete, einen zweiten Bürgerkrieg vielleicht zu vermeiden.[120]

Der bewaffnete Kampf zur Zerschlagung des Zarismus war die wesentlichste Voraussetzung für die Möglichkeit einer friedlichen Entwicklung in der zweiten Etappe der Revolution.

Ohne Kenntnis dieser Tatsache, ohne Berücksichtigung der Februarrevolution in Rußland, ist es völlig unmöglich, die Besonderheiten der„Doppelherrschaft" zu verstehen und daraus die erforderlichen Lehren zu

ziehen.

Die „Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang" schildert anschaulich den Verlauf der Februarrevolution:

„Am Morgen des 26. Februar (11. März) beginnen der politische Streik und die Demonstrationen in Aufstandsversuche überzugehen. Die Arbeiter entwaffnen die Polizei und Gendarmerie und bewaffnen sich selbst. Die bewaffneten Zusammenstöße mit der Polizei enden aber mit einem Blutbad unter den Demonstranten auf dem Snamenskaja-Platz. (...) Am 27. Februar (12. März) weigerten sich die Petrograder Truppen, auf die Arbeiter zu schießen, und begannen auf die Seite des aufständischen Volkes überzugehen. Noch am Morgen des 27. Februar (12. März) gab es nur 10000 aufständische Soldaten, am Abend aber waren es schon über 60000. Die aufständischen Arbeiter und Soldaten gingen dazu über, diezaristischen Minister und Generale zu verhaften, die Revolutionäre aus den Gefängnissen zu befreien. Die befreiten politischen Gefangenen reihten sich in den revolutionären Kampf ein. Auf den Straßen gab es noch Schießereien mit Polizisten und Gendarmen, die sich mit Maschinengewehren auf Dachböden festgesetzt hatten."

(„Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang", S. 220f.)

Es war also ein harter, blutiger, opferreicher Kampf, eben eine Revolution! Erst seine Erfolge eröffneten, zusammen mit einigen anderen im damaligen Rußland entstandenen Besonderheiten, die von Lenin festgestellte (und noch dazu als „äußerst selten" bezeichnete) Möglichkeit, ohne einen neuen Bürgerkrieg und insofern „friedlich" zur sozialistischen Etappe der Revolution weiterzugehen.

Unbedingte Voraussetzung für diese Möglichkeit war aber nicht nur einfach die Tatsache der Februarrevolution, sondern die entscheidende Rolledes Proletariats in dieser Revolution. Lenin stellte das unmißverständlich fest:

„Die Revolution war das Werk des Proletariats, das Proletariat hat heldenmütig gekämpft, das Proletariat hat sein Blut vergossen, es hat die breitesten Massen der werktätigen und armen Bevölkerung mit sich gerissen..."

(Lenin: „Brief aus der Ferne. Brief 2. Die neue Regierung und das Proletariat", März 1917, Werke Band 23, S. 324.)

Die Februarrevolution war somit ein gewaltsamer bewaffneter Aufstand des Proletariats, der zum Sturz des Zarismus führte und außerordentlichgünstige Möglichkeiten der Weiterentwicklung zur sozialistischen Revolutioneröffnete.

Das Wesentliche jener vielzitierten und selten richtig verstandenen Phase im Verlauf der russischen Revolution, die Lenin und Stalin als Phase der „Doppelherrschaft" bezeichneten und unter deren Bedingungen die „friedliche" Weiterführung der Revolution überhaupt erst denkbar wurde, bestand vor allem in zwei entscheidenden Tatsachen.

Der Kern, das Wesen der Sache war:

1. Durch den vorangegangenen Bürgerkrieg war das Proletariat bewaffnet. Es hatte umfangreiche Möglichkeiten, weiter seine Bewaffnung unddie Bewaffnung der Volksmassen unter seiner Führung zu betreiben, waseine unbedingte Voraussetzung der erfolgreichen Weiterführung der Revolutionwar.

2.DerStaatsapparat der herrschenden Klasse war zwar noch nicht völlig zerschlagen, aber er war nicht funktionsfähig, zum Teil zerschlagen, zum Teil lahmgelegt, während in Form der Sowjets bereits Grundformen der Machtorgane des Proletariats entstanden waren.

 

c) „Labile Staatsmacht" - „Waffen in den Händen des Volkes" - das Wesen der Doppelherrschaft

 

Lenin faßte nach der Phase der Doppelherrschaft die Besonderheiten dieser Phase wie folgt zusammen:

„Vergessen wir nicht, daß die Frage der Macht die Grundfrage jeder Revolution ist. Damals befand sich die Staatsmacht in einem labilen Zustand. Auf Grund eines freiwilligen gegenseitigen Übereinkommens teilten sich die Provisorische Regierung und die Sowjets in die Staatsmacht. Die Sowjets waren Delegationen der Masse der freien, d. h. keiner Gewalt von außen unterworfenen, bewaffneten Arbeiter und Soldaten. Daß die Waffen in den Händen des Volkes waren, daß jede Gewalt von außen über das Volk fehlte, eben darin bestand das Wesen der Sache. Das war es, was der ganzen Revolution den friedlichen Weg der Vorwärtsentwicklung eröffnete und sicherte."

(Lenin: „Zu den Losungen", 1917, Werke Band 25, S. 181f. Hervorhebung im Original.)

Über die real existierende bewaffnete Macht des Volkes und ihre Organe führte Lenin zur Zeit der Doppelherrschaft aus:

„Worin besteht die Doppelherrschaft? Darin, daß sich neben der Provisorischen Regierung, der Regierung der Bourgeoisie, eine noch schwache, erst in Keimform vorhandene, aber dennoch unzweifelhaft wirklich existierende und erstarkende andere Regierung herausgebildet hat: die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Wie ist diese andere Regierung klassenmäßig zusammengesetzt? Aus dem Proletariat und der (in Soldatenröcke gesteckten) Bauernschaft. Welcher Art ist der politische Charakter dieser Regierung? Sie ist eine revolutionäre Diktatur, d. h. eine Macht, die sich unmittelbar auf die revolutionäre Machtergreifung stützt, auf die unmittelbare Initiative der Volksmassen von unten, und nicht aufein von einer zentralisierten Staatsmacht erlassenes Gesetz. (...) Diese Macht ist eine Macht von demselben Typus, wie es die Pariser Kommune von 1871 war."

(Lenin: „Über die Doppelherrschaft", 1917, Werke Band 24, S. 20f. Hervorhebungen im Original.)

Der Staat vom Typus der Kommune hat die vom Volk getrennte Armee und Polizei durch die direkte und unmittelbare Bewaffnung des Volkes selbst ersetzt, ebenso wie er die privilegierte, über dem Volk stehende Beamtenschaft durch direkt gewählte und absetzbare, dem Volk unmittelbar verantwortliche und mit Arbeiterlohn bezahlte Bedienstete des Volkes ersetzt hat. Wie die Pariser Kommune stützten sich die Sowjets nicht auf juristische Grundlagen, sondern auf die durch die unmittelbare Bewaffnungder Volksmassen geschaffene revolutionäre Realität. Die Bewaffnung des Proletariats und der von ihm geführten Volksmassen war ein Wesenszug der Phase der Doppelherrschaft. Sie wurde massiv vorangetrieben. Denn die Waffengewalt ist in jeder Revolution ausschlaggebend, egal ob im Bürgerkrieg oder in einer Phase der Revolution, in der eine „friedliche" Weiterentwicklung denkbar erscheint. Stalin schrieb dementsprechend im Einklang mit Lenin, daß keine Revolution „ohne eine ihr jederzeit zu Diensten stehende bewaffnete Macht(...) siegen kann...".

(Stalin: „Über die Bedingungen für den Sieg der russischen Revolution", 1917, Werke Band3, S. 13.)

Stalin hob eindringlich hervor, daß es einer bewaffnete Macht. „einer Armee bewaffneter Arbeiter, die natürlicherweise mit denZentren der revolutionären Bewegung verbunden sind", (Ebenda.) unbedingt bedarf und in Rußland zur Zeit der Doppelherrschaft eben vorhanden war bzw. sich weitgehend herausgebildet hatte und entwickelte.

Die bewaffnete Arbeiterklasse , die Waffen in den Händen desVolkes das ist aber nur eine Besonderheit der Phase der „Doppelherrschaft", diealleine nicht ausreicht, nicht hinreichend ist, damit eine friedliche Entwicklung der Revolution reale Möglichkeit wird.

Die andere Seite der Sache ist die Unmöglichkeit für die herrschende Klasse, bewaffnete Kräfte gegen die Revolution einzusetzen.

Dieser zweiten Seite der Sache wandte Lenin außerordentliche Aufmerksamkeit zu, analysierte genau den Zustand der noch vorhandenen und nicht zerschlagenen Teile des alten Staatsapparats, beobachtete sorgfältig jegliche Veränderung in dieser Frage und orientierte sich in jeder Hinsicht daran, daß die zentrale Frage jeder Revolution die Staatsfrage, die Frage der bewaffneten Macht ist.

Die Arbeiter Rußlands hatten in der Februarrevolution bereits begonnen, den alten Staatsapparat zu zerschlagen, was Lenin in seinen „Briefen aus der Ferne" (im März 1917 in der Schweizer Emigration geschrieben) feststellte:

„Ich habe gesagt, daß die Arbeiter die alte Staatsmaschine zerbrochen haben. Genauer gesagt, sie haben begonnen, sie zu zerbrechen."

(Lenin: „Briefe aus der Ferne. Brief 3. Über die proletarische Miliz", 1917, Werke Band 23, S. 341.)

Was das heißt, schildert Lenin anschaulich am Beispiel Petrograds - einem, wenn nicht dem Zentrum der Revolution —, wo die Lage davon gekennzeichnet war, daß große Teile der Truppen, zerrüttet und demoralisiert aufgrund der anhaltenden Kriegssituation, im Verlauf der Februarrevolution auf die Seite der Aufständischen übergegangen waren, daß die Polizei in Petrograd und an vielen anderen Orten teils niedergemacht, teils von den revolutionären Massen aufgelöst worden war, daß die zaristischen Bürokraten von den Arbeitern aus den Ämtern geworfen wurden usw.

In Petrograd lag die Macht faktisch bereits in den Händen der Arbeiter und Soldaten, und die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft war schon weitgehend Wirklichkeit geworden, wenn auch auf eine außerordentlich originelle Weise, wie Lenin feststellte. Auf Petrograd bezogen hob er hervor:

„Gewalt wendet die neue Regierung gegen sie (die Arbeiter und Soldaten, A.d.V.) nicht an und kann sie auch nicht anwenden: gibt es doch weder eine Polizei noch ein vom Volk getrenntes Heer, noch ein allmächtig über dem Volke stehendes Beamtentum."

(Lenin: „Briefe über die Taktik, l. Brief. Die Einschätzung der gegenwärtigen Lage", 1917, Werke Band 24, S. 28; Hervorhebungen im Original.)

 

* * *

 

Welche Lehren können wir also aus dieser Analyse der Bedingungen ziehen, unter denen Lenin im Gesamtprozeß der Revolution eine Phase der „friedlichen Entwicklung" der Revolution für möglich hielt?

Etwa, daß auch „ohne Waffengewalt" die Macht erobert werden könne?

Etwa, daß der alte Staatsapparat der herrschenden Klasse nicht zerschlagen werden müsse?

Offenbar ganz und gar nicht! Das Studium dieser Phase der Geschichte der russischen Revolution, der Phase der „Doppelherrschaft", zeigt genau das Gegenteil, nämlich, daß der bewaffnete Kampf, das sich Stützen auf die bewaffneten Arbeitergarden, die Zerschlagung des altenStaatsapparates zunächst zumindest in seinen Hauptbestandteilen, vor allem der Armee, unbedingt durchgeführt werden muß, bevor von einem „friedlichen Weg" - genauer: von einer „friedlichen Weiterentwicklung" - der Revolution auch nur gesprochen werden kann.

Das ist der Kern der Sache, der von den Apologeten der „zwei Wege der Revolution" geflissentlich umgangen wird.

 

d) Hat die Geschichte Lenin widerlegt, wenn er in einer bestimmten Phase der Revolution Kurs auf eine „friedliche Entwicklung der Revolution" nahm?

 

Es ist bekannt, daß schließlich, auch in der zweiten Etappe der russischen Revolution, sich die friedliche Entwicklung der Revolution nicht realisierte, sondern es zu einem zweiten Bürgerkrieg kam.

Handelte es sich also um eine Fehleinschätzung Lenins und Stalins?

Hat also die Praxis gezeigt, daß es gar keine „friedliche Entwicklung der Revolution" geben kann?

Diese Fragen sind von vornherein falsch gestellt. Betrachtet man den Zeitabschnitt genauer, in dem Lenin von der „friedlichen Entwicklung der Revolution" sprach, so zeigt sich, daß die Einschätzung Lenins nicht nur richtig war, sondern daß Lenin und die Bolschewiki in dieser Zeitspanne und unter ihren Bedingungen sogar unbedingt Kurs auf die „friedliche" Weiterentwicklung der Revolution nehmen mußten.

Auf der Basis der Tatsache, daß die Waffen in den Händen des Proletariats waren und der alte Staatsapparat, insbesondere die alte Armee, funktionsunfähig war, waren für diese Notwendigkeit folgende Gründe ausschlaggebend:

Das Proletariat war

„infolge des ungenügend entwickelten Klassenbewußtseins und der ungenügenden Organisiertheit"

(Lenin: „Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution", 1917, Werke Band 24, S. 4; Hervorhebung im Original.)

noch nicht dazu bereit, die objektiv konterrevolutionäre (wenn auch momentan zum Losschlagen unfähige) Regierung der Bourgeoisie zu stürzen.

Vielmehr hatte die Mehrheit der Arbeiterklasse dieser Regierung selbst die Macht freiwillig und vertrauensselig eingeräumt.

Diese objektiv konterrevolutionäre imperialistische Regierung hatte ihren Charakter noch nicht durch Taten bewiesen.

Die Lage war also dadurch gekennzeichnet,

„daß gegen die Massen keine Gewalt angewandt wird, und schließlich durch die blinde Vertrauensseligkeit der Massen gegenüber der Regierung der Kapitalisten, der ärgsten Feinde des Friedens und des Sozialismus." (Ebenda)

Schließlich handelte es sich in dieser Zeitspanne nicht darum, daß diese Regierung keine Gewalt gegen das Volk anwenden wollte, sondern darum, daß sie keine Gewalt anwenden konnte. (Allerdings arbeitete die Bourgeoisie natürlich fieberhaft daran, ihre Reste des alten Staatsapparates zusammenzufassen, Truppen zur Konterrevolution aufzustellen usw.)

Da einerseits der schwer angeschlagene reaktionäre Staatsapparat nochaußerstande war, mit Gewalt gegen das Volk vorzugehen, andererseits noch ein fast blindes Vertrauen der Massen genoß, dazu in der Gestalt der Sowjets bereits revolutionäre Machtorgane entstanden waren, denen es allerdings an Erfahrungen fehlte und in denen die Bolschewiki erst eine Minderheit bildeten, kam es darauf an - und war es auch möglich! —, Kurs auf eine Phase der „friedlichen Entwicklung der Revolution" zu nehmen, das heißt, die Mehrheit der Massen zu gewinnen, die Eroberung der Mehrheit der Sowjets auf„friedliche"Weise durchzuführen, um so die Bildung einer auf die Macht der Sowjets gestützten provisorischen revolutionärenRegierung anzustreben.

Die Losung des weiteren Bürgerkriegs, also des bewaffneten Kampfes auszugeben, wäre unter diesen Bedingungen völlig falsch gewesen und hätte zu einem schweren Rückschlag geführt, da sie nicht den Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Situation entsprach.

In der „Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang" heißt es über diese Phase der Revolution in Rußland:

„Das bedeutete, daß Lenin nicht zum Aufstand gegen die Provisorische Regierung aufrief, die in diesem Moment das Vertrauen der Sowjets genoß, daß er nicht ihren Sturz forderte, sondern danach strebte, durch Aufklärungs- und Werbearbeit die Mehrheit in den Sowjets zu gewinnen, die Politik der Sowjets zu ändern, durch die Sowjets aber die Zusammensetzung und die Politik der Regierung zu ändern. Das war die Einstellung auf eine friedliche Entwicklung der Revolution."

(„Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang", S. 233.)

Daß dieser Weg in der gegebenen Zeitspanne der einzig richtige war, bedeutet nicht, daß er auch mit Sicherheit realisiert werden konnte. Daher ließ Lenin trotz Kurs auf eine „friedliche Entwicklung" der Revolution keinen Augenblick außer acht, daß im nächsten Augenblick wieder der Kampf mit den Gewehrkugeln, der Bürgerkrieg, auf die Tagesordnung gesetzt werden könnte, was er und die Bolschewik! keineswegs verschwiegen, sondern offen aussprachen.

Wie bekannt, gelang es nicht, die Situation für eine friedliche Entwicklung im Sinne der erfolgreichen Weiterführung der Revolution auszunutzen, sondern lediglich im Sinne der Eroberung der Unterstützung und Sympathie der Massen, vor allem der Arbeiterklasse. Die konterrevolutionäre Regierung verfügte schließlich über genügend Truppen, um wieder zu beginnen, die Revolution zu entwaffnen und zu unterdrücken, und der zweite Bürgerkrieg, die Oktoberrevolution, nahm in der Form des bewaffneten Aufstandes ihren siegreichen Lauf.

 

e) Die Auswertung der Erfahrungen der Doppelherrschaft" im Lichte des wissenschaftlichen Kommunismus gegen die revisionistischen Theoretiker des „friedlichen Weges"

 

Unserer Meinung nach ist eine erfolgreiche Auswertung der Erfahrungen der „Doppelherrschaft" nur möglich im Kampf gegen die revisionistischen Theorien vom „friedlichen Weg".

Die Phase, als sich im Gesamtprozess der Revolution, wie Lenin sagte, „der friedliche Weg der Vorwärtsentwicklung" eröffnete, ist eben gerade an solche Bedingungen geknüpft, die den Revisionisten die Suppe restlos versalzen und alle ihre Theorien gründlich widerlegen. Sie war nur möglich auf der Basis des Bürgerkriegs im Februar.

Erst durch den bewaffneten Februaraufstand war die Grundvoraussetzung erfüllt, daß die Arbeiterklasse, die werktätigen Massen bewaffnet waren.

Durch die Februarrevolution, den Aufstand des Proletariats und seinen bewaffneten Kampf war bereits massiv begonnen worden, den alten Staatsapparat zu zerschlagen.

Als weiteres sehr wesentliches Moment kommt schließlich noch die durch den Ersten Weltkrieg hervorgerufene Gesamtsituation hinzu (was wir nur der Vollständigkeit halber anführen). „Friedliche" Weiterentwicklung der Revolution - auf der Basis des bewaffnetenKampfes des Proletariats, der begonnenen Zerschlagung des Staatsapparates der herrschenden Klasse - das ist der Begriff, den Lenin und Stalin davon hatten.

Für Lenin, Stalin und die Bolschewiki war also klar, daß dies kein Übergang ohne Anwendung revolutionärer Gewalt bedeutete. Es ging lediglich um die Möglichkeit, auf der Basis der durch den Bürgerkrieg vom Februar 1917 geschaffenen Grundvoraussetzungen die Diktatur des Proletariats durch die bewaffnete Arbeiterklasse zu errichten, ohne daß ein erneuter Bürgerkrieg geführt werden mußte.

Über eine solche Möglichkeit - wohlgemerkt, in bezug auf eine bestimmte Phase im Gesamtprozeß einer Revolution - kann man reden und diskutieren, eine solche Möglichkeit (insbesondere in jenen Ländern, wo die Zerschlagung des alten Staatsapparates in der ersten Etappe der Revolution bereits durch den bewaffneten Kampf der Volksmassen weitgehend „erledigt" wird, so daß die zweite Etappe möglicherweise „friedlich" durchgeführt werden kann) ist nicht prinzipiell ausgeschlossen, wobei auch das nicht heißt, daß Waffenbesitz und Waffengewalt des Proletariats sowie Gewaltanwendung überhaupt entbehrt werden können, sondern lediglich, daß ein erneuter Bürgerkrieg unter gewissen Umständen vermeidbar ist.

Aber ein solcher Begriff des „friedlichen Wegs" hat überhaupt nichts mit der Lage in den Ländern des imperialistischen Weltsystems zu tun und ist insbesondere nicht in den hochkapitalistischen Ländern anzuwenden, in denen der Staatsapparat durch keine vorausgegangenen bewaffneten Auseinandersetzungen angeschlagen bzw. paralysiert ist, seine bewaffneten Formationen aufgeblähter sind denn je, während das Proletariat und die Werktätigen unbewaffnet sind. In solchen Ländern und Situationen muß die Zerschlagung des alten Staatsapparates erst erfolgen und kann sie nur durch den bewaffneten Kampf des Proletariats, durch den bewaffnetenAufstand erfolgen als Auftakt und Bestandteil der proletarischen Revolution und als entscheidender Schritt auf dem Weg zum Sozialismus.

Somit stellt sich heraus, daß die Äußerungen Lenins und Stalins über eine Phase der „friedlichen Vorwärtsentwicklung" der Revolution in der Zeitspanne der „Doppelherrschaft" die Prinzipien und Gesetzmäßigkeitenbestätigen, daß die Zerschlagung des alten Staatsapparates durch den bewaffneten Kampf erfolgen muß, daß die Arbeiter und die werktätigen Massen bewaffnet sein müssen, daß der alte Staatsapparat unbedingt zerschlagen werden muß.

Es liegt also überhaupt kein Grund vor, an der Propaganda für den bewaffneten Kampf des Proletariats und der Volksmassen, an der Propaganda für die unbedingt notwendige gewaltsame Zerschlagung des alten Staatsapparates irgendeine Änderung vorzunehmen, weil Lenin und Stalinin einer Situation, für die es heute nirgendwo eine Parallele gibt, vonder Möglichkeit eines „friedlichen Weges" gesprochen haben. zurück

 

2. Die theoretische Möglichkeit, daß die Bourgeoisie in „ferner Zukunft" als Ausnahme kapituliert und „friedlich die Macht abtritt", basiert auf den bewaffneten Kräften des Proletariats und der werktätigen Massen

 

Die modernen Revisionisten berufen sich mit Vorliebe darauf, daß es bei Lenin (aber auch bei Stalin) Hinweise auf die in „ferner Zukunft" eventuell denkbare Möglichkeit eines „friedlichen Weges" der Revolution in einzelnen Ländern gibt. Sie tun so, als sei diese „ferne Zukunft" nun eben schon gekommen, und was früher für einzelne Länder galt, gelte nun eben für sehr viele oder die meisten Länder.

Doch bei genauerer Prüfung stellt sich heraus, daß die modernen Revisionisten die betreffenden Zitate nicht nur völlig aus dem Zusammenhang reißen, sondern auch sonst völlig entstellen und verdrehen.

Lenin schrieb:

„Aber es läßt sich nicht leugnen, daß es in einzelnen Fällen als Ausnahme, z. B. in einem kleinen Staat, nachdem im großen Nachbarstaat die soziale Revolution gesiegt hat, möglich ist, daß die Bourgeoisie friedlich die Macht abtritt, wenn sie sich von der Aussichtslosigkeit des Widerstandes überzeugt und es vorzieht, ihre Haut zu retten."

(Lenin: „Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den imperialistischen Ökonomismus'", 1916, Werke Band 23, S. 63f. Hervorhebung im Original.)

Aus der ganzen Art der Darstellung wird schon klar, daß Lenin hier nicht von einem unbewaffneten Proletariat, das bittet und bettelt, ausgeht, sonderndavon, daß die militärische Übermacht des Proletariats insgesamt so groß ist, daß sich die herrschende Klasse in einer aussichtslosen Lage befindet und wenigstens „ihre Haut retten" will. Wenn das alles irgendwoeintreten sollte, wenn die herrschende Klasse keine Möglichkeit hat, einenBürgerkrieg zu führen bzw. bei militärischem Widerstand außer ihremBesitz unweigerlich auch noch ihre Haut verlieren würde und das genau weiß, dann könnte es natürlich sein, daß sie „friedlich" die Macht abtritt(die sie in einem solchen Fall ohnedies nur mehr auf dem Papier hätte).

„Friedlich", das heißt hier offenbar nichts anderes als ohne Bürgerkrieg. Das heißt aber eben nicht freiwillig, das heißt auch nicht ohne Waffengewaltoder ohne Gewalt überhaupt. Das heißt auch nicht, daß der alteStaatsapparat nicht zerschlagen werden muß, und das heißt erst recht nicht,daß die Diktatur des Proletariats in einer solchen Lage überflüssig wäre.

Das Gegenteil ist der Fall, da nur das mächtige bewaffnete Proletariat die Bourgeoisie zwingen kann, eine Entwicklung über sich ergehen zu lassen, die in ihrer Liquidation als Klasse gipfelt.

Von besonderer Wichtigkeit ist, welche Schlußfolgerung Lenin in bezug auf die oben erwähnte Möglichkeit zieht.

Sagt er nun, das Proletariat soll sich auf zwei Wege vorbereiten, auf den Bürgerkrieg und auf den friedlichen Weg?[121] Spricht er ununterbrochen von zwei Möglichkeiten?

Nichts davon ist der Fall. Unmittelbar nachdem Lenin den immerhin denkbaren „Ausnahmefall" erwähnt hat, daß die Bourgeoisie in einem kleinen Staat „friedlich die Macht abtritt", setzt er fort:

„Viel wahrscheinlicher ist es allerdings, daß auch in den kleinen Staaten der Sozialismus nicht ohne Bürgerkrieg verwirklicht wird und deshalb muß das Programm der internationalen Sozialdemokratie einzig die Anerkennung eines solchen Krieges sein..."

(Ebenda. Hervorhebung im Original.)

So oder so, ohne Rücksicht auf theoretisch denkbare Ausnahmefälle, das Proletariat muß sich unter allen Umständen auf den Bürgerkrieg vorbereiten, das ist die leninistische Antwort, die überhaupt keinen Raum läßt für einen Weg „ohne Waffengewalt", ohne Zerschlagung des alten Staatsapparates usw.! Selbst dort, wo Lenin einen Weg ohne Bürgerkrieg als „theoretisch denkbaren" Ausnahmefall für möglich hielt und insofern von „friedlich" sprach, ging er immer vom bewaffneten Proletariat aus, von der gewaltsamen Revolution, von der Diktatur des Proletariats, die auf revolutionärer Gewalt beruht![122]

Was Stalins Bemerkungen über einen „friedlichen Weg" als „in ferner Zukunft" vorstellbare Möglichkeit betrifft, handelt es sich um genau dasselbe wie bei Lenin.

Der Vollständigkeit halber sei auch diese Passage zitiert, die im Kern nichts anderes enthält. Stalin schrieb in „Über die Grundlagen des Leninismus":

„In ferner Zukunft, wenn das Proletariat in den wichtigsten kapitalistischen Ländern gesiegt und die gegenwärtige kapitalistische Umwelt einer sozialistischen Umwelt Platz gemacht haben wird, ist natürlich ein friedlicher' Entwicklungsweg für manche kapitalistischen Länder durchaus möglich, deren Kapitalisten infolge der ,ungünstigen' internationalen Lage es für zweckmäßig halten werden, freiwillig' dem Proletariat ernsthafte Zugeständnisse zu machen."

(Stalin: „Ober die Grundlagen des Leninismus", 1924, Werke Band 6, S. 104.)

Sieg des Proletariats und Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung in den „wichtigsten Ländern" - das wäre zumindest in allen imperialistischen Großmächten der Welt! Es ist ganz offensichtlich, daß es sich von heute aus betrachtet hierbei tatsächlich um eine „ferne Zukunft" handelt. Daher gilt heute uneingeschränkt, was Stalin wohlweislich hinzufügte:

„Aber diese Annahme betrifft nur eine ferne und mögliche Zukunft. Für die nächste Zukunft gibt es für diese Annahme keinen, rein gar keinen Grund." (Ebenda)

Und nicht zufällig unterstreicht Stalin gerade im Zusammenhang mit einer solchen Überlegung,

„das Gesetz von der gewaltsamen Revolution des Proletariats, das Gesetz von der Zertrümmerung der bürgerlichen Staatsmaschine als Vorbedingung dieser Revolution ist ein unumgängliches Gesetz der revolutionären Bewegung der imperialistischen Länder der Welt." (Ebenda.)

Der Kern der Lehre des wissenschaftlichen Kommunismus, die Notwendigkeit der Waffengewalt des Proletariats, die Unabdingbarkeit der Zerschlagung des alten Staatsapparats wird auch von allen Möglichkeiten in ferner Zukunft nicht betroffen. Dieser Kern gilt unbedingt auch in dieser „fernen" Zukunft, auch wenn dann möglicherweise dort oder da ein „Bürgerkrieg" vermieden werden kann.

Schließlich muß auch für alle „fernere Zukunft" festgehalten werden, daß in bezug auf die Errichtung der Diktatur des Proletariats auch die „unwahrscheinliche" Möglichkeit der Vermeidung des Bürgerkrieges nichts daran ändert, daß das kommunistische Programm - was die Machtergreifung des Proletariats betrifft — einzig sich auf den Bürgerkrieg zu orientieren hat!

 

* * *

 

Fassen wir zusammen: Lenin und Stalin haben für eine bestimmte Zeitspanne in bestimmten historischen Situationen eine „friedliche" Weiterentwicklung der Revolution nicht völlig ausgeschlossen. Lenin und Stalin - und auch Marx- haben jedoch den Begriff „friedlich" in diesem Zusammenhang keineswegs im Sinn von „gewaltlos" benutzt. Vielmehr wird der Begriff von Lenin und Stalin in bezug auf historische Ausnahmesituationen verwendet, bei denen die Möglichkeit eines Wegs ohne Bürgerkrieg bestand. Grundlage dieses Begriffs bei Lenin und Stalin ist, daß es einen gewaltlosen, nicht revolutionären, unbewaffneten Weg zum Sozialismus nicht gab und nicht geben wird, daß die proletarische Revolution unter allen Umständen nur auf dem revolutionären Weg möglich ist, daß der Weg zum Sozialismus also unmöglich ist ohne gewaltsame Zerstörung der bestehenden bürgerlichen Staatsmaschinerie und ohne ihre Ersetzung durch die Macht der bewaffneten Arbeiterklasse, die Diktatur des Proletariats, die auf der Basis der revolutionären Gewalt der bewaffneten Arbeiterklasse die gestürzten Ausbeuter und sämtliche anderen reaktionären Kräfte niederhält. zurück

 

 

3. Die Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution macht die Vorbereitung des Proletariats und der unterdrückten Volksmassen auf den bewaffneten Kampf zur Zerschlagung des alten Staatsapparates in allen Ländern der Welt unumgänglich

 

Lenin stellte sich 1920 (nach der Erfahrung der „Doppelherrschaft" und nach seinen Überlegungen über die Denkbarkeit „friedlicher" Revolutionen in ferner Zukunft) die Aufgabe, programmatisch für die Kommunisten der ganzen Welt zur Frage des Weges der Revolution Stellung zu nehmen.

Wir unterstreichen unsere Überzeugung, daß es eine unabdingbare Notwendigkeit für die Kommunistinnen und Kommunisten auch heute und gerade heute ist, diese Ausführungen Lenins uneingeschränkt zu unterstützen und der eigenen Tätigkeit zugrunde zu legen.

Lenin schrieb in „Staat und Revolution", daß in der Epoche des Imperialismus sich in allen Ländern Immer stärkere Staatsapparate herausgebildethaben, daß das Gesetz der Zerschlagung des alten Staatsapparates unumgänglichist und daß diese Zerschlagung durch den bewaffneten Kampf geschehen muß.

„Esunterliegt keinem Zweifel, daß dies (insbesondere „die Vervollkommnung und Festigung der Exekutivgewalt', ihres Beamten- und Militärapparats", A.d.V.) gemeinsame Züge der ganzen neueren Entwicklung der kapitalistischen Staaten überhaupt sind. Frankreich zeigte in den drei Jahren 1848-1851 in rascher, ausgeprägter, konzentrierter Form dieselben Entwicklungsprozesse, die der ganzen kapitalistischen Welt eigen sind. Insbesondere aber weist der Imperialismus, weist die Epoche des Bankkapitals, die Epoche der gigantischen kapitalistischen Monopole, die Epoche des Hinüberwachsens des monopolistischen Kapitalismus in den staatsmonopolistischen Kapitalismus, eine ungewöhnliche Stärkung der ,Staatsmaschinerie' auf, ein unerhörtes Anwachsen ihres Beamten- und Militärapparats in Verbindung mit verstärkten Repressalien gegen das Proletariat sowohl in den monarchistischen als auch in den freiesten, republikanischen Ländern. Die Weltgeschichte führt jetzt zweifellos in ungleich größerem Ausmaß, als das 1852 der Fall war, zur ,Konzentrierung aller Kräfte' der proletarischen Revolution auf die ,Zerstörung' der Staatsmaschinerie."

(Lenin: „Staat und Revolution", 1920, Werke Band 25, S. 423.)

Auf dieser Basis erklärte Lenin 1920 vor der Kommunistischen Internationale:

„In der konkreten Lage, wie sie in der ganzen Welt und vor allem in den fortgeschrittensten, mächtigsten, aufgeklärtesten und freiesten kapitalistischen Ländern durch den Militarismus und den Imperialismus, durch die Niederhaltung der Kolonien und schwachen Länder, durch das imperialistische Weltgemetzel und den ,Frieden' von Versailles geschaffen worden ist, ist jeder Gedanke an eine friedliche Unterordnung der Kapitalisten unter den Willen der Mehrheit der Ausgebeuteten, an einen friedlichen Übergang zum Sozialismus durch Reformen nicht nur ein Beweis extremen spießbürgerlichen Stumpfsinns, sondern auch ein direkter Betrug an den Arbeitern, eine Beschönigung der kapitalistischen Lohnsklaverei, eine Verhehlung der Wahrheit. Diese Wahrheit besteht darin, daß die Bourgeoisie, sei sie noch so aufgeklärt und demokratisch, heute nicht mehr zurückschreckt vor Betrug und Verbrechen, vor der Hinschlachtung von Millionen Arbeitern und Bauern, um das Privateigentum an den Produktionsmitteln zu retten. Nur der gewaltsame Sturz der Bourgeoisie, die Konfiskation ihres Eigentums, die Zerstörung des gesamten bürgerlichenStaatsapparates von unten bis oben, des parlamentarischen, gerichtlichen, militärischen, bürokratischen, administrativen, kommunalen Apparates usw., bis zur völligen Vertreibung oder Internierung der gefährlichsten und hartnäckigsten Ausbeuter, ihre strenge Überwachung zwecks Bekämpfung der unausbleiblichen Versuche, Widerstand zu leisten und die kapitalistische Sklaverei wiedereinzuführen - nur solche Maßnahmen sind geeignet, die tatsächliche Unterwerfung der ganzen Ausbeuterklasse zu gewährleisten."

(Lenin: „Thesen über die Hauptaufgaben des Zweiten Kongresses der Kommunistischen Internationale", 1920, Werke Band 31, S. 174f.)

Diese nachdrücklichen programmatischen Feststellungen Lenins machen klar, daß heute alle kommunistischen Parteien auf einen Weg, den Weg des bewaffneten Kampfes der Volksmassen unter Führung des Proletariats Kurs nehmen müssen.

Wir unterstreichen, daß heute in keinem Land der Welt eine reale Möglichkeit für einen „friedlichen Weg" existiert.

Mao Tse-tung hat treffend erklärt:

„Die Erfahrungen des Klassenkampfes im Zeitalter des Imperialismus lehren uns: Die Arbeiterklasse und die übrigen werktätigen Massen können nur mit der Macht der Gewehre die bewaffneten Bourgeois und Grundherren besiegen; in diesem Sinne können wir sägen, daß die ganze Welt nur mit Hilfe der Gewehre umgestaltet werden kann."[123]

Diese kommunistische Kernthese gegen die Angriffe der modernen Revisionisten und Opportunisten aller Schattierungen zu verteidigen, war und bleibt Aufgabe aller Kommunistinnen und Kommunisten. zurück

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