II. Einige grundsätzliche Lehren des wissenschaftlichen Kommunismus über die Notwendigkeit der gewaltsamen Zerschlagung des alten Staatsapparates und die Vorbereitung des bewaffneten Kampfes der Volksmassen2. Die großen Ideale des Kommunismus lassen keinen Spielraum für bürgerlichen Pazifismus 3. Die gewaltsame Revolution muß offensiv propagiert, vorbereitet und durchgeführt werden a) Der „friedliche Weg" Kautskys b) Der „friedliche Weg" Chruschtschows
1 Der wissenschaftliche Kommunismus über die Notwendigkeit der gewaltsamen Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates
In seinem unübertroffenen Werk „Staat und Revolution" mit dem Untertitel „Die Lehre des Marxismus vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution", das Lenin im August/September 1917, also zwischen der Februarrevolution und der Oktoberrevolution schrieb, erklärt er zunächst im ersten Kapitel, daß der Staat ein Produkt der Unversöhnlichkeit der Klassengegensätze ist. Lenin wertete dazu die gesamten Schriften von Marx und Engels aus und arbeitete als Grunderkenntnis des Marxismus heraus, daß die Hauptwerkzeuge des Staates die Armee und der Polizeiapparat sind. In diesem ersten Kapitel entlarvt er die bürgerliche Demokratie als Form der Herrschaft der Kapitalistenklasse, weist alle Illusionen über die Möglichkeit der Vermeidung der gewaltsamen Revolution zurück und stellt fest: Erstens: „Die Ablösung des bürgerlichen Staates durch den proletarischen ist ohne gewaltsame Revolution unmöglich." (Lenin: „Staat und Revolution, 1917, Werke Band 25, S. 413) Zweitens: Die Befreiung des Proletariats und der unterdrückten Klassen ist „unmöglich (...) nicht nur ohne gewaltsame Revolution, sondern auch ohne Vernichtung des von der herrschenden Klasse geschaffenen Apparats der Staatsgewalt." (Ebenda, S. 400.) Die von Marx schon aufgrund der Erfahrungen der Revolution von 1848 erarbeitete und durch die Pariser Kommune 1871 glänzend bestätigte grundlegende Erkenntnis, daß die Arbeiterklasse die bestehende Staatsmaschine zerschlagen, zerbrechen muß, weil sie das Proletariat weder einfach übernehmen noch sich an ihr vorbei in den Sozialismus sozusagen „hineinschwindeln" kann, das ist — wie Lenin herausstellt „die Hauptlehre des Marxismus von den Aufgaben des Proletariats in der Revolution gegenüber dem Staat". (Ebenda, S. 428) Allein schon die Begriffe „zerschlagen", „zerbrechen", „zerstören" des alten Staatsapparats, der alten Staatsmaschine durch die Revolution, enthalten in sich bereits den Begriff der Gewalt und der Gewaltanwendung und wären ohne das offenbar inhaltslos. Die unmittelbare praktische Konsequenz dieser Lehren besteht in der allseitigen Vorbereitung des Bürgerkriegs in den kapitalistischen Ländernund des revolutionären Befreiungskrieges in den vom Imperialismus abhängigenLändern, in der Erziehung der Massen zum bewaffneten Kampfund zur bewaffneten Machtergreifung und der allseitigen Vorbereitung derKommunistischen Partei selbst, um die Erziehung und Organisierung derMassen für die Erfüllung dieser Aufgaben wirklich meistern zu können. Ausgehend von diesen grundlegenden Leitsätzen in „Staat und Revolution" und unter Hinzuziehung späterer Schriften Lenins (insbesondere seiner Schrift „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky") und Stalins wollen wir im folgenden drei Aspekte der gewaltsamen Revolution besonders behandeln, die im Kampf gegen den Revisionismus und bei der Kritik unzulänglicher und falscher Positionen der KP Chinas von besonderer Bedeutung sind. Wie vereinbart sich der Wunsch der Kommunisten, in einer Welt ohne Krieg zu leben, mit der aktiven Vorbereitung des revolutionären Krieges? Die herrschende Klasse beginnt, im Allgemeinen gesehen, stets mit der Gewaltanwendung gegen die unterdrückte Klasse. Das Proletariat darf aber dennoch nicht in erster Linie defensiv, sondern muß vor allem offensiv den revolutionären Krieg vorbereiten und durchführen. Der „friedlich-demokratische" Weg Kautskys und der „gewaltsamdiktatorische Weg" Lenins sind nicht zwei Möglichkeiten, sondern ein unvereinbarer Gegensatz. zurück
2. Die großen Ideale des Kommunismus lassenkeinen Spielraum für bürgerlichen Pazifismus
Die Revisionisten aller Zeiten und aller Länder stellen und stellten den Marxisten stets demagogisch die Frage: Haltet ihr die friedliche Machtergreifung nicht für wünschenswert, würdet ihr sie nicht dem Bürgerkrieg, der viele Tote und Opfer fordert, vorziehen? Sollte man daher nicht erst mal Kurs auf einen „friedlichen Weg" nehmen?[104] Schon zu Beginn seiner Tätigkeit in Rußland stieß Lenin in Gestalt der Redakteure des „Rabotschaja Mysl" 1899 auf diese demagogische Fragestellung. Er antwortete darauf: „Die Arbeiterklasse würde es natürlich vorziehen, die Macht friedlich zu übernehmen (...), wollte das Proletariat auf die revolutionäre Machtergreifung verzichten, so wäre das sowohl vom theoretischen als auch vom praktisch-politischen Standpunkt aus eine Torheit und würde lediglich eine schändliche Konzession an die Bourgeoisie und alle herrschenden Klassen bedeuten." (Lenin: „Eine rückläufige Richtung in der russischen Sozialdemokratie", 1899, Werke Band 4, S. 270; Hervorhebungen im Original.) Mit diesen Worten, die Lenin schon vor der Jahrhundertwende, lange vor dem Erscheinen von „Staat und Revolution" schrieb und in der naturgemäß die allgemeinen Grundzüge der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution für diese Fragestellung noch nicht berücksichtigt werden konnten, weist Lenin bereits klar auf den Unterschied zwischenWunsch und Wirklichkeit hin. Lenin zeigte, daß die Reformisten die primitive Gleichung aufstellen: „Wünschenswert ist der Kampf, der möglich ist, und möglich ist der, den die Arbeiter ‚im gegebenen Augenblick' führen". Lenin geißelte diese Darstellung als krassen Opportunismus: „Es fällt schwer, in schärferer Form dem sinnlosen und prinzipienlosen Opportunismus Ausdruck zu geben." (Ebenda, S. 268.) Es liegt auf der Hand, daß die Opportunisten mit der Phrase vom „wünschenswerten Kampf dem im ganz allgemeinen Sinne durchaus verständlichen Wunsch nach einer Machtübernahme des Proletariats auf friedlichem Weg, also ohne Opfer der Arbeiterklasse, dazu mißbrauchen wollen, bürgerlichen Pazifismus zu propagieren. Was angenehm wäre, ist eines - die Notwendigkeiten und Erfordernisse der Wirklichkeit sind etwas anderes. Nur in diesem Sinne und mit dieser Betonung sprach Lenin davon, daß das Proletariat einen „friedlichen Weg" natürlich „vorziehen" würde und hob an anderer Stelle hervor, daß „Gewalt gegen Menschen nicht unserem Ideal entspricht." (Lenin: „Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den imperialistischen Ökonomismus'",1916, Werke Band 23, S. 64.) Die Verhältnisse, welche die Revolutionäre vorfinden und denen sie inihrem Kampf Rechnung tragen müssen, unterscheiden sich natürlich vonden welthistorischen Zielen und Idealen des Kommunismus. Zwangsläufigergibt sich daraus auch der Unterschied zwischen diesen Idealen einerseitsund den notwendigen Aufgaben und Formen des politischen Kampfes aufdem Weg dorthin andererseits. Auf die heuchlerischen Vorhaltungen der Bourgeoisie selbst oder ihrer Handlanger, der Opportunisten: Kommunismus, das heißt doch Abschaffung von Krieg, Unterdrückung und Gewalt gegen Menschen - wie könnt ihr also selbst zu solchen Mitteln greifen?[105] antworten die Kommunisten daher: Ja, wir sind für den Kommunismus, für eine Welt ohne Staat, ohne Kriege, ohne Waffen, Unterdrückung und Gewalt. Aber es entspricht voll und ganz unserer Weltanschauung des dialektischen Materialismus, daß, um den konterrevolutionären Krieg abzuschaffen, zunächst der revolutionäre Krieg geführt und zum Sieg gebracht werden muß. Und um die Gewehre abzuschaffen, muß man zum Gewehr greifen. Um die Unterdrückung abzuschaffen, müssen die Ausbeuterklassen unterdrückt werden. Um den Staat abzuschaffen und die Gewalt zu beseitigen, brauchen wir auf lange Sicht die starke Diktatur des Proletariats, die sich auf die Gewalt des bewaffneten Proletariats stützt. Das sind keine Anachronismen. Wir kämpfen dafür, daß unser Wunsch Wirklichkeit wird, aber natürlich nicht unabhängig von den gegebenen Bedingungen, sondern ihren Notwendigkeiten gemäß durch die Revolution, die allein den Weg zum Kommunismus freilegen kann. Soweit ist auch klar, warum Lenin gerade im selben Satz, in dem er darauf hinweist, daß „Gewalt gegen Menschen nicht unserem Ideal entspricht" fordert, daß das Programm der internationalen kommunistischen Bewegung „einzig die Anerkennung" des Bürgerkriegs sein kann.[106] Aus den selben Gründen ist auch verständlich, warum Marx, Engels, Lenin und Stalin die Erziehung des Proletariats nicht auf die Erkenntnis der Ideale des Kommunismus - eine solche Erziehung ist unerläßlich - beschränkten, sondern das Proletariat, das noch in der Welt des Kapitalismus lebt, gleichzeitig zur Erkenntnis der befreienden Rolle der revolutionären Gewalt im allgemeinen und des bewaffneten Kampfes im besonderen erzogen. Die nachfolgend zitierten Feststellungen der großen Lehrmeister des wissenschaftlichen Kommunismus sind ein Faustschlag ins Gesicht all jener Pseudomarxisten, die mit zusammengebissenen Zähnen etwas davon stammeln, daß das Proletariat „nur wenn es gezwungen wird" - „notfalls" - zur Gewalt greifen werde. Hinter solchen opportunistischen Tiraden steckt im Grunde die Auffassung: „Krieg ist Krieg", „Gewalt ist Gewalt". Der fundamentale Unterschied zwischen einem revolutionären Befreiungskrieg und seinen Auswirkungen auf die Kämpferinnen und Kämpfer dieses Krieges einerseits und einem imperialistischen Raub- und Unterdrückungskrieg, einem konterrevolutionären Krieg und seinen Auswirkungen auf die Soldaten dieses Krieges andererseits, der grundlegende Unterschied zwischen revolutionärer und konterrevolutionärer Gewalt, wird damit völlig vertuscht, während Kommunistinnen und Kommunisten gerade darauf besondere Betonung legen. Stalin rief in „Über die Grundlagen des Leninismus" die revolutionäre Herangehensweise von Karl Marx an diese Frage ins Gedächtnis: „,Ihr habt', sagte Marx den Arbeitern, ,15, 20, 50 Jahre Bürgerkriege und Völkerkampfe durchzumachen, nicht nur um die Verhältnisse zu ändern, sondern um euch selbst zu ändern und zur politischen Herrschaft zu befähigen'" (Stalin: „Grundlagen des Leninismus", 1924, Werke Band 6, S. 99; siehe auch: KarlMarx, „Enthüllungen über den Kommunistenprozeß zu Köln", 1853, Marx/EngelsWerke Band 8, S. 412.) In der „Deutschen Ideologie" schrieben Marx und Engels, daß „...sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen Bewußtseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann; daß also die Revolution nicht nur nötig ist, weil die herrschende Klasse auf keine andere Weise gestürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden." (Marx/Engels: „Die deutsche Ideologie", 1845-1846, Marx/Engels Werke Band 3, S. 70.) Erst durch die Anwendung revolutionärer Gewalt gegen seine Peiniger wird sich das Proletariat den „Dreck" der Illusionen, aber auch der Bedientenhaftigkeit, des Abgestumpftseins und der Demütigung „vom Hals schaffen". Engels entlarvt mit pointierter Ironie alle „Jammerprediger" vom Schlage eines Herrn Dühring: „Für Herrn Dühring ist die Gewalt das absolut Böse, der erste Gewaltsakt ist ihm der Sündenfall, seine ganze Darstellung ist eine Jammerpredigt über die hiermit vollzogene Ansteckung der ganzen bisherigen Geschichte mit der Erbsünde, über die schmähliche Fälschung aller natürlichen und gesellschaftlichen Gesetze durch diese Teufeismacht, die Gewalt. Daß die Gewalt aber noch eine andre Rolle in der Geschichte spielt, eine revolutionäre Rolle, daß sie, in Marx' Worten, die Geburtshelferin jeder alten Gesellschaft ist, die mit einer neuen schwanger geht, daß sie das Werkzeug ist, womit sich die gesellschaftliche Bewegung durchsetzt und erstarrte, abgestorbne politische Formen zerbricht — davon kein Wort bei Herrn Dühring. Nur unter Seufzen und Stöhnen gibt er die Möglichkeit zu, daß zum Sturz der Ausbeutungswirtschaft vielleicht Gewalt nötig sein werde — leider! denn jede Gewaltsanwendung demoralisiere den, der sie anwendet. Und das angesichts des hohen moralischen und geistigen Aufschwungs, der die Folge jeder siegreichen Revolution war! Und das in Deutschland, wo ein gewaltsamer Zusammenstoß, der dem Volk ja aufgenötigt werden kann, wenigstens den Vorteil hätte, die aus der Erniedrigung des Dreißigjährigen Kriegs in das nationale Bewußtsein gedrungne Bedientenhaftigkeit auszutilgen. Und diese matte, saft- und kraftlose Predigerdenkweise macht den Anspruch, sich der revolutionärsten Partei aufzudrängen, die die Geschichte kennt?" (Engels: „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft", 1878, Marx/Engels Werke Band 20, S. 171.) Lenin erklärte zu diesen Worten von Engels: „Die Lobrede, die Engels auf die gewaltsame Revolution hält und die den vielfachen Erklärungen von Marx durchaus entspricht (...)- diese Lobrede ist durchaus keine ‚Schwärmerei', durchaus keine Deklamation, kein polemischer Ausfall. Die Notwendigkeit, die Massen systematisch in diesen, gerade in diesen Auffassungen über die gewaltsame Revolution zu erziehen, liegt der gesamten Lehre von Marx und Engels zugrunde." (Lenin: „Staat und Revolution", 1918, Werke Band 25, S. 412. Hervorhebungen im Original.) Lenin unterstrich: „Der Bürgerkrieg ist die schärfste Form des Klassenkampfes, und je schärfer dieser Kampf ist, desto schneller verbrennen in seinem Feuer alle kleinbürgerlichen Illusionen und Vorurteile..." (Lenin: „Thesen zum Referat auf dem III. Kongreß der Kommunistischen Internationale über die Taktik der KPR (Ursprünglicher Entwurf)", 1921, Werke Band 32, S. 479.) Und weiter sagt er an anderer Stelle: „Und die Schule des Bürgerkriegs macht das Volk nicht umsonst durch. Es ist eine harte Schule (...); diese Schule lehrt die unterdrückten Klassen, den Bürgerkrieg zu führen und in der Revolution zu siegen. Sie speichert in den Massen der modernen Sklaven jenen Haß auf, den die verschüchterten, stumpfen und unwissenden Sklaven ewig hegen und der die Sklaven, die sich der Schmach ihres Sklaventums bewußt geworden sind, zu den größten geschichtlichen Heldentaten führt." (Lenin: „Zündstoff in der Weltpolitik", 1908, Werke Band 15, S. 177) Diese leidenschaftlichen Bekenntnisse Lenins zur gewaltigen erzieherischen Bedeutung der Schule des Bürgerkrieges und der Anwendung revolutionärer Gewalt, mit Hilfe derer sich das Proletariat seine Emanzipation erkämpft und sich überhaupt befähigt, seine Herrschaft auszuüben, stellen alle Lamentos der Opportunisten über die möglicherweise oder „notfalls" vielleicht doch nicht vermeidbare Anwendung revolutionärer Gewalt gründlich bloß. Natürlich wird der Bürgerkrieg, der revolutionäre Befreiungskrieg, der Arbeiterklasse und dem Volk Opfer kosten. Lenin wies jedoch nach, daß alle Versuche, über diese unbestreitbare Tatsache zu lamentieren, Lakaiendienste für die Konterrevolution darstellen: „Über den Bürgerkrieg gegen die Ausbeuter jammern, ihn verurteilen, fürchten - das heißt faktisch zum Reaktionär werden. Das heißt den Sieg der Arbeiter fürchten, der vielleicht Zehntausende von Opfern kosten wird, und mit Sicherheit ein neues imperialistisches Gemetzel zulassen, ein Gemetzel, das gestern Millionen Opfer gefordert hat und morgen wieder Millionen Opfer fordern wird." (Lenin: „Entwurf (oder Thesen) für eine Antwort der KPR auf das Schreiben der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", 1920, Werke Band 30, S. 332.) Lenin folgerte aus all diesen Erkenntnissen nicht nur die Unabdingbarkeit einer Erziehung des Proletariats und der werktätigen Massen in der Theorie der gewaltsamen Revolution, sondern auch die Notwendigkeit ihrer praktischen Erziehung zur Bereitschaft, revolutionäre Gewalt auszuüben und schließlich den bewaffneten Kampf durchzuführen.[107] Über diese Frage schrieb er: Wir haben „uns mit der prinzipiellen Anerkennung der Gewaltanwendung und der Propagierung des bewaffneten Aufstandes nicht begnügt, wir unterstützten z. B. vier Jahre vor der Revolution die Anwendung der Gewalt der Masse gegen ihre Unterdrücker, besonders bei den Straßendemonstrationen. Wir bemühten uns, daß sich das ganze Land die Praxis einer jeden solchen Demonstration zu eigen machte. Wir trachteten immer mehr auf Organisierung eines ausdauernden und systematischen Widerstandes der Massen gegenüber der Polizei und dem Militär..." (Lenin: „Rede auf dem Parteitag der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz", 1916, Werke Band 23, S. 121.) Lenins Eintreten für die revolutionäre Gewalt beschränkte sich selbstverständlich nicht auf das Eintreten für Fausthiebe und Steinwürfe. Er hatte eine tiefere Vorstellung von der These Marx', daß die „Waffe der Kritik" die „Kritik der Waffen nicht ersetzen kann". Er forderte in Theorie und Praxis je nach den Möglichkeiten die Bewaffnung des Proletariats. Zu dieser Frage schrieb er prinzipiell: „Eine unterdrückte Klasse, die nicht danach strebt, Waffenkenntnis zu gewinnen, in Waffen geübt zu werden, Waffen zu besitzen, eine solche unterdrückte Klasse ist nur wert, unterdrückt, mißhandelt und als Sklave behandelt zu werden." (Lenin: „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution", 1916, Werke Band 23, S. 75.) Alle diese Auffassungen der Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus lassen unserer Meinung nach keinerlei Raum dafür, aus „taktischen Gründen" irgendwelche Abstriche bei der Erziehung des Proletariats im Geist der gewaltsamen Revolution und des bewaffneten Kampfes zu machen, oder aus „taktischen Gründen" den Massen gegenüber von zwei möglichen Wegen, friedlich und nichtfriedlich, zu sprechen, wenn real nur der Weg des bewaffneten Kampfes offensteht. Stalin stellte klar, daß es der Methode des Leninismus, der Methode der Einheit von Theorie und Praxis, der ganzen Haltung der Kommunisten zur Erziehung der Massen widerspricht, wenn man den Massen nicht die ganze Wahrheit sagt. Stalin wendet sich ausdrücklich gegen jegliche Losungen, „die in Wirklichkeit jeder Grundlage entbehren, an die die Partei selbst nicht glaubt, die die Partei aber dennoch herausgibt, um die Massen zu täuschen. So können Sozialrevolutionäre, Menschewiki, bürgerliche Demokraten handeln, da der Widerspruch zwischen Wort und Tat und der Betrug an den Massen zu den wichtigsten Mitteln gehören, deren sich diese sterbenden Parteien bedienen. So aber kann unsere Partei die Frage niemals und unter gar keinen Umständen stellen, denn sie ist eine marxistische Partei, eine leninistische Partei, eine aufsteigende Partei, die ihre Kraft daraus schöpft, daß bei ihr Worte und Taten nicht in Widerspruch zueinander stehen, daß sie die Massen nicht täuscht, den Massen nur die Wahrheit sagt und ihre Politik nicht auf Demagogie aufbaut, sondern auf der wissenschaftlichen Analyse der Klassenkräfte." (Stalin: „Zur Frage der Arbeiter- und Bauernregierung - Antwort an Dmitrijew", 1927, Werke Band 9, S. 155.) Dem Proletariat, den werktätigen Massen die Wahrheit sagen, auch wenn die Bourgeoisie das zu Hetzkampagnen benutzt, die Massen in Theorie und Praxis zur gewaltsamen Revolution erziehen und sich durch keinerlei Drohungen und Augenblicksinteressen davon abbringen zu lassen – das ist die kommunistische Linie, die Linie von Marx, Engels, Lenin und Stalin. In dieser Frage ist nach wie vor der letzte Absatz des „Manifests der Kommunistischen Partei" von 1848 unverzichtbarer Programmpunkt: „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren, als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" (Marx/Engels: „Manifest der Kommunistischen Partei". 1847-1848, Marx/Engels Werke Band 4, S. 493.) zurück
3. Die gewaltsame Revolution muß offensiv propagiert, vorbereitet und durchgeführt werden
Lenin erklärte: „Große Fragen werden im Leben der Völker nur durch Gewalt entschieden. Die reaktionären Klassen greifen gewöhnlich als erste zur Gewalt, beginnen den Bürgerkrieg und setzen die Bajonette auf die Tagesordnung..." (Lenin: „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution", 1905, Werke Band 9, S. 123) Die Apologeten der „zwei Möglichkeiten", der „friedlichen" und der „nichtfriedlichen" Entwicklung der Revolution, zitieren des öfteren diese Worte Lenins. Auch eine andere Feststellung Lenins gehört sozusagen zu den Lieblingszitaten der Revisionisten: „Um aber diese Ausbeutung zu beseitigen, wird es nicht ohne Krieg abgehen, und den Krieg beginnen stets und allerorts die ausbeutenden, herrschenden und unterdrückenden Klassen selber." (Lenin: „Revolutionäre Armee und revolutionäre Regierung", 1905, Werke Band 8, S. 568.) Die modernen Revisionisten versuchen mit Hilfe dieser Zitate, die wir genauer untersuchen müssen, ein völlig defensives Schema zu begründen, das die Initiative ganz den herrschenden Klassen überläßt. Sie argumentieren etwa so: Wir erobern erstens friedlich die politische Macht, dann wird möglicherweise zweitens die Bourgeoisie den Bürgerkrieg gegen das Volk beginnen und dann wird drittens, falls die Bourgeoisie dies tatsächlich getan hat, das Volk ebenfalls zur Gewalt, zu nichtfriedlichen Mitteln greifen. Dieses revisionistische Schema formuliert das 1960 in Moskau erschienene Lehrbuch „Grundlagen des Marxismus-Leninismus" so: „Es ist nicht ausgeschlossen, daß die herrschenden reaktionären Klassen dort, wo die Koalition der demokratischen Parteien bei den Wahlen die Mehrheit erhält, sich nicht dem Willen der Nation zu beugen gewillt sind und mit Gewalt versuchen werden, die linken Parteien an der Machtübernahme zu hindern. Dann werden die demokratischen Parteien ebenfalls gezwungen sein, auf die Herausforderung der Reaktion mit Gewalt zu antworten. Der friedliche Ablauf der Revolution wird einem nichtfriedlichen Platz machen."[108] Sind diese Gedanken der Revisionisten mit den eingangs zitierten Stellen Lenins in Einklang zu bringen? Wir antworten entschieden mit „Nein"! Zunächst zeigt ein genaueres Studium, daß bereits Karl Marx im „Manifest der Kommunistischen Partei" den Bürgerkrieg nicht als einmaligen Akt beschrieb, sondern als einen länger währenden Prozeß des Klassenkampfes mit versteckten und offenen Formen. Gerade in diesem Sinne erklärte Lenin, daß der bewaffnete Aufstand des Proletariats selbstverständlich nicht „aus dem Stand" erfolgen kann, sondern umfassende Massenkämpfe der Arbeiterklasse vorangegangen sein müssen. Im Verlauf dieser Kämpfe vor dem Ausbruch der Revolution beginnt die herrschende Klasse in der Tat durch Internierungen, Verhaftungen, Einkerkerungen und Erschießungen, also durch den massiven Einsatz ihres Staatsapparats, den Bürgerkrieg. Es beginnt schon damit, daß Lenin feststellte, daß die herrschenden Klassen, wenn ihre Herrschaft ernstlich bedroht ist, „stets und allerorts" zur Gewalt greifen, „die Bajonette auf die Tagesordnung setzen", während die modernen Revisionisten das als bloße Möglichkeit, als „nicht ausgeschlossen" darstellen. Doch das ist gar nicht das Wichtigste. Diesen Gedanken erläuternd stellte Lenin auf den revisionistischen Einwand hin, man könne doch nicht offensiv den Aufstand planen, sondern müsse warten, bis die herrschende Klasse den „Bürgerkrieg" in großem Umfang begonnen habe, klar: „Blickt um euch, schaut aus dem Studierzimmer auf die Straße, um auf diese Fragen zu antworten. Hat die Regierung mit der Massenerschießung von friedlichen und unbewaffneten Bürgern etwa nicht selbst und überall den Bürgerkrieg begonnen?" (Lenin: „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution", 1905, Werke Band 9, S. 60.) Die für die Revisionisten kennzeichnende Haltung besteht darin, vor dem reaktionären Argument zurückzuweichen und es selbst zu übernehmen, daß der „Angreifer immer im Unrecht" sei. Lenin antwortete auf diesen revisionistischen Kernsatz, der bereits vor der Revolution von 1905 vorgebracht wurde[109], nicht nur durch seine Feststellung, daß im weiteren Sinne des Wortes die herrschende Klasse den Bürgerkrieg ohnehin bereits begonnen habe. Lenin stellte vor allem klar: „...ein revolutionärer Proletarier (...) argumentiert anders: Der Charakter eines Krieges (ob es ein reaktionärer oder ein revolutionärer Krieg ist) hängt nicht davon ab, wer der Angreifer ist (...), sondern davon, welche Klasse den Krieg führt, welche Politik durch diesen Krieg fortgesetzt wird." (Lenin: „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky", 1918, Werke Band 28, S. 287. Hervorhebungen im Original.) Die Notwendigkeit, daß das Proletariat offensiv an die Fragen der Revolution herangeht, hat sowohl eine prinzipielle als auch eine taktischmilitärische Begründung: 1. Der revolutionäre Kampf des Proletariats ist nicht bloße Selbstverteidigung, kein bloßes Zurückschlagen, der revolutionäre Kampf des Proletariats ist vor allem Angriff, ist der Kampf, „um die Welt zu gewinnen". Das Proletariat defensiv zu orientieren, heißt in Wirklichkeit, zum bourgeoisen Anwalt begrenzter „Arbeiterinteressen" herabzusinken und in einer revolutionären Situation objektiv auf die Seite der Konterrevolution überzuwechseln. Lenin forderte eindringlich: „Die großen Fragen der politischen Freiheit und des Klassenkampfes werden letzten Endes nur durch Gewalt entschieden und wir müssen für die Vorbereitung, für die Organisierung dieser Gewalt und für ihre aktive nicht nur defensive, sondern auch offensive Anwendung Sorge tragen." (Lenin: „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution", 1905, Werke Band 9, S. 16.) Die Ereignisse in Indonesien und in Chile[110] sind nicht einfach nur Beispiele für die Unmöglichkeit des revisionistischen „friedlichen Wegs", sondern sie zeigen auch, daß die offensive Vorbereitung des bewaffneten Kampfes, die unbedingte Orientierung der Massen auf die gewaltsame Revolution auf jeden Fall und in jeder Hinsicht notwendig ist und jede Abweichung hiervon mit ungeheuren Blutopfern bezahlt wird. 2. Ein richtiges Verständnis dieser Frage ist in Ländern ganz besonders lebenswichtig, in denen das Proletariat den konkreten Weg der Errichtung der Diktatur des Proletariats wie in der Oktoberrevolution, den Weg des bewaffneten Aufstands gehen muß, wobei sogar die richtige Festlegung des Zeitpunkts des Aufstands auf den Tag genau für den Sieg ausschlaggebend sein kann. (In all jenen Ländern, in denen die herrschenden Kompradoren und Feudalherrencliquen, die seit Jahr und Tag die unterdrückte Bevölkerung mit Massenhinrichtungen und faschistischem Terror unterdrücken und in denen ein langandauernder Volkskrieg notwendig ist, stellt sich im militärischen Sinne sowieso die Frage der Defensive oder Offensive der Revolution anders.) Was die unmittelbare Festsetzung des Zeitpunkts des Aufstandes angeht, so warten die Leninisten natürlich nicht, bis die Bourgeoisie ihnen den Kopf abschlägt, um danach erst „auf die Herausforderung der Reaktion mit Gewalt zu antworten" (wie die Chruschtschow-Revisionisten fordern). Der Weg der Leninisten ist es vielmehr, den überfallartigen Unternehmungen der herrschenden Klasse, der Konzentration ihrer Truppen usw. zuvorzukommen, den Aufstand anzusetzen und offensiv zum Sieg zu führen, Lenin zitierte oftmals den berühmten Ausspruch Engels: „Hat man einmal den Weg des Aufstands beschritten, so handle man mit der größten Entschlossenheit und ergreife die Offensive. Die Defensive ist der Tod jedes bewaffneten Aufstands; er ist verloren, noch bevor er sich mit dem Feinde gemessen hat." (Engels: „Revolution und Konterrevolution in Deutschland", 1851-1852, Marx/Engels Werke Band 8, S. 95.) Es liegt auf der Hand, was unter solchen hier von Engels klargestellten Umständen die revisionistischen Spekulationen vom „friedlichen und nichtfriedlichen Weg", die revisionistische Propaganda von der Orientierung zunächst auf den „friedlichen Weg" bedeutet (ob sie nun die Phrase anhängen, sich „notfalls" mit Gewalt zu verteidigen, oder nicht). Ein solcher Weg des Abwartens, der Defensive, welcher die Initiative der Reaktion überläßt, führt unvermeidlich zu furchtbarsten Opfern und Rückschlägen, zu einer katastrophalen Niederlage der Sache des Proletariats. zurück
4. Die Theorie Chruschtschows vom „friedlichgewaltlosen" Weg enthält tiefgehende Angriffe auf den dialektischen und historischen Materialismus und die Lehre von der Diktatur des Proletariats
Um den ganzen Umfang des Angriffs der modernen Revisionisten erkennen zu können, müssen die Kommunistinnen und Kommunisten sich in jeder Hinsicht die Bedeutung des Prinzips der gewaltsamen Revolution klarmachen. Der „friedlich-gewaltlose" Weg - das war ein fundamentaler Angriff auf die Grundprinzipien des dialektischen und historischen Materialismus und die Hauptschlußfolgerungen der kommunistischen politischen Ökonomie, ein fundamentaler Angriff auf den Grundgedanken der unbedingten Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats, der gewaltsamen Unterdrückung und Vernichtung aller Ausbeuterklassen, der konsequenten Durchführung des Klassenkampfs bis zum Sieg des Kommunismus. Stalin erklärte, daß die Kommunistinnen und Kommunisten, die Gesetzmäßigkeiten des dialektischen Materialismus streng beachtend und ihnen entsprechend, die Entwicklung als „Kampf der Gegensätze" begreifen müssen. Er schrieb „daß der Kampf dieser Gegensätze (...) den inneren Gehalt des Entwicklungsprozesses, den inneren Gehalt des Umschlagens quantitativer Veränderungen in qualitative bildet. Darum ergibt sich aus der dialektischen Methode, daß der Prozeß der Entwicklung von Niederem zu Höherem nicht in Form einer harmonischen Entfaltung der Erscheinungen verläuft, sondern in Form eines Hervorbrechens der Widersprüche, die den Dingen und Erscheinungen eigen sind, in Form eines ,Kampfes' gegensätzlicher Tendenzen, die auf der Grundlage dieser Widersprüche wirksam sind." (Stalin: „Über dialektischen und historischen Materialismus", 1938, in: „Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang", S. 136.) Die Propaganda des „friedlichen Weges" der Chruschtschow-Revisionisten besteht im schroffen Gegensatz dazu darin, die „gesellschaftlichen Antagonismen, welche aus den Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion entspringen", (Marx: „Das Kapital", Bd. l, 1867, Marx/Engels Werke Band 23, S. 12.) zu vertuschen, zu leugnen oder zu verniedlichen, um ihren „harmonischen Weg" zum Sozialismus, ihren „friedlich-gewaltlosen Weg" begründen zu können. Stalin erklärte dagegen: „Dadurch, daß der Kapitalismus die Produktion erweitert und Millionen Arbeiter in gewaltigen Fabriken und Werken zusammenballt, verleiht er dem Produktionsprozeß gesellschaftlichen Charakter, wodurch er seine eigene Basis untergräbt, da der gesellschaftliche Charakter des Produktionsprozesses gesellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln erfordert, während das Eigentum an den Produktionsmitteln privatkapitalistisch bleibt, was mit dem gesellschaftlichen Charakter des Produktionsprozesses unvereinbar ist. (...) Dies bedeutet, daß der Kapitalismus mit der Revolution schwanger geht, die berufen ist, das gegenwärtige kapitalistische Eigentum an den Produktionsmitteln durch das sozialistische Eigentum zu ersetzen." (Stalin: „Über dialektischen und historischen Materialismus", 1938, in: „Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang", S. 158f.) Gerade aus diesem Antagonismus erklärt sich, daß für die kapitalistische Gesellschaft der Leitsatz des historischen Materialismus gilt: „Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht." (Marx: „Das Kapital", Bd. l, 1867, Marx/Engels Werke Band 23, S. 779.) Stalin weist auf den unlösbaren Zusammenhang zwischen den Erkenntnissen des dialektischen Materialismus und der Notwendigkeit der Revolution hin. Er betont, daß der „Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und die Befreiung der Arbeiterklasse vom kapitalistischen Joch nicht auf dem Wege langsamer Veränderungen, nicht auf dem Wege von Reformen, sondern einzig und allein auf dem Wege qualitativer Veränderung der kapitalistischen Ordnung, auf dem Wege der Revolution verwirklicht werden kann." (Stalin: „Über dialektischen und historischen Materialismus", 1938, in: „Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang", S. 138f.) Die grundlegende Erkenntnis des historischen Materialismus, daß die Geschichte seit Ende der Urgesellschaft eine Geschichte von Klassenkämpfen ist, beruht eben auf der Erkenntnis der Gesetzmäßigkeit, daß notwendige qualitative Änderungen durch das Hervorbrechen der Widersprüche und den Kampf der Gegensätze erfolgen: „Wenn die Entwicklung in Form des Hervorbrechens der inneren Widersprüche, in Form von Zusammenstößen gegensätzlicher Kräfte auf der Basis dieser Widersprüche verläuft mit dem Ziel, diese Widersprüche zu überwinden, so ist es klar, daß der Klassenkampf des Proletariats eine völlig natürliche und unvermeidliche Erscheinung ist. (...) Um also in der Politik nicht fehlzugehen, muß man eine unversöhnliche proletarische Klassenpolitik und nicht eine reformistische Politik der Interessenharmonie zwischen Proletariat und Bourgeoisie, nicht eine Paktiererpolitik des ‚Hineinwachsens' des Kapitalismus in den Sozialismus durchführen." (Ebenda, S. 139.) Es ist klar, daß die Chruschtschow-Revisionisten von ihrer ganzen Ideologie und ihrem ganzen Programm her diesen Zusammenhang verleugnen. Hinter dem angeblich durch „neue Bedingungen" möglich gewordenen „friedlich-gewaltlosen Weg" ä la Chruschtschow steht im Grunde auch der Versuch, die Prinzipien des dialektischen Materialismus zu leugnen, die besagen, daß die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft nur durch einen qualitativen Sprung, durch den unversöhnlichen Kampf der gegensätzlichen Klassen, also nur durch die gewaltsame Revolution, durch die Errichtung der Diktatur des Proletariats gelöst werden können. Dabei ist die Machtergreifung des Proletariats, die Errichtung der Diktatur des Proletariats, bekanntlich nicht das Ende, sondern der erste Akt der siegreichen gewaltsamen Revolution, die unter der Diktatur des Proletariats fortgesetzt werden muß. Die Revisionisten, die ihren „friedlichen Weg" als Alternative zur gewaltsamen Machtergreifung des Proletariats propagieren, müssen notwendigerweise nicht nur während dieses Prozesses, sondern auch danach gegen die Gewaltanwendung des Proletariats sein. Lenin erklärte das Merkmal der Gewalt zur unerläßlichen (wenn auch nicht einzigen) Bedingung der Diktatur des Proletariats: „Notwendiges Merkmal, unerläßliche Bedingung der Diktatur ist die gewaltsame Niederhaltung der Ausbeuter als Klasse." (Lenin: „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky". 1918, Werke Band 28, S. 255.) Für die Kommunistinnen und Kommunisten ist die Eroberung der politischen Macht und ihre Behauptung nicht etwas, das man mechanisch voneinander trennen könnte, sondern zwei Schritte auf demselben Weg, die innerlich miteinander verbunden sind. Ohne Gewalt die politische Macht erobern zu wollen, heißt auch, sie ohne Gewalt behaupten zu wollen. Diktatur des Proletariats heißt eben Diktatur, weil sie auf jeden Fall mit revolutionärer Gewalt, mit Androhung von Waffengewalt, mit Androhung von Krieg gegen die Gewalt der Konterrevolution verbunden ist. Die Diktatur des Proletariats ist deshalb notwendig, weil die zwar niedergeschlagene, aber noch nicht vernichtete Bourgeoisie nicht freiwillig auf ihr Ausbeuterparadies verzichtet, auch und gerade wenn sie über keinen bewaffneten Gewaltapparat mehr verfügt. Nur durch die Anwendung revolutionärer Gewalt - auch nach der Zerschlagung des reaktionären Staatsapparates - durch die Diktatur des Proletariats, durch den sich immer weiter verschärfenden, auch gewaltsam geführten Klassenkampf kann die Bourgeoisie niedergehalten, kann verhindert werden, daß ihre Versuche zur Wiedereroberung ihres verlorenen „Paradieses" erfolgreich sind, kann schließlich die Bourgeoisie als Klasse vernichtet werden. Nur auf diesem revolutionären Weg kann der Sozialismus und Kommunismus errichtet werden. Die revisionistische Propaganda vom „friedlichen, gewaltlosen Weg" enthält also auch die Ablehnung der Gewalt nach dem Sieg des Proletariats, die Ablehnung der Diktatur des Proletariats. Auf diesen Zusammenhang eingehend schrieb Lenin: „Die revolutionäre Diktatur des Proletariats ist eine Macht, die erobert wurde und aufrechterhalten wird durch die Gewalt des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie, eine Macht, die an keine Gesetze gebunden[111] ist." (Ebenda, S. 234.) Mit dieser Definition Lenins vor Augen wird klar, daß sämtliche Versuche der modernen Revisionisten verschiedenster Schattierungen, die gesellschaftlichen Antagonismen mit „nicht-antagonistischen Methoden" lösen zu wollen, den Klassenkampf des Proletariats zu beschränken statt zur vollen Entfaltung zu bringen — eben die Gewaltanwendung zur Zerschlagung der alten Gesellschaftsordnung zu verleugnen, den Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus sozusagen harmonisch zu gestalten -, fundamental dem wissenschaftlichen Kommunismus und seiner Grundidee der Diktatur des Proletariats widersprechen. Als hätte Lenin die verschiedenen demagogischen Manöver der Chruschtschow-Revisionisten über „mannigfaltige Formen" des Übergangs und ihre Phrasen über die „Berücksichtigung der konkreten historischen Bedingungen" und die „nationalen Besonderheiten" vorhergesehen, erklärte er in seinem grundlegenden Werk „Staat und Revolution": „Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus muß natürlich eine ungeheure Fülle und Mannigfaltigkeit der politischen Formen hervorbringen, aber das Wesentliche wird dabei unbedingt das eine sein: die Diktatur des Proletariats.“ (Lenin: „Staat und Revolution", 1917, Werke Band 25, S. 425, Hervorhebungen im Original.) Die Chruschtschow-Revisionisten berufen sich auf die „Mannigfaltigkeit der Formen", auf historische Beispiele, auf die konkrete Lage nach dem Zweiten Weltkrieg in Osteuropa, auf die neue internationale Lage usw. usf., aber nicht, um verschiedene Formen der gewaltsamen Revolution und der Diktatur des Proletariats wirklich zu analysieren und zu bestimmen (wie es in der Tat der wissenschaftliche Kommunismus fordert), sondern um über die gewaltsame Machtergreifung des Proletariats selbst und ihre Fortsetzung, die Diktatur des Proletariats, hinwegzureden und deren Notwendigkeit zu leugnen. zurück
5. Der „friedlich-demokratische" Weg Kautskys und Chruschtschows einerseits und der „gewaltsam-diktatorische" Weg Lenins andererseits - nicht zwei Möglichkeiten, sondern ein unvereinbarer Gegensatz
Bevor wir genauer darlegen wollen, in welchem Sinne und in welchem Rahmen Lenin in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution von der Möglichkeit einer „friedlichen Entwicklung der Revolution", von einem „friedlichen Weg" - nämlich in der Phase der „Doppelherrschaft"- sprach, müssen wir nochmals unterstreichen und ausführlich dokumentieren, was die Demagogie der modernen Revisionisten um jeden Preis zu verbergen sucht: Lenin und Stalin auf der einen Seite und Bernstein, Kautsky, Chruschtschow, Togliatti usw. auf der anderen Seite verwenden zwar dort und da gleichlautende Worte, nämlich „friedlicher Weg", aber in Wirklichkeit besteht in bezug auf Definition, Inhalt und Umfang des Begriffes „friedlicher Weg" ein unvereinbarer Gegensatz zwischen Lenin und Stalin auf der einen Seite und den Revisionisten auf der anderen.
a) Der „friedliche Weg" Kautskys
Betrachten wir zunächst, wie Kautsky seinen „friedlichen Weg" definiert und wie Lenin schonungslos den Revisionismus Kautskys in dieser Frage brandmarkt. Kautsky bezeichnete seinen „friedlichen Weg" an einer Stelle so: „friedlich, also auf demokratischem Wege" (Kautsky. zitiert nach: Lenin: „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky". 1918, Werke Band 28, S. 232.) In dieser Erläuterung zeigt sich sehr klar, daß es sich bei der Ablehnung von Kautskys „friedlichem Weg" nicht um eine nebensächliche oder um eine Formfrage handelt, sondern daß Kautsky etwas ganz anderes will als die Kommunisten. Lenin machte darauf aufmerksam: „Man beachte, wie er hier versehentlich seine Eselsohren gezeigt hat. Er schrieb: friedlich, also auf demokratischem Wege'!!" (Ebenda, S. 237; Hervorhebungen im Original.) Lenin wies nach, daß die Grundidee Kautskys darin besteht, daß das Proletariat der Bourgeoisie gegenüber sowohl während der Revolution als auch danach nicht „diktatorisch, sondern demokratisch vorgehen" solle und Kautskys Vorstellung von „friedlich" daher bedeutet: Keine Gewaltanwendung gegenüber der Bourgeoisie. Durch die von Kautsky gegebene Definition „friedlich, also demokratisch" tritt, wie Lenin zeigte, die Wahrheit zutage: „Es handelt sich um den Gegensatz zwischen friedlicher und gewaltsamer Umwälzung. Hier liegt der Hund begraben. Alle Ausflüchte, Sophismen und Taschenspielertricks braucht Kautsky ja gerade, um über die gewaltsame Revolution hinwegzureden, um seine Abkehr von ihr, seinen Übergang auf die Seite einer liberalen Arbeiterpolitik, d. h. auf die Seite der Bourgeoisie, zu verhüllen. Hier liegt der Hund begraben." (Ebenda, S. 237; Hervorhebungen im Original.) Lenin stellt als Wesen der Sache, als „Kern der Frage", die „großartige Entdeckung" Kautskys heraus, der Gegensatz zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki (samt der ganzen II. Internationale mit Kautsky an der Spitze) sei „der Gegensatz zweier grundverschiedener Methoden: der demokratischen und der diktatorischen". (Ebenda, S. 230. Hervorhebungen im Original.) Lenin entgegnete, daß in der Tat klassenmäßig betrachtet die Bolschewiki auf jeden Fall gewaltsame, diktatorische Maßnahmen gegen die Bourgeoisie durchführen werden, wobei diese gewaltsam-diktatorischen Methoden, was Kautsky jedoch verschweigt, aus der Sicht des Proletariats und der ausgebeuteten Massen zutiefst demokratisch und befreiend sind. In dem Werk „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky" zeigte Lenin, daß Kautskys Phrase vom „friedlichen Weg" ein ganzes revisionistisches Programm enthält: die Ablehnung der Diktatur des Proletariats als Gewalt über die Bourgeoisie (bei Beibehaltung ihrer Anerkennung in bloßen Worten), die Ablehnung der Zerschlagung des Staatsapparates der herrschenden Klasse, die Ablehnung der Revolution und revolutionärer Gewalt des Proletariats überhaupt. Lenin faßte zusammen: „Eine Revolution ohne Revolution, ohne erbitterten Kampf, ohne Gewalt - das ist es, was Kautsky verlangt." (Ebenda, S. 318.) Das Programm Kautskys bedeutet, mit anderen Worten gesagt, „friedliche' Eroberung der Mehrheit unter der bürgerlichen wohlgemerkt- ,Demokratie'". (Ebenda, S. 235.) Lenin führt eine Stelle bei Kautsky an, wo dieser selbst in aller Offenheit sagt, was er sich zum Ziel stellt: „Eroberung der Staatsgewalt durch Gewinnung der Mehrheit im Parlament." (Kautsky zitiert nach: Lenin: „Staat und Revolution", 1917, Werke Band 25, S. 504.) Das war es also, was Kautsky unter „friedlichem Weg" verstand. In bezug auf die grundlegende Revision des Marxismus durch Kautsky stellt Lenin fest: „Kautsky entnimmt dem Marxismus das, was für die Liberalen, für die Bourgeoisie annehmbar ist (die Kritik am Mittelalter, die fortschrittliche historische Rolle des Kapitalismus im allgemeinen und der kapitalistischen Demokratie im besonderen), und streicht, verschweigt und vertuscht vom Marxismus all das, was für die Bourgeoisie unannehmbar ist (die revolutionäre Gewalt des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie, um diese zu vernichten). Darum eben erweist sich Kautsky infolge seiner objektiven Stellung, wie immer seine subjektive Überzeugung auch sein mag, unvermeidlich als Lakai der Bourgeoisie." (Ebenda, S. 241; Hervorhebung im Original.) In diesen für unser Thema besonders wichtigen Darlegungen schält Lenin heraus, was vor allem „für die Bourgeoisie unannehmbar" ist und den Kern der proletarischen Revolution darstellt, nämlich „die revolutionäre Gewalt des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie, um diese zu vernichten". Es ist klar, daß die Bourgeoisie und ihre Lakaien vielem zustimmen können, aber auf gar keinen Fall ihrer eigenen Vernichtung. Gerade in dieser Tatsache liegt begründet, warum das Proletariat seine Diktatur errichten muß und den Sozialismus nicht im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft aufbauen kann, Die Bourgeoisie kann ihrer Vernichtung nicht zustimmen und sie stimmt ihr nicht nur nicht zu, sondern sie hat auch einen gewaltigen Staatsapparat, eine mächtige, sich auf Gewalt stützende Maschinerie (Polizei, Gendarmerie, Militär, Justiz, Gefängnisse, Zuchthäuser usw.) aufgebaut, um das revolutionäre Proletariat zu unterdrücken, zusammenzuschießen, die Revolution im Blut zu ersticken. Daher stellt Stalin, die Auseinandersetzung mit den Opportunisten der II. Internationale zusammenfassend, mit allem Nachdruck fest: „Die Diktatur des Proletariats kann nicht entstehen als Resultat der friedlichen Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft und der bürgerlichen Demokratie, sie kann nur entstehen im Gefolge der Zertrümmerung der bürgerlichen Staatsmaschine, der bürgerlichen Armee, des bürgerlichen Beamtenapparates, der bürgerlichen Polizei." (Stalin: „Über die Grundlagen des Leninismus", 1924, Werke Band 6, S. 103.)
b) Der „friedliche Weg" Chruschtschows
Die Chruschtschow-Revisionisten kannten natürlich die vernichtende Kritik Lenins und Stalins an der II. Internationale und an Kautsky. Sie versuchten verzweifelt, sich von den „Reformisten" abzugrenzen. Abgesehen davon, daß sie - ihres Inhalts entleerte - Begriffe wie „Revolution", „Klassenkampf', und sogar „Diktatur des Proletariats" noch benutzten, bestand ihre Argumentation vor allem darin, daß die Reformisten einen Weg anzubieten hätten, sie dagegen mehr, nämlich zwei Wege: „Die Reformisten betrachten (...) den friedlichen Weg als den einzigen Weg zum Sozialismus. Die Marxisten-Leninisten hingegen (sprich: Chruschtschow-Revisionisten, A.d.V.) konstatieren einerseits die Möglichkeit für eine friedliche Revolution, aber sie sehen dabei auch die andere Seite..."[112] Machen wir uns klar: Die Revisionisten gestehen den Reformisten (Sozialdemokraten) die Möglichkeit des „friedlichen Weges" zu, d. h. sie verstehen unter dem Begriff „friedlicher Weg" genau dasselbe wie Kautsky. Dies ist keine bloße Behauptung, dies läßt sich beweisen. Zunächst stellen die Chruschtschow-Revisionisten, genauso wie seinerzeit Kautsky, heraus, daß die „friedliche Methode" keine Formfrage der gewaltsamenRevolution ist, sondern es um den „Charakter" der Revolution überhaupt geht: Die Revisionisten schreiben zum Beispiel: „Niemand behauptet natürlich, daß die proletarischen Revolutionen in anderen Ländern unbedingt den gleichen Charakter tragen werden wie in Rußland."[113] An anderer Stelle heißt es: „Jede Partei der Arbeiterklasse steht in dem Augenblick, da sie die Massen auf die proletarische Revolution orientiert, vor der Frage nach dem Charakter der Revolution: Wird die sozialistische Umwälzung auf friedlichem oder auf nichtfriedlichem Wege vollzogen?"[114] Vom Standpunkt des wissenschaftlichen Kommunismus aus stimmen wir gerne zu, daß es bei dem, was die modernen Revisionisten unter der Alternative „friedlich oder nichtfriedlich" verstehen, um den Charakter der proletarischen Revolution geht. Wir sind in gewisser Weise dankbar, daß die Revisionisten uns damit helfen, zu beweisen, daß ihr „friedlicher Weg" völlig dem Charakter der Oktoberrevolution widerspricht. Daß der „friedliche Weg" der Chruschtschow-Revisionisten nichts, aber auch gar nichts mit dem Leninismus gemein hat, wird auch an folgender Passage klar: „Der friedliche Übergang der Macht in die Hände der Arbeiterklasse (...) ist ein Übergang, bei dem die bestehende Macht ohne Waffengewalt gestürzt wird."[115] Bei dieser Definition des „friedlichen Übergangs" bleibt von einer Revolution wirklich nur noch das Wort übrig. Angesichts einer solchen Position kommen einem unbedingt die Worte von Engels ins Gedächtnis, der sagte: „Haben sie einmal eine Revolution gesehen, diese Herren? Eine Revolution ist gewiß die autoritärste Sache, die es gibt, ein Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung seinen Willen dem anderen Teil durch Flinten, Bajonette und Kanonen, alles das sehr autoritäre Mittel, aufzwingt; und die Partei, die gesiegt hat, muß ihre Herrschaft durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen, behaupten." (Engels: „Von der Autorität", 1872/1873, Marx/Engels Werke Band 18, S. 308; siehe auch: Lenin: „Staat und Revolution", 1917, Werke Band 25, S. 451.) Damit macht Engels mit aller Schärfe deutlich, daß so oder so die Waffengewalt entscheidet, bzw. wie Mao Tse-tung formulierte, „die politische Macht aus den Gewehrläufen" kommt. Die revisionistische Formel vom „friedlichen Übergang" ist in Wahrheit nicht die Vorstellung von einer relativ friedlichen Entwicklung der Revolution und schon gar nicht der einen oder anderen ihrer Phasen, sondern ist nur eine Umschreibung des Verzichtes auf die Revolution, ist das Einschwenken auf den Weg Kautskys und der H. Internationale, auf den Weg des parlamentarischen Kretinismus. Natürlich kannten die Chruschtschow-Revisionisten die vernichtende Kritik Lenins und Stalins an jeglichen Illusionen über den parlamentarischen Weg. Sie ziehen auch dann und wann einmal ehrerbietig den Hut vor dieser „alten" Kritik Lenins aus früheren Zeiten, um dann für heute unter angeblich „neuen Bedingungen" gerade „dem Wege der Eroberung der Mehrheit im Parlament" das Wort zu reden und ihn als „Form des friedlichen Übergangs zum Sozialismus" für möglich zu erklären.[116] Im revisionistischen Standardwerk „Grundlagen der marxistischen Philosophie" von 1958 heißt es: „Früher benutzten die Marxisten das Parlament als Tribüne (...) wandten (...) sich jedoch gleichzeitig gegen die parlamentarischen Illusionen' der Reformisten, daß die Aufgaben der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft auf parlamentarischem Wege gelöst werden könnte. Die Marxisten hatten damit recht (...), damals.. ."[117] Gleich darauf aber heißt es weiter, daß „gegenwärtig (...) das Parlament (...) unter gewissen Bedingungen zum Instrument der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft werden könne."[118] Hier wird klar, daß auch der „friedliche Weg" der modernen Revisionisten, ebenso wie der „friedliche Weg" Kautskys, in Wahrheit ein ganzes Programm des Reformismus und Parlamentarismus enthält, d. h. die Preisgabe der Revolution, den Verzicht auf die Zerschlagung des alten Staatsapparates, die Ablehnung der Vernichtung der Bourgeoisie. An die Stelle von „Waffengewalt" als Instrument der sozialistischen Revolution setzen sie das Parlament. Im Kampf gegen die modernen Revisionisten ist es nötig, mit aller Deutlichkeit und ohne jedes Zugeständnis klarzumachen, daß ihr „friedlicher Weg", ihr Schema vom „friedlichen und nichtfriedlichen Weg", nicht irgendeine einzelne Abweichung vom wissenschaftlichen Kommunismus darstellt, sondern ein komplettes Programm, das durch und durch revisionistisch ist, das Programm einer gewaltlosen, „demokratischen", auf den Stimmzettel gestützten „Revolution", von der auf diese Weise nichts bleibt als bloße Reform bzw. die fromme Hoffnung auf sie.[119] Bevor wir uns im nächsten Abschnitt im Detail mit der Tatsache beschäftigen, daß auch Lenin in bestimmten Zusammenhängen von einem „friedlichen Weg" der Revolution bzw. von einer „friedlichen Entwicklung" in einer bestimmten Phase der Revolution gesprochen hat, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Verständnis er davon sprach, muß eine grundlegende Feststellung genannt werden, aus der allein schon deutlich wird, daß es zwischen diesen Passagen bei Lenin und den Vorstellungen der Kautsky, Chruschtschow usw. nicht die geringste Übereinstimmung gibt: Lenin ließ nie einen Zweifel, daß er stets vom bewaffneten Proletariat, von der Zerschlagung des alten Ausbeuterapparates, von der gewaltsamen Revolution, der gewaltsamen Unterdrückung der Bourgeoisie ausging, wenn er unter besonderen Voraussetzungen in einer bestimmten Zeitspanne einen Bürgerkrieg für vermeidbar hielt, ja daß die eventuell mögliche Vermeidung eines erneuten Bürgerkriegs auf den schon im vorangegangenen Bürgerkrieg errungenen Erfolgen basierte. Zwischen Lenins Formulierung und der Formulierung der Revisionisten besteht nur hinsichtlich der äußeren Hülle eine Ähnlichkeit, in Wirklichkeit besteht zwischen dem revisionistischen Programm eines „friedlichen Weges" und Bemerkungen Lenins über einen möglichen „friedlichen Weg" ein unversöhnbarer Gegensatz. In Wirklichkeit handelt es sich bei diesem Gegensatz um den Gegensatz zwischen wissenschaftlichem Kommunismus und Revisionismus. zurück |