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Teil B:

Das Schema vom „friedlichen und nichtfriedlichen Weg" widerspricht dem wissenschaftlichen Kommunismus

 

I. Die Thesen der Chruschtschow- Revisionisten über den „friedlichen Weg" und der Kampf der KP Chinas dagegen (Überblick)

1. Chruschtschow tischt auf dem XX. Parteitag der KPdSU das Märchen vom „friedlich-parlamentarischen Weg" auf

2. Der Kampf der KP Chinas gegen den Revisionismus Chruschtschows

 

1.Chruschtschow tischt auf dem XX. Parteitag der KPdSU das Märchen vom „friedlichparlamentarischen Weg" auf

 

Auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 war abgesehen von der Verdammung Stalins die wohl „sensationellste" „Neuerung" Chruschtschows die Propaganda von der Möglichkeit eines „friedlichen Weges" zum Sozialismus. Die Revisionisten versicherten, es handle sich lediglich um eine „taktische Frage". Gleichzeitig aber mobilisierten sie auf allen Gebieten der marxistischen Theorie ihre Schreiberlinge, um ihren Thesen ein kommunistisches Mäntelchen umzuhängen und gleichzeitig aus allen Bestandteilen der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus den revolutionären Kern zu entfernen.

Während Togliatti auf dem X. Parteitag der KP Italiens die „friedliche Entwicklung der Revolution" zum „Prinzip einer Weltstrategie" erhob[84], bemühte sich Chruschtschow, seinen „friedlich-parlamentarischen Weg", seinen Weg zum Sozialismus „ohne Gewalt" zu einem von zwei möglichen Wegen zu erklären.

Dies war ein frontaler Angriff der Chruschtschow-Revisionisten auf den Weg der Oktoberrevolution als allgemeingültigen Weg der gewaltsamen proletarischen Revolution. Sie setzten an dessen Stelle eine Menge Spekulationen „über die verschiedenen Übergangsmöglichkeiten" vom Kapitalismus zum Sozialismus:

„Es ist durchaus wahrscheinlich, daß die Formen des Übergangs zum Sozialismus immer mannigfaltiger werden. Dabei ist es nicht unbedingt notwendig, daß die Verwirklichung dieser Formen unter allen Umständenmit einem Bürgerkrieg verbunden sein wird. Unsere Feinde pflegen uns Leninisten immer und in allen Fällen als Anhänger der Gewalt darzustellen. Es ist richtig, daß wir die Notwendigkeit der revolutionärenUmgestaltung der kapitalistischen Gesellschaft anerkennen. Und das unterscheidet die revolutionären Marxisten von den Reformisten, den Opportunisten. Es besteht kein Zweifel, daß für eine Reihe kapitalistischer Länder der gewaltsame Sturz der Diktatur der Bourgeoisie und die damit verbundene schroffe Zuspitzung des Klassenkampfes unvermeidlich sind. Aber es gibt verschiedene Formen der sozialen Revolution. Und daß wir angeblich Gewalt und Bürgerkrieg als den einzigen Weg zur Umgestaltung der Gesellschaft anerkennen - das entspricht nicht den Tatsachen."[85]

Wie man sieht, scheute Chruschtschow nicht davor zurück, die Lehre Lenins von der unbedingten Notwendigkeit der gewaltsamen Revolution als These der Feinde darzustellen und abzulehnen. Dabei vermischte Chruschtschow höchst demagogisch zwei ganz verschiedene Fragen, indem er „Gewalt und Bürgerkrieg" in einem Atemzug nennt. Während Lenin immer wieder die allgemeingültige Gesetzmäßigkeit der proletarischenRevolution, d. h. der gewaltsamen Zerschlagung des alten Staatsapparats unterstrich und den Sonderfall einer „friedlichen" Entwicklung der Revolution bzw. bestimmter Phasen der Revolution niemals im Sinne von „gewaltlos" bzw. von „parlamentarisch" verstand - worauf wir noch ausführlich zurückkommen werden -, verfälschte Chruschtschow hemmungslos alle diesbezüglichen Hinweise Lenins.

Der „friedliche", nämlich auf revolutionäre Gewalt verzichtende, auf die angebliche Möglichkeit der „Verwandlung" des bürgerlichen Parlaments mittels der Stimmzettel in ein „Organ des Volkswillens" gestützte „Weg zum Sozialismus", den Chruschtschow verkündete, hat mit Lenin und seinen Lehren, hat mit dem gesamten wissenschaftlichen Kommunismus nicht das mindeste zu tun.

Chruschtschow sagte:

„Gleichzeitig hat die Arbeiterklasse in einer Reihe kapitalistischer Länder unter den gegenwärtigen Bedingungen die reale Möglichkeit, unter ihrer Führung die übergroße Mehrheit des Volkes zu vereinigen und den Übergang der wichtigsten Produktionsmittel in die Hände desVolkes zu erreichen. Die rechten bürgerlichen Parteien und die von ihnen gebildeten Regierungen erleiden immer häufiger Bankrott. Unter diesen Umständen hat die Arbeiterklasse, indem sie die werktätige Bauernschaft, die Intelligenz und alle patriotischen Kräfte um sich schart und den opportunistischen Elementen, die sich von der Politik des Paktierens mit den Kapitalisten und Großgrundbesitzern nicht loszusagen vermögen, eine entscheidende Abfuhr erteilt, die Möglichkeit, den reaktionären, volksfeindlichen Kräften eine Niederlage zu bereiten,

eine stabile Mehrheit im Parlament zu erobern und es aus einem Organ der bürgerlichen Demokratie in ein Werkzeug des tatsächlichen Volkswillens zu verwandeln. (Beifall). In einem solchen Fall kann diese für viele hochentwickelte kapitalistische Länder traditionelle Institution zum Organ einer wahren Demokratie, einer Demokratie für die Werktätigen werden.

Die Eroberung einer stabilen parlamentarischen Mehrheit, die sich auf die revolutionäre Massenbewegung des Proletariats, der Werktätigen stützt, würde für die Arbeiterklasse einer Reihe kapitalistischerund ehemals kolonialer Länder die Voraussetzungen schaffen, um grundlegende soziale Umgestaltungen durchzuführen."[86]

Wie man sieht, ist das nichts anderes als der uralterevisionistischeWegdes parlamentarischen Übergangs" zum Sozialismus ohne proletarische Revolution, wie das die plattesten Revisionisten der II. Internationale propagierten. Chruschtschow „übertraf“ die Kautsky und Konsorten sogar noch insofern, als er diesen parlamentarischen Weg zu „grundlegenden sozialen Umgestaltungen" auch für „ehemals koloniale Länder" als neue Möglichkeit verkündete.

Soweit die Chruschtschow-Revisionisten eine Revolution bzw. revolutionäre Gewaltanwendung überhaupt noch ins Auge faßten, geschah dies gänzlich defensiv. Sie anerkannten die Möglichkeit eines „nichtfriedlichen" Weges nur dann, „wenn die Ausbeuterklassen ihre Zuflucht zur Gewaltanwendung gegen das Volk"[87] nehmen. Indem die Chruschtschow-Revisionisten massive Illusionen darüber verbreiteten, daß die Ausbeuterklassen im entscheidenden Moment entweder nicht bereit oder fähig sein würden, Gewalt anzuwenden, empfahlen sie den Kommunisten und Revolutionären praktisch der ganzen Welt, sich ganz auf den „friedlichen Weg" einzustellen und vorzubereiten. Auf welche Begründung stützten sich die Chruschtschowisten bei ihrem Verrat an den kommunistischen Lehren über Staat und Revolution?

Ihr Hauptargument war, daß die gewaltsame Zerschlagung des alten Staatsapparats durch bewaffneten Kampf infolge der Existenz der dreizehn Länder des sozialistischen Lagers, welche die internationalen Kräfteverhältnisse völlig verändert habe, sozusagen „überflüssig" geworden sei.

Sie versuchten glaubhaft zu machen, daß infolge der „günstigen internationalen Lage", sozusagen durch den Druck von außen, reale Bedingungen für den parlamentarischen, friedlichen Weg entstanden seien und durch die angeblich eingetretenen „neuen Bedingungen" die Gesetzmäßigkeiten der bisherigen Geschichte außer Kraft gesetzt seien.[88]

Darüber hinaus bemühten sich die Chruschtschow-Revisionisten aber auch, verschiedene Passagen bei Marx, Engels, Lenin und sogar auch Stalin[89] für ihre Zwecke „auszuschlachten", in denen von der Möglichkeit einer „friedlichen Entwicklung der Revolution" gesprochen wurde.

Die Revisionisten beriefen und berufen sich besonders auf Äußerungen von Marx und Engels über England und Amerika in der vormonopolistischen Epoche des Kapitalismus.[90]

Die Revisionisten beriefen und berufen sich mit besonderer Vorliebe aber auch auf Äußerungen Lenins über die Möglichkeit einer friedlichen Entwicklung der Revolution in ferner Zukunft und insbesondere in einerkurzen Zeitspanne vor dem Sieg der Oktoberrevolution.[91]

Der Zweck dieser Manöver, auf die wir noch ausführlich eingehen werden, weil sie auch viele bewußte Kommunisten irregeführt und verwirrt haben, bestand darin, so zu tun, als ob die Vorstellungen Chruschtschows vom friedlichen Weg sozusagen eine Fortsetzung bzw. Weiterentwicklung der Vorstellungen der Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus seien. In Wirklichkeit aber liegt, auch wenn zum Teil gleichlautende Begriffe verwendet werden, ein unüberbrückbarer Abgrund zwischen Chruschtschow und den Klassikern. Denn wo in den Werken des wissenschaftlichen Kommunismus vom friedlichen Weg die Rede war, ging es im Gegensatz zu den Auffassungen Chruschtschows niemals darum, ohne gewaltsame Revolution mit Hilfe des Parlaments in den Sozialismus hinüberzurutschen.

Es stand und steht vor den Kommunistinnen und Kommunisten die Aufgabe, in dieser lebenswichtigen Frage die Fälschungen der modernen Revisionisten zu entlarven und die von ihnen geschaffene Konfusion zu beseitigen, damit die Gedanken und Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin richtig verstanden werden und so Hilfe und Richtschnur bei der Lösung der Fragen der gewaltsamen Revolution sind.

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2. Der Kampf der KP Chinas gegen den Revisionismus Chruschtschows

 

Eine der Parteien und Kräfte, die mit den „Theorien" Chruschtschows und des XX. Parteitags über den „friedlich-parlamentarischen Weg" nicht einverstanden waren, war ohne Zweifel die KP Chinas.[92] Der ideologische Kampf der KP Chinas wies eine Fülle von Absurditäten des revisionistischen XX. Parteitages treffend zurück. In einigen anderen Fragen aber blieb die KP Chinas theoretisch in dem von den Revisionisten geschaffenen Rahmen hängen. Betrachten wir nun diese beiden Seiten des ideologischen Kampfes der KP Chinas.

Beginnen wir zunächst mit den richtigen Positionen der KP Chinas: Punkt 11 und 12 des „Vorschlags zur Generallinie" sowie der Kommentar „Die proletarische Revolution und der Revisionismus Chruschtschows"[93] beschäftigen sich mit den Thesen Chruschtschows über den „friedlichen Weg". Neben einer Reihe falscher oder unzulänglicher Formulierungen und Thesen gibt es in diesen Passagen der KP Chinas auch eine Fülle wirklich grundsätzlicher kommunistischer Argumente und Positionen, die eine Kriegserklärung an den Chruschtschow-Revisionismus darstellten und insofern nach wie vor große Bedeutung haben.

Daher sehen wir unsere Aufgabe nicht nur darin, die falschen Formulierungen und Thesen der KP Chinas zu kritisieren und zu verwerfen, sondern auch darin, deren richtige Positionen von damals anzuerkennen und zuverteidigen.

Im „Vorschlag" hebt die KP Chinas hervor, daß die herrschende Klasse nicht „freiwillig abtreten"[94] wird und betont, „daß keine Revolution jemals ohne (...) Opfer siegen konnte" [95] und daß „die Geburtswehen der Revolution viel geringere Schmerzen als die chronischen Leiden der alten Gesellschaft verursachen". („25-Punkte-Vorschlag", S. 24. Siehe S. 573.)

Umfassender und wesentlich präziser werden Grundpositionen des wissenschaftlichen Kommunismus zur gewaltsamen bewaffneten Revolution dann im „Kommentar" festgestellt. In dem Abschnitt mit der Überschrift „Die gewaltsame Revolution ist ein allgemeingültiges Gesetz der proletarischen Revolution" heißt es unter anderem:

„Die gewaltsame Revolution stellt den einzigen Weg dar (...) und ist ein allgemeines Gesetz der proletarischen Revolution." („Polemik", S. 410.)[96]

Die KP Chinas zitiert Lenin, daß die Massen systematisch in den marxistischen Auffassungen zur gewaltsamen Revolution erzogen werden müssen und bekräftigt, daß diese Lehren Lenins nach wie vor gültig sind.[97]

Die kommunistische These Mao Tse-tungs wird zitiert:

„Die zentrale Aufgabe der Revolution und ihre höchste Form ist die Machtergreifung auf bewaffnetem Wege, das heißt die Lösung der Frage durch den Krieg. Dieses revolutionäre Prinzip des Marxismus-Leninismus ist allgemeingültig; es gilt nicht nur für China, sondern auch für die anderen Länder, es gilt überall."[98] („Polemik", S. 412.)

Unmißverständlich wird mehrfach unterstrichen:

„Die Verwirklichung des Sozialismus auf ‚parlamentarischem Weg' ist völlig unmöglich, ist reiner Selbstbetrug und Betrug an anderen." (Ebenda, S. 434.)

Die KP Chinas widerlegt auch die speziellen Argumente der modernen Revisionisten, nämlich ihre völlig absurde Berufung auf Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg sowie auf die CSSR nach dem Zweiten Weltkrieg und beweist, daß in beiden Fällen die Waffen der Volksmassen entscheidend waren. Ebenso charakterisiert der „Kommentar" unter Berufung auf Lenin richtig die Besonderheiten der Phase der „Doppelherrschaft" in Rußland, nämlich „daß die Waffen in den Händen des Volkes waren, daß jede Gewalt von außen über das Volk fehlte" [99].

Die KP Chinas zeigt den historischen Zusammenhang des Chruschtschow-Revisionismus mit Kautsky und Bernstein auf und entlarvt auch die revisionistischen Strömungen von Browder, Togliatti und Thorez.[100]

Die KP Chinas zeigt anhand der Realität nach dem Zweiten Weltkrieg, daß die Berufung der modernen Revisionisten auf die Existenz der dreizehn sozialistischen bzw. sich auf dem Weg zum Sozialismus befindlichen Staaten als Grundlage für einen „friedlichen Weg" absurd ist, da dieser äußere Faktor nicht verhindern kann, daß die Staatsapparate der kapitalistischen Welt sich weiter ungeheuer aufblähen und militarisieren. Ebenso seien trotzdem konterrevolutionäre Interventionskriege an der Tagesordnung gewesen.[101]

Der Kommentar der KP Chinas endet mit dem berühmten Schluß des „Manifests der Kommunistischen Partei" von Marx und Engels, daß die Kommunisten ihre Zwecke nur erreichen können „durch den gewaltsamen Umsturz" und dies auch offen[102] erklären.

Angesichts dieser hier nur knapp skizzierten ausgezeichneten Argumente der KP Chinas gegen die Chruschtschow-Revisionisten ist es um so wichtiger, auch die falschen, zum Teil den oben erwähnten richtigen Positionen widersprechenden Ansichten der KP Chinas zu kritisieren.

Unsere Kritik zielt im Wesentlichen auf folgende Ansichten der KP Chinas aus dieser Zeit ab:

Die These von der „Vorbereitung" sowohl auf den „friedlichen" als auch auf den „nichtfriedlichen Weg". Sie erscheint uns grundfalsch, denn sie akzeptiert den Kern der revisionistischen Ansichten.[103]

Die KP Chinas akzeptiert nicht nur im Kern das Schema von „zwei Wegen", sondern geht überdies faktisch bei der gewaltsamen Revolution von einer Defensive aus. Sie propagiert die gewaltsame Revolution nicht offensiv, übersieht völlig die befreiende und erzieherische Rolle des bewaffneten Kampfes und ist auch insofern inkonsequent, als sie es für zulässig hält, den „friedlichen Weg" einfach aus „taktischen Gründen" zu erwähnen.

Die Bemerkungen Lenins über einen „friedlichen Weg" in einer bestimmten Phase der russischen Revolution werden von der KP Chinas nicht prinzipiell von den programmatischen Thesen Chruschtschows unterschieden, die in sich geschlossenen Auffassungen des wissenschaftlichen Kommunismus werden also, wie wir noch zeigen werden, nicht wirklich umfassend verteidigt, sondern vielmehr von der KP Chinas auch verletzt.

Um die falschen Auffassungen der KP Chinas nicht bloß aufzuzählen, sondern das Problem umfassend darzustellen, um den revisionistischen Entstellungen gründlich entgegentreten zu können, erscheint es uns als unumgänglich, die ein geschlossenes System bildenden Auffassungen von Marx, Engels, Lenin und Stalin zu diesen Fragen systematisch und unter Berücksichtigung der oft zitierten und entstellten historischen Ausnahmesituationen näher zu beleuchten. zurück

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