zurück zu Literatur über Indochina und Korea

'Neue Erkenntnisse über den KOREA-Krieg', 15.05.05

übersetzt und kommentiert von Kathryn Weathersby

 

Aus russischen Archiven

 

Übersetzt vom Russischen ins Englische von Kathryn Weathersby,

aus dem Englischen von Gerd v. Schnehen

 

STRENG GEHEIM

 

mb-04339/gs 9. August 1966

 

Kopien an: Breschnew (2), Kossygin (2), Gromyko, Kusnetzow, Kowalew, Kornienko,

Sudarikow, IDU, UVI, OIuVA (2), Akte (2)

 

Über den KOREA-Krieg, 1950-53, und die Waffenstillstandsverhandlungen

 

 

I. Hintergrund der und Vorbereitungen auf die erste Phase des Krieges.

 

Nach den separaten Wahlen in Südkorea 1948 und der Bildung der Marionettenregierung von Syngman Rhee auf der einen und der Gründung der DVRK (Demokratische Volksrepublik Korea - Übers.) auf der anderen verschlechterten sich die Beziehungen zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Landes zusehends. Sowohl das Regime in Seoul als auch die DVRK machten ihren Anspruch auf das ganze Korea geltend. 1948 nahmen die Spannungen am 38. Breitengrad noch weiter zu, nachdem sich die sowjetischen und amerikanischen Truppen aus Korea zurückgezogen hatten.

In dieser Zeit waren Kim Il Sung und andere koreanische Führer fest entschlossen, das Land mit militärischen Mitteln zu vereinigen, ohne dass sie dem Studium der zu jener Zeit existierenden Möglichkeit einer friedlichen Wiedervereinigung durch die breite Entfaltung der demokratischen Bewegung in Südkorea die nötige Aufmerksamkeit widmeten.

In der DVRK wurde eine Volksarmee geschaffen, die von Truppenstärke und Ausrüstung her bedeutend die Stärke der bewaffneten Streitkräfte Südkoreas übertraf. Am 1. Januar belief sich die Gesamtzahl an Soldaten der Streitkräfte der DVRK auf 110.000; gleichzeitig wurden in aller Eile neue Einheiten gebildet.

Darauf bauend, dass die USA nicht in den Krieg um Südkorea eingreifen würden, suchte Kim Il Sung unablässig bei Stalin und Mao Tse-tung um Zustimmung nach, das Land mit militärischen Mitteln zu vereinigen. (Telegramme Nr. 4-51, 223, 1950)

Stalin reagierte auf die ständigen Appelle Kim Il Sungs zunächst reserviert und bemerkte, dass 'eine solche weitreichende Angelegenheit in Bezug auf Südkorea ... sehr viel Vorbereitung erfordert', hatte aber keine prinzipiellen Einwände. Die endgültige Zustimmung für den Plan der Koreaner gab Stalin, als Kim Il Sung von März-April 1950 Moskau besuchte. Darauf besuchte Kim Il Sung im Mai Peking und sicherte sich die Zustimmung von Mao.

Die koreanische Regierung beabsichtigte, ihr Ziel in drei Etappen zu erreichen:

1) Durch eine Konzentration von Truppen in der Nähe des 38. Breitengrades;

2) durch einen Appell an den Süden zugunsten einer friedlichen Vereinigung;

3) durch den Beginn militärischer Kampfhandlungen nach der Zurückweisung des Vorschlages für eine friedliche Wiedervereinigung durch den Süden.

Auf Stalins Anweisung hin wurden alle Bitten der Nordkoreaner für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung für die Bildung zusätzlicher Einheiten der KVA (Koreanische Volksarmee) schnell bewilligt. Die chinesische Führung entsandte eine Division, die sich aus Koreanern zusammensetzte, die in der chinesischen Armee gedient hatten und versprach, Lebensmittel zu entsenden und eine Armee näher an Korea heranzuverlegen, 'für den Fall, dass die Japaner an der Seite Südkoreas eingreifen würden'. (Telegramm 362, 1950)

Ende Mai 1950 gab der Generalstab der KVA zusammen mit sowjetischen Militärberatern bekannt, dass die koreanische Armee bereit sei, sich am 38. Breitengrad zu konzentrieren. Auf Drängen Kim Il Sungs sollten die militärischen Aktivitäten am 25. Juni 1950 beginnen. (Telegramm 408, 1950)

Zum Zeitpunkt des Angriffs besaßen die nordkoreanischen bewaffneten Streitkräfte gegenüber den südkoreanischen eine bedeutende Überlegenheit. Das Kräfteverhältnis zwischen Süd- und Nordkorea war folgendes: Truppenzahl 1:2; Anzahl der Gewehre: 1:2; Maschinengewehre: 1:7; Maschinenpistolen: 1:13; Panzer: 1:6,5; Flugzeuge: 1:6. Der Operationsplan der KVA sah vor, dass koreanische Truppen 15-20 km pro Tag vorrücken und die wichtigsten militärischen Aktivitäten innerhalb von 22-27 Tagen (Telegramm 468, 1950) zum Abschluss bringen würden.

(Hier folgt ein kurzer Tatsachenbericht über den Kriegsverlauf bis Oktober 1950, angefangen mit den Anfangserfolgen der KVA im Juni, Juli und August, bis zu ihrer fast erfolgten Niederlage nach der Landung von See her der US/UN bei Inchon im September - K.Weathersby). In dieser Zeit, die für das koreanische Volk eine schwere Prüfung darstellte, arbeitete das Zentralkomitee der Koreanischen Arbeiterpartei und die Regierung der DVRK emsig an der Aufstellung neuer Militäreinheiten, wobei sie auch das chinesische Territorium für diesen Zweck benutzte. Die standhaftesten Einheiten der KVA, welche im Süden eingekreist waren, setzten in den Bergen den Partisanenkampf fort.

II. Eintritt der Chinesen in den KOREA-Krieg

 

Während des Besuches von Kim Il Sung im Mai 1950 in Peking unterstrich Mao Tse-tung in Geprächen mit ihm seine Überzeugung, dass die Amerikaner 'wegen eines so kleinen Territoriums wie Korea' sich nicht am Krieg beteiligen würden und erklärte, dass die chinesische Regierung eine ihrer Armeen in die Mukden-Region verlegen würde, um die nötige Unterstützung zu gewähren, falls die Südkoreaner japanische Soldaten anfordern würden. Die chinesische Führung ging von der Annahme aus, dass sich amerikanische Truppen nicht am Krieg beteiligen würden, und sie selbst habe nicht die Absicht, der DVRK durch den Einsatz größerer Truppenkontingente zu Hilfe zu kommen.

Im August 1950 begannen amerikanische Flugzeuge, chinesisches Territorium in der Nähe des Jalu-Flusses zu bombardieren. Im Oktober 1950, kurz nach der amerikanischen Landung bei Inchon, bewegte sich die Front auf die Nähe zur koreanisch-chinesischen Grenze zu und die Artillerie des Feindes fing an, chinesisches Territorium zu beschießen. Schiffe der amerikanischen Siebten Flotte fuhren in die Formosastraße ein.

Um diese Zeit hatte sich die Koreanische Volksarmee praktisch als eine kämpfende Einheit aufgelöst. Resteinheiten, die der Einkreisung entgangen waren, schlugen sich in Richtung China durch, um sich dort neu zu formieren.

Unter Stalins Druck und erst nachdem für die Sicherheit Chinas eine reale Gefahr entstanden war und die nackte Existenz der DVRK auf dem Spiel stand, fasste die chinesische Regierung den Beschluss, Freiwilligeneinheiten nach Korea zu schicken. Der Eintritt chinesischer Freiwilligenverbände in den KOREA-Krieg setzte in der zweiten Oktoberhälfte 1950 ein. In der Folge wurde die Zahl der chinesischen Truppen auf bis zu eine Million aufgestockt und ungefähr die gleiche Anzahl von Mannschaften wurde nach Korea geschickt, um militärisches Material nach Korea zu transportieren. (Mitteilung der sowjetischen Botschaft in Peking, Nr. 7, 18. Januar 1952). Bis Ende 1951 wurde die Stärke der Koreanischen Volksarmee auf 337.000 Mann aufgestockt. Auf der anderen Seite waren 700.000 Offiziere und Soldaten an Bodenoperationen beteiligt, darunter 380.000 Südkoreaner und 280.000 amerikanische Soldaten, von amerikanischem Marinesoldaten und Piloten abgesehen, die eine Seeblockade über Korea durchführten.

Der Eintritt chinesischer Freiwilliger in den Krieg sowie die aktive Beteiligung sowjetischer Militärberater, die sich an den Planungen sämtlicher wichtiger Offensivoperationen beteiligten, führten im Verlaufe der Kampfhandlungen zu einer entscheidenden Durchbruch. Die amerikanischen und südkoreanischen Truppen wurden bis zum 38. Breitengrad zurückgeworfen und an einigen Stellen sogar weiter südlich. Chinesische Truppen, die an der Westfront operierten, besetzten Anfang Januar 1951 Seoul.

Jedoch zogen die chinesischen Truppen entsprechend der strategischen Orientierung der Führung der VR China, die Front am 38. Breitengrad verlaufen zu lassen, wieder ab (man darf annehmen, dass Mao Tse-tung Angst vor den Konsequenzen eines weitereren Vormarsches in den Süden hatte) und zogen sich zum Norden hin zurück.

Sie unterstützen nicht die Anstrengungen der koreanischen Einheiten an der Ostfront, die das Ziel hatten, die amerikanischen Truppen aus dem Gebiet nördlich des 38. Breitengrades zu vertreiben.

In dieser Phase des Krieges ergaben sich starke Meinungsverschiedenheiten zwischen Kim Il Sund und dem Kommando der Freiwilligen des chinesischen Volkes unter Führung von Peng Dehuai. Die Koreaner waren gegen die Aufgabe Seouls durch die chinesischen Freiwilligen und warfen ihnen vor, die koreanischen Einheiten an der Ostfront nicht zu unterstützen.

In der Zeit, als sich die chinesischen Freiwilligen in Korea befanden, gab es zahlreiche Fälle von chinesischen Eingriffen in die inneren Angelegenheiten der DVRK. Nach eingehender Untersuchung der Moral der koreanischen Bevölkerung schickten sie Berichte an das Zentralkomitee der Chinesischen Kommunistischen Partei, in denen der schlechte Zustand der Bevölkerung hervorgehoben und die Politik der koreanischen Behörden kritisiert wurde. Die Chinesen versuchten, die Kommandeure der KVA für sich zu gewinnen. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Affäre um Pak Il-U, dem wichtigsten Vertreter der KVA im Hauptquartier der chinesischen Freiwilligen. Kim Il Sung erklärte mehr als einmal, dass sich Pak Il-U wie der persönliche Bevöllmächtigte Mao Tse-tungs aufführte, indem er die Autorität der Führung der Koreanischen Arbeiterpartei herabzusetzen und sich über die Partei zu stellen versuche. Die Chinesen würden alle möglichen Intrigen aushecken und Pak Il-U gegen Kim Il Sung benutzen.

Peng Dehuai machte aus seiner schlechten Meinung über die militärischen Kompetenzen von Kim Il Sung keinen Hehl. Fälle von Großmannssucht wurden beobachtet sowie offensichtliche Verachtung für Koreaner seitens der chinesischen Kommandeure. Einmal wurde Kim Il Sung sogar von chinesischen Wachen aufgehalten, als er in das Hauptquartier Peng Dehuais eintreten wollte und wurde von ihnen lange Zeit festgehalten. Örtliche koreanische Behörden beschwerten sich, die Kommandeure der chinesischen Freiwilligen die Bevölkerung häufig nach Belieben zu Bauarbeiten zwang, sie wahllos Wälder abholzen, Vieh abschlachten ließ usw.

Zahlreiche Koreaner machten China für den Rückzug der KVA und ihre gewaltigen Verluste verantwortlich und erklärten, dass 'wenn die chinesische Hilfe nur einen Monat früher gekommen, alles ganz anders ausgegangen wäre'. Koreanische Führer meinten damals, dass wenn nicht die Chinesen ihre damaligen Position eingenommen hätten, es möglich gewesen wäre, die Amerikaner von der koreanischen Halbinsel zu vertreiben und das ganze Land während des erfolgreichen Angriffs der chinesischen Freiwilligen im Winter 1950-51 zu vereinigen.

Die chinesischen Freiwilligen spielten bei der Herbeiführung der militärischen Wende bekanntlich eine wichtige Rolle sowie darin, dass die Front am 38. Breitengrad gehalten werden konnte. Ihre Verluste allein im ersten Jahr des KOREA-Kriegs beliefen sich auf mehr als 300.000 Mann.

Die chinesische Führung, die sich den langen Aufenthalt der Freiwilligen in Korea zunutze machte, versuchte, ihren Einfluss auf die DVRK langfristig zu stärken. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes in Korea am 27. Juli 1953 blieben die chinesischen Freiwilligen mehr als fünf Jahre noch in Korea. Erst Ende Oktober 1958 kehrten sie unter dem Druck der Koreaner in ihr Heimatland zurück.

Selbst jetzt noch benutzen die chinesischen Führer in jeder nur möglichen Weise die Beteiligung der Freiwilligen am Krieg in Korea, um die DVRK dazu zu bringen, ihre abenteuerlichen Positionen zu unterstützen.

 

III. Die UNO und die Intervention der USA in Korea

 

Wurde nicht übersetzt, da es eine bloße Zusammenfassung der Übersetzerin K. Weathersby und kein Originaldokument darstellt.

 

Anmerkungen:

1) Nikita Chruschtschow weist in seinen Memoiren (Strobe Talbott, Hrsg., 'Chruschtschow erinnert sich', Boston 1970, S. 367f) darauf hin, dass 'der Krieg nicht Stalins Idee war, sondern Kim Il Sungs'.

 

2) Das Dokument mit dem Titel 'Über den Korea-Krieg, 1950-53 und die Waffenstillstandsvereinbarungen' wurde von bislang nicht identizierbaren Mitarbeitern des Archives des Sowjetischen Außenministeriums für die damalige sowjetische Führung unter Breschnew und Kossygin zusammengestellt.

 

3) Kim Il Sung schickte Stalin 48 Telegramme, um sich seine Zustimmung zu sichern. Die Behauptung der damaligen Truman-Administration vom Juni 1950, dass der Krieg auf Stalins Initiative hin entfacht wurde, ist falsch. Stalin war nach den Telegrammen seitens Kim Il Sungs davon ausgegangen, dass die Vereinigten Staaten sich nicht in Korea einmischen würden und war überrascht und alarmiert, als sich herausstellte, als die USA intervenierten. Er beschuldigte Kim ganz offensichtlich, die Lage falsch beurteilt zu haben und habe der Möglichkeit, das Land friedlich durch die Entwicklung einer breiten demokratischen Front in Süd-Korea, nicht genügend aufmerksamkeit geschenkt (S. 3 der Einleitung durch K. Weathersby)

 

4) Anmerkung der Übersetzerin K. Weathersby: 'Der folgende Text ist die Übersetzung einer handgeschriebenen Abschrift des Originals, die ich im Januar 1993 in den Archiven anfertigte.Ich hatte keine Möglichkeit, eine Kopie des Dokuments anzufertigen, weil das Archivpersonal angab, dass es keine technische Möglichkeit gäbe, vom einem Mikrofilm eine Kopie zu machen.'

(S. 5 der Einleitung durch K. Weathersby)

 

5) Die Behauptung, dass die USA den Korea-Krieg begannen, ist erwiesenermaßen falsch. Die militärische Offensive der USA und ihre Kriegsvorbereitungen konzentrierten sich Anfang der fünfziger Jahre gegen das sozialistische Lager im Westen, insbesondere aber gegen die Sowjetunion und Albanien. Es bestand die Absicht, Tito-Jugoslawien zu einem Brückenkopf gegen die Sowjetunion aufzurüsten. Ein gleichzeitiger Krieg im fernen Osten hätte ihren strategischen Interessen widersprochen.

 

Quelle:

http://wwics.siedu/index.cfm?topic_id=1409&fuseaction=library.document&id=426

 

Cold War International History Project, Virtual Archive

Publications: Bulletin 3 - From the Russion Archives: New Evidence on the Korean War.