zurück zu Literatur über Indochina und Korea N. Steinmayr:
'Lang lebe die koreanische Wiedervereinigung und Unabhängigkeit!Nieder mit dem koreanischen Revisionismus!'(Januar 1999, aus dem Englischen übersetzt, Januar 2005)
Inhalt:
Einführung
1. Kurzer geschichtlicher Hintergrund 2. Japans Kolonialherrschaft 3. Die marxistisch-leninistische Strategie des revolutionären Prozesses in kolonialartigen Ländern 4. Kim Il Sung und der bewaffnete anti- japanische Kampf 5. Koreas Teilung 6. 'Fortschrittliche Demokratie' in Nordkorea 7. Der Korea-Krieg, 1950-53 8. Die Herstellung sozialistischer Produktions- verhältnisse in der KDVR 9. Der 'sozialistische Aufbau' in der KDVR 10. Juche: Eine revisionistische Theorie und Praxis 11. Die KDVR und die Bewegung der Nichtpaktge- bundenen 12. Jüngste Entwicklungen in der KDVR 13. Der Kampf für Wiedervereinigung und Unab- hängigkeit
Schlussfolgerung
Ausgewählte Bibliografie
Einführung
Am Ende der 20. Jahrhunderts sind wir nach wie vor mit der fortbestehenden anachronistischen Situation eines immer noch geteilten Koreas in einen nördlichen und südlichen Teil konfrontiert, eine Situation, die inzwischen über 55 Jahre andauert. Diese Teilung ist ein tragisches und anormales Kapitel nach der 5.000-jährigen Geschichte Koreas als einer einheitlichen Nation, die ihre eigenen spezifischen kulturellen und psychischen Merkmale entwickelte. Kaum hatte sich das koreanische Volk 1945 erfolgreich vom japanischen Kolonialismus befreit, als Washington willkürlich und künstlich das Land in zwei Hälften teilte. Durch die militärische und politische Einmischung der USA wurde die Teilung Koreas herbeigeführt, die bis zum heutigen Tag andauert.
Nachdem die USA die japanische Kolonialherrschaft durch ihre militärische Besetzung des Südens abgelöst hatte, war Washington in der Lage, unter der Obhut der Vereinten Nationen, zwischen 1950 und 1953 seinen heißen Krieg in Korea erst anzuzetteln und dann zu entfesseln. Es war der koreanische Widerstand, der verhinderte, dass der US-amerikanische Versuch, die gesamte Halbinsel unter seine Kontrolle zu bekommen, scheiterte, was Washington dazu zwang, im Juli 1953 ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen, durch das entlang des 38. Breitengrads die militärische Auseinandersetzung beendet wurde. Dieser Waffenstillstand ist inzwischen zum ältesten Waffenstillstand unseres Jahrhunderts geworden, weil sich die USA bislang geweigert haben, einem Friedensvertrag zuzustimmen. In der Zwischenzeit hat der US-Imperialismus in Südkorea die größte Dichte an herkömmlichen und Nuklearwaffen auf der ganzen Welt konzentriert und Tausende Soldaten dort stationiert. Diese enorme militärische Bedrohung gegen den Norden wird durch regelmäßige Manöver in Verbindung mit einer gegen den Norden gerichteten Kriegspropaganda unterstrichen. Hinzukommt, dass es seit den frühen fünfziger Jahren fortgesetzte US-Strafmaßnahmen und Embargos gegeben hat. All dies hat zu einer Zunahme der Spannungen in dieser Region geführt und hat der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation in der Region in der KDVR (Koreanische Demokratische Volksrepublik) geschadet. Aufgrund dieser zügellosen und völlig ungerechtfertigten Aggression und Einmischung vonseiten des US-Imperialismus geht der Kalte Krieg auf der koreanischen Halbinsel unvermindert weiter. Um die ständige Gefahr eines zweiten Korea-Kriegs abzuwenden, hat das koreanische Volk gleichzeitig nie sein unveräußerliches Recht aufgegeben, vereint, souverän und unabhängig in seinem eigenen Land friedlich wieder zusammenzuleben.
In der jetzigen Ära des Imperialismus stellt die Unabhängigkeit der Völker - in Korea wie auch anderswo - eine wichtige Frage dar, die nach einer angemessenen und gerechten Lösung im Interesse all jener Länder verlangt, die immer noch einen halbkolonialen und abhängigen Status besitzen. Die nationalen Befreiungsbewegungen nach 1945, die auch in unserem Land einen historischen Meilenstein markierten, hatten tatsächlich den Zusammenbruch des herkömmlichen Kolonialsystems des Imperialismus herbeigeführt. Durch die Entkolonisierung jedoch sahen sich die USA und andere konkurrierende imperialistische Mächte gezwungen, ihre eigenen Einflusssphären unter den nach außen hin unabhängigen Staaten aufrechtzuerhalten, indem sie eine schier endlose Serie von wirtschaftlichen, politischen, militärischen, diplomatischen und anderen Formen der Bevormundung und Versklavung erdachten. Die direkte koloniale Ausbeutung wurde so durch den Neokolonialismus ersetzt, von der jetzt unter dem Deckmantel der imperialistischen Globalisierung die ganz überwiegende Mehrheit der Menschheit betroffen ist.
Innerhalb des skizzierten allgemeinen Rahmens und um ihre auf Vormachtstellung angelegten Ziele in Nordost-Asien zu verwirklichen, verfolgt Washington seit mehr als einem halben Jahrhundert seine Politik der 'Zwei Koreas' - eine Politik, mit der die Absicht verfolgt wird, Koreas Teilung zu verewigen, zu verewigen durch eine permanente militärische Besetzung und durch eine ökonomische Beherrschung der Republik Korea (RK), die unter dem atomaren Schild der USA steht und auf den Status einer Halbkolonie reduziert worden ist. Diese unerwünschte Einmischung hat dazu geführt, dass eine faschistische Diktatur und ein pseudodemokratisches Regime nach dem anderen in der Republi Korea installiert werden konnte, ein Land, das momentan von seiner schwersten Krise befallen ist und vollständig vom Diktat Washingtons und des Internationalen Währungsfonds (IWF) abhängig ist. Auf der anderen Seite hat sich die Koreanische Demokratische Volksrepublik an die Spitze des koreanischen Volkskampfes für die Wiedervereinigung ihres Landes gestellt - eine lebenswichtige Frage, die solange nicht friedlich und unabhängig gelöst werden kann, als die ständige Kriegsgefahr, verursacht durch die militärische Besetzung des südlichen Teils des Landes durch die USA, unvermindert andauert.
In scharfem Gegensatz zu der kriecherischen und servilen Politik der regierenden südkoreanischen Bourgeoisie, hat die KDVR stets die andauernde Militärpräsenz der USA im Süden - die heute nach dem Verschwinden der sowjetischen Bedrohung in Asien wohl kaum noch gerechtfertigt werden kann - als das eigentliche Hindernis für eine friedliche Lösung der koreanischen Frage und für die Stabilität in der Region bezeichnet. Aus diesem prinzipiellen Grund fordert Pyongyang weiterhin, dass die USA ihre Truppen abziehen, um die Voraussetzungen für eine nationale Wiederver- einigung zu schaffen, welche ohne äußere Einmischung von außen und durch Überwindung der ideologischen und gesellschafts- politischen Unterschiede, die zwischen den beiden Koreas bestehen, geschaffen werden muss. Diese antiimperialistische Haltung befindet sich in voller Übereinstimmung mit der gegenwärtigen historischen Tendenz nach Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Souveränität der Völker, besonders der halbkolonialen und abhängigen Länder auf dem asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Kontinent.
Wie immer müssen auch in diesem Fall alle demokratischen, fortschrittlichen und friedliebenden Kräfte der Welt ihre bedingungslose Unterstützung für die gerechte Sache der koreanischen Unabhängigkeit geben. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die USA ihre Militärbasen auf der koreanischen Halbinsel abziehen, ihre Soldaten in die Heimat schicken und alle Bindungen der Abhängigkeit zum US-Imperialismus abgebrochen werden. Wenn erst einmal die äußere Einmischung beseitigt ist, dann wird auch die militärische Demarkationslinie, die auf tragische Weise Brüder und Schwester des gleichen Blutes für eine so lange Zeit voneinander getrennt hat, sehr bald verschwinden. Der Weg für eine friedliche Lösung der koreanischen nationalen Frage wäre geöffnet, welche schließlich eine innere Angelegenheit des koreanischen Volkes darstellt.
Während sie einerseits die koreanische Wiedervereinigung und Unabhängigkeit unterstützen, ist es andererseits auch die Aufgabe von marxistisch-leninistischen Organisationen und Parteien, sich mit dem koreanischen Revisionismus zu beschäftigen, so wie er sich seit 1945 entwickelte - ein Revisionismus, der vom Zusammenbruch der UdSSR und anderer revisionistischer Länder in den späten 80iger Jahren unberührt blieb.
Die KDVR behauptet nun, dass sie durch die schöpferische Anwendung abgewandelter sozialistischer Prinzipien auf Koreas besondere Verhältnisse eine sozialistische Gesellschaft errichtet habe, die vermögens der Juche-Ideologie oder des 'Kimilsungismus' in Richtung Kommunismus voranschreite. Dennoch ist der einzige Kompass, mit Hilfe dessen die Arbeiterklasse zum Sozialismus und schließlich zum Kommunismus voranschreiten kann, einzig der Marxismus-Leninismus, also die Lehre vom wissenschaftlichen Sozialismus, so wie sie von Marx, Engels, Lenin und Stalin ausgearbeitet worden ist. Vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus gesehen, ist es somit eine unbestreitbare Tatsache, dass einzig der Revisionismus und nicht der eigentliche Sozialismus in der KDVR bis heute verwirklicht worden ist.
Nach der Befreiung von Japan, war Nordkorea immer noch ein halbfeudales Land, dessen kapitalistische Entwicklung gerade erst begonnen hatte. Es entwickelte sich auf der Linie einer fortschrittlichen Demokratie, nachdem es die projapanischen kapitalistischen Kräfte abgeschüttelt und eine gemeinsame Diktatur, mehrere Klassen - einschließlich der nationalen Bourgeoisie - vertretend, installiert hatte. Dank bedeutsamer anti-imperialistischer und antifeudaler Reformen (hauptsächlich auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Kooperationswesens und der Nationalisierung seiner Schlüsselindustrien) war Nordkorea in der Lage, schnell seine jahrhundertelange Rückständigkeit zu überwinden und sich auf demokratischer Grundlage umzugestalten. Aber weder vor noch nach dem Koreakrieg - zu keiner Zeit seit 1945 - mündete das nationaldemokratische Stadium der Koreanischen Revolution in seine nächste, sozialistische Phase ein: in die der Diktatur des Proletariats. Offiziell wurden zwar sozialistische Produktionsbeziehungen 1958 in Nordkorea verkündet, sie waren aber tatsächlich ohne eine sozialistische Revolution zustandegekommen, d.h. ohne dass die nationale kapitalistische Klasse, die in der Zwischenzeit 'umgeformt' worden war, um den Sozialismus anzunehmen und sich freiwillig dem sozialistischen Staat anzuschließen.
Um das entscheidende Problem der Diktatur des Proletariats zu lösen, das tatsächlich für die Festigung des Sozialismus unabdingbar ist, setzte in den späten fünfziger Jahren der nordkoreanische Staatschef Kim Il Sung einfach das neudemokratische System verschiedener Klassen, die die staatliche Macht in der KDVR ausübten, mit der der Diktatur des Proletariats gleich. Danach war keine proletarische Führung mehr errichtet worden. Und in Abwesenheit einer echten proletarischen Diktatur, war der Revisionismus in der Lage, alle Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens zu durchdringen. Deshalb kann die Nordkoreanische Revolution zu keiner Zeit als eine sozialistische Revolution bezeichnet werden.
Unter dem Banner von Juche ('Unabhängigkeit' - Übers.) wurde der Kollektivismus korrumpiert und fing an, sich in Richtung einer Dienerschaft und einer absoluten Gefolgschaftstreue gegenüber dem Führer, dessen Beweihräucherung inzwischen unvorstellbare Ausmaße angenommen hat, zu entwickeln. Dieser Personenkult um Kim Il Sung hat sich wiederum zur Vetternwirtschaft und zur Erbfolge der Macht für seinen Sohn, Kim Jong Il, der Kim Il Sung nach und nach als Führer der KDVR ersetzte, entwickelt. Inzwischen ist es so, dass die Politik anscheinend auf der Basis von Liebe und Vertrauen gemacht wird. Aus dem koreanischen Revisionismus ist mittlerweile eine idealistische und eklektizistische Philosophe geworden, die Sozialismus und Kommunismus mit Unabhängigkeit gleichsetzt, in der gleichen Weise, wie die anti-imperialistische Sache mit der sozialistischen Revolution gleichgesetzt wurde.
Derartige vulgäre Entstellungen des wissenschaftlichen Sozialismus haben zu einer völligen Abkehr - sowohl theoretisch als auch praktisch - vom Marxismus-Leninismus in der KDVR geführt. Die Folge war, dass eine voll entwickelte revisionistische Gesellschaft unter dem Banner von Juche entstand und sich festigte. Ihr Erfinder, Kim Il Sung, kann nicht von der politischen Verantwortung freigesprochen werden, dass er dem umfassenden Arsenal der verschiedenen modernen revisionistischen Strömungen weitere Verwirrung und ideologische Desorientierung hinzugefügt hat, wodurch die wahre Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Verteidigung von Sozialismus und Kommunismus in Worten, aber nicht in Taten, unter falschen roten Fahnen verhindert wurde. Vom Standpunkt einer prinzipiellen marxistisch-leninistischen Kritik aus muss Kim Il Sung als Revisionist bezeichnet werden, obwohl er enorme Verdienste hat als fortschrittlich revolutionärer Patriot, der energisch alle Kräfte der Gesellschaft mobilisierte, um Korea von der japanischen Kolonialherrschaft zu befreien und der später den US-Imperialis-mus herausforderte, mit dem Ziel, die Wiedervereini- gung und Unabhängigkeit des Landes durchzusetzen.
Obwohl die beiden Fragen in gewisser Weise miteinander verknüpft sind, muss die Frage der koreanischen Wiedervereinigung und Unabhängigkeit dennoch getrennt von der des koreanischen Revisionismus betrachtet werden. Um die internationale Solidarität und Hilfe für das koreanische Volk zu verstärken, müssen die kommunistischen Parteien und Organisationen auf internationaler Basis an vorderster Front aller Initiativen stehen, die darauf abzielen, die KDVR in ihrem heroischen, anti-imperialistischen Kampf gegen die US-Dominanz und Einmischung auf der koreanischen Halbinsel zu unterstützen, um einen dauerhaften Frieden im Rahmen eines wirklich unabhängigen Staates zu erreichen. Aber während die marxistisch-leninistischen Kräfte energisch das unveräußerliche Recht des koreanischen Volkes auf seine Unabhängigkeit verteidigen, müssen sie sich gleichzeitig über die Grenzen des koreanischen Revisionismus im Klaren sein sowie über den schweren Schaden, den er der Sache des wissenschaftlichen Sozialismus und dem Kommunismus zugefügt hat. Die Unterstützung für die koreanische Wiedervereinigung und Unabhängigkeit darf nicht bedeuten, damit gleichzeitig den koreanischen Juche-Sozialismus politisch zu unterstützen.
Marxisten-Leninisten treten für eine Reihe eindeutiger Prinzipien ein, die auf verschiedene Situationen in verschiedenen Teilen der Welt dialektische Anwendung finden. Es dürfen aber nicht wieder neue Spielarten von Sozialismus unter dem Vorwand ihrer schöpferischen Anwendung entwickelt werden, um so die eigentliche revolutionären Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozia- lismus zu umgehen. Wo man auch hinsieht, sind die arbeitenden Massen ständig imperialistischer Unterdrückung und Ausbeutung, Armut, sozialer Benachteiligung, Arbeitslosigkeit und Krieg ausgesetzt. Für die Lösung der Widersprüche zwischen der breiten Masse der Volkes in halbkolonialen und abhängigen Ländern auf der einen Seite und dem Imperialismus und Monopolkapital auf der anderen, ebenso wie für die sich ständig zuspitzenden Wider- sprüche zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie auf der ganzen Welt, die eine unheilbare globale Krise hervorbringen, liefert nur der Marxismus-Leninismus - die revolutionäre Ideo- logie der Arbeiterklasse - eine zuverlässige Orientierung in Richtung einer sozialen und nationalen Befreiung, von Sozialismus und Kommunismus.
1. Kurzer geschichtlicher Hintergrund
Nach Jahrhunderten ausländischer Invasionen und interner Macht- kämpfe wurde die Vereinigung der koreanischen Halbinsel schließlich im siebten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erreicht und dauerte - von gelegentlichen Unterbrechungen infolge von ausländischen Besetzungen vonseiten benachbarter asiatischer Staaten (namentlich China und Japan) abgesehen, bis 1945 an.
Die Vereinigung vollzog sich zuerst unter der Silla-Dynastie, der es mit chinesischer Unterstützung gelungen war, die koreanischen Königreiche Koguryo und Paekche 668 v.u.Z. (vor unserer Zeit- rechnung - Übers.) zu erobern. Obwohl die Silla-Dynastie gezwungen war, China als Schutzmacht anzuerkennen, war sie dennoch in der Lage, ihre eigenen philosophischen, literarischen und künstlerischen Merkmale herauszubilden, die ursprünglich auf den Buddhismus zurückgingen. Es war das parasitäre Wesen ihrer adligen Oberschicht und die anhaltenden Machtkämpfe und Palastrevolten unter den verschiedenen Königen und Thronfolgern, die schließlich zum Niedergang der Silla-Dynastie führten. Nach dem Zusammenbruch der alten sozialen Ordnung, die auf einem System erblicher Blutsverwandtschaft beruhte ('Knochen-Folge-System'), wurde die Silla-Dynastie schließlich durch den Staat von Koryo abgelöst. Von 918 bis 1392 (n.u.Z. - Übers.) erlebte Koryo ernsthafte Zwistigkeiten innerhalb seiner herrschenden Klasse, die durch zahlreiche Bauern- und Sklavenaufstände noch intensiver wurden. Nach den dann einsetzenden Einfällen der Mongolen auf der gesamten Halbinsel war die Koryo-Dynastie gezwungen, sich im dreizehnten Jahrhundert der mongolischen Herrschaft zu unterwerfen.
Im Jahre 1392 trat an die Stelle der Koryo-Dynastie die Yi-Dynastie, die bis 1910 an der Macht blieb und damit die längste Herrschaftsperiode aufzuweisen hat. Obwohl sie sehr stark unter chinesischem Einfluss stand, war die Anfangsperiode dieser Dynastie durch reiche kulturelle Entwicklungen auf dem Gebiet der konfuzianistischen Studien (auf Kosten des Buddhismus), durch historische Schriften, Errungenschaften auf dem Gebiet der schönen Künste, der Medizin, von Naturwissenschaft und Technik, gekennzeichnet. Nachfolgende japanische Invasionen (1592-1598) sowie Einfälle vonseiten der Manchu aus China (1627-1637) trugen zum allmählichen Niedergang der Yi-Dynastie bei, die vom siebzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert eine Politik des Sich-Abschottens betrieb. Von dieser Zeit an wird das Königreich zu einem 'Einsiedler-Königreich'.
In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war Korea jedoch gezwungen, seine Politik der Selbst-Isolierung unter dem Druck des sich entwickelnden Handels mit Japan, Russland und westlichen Mächten aufzugeben. Der koreanisch-japanische Vertrag von Kanghwa aus dem Jahre 1876 beließ Korea als unabhängigen Staat, unterwarf es jedoch einer ganzen Reihe japanischer Bedingungen. In der Zwischenzeit tauchten die Amerikaner, Briten, Deutschen, Franzosen und andere Ausländer aus dem Westen in Korea auf und machten sich dort gegenseitig Konkurrenz, um sich Handels- und andere ökonomische Vorteile sowie Konzessionen (Recht, ausländische Ressourcen auszubeuten - Übers.) in dem Land zu sichern. Unter dem ständigen Druck des Auslands stehend, sah sich Korea wachsender sozialer Unzufriedenheit und Instabilität, inneren Aufständen (wie dem Tonghak-Aufstand von 1894, der niedergeschlagen wurde) ausgesetzt. Um die Jahrhundertwende herum besaß die koreanische Gesellschaft immer noch ihre alten, feudalen Fesseln, die das Anfangswachstum des Kapitalismus behinderten. Parallel zur Ausbeutung der koreanischen Ressourcen durch das Ausland entwickelten sich jedoch einige heimische Industriezweige, wie zum Beispiel eine örtliche Textilindustrie, eine Papierindustrie sowie andere Zweige, und 1903 gab es bereits fünf Banken, die Bank von Korea eingeschlossen.
Nach ihrem Sieg im chinesisch-japanischen Krieg von 1894-1895 begannen die Japaner die koreanische Min-Regierung durch pro-japanische Elemente abzulösen. Russische Ambitionen, sich in koreanische Angelegenheiten einzumischen, wurden wenig später durch den entscheidenden japanischen Sieg im Russisch-Japanischen Krieg von 1904-1905 zunichte gemacht. Durch US-amerikanische Vermittlung kam der Vertrag von Portsmouth/New Hampshire zustande (05.09.1905), wodurch die japanische Vorherrschaft über die koreanische Halbinsel noch weiter ausgedehnt wurde. Zwei Jahre später, am 24.07.1907, wurde von der koreanischen und japanischen Regierung ein Abkommen unterzeichnet, wodurch jene daran gehindert wurde, auch nur eine einzige unabhängige Entscheidung auf dem Gebiet der Außen- und Innenpolitik zu treffen. Die Koreaner hatten sich voll dem japanischen Diktat zu fügen und diese De-fact-Beherrschung des Landes wurde darüberhinaus durch einen Annexions-Vertrag, der am 29.08.1910 verkündet wurde, offiziell abgesegnet. Der letzte koreanische Kaiser Sunjong schuf faktisch die Monarchie ab und beendete damit die Ära der Yi-Dynastie.
2. Die japanische Kolonialherrschaft
Die japanische Kolonialherrschaft über die koreanische Halbinsel, die 1910 errichtet wurde, dauerte bis zum 15. August 1945, als Korea schließlich befreit wurde. Mehr als dreißig Jahre lang verhinderte somit die japanische koloniale Ausplünderung der koreanischen Reichtümer und Arbeitskräfte die normale Entwicklung kapitalistischer Produktionsverhältnisse in Korea, indem das Land in einem Zustand bäuerlicher, halbfeudaler Rückständigkeit gehalten wurde. Der japanische Imperialismus sicherte sich das ausschließliche Eigentum an sämtlichen entscheidenden Zweigen der koreanischen Industrie und in der Landwirtschaft, wodurch er in die Lage versetzt wurde, seine Profite durch eine rigorose Ausbeutung der örtlichen Arbeitskräfte in die Höhe zu schrauben. Wegen dieses Ausmaßes des kolonialen Jochs blieb auch die koreanische Bourgeoisie schwach und in zwei Teile gespalten: in den Teil der Kompradorbourgeoisie und den der nationalen Bourgeoisie.
Die Komprador-Kapitalisten oder 'Kompradorbourgeoisie' setzte sich aus relativ großen Kapitalisten zusammen, die sich im Bündnis mit den feudalen Grundbesitzern mit den japanischen Imperialisten verbündeten. Auf der anderen Seite bestand die Nicht-Kompradorbourgeoisie, die Klasse der nationalen Kapitalisten Koreas oder der 'nationalen Bourgeoisie', hauptsächlich aus mittleren und kleineren Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden. Da sie sowohl von den japanischen Imperialisten als auch von den koreanischen Kompradorkapitalisten unterdrückt wurden, war diese nationale kapitalistische Klasse besonders unzufrieden mit der Kolonialherrschaft. Dennoch waren die am meisten ausgebeuteten Klassen, die unter dem imperialis- tischen Joch der Japaner in Korea am stärksten zu leiden hatten, die Kleinbauern und Arbeiter.
In den dreißiger Jahren, als Japan seine Kriegsvorbereitungen für seinen Krieg gegen China verstärkte, wurde der schwerindustrielle Sektor in Korea besonders von größeren japanischen Unternehmen durch Inangriffnahme verschiedener Bergbauprojekte gefördert. Die koreanischen Arbeitskräfte wurden zu diesem Zweck für die Bergwerke und Fabriken sowohl in Korea als auch in Japan mobilisiert, da in diesen Bereichen billige Arbeitskräfte für Japans Kriegspläne benötigt wurden. 1944 arbeiteten mehr als 350.000 koreanische Arbeiter in Koreas Bergwerken unter der Oberaufsicht der Japaner. 600.000 Arbeiter waren in den verschiedenen Werken im ganzen Land beschäftigt. Seit 1910 wurden etwa 700.000 Koreaner nach Japan geschickt, um dort Zwangsarbeit zu leisten und schon 1940 hatte die Zahl derer, die als Wirtschaftsemigranten nach Japan gegangen waren, mehr als eine Million erreicht.
Auch in den ländlichen Regionen Koreas eigneten sich die Japaner Land und Boden an und trugen dadurch dazu bei, Armut und Wohnungsnot unter den Bauern zu vermehren. Die überwältigende Mehrheit der großen Landbesitzer (81% der Grundbesitzer besaßen mehr als 200 ha Land) waren Japaner. Dagegen waren etwa 80% der bäuerlichen Haushalte landlose Bauern und mehr als die Hälfte des erntefähigen Bodens befand sich im Besitz von Grundeigentümern, die nur 3% aller bäuerlichen Haushalte ausmachten. Letztere kassierten von den Bauern Pachten, deren Zahlung für diese zwischen 50 und 90% ihres Gesamteinkommens ausmachten. Die koloniale, feudale und kapitalistische Unterdrückung und Ausbeutung zwang oft die mittellose ländliche Bevölkerung - stets am Rande des Hungertods - in die Städte oder ins Ausland abzuwandern.
Alle Kämpfe der Koreaner für ihre Unabhängigkeit wurden von den japanischen Behörden blutig schon im Keim erstickt(Nach offiziellen japanischen Zahlen gab es in der Anfangsphase der Kolonialherrschaft - zwischen 1911 und 1918 - 330.025 Urteile, die im Schnellverfahren ausgesprochen wurden). Ob in ihrem eigenen Land oder in Japan - die Koreaner wurden als rassisch minderwertig angesehen, die keine der politischen Rechte der Japaner genießen sollten. Durch eine aufgezwungene und rigorose Japanisierung sollten alle Spuren ihrer koreanischen Identität beseitigt werden: Das Japanische wurde in den 30iger Jahren zur Amtssprache erklärt und alle kulturellen Äußerungsformen, die einen nationalen koreanischen Gehalt besaßen, wurden unter der Losung, dass 'Japan und Korea eine Einheit' seien, verboten.
Diese rassistische Unterdrückung nahm während des Zweiten Weltkriegs, als mehr als 200.000 koreanische Frauen und Mädchen von japanischen Truppen zusammengetrieben wurden, um als Sexsklaven Dienste zu verrichten, besonders brutalen Charakter an. Einigen Wissenschaftlern zufolge bewirkte diese extrem brutale japanische Kolonialherrschaft, dass sich der koreanische Nationalismus besonders stark herausbilden konnte, wodurch später, Cumings zufolge, ein 'nationaler Solipsismus' entstanden sei(Solipsismus=philosophischer Begriff, wonach nur das eigene Ich und seine Bewusstseinsinhalte als wirklich angesehen werden und alles, was außerhalb dieses Ichs existiert, als abgeleitetes Produkt betrachtet wird - eine philosophische Richtung, die von dem britischen Bischof Berkeley entwickelt wurde und subjektiver Idealismus genannt wird - Übers.). Dies ist der Gedanke
"makellosen, selbstgenügsamen Gemeinschaft von Koreanern, die entschlossen ist, sich jedem äußeren Druck zu widersetzen." (Bruce Cumings, 'The Origins of Korean War' - die Ursprünge des Koreanischen Krieges - Band 2, 'The Roaring of the Cataract', 1947-1950 - das Getöse des Wasserfalls - Princeton 1990, S. 367).
Die Bewegung des Ersten März, 1919
Neun Jahre nach der japanische Eroberung erlebte Korea die ersten größeren nationalen Erhebungen: Im Jahre 1919 beteiligten sich mehr als zwei Millionen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten an etwa 3.200 Demonstrationen und Revolten im ganzen Land. Eine weitere Abteilung japanischer Truppen, 6.000 Mann stark, wurde daraufhin nach Korea entsandt: 7.509 Koreaner werden getötet, Tausende verhaftet, geschunden und geschlagen. Viele Aktivisten und Patrioten müssen entweder in den Untergrund gehen oder ihren Kampf vom Ausland her fortsetzen.
Diese Bewegung wurde unter dem Namen 'Bewegung des Ersten März' bekannt oder auch als 'Mansei-Revolution' bezeichnet, weil am 1. März 1919 in Seoul 33 prominente Patrioten (Grundbesitzer, Kapitalisten, religiöse Führer, Intellektuelle und andere) gemeinsam eine Erklärung unterzeichneten, in der die Unabhängig- keit Koreas erklärt und die Freiheit des koreanischen Volkes beschworen wird.
In der Erklärung wird zum friedlichen Widerstand gegen Japan aufgerufen und an das Ausland appelliert, Hilfe zu leisten. Da es jedoch Japan gelungen war, die Bewegung zu unterdrücken, zogen es einige Patrioten vor, nach China oder in die USA ins Exil zu gehen, wo eine provisorische koreanische Regierung unter der Führung von Syngman Rhee (der in Washington D.C. lebte) gebildet wurde. Zu dieser Zeit lebten etwa 600.000 Koreaner im Südosten der Mandschurei, ungefähr 200.000 in den maritimen Provinzen und an die 6.000 auf Hawaii und in den USA. Die geographische Verstreutheit der unterschiedlichsten Patrioten in allen Teilen der Welt, ihre internen Zwistigkeiten und Meinungsverschieden- heiten (z.B. darüber, ob man friedlichen, diplomatischen oder bewaffneten Widerstand gegen Japan leisten sollte), führten bald zum Zusammenbruch der vorläufigen Regierung.
Anfänge der kommunistischen Bewegung
Under dem Einfluss der Oktober-Revolution von 1917 begann der Marxismus-Leninismus die Koreaner zu beeinflussen, was zur Folge hatte, dass eine ganze Reihe kommunistisch orientierter Organistationen in und außerhalb des Landes entstanden.
Die erste sozialistische Organisation, die 1918 im der fernöst- lichen Region der Sowjetunion gegründet wurde, war die Koreani- sche Sozialistische Partei. Nur drei Jahre später spaltete sich die Partei und es entstand die Kommunistische Partei von Koryo in Irkutsk und eine weitere Kommunistische Partei von Koryo in Shanghai. Gleichzeitig entstand die 'Proletarische Union' durch den Zusammenschluss der 'Proletarischen Kameradschaftsgesell- schaft' und der 'Liga der Menschen mit fortschrittlichen Ideen'. Diese Union schloss sich später der Irkutsker Organisation an, woraus 1923 die 'Gesellschaft zum Studium Neuer Ideen' entstand (später 'Dienstags-Gesellschaft' genannt). Es gab darüberhinaus die 'Seouler Jugendgesellschaft', 1921 gegründet, die 'Gesell-
Zwischen 1920 und 1925 entwickelten sich die Massenkämpfe im Land, an denen sich etwa 27.000 Arbeiter bei mehr als 330 Streiks beteiligten. Mit der Gründung der Kommunistischen Partei Koreas (KPK) im April 1925 wurde ein gewisses Maß an Einigkeit unter den oben genannten Organisationen erzielt. Jedoch war diese Einigkeit nur von kurzer Dauer, da schon bald erneut interne Auseinander- setzungen in der neu gegründeten Partei auftraten. Auch schloss sich die Seouler Gruppe der Kommunistischen Partei nicht der KPK an und zwei weitere Gruppen traten noch zusätzlich in Erscheinung: die Marxistisch-Leninistische Gruppe (ML-Gruppe) und die 'Seoul-Shanghai-Organisation'. Diese extrem sektiererischen Spaltungen - sowohl vor als auch nach der Gründung der KPK - änderten wenig an der Situation in Korea und waren weder zum Vorteil der kommunistischen Sache noch im Sinne des antijapanischen Kampfes. Nach drei Jahren harter Fraktionskämpfe hörte die KPK, die noch kurz zuvor, im Jahre 1926, in die Kommunistische Internationale aufgenommen worden war, 1928 auf zu existieren.
In ihrer Kritik an den Mängeln der kommunistischen Bewegung in Korea wies die Kommunistische Internationale nicht nur auf die andauernden Fraktionskämpfe innerhalb der KPK, sondern auch auf die falsche Zusammensetzung ihrer Kader (hauptsächlich Intellek- tuelle und Studenten) hin. In einer 1928 verabschiedeten Resolution zur koreanischen Frage wies das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale auf die Notwendigkeit für die koreanischen Kommunisten hin, eine Agrarrevolution durchzuführen und gleichzeitig den proletarischen Charakter der revolutionären Bewegung im Land zu stärken. In der Resolution hieß es:
"Die wichtigste Aufgabe, vor der die kommunistische Bewegung Koreas in der gegenwärtigen Phase ihrer Entwicklung steht, ... besteht darin, die proletarisch revolutionäre Bewegung zu stärken, ihre vollständige Unabhängigkeit von der kleinbürgerlich national-revolutionären Bewegung zu gewährleisten ... Die koreanischen Kommunisten müssen ihr Äußerstes tun, um zu allererst die Industriearbeiter sowie die armen Bauern, die noch nicht ihren bäuerlichen Betrieb aufgegeben haben, für die Partei zu gewinnen. Diese schwere Aufgabe werden die Kommunisten nur bewältigen können, wenn sie sich von den alten Organisations- methoden intellektueller Zirkel befreien und bolschewistische Massenarbeit, besonders in den Betrieben und Gewerkschaften, leisten." (Resolution des EKKI zur koreanischen Frage', 10.12. 1928, in: D. Suh, 'Documents of Korean Communism 1918-1948' - Dokumente des koreanischen Kommunismus - Princeton 1970, S. 250f).
3. Die marxistisch-leninistische Strategie für den revolutionären Prozess in kolonialartigen Ländern
Marxistisch-leninistische Parteien und Organisationen versuchen in ihren jeweiligen Ländern die Arbeiterklasse darauf zu orientieren, sozialistische und schließlich kommunistische Gesellschaften nach der erfolgreichen Durchführung einer sozialistischen Revolution zu errichten. Der revolutionäre Prozess wird sich notwendigerweise in jedem einzelnen Land voneinander unterscheiden - je nach den besonderen Bedingungen und dem Stand ihrer Entwicklung. Kolonialartige Länder umfassen gewöhnlich all jene relativ unterentwickelten Länder, die in der einen oder anderen Form von ausländischen imperialistischen Mächten beherrscht werden. Ein kolonialartiges Land kann sein:
1. eine Kolonie, die direkt von einer Großmacht regiert wird (dies war der Status von Gesamtkorea unter der japanischen imperialistischen Herrschaft zwischen 1910 und 1945) oder
2. eine Halbkolonie oder 'Neokolonie', die zwar nach außen hin unabhängig ist, aber tatsächlich von einer Großmacht (wie im Fall von Südkorea unter der US-imperialistischen Herrschaft seit 1945 bis heute) dominiert wird.
In diesen kolonialartigen Ländern wird der revolutionäre Prozess, der zur nationalen Befreiung des Landes vom ausländischen Joch führt, als 'nationaldemokratische Revolution' bezeichnet. Der revolutionäre Prozess, der zur politischen Macht der Arbeiter- klasse führt, wird dagegen 'sozialistische Revolution' genannt.
Ein wichtiges Merkmal der gesellschaftlichen Struktur eines kolonialartigen Landes besteht in der Rolle, die von der einheimischen kapitalistischen Klasse gespielt wird. Sie besteht aus zwei Teilen:
1. dem Teil der kompradorkapitalistischen Klasse oder auch 'Kompradorbourgeoisie' genannt, der eng mit der Klasse der Grundbesitzer verbunden ist und deren Ausbeutung der einheimischen Arbeiterklasse hauptsächlich auf dem Außenhandel sowie auf ihren Verbindungen mit ausländischen Gesellschaften und multinationalen Unternehmen beruht. Wie die Klasse der Grundbe- sitzer ist dieser Teil der Bourgeoisie von der dominierenden Großmacht abhängig; und
2. der einheimischen kapitalistischen Klasse oder auch 'nationale Bourgeoisie' genannt, deren Ausbeutung der Arbeiterklasse auf dem Eigentum an den Industriebetrieben beruht und deren wirtschaftli- ches Vorankommen von der herrschenden Großmacht behindert wird.
Wie Stalin 1925 feststellte, unterteilt sich in einigen kolonialartigen Ländern die einheimische Bourgeoisie
"in zwei Teile: in einen revolutionären Teil (den der nationalen Bourgeoisie - Verf.) ... und einen kompromissbereiten Teil (den der Kompradorbourgeoisie - Verf.), wobei der erste den revolutionären Kampf fortsetzt, während der andere ein Bündnis mit dem Imperialismus eingeht." (J.W. Stalin, 'Die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens', Rede vor Studenten der Kommunistischen Universtität der Werktätigen des Ostens, 18.5. 1925, in: Stalin- 'Werke', Band 7, Moskau 1954, S. 147).
Der Sechste Kongress der Kommunistischen Internationale, der im September 1928 stattfand, war sich darin einig, dass die einheimische Bourgeoisie in kolonialartigen Ländern gewöhnlich eine differenzierte Einstellung gegenüber dem Imperialismus einnimmt:
"Der eine Teil oder genauer gesagt, der der Handelsbourgeosie, dient direkt den Interessen des imperialistischen Kapitals (also die so genannte Kompradorbourgeoisie). Im Allgemeinen nimmt sie mehr oder weniger ständig eine antinationale, proimperialistische Haltung, die sich gegen die gesamte patriotische Bewegung richtet, ein, ähnlich wie dies bei den feudalen Bündnispart- nern des Imperialismus oder bei den hochbezahlten Beamten der Fall ist. Der andere Teil der einheimischen Bourgeoisie, besonders aber jener Teil, der die Interessen der einheimischen Industrie vertritt, unterstützt die nationale Befreiungsbewe- gung." (Auszüge aus den 'Thesen über die revolutionäre Bewegung in kolonialen und halbkolonialen Ländern', verabschiedet vom Sechsten Weltkongress der Kommunistischen Internationale, 1.9. 1928, in: Jane Degras, Hrsg., 'The Communist International: 1919-1943: Documents', London 1971, S. 538).
In kolonialartigen Ländern ist die nationale Bourgeoisie tatsäch- lich eine Klasse, die für die nationaldemokratische Revolution eintritt, die aber objektiv gegen die sozialistische Revolution eingestellt ist. Daraus folgt, dass die Klassenkräfte, die objektiv gesehen für die nationaldemokratische Revolution eintreten, weitgefächerter und stärker sind als jene Kräfte, die objektiv für die sozialistische Revolution sind. Um daher ein Höchstmaß an Klassenkräften sowohl für die nationale als auch für die sozialistische Revolution mobilisieren zu können, besteht die marxistisch-leninistische Strategie darin, zu versuchen, den revolutionären Prozess in kolonialartigen Ländern in zwei Stadien ablaufen zu lassen:
1. durch das Stadium der national-demokratischen Revolution und
2. durch das der sozialistischen Revolution.
Im Verlauf der ersten nationaldemokratischen Phase ist die marxistisch-leninistische Partei bestrebt, sich mit der nationalen Bourgeoisie zu verbünden, vorausgesetzt, dass diese Klasse auch wirklich revolutionär bleibt.
Zeitweilige Kompromisse sind zulässig und unter gewissen Umständen ist sogar eine zeitweilige Allianz zwischen der Kommunistischen Partei und der nationaldemokratischen Bewegung möglich, vorausgesetzt, dass es sich bei dieser um eine wahrhaft revolutionäre Bewegung handelt, dass sie ehrlich gegen die herrschende Macht kämpft und dass ihre Vertreter die Kommunisten nicht in ihrer Arbeit behindern. " (Auszüge aus den 'Thesen über die revolutionäre Bewegung in kolonialen und halbkolonialen Ländern', verabschiedet vom Sechsten Weltkongress der Kommunistischen Internationale, 1.9. 1928, in: Ebenda, S. 542).
Eine solche Zusammenarbeit mit der nationalen Bourgeoisie ist nur zeitweiliger Natur, da es der marxistisch-leninistischen Partei darauf ankommt, für die Arbeiterklasse die führende Rolle beim Voranschreiten der nationaldemokratischen Revolution zur sozialistischen Revolution zu sichern. Diese wird sich jedoch zwangsläufig aus dem revolutionären Prozess zurückziehen und zur Konterrevolution übergehen, sobald die Arbeiterklasse in der Lage ist, eine sozialistische Revolution durchzuführen.
"Die Arbeiterklasse wird dann die nationale Bourgeoisie zur Seite stoßen, ihre führende Rolle zu festigen suchen, um die riesigen Massen des arbeitenden Volkes in Stadt und Land anzuführen, um den Widerstand der nationalen Bourgeoisie zu überwinden, den vollständigen Sieg für die bürgerlich-demokratische Revolution zu sichern und sie dann nach und nach in eine sozialistische zu verwandeln." (J.W.Stalin, 'Fragen der Chinesischen Revolution', April 1927, in: Stalin-'Werke', Band 9, Moskau 1954, S. 225).
"Die bürgerlich-demokratische Revolution - wenn sie konsequent vorangetrieben wird - wird dann in solchen Kolonien oder Halbkolonien in eine proletarische verwandelt werden können, wenn das Proletariat die führende Rolle der Bewegung innehat. ... In diesen Ländern (Kolonialländern - Verf.) besteht die Hauptaufgabe darin, die Arbeiter und Bauern unabhängig in der Kommunistischen Partei des Proletariats zu organisieren ... und sie vom Einfluss der nationalen Bourgeoisie zu befreien." (Programm der Kommunistischen Internationale, angenommenn auf dem Sechsten Weltkongress, 1.9.1928, in: Jane Degras, Hrsg., ebenda, S. 507, 522).
Wenn sich die Arbeiterklasse erst einmal im Bündnis mit der Bauernschaft die führende Rolle im revolutionären Prozess erobert und damit begonnen hat, die nationaldemokratische Revolution in die sozialistische durch den Sturz der nationalen Bourgeoisie umzuwandeln, wird die marxistisch-leninistische Strategie darin bestehen, den endgültigen Sieg des Sozialismus durch die Errichtung der Diktatur des Proletariats sicherzustellen. Der Übergang vom ersten nationaldemokratischen Stadium zum zweiten sozialistischen erfolgt ununterbrochen, wie Lenin feststellte:
"Von der demokratischen Revolution aus werden wir sofort und in genauer Übereinstimmung mit unseren Kräften, den Kräften des klassenbewussten und organisierten Proletariats, zur sozialistischen Revolution übergehen. Wir sind für die ununterbrochene Revolution. Wir werden nicht auf halbem Wege stehen bleiben." (W.I.Lenin, 'Die Haltung der Sozialdemokratie gegenüber der Bauernbewegung', 14.9.1905, in: W.I.Lenin, 'Gesammelte Werke', Band 9, Moskau 1962, S. 236f).
4. Kim Il Sung und der bewaffnete antijapanische Kampf
Kim Il Sung wurde am 15. April 1912 in Mangyongdae, in der Nähe von Pyongyang geboren. Er stammte aus einer Bauernfamilie, in der starke patriotische Traditionen vorhanden waren.
Im Jahre 1926, als 14-jähriger Schuljunge, gründete er in Huatien (Manchurei) die 'Nieder-mit-dem-Imperialismus-Union' (NIU), deren Ziel darin bestand, den japanischen Imperialismus zu besiegen und die koreanische Befreiung und Unabhängigkeit herbeizuführen. Ein Jahr später bildete er die NIU in die 'Anti-imperialistische Jugendliga'(AIJL) um und gründete den 'Bund Junger Kommunisten' (BJK), eine kommunistische Vorhutorganisation. Diese beiden Organisationen, zusammen mit der Bauernunion, den Jungen Pionieren und anderen Organisationen, begannen damit, den illegalen Kampf gegen den japanischen Imperialismus in ganz Korea zu organisieren.
1928 führte Kim Il Sung den Kampf der Studenten gegen das Eisenbahnprojekt von Kirin Hoeryong an, ein Projekt, mit dem das Ziel verfolgt wurde, die japanischen Verkehrsverbindungen bis in die Mandschurei hinein auszudehnen. Schon bald entpuppte er sich als einer der führenden Leute einer neuen Generation von Kommunisten, die sich von denen, die in der ursprünglichen kommunistischen Bewegung aktiv gewesen waren, stark unterschied. Die zeitgenössische politische Literatur betont heute die Tatsache, dass diese neue Generation aus zwei Gründen den Fraktionismus hinter sich lassen konnte: Erstens hatten sie die kommunistischen Ideen gleich zu Beginn ihres Kampfes übernommen und waren in keinen ehemaligen Sekten tätig gewesen. Und darüberhinaus stammten sie meist aus Bauern- oder Arbeiterfa- milien.
Nachdem er sieben Monate im Gefängnis von Kirin zugebracht hatte, wurde Kim Il Sung zum Organisator des bewaffneten antijapanischen Kampfes. Es war in der Stadt Kuyushu, wo sich am 6. Juli 1930 auf Initiative von Mitgliedern der Bundes der Jungkommunisten sowie der Anti-imperialistischen Jugendliga die erste Einheit der Koreanischen Revolutionären Armee (KRA) bildete. Kleinere Gruppen der KRA wurden in bestimmte Gebiete, aber besonders aufs Land geschickt. Jedoch waren die KRA-Einheiten kaum in der Lage, auf koreanischem Territorium zu operieren, weil dieses von den Japanern genauestens kontrolliert wurde. Aus diesem Grunde beschloss man, das Hauptquartier des bewaffneten Kampfes in dem waldreichen Gebiet entlang des Tuman-Gang-Flusses in der Ost-Manchurei zu errichten, eine Region, deren Bevölkerung sich aus fast 400.000 Koreanern zusammensetzte (80% der Gesamteinwohner- zahl).
Der bewaffnete antijapanische Kampf entwickelte sich in unter- schiedlichen und schwierigen Phasen. Im September 1931 fielen die Japaner in die Manchurei ein, wodurch die Guerilla-Stützpunkte bedroht waren und die sofortige Schaffung der Antijapanischen Guerilla-Volksarmee (AJGVA) in Antu (Manchurei, 25.04. 1932) zu einer Notwendigkeit wurde. Aus Anlass ihrer Gründung erklärte Kim Il Sung:
"Das Ziel und die Mission der Guerilla-Volksarmee besteht darin, die Herrschaft des japanischen Imperialismus in Korea zu beenden und die nationale Unabhängigkeit und soziale Emanzipation des koreanischen Volkes herbeizuführen. ... Die Gründung der AJGVA wird zur Bildung einer anti-japanischen vereinigten Front und zur Politik der Bildung einer marxistisch-leninistischen Partei führen." (Kim Il Sung, 'Aus Anlass der Gründung der Antijapanischen Volksguerilla-Armee', Rede, die Kim Il Sung bei der Gründung der Antijapanischen Guerilla-Volksarmee hielt, 25.4.1932, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 47).
Im März 1933 überquerten Guerilla-Einheiten den Tuman-Gang-Fluss und drangen an der Nordgrenze zu Korea in den Distrikt von Onsong ein. In den befreiten Gebieten wurde eine revolutionäre Regierung eingesetzt, was dazu führte, dass sich die Reihen der Guerilla-Armee beträchtlich erweitern und verstärken konnten. Im März 1934 wurde die AJGVA zur Koreanischen Revolutionären Volksarmee (KRVA) umgebildet, in der es Divisionen, Regimenter, Kompanien, Züge und Gruppen gab, die systematisch organisiert und einem einheitlichen Kommando unterstellt waren. Als die KRVA-Einheiten ihre Operationen weiter in koreanisches Gebiet und in das der Nord-und Süd-Manchurei ausdehnten, kam es zu regelrechten Schlachten mit den japanischen Streitkräften.
Auch andere halbmilitärische Organisationen waren in diesem Gebiet aktiv: die Roten Garden (ein antijapanisches Selbstver- teidigungskorps), die Kinderavantgarde, die Freiwillige Jugend- armee sowie die Stoßbrigade. Es wurden Selbstverwaltungsorgane und Volkskomitees gebildet und um die Unterstützung aus dem Volk weiter zu erhöhen, gründete man am 5. März 1936 auch die Vereinigung für die Wiederherstellung des Vaterlands (VWV). Die Schaffung dieser anti-japanischen Organisation der vereinigten Front stellte laut Kim Il Sung
"ein Ereignis von epochaler Bedeutung für die Festigung der Massenbasis der Revolution"
dar.
Die VMV hatte tatsächlich die Vereinigung aller partriotischen Teile der koreanischen Gesellschaft zum Ziel, unter Ausschluss der projapanischen Grundbesitzer, der Kompradorkapitalisten sowie der Verräter der Nation. Ihr hauptsächliches Anliegen bestand darin,
"die gesamte koreanische Nation zu mobilisieren und eine breite antijapanische vereinigte Front herzustellen, um die piraterische japanische imperialistische Herrschaft zu stürzen und um in Korea eine echte Volksregierung bilden zu können." (Kim Il Sung, 'Das Zehn-Punkte-Programm der Vereinigung für die Wiederherstellung des Vaterlands', 5.5.1936, in: Kim-Il-Sung-'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 112).
Im November 1937 unterstrich und betonte Kim Il Sung den unabhängigen Charakter des koreanischen Kampfes mit folgenden Worten:
"Die koreanischen Kommunisten müssen vor allem an einer festen Position der Unabhängigkeit festhalten, um ihre revolutionären Aufgaben mit Erfolg krönen zu können. ... Die Herren der koreanischen Revolution sind das koreanische Volk und die koreanischen Kommunisten. Die koreanische Revolution muss durch das koreanische Volk durchgeführt werden, unter der Führung der koreanischen Kommunisten. ... Der Sieg und der Ruhm gehört den koreanischen Kommunisten, die unnachgiebig unter dem ausgerollten Banner der Koreanischen Revolution kämpfen." (Kim Il Sung, 'Die Aufgaben der koreanischen Kommunisten', eine Abhandlung, die in 'Sogwang' erschien, dem Organ der Koreanischen Revolutionären Volksarmee, 10.11.1937, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 166f).
Nach Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges im Juli 1938 nahmen die militärischen und politischen Aktivitäten in ganz Korea an Intensität zu. Man beschloss jedoch, die Schaffung einer neuen koreanischen kommunistischen Partei auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
Nach der Zwangsmobilisierung koreanischer Männer und Frauen im Zweiten Weltkrieg, wurden ausgedehnte Vorbereitungen für anti-japanische Aufstände getroffen, als Vorspiel für eine General- offensive der Koreanischen Revolutionären Volksarmee im ganzen Land. Nach der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands am 9. Mai 1945 und der dann folgenden sowjetischen Kriegserklärung gegen Japan am 9. August 1945, überschritten Einheiten der KRVA den Tuman-Gang-Fluss und marschierten zügig auf die Gebiete von Kyonghung und Kyongwon zu. Andere Einheiten landeten in Unggi, Raijin und Chongjin. Da die KRVA erfolgreich ihre Attacken intensivieren und viele Gebiete befreien konnte, war die japanische Armee schon am 15. August 1945, am Tag der endgültigen Befreiung des koreanischen Volkes von Japan, nach einer 35-jährigen Kolonialherrschaft, gezwungen, bedingungslos zu kapitulieren.
Der bewaffnete anti-japanische Kampf ist als heroischer natio- naler Befreiungskrieg, der alle patriotischen Kräfte sowohl im Inneren als auch außerhalb des Landes aktivierte und mobili- sierte, um erfolgreich den japanischen Imperialismus zu liquidie- ren, in die Geschichte Koreas eingegangen. Koreas nationale Befreiungsbewegung entwickelte sich selbstständig und vertraute hauptsächlich auf ihre eigenen Kräfte und erhielt aus dem Ausland keine direkte Unterstützung. Sie unterhielt auch weder gewachsene Verbindungen zur UdSSR noch zur Dritten Internationale. In dieser Zeit kämpfte Kim Il Sung als revolutionärer, patriotischer Führer leidenschaftlich für die Befreiung seines Landes. Jedoch wird ihm heute in der KDVR die fast ausschließliche Rolle und Führerschaft für die Befreiung Koreas zuerkannt:
"Der glänzende Sieg des bewaffneten antijapanischen Kampfes war nur auf die weise Führung des verehrten und geliebten Führers Genosse Kim Il Sung, einem begabten Revolutionär, dem großen Denker und Theoretiker, dem stets siegreichen, brillianten und mit einem eisernen Willen ausgestatteten Kommandeur und hervorragendem Militärstrategen zurückzuführen. Alle Elemente des Sieges im bewaffneten antijapanischen Kampf waren das Werk allein seiner genialen Organisation und Führung. ... Der glänzende Sieg im bewaffneten antijapanischen Kampf war möglich dank der Einheit des Denkens und Wollens und der revolutionären Geschlossenheit der revolutionären Reihen, mit dem großen Führer Kim Il Sung als Dreh- und Angelpunkt. ... Die stählerne Einheit von Denken und Wollen und der revolutionäre Zusammenhalt der revolutionären Kräfte konnte hergestellt werden, weil das revolutionäre Denken und die revolutionären Theorien des verehrten und geliebten Führers Genosse Kim Il Sung korrekt und großartig waren und seine Führerschaft genial. Und nichts war imstande, diese Einheit und diesen Zusammenhalt zu zerbrechen. ... Der Sieg des bewaffneten antijapanischen Kampfes war der glänzende Sieg der überragenden Militärstrategie und Guerillataktik des großen Führers Genossen Kim Il Sung." (Kim Han Gil, 'Moderne Geschichte Koreas', 1979, S. 169ff).
5. Die Teilung Koreas
Die künstliche Teilung der koreanischen Halbinsel und seines Volkes war die Entscheidung des Koordinations-Komitees der US-amerikanischen Kriegsmarine in Washington D.C. Sie wurde in der Nacht vom 10. auf den 11. August 1945, vier Tage vor Koreas endgültiger Befreiung, getroffen. Der stellvertretende Außenminister der USA, John J. McCloy, wies in dieser Nacht D. Rusk und C.H. Bonesteel, beide im Range eines Oberst, an, innerhalb von 30 Minuten festzulegen, wo auf der Karte von Korea die Trennlinie einzutragen sei. Die Linie wurde entlang des 38. Breitengrades eingetragen, so dass die Kapitulation der japanischen Armee den sowjetischen Streitkräften im Norden (die am 12. August in Nordost-Korea einrückten) und den US-amerikanischen im Süden angeboten werden konnte. Diese willkürliche Entscheidung, die unter völliger Missachtung des nationalen Befreiungskrieges, der vom koreanischen Volk für seine Selbstbestimmung und Unabhängigkeit geführt worden war, getroffen wurde, war das Ergebnis der expansionistischen Versuche des US-Imperialismus, seine Fangarme auf den asiatischen Kontinent auszustrecken. Schon Mitte 1946 war der kalte Krieg gegen die Sowjetunion und die neu entstandenen Volksdemokratien im Gang. Auch in Korea, so Präsident Truman, befänden sich die USA
"auf einem ideologischen Schlachtfeld, auf dem der gesamte Erfolg (der USA - Verf.) abhängen könne." (H.S.Truman an E.W.Pauley, Sonderbotschafter für deutsche und japanische Wiedergutmachungspolitik, 16.7.1946, in: 'Foreign Relations of the US' - Außenpolitik der USA - 1946, Band 8, 'The Far East' - Ferner Osten - Washington D.C., Abteilung für Regierungsveröffentlichungen 8554, 1971, S. 713f).
Nach der Teilung des Landes errichtete der US-Imperialismus ein neues Besatzungsregime in Südkorea, wo er - inzwischen über ein halbes Jahrhundert lang - eine ganze Kette von faschistischen oder pseudodemokratischen Regimes, die der US-amerikanischen Strategie und den wirtschaftlichen Interessen der USA entsprachen, installierte. Die US-Macht im Süden trat sofort an die Stelle der japanischen Herrschaft. Um dies zu gewährleisten, wurden die Selbstverwaltungsorgane und Volkskomitees, die während des Krieges entstanden waren, aufgelöst und eine brutale Militärverwaltung eingeführt. Jedes demokratische Recht wurde beseitigt und die nationale Unabhängigkeit des koreanischen Volkes verneint. Sehr schnell lief die Entwicklung im Norden und im Süden auseinander. Das hatte zur Folge, dass die koreanischen Anstrengungen, das Land wieder aufzubauen und zu demokratisieren, durch die militärische Besetzung der USA und ihre Einmischung im Süden, wo die Koreanische Republik (KR) mit der Installierung von Syngman Rhee als Diktator gegründet wurde, besonders erschwert wurden.
Im Frühjahr 1948 drückte sich die durchgängig vorhandene Sehnsucht des koreanischen Volkes nach Herstellung seiner nationalen Einheit darin aus, dass sich im April Vertreter nord- und südkoreanischer politischer Parteien und gesellschaftlicher Organisationen zu einer gemeinsamen Konferenz zusammenfanden, an der 695 Vertreter aus 56 Parteien und Organisationen teilnahmen. In ihrer Schlussresolution verlangten sie den Abzug sowohl der sowjetischen als auch der US-Truppen von koreanischem Territorium, unterstützten die Einrichtung einer vorläufigen Regierung für ganz Korea und wiesen US-amerikanische Versuche zurück, im Süden getrennte Wahlen durchzuführen. In der Resolution hieß es zum Schluss:
"Um die Spaltung des Landes und die Herrschaft über das südkoreanische Volk durch die US-Imperialisten abzuwenden, müssen wir - sowohl die süd- als auch die nordkoreanischen politischen Parteien und gesellschaftlichen Organisationen - unsere Kräfte bündeln, um die landesweite Bewegung weiterzuentwickeln, um zu verhindern, dass es zu getrennten Wahlen in Südkorea kommt. Wir müssen den sowjetischen Vorschlag, dem koreanischen Volk das Recht auf die eigene Herstellung eines vereinigten demokratischen und unabhängigen Landes durch den unverzüglichen Abzug ausländi- scher Truppen aus Korea einzuräumen, unterstützen." (Gemeinsame Konferenz von Vertretern nord- und südkoreanischer Parteien und gesellschaftlicher Organisationen in Pyongyang. Resolution zur politischen Lage in Korea, 23.4.1948, zitiert nach: 'Korea ist eins', Pyongyang 1978, S. 190).
Entgegen diesen Bestrebungen des koreanischen Volkes organisierten die USA schon kurze Zeit darauf, am 10. Mai 1948, getrennte Wahlen in Südkorea - und dies trotz der Tatsache, dass sich weite Teile des Landes außerhalb der Kontrolle der Syngman- Rhee-Regierung befanden. Dennoch fanden in ganz Korea am 25. August 1948 allgemeine Wahlen zur Obersten Volksversammlung statt. Im Norden fanden diese allgemeinen, gleichen und unmittelbaren Wahlen statt, um 212 Delegierte zu bestimmen (99,97% der Wahlberechtigten beteiligten sich an den Wahlen und 98,49% stimmten für die Kandidaten der Demokratischen Nationalen Einheitsfront Nordkoreas). Nach Überwindung beträchtlicher Hindernisse konnten auch im Süden geheime Wahlen stattfinden, um 360 Delegierte zu wählen. Aber angesichts der fortbestehenden politischen Unterdrückung, beteiligten sich nur 77,52% der Wahlberechtigten an dieser Wahl. Insgesamt nahmen 572 Delegierte, von denen 102 der Nordkoreanischen Kommunistischen Partei angehörten, die damals in 'Arbeiterpartei Koreas' (APK) umbenannt wurde, an der ersten Sitzung der Obersten Volksversammlung am 2. September 1948 teil, die die Verfassung des neuen Staates annahm und Kim Il Sung zum Ministerpräsidenten wählte. Seine Regierung betonte die Dringlichkeit, das geteilte Land durch den gleichzeitigen Abzug der sowjetischen Truppen aus dem Norden und der US-Truppen aus dem Süden zu vereinigen. Ein paar Tage später, am 9. September 1948, verkündete die Oberste Volksversammlung offiziell die Gründung der KDVR:
"ein epochemachender Schritt vorwärts im Kampf für die Wiedervereinigung und Unabhängigkeit des Landes sowie für seine demokratische Entwicklung." (Kim Il Sung, Bericht an den Dritten Parteitag der Arbeiterpartei Koreas, Kim Il Sung, 'Werke', Band 10, Pyongyang 1982, S. 159).
Ende 1948 waren alle sowjetischen Truppen (etwa 10.000 Soldaten Mitte 1946) abgezogen worden, während die anhaltende Militärpräsenz der USA im Süden eine weitere gemeinsame Initiative für eine friedliche Lösung der koreanischen Frage auslöste. Die Demokratische Front für die Wiedervereinigung des Vaterlandes entstand so im Mai 1949 unter Beteiligung verschiedener politischer Parteien und gesellschaftlicher Organisationen aus dem Norden und aus dem Süden des Landes. Sowohl die Demokratische Front als auch die Regierung der KDVR unterbreiteten vor Ausbruch des Korea-Krieges im Juni 1950 verschiedene Vorschläge, um eine friedliche Wiedervereinigung Koreas herbeizuführen.
6. 'Fortschrittliche Demokratie' in Nordkorea
Zur Zeit ihrer Befreiung im Jahre 1945 besaß die koreanische Gesellschaft immer noch einen halbfeudalen Charakter, weil die kapitalistische Entwicklung durch die 35-jährige japanische Kolonialherrschaft aufgehalten worden war. Sehr schnell begab sich Nordkorea auf den Weg einer 'fortschrittlichen Demokratie', um eine anti-imperialistische und antifeudale Revolution durchzuführen. Die dringsten Aufgabe nach dem Krieg bestand deshalb darin,
"eine demokratische nationale Einheitsfront zu organisieren, in der sämtliche patriotischen und demokratischen Kräfte des Landes Platz fingen konnten, wie Arbeiter, Bauern, fortschrittliche Intellektuelle, die verantwortungsbewussten nationalen Kapitalisten und Angehörige von Religionen, um auf dieser Grundlage eine Demokratische Volksrepublik zu errichten. Von der Macht ausgeschlossen waren die projapanischen Kompradorkapitalis- ten und Grundbesitzer." (Kim Il Sung, 'Über die Bildung von Partei, Staat und Streitkräften im Befreiten Heimatland', Rede vor politischen und Militärkadern, 20.8.1945, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 235f).
Wie Kim Il Sung deshalb 1945 erklärte, war die Demokratie in diesem Sinne
"keine Demokratie für nur eine einzige Klasse, eine einzige politische Partei, eine einzige Organisation oder Religion. Es ist die Demokratie für die breite Masse des Volkes." (Kim Il Sung, 'Über fortschrittliche Demokratie', eine Vorlesung für Studenten der Politischen Schule für Arbeiter und Bauern', 3.10.1945, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 259).
Diese fortschrittliche Demokratie zielte deshalb darauf ab, eine gemeinsame Diktatur verschiedener Klassen in Nordkorea zu sein, auch unter Einschluss der nationalen Bourgeoisie:
"Die Demokratische Volksrepublik ... muss durch die Schaffung einer demokratischen Einheitsfront errichtet werden, ... welche... selbst diejenigen nationalen Kapitalisten mitein- schließt, die ein nationales Verantwortungsgefühl besitzen." (Kim Il Sung, 'Über den Aufbau des Neuen Korea und die Nationale Einheitsfront', Rede vor Funktionären der Parteikomitees der Provinzen, 13.10.1945, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 298).
Es wurde auf die Annahme Wert gelegt, dass es angesichts der konkreten Bedingungen in Nordkorea nach 1945 verfrüht sei, ein sozialistisches System oder eine Sowjetmacht einzuführen. Die koreanischen Kommunisten wurden deshalb von Kim Il Sung angewiesen, an dem
"Grundsatz festzuhalten, möglichst alle Kräfte, die das Land und das Volk lieben, zusammenzuführen." (Kim Il Sung, 'Über die Schaffung einer marxistisch-leninistischen Partei in Unserem Land und ihre unmittelbaren Aufgaben', 10.10.1945, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 286).
"Es gibt keine Beweise dafür, weshalb Kommunisten und Nationalis- ten nicht in dem Bemühen zusammenarbeiten könnten, die Nation zu schaffen. ... Die Einheit allein ist die patriotische Straße für das Land und das Volk und die richtige Straße für die Schaffung der Nation - die Straße der Garantie für ein neues, demokrati- sches Korea." (Kim Il Sung, 'Gespräch mit Teilnehmern an der nationalen Bewegung', 5.11.1945, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 347).
In Nordkoreas fortschrittlicher Demokratie wurde der Kommunismus statt im leninschen, bolschewistischen Sinne aufgefasst zu werden, mit koreanischem Patriotismus und koreanischer Unabhängigkeit gleichgesetzt. Kim Il Sung erzählte die folgende Anekdote während einer Massenkundgebung in Sinuiju:
"Irgendjemand hat mich gerade gefragt: 'General - sind Sie auch ein Kommunist?' 'Ja, ich bin ein Kommunist. Kommunisten sind wahrhafte Patrioten, die unbeirrt für die vollständige Unabhängigkeit ihres Landes und das Glück ihres Volkes kämpfen. Wenn jemand, der sich Kommunist nennt, nicht sein Land und seine Nation liebt, dann ist er kein wahrer Kommunist. Ich gehöre nicht zu den Kommunisten, die nach ausländischen Mächten aufschauen, sondern jemand, der sich auf das eigene Volk verlässt und für das Wohlergehen der koreanischen Nation und des koreanischen Volkes kämpft." (Kim Il Sung, 'Welchen Weg soll das befreite Korea nehmen?' Rede auf einer Massenkundgebung in Sinuiju, 27.11.1945, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 1, Pyongyang 1980, S. 398).
Die Kommunistische Partei Nordkoreas (KPNK) - im August 1946 in Arbeiterpartei Nordkoreas umbenannt und danach in Arbeiterpartei Koreas - wurde offiziell zwischen dem 10. und 13. Oktober 1945 gegründet. Neben der Kommunistischen Partei Nordkoreas entstanden Ende 1945 und im Frühjahr 1946 auch andere Parteien und gesell- schafliche Organisationen: Die Demokratische Partei (in der sich hauptsächlich kleinere und mittlere Kapitalisten und Christen organisierten), die chondoistische Chongu Partei (bestehend aus Anhängern der Chongu-Religion, zumeist Bauern) sowie die Neue Demokratische Partei (in der in erster Linie Mittelbauern und Intellektuelle organisiert waren). Die gesellschaftlichen Organisationen umfassten die Föderation der Gewerkschaften, die Bauernunion, den Demokratischen Jugendbund, die Demokratische Frauenunion, die Allgemeine Föderation der Literatur- und Kunstvereine, die Allgemeine Föderation für Industrietechnologie, die Christliche Föderation, die Buddhistische Föderation sowie andere. Vertreter all dieser Parteien und Organisationen - zusammen mit anderen aus örtlichen Ausschüssen - trafen sich am 8. Februar 1946 in Pyongyang, um das Provisorische Volkskomitee Nordkoreas (PVKNK) zu gründen, das als demokratische Regierung dienen sollte und mit dem das Ziel verfolgt wurde, die anti-imperialistische und antifeudale demokratische Revolution zu vertiefen.
Einige Zeit darauf sollte Kim Il Sung erklären, dass seit der Bildung der Provisorischen Regierung 1946, die nordkoreanische Gesellschaft in das Stadium des allmählichen Übergangs zum Sozialismus eingetreten sei:
"Das Provisorische Volkskomitee Nordkoreas, das im Februar 1946 gebildet worden war, spielte eine großartige historische Rolle. Es war eine Art von Volksregierung, die sich auf eine demokratische nationale Einheitsfront stützen konnte, die auf breiter Basis anti-imperialistische, antifeudal-demokratische Kräfte im Land auf der Grundlage des Bündnisses zwischen Arbeitern und Bauern, das von der Arbeiterklasse geführt wurde, umfasste. Dieses Komitee übte die Funktion einer volksdemokra- tischen Diktatur aus." (Kim Il Sung, Bericht an den Dritten Parteitag der Arbeiterpartei Koreas über die Arbeit des Zentralkomitees, 23.4.1956, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 10, Pyongyang 1982, S. 157).
"Mit der Errichtung der Volksregierung wurde zum ersten Mal in unserer Geschichte das Volk zum wahren Herrscher des Landes. Es nahm die Staatsmacht fest in die Hand. Unter der Führung unserer Partei, ... machte die Volksregierung breite Bahnen für den gesellschaftlichen Fortschritt frei. Auf diese Weise führte die nördliche Hälfte der Republik die Aufgaben der anti-imperialis-tischen, antifeudal-demokratischen Revolution aus und trat in das Stadium des allählichen Übergangs zum Sozialismus ein." (Kim Il Sung, 'Über das Wesen Unserer Revolution in Unserem Lande im gegenwärtigen Stadium und die Grundrichtung des Ersten Fünfjahrplans', Schlussrede auf dem Treffen des Politischen Komitees des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas', 29.12.1954, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 9, Pyongyang 1982, S. 169f).
Aber ganz im Unterschied zu den obigen Behauptungen, die rückblickend Mitte der fünfziger Jahre gemacht wurden, visierte weder die Kommunistische Partei Nordkoreas noch irgendeine andere Partei in der Phase der so genannten 'fortschrittlichen Demokratie' den Übergang vom nationaldemokratischen Stadium zum sozialistischen an. Dagegen wurde am 28. August 1946 beschlossen, die Kommunistische Partei Nordkoreas mit der Neuen Demokratischen Partei (bestehend aus hauptsächlich Mittelbauern und Intellektuellen, siehe oben - Übers.) zu vereinigen, um so die Arbeiterpartei Nordkoreas zu schaffen, deren Ziel es sei,
" ... einen blühenden, unabhängigen, souveränen und demokrati- schen Staat"
zu bilden, ohne dass jedoch der schließliche Übergang zum Sozialismus auch nur die leiseste Erwähnung erfuhr.
(Die Arbeiterpartei Nordkoreas hatte eine anfängliche Mitgliederzahl von 370.000. Sie stieg schon ein Jahr später auf 680.000 an).
Der Zusammenschluss zur Arbeiterpartei Nordkoreas vollzog sich recht unnatürlich: Kim Il Sung zufolge
"würden die möglichen Reibungspunkte zwischen den beiden Parteien dadurch überwunden werden, dass die ultra'linken' Sektierer aus der Kommunistischen Partei und die ultrarechten Hardliner aus der Demokratischen Partei ausgeschlossen würden, statt mit ihnen zu fusionieren." (Kim Il Sung, 'Die gegenwärtige politische Lage und Unsere Neuen Aufgaben': Bericht an das erweiterte gemeinsame Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Nordkoreas und der Neuen Demokratischen Partei Koreas, 29.7.1946, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 2, Pyongyang 1980, S. 282).
Und im Programm der Arbeiterpartei Nordkoreas findet sich kein Hinweis mehr auf den Sozialismus. Ihre demokratischen Aufgaben seien nun die folgenden:
"Die Beschlagnahmung des Grundbesitzes der japanischen Imperialisten und Großgrundbesitzer und seine Verteilung unter die Bauern; die Nationalisierung der Wirtschaftszweige, des Transport-und Nachrichtenwesens, der Banken usw., die den japanischen Imperialisten und Kompradorkapitalisten gehört hatten, um sie in das Eigentum des Volkes zu überführen; die Einführung eines Achtstundentages sowie die eines Sozialversicherunssystems für Betriebs- und Büroarbeiter; Frauen sollen die gleichen Rechte haben wie Männer; das Recht der freien Meinungsäußerung soll gewährleistet sein; ebenso die Presse-, Vereinigungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit; die Einführung eines demokratischen Systems der öffentlichen Erziehung und der allgemeinen Schulpflicht; die Entwicklung der Naturwissenschaften, der Nationalkultur und der Künste." (Kim Il Sung, 'Für die Schaffung einer Vereinigten Partei der arbeitenden Massen', Bericht an den Gründungsparteitag der Arbeiterpartei Norkoreas, 29.8.1946, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 2, Pyongyang 1980, S. 336).
Und was ist mit dem Marxismus-Leninismus? Unter dem Vorwand seiner schöpferischen Anwendung unter den besonderen Bedingungen des Landes, wurde der Marxismus-Leninismus (d.h. der wissenschaftliche Sozialismus, so wie er von Marx, Engels, Lenin und Stalin für die Befreiung der Arbeiterklasse entwickelt wurde) entstellt und mit der koreanischen Unabhängigkeit gleichgesetzt. Seine vulgäre Revision wird von Kim Il Sung wie folgt präsentiert:
"Der Marxismus-Leninismus ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln. Wir müssen lernen, den Marxismus-Leninismus schöpferisch auf die Realitäten des heutigen Korea anzuwenden. Nur durch die Schaffung einer Massenpartei können wir den Sieg der Demokratie gewährleisten. Dieser Sieg ist ausschlaggebend für die vollständige Unabhängigkeit Koreas. Die vollständige Unabhängigkeit Koreas ist genau das, was mit dem Sieg des Marxismus-Leninismus in Korea gemeint ist." (Kim Il Sung, Bericht an den Dritten Parteitag der Arbeiterpartei Nordkoreas über die Arbeit des Zentralkomitees, 23.4.1956, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 10, Pyongyang 1982, S. 158).
Im Sommer 1946 bildete die Arbeiterpartei Nordkoreas mit den beiden anderen politischen Parteien sowie mit fünfzehn weiteren gesellschaftlichen Organisationen eine Koalition, um die Demokratische Nationale Einheitsfront Nordkoreas (DNENK) zu schaffen. Ihr Zweck bestand darin, im November 1946 und im Frühjahr 1947 Wahlen zu den Volkskomitees in den Provinzen, Städten, Bezirken und Unterbezirken durchzuführen. Die gewählten Vertreter aus diesen Volkskomitees bildeten dann am 17.Februar 1947 die Nordkoreanische Volksversammlung. Diese Volksversammlung wurde so zum höchsten Machtorgan des Landes und das Nordkoreani- sche Volkskomitee wurde zu ihrem ausführenden Organ. Die 237 Abgeordneten der Volksversammlung verteilten sich wie folgt auf die bestehenden Parteien (in Prozent): 36% für die Arbeiterpartei Nordkoreas; 13% für die Demokratische Partei; 13% entfielen auf die Chongu-Partei und 38% auf Unorganisierte. Nach ihrer sozialen Herkunft waren 22% Arbeiter, 26% Bauern, 24% Büroarbeiter, 15% Intellektuelle, 3% Unternehmer, 4% Händler, 2% Handwerker und 4% Geistliche.
In einer späteren Einschätzung bezeichnete Kim Il Sung die Bildung des Nordkoreanischen Volkskomitees als einen weiteren Zwischenschritt hin zum Sozialismus! Erst 1956 meinte er, dass das Nordkoreanischen Volkskomitee sich daran mache,
"die Aufgaben der Übergangsperiode durchzuführen, um allmählich durch eine weitere Ausdehnung der Ergebnisse der demokratischen Reformen in Nordkorea sowie durch die Entwicklung einer geplanten Wirtschaft zum Sozialismus überzugehen." (Kim Il Sung, Bericht an den Dritten Parteitag der Arbeiterpartei Nordkoreas über die Arbeit des Zentralkomitees, 23.4.1956, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 10, Pyongyang 1982, S. 158).
Aber dies sind erneut unbewiesene Behauptungen, zumal man den offiziellen Dokumenten der vierziger Jahre nicht entnehmen kann, dass ein Übergang zum Sozialismus unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei ins Auge gefasst wurde. Mit anderen Worten: Die fortschrittliche Demokratie wurde zur damaligen Zeit nicht als ein Übergangsstadium angesehen, das zur Diktatur des Proletariats in Nordkorea führen sollte.
Tatsächlich ähnelt diese fortschrittliche Demokratie in Nordkorea der 'Neuen Demokratie', die in China nach der Befreiung 1949 eingeführt wurde. Diese war von Mao Tse-tung in seiner Schrift 'Neue Demokratie', (1940) umrissen worden, derzufolge vier anti-imperialistische und antifeudale Klassen - das Proletariat, die Bauernschaft, die Kleinbourgeoisie und die nationale Bourgeoisie - in dem China nach der Befreiung an der Macht beteiligt werden sollten. Aber welche Etiketten man dieser Form der Demokratie auch immer aufkleben mag - ob sie nun als 'fortschrittlich' oder als 'neu' bezeichnet wird - sowohl Kim Il Sung als auch Mao Tse-tung verneinen das grundlegende marxistisch-leninistische Prinzip, dass nur durch die Diktatur des Proletariats eine wahrhafte Demokratie und der Sozialismus errichtet werden können. Worauf Lenin deutlich hinwies:
"Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus wird zwangsläufig eine ungeheure Fülle und Vielfalt politischer Formen hervor- bringen, aber das Wesentliche wird zwangsläufig das Gleiche bleiben: die Diktatur des Proletariats." (W.I.Lenin, 'Staat und Revolution. Die marxistische Theorie vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution', August-September 1917, in: W.I. Lenin, 'Gesammelte Werke', Band 25, Moskau 1964, S. 413).
Sowohl Kim Il Sungs 'fortschrittliche Demokratie' als auch Mao Tse-tungs 'Neue Demokratie' stellen revisionistische Entstellun- gen des revolutionären Prozesses in kolonialartigen Ländern dar. Diese Entstellungen wurden tatsächlich später von den Chruscht- schow-Revisionisten um den Gedanken eines Staates der 'Nationalen Demokratie' weiterentwickelt. In den sechziger Jahren wurde in dieser Beziehung Lenins und Stalins Politik revidiert, um den revolutionären Prozess in den sich entwickelnden Ländern zu unterminieren und zu sabotieren. Deshalb unterstützte man neue, angeblich 'nicht-kapitalistische' Staaten (wie Nehrus Indien oder Sukharnos Indonesien) in ihren Bemühungen, ihre national-kapitalistischen Klassen und alle anderen patriotischen Kräfte dazu zu ermuntern, einträchtig - hauptsächlich durch Verstaat- lichungen - zum Sozialismus überzugehen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass all diese Bestrebungen, die Demokratie mit Versöhnung zwischen antagonistischen Klassen (sich unversöhnlich gegenüberstehenden Klassen - Übers.) zu verwechseln, revisionis- tische Formulierungen und Theorien darstellen, die darauf abzie- ten, das Voranschreiten zur Diktatur des Proletariats aufzuhalten und eine chinesische Mauer zwischen dem ersten und dem zweiten Stadium des revolutionären Prozesses in den sich entwickelnden Ländern aufzurichten.
Agrar- und andere Reformen
Obwohl Nordkorea - im Vergleich zum Süden - insoweit über einen gewissen Vorteil verfügte, als sich der größte Teil der Schwer- industrie und der Bergwerke des Landes in seinem Besitz befanden, war doch das Ausmaß der japanischen Zerstörungen vor dem schließlichen Rückzug der Japaner 1945 außerordentlich groß: 19 Wasserkraftwerke waren lahmgelegt worden, 64 Gruben vollständig unterflutet, 178 waren teilweise geflutet worden, sechs Betriebe (einschließlich der Flugzeugwerke von Pyongyang) waren vollständig zerstört und 47 Betriebe erlitten teilweise Zerstörungen (Vgl.: Jon Halliday, 'Die Wirtschaft Nord-und Süd- koreas', in: Sullivan & Foss, Hrsg., 'Zwei Koreas - eine Zukunft?', Lanham, Great Britain, 1987, S. 21).
Dennoch konnten sehr schnell bemerkenswerte Fortschritte erzielt werden, da man anfing, den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung auf der Basis von Jahresplänen (1947 und 1948) und auf der Grundlage eines Zweijahresplanes (1949-1950) zu planen. Im Vergleich zu 1946 wuchs die Industrieproduktion um 53,3% im Jahre 1947; um 117,9% im Jahre 1948 und um 236,7% 1949. Sämtliche Bereiche der Gesellschaft wurden der demokratischen Reform unterworfen: angefangen mit der Agrarreform und der Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, bis hin zu den neuen Arbeitsschutzgesetzen, der Gleichheit der Geschlechter, der Demokratisierung des Justizwesens, des Erziehungswesens und der Kultur usw., was den Beginn der Ausmerzung der kolonialen und feudalen Merkmale, die aus der Vergangenheit geerbt worden waren, bedeutete.
Angesichts der Rückständigkeit Koreas und seiner überwiegend bäuerlichen Bevölkerung, war die Verabschiedung des Gesetzes zur Agrarreform am 5. Mai 1946 von besonderer Bedeutung. Sämtliche Ländereien der japanischen Kolonialherrn und Grundbesitzer, die mehr als 5 ha besaßen, wurden entschädigungslos enteignet und entsprechend der Größe der Familien unter den landlosen und armen Bauern aufgeteilt. Der Kauf, Verkauf und die hypothekarische Belastung des verteilten Landes sowie jegliche Pachtverhältnisse waren jetzt untersagt. Diese Agrarreform wurde in verhältnismäßig kurzer Zeit verwirklicht: Mehr als 1 Million ha Land wurden be- schlagnahmt und an über 720.000 bäuerliche Haushalte verteilt. Ein Nachfolgegesetz zur Erhebung von Agrarsteuern verlangte von den Bauern, 25% ihrer Erträge an den Staat abzuführen, was später auf zwischen 10 und 27% abgeändert wurde, je nach den Ernte- erträgen und der Fruchtbarkeit des Landes. 1966 wurde die Steuer abgeschafft.
Gemäß dem Gesetz über die Verstaatlichung von Industrie, Verkehr, Transport, Nachrichten- und Bankwesen vom 10. August 1946, wurden sämtliche Industriezweige, die einst dem japanischen Staat oder den Verrätern an der koreanischen Nation gehört hatten, entschädigungslos enteignet und dem Staat übertragen. Dies führte dazu, dass mehr als 1.000 Einrichtungen der Industrie, des Eisenbahn- und Nachrichtenwesens sowie der Banken - mehr als 90% der Industrie hatte zuvor dem japanischen Imperialismus oder der Kompradorbourgeoisie gehört - unter staatliche Kontrolle gestellt wurde. Obwohl diese Verstaatlichungen einen demokratischen, anti-imperialistischen und antifeudalen Charakter besaßen, zerstörten sie jedoch nicht die kapitalistischen Besitzververhältnisse insgesamt: Das Eigentum, das der Klasse der nationalen Kapitalisten gehört hatte, blieb von diesen Verstaatlichungen verschont und erhielt rechtliche Garantien, und am 4. Oktober 1946 wurde schließlich ein Gesetz, das das Privateigentum schützte und kapitalistische Privatbetriebe förderte, verabschiedet.
Das überwiegend staatliche Eigentum im Industriesektor, die kleine bäuerliche Wirtschaft und das städtische Handwerk konnten auf diese Weise mit dem national-kapitalistischen Sektor, der den privaten kapitalistischen Handel und die private Industrie in den Städten und die reichen Bauernwirtschaften auf dem Lande umfasste, nebeneinander bestehen.
7. Der Korea-Krieg, 1950-53
Während die USA die Bemühungen der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik sowie der Demokratischen Front für die Wie- dervereinigung des Vaterlands, Ende der vierziger Jahre die ko- reanische Wiedervereinigung auf friedlichem Weg herbeizuführen, ignorierten, verstärkte Washington im Vorfeld des Ausbruchs der Feindseligkeiten seine militärische Aufrüstung in Südkorea. Zusammenstöße mit der Nordkoreanischen Befreiungsarmee entlang des 38. Breitengrades nahmen zu und am 4.Mai 1949 griffen süd- koreanische Einheiten Kaesong an und töteten 4.000 nordkoreani- sche Soldaten. Zweiundzwanzig südkoreanische Soldaten und etwa 100 Zivilisten kamen ums Leben. In der Zwischenzeit unternahm das Rhee-Regime in der Republik Korea Anstrengungen, Bauern- und Arbeiterunruhen zu unterdrücken und Guerilla-Aktionen, die im Süden auf breiter Front durchgeführt wurden, zu beenden. Diese Unterdrückungsmaßnahmen zwecks Liquidierung von Aufständischen erreichten Anfang der 50iger Jahre ihren Höhepunkt, als Tausende umgebracht und noch weit mehr verwundet oder vertrieben und als ihre Häuser vollständig oder teilweise zerstört wurden.
Im frühen Morgengrauen des 25. Juni 1950 löste der Angriff aus dem Süden am 38. Breitengrad in Richtung Haeju, Kumchon und Cholwen schließlich den Krieg gegen die Demokratische Volksre- publik Korea aus, was dann zur anschließenden Militäroffensive der Nordkoreanischen Befreiungsarmee in Richtung Süden führte. So begann das koreanische Volk seinen dreijährigen Vaterländischen Befreiungskrieg gegen die Militärmacht der alliierten Kräfte des Imperialismus, angeführt von den USA. Mit dem Ziel, ganz Korea in eine US-amerikanische Neokolonie zu verwandeln, fälschte die offizielle US-Propaganda den Kampf der Koreaner für ihre Wiedervereinigung in einen Bürgerkrieg um. Die meisten westlichen Quellen sprechen noch heute von einer angeblichen kommunistischen Invasion aus dem Norden in den Süden. Aber bezüglich der Frage, welche koreanische Seite die Schuld für den Ausbruch der Feindselikeiten trifft, traf der britische Historiker Geoffrey Simons die folgenden Unterscheidungen:
"Die aggressiven Absichten von Syngman Rhee gegenüber dem Norden waren allgemein bekannt, waren reichlich dokumentiert und wurden für die Regierung der Vereinigten Staaten und die US-Militär- behörden in Südkorea zu einer Peinlichkeit. Auch der Norden war an der Möglichkeit einer Wiedervereinigung interessiert, obwohl seine Auslegung der Ereignisse sich in gewisser Weise von jener aus Washington und Seoul unterschied. Es wäre jedoch ein Fehler, die Kriegspropaganda im Süden mit der des Nordens einfach gleich- zusetzen: Selbst die üblichen antikommunistischen Quellen zitieren nur wenige laute Worte vonseiten Kim Il Sungs, die denen von Syngman Rhee und seinen kriegslüsternden Helfern gleichkämen. Die Erklärungen aus Pyongyang lassen die Möglichkeit einer gewaltsamen (oder militärischen) Wiedervereinigung offen, aber die Art, wie dies geschieht, unterscheidet sich von der Rhees und die Betonung liegt hier hin und wieder auf der Notwendigkeit einer friedlichen Wiedervereinigung." (Geoffrey Simons, 'Korea: The Search for Sovereignty' - Suche nach der Unabhängigkeit - London 1995, S. 192).
Anfang der fünfziger Jahre - und besonders nach der Verkündung der Truman-Doktrin 1947 - betrachtete Washington die Ereignisse in jeder einzelnen Nation oder in jedem einzelnen Gebiet im Zusammenhang seiner globalen imperialistischen Strategie und um die UdSSR und andere Nationen, die für Unabhängigkeit, Frieden, Demokratie und Sozialismus kämpften, anzugreifen. Der kalte Krieg wurde vom US-Imperialismus hochgepeitscht, in der Absicht, die internationalen Spannungen zu verschärfen, ein ungezügeltes Wettrüsten zu rechtfertigen, die Militärausgaben zu erhöhen und die antikommunistische Reaktion auf allen Kontinenten zu aktivieren. In diesem Klima konnten Voraussetzungen für den Ausbruch eines heißen Krieges auf der koranischen Halbinsel im Jahre 1950 geschaffen werden.
Von Juni bis September 1950 konnten die von den USA geführten Streitkräfte der Vereinten Nationen bis zu dem kleinen südöst- lichen Gebiet von Pusan zurückgedrängt werden. Am 15. September 1950 zwang jedoch die amerikanische Landung bei Inchon, unmittelbar südlich des 38. Breitengrads, die Nordkoreanische Volksarmee zum Rückzug und ermöglichte einen Ausbruch der bei Pusan eingeschlossen UN-Truppen. Im November veranlasste der schnelle Vormarsch der UN-Truppen in Richtung des Yalu-Flusses ein massives chinesischen Eingreifen, was dazu führte, dass die Truppen der UN an allen Fronten wieder zurückgedrängt werden konnten. Überhastete Evakuierungen von Truppen der Vereinten Nationen ereigneten sich über See bei Hungnam und Wonsan in Nordkorea. Im Januar 1951 kam der Rückzug der UN-Truppen nördlich von Taejon in Südkorea zum Stillstand und nach einer dreimonatigen Gegenoffensive stabilisierte sich die Front entlang des 38. Breitengrads, bis schließlich am 27. Juli 1953 ein Waffenstillstandsabkommen zustandekam. Nach den darin vereinbarten Bedingungen konnte auch ein Gefangenenaustausch stattfinden: 77.000 nordkoreanische und chinesische Soldaten wurden gegen 12.700 Soldaten der UN ausgetauscht, einschließlich 3.597 US-Amerikaner und 945 Briten.
Dem Krieg gegen das koreanische Volk von 1950 bis 1953 fielen etwa vier Millionen Menschen zum Opfer, wobei noch sehr viel mehr Männer, Frauen und Kinder verwundet, verstümmelt und traumatisiert wurden (es können 10 Millionen, Tote und Verwundete insgesamt gewesen sein): Es waren die Nordkoreaner und die Chinesen, die die größte Zahl an Opfern zu beklagen hatten. US-Bomber griffen Kraftwerke an, Fabriken, Brücken und sämtliche Verkehrsverbindungen im Norden des Landes und es gab Provinzen, in denen kaum ein Gebäude stehen geblieben war. Der Krieg bot dem US-Imperialismus auch eine Gelegenheit, Napalm und andere verwandte Kampfmittel nachhaltig und in großem Umfang sowohl gegen militärische, als auch gegen zivile Ziele im Norden einzusetzen. 1953 war die Demokratische Volksrepublik Nordkorea verhältnismäßig umfangreicher zerstört worden als jedes andere Land, einschließlich Deutschland und die UdSSR im Zweiten Weltkrieg und stärker als Nordvietnam im Verlauf des Vietnam-Krieges später zerstört werden sollte.
Wie man weiß, geschah der Überfall der USA auf Korea unter dem offiziellen Schutz der Vereinten Nationen. So kam es, dass Truppen aus Ländern wie Großbritannien, Japan, Australien und zwölf weiteren Staaten ihr militärisches Potenzial gegen die Demokratische Volksrepublik Korea vereinigen konnten. Die Entscheidung jedoch, die Vereinten Nationen in den Koreakrieg miteinzubeziehen, war keine Inititative der UNO gewesen, sondern jene der USA. Sie nutzten den zeitweiligen Boykott der UdSSR des Sicherheitsrates (was bedeutete, dass es kein sowjetisches Veto geben konnte) dazu aus, um drei UNO-Resolutionen, die die Intervention absegneten (Resolution Nr. 82 vom 25.6.1950, Nr. 83 vom 27.6.1950 und Nr. 84 vom 7.7.1950), im Sicherheitsrat durchzupeitschen. Es ist auch wichtig festzuhalten, dass
1. die erste Resolution, also Resolution Nr. 82, gar keine militärische Intervention der UN in Korea vorsah; dass
2. die USA schon vor der Absegnung durch den UNO-Sicherheitsrat mit militärischen Aktionen begonnen hatten; und dass
3. die USA die Stationierung ihrer eigenen Streitkräfte in Südkorea im Namen und unter der Flagge der Vereinten Nationen und unter Berufung auf Resolution Nr. 84 heute weiter fortsetzt. Aber wenn man bedenkt, dass die Charter der Vereinten Nationen für die Einrichtung eines UN-Kommandos im Süden Koreas ein einstimmiges Votum aller Ratsmitglieder verlangt, dann kann Resolution Nr.84 keine rechtliche Wirkung gehabt haben, da die UdSSR, ein ständiges Sicherheitsratsmitglied, zur Zeit ihrer Annahme nicht anwesend war und die Resolution somit ohne Beteiligung aller ständigen Mitglieder zustandekam.
Es wird also deutlich, dass in diesem Fall - wie es auch heute geschieht - der US-Imperialismus die UNO manipulierte und als ein Instrument benutzte, um seine eigenen expansionistischen Ziele und strategischen Interessen zu verfolgen. Und das 'UN-Kommando' in der Republik Korea bleibt weiterhin ein US-Produkt des Kalten Krieges.
Die Waffenstillstandsverhandlungen, die zwischen dem UN-Kommando (im Wesentlichen bestehend aus der US-Delegation) und den nordkoreanischen und chinesischen Vertretern geführt wurden, wurden mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens vom 27. Juli 1953 von Panmunjon abgeschossen. Der Waffenstillstand vereitelte das Trachten der USA nach einer vollständigen Besetzung der koreanischen Halbinsel und stärkte damit die anti-imperialistische Front in Asien. Dieser Waffenstillstand, der inzwischen zum längsten der Welt geworden ist, ist nie durch einen Friedensvertrag ersetzt worden und Korea bleibt heute weiterhin entlang des 38. Breitengrades in zwei Hälften geteilt. Obwohl die fortgesetzte militärische Besetzung durch den US-Imperialismus eine Verletzung des 1953 abgeschlossenen Waffenstillstandsabkommens darstellt, das einen Abzug aller ausländischen Truppen von der koreanischen Halbinsel vorsah, gelang es Washington, am 8.August 1953 einen Verteidigungspakt auf Gegenseitigkeit mit der südkoreanischen Regierung abzuschlie- ßen, um seine militärische Präsenz dort auf unbestimmte Zeit auszudehnen. Andererseits verließen sämtliche chinesische Truppen die Koreanische Demokratische Volksrepublik im Jahre 1958.
Während des Korea-Krieges wurde das Banner der nationalen Befreiung und Unabhängigkeit durch das koreanische Volk in seinem bewaffneten Kampf gegen die US-geführte militärische Intervention auf der koreanischen Halbinsel auf heroische Weise hochgehalten. Der anti-imperialistische Charakter des koreanischen Kampfes, der dieses Mal gegen den US-Imperialismus geführt wurde, wurde von Kim Il Sung mit folgenden Worten unterstrichen:
"Auf der einen Seite ist dieser Kampf eine anti-imperialistische Revolution der nationalen Befreiung, die die Aufgabe hat, die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes gegen die ausländischen imperialistischen Aggressoren zu verteidigen. Auf der anderen Seite handelt es sich um eine demokratische Revolution, die das gesamte Volk umfasst. ... Die Feinde des koreanischen Volkes sind der US-amerikanische Aggressor und seine Lakaien, die verräterische Syngman-Rhee-Clique, die projapanischen und pro-US-Elemente, die Verräter der Nation, die Grundbesitzer und Kompradorkapitalisten. Es ist also zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Aufgabe unserer Revolution, unsere beiden Feinde zu zerstören - den inneren und den äußeren - die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes zu verteidigen und seine Wiedervereinigung herbeizuführen. ... Der Kampf des koreanischen Volkes gegen die imperialistischen Angreifer aus den USA ... ist gleichzeitig ein Kampf für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit, ein Kampf, der als Banner für die nationale Befreiungsbewegung der Kolonialvölker und abhängigen Länder dient." (Kim Il Sung, 'Die organisatorische und ideologische Festigung der Partei ist die Grundlage Unseres Sieges', Bericht an die Fünfte Plenarsitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas', 15.12.1952, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 7, Pyongyang 1981, S. 343).
Um die größtmöglichste Unterstützung für Koreas Befreiung und Wiedervereinigung in den Jahre 1950-1953 zu mobilieren, legte Kim Il Sung das Schwergewicht auf die Stärkung der Einheit aller partriotischen Kräften, unabhängig von ihrer gesellschaft- lichen Stellung oder politischen Ausrichtung. In der Demokrati- schen Front für die Wiedervereinigung des Vaterlands arbeiteten Mitglieder der Arbeiterpartei Koreas tatsächlich eng mit den Mitgliedern der Chongu-Partei und der Demokratischen Partei zusammen. Aber in der Zeit von September bis November 1950, als die Nordkoreanische Volksarmee sich zeitweilig zurückziehen musste und die von den USA geführten Truppen den größten Teil des Nordens besetzt hielten, gruppierten sich einige reaktionäre Kräfte im Norden unter US-amerikanischem Schutz um. Und es waren Mitglieder der Chongu-Partei und der Demokratischen Partei, die den neu gebildeten reaktionären Organisationen beitraten und einige von ihnen brachten sogar Mitglieder der Arbeiterpartei und ihre Familien um. In solchen Fällen rief Kim Il Sung jedoch zu politischer Zurückhaltung auf und widersetzte sich Versuchen, befreundete Parteien als reaktionäre Organisationen zu bezeich- nen. Er wies Funktionäre der Arbeiterpartei Koreas 1951 darauf hin, dass
" ... die Vereinigte Front niemals durch Zwang hergestellt werden kann. Zwang wird nur zu Antipathien führen. Wir müssen die Mit- glieder der befreundeten Parteien durch Erziehung und Überzeugung beeinflussen und sie dazu veranlassen, uns von ganzem Herzen zu unterstützen und sie dazu bewegen, bis zuletzt an unserer Seite zu stehen." (Kim Il Sung, 'Über die Verbesserung der organisatorischen Arbeit in der Partei', Schlussrede auf der Vierten Plenumssitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, 2.11.1952, ebenda, Band 6, S. 427).
8. Die Herstellung von sozialistischen Produktionsverhältnissen in der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik
Um die Nachkriegswirtschaft wieder aufzubauen, die durch den Korea-Krieg vollkommen zerstört worden war und um die wirtschaftlichen Fundamente des Sozialismus zu legen, wurde der Entwicklung der Schwerindustrie gegenüber der Entwicklung der Leichtindustrie und der Landwirtschaft Vorrang eingeräumt. Der Wiederaufbau nach dem Kriege vollzog sich in drei Phasen:
1. Die Vorbereitungen für den wirtschaftlichen Wiederaufbau wurden in der zweiten Hälfte des Jahres 1953 getroffen;
2. wurde anschließend (1954 bis 1956) ein Dreijahrplan verabschiedet, um in allen Wirtschaftszweigen den Vorkriegsstand wieder zu erreichen. Er wurde schon innerhalb von zwei Jahren und acht Monaten erfüllt und Ende 1956 um 22% übererfüllt;
3. sollte der sich anschließende Fünfjahrplan für 1957 bis 1961 die sozialistischen Fundamente für die Industrialisierung und Modernisierung der einzelnen Wirtschaftszweige legen, bei gleichzeitiger Anhebung des kulturellen Niveaus der Bevölkerung und der Lösung der Probleme im Zusammenhang mit der Ernährung, der Bekleidung und des Wohnens. Der Plan konnte schon innerhalb der ersten zweieinhalb Jahre erfüllt werden.
Eine wichtige Rolle für die Erzielung dieser bemerkenswerten und schnellen Erfolge nach dem Korea-Krieg spielte die so genannte Chollima-Bewegung (Chollima bezeichnet nach der Tradition ein Pferd, das ungefähr 1.000 Meilen pro Tag zurücklegt). Diese Bewegung zielte darauf ab, die Menschen zu kommunistischen Aktivisten zu erziehen, indem man durch kollektive Anstrengungen Neuerungen und die Produktion unter der Parole von 'einer für alle und alle für einen' voranzutreiben gedachte. Die Betonung wurde stets auf Koreas nationale Besonderheiten gelegt, d.h. auf die Tatsache, dass die Revolution eine koreanische sei und als solche keine ausländischen Modelle nachahmen dürfe. In diesem Zusammenhang tauchte zum ersten Mal das Wort 'Juche' ('Unabhängigkeit') in einer Rede Kim Il Sungs vom 28.12.1955 auf. In dem er den Dogmatismus und Formalismus angriff, sollte es seiner Meinung nach
" ... keine Vorschriften dafür geben, dass wir dem sowjetischen Beispiel folgen müssen. Einige sind für den sowjetischen Weg und andere für den chinesischen, aber ist es nicht höchste Zeit, dass wir unseren eigenen Weg finden?" (Kim Il Sung, 'Über die Beseitigung von Dogmatismus und Formalismus und die Verankerung von Juche in der ideologischen Arbeit', Rede vor Parteiagitatoren, 28.12.1955, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 9, Pyongyang 1982, S. 403).
Dieser unabhängige und nationale Charakter der Koreanischen Revolution wurde häufig wiederholt und betont. So von Kim Il Sung im Jahre 1959, als er meinte, dass
" ... das Wichtigste bei der Revolution darin besteht, dass Juche fest verankert wird und gleichzeitig die Prinzipien des Marxis- mus-Leninsmus beachtet werden." (Kim Il Sung, 'Gegen den Dogmatismus und für die Verankerung von Juche in der politischen Arbeit in Partei und Volksarmee', Gespräch mit Militärs und Funktionären in den Spitzen der Koreanischen Volksarmee, 16.5.1959, in: Ebenda, Bd. 13, Pyongyang 1983, S. 256).
Nach der offiziellen vom Kimilsungismus geprägten Literatur sollen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umgestal- tungen, die sich Mitte der fünfziger Jahre im Rahmen der Kooperativisierung der Landwirtschaft und der Umstrukturierung des privaten Handels und der Industrie zutrugen, schon 1958 zur Herstellung sozialistischer Produktionsverhältnisse geführt haben.
Auf dem Gebiet der Landwirtschaft, sei es das Hauptziel gewesen, die individuelle und private kleine Bauernwirtschaft in eine kooperative Wirtschaft zu verwandeln. Dieser Wandel wurde auch durch die Notwendigkeit diktiert, den Lebensstandard auf dem Lande anzuheben, der während des Krieges beträchtlich gesunken war (im Jahre 1953 belief sich die Zahl verarmter Bauern auf 40% der ländlichen Bevölkerung). Aus diesem Grunde errichtete man 1953/54 landwirtschaftliche Kooperativen auf Versuchsbasis: Schon im Juni 1954 waren 1.090 Kooperativen (21.5% aller bäuerlichen Haushalte) geschaffen worden. Es wurden drei verschiedene Arten von landwirtschaflichen Kooperativen gegründet:
1. Die erste Form bestand aus Gruppen der gegenseitigen Hilfe, bei denen nur die Arbeit gemeinsam ausgeführt wurde, ohne dass man das Land zusammengelegte;
2. Bei der zweiten Form, einer halbsozialistischen, wurde das Land zusammengelegt, die Arbeit gemeinsam organisiert und das Einkommen entsprechend der Menge des in die Kooperative eingebrachten Landes verteilt;
3. Bei der dritten, sozialistischen Form wurden sowohl das Land als auch die Produktionsmittel zusammengelegt und das Einkommen entsprechend der geleisteten Arbeit verteilt.
Der rasche Fortschritt bei der landwirtschaftlichen Vergenossen- schaftlichung war nicht nur in der Lage, arme Bauern anzuziehen, sondern auch eine zunehmende Zahl von mittleren Bauern. Schon Ende 1956 hatten sich 80,9% der gesamten bäuerlichen Haushalte den Kooperativen angeschlossen, wobei fast alle in die dritte Form von Kooperativen eintraten. Reiche Bauern, die gewöhnlich auch Handel trieben, blieben den Kooperativen im Allgemeinen fern. Aber obwohl sie nicht enteignet worden waren, wurden die reichen und mittleren Bauern stattdessen - wie Kim Il Sung sich ausdrückte - 'überzeugt' und ideologisch 'umerzogen', um auf freiwilliger Basis den landwirtschaftlichen Kooperativen beizutreten:
"Bei der landwirtschaftlichen Kooperativisierung wurde das Prinzip der Freiwilligkeit nicht nur auf die mittleren Bauern, sondern auf alle Schichten der ländlichen Bevölkerung angewendet, einschließlich der reichen Bauern. ... Unsere Partei verfolgte hierbei eine Politik der allmählichen Umerziehung der reichen Bauern, während wir gleichzeitig ihre ausbeuterischen Praktiken begrenzten. ... Die Mehrheit der reichen Bauern schloss sich freiwillig den Kooperativen an." (Kim Il Sung, 'Bericht über die Arbeit des Zentralkomitees an den Vierten Parteitag der Arbeiterpartei Koreas', 11.9.1961, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 15, Pyongyang 1983, S. 136f).
"Die reichen Bauern wurden zu sozialistischen Werktätigen umerzogen, indem ihre schlechten Neigungen begrenzt und sie mit Geduld umerzogen wurden, statt sie zu enteignen ... Auch bis zum Schluss wurde das Prinzip der Freiwilligkeit strikt eingehalten. ... Die landwirtschaftliche Kooperation war schließlich im August 1958 abgeschlossen, so dass die schwierige und komplizierte Aufgabe, die kleine bäuerliche Landwirtschaft und die kapitalistische Wirtschaft auf dem Lande zu einer kooperativen sozialistischen umzuformen, innerhalb von vier bis fünf Jahren erfolgreich ausgeführt werden konnte." (Kim Han Gil, 'Moderne Geschichte Koreas', Pyongyang 1979, S. 411f).
Zusammen mit der landwirtschaftlichen Kooperativisierung trieb man die Umstrukturierung des Handwerks und des kapitalisti- ischen Handels sowie die der Industrie (ein Sektor, der seit 1945 stark vernachlässigt worden war) nach sozialistischen Grundsätzen voran, welche angeblich im August 1958 abgeschlossen gewesen sein soll. Auch in diesen Fällen wurden die nationalen Kapitalisten nicht enteignet, sondern sollten mit der Bildung von Kooperativen 'umerzogen' werden.
"Wir beabsichtigen, unsere Revolution zur Ausschaltung kapitalis- tischer Elemente im Norden nicht durch die Enteignung der kapitalistischen Händler und Hersteller durchzuführen, sondern indem wir sie nach sozialistischen Grundsätzenin verschiedene Formen einer kooperativen Wirtschaft einbinden." (Kim Il Sung, 'Über das Wesen der Revolution in Unserem Land zum gegenwärtigen Zeitpunkt und über die Grundrichtung des ersten Fünfjahrplans', Schlussrede auf der Sitzung des Politischen Komitees des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, 29.12.1954, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 9, Pyongyang 1982, S. 171).
"Unsere Partei muss mit den Unternehmern und Kaufleuten ... eine feste Einheitsfront bilden. ... Es können verschiedene Methoden ... zur Anwendung kommen, um die ausbeuterischen Praktiken von Unternehmern und Kaufleuten zu beschneiden. Aber zu versuchen, ihr Eigentum zu beschlagnahmen reicht nicht aus." (Ders, 'Über die Stärkung der Arbeit an der Vereinigten Front', Schlussrede auf dem Siebten Plenum des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, 18.12.1953, in: Ebenda, Bd. 8, Pyongyang 1981, S. 171f).
"Die in der Stadt und auf dem Land verbliebenen kapitalistischen Elemente müssen begrenzt und ausgenutzt und Schritt für Schritt nach sozialistischen Grundsäten umerzogen werden." (Ders., 'Alle Anstrengungen für die Wiedervereinigung und Unabhängigkeit und den sozialistischen Aufbau in der nördlichen Hälfte der Republik. Thesen zum Wesen und den Aufgaben Unserer Revolution', April 1955, in: Ebd., Bd. 9, Pyongyang 1982, S. 201).
Ähnlich wie im Fall der landwirtschaftlichen Kooperativen wurden (in der Industrie - Übers.)drei Typen von Produktionskooperativen gebildet:
1. Beim ersten Typ wurde die Arbeit gemeinsam ausgeführt, während die Produktionsinstrumente in privaten Händen blieben;
2. Beim zweiten halb-sozialistischen Typ befanden sich die Produktionsinstrumente entweder weiter in privater Hand oder in Gemeineigentum, während das Einkommen sowohl nach der geleisteten Kapitaleinlage für die Kooperative als auch nach der geleisteten Arbeit verteilt wurde; und bei der
3. und sozialistischen Form wurden sämtliche Produktionsmittel in Gemeineigentum überführt und die Verteiltung erfolgte nur auf sozialistischer Grundlage. Das Einkommen hing ausschließlich von der geleisteten Arbeit ab und nicht von der eingebrachten Kapitaleinlage.
Die nationalen Kapitalisten, die sich einer Kooperative anschlos- sen, konnten sich aussuchen, welche Form der Einkommensverteilung ihnen am liebsten war. Natürlich trafen sie diese Entscheidung ihren Interessen entsprechend und sie schlossen sich dann dem zweiten Typ an, so dass sie Zinsen auf ihr eingebrachtes Kapital beziehen konnten. Sie wurden dann dazu ermutigt, zur dritten Form überzugehen und jene Kapitalisten, die sich für diesen Übergang entschieden hatten, erhielten eine zusätzliche Entschädigung ausgezahlt.
Was den Privathandel anging, so wurde dieser durch die Bildung von Verkaufskooperativen umstrukturiert (bei denen Waren, die zum Verkauf anstanden, entweder aufgekauft oder teilweise durch private Händler verarbeitet wurden) und Produktions-Verkaufs-Kooperativen (bei denen private Händler sowohl an der Herstellung als auch am Verkauf ihrer Waren beteiligt waren). Diese Kooperativen wurden später durch Vergabe beträchtlicher staatli- sher Zuschüsse umgebildet und in Hersteller-Kooperativen umgewandelt. Diese Umstrukturierung von Privathandel und Indus- trie in Herstellerkooperativen vollzog sich sehr rasch (1953 lag der Anteil bei 33,7%, 1957 bei 77,2%) und wurde dann im August 1958 als abgeschlossen betrachtet. Kim Il Sung behauptete, dass ein nationaler Kapitalist durch den bloßen Eintritt in eine Kooperative in einen 'sozialistischen Arbeiter' umgeformt werden könne:
"Durch die Umformung des privaten Handels und der privaten Industrie nach sozialistischen Grundsätzen verband die Partei den Wandel ökonomischer Formen mit der Umerziehung der Menschen. Durch den Beitritt zu den Produktionskooperativen brachen die Unternehmer und Kaufleute vollständig mit ihrem bisherigen Leben, das auf der Ausbeutung anderer beruhte. Sie wurden in sozialistische arbeitende Menschen umerzogen, die materiellen Reichtum durch ihre eigene Arbeit produzieren. Dies hat auch zur Beschleunigung ihres ideologischen Wandels geführt." (Ders., Bericht über die Arbeit des Zentralkomitees an den Vierten Parteitag der Arbeiterpartei Koreas, 11.9.1961, in: Kim Il Sung, 'Werke', Bd. 15, Pyongyang 1983, S. 142).
"Unsere Partei begann durch die Einführung verschiedener Typen von Kooperativen mit der Politik der Umgestaltung der Wirtschaft der kapitalistischen Händler und Industriellen und der der Handwerker und kleinen Gewerbetreibenden nach sozialistischen Grundsätzen. Dies entsprach sowohl den Erfordernissen des sozialistischen Aufbaus als auch den Interessen der Unternehmer und Händler selbst. Deshalb akzeptierten fast alle Unternehmer und Händler die Politik der Kooperativisierung unserer Partei und die sozialistische Umgestaltung des privaten Handels und der privaten Industrie vollzog sich nach dem Kriege in relativ kurzer Zeit." (Ders., 'Über den sozialistischen Aufbau in der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik und die südkoreanische Revolution', Vorlesung an der indonesischen 'Ali-Archam-Akademie für Gesellschaftswissenschaften', 14.4.1965, in: Ebenda, Bd. 19, Pyongyang 1984, S. 246).
"Der Staat beschlagnahmte keinen Besitz der mittleren und kleineren Geschäftsleute. ... Die Politik unserer Partei und des Staates unserer Republik gegenüber den privaten Händlern und Herstellern wird sogar von Leuten gebilligt, die keine Kommunis- ten sind. Zahlreiche Besucher aus kapitalistischen Ländern sagen, dass sie den Sozialismus in Korea unterstützen und billigen können." (Ders., 'Koreanische Kaufleute und Produzenten in Japan müssen einen großen Beitrag für die patriotische Arbeit in ihrem Heimatland und ihrer Nation leisten', Rede vor der zweiten Gruppe von koreanischen Kaufleuten und Herstellern aus Japan anlässlich eines Besuches in Ihrem Heimatland', 19.11.1973, in: Ebenda, Bd., Pyongyang 1986, S. 499).
"Im Verlauf der sozialistischen Revolution liquidierte sie (die Arbeiterpartei Koreas - Verf.) nicht die reichen Bauern und kapitalistischen Geschäftsleute und Unternehmer. Sie nahm sie in die kooperative Wirtschaft auf gemäß dem Prinzip der freiwilligen Beteiligung und formte sie zu sozialistischen arbeitenden Menschen um. Unsere Partei hat all diese umgeformten Menschen dadurch zum Sozialismus und Kommunismus geführt, dass sie ihnen als ständige Kampfgefährten vertraute, statt in ihnen nur zeitweilige Sympathisanten zu sehen und dies ganz unabhängig von der Klasse oder Schicht, aus der sie kamen." (Kim Jong Il, 'Unser Sozialismus, der sich auf die Massen stützt, wird nicht untergehen', Rede vor höheren Funktionären des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, Pyongyang, 5.5.1991).
Diese Strategie, die in der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik gründlichst verankert wurde, um die reichen Bauern und Kapitalisten zu 'überreden' und 'umzuformen', hat mit dem wissenschaftlichen Sozialismus nur wenig gemein. Sie entspricht stattdessen Nikolai Bucharins revisionistischer Theorie, derzu- folge unversöhnliche Klasseninteressen schon bald im Sozialismus verschwinden, wenn die ausbeutenden Klassen friedlich und harmonisch sozialistische und kommunistische Maßnahmen mittragen. Aber derlei revisionistische Annahmen widersprechen den grundlegenden Gesetzen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Wie Stalin bemerkte:
"Es gibt in der Geschichte keine Beispiele dafür, dass sterbende Klassen freiwillig von der Bühne verschwanden. Es gibt in der Geschichte keine Beispiele dafür, dass die sterbende Bourgeoisie nicht all ihre noch vorhandenen Energien aufgeboten hätte, um ihre Existenz zu bewahren." (J.W.Stalin, 'Die rechte Abweichung in der KPdSU,B', Rede vor dem Plenum des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission der KPdSU,B, April 1929, in: Stalin-'Werke', Band 12, Moskau 1955, S. 40).
Was die KDVR betrifft, so ist es ganz aufschlussreich zu sehen, wie schnell die Herstellung vollendeter sozialistischer Produktionsverhältnisse - angeblich schon 1958 - hergestellt worden sei. Im September 1957 habe die demokratische Regierung nicht nur die Arbeiter und Bauern repräsentiert, sondern auch den privatkapitalistischen Sektor (d.h. die Unternehmer, Händler und jene aus anderen gesellschaftlichen Schichten, die sich angeblich selber und freiwillig in sozialistische Arbeiter verwandelten):
"Unter dem demokratischen System des Volkes in unserem Land beteiligen sich die einzelnen Unternehmer, Händler und jene aus anderen gesellschaftlichen Schichten, zusammen mit den Arbeitern und Bauern an der Regierung und bilden einen festen Bestandteil der vereinigten Front. Die Unternehmer und Händler in unserem Land sind Sympathisanten aller arbeitenden Menschen, einschließlich der Arbeiterklasse, nicht nur bei der Durchführung der demokratischen Revolution, sondern auch beim sozialistischen Aufbau in der nördlichen Hälfte. Die Volksregierung unterstützt die legitimen geschäftlichen Aktivitäten der Unternehmer und Händler. ... Sie eröffnet ihnen eine neue Lebensperspektive, indem sie sie nach und nach in sozialistische arbeitende Menschen durch die freiwillige Mitgliedschaft in verschiedenen Typen von Kooperativen sowie durch andere Methoden verwandelt." (Kim Il Sung, 'Über die nächsten Aufgaben der Volksmacht beim sozalistischen Aufbau', 20.9.1957, in: Kim Il Sung, 'Werke', Bd.11, Pyongyang 1982, S. 273f).
Kim Il Sung zufolge habe die im März 1958 bestehende Regierung (unter Einschluss der nationalen Bourgeoisie) annähernd den Charakter einer proletarischen Diktatur besessen, die die sozialistische Revolution durch den Sturz der ausbeutenden Klassen (d.h. der nationalen Bourgeoisie selbst) eigentlich durchzuführen gehabt hätte:
"Heute (März 1958 - Verf.) ist unsere Volksmacht eine Staats- macht, die zur Kategorie der Diktatur des Proletariats gehört. In der nördlichen Hälfte der Republik müssen jetzt, da wir uns in der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus befinden, die Funktionen der proletarischen Diktatur unseres Volkes noch mehr gefestigt werden. ... Obwohl wir großartige Erfolge bei unserem sozialistischen Aufbau zu verzeichnen haben, können wir nicht behaupten, dass die Ausbeuterklassen schon vollständig in der nördlichen Hälfte vernichtet worden sind. ... Solange wie kleine Warenproduzenten, private Kaufleute und Gewerbetreibende, wenn auch nur in einer geringen Zahl, in den städtischen und ländlichen Gebieten vorhanden sind, solange wie die Aufgaben der sozialistischen Revolution noch nicht ausgeführt worden sind, ... wie können wir da die Festigung der Diktatur des Proletariats vernachlässigen? ... Die Diktatur des Proletariats ist ein mächtiges Werkzeug der Arbeiterklasse, um sämtliche konterrevolu- tionären Elemente, die der sozialistischen Revolution gegenüber feindlich gesonnen sind, zu zerschlagen und die Interessen des arbeitenden Volkes und der Revolution zu verteidigen." (Ders., 'Für die erfolgreiche Durchführung des Ersten Fünfjahrplans', Schlussrede auf einer Konferenz der Arbeiter- partei Koreas, 6.3.1958, in: Kim Il Sung, 'Werke', Bd. 12, Pyongyang 1983, S. 115f).
Aber nur innerhalb von sechs Monaten, und zwar im September 1958, wurde dann erklärt, dass sozialistische Produktionsverhältnisse sowohl im industriellen als auch im Agrarsektor der Wirtschaft vollständig hergestellt worden seien. Auf dieses Weise sei eine angeblich sozialistische Gesellschaft - frei von Ausbeutung und Unterdrückung - innerhalb sehr kurzer Zeit und ohne eine sozialistische Revolution urplötzlich entstanden.
"Dank der richtigen Politik von Partei und Regierung und der Hingabe und der Anstrengungen unseres arbeitenden Volkes haben wir bereits enorme Erfolge beim sozialistischen Aufbau erzielt. ... Partei und Regierung halten an der Linie der allmählichen Umwandlung von privatem Handel und Industrie nach sozialistischen Grundsätzen durch die Organisierung von Produktions- und Absatzkooperativen fest. Es lag ganz im Interesse der einzelnen Händler und Hersteller, dass sie veranlasst wurden, ihre kleinen Betriebe für den Einsatz in Produktion und Handel zusammenzufüh- ren. Das Resultat dieser Politik der Partei war, dass Unternehmer und Händler in unserem Land anfingen, sich in sozialistische Arbeiter zu verwandeln. So ist heute (September 1958 - Verf.) die sozialistische Umwandlung von privatem Handel und privater Industrie in unserem Land bereits abgeschlossen worden. ...
... Die sozialistische Transformation in der Landwirtschaft hat uns in die Lage versetzt, die Probleme zu lösen, die zwischen der sozialistischen Industrie und den kleinen bäuerlichen Einzelwirt- schaften existierten. ... Unsere Landwirtschaft ist von einer kleinen zertreuten bäuerlichen Einzelwirtschaft in eine vollständig vergenossenschaftliche sozialistische Wirtschaft verwandelt worden. ... Unsere Partei ... hat diese Aufgabe innerhalb von nur drei oder vier Jahren nach dem Krieg reibungs- los durchgeführt. ... Das Ergebnis ist, dass das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern, die Grundlage des volksdemokratischen Systems in unserem Lande, auf den neuen sozialistischen Fundamenten noch stärker gefestigt werden konnte. ...
Es gibt in unserem Lande keine Grundbesitzer und Kapitalisten mehr. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist in unserer Gesellschaft für alle Zeiten verschwunden. ...
In unserem Land sind die sozialistischen Produktionsverhältnisse bereits auf allen Gebieten der Volkswirtschaft erfolgreich." (Ders., Bericht anlässlich der Begehung des zehnten Jahrestages der Gründung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik, 8.9.1958, in: Kim Il Sung, 'Werke', Bd. 12, Pyongyang 1983, S. 409, 411f, 415, 417).
"Die sozialistische Umwandlung der Produktionsverhältnisse ist jetzt in den städtischen und ländlichen Regionen unseres Landes abgeschlossen. Unsere Gesellschaft ist bereits zu einer sozialistischen geworden, frei von Ausbeutung und Unterdrückung. Die Hauptaufgabe, vor der wir jetzt stehen, besteht darin, das sozialistische System in der Nordhälfte der Republik zu festigen und durch seine Weiterentwicklung den Aufbau einer sozialisti- schen Gesellschaft abzuschließen." (Ders., 'Gegen Passivität und Konservatismus beim sozialistischen Aufbau', Rede vor einem landesweiten Treffen von Neurern, 16.9.1958, in: Ebenda, Bd. 12, Pyongyang 1983, S. 440).
Auf Grund der oben angeführten Quellen aus der Zeit von 1957 bis 1958 existieren deshalb reichlich Belege dafür, dass der 'Sozialismus' in Nordkorea ohne eine sozialistische Revolution (d.h. ohne Enteignung und Sturz der nationalen kapitalistischen Klasse), ohne Errichtung der Diktatur des Proletariats (womit die marxistisch-leninistische Theorie zurückgewiesen wird, wonach die Diktatur des Proletariat die Voraussetzung ist für den Aufbau und die Verteidigung des Sozialismus, nachdem die ausbeutenden Klassen gestürzt worden sind) und durch eine friedliche und 'freiwillige' Integration der nationalen kapitalistischen Klasse in den Staat, sei es durch direkte Beteiligung an der Regierung oder durch Kooperativen, geschaffen wurde.
Es gibt keinen Zweifel daran, dass diese kapitalistische Klasse von der Zahl her klein war und dass ihre Kraft durch die demokratischen Reformen, die in dem Land nach 1945 durchgeführt wurden, deutlich abgenommen hatte. Dennoch existierte diese Klasse weiter und nahm aktiv an der Errichtung des Sozialismus à la Korea teil. Die Frage der Diktatur des Proletariats wurde Ende der fünfziger Jahre dadurch 'gelöst', dass man einfach das neue demokratische System der Beteiligung verschiedener Klassen an der Führung der Staatsgeschäfte in Nordkorea mit der Diktatur des Proletariats gleichsetzte.
Die politische Entwicklung in Nordkorea verlief tatsächlich von vorneherein in eine Richtung, die sich radikal von den revolutio- nären Umwandlungen, die zur Errichtung der Sowjetmacht in Russland 1917 geführt hatten, unterschied. Wir sollten bedenken, dass zu der Zeit in Russland - ähnlich wie in Nordkorea während der vierziger und fünfziger Jahre - die Kleinbauernschaft die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ausmachte. Aber dennoch geschah es unter Führung der Arbeiterklasse - und im Bündnis mit den armen Bauern - dass die bolschewistische Partei die neue Ära der proletarischen Revolutionen durch den Sturz und die Enteignung der Bourgeoisie, durch die Übergabe des Lands an die Kleinbauern und seine Verstaatlichung und durch die Errichtung eines sozialistischen sowjetischen Staates mittels der Diktatur des Proletariats eröffnen konnte.
An diesem revolutionären Schema orientierte man sich in Nordkorea ganz eindeutig nicht (... und man bezeichnete dieses Schema als 'Dogmatismus' und 'Formalismus', den es mittels 'Juche' zu bekämpfen und zu überwinden gelte - Übers.).
Fraktionen in den fünfziger Jahren
Nach dem Ende des Korea-Krieges unternahm Kim Il Sung beträcht- liche Anstrengungen, um 'Juche' ('auf die eigenen Kräfte bauen', 'Unabhängigkeit' - Übers.) gründlich zu verankern. Indem man das Hauptschwergewicht auf den nationalen Charakter der Koreani- schen Revolution legte, verband man den Kampf zur Verankerung der Juche-Ideologie mit Anstrengungen, Haltungen und Einstellungen auszurotten, die als 'dogmatisch', 'formal' und auf die koreanischen Realitäten nicht anwendbar angesehen wurden. Kim Il Sungs erster Hinweis auf 'Juche' stammt vom Dezember 1955, aus einer Rede, die den Titel 'Über die Ausschaltung des Dogamtismus und des Formalismus sowie über die Verankerung von Juche in unserer ideologischen Arbeit' trug. Wenn man der kimilsungisti- schen Literatur glauben darf, gestaltete sich dieser ideologische Kampf unter dem Banner von Juche zunehmend unvereinbar mit Fraktionismus, Lakaientum und Dogmatismus.
"Die parteifeindlichen Fraktionisten, Lakaien und Dogmatiker , die Dinge aus dem Ausland einfach nur schlucken oder sie mechanisch kopieren, stellten sich offen oder versteckt gegen die unabhängi- ge Linie und gegen die kreative Politik, die durch den Juche-Gedanken verkörpert wird. Sie machten nicht nur Einwände gegen die Grundlinie unseres wirtschaftlichen Aufbaus, der den gegenwärtigen Bedingungen Koreas am besten entspricht und gegen die Politik der sozialistischen Umwandlung der Produktionsver- hältnisse, sondern versuchten auch zu verhindern, dass die ideologische Arbeit unserer Partei in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Koreanischen Revolution vonstatten gehen konnte. Sie wurden sogar das Opfer eines nationalen Nihilismus, der ausländische Dinge generell anpreist, während die eigenen heruntergemacht werden.
Der Schaden, der durch Lakaientum und Dogmatismus angerichtet wurde, wurde unerträglich." (Kim Han Gil, 'Moderne Geschichte Koreas', Pyongyang 1979, S. 417).
Während des Korea-Krieges bildete sich in der Arbeiterpartei Koreas die Fraktion um Pak Hon Yong und Li Sung Yop, denen konterrevolutionäre Intrigen und verräterische Absprachen mit dem US-Imperialismus vorgeworfen wurden. Zwischen 1956 und 1958, parallel zum schnellen Aufstieg zur Macht Kim Il Sungs, wurde eine beträchtliche Anzahl von Politikern aus der Arbeiterpartei Koreas ausgeschlossen oder weggesäubert. Von diesen Säuberungen waren bekannte Funktionäre betroffen, die hohe Positionen bekleidet hatten, wie die eines stellvertretenden Ministerpräsi- denten (in zwei Fällen), die eines stellvertretenden Verteidigungsministers (in zwei Fällen), die eines ehemaligen stellvertretenden Innenministers, die eines Leiters des Regierungssekretariats, die eines Kommandeurs des Wiederaufbau- korps von Pyongyang, die eines Herausgebers von 'Minchu Choson', die eines Oberkommandierenden der Nordkoreanischen Befreiungs- armee, die eines Divisioniskommandeurs der Nordkoreanischen Volksarmee, die eines politischen Ausschussvorsitzender für Nationale Verteidigung, die eines Direktors der Zentralen Parteischule, die einer stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralen Frauenallianz, die eines Mitglieds der Schiedskommis- sion, die eines Propagandachefs des Sekretariats des ZK, die des Botschafters in der UdSSR oder die des Botschafters in Polen usw.
Zur Zeit, als der Vierte Parteitag der Arbeiterpartei Nordkoreas im September 1961 zusammentrat, war Kim Il Sungs Position bereits gefestigt und unanfechtbar geworden. Nach der offiziellen Version der Ereignisse, die von Kim Il Sung selbst geliefert wurde,
" ... formulierte im Jahre 1955 unsere Partei eine entschlossene Politik, um dem Dogmatismus entgegenzutreten und Juche auf allen Ebenen zu etablieren und führte einen entschlossenen Kampf, um sie (gemeint 'Juche' - Übers.) durchzusetzen. ... Die Angriffe der Opportunisten auf unsere Partei erreichten in den Jahren 1956 und 1957 ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit schlichen eine Handvoll von parteifeindlichen Fraktionisten und starrsinnigen Dogmatikern in unserer Partei herum und stellten sie in Frage, rotteten sich zusammen auf einer revisionistischen Plattform und besaßen die Unterstützung aus dem Ausland. Sie verleumdeten nicht nur die Linie und die Politik unserer Partei, sondern intrigierten auch, um ihre Führung zu stürzen. ...
... der Kampf gegen den Opportunismus nach dem Krieg war der härteste Kampf gegen den inneren Feind innerhalb der kommunisti- schen Bewegung selbst. ...
Unsere Partei zerschlug den Fraktionismus, der der kommunisti- schen Bewegung in der ganzen Zeit seiner Geschichte ungeheuren Schaden zugefügt hatte, wodurch eine feste Einheit des Denkens und der Geschlossenheit in unseren Reihen entstand. Die Partei verteidigte ihre marxistisch-leninistische revolutionäre Linie gegen den modernen Revisionismus, riss den Dogmatismus mit der Wurzel aus und etablierte Juche auf allen Ebenen." (Kim Il Sung, 'Aus Anlass des 20. Bestehens der Arbeiterpartei Koreas', Rede zu den Feierlichkeiten des 20. Jahrestages der Gründung der Partei der Arbeit Koreas', 10.10.1965, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 19, Pyongyang 1984, S.427ff).
Antikommunistische Quellen - hauptsächlich basierend auf den Berichten von Überläufern - weisen auf die Existenz von sowjetischen und Jenan-chinesischen Fraktionen innerhalb der APK hin. In Abstimmung mit der jeweiligen Botschaft in Pyongyang, hätten diese beiden Fraktionen in den fünfziger Jahren ihren Widerstand gegen Kim Il Sung aufeinander abgestimmt. Darüber hinaus wird behauptet, dass es weniger auf die Zugehörigkeit zu einer Fraktion ankam, sondern, dass der entscheidende Faktor häufig das persönliche Verhältnis zu Kim Il Sung gewesen sei. Weder sind heute noch Dokumente verfügbar, um die Existenz von prosowjetischen ode prochinesischen Linien in denjenigen Gruppierungen nachzuweisen, die Kim Il Sungs Position und seiner Juche-Ideologie Widerstand entgegenzusetzen, noch ist es aus dem gleichen Grunde möglich, die politische Stärke von möglichen marxistisch-leninistischen Gruppen oder Einzelpersonen einzuschätzen, die darum kämpften, den wissenschaftlichen Sozialismus in Nordkorea zu verwirklichen. Aber allein die Tatsache, dass es Säuberungen und Fraktionskämpfe in der KDVR gab, die in dieser Zeit (besonders aber 1956-1957) ihren Höhepunkt erreichten, d.h. in der Periode, in der offiziell die 'sozialistischen Produktionsverhältnisse' unter dem Banner von Juche eingeführt worden seien, deutet tatsächlich darauf hin, dass es eine gewisse marxistisch-leninistische Opposition gegen den revisionistischen Kurs gab, der von Kim Il Sung und seinen Anhängern eilig vorangetrieben wurde.
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass sich in der Zwischenzeit in der internationalen kommunistischen Bewegung wichtige Ereignisse zutrugen:
1. Das Auftreten des Chruschtschow-Revisionismus in der UdSSR, womit das Land nach kapitalistischen Grundsätzen reformiert werden sollte (besonders nach dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion) und
2. das Auftreten einer gleichermaßen revisionistischen Linie in China und die Liquidierung der marxistisch-leninistischen Gruppierung mit Kao Kang an der Spitze Mitte der fünfziger Jahre sowie die unmittelbar darauf einsetzende Politik des 'Großen Sprungs nach vorn' (eine von Mao Tse-tung im Bündnis mit der chinesischen Kompradorbourgeoisie initiierte revisionistische Kampagne, mit dem Ziel, die Kleinbauernschaft gegen die politischen Vertreter der nationalen Bourgeoisie, angeführt von Liu Shao-chi, aufzuwiegeln).
Angesichts des Ausmaßes der dieser revisionistischen Entwicklun- gen in der UdSSR und in China ist es höchst unwahrscheinlich, dass diese beiden Länder in jenen Jahren ihren Einfluss in der KDVR mobilisierten, um den Marxismus-Leninismus gegen die Juche-Ideologie wieder zum Zuge kommen zu lassen. In die Zeit, als sich Kim Il Sungs Machtposition festigte - Ende der fünfziger Jahre - fällt auch der zahlenmäßig gewaltige Anstieg der Mitgliedschaft in der APK. Im Januar 1956 belief sich ihre Gesamtzahl auf 1.164.945 (bei 58.259 Zellen und Semi-Zellen) - eine ungewöhnlich hohe Zahl bei einer Bevölkerung von etwa 10 Millionen: 22,6% davon waren Arbeiter, 56.8% arme Bauern, 3,7% Mittelbauern, 13% Büroangestellte und 3,9% gehörten anderen Kategorien an (Vgl. Kim Il Sung, Bericht an den Dritten Parteitag der Arbeiterpartei Koreas über die Arbeit des Zentralkomitees', 23.4.1956, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 10, Pyongyang 1982, S. 221).
Daraus ergibt sich, dass die APK sich zu mehr als 60% aus Bauern zusammensetzte und dass der Arbeiteranteil weniger als ein Fünftel betrug. Zur Zeit ihres Vierten Parteitags im Jahre 1961 steigerte die Partei ihre gesamte Mitgliederzahl auf 1.311.563 (davon 1.166.359 Vollmitglieder und 145.204 Mitglieder zur Probe), vgl., Kim Il Sung, Bericht über die Arbeit des Zentralkomitees an den Vierten Parteitag der Arbeiterpartei Koreas, 11.9.1961, in: Kim Il Sung, Band 15, Pyongyang 1983, S. 226).
9. 'Sozialistischer Aufbau' in der KDVR
Ab den frühen sechziger Jahren beschritt die KDVR den Weg eines 'umfassenden sozialistischen Aufbaus', indem man fortfuhr, ihre Wirtschaft auf der Grundlage einer zentralen Planung zu ent- wickeln. Durch eine ganze Reihe von neuen, demokratischen, fortschrittlichen, oft sozialistisch orientierten Reformen wurde die nordkoreanische Gesellschaft auf der Basis folgender Wirtschaftspläne umgestaltet:
1. Durch den ersten Siebenjahrplan, der später um drei Jahre verlängert wurde (1961-1970); 2. durch einen Sechsjahrplan (1971-1976)(das Jahr 1977 wurde als 'Puffer-Jahr' bezeichnet); 3. durch den zweiten Siebenjahrplan (1978-1984), der um zwei weitere Jahre verlängert wurde; 4. durch den dritten Siebenjahrplan (1987-1993).
Im ersten Siebenjahrplan wurde der Schwerindustrie der Vorrang eingeräumt, während man die Leichtindustrie und die Landwirt- schaft gleichzeitig weiter entwickelte. Seine Hauptaufgabe bestand darin, einen umfassenden technologischen Wiederaufbau durchzuführen (besonders auf dem Lande durch die Mechanisierung der Landwirtschaft sowie durch den Ausbau der Bewässerungs- und Stromversorgungssysteme). Außerdem sah er eine Kulturrevolution vor. Der Plan wurde erfolgreich in zwei Phasen durchgeführt: von 1961 bis 1964 und von 1965 bis 1970. Sowohl die kriegstreiberi- schen Provokationen des US-Imperialismus (parallel zur Kuba-Krise und zu seinem Krieg gegen Vietnam) als auch die negativen Auswirkungen des chinesisch-sowjetischen Konflikts auf die Wirtschaft der KDVR erforderten größere militärische Anstrengungen, um die Verteidigung des Landes zu gewährleisten. Der Wirtschaftsplan wurde deshalb teilweise abgeändert und später um drei Jahre verlängert. Die Industrieproduktion wuchs um 12,8% pro Jahr in den sechziger Jahren.
Das Erreichen der Planziele im Jahre 1970 veranlasste Kim Il Sung zu erklären, dass sich Nordkorea endgültig in einen unabhängigen und sozialistischen Industriestaat, der auf der ökonomischen Unabhängigkeit basiere, verwandelt habe:
"Unter Juche-Industrie verstehen wir eine Industrie, welche sich auf die Entwicklung der Produktion konzentriert, die im Wesentlichen auf der Nutzung unserer eigenen Rohstoffe basiert." (Kim Il Sung, 'Lasst uns das im Kampf für die Verwirklichung der sechs Ziele Erreichte weiter festigen und fortentwickeln', Schlussrede auf dem Fünften Plenum der Vierten Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, 14.12.1962, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 16, Pyongyang 1984, S. 471).
Der folgende Sechsjahrplan (1971-1976) sollte die Industriali- sierung festigen und weiter vorantreiben, bei gleichzeitiger Vertiefung der technischen Revolution. Besonders wichtig war es, die Unterschiede zwischen Industrie- und landwirtschaftlichen Arbeitern zu verringern und Frauen von ihrer schweren Arbeit im Haushalt zu entlasten. Es hieß, der Plan sei um ein Jahr und vier Monate vorfristig erfüllt worden: Zwischen 1971 und 1976 habe sich die Industrieproduktion jährlich um 16,3% erhöht und im Jahre 1976 sei das Gesamtvolumen der Industrieproduktion um das 2,5fache seit 1970 angestiegen.
Die Vorgaben des zweiten Siebenjahrplans (1978-1984), der um zwei Jahre, bis 1986 verlängert wurde, zielten auf die weitere Stärkung des unabhängigen Charakters der Wirtschaft ab. Er stütz- te sich im Wesentlichen auf die eigenen Erzvorkommen der KDVR wie Kohle, Eisenerz, Graphit, Blei und Zink und räumte der Entwick- lung der Energiewirtschaft (hauptsächlich basierend auf der Wasserkraft) sowie des Bergbaus Priorität ein.
Die Wirtschaft wurde zunehmend modernisiert und noch stärker Juche-orientiert. So verlangte der letzte Siebenjahrplan (1987-1993) nach einer weiteren Modernisierung der Wirtschaft. Wie in der Vergangenheit wurde der Entwicklung der Schwerindustrie der Vorrang eingeräumt, parallel zur gleichzeitigen Förderung der Leichtindustrie und der Landwirtschaft.
Probleme entstanden jedoch in den frühen neunziger Jahren. Während das wirtschaftliche Wachstum in den achtziger Jahren um 2 bis 3% angestiegen war, wurde es im Jahre 1989 negativ und fiel jährlich um 3 bis 5% bis 1992. Internationalen Quellen zufolge besaß die KDVR 1991 ein Bruttosozialprodukt (BSP) von $22.900 Millionen (im Vergleich zu $280.800 Millionen im Süden); ein Pro-Kopfeinkommen von $1.038 (im Vergleich $6.498 im Süden) und ein Außenwirtschaftsaufkommen von $2.700 Millionen (im Vergleich zu $153.400 Millionen im Süden). Als sich der Abstand zwischen den beiden Volkswirtschaften im Norden und im Süden zusehends ausweitete, wurde das Verfehlen der Planziele im Dezember 1993 offiziell eingestanden.
Diese ganze Periode 'sozialistischen Aufbaus' in der KDVR war begleitet von wichtigen politischen und ideologischen Initiativen, die darauf abzielten, den Juche-Charakter der Gesellschaft zu vertiefen. Es war in den frühen sechziger Jahren, dass das Chongsanri-Prinzip und ihre Methode, in Verbindung mit dem so genannten Taean-Arbeitssystem auf breiter Front eingeführt wurden. Nach dem Chongsanri-Prinzip und der Chongsanri-Methode (beide sind immer noch in der jetzigen Verfassung festgeschrie- ben) müssen Funktionäre der oberen Ebene ihren Untergebenen helfen, sie unterstützen und sich mit ihnen zusammentun. Diese 'Massenlinie' ermögliche es den Funktionären die tatsächliche Lage zu verstehen und Begeisterung und Initiative unter den Massen hervorzurufen.
Auch beim Industriemanagement wurde in den sechziger Jahren ein neues System eingeführt: das Taean-System. Danach sind sämtliche Entscheidungen in den Betrieben, was Organisation und Leitung angeht, kollektiv von den Komitees der Arbeiterpartei Koreas zu fällen, was ebenfalls den politischen Zweck erfüllen soll, die Begeisterung unter den Arbeitern anzufachen. Mit der Annahme dieses Systems wurde das frühere System der Einzelleitung durch einen einzelnen Betriebsdirektor durch eine kollektive Verant- wortlichkeit ersetzt. Dazu Kim Il Sung:
"Das Taen-Arbeitssystem sowie das Chongsanri-Prinzip und die Chongsanri-Methode bilden das wirtschaftliche Leitungssystem und stellen die Methode der Führung der Massen dar, die zusammen genommen die revolutionäre Massenlinie unserer Partei verkörpern. Nach dem Taen-Arbeitssystem und dem Chongsanri-Prinzip und seiner Methode sind die führenden Kader angehalten, gründlich den Bürokratismus und Formalismus zu beseitigen und sie müssen tief in die Realität hineingehen, um den Funktionären auf den unteren Ebenen zu helfen und komplexe Probleme zu lösen. Sie müssen der politischen Arbeit stets den Vorrang geben und die Massen organisieren, um die wirtschaftlichen Aufgaben durchzuführen. Darüberhinaus müssen sie die Produktion leiten und den Betrieb führen, indem sie sich auf die Parteiorganisationen und die Massen stützen." (Ders., 'Lasst uns die Erfolge, die wir im Kampf zur Erreichung der sechs Ziele erreichten, weiter festigen und entwickeln', Schlussrede auf dem Fünften Plenum der Vierten ZK-Sitzung der Arbeiterpartei Koreas, 14.12.1962, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 16, Pyongyang 1984, S. 471).
Auch auf dem Land wurde in den sechziger Jahren ein neues Organisationssystem eingeführt: Die Volkskomitees der Landkreise (die bis dahin hauptsächlich administrative Führungsmethoden angewandt hatten), wurden durch die Leitungskomitees der Kooperativfarmen abgelöst. Sämtliche Agrotechniker wurden der Autorität dieser Komitees unterstellt und der Staat stellte mehr materielle und wissenschaftliche Unterstützung für die ländliche Wirtschaft bereit. Gemäß den 'Thesen über die Frage der sozialistischen Landwirtschaft in unserem Land', die von der APK im Februar 1964 angenommen wurden, wurden drei grundlegende Prinzipien der Landwirtschaftspolitik verkündet:
1. Die Einführung einer technischen Revolution, die Bewässerung, Mechanisierung, Elektrifizierung und künstliche Düngung in den ländlichen Gebieten betreffend, bei einer parallel dazu einsetzenden kulturellen und ideologischen Revolution;
2. die Festigung der Führung der Arbeiterklasse unter der Bauernschaft, damit die Industrie die Landwirtschaft unterstüt- zen konnte, um allmählich die Unterschiede zwischen Stadt und Land zu beseitigen und
3. die Verbesserung der Leitungstätigkeit in der Landwirtschaft mit dem Fernziel, die kooperative Wirtschaft in eine Staatswirtschaft (in das gesellschaftliche Eigentum des ganzen Volkes) zu verwandeln.
Das öffentliche Bildungswesen wurde mit der Einführung der allgemeinen verplichtenden elementaren Schulbildung im Jahre 1956 weiter verbessert. Die weiterführende Schulbildung wurde 1958 verpflichtend eingeführt. Die derzeitige 11-jährige Schulpflicht (ein Jahr Vorschule plus zehn Jahre an einer Grund- und weiterführenden Schule)ist seit 1972 in Kraft. Seit den sechziger Jahren wird auf die ideologische Erziehung auf der Grundlage der Juche-Ideen besonderer Wert gelegt. Die ideologische, technische und kulturelle Revolution - die so genannten 'Drei Revolu- tionen' - werden als Bestandteile eines einzigen revolutionären Prozess verstanden, durch den hindurch die arbeitenden Massen angeblich vom Sozialismus zum Kommunismus voranschreiten sollen.
Unter dem Banner von 'Juche' werden alle Mitglieder der Gesellschaft zu 'Menschen kommunistischen Typs' erzogen, über- zeugt, umerzogen und umgewandelt. Zu diesem Zweck, mit dem Ziel der allmählichen Liquidierung aller Klassenunterscheidungen, begann die so genannte 'Arbeiterklassizierung' der gesamten nordkoreanischen Gesellschaft in den sechziger Jahren. Diese Idee wurde von Kim Il Sung mit folgenden Worten umschrieben:
"In unserer Gesellschaft, in der die ausbeutenden Klassen beseitigt worden sind und das sozialistische System triumphiert hat, besteht eine wichtige Aufgabe der Diktatur des Proletariats darin, die arbeitenden Menschen zu erziehen und umzuformen und die gesamte Gesellschaft zu arbeiterklassizieren." (Ders., 'Die gegenwärtige Lage und die Aufgaben unserer Partei', Bericht an die Konferenz der Arbeiterpartei Koreas, 5.10.1966, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 20, Pyongyang 1984, S.365f).
Kim Il Sung schätzte 1970 die Wirkung dieser Art von Politik wie folgt ein:
"Unsere Partei ... hat ihre Aufgabe der Revolutionierung und Arbeiterklassizierung der arbeitenden Menschen mit Hilfe von Überzeugung und Erklärung in Angriff genommen, wobei die Betonung auf die ideologischen Erziehung gelegt wird. Wir haben beständig daran gearbeitet, die Massen aller sozialer Herkünfte zu revolutionieren und zu arbeiterklassizieren, nach dem Prinzip, mutig jedem zu vertrauen, der unserer Partei folgen möchte, um ihn für die revolutionäre Sache zu gewinnen, auch dann, wenn seine Herkunft, seine Umgebung, sein gesellschaftlicher und politischer Hintergrund zweifelhaft sein mag." (Ders., Bericht an den Fünften Parteitag der Arbeiterpartei Koreas über die Arbeit des Zentralkomitees', 2.11.1970, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 25, Pyongyang 1986, S. 216).
Hinweise auf die 'Diktatur des Proletariats' (ein Begriff, der von Kim Il Sung bis zu den sechziger Jahren hin und wieder verwendet wurde), scheinen in der offiziellen kimilsungistischen Literatur ab den siebziger Jahren vollständig verschwunden zu sein. Dafür durchdringt ab jetzt 'Juche' alle Poren des politi- schen und gesellschaftlichen Lebens in Nordkorea. Dazu Kim Il Sung in den frühen siebziger Jahren:
"Unsere Partei war bestrebt, den Juche-Gedanken auf allen Gebieten der Revolution und des Aufbaus gründlich zu verankern, in der gleichen Weise, wie sie Juche auf ideologischem Gebiet etablierte. Sämtliche Linien und politische Maßnahmen haben ihren Grund in der Juche-Idee und sie sind erfüllt davon. Das durchgängige Prinzip der Unabhängigkeit in der Politik, der Autarkie in der Wirtschaft und der Selbstverteidigung beim Schutz der Nation ist die Verkörperung der Juche-Idee in allen Bereichen. ... All unsere Errungenschaften stellen einen glänzenden Sieg für die Juche-Idee unserer Partei dar." (Ders., 'Bericht an den Fünften Parteitag der Arbeiterpartei Koreas über die Arbeit des Zentralkomitees', 2.11.1970, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 25, Pyongyang 1986, S. 285f).
"Die Juche-Idee ist das einzige richtungsweisende Prinzip unserer Partei und der richtungsweisende Gedanke für sämtliche Aktivitäten der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik. Dadurch, dass wir den Juche-Gedanken als einen zuverlässigen Wegweiser in der Revolution und beim Aufbau benutzten, haben wir Juche auf allen Gebieten unserer Aktivitäten fest verankert." (Ders., 'Über die gegenwärtige allgemeine und Wirtschaftspolitik der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik und einige internationale Probleme', Antworten auf Fragen von Journalisten der japanischen Zeitung 'Yomiuri Shimbun', 10.1. 1972, in: Kim Il Sung 'Werke', Band 27, Pyongyang 1986, S. 22).
Später, in den achtziger Jahren, verband Kim Il Sung mit 'Juche' seine Vorstellungen von einem 'kommunistischen Paradies' in der KDVR:
"Die Einheit und der Zusammenhalt unserer Partei haben inzwischen ein noch höheres Niveau erreicht. Die gesamte Partei steht wie ein Fels hinter ihrem Zentralkomitee und ist auf der Grundlage der Juche-Idee ideologisch und zweckgerichtet vereint und keine Macht wird je ihre Einheit und ihren Zusammenhalt, die auf diesem Gedanken beruhen, zerbrechen können." (Ders., Bericht des Zentralkomitees an den Sechsten Parteitag der Arbeiterpartei Koreas, 10.10.1980, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 35, Pyongyang 1989, S. 353).
"Der Kampf, die gesamte Gesellschaft mit der Juche-Idee zu erfüllen, stellt die noble Aufgabe dar, eine kommunistische Gesellschaft aufzubauen, das Ideal der Menschheit, indem wir Unsere Revolution voranbringen, die unter dem Banner dieser Idee hervorgebracht und vorangetrieben wurde. ... Die Formung der gesamten Gesellschaft nach der Juche-Idee stellt die allgemeinste Aufgabe Unserer Revolution dar und beinhaltet die historische Mission der Regierung der Republik. Diese Regierung muss ihre Mission glaubwürdig dadurch erfüllen, dass sie so schnell wie möglich ein kommunistisches Paradies in diesem Land aufbaut, indem sie einen energischen Kampf führt, um die gesamte Gesellschaft nach der Juche-Idee zu formen." (Ders., 'Die Aufgaben der Volksregierung bei der Formung der Gesamten Gesellschaft nach der Juche-Idee', Rede vor der Gemeinsamen Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas und der Obersten Volksversammlung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik', 14.4.1982, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 37, Pyongyang 1991, S. 99f).
Eine wichtiger Faktor, um die Gesellschaft an den oben genannten Ideen auszurichten, spielte in den sechziger Jahren die Chollima-Arbeitskollektiv-Bewegung, die später - ab 1973 - als die 'Revolutionäre Bewegung der Drei Roten Fahnen' bezeichnet wurde.
Diese Bewegungen dienten dem Zweck, durch die Stärkung des Kollektivismus und gemäß der Parole 'lasst uns auf kommunistische Weise leben und arbeiten' Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft zu erziehen und umzuformen. Besonders auf dem Lande sollten diese Bewegungen egoistische, kleinbürgerliche und rückständige Vorstellungen, die unter Bauern noch fest verwurzelt waren, beseitigen:
"Außer, dass sie (die Chollima-Arbeitskollektiv-Bewegung) eine Bewegung kollektiver Erneuerung in der Produktion ist, stellt sie auch ein hervorragendes Mittel dar, um die arbeitenden Menschen auf kommunistische Weise zu erziehen und umzuformen und sie ist gleichzeitig eine Massenbewegung, um die Revolutionierung und Arbeiterklassizierung der gesamten Gesellschaft zu beschleuni- gen." (Kim Il Sung, Bericht an den Fünften Parteitag der Arbeiterpartei Koreas über die Arbeit des Zentralkomitees, 2.11.1970, in: Ders., 'Werke', Bd. 25, Pyongyang 1986, S. 216).
Aber nicht nur die Bauernschaft, sondern auch die Intelligenz und die nationale Bourgeoisie wurden gleichermaßen umgeformt, revolutioniert und 'arbeiterklassiziert'. Dies wurde als 'Klassenkampf' hingestellt. Aber Klassenkampf ist nach Juche im marxistisch-leninistischen Sinne. In Abwesenheit eines wahrhaft proletarischen Staates in der KDVR konnte der Klassenkampf nicht das notwendige Werkzeug sein, um die politische Macht der Arbeiterklasse unter ihrer Diktatur zu stärken. Stattdessen verband man mit Klassenkampf die Absicht, Harmonie und 'Kooperation' unter allen Klassen und Mitgliedern der Gesell- schaft um der 'Einheit und Solidarität' unter dem Banner von Juche herzustellen:
"Unser Standpunkt besteht darin, die Ratschläge von Marx und Lenin auf die neuen historischen Bedingungen und die Besonderheiten unseres Landes schöpferisch anzuwenden. ... Der Klassenkampf in einer sozialistischen Gesellschaft ist ein Kampf zur Herstellung von Einheit und Solidarität und ist keineswegs ein Klassenkampf, der zwischen den Mitgliedern jener Gesellschaft, die sich im Krieg miteinander befinden, ausgetragen wird. In einer sozialistischen Gesellschaft existiert der Klassenkampf natürlich, aber er wird durch Zusammenarbeit ausgetragen, mit dem Ziel, Einheit und Solidarität herzustellen. ... Unser Klassenkampf verfolgt das Ziel, nicht nur die Bauernschaft zu arbeiterklassizieren und ihre Existenz als Klasse zu beenden, sondern auch die ehemalige Mittelschicht, die Intelligenz und das städtische Kleinbürgertum zu revolutionieren und nach dem Vorbild der Arbeiterklasse umzuformen. Dies ist die Hauptform des Klassenkampfes, den wir jetzt führen." (Ders., 'Über die Frage des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus und die Diktatur des Proletariats', Rede vor Parteipropagandisten, 25.5.1967, in: ders, 'Werke', Band 21, Pyongyang 1985, S. 233f).
Man muss zugeben, dass diese Position ganz eindeutig den Klassenkampf zwischen sich unversöhnlich gegenüberstehenden Klassen und Ideologien verneint. Den Begründern des wissen- schaftlichen Sozialismus zufolge kann nur der proletarische Staat die nötigen wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Voraussetzungen für die allmähliche und schließliche Aufhebung der Klassen gewährleisten. Dagegen soll dieses Endziel einer klassenlosen, kommunistischen Gesellschaft in der KDVR angeblich dadurch hergestellt werden, dass jeder einzelne - gleich welcher sozialen Herkunft - ideologisch einem einheitlichen Verhaltens- muster gemäß Juche unterworfen werden soll. Tatsächlich hat der Kollektivismus die Grundlage dafür abgegeben, dass eine ungleichartige Mischung verschiedener Klassen - angeblich vereint unter der Führung der Arbeiterklasse - entstanden ist.
"Der Kollektivismus gehört zu den eigentlichen Wesenszügen der Arbeiterklasse. Er ist die Grundlage des gesellschaftlichen Lebens in sozialistischen und kommunistischen Gesellschaften, in denen die arbeitenden Menschen eng miteinander verbunden sind und für ein gemeinsames Ziel arbeiten. Wir müssen weiterhin unser besonderes Augenmerk auf die Verstärkung der Erziehung des arbeitenden Volkes im Kollektivismus legen." (Ders., Bericht an den Fünften Parteitag der Arbeiterpartei Koreas über die Arbeit des Zentralkomitees, 2.11.1970, in: Ders., 'Werke', Bd. 25, Pyongyang 1986, S. 246).
Aber seltsamerweise fing der Kollektivismus an, sich in kollektive Formen der Unterordnung unter den Führer Kim Il Sung zu verwandeln. In diesem Zusammenhang wies er selbst 1975 auf Folgendes hin:
"Bei Parteitreffen darf keinem Einzigen erlaubt sein, Alleingänge zu unternehmen. ... Es gehört zu den wichtigen Dingen des Organisationslebens der Partei, dass der Parteigeist gestärkt wird. ... Parteigeist bedeutet, kurz gesagt, Loyalität gegenüber dem Führer und der Partei. ... Die Mitglieder des Zentralkomitees der Partei müssen sich fest um den Generalsekretär zusammen- schließen, mit einem Geist und einem Willen ausgestattet. Auf diese Weise werden sie 'A' sagen, wenn der Generalsekretär 'A' sagt und sie werden 'B' sagen, wenn der Generalsekretär 'B' sagt. Sie müssen genau das Gleiche sagen und gemeinsam handeln." (Ders., Lasst uns durch die Stärkung der Partei, der Organe des Staates und der Volksarmee siegreich einen revolutionären Umbruch durchführen und den Großen Sozialistischen Aufbau Noch Effizienter ausführen', Schlussrede vor dem 10. Plenum der Fünften Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, 17.2.1975, in: Ders., 'Werke', Bd. 30, Pyongyang 1987, S. 46f, S. 61).
Die Folge war, dass trotz aller Predigten über den Kollektivismus in der Gesellschaft, der Personenkult um Kim Il Sung und seine Vetternwirtschaft seit den sechziger Jahren in Nordkorea unvorstellbare Ausmaße zu erreichen anfing. Millionen Exemplare der Werke Kim Il Sungs, zusammen mit Interpretationen und Untersuchungen seiner Schriften und andere Nachschlagewerke wurden im ganzen Land veröffentlicht und vertrieben. 1969 zum Beispiel waren Berichten zufolge die Ausgaben für solche kulturellen Aktivitätenaus den Töpfen der Arbeiterpartei Koreas dreißigmal so hoch wie noch 1960. In den sechziger Jahren wurden 39 Millionen Exemplare der 'Gesammelten Werke Kim Il Sungs' gedruckt und außerdem 8,8 Millionen Exemplare der 'Geschichte der Revolutionären Aktivitäten von Genosse Kim Il Sung' sowie 45,5 Millionen von 'revolutionären Leitfäden' und dies zu einer Zeit, als die gesamte Einwohnerzahl nur 14 Millionen betrug, wovon 6,6 Millionen unter 14 Jahre alt waren.
Die politische Erziehung konzentrierte sich fast ausschließlich auf das Studium von Leben und Werk Kim Il Sungs und Parteimitglieder waren angehalten, damit mindestens zwei Stunden am Tag zu verbringen. In der Zwischenzeit - zwischen 1966 und 1970 - wurden verschiedene Mitglieder von Kim Il Sungs Familie in höchste Partei- und Regierungsfunktionen gehievt. Auf dem Fünften Parteitag der APK 1970 wurde Kim Il Sung offiziell beschrieben als
"der große Führer der 40 Millionen Koreaner, unvergleichlicher Patriot, Nationalheld, ständig siegreicher, mit eisernem Willen ausgestatteter Befehlshaber, einer der hervorragenden Führer der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung und Generalsekretär des Zentralkomitees unserer Partei." (Tagesbericht des Auslandsinformationsdienstes vom 2.11.1970, KCNA, amtliche Nachrichtenagentur der KDVR).
Außerdem: Um Kim Il Sungs persönlichen Anspruch als Nachfolger 'einer patriotischen und revolutionären Familie, die von Generation zu Generation für die Unabhängigkeit des Landes und die Freiheit und die Befreiung des Volkes gegen die ausländischen Aggressoren gekämpft hatte', zu belegen, präsentierten regierungsamtliche Veröffentlichungen seine Ahnentafel wie folgt:
"Sein Urgroßvater, Kim Ung U, war ein Patriot, der 1866 einen Aufstand gegen die Amerikaner anführte; sein Großvater, Kim Bo Hyon, und seine Großmutter, Li Bo Ik, waren ebenfalls Patrioten, die gegen die Japaner gekämpft hatten; sein Großvater mütterlicherseits, Kang Don Uk, war ein antijapanischer Kämpfer gewesen; sein Vater, Kim Hyong Jik, war ein herausragender Führer der nationaldemokratischen Befreiungsbewegung; seine Mutter, Kang Ban Sok, war ebenfalls eine antijapanische revolutionäre Kämpferin; sein Onkel, Kim Hyong Gwon, war ein revolutionärer Kämpfer und Kommunist; sein Onkel mütterlicherseits, Kang Jin Sok, war ein Kämpfer gegen die Japaner gewesen; seine beiden jüngeren Brüder und sein Cousin, Kim Won Ju, waren auch revolutionäre Kämpfer und Kommunisten." ('Kurze Geschichte der revolutionären Aktivitäten von Genosse Kim Il Sung', Institut für die Geschichte der Partei beim Zentralkomitee der Arbeiterpartei Koreas, Hrsg., Pyongyang 1969, S. 3-7).
Kim Il Sung wurde 1972 Präsident der KVDR, eine Position, die er bis zu seinem Tod 1994 innehatte. Aber schon zu Beginn der siebziger Jahre gab es einen Plan zur Machtübertragung, um die Kontinuität des Juche-Gedankens unter der Führung von Kim Il Sungs Sohn, Kim Jong Il, zu gewährleisten. Es gibt Hinweise darauf, dass Kim Il Sung sich in dieser Frage einer Opposition gegenübersah und dass mehr als 1.000 politische und militärische Kader Berichten zufolge weggesäubert wurden.
Aber zu der Zeit, als 1980 der Sechste Parteitag abgehalten wurde, schien die Opposition überwunden zu sein und Kim Jong Il wurde zum Sekretär der Partei gewählt und als Nachfolger seines Vaters bestätigt. In ähnlicher Weise wie sein Vater beschrieb man Kim Jong Il als
"'geliebten Führer', 'ewig loyal dem Großen Führer gegenüber', 'perfekt seine Ideen, seine Führerschaft und noblen Eigenschaften verkörpernd', 'glänzend den Großen Plan und die Absichten des Führers auf höchster Ebene aufrechterhaltend', 'tiefe Weisheit, tiefe Einsichten, einen ausgeprägten Sinn für revolutionäre Prinzipien und einen starken Willen besitzend'. (Zitiert nach Chong-Sik Lee, 'Die Evolution der Koreanischen Arbeiterpartei und der Aufstieg Kim Jong Ils', in: Robert A. Scalphino und Jun-Yop Kim, 'Nordkorea heute: Strategische und innenpolitische Fragen', Berkeley 1983, S. 76).
Ein Buch, das in der KDVR 1990 weithin publiziert wurde, bezeich- net Kim Jong Il als
"den Riesen unserer Zeit, ... eine einzigartige Person, der sich auf allen Gebieten hervortut, der Weisheit, Führungsqualitäten, Persönlichkeit und Verdienste vorzuweisen hat." (Kim Gang Il, 'Der Führer Kim Jong Il', Pyongyang 1990, S. 1).
Auch wird die Wichtigkeit seiner Blutsverwandtschaft mit seinen Eltern und Vorfahren in diesem Buch hervorgehoben:
"Es war eine glänzende Morgenstunde für Koreas Zukunft, als er (Kim Jong Il - Verf.) als Sohn von General Kim Il Sung ... und der Heldin des antijapanischen Krieges, Kim Jong Suk, geboren wurde. ... Nicht nur seine Eltern, sondern auch seine Vorfahren hatten seit Generationen für die Unabhängigkeit des Landes gekämpft, ... so dass das Blut einer einzigartigen patriotischen Familie durch die Adern von Sekretär Kim Jong Il fließt." (Ebenda).
Was tatsächlich nur eine Erbfolge war, durch die Kim Jong Il allmählich an die Macht kam - fast wie eine für Koreas feudale Dynastien typische Familienangelegenheit - wurde in der KDVR als Modell einer Nachfolge für die Bewahrung von Juche hingestellt. Nach den Worten eines japanischen Befürworters des Kimilsungismus:
"In Korea ist nun, nachdem das Nachfolgeproblem für die revolu- tionäre Sache erfolgreich gelöst wurde, der Hebel für die Juche-Idee, die von Präsident Kim Il Sung erdacht wurde, vom Sekretär Kim Jong Il ererbt worden und das koreanische Volk har ein festes Fundament gelegt, auf dem es unter dem Banner von Juche voranschreiten kann. Es ist jetzt ganz deutlich geworden, dass dieses Ereignis auf dynamische Weise dazu beitragen wird, dass die Welt entschieden auf den Pfad von Juche geführt wird und dass sie der Zukunft der Unabhängigkeit entgegenfahren kann." (Inoue Shuhachi, 'Das moderne Korea und Kim Jong Il', Tokio 1984, S. 311).
Verfassungsrechtliche Entwicklungen in der KDVR
Nordkoreas erste Verfassung wurde am 8.9.1948 von der Obersten Volksversammlung angenommen und blieb - von einigen geringfügigen Veränderungen abgesehen, die zwischen 1954 und 1962 angenommen wurden - bis zur Annahme einer neuen Verfasssung im Jahre 1972 in Kraft. Ohne irgendeine Bezugnahme auf Juche, den Sozialismus oder den Marxismus-Leninismus bezeichnete die 1948iger Verfassung das Land als 'Demokratische Volksrepublik Korea', in der die Souveränität beim Volk liege, das seine Macht durch die Oberste Volksversammlung sowie durch die örtlichen Volksversammlungen auf den verschiedenen Ebenen ausübe. Neben den größeren Verstaatli- chungen waren drei Eigentumsformen vorgesehen: staatliches, kooperatives und privates Eigentum.
Am 27.12.1972 wurde dann eine neue 'Sozialistische Verfassung' angenommen, obwohl der Name des Staates - KDVR - beibehalten wurde. Diese Verfassung ist bis heute in Kraft, obwohl sie am 9.4.1992 und am 5.9.1998 abgeändert und ergänzt wurde (einige Artikel sind in der Zwischenzeit von Zeit zu Zeit abgeändert worden). Die Verfassung von 1972 schrieb in ihrer ursprünglichen Fassung ausdrücklich vor, dass das Land ein unabhängiges sozialistisches Land sei, das die Interessen aller Koreaner vertrete und dass es sich von der
"Juche-Idee der Arbeiterpartei Koreas leiten lasse, einer schöpferischen Anwendung des Marxismus-Leninismus auf die Bedingungen unseres Landes".
Eine weitere Bezugnahme auf den Marxismus-Leninismus findet sich noch, während der Begriff 'Diktatur des Proletariats' nur einmal erwähnt wird. Aber später, mit der Verfassungsänderung von 1992, wird jede Bezugnahme auf den 'Marxismus-Leninismus' und die 'Diktatur des Proletariats' getilgt. Jetzt heißt es, dass sich die KDVR von der
"Juche-Idee leiten lässt, einer Weltanschauung, die das Volk in den Mittelpunkt stellt, einer revolutionären Ideologie zur Erreichung der Unabhängigkeit der Massen des Volkes."
Die 'sozialistische Verfassung' stellt klipp und klar fest, dass die sozialistischen Produktionsverhältnisse in Nordkorea hergestellt worden seien:
"Klassengegensätze und alle Formen von Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen sind ein für allemal abgeschafft"...
und die KDVR stütze sich
"auf sozialistische Produktionsverhältnisse sowie auf das Fundament einer unabhängigen Volkswirtschaft".
Sie
"wird alles daran setzen, den vollständigen Sieg des Sozialismus in der nördlichen Hälfte zu erreichen".
In seiner Rede vor der Obersten Volksversammlung zwei Tage vor der Verabschiedung der Verfassung im Dezember 1972 erklärte Kim Il Sung, dass sowohl die sozialistische Umgestaltung der Wirtschaft als auch die landwirtschaftliche Kooperativisierung in der KDVR 1958 abgeschlossen worden sei. Er bestätigte erneut, dass diese plötzliche Verwirklichung sozialistischen Produk- tionsverhältnissen unter Einschluss der nationalen Bourgeoisie möglich gewesen sei:
"Was die nationalen Kapitalisten betrifft, so bestand unsere Politik von Anfang an darin, nicht nur die anti-imperialistische, antifeudale und demokratische Revolution mit ihnen zusammen durchzuführen, sondern sie mit uns gemeinsam zu einer sozialistischen, kommunistischen Gesellschaft zu führen." (Kim Il Sung, 'Lasst uns weiter das sozialistische Sytem Unseres Landes stärken', Rede vor der Ersten Sitzung der Fünften Obersten Volksversammlung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik, 25.12.1972, in: Ders., 'Werke', Bd. 27, Pyongyang 1986, S. 484).
Da die Abschaffung der Klassengegensätze für abgeschlossen erklärt wird und der Klassenkampf im Sozialismus nicht anerkannt wird, billigt die Verfassung von 1972 den Revisionismus. Die ununterbrochene Weiterführung der Revolution kann nicht ohne einen konsequent geführten Klassenkampf während der gesamten Periode des sozialistischen Aufbaus auskommen. Der grundlegende, unversöhnliche Widerspruch zwischen Sozialismus und Kapitalismus berührt nach wie vor das gesellschaftliche Leben, seine politischen, ideologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte, bis zum endgültigen Triumph des Kommunismus. Nur durch den Klassenkampf können sowohl die unversöhnlichen Widersprüche (d.h. jene zwischen den Arbeitern an der Macht und der gestürzten Bourgeoisie) als auch die nicht unversöhnlichen Widersprüche (d.h. jene im werktätigen Volk selbst) ständig gelöst werden, während sich gleichzeitig die sozialistische Gesellschaft auf den Kommunismus zubewegt.
Es bedarf keiner Erwähnung, dass der Klassenkampf innerhalb eines sozialistischen Landes eng mit dem Klassenkampf außerhalb von ihm verknüpft ist, d.h. mit dem Klassenkampf gegen den Imperialismus, den Kapitalismus und Revisionismus, die allesamt einen mächtigen Einfluss ausüben, um den Sozialismus zu erdrosseln und zu zerstören, durch militärische Aggression, ideologische Entartung, politische Einmischung, Wirtschaftsblockaden oder Hunger usw. Seit den sechziger Jahren konnte die revisionistische Entartung tatsächlich in der UdSSR und anderen Ländern, die nicht die Notwendigkeit des Klassenkampfes im Sozialismus anerkannt hatten, stattfinden. Ihre jüngsten Niederlagen haben tatsächlich Lenins Lehren bestätigt, dass
"die Diktatur des Proletariats nicht das Ende, sondern die Weiterführung des Klassenkampfes in neuen Formen bedeutet".
Dieses grundlegende proletarische Prinzip ist in der Verfassung der KDVR stets abwesend gewesen.
Einige weitere wichtige Bestimmungen, die in der heutigen Verfassung vorhanden sind:
1. Das Recht der Wähler, Abgeordnete abzuberufen, falls diese nicht mehr 'vertrauenswürdig' sind;
2. die Durchführung des Chongsanri-Prinzips und seine Methode;
3. die Unterstützung der 'Drei revolutionären Rote-Fahnen-Bewegungen';
4. die Abschaffung von Steuern bei gleichzeitiger Versorgung der Menschen mit 'allem, was für die Erlangung von Nahrungsmitteln, Kleidung und Wohnung notwendig ist';
5. eine geplante Wirtschaft;
6. eine 11-jährige Schulausbildung;
7. freie medizinische Versorgung und vorbeugende medizinische Maßnahmen;
8. Vertrauen in die eigene Kraft bei der Verteidigung;
9. die Durchführung des kollektivistischen Prinzips von 'einer für alle, alle für einen' ('der Kollektvismus ist die Grundlage des Lebens in einer sozialistischen Gesellschaft');
10.die Betonung von Heirat und Familie, die als die 'grundlegende Einheit des gesellschaftlichen Lebens' bezeichnet wird.
Zu den staatlichen Einrichtungen der KDVR zählen:
-die Oberste Volksversammlung, das höchste staatliche Organ, das die gesetzgebende Gewalt ausübt und auf fünf Jahre gewählt wird (im Juli 1998 wurden 687 Abgeordnete in die 10. Oberste Volksversammlung gewählt);
-die Nationale Verteidigungskommission (das höchste Militärorgan);
-das Präsidium der Obersten Volksversammlung;
-das Kabinett, das höchste administrative und ausführende Organ;
-die örtlichen Volksversammlungen;
-die örtlichen Volkskomitees;
-die Oberste Strafverfolgungsbehörde und das Oberste Gericht.
Kim Il Sung, der bis zu seinem Tode im Jahr 1994 Präsident war, wurde zum 'ewigen' Präsidenten der KDVR erklärt.
10. 'Juche' - eine revisionistische Theorie und Praxis
Die herrschende Ideologie in der KDVR ist Juche. Juche wurde ursprünglich von Kim Il Sung formuliert und später von Kim Jong Il weiterentwickelt. Da diese Ideologie eng mit dem Namen Kim Il Sung verbunden ist, wird sie auch 'Kimilsungismus' oder 'Koreanischer Revisionismus' genannt. Sie ist so allgegenwärtig, dass seit 1997 die Juche-Ära in der KDVR zu einer Einrichtung erklärt wurde, die vom Geburtstag Kim Il Sungs, dem 15. April 1912 (Sonnentag), an gerechnet wird. Juche wird nicht nur als auf die besonderen koreanischen Verhältnisse anwendbar erachtet, sondern auch als für den internationalen revolutionären Prozess gültig angesehen. Ihre Definition:
"Die historische Aufgabe, den Sozialismus auf ein neues wissen- schaftliches Fundament zu stellen, wurde durch den großen Führer Kim Il Sung erfolgreich bewältigt, der die Juche-Idee schuf und der auf dieser Basis eine neuartige sozialistische Theorie ent- wickelte. Der verehrte Genosse Kim Il Sung entdeckte das philosophische Prinzip, dass der Mensch Herr über alles ist und alles entscheidet. Er entwickelte ein neues Gesetz, das die gesellschaftliche Entwicklung regiert, das Wirken der Beweggrün- de und er gab dadurch dem Sozialismus ein neues wissenschaftli- ches Fundament. Die sozialistische und kommunistische Sache, die durch die Juche-Idee verdeutlicht wird, besteht in der Sache der vollständigen Unabhängigkeit, für die die Volksmassen kämpfen. Der Sozialismus, der von dem großen Führer Kim Il Sung wissen- schaftliche systematisiert wurde, ist ein Sozialismus, der die Menschen und die Massen in den Mittelpunkt stellt. Unser Sozialismus ist ein Sozialismus, bei dem die Volksmassen die Herren aller Dinge sind, bei dem alles ihnen dient und der sich durch ihre gemeinsamen Anstrengungen weiter entwickelt. Die Juche-orientierte Theorie des Sozialismus stellt das Wesen des Sozialismus klar sowie die Gesetze, die seine Entwicklung regieren, indem der Mensch ins Zentrum gerückt wird. Auf dieser Grundlage besagt die Theorie, dass wenn der Sozialismus erfolgreich sein soll, ein energischer Kampf geführt werden muss, um die beiden Festungen des Sozialismus und des Kommunismus zu erobern: die ideologische und die materielle Festung und das in dieser Beziehung dem Kampf für die Einnahme der ideologischen Festung absoluter Vorrang gebührt. ... Die Juche-Idee hat zum ersten Mal in der Geschichte eine wissenschaftliche Definition der wesentlichen Eigenschaften des Menschen geliefert. ... Der Mensch ist ein soziales Wesen, mit Selbstständigkeit, Schöpferkraft und Bewusstsein ausgestattet. Hierin bestehen seine wesentlichen Merkmale. ... Selbständige, schöpferische und bewusste Aktivitäten machen die menschliche Lebensweise aus. ...
Der Mensch gestaltet Natur und Gesellschaft um und macht die Geschichte. ... Das Leben des Menschen wird vortrefflich, wenn er vom gesellschaftlichen Kollektiv geliebt wird und man ihm vertraut; es wird wertlos, wenn er vom ihm verlassen wird. Der Mensch genießt die Liebe und das Vertrauen des gesellschaftlichen Kollektivs, wenn er die Interessen dieses Kollektivs höher stellt als die Einzelner und wenn er dem Kollektiv pflichtgetreu dient. Letztendlich besteht das höchste Gut und der höchste Wert eines menschlichen Lebens darin, ein selbstständiges und schöpferisches Leben zu führen und dabei die Liebe und das Vertrauen des gesellschaftlichen Kollektivs zu genießen, während er gleichzei- tig sein eigenes Schicksal mit dem des gesellschaftlichen Kollek- tivs verbindet und ihm von ganzem Herzen dient. ...
In unserem Land ehrt und unterstützt jeder einzelne den Führer, wie seinen eigenen Vater. Jeder vertraut und folgt der Partei und für jeden einzelnen ist die Umarmung durch die Partei wie die Umarmung der eigenen Mutter. Der Führer, die Partei und das Volk bilden einen gesellschaftlichen und politischen Organismus und teilen das gleiche Schicksal. Die ganze Gesellschaft ist von der kommunistischen Moral durchdrungen." (Kim Jong Il, 'Sozialismus ist eine Wissenschaft', wissenschaft- liche Abhandlung, veröffentlicht in: 'Rodong Sinmun', Organ des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, Pyongyang, 1.11.1994, S. 8-16, S. 31).
Demnach stellt Juche folgende Behauptungen auf:
1. Die Volksmassen sind das Subjekt der Geschichte;
2. die historische Entwicklung der Gesellschaft widerspiegelt die schöpferischen Aktivitäten der Volksmassen;
3. die menschliche Geschichte ist der Kampf der Volksmassen um ihren 'Chajusong' zu verwirklichen, d.h. den Geist der Freiheit, den der Unabhängigkeit sowie den des Vertrauens auf die eigene Kraft;
4. der selbstständige Gedanke, die Bewusstheit und die Initiative der Volksmassen spielen ihre entscheidende Rolle sowohl bei der Veränderung der Natur als auch bei der Führung des revolutionären Kampfes;
5. es ist der Führer, der das Sehnen der Massen deutet und diesem Form verleiht, während er gleichzeitig ihren Bemühungen die Richtung weist. Die Selbstständigkeit des Einzelnen und/oder die Unabhängigkeit des Volkes bestehen in der Treue zum Führer und seiner Partei.
Wenn man von den oben angeführten Voraussetzungen ausgeht, dann verneint Juche die materialistische und dialektische Auffassung der Geschiche, wonach die Vorstellungen und Empfindungen im Prinzip die objektive und primäre Wirklichkeit, die an sich existiert, unabhängig von unserem Geist und Willen, wider- spiegeln. Die Juche-Philosophie ist idealistisch und basiert auf dem Willen des Menschen und ist durchdrungen von metaphysischen, fast theologischen Wesensmerkmalen. Sie zielt darauf ab, in der Politik die Unabhängigkeit zu erreichen, in der Ökonomie die Autarkie und bei der Verteidigung das Vertrauen in die eigenen Kräfte.
Die koreanische Geschichte selbst, die der internationalen kommunistischen Bewegung sowie die jüngsten Rückschläge des Sozialismus werden allesamt im Lichte von Juche gedeutet. Obwohl sich Juche in Nordkorea erst seit Mitte der 50iger Jahre entwickelte, entdeckte will die offizielle nordkoreanische Geschichtsschreibung ihre entscheidene Rolle schon davor entdeckt haben. Zum Beispiel sei
"der Sieg des bewaffneten antijapanischen Kampfes in erster Linie ein glänzender Sieg seiner (Kim Il Sungs - Verf.) großartigen Juche-Idee und der an Juche orientierten revolutionären Linie gewesen." (Kim Han Gil, 'Moderne Geschichte Koreas', Pyongyang 1979, S. 169f).
Die Betonung der Unabhängigkeit des Menschens führt zur Kritik und Missdeutung des Marxismus. Dieser, so wird behauptet, habe nur die materiellen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Geschichte betont, während er die selbstständige Initiative der Volksmassen unterschätzt habe. Kim Jong Il, der während seiner Universtitätszeit von Mai 1966 bis Juli 1969 sämtliche Klassiker des Marxismus-Leninismus gelesen haben soll, einschließlich von Marx''Das Kapital', weist auf die folgenden 'Grenzen' des Marxismus-Leninismus hin:
"Der Marxismus war eine revolutionäre Lehre, die für die Ära kennzeichnend war, als die Arbeiterklasse auf der historischen Bühne erschienen war und einen Kampf gegen das Kapital führte. ... Aber die Zeiten haben sich geändert und die Geschichte ist weiter gegangen, so dass der Marxismus zwangsläufig geschichtliche Grenzen aufzuweisen hat. ... Letztendlich unterließ es der Marxismus, eine richtige Erklärung für den Aufbau einer sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft durch die Weiterführung der Revolution nach der Errichtung des sozialistischen Systems zu geben. Historisch gesehen, ist der Marxismus eine Idee und eine Theorie, die sich mit den Erfor- dernissen des ersten Stadiums der sozialistischen Sache beschäf- tigt." (Kim Jong Il,'Das Vorantragen der Juche-Idee', Pyongyang 1995).
"Unsere Partei und unser Volk respektieren Marx, Engels, Lenin und Stalin als Führer der Arbeiterklasse und halten große Stücke auf ihre hervorragenden Leistungen. ... In ihrer Zeit verkörperten Marx, Engels, Lenin und Stalin die Bestrebungen und die Forderungen der ausgebeuteten Arbeitermassen und die Sache des Sozialismus verband sich untrennbar mit ihren Namen. ... Die Bedingungen und Umstände der Revolution wandeln und entwickeln sich jedoch beständig. ... Unsere Partei hat ihre eigene rich- tungsweisende Ideologie und Theorie auf der Grundlage einer richtigen Analyse der historischen Grenzen ihrer Lehren ausgearbeitet. ... Der große Führer Genosse Kim Il Sung ... entwickelte die Juche-Idee und bahnte den Weg für die unabhängige Entwicklung unserer Revolution. ... Die historischen Grenzen der vorangegangenen Theorien wurden durch die Juche-Ideen überwunden." (Kim Jong Il, 'Der Respekt für die Vorläufer der Revolution stellt eine hohe moralische Verpflichtung für die Revolutionäre dar', Rede, veröffentlicht in 'Rodong Sinmun', Organ des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas', Pyongyang 25.12.1995, S. 13-15).
"Der Hauptmangel der materialistischen Geschichtsauffassung be- steht darin, dass sie nicht in der Lage ist, das besondere Gesetz der sozialen Bewegung zu entwickeln und dass sie die Prinzipien der sozialen Bewegung hauptsächlich auf der Grundlage des gemeinsamen Charakters der Bewegung der Natur und der sozialen Bewegung erklärt, in der Weise, dass beide für Bewegungen des Materiellen gehalten werden." (Kim Jong Il, 'Die Juche-Philosophie ist eine eigenständige revolutionäre Philosophie', ein Vortrag, veröffentlicht in 'Kulloja', Theoretisches Organ des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, Pyongyang 26.7.1996, S. 5).
"Die Theorie des Sozialismus des vorangegangenen Jahrhunderts ... betrachtete die soziale und historische Bewegung nicht als eine Bewegung aus eigenem Antrieb, als eine Bewegung, die sich auf die Initiative und durch die Rolle, die die Volksmassen spielen, bildet und entwickelt, sondern als einen natürlichen historischen Prozess, der sich je nach den materiellen und ökonomischen Ge- gebenheiten ändert und entwickelt. ... In der sozialistischen Gesellschaft gewinnt die Umformung des Menschen, seine ideologi- sche Umerziehung, eine größere Bedeutung und wird zu einer wich- tigeren Aufgabe als die Schaffung der materiellen und ökonomi- schen Bedingungen des Sozialismus. ... In der Vergangenheit entwickelten die Gründer des Marxismus die sozialistische Theorie, indem sie das Schwergewicht auf die materiellen und ökonomischen Bedingungen legten. ... Der Marxismus definiert das Wesen des Menschen als das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse. ... Die Definition des Wesens des Menschen als die Gesamtsumme der gesellschaftlichen Verhältnisse liefert keine umfassende Aufklärung zu den dem Menschen eigenen Wesenszügen. ... Die Geschichte der sozialen Entwicklung ist - langfristig gesehen - die Geschichte der Entwicklung der Selbständigkeit des Menschen, seiner Schöpferkraft und seines Bewusstseins." (Kim Il Sung, 'Der Sozialismus ist eine Wissenschaft', Pyongyang 1.11.1994, S. 5,11).
Tatsächlich widerspricht diese anthropozentrische Version des koreanischen Sozialismus, auch wenn sie sich wissenschaftlich gibt, den grundlegenden Prinzipien des Marxismus-Leninismus. Marx zufolge ist die Stellung des Menschen in der Gesellschaft bestimmt durch eine besondere gesellschaftliche Ordnung: außerhalb des bestehenden sozialen Gefüges, und gesondert von ihm, ist es nur möglich, das Wesen des Menschen mit metaphysi- schen und idealistischen Begriffen zu umschreiben. Marx hingegen sieht den Menschen eingebunden in den Zusammenhang seiner Geschichte und seiner Gesellschaft. Wenn man den Menschen von seiner gesellschaftlichen Klasse getrennt sieht und ihn als Einzelwesen und als etwas Abstraktes betrachet, dann stellt man sich auf den Standpunkt des Idealismus und verewigt den Kapitalismus, unabhängig davon, wie sehr man versucht, den Kapitalismus hinter falschen roten Fahnen und durch eine pseudo- revolutionäre Phraseologie zu verschleiern.
Der dialektische und historische Materialismus stellt sich gegen die abstrakte und allgemeine Behandlung dieses Problems und betont die entscheidende Rolle der Produktionsweise als der realen Grundlage einer jeden sozialen Ordnung. Tatsächlich liegt die Produktionsweise dem gesamten System der gesellschaftlichen Beziehungen zugrunde und darin kann man das eigentliche 'Wesen' des Menschen entdecken. Schon im Januar 1859, in seinem Vorwort zu 'Ein Beitrag zur Kritik der Politischen Ökonomie', formulierte Marx treffend und mit wenigen Worten die grundlegenden und wahrhaft revolutionären Merkmale des historischen und dialekti- schen Materialismus in folgenden Worten:
"Im Verlaufe der gesellschaftlichen Produktion gehen die Menschen zwangsläufig bestimmte Beziehungen zueinander ein, die von ihrem Willen unabhängig sind, nämlich Produktionsverhältnisse, die dem jeweiligen Entwicklungsstand ihrer materiellen Produktionsmittel entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur einer Gesellschaft, ihre eigentliche Basis, über die sich ein rechtlicher und politischer Überbau erhebt und dem bestimmte Formen des gesellschaftlichen Bewusst- seins entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den allgemeinen Prozess des sozialen, politischen und geistigen Lebens. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, welches ihr Sein, sondern es ist ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt." (Karl Marx, 'Vorwort zu 'Ein Beitrag zur Kritik der Politischen Ökonomie', in: Karl Marx & Friedrich Engels, 'Gesammelte Werke', Band 29, London 1987, S. 263).
Wenn die Produktivkräfte in einem bestimmten Stadium ihrer Entwicklung mit den bestehenden Produktionsverhältnissen (den Eigentumsverhältnissen - Übers.) in Konflikt geraten, findet eine Phase der sozialen Revolution statt, so dass das eine gesell- schaftliche System durch ein anderes abgelöst wird. Der Urkommu- nismus, die Sklavenhaltergesellschaft, der Feudalismus, der Kapitalismus und der Sozialismus stellen verschiedene Arten einer gesellschaftlichen Ordnung dar, die es bisher in der Geschichte gegeben hat. Die klare Definition eines gesellschaftlichen Systems kann auch den Grad der geschichtlichen Entwicklung widerspiegeln, die - von einer niedrigen gesellschaftlichen Ordnung zu einer höheren aufsteigend - zur Errichtung des Sozialismus führt. Der Grundzug der kapitalistischen Produk- tionsverhältnisse besteht in der Versklavung der arbeitenden Klasse durch das Kapital. Deshalb verlangt die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus - bedingt durch die ökonomi- sche Entwicklung - die Beseitigung der Ausbeutung des Menschens (d.h. des Arbeiters) durch den Menschen (d.h. durch die Bourgeoisie) und die Errichtung des proletarischen Staates, der darum kämpft, eine kommunistische Gesellschaft aufzubauen.
Sowohl im Kapitalismus als auch im Sozialismus besitzen die Ideen einen Klassencharakter: In jeder Gesellschaft - worauf Marx und Engels hinwiesen - sind die herrenden Ideen jene der herrschenden Klasse. Neue soziale Ideen und Theorien entstehen im Ergebnis neu entstandener Notwendigkeiten des materiellen Lebens. Diese neuen Ideologien helfen den fortschrittlichen Kräften der Gesellschaft und werden zum Besitz der Volksmassen, um sich ihren geschichtlichen Weg zu bahnen, indem sie die überlebten gesellschaftlichen Kräfte, die dem Fortschritt im Wege stehen, stürzen. Deshalb ist es der Marxismus-Leninismus, die revolutio- äre Ideologie der Arbeiterklasse, die sich parallel mit dem Voranschreiten des Proletariats, in einer sozialistischen Gesellschaft als herrschende Ideologie durchsetzt - eine Gesellschaft, die zum ersten Mal in der Geschichte unter der Führung der Arbeiterklasse aufgebaut wird.
Nach Juche jedoch ist es der abstrakte Mensch, der die Freiheit besitzt, kraft seines eigenen Willens sowohl die Natur als auch die Gesellschaft umzugestalten. Kim Il Sung argumentiert, dass
"die soziale Bewegung durch die gewollte Aktion und die Stärke der Triebkraft (die Volksmassen - Verf.) erzeugt und entwickelt wird." (Kim Jong Il, 'Die Juche-Philosophie ist eine eigenständige revolutionäre Philosophie', Vortrag, veröffentlicht in 'Kulloja', theoretisches Organ des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, Pyongyang, 26.7.1996).
Weit davon entfernt, eine neue philosophische Entdeckung zu sein, wiederholt ein derartiger Idealismus, der sich auf die von den Massen bewusst und gewollt herbeigeführte Unabhängigkeit stützt, nur E. Dührings subjektivistische, voluntaristische Ansichten, die dieser bereits vor über hundert Jahren in Deutschland formulierte. Aber diese Ansichten wurden bereits von Engels widerlegt, als er eindeutig nachwies, dass Freiheit auf der Einsicht in die Notwendigkeit beruht, auf der Erkenntnis der objektiven Gesetze in Natur und Gesellschaft. Engels wies besonders auf Folgendes hin:
"Freiheit besteht nicht in irgendeiner erträumten Unabhängigkeit von den Naturgesetzen, sondern sie beruht auf der Kenntnis dieser Gesetze und auf den Möglichkeiten, die sie gewähren, um sie systematisch für bestimmte Zwecke dienstbar zu machen. ... Die Freiheit des Willens besteht deshalb in nichts anderem als in der Fähigkeit, Entscheidungen auf der Grundlage von Kenntnissen über die Sache treffen zu können. ... Freiheit besteht deshalb in der Kontrolle über uns selbst und über die äußeren natürlichen Gegebenheiten - eine Kontrolle, die sich auf das Wissen über die natürlichen Notwendigkeiten gründet. Sie ist deshalb zwangsläufig ein Produkt geschichtlicher Entwicklung." (Friedrich Engels, 'Anti-Dühring. Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft', in: Karl Marx & Friedrich Engels, 'Gesammelte Werke', Band 25, London 1987, S. 105f).
Der Sozialismus ersetzt den Kapitalismus weder aufgrund eines Wollens oder von subjektiven Wünschen, noch aufgrund der guten Wünsche eines 'Großen Führers', sondern aufgrund von objektiven Entwicklungsgesetzen, denen bewusst durch die Arbeiterklasse zum Durchbruch verholfen wird. Von diesen wissenschaftlichen Voraus- setzungen ausgehend, maßen Marx und Engels der Befreiung der Arbeiter, sowohl in materieller als auch in ideologischem Sinne fundamentale Bedeutung bei. Schon nach den Prinzipien der Ersten Internationale sollte 'die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein'.
Aber die nordkoreanische Gesellschaft, wie Kim Il Sung selbst zugab, hat sich ganz offen von den angeführten Prinzipien verabschiedet:
"In der sozialistischen Gesellschaft werden ALLE Menschen in sozialistische arbeitende Menschen verwandelt, so dass jeder einzelne ein Teil der Volksmassen ist. ... Das entscheidende Kriterium dafür, ob jemand zu den Volksmassen gehört oder nicht, ist nicht seine soziale Herkunft oder Klassenzugehörigkeit, sondern sind seine Gedanken. Die ideologische Basis, auf der man die Menschen aller Schichten zu Volksmassen vereinigen kann, ist nicht nur die Ideologie des Sozialismus oder Kommunismus. Jeder, der sein Land liebt, ... qualifiziert sich als Mitglied der Massen des Volkes. Von diesem Standpunkt aus vereinte der große Führer Genosse Kim Il Sung jeden, der ideologisch bereit war, dem Vaterland, dem Volk und der Nation zu dienen, zu einer revolutionären Kraft und er führte erfolgreich die Revolution und den Aufbau durch. Unsere Partei vertraut Menschen aus unterschiedlichen Klassen und Schichten, die an der Revolution interessiert sind. Sie betrachtet sie als ständige Gefährten - nicht als zufällige Sympathisanten - auf dem Weg zur Revolution, und sie führt sie auf den Weg zum Sozialismus und Kommunismus. (Kim Jong Il, 'Sozialismus ist eine Wissenschaft', Pyongyang, 1.11.1994, S. 19, Hervorhebungen durch Verf.).
Ist dies 'wissenschaftlicher Sozialismus'? Ist dieser 'Weg zum Sozialismus und Kommunismus' in Nordkorea mit Marx, Engels, Lenin und Stalin vereinbar? Nein. Juche ist Revisionismus und Kim Il Sung war kein Marxist-Leninist.
Es wird deutlich, dass sich die Entwicklung der KDVR in keinster Weise mit der grundlegenden marxistisch-leninistischen Strategie für den revolutionären Prozess in kolonialartigen Ländern vereinbaren lässt, wonach ein zeitweiliges Bündnis mit der natio- nalen Bourgeoisie nur in der Phase der national-demokratischen Revolution eingegangen werden soll. Im Gegenteil: Die national- kapitalistischen Klasse ist harmonisch in den 'Sozialismus' in Übereinstimmung mit den Juche-Prinzipien integriert worden und zu keiner Zeit seit 1945 ist die Diktatur des Proletariats in Nordkorea etabliert worden. Aber das Vorhandensein einer Diktatur des Proletariats ist nach wie vor der politische Maßstab dafür, ob der Sozialismus errichtet wurde oder nicht.
Für wahre Marxisten-Leninisten kann während der gesamten histori- schen Periode des Übergangs vom Kapitalismus zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft
"der Staat nichts anderes sein als die REVOLUTIONÄRE DIKTATUR DES PROLETARIATS." (Karl Marx, 'Kritik am Gothaer Programm', in: Marx & Engels, 'Gesammelte Werke', Bd. 24, London 1989, S. 95, Hervorhebungen im Original).
Hierauf wies Marx schon vor mehr als einem Jahrhundert in seiner 'Kritik am Gothaer Programm' (der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - Übers.) deutlich hin, als er Lassalles Idee (die von der SPD-Führung unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht übernommen wurde - Übers.) von einem 'freien Volksstaat', die den Klassencharakter des Staates als ein Organ einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse leugnete, zurückwies. Durch die Entmachtung der ausbeutenden Klassen und die Errichtung der Diktatur des Proletariats wird die vollständigste Form einer Demokratie - der wahren Demokratie für das Proletariat, die Bauernschaft und für die anderen werktätigen Massen - zum ersten Mal in der Geschichte verwirklicht, worauf schon im 'Kommunisti- schen Manifest' von Marx und Engels hingewiesen wurde. (vgl.: Karl Marx & Friedrich Engels, 'Manifest der Kommunistischen Partei', in: dies., 'Gesammelte Werke', Bd. 6, London 1976, S. 504).
Nur wenn man von diesen Grundsätzen ausgeht, ist es möglich zu beurteilen, ob der wissenschaftliche Sozialismus in der KDVR verwirklicht wurde oder nicht. Aber in Abwesenheit eines wahrhaft proletarischen Staates läuft die Bezeichnung der nordkoreanischen Gesellschaft als eine 'sozialistische' auf Selbsttäuschung hin- aus.
Das Wesen von Juche ist Revisionismus und damit gehört diese Ideologie zu all jenen - wie der chruschtschowsche Revisionismus, der Titoismus, der Maoismus, der kubanische Revisionismus, der Leduanismus usw. - die Marx, Engels, Lenin und Stalin hinter sich gelassen haben, um dafür 'schöpferisch' ihre eigenen, besonderen modern-revisionistischen Strömungen zu entwickeln.
Der Revisionismus zielt darauf ab, pseudosozialistische Gesell- schaften aufzubauen und zu rechtfertigen, in denen die arbeitenden Massen von der Macht ferngehalten werden und wo die sozialistische Demokratie nicht in Taten verwirklicht ist, sondern nur in Form von hochtrabenden, revolutionären Worten und Phrasen.
Ganz in Übereinstimmung mit ihren antimarxistischen Formulie- rungen setzt Juche Sozialismus und Kommunismus mit Unabhängigkeit gleich - Unabhängigkeit des Menschen, Unabhängigkeit der Massen, Unabhängigkeit der Nation - eine Unabhängigkeit, die alle Klassen vereint. Worauf Kim Il Sung stets hinwies:
"Die Sache des Aufbaus des Sozialismus und des Kommunismus ... wird den Volksmassen die vollständige Unabhängigkeit bringen." (Kim Il Sung, 'Für den vollständigen Sieg des Sozialismus', Ansprache vor der Ersten Sitzung der Achten Obersten Volksver- sammlung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik, 30.12. 1986, in: Kim Il Sung, 'Werke', Bd. 40, Pyongyang 1995, S. 199).
Kim Jong Il wiederholt dasselbe revisionistische Prinzip so:
"Der Sozialismus ist das Ideal und das revolutionäre Banner der Volksmassen, die für die Unabhängigkeit kämpfen. Die Massen erreichen ihre Unabhängigkeit durch den Sozialismus und Kommunis- mus. ... Uns gehört das Zeitalter der Unabhängigkeit." (Kim Jong Il, 'Sozialismus und Wissenschaft', Pyongyang, 1.11. 1994, S. 1).
"Die Sache des Sozialismus ist eine gerechte Sache, um die Unabhängigkeit der Volksmassen zu verwirklichen." (Kim Jong Il, 'Die Juche-Idee vorwärts tragen', Pyongyang 1995, ohne Seitenangabe).
"Unser Sozialismus, der die Anwendung der Juche-Idee, der revo- lutionären Idee in der Ära der Unabhängigkeit ist, ist der beste Sozialismus; er stellt die Massen in den Mittelpunkt und tritt vehement für ... das Recht der Nation auf Unabhängigkeit und für das Verlangen aller Menschen der Welt nach Unabhängigkeit ein." (Kim Jong Il, 'Unser Sozialismus, der die Massen in den Mittelpunkt stellt, wird nicht untergehen', Pyongyang, 5.5.1991, S. 10).
"Das Festhalten am Juche-Charakter und am nationalen Charakter in der Revolution und beim Aufbau ist ein grundlegendes Prinzip, das bewahrt werden muss, damit das Streben des Volkes nach Unab- hängigkeit, nach Sozialismus ... verwirklicht wird. ... Die sozialistische Sache ist die revolutionäre Sache der Unabhängig- keit." (Kim Jong Il, 'Über die Bewahrung des Juche-Charakters und des nationalen Charakters der Revolution und des Aufbaus', Pyongyang, 19.6.1997, S. 2).
Infolge der Betonung der Idee der Unabhängigkeit wird die Dritte Internationale und die Rolle, die sie gespielt hat, kritisiert. Bezüglich der Geschichte der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung gelangt Kim Jong Il zu folgender Feststellung:
"Die Zeiten sind längst vorbei, als ein Zentrum in der interna- tionalen kommunistischen Bewegung gab und die einzelnen Parteien als ihre Abteilungen agierten. ... In der Vergangenheit ... fügten die Parteien einiger sozialistischer Länder der Entwicklung der internationalen kommunistischen Bewegung dadurch großen Schaden zu, dass es ihnen nicht gelang, sich von den alten Gewohnheiten der Kommunistischen Internationale freizumachen. Die Partei eines bestimmten Landes beanspruchte das 'Zentrum' der internationalen kommunistischen Bewegung zu sein und wies andere Parteien an, dieses oder jenes zu tun. Sie zögerte nicht, Druck auf andere Parteien auszuüben und sich in ihre inneren Angelegenheiten einzumischen, wenn sie sich weigerten, ihrer Linie zu folgen, selbst wenn es sich um eine falsche handelte." (Kim Jong Il, 'Die Juche-Idee vorwärts tragen', Pyongyang 1995, ohne Seitenangabe).
"Aber selbst nachdem die Komintern aufgelöst worden war, wirkten alte Praktiken in den Beziehungen zwischen den kommunistischen und Arbeiterparteien nach, Praktiken, die in der dogmatischen Annahme der Parteilinie und der Politik eines größeren Landes, das die sozialistische Revolution vorher durchgeführt hatte, zum Ausdruck kamen." (Kim Jong Il, 'Über die Grundlagen des revolutionären Parteiaufbaus', eine Abhandlung, die aus Anlass des 47. Jahres- tages der Gründung der Arbeiterpartei Koreas verfasst wurde, Pyongyang, 10.10.1992, S. 9).
Es werden keinerlei detaillierte Analysen vorgenommen, was die ökonomischen, politischen und ideologischen Faktoren betrifft, die dazu führten, dass viele Parteien den Sozialismus aufgaben und revisionistisch entarteten. Der Zusammenbruch des Revisionismus in der UdSSR und in anderen Staaten wird jedoch, Juche zufolge, der Tatsache zugeschrieben, dass eine echte Unabhängigkeit nicht konsequent durchgeführt wurde und dass die Menschen in der Zwischenzeit nicht richtig erzogen und dement- sprechend umerzogen worden seien:
"Die sozialistischen Regierungsparteien und die sozialistischen Systeme brachen in vielen Ländern zusammen, nicht nur in einigen wenigen, weil sie es unterließen, in ihrer Entwicklung und bei ihren Aktivitäten Juche zu etablieren." (Ders., 'Über die Grundlagen des revolutionären Parteiaufbaus', Pyongyang, 10.10.1992, S. 8).
"Weil die sozialistische Sache in verschiedenen Ländern nicht zur Sache der echten nationalen Unabhängigkeit gemacht wurde, wurden die Klassenfundamente des Sozialismus nach und nach unterhöhlt und er war nicht imstande, die Rückschläge und den Zusammenbruch durch die antisozialistischen Manöver der Imperialisten und der Renegaten der Revolution abzuwehren." (Kim Jong Il, 'Über die Bewahrung des Juche-Charakters und des nationalen Charakters der Revolution und des Aufbaus', Pyongyang 19.6.1997, S. 6).
"Einige Länder waren der Meinung, dass man den Sozialismus einfach dadurch aufbauen könne, dass man das Tempo des wirtschaftlichen Aufbaus beschleunige, bei gleichzeitiger Kontrolle über die Staatsmacht und die Produktionsmittel und sie unterließen es, ihre Hauptanstrengung der schnellen Umformung der Menschen und der Anhebung ihres ideologischen und kulturellen Niveaus zu widmen, um sie auf die Rolle einer treibenden Kraft für die Revolution und den Aufbau vorzubereiten." (Kim Jong Il, 'Die Juche-Idee vorwärts tragen', Pyongyang 1995, ohne Seitenangabe).
Aus nordkoreanischer revisionistischer Sicht ist es die Juche-Idee, welche
"ihre volle Wahrheit und Gültigkeit durch die erfolgreiche Entwicklung des die Menschen in den Mittelpunkt stellenden Sozialismus in Nordkorea sowie durch den schnellen Fortschritt der Sache der Unabhängigkeit in der Welt voll und ganz unter Beweis gestellt hat." ('Wegweisendes Licht: General Kim Jong IL', Pyongyang 1997, ohne Seitenangabe).
Der erste organisatorische Versuch, politische Kräfte um die Juche-Idee zu gruppieren, fand im April 1992 in Pyongyang statt, als die unterschiedlichsten Kräfte - fortschrittliche Parteien, Marxisten-Leninisten, revisionistische und pazifistische Organisationen - sich zusammenfanden. Die Abschlusserklärung, 'Lasst uns die Sache des Sozialismus verteidigen und voranbrin- gen', wurde ursprünglich von 70 der in Pyongyang 1992 anwesenden Organisationen verabschiedet, jedoch ist die Zahl der politischen Organisationen, die später die Erklärung mittrugen und unter- zeichneten, inzwischen auf über 200 angewachsen.
Die Erklärung von Pyongyang verkörpert und unterstützt - in Übereinstimmung mit Juche - sowohl die Gleichsetzung von Sozialismus und Unabhängigkeit sowie ein unbestimmtes Ideal eines Sozialismus, der von 'den Menschen' geschaffen wurde. Der Klassencharakter der sozialistischen Gesellschaft, das tatsächliche Vorhandensein und die Rolle der Arbeiterklasse, die Notwendigkeit ihrer Diktatur oder das Endziel des Kommunismus finden dort keine Erwähnung. Auch wird auf Marx, Engels, Lenin und Stalin kein Bezug genommen. In der Erklärung heißt es:
"Unser Zeitalter ist das Zeitalter der Unabhängigkeit und die sozialistische Sache ist eine heilige Sache, deren Ziel es ist, die Unabhängigkeit der Volksmassen zu verwirklichen. ... Die sozialistische Gesellschaft ist ihrem Wesen nach eine Gesell- schaft für die Menschen, in der die Volksmassen die Herren von allem sind und alles ihnen dient. ... Die sozialistische Bewegung ist eine unabhängige Bewegung. ... Alle Parteien müssen die Bande der kameradschaftlichen Einheit, der Zusammenarbeit und Solidari- tät untereinander auf der Grundlage der Prinzipien der Unabhän- gigkeit und Gleichberechtigung verstärken. Die internationale Solidarität ist lebenswichtig für den Kampf um den Sozialismus." ('Lasst uns die sozialistische Sache verteidigen und voran- treiben', Pyongyang-Deklaration vom 20.4.1992).
Diese revisionistischen und opportunistischen Phrasen reduzieren sowohl den Sozialismus als auch den Internationalismus auf leere Worte über Unabhängigkeit und Solidarität, auch wenn es sich hierbei um einen echten Ausdruck anti-imperialistischer Gefühle handelt, aber in Wirklichkeit versucht die Erklärung, die nationale und internationale kommunistische Bewegung von der Zerschlagung des Kapitalismus und des Aufbaus des Kommunis- mus in der Welt abzulenken. Diese Position, die in der Erklärung von Pyongyang enthalten ist, wird auch von Kim Il Jong unterstützt:
"Obwohl die sozialistische Idee die Ideologie der Arbeiterklasse ist, repräsentiert sie nicht die Interessen nur einer Klasse allein. Es ist eine universelle Idee für die Menschheit, die das gesellschaftliche Wesen der Menschen widerspiegelt, welche den Wunsch nach Unabhängigkeit aller Nationen und der gesamten Menschheit widerspiegelt. ... Die Erklärung von Pyongyang erfüllt die revolutionären Menschen der Welt, die sich nach Unabhängig- keit sehnen, mit der Gewissheit des Erfolgs und mit revolutionä- rem Kampfgeist. ... Die internationalistische Einheit und Soli- darität der revolutionären Parteien muss auf der Basis der Unabhängigkeit hergestellt werden. ... Es ist eine wichtige Aufgabe der revolutionären Parteien, eine vereinigte Front mit den demokratischen politischen Parteien und Organisationen zu bilden im Kampf zur Verwirklichung der Sache des Sozialismus." (Kim Il Jong, 'Über die Grundlagen des revolutionären Parteiaufbaus', Pyongyang 1992, S. 37f).
Durch diese Position werden jedoch zwei unterschiedliche Fragen miteinander vermengt und auf unzulässige Weise gleichgesetzt:
1. Die Einheit und Solidarität unter anti-imperialistischen Kräften, die über politische, ideologische, gesellschaftliche und religiöse Unterschiede hinausgreift und
2. die Einheit und Solidarität unter kommunistischen Kräften, deren Ziel nach wie vor die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus und Kommunismus ist.
Um gegen Imperialismus, Vorherrschaft, Aggression und Krieg zu kämpfen, muss tatsächlich eine breite Solidarität unter kommunistischen und nicht-kommunistischen Organisationen und Parteien überall auf der Welt hergestellt werden. Für den Zweck der Durchführung der sozialistischen Revolution und der Unterstützung des proletarischen Internationalismus jedoch muss eine klare Demarkationslinie zwischen wahrhaft marxistisch- leninistischen Kräften auf der einen und nicht-kommunisti- schen und fortschrittlichen Kräften auf der anderen Seite gezogen werden.
Unsere Epoche ist nicht die Epoche der Unabhängigkeit. Unsere Epoche ist die des Imperialismus und der proletarischen Revolu- tionen, die Epoche der Ablösung der alten ausbeuterischen Gesell- schaft durch eine neue Gesellschaft, die die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abschafft. Um dieses Ziel zu erreichen,erfüllt die Arbeiterklasse ihre historische Mission dadurch, dass sie die sozialistische Revolution in ihrem eigenen Land durchführt und dadurch der revolutionären Bewegung auf interntionaler Ebene größere Unterstützung gewährt. Die wahre Bedeutung des proletarischen Internationalismus wurde ausdrücklich von Lenin durch diese Worte hervorgehoben:
"Es gibt nur eine Art von wahrhaftem Internationalismus und der besteht darin, mit ganzer Kraft für die Entfaltung der revolu- tionären Bewegung und des revolutionären Kampfes IM EIGENEN LAND zu arbeiten und ... DIESEN KAMPF, DIESE UND NUR DIESE LINIE IN JEDEM Land zu unterstützen - ohne Ausnahme." (W.I. Lenin, 'Die Aufgaben des Proletariats in Unserer Revolu- tion: Entwurf einer Plattform für die proletarische Partei', 10.4.1917, in: W.I. Lenin, 'Gesammelte Werke', Bd. 24, Moskau 1964, Hervorhebungen im Original).
Auf der Grundlage des Leninismus und der berühmten Parole aus dem 'Kommunistischen Manifest' von 'Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch!' muss die Zusammenarbeit und Einheit unter allen kommunis- tischen, marxistisch-leninistischen Kräften in unterschiedlichen Ländern gestärkt werden. Diese Kräfte müssen jedoch vermeiden, den ganzen revolutionären Kampf auf den alleinigen Kampf für Unabhängigkeit und gegen den Imperialismus zu reduzieren und dabei gleichzeitig den Kampf für die soziale Befreiung und Eman- zipation der Arbeiterklasse zweitrangig werden zu lassen. Nur der Sieg in diesem, zuletzt genannten Kampf kann tatsächlich eine echte nationale Souveränität, Freiheit und Unabhängigkeit gewährleisten.
Eine übertriebene Betonung der Unabhängigkeit allein, ohne jeglichen Klasseninhalt, widerspricht dem Marxismus-Leninismus, läuft auf kleinbürgerlichen Nationalismus hinaus und stellt nur ein Echo der Parolen der alten Zweiten Internationale dar, deren Führer die sozialistische Revolution verraten hatten, um sie durch die Verteidigung des eigenen kapitalistischen Heimatlands zu ersetzen.
Die Arbeiterpartei Koreas
Die Arbeiterpartei Koreas (APK) ist die führende politische Kraft in der KDVR, deren Führungsrolle von der Verfassung anerkannt wird. Etwa 10% der Bevölkerung (ungefähr zwei Millionen Menschen) sind Parteimitglieder: Jedes Mitglied gehört zu einer Zelle von 10 bis 100 Personen - in einer Fabrik, Kooperative oder einem Wohngebiet. Die Partei durchdringt die staatlichen Organisationen auf allen Ebenen und bildet parallele Einheiten zu ihnen. Ihr höchstes Organ ist der Parteitag, der alle fünf Jahr abgehalten werden soll, jedoch seit 1948 nur sechsmal tagte.
Der Sechste Parteitag der APK im Jahre 1980 war der erste nach zehn Jahren und seitdem sind keine weiteren Parteitage mehr abgehalten worden, ohne dass dafür plausible Gründe angegeben wurden. Man darf sich fragen, wie der demokratische Zentralismus in einer Partei funktionieren soll, die ihr höchtes beschluss- fähiges Organ 19 Jahre lang nicht mehr einberufen hat. Das Zen- tralkomitee der APK (insgesamt 329 Mitglieder, einschließlich Ersatzmitglieder) muss mindestens einmal alle sechs Monate tagen. Das Politbüro hatte 1992 noch 24 Mitglieder (16 davon waren Er- satzmitglieder); drei Jahre später, 1995, waren es nur noch 18.
Für die Parteiarbeit von zentraler Bedeutung sind der demokra- tische Zentralismus und die 'Massenlinie', die durch den so genannten Geist des Chongsangri und die Chongsanri-Methode funktionieren soll (was bedeutet, dass die Funktionäre sich mit den Menschen eng zusammenschließen sollen, um sie für die Durchsetzung der Parteilinie zu mobilisieren).
Die APK wird von einer ganzen Reihe von befreundeten Organisatio- nen unterstützt: durch die 'Demokratische Front für die Wieder- vereinigung des Vaterlands', das 'Komitee für die friedliche Wie- dervereinigung des Vaterlands', durch den 'Allgemeinen Gewerk- schaftsverband', den 'Arbeiterjugendbund Kim Il Sung', die 'Union der Landarbeiter', die 'Demokratische Frauenunion', die 'Allge- meine Föderation für Kunst und Literatur', die 'Journalisten- Union', die 'Allgemeine Föderation für Industrielle Technologie', durch die 'Buddhistische Föderation' und andere. Neben der APK gibt es noch zwei weitere politische Parteien (deren freie politische Betätigung durch die Verfassung garantiert ist): die Koreanische Sozialdemokratische Partei sowie die Chondo- Chongu Partei.
Die einzige Ideologie, auf die sich die APK stützt, ist Juche, auf deren Basis
"unsere Partei zum ersten Mal in der Geschichte des Aufbaus der Parteien der Arbeiterklasse das neue Prinzip entwickelte, dass die Arbeit mit den Menschen die Grundlage der Parteiarbeit bildet." (Kim Il Jong, 'Die Arbeiterpartei Koreas organisiert und leitet Alle Siege Unseres Volkes', 3.10.1990, in: Kim Jong Il, 'Über die Vergrößerung der führenden Rolle der Partei', Pyongyang 1992, S. 227).
Zu den Hauptzielen der APK gehören:
- die Herstellung der Unabhängigkeit in politischen Fragen;
- wirtschaftliche Autarkie und
- eigene nationale Verteidigung.
Im Programm der APK wird größte Betonung auf die Unabhängigkeit gelegt, die - nach Juche - mit Sozialismus und Kommunismus gleichgesetzt wird.
Da sie der nordkoreansischen Arbeiterklasse keine echte marxistisch-leninistische Führung geben kann, verwirklicht die APK ihre Politik durch 'Liebe und Vertrauen' sowie durch die Überbetonung eines sentimentalen und gönnerhaft-herablassen- den Umgangs mit dem Volk. Dazu Kim Jong Il:
"Liebe und Vertrauen machen das Wesen der Politik in der sozialistischen Gesellschaft aus. ... Wir nennen die Politik der Liebe und des Vertrauens eine Politik des Wohlwollens. ... Wenn die Politik von Liebe und Vertrauen in einer sozialistischen Gesellschaft funktionieren soll, dann muss die sozialistische Partei an der Macht zu einer Mutterpartei werden. ... Die Partei muss zu einem wahren Führer und Beschützer der Menschen werden, so wie die Mutter ihre Kinder zutiefst liebt und sich warmherzig um sie kümmert. ... Es ist ein echter Grundzug unserer Gesell- schaft, dass all ihre Mitglieder eine große, einträchtige Familie bilden. Sie vertrauen, lieben und helfen einander. ... Die Partei liebt und vertraut Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft, ohne Unterschied. In diesem Sinne nennen wir die gütige Politik unserer Partei eine Politik des Wohlwollens. Es ist dies eine Politik beständiger Liebe und des Vertrauens." (Kim Jong Il, 'Der Sozialismus ist eine Wissenschaft', 1.11.1994, S. 28f, S. 33).
"Unsere Partei ist eine wahrhaft mütterliche Partei. Sie führt die Menschen und kümmert sich um sie und verfolgt eine Politik von Liebe und Vertrauen, eine wohltätige Politik." (Kim Jong Il, 'Der Respekt für die Vorläufer der Revolution ist eine vornehme moralische Verpflichtung von Revolutionären', Pyongyang, 25.12.1995, S. 17).
"Das Verhältnis zwischen der Partei und den Massen ist das Verhältnis zwischen dem Führer und den Geführten, zwischen dem Geber und dem Nehmer des Lebens sowie zwischen jenen, die sich um das Schicksal des Volkes kümmern und den Menschen die sie damit betrauen. Das Verhältnis zwischen der Partei und dem Volk ist dann am festesten und stärksten, wenn die Partei das Volk schätzt und sich am meisten um das Volk als ihre Mutter sorgt. ... Wir müssen fortfahren, die wichtigsten Anforderungen unserer Partei zu erfüllen und gewährleisten, dass sie ihre Pflichten als Mutterpartei noch besser erfüllt." (Kim Jong Il, 'Die Arbeiterpartei Koreas organisiert und leitet alle Siege Unseres Volkes', 3.10.1990, in: Kim Jong Il, 'Über die Vergrößerung der führenden Rolle der Partei', Pyongyang 1992, S. 228f).
Eine Partei jedoch, die beansprucht, die führende revolutionäre Kraft in einer sozialistischen Gesellschaft zu sein, kann nicht die 'Mutter' der Arbeiter sein. 'Liebe und Vertrauen' können nicht politisches Bewusstsein beim Aufbau des Sozialismus ersetzen. Die sozialistische Revolution wird durchgeführt und der wahre Sozialismus aufgebaut unter der alleinigen politischen Führung einer kommunistischen Partei als Avantgarde der Arbeiterklasse, der fortschrittlichsten Abteilung der Volksmas- sen.
Diese völlige Verneinung des wissenschaftlichen Sozialismus in KDVR springt umso stärker ins Auge, wenn wir die Rolle des Führers betrachten. In der nordkoreanischen Gesellschaft stellen die Menschen, die APK und ihr Führer angeblich eine vollständige Einheit dar:
"Bei der treibenden Kraft der Revolution bildet der Führer das höchste Gehirn und das Zentrum der Einheit." (Kim Sun Ryong, 'Die revolutionäre Juche-Partei', in: 'Korea heute', Nr. 1, 1996).
Es wird behauptet, dass der Führer das Volk 'unablässig' und 'grenzenlos' liebe und das Volk ihn dafür liebe und vertraue. Wie die Partei die Mutter, so stelle der Führer den Vater dar: Als treusorgende Eltern kümmern sie sich angeblich beide um ihre um Nordkorea erweiterte Familie. In der politischen Gegenwarts- literatur der KDVR finden sich endlose Hinweise auf diese verzerrte Rolle, die der Führer als Vater des Volkes spielen soll. In dieser Beziehung sind die folgenden Anmerkungen Kim Jong Ils besonders aufschlussreich:
"Wir müssen erkennen, dass der höchste Wert des Lebens darin besteht, die vom Führer gestellten Aufgaben zuverlässig auszuführen und ihm alle Zeiten als starke moralische Stütze zu vertrauen und wir müssen uns durch unsere revolutionären Handlungen zur Verwirklichung seiner Ideologie und seines Willens ihm gegenüber als unerschütterlich loyal erweisen. ... Die Partei zu führen, beinhaltet ihre Leitung durch den Führer und die Einstellung und die Haltung gegenüber der Partei sind im Grunde genommen mit der Einstellung und der Haltung gegenüber dem Führer identisch. ...
Wir müssen die Parteiorganisation als den leiblichen Teil unserer Eltern schätzen und ehren. Der Führer ist für uns der Führervater und die Partei die Mutterpartei, weil die Parteiorganisation mit dem Führer als ihrem Zentrum der elterliche Leib unserer sozio-politischen Integrität ist. ... Den väterlichen Führer hoch zu achten und ihm treu zu sein, ist für alle Koreaner eine moralische Verpflichtung. ... Wir nennen die Treue zum Führer den höchsten Ausdruck der kommunistischen Moral." (Kim Jong Il, 'Über die Verankerung der Juche-Weltanschauung in der Revolution', Rede vor höheren Funktionären des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, 10.10.1987, in: Kim Jong Il, 'Über die Juche-Idee', Pyongyang 1989, S. 160ff, S. 170).
"Die Einheit und der Zusammenhalt unserer Partei entwickelte sich zur ideologischen und zielgerichteten Einheit der gesamten Partei, verstärkt durch Moral und Loyalität und auf der Grundlage der Idee des Führers und mit dem Führer als Mittelpunkt." (Kim Jong Il, 'Die Arbeiterpartei Koreas ist die Partei des Großen Führers Kim Il Sung', Pyongyang, 2.10.1995, S. 7).
"Loyalität und Pflichtbewusstsein dem Führer gegenüber sind der höchste Ausdruck der guten Eigenschaften von Kim Il Sungs Nation." (Kim Jong Il, 'Über die Bewahrung des Juche-Charakters und des nationalen Charakters der Revolution und des Aufbaus', Pyongyang, 19.6.1997, S. 26).
"Der Führer ist das Zentrum der Einheit und des Zusammenhalts. ... Er ist der große revolutionäre Führer, der die unabhängigen Forderungen und Interessen der Volksmassen verteidigt. Er verfügt über eine ungewöhnliche Gabe der Voraussicht, ist allmächtig in der Kunst der Führung und von nobler persönlicher Tugendhaftig- keit und führt das Volk weise in seinem Kampf." (Kim Jong Il, 'Unser Sozialismus, der sich auf die Massen stützt, wird nicht untergehen', Pyongyang, 5.5.1991, S. 34).
"Der Grundzug der ideologischen und geistigen Fähigkeiten von kommunistischen, revolutionären Arbeitern besteht in der echten Treue zum und in der Hingabe an den Führer, was sich nie ändern wird, ganz gleich, welche Umstände vorherrschen." (Kim Jong Il, 'Lasst uns die Rolle der Intellektuellen in der Revolution und beim Aufbau noch vergrößern', Rede vor hohen Funktionäre des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, Pyongyang, 20.9.1990, S. 39).
"Treue zum Führer ist der höchste Ausdruck revolutionären Pflichtbewusstseins. ... Das Vorantragen der Sache der Unab- hängigkeit der Volksmassen, der Sache des Sozialismus, bedeutet nichts anderes als die Fortsetzung der Sache des Führers. ... Die kommunistische Moral unseres Volkes findet ihren höchsten Aus- druck in dem uneingeschränkten Respekt für und in der absoluten Ergebenheit für den gro0en Genossen Kim Il Sung." (Kim Jong Il, 'Die Achtung der Vorläufer der Revolution ist eine vornehme moralische Verpflichtung aller Revolutionäre', Abhand- lung, veröffentlicht in 'Rodong Sinmun', Organ des Zentralkomi- tees der Arbeiterpartei Koreas', Pyongyang, 25.12.1995, S. 5f, S. 9).
Aber es ist offensichtlich, dass all diese Predigten mit kommunistischer Moral nichts zu tun haben. Dazu Lenin:
"Unser Moral richtet sich vollständig nach den Interessen des Klassenkampfes des Proletariats. Unsere Moral ergibt sich aus den Interessen des Klassenkampfes des Proletariats." (W.I. Lenin, 'Die Aufgaben des Jugendverbandes', Rede anlässlich des Dritten Allrussischen Kongresses des russischen Jugendverbandes', 2.10.1920, in: W.I. Lenin, 'Gesammelte Werke', Band 31, Moskau 1966, S. 291).
Marxisten-Leninisten besitzen ein bestimmtes Programm und bestimmte Ziele, um die alte Ausbeutergesellschaft zu überwinden. Der Führerkult in der KDVR widerspricht diesen Zielen und kann als solcher nichts zur Befreiung und Emanzipation der Arbeiter beitragen. Die ungebührliche Betonung der absoluten Loyalität gegenüber dem Führer steht dem Wesen des Sozialismus entgegen, der von den Volksmassen unter der kollektiven Führung der revolutuionären Partei der Arbeiterklasse aufgebaut werden muss. Das Ausmaß, in dem Kim Il Sung als Gott in seinem Land verherrlicht wurde und immer noch wird, ist bekannt. Die Anbetung hat Politik durch Juche ersetzt, etwas, vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus gesehen, völlig Unzulässiges. Ein solcher exzessiver Personenkult um Kim Il Sung und Kim Jong Il ist nur geeignet, das Ansehen der KDVR in der Welt und unter fortschrittlichen Kräften ins Lächerliche zu ziehen und zu diskreditieren.
Die bedingungslose Treue zum Führer und seinem Personenkult macht das revisionistische Paradox deutlich: alle Menschen besitzen Unabhängigkeit und Freiheit, um alles in der Welt (einschließlich der Natur) zu meistern, vorausgesetzt nur, dass sie es schaffen, sich hinter dem Führer zu einem einheitlichen Etwas zusammenzu- schließen. Dies ist der philosophische Trick der revisionisti- schen Clique in Nordkorea, um sich an der Macht zu halten und den Zeiger der Geschichte auf einen reaktionären feudalistischen 'Sozialismus' zurückzudrehen.
Der Personenkult hat nicht nur eine reaktionäre und unheilvolle Rolle in der Geschichte der kommunistischen Bewegung gespielt - er stattete die Revisionisten, wie die sowjetische Geschichte beweist, mit einer weiteren Waffe aus, um den Sozialismus zu liquidieren. Es hat sich inzwischen gezeigt, dass der Personenkult um Stalin ganz bewusst von heimlichen Revisionisten aufgebaut wurde und seine Praxis stand dem ausdrücklichen Wunsch Stalins entgegen. Tatsächlich schufen die Chruschtschow-Revisio- nisten den 'Personenkult' um Stalin
1. ab Mitte der fünfziger Jahre unter dem Deckmantel einer Kritik an dem Personenkult ein Liberalisierungsprogramm durchzuführen, welches sich als ein Programm zur Liquidierung des Sozialismus erwies und
2. um ihn für die Verletzung der sozialistischen Gesetzlichkeit und für Abweichungen von marxistisch-leninistischen Prinzipien, die sie selbst begangen hatten, verantwortlich zu machen.
Es war Stalin selbst, der bei zahlreichen Gelegenheiten den Personenkult als eine Entstellung des Marxismus-Leninismur brandmarkte und lächerlich machte. Zum Beispiel:
"Sie sprechen von Ihrer Ergebenheit zu mir. Vielleicht haben Sie das nur so gesagt. Vielleicht ... Aber wenn der Satz kein Zufall war, dann würde ich Ihnen raten, das so genannte Prinzip der Ergebenheit gegenüber Personen aufzugeben. Es ist keine bolschewistische Art. Seien Sie der Arbeiterklasse gegenüber ergeben, ihrer Partei gegenüber, ihrem Staat. Das ist eine schöne und nützliche Sache. Aber verwechseln Sie das nicht mit der Ergebenheit gegenüber Personen. Dies ist eitles und nutzloses Geschwätz von schwachsinnigen Intellektuellen." (J.W. Stalin, 'Brief an Genosse Shatunowski', August 1930, in: Stalin-'Werke', Bd. 13, Moskau 1955, S. 20).
"Der Marxismus stellt die Rolle von hervorragenden Einzelperso- nen oder dass die Geschichte von Menschen gemacht wird, überhaupt nicht in Frage. ... Aber jede neue Generation findet bestimmte Gegebenheiten vor, die schon vorliegen, wenn diese Generation geboren wird. Und großartige Menschen sind überhaupt nichts Wert, es sei denn, dass sie in der Lage sind, diese Bedingungen zu verstehen und wissen, wie man sie ändern kann. Wenn es ihnen nicht gelingt, diese Bedingungen zu verstehen und sie sie den Anwandlungen ihrer Fantasie entsprechend ändern wollen, dann werden sie sich in der Lage wiederfinden, in der sich Don Quixote befand. ... Einzelne Personen können keine Entscheidungen fällen. Entscheidungen von Einzelnen sind immer oder fast immer einseitige Entscheidungen. ... Nie unter keinen Umständen würden unsere Arbeiter eine Macht in den Händen eines Einzelnen mehr akzeptieren. Personen, die mit der größten Macht ausgestattet sind, werden zu Nullen, zu bloßen Ziffern, sobald die Massen der Arbeiter kein Vertrauen mehr zu ihnen haben, sobald sie den Kontakt zu den Massen der Arbeiter verlieren." (J.W. Stalin, 'Gespräch mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig', 13.12.1931, in: Stalin-'Werke', Bd. 13, Moskau 1955, S. 107ff, S. 113).
Was die KDVR angeht, so müssen auch Zweifel und Vorbehalte er- laubt sein über die Art und Weise, wie Kim Il Songs Sohn, Kim Jong Il, die Nachfolge seines Vaters antreten konnte. Kim Il Jong wurde im Oktober 1997 zum Beispiel in sein Amt als Generalsekre- tär der APK eingeführt, und zwar durch eine bloße Verlautbarung, die zwischen dem Zentralkomitee der APK und der Zentralen Mili- tärkommission zustande gekommen war. Jedoch verstieß das Ernen- nungsverfahren gegen das Parteistatut, das vorsieht, dass zur Wahl des höchsten Amtes eine Vollversammlung des Zentralkomitees der APK einberufen werden muss. Desungeachtet scheinen rechtliche Fragen den persönlichen Wünschen von Kim Il Sung untergeordnet gewesen zu sein, der sich dazu einmal in folgender Weise ausließ:
"Der Genosse Kim Jong IL führt das bedingungslos aus, was er als im Interesse des Landes und der Menschen für notwendig erachtet. So unternimmt er alles nur Erdenkliche, um mir zu Gefallen zu sein, indem er das ausführt, was ich will und was mir Sorgen bereitet." (Kim Kyong Hui, 'Ein Muster an Treue und kindlicher Hingabe', The Pyongyang Times, 27.9.1997).
Die Liebe und das Vertrauen zwischen Vater und Sohn reichen, wie es heißt, bis in Kim Jong Ils Kindheit zurück. Es gibt in der KDVR verschiedene veröffentliche Anekdoten, die dieses Bild kindlicher Hingabe an den Vater untermauern. Die folgende Geschichte ist nur eines von zahlreichen Beispielen:
"Es war an einem Tag, als der Sekretär Kim Jong Il fünf Jahre alt war. Er stand am Eingang des Hauses und trug eine Holzgewehr über der Schulter. Als seine Mutter dies sah, fragte sie: 'Was machst du da?' Darauf entgegnete Jong Il: 'Ich bewache meinen Vater!' Zur Mittagszeit war der Präsident für einen kurzen Aufenthalt geblieben. Er sah seinen Sohn an und frage seine Frau, was mit ihm los sei. Als er von ihr erfuhr, was sein Sohn machte, sagte der Präsident: 'Aha, er bewacht mich!' Und dann sah er seinen Sohn mit einem Ausdruck des Vertrauens an." (Inoue Shubachi, 'Modernes Korea und Kim Il Sung', Tokio 1984, S. 129).
Im Zusammenhang mit Kim Jong Ils Ernennung als Vorsitzender der APK im Jahre 1997 (Kim Jong Il hatte seinen Vater schon Ende Dezember 1991 als Oberkommandierender der Koranischen Volksarmee abgelöst) berichteten die Medien der KDVR, dass
"legendäre Geschichten über seine (Kim Jong Ils - Verf.) Liebe für das Volk jeder kennt und dass über verdienstvolle Taten und Wunder jeden Tag beim sozialistischen Aufbau berichtet wird." (Inoue Shubachi, 'Modernes Korea und Kim Jong Il', Tokio 1984, S. 129).
Er wurde nun hingestellt als
"der Leitstern für das 21. Jahrhundert. ... Ein neues Zeitalter verlangt nach einem neuen Führer und das Zeitalter schreitet voran unter der Leitung eines hervorragenden Führers. ... Heute ist die Menschheit davon überzeugt, dass das Denken und die Theorie von Kim Jong Il die richtungsweisenden Gedanken für das 21. Jahrhundert sind und studiert sie intensiv und verbreitet sie tatkräftig in der ganzen Welt. ... Der hochgeschätzte Name von Kim Jong Il, der Führer des 21. Jahrhunderts, der von der Geschichte und der Menschheit Bejubelte, ist das Banner und der Segen des 21. Jahrhunderts." ('Wegweisendes Licht: General Kim Jong Il', Pyongyang 1997).
Schließlich wurde Kim Jong Il am 8.10.1997 zum Generalsekretär ernannt und ein paar Tage darauf berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA von wundersamen Ereignissen, die sich am Paektu-Berg ereignet hätten, dort, wo Kim Jong Il einst geboren wurde:
"Auf dem Paektu-Berg, dem von der Zeit geweihten Ort der Revolu- tion in Korea, haben sich wunderbare Naturerscheinungen zugetragen:
Es war am Morgen des 21. September, als die Parteikonferenz der Provinz Süd Phyongan abgehalten wurde, um den Tagesordnungspunkt der Empfehlung von General Kim Jong Il als Generalsekretär der Arbeiterpartei Koreas zu besprechen. Am Tag zuvor hatte es wie so oft bis zum Mittag über dem Paektu geschneit und geregnet. Am Abend stieg dann die Temperatur abrupt um mehr als zehn Grad Celsius über den Normalwert an und der Nordwest- und Nordost-Wind, die typischen Winde über dem Paektu verschwanden und es wehte dann ein Südwest-Wind. In der Nacht waren die hohen und tiefen Wolken vollkommen verschwunden. Als der neue Tag anbrach, verwandelte sich die orangene und gelbliche Farbe am östlichen Horizont in eine rote und die helle Sonne stieg auf über dem Paektu. Dieser grandiose Sonnenaufgang wiederholte sich mehrere Tage lang. Metereologen sagen, dass die Sonne nach ihren Beobachtungen noch nie drei Tage hintereinander so aufgegangen sei; weder in der trockenen Zeit noch in der Regenzeit. Normalerweise komme die Sonne hin und wieder ein oder drei Tage heraus oder auch ein paar Stunden. Aber in der feierlichen Periode, als der große General Kim Jong Il zum Generalsekretär der Arbeiterpartei Koreas gewählt wurde, schien die Morgensonne 25 Tage hintereinander und erzeugte prunkvolle Landschaftsbilder.
Ein noch mysteriöseres Naturphänomen wurde am Nachmittag, den 8. Oktober beobachtet. Ewa gegen 5 Uhr 10, als die Sondermitteilung die Menschen über die Wahl von General Kim Jong Il zum Generalsekretär der APK informierte, erschien eine bunte Wolke über dem Paektu-Berg. Diese Wolke bewegte sich langsam vom Janggun-Gipfel hin zu den Höhen des Hyangdo. Der untere Teil der Wolke, die die Form eines Fallschirms besaß, war weiß und ihre Ränder waren mit sieben verschiedenen Farben gefärbt. Dies war um so wunderbarer, als die Wolke ein ganze Zeit ganz nahe über dem Hyangdo-Gipfel verweilte, bevor sie sich in Richtung der Spitze des Janggun fortbewegte. Zur gleichen Zeit stiegen mysteriöse Geräusche, die an Rufen und Beifall erinnerten, durch die Oberfläche des Chon-Sees und ein starker Wirbelwind stieg auf, der Schneemassen in den Himmel trug und sie dann wieder auf den Erdboden fallen ließ, womit er den Himmel über dem Paektu-Berg in verschiedene Farben kleidete. Als die Menschen dieses wundervolle Naturschauspiel sahen, sagten sie sich, dass auch die Natur Kim Jong Ils Wahl zum Generalsekretär der APK mitfeiere." (KCNA-Meldung, Pyongyang, 20.10.1997).
Geschichten wie diese rufen Marx Bemerkung über Aberglauben und Religion in Erinnerung, die das Opium für das Volk bilden! Und leider ist dies auch in der KDVR der Fall.
11. Die KDVR in der Bewegung der Nichtpaktgebundenen
Seit Ende des Korea-Krieges war es angesichts des militärischen Drucks seitens der USA für die KDVR von ausschlaggebender Bedeutung, die Verteidigung seiner politischen und wirtschaftli- chen Unabhängigkeit fortzusetzen. Die revisionistische Politik, die Juche und Chasusong in den internationalen Beziehungen verteidigte, gestattete der KDVR jedoch auch, sowohl gegenüber der UdSSR als auch China gegenüber gleichermaßen auf Distanz zu bleiben. Durch ihre Schwerpunkte setzende Teilnahme am COMECON (Council for Mutual Economic Assitance - Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe = Wirtschaftsgemeinschaft der revisionistischen Staaten mit der Sowjetunion an der Spitze - Übers.) konnte die KDVR zum Beispiel einen gewissen Nutzen ziehen, wie den, Tauschgeschäfte abschließen zu dürfen, ohne die Notwendigkeit konvertierbare Währungen zur Verfügung zu haben und gleichzeitig konnte sie dabei ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit bewahren.
Die Regierung in Pyongyang betonte immer wieder, dass sie ihre Unabhängigkeit verloren hätte, wenn das Land in die so genannte sozialistische Arbeitsteilung, die vom Sowjetimperialismus auferlegt worden war, eingebunden worden wäre. Dennoch waren es pragmatische und opportunistische Erwägungen, die die KDVR dazu veranlassten, sich im chinesisch-sowjetischen Streit 'neutral' zu verhalten. Von den sechziger Jahren an wurden beide, die UdSSR und China als sozialistische Länder angesehen, die ihre Streitig- keiten im Interesse der Einheit innerhalb eines nicht näher definierten 'sozialistischen Lagers' beilegen sollten. Aber tatsächlich entwickelten und verteidigten alle drei - die Sowjetunion, China und Nordkorea - ihre jeweiligen revisionisti- schen und antileninistischen Positionen, sei es als Sowjetre- visionismus, als Maoismus oder chinesischer Revisionismus oder als Juche oder koreanischer Revisionismus.
Eine ganz besondere Beziehung wurde tatsächlich jedoch zwischen dem koreanischen und dem Tito-Revisionismus hergestellt, auf der Annahme basierend, dass beide Länder den Sozialismus und die Nichtpaktgebundenheit verteidigten. Dazu Kim Il Sung:
"Die Beziehungen von Freundschaft und Zuammenarbeit zwischen Korea und Jugoslawien stellen ein kameradschaftliches Verhältnis dar, das auf den großen Ideen von Sozialismus und Nichtpaktgebun- denheit beruht - eine Beziehung, die einen wertvollen Beitrag zur Beschleunigung des sozialistischen Aufbaus in den beiden Ländern leistet, die die Kräfte des Sozialismus insgesamt stärkt und die Bewegung der Nichtpaktgebundenen voranbringt und weiterentwick- elt." (Kim Il Sung, 'Antworten auf Fragen des Direktors und Heraus- gebers von 'Review of International Affairs of Yugoslavia', 28.12.1984, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 38, Pyongyang 1993, S. 413).
Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Kim Il Sung auf seinen Auslandsreisen Jugoslawien und verschiedene andere revisionisti- sche europäische Länder besuchte, nie jedoch das einzige sozialistische Land in Europa seit dem Machtantritt des Chruschtschow-Revisionismus: die Sozialistische Volksrepublik Albanien.
Seit Mitte der siebziger Jahre bis heute hat sich die KDVR eng mit der Bewegung der Nichtpaktgebunden verbunden, die als der natürlichste Verbündete im Kampf gegen den Imperialismus und für die Durchsetzung von 'Chajusong' (einer Spielart der 'Theorie der Drei Welten' - Übers.) auf der internationalen Bühne angesehen wird. Die Bewegung der Nichtpaktgebundenen wurde Mitte der sechziger Jahre gegründet, als 25 hauptsächlich asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Länder sich auf einer gemeinsamen Basis zusammenfanden, um für die politische Unabhängigkeit und die Nichtpaktgebundenheit, für die nationalen Befreiungsbewegungen und gegen Militärbündnisse mit imperialisti- schen Mächten einzutreten. Die Bewegung entwickelte sich durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und durch eine wachsende Mitgliederzahl (zur Zeit gehören ihr mehr als 100 Entwicklungsländer an). Seit seiner Aufnahme in die Bewegung im Jahre 1975 hat Nordkorea die Idee der Nichtpaktgebun- denheit aktiv und als Teil seiner Außenpolitik gegenüber der so genannten Dritten Welt vorangetrieben (ein Begriff, der seit 1973 in offiziellen Erklärungen verwendet wird) und es besetzt zur Zeit (Stand 1999 - Übers.) den Posten einer Vizepräsidentschaft im Koordinationsbüro der Bewegung. Südkorea, das sich ebenfalls um einen Sitz in der Bewegung der Nichtpaktgebundenen bemüht hatte, wurde abgelehnt und bleibt weiterhin ausgeschlossen.
Gleichzeitig mit der aktiven Teilnahme der KDVR an der Bewegung der Nichtpaktgebundenen, entstand zwischen dem Maoismus und dem Kimilsungismus in den siebziger Jahren, insbesondere zwischen der konterrevolutionären Theorie der 'Drei Welten' und der genauso revisionistischen und konterrevolutionären Idee des 'Chajusong' eine Ähnlichkeit revisionistischer Ansichten. Die beiden Linien die in Peking bzw. Pyongyang entwickelt wurden, decken sich in folgenden Punkten:
1. Beide rufen zu einer vollständigen Einheit und Solidarität unter den verschiedensten Ländern der 'Dritten Welt' auf, unabhängig von der Tatsache, dass diese Kategorie von Staaten auch konservative, feudale, bürgerliche Regimes, die von Königen, reaktionären Grundbesitzern und Diktatoren dominiert werden, umfassten und noch umfassen, die ihr eigenes Volk in Fesseln halten, während sie gleichzeitig verschiedene Formen der Abhängigkeit vom Imperialismus aufrechterhalten;
2. sie verneinen das grundlegende marxistische Prinzip, was den Klassenkampf angeht, wonach kapitalistische und halbkapitalisti- sche Gesellschaften in ausbeutende und ausgebeutete Klassen unterteilt sind, d.h. in Arbeiter und verarmte Bauern einerseits und Kapitalisten und Landbesitzer auf der anderen. Indem sie den Klassenkampf verneinen, behindern sie auch die Anstrengungen der unterdrückten Völker, sich von der ausländischen Vorherrschaft zu befreien und echte demokratische Rechte und Freiheiten zu erlangen;
3. während sie den sozialen Frieden und die Versöhnung zwischen verschiedenen Klassen propagieren, leugnen sie das leninistische Prinzip, dass unsere Epoche mit großen gesellschaftlichen Umwälzungen schwanger geht, die eine neue sozialistische Gesell- schaft auf den Plan rufen werden und
4. vermengen beide Ansichten und Thesen, die vom Marxismus-Leninismus entlehnt sind, mit revisionistischen, anarchistischen, konfuzianistischen, buddhistischen und anderen Vorstellungen, die in großem Umfang kleinbürgerlichen Nationalismus und Chauvinis- nismus enthalten.
Innerhalb des gleichen revisionistischen Rahmens unterscheidet sich die maoistische Theorie der 'Drei Welten' von der kimilsungistischen des 'Chajusong' dadurch, dass die erste - bis vor zehn Jahren - eine breite Allianz zwischen der 'Dritten Welt', der 'Zweiten Welt' und dem US-Imperialismus gegen den von Peking lange Zeit als Hauptfeind bezeichneten sowjetischen Imperialismus befürwortete.
'Chajusong' auf der anderen Seite versucht immer noch, die 'Dritte Welt' und die nicht paktgebundenen Staaen mit den 'sozialistischen' (d.h. revisionistischen) Ländern gegen den Hauptfeind US-Imperialismus zusammenzuführen. All diese Unterteilungen des Erdballs in eine 'erste', 'zweite' und 'dritte' Welt und der 'nicht paktgebundenen' Welt überdecken jedoch den grundlegenden Widerspruch zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie, zwischen Sozialismus und Kapitalismus, zwischen den Völkern und dem Imperialismus. Während Lenin unser Jahrhundert als das des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen betrachtete, leben wir nach dem koreanischen Revisionismus in der Ära des 'Chajusong'. Dazu Kim Il Sung:
"Die dritte Welt, eine große anti-imperialistische revolutionäre Kraft unserer Zeit, entstand aus den grellen Flammen des nationa- len Befreiungskampfes, um in die Arena der Geschichte einzutreten. Die dritte Welt ist heute ein verlässlicher Verbündeter der sozialistischen Kräfte und eine große Triebkraft, um das Tempo der menschlichen Geschichte zu beschleunigen. Zahlreiche Völker der dritten Welt bewegen sich auf den Sozialismus zu. ... Heute bildet die dritte Welt die Front des Schlachtfelds, wo der anti-imperialistische Kampf am heftigsten tobt. Sie umfasst ein Vielzahl von revolutionären Ländern. ... Unser Zeitalter ist das des Chajusong. Heutzutage verlangen viele Völker in der ganzen Welt nach Chajusong und sie kämpfen gegen alle Formen der Unterwerfung." (Kim Il Sung, 'Aus Anlass des 30. Jahrestages der Gründung der Arbeiterpartei Koreas', Bericht zu den Feierlichkeiten zur 30. Wiederkehr der Gründung der Arbeiterpartei Koreas, 9.10.1975, in: Kim Il Sung, 'Werke', Bd. 30, Pyongyang 1987, S. 468ff).
"Die Bewegung der Nichtpaktgebundenen ist eine mächtige, anti-imperialistische revolutionäre Kraft, die die Hauptrichtung der heutigen Epoche widerspiegelt. ... Die Bewegung der Nichtpakt- gebundenen reflektiert diese Strömung." (Kim Il Sung, 'Die Bewegung der Nichtpaktgebundenen ist die mächtige, anti-imperialistische revolutionäre Kraft Unserer Zeit', Abhandlung, erschienen in der Erstausgabe der argentini- schen Zeitschrift 'Guidebook to the Third World', 16.12.1975, in: Kim Il Sung, 'Werke', Bd. 30, Pyongyang 1987, S. 573f).
Laut Kim Il Sung ist der berühmte Aussprach von Karl Marx,
"Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch!"
durch die
"internationale Losung unserer Zeit, 'Völker dieser Welt, die Ihr für Chajusong eintretet, vereinigt Euch'
ersetzt worden.
Aus diesen revisionistischen Auslassungen ergibt sich dann, dass
"Chajusong, die Sache der Menschheit, die Sache des Sozialismus, zweifellos siegreich sein wird, indem sie die Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich ihr bei ihrem Vormarsch in den Weg gelegt haben, überwindet." (Ders., 'Lasst uns die Vorteile des Sozialismus in Unserem Land voll zur Geltung bringen', Rede vor der Ersten Sitzung der Neunten Obersten Volksversammlung der Koreanischen Demokratischen Republik Korea, 24.5.1990, Pyongyang 1990, S. 30f).
Der koreanische Revisionismus sorgt in diesem Fall für große Verwirrung:
Unabhängigkeit allein kann weder mit Sozialismus oder Kommunismus gleichgesetzt werden, genauso wenig, wie Antiimperialismus mit der sozialistischen Revolution gleichgesetzt werden kann.
Diese Verwechslung zweier verschiedener, obgleich miteinander verbundener Stadien des revolutionären Prozesses in unserer Zeit führt zu schwerwiegenden Desorientierungen, Spaltungen und Niederlagen. Sie erzeugt die Illusion unter den Volksmassen, die sich für nationale und soziale Befreiung in den Entwicklungslän- dern einsetzen, dass die Nichtpaktgebundenheit angeblich Schutz vor imperialistischer Aggression und Vorherrschaft bieten könne.
Länder wie Afghanistan, Algerien, die Arabischen Emirate, Bangladesh, Kolumbien, Kongo, Indien, Indonesien, der Iran, der Irak, Malaysia, Pakistan, die Philippinen, Singapur oder Uganda sind allesamt Vollmitglieder der Bewegung der Nichtpaktgebunde- nen, um nur einige wenige zu nennen. Wenn man diese Länder nach Klassenkriterien beurteilt, dann stellt man fest, dass sie alle von unterdrückerischen, volksfeindlichen Cliquen regiert werden. Wenn wir der revisionistischen Logik von Chajusong folgen, dann fragt man sich, mit wem sich die Arbeiter oder die Bauern in diesen Ländern verbünden sollen. Sollen Kommunisten die Ablösung Suhartos durch einen anderen Despoten beklatschen oder sollen sie nicht eher den Kampf des indonesischen Volkes gegen die Diktatur und den ausländischen Imperialismus unterstützen? Sollen die Kommunisten sich auf die Seite der anti-imperialistischen Volksbewegungen auf dem asiatischen Kontinent stellen oder sollen sie stattdessen die Partei von korrupten, reaktionären Politikern der so genannten Tigerstaaten ergreifen, die ihre Haut retten, indem sie dem Internationalen Währungsfonds und dem Imperialismus erlauben, ihre eigenen Völker noch stärker auszubeuten? Und was ist mit Afrika? Wen sollen die Kommunisten dort unterstützen? Die diversen Diktatoren und Marionetten des Imperialismus oder den Volkskampf der Afrikaner für soziale Befreiung und Freiheit?
Natürlich müssen alle ehrlichen Maßnahmen, die von Entwicklungs- ländern ergriffen werden, um ihr souveränes Recht der Verfügung über ihre eigenen nationalen Reichtümer gegen imperialistische Einmischung und gegen neokolonialistische Ausplünderung zu verteidigen, uneingeschränkt unterstützt werden. Aber nie und zu keiner Zeit darf die Taktik und die Strategie von Marxisten-Leninisten darin bestehen, den gesamten revolutionären Prozess auf den Kampf für die Unabhängigkeit einzuengen. Lenin wies darauf hin, dass die anti-imperialistische, national-demokra-tische Revolution nicht auf halbem Wege angehalten werden dürfe; vielmehr müsse sie durch die Liquidierung der Bourgeoisie und ihrer Staatsmacht bis zum Ende weiter geführt werden, um wahre Freiheit, Unabhängigkeit, Souveränität und Sozialismus durchzusetzen. Im marxistisch-leninistischen Programm der Komintern wird die nationale Befreiung untrennbar mit der sozialen Befreiung verknüpft: Das heißt, dass die Beendigung der Ausbeutung einer Nation durch eine andere fester Bestandteil des Kampfes für das Ende der Ausbeutung im eigenen Land wird.
Die Einheit des Volkes sowohl gegen den Imperialismus und die transnationalen Konzerne als auch gegen den inneren Kapitalismus und die Reaktion muss in erster Linie von unten aufgebaut werden, unter den Volksmassen, die Opfer einer doppelten Ausbeutung sind: die durch den äußeren Imperialismus, aber auch durch die eigene Bourgeoisie ausgebeutet werden. Diese Einheit hat nichts gemein mit der prinzipienlosen Einheit, die von der Bewegung der Nichtpaktgebundenen befürwortet wird, die inzwischen offen dazu aufruft, dass die Entwicklungsländer sich in das 'globale Dorf' des Imperialismus integrieren lassen. Und dies zu einer Zeit, da die transnationalen Konzerne Milliarden an Profiten durch die 'Globalisierung' scheffeln, auf Kosten wachsender Arbeitslosig- keit, Hunger und anderem Elend in den Entwicklungsländern.
Auf dem Gipfeltreffen der Bewegung der nichtpaktgebundenen Länder im September 1988 wurden verschiedene internationale, regionale, wirtschaftliche und soziale Themen diskutiert, einschließlich der Demokratisierung der Vereinten Nationen, der internationalen Wirtschaftskonzerne, der Schuldenproblematik, des Nord-Süd-Dialogs, der Abrüstung, der internationalen Sicherheit usw. In seinem Schlusswort brachte der Leiter der Delegation der KDVR, der stellvertretende Vorsitzende der Obersten Volksversammlung Nordkoreas, Pak Song Chol, das revisionistische Wunschdenken wie folgt zum Ausdruck:
"Die Bewegung der Nichtpaktgebundenen sollte ihre Bemühungen darauf konzentrieren, eine kompakte gemeinsame Strategie zu entwickeln, mit dem Ziel, der Herausforderung der 'Globalisie- rung' entgegenzutreten. Dies muss eine grundlegende Strategie sein, um den negativen Auswirkungen der 'Globalisierung' entgegenzutreten, um die wirtschaftlichen Beziehungen unter den sich entwickelnden Ländern zu stärken, Aktionen der Süd-Süd-Kooperation zu organisieren, in Übereinstimmung mit den veränderten Bedingungen und diese müssen immer breiter und energischer vorangetragen werden. Die Regierung der KDVR wird auch in Zukunft dem Grundgedanken und dem Ziel der Bewegung der Nichtpaktgebundenen treu bleiben und wird einen aktiven Beitrag leisten, um die menschliche Sache der Unabhängigkeit unter der weisen Leitung von Generalsekretär Kim Jong Il zu vollenden." (Meldung der nordkoreanische Nachrichtenagentur 'KCNA', Pyongyang vom 5.9.1998).
Das Schlussdokument des Gipfeltreffens kritisierte die gegen- wärtige imperialistische 'Globalisierung' jedoch mit keinem Wort. Stattdessen forderte die Bewegung der Nichtpaktgebundenen zur Koexistenz und Zusammenarbeit zwischen den imperialistischen Unterdrückerstaaten einerseits und und unterdrückten Entwick- lungsländern andererseits auf. Das 12. Gipfeltreffen war sich darin einig, dass
"der zentrale Schwerpunkt der internationalen Entwicklungsan- strengungen darin liegen sollte, eine konstruktive Atmosphäre zu schaffen, die die Entwicklungsländer in die Lage versetzen kann, sich die nötigen Kapazitäten anzueignen, um erfolgreich in die Globalisierung einzutreten, in ihr am Wettbewerb teilzunehmen und von ihr zu profitieren." (Schlussdokument des 12. Gipfeltreffens der Bewegung der Nicht- paktgebundenen, 2./3. September, Durban, Südafrika).
Es wird hieraus deutlich, dass die Sache wahrer Unabhängigkeit und Freiheit und die des Sozialismus weder durch die Bewegung der Nichtpaktgebundenen noch durch den koreanischen Revisionismus konsequent vertreten werden kann. Jedoch dadurch, dass Marxisten-Leninisten einen Kampf gegen alle Erscheinungen des Revisionismus und Opportunismus führen, kann tatsächlich ein sinnvoller Kampf gegen den Imperialismus geführt werden. Worauf Lenin schon vor der Gründung der Dritten Internationale hinwies:
"Ein Kampf gegen den Imperialismus, der nicht eng mit dem Kampf gegen den Opportunismus verbunden ist, ist entweder eine leere Phrase oder Betrug." (W.I. Lenin, 'Das Militärprogramm der Proletarischen Revolution', September 1916, in: W.I. Lenin, 'Gesammelte Werke', Band 33, Moskau 1964, S. 83).
12. Jüngste Entwicklungen in der KDVR
Trotz der Erfolge, die die KDVR bis in die späten achtziger Jahre hinein auf industriellem und landwirtschaftlichem Gebiet zu verzeichnen hatte, sah sich die Regierung Ende 1993 durch eine ganze Reihe von Problemen veranlasst zuzugeben, dass es wirt- schaftliche Misserfolge gab und dass die Industrieproduktion, die Energieversorgung sowie die landwirtschaftliche Produktion hinter den Planzielen zurückgeblieben war. Man ging davon aus, dass drei Jahre wirtschaftlicher Anpassungen nötig sein würden, wobei jetzt der Entwicklung der Landwirtschaft, der Leichtindustrie und dem Außenhandel Vorrang gegeben werden solle. Die schwere wirt- schaftliche Lage, die sich bis heute verschlimmert, hat den Le- bensstandard beträchtlich sinken lassen, besonders auf dem Lande.
Die wirtschaftliche Entwicklung wird zur Zeit nur noch kurz- fristig auf der Basis von Jahresplänen geplant. Die Lebensmittel- knappheit hat auch humanitäre Hilfen vonseiten verschiedener internationaler Organisationen ausgelöst. Ausländische Medien haben inzwischen häufig vor dem Abdriften des Landes in eine wirtschaftliche Katastrophe gewarnt und verbreiten Spekulationen, dass Unterernährung und Hunger dazu geführt hätten, dass seit 1995 etwa zwei Millionen Nordkoreaner an Hunger gestorben sind.
Angesichts dieser Krise und den Prinzipien von Juche und Chaju- song entsprechend hält die KDVR an ihrer Politik der wirtschaft- lichen Selbstbestimmung fest, die sich auf die Ausbeutung der reichen Bodenschätze des Landes und seiner Wasserkraft gründet.
Pyongyang zufolge kann diese Selbständigkeit Nordkorea davor be- wahren, seine Unabhängigkeit zu verlieren:
"Der Aufbau einer unabhängigen Volkswirtschaft bedeutet, eine Wirtschaft aufzubauen, die frei ist von der Abhängigkeit von anderen, die auf ihren eigenen Füßen steht, eine Wirtschaft, die dem eigenen Volk dient und die sich der Grundlage der Ausbeutung der Bodenschätze des eigenen Landes und der Anstrengungen des eigenen Volkes gründet. ... Es ist entscheidend wichtig, dem Prinzip der Selbstständigkeit beim wirtschaftichen Aufbau zu folgen.
Selbstständigkeit ist der revolutionäre Geist und ein Prinzip des Kampfes von Kommunisten, die die Revolution aus eigener Initiative ausführen. Man muss an die eigene Kraft glauben und sich beim wirtschaftlichen Aufbau darauf stützen ebenso wie bei allen anderen Aktivitäten für die Revolution und den Aufbau." (Kim Jong Il, 'Über die Juche-Idee', Abhandlung für das Nationale Seminar über den Juche-Gedanken, abgehalten aus Anlass des 70. Geburtstag des Großen Führers Genosse Kim Il Sung am 31.3.1982, Pyongyang 1989).
Die genannten Prinzipien, die die wirtschaftliche Selbständigkeit betonen, wie dies von Kim Jong Il in den frühen achtziger Jahren getan wurde, wurden auch in letzter Zeit auf ähnliche Weise unterstrichen, um den schädlichen Auswirkungen der Globalisierung auf die asiatischen Volkswirtschaften entgegenzutreten. In einem Artikel, der sowohl in 'Rodong Sinmun' als auch in 'Kunroja' im September 1998 erschien, wird auch auf Folgendes hingewiesen:
"Wir müssen die Wachsamkeit verstärken vor den Versuchen der Imperialisten, uns dazu zu veranlassen, 'Reformen' einzuführen und uns 'der Außenwelt zu öffnen'. Worte wie 'Reform' oder 'Öffnung' auf ihren Lippen sind honigsüßes Gift. Klar ist unser Standpunkt gegenüber 'Reformen' und 'Öffnung'. Wir haben nichts zu 'reformieren' oder zu 'öffnen'. Unter 'Reform' und 'Öffnung' verstehen die Imperialisten, den Kapitalismus wiederzubeleben. ... Die Quelle unserer Wirtschaft ist in erster Linie unsere politische und ideologische Macht und Einheit." ('Lasst uns an der Linie des Aufbaus einer Unabhängigen Volkswirtschaft festhalten', gleichlautende Artikel in 'Rodong Sinmun' und 'Kunroja' in KCNA, Pyongyang, 17.9.1998).
Die derzeitige ökonomische Krise in der KDVR, die Pyongyang nicht davon abgehalten hat, den Kurs der Unabhängigkeit und der wirtschaftlichen Selbstständigkeit fortzusetzen, kann auf die folgenden Faktoren zurückgeführt werden:
1. Auf den ständigen militärischen und politischen Druck des US-Imperialismus in Verbindung mit Wirtschaftssanktionen und Embar- gos gegen die KDVR;
2. auf die politischen Veränderungen sowohl in Russland als auch in China in den frühen neunziger Jahren und ihre Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen mit der KDVR sowie
3. auf jüngste Naturkatastrophen.
Außerdem muss die Krise als Ergebnis der herrschenden revi- sionistischen Klasse und ihrer Unfähigkeit gesehen werden, ihr Volk mit einem wahrhaft sozialistischen System zu versehen, während man gleichzeitig unentwegt behauptet, dass ein sozialistisches 'Paradies' in den letzten fünfzig Jahren in Nordkorea aufgebaut worden sei.
Fraglos ist die fortgesetzte militärische Präsenz der USA in Südkorea der Hautptgrund sowohl für die regionale Instabilität als auch für die wirtschaflliche Krise des Nordens. Dies zwingt Pyongyang, entscheidendes Gewicht auf seine Verteidigung zu legen und einen großen Teil seiner Wirtschaft dafür zu verwenden. Man darf nicht vergessen, dass die KDVR schon seit Jahren das Ziel ständiger nuklearer Drohungen seitens des US-Imperialismus gewesen ist. In letzter Zeit, genauer seit dem Zerfall der ehemaligen UdSSR, wurden auch Einheiten der koreanischen Volksarmee entlang der nördlichen Grenzen zu China und Russland stationiert. Spionageaktivitäten und Provokationen aus Südkorea in Verbindung mit regelmäßigen Manövern, die von US-amerikani- schen, südkoreanischen und anderen ausländischen Mächten durchge- führt werden, haben die Spannungen ebenfalls verschärft. Außerdem hat es in den letzten sieben Jahren kein System der Überwachung des Waffenstillstandes entlang der demilitarisierten Zone mehr gegeben (die Gespräche zwischen dem UN-Kommando und der Koreanischen Volksarmee sind erst im Juni 1998 wieder aufge- nommen worden - das erste Mal seit 1991). Washington beschuldigt die KDVR auch weiterhin, zu den sieben Staaten zu gehören, die den 'Terrorismus' unterstützen.
Die Wirtschaftssanktionen und Embargos gegen die KDVR, die vom US-Imperialismus seit etwa einem halben Jahrhundert (seit den frühen fünfziger Jahren) auferlegt wurden, basieren auf dem US-Gesetz 'Über den Handel mit feindlichen Staaten', auf dem 'Gesetz über die Exportaufsicht' sowie auf dem des 'Verbots der Hilfe für die KDVR'. Obwohl die USA in letzter Zeit Verpflichtungen eingegangen sind, ihre zweiseitigen Beziehungen mit Pyongyang zu normalisieren, bleiben jene Gesetze weiterhin in Kraft und schaden dem Handel der KDVR mit anderen Staaten. US-Waren, Technologie oder Dienstleistungen können weder direkt nach Nordkorea noch indirekt über Drittländer exportiert werden. Exporte von Handelsgütern für die Deckung des Grundbedarfs be- dürfen in jedem Einzelfall der Genehmigung durch das Handels- ministerium der USA durch Vergabe besonderer Lizenzen.
Bis Ende der achtziger Jahre wurde der größte Teil des Handels der KDVR in Form von Tauschgeschäften mit den ehemaligen Comecon- Ländern und China abgewickelt. Als jedoch die UdSSR und das Comecon zusammenbrachen und Zahlung durch harte Devisen zu Weltmarktpreisen für Exporte aus der UdSSR verlangt wurde (November 1990), war die KDVR besonders hart betroffen. Gleichzeitig erlitt der Handel mit China große Einbrüche, als nicht nur Russland, sondern auch China ab 1993 dazu überging, Handel nur noch auf der Basis der Zahlung in Form von Devisen, statt auf der des Tauschhandels abzuwickeln.
Die offizielle Ankündigung, dass die traditionellen sowjetisch-nordkoreanischen Beziehungen beendet seien, kam im Juni 1992 vom russischen Präsidenten Boris Jeltzin, als er bestätigte, dass der Vertrag für Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand zwischen Pyongyang und Moskau keine Gültigkeit mehr besäße. Auch würde Russland ab sofort keine finanzielle oder militärische Hilfe an die KDVR mehr gewähren. Ähnlich wurden die Beziehungen zwischen Peking und Pyongyang einer Belastungsprobe unterworfen, nachdem China im August 1992 diplomatische Beziehungen mit der Republik Korea aufgenommen hatte.
Anfang der neunziger Jahre traten beide, Russland und China, für engere Handels- und diplomatische Beziehungen mit der Republik Korea ein und bewirkten dadurch die gleichzeitige Zulassung beider koreanischer Staaten zu den Vereinten Nationen. Dieser gleichzeitige Beitritt wurde trotz der Tatsache möglich, dass die KDVR stets energisch die Politik der 'Zwei Koreas' und der gleichzeitigen Anerkennung beider Teilstaaten entgegengetreten war. Daraus ergab sich für die KDVR die Notwendigkeit, zu Japan und Südkorea engere Handelsbeziehungen aufzunehmen. Tatsächlich ist Nordkorea von der Einfuhr von Erdöl, Chemikalien, Korn und Getreide, Kohle, Maschinen und Produktionsmitteln abhängig, während es Nicht-Eisen-Metalle, Stahl, Magnesium-Klinker und Zement ausführt.
Eine weitere Ursache für den wirtschaftlichen Niedergang in den vergangenen vier Jahren ist auf Naturkatastrophen zurückzuführen und den Schaden, den sie der Infrastruktur des Landes zufügten. Schon immer waren die natürlichen Bedingungen für die Landwirt- schaft in Nordkorea ungünstig gewesen, weil Gebirge fast drei Viertel des Territoriums bedecken und die landwirtschaftliche Nutzfläche nur 16% des Bodens ausmacht. Flutkatastrophen in den Jahren 1995 und 1996 und die längste Dürreperiode seit Jahrzehn- ten im Jahre 1997 schädigten die Wirtschaft des Landes in erheb- lichem Maße, was zur Folge hatte, dass die Bevölkerung des Landes kaum noch ernährt werden konnte. Auch die Naturkatastrophen des Jahres 1998 - lange Regenperioden, Hagelstürme, starke Winde und Flutwellen - schädigten Getreide-, Gemüse- und Reisernten und beeinträchtigten das wirtschaftliche Leistungsvermögen des Landes weiter. Und um das Bild der Naturwidrigkeiten des Jahres 1998 noch abzurunden: Tausende von Hektar Land für rohen und nicht-rohen Reis und mehr als 180 Gruben wurden unter Wasser gesetzt. Die Stromversorgung musste unterbrochen werden und das Verkehrs- netz wurde lahmgelegt. Ganze Straßen und Eisenbahnlinien wurden vollständig von Erdrutschen vernichtet; Wohnhäuser und andere Gebäude wurden ebenfalls in einigen der betroffenen Gebiete zerstört und Menschen kamen ums Leben oder wurden vermisst.
Die wirtschaftliche Lage hat jetzt ein kritisches Stadium er- reicht, was besonders durch den ernsten Mangel an Lebensmitteln zum Ausdruck kommt. Der Lebensstandard ist in der Hauptstadt noch höher - die Läden verkaufen Kekse, Getränke und getrockneten Fisch - aber auf dem Lande ist er erschreckend niedrig. Obwohl die heutige Reisration pro Person 450g am Tag beträgt, liegt sie in bestimmten Gebieten, besonders in den von Naturkatastrophen betroffenen noch darunter. Diese Lage hat zu einem blühenden Schwarzmarkt geführt, aber auf einem sehr niedrigen Niveau. Berichte von verhungernden Menschen konnten bislang nicht bestätigt werden, aber auf dem Lande ist die Unterversorgung offensichtlich, wo Menschen an Flussläufen entlang oder auf Feldern herumwandern, um dort nach Fisch oder Grass Ausschau zu halten. Die Bauern bearbeiten das Land mit primitiven Geräten und müssen oft lange Entfernungen ohne Fahrrad oder andere Verkehrs- mittel zurücklegen. Landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren bekommt man heute nur noch auf der 'Ausstellung der Drei Revolutionen' in Pyongyang zu Gesicht.
Unterbrechungen der Strom- und Wasserversorgung ereignen sich häufig und das Transportwesen ist wenig effizient. Wegen der Energieknappheit gibt es kaum Betriebe, die normal arbeiten können und in einigen Gebieten hängt das Überleben der Menschen von 'humanitärer' Hilfe oder von Projekten der UNO oder ausländi- scher Nicht-Regierungsorganisationen ab.
Um mit dieser akuten und schweren Krise fertigzuwerden, sah sich die Regierung nicht nur gezwungen, im Ausland um humanitäre Hilfe nachzusuchen (welche hauptsächlich vom Lebensmittelprogramm der Vereinten Nationen, von den USA, Japan, China, der Europäischen Gemeinschaft usw. gewährt wird), sondern sie hat auch Vorkehrungen für verstärkte Investitionen aus dem Ausland getroffen. In der Zwischenzeit wird die gesamte Bevölkerung mobilisiert, um gemeinsam die Lebensmittelknappheit zu überwinden, z.B. dadurch, dass es freiwillige Einsätze auf dem Land gibt, um den Bauern zu helfen. Ständig wird den Menschen die Wirtschaftskrise im Fernsehen, in den Zeitungen, auf Versammlun- gen am Arbeitsplatz ... von Augen geführt und an ihren patrioti- schen 'Chollima'-Geist appelliert, um angemessene Lösungen zu finden. ... In der ersten Hälfte des Jahres 1998 zum Beispiel sind mehr als 1.900 kleinere Kraftwerke im ganzen Land errichtet worden, indem man fließendes Wasser, Windenergie, Methan, Holzkohlengas and andere Energiereserven verwendbar gemacht hat.
In den frühen neunziger Jahren beschloss die KDVR, neue Maßnahmen auf dem Gebiet der Wirtschaftsführung einzuführen:
1. durch die Umstellung des Managements auf eine wissenschaftli- chere Basis und die Einführung von Automation und Datenverarbei- tung;
2. durch die Liberalisierung und Diversifizierung des Handels, durch die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Gebiet des Außenhandels sowie durch ein vielseitigeres Ausfuhrwarenangebot;
3. durch Zulassung von Gemeinschaftsunternehmen ('Joint Ven- tures') und ausländischen Direktinvestitionen. Um Auslandsinves- titionen anzulocken, wurde 1992 die Verfassung ergänzt, wodurch die Rechte und Profite ausländischer Firmen, die in der KDVR ansässig sind, garantiert werden. Durch drei Gesetzespakte sind jetzt vertragliche und Joint Ventures mit ausländischer Kapital- beteiligung möglich. Die ausländischen Firmen erhalten Gewinne entsprechend ihrer Kapitalbeteiligung am Joint Venture. Sogar gänzlich im ausländischen Besitz befindliche Firmen haben jetzt das Recht, im Land zu arbeiten. In diesem Fall ist es Auslands- firmen gestattet, allein in der KDVR zu investieren und die Leitung des Betriebes befindet sich in ihren Händen allein. Solche Firmen sind hauptsächlich in der neu geschaffenen Wirtschaftszone von Rajin-Sonbong im Nordosten des Landes entstanden, wo den Auslandsfirmen eine ganze Reihe von Vergünstigungen gewährt wurden, einschließlich der Befreiung von oder der Reduzierung der Einkommenssteuer. Zum ersten Mal in der Geschichte der KDVR ist das uneingeschränkte Eigentum an Auslandsinvestitionen jetzt gestattet.
Nach einer Erhebung der südkoreanischen KOTRA (Seoul), einer Agentur zur Förderung von Investitionen, belief sich 1995 der Warenaustausch der KDVR mit Japan auf insgesamt $594,6 Millionen, was einen Anteil von 29% am gesamten Außenhandel (=$2,05 Mrd) ausmacht. Der Handel mit China belief sich auf $549,8 Millionen oder 26,8% des gesamten Außenhandels, mit Indien auf 6,2%, mit Russland und Hongkong auf 4,1%, mit Deutschland auf 3,9% und mit Thailand auf 3,0%. Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Südkorea haben sich kontinuierlich weiter entwickelt, auch deshalb, weil südkoreanische Firmen inzwischen ihre Profite dadurch maximieren können, dass sie billige nordkoreanische Arbeitskräfte über Joint Ventures oder über Auftragsgeschäfte einstellen dürfen und dass sie billige nordkoreanische Bodenschätze und Stahlerzeugnisse importieren können. Der gesamte Außenhandel mit dem Süden belief sich 1995 auf insgesamt $287,3 Millionen, im Vergleich zu $194,5 Millionen im Jahr davor und $111,3 Mill. 1991 (nach KOTRA, Handbuch zu Nordkorea, 'Korea Herald', Seoul, 1996).
Angesichts der akuten Wirtschaftskrise in den neunziger Jahren und trotz der schweren Lebensbedingungen der Bevölkerung gibt es jedoch keinen erkennbaren Widerstand gegen die Macht und den Zusammenhalt des Regimes. Diese politische Stabilität wurde kürzlich durch die 10. Wahlen zur Obersten Volksversammlung bestätigt, die am 26.7.1998 abgehalten wurden, mehr als drei Jahre nach Ablauf der Fünfjahrperiode der Neunten Volksver- sammlung (die letzten Wahlen waren 1990 abgehalten worden). Die Medien der KDVR berichteten, dass 100% der abgegebenen Stimmen auf die offiziell nominierten Kandidaten entfallen waren.
Mehr als einer von zehn der neu gewählten Abgeordneten gehört der Armee an: Von den 687 Mitgliedern der Obersten Volksversammlung sind 75 Generalleutnants oder noch hochrangigere Offiziere. Die Armee ist überall im Land präsent, auch wegen der hohen Zahl an Soldaten, die wegen der Bedrohung aus dem Süden benötigt werden. Militär wird auch an öffentlichen Bauvorhaben postiert oder es hilft den Bauern auf dem Lande. Das Land ist von militärischen Kontrollpunkten überzogen, um jede Bewegung von einer Stelle zur anderen zu beobachten. In diesem Sinne existiert heute eine militarisierte Gesellschaft in Nordkorea, auch aufgrund der Tatsache, dass der Armee jetzt eine zentrale Rolle zugewie- sen wird. Kim Jong Il wird beispielsweise stets als 'Generalsekretär der Arbeiterpartei Nordkoreas, Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission der KDVR und Oberkommandie- render der Koreanischen Volksarmee der KDVR' bezeichnet. Seine regelmäßigen Besuche von Armee-Einheiten im ganzen Land, um die 'Lage vor Ort zu erkunden' erscheinen als Aufmacher in den Tageszeitungen.
Jedoch bleibt das herausragende politische Kennzeichnen der KDVR die enorme Betonung der 'Einheit des Volkes hinter dem Führer Kim Jong IL'. Diese Einheit wird auf sentimentale und emotionale Weise untermauert: 'Liebe und Vertrauen' und nicht das politische und ideologische Bewusstsein sollen sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens durchdringen. Nach einem Ausspruch von Kim Jong Il besteht die 'Kunst, Menschen zu führen, im Herzen'. Die KDVR ähnelt heute immer mehr einem 'Gottesstaat', in dem die 'legendären' Heldentaten eines Führers sowie seine 'unmittelbare Führung' alles bestimmen. Dieser Per- sonenkult hat erstaunliche Ausmaße erreicht, hat ein in diesem Jahrhundert nie gekanntes Ausmaß angenommen und steht im offensichtlichen Widerspruch zu dem angeblich egalitären und kollektivistischen Grundzug der nordkoreanischen Gesellschaft.
Auf der Ersten Sitzung der 10. Legislaturperiode der Obersten Volksversammlung im September 1998 zum Beispiel wurde Kim Jong IL als
"hervorragender Denker und Theoretiker, außergewöhnlicher Staatsmann und als unvergleichlich brillianter Kommandeur, ... als der vertrauteste Genosse, der treueste Helfer Kim Il Sungs seit mehr als 30 Jahren" (KCNA-Nachrichtenagentur, Pyongyang, 5.9.1998)
bezeichnet.
Auf ideologischem Gebiet wird die besondere 'Einzigartigkeit und Originalität von Juche' betont, so dass Juche jetzt nicht mehr als Weiterentwicklung oder schöpferische Anwendung der marxis- tisch-leninistischen Lehre auf die besonderen Verhältnisse des Landes ausgelegt wird, sondern als eine Ideologie, die nun ihren eigenen Prinzipien folgt - vollkommen losgelöst vom Marxismus-Leninismus. (Schon 1992 war jeder Verweis auf den Marxismus-Leninismus aus der Verfassung gestrichen worden). Worauf Kim Jong Il 1996 hinwies:
"Die Juche-Philosophie ist eine eigene Philosophie, welche nach ihren eigenen Prinzipien entwickelt und systematisiert wurde. Der historische Beitrag, der von der Juche-Philosophie geleistet wurde, ... liegt nicht in der Fortentwicklung der marxistischen materialistischen Dialektik, sondern in der klaren Herausarbei- tung neuer philosophischer Prinzipien, die sich um den Menschen bewegen. Die Juche-Philosophie ist eine eigene Philosophie, die sich grundlegend von der vorangegangenen Philosophie in ihren Aufgaben und Grundsätzen unterscheidet." (Kim Jong Il, 'Die Juche-Philosophie ist eine eigene revolutionäre Philosophie', Rede, veröffentlicht in 'Kulloja', theoretisches Magazin des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, Pyongyang, 26.7.1996, S. 1f).
Nirgendwo im ganzen Land kann man noch eine Statue oder Büste von Marx, Engels, Lenin oder Stalin finden; es gibt nur zwei kleine Porträts - das eine von Marx und das andere von Lenin auf dem Kim-Il-Sung-Platz in der Hauptstadt. Auch die marxistische Schulung ist längst abgeschafft worden. Heute müssen alle nordkoreanischen Studenten bis zum Ende ihrer Studienzeit stattdessen die 'Revolutionären Aktivitäten des Genossen Kim Il Sung' ein oder zwei Stunden in der Woche studieren und sich auch mit den 'Revolutionären Aktivitäten des Genossen Kim Jong Il' ein oder zwei Stunden pro Woche beschäftigen.
13. Der Kampf für Wiedervereinigung und Unabhängigkeit
Ein endgültiger Friedensschluss muss für Korea erst noch gefunden werden, dessen Teilung entlang des 38. Breitengrads unverändert fortbesteht, der am stärktsten militarisierten Grenze unserer Zeit. Diese anormale Situation wird nicht nur durch die 250 km lange militärische Demarkationslinie (MDL), die die Halbinsel und ihre Bevölkerung durchschneidet, sondern auch durch die Betonwand (5m bis 8m hoch, 10m bis 19m breit am unteren und 3m bis 7m breit am oberen Ende), die am südlichen Teil der MDL entlangläuft, seitdem diese von den Südkoreanern zwischen 1977 und 1979 gebaut wurde, dramatisch unterstrichen. Ohne jeden Zweifel ist es der US-Imperialismus, der für diese inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert andauernde tragische und anachronistische Teilung sowie für das Anfachen der politischen Feindschaft zwischen den beiden Seiten verantwortlich ist.
Während all dieser Jahre hat Washington in Südkorea seine höchste Truppenzahl außerhalb der USA angehäuft (mehr als 45.000 Soldaten Mitte der achtziger Jahre - eine Zahl, die jetzt auf 37.000 reduziert wurde), zusammen mit seinen modernsten konven- tionellen und nuklearen Waffen. Die Behauptung der Republik Korea aus den frühen neunziger Jahren, dass keine US Nuklear- waffen mehr auf ihrem Territorium stationiert seien, ist weder bestätigt noch von Washington in Abrede gestellt worden. Bisher ist keine Untersuchung vorgenommen worden, um festzustellen, ob tatsächlich amerikanische Nuklearwaffen noch in Südkorea vorhanden sind. Fest steht jedoch, dass amerikanische Kriegs- schiffe und Flugzeuge, regelmäßig eine Reihe von Nuklearwaffen mitsichführen, wenn sie in koreanischen Häfen bzw. auf US-Flugbasen in der Republik Korea eintreffen. Es ist von daher völlig klar, dass der US-Imperialismus auch heute noch jeden Ort im Norden durch die Verwendung seiner luft- oder seegestützten Nuklearraketen ins Visier nehmen kann.
Unter völliger Missachtung des Rechts des koreanischen Volkes auf Selbstbestimmung, Souveränität und Unabhängigkeit, hat die amerikanische Präsenz die doppelte Wirkung erzielt, einerseits das Land geteilt und andererseits Südkorea auf arrogante Weise einen halbkolonialen Status auferlegt zu haben. Die Aufrechter- haltung der koreanischen Teilung hat Washington ganz offensicht- lich in die Lage versetzt, Südkorea zu beherrschen, das in Asien als sein strategischer Hauptstützpunkt angesehen wird, und sich direkt in seine inneren Angelegenheiten einzumischen. Deshalb ist der allgemeine Kampf des koreanischen Volkes für seine Wieder- vereinigung und Unabhängigkeit fester Bestandteil der Befreiung Südkoreas vom amerikanischen Joch und für die Demokratisierung seiner Gesellschaft.
Bedingt durch die militärische, politische und wirtschaftliche Beherrschung durch die USA haben sich in der Koreanischen Republik barbarische faschistische und militärische Diktaturen und pseudo-demokratische Regimes einander abgelöst, die alle dem Interesse der US-Monopole nach vollständiger Vereinnahmung des Landes dienlich gewesen sind. Antikommunistische, faschistische Gesetze und Einrichtungen wie das Gesetz für Nationale Sicherheit oder die Planungsbehörde für Nationale Sicherheit (bis 1980 bekannt unter dem Namen 'Koreanische CIA') haben besonders dazu beigetragen, patriotische und demokratische Kräfte im Süden zu unterdrücken und jeden weitergehenden Schritt in Richtung nationaler Versöhnung zu vereiteln. Kurz nach dem Ende des Korea-Krieges stärkte der 'Verteidigungspakt auf Gegenseitigkeit' zwi- schen der Republik Korea und den USA, der US-Truppen erlaubte, auf unbegrenzte Zeit im Süden zu bleiben, die amerikanische Vorherrschaft über Südkorea.
Auf diese Weise war es Syngman Rhee möglich, bis 1960 an der Macht zu bleiben, hauptsächlich durch Wahlfälschungen, Kriegs- recht, Terrorismus, Unterdrückung und Massaker an Studenten und anderen Bevölkerungsgruppen. Kurz nachdem Volksaufstände Rhees Rücktritt erzwungen hatten, wurde von Pak Jung Hi und anderen faschistischen und pro-amerikanischen Elementen in der Armee der Republik Korea ein Militärputsch durchgeführt, mit dem Ziel, zur 'Wiedervereinigung durch den Sieg über den Kommunismus' zu gelangen. Durch die Auflösung der Nationalversammlung, durch Kriegsrecht, Antikommunismus, Verbot demokratischer Betätigung usw. gelang es dieser faschistischen Diktatur, die militärischen und kommerziellen Interessen der USA in Südkorea abzusichern. Das Land entwickelte sich zu einem nützlichen Lieferanten von Söldnertruppen für den US-Imperialismus in seinem Krieg gegen die Völker Indochinas. Gegen Ende des Vietnam-Krieges trat die Situation ein, dass es mehr südkoreanische Bodentruppen in Vietnam gab als US-amerikanische, während gleichzeitig südkoreanische Geschäftemacher immense Profite aus Seouls Unterstützung für die militärische Aggression der USA ziehen konnten.
Die faschistische Pak-Diktatur verschärfte die Klassengegensätze und Konflikte: Antifaschistische und anti-imperialistische Kämpfe nahmen zu und entwickelten sich in den verschiedensten sozialen Schichten, einschließlich in den bürgerlich-demokratischen Par- teien. Ende der siebziger Jahre wurde Pak von einem seiner engsten Mitstreiter erschossen und durch andere militärische Hardliner ersetzt. Eine besonders brutale Form nahmen die Unterdrückungsmaßnahmen im Mai 1980 an, als schätzungsweise 2.000 Zivilisten in der südwestlichen Stadt von Kwangju von der Armee ermordet wurden. Wie bei anderen Gelegenheiten auch, fand dieses Massaker die Unterstützung Washingtons, da die Republik Korea ein 'Vertragspartner' sei und die Vereinigten Staaten ein 'sehr starkes Sicherheitsinteresse in diesem Teil der Welt besaßen'. Im Verlauf der achtziger Jahre wurde die ständige Unterdrückung der demokratischen und religiösen Organisationen, Gewerkschaften, Studenten usw. sowie die Beschneidung ihrer sozialen und politischen Rechte für jene südkoreanischen Gesellschaften, die gestützt auf US-amerikanischen Investitionen problemlos ihre Gewinne maximieren konnten, sehr vorteilhaft. Demokratische Proteste entwickelten sich jedoch besonders stark in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre und erfassten Millionen von Südkoreanern. Dadurch, dass liberale Oppositionsgruppen und Parteien anfingen, sich aktiv am politischen Leben zu beteiligen, wurde die traditionelle Macht des Militärs allmählich ausgehöhlt.
Das Kapitel der Militärdiktaturen und der faschistischen Repression in der Republik Korea schien schließlich zuende zu gehen. Mit der Ernennung von Kim Young Sam von der Demokratisch- Liberalen Partei im Februar 1993 und der sich anschließenden Ernennung des ehemaligen politischen Gefangenen Kim Dae Jung (Nationalkongress für Neue Politik) im Februar 1998, wurden kleinere demokratische Schritte unternommen, um die krisenge- geschüttelte Wirtschaft zu stabilisieren, die Korruption zu bekämpfen und Tausenden von politischen Gefangenen eine Amnestie zu gewähren. Diese reformistischen und demokratischen Verände- rungen müssen jedoch im Zusammenhang mit dem vom Ausland abhängigen Kapitalismus, der in der Republik Korea existiert, gesehen werden, eine der so genannten Tiger-Wirtschaften, die jetzt unter der asiatischen Krise leiden und von sozialen und politischen Kämpfen vonseiten der zunehmend verarmten Arbeiter betroffen sind. Aufgrund der schwersten Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes, suchte Seoul beim Internationalen Währungsfonds Ende 1997 um ein Nothilfeprogramm für seine Wirtschaft nach. Gleichzeitig bleibt die ständige militärische und ökonomische Beherrschung Südkokreas durch die USA weiterhin das Haupthindernis für eine umfassende Demokratisierung des Landes. Das Gesetz über die Nationale Sicherheit, das Kontakte und den Verkehr zwischen dem Norden und dem Süden behindert, ist nie außer Kraft gesetzt worden, genauso wie die faschistische 'Planungsbehörde für Nationale Sicherheit' immer noch aktiv ist, um patriotisch und demokratisch gesinnte Kreise einzuschüchtern. Aber auch die Abschaffung dieser faschistischen Gesetze und Einrichtungen kann nur ein erster Schritt in Richtung nationale Versöhnung und Frieden sein. Das 'demokratische' Ansehen der Regierung Kim Dae Jung und ihrer 'Sonnenschein-Politik' gegenüber dem Norden wird nur dann an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn ein neuer politischer Wille erkennbar wird, um die südkoreanische Gesellschaft zu demokratisieren und die Abhängigkeit vom US-Imperialismus zu beenden.
Durch die Aufrechterhaltung einer ständigen militärischen Präsenz im Süden und die Fortsetzung der nationalen Teilung hat Washington - mit der offiziellen Billigung Seouls - seine so genannte 'Zwei-Korea-Politik' unterstrichen, eine Politik, die darauf angelegt ist, die Teilung der beiden koreanischen Teil- staaten zu verewigen und den militärischen Stützpunkt im Süden für immer zu behalten. Die US-amerikanischen Bestrebungen, die gesamte koreanische Halbinsel auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges zu kontrollieren, waren durch den Ausgang des Korea-Krieges und die Unterzeichnung der Waffenstillstandsvereinba- rung von 1953 vereitelt worden. Als sich herausgestellt hatte, dass der Plan, ganz Korea durch die 'Überwindung des Kommunis- mus' zu beherrschen, nicht zu verwirklichen war, griff Washington auf seine 'Zwei-Korea-Politik' zurück, verbunden mit dem langfristigen Ziel, seine militärischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen in der gesamten Nordost-asiatischen Region durchzusetzen. Diese Politik ist zu einem festen Bestandteil der hegemonialen US-Strategie geworden - auf Kosten ganz besonders des koreanischen Volkes. Als Bestandteil der US-Streitkräfte in Südkorea fing man ab 1957 damit an, dort auch Nuklearwaffen zu stationieren. Und seit den sechziger Jahren begann Washington zusätzlich damit, ein 'Dreieck-Sicherheitssystem' zwischen den USA, Japan und der Republik Korea aufzubauen, das bis heute Bestand hat. Gegen den Widerstand der südkoreanischen Studenten und des koreanischen Volkes wurde die Regierung in Seoul dazu gedrängt, die Bedingungen Japans zur 'Normalisierung der beidseitigen Beziehungen' durch die Abkommen zwischen Japan und Südkorea vom 22. Juni 1965 zu akzeptieren. Diese Vereinbarungen wurden parallel zum Abschluss des japanisch-amerikanischen Vertrags von 1965 getroffen, dem später, 1969, die japanisch-amerikanische 'Gemeinsame Erklärung' folgte. Durch diese Vereinbarungen wird Südkoreas 'Sicherheit' als 'von entscheiden- der Wichtigkeit für die eigene Sicherheit Japans' bezeichnet. Auf diese Weise wurde eine gefährliche US-japanisch-südkoreanische Militärallianz ins Leben gerufen.
Bis vor etwa zehn Jahren (Stand 1999 - Übers.), als die USA mit dem sowjetischen Sozialimperialismus um die Vorherrschaft in der Welt rang, war es die 'rote Gefahr' in Asien, die angeblich Washingtons militärische und nukleare Aufrüstung in Korea rechtfertigte. Die US-amerikanische militärische Vorherrschaft in der Nordost-asiatischen Region wurde jedoch nicht nur durch die Herstellung engerer Beziehungen zu Japan ermöglicht, sondern auch durch die Annäherung zwischen China und den USA. Aber nach dem Zusammenbruch der UdSSR und dem Entfallen der 'Bedrohung' in Asien, entwickelte sich in Washington keine grundsätzlich andere Haltung, das wegen seines imperialistischen Charakters und seiner auf Vorherrschaft abzielenden Absichten weiterhin seine 'Zwei-Korea-Politik' verfolgt, indem es einfach behauptet, dass eine 'Invasion aus dem Norden in Richtung Süden' bevorstehe. Mit dieser Begründung werden schon seit 1969 jedes Jahr Militär- manöver, die sich gegen die KDVR richten, abgehalten, die seit 1976 den Code-Namen 'Team Spirit' tragen. Gleichzeitig wird der Norden mit immer moderneren Massenvernichtungsmitteln bedroht. Diese 'Team-Spirit'-Manöver sind von Jahr zu Jahr ausgeweitet worden und umfassten zuletzt etwa 200,000 US und südkoreanische Truppen, womit diese Manöver die international umfangreichsten dieser Art der USA sind. Diese aggressive Einmischung in die Angelegenheiten Koreas hat die herrschende Klasse der Republik Korea den amerikanischen Interessen und Forderungen praktisch untergeordnet, wodurch der Weg zur nationalen Versöhnung und der Wiedervereinigung zwischen dem Norden und dem Süden des Landes verbaut wird.
Angesichts der 'Zwei-Korea-Politik' der USA und der Unterwürfig- keit Seouls unter die Interessen der USA ist der Kampf für ein einziges Korea, statt zweier Hälften, von der Regierung der KDVR stets konsequent weitergeführt worden. Ihre Politik widerspiegelt in dieser Beziehung die aufrichtigen und patriotischen Bestrebun- gen des gesamten koreanischen Volkes, das die Wiedervereinigung wünscht, das wünscht, unabhängig und frei von äußerer Bevormun- dung und Einmischung zu leben. Angesichts der Sackgasse, die die Wiedervereinigung ein halbes Jahrhundert lang verhindert hat, hat Pyongyangs anti-imperialistische Haltung tatsächlich ermög- licht, die Souveränität und Unabhängigkeit der nördlichen Hälfte Koreas zu bewahren. Die Haltung gegenüber dem US-Imperialismus wird in diesem Fall zum wichtigsten Kriterium, das es erlaubt, zwischen den patriotischen, anti-imperialistischen Kräften in Korea, die tatsächlich wahrhaft an nationaler Unabhängigkeit interessiert sind, und den Marionetten zu unterscheiden, die sich dem ausländischen Imperialismus bereitwillig unterwerfen. Es ist unverkennbar, dass Korea solange nicht friedlich wiedervereinigt sein kann, wie die ständige Bedrohung mit einer militärischen Konfrontation seitens Washington über der Halbinsel wie ein Damoklesschwert hängt. Das unveräußerliche Recht des koreanischen Volkes nach vollständiger Unabhängigkeit stellt eine Frage der Gerechtigkeit und des Prinzips dar, die nicht gegen einige Zugeständnisse vonseiten des US-Imperialismus verschachert werden darf.
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hat sich nun die KDVR gezwungen gesehen, dem militärischen, ökonomischen, politischen und diplomatischen Druck standzuhalten. Kurz nach Ende des Korea-Kriegs fand vom April bis Juni 1954 in Genf eine internationale Konferenz statt, um die koreanische Frage friedlich beizulegen. Die Vorschläge der KDVR, sämtliche ausländischen Streitkräfte von koreanischem Territorium innerhalb von sechs Monaten abzuziehen und freie, allgemeine Wahlen abzuhalten, stießen auf die Zustimmung der sowjetischen, chinesischen und anderen Delegatio- nen, während sie von den USA und ihren Verbündeten rundheraus abgelehnt wurden. Bei verschiedenen Gelegenheiten in den fünf- ziger und sechziger Jahren unterstrich Pyongyang die Notwendig- keit, den Prozess für eine friedliche Wiedervereinigung durch die Forderung nach offiziellen Verhandlungen zwischen der Obersten Volksversammlung der KDVR und der Nationalversammlung der Republik Korea zu beschleunigen, um den beidseitigen wirt- schaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zu entwickeln und einen ungehinderten Reiseverkehr zwischen dem Norden und dem Süden zu ermöglichen. Besonderer Nachdruck wurde auf den Vorschlag gelegt - nach einem Abzug der US-Truppen aus Südkkorea - alle politischen Parteien und Organisationen aus dem Norden und dem Süden an der Vorbereitung von allgemeinen Wahlen zu beteiligen, um später eine einheitliche koreanische Regierung zu bilden. Die KDVR schlug der Regierung in Seoul auch vor, ihre jeweiligen Streitkräfte auf nicht mehr als insgesamt 100.000 Einheiten auf jeder Seite zu verringern. Jedoch wurden all diese Vorschläge - selbst die nach Einführung von Reiseerleichterungen - von Seoul und Washington jedes Mal zurückgewiesen, deren offi- zielle Politik von ihrem aggressiven und kompromisslosen Slogan 'Marschieren wir gen Norden zur Wiedervereinigung' diktiert wurde.
Aber zum ersten Mal führten in den frühen siebziger Jahren offizielle zweiseitige Kontakte zwischen Pyongyang und Seoul zu einer ganzen Reihe von wichtigen Vereinbarungen, die sich in der 'Nord-Süd-Erklärung vom 4.7.1972' wiederfinden. In den Vereinbarungen wurden einige vertrauensbildende Maßnahmen, um bewaffnete Provokationen entlang der entmilitarisierten Zone zu vermeiden, die Wiederaufnahme von beidseitigen Kontakten auf verschiedenen Ebenen und die Einrichtung direkter Telefonverbin- dungen zwischen Pyongyang und Seoul aufzunehmen, ins Auge gefasst, um auf schnellstem Wege die Lösung plötzlich auftau- chender Probleme oder Zwischenfälle regeln zu können. Und was noch wichtiger war: Die drei Prinzipien der nationalen Wieder- vereinigung, die von Kim Il Sung entwickelt worden waren, fanden sich deutlich in der Erklärung wieder:
"Zunächst muss die Wiedervereinigung auf unabhängigem Wege, ohne Einflussnahme oder Einmischung von außen erfolgen; zweitens sollte die Wiedervereinigung auf friedlichem Wege erreicht werden, ohne Rückgriff auf Waffengewalt gegen die andere Seite; drittens sollte die große nationale Einheit mit aller Kraft vorangetrieben werden, über die Grenzen von Ideologie, Ideal und des gesellschaftlichen Systems hinweg." (Kim Han Gil, 'Moderne Geschichte Koreas', Pyongyang 1979, S. 548f).
Was die Unterschiede zwischen den beiden im Norden und im Süden existierenden Systemen angeht, so legte Kim Il Sung stets die Betonung auf die Notwendigkeit einer Koexistenz innerhalb eines einheitlichen Rahmens:
"Wir sind der Meinung, dass der Norden und der Süden in der Lage sein werden, die große nationale Einheit trotz der bestehenden Differenzen zwischen ihren Ideen und Systemen, politischen Ansichten und religiösen Richtungen voranzutreiben, wenn jeder eine patriotische Haltung annimmt und sich für die nationale Wiedervereinigung stark macht. ... Ob jemand an den Kommunismus, Nationalismus oder Kapitalismus glaubt, darf kein Hindernis sein für die große nationale Einheit. Wir haben nichts gegen die Nationalisten und Kapitalisten in Südkorea. Die Mehrheit der südkoreanischen Kapitalisten sind nationale Kapitalisten. Wir haben schon immer die Politik verfolgt, die nationalen Kapitalis- ten zu schützen. Der nationalen Wiedervereinigung zuliebe werden wir uns mit Menschen aus allen sozialen Schichten in Südkorea vereinigen und mit ihnen zusammenarbeiten, einschließlich der Nationalisten und nationalen Kapitalisten." (Kim Han Gil, 'Moderne Geschichte Koreas', Pyongyang 1979, S. 548f).
In Übereinstimmung mit den in der Erklärung von 1972 niedergeleg- ten Bestimmungen wurde eine Nord-Süd-Kommission gebildet, um verschiedene offene Fragen zu regeln und die Grundsätze der Gemeinsamen Erklärung zu verwirklichen. Im Jahre 1975 wurde jedoch deutlich, dass man zu keinen konkreten Ergebnissen ge- kommen war.
Auch die gleichzeitigen Gespräche zwischen den beiden Organisa- tionen des Roten Kreuzes endeten in einer Sackgasse. Wie stets übte Washington - seiner auf ständige Teilung des Landes abzielenden 'Zwei-Korea-Politik' entsprechend - massiven Druck aus. Sogar noch nach der Unterzeichnung der Gemeinsamen Nord-Süd-Erklärung von 1972 setzte Washington seine Politik der Aggression und des Krieges fort, indem es erneut eine massive Kampagne des Antikommunismus und der Nord-Süd-Konfrontation in der Republik Korea betrieb und sein militärisches Arsenal dort weiter ver- stärkte.
Mitte der siebziger Jahre waren 42.000 US-Soldaten im Süden stationiert und Washingtons Atomwaffenarsenal wurde auf 1.000 Nuklearwaffen aufgestockt (das 820fache der Stärke der Hiroshi- mabombe).
Die Korea-Frage kam 1975 auf die Tagesordnung der Vereinten Nationen und ihre Vollversammlung verabschiedete eine Resolution - die erste dieser Art - in der der Abzug der US-Streitkräfte aus der Republik Korea gefordert wird, die Auflösung des UN-Kommandos, das in Südkorea stationiert ist sowie der Abschluss eines Friedensvertrages, um das Waffenstillstandsabkommen zu ersetzen.Der Vorschlag der Obersten Volksversammlung der KDVR an den US-Kongress zwecks Abschlusses einer Friedensvereinbarung zwischen Pyongyang und Washington, blieb unbeantwortet. Nach der Niederlage des US-Imperialismus in Vietnam wurden dagegen im US-Verteidigungsministerium Überlegungen angestellt, Nuklearwaffen in Korea für den Fall des Ausbruchs von Feindseligkeiten einzu- setzen, eine Politik, die als im Rahmen der so genannten 'Zone der Vorwärtsverteidigung' der USA als durchaus bedenkenswert bezeichnet wurde.
Die Einmischungsversuche der USA in die inneren Angelegenheiten Südkoreas nahmen in den siebziger Jahren erneut zu. Der damalige Militärdiktator Pak Jung Hi, der in seinem eigenen Lande die demokratischen Kräfte brutal unterdrückte, wurde von Wahington dazu ermuntert, dem Geist und den Grundsätzen der Gemeinsamen Erklärung ganz abzuschwören, um das antikommunistische Bollwerk der USA in Asien intakt zu halten. Paks Vorstellungen von 'friedlicher Wiedervereinigung' waren nichts anderes als die Fortsetzung der alten Politik des Kalten Krieges der 'Überwindung des Kommunismus' durch Gewalt.Dazu Pak 1973:
"Der einzige Weg, um Kommunisten in die Knie zu zwingen, besteht darin, eine Stärke zu demonstrieren, die größer ist als ihre, auf dem Gebiet der Politik, der Wirtschaft und auf anderen gesell- schaftlichen Gebieten. Ich bringe damit nicht nur meine, sondern gleichzeitig auch die Vorstellungen und Überzeugungen meiner Kollegen zum Ausdruck und wir setzen damit die Politik der 'Wiedervereinigung durch die Überwindung des Kommunismus' fort." (Aus 'Korea ist eins', Pyongyang 1978, S. 198).
Im Unterschied dazu machte Kim Il Sung Washington aus als den Hauptfaktor, der solche auf Teilung zielende Maßnahmen seitens Seouls vorantrieb. Er erklärte am 23.6.1973:
"Die doppelgesichtige Taktik der 'Nixon-Doktrin' annehmend, machen die Vereinigten Staaten keine Anstalten, um von ihren Plänen, die kriegslüsternen Elemente in Südkorea aufzuhetzen, um Koreaner gegen Koreaner sich bekriegen zu lassen, die Teilung Koreas zu verewigen und zwei Koreas zu schaffen, abzurücken, selbst nachdem die Gemeinsame Nord-Süd-Erklärung veröffentlicht wurde und der Dialog zwischen den beiden Teilen Koreas begann." (Kim Il Sung, 'Lasst uns die nationale Teilung aufheben und das Land wieder vereinigen', Rede auf der Begrüßungskundgebung in Pyongyang für die Partei- und Staatsdelegation der Tschechi- schen Sozialistischen Republik', 23.6.1973, in: Kim Il Sung, 'Werke', Band 28, Pyongyang 1986, S. 326).
In den siebziger Jahren setzte Pyongyang seine Politik der drei Prinzipien - der Unabhängigkeit, der friedlichen Wiedervereini- gung und der Großen Nationalen Einheit - fort und propagierte den Gedanken eines neutralen, konföderalen Staates - frei von auslän- dischen Truppen und Militärbasen: der 'Demokratischen Konfödera- len Republik Koryo', die den Vereinten Nationen als einheitlicher Staat beitreten würde. In den frühen achtziger Jahren schlug Pyongyang vor, dreiseitige Gespräche zwischen der KDVR, den USA und der Republik Korea abzuhalten, um das Waffenstillstands- abkommen durch einen endgültigen Friedensschluss abzulösen und um eine Nichtangriffsvereinbarung zwischen dem Norden und dem Süden abzuschließen. Aber auch diese beiden Vorschläge stießen auf den Widerstand der USA und Südkoreas, da ihre Umsetzung eine US-amerikanische Militärpräsenz im Süden überflüssig gemacht hätte. Im Oktober 1980 schlug Kim Il Sung außerdem vor, für immer eine atomwaffenfreie Halbinsel durch folgende praktische Schritte zu verwirklichen:
1. durch die Verringerung der nord- und südkoreanischen Streit- kräfte (nach einem vollständigen Abzug US-amerikanischer Truppen) auf 100.000 bis 150.000 Soldaten auf beiden Seiten;
2. durch die Beseitigung der Militärischen Demarkationslinie sowie aller militärischen Einrichtungen in ihrer unmittelbaren Umgebung; und
3. durch die Bildung einer einheitlichen, gemeinsamen Armee durch die Zusammenführung der Koreanischen Volksarmee mit der Nationa- len Armee der Republik Koreas.
In Übereinstimmung mit diesen anti-imperialistischen Positionen legte Kim Il Sung in den frühen neunziger Jahren ein '10-Punkte-Programm für die Große Einheit der Ganzen Nation und für die Wiedervereinigung des Landes' vor, in dem es u.a. hieß:
"1. Ein vereinigter Staat - unabhängig, friedlich und neutral - sollte durch die Große Einheit der ganzen Nation gegründet werden. Der Norden und der Süden sollten einen landesübergrei- fenden einheitlichen Staat gründen, in dem allen Parteien, sämtliche Gruppierungen und Mitglieder der Nation aus allen sozialen Schichten vertreten sind, während die beiden bestehenden Systeme und die beiden Regierungen bestehen bleiben. Der pan-koreanische Einheitsstaat sollte ein konföderaler Staat sein, in dem die beiden Regionalregierungen des Nordens und des Südens gleichberechtigt vertreten sind und er sollte ein unabhängiger, friedliebender und nichtpaktgebundener neutraler Staat sein, der sich an keine Großmacht anlehnt;
2. die Einheit sollte auf dem Patriotismus beruhen sowie auf dem Geist der nationalen Unabhängigkeit ...;
3. die Einheit sollte auf dem Prinzip der Förderung der Koexis- tenz, des gemeinsamen Wohlstands und der gemeinsamen Interessen beruhen und alles sollte der Sache der nationalen Wiedervereini- gung untergeordnet sein;
4. alle politischen Zwistigkeiten, die die Teilung und Konfron- tation zwischen den Mitbürgern fördern, sollten beendet und die Einheit hergestellt werden;
5. die Angst vor einer Invasion, gleich ob vom Norden her oder aus dem Süden und die Vorstellung von einer Überwindung des Kommunismus sollte zerstreut werden und der Norden und der Süden sollten einander vertrauen und sich vereinigen. Der Norden und der Süden sollten sich nicht bedrohen und sich nicht überfallen. Keine Seite sollte der anderen ihr System aufzwingen oder die andere Seite schlucken wollen;
6. Der Norden und der Süden sollten die Demokratie schätzen und sich gegenseitig auf dem Weg zur nationalen Wiedervereinigung die Hände reichen, und sich nicht gegenseitig ablehnen, nur weil man unterschiedliche Ideale und Prinzipien hat;
7. Der Norden und der Süden sollten den materiellen und geistigen Reichtum von Individuen und Organisationen schützen und zu seiner Verwendung für die Herstellung der Großen Nationalen Einheit eintreten. ...;
8. Verständnis, Vertrauen und Einheit sollten landesweit aufge- baut werden, durch Kontakte, gegenseitige Besuche und Gespräche. ...
9. Die gesamte Nation, der Norden und der Süden, einschließlich der Auslandskoreaner sollten die Solidarität für die Sache der nationalen Wiedervereinigung verstärken. ...
10. Jene, die einen Beitrag für die Große Einheit und die Sache der nationalen Wiedervereinigung geleistet haben, sollten geehrt werden. ..." (Kim Il Sung, '10-Punkte-Programm für die Große Einheit der Ganzen Nation und für die Wiedervereinigung des Landes', 6.4.1993).
Tatsächlich machten in den frühen neunziger Jahren die zweisei- tigen Gespräche (insgesamt acht Verhandlungsrunden zwischen den beiden koreanischen Regierungen zwischen 1990 und 1992) zwecks Herstellung der friedlichen Wiedervereinigung schnelle Fort- schritte. Im Februar 1992 unterzeichneten beide Seiten die Vereinbarung über Aussöhnung, Gewaltverzicht, Zusammenarbeit und Austausch zwischen dem Norden und dem Süden sowie die Gemeinsame Erklärung über die Schaffung einer atomwaffenfreien Zone auf der koreanischen Halbinsel. Die Erklärung betonte das Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheiten der jeweils anderen Seite, die Ablösung des Waffenstillstandsabkommen durch einen endgültigen Friedensschluss sowie verschiedene Formen der gegenseitigen Hilfe. Der Vereinbarung folgten Gespräche auf höchster Ebene. Jedoch unter Bruch des Geistes sowohl der Nicht- angriffsvereinbarung als auch der Erklärung über die Beseitigung der Atomwaffen führten die USA zusammen mit den südkoreanischen Streitkräften 1992 Manöver durch ('Focus Lens') und nahmen dann ein Jahr später auch ihre 'Team-Spirit'-Übungen wieder auf, die Probeläufe für den Einsatz von Nuklearwaffen auf dem Gefechtsfeld mitbeinhalteten. Diese aggressiven militärischen Schritte ver- anlassten die KDVR alle Kontakte auf höchster Ebene mit dem Süden abzubrechen. Es ist darüberhinaus wichtig, darauf hinzu- weisen, dass die US-amerikanischen Kriegsmanöver in Korea stets von einer imaginären von der Sowjetunion oder von China unter- stützten Invasion des Südens ausgingen; nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der Normalisierung der Beziehungen zwischen Peking und Seoul richten sie sich jetzt ausschließlich gegen die KDVR und ihre nicht-nuklearen Militärstreitkräfte.
Aber nicht nur dies: Trotz aller Bemühungen, die beidseitigen Gespräche zwischen den beiden Koreas in den frühen 90iger Jahren zu reaktivieren, nahmen die Spannungen erneut im Rahmen der so genannten 'Nuklear-Krise' zu: Während die USA in der Region über ein nukleares Potenzial verfügen, wurde der Verdacht verbreitet, dass die KDVR aus der friedlichen Nutzung der Atomenergie Pluto- nium für die Herstellung von Nuklearwaffen abzweigen würde, um eigene Atomwaffen herzustellen. Ende 1993 erreichte die Krise ihren Höhepunkt und sie eskalierte 1994 weiter. Mitten in der Krise, im Juli 1993, besuchte US-Präsident Clinton Panmunjon (direkt an der Grenze zu Nordkorea gelegen - Übers.) und warnte die KDVR davor, eigene Atomwaffen herzustellen:
"Fall sie sie jemals einsetzen, wird dies das Ende ihres Landes sein." ('Keesings Berichte von Weltereignissen', Juli 1993, S. 39.557).
In seiner ideologisch verbrämten Propaganda bezeichnete Washing- ton die KDVR weiterhin als die letzte noch verbliebene Bastion des 'Stalinismus', welche den internationalen Terrorismus finanziere.
Was den Vorwurf der Herstellung von eigenen Atomwaffen anging, so stellte sich im Verlauf verschiedener Inspektionen seitens der Internationalen Atomenergiebehörde(IAEA)heraus, die zwischen 1992 und 1994 in Nordkorea durchgeführt worden waren, heraus, dass es keine stichhaltigen Beweise dafür gab, dass Pyongyang dabei sei, Nuklearwaffen herzustellen oder dies auch nur beabsichtige. Letztendlich konnte die Krise durch die Unterzeichnung eines zweiseitigen Abkommens zwischen den USA und der KDVR, das ohne die Einbeziehung der Republik Korea zustandekam, am 21.10.1994 beigelegt werden. Seine wichtigsten Bestimmungen sind folgende:
1. die USA verpflichten sich, ein internationales Konsortium zu organisieren, um bis 2003 Leichtwasserreaktoren mit einer Gesamtkapazität von 2.000 Megawatt zu liefern. Dafür erklärt sich Nordkorea bereit, alle Arbeiten an seinen bestehenden Reak- toren und an ähnlichen Anlagen einzufrieren und sie ständig von Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde überprüfen zu lassen;
2. Nordkorea erklärt sich bereit, mit der IAEA uneingeschränkt zu kooperieren (indem es ihre Inspektionen akzeptiert);
3. die USA verpflichten sich außerdem, jährlich 500.000t schweres Heizöl zu liefern, um den Energieverlust auszugleichen, den Nordkorea dadurch erleiden würde, dass es vor der Inbetrieb- nahme der Leichtwasserreaktoren weniger Energie produzieren kann;
4. die beiden Staaten verpflichten sich, bestehende Handels- und Investitionshindernisse abzubauen und diplomatische Verbindungs- büros in Pyongyang und Washington einzurichten, als Vorstufe für die schließliche Normalisierung ihrer Beziehungen; und 5. würde sich die KDVR erneut am Nord-Süd-Dialog beteiligen.
Um die genannten Bestimmungen der Vereinbarung umzusetzen, wurde im März 1995 die Entwicklungsorganisation für die Koreanische Halbinsel (KEDO) gegründet. Die KEDO wurde mit der Aufgabe betraut, Nordkorea mit den beiden Leichtwasserreaktoren zu versorgen, um seine bestehenden auf Graphit basierenden Atom- kraftwerke auszurangieren.
Tatsächlich sind aber bis heute nur kleine Schritte unternommen worden, um das Abkommen zwischen den USA und Nordkorea aus dem Jahre 1994 angemessen zu verwirklichen. Es gab z.B. Verzögerungen bei der Belieferung Nordkoreas mit schwerem Heizöl und aus verschiedenen Quellen war unlängst zu vernehmen, dass der Bau der Reaktoren in der KDVR sich um sieben Jahre verzögern könne.
Obwohl in der Zwischenzeit eine extrem schwere Wirtschaftskrise Nordkorea heimgesucht hat, die zu einem dramatischen Rückgang des Lebensstandards der Bevölkerung geführt hat, konnte sich Washington dennoch nicht enthalten, auch nach Abschluss des 1994iger Abkommens auf Nordkorea wirtschaftlichen und militäri- schen Druck auszuüben. Unter Verletzung des Abkommens setzt Wash- ington sowohl seine Sanktionspolitik gegen die KDVR fort und veranstaltet gleichzeitig auf regelmäßiger Grundlage seine Kriegsmanöver auf der Koreanischen Halbinsel. Zusätzliche Truppen wurden stationiert, die nukleargetriebenen Schiffe auf den neues- ten Stand gebracht und U-boote für Angriffszwecke ringsum die Koreanische Halbinsel positioniert. Die so genannten 'RIMPAK'-Manöver aus dem Jahre 1998 verfolgten wie in der Vergangenheit das Ziel, die KDVR angeblich davon abzubringen, 'in den Süden einzumarschieren'. Darüberhinaus wurden zwischen Oktober und November (1998 - Übers.) weitere Manöver mit den Code-Namen '98 Foal Eagle' und '98 Hwarang' in enger militärischer Kooperation zwischen der Republik Korea, den USA und Japan und unter Hinzu- ziehung zusätzlicher Truppen, Flugzeugträger und Kriegsschiffe der 7., um Japan stationierten US-Flotte, durchgeführt. Im Juni 1998 erklärte der Verteidigungsminister der USA, James Cohen, dass die USA auch nach einer Wiedervereinigung Koreas ihre Truppen in Südkorea behalten würde.
Diese ständige, provokative Demonstration militärischer Stärke auf Seiten des US-Imperialismus, der den Norden und den Süden Koreas fast bis an den Rand eines zweiten Korea-Krieges gebracht hat, hat jedoch Pyongyang nicht davon abhalten können, den Ge- sprächsfaden für eine friedliche Lösung der nationalen Frage intakt zu halten.
Im März 1998 beteiligten sich die beiden koreanischen Staaten, die USA und China in Genf an den so genannten vierseitigen Gesprächen, um zu einem ständigen Friedensschluss auf der Kore- anischen Halbinsel zu gelangen. Diese Gespräche erbrachten jedoch keinerlei konkrete Ergebnisse, weil Washington sich weigerte, die offenstehenden Fragen des Truppenabzugs der USA und der Unter- zeichnung eines Friedensabkommens zwischen der KDVR und den USA mit auf die Tagesordnung zu setzen. Pyongyang ist der Auffassung, dass wenn erst einmal die US-Truppen abgezogen worden sind, dass dann auch alle weiteren offenen Fragen von den beiden koreani- schen Staaten in eigener Regie geregelt werden können, ohne dass die USA und China dabei sein müssen.
Die KDVR betrachtet sowohl den Truppenabzug der USA als auch den Abschluss eines Friedensvertrages zwischen den USA und der KDVR als prinzipielle Fragen, als Voraussetzung für Schritte in Richtung einer wahrhaften Wiedervereinigung und Unabhängigkeit. Pyongyangs Bestehen auf einen neuen, umfassenden Friedensvertrag mit Washington wird damit begründet, dass die USA und die KDVR die einzigen waren, die 1953 das Waffenstillstandsabkommen unter- zeichneten. Dazu Kim Il Jong:
"Die Frage der Wiedervereinigung unseres Landes ist eine Frage der Beendigung der ausländischen Beherrschung Südkoreas und der Einmischung in seine innere Angelegenheiten. ... Die Probleme der Verringerung der Spannungen und der Beseitigung der Kriegsgefahr für unser Land können gelöst werden, vorausgesetzt, die Vereinigten Staaten geben ihre feindliche Politik gegen unsere Republik auf und vorausgesetzt, dass ein Friedensvertrag zwischen der KDVR und den USA abgeschlossen wird. Unsere Republik und die Vereinigten Staaten befinden sich immer noch in dem Zustand eines vorläufigen Waffenstillstands und die Kriegsgefahr für unser Land ist immer noch nicht beseitigt. Um die Kriegsgefahr zu beseitigen und den Frieden zu gewährleisten, muss zwischen der KDVR und den Vereinigten Staaten ein neues friedensicherndes Reglement ge- schaffen werden." (Kim Jong Il, 'Lasst uns die Anweisungen des Großen Führers Kim Il Sung für die Nationale Wiedervereinigung befolgen', 4.8.1997, Pyongyang 1997, S. 2, S. 15).
Im April 1998 machte die KDVR erneut einen Fünfpunkte-Vorschlag für die nationale Wiedervereinigung:
1. Beachtung des Prinzips der nationalen Unabhängigkeit;
2. Herstellung der Einheit unter dem Banner des Patriotismus;
3. Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen;
4. Kampf gegen den Einfluss von auswärtigen und solchen Kräften, die gegen die Wiedervereinigung sind sowie
5. Herstellung von Kontakten, Führen von Gesprächen und Solidari- tät aller Koreaner.
Kim Jong Il:
"Das Bestehen auf Unabhängigkeit und auf der Aussöhnung zwischen dem Norden und dem Süden bei Fortführung einer Politik der Abhängigkeit, ist nichts als leeres Gerede. ... Wir müssen konsequent die Kriecherei vor den Großmächten und die Abhängigkeit von ausländischen Streitkräften zurückweisen und die Große Nationale Einheit auf der Basis der nationalen Unabhängig- keit herstellen. ... Die Forderungen und Interessen verschiedener Klassen und Schichten der Nation unterscheiden sich voneinander, aber die vorrangige Aufgabe, vor der unsere Nation heute steht, ist die Herstellung der nationalen Wiedervereinigung und dieser Sache müssen wir alles andere unterordnen. ...
Wir werden uns auch mit Angehörigen der herrschende Klasse vereinigen, mit Leuten aus der regierenden Partei, den großen Kapitalisten und Generälen (Südkoreas - Verf.) - unter dem Banner der Großen Einheit der Nation, wenn ihnen die gemeinsamen Inter- essen der Nation am Herzen liegen und wenn sie die Wiedervereini- gung des Landes anstreben. ... Ohne Kampf gegen die Herrschaft und Einmischung ausländischer Kräfte und die auf Teilung bedach- ten Kräfte im eigenen Land und im Ausland, ist es unmöglich, die Einheit zwischen dem Norden und dem Süden herzustellen, die Große Einheit der Nation und die Wiedervereinigung des Landes." (Kim Jong Il, 'Lasst uns das Land durch die Große Einheit der Ganzen Nation unabhängig und friedlich wiedervereinigen', Brief an die nationale Wissenschaftstagung zur Begehung des 50. Jahrestages der historischen Gemeinsamen Konferenz der Vertreter politischer Parteien und öffentlicher Organisationen in Nord- und Südkorea', 18.4.1998, Pyongyang 1998, S. 10, 12, 15).
Hieraus wird deutlich, dass durch diese Politik der KDVR-Führung die sozialistische Sache, der Marxismus-Leninismus, auf der Koreanischen Halbinsel weder gestärkt noch vorangebracht werden soll. Dies kann auch gar nicht anders sein, da Nordkorea ein revisionistischer Staat ist. Dennoch stellt der 5-Punkte-Plan aus dem Jahre 1998, der auf die Herstellung der Wiedervereinigung abzielt, für den US-Imperialismus und seine aggressiven Absich- ten, den Norden und den Süden zu beherrschen, eine Herausforde- rung dar. Aber für alle Völker Asiens und das koreanische Volk wäre die Aussicht auf eine Vereinnahmung des Nordens durch den Süden unter der Schirmherrschaft der USA ein schwerer Rückschlag.
Der gegenwärtige Kampf des koreanischen Volkes für seine Wieder- vereinigung und Unabhängigkeit - frei von US-amerikanischer Einmischung und seiner nuklearen Bedrohung - ist ein Wesensbe- standteil der internationalen anti-imperialistischen Revolution. Insofern muss der Kampf des koreanischen Volkes gegen den US-Imperialismus von allen demokratischen und fortschrittlichen Kräften der Welt hoch eingeschätzt und uneingeschränkt unter- stützt werden.
Enver Hoxha skizziert in seinem Buch 'Imperialismus und Revolu- tion' die Wechselbeziehung zwischen der anti-imperialistischen und der sozialistischen Revolution mit folgenden Worten:
"Wenn wir von der Revolution sprechen, dann meinen wir nicht nur die sozialistische Revolution. In der gegenwärtigen Epoche des revolutionären Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ist der Befreiungskampf der Völker, sind die national-demokratischen, anti-imperialistischen Revolutionen, die nationalliberalen Bewegungen auch Bestandteil des einheitlichen revolutionären Prozesses, der internationalen proletarischen Revolution, worauf schon Lenin und Stalin hingewiesen haben:
'Der Leninismus', so Stalin, 'hat bewiesen, ... dass das nationa- le Problem nur im Zusammenhang mit und auf der Grundlage der proletarischen Revolution gelöst werden kann und dass der Weg zum Sieg der Revolution im Westen über das revolutionäre Bündnis mit der Befreiungsbewegung in den Kolonien und den abhängigen Staaten gegen den Imperialismus führt. Die nationale Frage ist Teil der allgemeinen Frage der proletarischen Revolution, Teil der Frage der Diktatur des Proletariats.' ( J.W. Stalin, 'Werke', Band 6, S. 144).
Dieser Zusammenhang tritt heute noch deutlicher und selbstver- ständlicher in Erscheinung, da nach dem Zusammenbruch des alten Kolonialsystems die meisten Völker einen großen Schritt vorwärts in Richtung Unabhängigkeit getan haben, indem sie ihre eigenen Nationalstaaten gründeten und sie nach diesem Schritt auch vorhaben, noch weiter zu gehen. Sie wollen die Liquidierung des neokolonialen Systems, sie wollen die der imperalistischen Abhängigkeit überhaupt sowie die der Ausbeutung durch das Auslandskapital. Sie wollen die vollständige Souveränität und wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit. Es ist inzwischen erwiesen, dass solche Bestrebungen, solche Ziele nur durch die Ausschaltung jeder Art von Beherrschung und Abhängigkeit vom Ausland und durch die Liquidierung von Unterdrückung und Ausbeutung durch ansässige bürgerliche und große Landbesitzer verwirklicht werden können.
Hieraus ergibt sich der Zusammenhang und die Verflechtung der national-demokratischen, anti-imperialistischen und nationalen Befreiungsrevolution mit der sozialistischen Revolution, denn diese Revolutionen ebnen, indem sie dem Imperialismus und der Reaktion, die gemeinsame Feinde des Proletariats und der Völker sind, Schläge versetzen, auch den großen sozialen Umwandlungen den Weg und tragen zum Sieg der sozialistischen Revolution bei. Und umgekehrt schafft die sozialistische Revolution, indem sie der imperialistischen Bourgeoisie Schläge versetzt, ihre wirtschaftlichen und politischen Positionen zerstört, günstige Voraussetzungen für die Befreiungsbewegungen und erleichtert ihren Triumph. ... Daher haben wir, wenn wie die Schlussfolgerung ziehen, dass die Revolution eine Frage ist, die zur Lösung an- steht, dass sie auf der Tagesordnung steht, nicht nur die sozialistische Revolution vor Augen, sondern auch die anti-imperialistische, demokratische Revolution." (Enver Hoxha, 'Imperialismus und Revolution', Tirana 1979, S. 201-204).
Schlussfolgerung
Es wird höchste Zeit, dass das koreanische Volk wieder vereinigt wird - frei von ausländischer Einmischung, souverän in seinem eigenen Land und vollständig unabhängig. Deshalb müssen all seine anti-imperialistischen Anstrengungen, gleich ob im Norden oder im Süden oder außerhalb des Landes, konsequent und bedingungslos unterstützt werden, um sein unveräußerliches und heiliges Recht auf Unabhängigkeit zu verteidigen.
Um die friedliche Wiedervereinigung Koreas zu erreichen, müssen deshalb alle politischen und diplomatischen Maßnahmen, die von der KDVR unternommen werden und sich gegen den US-Imperialismus richten, von breitesten Teilen der Bevölkerung in verschiedenen Ländern, einschließlich den USA, publik gemacht und verteidigt werden. Gleichzeitig wird jedoch weder der Revisionismus im Norden, noch der pseudodemokratische Kapitalismus im Süden die koreanischen Arbeitermassen von der wirtschaftlichen und politischen Ausbeutung und Unterdrückung befreien. Eine echte soziale und nationale Befreiung kann nur durch eine sozialisti- sche koreanische Revolution unter Führung einer wahrhaft marxistisch-leninistischen Partei erreicht werden.
LANG LEBE DIE KOREANISCHE WIEDERVEREINIGUNG UND UNABHÄNIGIGKEIT! NIEDER MIT DEM KOREANISCHEN REVISIONISMUS! FÜR EIN UNABHÄNGIGES UND SOZIALISTISCHES KOREA!
Ausgewählte Bibliografie
1. 'Kurze Geschichte der Revolutionären Aktivitäten des Genossen Kim Il Sung', Institut für Parteigeschichte beim Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, Hg., Pyongyang 1969.
2. Degras, J., Hg., 'The Communist International: 1919-1943, Documents', Band 2, London 1971.
3. Hoxha, E., 'Imperialismus und Revolution', Tirana 1979.
4. Kim Han Gil, 'Modern History of Korea', Pyongyang 1979.
5. Kim Il Sung, 'Works', Bände 1-40, Pyongyang 1980-95.
6. Lenin, W.I., 'Collected Works', Bände 9, 23, 24, 25, 31, Moskau 1962-66.
7. Marx, K. & Engels, F., 'Collected Works', Bände 6, 25, 29, London 1976-87.
8. Scalpino, R.A. & Jun-Yop Kim, 'North Korea Today: Strategic and Domestic Issues', Berkeley 1983.
9. Shuhachi, I., 'Modern Korea and Kim Jong Il', Tokyo 1984.
10. Simons, G., 'Korea: The Search for Sovereignty', London 1995.
11. Sullivan & Foss, Hg., 'Two Koreas - One Future?', Lanham, MD, Great Britain, 1987.
12. Stalin, J.W., 'Works', Bände 7, 9, 12, 13, Moskau 1954/55.
13. Suh, D., 'Documents of Korean Communism, 1918-48', Princeton 1970.
Kontakt: N. Steinmayr, PO Box 4276, Melbourne University, Parkville, 3052, Vic., AUSTRALIA. Über diese Adresse ist auch das Buch in englischer Sprache erhältlich.
Prof. N. Steinmayr ist Dozent an der Universität Melbourne.
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