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Communist League of Britain
Der entscheidende theoretische Einfluss auf die Kommunistische Partei Deutschlands in
ihren frühen Jahren war der der in Polen geborenen Rosa Luxemburg, die 1897 nach
Deutschland kam:
"Rosa Luxemburg hat tiefe Spuren in der deutschen und polnischen kommunisti-
schen Bewegung hinterlassen. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass über
eine ganze Reihe von Jahren hinweg ... beide Parteien unter dem Einfluss ihrer
Ideen und Führung groß geworden sind."
(D. Manuilski, 'Die Bolschewisierung der Parteien', in: 'Kommunistische Interna-
tionale', Nr. 10, 1925, S. 59).
"All die neuen Parteiführer orientierten sich voll und ganz an den politischen Richt-
linien, die von Rosa Luxemburg im Gründungsdokument der KPD und in den darauf
folgenden politischen Stellungnahmen in der 'Roten Fahne' zum Ausdruck kamen.
Auf fast allen Gebieten war ihr Wort Gesetz. ... Und selbst als die ihrer Person ge-
genüber erwiesenen Huldigungen allmählich verblasst waren, war ihr Werk noch
lange Zeit die Quelle aller Lehrsätze in Deutschland."
(J. P. Nettl, 'Rosa Luxemburg', Band 2, London 1966, S. 787-8).
In ihrer Arbeit 'Die Akkumulation des Kapitals', die 1913 veröffentlicht wurde, entwickelte
sie den Gedanken, dass eine kapitalistische Gesellschaft das Problem der Kapitalakkumu-
lation nur dadurch lösen könne, dass sie in vorkapitalistische Wirtschaften expandiert und
dass, wenn diese Gebiete ... ausgeschöpft wären, der Kapitalismus zusammenbrechen
würde:
"Die tagtägliche Geschichte des Kapitals wird zu einer Kette politischer und sozia-
ler Katastrophen und Erschütterungen, und unter diesen Bedingungen kann die
Akkumulation, die von ständigen wirtschaftlichen Katastrophen und Krisen unter-
brochen wird, nicht mehr weitergehen. ...
Der Kapitalismus ... hat die Tendenz global zu werden .. und dies ist auch tatsäch-
der Grund, dass er zugrunde gehen muss."
(R. Luxemburg, 'Die Akkumulation des Kapitals', London 1951, S. 467).
Lenins Randbemerkungen zur 'Akkumulation des Kapitals' sind voller Kommentare wie
'falsch!' und 'Unsinn!', und er bezeichnete ihre wichtigste These als einen 'grundlegenden
Irrtum'.(W. I. Lenin, Anmerkungen zu R. Luxemburgs Buch 'Die Akkumulation des Kapitals',
in: 'Leninski Sbornik', Band 22, Moskau 1933, S. 343-6).
Dieser These entsprechend sah Rosa Luxemburg in den Völkern der Kolonialländer kein re-
volutionäres Potenzial und verneinte die Möglichkeit echter nationaler Befreiungskriege unter
dem Imperialismus. In ihrer Streitschrift 'Die Krise der deutschen Sozialdemokratie', die 1915
unter dem Pseudonym 'Junius' geschrieben wurde und 1916 erschien, erklärt sie:
"In der gegenwärtigen imperialistischen Umgebung kann es keine Kriege der natio-
nalen Selbstverteidigung geben."
(R. Luxemburg, 'Die Krise der deutschen Sozialdemokratie', in: 'Rosa Luxemburg
spricht', New York 1970, S. 305).
In seinem Kommentar zu ihrer Opposition gegen die polnische nationale Befreiungsbeweg-
ung, die gegen die Vorherrschaft durch das zaristische Russland gerichtet war, meinte
Lenin damals:
"In ihrer Besorgnis, der nationalistischen Bourgeosie Polens nicht zu 'helfen',
unterstützt Rosa Luxemburg faktisch durch ihre Leugnung des Rechts auf Los-
trennung im Programm der russischen Marxisten die großrussischen Schwarz-
hundertschaften (faschistoide Organisationen des russischen Landadels - Verf.)."
(W. I. Lenin, 'Über das Recht von Nationen auf Selbstbestimmung', in: 'Gesam-
melte Werke', Band 4, London 1943, S. 266).
Nach der sozialistischen Revolution in Russland im November 1917 verurteilte Rosa Lux-
emburg die Nationalitätenpolitik der Bolschewiki als 'konterrevolutionär':
"Die Bolschewiki sind teilweise für die Tatsache verantwortlich, dass die militäri-
sche Niederlage zum Zusammenbruch Russlands führte. Darüberhinaus haben die
Bolschewiki selbst in großem Umfang die objektiv vorhandenen Schwierigkeiten
dieser Lage durch eine Parole verschärft, die sie in den Vordergrund ihrer Politik
rückten: die des sogenannten Rechts auf Selbstbestimmung der Völker oder das,
was diese Parole tatsächlich beinhaltete - den Zerfall Russlands.
Eine nach der anderen nutzten diese 'Nationen' die neu zugestandenen Freiheiten
dazu, sich mit dem deutschen Imperialismus, dem Todfeind der Revolution, unter
deutschem Schutz gegen die Revolution zusammenzutun, um das Banner der
Konterrevolution nach Russland selbst hineinzutragen. ...
Die Bolschewiki ..., durch ihre leere nationalistische Phrasendrescherei von dem
'Recht auf Selbstbestimmung bis hin zur Lostrennung', ... erreichten nur, dass die
Massen in allen angrenzenden Ländern durch ihre Parole verwirrt wurden und liefer-
ten sie der Volksverführung der bürgerlichen Klassen aus. Durch diese nationalisti-
sche Forderung führten sie die Auflösung von Russland selbst herbei und legten
das Messer in die Hand des Feindes, der es in das Herz der Revolution stoßen
sollte.
Die Bolschewiki lieferten die Ideologie mit, die diesen konterrevolutionären Feldzug
tarnte; sie stärkten die Position der Bourgeosie und schwächten die des Proletariats."
(R. Luxemburg, 'Die Russische Revolution', in: 'Rosa Luxemburg spricht', New York
1970, S. 378, 380, 382).
In ähnlicher Weise war Rosa Luxemburg selbst in einem Land, in dem die bürgerlich-demo-
kratische Revolution nicht durchgeführt war, nicht in der Lage, das revolutionäre Potenzial
der Bauernschaft zu erkennen, wenn sie diese langfristig gesehen als reaktionäre Kraft an-
sah - eine Auffassung, die zum Eckpfeiler der trotzkistischen Theorie der 'permanenten Re-
volution' werden sollte:
"Rosa Luxemburg meinte, dass Lenin ... die Tatsache ... übersah, dass sie (die
Bauernschaft - Verf.) sicherlich und wahrscheinlich schon sehr bald ... in das Lager
der Reaktion übergehen würde."
(P. Fröhlich, 'Rosa Luxemburg. Ihr Leben und Werk', London 1940, S. 113).
Auf der Grundlage dieser Auffassung verurteilte sie nach der sozialistischen Revolution in
Russland im November 1917 die bolschewistische Politik der Verteilung des Bodens unter
die Bauernschaft als 'konterrevolutionär':
"Die von den Bolschewiki herausgegebene Parole von der sofortigen Inbesitznahme
und Aufteilung des Bodens durch die Bauern ... stellt der sozialistischen Umgestalt-
ung der landwirtschaftlichen Verhältnisse unüberwindliche Hindernisse in den Weg ...
Jetzt nach der 'Beschlagnahmung' ... gibt es eine enorme, neu formierte und ge-
waltige Masse von besitzenden Bauern, die ihren neu erworbenen Besitz mit Zäh-
nen und Klauen gegen jede sozialistische Attacke einer künftigen Sozialisierung
der agrarischen Wirtschaft verteidigen wird. ... Dies ist jetzt zu einer Frage von
Opposition und Kampf zwischen dem städtischen Proletariat und der Masse der
Bauernschaft geworden. ... Jetzt, wo der russische Bauer das Land mit seiner ei-
genen Faust ergriffen hat, denkt er nicht mehr im Traum daran, Russland und die
Revolution, der er sein Land verdankt, zu verteidigen. Die leninistische Agrareform
hat eine neue und mächtige Schicht von Feinden des Sozialismus unter den ein-
fachen Leuten auf dem Lande hervorgebracht - Feinde, deren Widerstand sehr viel
gefährlicher und hartnäckiger sein wird als der der großen adligen Landbesitzer."
(R. Luxemburg, 'Die Russische Revolution', in: 'Rosa Luxemburg spricht', New York
1970, S. 376, 377, 378).
Für Rosa Luxemburg war der Massenstreik mit ökonomischen Forderungen die entscheiden-
de Form des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse:
"Der Massenstreik ist bloß die Form des revolutionären Kampfes. ... Der Streik ist
der lebendige Pulsschlag der Revolution und gleichzeitig ihr stärkstes Antriebsrad.
Der Massenstreik ... ist ... die Bewegungsmethode der proletarischen Massen, ist
die Erscheinungsform des proletarischen Kampfes in der Revolution. ... In diesem
allgemeinen Zusammenhang spielt der rein politische Demonstrationsstreik eine
recht untergeordnete Rolle. ... Die Demonstrationsstreiks, die im Gegensatz zu den
Kampfstreiks, das größte Ausmaß an Parteidisziplin, bewusster Führung und poli-
tischem Denken aufweisen und deshalb als die höchste und reifste Form des Mas-
senstreiks angesehen werden müssen, spielen in Wirklichkeit die wichtigste Rolle
... zu Beginn einer Bewegung. ...
Die pedantische Darstellung, derzufolge der rein politische Massenstreik sich logisch
aus dem Streik als reifstes und höchstes Stadium ... ergibt, erweist sich als absolut
unzutreffend ...Die Bewegung als Ganze schreitet nicht vom ökonomischen zum po-
litischen Kampf. ...Jede große politische Massenaktion zerfällt, nachdem sie ihren
höchsten politischen Punkt erreicht hat, in eine Masse von ökonomischen Streiks.
Und dies trifft nicht nur zu auf jeden einzelnen großen Massenstreik, sondern auch
auf die Revolution als solche."
(R. Luxemburg, 'Der Massenstreik und die Gewerkschaften', in: 'Rosa Luxemburg
spricht', New York 1970, S. 182, 183, 184, 185).
Der ökonomische Streik, der für Rosa Luxemburg die entscheidende Form des revolutionä-
ren Kampfes der Arbeiterklasse war, hat ihr zufolge einen überwiegend spontanen Charakter:
"Der Massenstreik kann nicht nach Belieben ausgerufen werden, selbst wenn die
Entscheidung dafür vom höchsten Gremium der stärksten sozialdemokratischen
Partei kommen sollte. ...
Das spontane Element spielt bei allen russischen Massenstreiks ausnahmslos eine
hervorragende Rolle. ... Das Element der Spontaneität spielt deshalb eine so wichti-
ge Rolle, weil Revolutionen niemanden gestatten, sie zu schulmeistern."
(R. Luxemburg, ebenda, S. 187, 188).
Ausgehend von ihrer Ansicht des vorwiegend spontanen Charakters der 'entscheidenden
Form des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse', wandte sie sich mit Worten wie 'ge-
fährlich' und 'blanquistisch' gegen Lenins Vorstellungen von der Notwendigkeit einer diszipli-
nierten Avantgarde-Partei, auf der Basis eines festen demokratischen Zentralismus. In ihrem
Artikel 'Organisationsfragen der Sozialdemokratie', der 1904 als Besprechung von Lenins
Buch 'Was tun?' zum ersten Mal erschien, schreibt sie:
"Lenins Zentralismus ... stellt eine mechanische Übertragung der Organisations-
prinzipien des Blanquismus auf die Massenbewegung der sozialistischen Arbei-
terklasse dar. ... Seine Auffassung von sozialistischer Organisation ist recht me-
chanistisch. ... Die Tendenz geht dahin, den leitenden Organen der sozialistischen
Partei eine herkömmliche Rolle zuzubilligen. ... Wir betonen, dass wenn Lenin dem
höchsten Organ der Partei solche absoluten Vollmachten negativen Charakters
zuerkennen will, dies den Konservatismus, der einem solchen Organ ohnehin von
Natur aus zukommt, in gefährlichem Umfang verstärkt. ... Dem Ultrazentralismus,
der von Lenin gefordert wird, haftet viel von dem sterilen Geist des Vorarbeiters an.
Das ist kein positiver und kreativer Geist. Lenin geht es nicht so sehr darum, die
Tätigkeit der Partei fruchtbarer zu gestalten, sondern sie zu kontrollieren - die Be-
wegung einzuengen, statt sie zu entwickeln, ihr Fesseln anzulegen, statt sie zu-
sammen zu führen. In der derzeitigen Situation wäre ein solches Experiment für
die russische Sozialdemokratie doppelt gefährlich. ... Wir können uns keine grö-
ßere Gefahr für die russische Partei vorstellen als Lenins Organisationsplan. Nichts
wird die junge Arbeiterbewegung mit Sicherheit so an eine intellektuelle Elite, die
nach Macht giert, versklaven wie diese bürokratische Zwangsjacke, die die Bewe-
gung lähmen und sie in einen Automaten verwandeln wird, der von einem Zentral-
komitee manipuliert wird."
(R. Luxemburg, 'Organisationsfragen der Sozialdemokratie', in: 'Rosa Luxemburg
spricht', New York 1970, S. 118, 119, 121, 122, 126-7).
Rosa Luxemburg teilte nicht nur Leon Trotzkis antileninistische Auffassungen in Bezug auf
die Frage der Rolle der Bauernschaft oder was die Frage der Organisation der Partei der
Arbeiterklasse anging, sondern auch in der Frage der Möglichkeit des Aufbaus des Sozial-
ismus in einem einzelnen Land:
"Natürlich - das Proletariat eines einzelnen Landes kann auch mit einem noch so
großen Heroismus diese Schlinge nicht lockern."
(R. Luxemburg: 'Das alte Muttermal', in: 'Gesammelte politische Schriften', London
1972, S. 227).
"Die unbequeme Lage, in der sich die Bolschewiki heute befinden, ist aber nicht
nur eine Folge ihrer eigenen Fehler, sondern auch eine Konsequenz der grundsätz-
lichen Unlösbarkeit des Problems, das ihnen vom internationalen und besonders
vom deutschen Proletariat gestellt wurde: die Diktatur des Proletariats und die so-
zialistische Revolution in einem einzelnen Land durchzuführen, das von reaktionä-
rer imperialistischer Herrschaft umgeben ist und inmitten der Furie des blutigsten
Weltkriegs in der Geschichte der Menschheit - dies würde die Quadratur des Krei-
ses verlangen. Jede sozialistische Partei würde bei dieser Aufgabe versagen und
zugrunde gehen."
(R. Luxemburg, 'Die Russische Tragödie', in: ebenda, S. 241-2).
Und ähnlich wie Trotzki bemühte sie sich in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg um eine
Wiedervereinigung von Bolschewiki und Menschewiki, um die Trennlinie zwischen Marxis-
mus-Leninismus und Revisionismus zu verwischen:
"Der andere Plan wurde von Rosa Luxemburg vorgeschlagen. ... Diesem Plan zu-
folge wurde eine 'Einigungskonferenz' vorgeschlagen, um 'eine einheitliche Partei
wiederherzustellen'. ... Dieser letzte Plan ... war nur der Versuch aufseiten Rosa
Luxemburgs, den zu trauriger Berühmtheit gelangten 'Tyszko-Kreis' ('Tyszko' war
der Pseudonym von Leo Jogiches - Verf.) wieder heimlich in seine alten Rechte
einzusetzen."
(W. I. Lenin, 'Eine gute Resolution und eine schlechte Rede', in: 'Gesammelte Wer-
ke', Band 4, London 1943, S. 209).
Bei diesen Ansichten nimmt es nicht Wunder, dass Rosa Luxemburg der unter der Führung
der Bolschewiki im November 1917 gebildeten sowjetischen Regierung nur feindlich ge-
sonnen sein konnte:
"Die Pressefreiheit, die Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit ... sind für alle
Gegner des sowjetischen Regimes abgeschafft worden. ... Ohne eine freie und
nicht gegängelte Presse, ohne das unbegrenzte Recht, Vereinigungen zu bilden
und sich zu versammeln, ist die Herrschaft der breiten Masse des Volkes völlig
undenkbar. ... Freiheit nur für die Anhänger der Regierung ... ist überhaupt keine
Freiheit. ... Lenin vertut sich vollkommen bei der Anwendung seiner Methoden.
Dekret, diktatorische Vollmacht für den Fabrikaufseher, drakonische Strafen, Herr-
schaft durch Terror - all diese Dinge dienen nur der Bemäntelung. Es ist diese
Herrschaft durch den Terror, die demoralisiert. ...Zusammen mit der Unterdrückung
des politischen Lebens im Land muss das Leben in den Sowjets auch nach und
nach zum Erliegen kommen. Ohne allgemeine Wahlen, ohne die uneingeschränkte
Presse- und Versammlungsfreiheit, ohne den freien Wettbewerb der Meinungen
muss das Leben in jeder öffentlichen Einrichtung absterben und zu einem Schat-
tendasein werden, in dem nur noch die Bürokratie das einzig aktive Element dar-
stellt. Das öffentliche Leben schläft nach und nach ein, ein paar Dutzend Partei-
führer mit unerschöpflicher Energie und schier unbegrenzter Erfahrung lenken und
leiten. ...
Was bleibt sind die Geschäfte einer Clique - einer Diktatur freilich; nicht die der Dik-
tatur des Proletariats, sondern die der Diktatur einer Handvoll von Politikern. ... Sol-
che Verhältnisse müssen zwangsläufig zu einer Brutalisierung des öffentlichen Le-
bens führen."
(R. Luxemburg, 'Die Russische Revolution', in: 'Rosa Luxemburg spricht', New York
1970, S. 389, 391).
Ausgehend von Stalins Feststellung, dass viele der ernsten politischen Fehler, die von der
Kommunistischen Partei Deutschlands begangen wurden, das Resultat sozialdemokratischer
Überbleibsel waren, die beseitigt werden müssten (September 1924), richteten die 'Thesen
zur Bolschewisierung der Parteien der Komintern', die auf dem Fünften Plenum des EKKI im
März/April 1925 verabschiedet wurden (EKKI - Geschäftsführender Ausschuss der Kommu-
nistischen International - Übers.) das besondere Augenmerk auf die Schädlichkeit des Lux-
emburgismus:
"Das echte Sich-zu-eigen-Machen des Leninismus und seine praktische Anwendung
bei der Bildung von kommunistischen Parteien in der ganzen Welt ist unmöglich
ohne die Beschäftigung mit den Fehlern sehr prominenter Marxisten, die sich be-
müht haben, den Marxismus auf die Bedingungen einer neuen Epoche anzuwen-
den, ohne dass ihnen dies immer gelungen wäre.
Zu diesen Fehlern gehören auch jene von Rosa Luxemburg. Je näher diese politi-
schen Führer dem Leninismus kommen, umso gefährlicher sind diejenigen ihrer
Ansichten, die nicht mit dem Leninismus übereinstimmen und falsch sind."
(Thesen zur Bolschewisierung der Parteien der Komintern, 5. Plenum des EKKI,
in: 'Internationale Pressekorrespondenz', Band 5, Nr. 47, 4. Juni 1925, S. 616).
Die Thesen beschreiben die wichtigsten Irrtümer des Luxemburgismus wie folgt:
"a) Die unbolschewistische Methode der Behandlung der Fragen der 'Spontaneität',
des 'Bewusstseins', der 'Organisation' und der 'Massen', ..., die häufig die revolutio-
näre Entwicklung des Klassenkampfes behinderten, verhinderte ein richtiges Ver-
ständnis für die Rolle der Partei in der Revolution;
b) die Unterschätzung der technischen Seite der Vorbereitung des Aufstandes be-
hinderte und in einigen Fällen behindert sogar heute noch die zutreffende Behand-
lung der 'Organisierung der Revolution';
c) den Fehler in der Frage der Haltung gegenüber der Bauernschaft;
d) ähnlich schwerwiegend waren die Irrtümer, denen Rosa Luxemburg in der Na-
tiionalitätenfrage erlag. Die Zurückweisung der Forderung nach Selbstbestim-
mung (Unterstützung der Bildung unabhängiger Staaten) mit der Begründung,
dass es im Imperialismus 'unmöglich' sein soll, die nationale Frage zu lösen,
führte in der Folge zu einer Art Nihilismus (grundsätzliche Verneinung von Er-
kenntnis- und Handlungsmöglichkeiten - Übers.) in der Nationalitätenfrage, was
die kommunistische Arbeit in einer ganzen Reihe von Ländern ernsthaft behin-
dert hat;
e) die Herausstellung des parteipolitischen Charakters von Gewerkschaften ...
war ein großer Fehler, der bewies, dass sie nicht verstand, dass es sich bei
den Gewerkschaften um Einrichtungen handelt, die alle Arbeiter umschließen.
Dieser Fehler hat es sehr erschwert und erschwert es immer noch, dass die kom-
munistischen Parteien gegenüber der Arbeiterklasse als Ganze das richtige Ver-
hältnis finden;
f) während die Komintern der Größe Rosa Luxemburgs Achtung zollt - einer der
Gründerinnen der Kommunistischen Internationale - ist die Komintern gleichzei-
tig der Auffassung, dass sie in ihrem Geist handelt, wenn sie jetzt die Parteien
der Komintern dabei unterstützt, die Lehren aus den Fehlern zu ziehen, die von
dieser großen Revolutionärin begangen wurden. Ohne die Irrtümer des Luxem-
burgismus zu überwinden, ist eine echte Bolschewisierung unmöglich."
(ebenda, S. 616).
Im November 1931 wurde Stalins Brief an die Zeitschrift 'Proletarische Revolution' unter
der Überschrift 'Einige Fragen, die Geschichte des Bolschewismus betreffend' veröffent-
licht. Darin erneuert er, allerdings in schärferen Worten, die Kritik an der Theorie und Praxis
des Luxemburgismus:
"Organisatorische und ideologische Schwäche war ein Wesenszug der linken
Sozialdemokraten, nicht nur in der Zeit vor dem Krieg. Wie man weiß, behielten
die Linken dieses negative Merkmal auch in der Nachkriegszeit bei. Jedem ist
Lenins Einschätzung der deutschen linken Sozialdemokraten aus seinem berühm-
ten Artikel 'Über die Junius-Broschüre' (Junius = Rosa Luxemburg - Verf.) bekannt,
die er im Oktober 1916 verfasste und in der er eine ganze Reihe schwerer politischer
Fehler, die von den linken Sozialdemokraten in Deutschland begangen wurden,
kritisierte.
Er spricht dort von der 'Schwäche ALLER deutschen Linken, die von allen Seiten
von dem abscheulichen Netz kautskischer Heuchelei, Pedanterie und 'Freund-
schaft' mit den Opportunisten umsponnen sind; er spricht dort davon, dass 'Ju-
nius sich noch nicht vollständig von der 'Umgebung' der deutschen wenn auch
linken Sozialdemokraten gelöst hat, die Angst haben vor einer Spaltung und da-
vor, revolutionäre Parolen bis zuende auszusprechen' ... Die Linken in Deutsch-
land ... haben immer wieder zwischen Bolschewismus und Menschewismus
geschwankt. ...
Im Jahre 1903 ... sprachen sich die linken deutschen Sozialdemokraten Parvus
und Rosa Luxemburg gegen die Bolschewiki aus. Sie warfen ihnen extrem zen-
tralistische und blanquistische (putschistische - Übers.) Tendenzen vor. Darauf-
hin griffen die Menschewisten diese vulgären und spießbürgerlichen Beiworte auf
und verbreiteten sie überall .
1905 ... erfanden Parvus und Rosa Luxemburg ... die utopische und halbmensche-
wistische Theorie von der permanenten Revolution (eine verzerrte Wiedergabe
der marxistischen Revolutionstheorie), die von hinten bis vorne mit der mensche-
wistischen Ablehnung einer Politik des Bündnisses zwischen der Arbeiterklasse
und der Bauernschaft versetzt wurde und stellten diese Theorie der bolschewis-
Die linken Sozialdemokraten im Westen entwickelten die halbmens
im Oktober 1916 verfasste und in der er eine ganze Reihe schwerer politischer
Fehler, die von den linken Sozialdemokraten in Deutschland begangen wurden,
kritisierte. Er spricht dort von 'der Schwäche ALLER deutschen Linken, die von
allen Seiten von dem heimtückischen Netz kautskianischer Heuchelei, Kleinig-
keitskrämerei und 'Freundschaft' mit den Opportunisten umsponnen sind; er spricht
dort davon, dass 'Junius sich noch nicht vollständig von der 'Umgebung' der wenn
auch linken Sozialdemokraten, die Angst haben vor einer Spaltung, die Angst ha-
ben, revolutionäre Parolen zuende auszusprechen', ... gelöst hat. ... Die Linken
in Deutschland haben immer und immer wieder zwischen Bolschewismus und
Menschewismus geschwankt. ...
tischen von der revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der
Bauernschaft entgegen. Daraufhin wurde diese halbmenschewistische Theorie
von der permanenten Revolution von Trotzki aufgegriffen und in eine Waffe für den
Kampf gegen den Leninismus umgeschmiedet.
Die linken Sozialdemokraten im Westen entwickelten die halbmenschewistische
Theorie des Imperialismus, wiesen das Prinzip der Selbstbestimmung der Natio-
nen im marxistischen Sinne zurück (einschließlich der Lostrennung und Bildung
von unabhängigen Staaten), wandten sich gegen die These, dass die Befreiungs-
bewegung in den Kolonien und den unterdrückten Ländern von großer revolutionä-
rer Bedeutung sei, wandten sich gegen die These, dass eine Einheitsfront zwischen
der proletarischen Revolution und der nationalen Befreiungsbewegung möglich sei
und stellten diesen halbmenschewistischen Eintopf, der nichts anderes darstellte
als eine Unterschätzung der nationalen und kolonialen Frage, der marxistischen
Theorie der Bolschewiki entgegen. Es ist bekannt, dass dieser halbmenschewisti-
sche Eintopf später von Trotzki aufgegriffen wurde, der ihn dann im Kampf gegen
den Leninismus als Waffe benutzte. Das waren die allgekannten Fehler der linken
Sozialdemokraten in Deutschland.
Ich kann mir Ausführungen ... über die Fehler, die sie bei der Einschätzung der
Politik der Bolschewiki in der Zeit der Oktoberrevolution begingen, ersparen. ...
Natürlich ... muss man ihnen auch große und bedeutsame revolutionäre Taten zu-
gute halten. ... Aber dies kann nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, dass die
linken Sozialdemokraten in Deutschland wirklich eine ganze Reihe sehr schwerer
politischer und theoretischer Fehler begangen haben; dass sie sich bis jetzt noch
nicht von ihrer menschewistischer Erblast befreit haben."
(J. W. Stalin, 'Einige Fragen, die Geschichte des Bolschewismus betreffend', in:
'Leninismus', London 1924, S. 390, 391-2, 393-4).
Der Brief wurde umgehend von den offenen Revisionisten, darunter Leon Trotzki, attackiert:
"In ihm findet man gemeine und unverhüllte Verleumdungen von Rosa Luxemburg.
Diese große Revolutionärin wird von Stalin dem Lager des Zentrismus zugeordnet!
... Stalin sollte sich in Acht nehmen, bevor er seine bösartige Mittelmäßigkeit auf-
braucht, wenn es um Personen von solcher Statur geht wie die von Rosa Luxem-
burg."
(L. Trotzki, 'Hände weg von Rosa Luxemburg', in: 'Rosa Luxemburg spricht', New
York 1970, S. 441, 446).
Als die heimlichen Revisionisten 1956 ihre Maske ablegten, verurteilten sie ebenfalls Sta-
lins Brief in scharfen Worten:
"Durch ihn wurden sektiererische Auffassungen, besonders über die Sozialdemo-
kratie und ihren linken Flügel in der KPD genährt."
('Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Chronik', Band 2, Berlin 1966,
S. 278).
Trotzki ereiferte sich in dem oben genannten Artikel auch darüber, dass Stalin in seinem
Brief Rosa Luxemburg und Parvus ( = Alexander Helphand) die Urheberschaft an der Theo-
rie der 'permanenten Revolution' zuerkannt hatte und wies darauf hin, dass Stalin noch in
seinem Werk 'Über Probleme des Leninismus', das 1926 veröffentlicht wurde, Parvus und
Trotzki als Autoren nannte, die die Theorie als erste dargelegt hatten. Stalin präzisierte sei-
ne Position im Januar 1932 wie folgt:
"Es war nicht Trotzki, sondern es waren Rosa Luxemburg und Parvus, die die Theo-
von der 'permanenten Revolution' erfanden. Es war nicht Rosa Luxemburg, sondern
es waren Parvus und Trotzki, die 1905 die Theorie der 'permanenten Revolution'
herausstellten und sich für sie stark machten, gegen Lenin. Später setzte sich
auch Rosa Luxemburg aktiv gegen den leninschen Plan der Revolution ein. Aber
das war nach 1905."
(J. W. Stalin, 'Antwort an Olekhnowitsch und Aristow', in:'Werke', Band 13, Mos-
kau 1955, S. 133, 134).
Am 8. Januar 1932 brachte das Organ der Kommunistischen Partei Deutschlands, die 'Ro-
te Fahne', einen Artikel, in dem Stalins Brief gebilligt und erklärt wird, dass der Einfluss
des Luxemburgismus 'das größte Hindernis' für die Schaffung einer marxistisch-leninisti-
schen Partei in Deutschland gewesen sei:
"Die Kommunistische Partei Deutschlands begrüßt den Brief des Genossen Sta-
lin als ein Dokument, das die deutschen Kommunisten auffordert, einen energi-
schen Kampf gegen alle sozialdemokratischen Einflüsse innerhalb der revolutionä-
ren Bewegung zu führen, gegen die Überreste des Zentrismus und des Luxembur-
gismus in der Partei. ...
Das Unvermögen aufseiten der deutschen Linksradikalen, vollständig mit Opportu-
nismus und Zentrismus zu brechen, hatte negative Auswirkungen auf die gesamte
Orientierung des Spartakus-Bundes während des Krieges. Seine Nachwirkungen
waren noch an den Schwankungen und den Aktionen der verschiedenen liquidato-
rischen und oppositionellen Strömungen in der KP Deutschlands auszumachen und
erschwerten eine vollständige Erfüllung der Aufgaben der Partei. So wurde dieses
Versagen der deutschen Linken zum größten Hindernis für die Entwicklung und den
Sieg der revolutionären Bewegung des deutschen Proletariats."
('Der Brief des Genossen Stalin und die KPD', in: 'Internationale Pressekorrespon-
denz', Band 12, Nr. 4, 28. Januar 1932, S. 73).
Ein von Fritz Heckert verfasster Artikel, der etwas später im Januar 1932 veröffentlicht wur-
de, der an den Jahrestag des Mordes an Rosa Luxemburg erinnerte, lag auf der gleichen
Linie:
"Unter der ideologischen Führung von Rosa Luxemburg entwickelte sich eine im
Wesentlichen falsche Idee vom Wesen des Imperialismus, was zur Theorie vom
mechanischen Zusammenbruch des Kapitalismus führte. Daraus ergab sich dann
wiederum die Theorie von der Spontaneität der Massen, die sich von den Irrtümern
und Verbrechen der sozialdemokratischen Führer abkehren würden, um sich um
die revolutionäre Führung zu scharen. Dies war auch der Grund, weshalb keine
Schritte unternommen wurden, um eine unabhängige revolutionäre Partei zu grün-
den. Es wurde nicht erkannt, dass die Partei nur die Vorhut des Proletariats sein
kann, sein fortschrittlichster, tatkräftigster und bewusstester Teil. Diese falschen
Vorstellungen kann man nicht losgelöst von anderen Fehlern sehen, die ähnlich
schwerwiegend waren ... wie das Unvermögen, die Rolle der revolutionären Gewalt
zu erkennen oder die Irrtümer in der Nationalitäten- und Bauernfrage.
Aufgrund der Nachwirkungen des sozialdemokratischen Einflusses in der Kommu-
nistischen Partei Deutschlands wurden solche schweren Fehler begangen wie im
Jahre 1921 bei den Märzaktionen und 1923 in der Oktoberbewegung, und die große
Zahl von Verrätern in ihren Reihen führte dazu, dass die Partei lange Zeit daran ge-
hindert wurde, sich zu einer wahrhaft bolschewistischen Partei fortzuentwickeln.
Die Ausmerzung sämtlicher falscher Vorstellungen ist eine unverzichtbare Notwen-
digkeit für jede bolschewistische Partei. ... Erst vor kurzem hat der Genosse Stalin
darauf erneut dringend hingewiesen. ... Es würde auf eine Entweihung der beiden
großen Toten hinauslaufen, wenn wir mit den Renegaten um die Bewahrung ihrer
Irrtümer wetteifern würden."
(F. Heckert, 'Der 15. Januar 1919', in: 'Internationale Pressekorrespondenz', Band
12, Nr. 2, 14. Januar 1932, S. 29)