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(Zeitschrift der Britisch-Albanischen Freundschaftsgesellschaft)
Ausgabe 32, Nr. 2, 1985
Gedenkausgabe anlässlich des Todes von Enver Hoxha
Interview mit Enver Hoxha
( Wir veröffentlichen im Folgenden ein Interview, das Enver Hoxha, Erster Sekretär des
Zentralkomitees der Partei der Arbeit Albaniens, Professor Paul Milliez, Präsident der
Französisch-Albanischen Freundschaftsgesellschaft, gab. Nexhmije Hoxha, Enver Hox-
has Frau, und Ramiz Alia, der damalige Sekretär des ZK der PAA und Mitglied des Po-
litbüros, waren ebenfalls anwesend).
Milliez: Herr Erster Sekretär - Sie sind eine herausragende Gestalt. De Gaulle sagte
einmal zu mir, dass er immer zwei Leute bewundert habe: Enver Hoxha und
Boumedienne, obwohl der letzte sein Gegner gewesen war.
Hoxha: Wir haben viele Freunde in Frankreich und in anderen Ländern und wir zählen
auf ihre Freundschaft. Aber wir haben auch Feinde.
M.: Es ist normal, dass man Feinde hat.
H.: Die Außenpolitik unseres Landes war richtig und sie wird es in Zukunft bleiben:
eine unabhängige, freie, souveräne und ehrliche Politik. Ich habe unsere Mei-
nung zu Dingen, die sich in der Welt ereignen, offen gesagt und tue dies auch
jetzt, aber dies ist nicht nach dem Geschmack einiger Leute.
M.: Ihre jugoslawischen Feinde sprechen schlecht über Sie.
H.: Sie stehen unserer Haltung äußerst feindselig gegenüber und sagen Dinge
über uns, die niemand glauben kann. Zum Beispiel behaupten sie, dass wir
den Wunsch haben, Jugoslawien zu destabilisieren, obwohl wir nie eine sol-
che Sache ins Auge gefasst oder gesagt haben. Darüberhinaus beschuldigen
sie uns, die Ereignisse, die sich in 1981 in Kosova zutrugen, provoziert zu ha-
ben, was überhaupt nicht wahr ist. Die Leute, die für die tragischen Ereignisse
in Kosova verantwortlich sind, sind die Jugoslawen selbst.
Wir haben unsererseits öffentlich und auch über offizielle Kanäle unsere Posi-
tion zugunsten der gerechten Forderungen unserer kosovarischen Brüder darge-
legt - Forderungen, die mit der jugoslawischen Verfassung übereinstimmen.
M.: Westeuropa hat begonnen, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, Ihre Politik
zu verstehen. Es scheint, dass man in Paris die Haltung Großbritanniens zur
Frage des Goldes inzwischen als ungerecht ansieht.
H.: Wir haben vierzig Jahre lang darauf gewartet, dass die Briten das Gold, das sie
erbeutet haben, wieder zurückgeben. Was die Amerikaner betrifft, so sind sie
ziemlich skrupellos. Sie verlangen, dass wir das Vermögen von Albanern, die
jetzt in den Vereinigten Staaten leben, herausgeben - Vermögen, das ihnen zu-
folge einen Wert von ungefähr $1.900.000 hat. Aber wir haben ihnen gesagt:
Gebt uns Beweise, gestützt durch Dokumente, zu amerikanischem Eigentum,
das in unserem Land verstaatlicht worden ist, so dass wir dieser Frage konkret
nachgehen können.
Auch die Briten haben gegenüber unserem Land und unserem Volk eine unrich-
tige Haltung eingenommen. Die Geschichte über die Minen, die im Korfu-Kanal
gelegt und von denen ihre Kriegsschiffe getroffen wurden, entbehrt jeder Grundla-
ge. Zu jener Zeit besaßen wir weder Minen noch die Mittel, die erforderlich sind,
um sie zu legen. Trotzdem - als sich der Vorfall ereignete, schickten wir Mann-
schaften, um ihre Matrosen zu retten. Sie verschweigen die Wahrheit und hören
nicht auf, uns zu verleumden.
Wir müssen auch die Deutschen wegen ihrer Haltung, die sie unserem Land ge-
genüber eingenommen haben, kritisieren und unsere Kritik basiert auf Dokumen-
ten. Wir stellen jedoch einen Wandel in ihrer Haltung fest. Ihre Presse ist uns
gegenüber nicht so feindselig und dies trifft auch auf die Presse in bestimmten
anderen westlichen Ländern zu. Wir möchten gute Beziehungen zur Bundesre-
publik Deutschland, aber gleichzeitig möchten wir, dass sie die Wiedergutmach-
ungszahlungen leistet, die sie uns schuldet.
M.: In Ihrem Lande sagt man, dass es ohne Enver Hoxha kein Albanien geben würde.
H.: Ich bin nur ein Mitglied der Partei der Arbeit und diene nur meinem Volk. Jeder
Erfolg, der hier erzielt wird, geht auf unsere eigenen Bemühungen zurück. Alles
ist mit dem Volk und zusammen mit ihm erreicht worden. Die Feinde unseres
Landes sagen, dass ich ein Diktator bin. Aber eine einzelne Person kann weder
mit der nötigen Kraft handeln noch arbeiten, wenn sie nicht von Freunden und
Genossen umgeben ist.
M.: Sie haben eine Menge geschrieben, besonders über den Islam.
H.: Solange ich die Kraft habe, auf meinen Füßen zu stehen, werde ich nicht auf-
hören, für mein Volk und für meine wahren Freunde zu schreiben, damit sie sich
den Kampf unseres Volkes für Freiheit, Unabhängigkeit und Sozialismus verge-
genwärtigen können.
Jedes Land verfolgt seine eigene Politik, durch die es seine Rechte verteidigt.
Es gibt jedoch einige Kreise und Individuen im Ausland, die uns vorwerfen, die
Kirchen und Moscheen zerstört zu haben. Diesen Leuten sagen wir: Wir mischen
uns weder in die Angelegenheiten anderer Länder ein noch beabsichtigen wir dies.
Deshalb wünschen wir genauso, dass andere Länder sich nicht in unsere Angele-
genheiten einmischen. Was die Religion angeht, so können wir in unserem Land,
in unserem Volk keinen 'Staat' dulden, der wie der Vatikan Ausländer unterstützt,
der vom Imperialismus abhängig ist. Auf der anderen Seite haben wir nie jemanden
gezwungen und zwingen niemanden, durch Anwendung administrativer Mittel sei-
ne religiösen Überzeugungen aufzugeben. Religion ist eine Frage des eigenen Ge-
wissens. Zur Zeit stellen die griechisch-orthodoxen Geistlichen die reaktionärsten,
gegen unser Land gerichteten Kreise dar. Sie versuchen den Leuten einzureden,
dass alle orthodoxen Christen unter uns Griechen sind. Sie stellen sich sogar ge-
gen Papandreou und lehnen seine Politik unserem Land gegenüber ab. Aber alles
wird sich zum Guten wenden, unabhängig von den Drohungen der Reaktionäre.
M.: Sie haben diese Zuversicht?
H.: Ja, wir sind zuversichtlich und wir haben Geduld. Unsere enge Verbundenheit mit
dem Volk ist für uns von großer Bedeutung. Über lange Zeiträume hinweg haben
wir einge ganze Menge Schwierigkeiten überwunden und viele Entbehrungen auf
uns genommen, aber wir haben zu keiner Zeit die Menschen gegen uns gehabt.
Im Gegenteil: Sie sind zufrieden und es ist ihnen bewusst, dass wenn der Staat
und die Regierung nicht mehr für sie getan haben, dies daran lag, dass es nicht
möglich war, dies zu tun. Unsere Feinde sagen, dass Albanien allein dasteht,
dass es isoliert ist, dass es keinen Handel mit anderen Ländern treibt. Aber wir
haben Handelsbeziehungen mit all jenen Ländern, die ihn auf der Grundlage des
gegenseitigen Vorteils und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten
wünschen. Für die Jugoslawen ist dies etwas Unnormales. Aber unsere Wirtschaft
ist nie auf den Stand herabgesunken, auf dem sich die jugoslawische Wirtschaft
befindet. Unser Land hat sich nie von Krediten und Darlehen aus dem Ausland ab-
hängig gemacht. Und so wird es immer sein, im Unterschied zu dem, was die Ju-
goslawen in ihrem Land gemacht haben.
M.: Warum hat sich Ihrer Meinung nach Stalin nicht um seine Nachfolge gekümmert?
H.: Stalin hat tatsächlich darüber nachgedacht. Auf dem 19. Parteitag erweiterte er
das Zentralkomitee und das Politbüro, um die Führung der Partei nach seinem
Tod zu festigen. Aber er war - so ein bisschen wie de Gaulle - von getarnten Fein-
den umgeben, die ihm ständig falsche Berichte vorlegten. Er sagte ihnen einmal:
'Nach meinem Tode werdet Ihr den Ausverkauf der Sowjetunion betreiben!' Aber
es gelang ihm nicht, sie rechtzeitig zu schlagen.
Stalin war ein großer Mann. Ich kannte ihn aus nächster Nähe: Ich traf ihn fünf-
mal. Er war ein kluger und vernünftig denkender Mann. Er bekämpfte die Feinde
der Sowjetunion und des Kommunismus.
Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg festigte Stalin die Position der Sowjetunion
politisch, wirtschaftlich und militärisch. Es war ihm nicht entgangen, dass sein
Land unterwandert, ernsthaft unterwandert wurde. Ich habe es von Chruschtschow
Mikojan aus eigenem Munde erfahren, dass sie gegen Stalin ein Komplott orga-
nisiert hatten, dass sie die Absicht hatten, ihn in einem Putsch zu ermorden,
aber das Volk fürchteten. Solche Kriminellen und Mörder waren sie. Sogar noch
nach Stalins Tod riefen sie weiter: 'Lang lebe Stalin!' und 'Stalin war ein großer
Mann'. Aber von einem bestimmten Zeitpunkt an, als sie ihre Positionen gefestigt
hatten, haben sie ihren berüchtigten Angriff gegen ihn unternommen. Sie beschul-
digten Stalin all jener Verbrechen und Fehler, die sie selbst begangen hatten.
Das haben wir nie hingenommen und das haben wir offen auf dem Treffen der
81 kommunistischen Parteien in Moskau 1960 ausgesprochen. Das ist der Grund,
weshalb sie uns vorwerfen, Stalinisten zu sein. Aber wir sind Marxisten-Leninisten-
Stalinisten und wir setzen alles um, was für den Sozialismus in Albanien gut ist.
Was den Namen Lenin angeht, so haben sie ihn bewahrt, um ihre konterrevolutio-
nären Aktivitäten zu tarnen.
Zur Zeit versuchen die neuen sowjetischen Führer, wie es scheint, den Westen
damit einzuschüchtern, dass sie Andeutungen machen, Stalin zu 'rehabilitieren'.
Aber es ist eine Tatsache, dass sie ihre konterrevolutionären Ansichten, die sie
von ihm trennen, beibehalten. Deshalb lassen wir uns durch ihre Drohungen mit
Stalins 'Rehabilitierung' nicht täuschen - und nicht nur wir! Selbst der Westen
wird dadurch nicht getäuscht.
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Gedenkveranstaltung
Am 21. April (1985 - Übers.) fand eine Gedenkveranstaltung zum Leben und zum Werk
Enver Hoxhas, die von der Revolutionären Kommunstischen Partei Großbritanniens
(Marxisten-Leninisten) organisiert wurde, statt, deren Generalsekretär eine Delegation
zum Begräbnis in Tirana geleitet hatte.
Er beschrieb auf lebendige Weise das Begräbnis und sagte, dass die Delegation nie
zuvor eine solche Trauer wie die, welche von den Hundertausenden gezeigt wurde, die
die Straßen säumten, erlebt habe.
Die Jungen Pioniere auf dem Skanderberg-Platz bewegten die Delegierten mit ihren
Rufen 'Partei, Enver - wir sind allzeit bereit!', wobei ihnen Tränen das Gesicht herunter-
liefen. Sie schwenkten ihre roten Halstücher, als der Sarg vorbeikam.
Ein Vertreter des Zentralkomitees der Partei sprach dann über das Leben und die Leist-
ungen Enver Hoxhas. Die Veranstaltung schloss mit dem Singen der Internationale.