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W. B. Bland & N. Steinmayr
Zwei Artikel zu Albanien und Enver Hoxha, 1985 und 1993
Erster Artikel:
(Geschrieben 1985, vor der Zerstörung des Sozialismus in Albanien)
"Enver Hoxha als internationaler Staatsmann"
Vortrag von
Bill Bland
vor der Albanischen Gesellschaft,
(aufgeschrieben von Norberto Steinmayr)
"Ich glaube, dass das Thema meines Vortrages - 'Enver Hoxha als internationaler
Staatsmann' - etwas Stirnrunzeln erzeugt hat. Bei den meisten Menschen gelten Ronald
Reagan und Michail Gorbatschow als internationale Staatsmänner, unabhängig davon,
ob sie mit deren Politik einverstanden sind oder nicht. Enver Hoxha jedoch war der
führende Politiker eines kleinen Landes von der Größe von Wales, mit einer Einwohner-
zahl von weniger als drei Millionen. Kann der führende Politiker eines kleinen Landes
überhaupt der führende Politiker oder die führende Politikerin von Weltformat sein?
Es sind jedoch erst einige Jahre her, als Zehntausende durch die Straßen der Städte
in aller Welt zogen und dabei begeisternd den Namen Ho Chi Minh riefen. Hos Politik
war nicht die Enver Hoxhas, er war jedoch auch der Vertreter eines kleinen Landes,
das den mächtigen Vereinigten Staaten ihre erste militärische Niederlage in ihrer Ge-
schichte zufügte.
Auch Albanien hat sich Versuchen der Einverleibung, der Invasion, der Zerstücke-
lung und der Destabilisierung von Seiten Griechenlands, Jugoslawiens, von der Sowjet-
union nach Stalins Tod, von China, Großbritannien und den Vereinigten Staaten erfolg-
reich widersetzt. Es hat eine geplante sozialistische Wirtschaft aufgebaut, die in der
Welt noch ihresgleichen sucht.
Wie konnte es geschehen, dass Albanien in den letzten vierzig Jahren einen solch
andersartigen Entwicklungsweg gegangen ist als den, den andere Länder Südost-Euro-
pas gefolgt sind?
Der Grund kann nicht in irgendwelchen geographischen oder historischen Besonder-
heiten Albaniens gesehen werden. Er liegt in dem besonderen Charakter der Führung der
politischen Partei, die die führende Kraft in der albanischen Gesellschaft in diesen vier-
zig Jahren gewesen ist. Und es war Enver Hoxha, der in jener Führung während dieser
vier Jahrzehnte die herausragende Rolle gespielt hat, der im April im Alter von 76 Jahren
gestorben ist.
Einige Leute haben sich überrascht darüber gezeigt, dass fast unsere gesamte Pres-
se, das Radio und das Fernsehen über den Tod Hoxhas in solch einer bösartigen Feind-
seligkeit berichtet haben. Sie sollten jedoch keineswegs überrascht sein.
Der erfolgreiche Aufbau einer geplanten sozialistischen Gesellschaft in Albanien -
einer Gesellschaft ohne Profit, ohne Millionäre, ohne Arbeitslosigkeit, ohne Inflation,
ohne Steuern und mit ständig steigendem Lebensstandard - stellt eine Bedrohung für
all das dar, was die 'Sunday Times' und die BBC als 'westliche Zivilisation' hochhalten.
Enver Hoxha wäre über die Nachrufe in den britischen Medien nicht überrascht ge-
wesen. Wenn die britische Presse jemanden lobt, der sich 'Sozialist' nennt, dann ist
es an der Zeit, die Echtheit seines 'Sozialismus' in Frage zu stellen. Und natürlich
zeitigt diese feindselige Propaganda nicht immer die Erfolge, die sie erzielen möchte.
In der Woche, nachdem diese Nachrufe veröffentlicht waren, gingen bei der Albanischen
Gesellschaft mehr Aufnahmeanträge ein als in jedem einzelnen Monat in den vergange-
nen fünfundzwanzig Jahren. Ein Bergmann aus Wales schrieb mir:
"Nachdem ich die Zeitungsberichte zum Tod vom Enver Hoxha gelesen hatte,
erweckt die Erfahrung, die ich während der zwölf Monate des Bergarbeiter-
streiks mit der Presse gemacht habe, bei mir den Wunsch, mehr über Albanien
zu wissen."
Andererseits waren natürlich einige Leute durch die Propaganda irregeführt worden.
Ich erhielt mehrere Briefe, in denen es hieß:
"Ich verstehe nicht, weshalb Sie in ihrem Protestbrief an die BBC bestritten,
dass Enver Hoxha ein 'Diktator' war. Dabei beschreibt doch die albanische
Verfassung den albanischen Staat als 'Diktatur'."
Ja, das tut sie tatsächlich.
Jedoch beschreibt sie den albanischen Staat als die 'Diktatur der Arbeiterklasse',
nicht die eines Einzelnen. Dies bedeutet ganz einfach, dass die politische Macht in Al-
banien sich in der Hand der Arbeiterklasse befindet, dass die Arbeiterklasse regiert.
Die Albaner sehen die 'Diktatur der Arbeiterklasse' nicht als Gegensatz zur Demokra-
tie an. Im Gegenteil: Wenn sie den Begriff 'Demokratie' im klassischen griechischen
Sinn als die 'Herrschaft des einfachen Volkes' gebrauchen, dann behaupten sie, dass
die Macht der Arbeiterklasse die einzige wahrhafte Demokratie darstellt.
Die Partei der Arbeit Albaniens sieht Großbritannien als eine Diktatur an, als einen
Staat, in dem die politische Macht sich in den Händen des Großkapitals befindet. Aber
sie leiten daraus nicht ab, dass Margaret Thatcher ein Diktator ist. Trotzdem verfügt
die führende Politikerin der herrschenden Partei in Großbritannien über mehr Macht als
der Führer der herrschenden Partei in Albanien. Er oder sie ist automatisch Premier-
minister/in und besitzt das Recht, die Minister zu ernennen und zu entlassen.
Die Führung der Partei der Arbeit Albaniens, die den Kern der albanischen Gesell-
schaft darstellt, ist immer eine kollektive Führung gewesen, obwohl Enver Hoxha in
dieser Führung herausragte. Diese herausragende Position jedoch war das Ergebnis
von Hoxhas außergewöhnlichen Fähigkeiten und seinem hingebungsvollen Dienst an
das arbeitende Volk und der Respekt und die Liebe, die ihm zuteil wurden, ergaben
sich aus diesen Fähigkeiten.
Sehen wir uns etwas genauer die Ursachen für Albaniens einzigartigen gesellschaft-
lichen Entwicklungsweg an.
Heute unterscheidet sich das gesellschaftliche System in Griechenland sehr stark
von dem im benachbarten Albanien. Aber noch 1944 war die Lage in beiden Ländern
sehr ähnlich: Beide befanden sich unter deutscher Besatzung; beide hatten nationale
Befreiungsbewegungen, die von den jeweiligen kommunistischen Parteien geführt wur-
den; beide besaßen rechtsgerichtete pseudo-'nationalistische' Bewegungen, die von
britischem Gold und britischen Waffen unterstützt wurden und die die nationalen Be-
freiungsbewegungen in Kollaboration mit den Nazis bekämpften; in beiden Ländern
landeten britische Truppen, um angeblich bei der Befreiung zu 'helfen'.
Es war die unterschiedliche Antwort der beiden kommunistischen Parteien, die zu
den unterschiedlichen Ergebnissen in den beiden Ländern führte.
Die Führer der so genannten 'Kommunistischen Partei Griechenlands' unterzeichne-
ten einen Waffenstillstand mit den rechtsgerichteten Kollaborateuren, unterstellten ihre
Streitkräfte dem Kommando der rechten Exilregierung sowie dem britischen Oberbe-
fehlshaber und hießen die britischen Truppen willkommen.
Die Führer der Kommunistischen Partei Albaniens - heute die Partei der Arbeit -
vernichteten die Einheiten der Kollaborateure, bedankten sich bei den britischen Trup-
pen für ihr 'Hilfsangebot', aber drangen darauf, dass sie albanischen Boden verließen,
was diese dann taten.
Betrachten wir einen weiteren Aspekt von Albaniens einzigartigem Entwicklungsweg.
1945 folgten die Länder Osteuropas (außer Griechenland) dem Vorbild der Sowjet-
union unter Lenin und Stalin bei der Schaffung einer geplanten sozialistischen Gesell-
schaft, die auf den Prinzipien des Marxismus-Leninismus beruhte.
Heute ist es nur noch Albanien, das sich weiter an diesen Prinzipien orientiert.
Dies ist allerdings nicht der Eindruck, den man aus den Seiten der 'Prawda' ge-
winnt (Sie vermittelt den Eindruck, dass sich auch die Sowjetunion weiterhin an jenen
Prinzipien orientiert - Übers.) Aber wie unsere 'populäre' Presse ist sie inzwischen
eine Zeitung, der es nicht um die Wahrheit geht, sondern um die Desorientierung der
Massen.
Wenn man sich allerdings die sowjetischen Fachzeitschriften für Wirtschaft genauer
ansieht, dann ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die so genannten 'Wirtschaftsreformen',
die nach dem Tod Stalins eingeführt wurden, haben mit der zentralen Wirtschaftsplan-
ung Schluss gemacht; das Gewinnstreben eines jeden Betriebes ist wieder zum
Antrieb und Regulator der Produktion geworden.
Es ist zwar so, dass diese Gewinne - ähnlich wie bei den üblichen 'Gewinnbeteili-
gungsmodellen' im Westen - an das gesamte Personal eines Betriebes ausgeschüttet
werden. Sie werden jedoch nach dem Prinzip der 'Verantwortung für die Gewinnentste-
hung' verteilt, was nichts anderes bedeutet, als dass der Löwenanteil davon dem Ma-
nagement zufällt. Nach den jüngsten Statistiken entfallen 51% der Gewinne auf die
Arbeiter, die 96% des Personals ausmachen, und 49% auf das Management, das 4%
des Personals ausmacht.
Die Wiedereinführung des Profitprinzips in der Sowjetunion bedeutet, dass man wie-
der von den Marktkräften abhängig geworden ist, von dem Gesetz von 'Angebot und
Nachfrage'. Das bedeutet, dass es - wie anderswo auch - oft profitabler ist, Luxusgüter
für die Reichen herzustellen als lebensnotwendige Güter für die arbeitenden Menschen.
Enver Hoxha beschrieb die moderne sowjetische Gesellschaft als im Grunde kapi-
talistisch, in der die arbeitenden Menschen von einer neuen herrschenden Klasse, ei-
ner neuen kapitalistischen Klasse - den Betriebsdirektoren - ausgebeutet würden. Er
wies darauf hin, dass alle negativen Erscheinungen, die mit dem Kapitalismus verbun-
den werden, wieder erneut aufgetaucht sind, wie 'Überproduktions'krisen, Inflation, Ar-
beitslosigkeit usw.
Es ist zwar richtig, dass die sowjetischen Fachzeitschriften nicht von 'Arbeitslosig-
keit' sprechen, sondern nur von 'überschüssiger Arbeit'. Um dieses Problem zu lösen,
ist ein 'Jugendbeschäftigungspropramm' ins Leben gerufen worden sowie eine offizielle
Kampagne, dass 'der Platz einer Frau das Heim' ist! Leserbriefe werden veröffentlicht,
in denen zwar nicht ein 'Arbeitslosengeld' gefordert wird, dafür aber 'Stipendien' für Ar-
beiter, die sich 'zwischen Jobs' befinden.
Eine solche Entwicklung hat sich - teils schneller, teils langsamer - in allen ehemals
sozialistischen Ländern Osteuropas vollzogen, außer in Albanien.
Während die albanische Verfassung die Annahme ausländischer 'Hilfen' und die
Aufnahme von Krediten verbietet, sind die anderen Länder nicht nur an die Sowjetunion,
sondern auch an westliche Kreditinstitute verschuldet. Die Verschuldung Bulgariens
in harter Währung beläuft sich auf $9 Mrd., die Ungarns auf $10 Mrd., die Jugoslawiens
auf $19Mrd. und die Polens auf $26 (wovon es noch nicht einmal mehr die fälligen Zin-
sen zurückzahlen kann).
Offizielle Zahlen belegen, dass die Reallöhne der Arbeiter in Polen zwischen 1981
und 1984 um mehr als 30% gesunken sind.
In Polen liegt die Inflationsrate jährlich bei 38%, in Jugoslawien bei 57%.
Die Arbeitslosenrate liegt in Jugoslawien bei 13% der aktiven Bevölkerung, in der
Provinz Kosova bei 30%.
Es gab natürlich auch in Albanien prominente Persönlichkeiten, die versuchten, Al-
banien auf einen ähnlichen Weg zu führen, den Hoxha als 'kapitalistische Entartung'
bezeichnet hat.
Es war in erster Hoxha, der den ideologischen Kampf gegen die Ansichten dieser
Individuen führte. Diese Auseinandersetzungen werden in unserer Presse gewöhnlich
als 'persönliche Machtkämpfe' porträtiert. Es gab nichts dergleichen. Es handelte sich
in jedem einzelnen Fall um Auseinandersetzungen über Prinzipien, wobei Hoxha sich
erfolgreich für die Wahrung der Unabhängigkeit und des Sozialismus in seinem Lande
eingesetzt hat.
Ob man nun Sozialist ist oder nicht - die Frage des Sozialismus, wie er zu erreichen
ist und wie man ihn aufrechterhalten kann - ist eine Frage von internationaler Tragweite.
Der Marxismus-Leninismus hat stets behauptet, dass der Staat in kapitalistischen
Ländern - unabhängig von seinen parlamentarischen Verzierungen - in Wirklichkeit die
Diktatur des Großkapitals darstellt. Er hat deshalb auch immer behauptet, dass dieser
Staatsapparat der Gewalt gegen jeden Versuch, eine sozialistische Gesellschaft zu
errichten, eingesetzt werden wird, so dass die arbeitenden Menschen auf den revolutio-
nären Kampf vorbereitet sein müssen. Er hat auch stets betont, dass der Glaube, dass
grundlegende Änderungen allein durch den Gang zur Wahlurne erreicht werden können,
eine gefährliche Illusion darstellt. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass es zu einem lang-
wierigen und blutigen Bürgerkrieg kommen muss - die Zahl der Menschen, die im Ver-
lauf der Oktoberrevolution in Russland starben war weit geringer als die Zahl derer, die
in Manchester an einem typischen Sommersonntag auf der Straße sterben. Hoxhas
berühmter Spruch lautete:
"Je besser die arbeitenden Menschen auf den revolutionären Kampf vorberei-
tet sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem friedlichen
Übergang zum Sozialismus kommt."
Die meisten alten kommunistischen Parteien haben jedoch diese grundlegenden
Lehrsätze des Marxismus-Leninismus zugunsten der Vorstellung vom 'parlamentari-
schen Übergang zum Sozialismus' zurückgewiesen. Hoxhas Worten zufolge sind sie
zu 'Revisionisten' geworden; sie haben den Marxismus-Leninismus 'revidiert', indem
sie seinen eigentlichen Kern verworfen haben.
Im Kampf gegen den 'modernen Revisionismus' spielte Enver Hoxha, der sein
ganzes Leben lang an den marxistisch-leninistischen Prinzipien festhielt, die führen-
de Rolle. Und wie ich schon sagte, ob man Sozialist ist oder nicht, dies sind Fragen
von internationaler Bedeutung. Hoxhas führende Rolle in diesen Fragen macht ihn
auch in dieser Beziehung zu einer weltweit bedeutsamen Persönlichkeit.
Darüberhinaus war er Autor einer ganzen Reihe von Büchern, nicht nur über Alba-
nien, sondern auch über Jugoslawien, die Sowjetunion, China, den Mittleren Osten usw.,
welche für jeden, der sich ernsthaft mit internationaler Politik befassen möchte, unent-
behrlich sind.
Aber als der eigentliche Erbauer des sozialistischen Albanien sind es die Führungs-
qualitäten Enver Hoxhas, die am deutlichsten und markantesten hervortreten.
Innerhalb von vierzig Jahren hat sich Albanien von einem der rückständigsten Län-
der Europas zu einem fortgeschrittenen Industriestaat entwickelt.
Wo sonst in der Welt findet man keine Arbeitslosigkeit vor und das Recht auf Ar-
beit in der Verfassung verankert?
Wo sonst findet man Wohnungsmieten, die 3% des Einkommens ausmachen?
Wo sonst findet man keine Abgaben, Steuern oder Sozialbeiträge zusammen mit
einem kostenlosen Gesundheitsdienst?
Wo sonst findet man nicht beitragspflichtige Renten vor, die 70% des Gehalts aus-
machen, die in einigen Beschäftigungszweigen ab 55 Jahren ausgezahlt werden?
Der Besucher verlässt Großbritannien mit seinen verödeten Industrielandschaften,
mit seinen vier Millionen Arbeitslosen, mit seinen schrumpfenden Sozialleistungen und
kommt nach Albanien, um dort ein Land vorzufinden, das eine einzige große Baustelle
ist, ein Land, dessen Einwohner Grund haben darauf zu bauen, dass ihr Lebensstan-
dard jedes Jahr mit dem Anstieg der Produktion anwachsen wird.
Einige Zeitungsreporter, die Albanien besucht haben, meinen, dass Albanien 'lang-
weilig' sei.
Sie finden dort keine Striptease-Lokale wie in Soho, keine Spielkasinos wie in May-
fair, keine pornografischen Zeitschriften, keine Heroindrücker, keine 'Pop'-Musik. En-
ver Hoxha meinte einmal:
"Unsere jungen Leute brauchen keine Drogen, um aus der Realität zu fliehen."
Vielleicht finden diese Reporter albanische Sportveranstaltungen langweilig, weil
man dort zu einem Fußballspiel gehen und das auswärtige Team anfeuern kann, ohne
zu riskieren, dass man ein Messer in den Rücken bekommt!
Wo außer in Albanien kann man ins Kino zum Eintrittspreis von umgerechnet 15
Pence gehen?
Welches andere Land der Welt mit einer Einwohnerzahl von weniger als drei Millio-
nen besitzt sieben Symphonieorchester und produziert etwa 15 Dokumentarfilme pro
Jahr?
Vielleicht sind jenen, die Albanien 'langweilig' finden, die kulturellen Werte korrum-
piert worden!
Man braucht sich nur Bilder von Albanien aus der Zeit vor 1939 anzusehen - Bilder,
die seine äußerste Rückständigkeit belegen, seine armen arbeitenden Menschen, die
nicht lesen und schreiben können, zeigen, um zu verstehen, welchen Respekt und
welche Zuneigung die überwältigende Mehrheit der Albaner für den Hauptarchitekten
ihres sozialen Fortschritts haben - Enver Hoxha, um den aufrechten und spontanen
Schmerz zu verstehen, der bei seinem Begräbnis gezeigt wurde.
Es sollen mehrere Denkmäler für Enver Hoxha in Albanien errichtet werden.
Aber der einfache Albaner könnte durchaus mit den Worten der Inschrift für unseren
Christopher Wren in St. Paul's Cathedral sagen:
"Wenn du ein Denkmal suchst, dann schau dich um!"
Ich möchte damit schließen, Euch die Übersetzung eines Gedichts vorzulesen, das
am Tage nach Hoxhas Tod geschrieben wurde. ... Es drückt sehr ausdrucksvoll, wie
ich finde, die Gefühle der meisten Albaner aus. ..."
Zweiter Artikel:
(1993 geschrieben, nach der Zerstörung des Sozialismus durch das revisionistische
Alia-Regime in Zusammenarbeit mit der internationalen Reaktion)
"Zur Verteidigung Enver Hoxhas"
Bill Bland & Norberto Steinmayr,
(ehemalige Sekretäre der Albaniengesellschaft in GB)
Die Frage der Diktatur
Einer der Hauptvorwürfe, die seitens des gegenwärtigen Regimes in Albanien und sei-
ner Anhänger gegen Enver Hoxha erhoben wurde, bestand darin, dass in der Zeit, als
er Generalsekretär bzw. Erster Sekretär der Partei der Arbeit Albaniens war, der albani-
sche Staat die Form einer 'Diktatur' angenommen habe.
Im marxistisch-leninistischen Sinne ist diese Behauptung zweifellos richtig.
Im zweiten Artikel der Verfassung von 1976 heißt es stolz:
"Die Sozialistische Volksrepublik Albanien ist ein Staat der Diktatur des Pro-
letariats, der die Interessen aller arbeitenden Menschen ausdrückt und verteidigt."
('Verfassung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien', Tirana 1989, S. 7).
Tatsächlich behauptet der Marxismus-Leninismus, dass alle Staaten Diktaturen der
einen oder anderen sozialen Klasse sind - dass der britische Staat zum Beispiel ein
Staat der Diktatur des Großkapitals ist.
'Menschenrechte'
Das gegenwärtige Regime in Albanien und seine Anhänger behaupten, dass der
Staat im sozialistischen Albanien im Grunde gegen die 'Menschenrechte' gerichtet
gewesen sei.
Die Frage der 'Menschenrechte' ist in Großbritannien lange Zeit wie ein Fußball
behandelt worden. Die Vereinigten Staaten zum Beispiel mögen in Lateinamerika die
grausamsten Marionettendiktaturen unterstützen, deren 'Todesschwadrone' organisier-
te Morde an Tausenden von Regimegegner begehen, ohne dass die britische Regie-
rung oder die britische Presse auch nur den leisesten Protest erhebt. Für sie ist das
einzige Kriterium dafür, ob in einem Lande die 'Menschenrechte' existieren oder nicht,
dasjenige, ob oder nicht das Recht des 'freien Unternehmertums' besteht, d.h. das
Recht von Kapitalisten, ausländischen oder inländischen, Profite aus der Arbeit der
arbeitenden Menschen zu ziehen.
Im sozialistischen Albanien war in der Verfassung niedergelegt, dass
"..die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt und verboten ist."
(Ebenda, S. 13).
Das 'Recht auf Ausbeutung' taucht auf keiner international anerkannten Liste von
Menschenrechten auf. Jedoch bei dem 'Recht auf Arbeit' ist dies der Fall! In Artikel
6 der 'Internationalen Konvention über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte'
(die von den Vereinten Nationen im Dezember 1966 angenommen wurde) heißt es:
"Die Unterzeichnerstaaten der vorliegenden Konvention erkennen das Recht
auf Arbeit an, welches das Recht eines jeden beinhaltet, eine Arbeitsstätte
frei zu wählen und anzunehmen, durch die er seinen Lebensunterhalt verdie-
nen kann und werden geeignete Schritte unternehmen, dieses Recht zu ge-
währleisten."
('Internationale Konvention über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte',
in: Edmund J. Osmanczyk, 'Enzyklopädie der Vereinten Nationen und Interna-
tionaler Beziehungen', New York 1990, S. 400).
In der Sozialistischen Republik war dieses 'Recht auf Arbeit' schriftlich in der Ver-
fassung niedergelegt:
"In der Sozialistischen Volksrepublik Albanien haben die Bürger das Recht
auf Arbeit, welches vom Staat garantiert wird."
('Verfassung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien', ebenda, S. 23).
Diese Garantie wurde verwirklicht:
"In der Vergangenheit ... hatte jeder eine Arbeit."
(Nachrichtendienst des 'Economist': 'Länderprofil Albanien', 1992-93, S. 35).
Einschränkung der politischen Betätigung
Zusammen mit dem Vorwurf der 'Diktatur', der von dem gegenwärtigen Regime und
seinen Anhängern gegen Enver Hoxha erhoben wird, wird die Behauptung aufgestellt,
dass in der Zeit, als er an der Spitze der Partei der Arbeit stand, die antisozialistische
politische Betätigung verboten war.
Auch dies ist richtig. In Artikel 55 der sozialistischen Verfassung hieß es:
"Die Bildung jeder Art von Organisationen mit ... antisozialistischer Zielsetzung
ist verboten. ...Antisozialistische Betätigung und Propaganda ... sind untersagt."
('Verfassung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien', ebenda, S. 26).
Jedoch heißt es in Artikel 5 der 'Internationalen Konvention über wirtschaftliche, so-
ziale und kulturelle Rechte' ausdrücklich:
"Nichts in der vorliegenden Konvention darf so ausgelegt werden, dass daraus
für irgendeinen Staat, eine Gruppe oder Person das Recht abgeleitet wird, eine
solche Betätigung auszuüben, die auf die Beseitigung der Rechte oder Freihei-
ten abzielt, welche hierin anerkannt werden."
('Internationale Konvention über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte',
in: Edmund J. Osmanczyk, ebenda, S. 400).
Aber wie Millionen von Menschen in der Welt durch bittere Erfahrung wissen, ist die
Vollbeschäftigung in einem Wirtschaftssystem unmöglich, das auf dem Gewinnstreben
beruht, denn hier wird der Arbeiter nur eingestellt, wenn bestimmte Kapitalisten anneh-
men, dass sie aus seiner Arbeit Profit ziehen können.
Nur ein sozialistisches System, in dem die Produktion für den größtmöglichen Wohl-
stand der arbeitenden Menschen geplant wird, kann das Recht auf Arbeit verwirklichen.
Daraus folgt, dass das Verbot antisozialistischer Betätigung und Propaganda sich
nicht im Widerspruch zu den Menschenrechten befand, sondern dazu diente, ein ele-
mentares Menschenrecht, das 'Recht auf Arbeit', zu verteidigen.
'Wirtschaftliche Stagnation' im Sozialismus?
Ein weiterer Vorwurf, der gegen Enver Hoxha vom gegenwärtigen Regime in Alba-
nien und seinen Anhängern erhoben wird, ist der, dass in der Zeit, als er die Partei
der Arbeit Albaniens führte, die albanische Wirtschaft unter einer Stagnation litt,
die dazu führte, dass Albanien ein 'armes Land' wurde.
Die Tatsachen geben ein völlig anderes Bild ab:
Aus den amtlichen Statistiken (deren Objektivität von bekannten britischen Öko-
nomen bestätigt wird) geht hervor, dass zwischen 1951 und 1985
1. die landwirtschaftliche Produktion um das 4,5 fache;
2. der Einzelhandelsumsatz pro Kopf um das 5,5 fache;
3. die Industrieproduktion um das 16,2 fache;
4. die Chromproduktion um das 30,9 fache;
5. die Stromproduktion um das 217,1 fache und
6. die Chemieproduktion um das 585,8 fache anstiegen.
('Statistisches Jahrbuch der SVR Albanien, 1988', Tirana 1988, SS. 81, 87, 122).
Diese hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten waren das Ergebnis des planwirt-
schaftlichen Systems, das zu jener Zeit in Albanien existierte. In Artikel 25 der so-
zialistischen Verfassung hieß es:
"Der Staat organisiert, leitet und entwickelt das gesamte wirtschaftliche und
soziale Leben durch einen einheitlichen Gesamtplan, um die ständig zuneh-
menden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen."
('Verfassung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien', ebenda, S. 16).
Vielleicht wurden aber die Ergebnisse dieser hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten
ungerecht verteilt?
Ganz im Gegenteil. Das sozialistische Albanien war sehr auf Gleichheit bedacht.
Es gab kein unverdientes Einkommen und die Höhe des Einkommens befand sich
in genauer Übereinstimmung mit der Quantität und Qualität der geleisteten Arbeit:
"In der Sozialistischen Volksrepublik Albanien wird das Prinzip 'Jeder nach
seinen Fähigkeiten, jeder nach seiner Arbeit' verwirklicht" ..
('Verfassung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien', ebenda, S. 18).
..und es gab eine
"Begrenzung der Einkommensunterschiede auf ein Verhältnis von maximal 2:1", ..
(William B. Bland: 'Albanien', Internationale bibliographische Reihe, Band
94, Oxford 1988, S. 162).
..welche gesetzlich verankert war.
Dass Albanien ein relativ armes Land war, lag nicht an der 'wirtschaftlichen Stag-
nation' im Sozialismus, sondern an der erschreckenden ökonomischen Rückständig-
keit, die es aus der Vergangenheit geerbt hatte.
Trotz der Abwesenheit von Luxusgütern, berichteten ausländische Besucher, dass
die Menschen gut ernährt, gut gekleidet und mit gutem Schuhwerk versehen waren
und dass man keine Anzeichen solcher Erscheinungen wie Unterernährung und Ob-
dachlosigkeit, welche in wirtschaftlich sehr viel höher entwickelten Ländern anzutref-
fen sind, feststellen konnte.
Tatsächlich besaß das sozialistische Albanien einige der besten sozialen Dienst-
leistungen der Welt. Die Renten betrugen zum Beispiel 70% des Einkommens, das
jemand zur Zeit seines In-den-Ruhestand-Tretens verdient hatte. Der Staat ließ etwa
15.000 neue Wohnung pro Jahr bauen und 80% der Bevölkerung wohnte in Wohnun-
gen, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden waren und bezahlten eine mo-
natliche Miete, die etwa dem Verdienst von drei Tagen entsprach.
Dieser Anstieg des Lebensstandards widerspiegelt sich in den Statistiken über
die Lebenserwartung, die von 38,4 Jahre 1938 auf 71,6 Jahre 1986/7 stieg ('Statis-
tisches Jahrbuch der SVR Albanien, 1988', ebenda, S. 29).
Es trifft zu, dass Enver Hoxha in den letzten Jahren seines Lebens schwer krank
war und dass einige der heimlichen Antisozialisten in hohen Positionen dies ausnutz-
ten - was bestimmenten Experten, die Albanien besuchten, auffiel - um unwissenschaft-
liche Verfahrensweisen besonders in der Landwirtschaft zur Anwendung zu bringen,
was der Wirtschaft einigen Schaden zufügte.
Das Bild vom gegenwärtigen Albanien wird durch die Tatsache kompliziert, dass
das Regime, welches zur Zeit an der Macht ist, darum bemüht ist, die unzweifelhaf-
ten Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft falsch darzustellen. Leute,
die eine Nachrichtsendung sahen, die in Albanien produziert wurde und die zum Bei-
spiel vernachlässigte Kinder in einem unbeheizten Waisenhaus in Shkodra zeigte,
sollten wissen, dass die Produzenten dieses Machwerks das gleiche Waisenhaus
vor einigen Jahren besuchten und dort Kinder vorfanden, die gut ernährt, sauber und
mit vielen Spielsachen ausgestattet waren. Was ist das für ein Regime, das absicht-
lich hilflose Kinder leiden lässt, um einen Propagandafilm herzustellen mit dem Ziel,
Sympathien und Hilfsleistungen auszulösen!
'Freiheit'?
Das gegenwärtige Regime in Albanien und seine Anhänger erzählen uns, dass nach
vierzig Jahren 'Tyrannei' das albanische Volk jetzt 'frei' sei.
Werfen wir einen Blick auf seine Lage, jetzt, wo das Volk 'frei' ist.
Die langsame, stetige Verbesserung des Lebensstandards unter der sozialisti-
schen Regierung hat einer wirtschaftlichen Katastrophe Platz gemacht. Im Juli 1992
" ... beschrieb Wirtschafts- und Finanzminister Genc Ruli die albanische
Wirtschaft als sich im 'Zustand des Zusammenbruchs' befindlich."
(Nachrichtendienst des 'Economist': 'Länderbericht Albanien', Nr. 3, 1992, S. 43).
Mitte 1992
" ... belief sich die Arbeitslosgikeit nach Schätzungen auf 70% im Landes-
maßstab."
('Facts on File', Band 52, Nr. 2, S. 679, 26. März 1992, S. 213).
Während es in der Sozialistischen Republik keine Inflation gab und die Preise stetig
sanken in dem Maße wie die Produktion anstieg, wurde 1992 berichtet, dass
" ... die Inflation erwartungsgemäß bei über 300% außer Kontrolle bleiben wird."
(Nachrichtendienst des 'Economist': 'Länderbericht Albanien', Nr. 4, 1992, S. 36).
" ... die Preise um bis zu 400% seit ihrer Freigabe bei einer ganzen Reihe von
Produkten im November (1991 - Verf.) gestiegen sind. Die Löhne sind jedoch
auf dem gleichen Stand geblieben."
(Ebenda, Nr. 3, S. 40).
" ... die Produktion 1991 auf 50% des Vorjahresniveaus gesunken ist. ...
Nur die Hälfte der 300 größten Industrieunternehmen produzierte. ...
Während der letzten beiden Jahre ist die Öl- und Gasproduktion um über 45%
gesunken, die von Chrom um 60%, die von Kupfer um etwa 70%, die von Kohle
um ungefähr 50% und die der Leichtindustrie um etwa 60%."
(Ebenda, Nr. 2, S. 44).
" ... die Regierung im August weitere massive Preisanhebungen bei einer großen
Zahl von Waren und Dienstleistungen billigte. Die Fahrpreise im städtischen Nah-
verkehr wurden um das Fünffache angehoben; die Preise für längere Busfahrten
um das 5.5fache; die Fahrpreise für Zugfahrten um das Dreifache. Die Mieten
wurden verdoppelt; die Abgaben für Gas und Zentralheizung wurden verdreifacht;
die Preise für Medikamente wurden im Durchschnitt um das Zweieinhalbfache angehoben."
(Ebenda, Nr. 3, S. 41).
" ...die Löhne nicht mit der Explosion bei den 'Preisen' schrittgehalten haben."
(Ebenda, S. 40).
" ... der Umfang der Spareinlagen um das 155fache zwischen 1950 und 1978
anstieg. ... Bis vor kurzem konnte Albanien noch behaupten, die höchste Spar-
quote der Welt zu haben. Die galoppierende Inflation seit 1991 hat die meisten
Ersparnisse ausgelöscht."
(Ebenda).
Das neue albanische Regime und seine Anhänger behaupten, dass das gegenwärti-
ge Chaos in Albanien eine zeitweilige Erscheinung sei, die sich aus dem Übergang zu
einer privatisierten Wirtschaft ergäbe.
Die kleine bäuerliche Wirtschaft verhindert jedoch die Verwendung vieler Landma-
schinen und die Aufteilung der großen Kooperativfarmen in Kleinlandbesitz ist ein wirt-
schaftlicher Schritt nach hinten. Darüberhinaus wird die zunehmende Abhängigkeit vom
Auslandskapital Albaniens industrielle Entwicklung nicht fördern, sondern zu einem ko-
lonialen Status führen mit einer Konzentration der Produktion auf Rohprodukten und
Feldfrüchten.
Zunehmende Luftverschmutzung
In der Sozialistischen Republik beachtete die Regierung Umweltverfahren, die von
Experten im Westen zwar gutgeheißen wurden, jedoch dort selbst keine Anwendung
fanden. Sie verfolgte eine Politik des billigen und effizienten öffentlichen Nahverkehrs
und des grundsätzlichen Verbots privater Autos.
Im Namen der 'Freiheit' hat das neue Regime diese Politik ins Gegenteil verkehrt:
"Im August dieses Jahres fuhren allein in Tirana wieder 6.000 Privatautos, die
meisten davon Gebrauchtwagen in sehr schlechtem Zustand. ... Die Zahl der
Verkehrsunfälle hat sich vervielfacht und es gab 208 tödliche Unfälle in den
ersten sieben Monaten des Jahres 1992. ...
Die Zunahme von Autos mit größtenteils schlecht gewarteten Motoren hat
sich auch bereits auf den Grad der Umweltverschmutzung in den größeren
Städten ausgewirkt."
(Nachrichtendienst des 'Economist': 'Länderbericht Albanien', Nr. 4, 1992, S. 43).
Demokratie?
Das gegenwärtige Regime in Albanien und seine Anhänger behaupten, dass Albanien
jetzt eine 'Demokratie' im wahrsten Sinne des Wortes sei.
Im Juli 1992 jedoch verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das jede politi-
sche Partei mit 'marxistisch-leninistischem, stalinistischem und Enveristischem'
Charakter verbat. Daraufhin
" ... verbat der Justizminister die Albanische Kommunstische Partei."
(Ebenda, Nr. 3, S. 39).
Das gegenwärtige Regime in Albanien ist eindeutig nicht demokratisch, sondern
neofaschistisch.
Verrat
Nach der sozialistischen Verfassung waren Gewerbeerlaubnisse an ausländische
Firmen, Auslandskredite und Gemeinschaftsunternehmen ('Joint Ventures') verboten,
mit der Begründung, dass, sie zu erlauben, nur bedeuten könne, die nationale Un-
abhängigkeit eines kleinen Staates wie Albanien zu gefährden:
"Die Gewährung von Gewerbeerlaubnissen an und die Schaffung ausländi-
scher wirtschaftlicher und Finanzunternehmen und ähnlicher Institutionen
oder solcher, die zusammen mit ... kapitalistischen Monopolen oder Staaten
gebildet wurden sowie die Aufnahme von Krediten bei ihnen sind untersagt."
('Verfassung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien', ebenda, S. 17).
Dies hatte zur Folge, dass Albanien in der Weise einzigartig war, dass es keinerlei
Auslandsschulden besaß.
Die Neofaschisten, die das neue Regime bilden, haben natürlich keinerlei Inter-
esse an der Bewahrung der albanischen Unabhängigkeit und sind durchaus bereit,
das Land an den Meistbietenden zu verkaufen und das stolze albanische Volk in
halbkoloniale Sklaven, die der einen oder anderen ausländischen Macht gehören,
zu verwandeln:
"Albaniens Auslandsschulden schnellten von $500 Millionen Anfang 1992
auf etwa $800 Millionen im Oktober an."
(Nachrichtendienst des 'Economist': 'Länderbericht Albanien', Nr. 4, 1992,
S. 44).
Für die Generationen vor der Befreiung war die Emigration eine schmerzliches
Los gewesen. Im Mai 1992 appellierte jedoch Präsident Sali Berisha an das Euro-
päische Parlament in Strasburg, die
" ... organisierte Emigration aus Albanien"
('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 38, SS. 38, 920).
zu unterstützen.
Jene, die unter der sozialistischen Regierung wegen politischer Verbrechen wie
Hochverrat zum Beispiel verurteilt worden waren, sollten durch das neofaschisti-
sche Regime belohnt werden. Nach einem Gesetz vom Herbst 1992 können
"ehemalige politische Gefangene und ihre Familien Häuser kostenlos
erwerben. ...
Das Parlament stimmte Anfang September dafür, einen Sonderfonds
für ihre Beschäftigung, ihre Unterbringung und ihre Ausbildungsbedürfnis-
se einzurichten."
(Nachrichtendienst des 'Economist', ebenda, S. 42).
Kriminalität
In der Sozialistischen Republik waren Verbrechen sehr selten. Auf albanischen
Straßen fühlte man sich bei Tag und bei Nacht völlig sicher. Jene, die Albanien be-
sucht haben, werden sich an das Spektakel erinnern, das Zimmermädchen eines
Hotels verursachten, die einem Albturist-Bus hinterherliefen, um Touristen wegge-
worfene Zahnpastatuben zurückzubringen!
"Unter den Kommunisten gab es in Albanien wenig Gewaltkriminalität."
('Facts on File', Band 52, Nr. 2, S. 679, 26. März, S. 213).
Und heute?
"Gewaltverbrechen sind überall in Albanien der 'Washington Post' vom
21. März und der Londoner 'Sunday Times' vom 22. März zufolge zu einer
alltäglichen Erscheinung geworden."
(Ebenda).
"Die Hungerrevolten vom Dezember sind für den weitverbreiteten Zusammen-
bruch von Recht und Ordnung bezeichnend. Bewaffnete Überfälle, organisier-
te Kriminalität, Morde, Plünderungen, Einbrüche und Drogenkriminalität sind
zum Alltagsbild geworden. Niemand ist sicher."
(Nachrichtendienst des 'Economist': 'Länderbericht Albanien', Nr. 1, 1992, S. 38f).
'Gerechtigkeit'
Das derzeitige Regime und seine Anhänger stellen die Behauptung auf, dass jetzt
'Gerechtigkeit' Albanien regiere.
1991 wurde jedoch bekanntgegeben, dass
"die Witwe von Enver Hoxha, Nexhmije Hoxha, die im Dezember verhaftet
wurde, durch ein Militärgericht wegen Korruption unter Anklage gestellt werden soll."
(Ebenda, S. 39).
Der 72-jährigen Nexhmije Hoxha wurde die Haftverschonung aufgrund einer Kaution
verweigert und war über ein Jahr lang in Einzelhaft gehalten worden, bevor ihr Fall end-
lich im Januar 1993 einem Gericht übergeben wurde.
Es stellte sich dann heraus, dass die Staatsgelder, die sie angeblich 'veruntreut' ha-
ben sollte, nur auf umgerechnet 5.900 Euro über fünf Jahre betragen haben, d.h. 1.180
Euro pro Jahr, die sich auf Ausgaben bezogen, die von der Partei der Arbeit für ihre
offizielle Tätigkeit als Vorsitzende der Demokratischen Front und als Witwe Enver Hox-
has bis Dezember 1990 offiziell bewilligt worden waren - Ausgaben, die sie von dem
schmalen staatlichen Gehalt von umgerechnet 150 Euro im Jahr unmöglich selbst tätigen konnte.
Dazu der Kommentar des 'Observer':
"Die Sache ist fadenscheinig. ...
Zeuge auf Zeuge sind vorgetreten, mit weit aufgerissenen Augen, um Loblie-
der auf sie zu singen."
('Observer', 22. Januar 1993, S. 10).
"Die Zeugen der Anklage sprachen sich alle für Frau Hoxha aus und beschrie-
ben sie als 'ehrlich' und 'bescheiden'."
('Guardian, 22. Januar 1993, S. 10).
Jeder objektive Beobachter muss dem zustimmen, was Nexhmije Hoxha in ihrem
Schlusswort vor dem Gericht sagte:
"Es ist offenkundig, dass das eigentliche Ziel des Verfahrens darin besteht,
die Hoxha-Familie politisch zu verfolgen und sie in den Augen der Öffentlich-
keit zu diskreditieren."
('Schlusswort von Nexhmije Hoxha', Tirana, 26. Januar 1993).
Dennoch wurde Nexhmije Hoxha von dem neofaschistischen Militärgericht zu neun
Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Die politische Verfolgung im gegenwärtigen Albanien richtet sich gegen Tausende
jener, die zur Errichtung eines freien, unabhängigen und sozialistischen Albanien beige-
tragen haben.
Ein Verteidiger der nationalen Unabhängigkeit
Enver Hoxha führte den Nationalen Befreiungskampf des albanischen Volkes zur
Befreiung von der Nazi-Besetzung an.
In den Jahren nach der Befreiung stand er an der Spitze des Widerstands gegen
den Druck von Jugoslawien, der poststalinschen Sowjetunion und Chinas, um für das
albanische Volk das Recht zu bewahren, sein eigenes Schicksal selbst zu bestimmen.
Im 15. Jahrhundert wurde der nationale Kampf des albanischen Volkes gegen die
ausländische Besetzung von Skanderberg geführt. Bischoff Fan Noli erzählte uns,
dass als die Türken die Stadt Lezha schließlich besetzen konnten, sie das Grab
Skanderbergs schändeten (Stilian Fan Noli: 'George Castriot Scanderberg, 1403-
1468', New York 1947, S. 70).
Nachdem die neofaschistischen Verräter der neuen 'demokratischen' Regierung
von Albanien in Tirana schließlich die Macht im Mai 1992 übernommen hatten, wurden
" ... die sterblichen Überreste ... von Enver Hoxha und 12 anderen ehemali-
gen Führern der Partei der Arbeit ... vom Friedhof der Märtyrer entfernt."
('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 38, SS. 38, 920).
Zumindest wurde die Schändung des Grabes von Skanderberg von ausländischen,
offen auftretenden Feinden Albaniens vorgenommen. Die Schändung des Grabes von
Enver Hoxha wurde jedoch von Albanern verübt, die sich als 'Patrioten' ausgaben.Nur
Verräter an der Nation konnten eine solche Tat begehen!
Schlussfolgerung
Wir sind der festen Überzeugung, dass wenn die objektischen, geschichtlichen Ab-
läufe von der Propaganda getrennt werden, dass man dann akzeptieren wird, dass
Enver Hoxha ein international bedeutsamer Staatsmann war, ein hingebungsvoller
Patriot und unbeugsamer Verteidiger von Sozialismus und Demokratie - in der ur-
sprünglichen Bedeutung von 'Herrschaft des einfachen Volkes'.